Das Museum mit dem „Auge“

Spektakulär wirkt der Erweiterungsbau auf dem Dach des Museums „de Fundatie“ in Zwolle. Der ellipsenförmige Aufbau wird auch „Die Wolke“ genannt. Spektakulär ist auch die Kunst.

Auf eine schon etwas längere Geschichte kann das Gebäude zurückblicken, in dem sich das am Übergang zwischen mittelalterlichem Stadtkern und den Ringstraßen des 19. Jahrhunderts angesiedelte Museum „de Fundatie“ befindet – und auch auf unterschiedliche Nutzungen. Die im neoklassizistischen Stil errichteten Räumlichkeiten – entstanden zwischen 1838 und 1841 – dienten zunächst als Justizpalast und später als Reichsplanungsdienst für den niederländischen Staat. Nach einem zweiten Um- und Ausbau im Jahr 1994 beherbergte es bis zum Jahr 2001 zunächst das Museum für Naive Kunst und Art Brut. Von 2004 bis 2005 wurde das Gebäude dann nach Plänen des Architekten Gunnar Daan zum heutigen Museum „de Fundatie“ umgebaut und zwischen 2012 und 2013 durch einen ellipsenförmige Aufbau auf dem Dach erweitert, der Raum für zwei Ausstellungssäle mit einer Gesamtfläche von 1000 Quadratmetern und eine herrliche Aussicht auf die historische Innenstadt bietet.

Keramische Wolke über neoklassizistischem Bau

Gestaltet sind diese Säle in elliptischer Form, die zusätzlich durch eine große, ebenfalls elliptische Glasfront dem Betrachter sofort ins Auge fallen. An der Außenseite ist der Aufbau mit 55.000 blau-weißen Fliesen verkleidet. Er wird durch seine Form optisch emporgehoben und schwebt wie eine keramische Wolke über dem ursprünglich neoklassizistischen Gebäude. Der Aufbau auf dem Dach wird vom Museum de Fundatie selbst als „das Auge“ oder „die Wolke“ bezeichnet, allerdings sind zahlreiche andere Spitznamen im Umlauf: „das Ei“, „das Ufo“, „der Zeppelin“ oder „das Raumschiff“.

Führender Ort der Bildenden Kunst

Mit seiner umfangreichen Sammlung und zahlreichen Sonderausstellungen gehört das Museum „de Fundatie“ ohne Zweifel zu den führenden Orten der Bildenden Kunst in den Niederlanden.

Der Grundstein für die Sammlung des Museum de Fundatie, zu der unter anderem Werke von Piet Mondrian, Jan Fabre, Auguste Rodin, Karel Appel, Vincent van Gogh, Franz Marc, Francis Bacon und Neo Rauch gehören, wurde von Dirk Hannema (*1895 +1984) gelegt, dem ehemaligen Direktor des Museums „Boijmans Van Beuningen“ in Rotterdam. Im Laufe der Zeit fügte er seine Sammlung mit anderen Sammlungen zusammen, unter anderem mit denen des Ehepaars De Graaff-Bachiene, des Künstlers Paul Citroen, des Schauspielers Henk van Ulsen und des Lungenspezialisten Willem Hogervorst. Im Laufe der Jahre wurde die Sammlung auch durch notwendige Ankäufe ergänzt. Die Sammlung des Museum de Fundatie umfasst inzwischen Kunst und Design vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart sowie Fotografie. Seit 1993 verwaltet das Museum „de Fundatie“ auch die Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst der Provinz Overijssel. Zusammen umfassen die Sammlungen etwa 15.500 Objekte.

Selbstverständnis des Museums

Bei ihren Aktivitäten verfolgen die Verantwortlichen neben der Präsentation von Kunst auch weitergehende Ziele und Visionen, wie auf der Internetseite nachzulesen ist:Das Museum de Fundatie bringt Menschen mit Kunst, Machern und einander in Kontakt. Mit unserer umfangreichen Kunst- und Designsammlung und unserem Programm blicken wir von der Overijssel aus auf die Welt und treten in den Dialog mit unserem Publikum. Die Grundwerte des Museums sind es, offen, dynamisch, verbindend und neugierig zu sein. Das Museum „de Fundatie“ ist ein Ort der Inspiration, des Dialogs, des Staunens und der Diskussion. Als Heimat für Macher aller Disziplinen sind wir ein Impulsgeber für Kunst und Kultur in der Region und darüber hinaus. Was in der Gesellschaft vor sich geht, geht uns etwas an, und wir spielen dabei eine verbindende Rolle durch die Kunst. Wir bemühen uns um maximale Zugänglichkeit, sowohl analog als auch digital, und zwar in Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinschaften in Zwolle und Overijssel und in Interaktion mit der internationalen Gemeinschaft. Wir fördern die Forschung in unserer Sammlung und bieten eine Plattform für Experimente und neue Ideen. Kunst hat viele Perspektiven; wir beziehen diese in unsere Programmgestaltung und Forschung ein. Wir denken in Themen und Programmlinien und unsere Programmgestaltung findet innerhalb und außerhalb der Mauern unserer Häuser statt. Wir arbeiten an einem zukunftsfähigen Sektor mit den Schwerpunkten Bildung, Kooperationen und Nachhaltigkeit als zentrale Säulen. Wir feiern die Künste und alle, die mit ihnen zu tun haben oder sich für sie interessieren.“

Ableger im Kasteel „het Nijenhuis“

Ein Ableger des Museums „de Fundatie“ ist das Kasteel „het Nijenhuis“ in dem beschaulichen Ort Heino, der ungefähr 15 Kilometer von Zwolle entfernt liegt. Es zählt zu den best erhaltenen Rittergütern der Provinz Overijssel und befindet sich inmitten einer herrlichen Landschaft.

Die Geschichte des Kasteel „het Nijenhuis“ reicht bis ins späte Mittelalter zurück. Im Jahr 1382 wird es zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Über mehrere Jahrhunderte wurde es seitdem von verschiedenen Adelsgeschlechtern, unter anderem den Familien van Ittersum, Bentinck und von Knobelsdorff, bewohnt. Nachdem die Familie van Pallandt das Gut 1934 verkauft hatte, wurde das Schloss dem Verfall preisgegeben.

Schließlich gelang es dem schon erwähnten Dirk Hannema, die Regierung der Provinz Overijssel dazu zu überreden, das Kasteel „het Nijenhuis“ vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Auf seine Initiative hin wurde es restauriert und wurden die beiden Nebengebäude nach Plänen und unter Aufsicht eines Architekten zum Museum umgebaut. Ausgangspunkt für den Umbau war Hannemas Sammlung. Der Gründer des Museums „de Fundatie“ wohnte von 1958 bis zu seinem Tod 1984 im Kasteel „het Nijenhuis“. 2003/2004 wurde das Schloss unter Leitung des Architekten Gunnar Daan grundlegend umgebaut und renoviert. Die vorher nur nach Vereinbarung zu besichtigenden Wohnräume wurden im Laufe der Umbau- und Renovierungsmaßnahmen vollständig neu eingerichtet. Seit September 2004 ist das gesamte Schloss für Besucher zugänglich.

Das Museum de Fundatie führt Hannemas Werk fort und präsentiert einen Teil seiner umfangreichen Sammlung im Schloss. Über 90 Skulpturen aus den Sammlungen des Museums „de Fundatie“, des Museum „Beelden aan Zee (Scheveningen) und der Provinz Overijssel werden zusätzlich zur im Schlossinneren gezeigten Sammlung des Museums in dem 4,5 Hektar großen Außenbereich mit seinem Ziergarten, den Rasenflächen und dem Wald präsentiert. Außerdem finden im Kasteel und im Skulpturengarten regelmäßig Wechselausstellungen statt.

Aktuelle Ausstellungen im Museum „de Fundatie“

Wie schon erwähnt, präsentiert das Museum „de Fundatie“ neben seiner ständigen Sammlung auch Sonderausstellungen.

Noch bis zum 17. August ist die Ausstellung „Dark there, joyful there“ mit Werken des Künstlers Jonathan van Doornum zu sehen.

Jonathan van Doornums Skulpturen, Zeichnungen und Performances vereinen Technik, Kommunikation und Magie. Er fertigt seine Werke häufig aus Aluminium. Ein kaltes Material, dem Van Doornum eine weiche, erzählerische Kraft verleiht, indem er es beispielsweise zu Flammen, Locken oder Bögen formt. Seine Bildsprache ist sowohl von antiken, zeremoniellen Objekten als auch von den modernsten Techniken beeinflusst. Auf diese Weise macht Van Doornum eine poetische Welt sichtbar, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig existieren. Wechselnde Beziehungen ziehen sich wie ein roter Faden durch sie hindurch.

In seinem jüngsten Werk beschäftigt sich Van Doornum vor allem mit dem Verhältnis zwischen Stadt und Land. Der aus Zwolle stammende und in einer ländlichen Gemeinde geborene Künstler weiß, dass die städtischen Gebiete vom Land aus traditionell oft mit einer Mischung aus Unmut und Neid betrachtet werden. Dieser Gegensatz zwischen Zentrum und Peripherie ist jahrhundertealt, obwohl die letzten Wahlen zeigen, dass sich dieses Verhältnis verschiebt. Van Doornum greift in seinen neuesten Werken viele der Formen und Motive auf, die man in ländlichen Gebieten findet. Zu diesem Zweck webt er vertraute ländliche Elemente in seine Skulpturen ein und verleiht ihnen gleichzeitig andere Konnotationen. Mit einem Pflug, dessen Hände wie die von Büroangestellten aussehen, antwortet er auf das Gefühl des Landlebens gegenüber der Stadt und umgekehrt. Hier geht es Van Doornum darum, Orte zu verbinden, die instinktiv meilenweit voneinander entfernt sind. Für Van Doornum ist die Antenne, ein Gerät, das Orte aus der Ferne miteinander verbindet, ein wichtiges Bindeglied zwischen Stadt und Land: Wie können sich diese beiden Welten einander annähern und was können sie dabei voneinander lernen?

Bis 15. Juni wird die Ausstellung „Der Held, der Schurke und die Wahrheit“ mit Werken von Folkert De Jong gezeigt.

Martin Luther als Terrorist verkleidet, Jesus und Maria in umgekehrten Rollen, Königin Wilhelmina als Zirkusdirektorin. und Snoop Dogg als Totempfahl. Mit verdrehten Versionen historischer Figuren zeigt Folkert De Jong, wie Geschichte entstanden ist, anders hätte verlaufen können und sich immer noch verändert. De Jong spielt mit der Geschichte: Er vertauscht die Rollen, lässt aktuelle Probleme in der Vergangenheit erscheinen und historische Ereignisse anders ablaufen, als wir es gewohnt sind. Der Held, der Schurke und die Wahrheit reist eineinhalb Jahre lang durch die Niederlande (einzigartig für eine Ausstellung visueller Kunst), unter anderem zur „Kunstlinie Almere“, zum „Chassé Breda“, zur „Rotterdam Art Week“ und zum Museum „de Fundatie“ in Zwolle.

In der Ausstellung werden die Skulpturen von De Jong inszeniert: Anregende Audiogeschichten und theatralische Beleuchtung geben den Skulpturen Bedeutung und Interpretation. Autoren und Theatermacher wie Elfie Tromp, Abdelkader Benali, Roziena Salihu und Maxine Palit de Jongh haben die Geschichten geschrieben. Die theatralische Aufführung ermöglicht es dem Publikum, De Jongs Werk tiefer zu verstehen und zu erleben.

Zusammen erzählen die Bilder eine Geschichte über die Geschichte des Landes – den Handelsgeist, die Rolle der Religion, die Stellung der Frau – und darüber, wie diese Geschichte geschrieben wurde und neu geschrieben wird. Die Ausstellung ist ein einzigartiger, kreativer und visueller Geschichtsunterricht, der ebenso heiter wie düster daherkommt. Der Künstler spielt mit der Geschichte: Er verdreht die Rollen, lässt zeitgenössische Probleme in der Vergangenheit erscheinen und historische Ereignisse anders ablaufen, als wir es gewohnt sind.

Folkert De Jong setzt bei diesem Projekt seine Kunst als Waffe ein, um die Geschichte zu hinterfragen. Eine unschuldige Waffe, weil man sie nur anschaut. Aber er möchte zeigen, dass Geschichte nicht nur statisch, sondern auch formbar ist. Mit der Zeit können sich die Rollen ändern. Die Ausstellung zeigt, wie ein anderer Zeitgeist zu einer anderen Geschichte führt. Das macht De Jongs Arbeit und diese Ausstellung aktuell und relevant in einer Zeit, in der gesellschaftliche Themen wie Rassismus, Geschlechteridentität und Kolonialismus viele Fragen über die Überlieferung von Geschichte aufwerfen.

Und mit der bis zum 17. August laufenden Ausstellung „Fundatie Sammlung: 80 Jahre Freiheit“ gedenkt das Museum an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren.

Sie beleuchtet die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf die Kunst unter zwei Aspekten: die Freiheit der Kunst und die Freiheit der Menschen. Inhaltlich im Fokus ist zum einen die Kunstpolitik der Nazis und zum anderen das Leben des jüdischen Künstlers und Sammlers Paul Citroen in seinem Versteck während des Zweiten Weltkriegs.

Zur Kunstpolitik der Nazis: Im nationalsozialistischen Deutschland wurde der Begriff Entartete Kunst verwendet, um Kunst zu diffamieren, die nicht den Vorstellungen des Diktators Adolf Hitler und seiner Anhänger von Kunst entsprach. Dazu gehörte vor allem Kunst, die von einer naturalistischen Darstellung abwich, also die der gesamten Avantgarde der Zeit von Dadaismus und Expressionismus über Kubismus bis hin zur abstrakten Malerei. Im Jahr 1937 begann in München eine große Wanderausstellung mit 650 Werken, die als Beispiele für die Entartete Kunst angesehen wurden. Alle Werke waren austauschbar aufgestellt, und zu jedem Werk wurde der Kaufpreis, das Museum, das das Werk erworben hatte, und das Jahr des Erwerbs angegeben. In den Ausstellungsräumen wurden Slogans an die Wände geschrieben, die sich über die ausgestellte Kunst lustig machten. Dies alles mit dem Ziel, die Abscheu der Öffentlichkeit vor diesen Werken und den hohen Summen, die für sie ausgegeben wurden, zu wecken. Zur gleichen Zeit zeigte die „Große deutsche Kunstausstellung“ in München 1937 Kunst, die den Nazis gefiel.

Nach München wanderte die Ausstellung Entartete Kunst vier Jahre lang durch Deutschland und Österreich. Am Ende sahen etwa drei Millionen Menschen die Ausstellung. Danach wurden die Werke verkauft, ausgetauscht oder vernichtet. Zu den als „entartet“ bezeichneten Künstlern, deren Werke in der Ausstellung von 1937 gezeigt wurden, gehörten Käthe Kollwitz, Max Pechstein und Otto Dix, deren Werke sich in der Sammlung des Museum „de Fundatie“ befinden. Das Museum wird das Publikum mit den Werken dieser Schöpfer bekannt machen, von denen jeder einzelne tatsächlich große und wichtige Veränderungen in der Kunst bewirkte.

Der andere Aspekt der Ausstellung beleuchtet das Leben des Künstlers und Sammlers Paul Citroen, der auch von der nationalsozialistischen Herrschaft betroffen war, als die Niederlande vom Deutschen Reich besetzt waren.

Zu Paul Citroen: Paul Citroen ist einer der wichtigsten Künstler in der Overijssel-Sammlung, die als Dauerleihgabe im Museum de Fundatie aufbewahrt wird. Neben den Werken, die Citroen von anderen Künstlern gesammelt hat, enthält sie auch eine große Anzahl eigener Werke aus seinem Nachlass. Für Paul Citroen, der jüdischer Abstammung war, war der Zweite Weltkrieg ein sehr schwieriger Lebensabschnitt. Im Jahr 1943 tauchte er in Wassenaar unter. Anfang 1944 bezog er ein weiteres Versteck in Laren. Er arbeitete jedoch weiter. Da er viel allein war, entstanden hauptsächlich Selbstporträts. Nach dem D-Day im Juni 1944 zog er zu seiner Frau Lien und seiner Tochter Paulien, die sich im Verlag De Driehoek von Henri Methorst in ’s Graveland versteckt hielten. Die Sammlung der Provinz Overijssel enthält mehrere Werke, Porträts, Selbstporträts und Landschaften, die Paul Citroen während seines Versteckens anfertigte.

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Ort der Kultur und Geschichte im Zentrum von Borken

Das Forum Altes Rathaus, kurz „FARB“, bietet Kunst, Kultur, Geschichte und Freizeitvergnügen unter einem Dach.

Noch eine junge Geschichte hat das mitten im historischen Zentrums von Borken gelegene „Forum Altes Rathaus“ (FARB). Nach mehrjährigem Umbau wurde das Gebäudeensemble aus altem Rathaus und der gotischen Heilig Geist-Kirche im Sommer 2020 eröffnet.

Seitdem dient es auf mehreren Ebenen als Ort für Kunst und Kultur, für Geschichte und Tourismus sowie Freizeitvergnügen. Eine ständige Sammlung zur Stadtgeschichte, wechselnde Ausstellungen, vielfältige Kulturveranstaltungen sowie die Tourist-Information Borken im Foyer laden zum Entdecken und Erfahren ein – und das in in einem Gebäude mit besonderem Charakter, das eine bis ins Mittelalter zurückreichende Geschichte hatte und früher als Stadtmuseum diente.

Zur Historie

In Borken begannen vor mehr vor inzwischen mehr als 15 Jahren die ersten Überlegungen, das Stadtmuseum zu reformieren. Hervorgegangen aus den Sammlungs-Aktivitäten des Heimatvereins Borken entwickelte sich das Haus in den 1980-er Jahren zum Museum in städtischer Trägerschaft und wandelte sich in den 2000-er Jahren weiter zum „kulturellen Ort“ mit Konzerten und vielem mehr. Rückgrat des Museums waren von Anfang an das Netzwerk mit den ehrenamtlich Beteiligten und die Partnerschaften mit anderen Akteuren; diese enge Zusammenarbeit ist Teil seiner DNA.

Für die Modernisierung und Neuprofilierung des Stadtmuseums zum „FARB“ galt es daher, sowohl seine Geschichte zu berücksichtigen, seine kooperative Identität zu stärken als auch die unterschiedlichen Zielgruppen und Nutzungsbedürfnisse der zukünftigen Besucher im Blick zu behalten.

Wesentlich für die Umsetzung des Projekts war das Strukturförderprogramm „Regionale 2016 ZukunftsLand“ des Landes Nordrhein-Westfalen, aus dem viele Gelder geflossen sind.

Allen Beteiligten war dabei wichtig, das zum einen das „FARB Forum Altes Rathaus Borken“ die Tradition des Stadtmuseums fortsetzt und das kulturelle und historische Erbe Borkens an zukünftige Generationen weitergibt. Zum anderen hat es sich zu einem beachtlichen Forum und Ausstellungsort gewandelt. So sind im Laufe der Bauphase moderne Technik, zeitgemäße Ausstattung und neues Leben eingezogen. So wurden ein für alle zugänglicher, barrierefreier attraktiver Kulturort und ein neuer Raum für die Begegnung mit Kunst, Geschichte und Touristik geschaffen, die in Form von Ausstellungen, Konzerten und Kulturveranstaltungen sowie Workshops und Projekten die Welt nach Borken holen und Borken mit der Welt verknüpfen. Das „FARB“ regt somit „zum lebendigen Austausch über Stadt und Region an, stiftet Identifikation, ist ein Spiegel für das Leben in Borken und darüber hinaus und nicht zuletzt auch ein Ort des Austausches, der Begegnung und der bewussten Perspektivwechsel“, wie es auf der Internetseite nachzulesen ist.

Stadtgeschichte in neuer Präsentation

Im Gebäude wird auf rund 200 Quadratmetern Stadtgeschichte aus drei Perspektiven erlebbar. Das Stadtmodell zeigt interaktiv und animiert die Stadtentwicklung von den Anfängen bis heute. In der Bibliothek der Erinnerungen berichten Menschen aus Borken ganz persönlich. Der „Speicher“ komplettiert den Dreiklang. Hier sind Objekte präsentiert, deren Geschichten sich im digitalen Museums-Guide erfahren lassen.

Das zweite Modul der Ausstellung ist das neu entstandene interaktive 3D-Stadtmodell. Es bildet Borken im verkleinerten Maßstab ab. Auf einem Ring um das Modell herum zeigen siebzehn kurze, unterhaltsame und informative Animationsfilme ungewöhnliche Episoden aus der Stadtgeschichte.

Dauer- und Sonderausstellungen

In einem weiteren Bereich werden Dauer- und Sonderausstellungen präsentiert.

Beispielhaft dafür stehen Werke der in Borken geborenen Malerin Julia Schily-Koppers (*1855 +1944), die zum Sammlungsbestand des „FARB“ gehören.

Zu Julia Schily-Koppers

Ihr kommt eine Pionierrolle in der Geschichte der Kunst von Frauen zu. Ihr Lebensweg spiegelt den Weg jener mutigen und oft vergessenen Frauen im 19. Jahrhundert wider, die Kunst, Liebe und Leben gleichermaßen für sich in Anspruch nahmen und damit auch für spätere Künstlerinnen den Weg in die erst beginnende Emanzipation ebneten.

Beharrlich erkämpft sie sich als junge Frau den Zugang zu ihrem Beruf, obwohl Frauen ein offizielles Studium an den Kunst- wie auch an anderen Akademien erst ab 1919 möglich war. Bereits in den 1880-er Jahren feiert sie erste Erfolge und zeigt ihre Werke auf zahlreichen Ausstellungen. In Düsseldorf führt sie ein Atelier mit eigenen Schülerinnen. Mit 36 Jahren heiratet sie. Nun stellen mehrere durch den Beruf des Ehemannes bedingte Umzüge und drei Kinder sie vor neue Herausforderungen. Und es bleibt der Wunsch, Beruf und Familie zu vereinen. Sie gibt die Malerei nie völlig auf und widmet sich bis ins hohe Alter vor allem der Porträt- und Genremalerei. Skizzen und Studien auf unterschiedlichsten Materialien zeigen, wie sehr Julia Schily-Koppers an ihrer Kunst festhält und zugleich die Umstände und gesellschaftlichen Konventionen ihr Grenzen auferlegen. Sie erreicht das Lebensalter von 89 Jahren, in denen sie zwei Weltkriege erlebt, und bleibt bis ins hohe Alter malerisch aktiv.

Übrigens: Wem der Name Schily etwas sagt, liegt mit einer eventuellen Vermutung richtig. Zu ihren berühmtesten Enkeln gehört Otto Schily. Er ist vielen noch als RAF-Anwalt und späterer Bundesinnenminister der rot-grünen Koalition unter der Kanzlerschaft von Gerhard Schröder bekannt.

Auch zu sehen: Sommergäste – Die Künstlerkolonie Ahrenshoop

Vom15. Juni bis zum 14. September ist die Sonderausstellung „Sommergäste – Die Künstlerkolonie Ahrenshoop“ zu sehen. Im Fokus steht der von der einzigartige Landschaft von Fischland und Darß geprägte Künstlerort Ahrenshoop, der auf eine mehr als 130-jährige Geschichte zurückblicken kann.

Viele Künstlerinnen und Künstler haben das Dorf und seine Umgebung seither besucht und den Ort durch ihr Wirken verändert. Als Künstlerkolonie war Ahrenshoop um 1890 eine späte Gründung. Auf die Gründergeneration hatte die europäische Freilichtmalerei großen Einfluss. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhundert hat insbesondere die klassische Moderne auch nach Ahrenshoop ausgestrahlt. Während der NS-Diktatur suchten Künstlerinnen und Künstler hier zeitweise Zuflucht und fanden Freiräume. Neue Malgäste kamen nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Künstlerort schon bald in die engen kulturpolitischen Vorstellungen der DDR-Regierung eingebunden wurde. Am staatlichen Erholungsbetrieb vorbei fanden unangepasste Künstler in Ahrenshoop hier gelegentlich sogar ein Refugium. Junge Malerinnen und Maler aus Halle, Berlin, Leipzig und Dresden zog es hierher. Sie alle nahmen das Flair des Ortes auf, bereicherten es mit ihrer Anwesenheit und trugen es in die Gegenwart weiter. Auch heute noch ist Ahrenshoop ein lebendiger Künstlerort mit Museen, Galerien, Werkstätten, fest ansässigen Künstlerinnen und Künstlern sowie wechselnden jungen Stipendiaten.
Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Kunstmuseum Ahrenshoop und zeigt zirka 80 Arbeiten (Malerei und Grafik) aus den Anfängen der Künstlerkolonie bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Fokus stehen neben einigen Bildnissen vor allem Landschaften mit Dünen, Wald und der See.

Zum Thema Künstlerkolonie

Künstlerkolonien sind ein bedeutendes kunst- und kulturgeschichtliches Phänomen des 19. und 20. Jahrhunderts in ganz Europa. Sie beginnen um 1830 gleichzeitig in Deutschland und Frankreich und erleben ihre Blütezeit zwischen 1870 und 1910.
Sehnsucht nach Abgeschiedenheit gepaart mit romantischen Vorstellungen von ländlicher Idylle und der Suche nach einem naturnahen Leben in „Freiheit“ locken die Künstler von der Stadt auf das Land. Das Leben war hier billiger und der gemeinsame Aufenthalt förderte den künstlerischen Austausch untereinander. Daher sind in den Künstlerkolonien um 1900 auch viele Künstlerinnen zu finden, denen der Zugang zu den Akademien noch bis 1919 verwehrt war. Wenngleich die Käuferschicht für die in den Kolonien entstandenen Werke in den Städten zu finden war, entstand auch vor Ort nach und nach ein Absatzmarkt.

Grafik auch im Fokus

Auch die Grafik gehört zum Profil der Stadt und des FARB. Unter dem Leitbild „Wir l(i)eben Druckgrafik“ pflegen und fördern Stadt und Kreis Borken die druckgraphische Tradition.

Zu einem lebendigen Austausch lädt schon seit 1988 jedes Jahr am ersten Märzwochenende die Deutsch-Niederländische Grafikbörse ein. Sie widmet sich der künstlerischen Druckgrafik, dem druckgrafischen Original und befördert zugleich den gegenseitigen Kulturaustausch zwischen den Nachbarländern Deutschland und Niederlande – und das Deutsch-Niederländische Grafiknetzwerk hat eine Plattform für den Austausch von Grafik-Enthusiasten geschaffen – grenzüberschreitend und auf Augenhöhe.

Das „FARB“ verfügt sogar über eine eigene Druckwerkstatt als lebendiger Ort, in der das alte Handwerk geschätzt und gelebt wird. Umgeben von historischen Pressen widmet sich das ehrenamtliche FARB-Druckteam der »Schwarzen Kunst« des Druckhandwerks. Hier können Neugierige erfahren, wie Lettern von Hand zu Wörtern zusammengesetzt und die Texte mit Farbe auf Druckmaschinen gedruckt werden. Auch die Kunst der Radierung wird aus nächster Nähe erlebbar. Im Rahmen von Workshops oder anderen Formaten können Interessierte (Angebote auf Anfrage) selbst kreativ werden. Zusätzlich öffnet die FARB-Druckwerkstatt in der Regel jeden dritten Sonntag im Monat ihre Türen. Von 12 bis 16 Uhr kann man den Druckern beim Arbeiten an den Pressen über die Schulter schauen und in lockerer Atmosphäre über das Handwerk ins Gespräch kommen.

Eventlocation im früheren Ratssaal

Ein Saal, der früher zur Kirche gehörte und später als Ratssaal genutzt wurde, ist heute ein Ort, der Kultur und Publikum in besonderer Atmosphäre zusammenbringt. Mit Platz für bis zu 120 Personen besticht er als kleinere Eventlocation in Borken vor allem durch sein intimes Ambiente.

Als Veranstalter bieten wir sowohl Nachwuchskünstlerinnen und Nachwuchskünstlern als auch Kleinkunst-Formaten aller Art eine Bühne. Mit einem Weihnachtskonzert „Swinging Christmas“ wird immer im Dezember zu einem besonderem Jahresabschluss eingeladen.

Zusätzlich beleben vielfältige Kooperationen das Veranstaltungsprogramm des Hauses nachhaltig.
So ist das FARB fester Gastspielort für das Münsterland Festival sowie das internationale Holzbläser Festival „summerwinds münsterland“. Auch die gemeinsame Musikschule für Borken, Heiden, Raesfeld, Reken und Velen bietet regelmäßig Konzerte im Saal an.

Nähere Informationen: Forum Altes Rathaus Borken, Am Markt 15, 46325 Borken, Telefon 02861 939-252, E- Mail info@farb.borken.de. Öffnungszeiten: Dienstag und Mittwoch von 10 bis 17 Uhr, Donnerstag von10 bis 18 Uhr, Freitag und Samstag von 10 bis 17 Uhr, Sonntag von 14 bis 18 Uhr.

Mix aus Archäologie, Heimatgeschichte und Kunst

Was mit einer Sammlung begann, die in einen kleinen Schrank passte, ist heute ein Museum mit über 90.000 Objekten aus Archäologie, Kunst und Geschichte. Es befindet sich in Assen.

Auf eine schon etwas längere Geschichte kann das Drents-Museum in Assen zurückblicken. Es wurde 1885 gegründet und befindet sich im ehemaligen Amtshaus der Provinz Drenthe. Aufgrund der immer größer werdenden Sammlung musste dann zu Beginn der 2000-er Jahre ein Erweiterungsbau errichtet werden.

Dabei hatte es zu Beginn ganz klein als Provinzmuseum für regionale Antiquitäten angefangen – mit einer Sammlung, die in einen einzigen Schrank passte. 150 Jahre später besteht die Sammlung aus 90.000 Objekten, deren Bandbreite sich von Geschichte über Archäologie bis hin zur Kunst erstreckt.

Nonnen legen Grundstein

Es waren Nonnen des Zisterzienserordens, die vor fast 1000 Jahren den Grundstein für das Drents- Museum legten. Im Jahr 1259 erhielten sie nämlich die Erlaubnis des Bischofs von Utrecht, Heinrich von Flandern (1254 – 1259), an der gleichen Stelle, wo sich heute das Museum befindet, ein neues Kloster zu errichten.

Der Bau des neuen Gebäudes für die Drenther Provinzverwaltung, in dem sich heute das Museum befindet, erfolgte 1888 unter der Federführung des Reichsbaumeisters Jacobus van Lokhorst.

Im Rahmen der Baumaßnahmen für den neuen Ausstellungstrakt, die sich von 2009 bis 2011 erstreckten, wurde ein Gebäude als Ganzes angehoben und vorübergehend an eine andere Stelle gebracht. Nach dem Abschluss der Bauarbeiten kam es wieder auf seinen alten Standort zurück. Dabei wurde das Gebäude auf einen 65 Zentimeter hohen Glassockel gesetzt. Dadurch gelangte Tageslicht in den unterirdischen Ausstellungsraum und außerdem wurde so der Blick ins Innere ermöglicht. Eine Besonderheit: Die frei hängenden Treppen im neuen Anbau sind lediglich oben an der Geschossdecke und unten am Fußboden befestigt. Sie wurden in drei Teilen zum Drents Museum transportiert und an Ort und Stelle zusammengeschweißt.

„ … Erweiterung des Drents Museums unterirdisch realisiert.“

Damit das historische Zentrum von Assen für den Museumsbesucher optimal zur Geltung kommt, wurde die Erweiterung des Gebäudes unterirdisch realisiert. Über dem neuen Trakt wurde ein Garten zum Schlendern und Verweilen angelegt.

Moorleichen, Kunst und manches mehr

Das Drents Museum besticht durch seinen besonderen Mix aus Archäologie, Kunst und Heimatgeschichte. So gibt es eine große Dauerausstellung zur Ur- und Frühgeschichte der Provinz Drenthe. Gezeigt werden unter anderem archäologische Funde aus der Trichterbecherkultur, Moorleichen wie das legendäre Mädchen von Yde und die Männer von Weerdinge sowie mit dem Einbaum von Pesse eines der ältesten Boote der Welt.

Daneben zeigt das Museum wechselnde Sonderausstellungen, oft von internationaler Bedeutung wie „Go China! Assen – Groningen Drenthe“mit dem zentralen Exponat einer Terrakotta-Armee, die über 300.000 Besucher anlockte.

In der kunstgeschichtlichen Abteilung befindet sich zum einen eine der bedeutendsten Sammlungen zur Richtung des nordischen Realismus. Gezeigt werden Werke von Henk Helmantel. Matthijs Röling, Sam Drukker, Douwe Elias, Barend Blankert, Alfred Hafkenscheid, Eddy Roos und Berend Green. Eine weitere Sammlung aus den Jahren 1885 bis 1935 umfasst Werke von Chris Lebeau, Vincent van Gogh, Januar Eisenlöffel, Jan Toorop, Jan Sluijters und Ids Wiersma.

Die Vielfalt der zirka 40.000 Objekte umfassenden kunstgeschichtlichen Sammlung ist enorm, beschränkt sich nicht nur auf die Bildende Kunst, sondern beinhaltet auch Keramik, Textilien, Glas, Gegenstände aus Metall und Möbel. Mit dieser Sammlung widmet sich das Museum der europäischen Kunsthandwerksbewegung, die um 1890 entstand. Sie wollte Schönheit in den Alltag möglichst vieler Menschen bringen. In den Niederlanden wurden diese Ideen vor allem durch die englische „Arts & Crafts-Bewegung“ zum Leben erweckt. Um 1900 kamen aus Frankreich und Belgien die Einflüsse des Jugendstils mit seinen anmutigen Linien; und die holländische Variante dieses Werkes, die „New Art“, besticht durch ein schlankes Design, das die Konstruktion anstelle der Verzierung betont. Die Künstler wollten ihre schönen Designs erschwinglich halten, damit jeder sie kaufen konnte. Ebenfalls sind im Museum Objekte aus der Art Deco-Zeit und aus dem nachfolgenden Funktionalismus zu sehen. Gleichfalls vertreten sind künstlerische Materialien, wie Paletten, Malkästen, Holzklötze, Gipsabgüsse und Skizzenbücher, mit denen der Arbeitsprozess des Künstlers nachverfolgt werden kann.

Darüber hinaus: Seit 2009 zeigt und sammelt das Drents Museum auch Werke von Künstlern der Leipziger Schule, einer Bewegung moderner Maler aus Leipzig. Ihre Schüler bildeten später die Neue Leipziger Schule. Hier finden die Besucher unter anderem Arbeiten von Rosa Loy (1958), Matthias Weischer (1973), Tilo Baumgärtel (1972) und Mirjam Völker (1977). Fast alle diese Künstler studierten an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. An dieser Akademie, genau wie an der Groninger Akademie Minerva, wird viel Wert auf das Handwerk gelegt. Auch in der DDR-Zeit, die von 1949 bis 1990 dauerte, war der Realismus eine populäre Kunstform. Etwas, das an der Akademie in Leipzig nicht vorübergeht und die Entstehung dieser Künstlergenerationen prägt.

Das Drents Museum konzentriert sich auch auf figurative Kunst von außerhalb der europäischen Grenzen. Der jüngste Erwerb des Werks der südafrikanischen Künstlerin Deborah Poynton (1970) ist ein gutes Beispiel dafür. Die 4500 Objekte der Sammlung des zeitgenössischen Realismus wurden dabei größtenteils durch Schenkungen zusammengetragen. So erwarb das Museum im Jahr 2010 die ING-Sammlung mit 271 Meisterwerken der niederländischen figurativen Kunst. Auch wegen dieser Schenkung ist das Drents Museum der Ort in den Niederlanden für zeitgenössische realistische Kunst. In jüngster Zeit wurden dem Museum auch eine Reihe bedeutender Sammlungen der Werke von Matthijs Röling und anderen Künstlern geschenkt.

Für Künstler gibt es das „Studio DM“

Direkt neben dem Museum befindet sich die Künstlerresidenz „Studio DM“, in dem Künstler wohnen und arbeiten dürfen. Das Museum will damit nicht nur ein Ort für Kunst sein, die bereits gemacht wurde, sondern auch für Kunst, die erst noch gemacht werden muss. Das Museum lädt Künstler ein, sich während ihres Schaffenszeitraums von der Region Drenthe oder von der Sammlung des Drents Museums inspirieren zu lassen. Bewerbungen können beim Museum eingereicht werden.

Ergänzt wird das Museum durch die Präsentation der Wohnkultur einer großbürgerlichen Familie aus dem Gründungsjahr des Museums und durch eine Puppensammlung.

Aktuelle Ausstellungen

Noch bis August präsentiert das Museum die Ausstellung „Gen F – 75 Jahre figurative Kunst“. Rund 140 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen von mehr als 75 Künstlern stehen im Fokus. In der Ausstellung werden verschiedene Generationen von Künstlern vorgestellt. In einem speziellen Atelier im „Singelzaal“ werden einige der Künstler während der Ausstellung auch live arbeiten. Noch nie zuvor wurde im Drents Museum eine so umfangreiche Retrospektive der Sammlung figurativer Kunst gezeigt.

Gleichfalls ist die Ausstellung „Reisende in der Drenthe“ zu sehen. In der Ausstellung können die Besucher Reisende aus der Drenthe aus verschiedenen Epochen kennenlernen – vom Hausierer bis zum Saisonarbeiter, aber auch populäre Reisende wie . Die Geschichte der Reisenden ist in drei chronologischen Teile gegliedert: von der Ankunft der ersten Wanderarbeiter, Kipper und Handwerker über die Zeit, in der viel mit der Karawane gereist wurde, bis hin zur Welt der heutigen Reisenden. Auch den Sinti und Roma wird vor allem vor dem Hintergrund ihres tragischen Schicksals während des Zweiten Weltkrieges viel Aufmerksamkeit geschenkt.

Mit der Ausstellung will das Museum deutlich machen, dass unsere Vorfahren nicht immer so sesshaft waren, wie oft gedacht. Im Gegenteil zogen viele Menschen auf der Suche nach Arbeit oder Handel durch die Drenthe. Die Ausstellung befasst sich daher mit der wichtigen Rolle, die die Arbeit und der Wanderhandel in Drenthe seit dem späten Mittelalter gespielt haben.

Ein weiterer Höhepunkt ist „Labyrinthia“, die neue und interaktiv ausgerichtete Sammlungspräsentation des Drents Museums. Dazu schreibt das Museum auf seiner Internetseite: „Gehen Sie auf Mammutjagd, sehen Sie mit den Augen von Vincent van Gogh oder paddeln Sie mit dem Kanu durch eine prähistorische Landschaft. In „Labyrinthia“ kommen Archäologie, Kunst und Geschichte zusammen und alle Sinne werden angeregt. Schlendern Sie durch unseren historischen Gebäudekomplex und erleben Sie die Museumssammlung auf spektakuläre Weise. Hier werden die ikonischen Geschichten von Drenthe auf einzigartige Weise zum Leben erweckt. In den fünfzehn Zimmern gibt es für alle Altersgruppen viel zu erleben. In „Labyrinthia“ können Sie mit den Händen schauen, die Farbe der nordischen Figurativen riechen und Scherben aus der Zeit der Dolmenbauer fühlen. Lernen Sie die Techniken der Mammutjäger, posieren Sie mit dem Schmuck der Prinzessin von Zweeloo oder tanzen Sie auf einer Bauernhochzeit im 19. Jahrhundert. In jedem Raum betrittst du eine völlig andere Welt und bist mitten in der Geschichte. „Labyrinthia“ ist keine traditionelle Ausstellung. Es ist ein Abenteuer, bei dem alle Sinne angeregt werden. Wir machen ausgiebigen Gebrauch von Audio und Video. Es wurden Tools eingebaut, um einen Besuch für alle zugänglich zu machen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Menschen mit einer Seh- oder Hörbehinderung.“

Nähere Informationen: Drents Museum, Brink 1, 9401 HS Assen, Telefon 0592 377773, E-Mail: info@drentsmuseum.nl, Internet: www.drentsmuseum.nl. Geöffnet ist das Museum in der Regelzeit von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Kunst drinnen und draußen

Als ein immer noch junger, aufstrebender Kunstverein bezeichnet sich die 2016 gegründete Hase29 – Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück.

Angesiedelt ist die hase29 – Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück in einem ehemaligen Ladenlokal an der Hasestraße 29/30 im Stadtzentrum Osnabrücks. Gegründet wurde die Initiative von zirka 40 aktiven Kunstschaffenden und Kunstinteressierten aus der Region. Seit der Gründung vor fast zehn Jahren zeigt der Verein in seinem Ausstellungsraum „hase29“ sowie im öffentlichen Stadtraum regelmäßig Ausstellungen und Projekte zur Gegenwartskunst.

Auseinandersetzung mit aktuellen Themen

Ziel der Initiatoren ist es, zeitgenössische Kunst einem breiten Publikum zugänglich zu machen und das Potenzial künstlerischer Forschung für die Auseinandersetzung mit der Gegenwart durch Ausstellungen zu vermitteln und durch ausstellungsbegleitende Veranstaltungen und Vermittlungsformate zugänglich zu machen.

Leitgedanke bei allen Aktivitäten der hase29 – Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück ist ausführlicher auf der Internetseite formuliert der Folgende; „Das Publikum steht im Mittelpunkt sowohl der Kunstprojekte als auch unserer inklusiven und integrativen Bildungsangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Zielgruppenorientierte Vermittlungsformate stellen die Arbeiten vor und ermöglichen so die Teilnahme an Diskussionen und kreativen Prozessen. Menschen mit unterschiedlichen Talenten und Fähigkeiten können zeitgenössische künstlerische Techniken in ihrem eigenen kreativen Schaffen erleben.

hase29 bietet Raum für junge Talente und herausragende Künstlerpersönlichkeiten, die sowohl durch Einladung als auch durch öffentliche Ausschreibungen angesprochen werden. Künstlerinnen und Künstler schätzen hase29 als Ausstellungsort mit hohem künstlerischem Anspruch; Das Publikum versteht den Kunstraum als Treffpunkt für Menschen, die nach Ideen für den Umgang mit künstlerischen Themen und innovativen gesellschaftlichen Fragestellungen suchen.

Die hase29 – Gesellschaft für zeitgenössische Kunst schließt somit eine Lücke im Osnabrücker Kulturleben. Schließlich hat sich der Verein sowohl im Stadtteil als auch innerhalb der sich wandelnden Kulturlandschaft Osnabrücks nach kurzer Zeit einen Namen als kreativer Akteur gemacht. Der Verein lebt vom bürgerschaftlichen Engagement vieler und der ehrenamtlichen Arbeit einzelner Menschen. Mit seinen Sponsoren und Partnern aus Wirtschaft und Politik entwickelt der Verein bürgerschaftliches Engagement. Der Verein ist offen für alle, die sich für Vielfalt und künstlerisch-kreativen Austausch einsetzen.“

Kunst entdecken und kreatives Schaffen für Menschen ab 3 Jahre

Die Angebote des Vereins richten sich an unterschiedliche Gruppen und Altersstufen. Kitas, Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe sowie Erwachsene können auf vielfältige Weise Kunst erleben und selbst aktiv werden. In geführten Rundgängen durch die Ausstellungen wird der Austausch über unterschiedliche Sichtweisen auf die Werke gepflegt. Im Atelier regen Künstlerinnen und Künstler anschließend zu ungewohnten Experimenten an und  fördern individuelle Zugänge zu der eigenen Kreativität. Im Mittelpunkt stehen eigene Erfahrungen mit künstlerischem Material und unterschiedlichen Techniken, die Überraschendes hervorbringen. Ob mit oder ohne Praxiserfahrung, das künstlerische Team vom Kunstraum hase29 begleitet Menschen, die Lust am Austausch und kreativen Schaffen haben.

Aktuelle Ausstellungsaktivitäten

Um einen konkreten Eindruck von den Aktivitäten zu erhalten, empfiehlt es sich beispielsweise, die noch bis zum 10. April in Kooperation mit der OsnabrückHalle laufende Ausstellung „MAKRO MAGGIORE Vol. 2“ zu besuchen. Veranstaltungsort ist das Foyer der OsnabrückHalle.

Gezeigt werden Kunstwerke von insgesamt 18 jungen Künstler:innen, die während einer gemeinsamen Exkursion in Formine am Lago Maggiore entstanden sind. Die eindrucksvolle Kulisse regte die Künstler zu diversen Arbeiten an, die ein weites Repertoire von Fotografie über Cyanotypie bis hin zu Zeichnung und Malerei abdecken.

Vertreten sind Werke von Clea Appel, Vivian Blum, Nina Borkowski, Pia Forstner, Deborah Fründ, Maximilian Gerber, Eva Grüter, Kai Kaaden, Hannah Langen, Alexandra Malobrodski, Martje Petruck, Viviane Reschke, Emily Sass, Konstantin Sauer, Charlotte Schmitz, Elisa Sommer, Daniela Witowski und Katharina Wulf.

Das Projekt „Hase29 in der Halle“, das mit dieser Ausstellung bereits zum zehnten Mal stattfindet, ist eine Kooperation zwischen dem Kunstraum hase29 und der OsnabrückHalle/Marketing Osnabrück GmbH. Die Ausstellungsreihe präsentiert regelmäßig Arbeiten von Osnabrücker Künstlerinnen und Künstlern im Foyer der OsnabrückHalle.

Noch bis zum 27. April läuft das Projekt Festivalsektion Campus im Rahmen des alljährlich in Osnabrück stattfindenden European Media Art Festivals „EMAF“ mit Beteiligung der hase29 – Gesellschaft für zeitgenössische Kunst.

Die Festivalsektion „EMAF Campus“ bietet Klassen und Fächergruppen europäischer Akademien und Hochschulen eine Plattform. Mit spannenden Filmprogrammen und vielseitigen Ausstellungen präsentieren die Studenten ihre Arbeiten. Nicht nur im Kunstraum hase29, sondern auch in den Festivalkinos und an verschiedenen Orten der Osnabrücker Innenstadt sind die Beiträge der Studenten zu entdecken.

Die Ausstellung präsentiert Arbeiten von Studenten der Freien Kunst und der Kunstpädagogik, die in den letzten beiden Jahren in der Grundklasse Film/Video der HBK Braunschweig entstanden sind. Filme, Videos, Skulpturen, Performances und Installationen erörtern die Verbindungen zwischen individuellen Erfahrungen und gesellschaftlichen sowie politischen Zusammenhängen. Dabei geht es um verschiedene Perspektiven auf den diesjährigen Themenschwerpunkt der Zeugenschaft.

Die Grenzen des Bezeugbaren und die Unverlässlichkeit von Erinnerung stehen im Zentrum der Praxis von Medea Feidieker, die sich darüber hinaus mit Archivierung auseinandersetzt. Kurdische Identität und Kultur, sowie deren Unterdrückung, sind in der Arbeit von Merivan Kılıç thematisch eng verflochten mit persönlichen Auseinandersetzungen mit Zugehörigkeit. Almina Icingil verbindet Fragen zu Klasse, Migration, Dankbarkeit und Fürsorge mit solidarischen Gesten gegenüber den Opfern von Kriegsverbrechen. Nici Götz zeigt, wie sich Ideologien der Zweigeschlechtlichkeit in institutioneller Architektur verankern, und übt den performativen Widerstand. Embryonale Ultraschallporträts, die für gewöhnlich geschlechtliche Gewissheit liefern sollen, werden von Mika Malon Rüffert radikal gegengelesen, in dem er Geschlecht als Potential und nicht als Urteil verhandelt. Lucian Loebner gibt Einblick in die morgendliche Schwere eines depressiven Selbst, das sich in den sozialen Medien nur schwer verwerten ließe. In den komplexen Narrativen von suKim (Jisu Kim) faltet sich die Vergangenheit auf überraschende Weise mit der Gegenwart zusammen. Mit zarten Mitteln entwirft Tom Brück einen Ort, an dem traumatisierende Erlebnisse innerhalb der Schwulenszene verhandelbar werden. Ama (Emilia Ama Thoms) erschafft ein Monument für Schwarze Menschen, die in Deutschland durch Polizeigewalt getötet wurden, und verhandelt Zeugenschaft dabei als widerständige Praxis gegen fortwährendes Unrecht.

Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Freitag von 14 bis 18 Uhr, Donnerstag von 16 bis 20 Uhr und Samstag von 11 bis 15 Uhr. Montags, sonntags und an Feiertagen ist geschlossen.

Nähere Informationen: Gesellschaft für zeitgenössische Kunst Osnabrück, KUNSTRAUM hase29, Hasestraße 29/30, 49074 Osnabrück, Telefon: 0541 58051396,E-Mail: mail@hase29.de, Internet: http://www.hase29.de

Viel Kunst in einem Turm

Der 1988 gegründete Kunstverein Greven hat es sich zur Aufgabe gemacht, zeitgenössische Kunst zu fördern und versteht sich als Vermittler zwischen Künstler und Publikum.

Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung junger Künstler aus der Region an der Schwelle zwischen professioneller Ausbildung und überregionaler Anerkennung. In regelmäßig wechselnden Ausstellungen werden deren Arbeiten – häufig erstmals – einem größeren Publikum vorgestellt.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Ausstellung „Zwischenräume“ des Kunstleistungskurses des Gymnasium Augustinianum. Zu sehen waren Werke, die sich mit den unterschiedlichsten Themen und Epochen auseinandersetzen. Inspiriert von bekannten Künstlern wie Pieter Bruegel, Edvard Munch und Rebecca Horn traf Malerei auf Plastik, Konzeptkunst nahm Gestalt an, und es entstanden Installationen. Doch es ging um mehr als „nur“ um Kunst. Feminismus, Klassenkampf, künstliche Intelligenz, Identität: all das sind große Fragen der Zeit, welche in der Ausstellung im Kunstverein Greven künstlerisch reflektiert und in individuellen Projekten umgesetzt und diskutiert wurden. Die Werke sind vielschichtig, herausfordernd, inspirierend und zeigen, wie weit Kunst wirklich gehen kann. Zusätzlich bereicherten Stop-Motion-Filme zum Thema „Kampf gegen Windmühlen/Gegenwind“ der Kunst-Grundkurse die Ausstellung. Als „Special Guests“ brachten sie weitere spannende Perspektiven ein und öffnen neue Interpretationsspielräume für Möglichkeiten des Umgangs mit Gegenwind.

Besonderes Interesse findet das jährlich stattfindende Sommeratelier. Hier wird das Ausstellungsgebäude – der „Kunstturm“ – Künstlern mehrere Wochen für ihre Tätigkeit zur Verfügung gestellt. Anschließend werden die Arbeitsergebnisse in Rahmen einer Ausstellung präsentiert und lösen häufig intensive und anregende Diskussionen aus.

„Kunstturm“ im Schatten des Kirchturms

Das über drei Etagen reichende Ausstellungsgebäude des Kunstvereins Greven, der schon erwähnte „Kunstturm“, liegt im Schatten des zentralen Kirchturms der katholischen St. Martinus-Gemeinde mitten im fußläufigen Ortszentrum. Es ist vom Verein gemietet und kann mittels eines jährlichen Zuschusses der Stadt Greven und mit der Hilfe von Mitgliedern und privater Sponsoren unterhalten werden.

Kunst am „Kunstturm“

Von den Aktivitäten des Vereins kann man sich aber auch außerhalb der Ausstellungsräumlichkeiten ein Bild machen. Das hat mit dem vom Kunstverein initiierten Projekt „Stadtbesetzung“ zu tun. In Verbindung damit hat die Münsteraner Künstlerin Silke Rehberg zunächst zwei Pferdeskulpturen am „Kunstturm“ installiert.

Es folgten skulpturale Porträts von Menschen in der Innenstadt von Greven. An Fassaden und Häuserecken, die deutlich Sichtachsen betonen, sind fünf Skulpturenpaare montiert – heraus aus dem „Elfenbeinturm der Kunst“, hinein in den Alltag der zufälligen Begegnung. Es sind dabei nur scheinbar beliebige oder zufällige Schöpfungen in Form menschlicher Wesen. Silke Rehberg gestaltet die Porträts von bestimmten Personen nach der unmittelbaren Anschauung oder aus der Erinnerung an eine tatsächliche Begegnung. Das Gleiche gilt für die Pferdeskulpturen am „Kunstturm“. Es handelt sich dabei um zwei Variationen eines Porträts des berühmten Dressur- und Zuchthengstes „Damon Hill“.

Die Gesamtinstallation nennt sich „Egowandel“ und soll den Betrachter dazu herausfordern, die Individualität des einzelnen Lebewesens auf Augenhöhe in den Blick zu nehmen. Die Gleichzeitigkeit von Mensch- und Tierdarstellung lädt dazu ein, sich die zentralen Fragen nach dem Miteinander in dieser einen Welt zu stellen.

Öffnungszeiten: samstags von 11 bis 14 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr.

Nähere Informationen: Kunstverein Greven, Kirchstraße 1a, 48268 Greven, Telefon 02571 98081/98082, E-Mail info@kunstverein-greven.de, Internet http://www.kunstverein-greven.de

Textiles Erbe wird bewahrt

Die Textilindustrie hatte in Bocholt eine ähnlich lange Tradition und Bedeutung wie die in Nordhorn. Beide endeten aufgrund sich wandelnder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Museal ist sie aber noch zu erleben.

Im Herzen eines neuen Kulturquartiers zwischen Bocholter Innenstadt und Aasee liegt das Textilwerk mit Weberei und Spinnerei. Eine Brücke über den Fluss Aa verbindet die beiden Museums-Standorte. In den imposanten Sälen der historischen Spinnerei Herding erhalten die Besucher spannende Einblicke in historische und moderne Technik, erleben Modegeschichte und aktuelles Design. In der Weberei wird eine Erlebniswelt mit täglicher Schauproduktion an historischen Webstühlen geboten; und ein vollständig eingerichtetes Wohnhaus mit blühendem Garten vermittelt, wie die Arbeiter früher gelebt haben.

Zur Geschichte der Textilindustrie in Bocholt

Das Spinnen und Verweben von Baumwolle hat in Bocholt eine lange Tradition. Über 450 Jahre lang prägte die Faser, die aus Übersee importiert werden muss, das Wirtschaftsleben Bocholts und der gesamten Region. Vor allem zwischen 1870 und dem Ersten Weltkrieg boomte die Branche: Bocholt zählte bis zu 80 Textilbetriebe, in denen zeitweise bis 10.000 Menschen arbeiteten. Mitte der 1960er Jahre setzte auch im Westmünsterland die Strukturkrise ein. Sie ist gekennzeichnet durch einen anhaltenden Schrumpfungsprozess aufgrund der zunehmenden Konkurrenz durch Fernost. Viele Betriebe schlossen, und Tausende Menschen verloren ihren Arbeitsplatz.

Geschichte der „Spinn-Web Herding“

Die Spinnerei und Weberei Herding ist ein typisches Beispiel aus der Boomzeit der Textilindustrie in Bocholt: Eine Handweberei war die Keimzelle eines der zeitweilig größten Textilbetriebe der Stadt, gegründet 1870 von Heinrich Schüring und seinem Schwager Max Herding. Als es sich in den Jahren hoher Garnpreise nach 1900 lohnte, eigene Spinnerei-Kapazitäten aufzubauen, entschied sich Max Herding jun. zum Bau einer Spinnerei neben der bestehenden Weberei. Er wählte dazu das Architekturbüro Sequin & Knobel in Rüti bei Zürich.

Die Schaufassade des viergeschossigen Gebäudes aus dem Jahr 1907 mit dem repräsentativen Wasserturm zeigte zur Innenstadt und kündete von dem neuen aufstrebenden Unternehmen:

Mit fast 600 Webstühlen und 23.600 Spindeln gehörte die „Spinnweb“ Herding lange Zeit zu den größten Bocholter Textilbetrieben.1943 wurde der zur Straße gelegene Teil mit dem Wasserturm bei einem Luftangriff zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte 1949/50 in schlichten Formen und ohne den Turm.

Anfang der 1960-er Jahre begann dann die Krise. Als Kammgarnspinnerei und Weberei konnte die Produktion unter neuen Eigentümern noch bis 1973 in reduzierter Form aufrecht erhalten werden. Dann ließ man alle Hallen räumen, die Maschinen wurden verkauft und verschrottet, um die Flächen als Lagerraum zu vermieten.

Weberei als Museumsfabrik

Mitten in der Strukturkrise beschloss die Landschaftsversammlung des LWL 1984 die Einrichtung eines Textilmuseums. Weil ein historisches Gebäude seinerzeit nicht zur Verfügung stand, entschied man sich zunächst für den Nachbau einer typischen Weberei aus der Zeit der Jahrhundertwende. 1989 wurde an der Aa die Eröffnung gefeiert.

Im Jahr 2004 kaufte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe zusätzlich den viergeschossigen Backsteinbau der Spinnerei Herding als zweiten Teil seines Textilmuseums hinzu. Das gelang mit finanzieller Unterstützung des Landes, des Kreises Borken, der Stadt Bocholt und der Stadtsparkasse Bocholt. 2009 begann der Umbau mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II. Seit der Eröffnung der Spinnerei im September 2011 firmiert das Textilmuseum mit seinen beiden Standorten als „Textilwerk Bocholt“.

Spuren der Arbeit und moderne Nutzung

Der Umbau zum Museum und Kulturforum erfolgte ab 2004 unter der Leitung des renommierten Stuttgarter Architekturbüros Atelier Brückner. Ziel war es, die Spuren der Arbeit und der 100-jährigen Geschichte des Gebäudes deutlich zu zeigen. Auf allen vier Etagen entwickelt sich ein „Zwiegespräch“ zwischen aktueller Nutzung und historischem Bestand: Abblätternde Farbschichten und zerschlissene Betonböden wurden bewusst belassen und kontrastierten mit modernen Einbauten, allen voran die rote Stahltreppe, die in den 20 Meter hohen Seilgang eingebracht wurde, dazu klare Kuben für Shop und Servicebereiche sowie die Gastronomie auf dem Dach.

Kultur fördern

Mit Hilfe des 1980 gegründeten Förderkreises Westfälisches Textilmuseum konnte in den letzten 35 Jahren die größte Sammlung von Textilmaschinen und Alltagstextilien in Europa aufgebaut werden.

Nach dem Ankauf der ehemaligen Spinnerei Herding und ihrer Eröffnung als Forum für Sonderausstellungen und Veranstaltungen 2011 wird das textile Erbe in Ausstellungen und angemessenen Archiven erschlossen.Und dank der Unterstützung des Fördervereins konnte ein großes Haus von internationalem Rang entwickelt werden, das als Forum der Kultur, Wissenschaft und der Begegnung weit ausstrahlt.

Spinnerei Forum für Textilkultur

Der viergeschossige Backsteinbau der ehemaligen Spinnerei Herding ist ein typisches Beispiel aus der Boomzeit der Textilindustrie in Bocholt. 1907 ließen die Firmeninhaber das Gebäude an der Aa mit Schaufassade und repräsentativen Wasserturm errichten. Mit fast 600 Webstühlen und 23.600 Spindeln gehörte die „Spinnweb“ Herding lange Zeit zu den größten Bocholter Textilbetrieben. Heute präsentiert das LWL-Museum in dem Gebäude Ausstellungen aus der Modegeschichte und zeigt Technik in Funktion. Geöffnet ist es von März bis Oktober.

Parcours de la Mode

Im Erdgeschoss der Spinnerei befindet sich ein „Parcours de la Mode“: In einer 23 Meter langen Vitrine, die als Laufsteg aufgebaut ist, nehmen historische Kleidungsstücke und Schuhe sowie textile Musterbücher die Besucher mit auf eine farbenfrohe Reise durch mehr als 100 Jahre Modetrends. Das älteste Stück, ein schwarzes Tournüren-Kleid, stammt aus dem Jahr 1885. Dieser Teil der Ausstellung wird kontinuierlich sein Gesicht wandeln: Aus dem großen Fundus der Sammlung werden immer wieder neue Stücke den Laufsteg beleben und zeigen, wie vielfältig die Welt der Mode war und ist.

Im Flyersaal im ersten Obergeschoss präsentiert das LWL-Museum am authentischen Ort die Bedeutung der Textilunternehmer und der ansonsten selten ausgestellten Baumwollspinnerei. Die Schau zeigt die wirtschaftlichen Zusammenhänge und rückt die „Macher“ und die Lebenswelt der Unternehmer in den Fokus. Teilweise laufende Maschinen machen ein Stück Textilgeschichte der Region lebendig.

Mehr als 500 Exponate bekommen die Besucher auf 1300 Quadratmetern zu sehen. In ihrer Komposition verdeutlichen sie, dass sich die Handlungsfelder der Textilunternehmer in Westfalen – und speziell im Westmünsterland – in den vergangenen 150 Jahren kaum verändert haben.

Ausgestellt wird beispielsweise ein Schreibtisch des Textilunternehmers Carl Herding, den dieser Anfang des 20. Jahrhunderts gekauft und über viele Jahrzehnte hinweg benutzte. Der Kauf eines gebraucht gekauften Konzertflügels, ein mittleres Modell eines Montblanc-Füllfederhalters, Unternehmerporträts in Öl – alles Exponate, die darauf hinweisen, dass die „Macher“ in der Region zwar auf globalen Märkten agierten, in der Heimat jedoch bescheiden lebten.

An einem modernen Medientisch kommen 14 Unternehmerpersönlichkeiten zu Wort. Sie berichten über die Motivation ihres Handelns, über Tradition, Familie und modernes Wirtschaften.

App „Bist Du ein Macher?“

Bei dem App-Spiel „Bist du ein Macher?“ schlüpfen Museumsbesucher mit ihrem Smartphone oder Tablet selbst in die Rolle eines angehenden Textilunternehmers – mit dem Ziel, die eigene Firma so erfolgreich wie möglich zu machen. Ganz nebenbei erfährt man, was einen erfolgreichen westfälischen Unternehmer wirklich ausgemacht hat, wie er seine Entscheidungen getroffen hat und was sein Leben beeinflusste.

Als potenzielle „Macher“ stehen Spieler vor Aufgaben, die gelöst werden können, während sie die Ausstellung erkunden. Das Spiel läuft in der App „Biparcours“, die kostenlos in den Stores für iOS und Android heruntergeladen werden kann (in der Suchfunktion „Bist Du ein Macher“ eingeben).

Technik in Funktion

Das Westfälische Landesmuseum für Industriekultur besitzt eine der größten Sammlungen von Textilmaschinen in Europa. Einige davon wurden in den vergangenen Jahren aufwändig restauriert und sind jetzt in der neuen Ausstellung zu sehen. Die bis zu knapp 20 Meter langen Maschinen – vom Öffnerzug aus dem Jahr 1910 bis zur OE-Feinspinnmaschine von 1986 – lassen die Herstellung von Baumwollgarnen nachvollziehen. Medienterminals zeigen zudem historische Aufnahmen und erklären die Funktionsweise der Spinnmaschinen. Einige dieser Maschinen werden den Besuchenden zudem regelmäßig vorgeführt.

Weberei – Vom Faden zum fertigen Stoff

Die Produktionshalle der Weberei des Textilwerks ist ein Nachbau des alten Websaals der Weberei Gebr. Essing in Rhede. Mit 50 Webstühlen und 25 Webern hatte die Firma 1891 den Betrieb aufgenommen. Als die Gebäude der Firma im Februar 1985 abgerissen wurden, konnte das LWL-Museum die gußeisernen Säulen des Websaals von 1889/94 und andere Original-Einbauten retten.

Der Websaal

Der Websaal ist eine „Shedhalle“. Solche Hallen mit der charakteristischen sägeförmigen Silhouette der Dächer waren bis in die 1950er Jahre die typische Bauform für zahlreiche Fabriken. Ihr Name rührt von der Aneinanderreihung schuppenähnlicher Bauelemente (engl. shed = Schuppen) her. Die großen Glasfenster in den Dächern sind meist nach Norden ausgerichtet. Das sorgt für eine gleichmäßige Beleuchtung und verhindert eine Aufheizung durch die Sonne.

Für den heutigen Betrachter ist nur noch schwer nachzuvollziehen, wie neu und ungewohnt die Fabrikanlagen des 19. Jahrhunderts für die Zeitgenossen waren. Die 32 Webstühle des Museums vermitteln ansatzweise einen Eindruck von der Dimension großer Arbeitssäle mit Hunderten in Reih und Glied aufgestellter Webmaschinen.

An 13 Medienterminals können Besucher per Knopfdruck Informationen zu technischen Funktionen und Arbeitsabläufen abrufen. Animationen zeigen den jeweiligen Raum und weisen auf historische Einbauten hin. Nicht nur der Websaal, auch Kontor, Werkstatt und Maschinenhaus sind auf diese Weise in den Rundgang eingebunden.

Der Clou ist ein digitales Rollenspiel: Besuchende lernen dabei den Arbeitsalltag aus der Sicht eines Webers kennen, der 13 verschiedenen Personen begegnet. Darunter befinden sich eine Passiererin, die für die Vorbereitung der Webketten zuständig war, der Maschinist, der Heizer und ein Büroangestellter.

Das Maschinenhaus

Im Gegensatz zu den sehr schlichten und schmucklosen Produktionsräumen, ragen die Maschinenhäuser der Textilbetriebe durch gesteigerten architektonischen Aufwand und kunstvolle Verzierungen wie zum Beispiel farbige Bodenfliesen, Schablonenmalerei an den Wänden und pompöse Türen heraus. Denn dort befindet sich das Herz der Fabrik: die Dampfmaschine. Hierhin wurden Besuchende geführt, und die Fülle erhaltener Fotografien dokumentiert die besondere Aufmerksamkeit, die der „Kraftzentrale“ gewidmet wurde. Entsprechend repräsentativ ist auch das Maschinenhaus des Museums eingerichtet.

Die Dampfmaschine wird heute über einen Elektromotor in Bewegung gesetzt: Über Seile überträgt sie die Energie auf die Transmission im Websaal.

Die Werkstatt

Die Werkstatt diente der Wartung und der Instandhaltung der Maschinen und der gesamten Fabrik. Neben den Reparaturen wurden hier auch Neukonstruktionen und technische Verbesserungen entwickelt. Die Werkstatt hatte die besondere Aufgabe, den Betrieb soweit wie möglich von Fremdleistungen unabhängig zu machen. Die Werkstatt der Museumsfabrik ist wie üblich in unmittelbarer Nähe des Kesselhauses und des Maschinenhauses in einem Raum untergebracht, der sich wegen der ungünstigen Beleuchtungsverhältnisse zu anderen Zwecken nicht eignen würde. Man betritt die Werkstatt durch eine Tür aus der ehemaligen Weberei Lühl in Gemen, wo sie den Zugang zum Kesselhaus von 1894 ermöglichte.

Das Arbeiterhaus

Das nach alten Plänen erbaute und vollständig möblierte Arbeiterhaus mit bewirtschaftetem Garten und Kleintierhaltung erinnert an die Lebenswelt der münsterländischen Textilarbeiter zur Zeit der Industrialisierung. Wohnküche, „Gute Stube“, Schlafräume, aber auch Vorratskeller und Waschküche hat das Team des Museums für die Besucher im Arbeiterhaus wieder eingerichtet.

Beim Gang durch das Haus lernen die Besucher das Lebensumfeld einer Textilarbeiterfamilie um 1920 kennen. Der bewirtschaftete Nutzgarten mit Hühnern und Kaninchen lässt erahnen, wie viel Arbeit auch nach Feierabend in der Fabrik auf die Textilarbeiter zukam, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Im linken Teil des Arbeiterhauses werden die Themen Ernährung, Hygiene, Energie sowie Kleidung und Heimtextilien in eigenen Ausstellungseinheiten dargestellt. Ein gedeckter Tisch stimmt die Besucher auf das Thema Ernährung früher und heute ein. Historische Alltagstextilien wie Arbeitshosen und Arbeitsschürzen werden im Obergeschoss neben gestickten Mustertüchern ausgestellt. Geflickte Bettbezüge oder Bettlaken zeigen viel vom historischen Alltagsleben, das von Knappheit geprägt war. Nur durch eigenes Anfertigen, durch Nähen oder Stricken konnte die Hausfrau die Versorgung ihrer Familie mit Textilien sicherstellen.

LUCID“ von Tristan Schulze – Interaktive Installation in der Spinnerei

Tristan Schulze erforscht in seiner Arbeit „LUCID“, wie gestalterisch-kreative Interaktionen zwischen Menschen und Maschinen zukünftig aussehen könnten. Eine Apparatur mit künstlicher Intelligenz generiert in kreativen Prozessen Webmuster und lädt die Besuchenden ein, diese mitzugestalten. Der eigene schöpferische Prozess verbindet sich mit dem der Maschine und hinterlässt Spuren in deren Code. Das Verhältnis bleibt jedoch ambivalent – schließlich trainiert jede Interaktion die künstliche Intelligenz weiter und verstärkt damit deren Autonomie.

Maschinelles Lernen ist ein wichtiger Bestandteil von vielen industriellen Automations-Prozessen und verändert zunehmend unser Konzept von Arbeit. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich Tristan Schulze neben der Frage, was wir in Zukunft als Arbeit betrachten werden, vor allem mit Überlegungen dazu, wie wir arbeiten werden.

Als Basis für neue Webmuster, schöpft LUCID aus dem umfangreichen Musterarchiv des Textilwerkes Bocholt, in dem sich die Textilgeschichte des 20. Jahrhunderts abbildet. Dieses Archiv wird in den nächsten Jahren für junge Designer zugänglich gemacht und wird damit gleichzeitig Inspirationsquelle für neue Muster.

Zum Künstler: Tristan Schulze, 1982 in Leipzig geboren, ist ein deutscher Designer, Künstler und Dozent. Seine Arbeit reflektiert aktuelle Entwicklungen in der digitalen Welt, unter anderem die Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz, Mixed Reality oder Internet of Things-Technologien. Körperlichkeit und Haptik spielen in Schulzes Arbeit eine wichtige Rolle und schlagen die Brücke zwischen digitaler und physischer Welt. Schulze arbeitet und lebt in Leipzig.

Ausstellungen: Die noch bis zum 2. November geöffnete Ausstellung „Muster und Märkte – Auf den Spuren westfälischer African Prints begibt sich auf Spurensuche und beleuchtet die oft unsichtbaren Verflechtungen der Textilveredelungsbetriebe Heinrich Habig AG und Göcke & Sohn AG in koloniale Handelsstrukturen. Zwischen den 1920er- und 1970er-Jahren produzierten sie auch sogenannte African Prints. Die Unternehmen stehen exemplarisch für ein Wirtschaftssystem, das von kolonialen Machtverhältnissen profitierte. Während unternehmerische Positionen dank zahlreicher Akten gut dokumentiert sind, eröffnet die Ausstellung bewusst neue Perspektiven.

Die Ausstellung wurde unter Leitung von Prof. Joachim Baur von einer Gruppe Master-Studenten der Kulturanthropologie des Textilen an der TU Dortmund kuratiert.

Noch bis zum 1. November ist die Ausstellung „Behind the beauty – Hinter den Kulissen der Schönheitsindustrie“ geöffnet. Zum Inhalt: Mode und Accessoires, Kosmetik und Düfte aber auch Chirurgie, Sport und Ernährung – all das und noch viel mehr ist Teil der Schönheitsindustrie, die weltweit für mehr 500 Milliarden US-Dollar Umsatz im Einzelhandel sorgt. Doch wo kommen die Trends her? Wer bestimmt, was „Schönheit“ ist und wie Mann oder Frau sie erreichen können? Mit vielen interaktiven Ausstellungseinheiten präsentiert das LWL-Museum Textilwerk auf über 600 Quadratmetern auch die Rolle der Werbung und der Medien sowie den Einfluss von Social Media.

Öffnungszeiten: Die Weberei ist ganzjährig, die Spinnerei ab 16. März von Dienstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Letzter Einlass ist um 17.30 Uhr. Geschlossen ist montags (außer an Feiertagen). Sonntags werden auch Führungen angeboten.

Nähere Informationen: LWL-Museum Textilwerk, Weberei Uhlandstraße 50, 46397 Bocholt, Spinnerei (auch Postadresse) Industriestraße 5, 46395 Bocholt, Telefon 02871 21611-210, Fax 02871 21611-266, E-Mail textilwerk@lwl.org, Internet http://www.textilwerk-bocholt.lwl.org

Chagall-Ausstellung im K20 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Marc Chagall (1887 – 1985) ist einer der faszinierendsten Künstler der Moderne. Die noch bis zum 10. August geöffnete Ausstellung im K20 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, die in Kooperation mit der Albertina in Wien entsteht, befasst sich in einer monografischen Ausstellung mit dem Werk des russisch-französischen Malers.

Aufgewachsen in der Kleinstadt Witebsk (im heutigen Belarus) als ältestes Kind einer jüdisch-orthodoxen Familie, reflektierte Chagall zeitlebens seine Herkunft. Seine Bilder erzählen vom Alltag und Gebräuchen, aber auch von Ausgrenzung und Pogromen. Sie handeln vom Trauma der Verfolgung, aber auch vom Traum eines besseren Lebens.

Seine fantastisch-poetischen Bildwelten sind von leuchtend intensiver Farbigkeit, seine Motive bis heute rätselhaft. Die Ausstellung im 40. Todesjahr des russisch-französischen Malers umfasst rund 120 Werke aus allen Schaffensphasen. Ein Schwerpunkt liegt auf den frühen Arbeiten, die zwischen 1910 und 1923 entstanden sind. Als junger Künstler in Paris experimentierte Chagall mit Fauvismus und Kubismus und verband die neuen stilistischen Tendenzen mit jüdischen Motiven und russischer Folklore. Das war einzigartig in seiner Zeit und machte ihn zum „Wunderkind der Moderne“. In der Ausstellung werden nicht nur die malerischen Einflüsse auf das Frühwerk Chagalls nachvollziehbar. Zu entdecken ist ebenso die weniger bekannte dunkle und gesellschaftskritische Seite des Künstlers, die bis heute ihre Relevanz nicht verloren hat.

Mit Schauspieler Aaron Altaras durch die große Chagall-Ausstellung

Der preisgekrönte Schauspieler, bekannt für seine gesellschaftskritischen und vielschichtigen Rollen, hat den Audioguide zur Ausstellung eingesprochen. Zuletzt begeisterte Altaras in der Hauptrolle der ARD-Serie „Die Zweiflers“ und wurde dafür 2024 mit dem Deutschen Fernsehpreis als Bester Schauspieler ausgezeichnet. In rund 30 Minuten bietet der kostenfreie Audioguide eine kompakte Übersicht über die wichtigsten Werke Marc Chagalls – von seinen frühen Arbeiten bis zu seinem Spätwerk. Der Audioguide ist in deutscher, englischer und einfacher Sprache (D) verfügbar und lässt sich bequem über einen QR-Code mit dem eigenen Smartphone abrufen. Die Mitnahme von Kopfhörern wird empfohlen.

Die Ausstellung ist eine Kooperation der ALBERTINA, Wien, und der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf.

Nähere Informationen: K20, Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf, Telefon 0211 8381-204, E-Mail service@kunstsammlung.de

Erinnerungen an einen Besuch in der „Lindenstraße“

Etwa 100.000 Besucher kamen am 2. Juli 1995 auf das Studiogelände des WDR in Köln-Bocklemünd. Anlass war ein Fest zur 500. Folge der beliebten ARD-Vorabendserie.

Als am Sonntag. 8. Dezember 1985, um 18.40 Uhr die erste Sendung „Herzlich willkommen“ der ARD-Vorabendserie „Lindenstraße“ lief, hätte, vielleicht abgesehen von den Machern mit Erfinder, Regisseur und Produzent Hans W. Geißendörfer an der Spitze – bekannt geworden als Vertreter des Neuen Deutschen Films durch anspruchsvolle Literaturverfilmungen wie „Der Zauberberg“, „Die Wildente“, „Theodor Chindler“ und „Ediths Tagebuch“ – kaum jemand mit dem großen Erfolg, der sich im Laufe der Jahre einstellte, gerechnet.

Einblicke in den Alltag ganz normaler Leute

Entgegen der erwartbaren Inhalte deutscher Vorabendserien, die sich zumeist des Krimi-, Abenteuer- oder Herz-Schmerz-Genres bedienten, bekamen die Zuschauer bei der Lindenstraße Einblicke in den Alltag ganz normaler Leute mit ganz normalen Problemen, wie sie eigentlich jeder kennt, geboten; und die Kritiken waren auch nicht dazu angetan, einen Erfolg vorauszusehen. Ein „Panoptikum der Piefigkeit“ nannte sie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, „Dürftig und schlecht gemacht“, urteilte etwa der Fachdienst „epd / Kirche und Rundfunk“ über die erste Folge „Herzlich willkommen“. Das Blatt rügte die Serie als „Sozialkitsch“ und prophezeite ihr ein baldiges Ende; und in der Frankfurter Allgemeinen war folgende, auch nicht gerade schmeichelhafte Überschrift zu lesen: „Eine Volkshochschule feiert Jubiläum. Zum 500. Mal Lindenstraße. Kein Ende vor dem Weltuntergang“. Ähnlich fielen damals die meisten Kritiken aus.

Die Häme der Kritiker war also groß, doch davon ließ sich das Fernsehpublikum nicht abhalten und blieb am Bildschirm haften – in den besten Zeiten über 10 Millionen. So entwickelte sich die Serie zum Kult.

Mit dem Bus von Nordhorn nach Köln-Bocklemünd

Der erreichte auch die Grafschaft Bentheim – zumindest wesentliche Teile davon. 1995 bot sich dann für den Autor dieses Artikels die Gelegenheit, an einer vom Jugendzentrum Nordhorn organisierten Busfahrt nach Köln-Bocklemünd teilzunehmen, wo sich die Studios befanden, in denen die „Lindenstraße“ gedreht wurde. Anlass der Fahrt war ein großes Publikumsfest auf dem Studiogelände aus Anlass der 500. Folge.

Die Anfrage beim WDR, ob für das Grafschafter Wochenblatt, bei dem ich damals tätig war, die Möglichkeit zur Berichterstattung und zu Interviews mit den Stars der Serie bestehen würde, wurde prompt mit Ja beantwortet. Dann war nur noch daran zu denken, am Sonntag rechtzeitig beim Jugendzentrum zu sein, wo schon ein Bus bereit stand. Als kleines Team hatte ich damals den Fotografen Hans Pache (+) und zusätzlich Hans Trulsen dabei, der bei den Interviews für die Mikrofon- und Aufnahmetechnik zuständig war.

Dass die „Lindenstraße“ nach anfänglich schwachem Start ein allmählich größeres Zuschauerinteresse verzeichnen konnte, wusste ich inzwischen, aber welche Dimensionen das über damals zehn Jahre angenommen hatte, wurde mir erst vor Ort klar. Über 100.000 Besucherinnen und Besucher tummelten sich auf dem Studiogelände, auf dem als Unterhaltungsprogramm unter anderem eine große Kirmes aufgebaut war.

Mit den Stars im Backstage-Bereich

Es war daher kein Wunder, dass die anderen Teilnehmer der Busfahrt mit einem gewissen Neid auf das Team vom Grafschafter Wochenblatt blickten, da wir als Medienvertreter Zugang zum VIP-Bereich und damit auch direkten Kontakt zu den Stars der „Lindenstraße“ hatten. Wir trafen auf „Momo“, „Herrn Schiller“, „Olaf Kling“, „Mutter Beimer“, „Hans Beimer“, „Iffi Zenker“, „Valerie Zenker“ und viele mehr.

Interviews durften wir mit der wie immer quirligen und temperamentvollen „Iffi Zenker“ (Rebecca Siemoneit-Barum, Tochter des früheren Zirkusdirektors Gerd Siemoneit-Barum) und der eher sperrigen und maulfaulen „Valerie Zenker“ (Nadine Spruß) führen. Beide spielten die Töchter von „Andi Zenker“ (Jo Bolling), der 1990 in der 220. Folge als alleinerziehender Vater (Frau war bei einem Unfall verstorben) mit seiner Kinderschar, zu der auch der damals noch nicht so bekannte Til Schweiger als „Jo Zenker“ gehörte, in die Lindenstraße eingezogen war.

Nach den beiden Interviews bestand dann noch die Gelegenheit, einen Gang durch die Außenkulissen der Lindenstraße zu machen. Ein Höhepunkt für die zahlreichen Fans war nach der Übertragung der gerade anstehenden Folge eine Autogrammstunde mit den Stars, die ohne Übertreibung einen Andrang auslöste, den sonst nur nationale Acts wie „Tokyo Hotel“ oder internationale Bands wie die „Backstreet Boys“ oder „Take That“ zu ihren besten Zeiten verzeichnen konnten.

Unser Besuch in der Lindenstraße endete dann mit der WDR-Unterhaltungssendung „Hollymünd“, die wir im Backstage-Bereich verfolgen durften, und bei der als die bekanntesten Künstler die „Erste Allgemeine Verunsicherung“ und die „Sparks“ auftraten.

Epilog

Zu meinem großen Bedauern wurde die „Lindenstraße“ am 29. März 2020 mit der 1758. Folge eingestellt. Begründet wurde dies von der ARD mit den gesunkenen Zuschauerzahlen, die sich zum Ende unter 2 Millionen bewegte. Das mag zwar so gewesen sein, aber die „Lindenstraße“ war mir immer viel lieber als die unzähligen und überwiegend unseligen Vorabend-Krimis, die jetzt so geboten werden. Und ich werde es der ARD nicht verzeihen, dass sie mir mit der Einstellung der Lindenstraße den Fernsehabend am Sonntag dermaßen durcheinandergebracht hat, dass ich eine ganze Zeit sehr schwermütig war; und das musste mal gesagt und geschrieben werden!!!

Viel Kultur im ehemaligen Kornspeicher

1908 wurde der ehemalige Kornspeicher am Hafen in Ibbenbüren-Dörenthe erbaut. Seit der Gründung eines Fördervereins im Jahre 1998 wird das Gebäude für vielfältige kulturelle Zwecke genutzt.

Es war am 28. Mai 1998, als im Ibbenbürener Anzeiger folgende Zeilen erschienen: „90 Jahre hat er auf dem Buckel, seit 30 Jahren wurde er mehr oder weniger als „Rumpelkammer“ genutzt: Der Kornspeicher im Dörenther Hafen. Jetzt kommt Leben in die Bude: Der alte Bau soll als Kulturspeicher jeglichen kulturellen oder künstlerisch Interessierten als Probe- und Aufführungsstätte zur Verfügung stehen.“

Anlass für den Artikel war die Eröffnung des „Kulturspeichers Dörenthe“, einem neuen Kulturzentrum, das Platz für Kunstausstellungen, Theateraufführungen, Musik und manchem mehr bieten sollte. Unterschiedliche Veranstaltungen wie eine Foto-Ausstellung, ein Konzert und eine Theateraufführung wurden im Jahr der Eröffnung von den Vereinsmitgliedern und befreundeten Künstlerinnen und Künstlern auf den Weg gebracht, um zunächst einmal zu testen, ob das sanierungsbedürftige Gebäude für eine neue Nutzung überhaupt geeignet ist. Mit Erfolg – aber trotzdem war klar, dass auch weiterhin viel Arbeit nötig sein würde, um das Gebäude soweit herzurichten, dass es dem neuen Zweck dienlich sein konnte.

Kunst statt Boule

Es hätte aber auch ganz anders kommen können, wie in dem Artikel im Ibbenbürener Anzeiger nachzulesen ist: „Auf der Suche nach einer Spielmöglichkeit im Winter für seinen Boule-Verein inspizierte Walter Bergschneider das ehrwürdige Gebäude, das sich in seinem Besitzt befindet. Doch sein Vereinskollege Robert Rickert hatte eine bessere Idee, als dort Sand für das französische Kugelspiel hinzuschütten: „Dies ist ein absolut idealer Ort für kulturelle Veranstaltungen.“ Auch Bergschneiders Lebensgefährtin Monika Haselon hatte schon mit diesem Gedanken gespielt. Sie plante spontan eine Foto-Ausstellung in dem alten Speicher. Rickert, Mitglied des VHS- und Quasi So-Theaters, sprach mit seinen Theaterfreunden. Gemeinsam mit weiteren Ibbenbürener Künstlern wurde ein mögliches „Eröffnungsprogramm“ entwickelt. Sogar das Fernsehen wurde auf diese Planungen aufmerksam: Der WDR brachte einen Bericht über die bis dahin nur theoretischen Planungen. Dies war der Auslöser, auch endlich mit der praktischen Arbeit zu beginnen … Zuerst wurde der Bau Anfang März komplett geräumt, wobei auch Walter Bergschneider hilfreich zur Seite stand. Dabei mussten unter anderem vier monströse Elevatóren (Schüttschächte mit Fördereinrichtung für Getreide), bestehend aus Holz und Stahl, ausmontiert werden … Da das Gebäude seit drei Jahrzehnten nicht von Menschen genutzt wurde, hatten andere Lebewesen Einzug gehalten. Allein zwölf Säcke Taubenmist schleppten die fleißigen Helfer aus dem Speicher. Anschließend erforderte es einige Detektivarbeit, bis die letzten Schlupflöcher für jegliches Getier gestopft werden konnten. Noch jetzt sitzen Tauben auf den Fensterbänken und suchen nach einem Einlass. Eine Woche dauerte es, das Gebäude mit einem Hochdruckreiniger und Kanalwasser komplett auszuspritzen. Mittlerweile wurde schon eine Etage komplett gestrichen.“

Als dann die Idee aufkam, in den Räumen auch Kindertheater zu spielen, war der Grundstein für die Umgestaltung gelegt; ein mühevoller Weg der Sanierung, der im August 2006 abgeschlossen wurde, begann. Zwar war aus finanziellen Sanierung, wie sie auf der Regionale 2004 angeregt wurde, nicht möglich, doch die Idee, die sich mit dieser Initiative verband trotzdem umgesetzt. Möglich machte dies das Förderprogramm „Initiative ergreifen“ des Landes Nordrhein-Westfalen, das 80 Prozent der anfallenden Kosten übernahm. So war das Land letztlich mit 200.000 Euro am Gesamtumbauvolumen beteiligt, die Kulturstiftung des Kreises Steinfurt steuerte weitere 25.000 Euro durch Spenden ein, und der Förderverein insgesamt 1500 Stunden an Eigenleistung. Neue Fenster und Türen sowie eine Heizungsanlage konnten angeschafft werden und sorgten für eine Nutzbarkeit des Gebäudes im Winter, moderne Sanitäranlagen lösten das alte Not-WC ab, und eine gut begehbare Treppe erschloss das Obergeschoss. Außerdem mussten der Fußboden des alten Speichererdgeschosses erneuert und die Mauern im oberen Turmbereich neu verfugt werden.

Seit der Eröffnung hat sich der Kulturspeicher Dörenthe zu einem wichtigen regionalen Akteur für die Bereiche Kunst, Theater und Musik entwickelt. Dort vertreten sind verschiedene Initiativen und Gruppen. Dazu gehört unter anderem der „Speicher Malkreis“. Der trifft sich seit April 2006 regelmäßig am ersten Mittwoch im Monat im Kulturspeicher Dörenthe. So unterschiedlich die Mitglieder sind, verbindet sie trotzdem das gemeinsame Interesse an der Kunst und an jeglicher Art künstlerischer Gestaltung. Im Vordergrund steht die „Freude am Tun“. Inzwischen kann der „Speicher Malkreis“ auf viele erfolgreiche Ausstellungen zurückblicken, auch auf gemeinschaftliche Projekte, unter anderem mit der „Kunstfabriek Nijverdal“, einer Künstlergruppe aus der niederländischen Stadt Hellendoorn.

Seine Heimat im Kulturspeicher Dörenthe hat auch das 2019 gegründete Querbeet-Theater. Bereits mit Ihrem ersten Stück „Die Speicherahnen“ und der Aufführung von „Miss Sophies Erbe“ hatte das Ensemble einen grandiosen Erfolg feiern können. Ein weiteres neues Stück ist in Bearbeitung, Premierentermin ist der Oktober.

Zur Geschichte des Gebäudes

Der weithin sichtbare und rot geklinkerte „Turm“ des Kulturspeichers, der sich über fünf Etagen erstreckt, wurde vor rund 100 Jahren als Zwischenspeicher für die Getreidelagerung errichtet. Dicke Eisenträger leiten über massive Eisensäulen sowie die dicken Außenmauern die Kräfte nach unten, so dass die auf dicken Holzbalken liegenden Zwischendecken mit Getreide hoch belastet werden konnten. Ein Becherwerk hat das Korn über eine Verladerampe vom Kanal aus direkt in die verschiedenen Gebäudeebenen transportiert. Wegen des Aufkommens der Motorschifffahrt und des damit verbundenen erhöhten Verkehrs bestand Anfang des 20. Jahrhunderts die Notwendigkeit, ein Zwischenlager für die höhere Getreidemenge, die nun auf dem Kanal transportiert wurde, zu bauen.

In den 1950-er Jahren verlor der Getreidespeicher langsam seine ursprüngliche Bedeutung, doch da der Hafen einen wichtigen Knotenpunkt darstellt – hier treffen ein Gleis der Teutoburger Wald Eisenbahn (TWE), der Dortmund-Ems-Kanal und die Bundesstraße 219 zusammen – wurde er zu Beginn der 1960-er Jahre umgebaut und umgenutzt. An die Nordwestseite wurde nun eine zweigeschossige Rampenanlage aus Stahlbeton angebaut. Doch dieser Umbau verhinderte nicht, dass die Anlage nicht mehr genutzt wurde und zunehmend verfiel, bis …

Skulpturenpfad und „Funny Red Line“

Im Rahmen der Kooperation des Kulturspeichers Dörenthe mit zwei befreundeten Vereinen, dem Kunstverein Ibbenbüren und dem Förderverein Mettinger Schultenhof, wurde im April 2019 die „SKULPTOUR“, ein Skulpturenpfad entlang einer Route zwischen den drei Kulturinitiativen, eröffnet. Die „SKULPTOUR“ rückt 56 Kunstwerke wieder in den Blickpunkt, die im Alltag teilweise kaum noch wahrgenommen werden. Alle Kunstobjekte befinden sich zwischen Mettingen und Ibbenbüren/Dörenthe und sind zu Fuß, aber auch mit dem Fahrrad zu erschließen.

Ausgangspunkt der Skulpturenroute ist die „Funny Red Line“ der litauischen Künstlerin Dovilė Martinaitytė aus dem Jahre 2004. Ausgehend vom Kunstspeicher Mettingen zieht sie sich über den Schultenhof, verschwindet dann in der Erde, tritt aber mehrfach wieder in Erscheinung (Kreisel Schwarze Straße – Kreuzung Mettinger Grenze) und verläuft schließlich bis zur Honigfabrik und endet dann am Speicher in Dörenthe. Die Betonskulptur fällt ins Auge, erregt Aufmerksamkeit, regt Vorbeigehende zum Verweilen an (Was sagen die Formen, die Gestaltung, die Farbe aus?), fordert zum Sitzen, Spielen oder Liegen auf. Sie will Fröhlichkeit verbreiten. Das kräftige Rot verweist auf die Symbolik von Blut, Feuer und Liebe. Sie steigert das bewusste Erleben und das Fühlen von Kraft und Schönheit und steht für Willenskraft und Emotionen, ihre Wirkung ist zugleich wärmend und wohltuend. Nähere Informationen erfolgen im Internet auf http://www.funnyredline.de

Programm für das Jahr 2025

Auch in diesem Jahr bietet der Kulturspeicher wieder ein umfangreiches Programm. Zu den Klassikern dieses Programms gehören am 1. Mai ein Jazzfrühschoppen mit Matthias Beckmann & Band, am 24. August das Hafenfest mit Musik und Aktion für die ganze Familie direkt am Kanal, am 4. Oktober ein neues Premieren-Stück des Querbeet-Theaters mit dem Titel „Alte Eisen rosten nicht“, sowie am 8. November der traditionelle Kunsthandwerkermarkt „Novemberleuchten“ im und am Kulturspeicher. Ergänzt wird das Programm mit Kunstausstellungen, Seminaren und Workshops.

Nähere Informationen: Kulturspeicher Dörenthe, Hafenstraße 14, 49479 Ibbenbüren, Telefon 05455 960094, E-Mail info@kulturspeicher-doerenthe.de, Internet http://www.kulturspeicher-doerenthe.de

Kunstverein in Coesfeld vielfältig aufgestellt

Bandbreite der Aktivitäten des Kunstvereins Münsterland erstreckt sich von Ausstellungen über die Kunstvermittlung bis hin zu Malkursen.

„Der wahre Sinn der Kunst liegt nicht darin, schöne Objekte zu schaffen. Es ist vielmehr eine Methode, um zu verstehen. Ein Weg, die Welt zu durchdringen und den eigenen Platz zu finden“ (Paul Auster, amerikanischer Schriftsteller, *1947 +2024) – sehr ähnlich ist auch das Kunstverständnis des Unternehmerehepaares Kurt und Lilly Ernsting, die 1995 aus dem tief greifenden Wunsch heraus, Kultur erlebbar zu machen und Orte des Diskurses für kunstinteressierte Menschen zu schaffen, die Stiftung „Alter Hof Herding“ gründeten.

Aus Stiftung „Alter Hof Herding“ hervorgegangen

Mit der Stiftung wurde eine gemeinnützige, fortdauernde Einrichtung geschaffen, die sich der Kunst- und Kulturförderung verschrieben hatte und an gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen mitwirken wollte. Die Idee, Menschen und Kunst zusammenzubringen, war geboren. Die Überlegungen, ein Gebilde zu formen, das auch nachhaltig die Gegenwartskunst im Bewusstsein der Menschen verankert, wollte dagegen erst wachsen und reifen.

Benannt wurde die Stiftung nach dem ehemaligen Schulzenhof „Alter Hof Herding“ in Coesfeld-Lette, in dem sich unter anderem das Glasmuseum und das Glasdepot befinden. Ergänzt wurde der Ort durch einen Glasgarten, eine weitere Heimatadresse für Glaskunst, die darüber hinaus durch alten und neuen Baumbestand sowie gepflegte Rasenflächen – umsäumt von geschwungenen Wegen, ausgewählten Blumen und Pflanzenbüschen – besticht und den Besucher zum Verweilen und Betrachten einlädt.

Ausstellungsfläche am Jakobiwall 1

Zu der Stiftung gehört auch der 1998 gegründete Kunstverein Münsterland, der in einem Neubau mit über 230 Quadratmetern Ausstellungsfläche am Jakobiwall 1 beheimatet ist, an geschichtsträchtiger Stelle, dem einstigen Standortes des Letter Tores, dem ehemaligen Verlauf der Umflut und dem alten Jakobifriedhof. Dort befindet sich auch das Mahnmal für die Opfer von Krieg und Holocaust. Der Westfälische Jakobsweg führt übrigens ebenfalls den Jakobiwall entlang.

Eingeweiht wurden die neuen Räume des Kunstvereins Münsterland am 24. September 1999 mit der Ausstellung „Gotthard Graubner – Radierungen“, eingeweiht. Diese Ausstellung markierte den Beginn des weiteren Auftritts des Kunstvereins in Coesfeld und Umgebung.

Seit der Gründung werden die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vereins von ihrer Begeisterung für die zeitgenössische Kunst getragen. Die Aufgabenpalette, die sie sich auf die Fahnen geschrieben haben, ist vielfältig. So fördert der Verein mit vier bis sechs Ausstellungen pro Jahr insbesondere freischaffende zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler, deren Werke in Einzel- und Gruppenausstellungen oder thematischen Präsentationen gezeigt werden. Das Spektrum reicht von Malerei und Fotografie über Plastik, Videoarbeiten bis hin zu Raum- und Lichtinstallationen. Eingeladen werden Künstlerinnen und Künstler aus dem Bundesgebiet und auch aus Europa. Kooperationen mit regional und überregional renommierten Häusern binden den Kunstverein Münsterland in ein Netzwerk von Kulturschaffenden und unterschiedlichen Kunstszenen ein.

Neben den Ausstellungen bilden die Publikationen des Kunstvereins Münsterland einen beachtenswerten Beitrag zur Entwicklung der zeitgenössischen Kunst.

Kunstvermittlung kontinuierlich ausgebaut

Der Bereich der Kunstvermittlung wurde in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. Das Programm richtet sich an interessierte Gelegenheitsbesucherinnen und Besucher ebenso wie an ein Fachpublikum. Führungen, Vorträge, Diskussionsforen, Artist Talks, Museums- und Atelierbesuche sowie Kunstreisen begleiten die Ausstellungen mit dem Ziel, einer breiten Öffentlichkeit ein Forum zum Verständnis zeitgenössischer künstlerischer Fragestellungen und zur Auseinandersetzung mit kunstgeschichtlichen, kulturellen oder gesellschaftlichen Themen zu bieten. Besondere Musikveranstaltungen, Lesungen, Vorträge und Beiträge zur regionalen Kulturförderung runden das jährliche Veranstaltungsprogramm ab.

Kinder- und Jugendprogramm

Seit Januar 2002 hat der Kunstverein Münsterland ein eigenes Kinder- und Jugendprogramm. Es ermöglicht eine nachhaltige Bindung des jungen Kulturpublikums bereits ab dem Vorschulalter. Neben einem vielfältigen Kursangebot werden Kindern und Jugendlichen mitten in den aktuellen Ausstellungen sowie im hauseigenen Atelier Freiräume geboten, das Gesehene und Erlebte kreativ umzusetzen. Der Kunstverein Münsterland pflegt ebenso rege Kontakte zu Schulen und anderen Bildungseinrichtungen und unterstützt junge Erwachsene in speziellen Mappenkursen prüfungsvorbereitend für alle Kunst- und Designstudiengänge.

Abgerundet wird das äußerst umfangreiche Angebot des Kunstvereins durch Malkurse für Erwachsene und einen alle vier Jahre ausgeschriebenen Kunstpreis im Wert von 10.000 Euro.

Nähere Information: Kunstverein Münsterland, Jakobiwall 1, 48653 Coesfeld, Telefon: 02541 880711, E-Mail: info@kunstverein-muensterland.de. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 13 Uhr und Sonntag von 11 bis 17 Uhr.