Auf den Spuren von Piet Mondrian

Ein Museum in Winterswijk zeigt die Anfänge eines Klassikers der Moderne.

Was die meisten von dem niederländischen Künstler Piet Mondrian kennen, sind vor allem seine streng geometrischen Gemälde, bestehend in einer charakteristische Struktur aus einem schwarzen Raster und mit rechteckigen Flächen in den Grundfarben, die noch bis heute in Kunst, Architektur, Mode, Werbung und Populärkultur widergespiegelt werden.

Wie sich Mondrian von einem traditionellen und konventionellen Maler zu einem Künstler entwickelte, der mit Farbe und Form experimentierte, dokumentiert das Museum „Villa Mondriaan“ in der niederländischen, im Achterhoek gelegenen Gemeinde Winterswijk, die zur Provinz Gelderland gehört – nicht weit auf deutscher Seite von Stadtlohn und Gescher entfernt.

Anmerkungen zum frühen Piet Mondrian

Piet Mondrian gehört ohne Zweifel zu den einflussreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Er schuf die Stilrichtung des Neoplastizismus und war einer der wichtigsten Vertreter des niederländischen Konstruktivismus sowie der konkreten Kunst; und mit seinem Spätwerk gehört er zu den Begründern der abstrakten Malerei.

Doch wie fing das alles an? Piet Mondrian wurde am 7. März 1872 als zweites von fünf Kindern in Amersfoort an der Kortegracht 11 als Sohn von Pieter Cornelis Mondriaan (1839–1915) und dessen Frau Johanna Christina Mondriaan (geb. Kok, 1839–1909) geboren. 1880 übersiedelte die Familie nach Winterswijk, wo Pieter Cornelius Mondriaan als Lehrer und Schuldirektor tätig war.

Bereits mit 14 Jahren erfolgte eine intensivere Beschäftigung Piet Mondrians mit der Kunst. Er nahm Zeichenunterricht bei seinem Vater und seinem Onkel Frits, der ein geschätzter Landschafts- und Interieurmaler war.

Nach dem Willen des streng calvinistischen Vaters sollte Piet aber Lehrer werden und so begann der zunächst die Laufbahn eines Zeichenlehrers. Hierfür erwarb er 1889 die Lehrbefähigung für Volksschulen und 1892 die Lehrbefähigung als Zeichenlehrer für höhere Schulen. Da Mondrian sich jedoch nicht zum Lehrer berufen fühlte, entschied er sich, noch im November 1892 an der Rijksakademie van beeldende kunsten in Amsterdam ein Studium der Kunst zu beginnen, das er bis 1894, mit anschließenden Abendkursen bis 1897, fortführte.

Stark geprägt von dem strengen Calvinismus seines Vaters, interessierte er sich für die Theosophie, eine philosophisch-esoterische Bewegung mit mystisch-religiösen und spekulativ-naturphilosophischen Denkansätzen, die im 19. Jahrhundert entstand, sich mit der Suche nach der „göttlichen Weisheit“ beschäftigte, die Welt als einen Ausdruck Gottes verstand, alles Wissen auf Gott bezog und in dieser Verbindung Gott oder das Göttliche auf einem Weg intuitiver Schauung unmittelbar zu erfahren trachtete. Diese Denkrichtung beeinflusste in unterschiedlichster Weise das Schaffen vieler Künstler aus der Generation Mondrians.

Nun aber weiter zu Mondrians künstlerischer Frühphase: In den Jahren 1898 und 1901 bewarb er sich um den niederländischen „Prix de Rome“, den angesehensten Kunstpreis der Niederlande, und wurde beide Male abgelehnt. Nachdem Piet Mondrian zwei Stillleben verkauft und einen Porträtauftrag ausgeführt hatte, reiste er 1901 mit einem befreundeten Maler nach Spanien. Da er sich dort nicht behaglich fühlte, kehrte er schnell in seine Heimat zurück. Er konnte in Spanien nichts malen – zu verschieden war das Licht im Vergleich zu seiner Heimat. 1904 lebte er zurückgezogen in Uden, wo er sich vermehrt mit der schon angesprochenen Denkrichtung der Theosophie auseinandersetzte, ein Prozess, der bis an sein Lebensende dauern sollte. Im Jahr 1905 bezog Mondrian sein erstes Atelier in Amsterdam, wo er bis 1908 hauptsächlich naturalistische Arbeiten sowie wissenschaftliche Zeichnungen für die Universität Leiden anfertigte. Ein weiterer wesentlicher Schritt in dieser künstlerischen Frühphase war die Berufung in den Vorstand der 1910 gegründeten Künstlergruppe „Moderne Kunstkring“ (Anm.: bekanntestes Mitglied war neben Mondrian Jan Toorop, dessen Werke in vielen niederländischen Museen zu sehen sind) berufen, die bis 1916 bestand. Bereits ein Jahr nach der Gründung fand die erste Ausstellung dieser Künstlergruppe im Stedelik Museum in Amsterdam mit insgesamt 166 Exponaten statt – unter anderem von Paul Cézanne, Pablo Picasso und George Braque. Mondrian zeigte sechs Werke, darunter „Evolution“ und „Die rote Mühle“. Mit dieser Ausstellung und dem Umzug nach Paris endet die künstlerische Frühphase Mondrians.

Mondrians Frühphase und deren Widerspiegelung im Museum „Villa Mondrian“

Ausführlich wird diese künstlerische Frühphase im Museum „Villa Mondrian“ in Winterswijk dokumentiert – ein biographisch bedeutender Ort im Leben des Künstlers, an dem seine Entwicklung zum Maler beginnt.

Die Geschichte der Villa Mondrian beginnt im Jahr 1880, als die Familie Mondrian nach Winterswijk zieht. Einige Tage später, nachdem sie sich dort eingerichtet haben, erteilt Vater Mondrian, ein strenger Calvinist, in der nahegelegenen Schule den ersten Zeichenunterricht. Auch der junge Piet wird früh im Zeichnen unterrichtet, aber Vater Mondrian ist nicht an dessen Ausbildung zum Künstler interessiert. Er sieht für seinen Sohn die Laufbahn zum Lehrer vor.

Dennoch arbeitet Piet an der Entwicklung seiner eigenen künstlerischen Handschrift. Gemeinsam mit seinem Onkel Frits übt er sich an Motiven in der regionaltypischen Landschaft des Achterhoek. Der Tradition folgend, fängt er dort unter anderem einen laubbedeckten Wald mit dunklen Brauntönen malerisch ein. Seine Gemälde und Studien sind den Werken von Frits sehr ähnlich.

Mit großer Beharrlichkeit und Unternehmungslust bewirbt sich Piet um ein Stipendium. Dieses Stipendium ermöglicht es ihm, 1892 seinen ersten Zeichenunterricht an der Reichsakademie Amsterdam zu nehmen. Wie jeder Heranwachsende versucht der junge Piet, seiner künstlerischen Identität und einem eigenen, authentischen Stil Gestalt zu geben. In diesen ersten Schritten seiner Entwicklung werden die Konturen seines späteren Stils sichtbar.

Zunächst prägend ist der Impressionismus, der nach der frühen Ablehnung in Frankreich allmählich internationale Anerkennung erfährt. So malt Mondrian impressionistisch beeinflusste Landschaften seiner niederländischen Heimat wie die „Bäuerliche Szenerie mit St.-Jacobskirche“ und folgt damit dem Stil der bekannten „Haager Schule“. Ein weiteres Beispiel: Das Gemälde „Mühle im Sonnenlicht: Die Winkeler Mühle“aus dem Jahr 1908 zeigt beispielsweise Mondrians Auseinandersetzung mit einem traditionellen holländischen Motiv. Das Bild ist vom Fauvismus beeinflusst und orientiert sich an Vincent van Gogh. Die Mühle, im Gegenlicht vor gelbblauem Hintergrund präsentiert, ist mit roten und blauen Strichen gemalt, wobei die roten die blauen Striche zum Teil überdecken. Die Anwendung pointillistischer Maltechnik wird als Mittel eingesetzt, um die Form zu entmaterialisieren, und die Bezugnahme auf den Fauvismus in der Farbgebung dient dazu, die Wirklichkeit noch mehr zu abstrahieren.

Von der früheren Heimstatt zum heutigen Museum

Mehr als ein Jahrhundert, nachdem die Familie Mondrian ihre ersten Spuren in Winterswijk hinterlassen hatte, zieht das Museum in die Villa ein. Ein wichtiger Teil von Mondrians Frühwerk wird in den beiden neu errichteten Ausstellungsräumen gezeigt. Die ausgestellten Werke belegen, wie sich Piet Mondrian von einem konventionellen Zeichner und Maler allmählich zu einem Künstler entwickelt, der später mit Farbe und Form experimentieren wird. Anfänge des Stils, mit dem er später in der ganzen Welt berühmt werden sollte, sind bei genauerer Betrachtung schon früher zu erkennen.

Das ehemalige Wohnhaus vermittelt einen Eindruck vom Leben der Familie Mondriaan in Winterswijk. Zu sehen sind auch Werke von Piet Mondriaans drei Lehrern aus seiner Winterswijker Zeit: seinem Vater Piet Cornelis Mondriaan sr., seinem Onkel Frits Mondriaan und dem Maler Jan Braet von Überfelt. Hier wird die Beziehung zwischen Piet Mondriaans Frühwerk und dem Umfeld, in dem es entstand, sichtbar. Im Obergeschoss der Villa vermitteln Fotografien aus der persönlichen Sammlung des Fotopioniers Ger Fiolet ein Bild von Mondriaans späterem Leben.

Darüber hinaus wird hier und im neu errichteten Arco-Pavillon im Erdgeschoss zeitgenössische Kunst ausgestellt. Im angrenzenden Garten werden Gemüse und Obst angebaut, wie damals, als die Familie Mondriaan hier lebte.

Obwohl das Museum erst vor 12 Jahren eröffnet wurde, ist die Villa in Winterswijk schon ein Begriff in der Kunstszene. Diese Präsenz war aber trotz der weltweiten Berühmtheit Mondrians lange nicht gegeben. Im Jahr 1982 war das damals stark vernachlässigte Gebäude sogar vom Abriss bedroht. Dem kunstinteressierten Ehepaar Jan und Elizabeth Nijhuis gelang es jedoch, mit der Unterstützung mehrerer Winterswijker Bürger dies zu verhindern.

Dank der Bemühungen des Ehepaares Nijhuis und ihrer Unterstützer sowie mit Unterstützung der Gemeinde und der Provinz konnte dann nicht nur der Abriss verhindert, sondern auch die Idee für ein Piet Mondrian-Museum, die heutige Villa Mondriaan, im Jahr 2013 umgesetzt werden. Am 21. Mai 2013 wurde es von der früheren niederländischen Königin Beatrix eröffnet.

Kooperation mit dem Kunstmuseum Den Haag

Das Museum Villa Mondrian unterhält eine langfristige Partnerschaft mit dem Kunstmuseum Den Haag. Dank dieser einzigartigen Zusammenarbeit kann die Villa Mondriaan jedes Jahr auf eine große Anzahl von Leihgaben aus der größten und wichtigsten Mondriaan-Sammlung der Welt zurückgreifen. Viele der frühen Werke Mondriaans, die noch nie ausgestellt worden sind, wurden und werden in Winterswijk gezeigt. Jedes Jahr wird das Ausstellungskonzept geändert und die Gemälde werden durch neue Leihgaben ausgetauscht.

Café lädt zum Verweilen ein

Zum zehnjährigen Bestehens des Museums Villa Mondriaan wurde ein neues Café im Museum eröffnet. Dort kann unter anderem ein spezielles Mondriaan-Gebäck, eine köstliche Tasse Kaffee oder Piet’s Bier von der Brouwerij Wentersch genossen werden – natürlich mit Boogie Woogie-Musik im Hintergrund. Zusätzlich zu den regulären Öffnungszeiten des Museums ist das „Café Mondriaan“ den ganzen Mai über auch am Freitagabend geöffnet.

Nähere Informationen: Museum Villa Mondriaan, Zonnebrink, 47101 NC Winterswijk, Telefon +31 (0) 54351 5400, E-Mail info@villamondriaan.nl. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

„Joana Schneider – Otherworldly“

If you know who she is its time for Botox, 2023, Foto: Pim Top

In der neuen Ausstellung „Otherworldly“ entführt das Groninger Museum seine Gäste an einen Ort, an dem Realität und Fantasie miteinander verschmelzen.

Joana Schneiders außergewöhnliche Textilskulpturen regen zum Nachdenken über unsere sich fortwährend wandelnde Welt an. Schneider kombiniert alte Handwerkstechniken und hinterfragt Themen wie Veränderung, Identität und Schönheit. „Joana Schneider – Otherworldly“ ist noch bis 12. Oktober im Groninger Museum zu sehen.

„Otherworldly“ fordert Besucherinnen und Besucher auf, über die transformative Kraft der Natur und die schier unendlichen Möglichkeiten der menschlichen Vorstellungskraft nachzudenken. Darin vermischen sich das Alltägliche mit der Imagination. Die Installation erkundet die Schnittfläche zwischen der vertrauten Welt und ihrem geheimnisumwobenen Gegenpart.

Inspiration

Inspirationsquelle für Joana Schneider (München, 1990) sind unter anderem Mythen, deren Protagonisten oft von Macht, Liebe und Rache besessen sind, was sie zu vielschichtigen Figuren macht. Auch die Spätrenaissance bietet der Künstlerin reichlich Anregung, war es doch eine Epoche, in der Menschen, Tiere und die Natur verschwenderisch abgebildet wurden. Zugleich durchleuchten ihre Skulpturen die Rolle von Schönheitsidealen, den Wunsch nach Veränderung und die ständige Suche nach der eigenen Identität. Der Aspekt der Metamorphose, ein Thema, das sowohl der Natur als auch den Menschen eigen ist, bildet den Ausgangspunkt der Ausstellung.

Arbeitsmethode

Schneider ist eine Pionierin, die innovative Textilkunst mit teils vergessenen Handwerkstechniken kombiniert. Sie setzt auf alte Techniken, wie Stickerei, Teppichweberei und Fischerknoten, und arbeitet mit recycelten Materialien, darunter Angelschnüre und Garn, die sie selbst färbt. Ihr unvergleichlicher Materialgebrauch brachte Schneider weltweite Anerkennung als Wegbereiterin im wiedererwachten Interesse der Kunstwelt an Textilien ein. In ihren Installationen gelingt es ihr, Natur, Fiktion und menschliche Erfahrung miteinander zu verknüpfen und ein sinnliches Erlebnis hervorzurufen, das das Publikum einlädt, weit über das Sichtbare hinauszuschauen.

Forever Young“ Neuerwerb des Museums

2023 erwarb das Groninger Museum Joana Schneiders Arbeit „Forever Young“ sowie vier weitere Skulpturen aus dieser Serie. Der aus recycelten Angelschnüren und PET-Garn bestehende Wandteppich zeigt eine karikierte Mädchenfigur mit runden Formen, rosa Haaren und einem dreidimensionalen Kleid. Die Figur referiert an das ikonische Spielzeug der Polly-Pocket-Serie aus den 1990ern und untersucht ihren Einfluss auf die Millennials und deren Wunsch, jung zu bleiben. Die schichtweise aufgebauten Arbeiten in dieser Serie verweisen auch auf die ästhetische Erfahrung zwischen der digitalen und der Offline-Lebenswelt. „Forever Young“ ist erstmals seit seinem Erwerb im Groninger Museum zu sehen. Der farbenfrohe Wandteppich ist ein Augenzwinkern auf die Welt der plastischen Chirurgie und wird zusammen mit anderen Werken aus der Serie gezeigt.

Nähere Informationen: Groninger Museum, Museumseiland 1, 9711ME Groningen, Niederlande. Postanschrift Postbus 90, 9700 ME Groningen, Niederlande, Telefon +31 50 3 666 555, E- Mail info@groningermuseum.nl. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Henk Heideveld – 50 Jahre Kunst

Ein Rückblick auf 50 Jahre Karriere des postmodernen bildenden Künstlers Henk Heideveld aus Zwolle zeigt das dortige Museum de Fundatie.

Viele Einwohner von Zwolle kennen Heideveld als den Mann, der über den Bogen der IJssel-Brücke ging, sich mit einem Koffer voller Geld auf den Weg machte, um kostenlose Banknoten zu verteilen, oder als den Mann, der in einer seiner vielen Performances die Bahnstrecke nach Deutschland übertünchte, um auf den Holocaust aufmerksam zu machen. Weniger bekannt ist sein Leben als visueller Mystiker und postmoderner Frommer, wie er sich selbst nennt.

Die Ausstellung „Henk Heideveld – 50 Jahre Kunst“, die noch bis zum 17. August im Museum de Fundatie in Zwolle zu sehen ist, zeigt die Vielseitigkeit von Heidevelds Werk: von Video und Performances bis hin zu Zeichnungen, Gemälden, Installationen, Texten und Fotografien, die sich über fünf Jahrzehnte erstrecken.

Beginnend mit seinen Anfängen als Konzeptkünstler im Jahr 1975 bis heute zeigt die Auswahl seine tiefgreifende und obsessive Suche nach dem Verständnis der Welt – und der Rolle des Menschen bei der Gestaltung oder dem Verlust dieser Welt. Er erforscht das Verhältnis von Kunst und Gott, in dem Geschichte und Zeit eine wichtige Rolle spielen. Er tat dies, indem er jahrelang über den Holocaust recherchierte, den er für das dunkelste Kapitel der europäischen Geschichte hält – verwurzelt sowohl in modernen sozialen Strukturen als auch in zweitausend Jahren christlicher Intoleranz.

Über Henk Heideveld

Henk Heideveld (geb. 1950, Winterswijk, Niederlande) ist ein Künstler, Performer und Autor, der in Zwolle, Niederlande, lebt und arbeitet. Seine Arbeit kombiniert Video, Performance, Fotomontage, Zeichnungen und Malerei.Seit Mitte der 1970er Jahre beschäftigt sich Heideveld mit philosophischen und historischen Themen, insbesondere mit dem Begriff „Gott“, wie ihn Spinoza in Deus sive Natura (Gott oder Natur) beschreibt. Seit 2010 konzentriert sich sein künstlerisches und schriftliches Werk zunehmend auf die Quantenmechanik und bezieht wissenschaftliche Theorien in seinen Schaffensprozess ein.

Heideveld hatte Einzel- und Gruppenausstellungen im Stedelijk Museum Zwolle, Niederlande (2015); Museum für falsche Kunst, Vledder, Niederlande (2017); Öffentlicher Raum Kreis-Lippe, Lünen, Deutschland (2021); und „Siamsa Tíre“ Cultural Centre, Tralee, Irland (2021). Seine Arbeiten wurden auch in Gruppenausstellungen in der Galerie Monte Video, Amsterdam (1980) gezeigt; Städtische Galerie Lenbachhaus, München (1982); Niederländisches Festival, Athen (1983); Stedelijk Museum Schiedam, Niederlande (1985); und Rijksmuseum Twenthe, Enschede (1989).

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

„Face to Face“ – Picasso und die Pariser Moderne im Spiegel im Fotografie

Die Sonderausstellung „Face to face“ im Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster stellt die Schöpfer der Bilder mit über 100 Künstlerfotografien ins Zentrum des Interesses.

Künstler umweht die Aura schöpferischer Ausnahmemenschen. Sie genießen einen gesellschaftlichen Sonderstatus, der zwischen den Rollenbildern eines Bürgerschrecks, Bohemiens, des Märtyrers oder Propheten schwankt. Das Publikumsinteresse richtet sich folglich nicht nur auf ihre Kunstwerke, sondern auch auf die Schöpfer, die hinter ihren Meisterwerken stecken.

Die Sonderausstellung „Face to face“ im Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster stellt die Schöpfer der Bilder mit über 100 Künstlerfotografien ins Zentrum des Interesses. Im Mittelpunkt der Präsentation stehen die Fotografien der fünf Künstler, die das Kunstmuseum Pablo Picasso in seinen Beständen vereint: neben dem Namenspatron Pablo Picasso gilt es Porträtfotos seines großen Konkurrenten Henri Matisse zu entdecken. Picassos Weggefährte Georges Braque steht ebenso im Fokus der großen Fotografen wie der eher introvertierte Joan Miró. Porträtfotos Marc Chagall runden prominent diesen Reigen der „Top five“ der klassischen Moderne ab. Die Fotos der Künstler werden in der Inszenierung der Ausstellung in Dialog mit den reichen Beständen des Hauses gestellt. So blickt beispielsweise das zeichnerische Selbstbildnis von Henri Matisse auf dessen Porträtfotos von Robert Capa.

Die Ausstellung vereint Künstlerfotografien von René Burri, Robert Capa, Philippe Halsman, Herbert List, David Seymour und Michel Sima. Sie zählen zu den renommiertesten Fotografen des 20. Jahrhunderts und hatten das Glück, die größten Künstler der Moderne vor ihre Linsen zu bekommen. Mit Ausnahme von Michel Sima arbeiteten sie alle anderen für die legendäre Fotoagentur MAGNUM, die 1947 in New York gegründet wurde und bis heute existiert. Die Fotos sind bisweilen Homestorys oder liefern intime Einblicke durchs Schlüsselloch der Künstlerateliers. Sie changieren zwischen Momentaufnahmen und durchdachten (Selbst-)inszenierungen.

Der aus Hamburg stammende Herbert List betrachtete die „Einfühlung des Fotografen in die Persönlichkeit des Darzustellenden“ als Grundvoraussetzung für ein gelungenes Bild. Seine Fotos zeigen einen ungewohnt nachdenklichen Picasso, der durch die Bildregie des Fotografen in Zwiesprache zu seinen eigenen Werken tritt.

Im Falle von Henri Matisse zeigt sich der betagte Künstler nach einer Krebsoperation den Fotografen auf dem Krankenbett, das er zur Arbeitsstätte umwandelt hat.

Der rastlose Magnum-Fotograf René Burri hat einmal über seine Arbeit ausgeführt: „Fotos sind wie Taxis zur Rushhour: wenn man nicht schnell genug ist, dann nimmt sie jemand anderes.“ So ist es der professionellen Schnelligkeit Burris zu danken, dass außergewöhnliche Picasso-Fotos auf uns gekommen sind.

Philipp Halsman wird in den 1940er Jahren der große Starfotograf Amerikas. Seine Fotos von Joan Miró bestechen durch eine gelöste Intimität, die der Fotograf offenbar bei den Sitzungen mit dem großen Katalanen finden konnte. Die Offenbarung der Persönlichkeit eines anderen Menschen für die Dauer eines Augenblicks einzufangen, sei die Leidenschaft seiner Existenz, resümiert Halsman gegen Ende seines langen Berufslebens. Bei den Begegnungen der Ausnahmekünstler mit den Starfotografen sprühten die schöpferischen Funken unverwechselbarer Persönlichkeiten. Durch ihre Fotos werden die Besucher der Ausstellung Zeugen dieses Funkenflugs und Picasso und Co empfangen sie.

Die Ausstellung ist vom 28. Juni bis 9. November geöffnet.

Nähere Informationen: Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, Picassoplatz 1, 48143 Münster, Telefon 0251 4144710. E-Mail info@picassomuseum.de. Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr.

Ein Schloss für Joseph Beuys und manches mehr

Wer sich für das Werk des Künstlers Joseph Beuys interessiert, kommt um einen Ort nicht herum: das Schloss Moyland in Bedburg-Hau am Niederrhein. Auch ansonsten lohnt sich ein Besuch – insbesondere wegen der Park- und Gartenanlagen.

Vorbemerkungen

Wenn es um den Namen Joseph Beuys geht, haben wohl viele Aktionen wie „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ in einer Galerie in Düsseldorf, den alten VW-Bus mit 24 Schlittenobjekten, der 1969 beim Kölner Kunstmarkt den damals sensationellen Preis von 110000 Euro erzielte, die Kleidung, bestehend aus Jeans, weißem Hemd mit Anglerweste und Filzhut, die zum Markenzeichen wurde, die „Fettecke“ in der Düsseldorfer Kunstakademie, die von einem Hausmeister entfernt wurde, weil er es nicht als Kunstobjekt wahrnahm, die mit Mullbinden und Heftpflastern versehene Badewanne, die nach einer Komplettreinigung von einem SPD-Ortsverein für die Kühlung von Bier genutzt wurde, oder das von ihm mehr schlecht als recht gesungene Lied „Sonne statt Reagan“ im Kopf – und natürlich die erregte Diskussion in vielen Medien darüber, ob das von Beuys geschaffene Werk Kunst sei oder weg könne.

Wer aber bereit ist, sich mit der Person Beuys und seinem Werk ohne Vorurteile zu nähern und sich näher damit zu beschäftigen, dem sei der Besuch des Schlosses Moyland empfohlen.

Zur Geschichte der Burg beziehungsweise des Schlosses

Bevor aber auf Beuys und sein Werk sowie die Umnutzung des Schlosses als Kunstmuseum näher eingegangen wird, soll die lange Geschichte des Schlosses kurz beleuchtet werden.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde es im Jahre 1307. Die erste „Burg“ Moyland war eine vierseitige von Wasser und Wehrmauern umgebene Befestigung mit drei hufeisenförmigen Ecktürmen und einem wehrhaften und bewohnbaren Bergfried. Nach weiteren Umbauten im Mittelalter und im Barock geht die heutige Schloss- und Gartenanlage auf das späte 19. Jahrhundert zurück. Der Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner gestaltete ab 1854 das Äußere des Schlosses im neugotischen Stil um. Bis 1945 diente es der äußerst wohlhabenden Familie Steengracht als ständiger Wohnsitz und war ein beliebtes Ziel für Reisende am Niederrhein. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg drohte das Schloss zu verfallen. Es wurde von alliierten Soldaten und der Zivilbevölkerung geplündert, so das Interieur, die Kunst- und Porzellansammlung und die Bibliothek verloren gingen. Erste Sicherungsmaßnahmen für die Schlossruine wurden 1956 durch einen Großbrand zunichte gemacht.

Trotzdem reiften Pläne für einen Wiederaufbau. Es galt, eine neue Nutzung zu finden. Bereits 1964 entstanden erste Pläne für den Umbau zu einem Museum, in der die Sammlung van der Grinten eine neue Heimat finden sollte. Der Kunstsammler, Museumsdirektor, Schriftsteller und bildende Künstler Hans van der Grinten hatte gemeinsam mit seinem Bruder, dem Kunsthistoriker, Sammler, Künstler und Kunsterzieher Franz Joseph van der Grinten, eine umfangreiche Kunstkollektion mit mehr als 60.000 Werken aus dem 19. und 20. Jahrhundert und eine um die 100.000 Exemplare zählende, „treuhänderisch“ übergebene Sammlung an Archivalien von und über Joseph Beuys aufgebaut.

Aber erst nach über 20 Jahren konnten unter anderem mit der Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen die Pläne für einen Umbau in die Tat umgesetzt werden. Unter der Leitung des Kranenburger Architekten Karl Ebbers wurde 1987 mit der Entschuttung begonnen. Danach wurde das Äußere gemäß den Plänen des Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner wieder aufgebaut. Für die Nutzung als Museum wurde es im Inneren in Galerien, Kabinetten und Sälen aufgeteilt, die sich an die historische Raumaufteilung anlehnt; und die Unterteilung des hohen Dachstuhls ermöglichte ein neues Geschoss.

Eingebettet in die niederrheinische Landschaft bietet das neugotische Wasserschloss Moyland mit seiner historischen Gartenanlage aus dem 19. und dem frühen 20. Jahrhundert ein Ensemble von hohem kunst- und kulturgeschichtlichem Rang. Barocke Elemente wie das Alleen- und Grabensystem bestimmen noch heute die Grundstruktur des Gartens. Zeitgleich mit der neugotischen Umgestaltung des Schlosses wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert ein Garten im gemischten Stil angelegt. In ihm verbinden sich Partien im Stil des „Englischen Gartens“ mit Strukturen des „Architektonischen Gartens“ zu einer situationsreichen Park- und Gartenlandschaft. Sie wurde parallel zum Wiederaufbau des Schlosses ebenfalls nach ihrem letzten historisch überlieferten Zustand wiederhergestellt.

Neueröffnung im Jahr 1997

Die Neueröffnung erfolgte im Jahre 1997. Kernbereich des Museums ist seitdem das künstlerische Schaffen von Joseph Beuys. Mit ihm waren die Brüder van der Grinten bereits seit den 1950-er Jahren eng befreundet; und sie waren die Ersten, die Arbeiten von ihm erwarben. Nahezu 6000 Arbeiten von Joseph Beuys – Zeichnungen, Wasserfarbenblätter, Ölgemälde, plastische Bilder und plastische Arbeiten – befinden sich in der Sammlung des Museums Schloss Moyland. Darüber hinaus erhielten die Sammler von Beuys auch zahlreiche Archivalien zu dessen Leben, Werk und Wirken, die den Grundstock des Joseph Beuys Archiv innerhalb der Stiftung Museum Schloss Moyland bilden.

Architektonischer Nachtrag: Nordturmhelm

Was bei der Neueröffnung noch fehlte, war der sogenannte Nordturmhelm, der im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Der Nordturmhelm geht auf die schon erwähnte Umgestaltung durch den damaligen Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner zurück. Mit dem hohen Turmaufbau bezweckte Zwirner ohne Zweifel die Betonung der historischen Funktion des Bergfrieds, die Bedeutung dieses einst als letzte Zuflucht bei kriegerischer Bedrohung entstandenen Bauteils. Gleichzeitig schuf er damit auch die charakteristische, abwechslungsreiche, asymmetrische Silhouette des Schlosses. Zwirner gab seinerzeit dem noch mittelalterlichen Schloss das Erscheinungsbild, an dem sich der Wiederaufbau in den 1980-er und 1990-er Jahren orientierte.

Erst 2008 konnte diese Lücke geschlossen werden. Seitdem ist der fast 30 Meter hohe neugotische Helm auf dem Nordturm des Schlosses wieder das Wahrzeichen Moylands.

Forschungseinrichtung zu Joseph Beuys

Das Joseph Beuys Archiv ist als internationale Forschungseinrichtung Teil der Stiftung Museum Schloss Moyland und zugleich ein Institut der Kunstakademie Düsseldorf. Die Kombination aus umfangreichen Werk- und Archivbeständen von und zu Joseph Beuys unter einem Dach ist weltweit einzigartig.

Dazu gehört erstens die umfangreichste Bibliothek zu Joseph Beuys und beinhaltet Publikationen ab den 1950-er Jahren bis heute, dazu „graue“ (nicht im Buchhandel erhältliche Publikationen) Literatur und Zeitschriften. Der komplette Bestand ist über den Online-Katalog der Museumsbibliothek recherchierbar.

Zweitens alle Presseartikel von 1947 bis hin zu aktuellen Veröffentlichungen, drittens Fotografien ab Anfang der 1950-er Jahre bis 1986 zur Person, zum Werk und zum Wirken, viertens Dokumente, Briefe und Schreiben an Joseph Beuys von zirka 1950 bis 1986 – unter anderem Drucksachen, Flugblätter, Manuskripte und Notizen, fünftens Drucksachen zu Beuys-Ausstellungen, Tagungen und Veranstaltungen von 1960 bis heute, sechstens audio-visuelle Medien zur internen Nutzung, siebtens ein Spezialarchiv in Kooperation mit dem ZJM Karlsruhe und achtens ein Spezialarchiv mit dem gesamten künstlerischen Nachlass von Ute Klophaus, zu dem das fotografische Werk mit 15.000 Schwarzweiß-Abzügen, 52.000 Negative und unterschiedliche archivarische Materialien gehören.

Der Skulpturengarten

Kunst wird im Schloss nicht nur indoor, sondern auch outdoor geboten. Im 1997 eingerichteten Skulpturenpark befinden sich zirka 70 Kunstwerke aus der Museumssammlung, darunter Arbeiten von Erwin Heerichs, Eduardo Chillada, James Lee Byars, Gerhard Marcks und vielen anderen. Die Skulpturen, die im ausgehenden 20. Jahrhundert entstanden, fügen sich harmonisch in die historische Gartenanlage ein. Plastische Arbeiten, von kleinformatigen bis zu monumentalen Skulpturen, werden in die abwechslungsreichen Gartenpartien passend eingebunden. Dieses Miteinander von zeitgenössischen Kunstwerken und historischer Gartenkunst eröffnet vielseitige Bezüge zwischen Kunst und Natur, hebt die Kunst aus ihrem musealen Kontext und stellt sie in einen Dialog mit gestalteter Natur.

Für Blumen- und Kräuterfreunde

Wer es nicht so mit der Kunst hat, wird beim Schloss Moyland auch fündig. So ist der Kräutergarten des Museums Schloss Moyland einer der größten und attraktivsten in der Region. Er wurde 1999 nach dem Vorbild des Anholter-Moyländer Kräuterbuches von 1470 angelegt, das sich heute in der Fürstlich Salm-Salmschen Bibliothek der Wasserburg Anholt befindet. In sechzehn Einzelbeeten befinden sich über 300 heimische und ausländische Kräuter, darunter Kräuter des Anholter-Moyländer Kräuterbuchs, Giftpflanzen, exotische Kräuter, ein Beet mit Kräutern, die aus der Antike bekannt sind, außerdem Arzneipflanzen und Kräuter, die in der Pflanzenheilkunde der Hildegard von Bingen eine Rolle spielen, sowie Küchenkräuter.

Damit noch nicht genug verfügt das Schloss Moyland auch über eine umfangreiche Hortensiensammlung. Insgesamt mehr als 2500 Pflanzen aus über 530 unterschiedlichen Hortensiensorten, darunter die prämierte Sorte Schloss Moyland, sind in der historischen Gartenanlage beheimatet und bilden somit die größte Hortensiensammlung in Deutschland.

Jährlich findet auch ein Hortensienfest statt – in diesem Jahr vom 28. bis 29. Juni. Nach dem Festwochenende beginnt dann der zweiwöchige Hortensiensommer. Wenn die Hortensien in voller Blüte stehen und ihre schönste Pracht entfalten, ist das der ideale Zeitpunkt für einen Besuch des Schlossparks Moyland. Während des Hortensiensommers finden vermehrt Hortensienführungen statt und im Moylandshop wird eine Auswahl an Hortensien zum Verkauf angeboten.

Gemütliche Einkehr

Das „Rocco’s“ bietet Kaffeespezialitäten sowie eine hochwertige Auswahl an Kuchen und Torten an. Darüber hinaus können Sie Ihren Besuch mit herzhaften kulinarischen Spezialitäten (täglich wechselnde Auswahl), einem Glas Wein oder einem Aperitif abrunden. Es eignet sich auch für eine mediterrane Mittagspause oder ein Geschäftsessen in gemütlicher Atmosphäre.

Nähere Informationen: Stiftung Museum Schloss Moyland, Am Schloss 4, 47551 Bedburg-Hau, Telefon 02824 951060, E- Mail info@moyland.de. Öffnungszeiten sind im Sommer (1. April – 31. Oktober) Montag 11–17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag–Freitag 11–18 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 10–18 Uhr, im Winter (1. November – 31. März) Montag 11–17 Uhr (nur Parkanlage) und Dienstag–Sonntag 11–17 Uhr.

Ausstellung über den niederländischen Impressionismus

Ab dem 27. Juni ist im Museum de Fundatie in Zwolle die Ausstellung „Der niederländische Impressionismus – Von Israels bis Ansingh“ zu sehen. Sie endet am 17. August.

Anfänge in Frankreich

In den 1870er Jahren begann eine Gruppe junger Maler in Frankreich, sich auf das Festhalten der Flüchtigkeit des Augenblicks zu konzentrieren. Wechselndes Licht und Farbe spielen dabei die Hauptrolle. Dabei ignorieren sie die akademische Tradition der Malerei. Anstatt die Realität möglichst genau nachzubilden, suchen sie nach Möglichkeiten, eine Atmosphäre, einen „Eindruck“ einzufangen. Dazu verwenden sie lockere Pinselstriche und unvermischte Farben. Von den Kritikern werden sie schnell als „Impressionisten“ bezeichnet. Zu ihnen gehören Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir und Edgar Degas. Die Erfindung der Farbe in der Tube ermöglicht es den Impressionisten, im Freien zu malen. So können sie noch besser einen unmittelbaren Eindruck von ihrer Umgebung wiedergeben. Der Impressionismus wird zu einem wichtigen Nährboden für die Entwicklung der modernen Malerei.

Einfluss auf niederländische Künstler

Im gleichen Zeitraum treten die niederländischen Künstler zunehmend in Kontakt mit ihren Kollegen aus Frankreich. Ab den späten 1880er Jahren beginnt der Impressionismus auch in den Niederlanden, mit George Hendrik Breitner, Isaac Israels, Willem de Zwart und Jan Toorop als Hauptakteuren. Sogar Piet Mondrian, der eher als Mitbegründer der abstrakten Malerei bekannt ist, malt zu Beginn seines künstlerischen Schaffens impressionistisch. Auch die „Joffers“, eine Gruppe niederländischer Künstlerinnen, zu denen unter anderem Lizzy Ansingh, Thérése Schwartze und Coba Ritsema gehören, arbeiten in einem impressionistischen Stil. Wie ihre französischen Kollegen beschäftigen sie sich mit alltäglichen, scheinbar zufälligen Momenten. Sie arbeiten oft in der Stadt und halten ihre Eindrücke auf der Leinwand fest. Weitere thematische Schwerpunkte sind Interieurs, Stillleben und Porträts.

Zu den „Amsterdamse Joffers“

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts fand sich in Amsterdam eine Gruppe von jungen Frauen zusammen mit dem Ziel, der Malerei als Form der Kunst nachzugehen. Sie entstammten wohlhabenden Familien und waren daher nicht gezwungen, um ihren Lebensunterhalt zu kämpfen. Diese Gruppe fand sich zu einem Zirkel zusammen, der sich meistens wöchentlich bei der Malerin Thérèse Schwartze traf. Anlass der Treffen war der Austausch von Erfahrungen bei der Arbeit als Künstlerin. Im Jahre 1912 erhielt diese Bewegung durch den Kunstkritiker Albert Plasschaet den Namen „Amsterdamse Joffers“, der erstmals in einem Zeitungsartikel gefallen war. Viele Werke dieser Künstlerinnen hängen in äußerst renommierten Museen wie dem Rijksmuseum Amsterdam,

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

„There is a ghost in the room. For sure!“

Künstler, Lehrer und Studenten der Kunstakademie Düsseldorf haben für eine Ausstellung eine Installation im Schloss Moyland erstellt.

Noch bis zum 25. Januar 2026 ist im Schloss Moyland die Ausstellung „There is a ghost in the room. For sure“ zu sehen. Sie besteht aus einer Installation mit Licht und Klängen sowie skulpturalen Elementen im Raum. Außerdem werden Werke der Fotografie und der Druckgrafik sowie ein Film präsentiert. Zwei Klanginstallationen wurden für den Park des Museums geschaffen. Sie befinden sich im Kräutergarten.

Was der Besucher erlebt

Unser Spiegelbild löst sich in nichts auf. Musikinstrumente spielen wie von Geisterhand. Schnelle Kameraschnitte und beunruhigende Klänge ziehen uns in den Bann des schwindelerregenden Alptraumes einer jungen Frau. Während Bilder aus der Märchenwelt der Brüder Grimm uns in ein verwunschenes Schloss entführen, hören wir aus der Ferne ein merkwürdiges Geräusch. Wir folgen ihm und sehen einen menschlichen Schatten an der Wand: Ist es unser eigener oder sind wir nicht alleine? Nachts im Dunkeln schärfen wir unsere Sinne. Unauffällige Geräusche – wie das Knarren des Holzbodens oder das Knarzen der Tür – werden auf einmal unüberhörbar und zu möglichen Anzeichen drohender Gefahr. Die grauschwarze Projektionsfläche der Nacht gibt Raum für das Geheimnisvolle und Schaurige. Hellwach versuchen wir, die Reize, die im Halbdunkel auf uns einwirken, einzuordnen und zu interpretieren. Ein Gespenst ist im Raum. Mit Sicherheit!

An der Ausstellung sind folgende Künstler beteiligt: Anri Sala, Ari Benjamin Meyers, Dominique Gonzalez-Foerster, Francesca Woodman, Fynn Bierik, Heidundgriess, lsabell Kamp, Maya Deren und Alexander Hammid, Michael Aerts, Swinda Oelke. Mit dabei sind auch Studenten der Kunstakademie Düsseldorf. Inspirationsquellen für die Ausstellung waren das Schloss und Werke aus der Sammlung van der Grinten – unter anderem von David Hockney, James Lee Byars und Jo Gijsen.

Nähere Informationen: Stiftung Museum Schloss Moyland, Am Schloss 4, 47551 Bedburg-Hau, Telefon: +49 (0)2824 9510-60, E-Mail: info@moyland.de. Geöffnet ist im Sommer (1. April bis 31. Oktober), Montag 11 bis 17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 10 bis18 Uhr, im Winter (1. November bis 31. März), Montag 11 bis 17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr.

Joseph Beuys und der Nationalsozialismus – Ein Laborraum

Eine Ausstellung im Schloss Moyland beschäftigt sich mit dem Künstler Joseph Beuys und seiner Beziehung zum Nationalsozialismus.

Im Rahmen des seit April 2023 laufenden Forschungsvolontariats des vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen geförderten Programms „Forschungsvolontariat Kunstmuseen NRW“ im Museum Schloss Moyland wurde das Forschungsprojekt „Joseph Beuys und der Nationalsozialismus – ein Laborraum“ entwickelt.

Es befasst sich mit der kritischen Aufarbeitung der Geschichte des Künstlers Joseph Beuys (*1921 +1986) in der Zeit des Nationalsozialismus sowie seiner späteren Positionierung hierzu.

Das Museum Schloss Moyland bietet zu diesem Zweck die besten Bedingungen, da es nicht nur über den umfangreichsten Bestand an Werken des Künstlers verfügt, sondern auch über ein einzigartiges Archiv von und zu Beuys.

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes werden seit dem 30. März in einem partizipativ angelegten Labor- beziehungsweise Ausstellungsraum innerhalb der Dauerpräsentation zu Joseph Beuys im ersten Obergeschoss des Schlosses präsentiert. Im Laborraum sind multimedial aufbereitete Informationen über die Jugend von Joseph Beuys, seine Zeit als Soldat und seine Beteiligung am 1957 ausgeschriebenen Wettbewerb für ein Mahnmal im ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Zu diesem Angebot gehören auch Interviews mit Forschern zu Joseph Beuys sowie mit Schülern und Studenten. Das interdisziplinäre Projekt wurde in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Heine-Universität und der Hochschule Rhein-Waal realisiert.

Auschwitz und der Zweite Weltkrieg im Werk von Joseph Beuys

Eine weitere Ausstellung im Schloss Moyland versammelt Werke von Joseph Beuys mit Bezug zum Zweiten Weltkrieg und zu Auschwitz. Ausgehend von Schulungsunterlagen aus seiner Zeit als Wehrmachtssoldat und Informationsmaterial, das Beuys 1957 bei seiner Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb für ein Mahnmal in Auschwitz-Birkenau erhalten und 1963 künstlerisch bearbeitet hat, gehen die Ausstellungsmacher der Frage nach, mit welchen ästhetischen Strategien Beuys auf die Ungeheuerlichkeit der systematischen Vernichtung von Menschen jüdischen Glaubens, von Sinti und Roma, Kommunisten und anderen im nationalsozialistischen Deutschland verfolgten Gruppen reagiert hat.

Diese Ausstellung zeigt, dass sich Beuys während seiner gesamten Laufbahn von den 1940-er bis in die 1980-er Jahre immer wieder auf höchst unterschiedliche Weise mit dem Zweiten Weltkrieg und Auschwitz künstlerisch auseinandergesetzt hat.

Nähere Informationen: Stiftung Museum Schloss Moyland, Am Schloss 4, 47551 Bedburg-Hau, Telefon: +49 (0)2824 9510-60, E-Mail: info@moyland.de. Geöffnet ist Sommer (1. April bis 31. Oktober), Montag 11 bis 17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 10 bis18 Uhr, Winter (1. November bis 31. März), Montag 11 bis 17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr.

Maria Abramović und MAI im Dialog mit Joseph Beuys

Zum ersten Mal tritt die international renommierte Künstlerin Marina Abramović mit dem Marina Abramović Institute (MAI) in einen direkten künstlerischen Dialog mit dem Erbe von Joseph Beuys, einem der einflussreichsten Wegbereiter der Aktionskunst. Veranstaltungsort ist das Schloss Moyland. Eröffnet wird die Ausstellung am 13. Juli, 14.30 Uhr.

Zugleich ist es das erste Mal, dass sich das MAI und die beteiligten Künstlerinnen und Künstler in einem langfristigen Projekt mit den Beständen einer sammelnden Institution auseinandersetzen. Bereits 2005 reinterpretierte Abramović Beuys‘ ikonische Performance „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ im New Yorker Guggenheim Museum.

Die Ausstellung im Museum Schloss Moyland bringt nun die Dokumentation der beiden Inszenierungen zusammen und präsentiert sie im Kontext historischer Plastiken, Archivmaterialien und Zeichnungen von Beuys aus der Sammlung. Im März war im Rahmen eines interdisziplinären Residenzprogramms eine Gruppe von dreizehn internationalen Performance-Künstlerinnen und -Künstlern eingeladen, Beuys’ künstlerische Herangehensweisen zu erforschen und neue ortspezifische Performances für das Museum Schloss Moyland zu entwickeln.

Während der Ausstellung sind die Performances im Schloss und im Park des Museums zu sehen. Die Ausstellung erweitert somit den Rezeptionsrahmen der künstlerischen Arbeiten sowohl von Beuys als auch Abramović und bietet neue Perspektiven auf die Schnittstellen von Performance, Aktionskunst und Archivforschung.

Eine künstlerische Verbindung über Generationen hinweg

Ein zentraler Fokus der Ausstellung liegt auf der ikonischen Performance „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ von Joseph Beuys aus dem Jahr 1965 und ihrer Re-Performance durch Marina Abramović. Beuys führte diese Aktion erstmals in Düsseldorf auf: Mit Honig und Blattgold bedeckt, schob und zog er das Tier mit seinen Händen und Zähnen durch den Raum der Galerie Schmela. Vierzig Jahre später brachte Marina Abramović Beuys’ Werk in einen neuen Kontext: In ihrer legendären Performance-Serie „7 Easy Pieces“ (2005) im New Yorker Guggenheim Museum rekonstruierte sie ikonische Arbeiten der Performancekunst – darunter auch von Beuys.

Die Ausstellung stellt die beiden Inszenierungen erstmals direkt gegenüber. Während Beuys als Mann aus der deutschen Kriegsgeneration einst die Bilder dem Hasen „erklärte“, wird diese Aufgabe nun von einer Frau und Künstlerin der Nachkriegsgeneration aus dem kommunistischen Jugoslawien aufgegriffen. So entsteht die einmalige Möglichkeit, die symbolische Bedeutung des toten Hasen in der neu eröffneten Ausstellungshalle des Museums, aus zwei unterschiedlichen Perspektiven zu erleben.

Joseph Beuys hat seit den 1960er Jahren entscheidend zur Entwicklung der Performancekunst beigetragen. Indem er seine skulpturalen Arbeiten erweiterte und den eigenen Körper als Medium nutzte, ebnete er den Weg für nachfolgende Künstlergenerationen. Marina Abramović, Ulay und zahlreiche mehr stehen in dieser Linie und entwickeln sie weiter.

Eine neue Generation internationaler Performance-Künstler

Das interdisziplinäre Residenzprogramm verbindet dreizehn herausragende Performance- Künstlerinnen und Künstler, die aus verschiedenen Teilen der Welt auf das Erbe von Beuys und Abramović treffen. Das Marina Abramović Institute (MAI) setzt erstmals im Museum Schloss Moyland eine Residency um, in deren Rahmen neue Performances entstehen. Inspiriert von Beuys’ Werken, der Sammlung und den Archivalien entwickelten die Performerinnen und Performer neue Arbeiten, die speziell für das Museum Schloss Moyland und das umliegende Parkgelände konzipiert wurden. Die Performances finden täglich während der Öffnungszeiten statt – acht Stunden pro Tag, an jedem dritten Donnerstag im Monat sogar zehn Stunden. Mit ihren individuellen Perspektiven, kulturellen Erfahrungen und performativen Ansätzen setzen sich die Künstlerinnen und Künstler mit dem Denken von Joseph Beuys auseinander und übertragen seine Impulse in einen zeitgenössischen Kontext. Dabei entstehen Performances, die nicht nur den Beuys-Bestand des Museums auf völlig neue Weise aktivieren, sondern auch eine unmittelbare, lebendige Interaktion zwischen Kunst, Ort, Raum und Besuchern schaffen.

So interessiert sich Sandra Johnston speziell für die Verbindungen, die Beuys nach Irland unterhielt, wo er zum Aufbau der zeitgenössischen Kunstszene entscheidend beitrug.

Martin Toloku beschäftigt sich mit ritualistischen Handlungen in Beuys‘ Schaffen.

Michelle Samba richtet den Blick auf Beuys‘ Institutions- und Verwaltungskritik und verbindet dies mit ihrer eigenen Biografie.

In seinen feinsinnigen Reflexionen über den Körper in der Natur bringt Eşref Yıldırım poetisch-performative Ebenen zum Vorschein.

Luisa Sancho-Escanero, Evan Macrae Williams und Yan Jun Chin vom Pfalztheater Kaiserslautern zeigen ebenfalls ein großes Interesse an Körperlichkeit – insbesondere an den tänzerischen Elementen in Beuys‘ zeichnerischem und performativen Werk.

In der Arbeit von Virginia Mastrogiannaki greift die Künstlerin auf die Europäische Verfassung und die Reden von Anacharsis Cloots zurück – jenem visionären Revolutionär aus Kleve, der von Beuys als geistiger Verbündeter verehrt wurde.

Das Interesse von Maria Stamencović Herranz gilt der Verknüpfung politischer Unruhen und kollektiver revolutionärer Handlungen, zu Beuys‘ Zeiten und in der Gegenwart.

Isaac Chong Wai, der 2024 in der Hauptausstellung der Biennale von Venedig zu sehen war und schon 2022 eine Ausstellung im Dialog mit Beuys im Museum Schloss Moyland realisierte, überträgt Beuys’ Interesse an alltäglichen Handlungen und Materialien in ein transformiertes Raumgefüge.

Die Preisträgerin des Förderpreises des Landes NRW 2023, Cristiana Cott Negoescu beschäftigt sich mit ritualisierten Handlungen unter inhumanen Arbeitsbedingungen. Ihre Performance verweist auf gesellschaftliche Themen des globalen Kapitalismus.

Rubiane Maia spannt den Bogen zwischen den ökologischen Herausforderungen unserer Zeit – einer Frage, die Joseph Beuys bereits früh beschäftigte – und den historischen Handelsrouten des Kolonialismus und der Sklaverei, die unsere Gegenwart bis heute beeinflussen.

Francesco Marzano, der zu den Studenten von Marina Abramović im ersten Jahrgang der Pina Bausch-Professur an der Folkwang Universität der Künste Essen gehörte, kommt ursprünglich aus der Musik. Er wird sich mit dem Rhythmus des individuellen und kollektiven Atmens beschäftigen. Durch den globalen Dialog zwischen aktuellen Performance-Strömungen und historischen Archivmaterialien entsteht ein einzigartiger Prozess und ein neuer multiperspektivischer Austausch zum Oeuvre von Beuys. Die Ausstellung verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Utopien der Zukunft, erforscht das performative Potenzial von Beuys’ Schaffen neu und hinterfragt die Grenzen des Museums.

Nähere Informationen: Stiftung Museum Schloss Moyland, Am Schloss 4, 47551 Bedburg-Hau, Telefon: +49 (0)2824 9510-60, E-Mail: info@moyland.de. Geöffnet ist Sommer (1. April bis 31. Oktober), Montag 11 bis 17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 10 bis18 Uhr, Winter (1. November bis 31. März), Montag 11 bis 17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr.

Interessante Grafschafter mit Fotos und Text verewigt

Restbestände der Bücher „Künstler in der Grafschaft Bentheim“ und „Grafschafter Köpfe“ erhältlich

Wie die Zeit vergeht – bereits acht Jahre ist es schon her, dass ich das erste Mal an einer Buchproduktion beteiligt war. Wie ich dazu kam? Bereits in jungen Jahren hatte der Nordhorner Wolfgang Weßling eine große Leidenschaft für die Fotografie; und ein Ferienjob ermöglichte es ihm, seine Leidenschaft in die Tat umzusetzen. Er kaufte sich eine Yashica FR und richtete sich zuhause eine Dunkelkammer ein, um die von ihm gemachten Fotos selbst zu entwickeln.

Was ihn als Motiv vor allem interessierte, waren Menschen, die er im Stil der Portraitfotografie festhielt. Mit einer Besonderheit: Entgegen der gängigen Portraitfotografie, bei der oft eine gefällige oder naturalistische Darstellung im Fokus ist, ging und geht es Weßling darum, sein Bild des Menschen, den er bei einem auch längeren Fotoshooting kennengelernt hat, im Kopf zu gestalten und das Ergebnis in die Form der Fotografie zu bringen.

Eine weitere Leidenschaft Weßlings – auch bereits in jungen Jahren – galt und gilt der Kunst in ihren unterschiedlichsten Erscheinungsformen von der Malerei bis zur Musik. Wie er vor Jahren im Gespräch erläuterte, reifte dann vor zehn Jahren die Idee, Künstlerporträts anzufertigen und das Ergebnis auch in einem Buch festzuhalten. Und so kam ich ins Spiel; denn die abgebildeten Künstler sollten nicht nur fotografisch, sondern auch mit einem Text vorgestellt werden. Eine zeitaufwändiges, aber auch sehr interessantes Projekt – insbesondere wegen der Begegnung mit den Künstlern – begann und erstreckte sich über zwei Jahre.

Was die Beschränkung auf Künstlerpersönlichkeiten im Landkreis Grafschaft Bentheim anging, hatte diese ihren Grund in leider immer noch bestehenden Klischees über die sogenannte Provinz. In vielen Köpfen, die als Galeristen, Kunstkritiker oder einfach nur als Ausstellungsbesucher ihre Stimme erheben, scheint – etwas überspitzt – die Vorstellung zu herrschen, dass es die große und bedeutende Kunst nur in Städten wie Berlin, Hamburg, Köln oder Düsseldorf geben könne und überhaupt alle Künstler von Rang auch nur aus diesen Städten stammen könnten. Ein genauer Blick auf die Geburts- und Lebensorte vieler Künstler widerlegt dies im Nu.

Worum es Wolfgang Weßling bei der Fokussierung auf die Grafschaft zu tun war, beschreibt der befreundete Philosoph Dr. Thomas Ebers im Vorwort zum Buch: Es handelt sich bei dieser Zusammenstellung um eine Art Regionalförderung, d.h. um die Förderung durch Aufmerksamkeitslenkung auf die in der Region hervorgebrachten Kunst …“; und dass diese Aufmerksamkeitslenkung lohnt belegt das Buch. Wer einen aufmerksamen Blick auf die Grafschafte Kulturszene wirft, ist erstaunt, wie vielfältig, reichhaltig und hochkarätig die Region in diesem Bereich aufgestellt ist. Davon zeugen Namen wie die von Julia Siegmund, Theresa Sperling oder Gaby Baginsky. Julia Siegmund hat sich als Malerin überregional einen Namen gemacht und ist mit einem ihrer Werke sogar im Deutschen Bundestag vertreten, Theresa Sperling hat als Poetry-Slammerin schon viele Preise abgeräumt, unter anderem als deutschsprachige Meisterin, und Gaby Baginsky hat als Schlagersängerin auch einiges vorzuweisen – unter anderem als Siegerin bei den Deutschen Schlagerfestspielen. Alle drei und noch weitere 30 sind im Buch „Künstler in der Grafschaft Bentheim“ verewigt.

Ein weiterer Blick auf die Grafschaft und besondere Grafschafter wurde mit dem Buch „Grafschafter Köpfe“ geworfen. Darin finden sich nicht nur Künstler, sondern auch andere Personen, die in ihrer jeweiligen Profession – vom Arzt bis zum Pastor – herausstechen.

Wer aber sind diese Grafschafter Köpfe? Um das genau zu bestimmen, bedarf es zunächst eines Blickes auf die Wortherkunft. Der Begriff Kopf geht etymologisch auf die Entlehnung „cuppa“ aus dem Spätlateinischen beziehungsweise Romanischen zurück, was mit dem deutschen Wort Becher gleichzusetzen ist und im Mittelhochdeutschen Hirnschale genannt wurde.

Kulturell wird der Kopf häufig als zentrales Merkmal des Menschen betrachtet. Das drückt sich zum Beispiel in stehenden Redewendungen wie „Die besten Köpfe“ aus, bei denen der Kopf stellvertretend für den ganzen Menschen steht.

Dieser Gedankengang gilt auch für das Buch „Grafschafter Köpfe“. Darin vorgestellt werden Menschen, die nach Meinung der Macher etwas in ihrem „Becher“ beziehungsweise in ihrer Hirnschale haben, dass es lohnt, sie in Bild und Text vorzustellen. Die Bandbreite der Tätigkeiten der im Buch verewigten Personen reicht dabei von Kunst über Geschichtswissenschaft bis hin zu Musik, Literatur, Technik, Medizin und Theologie. Kurzum: ein lohnenswerter Blick auf interessante Menschen aus der Region.

Die Restbestände beider Bücher können noch unter der Internetadresse www.grafschafterkoepfe.com erworben werden.