Buchtipp: Hans Traxler – Meine Klassiker Bildergedichte

Lesern der Satiremagazine „Pardon“ und „Titanic“ ist der Name Hans Traxler ebenso vertraut wie Lesern der Zeitungen „Frankfurter Allgemeine“, „Süddeutsche Zeitung“ oder „Die Zeit“. In seinen mit äußerst feinem Strich gearbeiteten Cartoons, Bildergeschichten und Illustrationen nimmt er sich voller Humor unter anderem der großen Namen aus Politik, Wissenschaft, Literatur, Malerei und Philosophie an.

Für das bei Reclam erschienene Bändchen „Meine Klassiker“ hat er eine Auswahl seiner schönsten Bildergedichte getroffen, bei der die Erotik keine geringe Rolle spielt. Der Leser erfährt dabei so Manches, was er von Goethe, Flaubert, Freud, Nietzsche, Marx und manchen mehr vielleicht so nicht gedacht oder vermutet hätte. Mit Traxlers Hilfe vermag er einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und trifft die Geistes- und Künstler-Heroen hin und wieder gewissermaßen mit heruntergelassener Hose an.

Der Einstieg beginnt mit dem frivolen, von viel Alkohol und Eros begleiteten Treiben des größten Geistesheroen der deutschen Klassik überhaupt, Johann Wolfgang Goethe, während seines legendären Aufenthaltes in Rom. Konservative Goethe-Exegeten dürften entsetzt sein, was Traxler über den gottgleich verehrten Dichter zu zeichnen und zu dichten weiß. Der Sockel, auf den Goethe so oft gestellt wird, scheint brüchig geworden zu sein.

Während das Liebesleben bei Goethe seinen lockeren Gang nimmt, hakt es bei dem ein oder anderen Prominenten. So muss sich der weltberühmte Dr. Sigmund Freud aus unerklärlichen Gründen auf die Suche nach seinem „P…“ machen, der Philosoph Friedrich Nietzsche wird von einer Frau aus dem Hause geschmissen und erhält erst wieder Einlass nach dem Vorzeigen einer Peitsche („Gehst Du zum Weibe, vergiss…“), der große Frauenliebhaber Giacomo Casanova hat mit nachlassenden Triebgelüsten zu kämpfen, und der vom Bazillenwahn befallene Virologe Robert Koch ist von seiner Freundin Mabel nur mit dem Rufe „Stroptokokken“ in die Kissen zu locken.

Das Buch „Meine Klassiker“ und seinen Zeichner und Dichter Hans Traxler aber nur auf das Thema der Erotik zu reduzieren, ist allerdings zu kurz gegriffen. Traxler weiß auch um die Eitelkeiten und intellektuellen Probleme seiner prominenten Figuren. Beispielhaft wird das unter anderem an zwei Ausnahmefiguren der deutschen Literatur deutlich.

Entgegen der vermeintlichen und oft behaupteten Geistesbruderschaft von Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller, wie sie sich auch in dem Denkmal vor dem Deutschen Nationaltheater in Weimar ausgedrückt findet, geht es in dem Bildergedicht „Olympischer Diskurs“ um den Streit, wer von den beiden der Größere sei; und es wird deutlich, dass dieser nicht von Schiller ausgeht, sondern von Goethe, diesem eitlen Pfauen.

Goethe, das wird spätestens mit einem weiteren Bildergedicht, „Zwei deutsche Künstler in der Campagna“ klar, geht auch mit anderen Kollegen, in diesem Falle dem Maler Johann Heinrich-Wilhelm Tischbein, nicht viel anders um als mit Schiller. Mehr darüber, was im Vorfeld des 1787 entstandenen Porträts „Goethe in der römischen Campagna“ geschehen ist, soll an dieser Stelle aber nicht verraten werden.

Einer der bekanntesten Physiker, Mathematiker, Astronomen und Denker der Welt ist Sir Isaac Newton. Von ihm stammt unter anderem das Gravitationsgesetz, besser bekannt als das Gesetz von der Schwerkraft. Es gehört zu den bekanntesten und grundlegendsten Erkenntnissen der Wissenschaften mit geradezu revolutionärer Wirkung. Was weniger bekannt ist, sind die Schwierigkeiten, die dieses Gesetz seinem Schöpfer zu Lebzeiten (*1643 +1727) bereitete. Davon handelt auf äußerst anschauliche Weise das Bildergedicht „Newtons Gesetz“.

Und so geht es in Hans Traxlers Buch „Meine Klassiker“ unterhaltsam, lehrreich und vor allem humorvoll weiter und weiter. Insgesamt vereint das Buch über 40 Bildergedichte, und wer schon immer mal wissen wollte, warum Hans Traxler so gerne zeichnet, wird auch noch fündig.

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