„Charley Toorop & Pyke Koch | All or Nothing“

Charley Toorop (*1891 – +1955) und Pyke Koch (*1901 – +1991) gelten in den Niederlanden als zwei der wichtigsten figurativen Maler des 20. Jahrhunderts – vielleicht als die bedeutendsten. „Charley Toorop & Pyke Koch | All or Nothing“ ist die allererste Ausstellung, in der die Werke dieser beiden markanten Persönlichkeiten gemeinsam präsentiert werden. Ihre bedeutenden Werke zeigen sichtbare Parallelen, ihre Leben und Lieben kreuzen sich regelmäßig. Mit einer großen Retrospektive der besten Werke beider Künstler orchestriert Museum More erstmals künstlerische ‚Begegnungen‘ und überraschende Brücken zwischen Toorop und Koch.

Intim und verspielt

Charley Toorop und Pyke Koch waren Zeitgenossen, Freunde und Bewunderer der Werke des anderen, doch die Kunstgeschichte trennte sie lange nach stilistischen Gründen: die eine Expressionistin, der andere Neorealist oder magischer Realist. Nebeneinander platziert offenbaren sie jedoch ein reiches Netz künstlerischer Gemeinsamkeiten und faszinierender Interaktionen.

Ihre persönliche Bindung war intim, aber launisch – intensiv in drei verschiedenen Perioden, manchmal mit jahrelangen Pausen dazwischen. Es gab gegenseitige Bewunderung und Einfluss. Dies spiegelt sich scharf in Themen, Kompositionen und deren tiefgehender Behandlung klassischer Genres wie Porträt, Landschaft und Stillleben wider. Der Höhepunkt ihrer Freundschaft wird in Toorops monumentalem Schlüsselwerk „Meal of Friends“ (1932/33) verewigt, einem Gruppenporträt von Familien- und Künstlerfreunden, in dem Koch nahe an seinem ‚Selbstporträt‘ steht – eine Zigarette im Mund, die leuchtende Spitze ihr zugewandt. Vielleicht eine Anspielung auf eine einst platonische Beziehung zwischen den beiden Künstlern.

Alles oder nichts

Waren sie Freunde oder mehr? Dafür gibt es Hinweise. Koch und Toorop unterhielten viele Liebesaffären, waren aber auch völlig ihrem Beruf verpflichtet. Beide schienen auch etwas beweisen zu wollen, ihr Leben war geprägt von der Einstellung Alles-oder-Nichts. Sie hatten keine formale Kunstausbildung und entwickelten eine eigenwillige visuelle Sprache. Während Toorop mit festen Pinselstriche und scheinbar mit voller Geschwindigkeit arbeitete, war Koch ein langsam arbeitender Perfektionist, der aus Unzufriedenheit regelmäßig seine eigene Arbeit zerstörte.

Toorop war die inspirierende Kraft in ihrer frühen künstlerischen Beziehung. Kochs erste Gemälde verrieten ihren Einfluss: die frontale Darstellung des menschlichen Gesichts, die durchdringenden Augen, der feste Blick auf den Betrachter. Wo sie dieses Konzept als Ausdrucksmittel entwickelt hatte, verfeinerte er es mit technischer Präzision und einer erzählerischen, manchmal ironischen Spannung, die ganz ihm selbst entsprach.

Beide waren vom Selbstporträt als Genre fasziniert, obwohl ihre Herangehensweisen unterschiedlich waren. Toorop malte sich mindestens siebzehnmal mit unerbittlicher Ehrlichkeit. Koch malte nur drei Selbstporträts, und ihr Selbstporträt mit schwarzer Leinwand (1937) wurde nach dem Krieg zu einem kontroversen politischen Emblem.

Akrobaten und Attraktionen

Als Porträtmaler waren sie beide hervorragend. Toorop stellte ihr Umfeld – Kinder, Freunde, Förderer, psychiatrische Patienten – mit einer Direktheit dar, die für ihre Zeitgenossen manchmal zu weit ging; Koch strebte ebenfalls nach einem zeitlosen idealen Typ. Ihre Stimmen hallten gleichermaßen in Stillleben, Landschaften und Stadtansichten wider: Toorop in der Konfrontation mit der nackten Realität, Koch in der konstruierten Inszenierung, durchdrungen von Symbolik.

Thematisch bewegten sie sich durch verwandte Welten. Der Jahrmarkt und der Zirkus boten beiden einen künstlerischen Rahmen für das menschliche Dasein: Toorop in farbenfrohen, manchmal wirbelnden Menschenmengen; Koch legt sein Augenmerk auf eine hypnotische Figur – die Frau in der Schießbude, die Kontorsionistin – als Personifikation von Faszination und Gefahr. Seine Vorstellung von Frauen war jedoch grundlegend anders: Toorop sah sie als soziale Wesen, eingebettet in eine harte Realität, mit Blick auf die Tragödie ihrer Existenz. Koch betrachtete die Frau eher als psychologisches Rätsel, aufgeladen mit Erotik und Mystik.

Abschied

Am Ende ihres Lebens schufen sie Werke, die als Testamente gelesen werden können. Toorop malte sich selbst als Abschiedsgeste, die Offenheit zeigt: der Blick über die Schulter, der Vorhang hinter ihr halb geschlossen. Koch verbarg seinen Abschied hinter einer Allegorie: ein Seiltänzer mit einem schwarzen Tuch über dem Kopf, der seine Nummer noch einmal auf dem Drahtseil aufführte.

Seite an Seite zeigen Toorop und Koch, was die kunsthistorischen Etiketten verbergen: zwei einzigartige Künstler, die viel enger miteinander verwandt sind, als erwartet. Gerade in dieser Spannung zwischen Ähnlichkeit und Individualität liegt der Reichtum ihrer ‚parallelen Welten‘.

Gastkuratoren sind Carel Blotkamp und Mieke Rijnders. Das begleitende Ausstellungsbuch mit Essays von ihnen wurde von Waanders veröffentlicht. Dieses wunderschöne Kunstbuch wird ebenfalls ab dem 20. Juni in unserem Museumsladen und online in unserem Webshop erhältlich sein.

Nähere Informationen: Museum More, Hoofdstraat 28, 7213 CW Gorssel, Telefon: +31 575 760 300, E-Mail: info@museummore.nl

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