Die Kunsthalle Bremen hat ihre Sammlung von Zeichnungen von Bremer Künstlerinnen im Rahmen eines Forschungsprojektes genauer untersucht und eine bemerkenswerte Erkenntnis gemacht: Im Verhältnis zum männlich geprägten Gesamtbestand der Kunsthalle Bremen bewahrt das Kupferstichkabinett überdurchschnittlich viele Zeichnungen von Bremer Künstlerinnen. Neben Paula Modersohn-Becker tauchen weitere Namen auf, die bislang kaum bekannt sind.
Eine Auswahl von 60 Werken wird in der Ausstellung „Mehr Frauen! Bremer Künstlerinnen auf Papier“ vom 22. Juli bis 8. November in der Kunsthalle präsentiert. Paula Modersohn-Becker genießt heute weltweiten Ruhm. Wer aber kennt ihre Mitstreiterinnen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ebenfalls in der Bremer Kunstszene aktiv waren: Clara Rilke Westhoff, Marie Bock, Anna Plate, Margarethe von Reinken, Agnes Sander-Plump, Dora Bromberger, Elisabeth Noltenius, Gustava Tölken oder Olga Bontjes van Beek?
Die Sammlung von Zeichnungen Bremer Künstlerinnen umfasst insgesamt mehr als 1800 Werke, davon stammt fast ein Viertel von Frauen. Wie kam es zu dieser Schaffenskraft, obwohl Künstlerinnen damals doch systematisch ausgebremst wurden? Bis 1919 durften Frauen beispielsweise nicht an den staatlichen Kunstakademien studieren, sodass ihre Ausbildung erheblich erschwert war. Die Bremer Künstlerinnen setzten sich durch Netzwerkarbeit gegen die Ausgrenzung zur Wehr: Sie gründeten 1899 den „Bremer Malerinnenverband“ oder traten ab 1928 der „Gemeinschaft deutscher und oesterreichischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen“ (GEDOK) bei.
Die Ausstellung verfolgt die Verbindungslinien zwischen den Künstlerinnen sowie ihre Verwurzelung in Bremen und dem Umland: In den Orten Worpswede, Fischerhude und Dötlingen lebten sie Tür an Tür. Dort unterrichteten sie die nachfolgende Generation im Malen und Zeichnen – bewusst in Abgrenzung zu den Akademien. Es sind Künstlerdynastien entstanden wie die Familien Modersohn, Plump oder Breling. Zuletzt sind aus den Bekanntschaften in den Künstlerinnenorten und bei der GEDOK tiefe Freundschaften erwachsen.
Forschungsprojekt
Die Ausstellung bildet den Abschluss des Forschungsprojekts „Handzeichnungen HB“, in dem mehr als 1.800 Zeichnungen untersucht wurden. Die Erschließung umfasste unter anderem die Zuschreibung an eine Künstlerin, die Bestimmung von Motiv, künstlerischer Technik und Objektmaßen sowie die Erfassung von Provenienzmerkmalen. Neben der Ausstellung und einem Katalog werden die Ergebnisse im Online-Katalog der Kunsthalle Bremen und darüber hinaus in übergeordneten Datenbanken wie dem Graphikportal und der Deutschen Digitalen Bibliothek zugänglich gemacht. So stehen sie sowohl der Forschung als auch einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.
Nähere Informationen: Kunsthalle Bremen, Am Wall 207, 28195 Bremen, Telefon: +49 (0)421 – 32 9080, Fax +49 (0)421 – 32908470, E-Mail: info@kunsthalle-bremen.de