Robin Wen & Bobbi Essers | „Nothing Makes Me Feel As Good“

Wie sieht Freiheit aus, wenn man sie einfängt? In Ölgemälden und Kugelschreiberzeichnungen zeigen Bobbi Essers (*2000) und Robin Wen (*1994) jeweils auf ihre eigene Weise den Wunsch nach Freiheit ihrer Generation. Ihre Arbeit führt einen von chilligen Abenden mit Freunden zu Partys, die bis in die frühen Morgenstunden andauern. Mit geschickter Hand schaffen beide Künstler ruhige, filmische Schnappschüsse. Indem man sorgfältig auswählt, was sie zeigen – und besonders das, was sie weglassen – entstehen Bilder, die mehr aussagen als zeigen.

„Robin Wen & Bobbi Essers | Nothing Makes Me Feel As Good“ ist noch bis 15. November im Garden Room des Museums More in Gorssel zu sehen.

Fragmente einer gemeinsamen Welt

Für ihre Ölgemälde orientiert sich Essers an analogen Fotos ihrer Freunde. Im Großformat nutzt sie präzise Technik, um abrupt geschnittene Fragmente ihrer Welt einzufangen: eine Schulter, einen Ohrring, ein Haarbüschel, eine Umarmung. Diese Details werden zu Bildern verwoben, die sich wie Erinnerungen an einen ausgelassenen Abend anfühlen – Eindrücke, die auch nach dem Ende der Nacht bleiben.

Da Essers ihrem Subjekt nahe steht, entsteht eine spürbare Intimität. Sie lässt Identität und Geschlecht oft bewusst in der Mitte – ihre persönliche Welt öffnet sich so für eine größere Anerkennung. Ihre Arbeit strahlt queere Positivität aus: Auf ihrer Leinwand werden Menschen in ihrem vollen Wesen unsterblich gemacht. Essers fängt den Geist der Generation Z ein: das Abenteuer, das Chillen und die Liebe. In ihren Ausschnitten und unerwarteten Kombinationen liegt etwas, das zugleich sehr persönlich und weithin erkennbar ist: der Zauber der Freundschaft.

Nachtleben in blauen Linien

Wo Essers die Intimität ihrer unmittelbaren Umgebung darstellt, taucht Wen in die Welt der Free Party und der Rave-Kultur ein: freie, oft illegale Partys, bei denen junge Menschen zusammenkommen, um Ekstase und Flucht zu suchen.

Er fängt diese ungezähmte Welt mit außergewöhnlicher technischer Präzision ein. Wen arbeitet hauptsächlich mit einem scheinbar alltäglichen Medium: dem blauen Kugelschreiber. Texturen, Licht und Gesichtsausdrücke werden fast fotografisch dargestellt. Das charakteristische blaue Leuchten verleiht seiner Arbeit eine entfremdende Atmosphäre: Das Nachtleben scheint von der gewöhnlichen Realität losgelöst zu sein.

In seinen Bildern erscheinen leere Partylocations im Morgenlicht und tanzende Figuren ohne Gesichter. Diese Abwesenheit wird zur Kraft: das Unbekannte, das Schwerfassbare, die Widersprüche zwischen Überschwang und Schweigen, zwischen Kollektivität und Einsamkeit. Seine Arbeit dient als Zeugnis einer Subkultur, die zwischen dem Fantastischen und dem Alltäglichen balanciert.

Open-End-Schnappschüsse

Essers und Wen zeigen ihre Realität als Fragmente mit bewusst offenen Enden. Bei Essers wird Raum geschaffen durch das, was sie weglässt: Identität verblasst, Details übernehmen. Wen umarmt das Fremde: Leere Räume und anonyme Körper betonen die flüchtige Natur der Freiheit.

Beide Künstler teilen eine Faszination für den Moment, diesen einen Moment, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Ihre Werke sind keine fertigen Geschichten – sie laden zur Fantasie ein und fordern den Betrachter auf, selbst Verbindungen herzustellen.

In einer Zeit, in der Bilder schnell nacheinander folgen, verlangsamen Essers und Wen ihren Blick. Sie machen das flüchtige Leben ihrer Generation sichtbar und lassen es einfach dort existieren, in all seiner Zerbrechlichkeit, Intensität und Schönheit.

Über Robin Wen

Robin Wen (Taiwan, *1994) lebt und arbeitet in Brüssel. 2018 schloss er sein Studium an der La Cambre, der belgischen Nationalschule für Bildende Kunst, ab und gewann den Woluwe-Saint-Pierre Kunstpreis für seine Zeichnungen. Seine Arbeiten – hyperrealistische Zeichnungen mit Kugelschreiber, verwurzelt in der Free Party und der Rave-Kultur – sind seitdem international durch Messen und Ausstellungen sichtbar geworden. Dies ist das erste Mal, dass sein Werk in einem niederländischen Museum gezeigt wird.

Über Bobbi Essers

Bobbi Essers (Enschede, *2000) lebt und arbeitet in Amsterdam. Sie schloss 2022 ihr Studium an der Utrechter Kunsthochschule ab und erwarb 2024 ihren Masterabschluss am Frank Mohr Institute. 2023 erhielt sie den Royal Award for Painting. Seitdem hat sie an Ausstellungen im In- und Ausland teilgenommen, darunter die Gruppenausstellung Reality Check des Museum More im Jahr 2025.

Nähere Informationen: Museum More, Hoofdstraat 28, 7213 CW Gorssel, Telefon: +31 575 760 300, E-Mail: info@museummore.nl

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