Eine Postkarte führt zum Erfolg

DHM restituiert Bronzerelief an die Stadt Dinant

Manchmal ist es ein unscheinbares Objekt, das eine ganze Geschichte ins Rollen bringt: Im Fall eines Bronzereliefs aus der Sammlung des Deutschen Historischen Museums (DHM) war es eine Postkarte aus dem Jahr 1930. Sie zeigt ein Denkmal in der belgischen Stadt Dinant mit einem Relief, das sich bis vor kurzen in der Sammlung des DHM befand. Erste Recherchen zeigten, dass die Reliefplatte später am Denkmal fehlte.

Die historische Aufnahme wurde zum Ausgangspunkt intensiver, proaktiver Provenienzrecherchen, die nun in der Restitution des Kunstwerks gipfelten: Am 12. Juni 2026 übergab Raphael Gross, der Präsident der Stiftung Deutsches Historische Museum, das Bronzerelief des belgischen Bildhauers Frans Huygelen (*1878 – +1940) im Rahmen einer offiziellen Zeremonie an die Stadt Dinant.

Erinnerung an ein deutsches Kriegsverbrechen

Das um 1927 entstandene Relief war Teil eines Denkmals, das an die Erschießung von über 670 belgischen Zivilistinnen und Zivilisten durch deutsche Soldaten am 23. August 1914 erinnert. Die Ereignisse gehören zu den schwersten Kriegsverbrechen der frühen Phase des Ersten Weltkriegs und prägen bis heute das historische Gedächtnis der Stadt.

Richard Fournaux, Bürgermeister von Dinant, würdigte die Rückgabe als wichtigen Schritt: „Seit den Massakern und der Zerstörung der Stadt am 23. August 1914 fiel es den Einwohnern von Dinant schwer, sich resilient zu zeigen und die Beziehungen zum deutschen Volk wieder aufzubauen. […] obwohl wir alle zu Europäern geworden waren. Im Mai 2001 haben wir gemeinsam unsere Versöhnung gefeiert. Seitdem haben sich die Kontakte vervielfacht.  Die Rückgabe des Bronzereliefs stellt eine neue, äußerst symbolträchtige und feierliche Etappe dar.“

Auch der deutsche Botschafter in Belgien, Martin Kotthaus, betonte die Bedeutung des Ereignisses für die deutsch-belgischen Beziehungen: „Die glückliche Rückkehr des Bronzereliefs […] schließt eine Lücke in der Versöhnung zwischen Dinant, Belgien und Deutschland. […] Gerade heute, da wir wieder Hass und Gewalt im Osten unseres Kontinents sehen, müssen wir uns stets bewusst sein, dass Frieden und Versöhnung möglich, aber nicht selbstverständlich sind. Ein jeder von uns kann dazu beitragen. Jeden Tag. Ich bin […] den Menschen in Dinant zutiefst dankbar für die ausgestreckte Hand und Freundschaft der letzten Jahrzehnte und freue mich sehr, dass das Bronzerelief am 12. Juni 2026 nach Hause kommt.“

Das Relief war 1942 während der deutschen Besatzung auf Anweisung des deutschen Kriegskommandanten von Dinant und Philippeville entfernt worden. Vermutlich wurde es anschließend nach Berlin in das damalige Heeresmuseum im Zeughaus gebracht und ging später mit der Gründung 1952 in den Bestand des Museums für Deutsche Geschichte (MfDG) über. Nach der Wiedervereinigung 1990 übernahm das DHM die Sammlungen des MfDG.

Provenienzforschung mit positiven Konsequenzen

Die Rückgabe des Reliefs steht exemplarisch für die zentrale Aufgabe der Provenienzforschung am DHM: die Herkunft von Sammlungsobjekten zu klären und historische Unrechtskontexte offenzulegen. Raphael Gross unterstrich die Bedeutung der Restitution: „Es ist für das DHM ein wichtiges Anliegen, dass das Werk nun nach fast 100 Jahren an seinen ursprünglichen Ort in Dinant zurückkehrt.“

Mehr als hundert Jahre nach den Ereignissen des Ersten Weltkriegs zeigt dieser Fall, dass Provenienzforschung nicht nur der Klärung von Besitzverhältnissen dient, sondern auch einen Beitrag zu Erinnerung, Verantwortung und Versöhnung leisten kann.

Nähere Informationen: Museumsverein des Deutschen Historischen Museums, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, Telefon: +49 30 814535510, E-Mail: kontakt@dhm-museumsverein.de

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