20. Inselfestival mit narrativer Musik

Vom 6. bis 9. Juni werden auf der Raketenstation Hombroich tönende Erzählungen aus fünf Jahrhunderten geboten.

Das 20. Inselfestival des Vereins zur Förderung des Kunst- und Kulturraumes Hombroich findet dieses Jahr wieder zu Pfingsten auf der Raketenstation und im Museum Insel Hombroich statt. Vom heutigen Freitag, 6. Juni, bis Sonntag, 9. Juni, erwartet die Besucher ein hochkarätiges Konzertprogramm.

Musik erzählt Geschichten von Liebe, Tod und Leidenschaft, singt Lieder ohne Worte und drückt im Klang aus, was Sprache nicht zu sagen vermag: Zum Thema „Narrative Musik“ präsentiert das 20. Inselfestival tönende Erzählungen aus fünf Jahrhunderten. Das alle zwei Jahre stattfindende Festival verdankt sich der Initiative von Karl-Heinrich Müller, der zu Pfingsten 1986 das erste Inselfestival Hombroich veranstaltete.

Von der Renaissance bis zur Gegenwart spannt sich der Bogen, der auf vielfältige Weise die existentiellen Erfahrungen von der Wiege bis zum Grabe reflektiert. Asya Fateyeva, Evelina Petrova, Magdalena Cerezo Falces, Julian Prégardien, Matan Porat, Roi Shiloah und Joseph Moog sowie The Gesualdo Six, das Simply Quartet und das Cuarteto Casals freuen sich darauf, dem Publikum ihre Beiträge zum Jubiläum vorstellen zu dürfen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Auf der Raketenstation ist der Eintritt zu den Konzerten frei. Bei Konzerten auf der Raketenstation Hombroich wird eine dementsprechende Spende erwartet. Eine Spendenbox steht vor Ort jeweils bereit. Bei der Klangwanderung im Museum sowie dem Konzertabend in der Scheune ist der Museumseintritt zu entrichten.

Seit 1992 ist der Förderverein der Insel Veranstalter des Inselfestivals und begleitet darüber hinaus die vielfältigen Aktivitäten der heutigen Stiftung Insel Hombroich wie das Raketenfestival, das Literatur- und Philosophie Festival, diverse Ausstellungen und vieles mehr. Die Programmplanung des 20. Inselfestivals liegt in den Händen von Dr. Rainer Wiertz.

Burg Vischering und die Kolvenburg stehen für Museum, Kunst und Kultur

Ein breitgefächertes Angebot für Jung und Alt, bei dem auch Mitmachen und Ausprobieren groß geschrieben wird, haben sich die Freunde und Förderer der Kulturzentren Burg Vischering und Kolvenburg auf die Fahnen geschrieben. Mit seinen Aktivitäten richtet sich der Verein an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger. Hauptanliegen ist die Unterstützung des kulturellen Lebens rund um die Burg Vischering in Lüdinghausen, der Kolvenburg in Billerbeck und im ganzen Gebiet des Kreis Coesfelds.

Zur Geschichte der Burg Vischering

Die Burg Vischering, gleich auf zwei Inseln in den Stauteichen der Stever am Nordwestrand der Stadt Lüdinghausen gelegen, ist ein Paradebeispiel für das ehemalige Leben der Adelskultur im Münsterland. Mit ihrer runden Hauptburg inmitten des Hausteichs ist sie ein Baudenkmal von malerischer Geschlossenheit, das als Ausflugsziel und Fotomotiv weithin beliebt ist. 1271 erstmals urkundlich erwähnt, dient die Wasserburg seit 1972 als Museum, Ausstellungs- und Veranstaltungsort des Kreises Coesfeld. „Museum. Kunst. Kultur.“ Unter diesem Motto erwartet Besucher des altehrwürden Gemäuers ein breitgefächertes Programm für Jung und Alt. Mitmachen und Ausprobieren werden bei einem Besuch der Burg großgeschrieben. Geschichte Der Bischof von Münster, Gerhard von der Mark, vertraute die Burg Vischering im 13. Jahrhundert dem Ritter Albert von Wulfheim an, der sie mit einer kleinen Mannschaft gegen Angriffe verteidigen und für den bischöflichen Zugriff offenhalten sollte. Die Maßnahmen richteten sich gegen die in den benachbarten Burgen Lüdinghausen und Wolfsberg sitzenden Brüder Hermann und Bernhard von Lüdinghausen. Sie waren Lehnsleute der in der Gegend stark begüterten Reichsabtei Werden, strebten aber vor allem selbst nach Herrschaft. Ihren Charakter als reine Wehrburg veränderte die Burg Vischering im 16. Jahrhundert mit dem Einbau großer Fenster und eines zweistöckigen Anbaus im Stil der Renaissance. Ein großer Brand im Jahr 1921 zwang zu Wiederaufbaumaßnahmen und bot damit weitere auch Möglichkeiten zur Erneuerung – neben höheren Wohntrakten entstand der Treppenturm. Durch Bomben erlitten die Gebäude im Zeiten Weltkrieg großen Schaden. Mit dem Wiederaufbau wurde unmittelbar nach Kriegsende begonnen.

Von der Burg zum preisgekrönten Museum

Das preisgekrönte Museum in der Hauptburg nimmt Besucher mit auf eine Zeitreise: Es gewährt Einblick in die Lebensweise längst vergangener Jahrhunderte und stellt die Bedeutung der Schlösser und Burgen im Münsterland heraus. Mit Hilfe multimediale Techniken, interaktiver Medienstationen und vielfältigen Exponaten und Darstellungen spüren Besucherinnen und Besucher dem Aufstieg der Familie Droste zu Vischering vom einfachen Rittergeschlecht zu einer der bedeutendsten landadligen Familien des Münsterlandes nach. Höhepunkt der Ausstellung ist der Rittersaal, der auf zauberhafte Weise erwacht, wenn die künstlerische Videoinstallation die Welt des Adels um 1770 zu neuem Leben erweckt. Bei Kindern erfreuen sich die Spielmöglichkeiten im Untergeschoss und die Tablet-Guides mit Spielen und Rätseln rund ums Thema Ritterburg besonderer Beliebtheit.

Kunst und Kulturveranstaltungen

Wechselnde kulturhistorische Präsentationen und hochkarätige Kunstausstellungen lassen die Herzen von Kunstliebhabern höherschlagen. Musikfans kommen bei einer großen Bandbreite von Konzerten, darunter die renommierte Reihe „BurgJazz“ mit internationalen Jazz-Größen, auf ihre Kosten. Mit Lesungen, dem Open Air-Kunstmarkt „Kunst im Park“, dem „Annotopia“-Fantasy-Festival, Theater- und Kabarett-Aufführungen bedient das Kulturprogramm vielfältigste Interessen.

Workshops und Erlebnisse zum Mitmachen

Wer sich aktiv einbringen möchte, wird bei den Workshop-Angeboten fündig – von Bierbrauen und Kochen in der Burgküche, über Zeichen- und Radierworkshops bis hin zu Kalligraphie-Kursen. Für Kinder, Jugendliche und Familien gibt es diverse Feste und Mitmach-Aktionen, wie das jährlich stattfindende Ritterlager, Kindertheater, historische Kinderspiele, Märchenlesungen, Bastelnachmittage, MINT-Angebote, das Abenteuer „Burgdetektive“, Kinderführungen und vieles mehr. Ritterliche Kindergeburtstage können gebucht werden. Pädagogische Museumsprogramme für Schulklassen und Kindergärten, abgestimmt auf Altersstufe und Lehrplan, runden das Angebot der Burg ab.

Portal zur Schlösser- und Burgenregion Münsterland

Die Burg Vischering, selbst am Südkurs der 100-Schlösser-Fahrradroute gelegen, fungiert offiziell als Portal zur über 100 Adelshäuser zählenden Burgen- und Schlösserlandschaft Münsterland. Im Untergeschoss des Museums und im Torhaus der Burg finden Gäste Informationen zur gesamten Burgen- und Schlösserregion. Gastronomie und weitere Angebote Ein gastronomisches Angebot mit dem Café Reitstall, Picknickplätze, Leihfahrräder und E-Bike Ladestation sowie ein in Kürze fertig gestellter Kinderspielplatz und ausgedehnte Spaziermöglichkeiten im Grünen runden das Angebot der Burg Vischering ab.

German Design Award Special 2021 und Travellers‘ Choice Auszeichnung

Für die 2018 feierlich eröffnete Neukonzeption des Museums der Burg Vischering erhält das Architekturbüro Duncan McCauley GmbH und Co KG in diesem Februar die Auszeichnung „Special Mention“ und gehört damit zu den Preisträgern des German Design Awards 2021. Dass das neu konzipierte Museum auch bei Besuchern von nah und fern bestens ankommt, beweisen die seither rasant gestiegenen Besucherzahlen ebenso wie die 2020 von Tripadvisor an die Burg Vischering vergebene Auszeichnung Travellers‘ Choice.

Nähere Informationen: Burg Vischering, Berenbrock 1, 59348 Lüdinghausen, Telefon 02591 7990-0, Fax: 02591 7990-28, und E-Mail: kultur@kreis-coesfeld.de. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr.

In der Sanierungsphase: die Kolvenburg in Billerbeck

Mit zur Burg Vischering gehört die Kolvenburg. Die Kolvenburg im Erholungsort Billerbeck, der Perle der Baumberge, ist ein denkmalgeschütztes Gebäude des Kreises Coesfeld und ein beliebter touristischer Anziehungspunkt. Seit dem 1. Juli ersetzen Sanierungsarbeiten das sonstige Tagesgeschäft aus Veranstaltungsplanungen, Dachbodenführungen oder Ausstellungsangeboten. Die Arbeiten drehen sich rund um die Themen Barrierefreiheit, Haustechnik, sowie Arbeiten am Dachstuhl und an der Fassade.

Für den Besucherverkehr bleibt die Burg somit vorerst geschlossen. Lesungen, Konzerte und Veranstaltungen im Außenbereich der Kolvenburg sind aber schon in Planung.

Viel moderne Kunst in einer ehemaligen Mühle

Das Museum Küppersmühle, direkt im lebhaften Duisburger Innenhafen gelegen, ist eines der größten deutschen Privatmuseen und ein abwechslungsreiches Zentrum für zeitgenössische Kunst.

Dass das ehemalige und abrissgefährdete Speichergebäude für neue Zwecke genutzt werden konnte, war einer Bürgerinitiative zu verdanken, die sich gegen den Abriss wehrte. Als Person hervorzuheben ist der Duisburger Immobilienunternehmer Hans Grothe (*1930 + 2019), dessen Sammlung von 800 Werken von mehr als 40 Künstlern den Grundstock für das neue Museum bildete. Für den Umbau zu einem weiträumigen Kunstmuseum mit 3600 Quadratmetern Fläche wurde das bekannte Schweizer Architekturbüro Herzog & De Meuron engagiert. Feierlich eröffnet wurde das Museum 1999.

Baumängel behoben, Projekt Um- und Erweiterungsbau umgesetzt

2008 traf der Betreiber, die Stiftung für Kunst und Kultur Bonn, die Entscheidung für einen Um- und Erweiterungsbau, der zunächst nicht unter einem guten Stern stand. Der Umbau basierte auf den Plänen des schon einmal engagierten Architekturbüros Herzog & De Meuron, das ein Konzept ähnlich der von ihnen entworfenen Elbphilharmonie vorschlug. Danach war geplant, auf den Röhren des Stahlsilos einen scheinbar freischwebenden Quader aufzusetzen. Darin sollten zwei Etagen mit rund 2.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und 22 neuen Räume entstehen. Baubeginn war 2009, doch dann passierten ähnliche Dinge wie bei der Elbphilharmonie. Im Juni 2011 wurde ein Baustopp für den Erweiterungsbau verhängt, da das Stahlgerüst des Erweiterungsquaders mit erheblichen Baumängeln hergestellt worden war. Die verantwortlichen Bauunternehmen gingen pleite und die Stahlkonstruktion erwies sich als Totalschaden. Das Projekt drohte zu scheitern. Mit im Boot dabei war inzwischen auch das Sammlerehepaar Sylvia und Ulrich Ströher, das mit der Gründung der MKM-Stiftung die notwendigen Voraussetzungen für die Umsetzung des gefährdeten Projekts geschaffen hatte. Trotz der Schwierigkeiten blieb der Auftrag für die architektonische Planung bei Herzog & De Meuron.

Kern der Entwürfe war ein viergeschossiger Anbau, der über die historischen Silos mit dem Stammhaus des MKM verbunden werden sollte. Damit vergrößerte sich die Ausstellungsfläche um rund 2500 Quadratmeter. In den erweiterten Räumlichkeiten wird seit der Eröffnung im September 2021 die Ströher-Sammlung in ihrer ganzen Dimension sichtbar. Sie umfasst rund 1500 Werke deutscher Kunst, ausgehend von den 1950-er Jahren bis in die Gegenwart. Viele der Sammlungskünstler gehören nicht nur in Deutschland, sondern auch international zu den wichtigsten, darunter Werke von Hanne Darboven, Georg Baselitz, Markus Lüpertz, Jörg Immendorf, Gerhard Richter, Anselm Kiefer, A.R. Penck, Sigmar Polke, Imi Knoebel und Rosemarie Trockel.

Aussichtsplattform 40 Meter über den Silos

2024 eröffnete das Museum Küppersmühle auch eine neue Aussichtsplattform, die einen atemberaubenden Blick über Duisburg und das Ruhrgebiet bietet. 40 Meter über den Silos der alten Getreidemühle im Duisburger Innenhafen setzt die Plattform einen weiteren Akzent im Museum. Unter optimalen Wetterbedingungen bietet sie einen Panoramablick auf zahlreiche bekannte Wahrzeichen von Duisburg, darunter der Landschaftspark Nord, die Halde Rheinpreußen, die Salvatorkirche, das NRW-Landesarchiv, das Rathaus, das Stadttheater und die „Goldene Leiter“. Darüber hinaus sind der Rheinturm und die Skyline von Düsseldorf, der Stadtwald in Mülheim und der Gasometer in Oberhausen sichtbar. Die Eröffnung der Aussichtsplattform unterstreicht das Engagement des Museum Küppersmühle, außergewöhnliche Architektur und Kunst in einem einzigartigen Rahmen zu präsentieren.

Was der Direktor sagt:

Wie MKM-Direktor Walter Smerling sagt, vermittelt die Sammlung „ein wesentliches Stück deutscher Kunstgeschichte der Nachkriegszeit. Das Herz, wenn man so will, sind die informellen und abstrakten Maler, die „Gründerväter“ der deutschen Nachkriegskunst wie Willi Baumeister, K.O. Götz oder Emil Schumacher und ihre europäischen Kollegen Emilio Vedova, Maria Helena Vieira Da Silva oder Wols. Auch die Nachfolgegeneration, die sich intensiv mit der Geschichte auseinandergesetzt hat – Anselm Kiefer, Georg Baselitz, Gerhard Richter und andere – ist mit zentralen Werken vertreten. Die Sammlung ist zugleich sehr persönlich, das macht ihren Charakter und ihre Vitalität aus. Man spürt die Begeisterung für die Abstraktion durch die Jahrzehnte, das zeigen Werke von Walter Stöhrer, Christoph M. Gais oder David Schnell. Und das Anliegen der Sammler, „ihre“ Künstler mit Werkkonvoluten aus unterschiedlichen Schaffensphasen zu präsentieren, ist ein großes Glück für das Museum. So lässt sich deutsche Kunstgeschichte erleben, die Lehrer- und Schülergeneration vergleichen, die Werk-Entwicklung einzelner Künstlerpersönlichkeiten nachvollziehen. Der Erweiterungsbau und die Neueröffnung mit der sind ein großes Glück für die Kunstlandschaft der Bundesrepublik Deutschland.“

Zur Präsentation der ständigen Sammlung kommen jährlich bis zu vier Wechselausstellungen hinzu: Retrospektiven renommierter Künstler, thematische Gruppenausstellungen, Präsentationen aktueller Entwicklungen einzelner Künstler oder der Kunstszene eines Landes. Die Ausstellungsreihe „Akademos“ stellt das Werk der Professoren der Düsseldorfer Kunstakademie vor und jährlich findet der bundesweite Förderwettbewerb „Jugend interpretiert Kunst/ Deutsche Bank Stiftung Jugend-Kunst-Preis“ statt.

Wechselausstellungen mit Werken von Immendorf und Krieg

Aktuell sind zwei Wechselausstellungen zu sehen. Unter dem Titel „Zeige, was du hast“ präsentiert das MKM Museum Küppersmühle Werke des renommierten deutschen Künstlers Jörg Immendorff (*1945 +2007) aus der Sammlung Ströher. Immendorff gehört zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Nachkriegskunst. In seinem Werk verband er stets politische Haltung mit künstlerischem Ausdruck. Die Ausstellung bietet einen eindrucksvollen Einblick in seine Welt zwischen Engagement, Provokation und künstlerischer Selbstreflexion.

Unter dem Titel „Maler, Diebe und Gesindel“ erinnert das Museum an den Maler Dieter Krieg (*1937 +2005), der zu den wichtigsten deutschen Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehört und als Vertreter der „Neuen Figuration“ Kunstgeschichte schrieb. Die umfassende Übersichtsausstellung im MKM Museum Küppersmühle legt einen besonderen Schwerpunkt auf das Spätwerk des Künstlers mit Werken aus den 80er und 90er Jahren. Sein künstlerischer Rang ist in der Fachwelt nach wie vor unumstritten, auch wenn er heute in der Öffentlichkeit weitgehend vergessen ist. Mit der Ausstellung „Maler, Diebe und Gesindel“ soll dem entgegengewirkt werden. Ein besonderes Erkennungsmerkmal seiner expressiven und kraftvollen Kunst sind die extremen Formate seiner in heftiger Malweise ausgeführten Gemälde. Dieter Krieg nahm den großen Erfolg der „Neuen Wilden“ in den 1980er-Jahren vorweg. Die Auswahl dieser Ausstellung demonstriert dies mit Schriftbildern und monumentalen Darstellungen von banalen Alltagsgegenständen wie Spiegeleiern, Koteletts, Duschvorhängen, Kerzen und anderem. In seiner Malerei wird neben ihrer verführerisch-sinnlichen Qualität die Fragwürdigkeit der Darstellbarkeit von Dingen besonders deutlich. Krieg war ein obsessiver Leser, und seine Malerei ist geprägt durch eine Affinität zur Literatur seiner Zeit von Sartre und Beckett bis zu Peter Handke und den körperlichen Akt des Schreibens, der zu einem weiteren Motiv der Gemälde wird.

Dieter Krieg, der an der Karlsruher Kunstakademie bei HAP Grieshaber studierte, erregte bereits in den 1960er Jahren durch seinen radikalen Malstil Aufsehen. Schon 1966 erhielt er für seine bis zur Unkenntlichkeit verschnürten und bandagierten Körperdarstellungen den deutschen Preis der Jugend in Baden-Baden. 1978 vertrat er Deutschland auf der Biennale in Venedig. Als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf beeinflusste er eine ganze Generation jüngerer Künstlerinnen und Künstler.

Nähere Informationen: Museum für moderne Kunst Küppersmühle, Philosophenweg 55, 47051 Duisburg, Telefon 0203 30194811, E- Mails: kasse@museum-kueppersmuehle.de (für Kasse und Information), buchung@museum-kueppersmuehle.de (für Buchung von Führungen und Workshops) und office@museum-kueppersmuehle.de (für Stornierungen und Fragen zu Tickets), Internet: www.museum-kueppersmuehle.de. Geöffnet ist von Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

Vom Kloster zum Ort für Kunst und Kultur

Ort für lebendige Geschichte aber auch zeitgenössische Kunst ist das bei Hörstel gelegene Kloster Gravenhorst.

Idyllisch inmitten von Wäldern und Wiesen ist das Kloster Gravenhorst angesiedelt, das im Jahre 1256 von dem Tecklenburger Ritter Konrad von Brochterbeck gemeinsam mit seiner Frau Amalgarde von Budde gegründet wurde. Erste Äbtissin wurde deren gemeinsame Tochter Oda, die es in der Folgezeit verstand, den Klosterbesitz zu mehren und dafür zu sorgen, dass der von ihr ins Leben gerufene Zisterzienser-Orden zwar nicht offiziell anerkannt, aber dennoch geduldet wurde. Trotz der Übergriffsversuche weltlicher Herren und der beständigen Auseinandersetzungen mit dem Generalkapitel der Zisterzienser, dem die große Selbständigkeit der Gravenhorsterinnen sowie deren enger Kontakt mit ihrem weltlichen Umfeld immer missfiel, gelang es der kleinen Gemeinschaft, bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts die Eigenständigkeit zu wahren und ihre Interessen gegen alle Widerstände durchzusetzen. Nach der endgültigen Auflösung des Orden im Jahre 1808 folgten zahlreiche Besitzerwechsel und unterschiedliche Nutzungen der Klostergebäude. Zuletzt war dort eine Champignonzucht untergebracht, ehe der Trägerverein Kloster Gravenhorst die Anlage 1986 kaufte. Ende der 1990-er Jahre übernahm der Kreis Steinfurt das Kloster Gravenhorst als erbbauberechtigter Projektträger und bemühte sich in den Folgejahren um eine neue Nutzung des sanierungsbedürftigen Gebäudeensembles. Ein kulturelles Nutzungskonzept wurde im Rahmen des Strukturförderprogramms „Regionale 2004 links und rechts der Ems“ des Landes Nordrhein-Westfalen erstellt, das die notwendigen Gelder für die Instandsetzung bereitstellte. Im Mai 2004 war es dann so weit, dass das DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst seine Pforten öffnen konnte.

Seitdem zieht die fulminante Rekonstruktion der fast vollständig erhaltenen Klosteranlage Gravenhorst das Publikum nicht mehr nur als atmosphärisch dichtes Ausstellungsforum für Zeitgenössische Kunst in seinen Bann. Sie macht auch neugierig, mehr über die Geschichte des Ortes zu wissen, der in seiner architektonischen Gestalt über ferne Zeiten zu berichten scheint. Wie das DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst auf seiner Internetseite schreibt, wird mit der Nutzung als Kunstort auf die spirituellen Wurzeln des Ortes zurückverwiesen. Wörtlich heisst es weiter: „… Kunst wie Religion erweitern unsere Wahrnehmung, unser Bewusstsein und unsere Vorstellung von Welt und Wahrhaftigkeit. Damit scheint der Ort heute gewissermaßen an seine ursprüngliche Bestimmung zurückgeführt zu sein. Mit dem DA, Kunsthaus wird im Kloster Gravenhorst ein Kreis geschlossen und der Ort bleibt dennoch lebendig und in ständiger Veränderung.“

Und wofür steht das DA?

Dazu schreiben die Verantwortlichen des Hauses Folgendes: „DA wurde von der konzeptionellen Bezeichnung des ehemaligen Klosters als Denk-Mal-Atelier abgeleitet. Mit dieser Bezeichnung wird zugleich auf die historische und architektonische Bedeutung des Klosterensembles und auf die aktuelle Produktion und Auseinandersetzung mit Kunst hingewiesen. Der Begriff „Atelier“ verweist auf die Produktion von Kunst.
 Auseinander geschrieben verweist der Begriff »Denk-Mal-Atelier« auf wichtige Bestandteile des Programms:
Denk = Vermittlung von Wissen über Kunst, Aufforderung zur kritischen Auseinandersetzung mit Kunst.
Mal = verweist auf »malen«, im übertragene Sinne auf das »Selber tun«, machen = erlebnisorientierte, aktive Auseinandersetzung mit Kunst.
Atelier = Produktion, Werkstattcharakter, Experimentierfeld und Forum für Künstler und Laien, Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Die Kürzung der Bezeichnung Denk-Mal-Atelier zum DA war ein gelungener Kunstgriff und eine Marketingstrategie der Firma Total Identity. Mit der von ihr entwickelten Corporate Identity und der Wahl des Wortes DA wurden nicht nur die grafischen Richtlinien für die Werbung des Hauses formuliert, sondern auch eine Kommunikationsstrategie entwickelt, die die ambitionierten Leitideen des Kunsthauses unterstützen. Denn DA steht (als Zeige- und Ausrufewort) auch für zeigen und Richtung weisen. DA heißt suchen und finden und DA steht für Veränderung und Bewegung. In Gravenhorst wird Kunst nicht als schmückendes Beiwerk, als kompensatorische Verschönerung der Gesellschaft, sondern als Forschung, Spiel und kritischer Diskurs im aktuellen gesellschaftlichen Kontext verstanden.“

Kunst auf dem platten Land – zwischen Globalisierung und regionaler Identitätsbildung

So lautet daher der Hintergrundtenor des Nutzungskonzeptes. Denn nur unter diesen beiden Voraussetzungen, nämlich der Anbindung an das aktuelle (auch internationale) Kunstgeschehen, sowie einer Einbindung in das (Kultur-)Leben der Region kann das Kunsthaus erfolgreich sein. »Kunst im Kontext« – das heißt einerseits Bezug und Rücksicht auf die Geschichte, andererseits Reflexion über das aktuelle, gesellschaftliche Geschehen durch die Kunst. Im DA wird Kunst in die Lebenszusammenhänge der Menschen eingebunden und – an die Erfahrungen und die Erlebnisse der Menschen anknüpfend – vermittelt. Kunst ist hier auch im Sinne von Lebens-Kunst zu verstehen, d.h. als Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensentwurf; als Fähigkeit zum Teilhaben an gesellschaftlichen Prozessen und als kreative Schaffung von neuen Lebensperspektiven in einer immer unüberschaubareren Welt.
Dieses Verständnis von der Rolle der Kunst, das als die grundlegende DA-Leitidee gelten kann, findet im Herzstück des Kunsthauses – im Stipendiumsprogramm »KunstKommunikation« – seine deutlichste und konkreteste Umsetzung. Die ersten Kunstprojekte des Stipendiumsprogramms wurden ab Herbst 2005 im DA durchgeführt. Der Fokus der Stipendien liegt in der Förderung kommunikativer Kunstprojekte, die vor Ort durchgeführt werden. Das heißt vor allem gemeinschaftsorientierte öffentliche Kunstprojekte, die nicht ursprünglich und ausschließlich für einen musealen Kunstraum geplant sind. 
Also Kunstprojekte, die sich inhaltlich auf gesellschaftlich-soziale, partizipatorische Aspekte konzentrieren und die nicht vorrangig ergebnis- sondern prozess- und erfahrungsorientiert sind.
Gemeint sind auch ortsbezogene Kunstprojekte, die sich gezielt mit der Geschichte, der Topographie, den sozialen Zusammenhängen oder der Ökologie des Ortes Kloster Gravenhorst auseinandersetzen. Kunstprojekte und Werke, deren Produktionsprozesse von der Partizipation künstlerischer Laien, auch von Kindern und Jugendlichen geprägt sind, werden ebenfalls gefördert.
Das Kunsthaus Gravenhorst ist also – trotz seiner ländlichen Lage – kein Refugium für Künstler, keine Idylle fernab von der gesellschaftlichen Realität.
Das Spannungsfeld zwischen Globalität und Regionalität, zwischen Geschichte und Aktualität, spiegelt sich auch in den fünf Themenkomplexen wieder, die die Ausstellungs- und Projekttätigkeit des Kunsthauses bestimmen sollen.
Remember History/Think History“ reflektiert unter dem Label »Kunst und Geschichte« die historische Authentizität des Ortes. „Natural Reality“ thematisiert unter der deutschen Subline »Kunst und Ökologie« Fragen der Natur, der Landschaft und des Environments. „Lost Paradise“ (verlorenes Paradies) bezieht sich auf die sakralen Ursprünge des Ortes auch unter dem Aspekt einer spezifisch »weiblichen« Spiritualität, wie sie zur Gründungszeit des Klosters in Europa in großer Blüte stand. Unter dem Begriff „Body Relations“ (Kunst und Körper) sowie „Perception – Observation – Truth“ (Kunst und Wahrnehmung) werden aktuelle und kunstimmanente Themen aufgegriffen.

Das Projektstipendium „KunstKommunikation“

Seit fünfzehn Jahren fördert der Kreis Steinfurt im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst mit dem Stipendiumsprogramm »KunstKommunikation« gemeinschaftsorientierte Kunstprojekte, die von Handlung und Laienbeteiligung leben und gesellschaftsrelevante Themen mit partizipatorischen Aspekten aufgreifen.

Im Fokus stehen Kunstprojekte auf internationaler Ebene im ländlichen Raum, die sich nicht nur an ein spezifisches Kunstpublikum wenden, sondern auch an eine breite, regionale Öffentlichkeit, die immer Teil der künstlerischen Konzepte und Aktionen ist. Lebensnahe Themen bieten im DA und in der ganzen Region Anlass für künstlerische Projekte, Aktionen und Interventionen, die oft in Kooperation mit Betrieben, Vereinen und Schulen der Region durchgeführt werden. So wurden seit 2006 zahlreiche Kunstprojekte gefördert, die nicht vorrangig ergebnis-, sondern prozess- und erfahrungsorientiert sind – ortsbezogene Kunstprojekte, die sich gezielt mit der Geschichte, der Topographie, den sozialen Zusammenhängen oder der Ökologie des ländlichen Raums auseinandersetzen.

Askese mit Wildschwein oder analoges Archiv – Führungen und Workshops zur Kunst und Geschichte des DA

»Novizinnen gesucht!« – Wasserbaukunst, einen Mann im Frauenkloster, Mittelalter erleben oder »Die Auflösung des Sehens« – im DA, Kunsthaus gibt es inszenierte Schauspielführungen für Familien, Schulklassen und Besuchergruppen, kreative Workshops mit den Künstlerinnen und Künstlern des Projektstipendium „KunstKommunikation“ und kunstpädagogische Führungen für Kinder… Und natürlich „DA ist Kunst“ – die Führung zu den aktuellen Ausstellungen im DA, Kunsthaus.

Geschichte hinterm Giebel – Historische Präsentationen im DA

Die kleine, aber feine Reihe der historischen Ausstellungen im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst zeigt ungewöhnliche Facetten zur spannenden Geschichte des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters: Das können Fundstücke aus der Zeit der Ausgrabungen im Zuge des Umbaus zum Kunsthaus sein – anschaulich präsentiert als Vitrinenausstellung im Foyer oder kleinen Saal des DA. Schriftstücke und Dokumente beleuchten die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen durch die Jahrhunderte. Émigrés in Gravenhorst, Flucht übers Nonnenpättken oder Napoleons Machtübernahme in Westfalen: Die historischen Präsentationen erzählen von guten und schlechten Zeiten, von Krieg und Wohlstand, gesellschaftlichen Gepflogenheiten, Wasserbaukunst und Müllerhandwerk – und schlagen immer wieder auch den Bogen in die heutige Zeit.

Von Marktzauber bis openART – Inspirierende Feste rund um die Kunst

Regionale Produkte und viel Selbstgemachtes, das Künstlerdorf mit spannenden Aktionen der jeweiligen Stipendiaten, Kreativangebote für die Jüngsten, ein fröhliches Miteinander, staunen und diskutieren, Künstler kennen lernen, durch aktuelle Ausstellungen zeitgenössischer Kunst schlendern oder die besondere Atmosphäre der historischen Gemäuer atmen – Kunstfeste im DA sind ein Vergnügen für die ganze Familie, für Kunstinteressierte aus nah und fern, Müßiggänger und Genussmenschen. Übers ganze Jahr lässt sich ein attraktives Kunsterlebnis entdecken: »Marktzauber« – der Klostermarkt mit seinen rund 70 Ausstellern im Mai, openART – der inspirierende Sommerabend der offenen Tür im DA, spontane Aktionen wie Osterfest samt Picknick, ein Apfelfest mit Buchsbaumanalye und „Meeting Halfway“ oder der Gravenhorster Adventskranz zeigen, dass im DA ist immer was los ist.

21. September: openART – DA passiert Kunst

openART steht ganz im Zeichen des Projektstipendiums „KunstKommunikation“, das seit 2006 jährlich mit bis zu vier partizipativen, ortsbezogenen Kunstprojekten zum Mitmachen und Mitdenken einlädt. Die »AUSBLICK!«-Ausstellung, die im Rahmen von »openART« ihre feierliche Eröffnung erlebt, versammelt die Entwürfe aus der Ideenwerkstatt. Außerdem werden die ausgewählten Projektideen für das Projektstipendium „KunstKommunikation 26“ erstmals öffentlich bekanntgegeben und vorgestellt. Mit den Kunstaktionen und Präsentationen der Stipendiatinnen und Stipendiaten des aktuellen Projektjahrs wird openART zu einem einmaligen Erlebnis, das Austausch und Inspiration in besonderer, historischer Kulisse verspricht.

5. Juli bis 24. August: „BIOPHILIA. Von Pflanzen und Menschen“

Die Wahrnehmung von Natur ist ein komplexes und vielschichtiges Phänomen. Je nach kulturellem Verständnis, wissenschaftlichen Erkenntnissen und philosophischen Perspektiven stellt es sich unterschiedlich dar und befindet sich in einem ständigen Wandel. Wie stehen wir heute zur Natur und wie erleben wir sie?
Ausgehend vom Gedanken der Biophilie widmet sich die Ausstellung dem tiefverankerten Bedürfnis des Menschen nach einer Verbindung mit der Natur und allem Lebendigen an sich. Im Blickpunkt steht der Kosmos der Pflanzen und deren Prozesse von Wachstum, Transformation und Zyklen in wechselseitigem Verhältnis zum Menschen.

In der Ausstellung vertreten sind Werke von Thomas Baumgärtel, Susanne von Bülow & Emmy Bergsma, Maike Denker, Brigitte Hofherr, Marcus Kaiser, Karin Kneffel, Gerlinde Miesenböck, Gabriela Oberkofler, Verena Redmann, Jonas Maria Ried, Jan Philip Scheibe, Nils Völker, Catharina & Dieter Wagner, Astrid Wilk.

Ein vielfältiges Begleitprogramm aus Führungen, Workshops, Kunst-Natur-Events, Vorträgen und vielem mehr lädt zum Vertiefen, Entdecken und gemeinsamen Austauschen ein.

Neujahrskonzert, Poetry Slam, Schräge Bretter und Septemberklänge – DA live on stage – drinnen und draußen!

Das DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst wird übers ganze Jahr auch zur Bühne für hochkarätige Konzerte von Jazz bis Klassik. Stipendiaten der Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung musizieren regelmäßig im Großen Saal gleich zu Beginn des neuen Jahres oder im Familienkonzert »Septemberklänge«, Jazzgrößen wie Christoph Haberer oder Georg Ruby waren bereits zu Gast.

Bereits zwei Mal war das DA „FilmSchauPlatz“ der Film- und Medienstiftung NRW: Mit »Loving Vincent« wurde der erste komplett aus Ölgemälden geschaffene Film über die Welt des Vincent van Gogh im Klosterinnenhof gezeigt. Wortgewaltiges gibt es auch schon mal spontan: bei der Lesung mit Thomas Kienast in der Sommerausstellung von Simone Zaugg oder mit „Slam DA“ – dem Poetry-Festival im Kunsthaus.

Die Jahreszeit im DA: Gravenhorster SAISONALE*

Mit der Umstellung auf die Sommerzeit im März 2019 begann im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst eine neue Zeitrechnung: Fortan wird immer im Sommerhalbjahr die Freifläche rund um das Kloster als Plattform für temporäre Kunstinterventionen genutzt. Natur, Garten und Landschaft sind die Bezugspunkte der ortsspezifischen Kunstprojekte. Die Kunst tritt saisonal in Erscheinung, betritt die grüne Bühne temporär und thematisiert in besonderer Weise ihr eigenes Werden und ihre Vergänglichkeit. So verändert sich die Ansicht des Klosters einmal im Jahr besonders künstlerisch und die zeitgenössische Kunst kreiert eine eigene Gravenhorster Jahreszeit: Die Gravenhorster SAISONALE*!

Kulturpäuschen im „Café Clara“

Wohlfühlen und in einer angenehmen Atmosphäre einen Moment dem Alltag entfliehen – so lautet die Philosophie des Café Clara. Das Team von Peter Holczer lädt zum Verweilen nach einem Besuch des Kunsthauses oder zu einer Rast nach einer Rad- oder Wandertour ein. Platz nehmen kann man im modern ausgestatteten Innenraum Platz oder auf der gemütlichen Sonnenterrasse im idyllischen Klosterinnenhof. Auf der Karte stehen leckere Tee- und Kaffeespezialitäten, ausgesuchte Weine und Spirituosen sowie kleine kalte und warme Gerichte mit Produkten aus der Region. Neben einem kurzen Abstecher zu Kaffee und Kuchen bieten die stilvollen Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters auch den idealen Ort für feierliche Anlässe. Egal, ob privat oder geschäftlich.

Nähere Informationen: DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst, Klosterstraße 10, 48477 Hörstel, Telefon 02551 694215, E- Mail: da-kunsthaus@kreis-steinfurt.de. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 14 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.14.00 – 18.00

Sammlung de Fundatie: 80 Jahre Freiheit

Noch bis zum 17. August ist im Museum de Fundatie in Zwolle die Ausstellung „Sammlung de Fundatie: 80 Jahr Freiheit“ zu sehen.

In diesem Jahr wird an den 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs erinnert. In einer thematischen Präsentation seiner Sammlung zeigt das Museum de Fundatie die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die Kunst anhand von zwei Aspekten: der Freiheit der Kunst und der Freiheit der Menschen. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen zum einen die Kunstpolitik der Nationalsozialisten und zum anderen das Leben des Sammlers und Künstlers Paul Citroën, der sich während des Zweiten Weltkriegs verstecken musste, um der Verfolgung und Ermordung durch die Nationalsozialisten zu entgehen.

„Entartete Kunst“

Im nationalsozialistischen Deutschland wurde der Begriff Entartete Kunst verwendet, um sich auf Kunst zu beziehen, die nicht den Kunstvorstellungen der Nationalsozialisten und ihres Anführers Adolf Hitler entsprachen. Das betraf fast alle Kunst, die von einer naturalistischen Darstellung abwich, also die gesamte Avantgarde der damaligen Zeit, wie die der Abstrakten Malerei und und des Expressionismus. 1937 begann in München eine große Wanderausstellung mit 650 Werken, die als Beispiele für entartete Kunst angesehen wurden. Alle Werke wurden austauschbar platziert und für jedes Werk wurde der Kaufpreis angegeben, einschließlich des Museums, das das Werk erworben hatte, und des Kaufjahres. In den Ausstellungsräumen wurden Slogans an den Wänden angebracht, die sich über die ausgestellte Kunst lustig machten. Alles mit dem Ziel, in der Öffentlichkeit eine Abneigung gegen diese Werke und die hohen Summen, die dafür ausgegeben wurden, zu wecken. Zur gleichen Zeit, 1937, wurde in München in der Großen Deutschen Kunstausstellung Kunst gezeigt, die bei den Nationalsozialisten beliebt war.

Nach München wurde die Ausstellung vier Jahre lang in verschiedenen Formen in Deutschland und Österreich gezeigt. Am Ende sahen rund drei Millionen Menschen die Ausstellung. Danach wurden die Werke verkauft, getauscht oder vernichtet. Zu den Künstlern, die als „Entartet“ bezeichnet wurden und deren Werke auf der Ausstellung von 1937 gezeigt wurden, gehörten unter anderem Käthe Kollwitz, Max Pechstein und Otto Dix, deren Werke sich in der Sammlung des Museum de Fundatie befinden. Vorgestellt werden die Werke dieser Maler vor, von denen jeder große und wichtige Veränderungen in der Kunst bewirkt hat.

Zu Paul Citroëns Leben und Werk

Paul Citroën (*1896 +1983) ist einer der wichtigsten Begründer der Sammlung Overijssel, die dem Museum de Fundatie als Dauerleihgabe zur Verfügung steht. Neben den Werken, die Citroën von anderen Künstlern zusammengetragen hat, gibt es auch eine große Anzahl eigener Werke aus seinem Nachlass. Der Zweite Weltkrieg war eine sehr schwierige Zeit im Leben von Paul Citroën, der jüdischer Abstammung war. 1943 tauchte er in Wassenaar unter. Anfang 1944 zog er in ein anderes Versteck in Laren. Dort arbeitete er weiter. Da er viel alleine war, handelte es sich hauptsächlich um Selbstporträts. Nach dem D-Day im Juni 1944 schloss er sich seiner Frau Lien und seiner Tochter Paulien an, die sich im Henri Methorst Verlag in ’s Graveland versteckt hielten.

Die Sammlung der Provinz Overijssel umfasst mehrere Werke, Porträts, Selbstporträts und Landschaften, die Paul Citroën anfertigte, als er sich versteckte.

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Jonathan van Doornum – Dunkel da, fröhlich hier

Noch bis zum 17. August ist im Museum de Fundatie in Zwolle die Ausstellung „Dunkel da, fröhlich hier“ mit Werken des niederländischen Künstlers Jonathan van Doornum zu sehen.

In Jonathan van Doornums Skulpturen, Zeichnungen und Performances treffen Technologie, Kommunikation und Magie aufeinander. Seine Werke fertigt er oft aus Aluminium. Kaltes Material, das Van Doornum eine weiche, erzählerische Kraft verleiht, indem er es zum Beispiel in Flammen, Locken oder Schleifen formt. Seine Bildsprache ist sowohl von jahrhundertealten, zeremoniellen Objekten als auch von den modernsten Techniken beeinflusst. Auf diese Weise macht van Doornum eine poetische Welt sichtbar, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig existieren. Wechselnde Beziehungen ziehen sich wie ein roter Faden durch diesen.

Weiter heißt es im Text zur Ausstellung: „Die Art und Weise, wie wir miteinander in Kontakt treten, hat sich im Laufe des letzten Jahrhunderts stark verändert. Spiritualität, Religion und Tradition sind weitgehend aus unserem täglichen Leben verschwunden und hinterlassen Lücken, die durch technische Erfindungen gefüllt werden. Das sorgt automatisch dafür, dass unser Wohnumfeld immer funktionaler wird, entkleidet von dem Glanz, den wir aus Kirchen oder mittelalterlicher Architektur kennen. Statt Treffpunkten werden 5G-Masten errichtet. Van Doornums futuristisch anmutende Skulpturen reflektieren dies; Durch die Kombination von digitaler Ästhetik mit ornamentalen Details scheinen seine Bilder Signale aus verschiedenen Epochen auszustrahlen. Seine Arbeit kann daher als Gegenbewegung zu unserer digitalen Revolution verstanden werden, oder als Aufruf, den Kontakt auf anderen oder neuen Wegen zu suchen.

In seinen jüngsten Arbeiten beschäftigt sich Van Doornum vor allem mit der Beziehung zwischen Stadt und Land. Da er in einer ländlichen Gemeinde geboren ist, weiß Van Doornum, dass städtische Gebiete traditionell oft mit einer Mischung aus Unzufriedenheit und Neid vom Land aus betrachtet werden. Dieser Kontrast zwischen Zentrum und Peripherie ist Jahrhunderte alt, auch wenn die vergangenen Wahlen zeigen, dass sich dieses Verhältnis verschiebt. Van Doornum greift viele der Formen und Motive, die man auf dem Land antrifft, in seine neuesten Arbeiten ein. Dazu verwebt er vertraute ländliche Elemente in seine Skulpturen und gibt ihnen eine andere Bedeutung. So reagiert er zum Beispiel auf das Gefühl des Landes gegenüber der Stadt und umgekehrt. Van Doornum geht es darum, Orte zu verbinden, die emotional meilenweit voneinander entfernt sind. Für Van Doornum ist die Antenne, ein Gerät, das Orte aus der Ferne verbindet, ein wichtiges Bindeglied zwischen Stadt und Land: Wie können diese beiden Welten einander näher kommen und was können sie dabei voneinander lernen?“

Über Jonathan van Doornum

Jonathan van Doornum (*1987, Mariënberg, NL) lebt und arbeitet in Zwolle. Er erwarb seinen Bachelor of Fine Art an der ArtEZ in Zwolle und nahm anschließend an verschiedenen Residenzen in Europa teil, unter anderem an der Rijksakademie Amsterdam und Wiels in Brüssel. Seine Arbeiten wurden in mehreren Gruppenausstellungen gezeigt, darunter „Roosen & Guests“ (2023) im Kasteel het Nijenhuis. Van Doornum hatte mehrere Einzelausstellungen, unter anderem bei der Kunstvereniging Diepenheim, bei Wiels in Brüssel (BE) und zuletzt bei SecondRoom in Antwerpen (BE). „Dark There, Joyful Here“ ist seine erste Einzelausstellung im Museum im Rahmen der Fundatie Future Factory, dem Laboratorium des Museum de Fundatie. In diesem Rahmen begeben sich multidisziplinäre Künstler auf die Suche nach dem Herzschlag der Zeit und stellen sich die Frage, welche Themen die Zukunft bestimmen.

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

„Der Held, der Bösewicht und die Wahrheit“

Im Museum de Fundatie in Zwolle ist noch bis zum 15. Juni eine theatrale Ausstellung der Styropor-Skulpturen des Künstlers Folkert de Jong zu sehen.

Martin Luther als Terrorist verkleidet. Jesus und Maria in vertauschten Rollen. Königin Wilhelmina als Zirkusdirektorin. Snoop Dogg als Totempfahl. Mit verzerrten Versionen historischer Figuren zeigt Folkert de Jong, wie Geschichte entsteht, anders hätte ausgehen können und sich immer noch verändert. De Jong spielt mit der Geschichte: Er vertauscht die Rollen, lässt zeitgenössische Probleme in der Vergangenheit auftauchen und historische Ereignisse anders verlaufen, als wir es gewohnt sind.

Die Ausstellung „Der Held, der Bösewicht und die Wahrheit“ reist anderthalb Jahre lang durch die Niederlande (einzigartig für eine Ausstellung visueller Kunst), unter anderem entlang der Kunstlinie Almere, der Chassé Breda, der Rotterdam Art Week und des Museum de Fundatie in Zwolle. Entstanden ist sie auf Initiative des des Kurators und Kulturunternehmers Johan Idema in Zusammenarbeit mit Van der Dijk. Folkert de Jong und den Ausstellungsmachern Brandwacht & Meijer.

Eine theatralische Aufführung mit Licht und Geschichte

De Jongs Skulpturen werden in der Ausstellung inszeniert: Anregende Hörgeschichten und theatrale Beleuchtung verleihen den Skulpturen Bedeutung und Interpretation. Autoren und Theatermacher wie Elfie Tromp, Abdelkader Benali, Roziena Salihu und Maxine Palit de Jongh schrieben die Geschichten. Die theatralische Aufführung ermöglicht es dem Publikum, De Jongs Werk tiefer zu verstehen und zu erleben.

Die Ausstellung präsentiert historische Figuren wie Gouverneur Peter Minuit (während er Manhattan „kauft“), Martin Luther (als Terrorist verkleidet), Jesus und Maria (in vertauschten Rollen), Königin Wilhelmina (als Zirkusdirektor), Snoop Dogg (als Totempfahl) und das Zeeland Girl. Zusammen erzählen die Bilder eine Geschichte über die Geschichte der Niederlande – den niederländischen Geschäftsgeist, die Rolle der Religion, die Stellung der Frau etc. – und wie diese Geschichte immer wieder neu geschrieben wurde. Die Ausstellung ist eine einzigartige, kreative und visuelle Geschichtsstunde, die sich als ebenso heiter wie düster erweist. Der Künstler spielt mit der Geschichte: er vertauscht die Rollen, lässt zeitgenössische Probleme in der Vergangenheit auftauchen und historische Ereignisse anders entfalten, als wir es gewohnt sind.

Aktualität der Ausstellung

Die Ausstellung zeigt, wie Folkert De Jong seine Kunst als Waffe einsetzt, um die Geschichte in Frage zu stellen. „Eine unschuldige Waffe, weil man sie nur ansieht. Aber ich möchte zeigen, dass Geschichte nicht nur statisch, sondern auch formbar ist. Rollen können sich im Laufe der Zeit ändern.“ Die Ausstellung zeigt, wie ein anderer Zeitgeist zu einer anderen Geschichte führt. Das macht De Jongs Werk und diese Ausstellung aktuell und relevant, da gesellschaftliche Themen wie Rassismus, Geschlechtsidentität und Kolonialismus die gängige Überlieferung von Geschichte völlig in Frage stellen.

Über Folkert De Jong

Folkert de Jong (*1972 in Alkmar) gilt als einer der bedeutendsten lebenden Künstler der Niederlande. Er studierte an der Amsterdam University of the Arts und der Rijksakademie van beeldende kunsten. Seine Arbeit besteht aus lebensgroßen menschlichen Figuren aus Isolationsmaterial: Polyurethanschaum und Styropor. De Jong wurde mit dem Prix de Rome und dem Charlotte-Köhler-Preis ausgezeichnet und hat in den letzten fünfundzwanzig Jahren mit Dutzenden von Einzelausstellungen in Museen weltweit, von Mailand und New York bis Mexiko-Stadt und Hongkong, internationalen Ruhm erlangt. De Jong wird für seine Virtuosität als Bildhauer und seinen brillanten Ausdruck des menschlichen Wahnsinns gelobt.

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

PROTO-Kunstfestival in Zwolle

Der Designer Jack Brandsma und die bildende Künstlerin Hester Oerlemans sind in diesem Jahr als Artists in Residence zu Gast bei PROTO.

Jedes Jahr im Juni herrscht in Zwolle reges Treiben dank des PROTO-Festivals. Kunststudenten aus verschiedenen Kursen zeigen ihre Abschlussarbeiten im Bahnbereich und an verschiedenen Orten im Zentrum von Zwolle. Gemeinsam mit dem Museum de Fundatie lädt PROTO zudem jedes Jahr zwei Artists in Residence ein, die gemeinsam mit den Studenten an einer Ausstellung an einem der Museumsstandorte arbeiten.

Gegenseitige Inspiration und das Mischen verschiedener Stile, Methoden und Materialien sind der Ausgangspunkt. In diesem Jahr sind der Designer Jack Brandsma und die bildende Künstlerin Hester Oerlemans zu Gast bei PROTO. Gemeinsam mit den Studenten werden sie bis zum 21. September den Gartensaal des Schlosses Nijenhuis in dem Ort Heino übernehmen.

Die Arbeitsweise von Brandsma und Oerlemans weist eine frappierende Ähnlichkeit auf: Beide verwenden oft bestehende (visuelle) Elemente, um neue Skulpturen zu schaffen. Mit minimalen Eingriffen gelingt es ihnen, Bestehendes in ein völlig neues Bild zu verwandeln, oft mit verfremdenden Elementen. Auf diese Weise bringen sie die Betrachter dazu, vertraute Dinge um einen herum auf eine andere Art und Weise wahrzunehmen. Vor diesem Hintergrund suchen Brandsma und Oerlemans in diesem Projekt gemeinsam mit den Studenten nach bestehenden Objekten, die als Ausgangspunkt für die Schaffung von Neuem dienen können. Anschließend arbeiten die Studenten in multidisziplinären Projektteams, in denen jeweils möglichst viele Vertreterinnen und Vertreter aus unterschiedlichen Studiengängen vertreten sind. Gemeinsam untersuchen sie, wie man einem Objekt mit einer kleinen Veränderung eine völlig neue Bedeutung verleihen kann.

Die Ergebnisse werden demnächst im Gartensaal des Schlosses Nijenhuis ausgestellt. Dieser Raum, die ehemalige Orangerie des Schlosses, spielte auch von Anfang an eine wichtige Rolle in der Zusammenarbeit zwischen den Artists in Residence und den Studenten. Schließlich können die Besucher einen Raum als vorhandenes Bild sehen; Welche Interventionen sind notwendig, um die Bedeutung dessen zu ändern? Wie macht man sich einen Raum mit minimalen Eingriffen zu eigen? Auch diese Fragen werden die Studenten unter der Leeitung von Brandsma und Oerlemans bearbeiten.

Zu den Artist in Residence

Der niederländische Innenarchitekt und Produktdesigner Jack Brandsma (1969) studierte am Royal College of Art in London und erwarb 2001 einen Master-Abschluss in Design Products. Bereits 1997 erwarb er einen Bachelor-Abschluss in Innenarchitektur an der Minerva-Akademie in Groningen. Als Designer hat Brandsma begonnen, sich wieder mit der Arbeit mit Kunststoffen zu befassen. In seiner Arbeit erforscht er auch immer mehr Möglichkeiten, mit anderen, natürlicheren Materialien, wie Bio-Kunststoffen, aber auch Hanffasern oder Kartoffelstärke zu arbeiten.

Die Vermischung verschiedener Welten, spielerische Interventionen und Kommentare zur Alltagsrealität ziehen sich wie ein roter Faden durch das Werk der in Berlin lebenden niederländischen Künstlerin Hester Oerlemans (1961). Ihre Arbeit, in der kein Medium ungenutzt bleibt, zeigt stets eine poetische oder kritische Wahrnehmung ihrer Umgebung. In ihren Gemälden, Zeichnungen und Installationen scheint Oerlemans das Objekt ihrer Faszination bis ins Mark zu enträtseln. Ob es um die Kunstwelt, den urbanen Raum oder die persönliche Sphäre geht, Oerlemans legt gnadenlos und nicht ohne Humor den Finger auf den wunden Punkt.

Von der Grafschaft in die Kunstmetropole Frankfurt

Nächster Karriereschritt für den Nordhorner Maler Marvin Lange

Vor vier Jahren war der früher in Veldhausen und jetzt in Nordhorn lebende Marvin Lange noch ein unbekannter Name in der Kunstszene. Das hat sich gewandelt. Im Laufe der vergangenen Jahre erhielt er allmählich einen Bekanntheitsgrad – zunächst durch zwei Zeitungsberichte in den Grafschafter Nachrichten. So wurden Sammler aus der Region auf ihn aufmerksam, später sogar Sammler aus den USA. Werke von ihm hängen dort unter anderem in Naples/Florida.

Größere Aufmerksamkeit vor Ort erlangte er durch eine Ausstellung in der in den Vechte-Arkaden angesiedelten Zukunftswerkstatt der Stadt Nordhorn. Als prominentester Gast konnte bei der gut besuchten Eröffnung der ehemalige Finanzminister des Landes Niedersachsen, Reinhold Hilbers, begrüßt werden. Die Einführungsrede zur Ausstellung wurde von dem kunstinteressierten Bad Bentheimer Arzt Dr. Hermann-Josef Veenker gehalten, selber ein begeisterter Sammler der Werke von Marvin Lange. Und in dieser Woche erfolgt der nächste Schritt.

Durch die Vermittlung seines Managers Aga Sono erhält er die Gelegenheit, am Sonntag, 11. Mai, drei seiner Werke in den Räumlichkeiten des renommierten Frankfurter Kunstvereins Familie Montez präsentieren zu können. Bei der im Rahmen der Reihe „Klassik Krise“ laufenden Veranstaltung handelt es sich um eine Kooperation mit dem von der Presse („Vom Wunderknaben zum Allrounder“ titelte die Frankfurter Allgemeine ihr Porträt über Malvani und lobte ihn in einem weiteren Artikel als „Tausendsassa“, „Eine junge Nachwuchssensation“ nannte ihn der NDR, und „Ein wunderbarer Musiker!“ hieß es bei HR2Kultur, um nur einige Beispiele zu nennen) hochgelobten iranischen Musiker und Komponisten Puschan Mousavi Malvani.

Wie Malvani zu der Veranstaltung am 11. Mai erklärte, soll es zum einen um die Ehrung des Komponisten Johannes Brahms gehen. Was die Zusammenarbeit mit dem Nordhorner Marvin Lange angeht, sagte Malvani im Gespräch wörtlich: „Dazu kommt noch eine Besonderheit. Der Maler Marvin Lange hörte Aufnahmen meiner letztes Jahr uraufgeführten Komposition „3 Bilder“ für Klavier und entschloss sich, diese zu malen. Marvin wird mit seinem Team anwesend sein und seine Gemälde werden um den Flügel herum ausgestellt. Noch haben wir weder miteinander telefoniert noch geschrieben. Es wird an diesem Abend unsere erste, sicherlich spannende Begegnung sein. Zu Brahms drei Intermezzi kommen Bachs Sonate a-Moll Sonate für Solovioline – groß und zerbrechlich zugleich – und als scharfer Kontrast Paganinis a-Moll Capricen op.1 Nr.7 und 24. Um die Gemälde von Marvin auch zum Ende des Konzerts in den Mittelpunkt zu stellen, habe ich drei Capricen für Violine komponiert, die Bezug nehmen auf die Titel der „3 Bilder“. Sie lauten „Krähe“, „Müllmann“ und „Lichthalde“. Während Marvin diese Stücke hörte, entstanden zeitgleich die drei Gemälde.“

Zur künstlerischen Entwicklung von Marvin Lange

Es klingt wie eine Anekdote oder ein fast religiöses Erweckungserlebnis, was Marvin Lange den Weg zur Kunst geebnet hat. Es begab sich an einem ganz normalen Tag, Marvin war gerade fünf Jahre alt, als er seine Mutter dabei zusah, wie sie eine Rose als Dekoration für den Mittagstisch in eine Vase drapierte. Normalerweise erzählte er zu dieser Zeit angeregt von seinen Erlebnissen im Kindergarten, doch dieses Mal war er ganz still. Davon überrascht wendete sie sich um und bemerkte, wie Marvin die Rose ansah und seinen Kopf aufgeregt hin und her wendete. Als sie ihn schon etwas sorgenvoll fragte, was los sei, gab er keine Antwort, sondern begab sich umgehend zum Schreibtisch seines Vaters, griff sich dort einen Stift und einen Notizzettel und kehrte in die Küche zurück. Dort setzte er sich wieder auf den Stuhl, legte den Notizzettel vor sich auf den Tisch und blickte nochmals und wie gebannt auf die Vase mit der Rose. Dann nach ein paar Sekunden begann Marvin, die Rose zu malen. Als die Mutter auf ihn blickte, merkte sie, wie ihr Sohn allmählich wütend wurde. Unvermittelt zerknüddelte Marvin seinen ersten bemalten Notizzettel, schmiss ihn auf den Boden und viele weitere folgten. Plötzlich hielt er inne, blickte zur Decke, schloß seine Augen und öffnete sie wieder. Ruhe kehrte in ihn ein, er legte den Stift zurück und änderte seinen Blickwinkel auf die Rose, indem er aufstand und sich hin und her bewegte. Als er den richtigen Blickwinkel gefunden hatte, begann er wieder mit dem Malen und schon bei den ersten Strichen war klar, dass es ihm gelungen war, das Motiv so malerisch umzusetzen, wie er es im Kopf hatte. In diesem Moment erkannte die Mutter von Marvin beim Blick auf dessen Zeichnung dessen besonderes Talent. Umgehend standen Zeichenblöcke, Pinsel und weitere Malutensilien auf ihrer Einkaufsliste.

Seit dieser Zeit hat er, in frühen Phasen unter anderem beeinflusst von Pablo Picasso, Vincent van Gogh, Wassily Kandinsky, Gerhard Richter und Jean-Michel Basquiat, seinen eigenen Stil entwickelt, der sich aus Elementen abstrakter, expressionistischer und surrealistischer Malerei zusammensetzt.

Aktuell gehört Marvin Lange zu einer neuen Generation von Malern, deren Werke sich kompromisslos zwischen biografischer Tiefe, gesellschaftlicher Beobachtung und gestalterischer Kraft bewegen. Was ihn besonders auszeichnet, ist seine ungefilterte Ehrlichkeit, die sich in malerischer Dichte, roh aufgebrochenen Oberflächen und fein durchdachten Symbolwelten zeigt. Oder um es in seinen eigenen Worten zu sagen: „Ich denke jeden Tag und über eine lange Zeit über viele Dinge nach, ohne sie sofort konkret in Wort oder Bild umsetzen zu können. Aber irgendwann kommt so etwas wie eine Vision und ich beginne mit den ersten Strichen auf der Leinwand. Ich finde mich dann in unterschiedlichen menschlichen Gesichtern wieder, die meine Gedanken, Emotionen, meinen Schmerz, meine Unsicherheit und meine Angst vor dem Tod zu teilen scheinen, wie Vertraute, die mich mein Leben lang begleiten. Alle Einflüsse, die auf mich niederprasseln, verwandeln sich bei mir in Farben. Und bei jedem neuen Werk stelle ich fest, dass sie mit dem Kampf unterschiedlicher und widerstrebender Emotionen verbunden sind. Ich stehe wie vor einer Brücke, die ich überqueren muss oder will, aber ich spüre Widerstände und Blockaden, und mit meinen Bildern starte ich immer wieder den Versuch, diese Brücke zu überqueren. Und das werde ich weiter tun.“

Zum Kunstverein Familie Montez

Der Kunstverein Familie Montez wurde wurde im Jahr 2007 von den Künstlern Mirek Macke und Anja Czioska in den Räumen des traditionsreichen Städelshofes an der Breiten Gasse gegründet. Auf einer Ausstellungsfläche von 1300 Quadratmetern wurden dort neben Ausstellungen (unter anderem mit dem legendären Wiener Aktionskünstler Hermann Nitsch) Vortragsreihen, Filmprogramme, Performances, Musikveranstaltungen, Sommerakademien und Partys angeboten.

Nach einer Nutzungsuntersagung wegen Sicherheitsmängeln durch die Bauaufsicht der Stadt Frankfurt im Jahre 2010 und einem kurzfristigen Neustart erfolgte nach dem Verkauf des Grundstückes an der Breiten Gasse durch den Besitzer Konrad Pohl an die Firma Quissenz GmbH im Jahre 2012 der provisorische Umzug in die beiden denkmalgeschützten Rundbögen der Honsellbrücke. Dafür entwickelte Mirel Macke mit der Städelschul-Absolventin Valentina Stanojev ein Konzept. Die beiden Bögen sollten miteinander verbunden sein und nach den Plänen des Städelschülers und Architekten Bernd Mey zu je einer Kunsthalle und einem Café ausgebaut werden. Im Jahr des provisorischen Umzugs organisierte Mirel Macke am 29. Juli die in vier Etappen stattfindende Ausstellungsreihe „Ein Sonntag im Freien“ vor den im Rohbau befindlichen Rundbِögen, bei der die eingeladenen Künstler ihre Werke an Bauzäunen aufhängten.

Die offizielle Eröffnung der neuen Räumlichkeiten erfolgte 2014 zeitgleich mit der von Mirek Macke kuratierten „luminale“, die als einen Standort auch die Honsellbrücke einbezog. Bis dahin fand eine Wanderausstellung mit dem Titel „Wurzeln weit mehr Aufmerksamkeit widmen“ in Kooperation mit anderen Galerien und Ausstellungsräumen statt, die in den Städten Weimar, Hamburg, Stuttgart, Karlsruhe, Berlin, Leipzig und Köln präsentiert wurde. Diese Wanderausstellung mit dem Titel „Montez im Exil“, an der sich mehr als 300 Künstler beteiligten, fand ihren Abschluss am 10. Mai zur Nacht der Museen in den neuen Räumen des Kunstvereins. Sie war „in erster Linie ein Bekenntnis der Künstler zur Solidarität untereinander und zur Kunstszene als fruchtbarer Erde für neue Talente und Ideen“, wie auf der Internetseite des Kunstvereins nachzulesen ist.

Erinnerung an textiles Erbe

Dass „Bussemakerhuis“ in Borne ist das einzige verbliebene Leinenhandelshaus in den Niederlanden, das sich noch fast im Originalzustand befindet und für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Zirka 40 Kilometer entfernt von Nordhorn befindet sich die zur Provinz Overijssel gehörende niederländische Stadt Borne. Sie besticht durch eine landschaftlich reizvolle Landschaft und durch ihre Altstadt mit vielen noch gut erhaltenen und kulturell bedeutenden Häusern aus früheren Jahrhunderten. Was die Stadt aber auch noch ausmacht, ist ihre textile Vergangenheit, die viele Parallelen zu der von Nordhorn hat.

Museum als Erinnerungsort

Daran erinnert das Bussemakerhuis am Ennekerdijk im früheren Zentrum von Borne. Seit 1993 dient es als Museum. Die Besucher erhalten dort einen interessanten Einblick in die Lebens- und Arbeitswelt von Textilfabrikanten und Textilarbeitern vom 17. bis zum 20. Jahrhundert.

Ein weiteres Themenfeld ist die Glaubensgemeinschaft der Mennoniten, die im 18. und 19. Jahrhundert die Region Twente prägten. Sie gehören der Evangelischen Freikirche an und gehen auf die Täuferbewegungen der Reformationszeit zurück. Ihre besondere Geschichte ist über Jahrhunderte von Verfolgungen geprägt, da sie aufgrund ihres von einer strengen Auslegung der Bibel geprägten Glaubens und ihrer kritischen Haltung zur offiziellen Amtskirche als eine Gefahr für die Autorität von Staat und Kirche angesehen wurden.

Aber nicht nur zu diesen beiden Aspekten hat das Museum eine umfassende Sammlung zusammengetragen, sondern auch über die jüdische Familie Spanjaard, die seit dem frühen 19. Jahrhundert zu den führenden Textilfabrikanten in Borne und der Region gehörte.

Sonderausstellungen

Darüber hinaus werden im Bussemakerhuis drei bis vier Sonderausstellungen zu einem speziellen Thema gezeigt. Unter dem Titel „Magisches Schottland: Clans, Tartans und Kilts“ geht es aktuell um den charakteristischer Wollstoff Tartan, aus dem der schottische Kilt hergestellt wird, und darum, welche Bedeutung der Kilt und seine besondere Ausstattung für das früher von Clans geprägte Schottland hatte. So galten im18. Jahrhundert Tartans und Kilts als Symbole des Widerstands gegen die verhasste britische Herrschaft. Auch heute noch werden Tartans und Kilts bei zeremoniellen Anlässen wie Hochzeiten oder den Highland Games mit Stolz getragen. Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Juli zu sehen.

Vom Familienwohnsitz zum Museum

1779 ließ der Fabrikant Jan Bussemaker das 1655 errichtete Stammhaus der Familie zu einem Wohn- und Geschäftshaus umbauen und nahm so seine heutige Gestalt an. Im Rahmen der Renovierungs- und Umbauarbeiten wurde das Gebäude erweitert, was im Dachgeschoss noch zu erkennen ist. Nachdem im Jahre 1882 die letzten Mitglieder der Familie Bussemaker das Haus verlassen hatten, wurde es für längere Zeit an Privatpersonen vermietet. Im Jahre 1959 wurde dann die Bussemaker-Foundation gegründet, um dass inzwischen dem Verfall preisgegebene Gebäude vor dem Abriss zu bewahren. Nachdem es zunächst weiter an Privatpersonen vermietet wurde, konnten Konzepte für eine neue Nutzung in die Tat umgesetzt werden. Seit 1993 dient es als Museum, dass an die Bedeutung des Textilhandels und der Textilfabrikation für die Entwicklung Bornes erinnert.

Geschichte der Twenter Textilindustrie

Die Ursprünge der Twenter Textilindustrie lassen sich auf die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zurückführen. Borne war damals das wichtigste Zentrum des Handels mit Stoffen aus Leinen. Händler wie Jan Bussemaker bildeten in dieser Zeit das unverzichtbare Bindeglied zwischen den Webern und dem Markt. Sie handelten oft nicht nur mit Leinen, sondern auch mit anderen Produkten wie Holz und Kolonialwaren. Darüber hinaus lieferten sie den Bauern anfangs auch Leinsamen, da dieser qualitativ besser war als der Samen, der den Bauern von der Flachsernte übrig blieb. Später, als immer mehr Textilien gewebt wurden und der heimische Flachs nicht mehr ausreichte, stellten die Hersteller den Webern auch das Garn zur Verfügung. Nach dem Aufkommen der Baumwollwebereien verlagerte sich der durch die sich allmählich entwickelnde Textilindustrie entstandene Wohlstand zumeist in die umliegenden Städte wie Enschede, Almelo und Haaksbergen. Eine Ausnahme bildeten die unternehmerischen Aktivitäten der Familie Spanjaard.

Spanjaard größter Arbeitgeber

Es war der 1783 in Deutschland geborene Salomon Jacobs, der den Grundstock für ein fast 200 Jahre währendes Textil-Imperium legte. Nachdem er zunächst als Kaufmann in Zwolle tätig war, führte ihn sein Weg nach Borne, wo er seine Frau Sara David van Gelder heiratete. In Borne nahm er dann den Namen Spanjaard an und begann zunächst mit dem Handel von konfektioniert und gebrauchter Kleidung. Später kam die Produktion von Textilien hinzu. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs das Unternehmen der Familie Spanjaard stetig und entwickelte sich mit bis zu 2000 Mitarbeitern zum größten Arbeitgeber in Borne. Zu kriseln begann das Unternehmen dann in den 1950-er Jahren, bis schließlich 1961 der Verkauf an die Koninklijke Textilfabrieken Nijverdal-Ten Cate beschlossen wurde. Doch auch das konnte den Untergang der früheren NV Dampfspinnereien und Webereien SJ Spanjaard nicht verhindern. Schwierige Jahre, geprägt von Konkurrenz aus asiatischen Schwellenländern, folgten, bis 1973 die Spanjaard-Werke endgültig geschlossen wurden.

Aktivitäten im Bussemakerhuis

Das Bussemakerhuis ist nicht nur ein Ort der Präsentation, sondern auch ein Ort der Aktivitäten.

Dort wird unter anderem gezeigt, wie Flachsleinen gewebt wurde. Dabei wird der gesamte Prozess abgedeckt – von der Ernte der Flachspflanze bis zum Weben selbst. Und es wird erklärt, wie in der Gegend rund um Borne unter schwierigen Umständen Flachs angebaut werden konnte. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter zeigen den Besuchern außerdem alle erforderlichen Prozesse zur Herstellung der gewebten Stoffe auf den Jahrhunderte alten Handwebstühlen; und sie widmen sich der heutigen Verwendung von Flachsfasern.

Führungen durch Borne

Wer sich noch vertiefter mit der Geschichte Bornes beschäftigen will, kann sich einer Führung anschließen. Dabei arbeitet das Museum Bussemakerhuis eng mit der „Stichting Gidsen Oud Borne“ zusammen, die Spaziergänge durch Oud Borne organisiert.

Nähere Informationen: Museum Bussemakerhuis, Ennekerdijk 11, 7622 ED Borne, Telefon: 0031 (0)74 2669636, E-Mail communicatie@bussemakerhuis.nl. Geöffnet ist das Museum am Freitag von 11.30 bis 16.30 Uhr sowie am Samstag und Sonntag von 13 bis 16.30 Uhr.