In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden und manches mehr aus der Welt der Kunst. Hier ein kleiner Ausschnitt:
Wer ist dieses Mädchen? – Porträt eines Mädchens in Blau im Frans Hals Museum (Von Erik Spaans)
Im Frans-Hals-Museum schafft die Ausstellung „Das Rätsel des Mädchens in Blau“ eine seltene Familienausstellung: Das berühmte Porträt eines Mädchens in Blau von Johannes Verspronck hängt vorübergehend neben den Porträts ihrer mutmaßlichen Eltern. Die drei Gemälde sind seit Jahrhunderten miteinander verbunden, aber es ist unklar, wer die dargestellten Personen sind.
Man könnte es als „Familienzusammenführung“ bezeichnen. Im Frans-Hals-Museum in Haarlem hängt das berühmte Porträt eines Mädchens in Blau von Johannes Verspronck (*1600 – +1662) vorübergehend wieder zwischen ihren Eltern. Das Mädchen ist normalerweise in der Ehrengalerie des Rijksmuseums zu sehen, wo sie seit langem eine der Favoritinnen der Öffentlichkeit ist. Die Anhängerporträts der Eltern stammen aus dem Rijksmuseum Twenthe in Enschede. Es ist nicht unbestreitbar, dass wir es hier mit Familienmitgliedern zu tun haben, aber es ist sehr wahrscheinlich, weil die drei bis Anfang des 19. Jahrhunderts in derselben (deutschen) Sammlung waren. Außerdem entsprechen und teilen sich die Formate das Jahr 1641. Übrigens enthielt die deutsche Sammlung auch ein viertes Gemälde von Verspronck. Dieses Porträt eines Mannes (vielleicht auch ein Familienmitglied) wurde zuletzt 1970 bei einer Auktion gesehen.
Haarlem Versproncks Mädchen ist sehr luxuriös gekleidet. Ihr blaues Kleid ist mit anmutigen Blumenmotiven besetzt. Ihre Schultern sind mit mehreren Lagen feiner Spitze bedeckt, und sie trägt ein Vermögen an Perlen um Hals und Handgelenk. Sie sieht den Betrachter mit freundlichen Hirschaugen an. Wer war dieses Mädchen? Wir wissen fast nichts über sie, außer dass sie – angesichts ihrer Kleidung und ihres Schmucks – wohlhabend aus wohlhabenden Verhältnissen stammen muss und wahrscheinlich in Haarlem gelebt hat.
Haarlem ist die Stadt, in der Johannes Verspronck sein ganzes Leben lang lebte und arbeitete. Der berühmteste Haarlemer Künstler war Frans Hals, bei dem Verspronck vermutlich eine Zeit lang in die Lehre ging. Doch mit einer Bevölkerung (Mitte des siebzehnten Jahrhunderts) von etwa 50.000 Seelen gab es reichlich Arbeit für andere Porträtmaler. Und in der Person von Verspronck fanden Haarlemer Kaufleute, Regents, Brauer und Bürgerwachen eine etwas verfeinerte Alternative zu Hals‘ geradlinigem Malstil.
Straußenfeder im Bild
Obwohl auch einige Genrebilder und ein Stillleben von seiner Hand erhalten geblieben sind, spezialisierte sich Johannes Verspronck hauptsächlich auf Porträts. Als Kunde wusste man genau, wo man stand: von der Seite gesehen, auf Hüfthöhe abgeschnitten, im Detail durchgearbeitet und in einem undefinierbaren Raum platziert. Verspronck malte keine Hintergründe, und die notwendigen Dinge wurden auf ein Minimum beschränkt: ein Buch, ein Handschuh, ein Hut…
Oder eine Straußenfeder. Sowohl das Mädchen in Blau als auch ihre Mutter halten eines. Doch das kann kaum als nützlicher Hinweis auf die Identität der dargestellten Personen bezeichnet werden. Dennoch hoffte der emeritierte Professor für Kunstgeschichte Frans Grijzenhout, das anonyme Trio benennen zu können, als er in den Haarlemer Archiven suchte, um unzählige Heiratsverträge, Inventare, Steuerbewertungen und Testamente auf der Suche nach Hinweisen zu durchforsten. Grijzenhout ist in dieser Art von Detektivarbeit geschickt. Er stellte einmal fest, dass Jan Steens sogenannter ‚Bürgermeister von Delft‘ in Wirklichkeit ein Getreidehändler (und Geschäftspartner des Malers) war. Es gelang ihm auch, den Ort in Delft zu verfolgen, der als Vorbild für Johannes Vermeers berühmte ‚Kleine Straße‘ diente.
Fokus-Präsentation ohne Fokus
Aber Versuche, die Identität der von Versproncks porträtierten Personen zu klären oder zumindest einige mögliche Personen, die es hätten sein können, zu benennen, brachten nichts. Es ist möglich, dass die dargestellten Personen – wie der Maler selbst – Katholiken waren. Von diesen sind Taufdaten meist spärlich bekannt, was die Suche erschwert. Das Frans-Hals-Museum hat das Beste daraus gemacht und eine Wand mit Texten errichtet, in denen Grijzenhouts Suche prägnant und amüsant skizziert ist. Es ist etwas ironisch, dass einer ‚Fokus-Präsentation‘ ausgerechnet der Fokus fehlt.
Nähere Informationen: Franz Hals Museum, Groot Heiligland 62, Haarlem, Telefon +31 235115775, E-Mail: info@franshalsmuseum.nl, Internet: www.franshalsmuseum.nl
Mythische Monster in Bewegung im Nationalmuseum für Altertümer
Von der monströsen Medusa mit ihrem Schlangenhaar bis zu Huwawa, einem Riesen aus der mesopotamischen Mythologie: Die Ausstellung „Monster und mythische Kreaturen“ im Nationalmuseum für Altertümer bietet eine zugängliche Einführung in die Mythologie der Antike. Jeder Raum konzentriert sich auf eine Reihe von Figuren, die in Illustrationen, Spielen und archäologischen Objekten dargestellt sind.
Die Ausstellung verbindet antike Objekte mit großen, farbenfrohen Zeichnungen von Alice Hoogstad (*1957). Diese Illustrationen machen die Geschichten besonders für jüngere Besucher verständlicher. Die Art und Weise, wie die Illustrationen dargestellt werden, liefert ebenfalls Fakten über die Monster: Im Mythos kann Medusa zum Beispiel nur durch einen Spiegel betrachtet werden, sodass auch die Zeichnung von Hoogstad durch Spiegelbilder gesehen werden kann.
Auch die interaktiven Elemente sind informativ. Während Besucher Minispiele und Rätsel lösen, werden sie mit Details aus den Mythen vertraut gemacht. In einem Spiel zählt man die Anzahl der Nervenfliegen um Pegasus – eine Anspielung auf die Geschichte von Pegasus und Bellerophon. Neben den Illustrationen befinden sich Objekte aus der Antike, die das geflügelte Pferd zeigen, wie zum Beispiel ein gravierter Ring.
Genau die Kombination aus Spiel, Bild und Objekt funktioniert gut. „Monsters and Mythical Creatures“ ist daher eine erfolgreiche Familienausstellung: lehrreich, ohne schulisch zu werden, und visuell ansprechend, ohne den historischen Kontext aus den Augen zu verlieren. Ein passender Ausflug zu den Maiferien.
Nähere Informationen: Nationalmuseum für Altertümer, Rapenburg 28, Leiden, Telefon: +31 715163163, E-Mail: info@rmo,nl, Internet: www.rmo.nl
Erzähl uns mehr… Im Gespräch mit Holocaust-Zeugen
In der Ausstellung „Erzählen Sie mehr… im Gespräch mit Holocaust-Zeugen“, die in Zusammenarbeit mit der USC Shoah Foundation erstellt wurde, treffen die Besucher auf zwölf Holocaust-Überlebende aus verschiedenen Ländern Europas. Ihre Geschichten zeigen, wie sich die niederländische Holocaust-Geschichte von der des übrigen Europas unterscheidet. Man kann mit zwei dieser Überlebenden „sprechen“. Es ist das erste Mal, dass Sie Holocaust-Überlebenden in den Niederlanden mit Hilfe interaktiver Technologie Fragen stellen können.
Das Nationale Holocaust-Museum erzählt die Geschichte der Verfolgung der Juden in den Niederlanden. Die temporäre Ausstellung „Tell More…“ stellt zwölf Menschen aus anderen Ländern Europas vor, die den Holocaust überlebt haben. Elf von ihnen sind Juden, einer ist Roma. Ihre Geschichten, die sie selbst auf Video erzählen, zeigen, dass die Verfolgung der Juden an verschiedenen Orten unterschiedlich umgesetzt wurde.
Nähere Informationen: Nationales Holocaust-Museum, Plantage Middenlaan 27, Amsterdam, Telefon: +31 2053110310, E-Mail: service@jck.nl, Internet: www.jck.nl/locatie/national-holocaustmuseum
Kriegstagebücher
„War Diaries“ ist eine Wanderausstellung der ukrainischen Künstlerin Khrystyna Khranovska mitpersönlichen Kriegsgeschichten von Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine. „War Diaries“ wurde bereits in Amsterdam, Kiew, Berlin, Straßburg und den Vereinigten Staaten gezeigt. Das Nationale Militärmuseum in Soest übersetzte die Geschichten ins Niederländische.
Ukrainische Kinder erzählen, wie es ist, in einem Krieg leben zu müssen. Einige von ihnen verloren einen Elternteil, andere wurden verletzt, verloren ihre Häuser und mussten fliehen. Jede Geschichte wird von einem persönlichen Gegenstand der Kinder begleitet: ein Tagebuch, eine Zeichnung oder ein Gemälde, ein Video-Tagebuch, ein Foto, ein Kuscheltier. Dinge, die den Kindern in schwierigen Zeiten etwas gaben, an dem sie sich festhalten konnten.
„War Diaries“ hebt das tiefe Trauma hervor, das die junge ukrainische Generation erlebt hat. Die Ausstellung bietet eine Plattform für ungehörte Stimmen, die die verheerenden Folgen des Krieges erlebt haben.
Nähere Informationen: Nationales Militärmuseum, Verlengde Paltzerweg 1, Soest, Telefon: +31 850036000, E-Mail: info@nmm.nl, Internet: www.nmm.nl
Zerbrochene Talente
Die Ausstellung „Zerbrochene Talente“ ist eine Hommage an fünf Künstler, darunter Julius Klinger und Samuel L. Schwarz, zwei einflussreiche Designer, die genau vor 150 Jahren geboren wurden. Darüber hinaus konzentriert sich die Ausstellung auf die Werke von Fré Cohen, Stefan Schlesinger und Meijer Bleekrode. Wie viele Zeitgenossen wurden ihre Karrieren und ihr Leben von den tragischen Ereignissen des Zweiten Weltkriegs überschattet. Diese fünf überlebten diese Zeit nicht. Es ist dem Design Museum Dedel daher besonders wichtig, ihnen Anerkennung zu schenken und das Interesse der Besucher auf sie zu lenken.
Nähere Informationen: Design Museum Dedel, Prinsegracht 15, Den Haag, Telefon: +31 65761691, E-Mail: info@designmuseumdedel.nl, Internet: http://www.designmuseumdedel.nl