Viel los in der Kunsthalle Bremen

Aktuelle Ausstellung Natur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Rom (Bis 5. Juli)

Auf den Spuren des Malers Friedrich Nerly (1807–1878): Ab in den Süden – das war der große Trend in der Romantik. Auch Nerly ging bereits früh nach Italien. Er arbeitete in Rom, Tivoli und Olevano, damals wie heute Hotspots der Künstler und Touristen. An der Küste entlang reiste er nach Neapel und bis Sizilien. Dabei entstanden sonnendurchflutete Zeichnungen und Aquarelle vor der Natur, die ihm als Grundlage für Gemälde dienten. Zusammen mit der aufwendig restaurierten „Campagnalandschaft mit Aqua Claudia“ von 1836, einem Hauptwerk des Künstlers, und zahlreichen anderen Gemälden sind sie nun einer großen Ausstellung zu sehen.
„La Kunstalle parla italiano con la mostra di Friedrich Nerly!“ Der nächste Termin für diese Reise im Rahmen einer Führung auf Italienisch ist am Sonntag, 14. Juni, um 11.30 Uhr. Natürlich gibt es auch weiterhin öffentliche Führungen auf Deutsch: jeden Freitag, Samstag und Sonntag um 15 Uhr.

Aktuelle Ausstellung Remix. Photographie – Fiktion und Wahrheit (Bis 28. Februar 2027)

Kann man Photographie heute noch glauben? Und welche Aufgabe kann sie übernehmen in Zeiten von KI und Deep Fakes? Die Kunsthalle erweitert ihre Sammlungsausstellung Remix um vier Räume und zeigt dort eine Auswahl historischer und zeitgenössischer Photographie. Präsentiert werden Arbeiten von Bernd und Hilla Becher, Candida Höfer, Richard Mosse, Sebastian Riemer, Ricarda Roggan, Thomas Ruff, August Sander, Taryn Simon, Thomas Struth und Heinrich Zille. Die Photographien sind teils Neuzugänge aus der eigenen Sammlung, teils Dauerleihgaben aus der Sammlung Ültzen sowie Leihgaben aus der Sammlung Lothar Schirmer. Viele der ausgestellten Kunstwerke sind zum ersten Mal in der Kunsthalle Bremen zu sehen.
Tipp: Öffentliche Führungen am Sonntag, 24. und 31. Mai, jeweils um 11 Uhr.

Ausstellungsvorschau „Der Dackel. Eine Ikone geht Gassi“ (31. Oktober 2026 bis 28. März 2027)

Das Highlight im Herbst: Eine Ausstellung mit rund 120 hochkarätigen historischen und aktuellen Werken wird humorvoll und kritisch dem Dackel in der Kunst folgen. Neben Malerei, Zeichnung, Photographie, Video, Installation und Performance gibt es Einblicke in Populärkulturelles, Buchillustration, Deko- und Spielzeugdesign – und auch den Versuch, die Perspektive des Dackels selbst einzunehmen.
Tipp: Noch bis 31. Mai gibt es im Online-Shop das limitierte Early-Bird-Ticket! Dieses Ticket kann flexibel während der gesamten Ausstellungslaufzeit eingelöst werden, ohne dass sich Besucher auf einen bestimmten Tag festlegen müssen.

Vorträge und anderes

Zwischen Kunstschutz und Kunstraub am Dienstag, 26. Mai, 19 Uhr

Der Zeithistoriker und Romanist Michael Wedekind spricht über Italiens Kulturerbe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Ein Ticket – über 30 Orte – Lange Nacht der Museen in Bremen am Samstag, 30. Mai, 18 Uhr bis Mitternacht

Kreativaktionen und Kurzführungen, Traumreise, Walking Act, Ausstellungen und vieles mehr (nicht nur) in der Kunsthalle

Kunstgespräch Let’s Talk am Dienstag, 9. Juni, 19 Uhr

Kleidung und Klasse – Gestern und Heute: Das Jugendkuratorium New Perceptions lädt zum Gespräch (nicht nur) für junge Menschen.

Nähere Informationen: Kunsthalle Bremen, Am Wall 207, 28195 Bremen, Telefon: +49 (0)421 – 32 9080, Fax +49 (0)421 – 32908470, E-Mail: info@kunsthalle-bremen.de

Podcast „Der Fall Liebermann“

Ergänzung zur Ausstellung im Museum Barberini

Max Liebermann war einer der zentralen Künstler des Impressionismus in Deutschland und hatte auch als Sammler, Ausstellungsmacher und Mentor herausragenden Einfluss. Im konservativen Kaiserreich war der jüdische Maler als Präsident der Berliner Secession eine mutige Stimme für Fortschritt, Internationalität und Erneuerung. Dennoch war Liebermann bei seinem Tod 1935 aus der Öffentlichkeit gedrängt, sein Werk verfemt. Wie konnte es dazu kommen?

In dem vierteiligen Video-Podcast „Der Fall Liebermann“ geht der Kulturjournalist und Moderator Johannes Nichelmann dieser Frage nach. Er folgt Max Liebermann von seinen skandalbegleiteten Anfängen über die Zeiten des Ruhmes als gefeierter Künstler Deutschlands bis zu seinem Ende in Verbitterung und Einsamkeit. Der Podcast ist ab heute auf Spotify, Apple Podcasts sowie YouTube zu finden.

Der Fall Liebermann verbindet anhand der facettenreichen Biographie Max Liebermanns Kunst- und Zeitgeschichte. Als Expert:innen zu hören sind dabei Evelyn Wöldicke, Liebermann-Expertin und Direktorin der Liebermann-Villa am Wannsee, Jens Bisky, Journalist und Autor (zuletzt: „Die Entscheidung. Deutschland 1929—34“), und Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini. Moderiert wird der Podcast von Kulturjournalist Johannes Nichelmann, der auch dessen Produzent ist. In vier Akten werden Liebermanns Leben und „Fall“ aufgerollt:

Die erste Akte, „Jung gegen Alt“, widmet sich Liebermanns Anfängen, seiner Erziehung als Sohn einer großbürgerlichen Familie, dem Skandal um sein erstes großes Werk „Die Gänserupferinnen“ sowie seinem Gemälde Zwölfjähriger Jesus im Tempel, das ebenfalls für einen Skandal sorgte und den Juden Liebermann erstmals weitreichenden antisemitischen Anfeindungen aussetzte.

Die zweite Akte, „Künstler gegen Kaiser“, beleuchtet Liebermanns Konflikte im konservativen Kaiserreich und mit Kaiser Wilhelm II. persönlich. Liebermanns Kunst wird immer stärker impressionistisch, also französisch beeinflusst – ein Affront in den Augen des Kaisers! Der Konflikt gipfelt in der Gründung der Berliner Secession, deren Präsident Max Liebermann wird. Als Machtmensch polarisiert Liebermann, doch als er 1911 als Präsident der Secession zurücktritt, ist er auf dem Zenit seines Schaffens und seines künstlerischen Ruhmes.

Im Zentrum der dritten Akte, „Nazis gegen die Vernunft“, stehen die Jahre der Weimarer Republik, in denen Max Liebermann Präsident der Preußischen Akademie der Künste ist. Als Reformer fördert er junge Künstler, die er als Secessions-Präsident noch ablehnte – nun bringt er damit reaktionäre Kreise gegen sich auf, die zunehmend laut eine „völkische“ Kunst fordern. Obwohl vordergründig in gefestigter Position, muss Liebermann immer stärker antisemitische Hetze ertragen. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten ist Liebermanns Leben und Wirken in der Öffentlichkeit beendet.

Die vierte Akte, „Die Villa am See“, fokussiert sich auf Liebermanns häusliches Umfeld in seiner Villa am Wannsee, seine Familie und das Schicksal seiner Frau Martha. Und sie folgt der Frage: Wie konnten die Nationalsozialisten innerhalb nur weniger Jahre die Öffentlichkeit gleichschalten und das gesellschaftliche Fundament für ihre Verbrechen legen?

Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini, über das Projekt: „Das Museum Barberini versteht sich als Haus des Impressionismus. Max Liebermann als den wohl wichtigsten Vertreter dieser Strömung in Deutschland auch über unsere aktuelle Ausstellung hinaus näher zu beleuchten, war für uns daher naheliegend. Im Video-Podcast erfahren wir nicht nur viel über seine Kunstauffassung oder seine künstlerische Arbeit, sondern lernen Liebermann auch als Menschen kennen, mit seinem Humor, seiner Familienliebe, seiner Streitbarkeit, aber auch den Anfeindungen, denen er eigentlich sein ganzes Leben lang ausgesetzt war. Die Idee von nb Studios für das Format hat uns sofort überzeugt, und dank der umfassenden Unterstützung der Liebermann-Villa, für die wir sehr dankbar sind, können wir nun dauerhaft aus Potsdam heraus die Brücke zum Berliner Max Liebermann schlagen.“

Evelyn Wöldicke, Direktorin der Liebermann-Villa am Wannsee, über das Projekt: „Max Liebermanns Biographie ist keine Erfolgsgeschichte ohne Brüche. Sie erzählt von Ausgrenzung, von Widersprüchen und davon, wie schnell gesellschaftliche Anerkennung kippen kann. Für die Liebermann-Villa ist es ein zentrales Anliegen, Liebermann nicht allein als Maler zu zeigen, sondern auch als Persönlichkeit im Spannungsfeld seiner Epoche. Der Podcast bietet dafür ein besonders lebendiges Format: Er bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen, eröffnet neue Zugänge und lädt ein, tiefer in die Zeitgeschichte einzutauchen. Es ist uns eine große Freude, Teil dieses wichtigen Projekts zu sein, um Liebermanns Geschichte vielschichtig in die Gegenwart zu tragen.“

Johannes Nichelmann, Co-Produzent von nb Studios sowie Moderator des Video-Podcasts: „Als Produktionsfirma erzählen wir bei nb Studios packende Geschichten aus Politik, Kultur und Gesellschaft. Die Lebensgeschichte Max Liebermanns verbindet alle diese Bereiche und wir wollten sie in einer zeitgemäßen Form erzählen. Fragen, die für Liebermanns Zeit hochrelevant waren, beschäftigen uns auch heute: Wer hat welchen Platz in einer Gesellschaft? Wessen Stimmen werden gehört? Wie schnell können Menschen ausgegrenzt werden, und auf welcher Grundlage eigentlich? Mit dem Video-Podcast zeigen wir auf, dass all diese Fragen nicht neu sind, die Suche nach Antworten uns aber bis heute dazu auffordert, genau hinzusehen.“

Neben der umfassenden inhaltlichen Unterstützung der Liebermann-Villa am Wannsee unterstützten auch das Städel Museum, Frankfurt am Main, sowie die Staatlichen Museen zu Berlin mit Alter Nationalgalerie und Kupferstichkabinett das Projekt, insbesondere mit der Bereitstellung von Bildmaterial. Weitere Abbildungen stammen aus dem Museum Kunst der Westküste, Alkersum / Föhr, dem Musée d’Orsay, Paris, der Tate, London, aus dem Kunsthaus Zürich sowie aus Privatsammlungen.

Der Fall Liebermann ist als Video-Podcast auf Spotify und Apple Music sowie als Video auf dem YouTube-Kanal des Museums Barberini zu finden.

Nähere Informationen: Museum Barberini, Friedrich-Ebert-Str. 115, 14467 Potsdam, E-Mail: info@museum-barberini.de, Internet: http://www.museum-barberini.de

Neues aus der Welt der Kunst in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden und manches mehr aus der Welt der Kunst. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Jan Steen und Gerard van Honthorst – zwei Gesichter des siebzehnten Jahrhunderts – Von Saskia Cohen-Willner

Zwei Jubiläumskünstler des siebzehnten Jahrhunderts, zwei Ausstellungen: In Leiden feiert das Museum De Lakenhal den 400. Geburtstag von Jan Steen mit einer Ausstellung über seine Welt in Leiden, und das Centraal Museum zeigt, wie international orientiert Gerard van Honthorsts Karriere war. Beide zeigen, wie vielseitig die Malerei des siebzehnten Jahrhunderts war – und wie ihr Ruf entsteht.

Mit Humor in den Künsten ist es kein einfaches Bewenden. Einen guten Witz zu liefern erfordert das höchste Maß an Talent und technischer Beherrschung, aber wenn du darin brillierst, wirst du für immer ernst genommen werden. Witz ist die Falltür in der Stufe des Rufs. Und Jan Steen (*1626 –+1679), dem die schöne Ausstellung ‚Zuhause bei Jan Steen – 400 Jahre Leben in der Brauerei‘ im Museum De Lakenhal in Leiden anlässlich seines 400. Geburtstags gewidmet ist, ging es um mehr als oberflächlichen Scherz. Wenn jemand ein Lachen auf die Leinwand gebracht hat, dann er. So sehr, dass man fast übersehen würde, was für ein großartiger Maler er ist.

Doppelte Bedeutung von Drama und Tragödie in Steens Werk

Spannung aufbauen, den richtigen Moment erfassen und die präzise Darstellung von Emotionen mit Überzeugung: Bei Steen finden wir all das und im Überfluss, sorglos verstreut über alltägliche Arztbesuche, Nikolausabende und verkleidete Freier. Wie es sich für guten Humor gehört, ist die doppelte Bedeutung von Drama und Tragödie nie weit entfernt. Steens Humor ist schroff und eindringlich, und der eigentliche Witz ist vielleicht, dass diese Dualität auch in der Malerei widerhallt. Mit großer Leichtigkeit wechselt er die Extreme von lockerem Pinselstrich und Pinselarbeit mit äußerst präzise bemalten Details wie einem bronzenen Schlüssel an einem Nagel an der Wand, einem präzisen Saum eines gefalteten Ärmels aus feinem Batiste oder funkelnden Reflexionen auf einem Satinrock. Kurzum: Diese virtuose Vielfalt in Atmosphäre, Technik und Details ist vielleicht das höchste, was in der Malerei erreichbar ist.

Fesselnde Ausstellung

Seit dem achtzehnten Jahrhundert besteht in der Kunstliteratur die Meinung, Steens Leben könne nicht getrennt von seinem Werk gesehen werden, eine Idee, die von all jenen Momenten inspiriert wurde, in denen er selbst in seinen Gemälden erscheint – oft in komischen Rollen. Dies spiegelt sich auch in der Ausstellung im Museum De Lakenhal wider, wo Steens persönliches Umfeld und die Rolle seiner Heimatstadt Leiden im Mittelpunkt stehen. Die facettenreiche Geschichte wird an bunten Wänden und in thematischen Unterteilungen erzählt. Eine verfeinerte frühe Landschaft aus der Zeit, als Steen vermutlich noch für seinen Schwiegervater Jan van Goyen arbeitete; jüngste Entdeckungen und Leihgaben aus Privatsammlungen werden mit bekannteren Werken aus anderen öffentlichen niederländischen Sammlungen durchsetzt.

Es ist hervorragend, wie der NK-Sammlungsstatus wichtiger Werke wie „Der Wahrsager“ (1650–54), „Die Dorfhochzeit“ (1653) und „Christus vertreibt die Geldwechsler aus dem Tempel“ (1675) mit einer separaten Erwähnung und QR-Code hervorgehoben wird, Werke, die seit dem Zweiten Weltkrieg im Besitz des niederländischen Staates sind und auf eine mögliche Rückgabe an (Nachkommen der) ursprünglichen Eigentümer warten. Und die Einbindung von Werken von Freunden und Zeitgenossen wie dem Standartenträger von 1664 von Ary de Vois liefert den notwendigen Kontext, sodass Steens Geist, Individualität und theatralische Qualität noch stärker hervortreten.

Honthorsts internationale Perspektive

Während die Ausstellung im Museum De Lakenhal den Blick nach innen richtet und Jan Steens Werk mit seiner eigenen lokalen Leidener Welt verbindet, zeigt das Centraal Museum mit der Ausstellung „Gerard van Honthorst – In allem außer Rembrandt“ einen anderen Blick. Wenn eine Malerkarriere des 17. Jahrhunderts dafür geeignet ist, internationale Perspektiven aufzuzeigen, dann ist es die von Gerard van Honthorst (*1592 – +1656). Geboren und aufgewachsen in Utrecht, arbeitete er ab 1616 in Rom, wo er, wie der Biograf Joachim von Sandrart erwähnte, im Palazzo von Kardinal Benedetto Giustiniani und dessen Bruder, des Bankiers und renommierten Kunstsammlers Vincenzo Giustiniani, lebte. Dort konnte er sich mit einer der wichtigsten Kunstsammlungen seiner Zeit beschäftigen, mit Werken von Caravaggio und anderen. Gleichzeitig erfüllte er dort wichtige Aufgaben. Zurück in Utrecht gelang es ihm, diese Erfahrung zu nutzen. Nach einem Aufenthalt am englischen Hof eröffnete er auch ein zweites Atelier in Den Haag, mit dem er die Bedürfnisse einer adeligen Kundschaft erfüllen konnte.

Die groß angelegte Ausstellung führt diese außergewöhnliche künstlerische Laufbahn chronologisch über ihre Höhepunkte hinaus. Kritisch ist der Untertitel ‚in allem anders als Rembrandt‘ zu sehen. Das Argument, Rembrandt sei ein Meister der Darstellung der Psychologie gewesen, während Honthorst hauptsächlich in der Darstellung von Affekten glänzte, ergibt ebenfalls zu wenig Sinn. Diese Darstellung von Geisteszuständen kommt in Honthorsts Werk nicht immer stark zum Vorschein, schon gar nicht in jenem polierten höfischen Stil, mit dem er bei seinen edlen Gönnern so erfolgreich war. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass diese Ausstellung einen wichtigen Beitrag zu einem nuancierteren Bild der Kunstproduktion des 17. Jahrhunderts leistet, jenseits des allgegenwärtigen Schattens von Rembrandt.

Nähere Informationen: Museum De Lakenhal, Oude Singel 32, Leiden, Telefon: +31 715165360, E-Mail: pr@lakenhal.nl, Internet: www.lakenhal.nl, und Centraal Museum, Agnietenstraat 1, Utrecht, Telefon: +31 302362362, E-Mail: info@centraalmuseum.nl, Internet: www.centraalmuseum.nl

Neue Kunsthalle Brusk in Brügge eröffnet

Die neue Kunsthalle Brusk im Museumsviertel Brügge wurde vor Kurzem in Verbindung mit zwei Ausstellungen eröffnett: mit „Breedbeeld“ über Brügge als internationales Zentrum im Mittelalter, und mit „Latent City“, eine immersive KI-Installation des Medienkünstlers Refik Anadol. Diese Kombination macht sofort deutlich, wie Brusk sich profilieren möchte: als Kunsthalle, in der Kulturerbe, zeitgenössische Kunst und Technologie zusammenkommen.

Brusk befindet sich in einem eleganten, dunkelgrünen Gebäude mit großen Glasfenstern neben dem Groeninge-Museum, entworfen von Robbrecht en Daem Architects und Olivier Salens Architects. Im Gegensatz zu den umliegenden Museen verfügt Brusk nicht über eine Dauerausstellung: Die beiden großen Ausstellungsräume im ersten Stock sind für wechselnde Präsentationen gedacht. Im transparenten Erdgeschoss befinden sich eine Bar, ein Museumsgeschäft und Veranstaltungsräume. Neben bildender Kunst werden auch Tanz, Theater, Performance und Musik dort einen Platz haben.Brusk ist Teil der Musea Brügge, die seit 2022 von der flämischen Regierung als eine der drei wichtigsten Kulturerbeinstitutionen in Flandern anerkannt ist, neben der KMSKA und der M HKA, beide in Antwerpen. Dadurch kann das Kunsthal auf die Kulturerbesammlungen Brügges zurückgreifen, legt aber auch den Fokus explizit auf zeitgenössische Kunst und Innovation. Bis 2031 muss das Gebiet in einen neuen Museumspark rund um Brusk und das renovierte Groeninge-Museum umgewandelt werden.

Brügge als internationale Stadt


Mit der Ausstellung „Widescreen“ blickt Brusk auf Brügge zwischen 900 und 1550 zurück. Unter der Leitung des britischen Historikers Peter Frankopan vereint die Ausstellung etwa 250 Objekte, die zeigen, wie eng die Stadt mit internationalem Handel, religiösen und kulturellen Netzwerken verwoben war. Zu den Höhepunkten zählen Gentile Bellinis berühmtes Porträt des osmanischen Sultans Mehmed II. aus dem Jahr 1480 aus der National Gallery in London sowie Hans Memlings „Passion Christi“ (1470–71) aus Turin. Brügge wird hier nicht als isolierte mittelalterliche Stadt dargestellt, sondern als Kreuzung von Gütern, Ideen und Menschen.

Im angrenzenden Raum macht der Besucher einen Sprung in die Gegenwart – oder sogar in die Zukunft. Für ‚Latent City‘ entwickelte der türkisch-amerikanische Künstler Refik Anadol (1985) eine neue KI-Installation auf Basis von Daten aus Brügge selbst: von historischen Karten und Architektur bis hin zu Echtzeitinformationen über die Stadt. Diese Daten werden in ständig wechselnde Videobilder übersetzt, in denen manchmal noch die Konturen von Brügger-Mühlen oder Fassaden erscheinen.

Mit der Kombination aus historischen Objekten und KI-Kunst präsentiert sich Brusk als Kunsthalle, die über das klassische Bild Brügges als Kulturerbe hinausblicken möchte.

Nähere Informationen: Musea Brugge, Dijver 12, 8000 Brugge, Telefon: +32 50448743, E-Mail: musea.reservatie@brugge.be, Internet: www.bruskbrugge.be

Muse oder Schöpfer im Kunstmuseum Den Haag – von Emma Falconer

In drei fast identischen Räumen steht ein Urinal auf einem Sockel. Sie sind 3D-gedruckt, grob fertiggestellt; Das eine ist besser geworden als das andere. Eine einfache Stehlampe beleuchtet sie. An der Wand hängt ein Teppich mit dem Bild eines durchgestrichenen Briefes.

Die Installation ist in der Ausstellung „Mix & match – Barbara Visser“ im Kunstmuseum Den Haag zu sehen. Die Ausstellung baut auf dem Dokumentarfilm „Alreadymade“ (2023) von Barbara Visser (*1966) auf und dreht sich um einen Schlüsselmoment der Kunstgeschichte: die Zuschreibung des weltberühmten Urinalbrunnens. Das Werk wird üblicherweise Marcel Duchamp zugeschrieben, aber Visser nennt einen anderen Namen: Elsa von Freytag-Loringhoven (*1874 – +1927), Dadaistin, Interpretin und Zeitgenosse Duchamps. Könnte sie die wahre Schöpferin sein? Die Präsentation ist Teil einer neuen Serie des Museums, zu der zeitgenössische Künstler eingeladen werden. Visser kombiniert seine eigenen Arbeiten mit Objekten aus der Museumssammlung. An einer der Wände hängt eine Reihe von Gemälden und Fotografien von Frauen, dargestellt von Männern, die selbst keinen Namen haben – sie sind in Vergessenheit geraten. Visser zeigt, dass es keineswegs selbstverständlich war, dass Frauen im zwanzigsten Jahrhundert mehr als eine anonyme Muse als Modell waren – geschweige denn, als Künstlerin anerkannt zu werden.

Nähere Informationen: Kunstmuseum Den Haag, Stadhouderslaan 41, Den Haag, Telefon +31 70338111, E-Mail: info@kunstmuseum.nl, Internet: www.kunstmuseum.nl,

Liebe Leute, Emo Verkerk

1976, im Alter von 21 Jahren, schuf Emo Verkerk sein erstes Kunstwerk: einen verlängerten Küchenstuhl, der Präsenz betont. Es war der Beginn eines Werks voller Porträts historischer Persönlichkeiten, von Schriftstellern bis Schamanen, die ihn wirklich faszinieren. Seine Wahl ist intuitiv, basiert auf Mitgefühl, nicht auf Bewunderung. Jede Begegnung führt zu einer einzigartigen Malweise, manchmal sogar zu mehreren Porträts einer Person. Für Verkerk geht es bei der Malerei um Empathie, nicht als Mittel, sondern als Konsequenz. Das Porträt entsteht aus der Vergangenheit und erscheint in der Gegenwart. Eine Reflexion über Kunst, Kultur und die menschliche Psyche. Die Ausstellung im Stedelijk Museum Alkmaar zeigt jedoch eine fast unbekannte Seite seiner Arbeit: Porträts von Menschen aus seiner unmittelbaren Umgebung, zusammengebracht unter dem Titel „Loved Ones“.

Nähere Informationen: Stedelijk Museum Alkmaar, Canadaplein 1, Telefon: +31 725489789, E-Mail: info@museumalkmaar.nl, Internet: www.stedelijkmuseumalkmaar.nl

Genießt die Stille

SCHUNCK, das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Heerlen, feiert mit „Enjoy the Silence“ sein 40-jähriges Bestehen. Im Art Depot kann man Werke aus der städtischen Kunstsammlung aus den achtziger und neunziger Jahren, den frühen Jahren des Museums, sehen.Die Auswahl zeigt, wie sich die Sammlung in den achtziger und neunziger Jahren entwickelte. Man betrachtet Werke von Künstlern, die in dieser Zeit Innovation in die niederländische Malerei brachten, aber auch Werke, die damals besondere Erwerbungen der Sammlung waren. Beispielhaft dafür sind ein Gemälde von Karel Appel, Werke von Marlene Dumas und Gemälde, die typisch für die malerischen Entwicklungen jener Zeit sind.

Nähere Informationen: Schunck, Bongerd 18, Heerlen, Telefon: +31 455772200, E-Mail: info@schunck.nl, Internet: www.schunck.nl

Suzanne Perlman

Seit Anfang 2026 ist im Museum Singer Laren eine Ausstellung dem Werk der ungarisch-niederländischen Künstlerin Suzanne Perlman (*1922 – +2020, geborene Suzanne Sternberg) gewidmet. Perlman wurde in eine künstlerische Familie in Budapest geboren und heiratete im Alter von 17 Jahren Henry Perlman, einen niederländischen Getreidehändler. Das Paar zog 1939 nach Rotterdam, doch dieser Aufenthalt war nur von kurzer Dauer. 1940 flohen sie vor den Nazis nach Curaçao, wo Perlman schließlich fünfzig Jahre lebte. Dort fertigte sie ihre ersten expressionistischen Landschaften und Porträts an. Auf der Insel entwickelte sie ihren eigenen Stil, der sich durch einen kühnen und lebhaften Einsatz von Farben und expressionistischen Pinselstrichen auszeichnete. Perlman interessierte sich besonders für das tägliche Leben und die Arbeit der Menschen auf der Straße. Sie malte häufig die Bevölkerung von Curaçao um sich herum, Frauen, die ihre Kleidung waschen, Straßenverkäufer und Tänzer, aber auch Aktporträts. Mit ihren Gemälden hoffte sie, ihre „Liebe und ihren Respekt für die Menschen der Insel“ auszudrücken.

Nähere Informationen: Museum Singer Laren, Oude Drift 1, Laren, Telefon: +31 355393956, E-Mail: museum@singerlaren.nl, Internet: http://www.singerlaren.nl

Isaac Israels‘ Europa – Ausstellung im Kröller Müller-Museum

Die Ausstellung „Isaac Israels‘ Europe“ im Kröller Müller-Museum in Otterlo nimmt die Besucher noch bis 30. August mit auf eine Reise durch Europa, basierend auf den Gemälden und Zeichnungen des niederländischen Künstlers Isaac Israels.

Das Leben von Isaac Israels (*1865 – +1934) ist geprägt von Kunst, Literatur und Reisen. 1877, im Alter von 13 Jahren, unternimmt er gemeinsam mit seinen Eltern und seiner Schwester seine erste Europareise mit dem Zug. Dies weckt die Reiselust der von Natur aus ruhelosen Israels. Seine Liebe zu und erstaunliche Kenntnisse der europäischen Literatur führen dazu, dass er mehrere Sprachen lernt. An den meisten Orten, wie Deutschland, Italien, Österreich, Spanien, Dänemark und Schweden, bleibt er nur kurz. Er mietet eine Unterkunft mit einem Atelier und bleibt länger in Paris (1904–1913) und London (1913–1915). Sogar während des Ersten Weltkriegs reist er weiterhin mit einem Laissez-passer, einem temporären Reisedokument. Das erstaunt seine Freunde, die sich fragen, ob ihm bewusst ist, dass Krieg im Gange ist. Das Reisen bleibt bis zu seinem Tod eine Leidenschaft und spiegelt sich in seiner Kunst wider.

Lebendige Eindrücke

Israels hält seine vielen Eindrücke mit großer Geschwindigkeit und Virtuosität in Skizzenbüchern und auf Papier fest. Er entwickelt diese zu lebendigen Eindrücken auf Leinwand. Zu den in der Ausstellung diskutierten Themen gehören Israels Wissen über europäische Literatur, Reisen und Migrationen durch Europa in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie der Status der Migranten in dieser turbulenten Zeit, insbesondere in Kriegszeiten.

Sammlung des Museums und wichtige Leihgaben

Museumsgründerin Helene Kröller-Müller und ihr Assistent Henk Bremmer bewunderten ihn für seine scharfe Beobachtung und Beherrschung der Technik, mit der er das Wesen seines gewählten Themas lückenhaft und in kurzer Zeit einfing. Mit 23 Gemälden und fast 300 Zeichnungen ist sein Werk reich vertreten in der Sammlung des Kröller-Müller-Museums. In der Ausstellung präsentiert das Museum eine Auswahl dieser Werke zusammen mit wichtigen Leihgaben aus anderen Museen und Privatsammlungen. Es umfasst Gemälde und eine große Vielfalt an Papierwerken: Aquarelle, Pastellte, Kreidezeichnungen und viele Skizzenbücher.

Nähere Informationen: Kröller-Müller Museum, Houtkampweg 6, 6731 AW Otterlo/Niederlande
E-Mail:
info@krollermuller.nl und Telefon: +31(0)318591241. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Zwei Ausstellungen im Kasteel het Nijenhuis

Elly Tamminga – Malerin für alle

Nach Jahrzehnten relativer Stille erhält das Werk von Elly Tamminga (*1896 – +1983) erneut die Aufmerksamkeit, die es verdient. Eine noch bis zum 30. August zu sehende Ausstellung im Kasteel het Nijenhuis in Heino hebt die Arbeiten dieser eigenwilligen niederländischen Malerin und Grafikerin hervor, dessen Werk seit langem nur Insidern bekannt ist. Obwohl Tamminga ab den 1920-er Jahren regelmäßig im In- und Ausland ausstellte und ein beeindruckendes Werk aufbaute, verschwand sie nach 1970 fast vollständig aus der Öffentlichkeit. Die Tatsache, dass ihre Arbeit nun wieder präsentiert wird, markiert einen besonderen Moment der Wiederentdeckung.
Tammingas Kunst ist figurativ und hat ihre Ursprünge im Kubismus, mit kraftvollen Farbflächen, klaren Kompositionen und manchmal einer ausgeprägten sozialen Beteiligung. Sie malt Landschaften, Stillleben, Porträts und Alltagsszenen und fertigt zudem grafische Arbeiten an, die bewusst für ein breites Publikum erschwinglich sind. Ihre Kunst wird von Idealen, Einfachheit und Zugänglichkeit dominiert, doch zu ihrer Zeit wurde sie anders aufgenommen und selten von Museen gekauft. Diese Ausstellung zeigt, wie reichhaltig und beständig ihr Werk ist, und lädt Elly Tamminga ein, wieder einen Platz in der niederländischen Kunstgeschichte zu erhalten.

Diese Ausstellung lenkt erneut die Aufmerksamkeit auf das Werk und Leben von Elly Tamminga. Tamminga war eine niederländische Malerin, Grafikerin und Geschäftsfrau, die ihre Kunst bewusst unter anderem nutzte, um soziale Ungleichheit sichtbar zu machen. Aus einem privilegierten Umfeld entschied sie sich nachdrücklich für den Sozialismus und oft für Themen aus dem Leben von Arbeitern, Fischern, Hirten und Bauern. Die Ausstellung zeigt, wie Tamminga Kunst, Überzeugung und persönliche Freiheit verband und wie ihre Arbeit sich auf Zeitgenossen wie Lou Loeber, Peter Alma, Toon Verhoef und Antoon Derkinderen bezieht.

Wilma Wilbrink – In Veeneiken II

Unter dem Titel „Veeneiken II“ zeigt Wilma Wilbrink Arbeiten, die aus jahrhundertealten Eichen stammen, die 2013 beim Room for the River-Projekt entlang der IJssel bei Zwolle freigelegt wurden. Diese Bäume, die seit mehr als 2000 Jahren unter Torf erhalten sind, bilden den Ausgangspunkt für skulpturale Arbeiten, in denen Naturgeschichte und zeitgenössische Klimafragen zusammenkommen. Wilbrink bezieht sich auf mögliche zukünftige Wasserstände und ermöglicht es der Moor-Eiche, als stiller Zeuge menschlichen Eingriffs und Landschaftswandels zu wirken. Die Wachstumsringe verraten von Wachstum, Dürre und Wasser, während eine Leiter das verletzliche Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur sichtbar macht.

In dieser Ausstellung tritt ihre Arbeit in den Dialog mit Landschaftsbildern aus der Fundatie-Sammlung von Emmy Bergsma, Paul Bodifee, Jeroen Krabbé, Jan Voerman und vielen mehr. Jedes dieser Werke erzählt eine andere Geschichte über die Overijssel-Landschaft und die Veränderungen, denen sie unterliegt.

Nähere Informationen: Kasteel het Nijenhuis, ´t Nijenhuis 10, 8131 RD Heino/Wijhe, Telefon: 0572 388188, E-Mail: info@museumdefundatie.nl

Neue Ausstellung im Deutschen Historischen Museum (DHM): „Objekte. Geschichte. Geschichten. Blick in die Sammlung”

Bis zum 31. Oktober 2027 im Pei-Bau

Vor Kurzem wurde im Deutschen Historischen Museum (DHM) eine Ausstellung eröffnet, auf die sich der Museumsverein besonders freut. Sie stellt Objekte der historisch gewachsenen Sammlung ins Zentrum – und lädt dazu ein, Geschichte neu zu entdecken: als Bewegung durch Zeit und Raum. Ein Highlight für den Verein: Es sind drei „seiner“ Objekte zu sehen.

Das kunstvoll gravierte Straußenei mit Motiven aus Jan Huygen van Linschotens Itinerario haben Besucher vielleicht schon in der Ausstellung „Was ist Aufklärung?“ bewundert, wo es im Kontext der Wunderkammern gezeigt wurde. „Objekte. Geschichte. Geschichten“ betrachtet dieses außergewöhnliche Stück nun in der Tiefe und zeigt es gemeinsam mit van Linschotens Itinerario, die der Museumsverein 2024 finanziert hat. Gemeinsam veranschaulichen sie den Machtkampf im globalen Handel des 17. Jahrhunderts und dessen enge Verflechtung mit dem Kolonialismus der Frühen Neuzeit.

Erstmals ist nun der als „Gästebuch aus Glas“ bekannte Willkomm-Becher der Grafen von Oettingen in einer Ausstellung im DHM zu sehen. Das einzigartiges Zeugnis aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges eröffnet einen eindrucksvollen Blick auf die Spannungen jener Epoche. Seit dem Ankauf 2022 hat Sammlungsleiter und Kurator Dr. Wolfgang Cortjaens mit seinem Team zu diesem Kleinod geforscht. Das Ergebnis dieser Arbeit sehen die Besucher in einer Medienstation, die Personen, die den Willkomm-Becher signiert haben, und den Kontext ihres Besuches bei den Grafen von Oettingen beleuchtet.

Im ersten Teil der Ausstellung „Objekte. Geschichte. Geschichten. Blick in die Sammlung” widmet sich der Kurator und Sammlungsleiter Angewandte Kunst und Grafik Wolfgang Cortjaens der Sammlung des DHM als solcher. Der Ausstellungsrundgang folgt fünf prägenden Epochen der wechselvollen Hausgeschichte zwischen 1883 und 2006: Als repräsentatives Waffenarsenal der preußischen Könige im frühen 18. Jahrhundert errichtet, befand sich ab 1883 die „Ruhmeshalle der brandenburgisch-preußischen Armee” im Zeughaus. Zu seiner weiteren Geschichte gehört im 20. Jahrhundert die Beanspruchung zunächst durch das nationalsozialistische Regime als Heeresmuseum und ab 1952 die Rolle als zentrales sozialistisches Geschichtsmuseum der DDR, dem Museum für deutsche Geschichte. Mit der Wiedervereinigung 1990 übernahm das drei Jahre zuvor in West-Berlin gegründete Deutsche Historische Museum das Zeughaus und seine Sammlungen.

Im zweiten Teil der Ausstellung rücken Orte, Schauplätze und Regionen in den Fokus. Ausgewählte Objektgeschichten erzählen von umkämpften Herrschaftsräumen, von globalem Handel, Kolonisierung und der Erschließung neuer Räume ebenso wie von verschwundenen Orten, von Grenzen, Flucht und Exil. Der Rundgang folgt dabei keiner strikten Chronologie, sondern stellt unterschiedliche Epochen in ein Spannungsverhältnis zueinander.

Ein kartografisches Leitsystem macht sichtbar, woher ausgewählte Objekte stammen und welche Wege sie im Laufe der Zeit zurückgelegt haben. Ergänzt wird diese visuelle Reise durch persönliche Einblicke: In Interviews kommen Zeitzeug:innen ebenso zu Wort wie Wissenschaftler:innen aus der Abteilung Sammlungen und eröffnen spannende Perspektiven auf die Geschichte hinter den Objekten.

Das Begleitprogramm – Objekt im Blick

Welche Geschichten erzählen die Objekte der Ausstellung – über sich, ihre Zeit und unsere Sammlung? An vier Terminen rückt das DHM eins der Objekte in den Fokus und folgt seinen Spuren.

1. Juli, 18.30 Uhr
Der osmanische Turbanhelm – Mit Deniz Erduman-Çalış, Aaron Jochim und Helen Pfeifer

5. August, 18.30 Uhr
Der Morgenrock der Königin Luise von Preußen – Mit Birte Förster und Julia Franke

2. September, 18.30 Uhr
Das „Lied der Deutschen“ – Mit Daniel Morat, Pamela M. Potter und Yvonne Wasserloos

7. Oktober, 18.30 Uhr
Die Ortenburg-Bibel – Mit Matthias Miller, Ursula Rautenberg und Stefan Wild

Speed Dating mit der Sammlung

Sechs Objekte in 60 Minuten: An vier Terminen lädt das Team der Ausstellung dazu ein, ausgewählten Objekten näherzukommen. Bei jedem Gong geht es weiter – doch am Ende bleibt Zeit, noch einmal genau hinzusehen.

8. Juli, 18.30 Uhr, mit Dorlis Blume, Projektleiterin, Martin Koch, Projektassistent, und Simon Sacha, Wissenschaftlicher Volontär

12. August, 18.30 Uhr, mit Wolfgang Cortjaens, Kurator, Martin Koch, Projektassistent, und Simon Sacha, Wissenschaftlicher Volontär

9. September, 18.30 Uhr, mit Dorlis Blume, Projektleiterin, Wolfgang Cortjaens, Kurator, und Simon Sacha, Wissenschaftlicher Volontär

14. Oktober, 18.30 Uhr, mit Dorlis Blume, Projektleiterin, Wolfgang Cortjaens, Kurator, und Martin Koch, Projektassistent

Publikation zur Ausstellung

Spielerische Allianzen. Bernsteinpolitik und höfische Kultur in der Frühen Neuzeit

Zwischen 1590 und 1620 entstanden im Umfeld des preußischen Hofes in Königsberg zahlreiche Brettspielkästen für Mühle, Schach und Tric Trac, die einen künstlerischen Höhepunkt der Bernsteinverarbeitung markieren. In diesem Band wird erstmals der Entstehungskontext der kostbaren Kunstkammerobjekte vor dem Hintergrund höfischer (Spiel-)Kultur und dynastischer Bündnispolitik untersucht.

Die Erwerbung einer Königsberger Brettspielkassette von 1607 durch das Deutsche Historische Museum gab 2021 den Anlass, diese kulturhistorisch signifikante Untergruppe der preußischen „Bernstein-Diplomatie“ interdisziplinär zu erforschen. Der Museumsverein hat diese Forschung unterstützt und die interdisziplinäre Tagung „Spielerische Allianzen. Staatskunst, Kriegskunst und Fortuna in der Frühen Neuzeit“, die am29. Februar und 1. März 2024 im DHM stattfand, finanziert.

Die 13 Beiträge des Bandes verbinden kunst-, kultur- und wirtschaftshistorische Perspektiven und machen den Ostseeraum als strategischen Brennpunkt der Zeit „um 1600“ greifbar.

Herausgegeben von: Fritz Backhaus, Wolfgang Cortjaens, Thomas Weißbrich, Berlin 2026, 256 Seiten, 100 Abbildungen, Deutscher Kunstverlag, ISBN 978-3-422-80427-2.

Nähere Informationen: Museumsverein des Deutschen Historischen Museums, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, Telefon: +49 30 814535510, E-Mail: kontakt@dhm-museumsverein.de

Die Angst autoritärer Haltungen vor Sinnlichkeit – Leo Putz und der Verlust des freien Blickes

Leo Putz und die Selbstverständlichkeit der Sinnlichkeit – von Thomas Gatzemeier

Es ist eine merkwürdige Verschiebung unserer Zeit: Ein nackter Körper löst heute oft schneller Unruhe aus als eine Darstellung von Gewalt.

Das Gemälde „Das kitzlige Schnecklein“ von Leo Putz verbindet nackte Körperlichkeit mit surrealer Symbolik. Die riesenhafte Schnecke, die Meereslandschaft und die entspannte Frauenfigur erzeugen eine irritierende Mischung aus Humor, Sinnlichkeit und Unbehagen. Das Werk zeigt die Nähe von Leo Putz zu symbolistischen und jugendstilhaften Bildwelten der Jahrhundertwende.

Gewalt ist überall. In Nachrichten, Filmen, Computerspielen und den täglichen Bildern politischer Katastrophen. Man konsumiert sie beinahe beiläufig. Der nackte menschliche Körper dagegen gerät zunehmend unter Verdacht. Er muss erklärt, eingeordnet oder moralisch abgesichert werden. Selbst die Kunst bleibt davon nicht unberührt.

Gerade deshalb wirken die Bilder von Leo Putz heute so erstaunlich. Seine Frauen am Wasser, seine Badenden und südlichen Szenen besitzen eine Selbstverständlichkeit, die unserer Gegenwart fast fremd geworden ist. Junge Frauen sitzen im Licht eines Sommertages, ruhen am Ufer oder bewegen sich frei zwischen Natur, Wasser und Wärme. Nichts daran wirkt demonstrativ oder kalkuliert provokant. Die Körper existieren einfach. Und vielleicht liegt genau darin bereits die Provokation.

Denn Sinnlichkeit besitzt eine Freiheit, die autoritäre Haltungen schlecht ertragen. Sie entzieht sich der vollständigen Kontrolle. Der sinnliche Mensch nimmt wahr, genießt, beobachtet, fühlt und entscheidet selbst. Sinnlichkeit ist niemals ganz disziplinierbar. Sie verweigert sich der vollkommenen moralischen Ordnung.

Das Gemälde „Auf dem Sofa II (Gusti)“ zeigt eine junge nackte Frau in ruhiger Innenraumszene. Leo Putz verbindet impressionistische Farbigkeit mit einer unmittelbaren, unaufgeregten Darstellung menschlicher Körperlichkeit. Das Werk steht exemplarisch für die entspannte Sinnlichkeit seiner Kunst vor den Kunst-ideologischen Verwerfungen des 20. und 21. Jahrhunderts.

Die Verwechslung von Kunst und Pornografie

Gerade hier zeigt sich eine der seltsamsten Verwirrungen unserer Gegenwart: die beinahe reflexhafte Gleichsetzung von Nacktheit in der bildenden Kunst mit der Pornografisierung des Körpers im digitalen Raum. Dabei handelt es sich um völlig unterschiedliche Formen des Sehens. Die Pornografie des Netzes funktioniert überwiegend über Reizsteigerung, Verfügbarkeit und Konsum. Der Körper wird dort zur Ware, zur schnellen Oberfläche, zum permanenten Angebot.

Die Aktdarstellungen von Leo Putz besitzen dagegen etwas grundsätzlich anderes. Sie leben von Atmosphäre, Licht, Langsamkeit und der Wahrnehmung menschlicher Gegenwart. Der Körper erscheint nicht als konsumierbares Objekt, sondern als Teil eines sinnlichen Weltverhältnisses. Haut wird bei Putz zu Farbe und Licht. Seine Bilder besitzen weder die Aggressivität moderner Werbung noch die Mechanik digitaler Erotik. Selbst dort, wo Erotik spürbar wird, bleibt sie eingebettet in Natur, Sommer, Bewegung und Stimmung.

Umso bemerkenswerter ist es, dass heute häufig beides unterschiedslos ineinanderfällt. Der bloße Anblick nackter Haut scheint bereits auszureichen, um den Verdacht des Voyeurismus oder der sexuellen Absicht auszulösen. Gerade darin offenbart sich jedoch ein Verlust kultureller Differenzierungsfähigkeit. Wo jede Darstellung von Nacktheit sofort pornografisch gelesen wird, verarmt nicht nur der Blick auf die Kunst, sondern auf den Menschen selbst.

Mit dem Gemälde „Bajadere“ schuf Leo Putz 1903 ein Werk zwischen Jugendstil, Symbolismus und orientalischer Fantasie. Die Darstellung der dunkelhäutigen Frau verbindet dekorative Eleganz mit sinnlicher Atmosphäre. Gerade solche exotischen Frauenbilder wurden später von nationalsozialistischen Kunstkritikern scharf angegriffen und ideologisch diffamiert.

Sinnlichkeit und autoritäres Denken

Das erklärt möglicherweise, weshalb autoritäre Systeme dem freien Körper stets mit Misstrauen begegnen. Sie bevorzugen nicht den empfindenden Menschen, sondern den funktionierenden Menschen. Der Körper soll gesund sein, nützlich, leistungsfähig, reproduzierbar oder ideologisch lesbar. Seine Schönheit darf existieren — aber nur unter Aufsicht und möglichst zu zweckmäßigen Fortpflanzung um neue Soldaten für bevorstehenden oder derzeitige Kriege zu bekommen.

Die Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts ist voller solcher Konflikte. Besonders sichtbar wurde dies im Nationalsozialismus. Dort entstand eine eigentümliche Gleichzeitigkeit von Körperverehrung und Körperangst. Einerseits glorifizierte die Ideologie den „gesunden“ Körper in monumentalen Bildern und Skulpturen. Andererseits fürchtete sie jede Form freier, individueller oder ambivalenter Sinnlichkeit.

Gerade Künstler, die Menschen nicht als Typus, sondern als empfindende Wesen darstellten, gerieten unter Verdacht. Die Reaktionen auf die südamerikanischen Bilder von Leo Putz zeigen dies mit erschreckender Deutlichkeit. Der Angriff galt dabei nicht bloß der Erotik, sondern der Freiheit des Blickes selbst. Weibliche Körper erschienen plötzlich als Bedrohung politischer Ordnung. Sprache wurde zur Waffe. Aus Frauen wurden „Mischlingsweiber“, aus Sinnlichkeit moralischer Verfall. Die Gewalt begann lange vor der tatsächlichen Verfolgung.

„Hinter den Kulissen“ von Leo Putz zeigt die sinnliche Atmosphäre des Theaters und der Künstlerwelt um 1900. Tänzerinnen, Umkleideszenen und lockere Körperdarstellungen verbinden sich zu einem Bild moderner urbaner Kultur. Das Werk spiegelt die freiere Auffassung von Körperlichkeit der Belle Époque wider.

Leo Putz und die Angst vor Ambivalenz

Vielleicht wäre es jedoch zu einfach, solche Mechanismen ausschließlich historischen Diktaturen zuzuschreiben. Autoritäre Haltungen entstehen nicht nur in politischen Systemen. Sie können sich auch in moralischen Gewissheiten einnisten, in kultureller Nervosität oder in der Angst vor Ambivalenz.

Das Gemälde „Bacchanale“ von Leo Putz aus dem Jahr 1905 verbindet Jugendstil, Symbolismus und erotische Bildwelten. Nackte Frauenfiguren, Tiere und dichte Vegetation erzeugen eine traumartige Szene zwischen Sinnlichkeit und Bedrohung. Das Werk verweist auf die künstlerische Freiheit der Jahrhundertwende und die spätere Ablehnung solcher Darstellungen durch autoritäre Ideologien.

Gerade unsere Gegenwart wirkt in dieser Hinsicht eigentümlich widersprüchlich. Einerseits wird der menschliche Körper pausenlos gezeigt, vermarktet und digital verbreitet. Andererseits wächst zugleich die Unsicherheit gegenüber natürlicher Nacktheit. Der Blick wird vorsichtig. Schönheit gerät unter Rechtfertigungsdruck. Selbst klassische Aktdarstellungen werden nicht mehr selten zuerst auf mögliche Grenzüberschreitungen untersucht, bevor man sie überhaupt betrachtet. Vielleicht ist dies Ausdruck einer tieferen Erschöpfung moderner Gesellschaften.

Die Badenden“ von Leo Putz zeigt nackte Frauenfiguren in einer offenen Landschaft am Wasser. Mit lockerer Malweise und leuchtenden Farben verbindet das Werk Impressionismus und expressive Sinnlichkeit. Die Darstellung natürlicher Nacktheit steht exemplarisch für jene künstlerische Freiheit, die im 20. Jahrhundert zunehmend unter moralischen und politischen Druck geriet. Und auch heute unter Generalverdacht steht.

Denn Sinnlichkeit verlangt etwas, das heute zunehmend verlorengeht: die Fähigkeit zum zweckfreien Sehen. Wer einen Körper nur noch moralisch, politisch oder funktional betrachtet, verliert den offenen Blick auf den Menschen selbst. Gerade deshalb besitzen die Werke von Leo Putz bis heute eine stille Kraft. Sie zeigen keine Skandale. Keine Provokationen. Keine Theorien. Sondern Menschen im Licht. Haut im Wasser. Sommer. Gegenwart des Augenblicks. Vielleicht wirkt das heute radikaler als früher.

Zum Autor:

Am dunkelsten Tag des Jahres 1954 im sächsischen Döbeln geboren, wurde Thomas Gatzemeier ungefragt von einem katholischen Pfarrer getauft.

Als Kind buk er heimlich einen Kuchen, der als Brot gut ankam. Dieses scheinbare Missgeschick inspirierte ihn dazu, eine Ausbildung als Schrift- und Plakatmaler zu absolvieren, um Pinsel und Stift zu beherrschen. Er arbeitete anschließend auch als Steinmetzgehilfe und Grabsteindesigner. Nach dieser Grundausbildung studierte er Malerei und Grafik an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo Arno Rink und Volker Stelzmann zu seinen Lehrern zählten. 1980 beendete er sein Studium und ist seitdem als freier Künstler, Autor, Kunsthändler, Blogger und Freizeitkoch tätig.

Konflikte mit den Machthabern der SBZ und ein mehrjähriges Ausstellungsverbot bewegten ihn 1986 dazu, die SBZ zu verlassen. Danach lebte er vorwiegend in Karlsruhe, verbrachte aber auch längere Zeit in Zürich und nahe Worpswede. Von 2006 bis 2015 hatte er ein weiteres Atelier in Leipzig. Nach 34 Jahren Hauptwohnsitz in Karlsruhe verlegte der Wanderer zwischen den Welten im Februar 2020 seinen Wohnsitz endgültig nach Leipzig.

Nähere Informationen: Thomas Gatzemeier, Gottschallstraße 24, 04157 Leipzig, Telefon: 0172 610 25 35, E-Mail: info@thomas-gatzemeier.de

Feierliche Erstpräsentation und Artist Talk im Museum Reinhard Ernst in Wiesbaden

Michael Anthony Müller im Gespräch mit Kuratorin Lea Schäfer

Der Berliner Künstler Michael Anthony Müller ist am Sonntag, 17. Mai, um 15 Uhr zu Gast im Museum Reinhard Ernst (mre) in Wiesbaden. Michael Anthony Müller wird mit mre-Kuratorin Lea Schäfer über seine jüngst fertig gestellte Arbeit Titanomachie (2024−2026) sprechen. Als besonderen Gast dieser feierlichen Erstpäsentation begrüßen wir die Kunsthändler-Legende Rudolf Zwirner, der das Gemälde vorstellen wird.
Michael Anthony Müllers fünfteilige Titanomachie (2024 – 2026) greift einen Klassiker der griechischen Mythologie auf: Jener entscheidende Götterkampf zwischen Titanen und Olympiern, der vor der Erschaffung der Menschheit spielt.

Dabei bietet das traditionsreiche Genre des Schlachtengemäldes dem Künstler die Möglichkeit, eine der zentralen malerischen Fragen in monumentalem Format zu stellen: Inwieweit lassen sich auch in der Abstraktion Erzählungen und Inhalte darstellen? Michael Anthony Müller schafft dafür einen ausladenden malerischen Kosmos, der potenziell unabgeschlossen zwischen Zugänglichkeit und Verschlossenheit hin und her wogt und dem Götterkampf ein zeitgemäßes Bild gibt.
Die mythologische Titanomachie spielt in einer Zeit vor jeder Ordnung der Welt in menschliche Dimensionen und Wahrnehmungen. Bei Michael Anthony Müller wird die antike Erzählung zum Ausgangspunkt für drängende Fragen, die unsere Gegenwart angehen: Wie steht es um unsere aktuelle Weltordnung? Können wir uns heute noch ein Bild der Welt machen?
Michael Anthony Müller: „Abstraktion ist eine Bewegung nach innen, dorthin, wo die Dinge beginnen, sich selbst zu verlieren, wo Form nicht verschwindet, sondern sich so weit verdichtet, dass sie nicht mehr als Gegenstand erscheint, sondern als Druck, als Verhältnis, als ein Kräftefeld, das den Körper nicht darstellt, sondern ihn durchläuft. Ich abstrahiere nicht, um zu entfernen, sondern um freizulegen, was im Sichtbaren bereits arbeitet, ohne sich zu zeigen, jene unruhige Struktur, die unter der Haut liegt, nicht verborgen, sondern unlesbar, weil wir zu sehr an das glauben, was sich abbilden lässt.“

Nähere Informationen: Museum Reinhard Ernst, Wilhelmstraße 1, 65185 Wiesbaden, Telefon: +49 (0)611 76388880, E-Mail: info@museumre.de

Kunsthalle Düsseldorf im Mai

Noch bis Sonntag, 10. Mai, besteht in der Kunsthalle Düsseldorf die Chance, im Rahmen von „Work in Progress“die bisher größte Wandmalerei des Künstlers Navot Miller zu erleben. Dann heißt es Abschied nehm en, denn seine Arbeit wird weiß übermalt und die Künstlerin Rosilene Luduvico beginnt mit der Umsetzung ihrer Vision für die Wände der Kunsthalle. Bis zum 7. Juni können die Besucherinnen und Besucher dann live die Umsetzung der neuen Wandarbeit erleben.
Die Kunsthalle lädt zur Eröffnung des zweiten Projekts im Rahmen von Kunsthalle unterwegs in Kooperation mit dem Künstlerverein Malkasten ein: „Ecologies in Motion“ am Samstag, 23. Mai , von 15 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Im Mittelpunkt steht der historische zweieinhalb Hektar große Malkastenpark, der durch künstlerische Interventionen als sozialer, ökologischer und ästhetischer Raum neu belebt wird. Die Künstler Stefanie Bühler, Arpad Dobriban, Klaus Fritze, Kanade Hamawaki, Aslı Hatipoğlu, Temitayo Ogunbiyi und Katie Paterson erkunden in Skulpturen, Performances und ortsspezifischen Installationen Themen wie Biodiversität, kollektive Erinnerung und die Transformation urbaner Natur.

Familientag am 10. Mai, 11 bis 18 Uhr, Eintritt frei

Bei einer Familienführung mit anschließender praktischer Arbeit im „Atelier“ (ab 4 Jahren) dreht sich alles um die Kraft der Farben und deren unbegrenzten Kombinationsmöglichkeiten. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Der freie Eintritt wird durch die großzügige Unterstützung der Stadtwerke Düsseldorf ermöglicht.

Gespräch mit Rosilene Luduvico am Dienstag, 19. Mai, 17 bis 18 Uhr

Der Artist Talk mit Rosilene Luduvico gibt Einblicke in die Arbeitsweise der Künstlerin und ihr Vorgehen bei diesem Projekt: Wie entwickelt man eine Wandmalerei für rund 1.200 Quadratmeter Wandfläche?

Kunsthalle unterwegs: Ecologies in Motion am Samstag, 22. Mai, 15 Uhr, Eintritt frei

Zur Eröffnung lädt die Kunsthalle zu folgendem Programm ein: Ab 15 Uhr beginnt ein Kombucha Tasting mit Aslı Hatipoğlu, und von 17 bis 17.30 Uhr findet die Intervention „To Burn, Forest, Fire“ von Katie Paterson statt. Die Begrüßung ab 16 Uhr wird in Deutsche Gebärdensprache (DGS) übersetzt.

Kunsthalle unterwegs – Langer Donnerstag am 28. Mai, 18 bis 21 Uhr, Eintritt frei

Verlängerte Öffnungszeiten im Malkastenpark: Die Kunsthalle lädt gemeinsam mit den Stadtwerken Düsseldorf zum Langen Donnerstag ein. Auf dem Programm stehen Workshop „Im Parklabor: Flechten und ihre ökologische Bedeutung“ mit Klaus Fritze, Dr.‘in Andrea Berger und Dr. Michael Berger (Anmeldung bis 25. Mai unter bildung@kunsthalle-duesseldorf.de), das dialogische Format „Park+talk“, die Intervention „To Burn, Forest, Fire“ von Katie Paterson und die Praxisführung Fokus Flechte. Übrigens: Die Kunsthalle ist mit „Work in Progress“ wie gewohnt am Langen Donnerstag ebenfalls bis 21 Uhr geöffnet.

Nähere Informationen: Kunsthalle Düsseldorf, Grabbeplatz 4, 40213 Düsseldorf, Telefon: +49 (0)211 54237710, E-Mail: mail@kunsthalle-duesseldorf.de

Neues aus der Welt der Kunst in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden und manches mehr aus der Welt der Kunst. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Wer ist dieses Mädchen? – Porträt eines Mädchens in Blau im Frans Hals Museum (Von Erik Spaans)

Im Frans-Hals-Museum schafft die Ausstellung „Das Rätsel des Mädchens in Blau“ eine seltene Familienausstellung: Das berühmte Porträt eines Mädchens in Blau von Johannes Verspronck hängt vorübergehend neben den Porträts ihrer mutmaßlichen Eltern. Die drei Gemälde sind seit Jahrhunderten miteinander verbunden, aber es ist unklar, wer die dargestellten Personen sind.

Man könnte es als „Familienzusammenführung“ bezeichnen. Im Frans-Hals-Museum in Haarlem hängt das berühmte Porträt eines Mädchens in Blau von Johannes Verspronck (*1600 – +1662) vorübergehend wieder zwischen ihren Eltern. Das Mädchen ist normalerweise in der Ehrengalerie des Rijksmuseums zu sehen, wo sie seit langem eine der Favoritinnen der Öffentlichkeit ist. Die Anhängerporträts der Eltern stammen aus dem Rijksmuseum Twenthe in Enschede. Es ist nicht unbestreitbar, dass wir es hier mit Familienmitgliedern zu tun haben, aber es ist sehr wahrscheinlich, weil die drei bis Anfang des 19. Jahrhunderts in derselben (deutschen) Sammlung waren. Außerdem entsprechen und teilen sich die Formate das Jahr 1641. Übrigens enthielt die deutsche Sammlung auch ein viertes Gemälde von Verspronck. Dieses Porträt eines Mannes (vielleicht auch ein Familienmitglied) wurde zuletzt 1970 bei einer Auktion gesehen.

Haarlem Versproncks Mädchen ist sehr luxuriös gekleidet. Ihr blaues Kleid ist mit anmutigen Blumenmotiven besetzt. Ihre Schultern sind mit mehreren Lagen feiner Spitze bedeckt, und sie trägt ein Vermögen an Perlen um Hals und Handgelenk. Sie sieht den Betrachter mit freundlichen Hirschaugen an. Wer war dieses Mädchen? Wir wissen fast nichts über sie, außer dass sie – angesichts ihrer Kleidung und ihres Schmucks – wohlhabend aus wohlhabenden Verhältnissen stammen muss und wahrscheinlich in Haarlem gelebt hat.

Haarlem ist die Stadt, in der Johannes Verspronck sein ganzes Leben lang lebte und arbeitete. Der berühmteste Haarlemer Künstler war Frans Hals, bei dem Verspronck vermutlich eine Zeit lang in die Lehre ging. Doch mit einer Bevölkerung (Mitte des siebzehnten Jahrhunderts) von etwa 50.000 Seelen gab es reichlich Arbeit für andere Porträtmaler. Und in der Person von Verspronck fanden Haarlemer Kaufleute, Regents, Brauer und Bürgerwachen eine etwas verfeinerte Alternative zu Hals‘ geradlinigem Malstil.

Straußenfeder im Bild

Obwohl auch einige Genrebilder und ein Stillleben von seiner Hand erhalten geblieben sind, spezialisierte sich Johannes Verspronck hauptsächlich auf Porträts. Als Kunde wusste man genau, wo man stand: von der Seite gesehen, auf Hüfthöhe abgeschnitten, im Detail durchgearbeitet und in einem undefinierbaren Raum platziert. Verspronck malte keine Hintergründe, und die notwendigen Dinge wurden auf ein Minimum beschränkt: ein Buch, ein Handschuh, ein Hut…

Oder eine Straußenfeder. Sowohl das Mädchen in Blau als auch ihre Mutter halten eines. Doch das kann kaum als nützlicher Hinweis auf die Identität der dargestellten Personen bezeichnet werden. Dennoch hoffte der emeritierte Professor für Kunstgeschichte Frans Grijzenhout, das anonyme Trio benennen zu können, als er in den Haarlemer Archiven suchte, um unzählige Heiratsverträge, Inventare, Steuerbewertungen und Testamente auf der Suche nach Hinweisen zu durchforsten. Grijzenhout ist in dieser Art von Detektivarbeit geschickt. Er stellte einmal fest, dass Jan Steens sogenannter ‚Bürgermeister von Delft‘ in Wirklichkeit ein Getreidehändler (und Geschäftspartner des Malers) war. Es gelang ihm auch, den Ort in Delft zu verfolgen, der als Vorbild für Johannes Vermeers berühmte ‚Kleine Straße‘ diente.

Fokus-Präsentation ohne Fokus

Aber Versuche, die Identität der von Versproncks porträtierten Personen zu klären oder zumindest einige mögliche Personen, die es hätten sein können, zu benennen, brachten nichts. Es ist möglich, dass die dargestellten Personen – wie der Maler selbst – Katholiken waren. Von diesen sind Taufdaten meist spärlich bekannt, was die Suche erschwert. Das Frans-Hals-Museum hat das Beste daraus gemacht und eine Wand mit Texten errichtet, in denen Grijzenhouts Suche prägnant und amüsant skizziert ist. Es ist etwas ironisch, dass einer ‚Fokus-Präsentation‘ ausgerechnet der Fokus fehlt.

Nähere Informationen: Franz Hals Museum, Groot Heiligland 62, Haarlem, Telefon +31 235115775, E-Mail: info@franshalsmuseum.nl, Internet: www.franshalsmuseum.nl

Mythische Monster in Bewegung im Nationalmuseum für Altertümer

Von der monströsen Medusa mit ihrem Schlangenhaar bis zu Huwawa, einem Riesen aus der mesopotamischen Mythologie: Die Ausstellung „Monster und mythische Kreaturen“ im Nationalmuseum für Altertümer bietet eine zugängliche Einführung in die Mythologie der Antike. Jeder Raum konzentriert sich auf eine Reihe von Figuren, die in Illustrationen, Spielen und archäologischen Objekten dargestellt sind.

Die Ausstellung verbindet antike Objekte mit großen, farbenfrohen Zeichnungen von Alice Hoogstad (*1957). Diese Illustrationen machen die Geschichten besonders für jüngere Besucher verständlicher. Die Art und Weise, wie die Illustrationen dargestellt werden, liefert ebenfalls Fakten über die Monster: Im Mythos kann Medusa zum Beispiel nur durch einen Spiegel betrachtet werden, sodass auch die Zeichnung von Hoogstad durch Spiegelbilder gesehen werden kann.

Auch die interaktiven Elemente sind informativ. Während Besucher Minispiele und Rätsel lösen, werden sie mit Details aus den Mythen vertraut gemacht. In einem Spiel zählt man die Anzahl der Nervenfliegen um Pegasus – eine Anspielung auf die Geschichte von Pegasus und Bellerophon. Neben den Illustrationen befinden sich Objekte aus der Antike, die das geflügelte Pferd zeigen, wie zum Beispiel ein gravierter Ring.

Genau die Kombination aus Spiel, Bild und Objekt funktioniert gut. „Monsters and Mythical Creatures“ ist daher eine erfolgreiche Familienausstellung: lehrreich, ohne schulisch zu werden, und visuell ansprechend, ohne den historischen Kontext aus den Augen zu verlieren. Ein passender Ausflug zu den Maiferien.

Nähere Informationen: Nationalmuseum für Altertümer, Rapenburg 28, Leiden, Telefon: +31 715163163, E-Mail: info@rmo,nl, Internet: www.rmo.nl

Erzähl uns mehr… Im Gespräch mit Holocaust-Zeugen

In der Ausstellung „Erzählen Sie mehr… im Gespräch mit Holocaust-Zeugen“, die in Zusammenarbeit mit der USC Shoah Foundation erstellt wurde, treffen die Besucher auf zwölf Holocaust-Überlebende aus verschiedenen Ländern Europas. Ihre Geschichten zeigen, wie sich die niederländische Holocaust-Geschichte von der des übrigen Europas unterscheidet. Man kann mit zwei dieser Überlebenden „sprechen“. Es ist das erste Mal, dass Sie Holocaust-Überlebenden in den Niederlanden mit Hilfe interaktiver Technologie Fragen stellen können.

Das Nationale Holocaust-Museum erzählt die Geschichte der Verfolgung der Juden in den Niederlanden. Die temporäre Ausstellung „Tell More…“ stellt zwölf Menschen aus anderen Ländern Europas vor, die den Holocaust überlebt haben. Elf von ihnen sind Juden, einer ist Roma. Ihre Geschichten, die sie selbst auf Video erzählen, zeigen, dass die Verfolgung der Juden an verschiedenen Orten unterschiedlich umgesetzt wurde.

Nähere Informationen: Nationales Holocaust-Museum, Plantage Middenlaan 27, Amsterdam, Telefon: +31 2053110310, E-Mail: service@jck.nl, Internet: www.jck.nl/locatie/national-holocaustmuseum

Kriegstagebücher

„War Diaries“ ist eine Wanderausstellung der ukrainischen Künstlerin Khrystyna Khranovska mitpersönlichen Kriegsgeschichten von Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine. „War Diaries“ wurde bereits in Amsterdam, Kiew, Berlin, Straßburg und den Vereinigten Staaten gezeigt. Das Nationale Militärmuseum in Soest übersetzte die Geschichten ins Niederländische.

Ukrainische Kinder erzählen, wie es ist, in einem Krieg leben zu müssen. Einige von ihnen verloren einen Elternteil, andere wurden verletzt, verloren ihre Häuser und mussten fliehen. Jede Geschichte wird von einem persönlichen Gegenstand der Kinder begleitet: ein Tagebuch, eine Zeichnung oder ein Gemälde, ein Video-Tagebuch, ein Foto, ein Kuscheltier. Dinge, die den Kindern in schwierigen Zeiten etwas gaben, an dem sie sich festhalten konnten.

„War Diaries“ hebt das tiefe Trauma hervor, das die junge ukrainische Generation erlebt hat. Die Ausstellung bietet eine Plattform für ungehörte Stimmen, die die verheerenden Folgen des Krieges erlebt haben.

Nähere Informationen: Nationales Militärmuseum, Verlengde Paltzerweg 1, Soest, Telefon: +31 850036000, E-Mail: info@nmm.nl, Internet: www.nmm.nl

Zerbrochene Talente

Die Ausstellung „Zerbrochene Talente“ ist eine Hommage an fünf Künstler, darunter Julius Klinger und Samuel L. Schwarz, zwei einflussreiche Designer, die genau vor 150 Jahren geboren wurden. Darüber hinaus konzentriert sich die Ausstellung auf die Werke von Fré Cohen, Stefan Schlesinger und Meijer Bleekrode. Wie viele Zeitgenossen wurden ihre Karrieren und ihr Leben von den tragischen Ereignissen des Zweiten Weltkriegs überschattet. Diese fünf überlebten diese Zeit nicht. Es ist dem Design Museum Dedel daher besonders wichtig, ihnen Anerkennung zu schenken und das Interesse der Besucher auf sie zu lenken.

Nähere Informationen: Design Museum Dedel, Prinsegracht 15, Den Haag, Telefon: +31 65761691, E-Mail: info@designmuseumdedel.nl, Internet: http://www.designmuseumdedel.nl