Neues aus der Welt der Kunst in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden und manches mehr aus der Welt der Kunst. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Von hier bis dort durch die Antike (Von Tara Sickle)

Von ägyptisch inspirierten Zeitmessern bis zu Vogelperspektiven-Illustrationen der Vorgeschichte: Mit zwölf bescheidenen Ausstellungen in einer hat die ‚Galleria‘ im Nationalmuseum für Altertümer in Leiden für jeden etwas. Die Mini-Ausstellungen sind vielfältig und überraschend, aber insgesamt hinterlässt das Konzept einen etwas verworrenen und willkürlichen Eindruck.

Der griechische Historiker Herodot war erstaunt, als er um 450 v. Chr. einen Tempel südwestlich von Kairo betrat. Der Komplex war so gigantisch und unergründlich, dass er alle Bauwerke des antiken Griechenlands übertraf. Später kamen Forscher zu dem Schluss, dass es sich um den Tempel des Pharaos Amenemhat III. (ca. 1800 v. Chr.) in Hawara gehandelt haben muss. Doch es war der Name, den Herodot ihm gab, der Haftung hatte: Er nannte das Denkmal treffend ‚das Labyrinth‘.

Das Nationalmuseum für Altertümer (RMO) erzählt die Geschichte dieses majestätischen Labyrinths anhand erhaltener Steinfragmente. Nicht nach dem Standardformat, sondern in einem kleinen Rahmen neben elf gleich kompakten Präsentationen zu völlig unterschiedlichen Themen. Denken Sie an mittelalterliche Kostüme aus Nubien oder wissenschaftliche Bücher aus der Museumsbibliothek. Der gemeinsame Faden der Serie, die das Museum ‚Galleria‘ getauft hat, ist, dass jede Geschichte auf die eine oder andere Weise die Antike berührt.

Vergangenes Land

Eine bemerkenswerte Anzahl der Ausstellungen verfolgt einen zeitgenössischen Ansatz. In der Ausstellung „Fibulas full of stories“ wird beispielsweise die typische römische Kleidungsnadel mit Exemplaren aus dem modernen Marokko verknüpft, wo sie auch Tiseghnas oder Tizerzai genannt werden. Die mit Blumen und geometrischen Mustern verzierten Nadeln werden dort hauptsächlich bei rituellen Zeremonien wie Hochzeiten getragen. In Leiden werden sie lose in Vitrinen ausgestellt.

Von ganz anderem Kaliber sind die farbenfrohen Illustrationen des Grafikers Bob Brobbel (1945) in der Ausstellung ‚Past Land‘, benannt nach dem gleichnamigen öffentlichen Buch über niederländische Archäologie von 1981. Wie ein Vogel fliegst du über das prähistorische Dorf Elsloo, wo Jäger und Sammler die ersten Bauern trafen, oder über die Festung in Nimmegen, wo um 71 n. Chr. eine römische Legion gegründet wurde. Die Bilder geben ein schönes Bild davon, wie die Dinge damals waren.

Und dann gibt es auch zeitgenössische Kunstprojekte. Insbesondere die Zeichnungen der bildenden Künstlerin Elisa Pesapane (1979) hinterlassen einen überwältigenden Eindruck. In ‚Odysseus und der Ertrunkene und Gerettete‘ erhält der griechische Held ein neues Gesicht: das eines schelmischen Jungen. Sein Blick ist so kindlich wie durchdringend. In Kombination mit den vergrößerten Zeichnungen an den Wänden und der etruskischen Keramik in der Mitte des Raumes gelingt es Pesapane, ein vollständiges Erlebnis zu schaffen.

Ungleichgewicht

Wir machen die Dinge anders als sonst, dachten sie sicher im RMO. Und nichts als Wertschätzung für diese mutige Entscheidung. Aber ist es ein durchschlagender Erfolg? Nein, nicht das. Die Präsentationen reichen inhaltlich so weit, dass man sich als Besucher von hier zu dort geschickt fühlt. Wenn du dich einfach in etwas wohlfühlst, erscheint dir das nächste. Diese ständigen Übergänge sind ermüdend und gehen auf Kosten der Tiefe. Außerdem ist dem Ganzen eine gewisse Willkür behaftet, trotz der übergreifenden Verbindung zur Antike.

Es gibt auch etwas, das man an der Menge des Kontexts kritisieren kann. In der Ausstellung mit ägyptisch inspirierten Uhren aus dem 19. und 20. Jahrhundert – ein persönlicher Favorit – wären mehr Informationen hilfreich gewesen. Bei den meisten Objekten werden nun nur noch der Hersteller, das Material und das Datum genannt. Das ist etwas spärlich. In ‚Erinnerungen an Palmyra‘, in dem drei syrische Archäologen, die geflohen sind, ihre Meinung äußern, hängt eine relativ große Menge Text an den Wänden. Ein so aufgeladenes Thema erfordert es ebenfalls, aber das Ungleichgewicht zwischen den verschiedenen Präsentationen verstärkt das Gefühl der Orientierungslosigkeit, das sich beim Aufbau von ‚Galleria‘ einschleicht. Und so verliert man sich ironischerweise ein wenig in ‚Galleria‘. Genau wie Herodot in seinem Labyrinth.

Nähere Informationen: Nationalmuseum für Altertümer, Rapenburg 28, Leiden, Telefon: +31 715163163, E-Mail: info@rmo.nl, Internet: www.rmo.nl

Barbara Bos, neue Direktorin des Museum Kranenburgh

Barbara Bos wird am 1. September neue Direktorin des Museum Kranenburgh in Bergen. Sie folgt auf Adriana González Hulshof, die das Museum in den letzten fünf Jahren geleitet hat. Bis vor Kurzem war Bos Leiter der Ausstellungen im Museum Voorlinden in Wassenaar.

Bos (1985) arbeitete zehn Jahre bei Voorlinden, wo sie Teil des Managementteams war und gemeinsam für das Ausstellungsprogramm sowie die strategische Ausrichtung verantwortlich war. Sie war auch eng an der Gründung des Museums beteiligt. Sie entwickelte Ausstellungen unter anderem mit Do Ho Suh, Anselm Kiefer, Alicja Kwade und Mark Manders.

Laut dem Aufsichtsrat waren ihre breite Museumserfahrung und praktische Einstellung entscheidende Faktoren für ihre Ernennung. Bos bezeichnet Kranenburgh als „einen inspirierten Ort, historisch verwurzelt und zeitgenössisch“ und möchte das Museum als Treffpunkt für Macher und Publikum weiterentwickeln.

Das Museum Kranenburgh zeigt Kunst aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert sowie Werke zeitgenössischer Künstler. Das Museum empfängt jährlich etwa 70.000 Besucher.

7x Buchtipps für den Sommer

Es ist Feiertagszeit – und damit Zeit für Bücher. Diese sieben Titel, die Anfang dieses Jahres in der Museumstijdschrift rezensiert wurden, wurden von den Redakteuren auf den Lesestapel gesetzt werden. Von einem künstlerischen Reiseführer und einer monumentalen Künstlerbiografie bis hin zu einem scharfsinnigen Roman über die internationale Kunstwelt: Für jeden Kunstliebhaber ist etwas dabei.

Der Camino de Santiago in 101 Objekten
Seit dem neunten Jahrhundert reisen Pilger zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela. Im Buch Camino de Santiago in 101 Objekten wird die Geschichte dieser alten Wallfahrt durch Objekte erzählt. Die Kompilatoren wählten nicht nur ein silbernes Reliquiar und eine Gravur von Pieter Bruegel, sondern auch eine wiederbefüllbare Dopper-Flasche als Beispiel für nachhaltige Pilgerfahrt. Eine gut durchdachte Auswahl, so Chefredakteurin Sophia Zürcher.

Herman Holtmaat, Jasper Koedam und Paul Post, Der Camino de Santiago in 101 Objekten – Materielle Spuren in Vergangenheit und Gegenwart • Walburg Pers Verlag • 272 Seiten. • € 24,99 • ISBN 978 94 6456 5508.

Das Kunstreisebuch
Wo findet man die fotogensten Kunstwerke im Freien? Die Kunstberaterinnen Nadine van den Bosch und Nienke van der Wal wählten für „The Art Travel Book“ vierzig Ziele weltweit aus. Von einer riesigen Spinne von Louise Bourgeois in Südkorea bis zu Grayson Perrys verrücktem Ferienhaus in Essex, England. Mit atmosphärischer Fotografie und Tipps zu anderen Sehenswürdigkeiten in der Umgebung gelingt es dem Buch, die Reiselust zu wecken, schreibt Chefredakteurin Sophia Zürcher.

Nadine van den Bosch und Nienke van der Wal, The Art Travel Book – 40 Iconic Outdoor Artworks • Lannoo Publishers • Englisch • 240 Seiten • € 34,99 • ISBN 978 90 5996 0503.

Gebaute Niederlande
Von Palästen und Schlössern bis hin zu Gewächshäusern, Krematorien und Busstellen: Fast jede erdenkliche Bauart zieht in den Built Netherlands vorbei. Der selbsternannte Baufan Martjan Kuit ordnet die Architektur thematisch und erklärt klar, worauf man achten sollte. Der Taschenführer enthält außerdem Fototipps und Platz, um eigene Beobachtungen aufzuschreiben. Laut Praktikantin Emma Falconer wird jeder Architektur-Anfänger von diesem Buch in der Hinterhand profitieren.

Martjan Kuit, Built Netherlands – Taschenguide für Anfänger im Bereich Bauen • Verlag WBOOKS • 256 Seiten. • € 29,95 • ISBN 978 94 6258 7755

Charley Toorop – Das Leben einer Malerin

Charley Toorops (1891–1955) Kunst begann als Hobby, entwickelte sich aber zu einer Notwendigkeit. In seiner umfangreichen Biografie zeigt der Kunsthistoriker Wessel Krull, wie Toorop sich von ihrem berühmten Vater Jan Toorop trennte, einer missbräuchlichen Ehe entkam und einen ganz eigenen Malstil entwickelte. Er verwebt ihre künstlerische Entwicklung geschickt mit ihrem turbulenten Privatleben. Mit Briefen, Interviews und Kunstkritik stellt Krul sie laut Chefredakteurin Sophia Zürcher als rastlos und kompliziert, aber auch als entschlossen und außerordentlich zielstrebig dar.

Wessel Krul, Charley Toorop – Das Leben eines Malers • Boom Verlage • 680 Seiten. • € 39,90 • ISBN 978 90 2447 3793

Die greifbare Welt von Johannes Vermeer
Über Johannes Vermeer scheint alles gesagt worden zu sein, doch Kuratorin Alexandra van Dongen beweist das Gegenteil. Sie betrachtet das Besteck, das in seinen Gemälden zu sehen ist: von Brotkörben, Bierkrügen und Kleiderbürsten bis hin zu Läusekämmen und einer indischen Schmuckschatulle. Indem sie Vermeers Objekte mit erhaltenen Gegenständen aus dem siebzehnten Jahrhundert vergleicht, bietet sie nicht nur einen Einblick in das damalige Alltagsleben, sondern lehrt uns auch, genauer hinzusehen. Eine wertvolle Ergänzung der bestehenden Vermeer-Literatur, schreibt der Kunsthistoriker Erik Spaans.

Alexandra van Dongen, Die greifbare Welt von Johannes Vermeer – Haushaltswaren als Malermodell • Sterck & De Vreese Verlag • 256 Seiten. • € 29,90 • ISBN 978 94 6471 4265

Der Butler Gottes
Eine Drohne mit schwarzer Farbe, eine entgleisende Klimademonstration und ein wohlhabender Kunsthändler, der als ‚Butler Gottes‘ bezeichnet wird: In Ellen de Bruins satirischem Roman endet die Biennale von Venedig in einem Fiasko für die Galeristin Maggie Green. Was zunächst wie eine Sammlung erkennbarer Klischees wirkt, gewinnt allmählich an unerwarteter Tiefe. Mit scharfem Humor und eindrucksvollen Beobachtungen seziert De Bruin sowohl eine Familie am Rande des Zerfalls als auch die dunklen Seiten der internationalen Kunstwelt. Laut der Praktikantin Ulrike Neyens ist es ein schnell lesender Roman, der einen mühelos mitreißt.

Ellen de Bruin, Der Butler Gottes• Prometheus Publishers • 256 Seiten. • € 22,50 • ISBN 978 90 4466 0104

All die Schönheit der Welt
Nach dem Tod seines Bruders kündigte Patrick Bringley seinen Job beim The New Yorker, um Assistent im Metropolitan Museum of Art in New York zu werden. Zehn Jahre lang steht er unter den Meisterwerken, wo er nicht nur die Kunst und die Besucher beobachtet, sondern auch langsam Raum für seine Trauer findet. Seine Memoiren verbinden einen Blick hinter die Kulissen des Museums mit Reflexionen über Schönheit, Trauer und Alltagsleben. All die Schönheit der Welt zeigt, wie Kunst nicht nur ein Leben bereichern, sondern es manchmal auch erträglicher machen kann, schreibt Herausgeberin Julia Steenhuisen.

Buch: Patrick Bringley, All the beauty in the world • Meulenhoff Publishers • ca. 240 Seiten. • €22,99

Jan Cremer im Museum de Fundatie

Diese erste große Retrospektive nach Jan Crémers Tod im Jahr 2024 stellt seine frühen Arbeiten in einen größeren Kontext. Die Ausstellung erforscht Cremers Weg als bildender Künstler, seine Position in der Kunstgeschichte und die Kohärenz seiner Arbeit als Maler und als Schriftsteller. „Ich vermassle Farbe auf einer Leinwand, ich tropfe, spritze, lasse Salat, schaufel. Ich kämpfe mit Farbe.“ Mit diesen Worten positionierte sich Jan Cremer 1959 als Künstler. Er stellte sich gegen die Arbeit seiner Zeitgenossen, die er als „Unsinn, Estetika“ bezeichnete. Cremer präsentierte sich gerne als radikaler Außenseiter, doch die Ausstellung zeigt, wie sehr er mit internationalen Kunstszenen in Den Haag, Paris, Ibiza und New York, unter anderem, verbunden war. Anhand von Gemälden, Papierwerken und kürzlich entdecktem Archivmaterial zeigt das Museum de Fundatie, wie Cremer sich zu seinen Zeitgenossen und kulturellen Entwicklungen verband. Das Museum verfügt über die größte öffentliche Sammlung von Werken von Jan Cremer.

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Yves Klein und seine Künstlerfamilie

Eine Premiere für die Niederlande und das Stedelijk Museum Schiedam: Die Ausstellung Yves Klein und seine Künstlerfamilie Frits, Marie und Rotraut vereint erstmals die Werke der Familie Klein, bestehend aus Yves Klein (1928–1962), seinen Eltern Frits Klein (1898–1990) und Marie Raymond (1908–1988) sowie seiner Frau Rotraut Uecker (1938). Während Yves Klein mit seinen ikonischen monochromen Gemälden weltberühmt wurde, wissen weniger, dass auch seine Familienmitglieder erfolgreiche Künstler mit einer Leidenschaft für Farbe und das Universum waren. Weniger bekannt ist auch, dass Yves Kleins Eltern neben den Franzosen auch niederländische Staatsangehörige hatten, sodass es immer eine Verbindung zu den Niederlanden gab. Die Ausstellung hebt nicht nur den künstlerischen Austausch zwischen den Familienmitgliedern hervor, sondern auch die Verbindungen der Familie Klein zu den Niederlanden, insbesondere zum Stedelijk Museum Schiedam, das eine Reihe von Werken von Frits Klein in seiner Sammlung besitzt.

Wenn man an Yves Klein denkt, denkt man an seine spezielle Farbe Blau, besonders an das „International Klein Blue“, das er 1960 patentieren ließ. In seinem kurzen, aber beeindruckenden Leben ist er von einer farbenfrohen Künstlerfamilie umgeben. Sein Vater, seine Mutter und seine Frau sind alle auf ihre eigene Weise in der Kunst tätig. Sie inspirieren und kritisieren sich gegenseitig. Obwohl Yves Kleins Werke international weiterhin als kontrovers gelten, ist es Jahrzehnte her, dass eine beträchtliche Anzahl seiner Werke in den Niederlanden gezeigt wurde.

Obwohl die Werke der Mitglieder der Familie Klein getrennt geschaffen wurden, weisen sie eine bemerkenswerte Ähnlichkeit auf: Jeder hat auf seine Weise eine Vorliebe für den Einsatz kraftvoller Farben und ein besonderes Interesse am Kosmos, mit dem sie neue Welten erschaffen. In der Ausstellung Yves Klein und seine Künstlerfamilie Frits, Marie und Rotraut entdecken Sie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihren Werken.

Nähere Informationen: Stedelijk Museum Schiedam, Hoogstraat 112, Schiedam, Telefon: +31 102463666, E-Mail: info@stedelijkmuseumschiedam.nl, Internet: stedelijkmuseumschiedam.nl

David Bade im Stedelijk Museum Breda

Kunst wird gemeinsam gemacht. David Bade (Curaçao, 1970) ist Bildhauer, Maler, Zeichner und Installationskünstler. Er ist bekannt für seine humorvolle, scharfsinnige und sozial engagierte Arbeit sowie für seine innovative Art der Zusammenarbeit. Er ist ein Pionier auf diesem Gebiet. Erstmals vereint die Ausstellung eine umfangreiche Auswahl seiner farbenfrohen sozialen Projekte.

Nähere Informationen: Stedelijk Museum Breda, Boschstraat 22, Breda, Telefon: +31 765299900, E-Mail: info@stedelijkmuseumbreda.nl, Internet: http://www.stedelijkmuseumbreda.nl

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