Neues aus der Welt der Kunst in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden und manches mehr aus der Welt der Kunst. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Cobra zum Tragen – von Karmen Samson

Das Werk der Nachkriegs-Cobra-Bewegung ist für seine Experimentierfreude und spontane Bildsprache bekannt. In der Ausstellung “Wilde Röcke – Cobra-Kunst als Textilien” im Museum Cobra in Amstelveen sieht man, wie Cobra-Künstler auch Designs für Textilien gestalteten, sodass ihre visuelle Sprache in Kleiderschränken und Wohnzimmern landete.

Auf einer Schaufensterpuppe sticht ein Kleid aus den fünfziger Jahren scharf von einem fliederfarbenen Panel hervor: Mützenärmel, spitzer Kragen, schmale Taille und ein Stoff voller schwingender schwarzer Linien und leuchtend roter, fast blumenhafter Akzente. Unmittelbar beim Eintritt in die Ausstellung wird deutlich, dass die Entwürfe von Karel Appel, Constant, Corneille, Anton Rooskens und Anne Bonnet hier nicht als autonome Kunst gezeigt werden, sondern als Stoffe, die verwendet werden sollten.

Für Cobra-Künstler boten Textilien eine Möglichkeit, ihre visuelle Sprache vom Gemälde zu lösen. Ihre leuchtenden Farben, lockeren Linien und verspielten Formen erwiesen sich ebenfalls als geeignet für wiederholbare Designs auf Stoff, die zu Kleidung oder Möbelpolsterung verarbeitet werden konnten. In dieser angewandten Form erhält es eine zusätzliche Funktion: Es bewegt sich mit dem Körper, verschleißt sich bei der Nutzung und verändert sich, sobald sie Teil eines Innenraums oder Kleiderschranks wird.

Designer und Träger

Dies ist in einem Kleid von 1955-1956 zu sehen, das aus einem von Karel Appel entworfenen Stoff gefertigt wurde. Der Stoff ist mit leuchtend orangefarbenen, gelben und dunkelblauen unvollkommenen Kreisen bedruckt, zwischen denen grüne Streifen und kleine abstrakte Figuren aufgetragen sind. Neben dem Kleid hängt die originale Stoffrolle, auf der die Farben noch leuchtend sind. In getragener Form zeigt das Kleid, wie Waschen und Gebrauch diese Farben allmählich verblasst haben.

Die Ausstellung hebt nicht nur die Künstler, sondern auch die Nutzer hervor. Dies zeigt sich zum Beispiel an einem Kleid von Mrs. Klauderman-Stalknecht mit betonter Taille, leicht ausgestelltem Rock und abgerundetem Schalkragen. 1957 kaufte sie den Stoff, fertigte daraus selbst ein Kleid und schenkte es 1977 dem Kunstmuseum Den Haag. Der Stoff besteht aus organischen Flecken in Grün, Schwarz, Weiß, Lila und Akzenten in Gelb. Das Kleid wird auf einer Schaufensterpuppe präsentiert, vor einem Hintergrund desselben Stoffes in anderen Farben.

Solche Beispiele machen deutlich, wie die Entwürfe oft ihre endgültige Form außerhalb des Studios annahmen. Die Stoffe wurden industriell hergestellt, aber dann von Privatpersonen zu einem Endprodukt verarbeitet. Die Aufmerksamkeit verlagert sich somit vom Künstler zu den Menschen, die die Stoffe auswählten, trugen und damit lebten.

Wilde Röcke in einem gezähmten Raum

Die Präsentation betont auch diese materielle und nutzerorientierte Seite. Die Textilien werden nicht zu unberührbaren Kunstobjekten erhoben, sondern als Stoffrolle oder Utensili gezeigt. Das Design der Ausstellung ist übersichtlich und kontrolliert, mit einer pastellartigen Farbpalette aus Rosa, Grün und Blau. Das sorgt für Klarheit, dämpft aber auch die Energie und Rohheit der ausgestellten Stoffe. Die ‚Wildheit‘ bleibt hauptsächlich im Material enthalten und spiegelt sich weniger im räumlichen Erlebnis wider.

„Wild Skirts“ zeigt einen relativ unterbelichteten Teil von Cobra: die Anwendung ihrer visuellen Sprache in Textilien und damit auch in Mode und Innenraum. Die Auswahl der Objekte macht die Ausstellung stark: Design, Material, Nutzung und persönliche Geschichte kommen zusammen. „Wild Skirts“ zeigt, wie Cobra im Alltag weiterlebte.

Nähere Informationen: Cobra Museum für moderne Kunst, Sandbergplein 1, Amstelveen, Telefon: +31 205475050, E-Mail: info@cobra-museum.nl, Internet: www.cobra-museum.nl

Meisterwerke von Amrita Sher-Gil im Drents Museum ausgestellt

Die lang erwartete Retrospektivausstellung von Amrita Sher-Gil im Drents Museum kann nachgeholt werden. Die Gemälde und Zeichnungen der indischen Künstlerin sind in Assen angekommen, nachdem die Ausstellung im März wegen geopolitischer Spannungen im Nahen Osten in letzter Minute verschoben werden musste.

„Amrita Sher-Gil – Europe is Picasso’s, India is mine“ ist bis Sonntag, 20. September, zu sehen. Es ist das erste Mal, dass eine große Retrospektive Sher-Gil in den Niederlanden gewidmet ist, die als einer der wichtigsten Pionierinnen der modernen indischen Kunst gilt. Ihre Arbeit ist Teil des nationalen Erbes Indiens und verlässt das Land nur selten.

In einem Gespräch mit der Museumstijdschrift bezeichnete der Direktor des Drents Museums, Robert van Langh, die Ankunft der Werke als „einen großartigen Moment“ und sagte weiter: „Was wir Anfang März verschieben mussten, ist nun Realität geworden.“

Die Ausstellung war sechs Jahre in Vorbereitung. Im März beschloss das indische Kulturministerium, die etwa sechzig Gemälde und Zeichnungen aus der Sammlung der National Gallery of Modern Art in Neu-Delhi nicht zu transportieren. Das Drents Museum eröffnete dann die Wechselausstellung „Ode an Amrita“, für die 23 niederländische Museen Werke zur Verfügung stellten, die Themen aus Sher-Gils Leben und Werk entsprachen. Drei Werke aus dieser Ausstellung, von Picasso, Matisse und Braque, werden ebenfalls in der neuen Retrospektive gezeigt werden – Künstler, auf die Sher-Gil selbst in ihrer Erklärung Bezug nahm: „Europa gehört Picasso, Matisse, Braque und vielen anderen. Indien gehört allein mir.“

Nähere Informationen: Drents Museum, Brink 1, 9401 HS Assen, Telefon 0592 377773, E-Mail: info@drentsmuseum.nl, Internet: www.drentsmuseum.nl. Geöffnet ist das Museum in der von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr.

Farbenfrohe Kreuzbestäubung zwischen Gestel und De Smet im Stedelijk Museum Alkmaar

Zwei Kartoffelernten hängen nebeneinander. In einem Werk ist die Szene dunkel und voll, mit soliden Schatten und subtilen Farbunterschieden. Im anderen ist die Komposition minimaler, mit leuchtenderen Farben und strafferen Linien. Das Motiv ist nahezu dasselbe und beide Werke sind in einer verwandten visuellen Sprache gemalt. In der Ausstellung „Gestel und De Smet – farbenfrohe Freundschaft“ werden der Niederländer Leo Gestel (*1881 – +1941) und der Belgier Gustave De Smet (*1877 – +1943) nebeneinander als zwei Künstler gezeigt, die sich nicht nur persönlich, sondern auch künstlerisch stark beeinflussten.

Diese Wechselwirkung zeigt sich in Werken wie De Smets „Kartoffelernte“ (ca. 1930) und Gestels „Kartoffelernte“ (1926), aber auch in Gestels „Liegender Akt“ (1929) und De Smets „De zomer“ (1925). Sie verwenden ähnliche Kompositionen, Farbe und Stil. Während seines Aufenthalts im Haus von Gestel übernahm De Smet Elemente aus Gestels Stil, insbesondere aus dem Kubismus. Gestel wiederum begann, lebhafter mit Farben zu arbeiten, obwohl er weiterhin eine Vorliebe für dunklere Farben hatte.

Auch die Gestaltung der Ausstellung betont diesen Dialog. Jeder Raum hat seine eigene leuchtende Farbe, die überraschend gut zu den ausgestellten Werken passt. Die Texte bieten Kontext für die Freundschaft der beiden Künstler, doch die Stärke der Ausstellung liegt vor allem in der Präsentation: Indem sie ihre Werke direkt nebeneinander aufhängen, werden Ähnlichkeiten, Unterschiede und gegenseitige Einflüsse auf einen Blick sichtbar.

Nähere Informationen: Stedelijk Museum Alkmaar, Canadaplein 1, Alkmaar, Telefon: +31 725489789, E-Mail: info@museumalkmaar, Internet: www.stedelijkmuseumalkmaar.nl

Unseen – Die Fotoausstellung, die man nicht unbedingt sehen muss

„Echtes Sehen geht über das bloße Schauen hinaus. Schließen Sie die Augen und entdecken Sie die außergewöhnlichen Arbeiten von Brent Stirton, Ian Treherne, Evgen Bavcar und Daphne Wageman“, heißt es in einem Artikel der Museumstijdschrift. Diese Fotografen zeigen auf ihre Weise ihre Beziehung zu Blindheit und Sehbehinderung.

Die Fotos werden in unterschiedlichen Formen wie Bildern, Reliefdrucken und Audiobildern präsentiert. Das macht die Ausstellung im muZIEum in Nijmegen interessant und für alle zugänglich. Egal, ob man sehen kann, blind oder sehbehindert ist: Durch Fühlen, Zuhören und Schauen erleben die Besucher Fotografie auf eine neue, überraschende Weise. Für die Ausstellung Unseen haben sich das muZIEum und die Firma Canon zusammengeschlossen, um Fotografie für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich zu machen. Die Ausstellung bietet auch die Gelegenheit, zu erleben, wie es ist, blind oder sehbehindert zu sein.

Nähere Informationen: muZIEum, Ziekerstraat 6B, Nijmegen, Telefon: +31 242001050, E-Mail: info@muzieum.nl, Internet: www.muzieum.nl

Selfie der Soul III

Selfie-Kunst ohne Filter. In dieser Ausstellung im NDSM in Amsterdam präsentieren Künstler Werke, die über die glatten Fassaden der sozialen Medien hinausgehen. Während digitale Plattformen oft ein sorgfältig konstruiertes Bild zeigen, das Erwartungen und Ideale erfüllt, entscheiden sich diese Schöpfer für Offenheit. Sie zeigen Zweifel und Verletzlichkeit, aber auch Stärke, Individualität und einen buchstäblich selbstbewussten Blick.

Die Ausstellung besteht aus einer Reihe von Einzelpräsentationen, die jeweils eine andere Seite der Seele zeigen. In einer Gesellschaft, die zunehmend polarisiert und in eine Schublade gedrängt wird, sucht „Selfie of the Soul“ nach Kunst, die die Person hinter der Maske offenbart. Was passiert, wenn wir uns nicht als Gruppe oder Rolle nähern, sondern uns wirklich als Individuen treffen?

Im dritten Teil zeigen sechs Künstler ihre ungefilterte innere Welt in Einzelauftritten. Durch Installationen, Filme, Gemälde, Fotografien und mehr erleben Sie sowohl Schnappschüsse als auch die kontinuierliche Bewegung der Seele. Themen wie Gleichgewicht und Ungleichgewicht, Schamlosigkeit, das Unvollendete und die Zeitlichkeit der Existenz kommen in diesen intimen Darstellungen zusammen. Die Künstler teilen ihre tiefsten Schichten und persönlichen Perspektiven – alles fließt, alles verändert sich. „Selfie of the Soul III“ entführt dich in eine fließende Welt und lädt dich ein, deinen eigenen Platz zu finden: mit dem, was du sein möchtest und wer du wirklich bist.

Nähere Informationen: NDSM Fuse, NDMS-Plein 29, Amsterdam, Telefon: +31 621506113, E-Mail: laura@ndsm-fuse.eu, Internet: www.ndsm-fuse.de

Mit neuen Augen – Jubiläumsausstellung im Zuiderzee-Museum

Was passiert, wenn zeitgenössische Künstler die Vergangenheit der Zuiderzee neu betrachten? Finden Sie es in der Jubiläumsausstellung „Mit neuen Augen“ heraus und lassen Sie sich von Werken überraschen, die die Geschichte wieder zum Leben erwecken.

Seit 2006 baut das Zuiderzee-Museum eine spezielle Unterkollektion mit Werken zeitgenössischer Künstler, (Mode-)Designer und Fotografen auf, die von der Geschichte der Zuiderzee inspiriert sind. Anlässlich dieses zwanzigjährigen Jubiläums präsentiert das Museum die neue Ausstellung „With new eyes“ in the Schathuys, eine Auswahl aus dieser Sammlung. Künstler wie Viktor & Rolf, Jimmy Nelson und Christien Meindertsma betrachteten die Vergangenheit der Zuiderzee mit frischem Blick. In ihren Werken nahmen sie etwas aus der Vergangenheit mit in die Gegenwart und gaben ihr eine neue Bedeutung. Die neueste Ergänzung der Museumssammlung, „In the Silence of Nynke Kosters Deep WaterCellar“, wird offiziell zur Eröffnung der Ausstellung präsentiert.

Nähere Informationen: Zuidersee-Museum, Wierdijk 12-22, Enkhuizen, Telefon: +31 22835111, E-Mail: info@zuiderseemuseum.nl, Internet: http://www.zuiderseemuseum.nl

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