Erinnerung an textiles Erbe

Dass „Bussemakerhuis“ in Borne ist das einzige verbliebene Leinenhandelshaus in den Niederlanden, das sich noch fast im Originalzustand befindet und für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Zirka 40 Kilometer entfernt von Nordhorn befindet sich die zur Provinz Overijssel gehörende niederländische Stadt Borne. Sie besticht durch eine landschaftlich reizvolle Landschaft und durch ihre Altstadt mit vielen noch gut erhaltenen und kulturell bedeutenden Häusern aus früheren Jahrhunderten. Was die Stadt aber auch noch ausmacht, ist ihre textile Vergangenheit, die viele Parallelen zu der von Nordhorn hat.

Museum als Erinnerungsort

Daran erinnert das Bussemakerhuis am Ennekerdijk im früheren Zentrum von Borne. Seit 1993 dient es als Museum. Die Besucher erhalten dort einen interessanten Einblick in die Lebens- und Arbeitswelt von Textilfabrikanten und Textilarbeitern vom 17. bis zum 20. Jahrhundert.

Ein weiteres Themenfeld ist die Glaubensgemeinschaft der Mennoniten, die im 18. und 19. Jahrhundert die Region Twente prägten. Sie gehören der Evangelischen Freikirche an und gehen auf die Täuferbewegungen der Reformationszeit zurück. Ihre besondere Geschichte ist über Jahrhunderte von Verfolgungen geprägt, da sie aufgrund ihres von einer strengen Auslegung der Bibel geprägten Glaubens und ihrer kritischen Haltung zur offiziellen Amtskirche als eine Gefahr für die Autorität von Staat und Kirche angesehen wurden.

Aber nicht nur zu diesen beiden Aspekten hat das Museum eine umfassende Sammlung zusammengetragen, sondern auch über die jüdische Familie Spanjaard, die seit dem frühen 19. Jahrhundert zu den führenden Textilfabrikanten in Borne und der Region gehörte.

Sonderausstellungen

Darüber hinaus werden im Bussemakerhuis drei bis vier Sonderausstellungen zu einem speziellen Thema gezeigt. Unter dem Titel „Magisches Schottland: Clans, Tartans und Kilts“ geht es aktuell um den charakteristischer Wollstoff Tartan, aus dem der schottische Kilt hergestellt wird, und darum, welche Bedeutung der Kilt und seine besondere Ausstattung für das früher von Clans geprägte Schottland hatte. So galten im18. Jahrhundert Tartans und Kilts als Symbole des Widerstands gegen die verhasste britische Herrschaft. Auch heute noch werden Tartans und Kilts bei zeremoniellen Anlässen wie Hochzeiten oder den Highland Games mit Stolz getragen. Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Juli zu sehen.

Vom Familienwohnsitz zum Museum

1779 ließ der Fabrikant Jan Bussemaker das 1655 errichtete Stammhaus der Familie zu einem Wohn- und Geschäftshaus umbauen und nahm so seine heutige Gestalt an. Im Rahmen der Renovierungs- und Umbauarbeiten wurde das Gebäude erweitert, was im Dachgeschoss noch zu erkennen ist. Nachdem im Jahre 1882 die letzten Mitglieder der Familie Bussemaker das Haus verlassen hatten, wurde es für längere Zeit an Privatpersonen vermietet. Im Jahre 1959 wurde dann die Bussemaker-Foundation gegründet, um dass inzwischen dem Verfall preisgegebene Gebäude vor dem Abriss zu bewahren. Nachdem es zunächst weiter an Privatpersonen vermietet wurde, konnten Konzepte für eine neue Nutzung in die Tat umgesetzt werden. Seit 1993 dient es als Museum, dass an die Bedeutung des Textilhandels und der Textilfabrikation für die Entwicklung Bornes erinnert.

Geschichte der Twenter Textilindustrie

Die Ursprünge der Twenter Textilindustrie lassen sich auf die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zurückführen. Borne war damals das wichtigste Zentrum des Handels mit Stoffen aus Leinen. Händler wie Jan Bussemaker bildeten in dieser Zeit das unverzichtbare Bindeglied zwischen den Webern und dem Markt. Sie handelten oft nicht nur mit Leinen, sondern auch mit anderen Produkten wie Holz und Kolonialwaren. Darüber hinaus lieferten sie den Bauern anfangs auch Leinsamen, da dieser qualitativ besser war als der Samen, der den Bauern von der Flachsernte übrig blieb. Später, als immer mehr Textilien gewebt wurden und der heimische Flachs nicht mehr ausreichte, stellten die Hersteller den Webern auch das Garn zur Verfügung. Nach dem Aufkommen der Baumwollwebereien verlagerte sich der durch die sich allmählich entwickelnde Textilindustrie entstandene Wohlstand zumeist in die umliegenden Städte wie Enschede, Almelo und Haaksbergen. Eine Ausnahme bildeten die unternehmerischen Aktivitäten der Familie Spanjaard.

Spanjaard größter Arbeitgeber

Es war der 1783 in Deutschland geborene Salomon Jacobs, der den Grundstock für ein fast 200 Jahre währendes Textil-Imperium legte. Nachdem er zunächst als Kaufmann in Zwolle tätig war, führte ihn sein Weg nach Borne, wo er seine Frau Sara David van Gelder heiratete. In Borne nahm er dann den Namen Spanjaard an und begann zunächst mit dem Handel von konfektioniert und gebrauchter Kleidung. Später kam die Produktion von Textilien hinzu. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs das Unternehmen der Familie Spanjaard stetig und entwickelte sich mit bis zu 2000 Mitarbeitern zum größten Arbeitgeber in Borne. Zu kriseln begann das Unternehmen dann in den 1950-er Jahren, bis schließlich 1961 der Verkauf an die Koninklijke Textilfabrieken Nijverdal-Ten Cate beschlossen wurde. Doch auch das konnte den Untergang der früheren NV Dampfspinnereien und Webereien SJ Spanjaard nicht verhindern. Schwierige Jahre, geprägt von Konkurrenz aus asiatischen Schwellenländern, folgten, bis 1973 die Spanjaard-Werke endgültig geschlossen wurden.

Aktivitäten im Bussemakerhuis

Das Bussemakerhuis ist nicht nur ein Ort der Präsentation, sondern auch ein Ort der Aktivitäten.

Dort wird unter anderem gezeigt, wie Flachsleinen gewebt wurde. Dabei wird der gesamte Prozess abgedeckt – von der Ernte der Flachspflanze bis zum Weben selbst. Und es wird erklärt, wie in der Gegend rund um Borne unter schwierigen Umständen Flachs angebaut werden konnte. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter zeigen den Besuchern außerdem alle erforderlichen Prozesse zur Herstellung der gewebten Stoffe auf den Jahrhunderte alten Handwebstühlen; und sie widmen sich der heutigen Verwendung von Flachsfasern.

Führungen durch Borne

Wer sich noch vertiefter mit der Geschichte Bornes beschäftigen will, kann sich einer Führung anschließen. Dabei arbeitet das Museum Bussemakerhuis eng mit der „Stichting Gidsen Oud Borne“ zusammen, die Spaziergänge durch Oud Borne organisiert.

Nähere Informationen: Museum Bussemakerhuis, Ennekerdijk 11, 7622 ED Borne, Telefon: 0031 (0)74 2669636, E-Mail communicatie@bussemakerhuis.nl. Geöffnet ist das Museum am Freitag von 11.30 bis 16.30 Uhr sowie am Samstag und Sonntag von 13 bis 16.30 Uhr.

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