Maeve van Klaveren im Museum More

Kann man gleichzeitig anwesend und abwesend sein? Das geschieht in der Welt von Maeve van Klaveren (Amsterdam, *1977). Die Figuren in ihrem Werk sind nicht vorhanden – zumindest nicht wirklich. Manchmal buchstäblich, weil sie nicht dargestellt, sondern nur als Leere oder Spur vorhanden sind. Manchmal, weil sie so tief in Gedanken versunken sind, dass sie scheinbar woanders sind. Sie sind ruhig, geben Raum. Und genau dieser Raum lädt den Betrachter ein, sich darin zu erkennen – oder etwas völlig anderes darin zu sehen.

Diese Einzelpräsentation, bestehend aus einer Auswahl von 11 Werken, ist noch bis 25. Oktober im Museum MORE in Gorssel zu sehen.

Die Welt in der Nähe

Neben menschlichen Figuren stellt Van Klaveren auch gerne Gegenstände dar, die ihr nahe liegen: einen Blumenstrauß, eine Hauskatze, einen Esstisch. Ihre Arbeit strahlt eine heimelige Atmosphäre aus, ein Frühlingsgefühl – helle Töne, sanfte Farben. Vertraut und einladend. Gleichzeitig gibt es Stimmungen und Emotionen, die man erkennt, ohne sie genau benennen zu können.

Eigene visuelle Sprache

Was ihre Arbeit sofort erkennbar macht, ist nicht nur das Motiv, sondern auch die Art des Zeichnens. Eine naturalistische Darstellung ist kein Selbstzweck: Köpfe können vergrößert sein, aber ausdrucksstark und groß wirken. Sie sucht nach einer etwas anderen Darstellungsweise, bei der Wiedererkennung und ihre eigene visuelle Sprache Hand in Hand gehen. Wenn man das Werk sieht, weiß man sofort: Das ist Maeve van Klaveren.

Von der Mode zum Museum

Diese Individualität zeigt sich auch in ihrem Materialgebrauch. Van Klaveren kombiniert Zeichenmaterialien – Kohle, Buntstift, Pastell- und Aquarellfarbe – und verarbeitet sie austauschbar auf Papier, was ihm eine samtige, fast kuschelige Textur verleiht. Ihr Hintergrund zeigt sich darin: Sie studierte am Amsterdam Fashion Institute und arbeitete im Atelier einer Textilkünstlerin, bevor sie vor etwa zwölf Jahren den Schritt zur autonomen Kunst machte. Ihre Erfahrung als Innenarchitektin – das Dekorieren und Aufhellen von Innenräumen – spiegelt sich auch in den inneren Welten wider, die sie darstellt.

Über Maeve van Klaveren

Van Klaveren wird durch die Moving Gallery (Utrecht) und die Kristin Hjellegjerde Gallery (London, Berlin, West Palm Beach) vertreten. Sie hat international ausgestellt und ihre Arbeiten befinden sich in Privatsammlungen weltweit sowie in öffentlichen Sammlungen, darunter DELA und UMC Utrecht. Nach Einzelausstellungen in der Moving Gallery und der Kristin Hjellegjerde Gallery in Berlin (2024) und London (2025) ist das Museum MORE 2026 der Ort für ihre erste Museums-Einzelpräsentation sein. Drei ihrer Kunstwerke wurden zuvor in den Ausstellungen „Reality Check“ im Museum More in Gorssel und „Cute & Catty“ im Schloss Ruurlo gezeigt, beide im Jahr 2025.

Nähere Informationen: Museum More, Hoofdstraat 28, 7213 CW Gorssel, Telefon: +31 575 760 300, E-Mail: info@museummore.nl

Robin Wen & Bobbi Essers | „Nothing Makes Me Feel As Good“

Wie sieht Freiheit aus, wenn man sie einfängt? In Ölgemälden und Kugelschreiberzeichnungen zeigen Bobbi Essers (*2000) und Robin Wen (*1994) jeweils auf ihre eigene Weise den Wunsch nach Freiheit ihrer Generation. Ihre Arbeit führt einen von chilligen Abenden mit Freunden zu Partys, die bis in die frühen Morgenstunden andauern. Mit geschickter Hand schaffen beide Künstler ruhige, filmische Schnappschüsse. Indem man sorgfältig auswählt, was sie zeigen – und besonders das, was sie weglassen – entstehen Bilder, die mehr aussagen als zeigen.

„Robin Wen & Bobbi Essers | Nothing Makes Me Feel As Good“ ist noch bis 15. November im Garden Room des Museums More in Gorssel zu sehen.

Fragmente einer gemeinsamen Welt

Für ihre Ölgemälde orientiert sich Essers an analogen Fotos ihrer Freunde. Im Großformat nutzt sie präzise Technik, um abrupt geschnittene Fragmente ihrer Welt einzufangen: eine Schulter, einen Ohrring, ein Haarbüschel, eine Umarmung. Diese Details werden zu Bildern verwoben, die sich wie Erinnerungen an einen ausgelassenen Abend anfühlen – Eindrücke, die auch nach dem Ende der Nacht bleiben.

Da Essers ihrem Subjekt nahe steht, entsteht eine spürbare Intimität. Sie lässt Identität und Geschlecht oft bewusst in der Mitte – ihre persönliche Welt öffnet sich so für eine größere Anerkennung. Ihre Arbeit strahlt queere Positivität aus: Auf ihrer Leinwand werden Menschen in ihrem vollen Wesen unsterblich gemacht. Essers fängt den Geist der Generation Z ein: das Abenteuer, das Chillen und die Liebe. In ihren Ausschnitten und unerwarteten Kombinationen liegt etwas, das zugleich sehr persönlich und weithin erkennbar ist: der Zauber der Freundschaft.

Nachtleben in blauen Linien

Wo Essers die Intimität ihrer unmittelbaren Umgebung darstellt, taucht Wen in die Welt der Free Party und der Rave-Kultur ein: freie, oft illegale Partys, bei denen junge Menschen zusammenkommen, um Ekstase und Flucht zu suchen.

Er fängt diese ungezähmte Welt mit außergewöhnlicher technischer Präzision ein. Wen arbeitet hauptsächlich mit einem scheinbar alltäglichen Medium: dem blauen Kugelschreiber. Texturen, Licht und Gesichtsausdrücke werden fast fotografisch dargestellt. Das charakteristische blaue Leuchten verleiht seiner Arbeit eine entfremdende Atmosphäre: Das Nachtleben scheint von der gewöhnlichen Realität losgelöst zu sein.

In seinen Bildern erscheinen leere Partylocations im Morgenlicht und tanzende Figuren ohne Gesichter. Diese Abwesenheit wird zur Kraft: das Unbekannte, das Schwerfassbare, die Widersprüche zwischen Überschwang und Schweigen, zwischen Kollektivität und Einsamkeit. Seine Arbeit dient als Zeugnis einer Subkultur, die zwischen dem Fantastischen und dem Alltäglichen balanciert.

Open-End-Schnappschüsse

Essers und Wen zeigen ihre Realität als Fragmente mit bewusst offenen Enden. Bei Essers wird Raum geschaffen durch das, was sie weglässt: Identität verblasst, Details übernehmen. Wen umarmt das Fremde: Leere Räume und anonyme Körper betonen die flüchtige Natur der Freiheit.

Beide Künstler teilen eine Faszination für den Moment, diesen einen Moment, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Ihre Werke sind keine fertigen Geschichten – sie laden zur Fantasie ein und fordern den Betrachter auf, selbst Verbindungen herzustellen.

In einer Zeit, in der Bilder schnell nacheinander folgen, verlangsamen Essers und Wen ihren Blick. Sie machen das flüchtige Leben ihrer Generation sichtbar und lassen es einfach dort existieren, in all seiner Zerbrechlichkeit, Intensität und Schönheit.

Über Robin Wen

Robin Wen (Taiwan, *1994) lebt und arbeitet in Brüssel. 2018 schloss er sein Studium an der La Cambre, der belgischen Nationalschule für Bildende Kunst, ab und gewann den Woluwe-Saint-Pierre Kunstpreis für seine Zeichnungen. Seine Arbeiten – hyperrealistische Zeichnungen mit Kugelschreiber, verwurzelt in der Free Party und der Rave-Kultur – sind seitdem international durch Messen und Ausstellungen sichtbar geworden. Dies ist das erste Mal, dass sein Werk in einem niederländischen Museum gezeigt wird.

Über Bobbi Essers

Bobbi Essers (Enschede, *2000) lebt und arbeitet in Amsterdam. Sie schloss 2022 ihr Studium an der Utrechter Kunsthochschule ab und erwarb 2024 ihren Masterabschluss am Frank Mohr Institute. 2023 erhielt sie den Royal Award for Painting. Seitdem hat sie an Ausstellungen im In- und Ausland teilgenommen, darunter die Gruppenausstellung Reality Check des Museum More im Jahr 2025.

Nähere Informationen: Museum More, Hoofdstraat 28, 7213 CW Gorssel, Telefon: +31 575 760 300, E-Mail: info@museummore.nl

Mode als Kunst im Schloss Ruurlo

Noch bis zum 28. Juni werden im zum Museum More gehörenden Schloss Ruurlo die revolutionären Kreationen der niederländischen Modeikone Fong-Leng präsentiert. Die Ausstellung konzentriert sich hauptsächlich auf die grellen 1970-er Jahre und Fong-Lengs Beziehung zum ‚lebenden Kunstwerk‘ Mathilde Willink. Neben einer Auswahl einzigartiger, skulpturaler Roben werden dort auch Jeans-Designs gezeigt, die Fong-Leng für Levi’s angefertigt hat. Neue Arbeiten des Modefotografen Ferry van der Nat zeigen ebenfalls, wie zeitgemäß Fong-Lengs Mode immer noch ist.

In diesem Jahr ist es genau 60 Jahre her, dass die niederländisch-chinesische Designerin Carla Maria Fong Leng Tsang (*1937) ihre turbulente Karriere begann. Sie war eine der wenigen weiblichen Modemacherinnen und durchbrach Anfang der 1970-er Jahre das vorherrschende Bild der niederländischen Haute Couture. Alles an Fong-Leng strahlt die damalige Atmosphäre Amsterdams aus. Ihre überschwänglichen, theatralischen Kreationen und auch ihre bahnbrechenden Modenschauen mit mitreißender Disco-Musik sorgen in der angesehenen niederländischen Modewelt für Aufsehen.

Sie entwickelte ihre eigene Signatur und ließ sich unter anderem von ihren chinesischen Wurzeln sowie asiatischen Pflanzen- und Tiermotiven inspirieren. Sie verwendet Materialien wie Leder, Wildleder, Seide und Maraboufedern. Bei der Herstellung ihrer fantasievollen oder exotischen Kreationen wendet sie alte Handwerkstechniken wie Falten, Smocken und Applikationen an. Fong-Leng hat sich nie als Designer, sondern als Modekünstler gesehen. Sie sieht ihre Werke als eigenständige Kunstwerke. „Ich möchte etwas erschaffen, das nicht untergeht. Ja, nenn es das Streben nach Unsterblichkeit“, sagte sie einmal.

Mathilde

Es ist Fong-Lengs Modekunst, die eine starke Bindung zu einer anderen skurrilen Frau schaffen würde. 1971 besuchten Mathilde Willink-de Doelder (1938–1977) aus Zeeland zusammen mit ihrem Ehemann Carel Willink (1900–1983) Fong-Lengs neu eröffneten Laden. Studio Fong Leng in der Amsterdamer P.C. Hoofststraat ist mit Glas und Schiffsmetall dekoriert, Champagner wird serviert, Kleidung wird anprobiert und die Leute tanzen. Die Adresse wird zum Ort für führende niederländische Menschen und sogar internationale Jetsets. Mathildes erster Kauf ist der Beginn einer langjährigen Freundschaft zwischen ihr und Fong-Leng. Sie scheinen dazu bestimmt zu sein, in einer gemeinsamen Arena zu glänzen. Die kostbaren Fong-Leng-Kreationen, die Mathilde von nun an trägt, werden von ihrem Ehemann bezahlt.

Mathilde wird zu einer ikonischen Figur in Amsterdams Straßenszene und Nachtleben werden. Sie fühlt sich wie ein lebendiges Kunstwerk, kauft täglich in voller Montur ein und schminkt sich mit üppigem Make-up, das Willink vorbereitet hat. In Fong-Leng-Kreationen ist Mathilde endlich die geworden, die sie innerlich immer war. Im Gegensatz dazu ist die große Mathilde eine fantastische Botschafterin für Fong-Lengs Werk. Er sagt 1974: „Sie ist eine der liebsten Menschen, die ich gerne um mich habe. Sie ist wirklich ein Schatz. Ein Typ ohne nervige weibliche Kleinigkeiten. Und so ehrlich. Sie kann wirklich alles tragen. So perfekt. Außerdem geht sie überall hin. Sie trägt meinen Namen.“ Fong-Leng schreibt Modegeschichte, während Mathilde so berühmt ist, dass sie nur mit ihrem Vornamen genannt wird.

Enge Bindung

1975 verewigt Carel Willink Mathilde, gekleidet in einem metallfarbenen Leopardenumhang, in einem monumentalen Gemälde. Es ist auch das letzte Porträt, das Willink von seiner Muse und dritten Frau anfertigt. Der Maler hat beschlossen, sich von ihr scheiden zu lassen. Das Dreieck aus Fong-Leng, Mathilde und Willink ist gebrochen. Mathilde verliert jeglichen Halt und stirbt 1977 plötzlich unter mysteriösen Umständen. Fong-Leng kleidet sie für ihre Beerdigung in einen besonderen Hosenanzug: eine letzte Hommage an eine enge Bindung. Eineinhalb Jahre später wird Mathildes sorgfältig gesammelte Garderobe versteigert. Mathilde wünschte sich Berichten zufolge, dass ihre Fong-Leng-Kreationen in einem Museum landen würden. In gewisser Weise ist dieser Traum Wirklichkeit geworden. Mehrere niederländische Museen, darunter das Museum MORE, besitzen Werke von Fong-Leng in ihren Sammlungen.

Kate Bush, Levi’s…

Fong-lengs Karriere endet nach Mathildes Tod nicht. 1979 beispielsweise posiert die junge britische Popstar Kate Bush in einer breiten goldgelben Fong-Leng-Kreation während eines legendären Shootings des Popfotografen Claude Vanheye in einem Amsterdamer Parkhaus. Und Anfang der 80er entwirft Fong-Leng eine Jeanskollektion für Levi’s. Unterdessen ist eine Jeans-Schuppenjacke aus ihrer Hand ein beliebtes Sammlerstück. Sogar ihre Levi’s-Hose von vor 40 Jahren lässt sich noch leicht als modernes Design tragen.

Große Shows

Fong-Lengs Kreativität und Handwerkskunst haben sie vielleicht zur besten Modedesignerin gemacht, die die Niederlande je gekannt haben. Sie hat mit ihrer Arbeit die Grenze zwischen Mode und Kunst verwischt. Sie ließ sich von Conventions nicht aufhalten. Ich habe buchstäblich groß gedacht. Gemeinsam mit ihrem Team organisierte sie große Modeevents an Orten wie der Amsterdamer Beurs van Berlage, dem Tropenmuseum und dem Theater Carré, die 1983 in einer Modenschau im PSV-Fußballstadion gipfelten. Es ist Freitagnachmittag, der 20. August. Popmusik ertönt laut aus Stadionlogen und mehr als 15.000 Fans haben ein Ticket gekauft. Gegen Ende der Show beginnt es zu regnen, Schaufensterpuppen laufen unter Regenschirmen, aber das Publikum jubelt die Modediva von den Tribünen aus und ruft ihren Namen. Fong-Leng ist weiterhin als eigenständige Künstlerin aktiv.

Höhepunkte

In der Ausstellung auf Schloss Ruurlo kann das monumentale Porträt von Mathilde bewundert werden, zusammen mit einer wunderschönen Auswahl aus der Sammlung des Museum MORE: von einzigartigen Fong-Leng-Kreationen aus den 1970-ern bis hin zu Jeansdesigns und Levi’s-Kleidung aus den frühen 1980-ern. Einige Stücke werden erstmals ausgestellt.

Gezeigt werden auch Fotos von Ferry van der Nat (*1965). Dieser niederländische Fotograf mit Studios in Antwerpen und Paris war zunächst als Stylist und Make-up-Artist in der Modewelt tätig. Bekannt wurde er unter anderem durch Arbeiten für Vogue und Viktor & Rolf. Heutzutage konzentriert er sich auf Fotografie, wo er auch mit Künstlicher Intelligenz experimentiert. So hat Van der Nat kürzlich eine Fotoserie gemacht, in der androgyne Models in Fong-Leng-Kreationen posieren. Er manipuliert die Bilder mit KI, um einen entfremdenden Effekt zu erzeugen. Die Kleidungsstücke sind echt, aber ob seine Models und ihre Posen völlig real sind, bleibt unklar. Ferry van der Nat ist ebenfalls Sammler von Fong-Leng-Stücken.

Book Fong-Leng – 60 Jahre Mode und Ruhm: Die begleitende reich illustrierte Publikation beleuchtet die größte Modeikone der Niederlande des 21. Jahrhunderts. Unter anderen mit Beiträgen von Lisa Goudsmit und Julia Dijkstra. Das Buch wurde von Waanders Publishers veröffentlicht und ist in Zusammenarbeit zwischen dem Museum Jan aus Amstelveen und dem Museum More entstanden.

Nähere Informationen: Museum More, Hoofdstraat 28, 7213 CW Gorssel, Telefon: +31 575 760 300, E-Mail: info@museummore.nl

Mehr Frauen! Bremer Künstlerinnen auf Papier – 22. Juli – 8. November

Die Kunsthalle Bremen hat ihre Sammlung von Zeichnungen von Bremer Künstlerinnen im Rahmen eines Forschungsprojektes genauer untersucht und eine bemerkenswerte Erkenntnis gemacht: Im Verhältnis zum männlich geprägten Gesamtbestand der Kunsthalle Bremen bewahrt das Kupferstichkabinett überdurchschnittlich viele Zeichnungen von Bremer Künstlerinnen. Neben Paula Modersohn-Becker tauchen weitere Namen auf, die bislang kaum bekannt sind.

Eine Auswahl von 60 Werken wird in der Ausstellung „Mehr Frauen! Bremer Künstlerinnen auf Papier“ vom 22. Juli bis 8. November in der Kunsthalle präsentiert. Paula Modersohn-Becker genießt heute weltweiten Ruhm. Wer aber kennt ihre Mitstreiterinnen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ebenfalls in der Bremer Kunstszene aktiv waren: Clara Rilke Westhoff, Marie Bock, Anna Plate, Margarethe von Reinken, Agnes Sander-Plump, Dora Bromberger, Elisabeth Noltenius, Gustava Tölken oder Olga Bontjes van Beek?

Die Sammlung von Zeichnungen Bremer Künstlerinnen umfasst insgesamt mehr als 1800 Werke, davon stammt fast ein Viertel von Frauen. Wie kam es zu dieser Schaffenskraft, obwohl Künstlerinnen damals doch systematisch ausgebremst wurden? Bis 1919 durften Frauen beispielsweise nicht an den staatlichen Kunstakademien studieren, sodass ihre Ausbildung erheblich erschwert war. Die Bremer Künstlerinnen setzten sich durch Netzwerkarbeit gegen die Ausgrenzung zur Wehr: Sie gründeten 1899 den „Bremer Malerinnenverband“ oder traten ab 1928 der „Gemeinschaft deutscher und oesterreichischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen“ (GEDOK) bei.

Die Ausstellung verfolgt die Verbindungslinien zwischen den Künstlerinnen sowie ihre Verwurzelung in Bremen und dem Umland: In den Orten Worpswede, Fischerhude und Dötlingen lebten sie Tür an Tür. Dort unterrichteten sie die nachfolgende Generation im Malen und Zeichnen – bewusst in Abgrenzung zu den Akademien. Es sind Künstlerdynastien entstanden wie die Familien Modersohn, Plump oder Breling. Zuletzt sind aus den Bekanntschaften in den Künstlerinnenorten und bei der GEDOK tiefe Freundschaften erwachsen.

Forschungsprojekt

Die Ausstellung bildet den Abschluss des Forschungsprojekts „Handzeichnungen HB“, in dem mehr als 1.800 Zeichnungen untersucht wurden. Die Erschließung umfasste unter anderem die Zuschreibung an eine Künstlerin, die Bestimmung von Motiv, künstlerischer Technik und Objektmaßen sowie die Erfassung von Provenienzmerkmalen. Neben der Ausstellung und einem Katalog werden die Ergebnisse im Online-Katalog der Kunsthalle Bremen und darüber hinaus in übergeordneten Datenbanken wie dem Graphikportal und der Deutschen Digitalen Bibliothek zugänglich gemacht. So stehen sie sowohl der Forschung als auch einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.

Nähere Informationen: Kunsthalle Bremen, Am Wall 207, 28195 Bremen, Telefon: +49 (0)421 – 32 9080, Fax +49 (0)421 – 32908470, E-Mail: info@kunsthalle-bremen.de

Museumszentrum Quadrat feiert 50-jähriges Bestehen

Gemeinsam bilden drei Ausstellungen ein festliches Jubiläumsprogramm, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Museumszentrum Quadrat miteinander verbindet und in einem abwechslungsreichen Rundgang die lebendige und teils visionäre Bottroper Ausstellungs- und Sammlungsgeschichte vorstellt. Im Erweiterungsbau wird eine große Retrospektive des Künstlers, Theoretikers und Wegbereiters der konstruktiv-konkreten Kunst Richard Paul Lohse präsentiert. In der Abteilung Moderne Galerie lädt die Ausstellung 50 Jahre Quadrat zum Entdecken und Mitgestalten ein, während das Museum für Ur- und Ortsgeschichte mit einer Ausstellung zu Museumsleiter Arno Heinrich an die Gründung und die frühen Jahre des Hauses erinnert.

Die Ausstellungen sind am Sonntag, 14. Juni, ab 11 Uhr kostenfrei geöffnet. Geboten werden Kunstgespräche in den Ausstellungen [11.30-13.30/15-17 Uhr] und ein offener Collageworkshop [11-14/15-17 Uhr].

Zum Jubiläumsprogramm im Detail

Richard Paul Lohse – 14. Juni bis 11. Oktober

Das Josef Albers Museum im Museumszentrum Quadrat präsentiert zum Jubiläum eine umfassende Einzelausstellung des Malers, Grafikers und Theoretikers Richard Paul Lohse (*1902 – +1988). Im Jahr 1976 war ihm die erste Einzelausstellung im frisch eröffneten »Quadrat« gewidmet und sein Werk »Drei horizontale Teilungen« (1949/72) stellt den ersten Ankauf des Bottroper Museums und damit den Grundstein der Kunstsammlung »jenseits von Josef Albers« dar. Bei der aktuellen Ausstellung handelt es sich um die erste große Retrospektive von Lohse, einem der Hauptvertreter der konstruktiv-konkreten Kunst, seit mehr als 20 Jahren. Sie erzählt eine wesentliche Episode der Bottroper Museumsgeschichte und verhandelt aktuelle Fragen nach gesellschaftlichen Utopien und sozialer Gleichheit.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Werke von Josef Albers, Günter Fruhtrunk, Rupprecht Geiger, Camille Graeser, Gotthard Graubner, Donald Judd, Verena Loewensberg, François Morellet, Bridget Riley, Jan Schoonhoven, Günther Uecker und Victor Vasarely.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Richard Paul Lohse-Stiftung in Zürich sowie dem MASI Lugano, dem Museum Haus Konstruktiv in Zürich und dem Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen. Zur Ausstellung wird ein umfangreiches Programm mit Führungen und anderen Veranstaltungen geboten.

50 Jahre Quadrat – bis 8. November

In der Abteilung Moderne Galerie lädt »50 Jahre Quadrat« dazu ein, neue Perspektiven auf die reiche Geschichte und die Gegenwart des Museumszentrums zu gewinnen und darüber nachzudenken, wie dessen Zukunft aussehen könnte. Interaktive Stationen bieten Besuchenden die Gelegenheit, sich kreativ mit Josef Albers, dem Museum und seinen Geschichten auseinanderzusetzen und nicht zuletzt das Morgen und Übermorgen des Museums mitzugestalten.

Arno Heinrich – Vom Bergmann zum Museumsleiter – ab dem 14. Juni

Die Ausstellung zu Arno Heinrich (*1929 – +2009) knüpft ebenfalls an das Jubiläum an und thematisiert die eindrucksvolle und einmalige Geschichte des Gründungsdirektors des Museum für Ur- und Ortsgeschichte.

Mit zum Teil erstmals öffentlich gezeigten Funden aus seinen Untersuchungen, Texten, Fotografien und Filmen wird das außergewöhnliche Engagement Heinrichs sichtbar, der als Arbeiter ins Ruhrgebiet kam und aufgrund der spektakulären eiszeitlichen Funde im Bottroper Stadtgebiet zum international vernetzten Museumsleiter wurde.

Auch das Museum für Ur- und Ortsgeschichte beteiligt sich an der Einladung an Besucher, Inhalte und Materialien mitzugestalten. Unter dem Titel »Labor²: Experimentierfeld (im) Museum« steht ab Juni 2026 ein Mitmachtisch in der Eiszeithalle, an dem Abbildungen, Texte und interaktive Methoden ausprobiert werden können. Los geht es im Juni und Juli mit »Findlinge: Klima-Archive der Erde«.

Nähere Informationen: Museumszentrum Quadrat, Josef Albers Museum, Museum für Ur- und Ortsgeschichte, Anni-Albers-Platz 1, 46236 Bottrop, Telefon: 02041 – 37 20 30, Internet: www.quadrat-bottrop.de, Instagram: @museumquadrat. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr, Donnerstag 11 bis 19 Uhr.

Neues aus der Welt der Kunst in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden und manches mehr aus der Welt der Kunst. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Cobra zum Tragen – von Karmen Samson

Das Werk der Nachkriegs-Cobra-Bewegung ist für seine Experimentierfreude und spontane Bildsprache bekannt. In der Ausstellung “Wilde Röcke – Cobra-Kunst als Textilien” im Museum Cobra in Amstelveen sieht man, wie Cobra-Künstler auch Designs für Textilien gestalteten, sodass ihre visuelle Sprache in Kleiderschränken und Wohnzimmern landete.

Auf einer Schaufensterpuppe sticht ein Kleid aus den fünfziger Jahren scharf von einem fliederfarbenen Panel hervor: Mützenärmel, spitzer Kragen, schmale Taille und ein Stoff voller schwingender schwarzer Linien und leuchtend roter, fast blumenhafter Akzente. Unmittelbar beim Eintritt in die Ausstellung wird deutlich, dass die Entwürfe von Karel Appel, Constant, Corneille, Anton Rooskens und Anne Bonnet hier nicht als autonome Kunst gezeigt werden, sondern als Stoffe, die verwendet werden sollten.

Für Cobra-Künstler boten Textilien eine Möglichkeit, ihre visuelle Sprache vom Gemälde zu lösen. Ihre leuchtenden Farben, lockeren Linien und verspielten Formen erwiesen sich ebenfalls als geeignet für wiederholbare Designs auf Stoff, die zu Kleidung oder Möbelpolsterung verarbeitet werden konnten. In dieser angewandten Form erhält es eine zusätzliche Funktion: Es bewegt sich mit dem Körper, verschleißt sich bei der Nutzung und verändert sich, sobald sie Teil eines Innenraums oder Kleiderschranks wird.

Designer und Träger

Dies ist in einem Kleid von 1955-1956 zu sehen, das aus einem von Karel Appel entworfenen Stoff gefertigt wurde. Der Stoff ist mit leuchtend orangefarbenen, gelben und dunkelblauen unvollkommenen Kreisen bedruckt, zwischen denen grüne Streifen und kleine abstrakte Figuren aufgetragen sind. Neben dem Kleid hängt die originale Stoffrolle, auf der die Farben noch leuchtend sind. In getragener Form zeigt das Kleid, wie Waschen und Gebrauch diese Farben allmählich verblasst haben.

Die Ausstellung hebt nicht nur die Künstler, sondern auch die Nutzer hervor. Dies zeigt sich zum Beispiel an einem Kleid von Mrs. Klauderman-Stalknecht mit betonter Taille, leicht ausgestelltem Rock und abgerundetem Schalkragen. 1957 kaufte sie den Stoff, fertigte daraus selbst ein Kleid und schenkte es 1977 dem Kunstmuseum Den Haag. Der Stoff besteht aus organischen Flecken in Grün, Schwarz, Weiß, Lila und Akzenten in Gelb. Das Kleid wird auf einer Schaufensterpuppe präsentiert, vor einem Hintergrund desselben Stoffes in anderen Farben.

Solche Beispiele machen deutlich, wie die Entwürfe oft ihre endgültige Form außerhalb des Studios annahmen. Die Stoffe wurden industriell hergestellt, aber dann von Privatpersonen zu einem Endprodukt verarbeitet. Die Aufmerksamkeit verlagert sich somit vom Künstler zu den Menschen, die die Stoffe auswählten, trugen und damit lebten.

Wilde Röcke in einem gezähmten Raum

Die Präsentation betont auch diese materielle und nutzerorientierte Seite. Die Textilien werden nicht zu unberührbaren Kunstobjekten erhoben, sondern als Stoffrolle oder Utensili gezeigt. Das Design der Ausstellung ist übersichtlich und kontrolliert, mit einer pastellartigen Farbpalette aus Rosa, Grün und Blau. Das sorgt für Klarheit, dämpft aber auch die Energie und Rohheit der ausgestellten Stoffe. Die ‚Wildheit‘ bleibt hauptsächlich im Material enthalten und spiegelt sich weniger im räumlichen Erlebnis wider.

„Wild Skirts“ zeigt einen relativ unterbelichteten Teil von Cobra: die Anwendung ihrer visuellen Sprache in Textilien und damit auch in Mode und Innenraum. Die Auswahl der Objekte macht die Ausstellung stark: Design, Material, Nutzung und persönliche Geschichte kommen zusammen. „Wild Skirts“ zeigt, wie Cobra im Alltag weiterlebte.

Nähere Informationen: Cobra Museum für moderne Kunst, Sandbergplein 1, Amstelveen, Telefon: +31 205475050, E-Mail: info@cobra-museum.nl, Internet: www.cobra-museum.nl

Meisterwerke von Amrita Sher-Gil im Drents Museum ausgestellt

Die lang erwartete Retrospektivausstellung von Amrita Sher-Gil im Drents Museum kann nachgeholt werden. Die Gemälde und Zeichnungen der indischen Künstlerin sind in Assen angekommen, nachdem die Ausstellung im März wegen geopolitischer Spannungen im Nahen Osten in letzter Minute verschoben werden musste.

„Amrita Sher-Gil – Europe is Picasso’s, India is mine“ ist bis Sonntag, 20. September, zu sehen. Es ist das erste Mal, dass eine große Retrospektive Sher-Gil in den Niederlanden gewidmet ist, die als einer der wichtigsten Pionierinnen der modernen indischen Kunst gilt. Ihre Arbeit ist Teil des nationalen Erbes Indiens und verlässt das Land nur selten.

In einem Gespräch mit der Museumstijdschrift bezeichnete der Direktor des Drents Museums, Robert van Langh, die Ankunft der Werke als „einen großartigen Moment“ und sagte weiter: „Was wir Anfang März verschieben mussten, ist nun Realität geworden.“

Die Ausstellung war sechs Jahre in Vorbereitung. Im März beschloss das indische Kulturministerium, die etwa sechzig Gemälde und Zeichnungen aus der Sammlung der National Gallery of Modern Art in Neu-Delhi nicht zu transportieren. Das Drents Museum eröffnete dann die Wechselausstellung „Ode an Amrita“, für die 23 niederländische Museen Werke zur Verfügung stellten, die Themen aus Sher-Gils Leben und Werk entsprachen. Drei Werke aus dieser Ausstellung, von Picasso, Matisse und Braque, werden ebenfalls in der neuen Retrospektive gezeigt werden – Künstler, auf die Sher-Gil selbst in ihrer Erklärung Bezug nahm: „Europa gehört Picasso, Matisse, Braque und vielen anderen. Indien gehört allein mir.“

Nähere Informationen: Drents Museum, Brink 1, 9401 HS Assen, Telefon 0592 377773, E-Mail: info@drentsmuseum.nl, Internet: www.drentsmuseum.nl. Geöffnet ist das Museum in der von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr.

Farbenfrohe Kreuzbestäubung zwischen Gestel und De Smet im Stedelijk Museum Alkmaar

Zwei Kartoffelernten hängen nebeneinander. In einem Werk ist die Szene dunkel und voll, mit soliden Schatten und subtilen Farbunterschieden. Im anderen ist die Komposition minimaler, mit leuchtenderen Farben und strafferen Linien. Das Motiv ist nahezu dasselbe und beide Werke sind in einer verwandten visuellen Sprache gemalt. In der Ausstellung „Gestel und De Smet – farbenfrohe Freundschaft“ werden der Niederländer Leo Gestel (*1881 – +1941) und der Belgier Gustave De Smet (*1877 – +1943) nebeneinander als zwei Künstler gezeigt, die sich nicht nur persönlich, sondern auch künstlerisch stark beeinflussten.

Diese Wechselwirkung zeigt sich in Werken wie De Smets „Kartoffelernte“ (ca. 1930) und Gestels „Kartoffelernte“ (1926), aber auch in Gestels „Liegender Akt“ (1929) und De Smets „De zomer“ (1925). Sie verwenden ähnliche Kompositionen, Farbe und Stil. Während seines Aufenthalts im Haus von Gestel übernahm De Smet Elemente aus Gestels Stil, insbesondere aus dem Kubismus. Gestel wiederum begann, lebhafter mit Farben zu arbeiten, obwohl er weiterhin eine Vorliebe für dunklere Farben hatte.

Auch die Gestaltung der Ausstellung betont diesen Dialog. Jeder Raum hat seine eigene leuchtende Farbe, die überraschend gut zu den ausgestellten Werken passt. Die Texte bieten Kontext für die Freundschaft der beiden Künstler, doch die Stärke der Ausstellung liegt vor allem in der Präsentation: Indem sie ihre Werke direkt nebeneinander aufhängen, werden Ähnlichkeiten, Unterschiede und gegenseitige Einflüsse auf einen Blick sichtbar.

Nähere Informationen: Stedelijk Museum Alkmaar, Canadaplein 1, Alkmaar, Telefon: +31 725489789, E-Mail: info@museumalkmaar, Internet: www.stedelijkmuseumalkmaar.nl

Unseen – Die Fotoausstellung, die man nicht unbedingt sehen muss

„Echtes Sehen geht über das bloße Schauen hinaus. Schließen Sie die Augen und entdecken Sie die außergewöhnlichen Arbeiten von Brent Stirton, Ian Treherne, Evgen Bavcar und Daphne Wageman“, heißt es in einem Artikel der Museumstijdschrift. Diese Fotografen zeigen auf ihre Weise ihre Beziehung zu Blindheit und Sehbehinderung.

Die Fotos werden in unterschiedlichen Formen wie Bildern, Reliefdrucken und Audiobildern präsentiert. Das macht die Ausstellung im muZIEum in Nijmegen interessant und für alle zugänglich. Egal, ob man sehen kann, blind oder sehbehindert ist: Durch Fühlen, Zuhören und Schauen erleben die Besucher Fotografie auf eine neue, überraschende Weise. Für die Ausstellung Unseen haben sich das muZIEum und die Firma Canon zusammengeschlossen, um Fotografie für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich zu machen. Die Ausstellung bietet auch die Gelegenheit, zu erleben, wie es ist, blind oder sehbehindert zu sein.

Nähere Informationen: muZIEum, Ziekerstraat 6B, Nijmegen, Telefon: +31 242001050, E-Mail: info@muzieum.nl, Internet: www.muzieum.nl

Selfie der Soul III

Selfie-Kunst ohne Filter. In dieser Ausstellung im NDSM in Amsterdam präsentieren Künstler Werke, die über die glatten Fassaden der sozialen Medien hinausgehen. Während digitale Plattformen oft ein sorgfältig konstruiertes Bild zeigen, das Erwartungen und Ideale erfüllt, entscheiden sich diese Schöpfer für Offenheit. Sie zeigen Zweifel und Verletzlichkeit, aber auch Stärke, Individualität und einen buchstäblich selbstbewussten Blick.

Die Ausstellung besteht aus einer Reihe von Einzelpräsentationen, die jeweils eine andere Seite der Seele zeigen. In einer Gesellschaft, die zunehmend polarisiert und in eine Schublade gedrängt wird, sucht „Selfie of the Soul“ nach Kunst, die die Person hinter der Maske offenbart. Was passiert, wenn wir uns nicht als Gruppe oder Rolle nähern, sondern uns wirklich als Individuen treffen?

Im dritten Teil zeigen sechs Künstler ihre ungefilterte innere Welt in Einzelauftritten. Durch Installationen, Filme, Gemälde, Fotografien und mehr erleben Sie sowohl Schnappschüsse als auch die kontinuierliche Bewegung der Seele. Themen wie Gleichgewicht und Ungleichgewicht, Schamlosigkeit, das Unvollendete und die Zeitlichkeit der Existenz kommen in diesen intimen Darstellungen zusammen. Die Künstler teilen ihre tiefsten Schichten und persönlichen Perspektiven – alles fließt, alles verändert sich. „Selfie of the Soul III“ entführt dich in eine fließende Welt und lädt dich ein, deinen eigenen Platz zu finden: mit dem, was du sein möchtest und wer du wirklich bist.

Nähere Informationen: NDSM Fuse, NDMS-Plein 29, Amsterdam, Telefon: +31 621506113, E-Mail: laura@ndsm-fuse.eu, Internet: www.ndsm-fuse.de

Mit neuen Augen – Jubiläumsausstellung im Zuiderzee-Museum

Was passiert, wenn zeitgenössische Künstler die Vergangenheit der Zuiderzee neu betrachten? Finden Sie es in der Jubiläumsausstellung „Mit neuen Augen“ heraus und lassen Sie sich von Werken überraschen, die die Geschichte wieder zum Leben erwecken.

Seit 2006 baut das Zuiderzee-Museum eine spezielle Unterkollektion mit Werken zeitgenössischer Künstler, (Mode-)Designer und Fotografen auf, die von der Geschichte der Zuiderzee inspiriert sind. Anlässlich dieses zwanzigjährigen Jubiläums präsentiert das Museum die neue Ausstellung „With new eyes“ in the Schathuys, eine Auswahl aus dieser Sammlung. Künstler wie Viktor & Rolf, Jimmy Nelson und Christien Meindertsma betrachteten die Vergangenheit der Zuiderzee mit frischem Blick. In ihren Werken nahmen sie etwas aus der Vergangenheit mit in die Gegenwart und gaben ihr eine neue Bedeutung. Die neueste Ergänzung der Museumssammlung, „In the Silence of Nynke Kosters Deep WaterCellar“, wird offiziell zur Eröffnung der Ausstellung präsentiert.

Nähere Informationen: Zuidersee-Museum, Wierdijk 12-22, Enkhuizen, Telefon: +31 22835111, E-Mail: info@zuiderseemuseum.nl, Internet: http://www.zuiderseemuseum.nl

Viel los in der Kunsthalle Bremen

Aktuelle Ausstellung Natur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Rom (Bis 5. Juli)

Auf den Spuren des Malers Friedrich Nerly (1807–1878): Ab in den Süden – das war der große Trend in der Romantik. Auch Nerly ging bereits früh nach Italien. Er arbeitete in Rom, Tivoli und Olevano, damals wie heute Hotspots der Künstler und Touristen. An der Küste entlang reiste er nach Neapel und bis Sizilien. Dabei entstanden sonnendurchflutete Zeichnungen und Aquarelle vor der Natur, die ihm als Grundlage für Gemälde dienten. Zusammen mit der aufwendig restaurierten „Campagnalandschaft mit Aqua Claudia“ von 1836, einem Hauptwerk des Künstlers, und zahlreichen anderen Gemälden sind sie nun einer großen Ausstellung zu sehen.
„La Kunstalle parla italiano con la mostra di Friedrich Nerly!“ Der nächste Termin für diese Reise im Rahmen einer Führung auf Italienisch ist am Sonntag, 14. Juni, um 11.30 Uhr. Natürlich gibt es auch weiterhin öffentliche Führungen auf Deutsch: jeden Freitag, Samstag und Sonntag um 15 Uhr.

Aktuelle Ausstellung Remix. Photographie – Fiktion und Wahrheit (Bis 28. Februar 2027)

Kann man Photographie heute noch glauben? Und welche Aufgabe kann sie übernehmen in Zeiten von KI und Deep Fakes? Die Kunsthalle erweitert ihre Sammlungsausstellung Remix um vier Räume und zeigt dort eine Auswahl historischer und zeitgenössischer Photographie. Präsentiert werden Arbeiten von Bernd und Hilla Becher, Candida Höfer, Richard Mosse, Sebastian Riemer, Ricarda Roggan, Thomas Ruff, August Sander, Taryn Simon, Thomas Struth und Heinrich Zille. Die Photographien sind teils Neuzugänge aus der eigenen Sammlung, teils Dauerleihgaben aus der Sammlung Ültzen sowie Leihgaben aus der Sammlung Lothar Schirmer. Viele der ausgestellten Kunstwerke sind zum ersten Mal in der Kunsthalle Bremen zu sehen.
Tipp: Öffentliche Führungen am Sonntag, 24. und 31. Mai, jeweils um 11 Uhr.

Ausstellungsvorschau „Der Dackel. Eine Ikone geht Gassi“ (31. Oktober 2026 bis 28. März 2027)

Das Highlight im Herbst: Eine Ausstellung mit rund 120 hochkarätigen historischen und aktuellen Werken wird humorvoll und kritisch dem Dackel in der Kunst folgen. Neben Malerei, Zeichnung, Photographie, Video, Installation und Performance gibt es Einblicke in Populärkulturelles, Buchillustration, Deko- und Spielzeugdesign – und auch den Versuch, die Perspektive des Dackels selbst einzunehmen.
Tipp: Noch bis 31. Mai gibt es im Online-Shop das limitierte Early-Bird-Ticket! Dieses Ticket kann flexibel während der gesamten Ausstellungslaufzeit eingelöst werden, ohne dass sich Besucher auf einen bestimmten Tag festlegen müssen.

Vorträge und anderes

Zwischen Kunstschutz und Kunstraub am Dienstag, 26. Mai, 19 Uhr

Der Zeithistoriker und Romanist Michael Wedekind spricht über Italiens Kulturerbe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Ein Ticket – über 30 Orte – Lange Nacht der Museen in Bremen am Samstag, 30. Mai, 18 Uhr bis Mitternacht

Kreativaktionen und Kurzführungen, Traumreise, Walking Act, Ausstellungen und vieles mehr (nicht nur) in der Kunsthalle

Kunstgespräch Let’s Talk am Dienstag, 9. Juni, 19 Uhr

Kleidung und Klasse – Gestern und Heute: Das Jugendkuratorium New Perceptions lädt zum Gespräch (nicht nur) für junge Menschen.

Nähere Informationen: Kunsthalle Bremen, Am Wall 207, 28195 Bremen, Telefon: +49 (0)421 – 32 9080, Fax +49 (0)421 – 32908470, E-Mail: info@kunsthalle-bremen.de

Podcast „Der Fall Liebermann“

Ergänzung zur Ausstellung im Museum Barberini

Max Liebermann war einer der zentralen Künstler des Impressionismus in Deutschland und hatte auch als Sammler, Ausstellungsmacher und Mentor herausragenden Einfluss. Im konservativen Kaiserreich war der jüdische Maler als Präsident der Berliner Secession eine mutige Stimme für Fortschritt, Internationalität und Erneuerung. Dennoch war Liebermann bei seinem Tod 1935 aus der Öffentlichkeit gedrängt, sein Werk verfemt. Wie konnte es dazu kommen?

In dem vierteiligen Video-Podcast „Der Fall Liebermann“ geht der Kulturjournalist und Moderator Johannes Nichelmann dieser Frage nach. Er folgt Max Liebermann von seinen skandalbegleiteten Anfängen über die Zeiten des Ruhmes als gefeierter Künstler Deutschlands bis zu seinem Ende in Verbitterung und Einsamkeit. Der Podcast ist ab heute auf Spotify, Apple Podcasts sowie YouTube zu finden.

Der Fall Liebermann verbindet anhand der facettenreichen Biographie Max Liebermanns Kunst- und Zeitgeschichte. Als Expert:innen zu hören sind dabei Evelyn Wöldicke, Liebermann-Expertin und Direktorin der Liebermann-Villa am Wannsee, Jens Bisky, Journalist und Autor (zuletzt: „Die Entscheidung. Deutschland 1929—34“), und Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini. Moderiert wird der Podcast von Kulturjournalist Johannes Nichelmann, der auch dessen Produzent ist. In vier Akten werden Liebermanns Leben und „Fall“ aufgerollt:

Die erste Akte, „Jung gegen Alt“, widmet sich Liebermanns Anfängen, seiner Erziehung als Sohn einer großbürgerlichen Familie, dem Skandal um sein erstes großes Werk „Die Gänserupferinnen“ sowie seinem Gemälde Zwölfjähriger Jesus im Tempel, das ebenfalls für einen Skandal sorgte und den Juden Liebermann erstmals weitreichenden antisemitischen Anfeindungen aussetzte.

Die zweite Akte, „Künstler gegen Kaiser“, beleuchtet Liebermanns Konflikte im konservativen Kaiserreich und mit Kaiser Wilhelm II. persönlich. Liebermanns Kunst wird immer stärker impressionistisch, also französisch beeinflusst – ein Affront in den Augen des Kaisers! Der Konflikt gipfelt in der Gründung der Berliner Secession, deren Präsident Max Liebermann wird. Als Machtmensch polarisiert Liebermann, doch als er 1911 als Präsident der Secession zurücktritt, ist er auf dem Zenit seines Schaffens und seines künstlerischen Ruhmes.

Im Zentrum der dritten Akte, „Nazis gegen die Vernunft“, stehen die Jahre der Weimarer Republik, in denen Max Liebermann Präsident der Preußischen Akademie der Künste ist. Als Reformer fördert er junge Künstler, die er als Secessions-Präsident noch ablehnte – nun bringt er damit reaktionäre Kreise gegen sich auf, die zunehmend laut eine „völkische“ Kunst fordern. Obwohl vordergründig in gefestigter Position, muss Liebermann immer stärker antisemitische Hetze ertragen. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten ist Liebermanns Leben und Wirken in der Öffentlichkeit beendet.

Die vierte Akte, „Die Villa am See“, fokussiert sich auf Liebermanns häusliches Umfeld in seiner Villa am Wannsee, seine Familie und das Schicksal seiner Frau Martha. Und sie folgt der Frage: Wie konnten die Nationalsozialisten innerhalb nur weniger Jahre die Öffentlichkeit gleichschalten und das gesellschaftliche Fundament für ihre Verbrechen legen?

Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini, über das Projekt: „Das Museum Barberini versteht sich als Haus des Impressionismus. Max Liebermann als den wohl wichtigsten Vertreter dieser Strömung in Deutschland auch über unsere aktuelle Ausstellung hinaus näher zu beleuchten, war für uns daher naheliegend. Im Video-Podcast erfahren wir nicht nur viel über seine Kunstauffassung oder seine künstlerische Arbeit, sondern lernen Liebermann auch als Menschen kennen, mit seinem Humor, seiner Familienliebe, seiner Streitbarkeit, aber auch den Anfeindungen, denen er eigentlich sein ganzes Leben lang ausgesetzt war. Die Idee von nb Studios für das Format hat uns sofort überzeugt, und dank der umfassenden Unterstützung der Liebermann-Villa, für die wir sehr dankbar sind, können wir nun dauerhaft aus Potsdam heraus die Brücke zum Berliner Max Liebermann schlagen.“

Evelyn Wöldicke, Direktorin der Liebermann-Villa am Wannsee, über das Projekt: „Max Liebermanns Biographie ist keine Erfolgsgeschichte ohne Brüche. Sie erzählt von Ausgrenzung, von Widersprüchen und davon, wie schnell gesellschaftliche Anerkennung kippen kann. Für die Liebermann-Villa ist es ein zentrales Anliegen, Liebermann nicht allein als Maler zu zeigen, sondern auch als Persönlichkeit im Spannungsfeld seiner Epoche. Der Podcast bietet dafür ein besonders lebendiges Format: Er bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen, eröffnet neue Zugänge und lädt ein, tiefer in die Zeitgeschichte einzutauchen. Es ist uns eine große Freude, Teil dieses wichtigen Projekts zu sein, um Liebermanns Geschichte vielschichtig in die Gegenwart zu tragen.“

Johannes Nichelmann, Co-Produzent von nb Studios sowie Moderator des Video-Podcasts: „Als Produktionsfirma erzählen wir bei nb Studios packende Geschichten aus Politik, Kultur und Gesellschaft. Die Lebensgeschichte Max Liebermanns verbindet alle diese Bereiche und wir wollten sie in einer zeitgemäßen Form erzählen. Fragen, die für Liebermanns Zeit hochrelevant waren, beschäftigen uns auch heute: Wer hat welchen Platz in einer Gesellschaft? Wessen Stimmen werden gehört? Wie schnell können Menschen ausgegrenzt werden, und auf welcher Grundlage eigentlich? Mit dem Video-Podcast zeigen wir auf, dass all diese Fragen nicht neu sind, die Suche nach Antworten uns aber bis heute dazu auffordert, genau hinzusehen.“

Neben der umfassenden inhaltlichen Unterstützung der Liebermann-Villa am Wannsee unterstützten auch das Städel Museum, Frankfurt am Main, sowie die Staatlichen Museen zu Berlin mit Alter Nationalgalerie und Kupferstichkabinett das Projekt, insbesondere mit der Bereitstellung von Bildmaterial. Weitere Abbildungen stammen aus dem Museum Kunst der Westküste, Alkersum / Föhr, dem Musée d’Orsay, Paris, der Tate, London, aus dem Kunsthaus Zürich sowie aus Privatsammlungen.

Der Fall Liebermann ist als Video-Podcast auf Spotify und Apple Music sowie als Video auf dem YouTube-Kanal des Museums Barberini zu finden.

Nähere Informationen: Museum Barberini, Friedrich-Ebert-Str. 115, 14467 Potsdam, E-Mail: info@museum-barberini.de, Internet: http://www.museum-barberini.de

Neues aus der Welt der Kunst in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden und manches mehr aus der Welt der Kunst. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Jan Steen und Gerard van Honthorst – zwei Gesichter des siebzehnten Jahrhunderts – Von Saskia Cohen-Willner

Zwei Jubiläumskünstler des siebzehnten Jahrhunderts, zwei Ausstellungen: In Leiden feiert das Museum De Lakenhal den 400. Geburtstag von Jan Steen mit einer Ausstellung über seine Welt in Leiden, und das Centraal Museum zeigt, wie international orientiert Gerard van Honthorsts Karriere war. Beide zeigen, wie vielseitig die Malerei des siebzehnten Jahrhunderts war – und wie ihr Ruf entsteht.

Mit Humor in den Künsten ist es kein einfaches Bewenden. Einen guten Witz zu liefern erfordert das höchste Maß an Talent und technischer Beherrschung, aber wenn du darin brillierst, wirst du für immer ernst genommen werden. Witz ist die Falltür in der Stufe des Rufs. Und Jan Steen (*1626 –+1679), dem die schöne Ausstellung ‚Zuhause bei Jan Steen – 400 Jahre Leben in der Brauerei‘ im Museum De Lakenhal in Leiden anlässlich seines 400. Geburtstags gewidmet ist, ging es um mehr als oberflächlichen Scherz. Wenn jemand ein Lachen auf die Leinwand gebracht hat, dann er. So sehr, dass man fast übersehen würde, was für ein großartiger Maler er ist.

Doppelte Bedeutung von Drama und Tragödie in Steens Werk

Spannung aufbauen, den richtigen Moment erfassen und die präzise Darstellung von Emotionen mit Überzeugung: Bei Steen finden wir all das und im Überfluss, sorglos verstreut über alltägliche Arztbesuche, Nikolausabende und verkleidete Freier. Wie es sich für guten Humor gehört, ist die doppelte Bedeutung von Drama und Tragödie nie weit entfernt. Steens Humor ist schroff und eindringlich, und der eigentliche Witz ist vielleicht, dass diese Dualität auch in der Malerei widerhallt. Mit großer Leichtigkeit wechselt er die Extreme von lockerem Pinselstrich und Pinselarbeit mit äußerst präzise bemalten Details wie einem bronzenen Schlüssel an einem Nagel an der Wand, einem präzisen Saum eines gefalteten Ärmels aus feinem Batiste oder funkelnden Reflexionen auf einem Satinrock. Kurzum: Diese virtuose Vielfalt in Atmosphäre, Technik und Details ist vielleicht das höchste, was in der Malerei erreichbar ist.

Fesselnde Ausstellung

Seit dem achtzehnten Jahrhundert besteht in der Kunstliteratur die Meinung, Steens Leben könne nicht getrennt von seinem Werk gesehen werden, eine Idee, die von all jenen Momenten inspiriert wurde, in denen er selbst in seinen Gemälden erscheint – oft in komischen Rollen. Dies spiegelt sich auch in der Ausstellung im Museum De Lakenhal wider, wo Steens persönliches Umfeld und die Rolle seiner Heimatstadt Leiden im Mittelpunkt stehen. Die facettenreiche Geschichte wird an bunten Wänden und in thematischen Unterteilungen erzählt. Eine verfeinerte frühe Landschaft aus der Zeit, als Steen vermutlich noch für seinen Schwiegervater Jan van Goyen arbeitete; jüngste Entdeckungen und Leihgaben aus Privatsammlungen werden mit bekannteren Werken aus anderen öffentlichen niederländischen Sammlungen durchsetzt.

Es ist hervorragend, wie der NK-Sammlungsstatus wichtiger Werke wie „Der Wahrsager“ (1650–54), „Die Dorfhochzeit“ (1653) und „Christus vertreibt die Geldwechsler aus dem Tempel“ (1675) mit einer separaten Erwähnung und QR-Code hervorgehoben wird, Werke, die seit dem Zweiten Weltkrieg im Besitz des niederländischen Staates sind und auf eine mögliche Rückgabe an (Nachkommen der) ursprünglichen Eigentümer warten. Und die Einbindung von Werken von Freunden und Zeitgenossen wie dem Standartenträger von 1664 von Ary de Vois liefert den notwendigen Kontext, sodass Steens Geist, Individualität und theatralische Qualität noch stärker hervortreten.

Honthorsts internationale Perspektive

Während die Ausstellung im Museum De Lakenhal den Blick nach innen richtet und Jan Steens Werk mit seiner eigenen lokalen Leidener Welt verbindet, zeigt das Centraal Museum mit der Ausstellung „Gerard van Honthorst – In allem außer Rembrandt“ einen anderen Blick. Wenn eine Malerkarriere des 17. Jahrhunderts dafür geeignet ist, internationale Perspektiven aufzuzeigen, dann ist es die von Gerard van Honthorst (*1592 – +1656). Geboren und aufgewachsen in Utrecht, arbeitete er ab 1616 in Rom, wo er, wie der Biograf Joachim von Sandrart erwähnte, im Palazzo von Kardinal Benedetto Giustiniani und dessen Bruder, des Bankiers und renommierten Kunstsammlers Vincenzo Giustiniani, lebte. Dort konnte er sich mit einer der wichtigsten Kunstsammlungen seiner Zeit beschäftigen, mit Werken von Caravaggio und anderen. Gleichzeitig erfüllte er dort wichtige Aufgaben. Zurück in Utrecht gelang es ihm, diese Erfahrung zu nutzen. Nach einem Aufenthalt am englischen Hof eröffnete er auch ein zweites Atelier in Den Haag, mit dem er die Bedürfnisse einer adeligen Kundschaft erfüllen konnte.

Die groß angelegte Ausstellung führt diese außergewöhnliche künstlerische Laufbahn chronologisch über ihre Höhepunkte hinaus. Kritisch ist der Untertitel ‚in allem anders als Rembrandt‘ zu sehen. Das Argument, Rembrandt sei ein Meister der Darstellung der Psychologie gewesen, während Honthorst hauptsächlich in der Darstellung von Affekten glänzte, ergibt ebenfalls zu wenig Sinn. Diese Darstellung von Geisteszuständen kommt in Honthorsts Werk nicht immer stark zum Vorschein, schon gar nicht in jenem polierten höfischen Stil, mit dem er bei seinen edlen Gönnern so erfolgreich war. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass diese Ausstellung einen wichtigen Beitrag zu einem nuancierteren Bild der Kunstproduktion des 17. Jahrhunderts leistet, jenseits des allgegenwärtigen Schattens von Rembrandt.

Nähere Informationen: Museum De Lakenhal, Oude Singel 32, Leiden, Telefon: +31 715165360, E-Mail: pr@lakenhal.nl, Internet: www.lakenhal.nl, und Centraal Museum, Agnietenstraat 1, Utrecht, Telefon: +31 302362362, E-Mail: info@centraalmuseum.nl, Internet: www.centraalmuseum.nl

Neue Kunsthalle Brusk in Brügge eröffnet

Die neue Kunsthalle Brusk im Museumsviertel Brügge wurde vor Kurzem in Verbindung mit zwei Ausstellungen eröffnett: mit „Breedbeeld“ über Brügge als internationales Zentrum im Mittelalter, und mit „Latent City“, eine immersive KI-Installation des Medienkünstlers Refik Anadol. Diese Kombination macht sofort deutlich, wie Brusk sich profilieren möchte: als Kunsthalle, in der Kulturerbe, zeitgenössische Kunst und Technologie zusammenkommen.

Brusk befindet sich in einem eleganten, dunkelgrünen Gebäude mit großen Glasfenstern neben dem Groeninge-Museum, entworfen von Robbrecht en Daem Architects und Olivier Salens Architects. Im Gegensatz zu den umliegenden Museen verfügt Brusk nicht über eine Dauerausstellung: Die beiden großen Ausstellungsräume im ersten Stock sind für wechselnde Präsentationen gedacht. Im transparenten Erdgeschoss befinden sich eine Bar, ein Museumsgeschäft und Veranstaltungsräume. Neben bildender Kunst werden auch Tanz, Theater, Performance und Musik dort einen Platz haben.Brusk ist Teil der Musea Brügge, die seit 2022 von der flämischen Regierung als eine der drei wichtigsten Kulturerbeinstitutionen in Flandern anerkannt ist, neben der KMSKA und der M HKA, beide in Antwerpen. Dadurch kann das Kunsthal auf die Kulturerbesammlungen Brügges zurückgreifen, legt aber auch den Fokus explizit auf zeitgenössische Kunst und Innovation. Bis 2031 muss das Gebiet in einen neuen Museumspark rund um Brusk und das renovierte Groeninge-Museum umgewandelt werden.

Brügge als internationale Stadt


Mit der Ausstellung „Widescreen“ blickt Brusk auf Brügge zwischen 900 und 1550 zurück. Unter der Leitung des britischen Historikers Peter Frankopan vereint die Ausstellung etwa 250 Objekte, die zeigen, wie eng die Stadt mit internationalem Handel, religiösen und kulturellen Netzwerken verwoben war. Zu den Höhepunkten zählen Gentile Bellinis berühmtes Porträt des osmanischen Sultans Mehmed II. aus dem Jahr 1480 aus der National Gallery in London sowie Hans Memlings „Passion Christi“ (1470–71) aus Turin. Brügge wird hier nicht als isolierte mittelalterliche Stadt dargestellt, sondern als Kreuzung von Gütern, Ideen und Menschen.

Im angrenzenden Raum macht der Besucher einen Sprung in die Gegenwart – oder sogar in die Zukunft. Für ‚Latent City‘ entwickelte der türkisch-amerikanische Künstler Refik Anadol (1985) eine neue KI-Installation auf Basis von Daten aus Brügge selbst: von historischen Karten und Architektur bis hin zu Echtzeitinformationen über die Stadt. Diese Daten werden in ständig wechselnde Videobilder übersetzt, in denen manchmal noch die Konturen von Brügger-Mühlen oder Fassaden erscheinen.

Mit der Kombination aus historischen Objekten und KI-Kunst präsentiert sich Brusk als Kunsthalle, die über das klassische Bild Brügges als Kulturerbe hinausblicken möchte.

Nähere Informationen: Musea Brugge, Dijver 12, 8000 Brugge, Telefon: +32 50448743, E-Mail: musea.reservatie@brugge.be, Internet: www.bruskbrugge.be

Muse oder Schöpfer im Kunstmuseum Den Haag – von Emma Falconer

In drei fast identischen Räumen steht ein Urinal auf einem Sockel. Sie sind 3D-gedruckt, grob fertiggestellt; Das eine ist besser geworden als das andere. Eine einfache Stehlampe beleuchtet sie. An der Wand hängt ein Teppich mit dem Bild eines durchgestrichenen Briefes.

Die Installation ist in der Ausstellung „Mix & match – Barbara Visser“ im Kunstmuseum Den Haag zu sehen. Die Ausstellung baut auf dem Dokumentarfilm „Alreadymade“ (2023) von Barbara Visser (*1966) auf und dreht sich um einen Schlüsselmoment der Kunstgeschichte: die Zuschreibung des weltberühmten Urinalbrunnens. Das Werk wird üblicherweise Marcel Duchamp zugeschrieben, aber Visser nennt einen anderen Namen: Elsa von Freytag-Loringhoven (*1874 – +1927), Dadaistin, Interpretin und Zeitgenosse Duchamps. Könnte sie die wahre Schöpferin sein? Die Präsentation ist Teil einer neuen Serie des Museums, zu der zeitgenössische Künstler eingeladen werden. Visser kombiniert seine eigenen Arbeiten mit Objekten aus der Museumssammlung. An einer der Wände hängt eine Reihe von Gemälden und Fotografien von Frauen, dargestellt von Männern, die selbst keinen Namen haben – sie sind in Vergessenheit geraten. Visser zeigt, dass es keineswegs selbstverständlich war, dass Frauen im zwanzigsten Jahrhundert mehr als eine anonyme Muse als Modell waren – geschweige denn, als Künstlerin anerkannt zu werden.

Nähere Informationen: Kunstmuseum Den Haag, Stadhouderslaan 41, Den Haag, Telefon +31 70338111, E-Mail: info@kunstmuseum.nl, Internet: www.kunstmuseum.nl,

Liebe Leute, Emo Verkerk

1976, im Alter von 21 Jahren, schuf Emo Verkerk sein erstes Kunstwerk: einen verlängerten Küchenstuhl, der Präsenz betont. Es war der Beginn eines Werks voller Porträts historischer Persönlichkeiten, von Schriftstellern bis Schamanen, die ihn wirklich faszinieren. Seine Wahl ist intuitiv, basiert auf Mitgefühl, nicht auf Bewunderung. Jede Begegnung führt zu einer einzigartigen Malweise, manchmal sogar zu mehreren Porträts einer Person. Für Verkerk geht es bei der Malerei um Empathie, nicht als Mittel, sondern als Konsequenz. Das Porträt entsteht aus der Vergangenheit und erscheint in der Gegenwart. Eine Reflexion über Kunst, Kultur und die menschliche Psyche. Die Ausstellung im Stedelijk Museum Alkmaar zeigt jedoch eine fast unbekannte Seite seiner Arbeit: Porträts von Menschen aus seiner unmittelbaren Umgebung, zusammengebracht unter dem Titel „Loved Ones“.

Nähere Informationen: Stedelijk Museum Alkmaar, Canadaplein 1, Telefon: +31 725489789, E-Mail: info@museumalkmaar.nl, Internet: www.stedelijkmuseumalkmaar.nl

Genießt die Stille

SCHUNCK, das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Heerlen, feiert mit „Enjoy the Silence“ sein 40-jähriges Bestehen. Im Art Depot kann man Werke aus der städtischen Kunstsammlung aus den achtziger und neunziger Jahren, den frühen Jahren des Museums, sehen.Die Auswahl zeigt, wie sich die Sammlung in den achtziger und neunziger Jahren entwickelte. Man betrachtet Werke von Künstlern, die in dieser Zeit Innovation in die niederländische Malerei brachten, aber auch Werke, die damals besondere Erwerbungen der Sammlung waren. Beispielhaft dafür sind ein Gemälde von Karel Appel, Werke von Marlene Dumas und Gemälde, die typisch für die malerischen Entwicklungen jener Zeit sind.

Nähere Informationen: Schunck, Bongerd 18, Heerlen, Telefon: +31 455772200, E-Mail: info@schunck.nl, Internet: www.schunck.nl

Suzanne Perlman

Seit Anfang 2026 ist im Museum Singer Laren eine Ausstellung dem Werk der ungarisch-niederländischen Künstlerin Suzanne Perlman (*1922 – +2020, geborene Suzanne Sternberg) gewidmet. Perlman wurde in eine künstlerische Familie in Budapest geboren und heiratete im Alter von 17 Jahren Henry Perlman, einen niederländischen Getreidehändler. Das Paar zog 1939 nach Rotterdam, doch dieser Aufenthalt war nur von kurzer Dauer. 1940 flohen sie vor den Nazis nach Curaçao, wo Perlman schließlich fünfzig Jahre lebte. Dort fertigte sie ihre ersten expressionistischen Landschaften und Porträts an. Auf der Insel entwickelte sie ihren eigenen Stil, der sich durch einen kühnen und lebhaften Einsatz von Farben und expressionistischen Pinselstrichen auszeichnete. Perlman interessierte sich besonders für das tägliche Leben und die Arbeit der Menschen auf der Straße. Sie malte häufig die Bevölkerung von Curaçao um sich herum, Frauen, die ihre Kleidung waschen, Straßenverkäufer und Tänzer, aber auch Aktporträts. Mit ihren Gemälden hoffte sie, ihre „Liebe und ihren Respekt für die Menschen der Insel“ auszudrücken.

Nähere Informationen: Museum Singer Laren, Oude Drift 1, Laren, Telefon: +31 355393956, E-Mail: museum@singerlaren.nl, Internet: http://www.singerlaren.nl

Zwei Ausstellungen im Kasteel het Nijenhuis

Elly Tamminga – Malerin für alle

Nach Jahrzehnten relativer Stille erhält das Werk von Elly Tamminga (*1896 – +1983) erneut die Aufmerksamkeit, die es verdient. Eine noch bis zum 30. August zu sehende Ausstellung im Kasteel het Nijenhuis in Heino hebt die Arbeiten dieser eigenwilligen niederländischen Malerin und Grafikerin hervor, dessen Werk seit langem nur Insidern bekannt ist. Obwohl Tamminga ab den 1920-er Jahren regelmäßig im In- und Ausland ausstellte und ein beeindruckendes Werk aufbaute, verschwand sie nach 1970 fast vollständig aus der Öffentlichkeit. Die Tatsache, dass ihre Arbeit nun wieder präsentiert wird, markiert einen besonderen Moment der Wiederentdeckung.
Tammingas Kunst ist figurativ und hat ihre Ursprünge im Kubismus, mit kraftvollen Farbflächen, klaren Kompositionen und manchmal einer ausgeprägten sozialen Beteiligung. Sie malt Landschaften, Stillleben, Porträts und Alltagsszenen und fertigt zudem grafische Arbeiten an, die bewusst für ein breites Publikum erschwinglich sind. Ihre Kunst wird von Idealen, Einfachheit und Zugänglichkeit dominiert, doch zu ihrer Zeit wurde sie anders aufgenommen und selten von Museen gekauft. Diese Ausstellung zeigt, wie reichhaltig und beständig ihr Werk ist, und lädt Elly Tamminga ein, wieder einen Platz in der niederländischen Kunstgeschichte zu erhalten.

Diese Ausstellung lenkt erneut die Aufmerksamkeit auf das Werk und Leben von Elly Tamminga. Tamminga war eine niederländische Malerin, Grafikerin und Geschäftsfrau, die ihre Kunst bewusst unter anderem nutzte, um soziale Ungleichheit sichtbar zu machen. Aus einem privilegierten Umfeld entschied sie sich nachdrücklich für den Sozialismus und oft für Themen aus dem Leben von Arbeitern, Fischern, Hirten und Bauern. Die Ausstellung zeigt, wie Tamminga Kunst, Überzeugung und persönliche Freiheit verband und wie ihre Arbeit sich auf Zeitgenossen wie Lou Loeber, Peter Alma, Toon Verhoef und Antoon Derkinderen bezieht.

Wilma Wilbrink – In Veeneiken II

Unter dem Titel „Veeneiken II“ zeigt Wilma Wilbrink Arbeiten, die aus jahrhundertealten Eichen stammen, die 2013 beim Room for the River-Projekt entlang der IJssel bei Zwolle freigelegt wurden. Diese Bäume, die seit mehr als 2000 Jahren unter Torf erhalten sind, bilden den Ausgangspunkt für skulpturale Arbeiten, in denen Naturgeschichte und zeitgenössische Klimafragen zusammenkommen. Wilbrink bezieht sich auf mögliche zukünftige Wasserstände und ermöglicht es der Moor-Eiche, als stiller Zeuge menschlichen Eingriffs und Landschaftswandels zu wirken. Die Wachstumsringe verraten von Wachstum, Dürre und Wasser, während eine Leiter das verletzliche Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur sichtbar macht.

In dieser Ausstellung tritt ihre Arbeit in den Dialog mit Landschaftsbildern aus der Fundatie-Sammlung von Emmy Bergsma, Paul Bodifee, Jeroen Krabbé, Jan Voerman und vielen mehr. Jedes dieser Werke erzählt eine andere Geschichte über die Overijssel-Landschaft und die Veränderungen, denen sie unterliegt.

Nähere Informationen: Kasteel het Nijenhuis, ´t Nijenhuis 10, 8131 RD Heino/Wijhe, Telefon: 0572 388188, E-Mail: info@museumdefundatie.nl