Ausstellungs-Tipps in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Die Künstlerin dreier Kontinente im Museum Singer Laren

Das kleine Selbstporträt von 1956 am Eingang zeigt, wer Suzanne Perlman (*1922 – +2020) als Künstlerin war. Mit groben Pinselstrichen formt sie ihr Gesicht und ihre Kleidung, ganz in ihrem charakteristischen ausdrucksstarken Malstil. Während ihres Lebens blieb sie weitgehend unterbelichtet, doch nun kann ihre Einzelausstellung „Suzanne Perlman“ noch bis zum 28. Juni im Museum Singer Laren besucht werden. Die ungarisch-niederländische Künstlerin stellte sich selten selbst dar und konzentrierte sich lieber auf ihre Umgebung. Im ersten Raum hängen mehrere Porträts von Freunden, Nachbarn und Bekannten nebeneinander. Perlman schildert das Alltagsleben auf Curaçao, wo sie mehr als fünfzig Jahre lebte. Eines dieser Porträts, „Daily issues“(1950), zeigt in Grautönen von Braun und Gelb das harte Leben eines Mannes aus Curaçao, der besorgt nach vorne blickt.

Diese intimen Porträts werden in der Ausstellung mit abstrakteren und ausdrucksstarkeren Gemälden durchsetzt. Das große Werk „Nackt“(1968) zeigt eine liegende Frau, umgeben von einem Meer aus leuchtendem Rot. Ihr Körper ist nur von wenigen welligen Farbflächen geformt. Das abstrakte Gemälde „Untitled“(1954), in dem sich helle Farbstreifen abwechseln, lässt einen ebenfalls raten, was genau dargestellt wird.

Perlman wird auch als Künstlerin der drei Kontinente bezeichnet: Südamerika (Curaçao), Nordamerika (New York) und Europa (die Niederlande und London). Die Ausstellung gewährt einen Einblick in den Beginn ihrer Karriere, berücksichtigt jedoch nicht ihre späteren europäischen Arbeiten. Dieser Mangel lässt einen sich nach einer Fortsetzung sehnen, in der auch diese europäische Epoche einen Platz an der Wand bekommt. (von Ulrike Neyens, Tipp der Woche in der Museumstijdschrift)

Nähere Informationen: Museum Singer Laren, Oude Drift 1, 1251 BS Laren, Telefon: (035) 5393939, E-Mail: museum@singerlaren.nl

Mancini in der Sammlung des Museums Dordrecht

Noch bis April ist ein Überblick über die Werke von Antonio Mancini (*1852 – +1930), die das Museum Dordrecht in seiner Sammlung besitzt, zu sehen. Das Highlight ist die neueste Erwerbung: ein einzigartiger Spiegel mit einem gemalten Selbstporträt des italienischen Realisten in der Ecke. Der Kauf passt gut zur Sammlung des Museums, in der der Künstler selbst und die Praxis des Künstlers im Mittelpunkt stehen. Mancinis Arbeiten sind sehr pastös, ab er arbeitete auch mit vielen verschiedenen Materialien sowie Techniken und fertigte auch viele Selbstporträts an. Mit dem Kauf wurde ein großer Wunsch des Museums in die Tat umgesetzt.

Mancini malte dieses Selbstporträt zwischen 1916 und 1918 in der Villa Jacobini in Frascati bei Rom. Das Werk ist Teil einer Reihe von Kunstwerken, die er dort für seinen Gönner schuf: den französischen Industriellen Fernand du Chêne du Fère. Mancini malte sich hier auf einem bemerkenswerten Medium: nicht auf einer Leinwand oder Tafel, sondern auf einem Spiegel. Er spielt mit der Dynamik zwischen Künstler und Betrachter. Locker und mit einem Augenzwinkern. Die Freude am Malen strahlt aus. Antonio Mancinis Spiegel wurde 2025 gekauft, teilweise mit Unterstützung der Wirtschaftsfreunde des Dordrechts Museums und des VriendenLoterij.

Nähere Informationen: Dordrechts Museum, Museumstraat 40, 3311 XP Dordrecht, Telefon: +31 (0)78 770 8708, E-Mail: info@dordrechtsmuseum.nl

Charles Quaedvlieg (*1823 – +1874), Maler des „Roma Sparita“, des verschwundenen Roms

Noch bis 8. März präsentiert das Museum Valkenburgdie erste Ausstellung über das Leben und Werk des Malers Charles Quaedvlieg, der in den Niederlanden nahezu unbekannt ist. Obwohl er in seiner Heimat Valkenburg vergessen wurde, erlangte er im 19. Jahrhundert großen Ruhm in Rom. Dort ist er bis heute ein bekannter Maler.

Die Ausstellung zeigt mehr als 20 Gemälde und zahlreiche Dokumente aus privaten Limburger Sammlungen und Museen in den Niederlanden und im Ausland, von denen die meisten noch nie zuvor gezeigt wurden. Quaedvlieg arbeitete mehrere Jahre für Prinzessin Marianne von Oranien-Nassau.

Er malte Stadtlandschaften, Genrebilder und das Landleben im Raum Rom. Die Ausstellung spiegelt auch durch eine pädagogische Komponente die politischen und sozialen Veränderungen seiner Zeit wider, mit Schwerpunkt auf der italienischen Einigung.

Der Künstler wird im Rahmen der Ausstellung in Beziehung zu der damaligen internationalen Künstlergemeinschaft in Rom gesetzt.

Nähere Informationen: Museum Valkenburg, Grotestraat Centrum 31, Telefon: +31 436016394, E-Mail: info@museumvalkenburg.nl, Internet: www.museumvalkenburg.nl

Turners Heimkehr nach Dordrecht (Von Erik Spaans, erschienen in der Museumstijdschrift)

Es weht kein Wind, die einzige Welle im Wasser der Merwede wird von einem Boot verursacht, das Gemüse und andere Lebensmittel zu einem Lastkahn bringt, der auf die steigende Flut wartet. Blau und Gelb konkurrieren um Vorrang in einem Himmel voller flauschiger Wolkenflecken. J.M.W. Turner ist es gelungen, das Wesen eines frühen Sommermorgens in Farbe einzufangen, als Dordrecht gerade erwacht.

Die Ausstellung „Wasser und Licht“ im Dordrechts Museum umgibt das Meisterwerk „Dordor Packet Boat“ (1818). Das soll aber nicht heißen, dass es den anderen in der Ausstellung gezeigten Werken an Qualität mangelt. Doch der beeindruckende Flussblick von Joseph Mallord William Turner (*1775 – +1851) zieht unwiderruflich die meiste Aufmerksamkeit auf sich, denn es ist ein Bild, das die Betrachter in eine sonnige Stimmung versetzt.

Eine Sensation

Turner vollendete das Bild 1818, ein Jahr, nachdem er Dordrecht besucht hatte. An der Royal Academy in London sorgte es für Aufsehen. „Dort, oder Dordrecht: Das Dorder Packet-Boot aus Rotterdam Becalmmed“– wie es im vollständigen Titel heißt – wurde dort als „eines der prächtigsten je ausgestellten Gemälde“ gelobt. Nachdem es etwa anderthalb Jahrhunderte in einem britischen Landhaus hing, landete das Gemälde 1977 im Yale Center for British Art in New Haven, USA. Dieses Museum besitzt die größte Sammlung britischer Kunst außerhalb des Vereinigten Königreichs. Turners Meisterwerk ist nun erstmals an dem Ort zu sehen, an dem der Anstoß zu seiner Entstehung gegeben wurde. Und ja, das fühlt sich an wie nach Hause kommen.

Eine Reiseerinnerung

Die Ausstellung zeigt dreizehn weitere Werke (Gemälde und Mezzotinten) von Turner. Es gibt auch Werke von Meistern des siebzehnten Jahrhunderts, die von ihm und von Turners niederländischen Zeitgenossen bewundert wurden. Er besuchte die Niederlande fünfmal. Er fand es seltsam, dass hier alle „auf der falschen Straßenseite“ fuhren, mochte aber die niederländischen Städte sehr. Er bewunderte auch Maler wie Jacob van Ruisdael, Willem van de Velde den Jüngeren, Jan van Goyen, Meindert Hobbema und – besonders – Aelbert Cuyp. Wenn er in seinen Skizzen über Lichteffekte sprach, erwähnte er seinen Namen mehr als einmal. 1815 hatte Turner Cuyps monumentale Ansichten von Dordrecht in London gesehen, darunter eine mit dem Lastkahn De Zwaan (Frick Collection, New York). Turners „Dordord-Packetboot“ist eine direkte Hommage an diese Gemälde und an Dordrecht. Und es ist auch ein bisschen eine Reiseerinnerung. Im Mast des Schiffes hängt – genau wie bei Cuyp – eine rote Flagge mit einem weißen Schwan darauf.

Die Themen Licht und Wasser tauchen in einigen von Turners späteren Werken der Ausstellung immer wieder auf. In einer fast abstrakten Komposition wie „Squally Weather“(zirka 1840 bis 1845) spritzt das Meerwasser fast von der Leinwand. Ein Gemälde mit bleigrauen Wolken über einem stürmischen Meer hängt neben einem ähnlichen Werk von Jacob van Ruisdael. Auch hier macht Turner keinen Hehl aus seiner Verehrung: Er gab der Leinwand den Titel „Port Ruysdael“(1826).

Ultraschall

Es kann eine Weile dauern, bis der Besucher mit den Installationen des zeitgenössischen Künstlers Nicky Assmann (*1980) in dieser Ausstellung konfrontiert wird, die als ‚Diptychon‘ präsentiert werden. Eine scheinbar seltsame Kombination, die in der Praxis ziemlich gut funktioniert. Vielleicht, weil es wenig Mühe kostet, ein Echo von J.M.W. Turner in der Art und Weise zu erkennen, wie Assmann mit Licht spielt.

Nähere Informationen: Dordrechts Museum, Museumstraat 40, 3311 XP Dordrecht, Telefon: +31 (0)78 770 8708, E-Mail: info@dordrechtsmuseum.nl

Von der Heydt-Museum im März

Eine Programmübersicht

Die Vorbereitungen laufen, bald treffen die ersten Leihgaben aus den USA ein – die Vorfreude steigt! Carl Grossberg (*1894 – +1940) hält Einzug in Elberfeld, seiner alten Geburtsstadt. Unsere neue Ausstellung feiert die Wiederentdeckung dieses herausragenden Malers der Neuen Sachlichkeit. Er widmete sich fast ausschließlich den Themen Architektur und Industrie. Ab 22. März können die Besucherinnen und Besucher sich selbst von den Meisterwerken faszinieren lassen. Führungen können schon jetzt gebucht werden, seien es öffentliche Führungen, immer dienstags, 11.30 Uhr, und sonntags, 15.30 Uhr, seien es private Führungen nur für Einzelpersonen und Ihre Freunde und Bekannte oder Geschäftspartner.

Außerdem startet am 5. März wieder die beliebte Reihe „Flügel frei“, bei der alle Pianisten eingeladen sind, den Flügel im Foyer zu bespielen. Alle anderen sind einladen zuzuhören, wenn die Musiker mit Jazz, Pop oder Klassik das Museumsforum zum Schwingen bringen.

Die beliebte Kinoreihe „Museum in Motion“ startet am 12. März im Rex-Kino in die Frühjahrsausgabe mit einem absoluten Klassiker des Stummfilmkinos: „Metropolis“ von Fritz Lang aus dem Jahr 1927.

Außerdem bietet die Kunstvermittlung wieder ein reiches Programm an Workshops und Kursen, die sich thematisch immer auf die aktuellen Ausstellungen beziehen, sei es ein Bildhauerkurs oder eine Druckwerkstatt.

Das Programm im Überblick

Aktuelle Ausstellungen

22. März bis 30. August: Carl Grossberg. Sachlich – magisch – visionär

Bis Januar 2027: Museum A bis Z. – Von Anfang bis Zukunft

Bis Januar 2027: Zeiten und Räume – Klassiker der Sammlung. Von Ruisdael bis Giacometti

Ausstellungseröffnung „Carl Grossberg. Sachlich – magisch – visionär“ am Sonntag, 22. März, 11.30 Uhr. Es sprechen: Heiner Fragemann, Bürgermeister der Stadt Wuppertal, Ina Brandes MdL
Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Marc Kanzler
Vorstandsvorsitzender der Dr. Werner Jackstädt-Stiftung, Axel Jütz, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Wuppertal, und Dr. Roland Mönig, Direktor. Alle sind eingeladen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Öffentliche Führungen

„Museum A bis Z. Von Anfang bis Zukunft“ am Samstag, 7. März, 13 Uhr

„Zeiten und Räume. Klassiker der Sammlung. Ruisdael bis Giacometti“, Sonntag, 8. März, 15.30 Uhr

Kombiführung durch die Sammlungen „Museum A– Z“ und „Zeiten und Räume“, Sonntag, 15. März, 14 Uhr

Zum WSW-Kunstabend: „Happy Hour in der Sammlung“, Donnerstag, 19. März, 18 Uhr, (Freier Eintritt in die Sammlung ab 17 bis 20 Uhr)

Themenführungen am Mittwoch

Nebenbei bemerkt – Kunstwerke außerhalb der Ausstellungen, 11. März, 11.15 Uhr. Mit Jeanette Petersen

Carl Grossberg und die Fotografie, 25. März, 11.15 Uhr. Mit Dr. Anna Storm

Kuratorenführungen

„Museum A bis Z. Von Anfang bis Zukunft“, Donnerstag, 12. März, 16.30 Uhr. Mit Anna Baumberger.

„Carl Grossberg. Sachlich – magisch – visionär“, Donnerstag, 26. März, 16.30 Uhr.

Alle Führungen kosten fünf Euro zuzüglich Eintritt. KMV-Mitglieder mit Kompaktkarte zahlen für die Mittwochsführung fünf Euro. Tickets können Teilnehmer im Online-Shop erwerben oder ab 30 Minuten vor Führungsbeginn an der Museumskasse anmelden. Weitere Informationen erfolgen telefonisch unter den Nummern 0202 563-6397 oder -6630.

Digitale Führung

Digitaler Kunstabend: ein Haus – eine Stunde am Mittwoch, 4. März, 19 Uhr. An jeweils einem Mittwoch des Monats beleuchtet Karolina Bürger neue Aspekte der aktuellen Ausstellungen und gibt wissenswerte Informationen zur Geschichte des Museums und der Sammlung. Thema: Werke der „Neuen Sachlichkeit“ in der Sammlung des Von der Heydt-Museums.

Weitere Führungen und Angebote

Bei Anruf Kultur „Carl Grossberg“, Montag, 16. März, 17 bis 18 Uhr, Anmeldung über die Website www.beianrufkultur.de. Dabei handelt es sich um eine kostenfreie Telefonführung.

Museum in Motion – KMV-Kinoabende „Moderne Zeiten“

Metropolis, 1927, Regie: Fritz Lang, Donnerstag, 12. März, 18 Uhr, im REX-Filmtheater Wuppertal.

Die Kinoreihe des Kunst- und Museumsvereins im Wuppertaler Rex-Kino, „Museum in Motion“, zeigt jeweils donnerstags um 18 Uhr drei filmische Meisterwerke, die genau in jenen Jahren erdacht und produziert wurden, in denen Grossberg seine faszinierenden Bilder schuf.

Mit „Metropolis“ hat Regisseur Fritz Lang weit mehr als nur einen Genreklassiker des Science-Fiction-Films geschaffen. Seine visionäre Bildsprache wirkt bis heute nach. „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, ebenfalls von Lang inszeniert und einer der frühesten deutschen Tonfilme, ist ein fesselnder Krimi. Zugleich vermittelt er das Lebensgefühl in Berlin während der Weltwirtschaftskrise. „Modern Times“ schließlich, einer der großen Filme von Charlie Chaplin, handelt mit viel schwarzem Humor vom Kampf des Menschen mit Mechanisierung, Technisierung und Rationalisierung. Das Bild des Arbeiters, der buchstäblich zwischen und unter die Räder einer riesigen Maschine gerät, gehört zu den berühmtesten der Filmgeschichte.

Termine im Überblick:

12. März: Metropolis (Fritz Lang, 1927)
9. April: M – Eine Stadt sucht einen Mörder (Fritz Lang, 1931)
21. Mai: Modern Times (Charlie Chaplin, 1933-36)

Nähere Informationen: Von der Heydt-Museum, Turmhof 8, 42103 Wuppertal, Telefon 0202 5636231 und E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de. Geöffnet ist das Museum am Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, am Donnerstag von 11 bis 20 Uhr. Da das zweite Obergeschoss wegen Umbauarbeiten geschlossen ist, gibt es einen ermäßigten Eintrittspreis.

Carl Grossberg – Sachlich – magisch – visionär

Vom 22. März bis 30. August im Von der Heydt-Museum

Eine Ausstellung des Von der Heydt-Museums in Wuppertal feiert die Wiederentdeckung eines der herausragenden Maler der Neuen Sachlichkeit: Carl Grossberg (1894–1940). Sein umfangreiches Werk, das in einem Zeitraum von nur knapp 20 Jahren entstanden ist, widmet sich fast ausschließlich den Themen Architektur und Industrie. Mit seiner formalen Klarheit und Strenge ist es Ausdruck eines neuen, fotografischen Sehens und spiegelt den technischen Fortschritt im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Dabei regen die reduzierten Kompositionen dazu an, den industriellen Fortschritt und seine Wirkungen auf den Menschen kritisch zu hinterfragen.

Die Ausstellung, die erste Retrospektive seit über 30 Jahren, betrachtet Carl Grossbergs Schaffen umfassend neu und präsentiert eine Reihe von bisher unbekannten Arbeiten. Dabei zeigt sich, wie aktuell Grossbergs Werke sind, in künstlerischer wie in gesellschaftlicher Hinsicht. Insbesondere die vieldeutig lesbaren „Traumbilder“, einzigartig in der Kunst der 1920er und 1930er Jahre, weisen ihn als hoch sensiblen Intellektuellen aus. Grossbergs Kunst beschwört die Magie der Dinge, macht die Komplexität der modernen Welt und ihre inneren Widersprüche sichtbar. Parallelen zu heute ergeben sich aus dem aktuell stattfindenden Strukturwandel mit noch unabsehbaren gesellschaftlichen Folgen, für den überzeugende visuelle Formen gerade ausgehandelt werden.

Carl Grossbergs Motivwahl und die Nüchternheit seiner Malerei sind untrennbar verbunden mit der gleichzeitig entstandenen Fotografie. Und sie haben ihrerseits wegweisende Fotografinnen und Fotografen nachfolgender Generationen inspiriert. Beispielhaft ausgewählte Positionen von August Sander über Bernd und Hilla Becher bis hin zu Thomas Ruff machen das deutlich. Allerdings treffen Grossbergs Bilder heute auf einen fundamental anderen Umgang mit medialen Bildern, die in schneller Folge erzeugt, unablässig in digitale Netzwerke eingespeist und vielfachen Manipulationen unterworfen werden, bis sie nachgerade zu „Traumbildern“ werden können.

Das Von der Heydt-Museum realisiert die Ausstellung „Carl Grossberg.
Sachlich – magisch – visionär“ in Kooperation mit dem Museum im Kulturspeicher Würzburg (MiK). Beide Museen sind eng mit der Biografie des Künstlers verbunden: Er wurde in Elberfeld geboren, das heute zu Wuppertal gehört, und lebte ab 1921 in Sommerhausen, südlich von Würzburg. Dementsprechend ist er in den Sammlungen beider Häuser gut vertreten.

Nähere Informationen: Von der Heydt-Museum, Turmhof 8, 42103 Wuppertal, Telefon 0202 5636231 und E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de. Geöffnet ist das Museum am Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, am Donnerstag von 11 bis 20 Uhr. Da das zweite Obergeschoss wegen Umbauarbeiten geschlossen ist, gibt es einen ermäßigten Eintrittspreis.

Magico! – Italienischer Realismus von 1920 bis 1970

Das Museum „MORE“ in Gorssel/NL hat in Zusammenarbeit mit 24 ORE Cultura eine große Ausstellung organisiert, die 50 Jahren des italienischen Realismus gewidmet ist. Mit einer Auswahl von 70 Werken stellt „Magico! – Italienischer Realismus von 1920 bis 1970“ dem niederländischen Publikum erstmals die Entwicklungen der modernen realistischen Malerei des 20. Jahrhunderts in Italien vor. Die Ausstellung umfasst Meisterwerke von Künstlern wie Edita Broglio, Felice Casorati, Giorgio de Chirico, Cagnaccio di San Pietro, Antonio Donghi, Leonor Fini, Domenico Gnoli, Ubaldo Oppi und Gino Severini. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 7. Juni.

Rätselhaft

Ab den frühen 1920-er Jahren begann eine italienische künstlerische Avantgarde, die Welt um sich herum auf magische, poetische, entfremdete, aber manchmal auch glasklare Weise darzustellen. Außerdem war ihre neue Realitätssicht Teil eines breiten Trends in ganz Europa, wieder realistische Kunst zu schaffen. Dies war jedoch keine reaktionäre Rückkehr zu ‚altmodischen‘ Kunstansichten, sondern ein Bedarf, ein anderes Lebensgefühl und eine neue Weltanschauung auszudrücken. Vor allem nachdem die Abstraktion für einige Künstler die Schrecken des Ersten Weltkriegs nicht darstellen konnte. Sie nahmen eine kritische Distanz ein und verschmolzen das Experiment und die Tradition ihrer Vorgänger zu einer ganz eigenen visuellen Sprache. Dies führte oft zu intensiven, rätselhaften und präzisen, technisch perfekten Gemälden.

In den 1920-er und 1930-er Jahren reisten Künstler nach Deutschland und Frankreich, besonders aber nach Italien, um sich voneinander und von alten italienischen Meistern wie Piero della Francesca und Giotto inspirieren zu lassen. Italien, oft als Wiege der europäischen Kunst angesehen, erwies sich als perfekter Nährboden für das Aufblühen eines magischen Realismus

Ohne von einer Bewegung oder Schule sprechen zu können, wirkt der italienische Realismus aus der Zwischenkriegszeit oft subtil anders als zum Beispiel die deutsche Neue Sachlichkeit. Während einige deutsche Künstler den Betrachter brutal mit einer rohen oder grauen Sicht auf ihre Motive konfrontieren, suchen viele italienische Neorealisten hinter dem Wahrnehmbaren nach einer „mystischen Wahrheit“.

Verzauberter Blick

In konzentrierten Stillleben, verlassenen Landschaften, Stadtansichten und (Gruppen-)Porträts führender Maler wie Felice Casorati, Cagnaccio di San Pietro, Antonio Donghi, Ubaldo Oppi und Gino Severini wird eine verborgene Schönheit zum Ausdruck gebracht. Sie machen das Alltägliche fast ikonisch. Manchmal mit einer überdeutlichen Darstellung zum Beispiel von Arbeitern oder würdevollen Würdenträgern. Oft mit scheinbar ruhigen oder zeitlich eingefrorenen Bildern, die Situationen, Menschen oder regungslose Dinge, an denen man schnell vorbeigehen kann, wie zum Beispiel Laborglas, zusätzliche Intensität verleihen.

Diese italienischen Künstler nehmen die Betrachter mit in ihrem Staunen über die rational wahrnehmbare Welt, über das Hier und Jetzt. Und gleichzeitig bieten sie dem Betrachter ein Geheimnis, das in mathematisch konstruierte Gemälde gehüllt ist. Der magische Realismus ist jedoch alles andere als eine exakte Methode mit künstlerischen Vorgaben. Es ist eher eine emotionale Vision mit einer breiten Bandbreite an Ausdrucksformen, die ihren Anfang in den 1920-er Jahren hatten. Die magischen Realisten jener Zeit teilten hauptsächlich einen „verzauberten Blick“, einen Blick auf die Grenze zwischen Traum und Realität.

Radikal und groß

Nach dem Zweiten Weltkrieg hielten mehrere italienische Künstler an ihrer eigenen realistischen Bildsprache fest. In einer Zeit, in der abstrakte Kunst in ganz Europa zur Norm wird, , setzen sich diese Künstler dafür ein, die Traditionen der italienischen Malerei fortzuführen und zu erneuern. Gegen die Strömung treten einige einzigartige italienische Künstler hervor, wie Domenico Gnoli, der die figurative Malerei radikal auffrischt. Auch für ihn bilden Handwerk und Handwerk eine technische Grundlage, doch mit seinen Werken dehnt er das Stillleben-Genre bis an die Grenzen. Er sprengt buchstäblich die magische Essenz von ‚dem Ding‘ in die monumentale Darstellung nur eines Details des Wesens. Ein Damenschuh oder ein Teil eines Mantelreverses werden bei Gnoli zu neuen Ikonen in einer neuen Nachkriegswelt. Bildschirmfüller, groß und vergänglich.

Alle in der Ausstellung vertretenen Künstler

Pietro Annigoni, Baccio Maria Bacci, Rino Gaspare Battaini, Edita Broglio, Mario Broglio, Antonio Bueno, Xavier Bueno, Cagnaccio di San Pietro, Massimo Campigli, Felice Casorati, Ugo Celada da Virgilio, Giorgio de Chirico, Stanis Dessy, Antonio Donghi, Leonor Fini, Oscar Ghiglia, Domenico Gnoli, Renato Guttuso, Mario Lannes, Bice Lazzari, Carlo Levi, Nella Marchesini-Malvano, Daphne Maugham-Casorati, Ubaldo Oppi, Mario Reviglione, Carlo Sbisà, Gregorio Sciltian, Alfredo Serri, Gino Severini, Cesare Sofianopulo, Mario Tozzi und Giuseppe Zancolli.

Nähere Informationen: Museum More, Hoofdstraat 28, 7213 CW Gorssel, Telefon: +31 575 760 300, E-Mail: info@museummore.nl

„Piets Geburtstagswochenende“ im Museum Villa Mondrian

Piets Geburtstagswochenende“ im Museum Villa Mondrian

Beim Piet-Geburtstagswochenende am Samstag, 7. März, und am Sonntag, 8. März, dreht sich das Museum Vikka Mondrian in Winterswijk ganz um Feiern, Kunst und Spaß für Jung und Alt.

An beiden Tagen gibt es drei kostenlose Flash-Touren, bei denen die Besucherinnen und Besucher in kurzer Zeit die Highlights des Museums entdecken können. Für Kinder organisieren die Mitarbeiter des Museums kreative Werkstätten, einige kostenlos, einige gegen eine kleine Gebühr. Es verspricht, ein geschäftiges und vor allem spaßiges Wochenende zu werden. Als Überraschung gibt es eine reduzierte Eintrittsgebühr. Für Eltern gibt es auch viel zu tun, mit inspirierenden Malworkshops und einer ausführlichen Führung durch eine Kuratorin. Kurz gesagt, ein festliches Wochenende voller Kunst, Kreativität und Überraschungen.

Besonders für die jüngsten Besucher wird das Buch „Kikvors Kasper en d’n stork“ laut vorgelesen. Die Schriftstellerin Else Klomps besucht das Museum, um die spannende Geschichte von Frosch Kasper zu erzählen. Kasper wird von einem Storch entdeckt und einfach weggebracht! Solange das gut läuft… Mit einem kostenlosen Glas Limonade für unsere kleinen Besucher.

Programm in der Übersicht

Samstag, 7. März, 11:30 Uhr im Café, freier Eintritt gegen Vorlage eines gültigen Eintrittstickets. Oben im Studio können die Teilnehmer wie ein echter Künstler arbeiten. Es gibt alle möglichen Materialien, die man selbst entdecken kann, und man lernt, wie man eine Collage erstellt. Vielleicht machst jemand den neuen Victory Boogiewoogie?

Samstag, 7. März und Sonntag, 8. März, der Workshop, ganztägig, kostenloser Eintritt gegen Vorlage gültiger FahrkarteAn beiden Tagen organisieren die Mitarbeiter des Museums drei kostenlose Flash-Touren, bei denen Sie in kurzer Zeit die Highlights des Museums entdecken. Die Führungen finden um 12, 13 und 14 Uhr statt. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich, maximal 15 Teilnehmer pro Tour.

Samstag, 7. März und Sonntag, 8. März, versammeln sich die Teilnehme im Museumsladen, 12, 13 und 14 Uhr, kostenlos gegen Vorgabe eines gültigen Eintrittstickets.

Im Garten besteht die Möglichkeit, unter der Anleitung des Künstlers Vic Hulshof zu malen Im Garten des Museums haben die Besucher einen wunderschönen Blick auf einen Apfelbaum und auf die Jakobskirche. Auch Piet Mondrian fand hier Inspiration und stellte oft diesen Baum und diese Kirche dar. In diesem Workshop bringt Vic den Teilnehmern bei, wie sie die Kirche und den Apfelbaum direkt auf die Leinwand setzen können. Termin: Sonntag, 8. März, 13.30 Uhr, maximal 15 Teilnehmer. Kostenbeitrag 13 Euro.

Nähere Informationen: Museum Villa Mondriaan, Zonnebrink, 47101 NC Winterswijk, Telefon +31 (0) 54351 5400, E-Mail info@villamondriaan.nl. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Ausstellungstipps für Museumsbesuche in den Niederlanden

In der aktuellen Ausgabe der Museumstijdschrift gibt es wieder einige vielversprechende Ausstellungs-Tipps für Museumsbesuche in den Niederlanden. Dieses Mal mit dem Thema „Lebenslinien“.

Grijs! Kunst über das Altern

Perspektiven auf das Altern in einer alternden Gesellschaft

In einer Gesellschaft, die obsessiv nach ewiger Jugend sucht, hat das Museum van Bommel van Dam in Venlo seine erste große Ausstellung über das Alter gemacht. Noch bis 14. Juni präsentiert das Kunstmuseum die Gruppenausstellung „Grijs! Kunst über das Altern“.

Durch Arbeiten internationaler zeitgenössischer Künstler erforscht die Ausstellung die Sicht und Erfahrung des Alterns in einer alternden Gesellschaft: von Altersdiskriminierung und Bildsprache bis hin zur Schönheit des sich verändernden Körpers und der Beziehung zwischen den Generationen. In Fotos, Videos, Gemälden, Installationen und Zeichnungen bekannter Künstler zeichnet die Ausstellung „Grijs!“ ein reichhaltiges Bild einer der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit.

Zu den teilnehmenden Künstlern zählen Tyna Adebowale (Nigeria, 1982), Diana Blok (Uruguay, 1952), Melanie Bonajo (Niederlande, 1978), Marrie Bot (Niederlande, 1946), Jan van Herwijnen (Niederlande, *1889 – +1965), Wen Hui (China, 1960), Isadora Kosofsky (Vereinigte Staaten, 1993), Marcos Kueh (Malaysia, 1995), Maria Lassnig (Österreich, *1919 – +2014), Lique Schoot (Niederlande, 1969), Sjoerd Schunselaar (Niederlande, 1990), Joan Semmel (Vereinigte Staaten, 1932), Lily van der Stokker (Niederlande, 1954) und Fiona Tan (Indonesien, 1966).

Nähere Informationen: Museum van Bommel van Dam, Keulsepoort 1, Venlo, Telefon: +31 773513457, E-Mail: info@vanbommelvandam.nl, Internet: www.vanbommelvandam.nl

GEN 3.0 – Die Generation 3.0 äußert sich zum Mitspracherecht

Genau 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der auch das Ende der japanischen Besetzung der Niederländisch-Ostindien markierte, bringt das Fotomuseum Den Haag zeitgenössische Künstler zusammen, die visuell über die Auswirkungen der kolonialen Vergangenheit reflektieren. Aus ihrer persönlichen Perspektive untersuchen sie, wie diese Geschichte ihre Identität und Stellung in der Gesellschaft beeinflusst. Diese „Generation 3.0“ mit Wurzeln in verschiedenen Gemeinden der ehemaligen niederländischen Kolonie sind heute junge Erwachsene und neugierig: ‚Wie machen mich meine Familiengeschichte und mein koloniales Erbe zu dem, was ich heute bin?‘

Mit Fotografie, Video, Sammlungsdokumenten und Archivmaterial erzählen sie Geschichten, die bis jetzt unbesprochen geblieben sind. Ihre Arbeit bietet vielen Anerkennung und lädt gleichzeitig ein breiteres Publikum ein, über diese gemeinsame Vergangenheit nachzudenken.

Nähere Informationen: Fotomuseum Den Haag, Stadhouderslaan 43, Den Haag, Telefon: +31 703381144, E-Mail: info@fmdh.nl, Internet: www.fotomuseumdenhaag.nl

Neues Alt! Die Kunst des Altwerdens

Noch bis zum 3. Januar 2027 zeigt das Museum des Geistes in Haarlem mit der Ausstellung „Neues Alt! Die Kunst des Alterns“ ein menschliches und überraschendes Gesicht für die alternde Bevölkerung. Anhand spezieller Kunstfotos bekannter und unbekannter älterer Menschen zeigt das Museum die Vielseitigkeit, Vitalität und Widerstandsfähigkeit des Alterns. Die Ausstellung widerlegt hartnäckige Mythen über ältere Menschen als verletzlich und kostspielig und lädt zu einem neuen Blick auf das Alter ein. Die Niederlande altert rasant. Zum ersten Mal leben mehr ältere als junge Menschen in den Niederlanden. Laut Zahlen der niederländischen Statistik sind etwa 3,76 Millionen Menschen 65 Jahre oder älter und etwa 3,72 Millionen Menschen unter 20 Jahren. Im Jahr 2030 werden 25 Prozent der Bevölkerung über 67 Jahre alt sein. Jeder dritte 67-Jährige erlebt manchmal irgendeine Form von Altersdiskriminierung, während drei Viertel der über 65-Jährigen vital und unternehmerisch sind und voll an der Gesellschaft teilnehmen.

Einzigartige Lebensphase

In der Ausstellung „Neues Alt! Die Kunst des Altwerdens“ präsentiert das Museum des Geistes zusammen mit Gastkurator Prof. Tineke Abma, Stiftungsprofessorin für Kunst und Pflege an der Erasmus-Universität Rotterdam, eine andere, reichere Perspektive auf das Alter. Die Ausstellung verlagert den Fokus von Verletzlichkeit hin zu Vitalität, Kreativität und sozialem Engagement. Dem Wunsch nach Verbindung und Bedeutung wird ebenfalls expliziter Raum gegeben. Abma bringt es mit folgenden Worten auf den Punkt:: „Das Alter ist eine Lebensphase, die einzigartige Möglichkeiten bietet, endlich der Mensch zu werden, der man ist.“

Nähere Informationen: Museum des Geistes, Schotersingel 2, Haarlem, Telefon: +31 235410670, E-Mail: info@museumvandegeest.nl, Internet: museumvandegeest.nl

„Kop d’r veur“ – Kolumne von Pauline Broekema

Als Kolumnistin für die niederländische Museumstijdschrift teilt Pauline Broekema in jeder Ausgabe ihre persönlichen künstlerischen Beobachtungen mit den Leserinnen und Lesern. In dieser Kolumne aus dem Heft Nr. 1 • 2026 beschreibt sie, wie ein Besuch der Dauerausstellung „New Light“ im Groninger-Museum sie in ihre Kindheit zurückversetzte. Die Vertreter der Künstlervereinigung „De Ploeg“ fingen mit ihren farbenfrohen und ausdrucksstarken Gemälden die Landschaften ein, an denen sie so oft vorbeigefahren sind.

„Meine Oberschule lag im Zentrum der Stadt Groningen. Ich fuhr mit dem Fahrrad hin und zurück über die Moesstraat, die bis Ende der fünfziger Jahre eine Zufahrtsstraße zu den Ommelanden war. Wo die Moesstraat endete, begann damals die antike Landschaft nördlich der Stadt. Entlang des Wassers des Reitdiep befinden sich Wiesen, Kühe, Gräben, kleine Bauernhöfe und enge Landstraßen. Die hohen Weiden entlang der Wege trugen, wie der Maler Johan Dijkstra (*1896 –+1978) einst schrieb, „das Zeichen des Windes in ihren Kronen“.

In den sechziger Jahren wurden auf dieser Kulturlandschaft Häuser und Wohnungen errichtet. Wir sind dort eingezogen. Ich dachte, Selwerd sei ein karges, einfallsloses Viertel. Tatsache ist, dass die Stadtentwickler und Architekten, getrieben vom Wohnungsmangel, bei weitem nicht mit den berühmten Vorkriegsarchitekten aus Groningen mithalten konnten.

Von der Landschaft geprägt

In diesem verschwundenen Land gab es einst den Weiler „Blauw Borgje“. Der Künstler Johan Dijkstra schrieb 1965 in der Kulturzeitschrift Weerwoord: „Auf dem Reitdiepsdijk gab es zwei Bauernhöfe in malerischer Umgebung mit alten Bäumen, wilden Büschen und einem umzäunten Innenhof. Man kann sagen, dass eine Generation junger Groninger Maler dort geprägt wurde.“

Brillante Beispiele dieser Bewegung sind im Groninger-Museum in der kürzlich eröffneten Dauerausstellung „New Light“ zu sehen. Die De-Ploeg-Kuratorin Anneke de Vries und ihre Kollegen haben eine wunderbare Auswahl aus der „De Ploeg“ genannten Künstlervereinigung getroffen, deren Vertreter auch liebevoll „unsere alten Meister“ genannt wurden.

Die Grundlage für das Schaffen dieser „jungen Groninger Maler“ wurde von dem Lehrer und Maler F. H. Bach (*1865–+1956) gelegt. Er nahm seine Schüler des Kunstkurses der „Minerva Akademie“ mit nach draußen und direkt in die landwirtschaftlich geprägte Region. Das war eine Neuheit. Nachdem sie das Klassenzimmer verlassen hatten, mussten sie durch die Moesstraat in Richtung Reitdiep nach „Blauw Borgje“ fahren. Er ließ sie dort skizzieren. Sie durften nie länger als eine halbe Stunde an einer Zeichnung arbeiten und dabei auch nicht „picken“, sondern mussten mit festen Pinselstrichen malen.

Emotion in einer Körperhaltung

1918 gründeten Künstler, darunter einige von Bachs Schülern, den Verein „De Ploeg“. Der Maler Jan Altink (*1885 – +1971) erfand den Namen – das kulturelle Klima in Groningen musste durchpflügt werden. „Besessen von Farbe“ waren sie, erklärte Ploeg-Mitglied Job Hansen (*1899 – +1960) später. Tatsächlich konnte bei ihnen ein Himmel violett sein, das Segel eines Schiffes rot, ein Heuhaufen orange.

In der Ausstellung „New Light“ verweile ich am längsten bei dem Bild „Nach dem Besuch“(1925) von Jan Altink. Was für ein Mut, einen solchen Moment so zu malen! Zwei Frauen begleiten den Besuch. Anfangs nehme ich an, dass sie bereits über die Besucher tratschen. Aber je länger ich die Szene betrachte, desto mehr bin ich überzeugt, dass etwas Ernstes vor sich geht. Wir sehen ihre Gesichter nicht. Der Ausdruck muss irgendwie anders gelingen. Altink weiß, wie man Emotionen in einer Geste oder Körperhaltung ausdrückt.

Schultern an das Steuer

Als ich nach Hause komme, frage ich, wer dort abfährt, welche Art von Kutsche der unbefestigten orangefarbenen Straße folgt. „Ein Tilbury“, sagt Direktor Geert Pruiksma vom National Carriage Museum. Ein solch wendiger zweirädriger Wagen wird vom Fahrgast selbst gelenkt, sagt er. Jetzt erinnere ich mich. Ich kenne Tilburys aus Geschichten über Dorfärzte. Doktor Cleveringa aus Appingedam, der Großvater des berühmten Anwalts Rudolph Cleveringa, nutzte ihn, um die Kranken zu besuchen.

Fährt tatsächlich ein Arzt davon? Und bekamen die Frauen schlechte Nachrichten über die kranke Person im Bett, im Bauernhaus hinter ihnen? Die Frau mit der lila-roten Arbeitsschürze scheint in sich selbst versunken zu sein. Die andere, mit diesen starken, muskulösen Unterarmen hingegen legt ihre Hände zur Seite. Bei ihr ist es ‚kop d’r veur‘, wie die Groninger es treffend ausdrückten. Mit anderen Worten: Komm schon, leg deine Schultern ans Steuer. Die Kutsche wird bald um die Ecke biegen und aus dem Blickfeld verschwinden. Auf dem Weg zur nächsten Adresse.

Doktor Cleveringa hatte immer eine Angelrute dabei. Zwischen den Besuchen stellte er seine Tilbury an die Straße und genoss die Landluft, während er angelte. Ab und zu fahre ich wie üblich nach Norden auf der Moesstraat. Dann passiere ich die Hügeldörfer Dorkwerd und Oostum. Ich mache normalerweise einen Zwischenstopp in Garnwerd. Am Wasser, um es so zu genießen wie dieser Doktor. Auch wenn es bei mir ohne Angelrute ist. Dann stelle ich fest, dass das Land der Ploeg-Maler immer noch existiert. Nicht nur im Museum, sondern zum Glück auch im echten Leben.“

Über das Groninger Mueseum

Das Groninger-Museum ist ein vielseitiges Museum, das sich in Stil und Mentalität unter den besten niederländischen Museen auszeichnet. Mit zeitgenössischer Kunst erforscht das Groninger Museum die Grenzen von Kunst und Gesellschaft und zeigt nonkonformistische Kunst und Trends. Das Groninger-Museum möchte die Öffentlichkeit durch Inhalt und Art der Präsentation herausfordern und konfrontieren. Jedes Jahr besuchen durchschnittlich 200.000 Besucher das Groninger-Museum. Die zahlreichen Ausstellungen sorgen für Aktualität und Vielfalt.

Nähere Informationen: Museum Groningen, Museumeiland 1, Groningen, Telefon: +31 503666555, E-Mail: info@groningermuseum.nl, Internet: http://www.groninger museum.nl

100 Jahre nach der Schenkungsurkunde

Edwina van Heek im Mittelpunkt einer Ausstellung im Rijksmuseum Twenthe

Ab dem 8. März wird im Rijksmuseum Twenthe eine Fokuspräsentation zu Edwina van Heek gezeigt. Die Ausstellung basiert auf neuer historischer Forschung von Bert-Jaap Koops und beleuchtet ihre Rolle bei der Entstehung des Museums, eine Geschichte, die lange Zeit unterbelichtet wurde. Die Präsentation wurde in Zusammenarbeit mit der Edwina van Heek Stiftung und dem Archiv des Zonnebeek Estate erstellt.

1926 legte eine Unterschrift den Grundstein für das Rijksmuseum Twenthe. Am 19. Februar desselben Jahres unterzeichnete Edwina van Heek-Burr Ewing die Schenkungsurkunde, in der sie ein neues Museumsgebäude und eine dazugehörige Kunstsammlung dem niederländischen Staat schenkte. Mit dieser Tat verwirklichte sie den Traum ihres verstorbenen Ehemanns, des Textilfabrikanten Jan Bernard van Heek. Das Museum musste ‚dauerhaft und als solches‘ erhalten bleiben.

Obwohl Jan Bernard van Heek die Eröffnung des Museums nicht mehr erlebte, sorgte Edwina mit Entschlossenheit dafür, dass sein Ideal Wirklichkeit wurde. Hundert Jahre später ist ihre Rolle endlich zentral. In dieser fokussierten Präsentation heben wir ihre Entschlossenheit, Vision und ihr gesellschaftliches Engagement hervor: Werte, die im Museum noch spürbar sind.

Neue Forschung, neue Geschichte

Die Präsentation basiert auf neuer historischer Forschung von Bert-Jaap Koops und wirft neues Licht auf Edwinas Rolle bei der Gründung des Rijksmuseum Twenthe. Eine Geschichte, die lange Zeit wenig beleuchtet wurde, bekommt hier endlich Platz. Die Fokuspräsentation wurde in Zusammenarbeit mit der Edwina van Heek Stiftung und dem Archiv von Landgoed Zonnebeek erstellt.

Nähere Informationen: Rijksmuseum Twenthe, Lasondersingel 129-131, 7514 BP, Enschede, Telefon +31 53201 2000, Internet www.rijksmuseumtwenthe.nl. Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

Neuigkeiten und Termine bei der Kunsthalle Düsseldorf

Die Stadt Düsseldorf hat entschieden, die ab Sommer diesen Jahres geplante Sanierung der Kunsthalle um drei Jahre zu verschieben. Aktuell arbeitet die Kunsthalle daran, ihr Programm für 2026 an die neue Situation anzupassen. Weitere Details dazu folgen in Kürze.
Im Februar begrüßt die Kunsthalle Düsseldorf ihr Publikum zu drei Veranstaltungen: Am 27. Februar heißt es wieder „Ab durch Raum und Zeit“ bei der Düsseldorfer Kindermuseumsnacht. 15 Düsseldorfer Ausstellungsorte laden dazu ein zu entdecken, zu forschen und kreativ zu sein. In der Kunsthalle erwartet die Teilnehmer von 17 bis 22 Uhr die längste Leinwand der Stadt und eine „Interaktive Mission“ in einer Rauminstallation der Künstlerin Sofía Magdits Espinoza, die auch am darauffolgenden Familienwochenende, Samstag, 28. Februar, und Sonntag, 1. März, noch geöffnet sein wird.
Außerdem gibt es am Dienstag, 24. Februar, von 19 bis 22 Uhr ein Nachtfoyer Spezial mit den Künstlerinnen Lisa Röing Baer, Inessa Emmer, Julika Rudelius & Nikola Ukić.

Zu den Autorinnen und ihren Werken

Während sich das Zukunftsversprechen der Petromoderne in Luft auflöst, bleibt unser Alltag scheinbar unverändert – und doch trägt er die Spuren eines tiefgreifenden Wandels. Dieses Buch hält sie fest: Eine Welt, die in vertrauten Bildern fortbesteht und doch ins Wanken geraten ist.
Mit ihrer ersten Monografie „Der Boden knirscht unter meinen Füßen“ legt Lisa Röing Baer (* 1994) eine Auswahl aus fünfzehn Jahren analoger Fotografie vor und zeigt eine Epoche, die sich dem Ende zuneigt. Oft greifen hier Alltägliches und Politisches ineinander, Hoffnungen und Enttäuschungen stehen Seite an Seite in Bildern, denen die Vergangenheit nur mehr als verblassende Erinnerung eingeschrieben ist und die Zukunft zweifelhaft erscheint. Lichtdurchflutete Straßenszenen, Konsumwelten, Landschaften – erst in der Zusammenstellung wird deutlich, dass Baers Aufnahmen keine kohärente Erzählung liefern, sondern als visuelle Matrix spannungsgeladener Assoziationen miteinander verwoben sind, die jegliche Form linearen Fortschrittsglaubens infrage stellen. Lisa Röing Baer wird am Abend im Rahmen einer Lesung Einblicke in das Buch geben. (Lisa Röing Baer, Der Boden knirscht unter meinen Füßen, Kerber, 2025, ISBN 978-3-7356-1043-0)

Die Publikation „Mash up“ vereint Arbeiten aus zwei Ausstellungen von Inessa Emmer im Museum Kloster Bentlage sowie in der Städtischen Galerie Schloss Donzdorf. Gezeigt wird ein vielschichtiger Querschnitt ihres künstlerischen Schaffens zwischen Holzschnitt, Grafik und Malerei. Der Katalog macht sichtbar, wie sich Emmers Arbeiten zwischen druckgrafischer Präzision und malerischer Freiheit bewegen. Im Rahmen der Präsentation spricht Inessa Emmer mit Dr. Alexander Grönert (Stellvertretung künstlerische Direktion, Museum Schloss Moyland) über ihre Arbeitsweise, Materialien und die Entwicklung der gezeigten Werkgruppen. (Inessa Emmer
Mash up, Selbstverlag, 2025)

Julika Rudelius beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit Phänomenen, die ihren Ursprung in Machtstrukturen haben. Anhand von Video und Fotografie untersucht Rudelius Einflüsse von Macht auf das menschliche Verhalten: Von der Inszenierung archetypischer Individuen, über die Analyse systemischer Probleme bis hin zur Verarbeitung gesellschaftlicher Zustände. Nach ihrer Einzelausstellung „…in the days of the bullies“ 2023 in der Villa Merkel erscheint nun eine gleichnamige Publikation in Zusammenarbeit mit Céline Wouters (Grafik) und Johannes Kaufmann (Kurator der Ausstellung, Stadt Esslingen). Anhand der gemeinsamen Bildauswahl, eine Kombination aus Stills, Detail- und Installationsansichten, entstehen neue Assoziationen und bildliche Erzählungen, die über die Themen der Arbeiten in der Ausstellung hinausgehen und eine eigenständige thematische und visuelle Auseinandersetzung behaupten. Es findet ein Gespräch mit Johannes Kaufmann (Kurator, Stadt Esslingen) über die gleichnamige Ausstellung von Julika Rudelius „…in the days of the bullies“ (2023) in der Villa Merkel statt, zu der 2025 der Katalog bei StrzeleckiBooks veröffentlicht wurde. (Julika Rudelius, …in the days of the bullies, StrzeleckiBooks, 2025, ISBN 978-3-910298-26-2)

In seiner Praxis untersucht Ukić Prozesse von Entstehen und Vergehen sowie die Grenzen zwischen Natur und Kultur, Leben und Materie. Er greift Konzepte der 1960er-Jahre auf, in denen sich die Bildhauerei von repräsentativen Formen löste, und entwickelt daraus eine kritische Neuinterpretation skulpturaler Strategien. Seine Arbeiten reflektieren Form als eigenständige Größe und eröffnen ein Nebeneinander unterschiedlicher Zustände ohne deren Vereinheitlichung. Die Publikation „About the Sense of Possibilities“ dokumentiert mehr als zwei Jahrzehnte seines Schaffens mit Texten von Sabina Salamon, Vladimir Vidmar, Thorsten Schneider und Rolf Hengesbach. Am Abend findet ein Artist Talk gemeinsam mit Branka Benčić (Museumsdirektorin MMSU Rijeka), Sabina Salamon (Kuratorin, MMSU Rijeka) und Rolf Hengesbach (Galerist), inklusive einer Präsentation von Buchauszügen statt. (Nikola Ukić, About the Sense of Possibilities Herausgeber: MMSU – Museum of Modern and Contemporary Art, Rijeka, Herausgeberin Branka Bencic, Editor, Sabina Salamon. SNOEK, 2026, ISBN 978-3-86442-468-7)

Familienwochenende: Entdecke den Planeten Kunsthalle

Am Samstag, 28. Februar, und Sonntag, 1. März 2026, jeweils von 11 bis 18 Uhr, lädt die Kunsthalle Düsseldorf zum Familienwochenende ein. An diesem Wochenende öffnen sich zwei besondere Räume für Kinder, Familien und Neugierige jeden Alters: der Seitenlichtsaal und der Kinosaal. Der Eintritt ist frei.

Gemeinsam malen im Seitenlichtsaal

Im Seitenlichtsaal können Kinder gemeinsam an der langen Maltafel ein riesiges Bild entstehen lassen. Alle Werke werden nach und nach an die Wände gehängt – so wächst der Raum im Laufe der Tage immer weiter zu einer bunten, kollektiven Bilderlandschaft.

Ein außerirdischer Planet im Kinosaal

Im Kinosaal entsteht eine begehbare Rauminstallation der Künstlerin Sofía Magdits Espinoza.
Die Kunsthalle wird zu einem außerirdischen Planeten aus Wurzeln, Myzel und Wasser.
Kinder und Erwachsene gestalten den Raum mit: Sie flechten textile Wurzeln, verbinden sie mit Fäden und lassen ein wachsendes Netzwerk entstehen. Jede neue Verbindung macht den Planeten größer. Am Boden fließt unterirdisches Wasser durch den Raum. Licht, Klang und Textilien schaffen eine besondere Atmosphäre.

Nähere Informationen: Kunsthalle Düsseldorf, Grabbeplatz 4, 40213 Düsseldorf, E-Mail: mail@kunsthalle-duesseldorf.de