Cranach, Picasso und der Honigdieb

Von Thomas Gatzemeier

Manche Motive wie Cranach oder Picasso mit ihrem Honigdieb erschöpfen sich nicht. Stattdessen wechseln sie ihre Gestalt und tauchen in neuen Zeiten wieder auf.

Unter einem Baum steht eine Venus. Neben ihr ein kleiner Amor, die Hand am Kopf, die Wabe noch festhaltend. Dies verbindet Cranach, Picasso und Theokrits Geschichte vom Honigdieb. Einige Jahrhunderte später erscheint dieselbe Konstellation erneut. Zwar hat sich die Bildsprache verändert, doch die Ordnung bleibt erstaunlich stabil, denn sie hat einen Ewigkeitswert.

Zwischen Lucas Cranach dem Älteren und Pablo Picasso liegt keine direkte Entwicklungslinie. Dennoch verbindet sie das Motiv Venus und Amor als Honigdieb, das sich über die Jahrhunderte hinweg behauptet.

Die Konstruktion der Venus bei Cranach

Bei Cranach ist die Venus nicht einfach dargestellt, sondern bewusst konstruiert. Der Körper erscheint langgezogen und kühl, fast ohne Gewicht. Gleichzeitig wirkt die Haut glatt und geschlossen, beinahe verletzlich. Dadurch entsteht eine Distanz, die den Blick lenkt. Auf sie lenkt. Die Venus, welche den Betrachter selbstbewusst anblickt. Auch ein wenig herablassend und skeptisch?

Zugleich symbolisiert der Baum mit seinen prallen Äpfeln die Verführung. Möchte Venus den Baum rütteln und schütteln, damit sich die Äpfel auf die Menschheit verteilen?

Währenddessen bleibt Amor unten positioniert und übernimmt die erzählerische Funktion. Da trifft ein biblisches Symbol auf eine Geschichte aus der Antike. Auffällig ist zudem der Kopfschmuck der Venus. Ein Heiligenschein aus Tüll und Tinnef – böse formuliert. Dieser gehört nicht zur Natur, sondern zur Inszenierung einer ambivalenten Figur.

Theokrit und der Ursprung des Honigdiebs

Der Ursprung des Motivs liegt in der antiken Dichtung bei Theokrit. In seinem kurzen Gedicht stiehlt Eros Honig aus einem Bienenstock. Kurz darauf wird er gestochen und klagt über den Schmerz. Seine Mutter Aphrodite antwortet mit einer präzisen Umkehrung: Obwohl Eros klein ist, verursacht er selbst größere Wunden.

Damit ist der Kern bereits formuliert. Die Liebe erscheint süß, zugleich aber schmerzhaft. Genau diese Spannung bildet die Grundlage für das spätere Bildmotiv Venus und Amor als Honigdieb. Cranach greift diesen Gedanken auf und überführt ihn in eine visuelle Ordnung. Dadurch wird aus dem Gedicht ein Bild, das Verführung und Verletzung gleichzeitig zeigt.

Die Story vom Honigdieb des Theokrit:

Einmal Eros, den Dieb, stach übel ein Bienchen, als Waben

Er aus den Stöcken geplündert; die Spitzen der sämtlichen Finger

Setzte der Stachel in Gluten; er hauchte im Schmerz sich die Hand an,

Stampfte den Boden und sprang in die Höh‘ und wies Aphroditen,

Was für Weh‘ ihm geschehen, und jammerte, daß ein so winzig

Tierlein die Biene doch sei und mache so mächtige Wunden.

Lachend die Mutter darauf: Gleichst nicht du selber der Biene?

Wie bist winzig auch du, und machest so mächtige Wunden!

Zu Theokrit:

Theokrit gehört zu den prägenden Dichtern der hellenistischen Zeit. Im 3. Jahrhundert v. Chr. entwickelt er mit seinen Idyllen eine neue Form von Dichtung, die das Einfache, das Ländliche und das scheinbar Nebensächliche ernst nimmt. Seine Texte wirken oft leicht, beinahe beiläufig – und tragen doch eine erstaunliche gedankliche Schärfe in sich.

Picasso und die Adaption nach Cranach

Im Werk von Picasso bleibt die Grundstruktur erhalten, während sich die Form deutlich verändert. Zunächst steht die Venus weiterhin im Zentrum. Ebenso bleibt Amor am unteren Bildrand positioniert. Darüber hinaus fungiert der Baum erneut als tragendes Element der Komposition.

Allerdings löst Picasso die geschlossene Form Cranachs auf. Der Körper wirkt nicht mehr modelliert, sondern reduziert und zeichenhaft. Dadurch entsteht eine neue Bildsprache, die sich stärker auf Linie und Kontrast konzentriert.

Gerade hier zeigt sich die Qualität der Adaption: Picasso übernimmt nicht das Erscheinungsbild, sondern die Konstruktion des Motivs Venus und Amor nach Cranach.

Kopfschmuck als kompositorisches Element

Ein besonders deutliches Bindeglied zwischen beiden Bildern ist der Kopf der Venus. Bei Cranach erscheint der Kopfschmuck als kunstvolle, fast übersteigerte Form. Dadurch wird die Figur bewusst aus der Natur herausgehoben. In ähnlicher Weise reagiert Picasso darauf, indem er den Hut stark vergrößert und formal zuspitzt.

Somit entsteht eine visuelle Verbindung, die über den Stil hinausgeht. Beide Künstler markieren die Venus als künstliche Figur. Genau hierin liegt ein zentraler Hinweis auf die bewusste Adaption.

Cranach, Picasso und der Honigdieb – Ein Motiv überdauert

Hatte es Cranach noch nötig, das Thema der Venus oder auch der Quellnymphe zu wählen, wenn er für seine bürgerliche Kundschaft „Nacktbilder“ produzierte, ließ sich Picasso durch die Gemälde alter Meister anregen.

Einerseits entwickelt Cranach aus einem antiken Text ein komplexes Bildsystem. Andererseits greift Picasso dieses System auf und überführt es in eine moderne Form. Dabei bleiben die zentralen Elemente erhalten: die Venus, der Amor, der Baum. Gleichzeitig verändert sich die formale Darstellung grundlegend.

Und vielleicht genügt tatsächlich ein einziger Stich – der der Biene bei Theokrit –, um diese lange Bildtradition in Gang zu halten. Denn sie scheint verloren in der abstrusen bildnerischen Korrektheit der Gegenwart.

Zum Autor:

Am dunkelsten Tag des Jahres 1954 im sächsischen Döbeln geboren, wurde Thomas Gatzemeier ungefragt von einem katholischen Pfarrer getauft. Als Kind buk er heimlich einen Kuchen, der als Brot gut ankam. Dieses scheinbare Missgeschick inspirierte ihn dazu, eine Ausbildung als Schrift- und Plakatmaler zu absolvieren, um Pinsel und Stift zu beherrschen.

Er arbeitete anschließend auch als Steinmetzgehilfe und Grabsteindesigner. Nach dieser Grundausbildung studierte er Malerei und Grafik an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo Arno Rink und Volker Stelzmann zu seinen Lehrern zählten. 1980 beendete er sein Studium und ist seitdem als freier Künstler, Autor, Kunsthändler, Blogger und Freizeitkoch tätig.

Konflikte mit den Machthabern der SBZ und ein mehrjähriges Ausstellungsverbot bewegten ihn 1986 dazu, die SBZ zu verlassen. Danach lebte er vorwiegend in Karlsruhe, verbrachte aber auch längere Zeit in Zürich und nahe Worpswede. Von 2006 bis 2015 hatte er ein weiteres Atelier in Leipzig.

Nach 34 Jahren Hauptwohnsitz in Karlsruhe verlegte der Wanderer zwischen den Welten im Februar 2020 seinen Wohnsitz endgültig nach Leipzig.

Nähere Informationen: Thomas Gatzemeier, Gottschallstraße 24, 04157 Leipzig, Telefon: 0172 610 25 35, E-Mail: info@thomas-gatzemeier.de

Matthias Grünewald – ein früher Expressionist

Von Thomas Gatzemeier

Es gibt Maler, die passen in ihre Zeit. Und es gibt solche, die fallen aus ihr heraus. Matthias Grünewald gehört eindeutig zur zweiten Sorte.

Während um 1500 in Italien die Welt schön gemacht wird – Perspektive, Proportion, Harmonie –, geschieht bei Grünewald etwas ganz anderes. Denn seine Malerei will nicht beruhigen. Sie will zeigen, was im Inneren geschieht. Und das tut sie mit einer Radikalität, die noch heute überrascht und uns zum Nachdenken anregen sollte. Auch unsere Zeitgenössische Kunst „macht wieder einen auf schön“ obwohl die Welt in Unordnung ist.

Wer vor dem Isenheimer Altar im Musée Unterlinden steht, merkt schnell: Hier wird nichts idealisiert. Der gekreuzigte Christus ist kein schöner Körper, sondern ein gezeichneter gottgleicher Mensch. Denn seine Haut spannt sich, die Wunden treten eitern, der Leib wirkt schwer und leidend. Dieses Bild ist keine theologische Illustration mehr, sondern eine Erfahrung – beinahe körperlich spürbar. Es ist diesseitig, menschlich, abgründig.

Genau darin liegt die eigentümliche zeitlose Modernität dieses Werks. Grünewald interessiert sich nicht für die äußere Welt, sondern für das, was sie im Menschen auslöst. Farbe wird zum Mittel der Steigerung, Form zum Ausdruck von Spannung. Nichts ist glatt, nichts ausgeglichen. Nichts will gefallen.

Es ist kein Zufall, dass Künstler des 20. Jahrhunderts gerade hier ansetzen. Sie erkennen in Grünewald keinen Alten Meister im klassischen Sinne, sondern einen, der etwas vorwegnimmt: die Idee, dass Malerei mehr sein kann als Abbild – nämlich ein Zustand. Grünewalds Bildsprache ist eine universelle Bildsprache, denn sie vermag die Abgründe des Daseins darzustellen.

Ob man ihn deshalb einen frühen Expressionisten nennt, ist am Ende vielleicht gar nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass seine Bilder etwas tun, was selten gelingt: Sie lassen den Betrachter nicht in Ruhe.

Die Szene zeigt die Verkündigung an Maria aus dem Isenheimer Altar. Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass Grünewald weniger an harmonischer Schönheit interessiert ist als an einer dramatischen Steigerung des Ausdrucks. Genau hier beginnt der Gedanke, ihn als eine Art Vorläufer des Expressionismus zu verstehen.

Der Engel tritt nicht ruhig, klassisch und sanft auf, wie man es etwa bei italienischen Renaissancemalern erwarten würde. Sein Körper ist in eine fast tänzerische Bewegung gespannt, und vor allem der rote Mantel wirbelt wie eine Flamme durch den Raum. Farbe ist hier kein dekoratives Detail – sie wirkt wie ein emotionaler Ausbruch im Bild. Denn vor allem das Rot steigert die Intensität der Szene, ähnlich wie es später expressionistische Maler mit grellen Farbkontrasten tun.

Auch die Gestik ist ungewöhnlich aufgeladen. Die Hand des Engels zeigt mit einer fast nervösen Spannung auf Maria, während die kleine Taube des Heiligen Geistes wie ein Lichtpunkt zwischen beiden Figuren schwebt. Schauen Sie die Linienführung an, sie wirkt nicht ruhig und ausgewogen, sondern innerlich gespannt. Grünewalds Formen scheinen sich zu strecken und zu biegen, als stünde das ganze Bild unter emotionalem Druck. Maria weicht wie erschrocken zurück. Ihr nach hinten geneigter Kopf und die geschlossenen Augen geben der Szene einen spannungsvollen Charakter.

Matthias Grünewald interessiert sich weniger für perspektivische Ordnung oder ideale Proportionen als für die sichtbare Darstellung eines geistigen Ereignisses. Die Malerei wird zum Ausdrucksträger einer inneren Erfahrung. In dieser emotional aufgeladenen Bildsprache liegt der Grund, warum viele Kunsthistoriker Grünewald als einen der frühesten Vorläufer des Expressionismus betrachten.
Vergessen wird dabei, das auch seine inhaltlichen Interpretationen neu und anders sind.

Eine Szene aus dem Isenheimer Altar zeigt ein geradezu visionäres Engelskonzert. Mehrere Engel erscheinen in einem Raum von überwältigender Farbintensität. Ein Engel im Vordergrund spielt ein großes Saiteninstrument, während hinter ihm weitere Gestalten mit Harfe und Violine musizieren.

Doch der Expressionist Grünewald interessiert sich weniger für eine harmonische Darstellung himmlischer Musik als für eine Steigerung der emotionalen Wirkung. Denn die Farben wirken glühend und unruhig: Rosa, giftiges Grün, tiefes Blau und leuchtendes Rot stehen in scharfen Kontrasten zueinander. Auch die Figuren erscheinen fast körperlos im dunklen Hintergrund und scheinen aus einem Strudel von Licht und Farbe hervorzutreten.

Besonders auffällig ist die Mischung aus verfremdeter Schönheit und dem exaltierten Gestus der musizierenden Hände. Einige Engel besitzen beinahe groteske Züge, ihre Gesichter wirken maskenhaft oder entrückt. Diese Darstellung erinnert weniger an die ruhige Harmonie der Renaissance als an eine visionäre Bildwelt voller innerer Spannung.

Gerade jene expressive Übersteigerung macht Grünewald zu einer Ausnahmeerscheinung der deutschen Kunst um 1500. Seine Malerei versucht nicht, eine ideale Welt zu zeigen, sondern eine geistige Erfahrung sichtbar zu machen. Auch wegen dieser radikalen Bildsprache sehen viele Kunsthistoriker in ihm einen erstaunlich frühen Vorläufer des Expressionismus, der erst vierhundert Jahre später entstehen sollte.

Eine der dramatischen Szenen aus dem Isenheimer Altar zu Colmar zeigt die Versuchung des heiligen Antonius. Der Einsiedler liegt am Boden, während ihn eine Horde grotesker Dämonen attackiert. Die Kreaturen besitzen Mischformen aus Tier, Mensch und Fantasiegestalt: gefiederte Körper, Hörner, Schnäbel und verzerrte Gesichter drängen auf den Heiligen ein.

Grünewald steigert hier die Darstellung des Bösen zu einer geradezu visionären Intensität. Er vermag es die Dämonen nicht als einzelne Figuren, sondern als ein chaotischer Schwarm deformierter Körper darzustellen. Ihre grellen Farben – Gelb, Rot, Grün und Schwarz – wirken unruhig und aggressiv. Der Raum selbst scheint unter der Gewalt dieser Erscheinungen zu zerbrechen: zerstörte Architektur und verdrehte Landschaftsteile verstärken den Eindruck eines apokalyptischen Angriffs.

Vor allem der Körper des heiligen Antonius wirkt verletzlich und menschlich im positiven Sinne. Sein Gesicht drückt Entsetzen aus während die Dämonen an seinem Bart ziehen und ihn bedrängen. Dieser Gegensatz zwischen geistiger Standhaftigkeit und äußerem Chaos verleiht der Szene eine enorme Spannung.

Gerade in dieser radikalen Übersteigerung von Formen und Emotionen zeigt sich die außergewöhnliche Modernität Grünewalds. Die deformierten Figuren, die grellen Farbkontraste und die dramatische Bewegung erinnern überraschend stark an Bildwelten des Expressionismus oder sogar an surrealistische Visionen des 20. Jahrhunderts.

Deshalb gilt Grünewald vielen Kunsthistorikern als einer der erstaunlichsten Vorläufer einer Kunst, die nicht mehr nur die sichtbare Welt abbildet, sondern innere Zustände, Angst und Ekstase sichtbar macht.

Eine Szene des Isenheimer Altars zeigt die Begegnung der beiden Wüsteneinsiedler Antonius und Paulus. Beide sitzen in einer wilden Landschaft und teilen ein Stück Brot – eine Szene der christlichen Legende, in der ein Rabe den Einsiedlern Nahrung bringt.

Doch auch hier zeigt sich, dass Grünewald weniger an einer idyllischen Naturdarstellung interessiert ist als an einer visionären Verdichtung der Wirklichkeit. Die Landschaft wirkt fremd und beinahe traumartig. Verdrehte Baumstämme, moosbewachsene Äste und steile Felsformationen schaffen eine Umgebung, die eher einem inneren Zustand als einer realen Landschaft gleicht.

Es liegt nicht fern hierbei an die Landschaften des Surrealisten Max Ernst zu denken. Oder eben an die von Otto Dix. Grünewalds Figuren besitzen eine erstaunliche körperliche Präsenz. Besonders der asketische Körper des Paulus wirkt beinahe überdehnt, seine Haut liegt gespannt über den Knochen. Die Gestik seiner Hand, die in einer lebhaften Bewegung auf Antonius zeigt, verstärkt den Eindruck eines intensiven geistigen Gesprächs.

Auch die Tiere – der Rabe und das kleine Reh im Vordergrund – wirken nicht einfach dekorativ. Sie erscheinen wie symbolische Begleiter einer Welt, in der Natur, Vision und religiöse Erfahrung ineinander übergehen.

Gerade diese expressive Gestaltung der Landschaft und der Körper lässt Grünewald weit über die Kunst seiner Zeit hinausragen. Während viele Renaissancekünstler nach Harmonie und idealen Proportionen strebten, entwickelt Grünewald eine Bildsprache voller Spannung und innerer Bewegung.

Zum Autor:

Am dunkelsten Tag des Jahres 1954 im sächsischen Döbeln geboren, wurde Thomas Gatzemeier ungefragt von einem katholischen Pfarrer getauft.

Als Kind buk er heimlich einen Kuchen, der als Brot gut ankam. Dieses scheinbare Missgeschick inspirierte ihn dazu, eine Ausbildung als Schrift- und Plakatmaler zu absolvieren, um Pinsel und Stift zu beherrschen.

Er arbeitete anschließend auch als Steinmetzgehilfe und Grabsteindesigner. Nach dieser Grundausbildung studierte er Malerei und Grafik an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo Arno Rink und Volker Stelzmann zu seinen Lehrern zählten. 1980 beendete er sein Studium und ist seitdem als freier Künstler, Autor, Kunsthändler, Blogger und Freizeitkoch tätig.

Konflikte mit den Machthabern der SBZ und ein mehrjähriges Ausstellungsverbot bewegten ihn 1986 dazu, die SBZ zu verlassen. Danach lebte er vorwiegend in Karlsruhe, verbrachte aber auch längere Zeit in Zürich und nahe Worpswede. Von 2006 bis 2015 hatte er ein weiteres Atelier in Leipzig.

Nach 34 Jahren Hauptwohnsitz in Karlsruhe verlegte der Wanderer zwischen den Welten im Februar 2020 seinen Wohnsitz endgültig nach Leipzig.

Nähere Informationen: Thomas Gatzemeier, Gottschallstraße 24, 04157 Leipzig, Telefon: 0172 610 25 35, E-Mail: info@thomas-gatzemeier.de

Cranach-Altäre in Mitteldeutschland (Von Thomas Gatzemeier)

Bildkunst zwischen Werkstatt, Glaube und Malerei

Wer durch Mitteldeutschland reist, begegnet ihm auf Schritt und Tritt: Lucas Cranach dem Älteren, dem Jüngeren und ihrer Werkstatt.

Von Wittenberg bis Weimar, von Merseburg bis auf die Augustusburg prägen ihre Altäre die Kirchenlandschaft. Dass sich hier eine der weltweit dichtesten Ansammlungen Cranachscher Werke erhalten hat, ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer künstlerischen und unternehmerischen Ausnahmeerscheinung.

Cranach ob der Ältere oder der Jüngere arbeiteten nicht wie die einsamen Meister, sondern wie klug organisierte Produzenten von Bildwerken jeder Art. Die Wittenberger Werkstatt funktionierte eher wie eine Manufaktur: effizient, arbeitsteilig, erstaunlich produktiv. Gleichzeitig bewegten sich die Cranachs sicher zwischen den Machtzentren ihrer Zeit – als Freunde Martin Luthers und Hofmaler der sächsischen Kurfürsten. Und das aufstrebende Bürgertum konnte sich die kleineren Werke auch schon leisten.

So entstand eine Kunst, die zwischen den Systemen steht: zwischen katholischer Bildtradition und reformatorischer Bildkritik, zwischen Handwerk und Idee, zwischen Markt und Glauben.

Der Heinrichsaltar im Merseburger Dom

Cranach Altäre Mitteldeutschland und ein eher verborgenes Werk mit überraschender Kraft

Abseits der großen Besucherströme, in einer Seitenkapelle des Merseburger Doms, steht ein Werk, das leicht übersehen wird – und gerade deshalb wirkt. Der sogenannte Heinrichsaltar aus der Werkstatt Cranachs entfaltet seine Kraft nicht durch Größe, sondern durch seine Bildstruktur.

Besonders auffällig sind die in den Raum ragenden Lanzen, die fast unwillkürlich an die Schlachtenbilder Paolo Uccellos erinnern. Ob Cranach Werke Uccellos kannte, bleibt fraglich – die formale Verwandtschaft ist dennoch bemerkenswert.

Der Altar zeigt die Kreuzigung Christi, umgeben von Heiligen, darunter Kaiser Heinrich II., dessen politische und religiöse Rolle hier sichtbar verschränkt wird. Die Figuren wirken nicht entrückt, sondern erstaunlich menschlich. Vielleicht liegt darin bereits eine leise Vorahnung reformatorischen Denkens.

Der Cranach-Altar in der Weimarer Herderkirche

Ein Bildraum von großer Klarheit und Tiefe

Wer die Herderkirche in Weimar betritt, steht unvermittelt vor einem der geschlossensten und zugleich komplexesten Werke der Cranach-Werkstatt. Der Altar, vollendet von Lucas Cranach dem Jüngeren, entfaltet sich nicht in der üblichen Ordnung, sondern in einer räumlichen Dramaturgie.

Die Szenen treten aus der Tiefe hervor, schichten sich nach vorn, gewinnen an Präsenz. Der gekreuzigte Christus steht im Zentrum – nicht nur ikonografisch, sondern auch kompositorisch.

Typologische Bezüge durchziehen das Bild: Mose, die eherne Schlange, das Lamm Gottes. Gleichzeitig erscheinen Zeitgenossen wie Luther als Teil des Geschehens. Der Altar wird so zum theologischen Argument – und zugleich zu einem eigenständigen Bildraum.

Hier wirkt Cranach der Jüngere nicht als Produzent, sondern als Gestalter eines komplexen Zusammenhangs von Raum, Glaube und Bild.

Cranach auf der Augustusburg

Ein fast übersehener Höhepunkt

Auf der Augustusburg, wo sich heute Motorräder und Touristen begegnen, verbirgt sich ein Werk, das bis heute im Schatten steht. Der Altar von Lucas Cranach dem Jüngeren – frisch restauriert – zeigt, welch eine Kraft von dieser Malerei ausgeht, wenn man sie von Zeit und Eingriffen befreit.

Die Farbigkeit hat gelitten, das Bleiweiß ist nachgedunkelt, und doch besitzt das Werk eine unmittelbare Präsenz. Im Zusammenspiel mit der bemalten Kanzel und dem klaren Innenraum der Schlosskapelle entsteht ein überraschend geschlossenes Ensemble.

Es ist einer jener Orte, an denen man sich fragt, warum solche Werke nicht stärker ins Bewusstsein rücken. Vielleicht liegt es daran, dass der Blick sich heute leichter von Motoren als von Bildern fesseln lässt.

Die Idee einer „Cranachstraße“ durch Sachsen erscheint plötzlich naheliegend – eine Route von Wittenberg über Leipzig bis hinauf zur Augustusburg.

Der Reformationsaltar in Wittenberg

Cranach Altäre Mitteldeutschland | Kunst zwischen Glaubensbild und Selbstinszenierung

Der Wittenberger Reformationsaltar gilt als Schlüsselwerk der protestantischen Bildkunst. Und doch stellt sich bei genauer Betrachtung eine gewisse Irritation ein.

Luthers Forderung nach dem Bild als „Merkbild“ – als verständliche, didaktische Darstellung – ist hier konsequent umgesetzt. Die Szene des Abendmahls wird zum theologischen Lehrstück. Luther selbst sitzt am Tisch, ebenso Melanchthon und andere Vertreter der Reformation.

Doch gerade diese Nähe wirft Fragen auf. Wird hier Glauben dargestellt – oder bereits inszeniert? Ist das Bild Ausdruck religiöser Überzeugung oder Teil einer neuen Form von Sichtbarkeit und Macht? Gar Propaganda?

Verglichen mit dem nur wenige Jahre später entstandenen Weimarer Altar wirkt das Wittenberger Werk erstaunlich zurückgenommen. Die Malerei tritt hinter die Botschaft zurück.

Vielleicht liegt darin seine eigentliche Aussage: Die Reformation war ein Umbruch der Gedanken – nicht unbedingt ein Triumph der Malerei.

Genau betrachtet bewegen sich die Cranach Altäre Mitteldeutschland zwischen System und Widerspruch.

Die Cranach Altäre in Mitteldeutschland sind keine homogene Werkgruppe. Sie zeigen vielmehr ein Spannungsfeld: zwischen Werkstatt und Meisterwerk, zwischen Theologie und Bild, zwischen Auftrag und künstlerischer Notwendigkeit.

Manche dieser Werke wirken unmittelbar, andere eher erklärend. Einige ziehen den Blick an, andere entziehen sich ihm.

Zum Autor:

Am dunkelsten Tag des Jahres 1954 im sächsischen Döbeln geboren, wurde Thomas Gatzemeier ungefragt von einem katholischen Pfarrer getauft.

Als Kind buk er heimlich einen Kuchen, der als Brot gut ankam. Dieses scheinbare Missgeschick inspirierte ihn dazu, eine Ausbildung als Schrift- und Plakatmaler zu absolvieren, um Pinsel und Stift zu beherrschen.

Er arbeitete anschließend auch als Steinmetzgehilfe und Grabsteindesigner. Nach dieser Grundausbildung studierte er Malerei und Grafik an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo Arno Rink und Volker Stelzmann zu seinen Lehrern zählten. 1980 beendete er sein Studium und ist seitdem als freier Künstler, Autor, Kunsthändler, Blogger und Freizeitkoch tätig.

Konflikte mit den Machthabern der SBZ und ein mehrjähriges Ausstellungsverbot bewegten ihn 1986 dazu, die SBZ zu verlassen.

Danach lebte er vorwiegend in Karlsruhe, verbrachte aber auch längere Zeit in Zürich und nahe Worpswede. Von 2006 bis 2015 hatte er ein weiteres Atelier in Leipzig.

Nach 34 Jahren Hauptwohnsitz in Karlsruhe verlegte der Wanderer zwischen den Welten im Februar 2020 seinen Wohnsitz endgültig nach Leipzig.

Nähere Informationen: Thomas Gatzemeier, Gottschallstraße 24, 04157 Leipzig, Telefon: 0172 610 25 35, E-Mail: info@thomas-gatzemeier.de

Neues aus der Welt der Kunst in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Klang als Mittel, sichtbar zu werden (von Bas Blaasse, erschienen in der aktuellen Ausgabe der Museumstijdschrift)

“Mach Lärm: Verlangen. Praktikum. Change.“ ist die neunte und letzte Ausgabe von „Positions“, einer Ausstellungsreihe, die aufstrebende Künstler und Kollektive zusammenbringt. Der Titel bezieht sich darauf, eine Position einzunehmen: wie sich Künstler in ihrer Zeit und in sozialen Diskussionen ausdrücken. Das Thema Klang ist daher ein passender Abschluss der Serie. Geräusche zu machen bedeutet hier: sich hörbar zu machen und Aufmerksamkeit zu fordern.

Im ersten zentralen Raum des Abbe Museums in Eindhoven befindet sich eine große Satellitenschüssel. Selma Selman malte darauf auf Englisch: „Gott, mach mich zum berühmtesten, damit ich diesem Ort entkommen kann.“ „Satellite Dish“ (2023) ist Teil einer Serie von Readymades, in denen Selman Alltagsutensilien malt. Der Text und die Satellitenschüssel rufen Assoziationen mit Kontakt aus der Ferne hervor – oder dessen Bruch – und mit der Sehnsucht nach dem, was fern oder unerreichbar erscheint. In der Arbeit von Selman, der in einer Roma-Gemeinde in Bosnien aufwuchs, nimmt dieser Wunsch eine besondere Bedeutung an. Schließlich kann dieses Verlangen zweierlei gehen: Der Wunsch, einer Umgebung mit wenig Perspektive zu entkommen, aber auch die Sehnsucht nach der Gemeinschaft, aus der man stammt.

Geräusche in der Luft

Im nächsten Raum hängen zwei Klavierflügel an den Seiten von der Decke. Die Instrumente werden ausgefaltet und gegeneinander angeordnet, wodurch ihr Inneres freigelegt wird und in der Mitte ein schmaler vertikaler Streifen entsteht. Durch diese Rotation scheinen die Flügel gleichzeitig auseinandergebaut und wieder zusammengesetzt worden zu sein. In Jack O’Brien’s „Semblance“ (2025) stimmt die Form des Instruments nicht mehr mit seiner Verwendung überein. Das Klavier ist noch da, kann aber nicht mehr gespielt werden; Die Geräusche hängen sozusagen in der Luft. Dieser Effekt wird dadurch verstärkt, dass die Konstruktion an Lagermodulen und Bühnenelementen aus dem Museum befestigt ist, ergänzt durch Material aus einer früheren Installation von O’Brien. So deutet das Werk sowohl eine Bühne als auch das, was dahinter liegt, nahe.

Im ‚Sound Box‘-Raum hängen einfache illustrierte Anweisungen an der Wand: 19 Schritte aus einem Line Dance, der von Ternate stammt, einer Insel auf den Molukken. “Poco2 – shifting perspective” (2025) von Finn Maätita und Jerrold Saija lädt die Besucher ein, den Bewegungen zu folgen. Etwas unbeholfen versuche ich, die scheinbar einfachen Schritte nachzuahmen. Ich bewege mich. Im selben Raum ist ein Mixtape mit molukkischen Machern experimenteller und verzerrter Klänge zu hören, zusammengestellt von den Künstlern. Die Werke beziehen sich auf die Molukken-Diaspora in den Niederlanden: In diesem Jahr jährt sich der 75. Jahrestag der Ankunft der ersten großen Gruppe von Molukken nach der Dekolonisierung Indonesiens.

Klang ist Berührung aus der Ferne

In einem anderen Raum befindet sich eine Installation von Miloš Trakilović. Schwarze Lautsprecher sind über den Boden verteilt, während einige Mikrofonständer ohne Mikrofon liegen, als ob die Aufnahme gerade beendet ist. Lichtfragmente und abstrakte Bilder sind auf vertikalen Bildschirmen zu sehen. Für „564 Tracks (Not a Love Song Is Usually a Love Song)“ (2024) verwendete Trakilović ein KI-Modell, das Klänge von Krieg und jugoslawischer Popmusik in einer Komposition mit der Struktur eines Liebesliedes zusammenführt. Die Installation zeigt, wie eng Zuneigung und Gewalt sein können – und wirft die Frage auf, wer hier eigentlich spricht: der abwesende Sänger, das Archiv der Kriegsklänge oder der Algorithmus.

Anders als in stillen Museumsräumen sickert der Klang von Raum zu Raum. Das geschieht, ohne dass die Arbeiten sich gegenseitig übertönen. Es scheint ein Ausdruck des Glaubens zu sein, dass man sagen kann, was man will, solange es andere nicht untergräbt. Ein politisch aufgeladenes Thema wie „seine Stimme hörbar machen“ kann in einer Gruppenausstellung schnell illustrativ werden, aber das passiert hier nicht. Der Titel „Make Some Noise: Desire. Praktikum. Veränderung.“ ist eine eindrucksvolle Zusammenfassung der vielen Stimmen, Formen und Gesten, die durch die Ausstellung schwingen. Es erinnert an das Sprichwort: Klang ist Berührung aus der Ferne. Ein passender Abschluss der Serie – und einer mit einem langen Atemzug, denn die Ausstellung ist bis Ende September zu sehen.

Nähere Informationen: Van Abbe Museum, Stratumsedijk 2, Eindhoven, Telefon: +31 402381000, E-Mail: info@abbemuseum.nl

Kostenloser Besuch im Museum mit dem Book Week Gift

Am Sonntag, 22. März, dem letzten Tag der Book Week, erhalten Besucher kostenlosen Eintritt in mehr als 230 Museen in den Niederlanden durch die Präsentation des Book Week-Geschenks.

Das Book Week Gift dient daher an diesem Tag als Eintrittskarte. Die Aktion ist eine Initiative des Museumsvereins und der Stiftung für kollektive Propaganda des niederländischen Buches (CPNB) un d wird zum zweiten Mal organisiert. Mehr als 230 Museen im ganzen Land nehmen teil.

44 niederländische Autoren schrieben kurze Texte zu Objekten aus fünfzehn Museumssammlungen. Mit dabei waren unter anderem Adriaan van Dis, Heleen van Royen, Jan Siebelink, Joost Oomen, Hanna Bervoets und Ted van Lieshout. Diese sogenannten ‚literarischen Museumsplatten‘ bieten verschiedene Lesarten der Werke. Eine Auswahl wurde in einer Mini-Broschüre gebündelt, die am 22. März in den teilnehmenden Museen kostenlos erhältlich sein wird. Die gesamte Serie kann digital über QR-Codes und auf der Internetseite Museum.nl gelesen werden. Besucher sind außerdem eingeladen, ihren eigenen Text für ein Objekt zu schreiben.

Frühneuzeitliche Pop-Ikonen im Limburger Museum (von Ulrike Neyens, erschienen in der aktuellen Ausgabe der Museumstijdschrift)

Hendrick (*1558 – +1617), Jacob (*1574 – +1631) und Hubert Goltzius (+1526 – +1583) waren die Popikonen der Künstler des 16. und 17. Jahrhunderts: Ihre Drucke hingen sowohl in königlichen Palästen als auch in bürgerlichen Wohnzimmern. Huberts Buch „C. Ivlivs Caesar“ (1563), in dem er die klassische Geschichte anhand von Münzbildern beleuchtete, fand seinen Weg in unzählige Bücherregale. Hendrick wiederum verkaufte eine enorme Anzahl von Ausgaben seines Drucks „Moses mit den Szenen des Gesetzes“ (1583), der in mehreren Sprachen verteilt wurde.

Um diese drei bekannten Künstler stand eine eng verbundene Künstlerfamilie. Die Ausstellung „Familie Goltzius – Meister aus Venlo“ im Limburger Museum vereint erstmals die gesamte Geschichte der Familie. Anhand von Dutzenden von Drucken und einigen wenigen Gemälden zeigt sie, wie die verschiedenen Generationen arbeiteten, wie sich die Familie durch Europa verbreitete und wie die Mitglieder sich gegenseitig beeinflussten. Jacob Goltzius II. zum Beispiel basierte seinen Druck „Unequal Love“ (1584–1600) auf einem Entwurf von Hendrick, in dem er humorvoll eine junge Frau darstellt, die die Annäherungsversuche eines alten Mannes ablehnt. Jacob Matham (*1571 – +1631) verewigt seinen Stiefvater Hendrick in einem stattlichen Porträt als Hommage an seine Kunstfertigkeit. Besondere Aufmerksamkeit gilt auch der Rolle der Frauen bei der Pflege von Netzwerken und dem Aufbau des Familienunternehmens.

Als Besucher muss man wachsam bleiben: Aufgrund des breiten Aufbaus und der großen Anzahl an Drucken kann die Geschichte manchmal etwas verwirrend werden. Dennoch zeigt die Ausstellung überzeugend, wie die Goltziussen gemeinsam ein einflussreiches und kreatives Netzwerk bildeten, das die Druckgrafik dauerhaft prägt.

Nähere Informationen: Limburger Museum, Keulsepoort 5, 5911BX Limburg, E-Mail: info@limburgsmuseum.nl, Telefon: +31 773522112.

At the Table and what else is on the table“

Essen und Kunst sind im Museum Staal in Almen auf überraschende Weise miteinander verwoben. Die Ausstellung „At the Table and what else is on the table“ ist eine Reise durch Zeit, Kunst und Tradition. Egal, ob Sie die wunderschön gedeckten Tische, die moderne Kunst oder die Geschichten über Essen im Achterhoek genießen – Sie werden garantiert mit neuen Einsichten nach Hause gehen. Wie ein gutes Essen hinterlässt diese Ausstellung einen bleibenden Eindruck.

Nähere Informationen: Museum Staal, Dorpsstraat 39, Almen, Telefon: +31 575474317, E-Mail: info@museumstaal.nl, Internet: www.museumstaal.nl

Am Tisch mit den Römern

In der Ausstellung „Am Tisch mit den Römern“ im Huygens Museum in Voorburg entdecken Besucher die Essgewohnheiten der Bewohner des Forum Hadriani, der römischen Stadt, die an der Stelle des heutigen Voorburg lag. Die Ankunft und Entwicklung des Römischen Forums Hadriani brachte bedeutende Innovationen in die lokale Esskultur: Die Römer führten neue Zutaten, Utensilien und Rezepte ein. Mit der Entwicklung der Stadt als Leitfaden nimmt die Ausstellung den Besucher mit auf eine kulinarische Reise durch die römische Küche.

Ein Blick hinter die Kulissen

In der Ausstellung erhält man auf Grundlage römischer archäologischer Funde vom Forum Hadriani und Umgebung Einblicke in die Ess- und Kochgewohnheiten der Region. Die Ausstellung zeigt den besonderen ‚Sonntagsgottesdienst‘ der Römer: die sogenannte Terra sigillata, was gestempelte Keramik bedeutet. Diese roten Schalen und Becher waren das Geschirr der wohlhabenden Bürger. Die archäologischen Funde erzählen eine Geschichte und geben Einblicke in das tägliche Leben vor zweitausend Jahren. In der Ausstellung werden Sie als Besucher herausgefordert, über das Objekt hinauszublicken. Ein Krug ist nicht nur ein einfaches Irdengerät, sondern wurde einst verwendet, um Wein, Fischsauce oder Olivenöl zu lagern und zu transportieren – Produkte, die aus dem Mittelmeerraum herangekommen wurden. So entpuppt sich ein Krug als greifbare Spur eines internationalen Handelsnetzwerks.

Nähere Informationen: Huygens Museum, Westeinde 2a, Voorburg, Telefon: +31 703872311, E-Mail: secretaariat@huygensmuseum.nl, Internet: www.huygensmuseum.nl

Das Lehmbruck Museum im April

Ausstellungen, Veranstaltungen, Kunstvermittlung

Ausstellungen

Anish Kapoor. Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland (24. April bis 30. August 2026)

Der Künstler Anish Kapoor (*1954, Mumbai) zählt zu den visionärsten Bildhauern unserer Zeit. Mit dem Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland wird nun sein wegweisendes Lebenswerk gewürdigt, das die Entwicklung der Kunst bis heute prägt.

Plastik Fantastik – Präsentation der Kunstvermittlung zur Ausstellung „Mika Rottenberg. Queer Ecology“ (bis 31. Mai 2026)

Originelle Exponate, ein verführerisches Nagelstudio und ein fantastischer Souvenir-Shop verleiten zum Tauschen, Staunen und Bereuen. Ein „Beichtstuhl“ mit einem Regal der Reue ermöglicht es, Buße zu tun und dem eigenen Konsumverhalten mit einem Augenzwinkern zu begegnen. Inspiriert von Mika Rottenbergs surrealen Werken entsteht ein kreativer Raum, der zum Mitmachen, Nachdenken und Gestalten einlädt. Durch interaktive Workshops, Führungen und performative Formate erschließen sich neue Perspektiven auf Kunst, Alltag, Umwelt und gesellschaftliche Zusammenhänge – poetisch, spielerisch und kritisch zugleich.

Das Lehmbruck Museum kooperiert mit der Maker-Szene und Nachhaltigkeitsinitiativen in Duisburg-Ruhrort, um ökologische Themen auch außerhalb des Museums kreativ erlebbar zu machen. Müll kann wertvoll sein, Weggeworfenes wird zu ungeahnten Schätzen. Zusammen räumen wir die Nachbarschaft mal ordentlich auf, um neue Perspektiven für die Zukunft zu gewinnen. Ebenso wie die Werke von Mika Rottenberg widmet sich auch die Präsentation „Plastik Fantastik“ den Gewohnheiten unseres Alltags und rückt die Dinge in ein neues Licht: Kunst ist ein Mittel, um alltägliches Handeln und Umweltbewusstsein neu zu verknüpfen.

Zwei Werke von Mika Rottenberg schlagen eine direkte Brücke zur Ausstellung „Mika Rottenberg. Queer Ecology“. Ein besonderes Highlight ist Rottenbergs erster und bisher einziger Spielfilm „REMOTE“ (2022, 92 Minuten), der in ihrer bekannten surrealen Ästhetik gemeinsames Alleinsein in unserer vernetzten und doch immer stärker isolierenden Welt thematisiert. Die Vorführzeiten sind täglich um 13 und 15 Uhr, am Wochenende zusätzlich um 11.15 Uhr.

„Plastik Fantastik“ zeigt darüber hinaus Werke von Benjamin Tiberius Adler, Aljoscha, Dirk Krüll, Monika Radhoff-Troll, Joachim Römer und Anna Vasof. Weitere Beteiligte sind die Blockblocks Cleanup gGmbH, Dr. Sonja Ehlers, Dr. Julius A. Ellrich, Shunji Furukama, RuhrortPlus, Jola Schwarzer (Schwarzer-design), Fabian Bos (Startupscheune) und die Wirtschaftsbetriebe Duisburg.

Veranstaltungen / Kunstvermittlung

Wenn nicht anders vermerkt, sind Tickets im Ticketshop des Lehmbruck Museums erhältlich.

Alternative Anmeldungen sind unter der Telefonnummer 0203 283 3294 oder per E-Mail an anmeldung@lehmbruckmuseum.de möglich.

Feiertagsöffnungszeiten

An Karfreitag, 3. April, und an beiden Osterfeiertagen, 5. und 6. April, ist das Museum von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Jeden Sonntag wird um 11.30 Uhr eine öffentliche Führung angeboten. 5. April: „Plastik Fantastik“,

12. April: „Traum und Wirklichkeit: Schlüsselwerke des Surrealismus“, 19. April: „Wilhelm Lehmbruck – Leben und Werk“, und 26. April: „Anish Kapoor. Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland“. Teilnahme: zwei Euro (zuzüglich zum Eintrittsgeld: neun Euro/ermäßigt fünf Euro) → Ticketshop

Donnerstag, 2. April, 17.30 Uhr

Kunst & Stulle: „Standbein – Spielbein. Menschen in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts“

Nach Feierabend ins Museum – ganz ungestört bietet sich die Gelegenheit, außerhalb der normalen Öffnungszeiten die Sammlung des Lehmbruck Museums oder die aktuellen Sonderausstellungen kennen zu lernen. Im Anschluss gibt es belegte Brote, Wein und weitere Getränke. Teilnahme: zwölf Euro (inklusive Eintritt, Führung, Speisen und Getränken) → Ticketshop

Freitag, 3. April, 12 bis 17 Uhr

Pay What You Want!

Jeden ersten Freitag im Monat können Besucherinnen und Besucher den Eintrittspreis selbst festlegen. Um 15 Uhr findet eine öffentliche Führung zum Thema „Highlights der Sammlung“ statt. Teilnahme: Pay What You Want!

Dienstag, 21. April, 15 Uhr

Kunst & Kaffee: „Von Meiderich nach Paris! Lehmbrucks Weg vom Dorf in die Kunstmetropole“

Die Teilnehmer genießen einen entspannten Nachmittag in der aktuellen Sonderausstellung. Nach einer Führung sprechen wir in geselliger Runde bei Kaffee und Kuchen über die Eindrücke der Ausstellung gesprochen. Teilnahme: zwölf Euro (inklusive Eintritt, Führung, Speisen und Getränken) → Ticketshop

Samstag, 25. April, 11 bis 17 Uhr

Hackaton: „Posthumane Körper“

Wie könnten sich unsere Körper entwickeln, wenn der Mensch sich wieder stärker an seine Umwelt anpassen würde? Wie sähe eine Fusion aus technischen, industriellen, tierischen, pflanzlichen und menschlichen Körpern aus? Ob Kabel statt Haaren, Polsterfolie als Hautoberfläche oder komplexe Chimären – mit der App „GENERIO“ sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Die KI-gestützte App verwandelt Skizzen und Ideen in ein 3D-Modell, das vor Ort mit einem 3D-Drucker ausgedruckt oder als Augmented-Reality-Experience virtuell präsentieren werden kann. Fabian Bos von der Startupscheune und die Künstlerin SOFF begleiten die Teilnehmer durch den Tag und unterstützen sie technisch und künstlerisch dabei, eine digitale Skulptur eines posthumanen Körpers zu entwickeln.

Zum Abschluss findet eine gemeinsame Bewertungsrunde statt: Die Teilnehmer werden zur Jury und stimmen über die beste Skulptur ab. Der Preis ist eine Jahreslizenz für GENERIO sowie die Möglichkeit, die eigene Skulptur im Lehmbruck Museum zu präsentieren.

Für die Teilnahme sind keine Vorkenntnisse in 3D-Modellierung oder Künstlicher Intelligenz erforderlich. Anmeldungen sind unter der Telefonnummer 0203 283 2195 oder per E-Mail an kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Donnerstag, 30. April, 17 Uhr

Bijayini Satpathy: „Transcending Gender and Self in Odissi Dance“ Lecture Demonstration im Rahmen des Festivals „Eigenzeit – Musik von jetzt“

Mit Bijayini Satpathy hat die Kuratorin Kamalini Mukherji einen ganz besonderen Gast zur Eröffnung des Festivals „Eigenzeit – Musik von jetzt“ nach Duisburg eingeladen. Tanzend, forschend und lehrend, beschäftigt sich die Künstlerin seit ihrer Kindheit mit der klassischen indischen Tanzform Odissi – und in der Tat: Es ließe sich kaum jemand Geeigneteres dafür finden, die Hintergründe dieser jahrtausendealten und erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckten Kunst so kenntnisreich zu beleuchten, als Bijayini Satpathy. Eintritt: 11 Euro.

Nähere Informationen: Lehmbruck Museum, Friedrich-Wilhelm-Straße 40, 47051 Duisburg, Postadresse: Düsseldorfer Straße 51, 47049 Duisburg, Telefon: +49 (0) 203 283-3294. Fax: +49 (0) 203 283-3892, E-Mail info@lehmbruckmuseum.de

Ausstellungs-Tipps in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Mudfish wird zum Raumschiff (Von Edo Dijksterhuis, erschienen in der Museumstijdschrift) – bis 7. Juni

Die Rückgabe kolonialer geplünderter Kunst findet meist in ethnographischen Museen statt. Doch das Museum de Fundatie in Zwolle besaß auch eine Bronze aus Benin in seiner Sammlung und nutzte die Restitution als Grund für die Ausstellung „Back to Benin“, bei der zehn zeitgenössische nigerianische Künstler eine Bühne erhalten.

Es ist leicht herauszufinden, wo „Ama O Ghe Ehen“ in den letzten 90 Jahren war. Die Bronzetafel eines Fisches mit breitem, flachem Kopf wurde 2005 in der Publikation über Museumsfavoriten des Museum de Fundatie dargestellt. Ein halbes Jahrhundert zuvor war es im Stedelijk Museum Schiedam ausgestellt, als Leihgabe von Dirk Hannema, dem Gründer des Zwolleer Museums. Er hatte den Edelstein 1937 in der Van Lier Art Gallery in Amsterdam gekauft, die ihn vermutlich zwei Jahre zuvor im MoMA in New York präsentiert hatte.

Alles davor ist Spekulation. Mit Ausnahme der Herkunft der Tafel: „Ama O Ghe Ehen“gehört zu den Benin-Bronzen, den Skulpturen des westafrikanischen Königreichs Benin (heute Nigeria), die 1897 von britischen Kolonialtruppen in großem Maßstab geplündert wurden. Es ist unmöglich zu sagen, ob dieses spezielle Kunstwerk auch illegal nach Europa gelangt ist oder ’nur‘ gehandelt wurde. Aber für Beatrice von Bormann spielt das keine Rolle. Als sie kurz nach ihrer Ernennung zur Direktorin von diesem bemerkenswerten Stück in der Museumssammlung hörte, entschied sie, dass es nach Nigeria zurückgebracht werden musste.

Dabei schließt sie sich einer wachsenden Gruppe von Kollegen an, die kolonial geplünderte Kunst an ihren rechtmäßigen Besitzer zurückgeben. Es gab auch Ausstellungen, die der Wiederherstellung gewidmet waren, wie ‚Plünderte Kunst – 10 Geschichten‘ (2023–24) im Mauritshuis und ‚Unfinished Past‘ (2025–27 im Wereldmuseum Amsterdam). Doch De Fundatie ist das erste Museum, das Wiedergutmachung nutzt, um die Beziehung zwischen Nachkommen von Dieben und Räubern wiederherzustellen oder zu erneuern. „Back to Benin“ verbindet die Geschichte von „Ama O Ghe Ehen“auf fruchtbare Weise mit zeitgenössischer Kunst aus Nigeria.

Orakelvogel

Die Ausstellung beginnt mit dem Grund: der Tafel. Der Fisch lebt auf dem schlammigen Grund von Flüssen, zwischen Land und Wasser, und erhielt daher mythische Kraft als Bote zwischen den Welten. Die Schuppen und das Rastermuster auf dem Kopf sind äußerst fein, ebenso wie die Zierblumen rund um den Körper. Selbst der größte koloniale Rough-and-Tumbler konnte diese Qualität nicht vermissen. Kein Wunder, dass dieser Fisch gestohlen wurde.An den Wänden erzählen eine Zeitleiste und Fotos die Geschichte der Benin-Bronzen, die nach der britischen Plünderung in etwa 160 Museen weltweit verteilt wurden. Es dauerte mehr als ein Jahrhundert, bis eine Wiedergutmachung überhaupt in Betracht gezogen wurde. Erst im vergangenen Jahr wurden 113 Stücke aus der Nationalsammlung und sechs aus der Gemeinde Rotterdam offiziell an den Oba (König) von Benin übergeben.

Die hohe Informationsdichte der einleitenden Präsentation spricht nicht jeden an, hilft aber, Folgendes zu verstehen. Eine Reihe von Künstlern, die von der Kuratorin Aude Christel Mgba ausgewählt wurden, sind buchstäblich vom Schlammfisch, den Benin-Bronzen oder der Mythologie des Edo-Volkes, der Gründer des Königreichs Benin, inspiriert. In ihren Collagen aus Fotografie und Malerei bezieht sich Taiye Idahor auf den Orakelvogel, der einen Oba aus dem sechzehnten Jahrhundert vor der Niederlage rettete. Und Minne Atairu übersetzt die kosmologische Geschichte über die ‚Könige des Himmels‘ in ein KI-generiertes Video mit afro-futuristischem Touch, in dem der Schlammfisch zu einem Raumschiff wird.

Riesige Tonrüstung

Die ausgewählten Künstler haben alle einen internationalen Lebenslauf, aber die Qualität ihrer Arbeit variiert. Die Fotoinstallation, in der Abraham Onoriode die kolonialen Archive von Oghobase mit der alten Karte von Benin verbindet, ist konzeptionell aufwendig, aber visuell nicht besonders aufregend. Und die Gemälde, in denen Osaze Amadasun historische Persönlichkeiten und zeitgenössische Szenen verbindet, wirken für westliche Augen ein wenig zu sehr wie glatte Filmplakate.

Viel interessanter ist die Arbeit von Favour Jonathan, die nicht nur ein riesiges Totem zusammenschweißte, sondern auch hundert Selbstporträts fotografierte, in denen ihre wechselnde Frisur jedes Mal eine andere Kraft symbolisiert. Victor Ehikhamenor errichtete eine Kapelle mit einem traditionellen Regengott aus geschmolzenen Plastikrosenkränzen, um zu zeigen, wie Christentum und afrikanische Religion noch heute Seite an Seite existieren. Und im selben Raum beeindruckt Osaru Obaseki mit einer Wandskulptur, in der Platten aus gepresstem Ton – Benins Verteidigungsmauer – mit Bronzetafeln zu einer riesigen Rüstung vernietet werden.

Im Vergleich dazu wirkt Phil Omodamwens Werk recht konventionell. Und doch ist es wertvoll, dass es Teil von „Back to Benin“ ist. Omodamwen gehört einer Familie von Bronzegießern an, die seit fünfhundert Jahren in derselben Tradition wie die Benin-Bronzen arbeiten. Er fertigt jedoch keine religiösen oder zeremoniellen Werke an, sondern stellt historische Ereignisse dar, die ein weniger positives Bild der Kolonialherrscher zeichnen. Er schließt den Kreis, von damals und jetzt, dort und hier, geben und nehmen.

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Das Drents Museum verschiebt die Ausstellung mit Werken von Amrita Sher-Gil aufgrund geopolitischer Spannungen

Das Drents Museum in Assen kann seine lang erwartete Retrospektive der indischen Künstlerin Amrita Sher-Gil am 22. März nicht eröffnen. Das indische Kulturministerium hat beschlossen, die etwa sechzig Gemälde und Zeichnungen aus der Sammlung der National Gallery of Modern Art in Neu-Delhi aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage nicht zu transportieren. Damit ist das Drents Museum das erste niederländische Museum, das direkt von den Spannungen im Nahen Osten betroffen ist.

Museumsleiter Robert van Langh nennt es „eine große Enttäuschung“. Er fährt fort: „Gleichzeitig verstehen wir die Entscheidung. Laut dem Dagblad van het Noordenerhielt das Museum am Montag, dem 10. März, erstmals ein Signal, dass eine Verschiebung möglich sei; Die offizielle Entscheidung folgte einen Tag später. Die indische Regierung gab keine weiteren Erklärungen, aber laut dem Museum wird angenommen, dass internationale Spannungen im Nahen Osten eine Rolle spielen.

In der Zwischenzeit arbeitet das Museum an einer alternativen Ausstellung mit dem Titel „Ode an Amrita“. Zu diesem Zweck fordert das Museum andere Institutionen auf, Werke aus ihrer Sammlung zur Verfügung zu stellen, die mit den Themen in Sher-Gils Leben und Werk übereinstimmen, wie Identität, Freiheit, Verbindung und Liebe. Laut dem Museum haben die ersten niederländischen Museen bereits ihre Kooperation zugesagt. Die Ausstellung wird nicht aus Arbeiten von Sher-Gil selbst bestehen, sondern möchte dem Publikum ihre Ideen näherbringen – die laut Drents Museum aktuell bleiben, gerade in einer Zeit, in der Errungenschaften wie Offenheit und Meinungsfreiheit auf dem Spiel stehen. Laut dem Dagblad van het Noorden hofft das Museum, die Ersatzausstellung Anfang April eröffnen zu können.

Nähere Informationen: Drents Museum, Brink 1, 9401 HS Assen, Telefon 0592 377773, E-Mail: info@drentsmuseum.nl, Internet: www.drentsmuseum.nl. Geöffnet ist das Museum in der von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr.

Louwrien Wijers – Wir leben in der Sprache – bis 3. Mai

Das Friesland-Museum in Leeuwarden präsentiert die erste Einzelausstellung von Louwrien Wijers (Aalten, *1941). Die Künstlerin erhält in diesem Jahr den Gerrit Benner Prize für ihren führenden Beitrag zur bildenden Kunst in Fryslân. Die Jury lobt ihre besondere Arbeitsweise, bei der Sprache, Zuhören und Gespräch wichtig sind: „Sie sieht Worte, Gedanken und Kommunikation als eine Kunstform und betont deren Bedeutung für die Gesellschaft. Ihre Arbeit ist ruhig und durchdacht und bildet einen kraftvollen Gegenpol zur schnelllebigen visuellen Kultur.“ Im Laufe ihrer Karriere sprach die Künstlerin mit führenden Künstlern, Wissenschaftlern und Denkern, darunter Andy Warhol und dem Dalai Lama. Ihre unkonventionelle und immaterielle Arbeitsweise hat ihrer Position in der Kunstwelt eine besondere, aber bescheidene Stellung verschafft. Die Ausstellung „We Live in Language“ bietet einen Überblick über ihr Werk, einschließlich Arbeiten, die zuvor nie gezeigt wurden.

Nähere Informationen: Friesmuseum, Wilhelminaplein 92, Leeuwarden, Telefon +31 582555500, E-Mail: info@friesmuseum.nl, Internet: www.friesmuseum.nl

It goes without saying“ oder „Das versteht sich von selbst“ – bis 29. März

Sprache ist niemals neutral. Worte können uns sowohl verbinden als auch trennen. Sie prägen unser Denken, Fühlen und Handeln. Sie interpretieren unsere intimsten Geständnisse und lautesten Forderungen, können aber ebenso leicht verbergen, ausschließen oder manipulieren. Sprache kann trösten oder verletzen, Fürsorge oder Widerstand inspirieren oder ein Instrument der Kontrolle sein. Die Ausstellung „It Goes Without Saying“ in der Kunsthal Extra City in Antwerpen erforscht dieses Terrain und zeigt, wie sich Sprache zwischen privat und öffentlich bewegt, vom therapeutischen zum Politischen, von geflüsterten Auseinandersetzungen bis zum Gebrüll kollektiver Proteste.

Die Ausstellung vereint Skulpturen, Zeichnungen, Installationen und Videos, die die Möglichkeiten von Sprechen, Schreiben, Gebärdensprachen und Symbolen erweitern. Sie stellt die Autorität des Wörterbuchs in Frage und untersucht alternative Sprachformen. Wo Worte versagen, braucht es Fantasie. In westlichen Gesellschaften zum Beispiel hat die Fähigkeit zur kollektiven Trauer abgenommen: Trauer bleibt oft privat, und die Worte, sie öffentlich zu benennen, sind weitgehend verschwunden. Oder denken Sie an das aktuelle geopolitische Klima, in dem ein einzelnes Wort wie „Völkermord“ besonders schwer zu verwenden ist.

Sprache ist kein fester Code, sondern ein verletzliches, lebendiges und umkämpftes Feld. Dies zeigt sich besonders in den Erfahrungen der Vertreibung. Das Fehlen oder die teilweise Beherrschung einer Muttersprache erschwert es, sich in kulturellen, historischen und sozialen Landschaften zurechtzufinden. Übersetzung wird dann zu einer Möglichkeit, Welten und Identitäten zu verbinden. In solchen Momenten ist Sprache nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern auch eine Möglichkeit, die Vergangenheit anzuerkennen, sich in der Gegenwart zu verankern und sich mögliche Zukünfte vorzustellen.

Nähere Informationen: Kunsthal Extra City, Provinciestraat 112, Antwerpen, Telefon +32 36771655, E-Mail: info@extracity.org, Internet: www.extracity.org

Dichtung des Volkes – bis 3. Mai

Die Ausstellung „Dichtung des Volkes“, die zuvor im Wereldmuseum Amsterdam zu sehen war, erhält nun eine neue Bühne im Wereldmuseum Rotterdam. In einer Stadt, die für ihre kulturelle Vielfalt und internationale Gemeinschaft bekannt ist, zeigt die Ausstellung, wie Poesie Menschen verbindet, Geschichten weitergibt und Raum für Reflexion und Anerkennung bietet. Viele der Gedichte in Dichtung des Volkes werden noch immer gelesen und studiert. Zum Beispiel singt Meral Polat auf ihrem neuen Album ein Lied zu den Texten des Gedichts „Ötme Bülbül Ötme“ des Dichters Pir Sultan Abdal. Er setzte sich für die Rechte des Volkes ein und stellte sich gegen das Osmanische Reich. In der Ausstellung rezitiert Meral Polat das Gedicht in einem Video.

Nähere Informationen: Wereldmuseum Rotterdam, Willemskade 25, Rotterdam, Telefon: +31 102707172, E-Mail: info@wereldmuseum.nl, Internet: http://www.wereldmuseum.nl

Kunsthalle Düsseldorf im März

Für drei Wochen besteht die seltene Möglichkeit, das Gebäude der Kunsthalle Düsseldorf in seiner radikalsten Form zu erleben: leer, roh und unberührt. Mit „Nur der Beton“ lädt die Kunsthalle Düsseldorf noch bis 5. April dazu ein, die spezifische Atmosphäre der Architektur und die brutalistischen Strukturen bewusst wahrzunehmen. Dabei stehen Formate der Ruhe und des Innehaltens ebenso im Fokus wie die Auseinandersetzung mit der brutalistischen Architektur.
Täglich wird eine einstündige Architekturführung angeboten, bei der die Besucher die spannende Geschichte und die markante Betonstruktur des Hauses sowie ausgewählte Kunstwerke, die den umliegenden Außenraum prägen, entdecken können. Diese finden dienstags bis freitags um 17 Uhr sowie samstags und sonntags um 13.30 Uhr statt. Die Architekturführung am Sonntag, 22. März, , erfolgtt mit Verdolmetschung in die Deutsche Gebärdensprache.
Das Programm und der Eintritt in die Kunsthalle sind während der Laufzeit von „Nur der Beton“ frei.
Des Weiteren läuft im Parkhaus der Kunsthalle die Ausstellung „MUR BRUT38: Helene Kuschnarew. 360 Hektar“. In ihrer Arbeit fragt sich Helene Kuschnarew unter anderem was geschieht, wenn ein Ort seine gewohnte Ordnung verliert. Dabei verweist der Titel „360 Hektar“ auf das Dorf Wacken, das durch das jährlich stattfindende Heavy-Metal-Festival „Wacken Open Air“ vorübergehend zur Großstadt wird.

Programm im Überblick

Wenn Leere spricht – Atemsession in der leeren Kunsthalle – Sonntag, 29. März, 9 bis 11 Uhr, und am Donnerstag, 2. April, 19 bis 21 Uhr

Ein entleerter Raum schenkt uns keine Ablenkung, er konfrontiert uns mit uns selbst. Mit dem, was wir in ihn hineintragen. Was bleibt, wenn das Äußere reduziert ist und es nichts gibt, woran wir uns orientieren und festhalten können? Ist ein leerer Raum neutral oder wird er zur Projektionsfläche unseres Inneren und füllt sich mit dem, was wir mitbringen?

Die Leere der Kunsthalle ist eine Einladung unseren Geist zu leeren. Zurück bleibt unser Körper als ein Raum, der vielfältige Möglichkeiten zulässt. Der Atem dient dabei als Vermittler zwischen Materie und Geist. In der Leere wird spürbar, ob er ruhig fließt oder sich zurückhält, ob er Raum einnimmt oder sich anpasst.

Die Kunsthalle lädt dazu ein, zu spüren, dass Leere kein Mangel ist, sondern Möglichkeit. Die Teilnehmer atmen zwischen Innen und Außen – im kontinuierlichen Austausch mit dem Raum.

Alex, Carla, Nadja und Nicole von „InBetween“ öffnen und halten diesen besonderen Raum für die Teilnehmer. Sie alle haben in ihrer Arbeit eigene Schwerpunkte. Was sie vereint, ist die Hinwendung zum Menschen, ein ganzheitlicher Ansatz und die Liebe für den verbundenen, zirkulären Atem, den sie in der Session anleiten. Dein Atem geht voran auf deiner Reise in einen anderen Bewusstseinszustand. Du selbst entscheidest, wie tief diese Reise gehen darf, dein Körper und dein Geist sind deine Wegbegleiter, während dein Verstand sich leert, so wie der Raum um dich herum.

Die Session wird zwei Stunden dauern. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Als Energieausgleich wird um eine Barspende gebeten, die eingesetzt werden soll, um die Gründung von „InBetween“ voranzutreiben.

Ambient Konzert mit „BRUTALISM“ am Freitag, 20. März, 20 bis 22 Uhr

„BRUTALISM“ nutzt moderne Betonarchitekturen als Produktionsstätten und Veranstaltungsorte und untersucht, wie räumliche Gegebenheiten den Klang beeinflussen. Das Label bewegt sich an der Schnittstelle zwischen experimenteller Musik, Clubkultur und ortsspezifischer künstlerischer Forschung, wobei Veröffentlichungen und Performances von bestimmten architektonischen Werken geprägt sind und diesen gewidmet sind.

Brutalism Talks am Dienstag, 24. März, 19 bis 22 Uhr

19 Uhr: Dr. Hannah Schiefer, Kunsthistorikerin, zum Thema: Betonlandschaften: Eine Archäologie der Nachkriegsmoderne

Der Vortrag „Betonlandschaften: Eine Archäologie der Nachkriegsmoderne“ von Dr. Hannah Schiefer, Universität Siegen, widmet sich der Entstehung und Entwicklung des Brutalismus – einer der prägnantesten, aber auch umstrittensten Architekturrichtungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ausgehend von der Begriffsgeschichte des „New Brutalism“, die in den 1950-er Jahren von Architekten und Architekturtheoretikern geprägt wurde, zeichnet der Vortrag nach, wie sich aus einem zunächst polemischen Schlagwort ein weltweit rezipierter Baustil entwickelte.
Anhand ausgewählter Beispiele aus Düsseldorf und Umgebung werden zentrale Merkmale brutalistischer Architektur vorgestellt: die Sichtbarkeit von Konstruktion, der expressive Einsatz von Materialien wie Sichtbeton sowie eine Architekturauffassung, die sich zwischen sozialem Anspruch, technischer Innovation und skulpturaler Form bewegt. Die vorgestellten Bauten zeigen, dass Brutalismus nicht allein als Stil des „rohen Betons“ verstanden werden kann, sondern als vielschichtige architektonische Haltung, die bis heute Fragen nach Materialehrlichkeit, Dauerhaftigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung des Bauens aufwirft.

19 Uhr: Dr. Sven Kuhrau, Kunsthistoriker, Wissenschaftlicher Referent der Abteilung Inventarisation beim LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, zum Thema: „Starker Auftritt. Die Kunsthalle Düsseldorf als Baudenkmal“

Die anfänglich ungeliebte Düsseldorfer Kunsthalle erfuhr erst im Zuge der jüngeren Aufarbeitung brutalistischer Architektur eine positive Umdeutung. Zuvor hatten sich Künstlerinnen und Künstler das widerständige Potential der wehrhaften Architektur für ihre eigenen Werke am Ort zunutze gemacht. Seit kurzem steht das Haus samt der künstlerischen Interventionen unter Denkmalschutz. Aber was genau macht den Denkmalwert des Gebäudes aus?

20 Uhr: Dr. Turit Fröbe, Architekturhistorikerin, Urbanistin, Baukulturvermittlerin, zum Thema: „Brutalismus – schön hässlich?“

Turit Fröbe bricht in ihrem Vortrag eine Lanze für originelle, gut gemachte Bausünden. Sie fasst ihre wichtigsten Erkenntnisse, die aus ihrer jahrelangen Auseinandersetzung mit den „hässlichen Entlein“ unserer Städte hervorgegangen sind, zusammen und zeigt, dass „Bausünden“ eine unterschätzte Baugattung darstellen, die durchaus Potenziale für ihr jeweiliges Umfeld haben. In ihrem Vortrag nimmt sie auch den Brutalismus – beziehungsweise das, was gemeinhin als brutalistisch etikettiert wird – in den Blick, erläutert, warum es sich lohnt, sorgfältig zwischen guten und schlechten Bausünden zu unterscheiden, und beschreibt, wie sich selbst die verhasstesten Objekte mithilfe eines „liebevollen Blicks“ innerhalb kürzester Zeit aufwerten lassen.

20.30Uhr: Kaspar Stöbe & Pablo Molestina, Architekten, zum Thema: „Die Sanierung der Kunsthalle Düsseldorf

Offene Probe von KOIR am Sonntag, 29. März, 15 bis 18 Uhr, Eintritt und Programm frei

„KOIR“ ist eine musikalische, körperliche und vokale Praxis an der Kunstakademie Düsseldorf, gegründet von Prof. Ari Benjamin Meyers und seiner Klasse. Wir proben, lernen und bearbeiten musikalische Werke aus einem breiten Spektrum. „KOIR“ probt in einem zweiwöchigen Rhythmus an der Kunstakademie Düsseldorf und ist am 29. März für eine öffentliche Probe in der Kunsthalle Düsseldorf zu Gast.

Nähere Informationen: Kunsthalle Düsseldorf, Grabbeplatz 4, 40213 Düsseldorf, Telefon: +49 (0)211 54237710, E-Mail: mail@kunsthalle-duesseldorf.de

Anouk Griffioen. Solange es anhält

Bis 20. September im Kröller-Müller Museum

Die Ausstellung erzählt eine Geschichte über Überleben und Erinnerung. Ich habe ihn [meinen Vater] heimlich in einer der Zeichnungen versteckt. Die Suche führte mich auch zur Veluwe, wo ich ein großes Werk schaffe, das als Fenster zur Außenwelt dient.“ (Quelle: Galeriebesucher, Het atelier van… Anouk Griffioen)

„So lange es dauert“ ist die erste Einzelausstellung des Rotterdamer Künstlers Anouk Griffioen (*1979) in einem Museum. Sie hat eine tiefe Faszination für Natur, Erinnerung und Vergänglichkeit und fertigt große, oft wandfüllende Zeichnungen aus Kohle an. Als Beobachter tritt man manchmal buchstäblich in ihre Welt ein.

Geburtstagsfoto

Der Ausgangspunkt der Ausstellung ist ein Foto, das Griffioens Vater am Tag ihrer Geburt in Enschede aufgenommen hat. Basierend auf den Tausenden von Fotos, die ihr Vater gemacht hat, besucht und fotografiert sie alle Orte, an denen ihre Familie einst lebte.

Vergänglichkeit

Griffioen stellt ihre Fotografien neben die aus der Vergangenheit und verarbeitet die Veränderungen in virtuosen Kohlezeichnungen monumentaler Größe. Diese umgeben dich oder werden als Triptychon präsentiert, wie verdichtete Erinnerungen. Es ist heute noch da, solange es anhält.

Nähere Informationen: Das Kröller-Müller-Museum ist dienstags bis sonntags von10 bis 17 Uhr geöffnet. Kontakte sind unter der Telefonnummer (0031) 0318 591241, im Internet auf www.kmm.nl und per Email an info@kmm.nl möglich.

Ausstellungshighlights im Frühjahr in der Kunsthalle Bremen

Natur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Rom

Ab 14. März

Mindestens 150 Jahre lang war die Campagnalandschaft mit Aqua Claudia von Friedrich Nerly nicht öffentlich zu sehen. Seit 1954 befindet sich das Gemälde im Besitz der Kunsthalle, ausstellbar war es bis vor kurzem jedoch nicht. Gut ein Jahr dauerte die Restaurierung mit eindrucksvollem Ergebnis: Ein vergessenes Hauptwerk des deutschen Malers Friedrich Nerly (1807–1878) kam ans Licht! Das Bild zeigt die antike Wasserleitung Aqua Claudia vor den Toren Roms. Gehen Sie in der Kunsthalle auf eine Reise ins sonnige Italien, wenn ab Samstag Nerlys frühe Schaffensjahre in Rom im Mittelpunkt einer großen Ausstellung stehen.

Tipp: Öffentliche Führungen durch die Ausstellung jeden Freitag, Samstag und Sonntag um 15 Uhr!

Aktuelle Ausstellung

Remix. Photographie – Fiktion und Wahrheit

Seit 25. Februar

Kann man Photographie heute noch glauben? Und welche Aufgabe kann sie übernehmen in Zeiten von KI und Deep Fakes? Die Kunsthalle erweitert ihre Sammlungsausstellung Remix um vier Räume und zeigt dort eine Auswahl historischer und zeitgenössischer Photographie. Präsentiert werden Arbeiten von Bernd und Hilla Becher, Candida Höfer, Richard Mosse, Sebastian Riemer, Ricarda Roggan, Thomas Ruff, August Sander, Taryn Simon, Thomas Struth und Heinrich Zille. Die Photographien sind teils Neuzugänge aus der eigenen Sammlung, teils Dauerleihgaben aus der Sammlung Ültzen sowie Leihgaben aus der Sammlung Lothar Schirmer. Viele der ausgestellten Kunstwerke sind zum ersten Mal in der Kunsthalle Bremen zu sehen.

Veranstaltungstipp: 15 Minuten Bildbetrachtung während der Kunstpause mit Ausstellungskuratorin Eva Fischer-Hausdorf am Donnerstag, 12. März, um 13 Uhr.

Kommende Ausstellung

Nerly in Venedig. Von Gondeln und Palästen

14. März bis 5. Juli

Mit 20 Jahren ging Friedrich Nerly nach Italien. Nachdem er in Rom und Mailand gelebt hatte, zog es ihn nach Venedig: Was nur als kurzer Stopp auf dem Weg zurück nach Deutschland geplant war, entwickelte sich zu einem lebenslangen Aufenthalt. In den 41 Jahren vor Ort wurde er der bekannteste lebende Künstler der Stadt. Aus dieser Schaffenszeit stammen auch seine berühmtesten Motive: die Markussäule im Mondschein und der Blick auf den Canal Grande. In der Kabinettausstellung, die parallel zu „Natur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Rom“ gezeigt wird, werden neben 50 Papierarbeiten auch zwei Gemälde mit diesen Erfolgsmotiven zu sehen sein.

Veranstaltungstipp: 15 Minuten Bildbetrachtung während der Kunstpause mit Ausstellungskuratorin Maren Hüppe am Donnerstag, 2. April, um 13 Uhr.

Sonntags-Matinée I

Aqua Claudia am Sonntag, 15. März, 11.30 Uhr

Jens Köhler von der John Cabot University, Rom, berichtet über neue archäologische Forschungen und die Aussagekraft von Nerlys Gemälde.

Sonntags-Matinée II

Reise nach Italien! am Sonntag, 29. März, 11.30 Uhr

Ausstellungskuratorin Dorothee Hansen folgt den Spuren Friedrich Nerlys von
der ligurischen Küste bis nach Sizilien.

Öffentliche Führung

150 Jahre Paula Modersohn-Becker am Freitag, 13. März, 15 Uhr & Sonntag, 15. März, 11 Uhr

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lernen Werk und Leben der Künstlerin Paula Modersohn-Becker im Spannungsfeld zwischen Worpswede und Paris kennen.

Online-Akademie

John Constable (*1776 – +1837) am Montag, 16. März, 18 Uhr

Kunst kann auch zu Hause kennengelernt werden – im Austausch mit anderen Menschen und an jedem Ort mit Internetanschluss. Termine der Online-Akademie finden regelmäßig statt.

Interreligiöses Kunstgespräch

Blickwechsel am Dienstag, 24. März, 18.30 Uhr

Wasser und seine Bedeutung in den Religionen: Referenten und Referentinnen unterschiedlicher religiöser Traditionen treten in einen Dialog mit Gemälden aus der Sammlung.

Nähere Informationen: Kunsthalle Bremen, Am Wall 207, 28195 Bremen, Telefon: +49 (0)421 – 32 9080, Fax +49 (0)421 – 32908470, E-Mail: info@kunsthalle-bremen.de

Ausstellungs-Tipps in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Der Mythos von Amerika im Spielzeugformat (Rezension von Jeroen Junte, erschienen in der Museumstijdschrift)

Im H’art Museum in Amsterdam präsentiert der amerikanische Fotograf David Levinthal „American Myth & Memory – David Levinthal Photographs“, seine erste große Retrospektive in Europa. Mit sorgfältig inszenierten Miniaturen untersucht er, wie die visuelle Kultur unsere Darstellung der amerikanischen Geschichte geprägt hat. Die Tatsache, dass Trump derzeit offen die Geschichte hinterfragt, verzerrt und zensiert, macht seine Arbeit ironisch aktuell.

Der schwarze Lincoln Continental, Jackie Kennedys rosa Anzug, sogar die etwas blassen Farben – das muss ein Bild aus dem berühmten Zapruder-Video des Attentats auf Präsident John F. Kennedy sein. Und doch stimmt etwas nicht. Der 8mm-Film von Abraham Zapruder ist das einzige Filmbild des Angriffs, und darauf ist Jackie Kennedy größtenteils hinter ihrem Ehemann verborgen. Hier tritt sie in den Vordergrund. Auch die Flaggen auf dem Wagen fehlt jegliche präsidiale Etikette. Und dieses Bild ist sehr verschwommen.

Der amerikanische Fotograf David Levinthal (*1949) hat dieses Trauma, das sich in das nationale Gedächtnis eingebrannt hat, in einer lebensechten Miniaturwelt rekonstruiert. Nur dass Jackie Kennedy jetzt eine Marionette in einem Spielzeugauto ist. Auch die Perspektive hat sich vom Präsidenten auf sie verschoben.

Fakt und Fiktion

Die Kennedy-Pastiche ist Teil seiner ikonischen History-Serie(2010 – 2018), die zahlreiche mythische Momente der amerikanischen Geschichte darstellt. Fakt und Fiktion verschmelzen nahtlos. Ein Hubschrauber vor dem Hintergrund von Napalmfeuer ruft sofort die Erinnerung an den Vietnamkrieg hervor. Diese wurde hauptsächlich von Hollywood-Filmen wie „Apocalypse Now“ geprägt.

Levinthal zeigt, wie kollektives Gedächtnis immer wieder durch das Kino gefiltert wird. Schauen wir hier auf Kriegsgeschichte oder auf ein filmisches Klischee? Nach Hollywood oder zum Nachrichtenprogramm. Oder an Pentagon-Propaganda, das ist ebenfalls möglich.

Enttarnung

Seit mehr als 40 Jahren hinterfragt Levinthal mit seinen Fotografien die großen historischen Erzählungen, auf denen die amerikanische Identität stützt. Jede amerikanische Obsession geht vorbei – Gewalt, Sport, Rassismus, Geld. Die realistischen Fotos bieten gerade genug Halt, um Wiedererkennung hervorzurufen, aber die strategische Unschärfe und die irreführende Inszenierung untergraben diese Gewissheit.

Die kulturelle Demenz Amerikas, die inzwischen seine eigenen Legenden mit Geschichte verwechselt, wird gnadenlos entlarvt. Levinthal gab 1972 sein Debüt als Künstler mit der Serie „Bad Barbie“, in der er entkleidete Barbie-Puppen in sexuellen Posen fotografierte. Es war eine frühe Enthüllung einer sexuellen Moral, die zwischen pornografisch und puritanisch balanciert. Doch noch nie zuvor war seine Arbeit so dringend wie jetzt, wo ein Präsident offen versucht, die Geschichte neu zu schreiben.

Trump lässt schwarze Soldaten von Kriegsdenkmälern entfernen, Bücher werden aus Bibliotheken entfernt und das Smithsonian Institut wird mit Zensur bedroht. Bezeichnend ist, dass dort zuvor „American Myth & Memory“ gezeigt wurde. Das macht diese Ausstellung nicht nur notwendig, sondern auch bitter aktuell.

Unschuldige Objekte

Die Kraft von Levinthals Fotografie liegt nicht nur in gleichzeitiger Wiedererkennung und Unruhe, sondern auch in ihrer Mehrdeutigkeit. Er arbeitet mit Polaroid: einem Bild, das sich sofort nach dem Druck selbst fixiert und kein reproduzierbares Negativ enthält. 1986 besorgte er die größte kommerziell erhältliche Polaroidkamera, der amerikanische Mythos in seiner besten Form.

Und dann die Spielsachen selbst, versammelt auf Jahrmärkten und Flohmärkten, mit denen er geniale Dioramen baut. Unschuldige Objekte, die gewalttätige Geschichte rekonstruieren. Vielleicht ist keine Fabel so hartnäckig wie die des Wilden Westens: die Eroberung einer angeblich leeren Landschaft, in der der weiße Siedler zum Helden erhoben wird. Ein Stereotyp, das im modernen „Selfmade-Man“ weiterlebt. Für die ursprünglichen Bewohner – Sioux, Navajo und andere Völker – ist dieser amerikanische Traum ein Albtraum. Levinthal ließ absichtlich ihre Gesichter verschwimmen, reduzierte sie auf Statisten in einer Geschichte, die sie strukturell ausschließt. Ein Foto von großer Aussagekraft, und doch verwirrend.

Nähere Informationen: H’ART Museum, Amstel 51, 1018 EJ Amsterdam, Postadresse: Postfach 3438, 1001 AE Amsterdam, Telefon: 020 530 8755, Post: mail@hartmuseum.nl

Dirk Bakker – Bild-Rätsel

Der bildende Künstler Dirk Bakker (*1949 – +2021) malte die wunderbarsten Szenen in relativer Abgeschiedenheit, mit einem feinen Sinn für Farbe, Form und Komposition. Obwohl seine Arbeit stilistische Ähnlichkeiten mit denen der Künstler der Neuen Figuration aufweist, schlägt sie einen völlig anderen Ton an. Bakkers Gemälde fehlen die Ernsthaftigkeit und oft der intellektuelle Ansatz, der die Werke anderer figurativer Werke kennzeichnet, und strahlen vielmehr die entwaffnende Atmosphäre von Kinderbuchillustrationen aus. Doch so verspielt, zugänglich und humorvoll Bakkers Gemälde auch erscheinen mögen, in diesen entfremdenden visuellen Rätseln lauert oft etwas Beunruhigendes – das Verborgene, das die inneren Konflikte eines Künstlers ausdrückt, dem es schwerfiel, sich mit der Außenwelt zu identifizieren.

Als Dirk Bakker und seine Frau wegen Krankheit umziehen mussten, gab es niemanden, der sich um seine Kunst kümmerte. Außerhalb ihrer Kontrolle verschwanden Hunderte von Gemälden in Secondhand-Läden. Kurz darauf starb Dirk Bakker und sein Künstlerfreund Theo de Feyter erfuhr, was mit seinem Werk geschehen war. Mit Mühe gelang es ihm, einen kleinen Teil zu sichern, aus dem das Museum Belvédère dann als Tribut einer besonderen Kunstfertigkeit wählen durfte.

Nähere Informationen: Museum Belvédère, Oranje Nassaulaan 12, Herrenveen, Telefon: +31 513644999, E-Mail: info@museumbelvedere.nl, Internet: www.museumbelvedere.nl

Comedy Wildlife Awards 2025

Eine Vaping-Ente, ein weltberühmter „enthaupteter“ Flamingo und verschiedene Tiere mit guten und schlechten Haartagen: Im Naturmuseum Brabant gibt es was Besonderes zu sehen. Noch bis zum 3. Mai wird dort die achte Ausgabe der „Fotoausstellung Comedy Wildlife Awards“ gezeigt, mit vierzig Fotos von Tieren in unbeabsichtigt komischen Situationen.

Die Ausstellung zeigt, wie überraschend und beeindruckend die Natur ist, und lenkt auf einfühlsame Weise die Aufmerksamkeit auf den Naturschutz. Genau deshalb passt es so gut ins Natuurmuseum Brabant. Vor acht Jahren brachte es die Ausstellung ausschließlich in die Niederlande, genauer gesagt: nach Tilburg. Es war ein großer Erfolg, sowohl im Museum als auch in den sozialen Medien.

KI oder echt?

Es gibt auch das Flamingo-Foto von Miles Astray, das bei einem anderen Fotowettbewerb den Publikumspreis in der KI-Kategorie gewann, obwohl es ein echtes, nahezu unbearbeitetes Foto ist. Mutter Natur ist immer noch kreativer als Maschinen, wollte der Fotograf sagen. Noch mehr Extras in diesem Jahr: Alle technischen Spezifikationen der Fotos sind aufgeführt, ebenso wie die Orte, an denen die Fotos aufgenommen wurden. Es gibt auch noch weitere Fakten, die die Ausstellung zu bieten hat. Und es lohnt sich auf jeden Fall, die Fotos live zu sehen, denn da machen sie sogar mehr Spaß als online.

Nähere Informationen: Naturmuseum Brabant, Spoorlaan 434, Tilburg, Telefon: +31 135353935, E-Mail: info@natuurmuseumbrabant.nl, Internet: www.natuurmuseumbrabant.nl

FALSCH! – Frühe Fotocollagen und Fotomontagen

In einer Zeit, in der KI immer klüger wird, fragen Sie sich vielleicht: Wann ist ein Foto gefälscht oder echt? Aber wussten Sie, dass Bilder von Anfang an überraschend leicht zu manipulieren waren? In der Ausstellung FAKE! sind 50 historische Bilder aus der Sammlung des Rijksmuseums Amsterdam zu sehen, die kreative und irreführende Illusionen darstellen.

Ab 1860 begannen Fotografen, mit Fotocollagen und Fotomontagen zu experimentieren, indem sie Fotos schnitten, einklebten und zeichneten. In der Ausstellung kann man sehen, wie sich diese kreativen Techniken bis 1940 entwickelten. Mit einfachen Materialien wie Schere, Klebstoff, Tinte und Bleistift erschufen sie Bilder, die lustig, seltsam oder völlig unmöglich waren. Digitale Werkzeuge wie Photoshop existierten damals noch nicht, alles wurde von Hand erstellt. Manche Fotomontagen zeigen sofort, dass sie Fantasie sind, aber manchmal entdeckt man erst nach genauem Hinsehen, dass sie ausgeschnitten und eingefügt wurden.

Eine Fotocollage und eine Fotomontage mögen auf den ersten Blick gleich erscheinen, aber wissen Sie, worin der Unterschied besteht? In einer Fotocollage werden die Bilder ausgeschnitten und zu einem Ganzen eingefügt, und eine Fotomontage entsteht, wenn mehrere Fotos zu einem Bild zusammengeführt, dann erneut fotografiert und gedruckt werden.

Nähere Informationen: Rijksmuseum Amsterdam, Museumstraat 1, Amsterdam, Telefon: +31 206747000, E-Mail: info@rijksmuseum.nl, Internet: http://www.rijksmuseum.nl