„Ivna Esajas – In The Garden of My Good Days“

In The Garden of My Good Days“ ist die erste museale Einzelausstellung der Amsterdamer Künstlerin Ivna Esajas in den Niederlanden. Zu sehen ist sie vom 6. September 2025 bis 2. Februar 2026 im „Museum de Fundatie“ in Zwolle.

In dieser Ausstellung erkundet Ivna Esajas Wege, den Raum des Museums herauszufordern und ihren Platz im wörtlichen und übertragenen Sinne zu behaupten. Mit ihrer Arbeit weigert sie sich, festen Vorstellungen von Schönheit oder Perfektion zu entsprechen. Das Werk existiert, und das ist wertvoll genug.

Oft sind es Gedichte, die Ivna inspirieren und in denen sie einen Sinn findet. Sie nähern sich dem Kern ihres Werks, ohne es zu erklären oder ihm eine ausdrückliche Botschaft zu geben. So kann man als Betrachter das Werk auch selbst interpretieren. Der Titel der Ausstellung stammt aus dem Gedicht „The Ragged and the Beautiful“ der jamaikanischen Dichterin und Schriftstellerin Safiya Sinclair.

Ivna schafft großformatige Zeichnungen auf Leinwand, Kompositionen von Figuren, die den Alltag und die Welt der Schwarzen und deren Vorstellungswelt erkunden. Die Figuren sind miteinander verbunden, teilen ihre Körper, berühren und halten sich gegenseitig, als ob ihr individuelles Gleichgewicht von ihrer Einheit, Solidarität, Freude und Liebe abhängt. Weit entfernt von jeglichem äußeren Urteil oder Zwang.
Ihr Werk entsteht intuitiv. Sie folgt den Linien auf der Leinwand, erkundet Form und Zwischenform. Linien, die Vergangenheit und Gegenwart, persönliche Geschichten und Erinnerungen miteinander verbinden. Diese Geschichten und Erinnerungen wandern durch das Universum und verbinden Vergangenheit und Gegenwart mit dem, was wir sehen und fühlen.

Ivna Esajas hat ein Atelier in Amsterdam Zuidoost, bei der Open Ateliers Stichting (Kruitberg). Sie erwarb ihren Master am Sandberg Institut im Programm „Blacker Blackness“ (2023). Im Jahr 2024 erhielt sie das Stipendium des Mondriaan-Fonds „Artist Start“.
Ihre Arbeiten wurden bereits in einer Einzelausstellung im „Metro54“ in Amsterdam (2024) und in verschiedenen Gruppenausstellungen gezeigt, unter anderem im „CBK Zuidoost“ (2024), im „Kunstenlab“ (2023) und bei den Open Ateliers Zuidoost (2023).

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Bei den ter Borchs zu Hause – eine Künstlerfamilie in Zwolle

Vor 400 Jahren war Zwolle die Heimat einer der bedeutendsten Künstlerfamilien des siebzehnten Jahrhunderts mit weltberühmten Nachkommen wie Gerard ter Borch und Gesina ter Borch. Viele Zeichnungen aus ihrer Kindheit wurden von der Familie sorgfältig aufbewahrt und bieten heute einen einzigartigen Einblick in das damalige Stadtleben. Die Familie ter Borch war eng mit Zwolle verbunden, und in diesem Jahr wird ihr Erbe gemeinsam mit der ganzen Stadt während der Veranstaltungsreihe „Thuis bij Ter Borch“ gefeiert.

Die Ausstellung im „Museum de Fundatie“, die vom 6. September 2025 bis zum 1. Februar 2026 zu sehen ist, zeigt in Zusammenarbeit mit dem Rijksmuseum Amsterdam über 70 Werke auf Papier und 35 Gemälde aus niederländischen, europäischen und amerikanischen Museen und Privatsammlungen.

Künstlerische Anfänge

Am 25. September 1625 fertigte der siebenjährige Gerard ter Borch der Jüngere (1617-1681) eine kleine Zeichnung eines Pferdes und eines Reiters an. Diese Zeichnung, die nur wenige präzise Linien enthält, war der Beginn einer sehr erfolgreichen Karriere als professioneller Künstler. Gerard ter Borch der Jüngere wurde bekannt für seine Art, Stoffe zu malen, aber auch für den Ausdruck seiner Figuren. In der Ausstellung Bei der Ausstellung „ Bei den ter Borchs zu Hause“ lernt das Publikum nicht nur Gerard, sondern auch seine ebenso talentierten Geschwister kennen.

Voneinander und miteinander lernen

Gerard der Jüngere war nicht der einzige begabte Künstler in der Familie. Mindestens drei seiner Halbgeschwister – Gesina (1631-1690), Harmen (1638-1677) und Moses (1645-1667) und Anna – waren ebenfalls begabte Künstler. Sie wurden von ihrem Vater Gerard ter Borch dem Älteren, der selbst Künstler war, ermutigt und erhielten alle Möglichkeiten, ihre Kreativität zu entfalten und voneinander zu lernen. So waren die Mitglieder der Familie Ter Borch ständig am Skizzieren, Kritzeln, Üben, Kopieren, Wetteifern, Erfinden und Experimentieren.

Eine große Auswahl an Zeichnungen, Alben und Gemälden der Familie Ter Borch ist erhalten geblieben, unter anderem dank der sorgfältigen Archivierung durch Gerard den Älteren und seine Tochter Gesina. Gerard der Ältere bewahrte Hunderte von Zeichnungen seiner Kinder auf und fügte Notizen hinzu, um deren künstlerische Entwicklung zu verfolgen.

Zu Hause in Zwolle

Ein Großteil der von den Mitgliedern der Familie Ter Borch geschaffenen Werke und ihrer Motive ist der Stadt Zwolle gewidmet. Zu sehen sind Szenen auf dem Marktplatz, in der Grote Kerk (dem heutigen Academiehuis) und entlang der Stadtmauer. Die Werke geben einen einzigartigen Einblick in das Leben in Zwolle im 17. Jahrhundert.

Knapp 400 Jahre, nachdem die Familie Ter Borch ihre kreative Entwicklung in Zwolle begonnen hat, kehrt sie nun in ihre Heimatstadt zurück. Während Zwolle oft das Thema von Werken verschiedener Familienmitglieder war, steht nun die Familie selbst im Mittelpunkt. Parallel zur Ausstellung im „Museum de Fundatie“ findet eine Ausstellung über die sozialen und beruflichen Verhältnisse der Familie Ter Borch statt, die vom „Museum Anno“ organisiert wird. Im gleichen Zeitraum widmet sich das „Academiehuis Zwolle“ in Zusammenarbeit mit dem zeitgenössischen Künstler Jasper Abels dem Leben von Gesina ter Borch. Darüber hinaus werden an verschiedenen Orten in Zwolle Filme, Konzerte und andere Veranstaltungen rund um die Familie Ter Borch präsentiert.

Die Ausstellung „Bei den ter Borchs zu Hause – eine Künstlerfamilie in Zwolle“ im „Museum de Fundatie Zwolle“ wird von Marjorie E. Wieseman, Kuratorin und Leiterin der Abteilung für nordeuropäische Malerei an der National Gallery of Art, Washington, D.C. (USA), kuratiert.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit Essays von Beatrice von Bormann, Marjorie E. Wieseman, Coby Zandbergen (Academiehuis), Anna Bouwman, Ilona van Tuinen (Rijksmuseum Amsterdam), Geertje Havers & Michael Klomp (Erfgoed Gemeente Zwolle) und Chourouk Hriech (bildender Künstler).

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Anmerkungen zu Joseph Roths Roman „Die Kapuzinergruft“

Über 50 Jahre ist es jetzt her, dass ich in Berührung mit dem Werk des österreichischen Schriftstellers Joseph Roth kam. Bereits im zarten Alter von 10 Jahren sah ich mit großer Faszination – ohne alles zu verstehen, aber vielleicht manchmal zu ahnen – die Verfilmung seines Romans „Das falsche Gewicht“ durch den bekannten Regisseur Bernhard Wicki. Zu damaliger Zeit wurden im öffentlich-rechtlichen Fernsehen viele Literaturverfilmungen gezeigt.

Was ich von damals als Erinnerung zurückbehalten habe, war vor allem die äußerst beeindruckende Gestalt Helmut Qualtingers, einem der besten österreichischen Schauspieler der Nachkriegszeit, in der Rolle des brutalen Eichmeisters Anselm Eibenschütz, dessen Aufgabe darin bestand, die Gewichte auf den Märkten in einem kleinen verdreckten Grenzdorf Galiziens zur Zeit der noch bestehenden – aber schon im schleichenden Untergang befindlichen – kaiserlich-königlichen Monarchie Österreich-Ungarn zu kontrollieren und dies zum Unmut der Bevölkerung auch mit aller Pedanterie tat. Bei der Urgewalt, die Qualtinger ausstrahlte, schien es kaum die Möglichkeit zu sein, dass ihm oder vielmehr seiner Figur als Anselm Eibenschütz irgendwie beizukommen sei. Nicht mit Gewalt – die kommt erst später – und Verleumdung, sondern mit der Macht der Liebe oder vielmehr der erotischen Verführung, gelingt es doch. Eibenschütz verliebt sich in die wunderbar von Evelyn Opela gespielte Zigeunerin Euphemia Nikitsch, der er bedingungslos verfällt – nachvollziehbarerweise für die, die die Eleganz, Unnahbarkeit und Rätselhaftigkeit Opelas (bekannt durch Auftritte unter anderem in mehreren Folgen der Krimiserien „Der Kommissar“, „Der Alte“ sowie „Derrick“), so wie sie sich in Szene setzte, noch in Erinnerung haben.

Zweite Begegnung mit dem Werk von Joseph Roth

Aber jetzt zu meiner zweiten Begegnung mit dem Werk von Joseph Roth: Vor kurzem stieß ich auf einen 1990 im Aufbau Verlag erschienenen Band mit Romanen aus seiner Zeit im Exil und entschied mich für „Die Kapuzinergruft“ – immer noch in Erinnerung an mein frühes und nachhaltiges Fernseherlebnis mit „Das falsche Gewicht“. Auch auf die anderen, mir noch nicht bekannten Romane werde ich zurückkommen. Bevor ich aber als ersten „Die Kapuzinergruft“ vorstellen werde, soll noch auf das Leben und insbesondere die literarische Bedeutung des Autors eingegangen werden.

Anmerkungen zu Joseph Roth

Der Untergang der kaiserlich-königlichen Monarchie Österreich-Ungarn ist das zentrale Thema der Werke des 1894 in Brody, Ostgalizien, Österreich-Ungarn, geborenen und 1939 im Pariser Exil gestorbenen Schriftstellers und Journalisten Moses Joseph Roth.

Erste Berichte, Artikel für Feuilletons und Kolumnen, aber auch Prosa und Gedichte, erscheinen von ihm noch zur Zeit des Ersten Weltkrieges in mehreren Zeitungen seiner Heimat, unter anderem in der Wiener Tageszeitung „Der neue Tag“, für die auch so bekannte Autoren und Journalisten wie Alfred Polgar und Egon Erwin Kisch schreiben. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erschienen Beiträge von ihm gleichfalls in mehreren deutschen Zeitungen wie der „Neuen Berliner Zeitung“, dem „Berliner Börsen Courier“, der „Frankfurter Zeitung“ und dem „Vorwärts“, dem Parteiorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands – unter dem Pseudonym „Der rote Josef“.

In dieser Zeit gehört Roth zu den führenden und bestbezahlten Journalisten der Weimarer Republik. Hellsichtig schreibt er über den Kapp-Putsch, völkische Studenten, über die Rathenau-Attentäter, den Hitler-Prozess, die Allianz zwischen Wirtschaft und rechtsradikalen politischen Kräften – aber auch für literarische Zeitschriften

Zu Schwierigkeiten führt die unterschiedliche politische Ausrichtung der Zeitungen, bei denen er arbeitet. Dass er unter anderem beim „Berliner Börsen Courier“ kündigt, begründet Roth so: „Ich kann wahrhaftig nicht mehr die Rücksichten auf ein bürgerliches Publikum teilen und dessen Sonntagsplauderer bleiben, wenn ich nicht täglich meinen Sozialismus verleugnen will.“ Er kennt aber auch seine Eitelkeiten und schreibt weiter: „Vielleicht wäre ich trotzdem schwach genug gewesen, für ein reicheres Gehalt meine Überzeugung zurückzudrängen, oder für eine häufigere Anerkennung meiner Arbeit.“ Diese Eitelkeiten gehen dann aber so weit, dass er gegen ein hohes Honorar für die nationalistische „Münchner Neuesten Nachrichten“ schreibt, was ihm viel Kritik bei seinen schreibenden Kollegen einbringt.

So deutet sich schon an, dass die politische Haltung Roths keine gefestigte und vor allem keine ideologische ist. Einen Anstoß zu Roths Abwendung vom Sozialismus gibt eine Reportage-Reise, die er im Herbst 1926 in die Sowjetunion unternimmt. Er beobachtet dort eine Gesellschaft, deren kalte Modernität und programmatische Sachlichkeit jeglichem Lebensgeheimnis den Garaus gemacht und zu einer „geistige[n] Leere“ geführt hat, was in ihm eine Reaktion hervorruft, für die er den Ausdruck „bourgeoiser Atavismus“ findet. Der deutsche Journalist, Autor und Joseph Roth-Biograf Wilhelm von Sternburg schreibt dazu: „Roth wird in Russland nicht vom sozialistischen Saulus zum reaktionären Paulus. Aber die Reise zählt zu den wichtigen Wendepunkten in seinem Leben. Die Erlebnisse und Erkenntnisse, die ihm die Monate in der Sowjetunion bescheren, führen zum endgültigen Abschied von seiner »sozialistischen« Phase. […] Der Atheismus, dem Roth in der Sowjetunion begegnet, lässt ihn die eigenen religiösen Überzeugungen überdenken.“

Aber das ist nicht der einzige Wandel in seinen politischen Überzeugungen. Während sich Roth in frühen journalistischen Arbeiten sehr monarchiekritisch zeigt, wandelt sich diese Position später zu einer Idealisierung der Habsburger Monarchie. Er sieht zwar die Fehler und Versäumnisse – ein wiederkehrendes Thema auch seiner Romane – des nicht mehr existierenden österreichischen Kaiserreichs, malt aber gleichzeitig in romantischer Verklärung die Utopie eines Österreich, wie es hätte sein können oder sein sollen.

Einher mit dem Wandel politischer Überzeugungen geht auch ein Wandel religiöser Vorstellungen. Als Jude geboren und kurz auch dem Geist des Zionismus verbunden, wendet er sich insbesondere vor der drohenden Diktatur des Nationalsozialismus, die mit der Machtergreifung 1933 Realität in Deutschland wird, dem Katholizismus zu. In der katholischen Kirche sieht er die einzigen Kräfte, denen er zutraut, der „braunen Pest“ hinreichenden Widerstand entgegensetzen zu können – wenn sie sich dazu entschließen könnten. Dabei geht es ihm besonders um die Erhaltung des habsburgischen Grundsatzes „Leben und Leben lassen!“ im Gegensatz zur Strenge Preußens und insbesondere im Gegensatz zur menschenverachtenden Politik der Nazis. Was seine Haltung zum Faschismus angeht, ist Roths Haltung hellsichtig und klar. So schreibt er an seinen Schriftstellerkollegen Stefan Zweig: „Inzwischen wird es Ihnen klar sein, daß wir großen Katastrophen zutreiben. Abgesehen von den privaten – unsere literarische und materielle Existenz ist ja vernichtet – führt das Ganze zum neuen Krieg. Ich gebe keinen Heller mehr für unser Leben. Es ist gelungen, die Barbarei regieren zu lassen. Machen Sie sich keine Illusionen. Die Hölle regiert.“ Am 30. Januar 1933, dem Tag von Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, verlässt Roth Deutschland.

Als Ort seines Exils wählt er Paris, das er von seiner Tätigkeit als Auslandskorrespondent für die Frankfurter Zeitung kennt und die ihn als Stadt schon damals fasziniert. Von dort unternimmt er diverse, teils mehrmonatige Reisen, unter anderem in die Niederlande, nach Österreich – wo er vergeblich das Gespräch mit dem Bundeskanzler Kurt Schuschnigg untersucht, um ihn zu einer Abdankung zugunsten Otto von Habsburgs zu überreden, dem Vertreter der alten Dynastie – und nach Polen, wo er auf Einladung des polnischen PEN-Klubs eine Reihe von Vorträgen hält. Von Juni 1934 bis Juni 1935 hält sich Roth, wie viele andere Emigranten, an der französischen Riviera auf. Zusammen mit den Schriftstellerkollegen Hermann Kesten und Heinrich Mann mieten Roth und seine Freundin Manga Bell ein Haus in Nizza.

Anders als vielen emigrierten Schriftstellern gelingt es Roth, nicht nur produktiv zu bleiben, sondern auch Publikationsmöglichkeiten zu finden. Seine Werke erscheinen in verschiedenen Exilverlagen- und in einem christliche Verlag.

In den letzten Lebensjahren verschlechtert sich Roths finanzielle und gesundheitliche Situation rapide. Die Möglichkeit, seine Texte zu veröffentlichen, schwinden, und seine Gesundheit ruiniert er mit exorbitantem Alkoholgenuss. Am 23. Mai 1939 wird Roth in ein Armenspitaleingeliefert, in dem er am 27. Mai an einer doppelseitigen Lungenentzündung stirbt. Am 30. Mai 1939 wird Roth auf dem zu Paris gehörenden Cimetiére parisien de Thiais in Thiais beerdigt. Die Beisetzung erfolgt nach „gedämpft-katholischem“ Ritus, da kein Beleg für die Taufe Roths erbracht werden kann. Bei der Beerdigung kommt es beinahe zu Zusammenstößen zwischen den sehr heterogenen Beteiligten der Trauergesellschaft: österreichische Monarchisten, Kommunisten und Juden reklamieren den Toten jeweils als einen der ihren. Bei der geistigen Vielfalt dieses Autors ist und bleibt es schwierig, ihn in eine Ecke zu sortieren. Gut so!

Aber wie schreibt schon Dieter Kliche in seinem Essay „Die Paradoxien des Joseph Roth“: „Joseph Roth war Sozialist und Monarchist, Jude und Katholik, rationalistisch und gläubig, der Aufklärung verbunden und fortschrittsskeptisch.“ Und Roth selbst?: „… ich bin ein Franzose aus dem Osten, ein Humanist, ein Rationalist mit Religion, ein Katholik mit jüdischem Gehirn, ein wirklicher Revolutionär …“ – also eine wirklich schillernde Figur der deutschsprachigen Literatur mit vielen Facetten.

Literarisches Werk

Joseph Roth debütiert als Romanautor mit „Das Spinnenetz“, der 1923 im Fortsetzungsabdruck in der sozialdemokratischen Wiener „Arbeiterzeitung“ erscheint und sich durch eine erstaunlich frühe und bestechend hellsichtige Anatomie des aus dem Kleinbürgertums stammenden demokratiefeindlichen, reaktionären Nationalismus und späteren Faschismus auszeichnet. Es folgen Zeitromane wie das „Hotel Savoy“ und „Die Rebellion“. Die ironisch-distanziert erzählten Tatsachenberichte werfen ein skeptisches Licht auf die Nachkriegszeit.

1930 erscheint der Roman „Hiob“, mit dem Roths zweite Schaffensphase beginnt. Im Gegensatz zu den früheren Romanen, die sich durch einen klaren wie zugänglichen Stil auszeichnen, stehen sich hier die kräftige Bildlichkeit des Alten Testaments“ und die Drastik des Geschehens gegenüber. Er beschreibt den Leidensweg des jüdisch-orthodoxen Toralehrers Mendel Singer im (fiktiven) Schtetl Zuchnow in Russland und in dem folgenden amerikanischen Exil in den Vereinigten Staaten von Amerika in der Zeit von 1900 bis nach dem Ersten Weltkrieg. Mendel erleidet in der Geschichte schwere Schicksalsschläge – ähnlich derer, die der titelgebende „Hiob“ im Alten Testament erleidet – und durch die seine Frömmigkeit erschüttert und sein Glaube an Gott auf eine harte Probe gestellt werden.

In seinem 1932 erschienenen Roman „Radetzkymarsch“, einem Requiem auf das Habsburgerreich, schildert er anhand des Werdegangs der Familie Trotta den Zerfall Österreich-Ungarns. Der historische Roman, eine elegische Wiedererweckung des Habsburgerreiches und Verfallsanalyse zugleich, gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Romanen des 20. Jahrhunderts.

Im Exil thematisiert Roth immer wieder den schon lange vor dem Ersten Weltkrieg sich anbahnenden Untergangs jener schwarz-gelben Welt Österreichs, die von Tirol bis Galizien, von Böhmen bis Dalmatien reichte und der die Menschen in Joseph Roths Romanen entstammen: „Tarabas“, „Beichte eines Mörders“, „Das falsche Gewicht“, „Die Geschichte von der 1002. Nacht“ und „Die Kapuzinergruft“, in der Roth noch einmal die Familie Trotta in den Blick nimmt.

Neben den beiden bedeutenden Romanen „Hiob“ und „Radetzkymarsch“ sind es unter anderem die Novelle „Die Legende vom heiligen Trinker“ und der Essay „Juden auf Wanderschaft“, die seinen Rang als einer der wichtigsten deutschsprachigen Erzähler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begründen.

Zur „Kapuzinergruft“

Der Tod kreuzte schon seine knochigen Hände über den Kelchen, aus denen wir tranken, fröhlich und kindisch.“

Welch ein Schlussbild für einen Roman: Der Ich-Erzähler bleibt nach dem Eintreten eines Uniformierten, mit dem sich symbolisch der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre 1938 ankündigt, in einem Wiener Café allein zurück – alle seine Freunde und auch das Personal haben es verlassen – und ihm verbleibt nur der Wachhund „Franz“, den er eigentlich überhaupt nicht mag, als Begleitung zurück; und den spricht er auch noch als Ober an, bei dem er bezahlen möchte. Von dort führt ihn der Weg zur titelgebenden Kapuzinergruft, in der der 1916 verstorbene Kaiser Franz Josef I begraben liegt.

In dem im Exil entstandenen Roman „Die Kapuzinergruft“ greift Joseph Roth – wie in seinem bekanntesten Werk „Radetzkymarsch“ – noch einmal das Schicksal der Familie Trotta als Thema auf. „Wir heißen Trotta. Unser Geschlecht stammt aus Sipolje, in Slowenien. Ich sage Geschlecht; denn wir sind nicht eine Familie. Sipolje besteht nicht mehr.“ – so stellt sich der Ich-Erzähler vor und weist gleichzeitig lakonisch darauf hin, dass die familiären Wurzeln unwiederbringlich ausgelöscht sind.

Was in Sipolje, aber auch in vielen anderen Ecken des früheren österreichisch-ungarischen Reiches geschehen ist, kristallisiert sich allmählich heraus und gehört zu den größten Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Aber davon später. Was den Ich-Erzähler angeht, macht der kein Hehl aus seinen Lebensumständen. Sie hängen zunächst damit zusammen, dass er mit der Gegenwart Österreichs, aus der er erzählt, nichts anzufangen weiß : „Ich bin nicht ein Kind dieser Zeit, ja, es fällt mir schwer, mich nicht ihren Feind zu nennen. Nicht, daß ich sie nicht verstünde, wie ich es so oft behaupte. Dies ist nur eine fromme Ausrede. Ich will einfach, aus Bequemlichkeit, nicht ausfällig oder gehässig werden, und also sage ich, daß ich das nicht verstehe, von dem ich sagen müsste, daß ich es hasse oder verachte. Ich bin feinhörig, aber ich spiele einen Schwerhörigen.“

Er ist eher stolz darauf, dass „in den verschollenen Annalen der alten österreichisch-ungarischen Armee … unser Name verzeichnet“ ist – und auf den Bruder seines Großvaters, der Kaiser Franz Joseph in der Schlacht von Solferino das Leben gerettet hat. Joseph Roth schreibt weiter: „Die geadelten Trottas waren fromm ergebene Diener Franz Josephs gewesen.“

Aus einer anderen Linie der Trottas kommt der Ich-Erzähler. Sein Vater ist ein „Rebell und ein Patriot … Er wollte das Reich reformieren und Habsburg retten. Er kannte den Sinn der österreichischen Monarchie zu gut. Er wurde aber zu verdächtig und mußte fliehen.“

Nachdem er gutes Geld in Amerika gemacht hat, treibt ihn das Heimweh nach Österreich zurück, wo er sich politisch engagiert und von einem slawischen Königreich unter der Herrschaft der Habsburger träumt. Zu diesem Zweck gewinnt er einflussreiche Freunde aus der näheren Umgebung des Erzherzog-Thronnachfolgers Franz Ferdinand, der als reformwillig gilt. Vergeblich. Der Vater stirbt etwa anderthalb Jahre vor der Ermordung Franz Ferdinands, mit dessen Tod die Ereignisse ins Rollen kommen, die den weiteren Verlauf des Romans bestimmen.

Was den Ich-Erzähler angeht, soll der zum Erben der Ideen seines Vaters werden, eine Rolle, die er aber nicht auszufüllen vermag: „Ich war damals jung und töricht, um nicht zu sagen: leichtsinnig. Leichtfertig auf jeden Fall. Ich lebte damals, wie man so sagt: in den Tag hinein. Nein! Dies ist falsch: ich lebte in die Nacht hinein; ich schlief in den Tag hinein.“

Diese Verhaltensweisen teilt er mit seinen Freunden, die alle der Oberschicht des Habsburgerreiches entstammen und komplett dem Müßiggang ergeben sind. Sie treffen sich in Restaurants, Cafés und Gaststätten und ziehen die Nächte durch. Die Konflikte, die sich in dem Vielvölkerstaat allmählich entwickeln, deuten sich in Gesprächen an, werden aber nicht weiter verfolgt. Was den immer mehr um sich greifenden Antisemitismus angeht, bedienen sie sich einer dekadenten Haltung. Weil der Antisemitismus sich auch in den unteren Schichten breit macht – und noch plumper und vulgärer geäußert wird als in den oberen Schichten – entdecken sie nicht aus innerer Überzeugung, sondern als Attitüde, plötzlich ihre Zuneigung für die Juden. Es ist eine Stilfrage geworden.

Etwas aus diesen gesellschaftlichen Verhältnissen heraus tritt der Ich-Erzähler, nachdem er Besuch von einem Verwandten erhalten hat, der als Bauer und Maronenverkäufer sein Leben fristet. Und durch diesen kommt er auch in Kontakt mit einem jüdischen Kutscher, der mit einem Anliegen an ihn herantritt. Dieser Manes Reisiger möchte seinem musikalisch begabten Enkel einen Platz am Konservatorium in Wien verschaffen. Kein Problem für Trotta, der über die richtigen Kontakte verfügt.

Ob es Attitüde oder Überzeugung ist, wird sich noch herausstellen, doch Trotta scheint auf einmal durch die Begegnung mit seinem Verwandten und dem Juden Manes Reisiger die Liebe zum einfachen Volk entdeckt zu haben. Er nimmt verstärkt Kontakt zu ihnen auf, bekommt von dem so ganz anderen Leben der beiden mit; und es wirkt, als wolle er in gewisser Weise das politische Erbe seines Vaters – die Reform eines erstarrten Systems durch die Beteiligung des Volkes – antreten und eine nicht beglichene Schuld einlösen. Das geht sogar so weit, dass Trotta die beiden als Freunde ansieht.

Und dann kommt das große Ereignis, dass die Verhältnisse zum Tanzen bringt: Der Erste Weltkrieg. Der wirkt auf Trotta wie eine weitere moralische Läuterung. Statt seinen soldatischen Pflichten an einem geschützten Ort nachzukommen, wie es seiner gesellschaftlichen Stellung entspricht, will er sich dem Regiment anschließen, zu dem auch seine neuen Freunde müssen – in Frontnähe und in ständiger Gefahr, getötet oder gefangen genommen zu werden.

Autor Joseph Roth hat wie in so vielen seiner Romane einen klaren Blick auf das, was sich gerade ereignet. Er schreibt von einer Todessehnsucht, die viele befallen hat und deren Konsequenz sich kaum jemand auszumalen vermag. Die letzte Stunde für das österreichisch-ungarische Kaiserreich hat geschlagen.

Dass es mit der Freundschaft zum einfachen Volk nicht so einfach ist, wird Trotta in den Kriegswirren erfahren. Diese sozialromantischen Träumereien sind durch einen ohne Not begonnenen Streit zwischen seinen „Freunden“ und den damit verbundenen gefährlichen Konsequenzen bald ausgeträumt. Aber damit ist die rasante Entwicklung, die durch den Krieg ins Rollen gekommen ist, noch längst nicht zu Ende – insbesondere für Trotta nicht.

Als er aus dem Krieg wieder heimkehrt, hat sich die Welt gedreht. Die alten Eliten, zu denen er gehörte, erfahren ihre Götterdämmerung. Pointiert schildert Roth diese Situation anhand der Wiederbegegnung Trottas mit seiner Frau. Noch vor dem Krieg hat sie wie viele andere Frauen ein Schattendasein geführt. Es war nicht die Liebe, die sie zusammengeführt hat. Trotta wollte wie viele seiner Freunde, die in den Krieg zogen, von einer Frau vermisst werden, ein Gefühl wie das einer Attitüde; und so wurde im Schnellverfahren geheiratet. Nach dem Krieg sind die Verhältnisse andere. Die nach außen selbstbewusst wirkende Frau Trottas ist in einem Ladenlokal anzutreffen, in dem Kunsthandwerk angeboten wird. Sie hat den Schritt in die Selbstständigkeit angetreten; und damit nicht genug hat sie auch noch eine Affäre mit einer Frau, die gleichfalls eine Rolle in dem neuen Geschäft spielt.

Doch was zunächst nach gesellschaftlichem Fortschritt – die Emanzipation der Frau und die Überwindung überkommener aristokratischer Eliten – klingt, erweist sich als hohler Schein. Mit skeptischem Blick betrachtet Roth die Nachkriegszeit. Lug und Trug herrschen und windige Geschäftsleute bestimmen die Szenerie. Die neue Gesellschaft ist nicht so, wie sie ersehnt wurde; und die alte Gesellschaft dämmert immer schneller ihrem Untergang entgegen – bis im Jahre 1933 sowohl in Österreich als auch in Deutschland autokratische Regime die Macht übernehmen.

Joseph Roth gelingt es mit seinem Roman „Die Kapuzinergruft“ auf zirka 130 Seiten, die umfassenden gesellschaftlichen Veränderungen und geschichtlichen Ereignisse in Österreich-Ungarn aus der Zeit kurz vor dem Beginn des Ersten Weltkrieges bis hin zur austrofaschistischen Diktatur des Engelbert Dollfuß (*1892 +1934) im Jahre 1933 kurz, prägnant und mit großer erzählerischer Qualität ohne Schnörkel auf den Punkt zu bringen – kurzum eine absolute Leseempfehlung für an Historie des 20. Jahrhunderts interessierte Literaturliebhaber.

Ausgehend von der Realität

Das Museum „MORE“ mit Sitz in dem niederländischen Ort Gorssel (Provinz Gelderland) ist das größte Museum für die Kunstrichtung des Modernen Realismus in Europa.

Zum Thema Realismus in der Kunst

Bevor in diesem Artikel auf das Museum „MORE“ eingegangen wird, bedarf es einiger Bemerkungen über die künstlerische Ausrichtung. Bekannt ist der Streit darum, was Kunst ist, darstellt oder aus der Sicht des Betrachters – aber auch des Künstlers – darzustellen hat oder darstellen sollte.

Begonnen hat er damit, dass sich mit dem Impressionismus viele Künstlerinnen und Künstler von den herkömmlichen Vorstellungen über malerische Darstellungsformen lösten und ihre eigenen Vorstellungen einbrachten, wie ein Motiv auf die Leinwand gebannt werden kann. Eines der bekannten Merkmale des Impressionismus ist die Abkehr vom Atelier oder Studio als Ort der malerischen Tätigkeit und der stattdessen neu eingeschlagene Weg in die Natur, die Landschaft. Die dort eingefangenen Stimmungen, Lichtverhältnisse und subjektiven Eindrücke bestimmten das Gemalte. Sowohl die Maler als auch deren Werk stießen zu Beginn dieser neuen Kunstrichtung auf große Ablehnung. Es stellte sich für manche die Frage, ob dass denn noch Kunst sei.

Dieser Streit verschärfte sich, je mehr sich die Künstler von der figurativen Malerei entfernten und die abstrakte Malerei im 20. Jahrhundert die Überhand gewann. Es wurde sogar der Untergang der figürlichen Malerei befürchtet. Widerstand regte sich. Ein Beispiel dafür ist das Museum „MORE“ in Gorssel und der Ableger, das Schloss Ruurlo im gleichnamigen Ort in unmittelbarer Nähe von Gorssel.

In einem sehr deutlichen Statement für die figürliche Malerei ist vonseiten des Museums Folgendes zu lesen: „Der realistische Stil verschwand auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht. Die Sammlung des Museums „MORE“ umfasst verschiedene zeitgenössische Künstler, die sich für handwerkliche Meisterschaft und Genauigkeit interessieren. Vor allem aber bieten sie uns einen ganz eigenen Blick auf die Wirklichkeit. Das Museum „MORE“ präsentiert in seiner ständigen Sammlung über 200 Bilder von niederländischen Malern, die dem „Modernen Realismus zugerechnet werden. Dazu gehören unter anderem Jan Mankes, Carel Willink, Pyke Koch und Charley Toorop. Sie wurden manchmal „die kultivierten Herren des guten Geschmacks“ genannt. Absichtlich ein bisschen doppelt. Aber wie sich das für Herren und auch Damen von hohem Stand gehört, überdauert ihre realistische Kunst mühelos den Zahn der Zeit. Die Künstler aus der Sammlung des Museums „MORE“ zeichnen sich durch ihre technische Perfektion, ihr großes Handwerk und ihren scharfen Blick auf die Wirklichkeit aus. Ungestört von modischen Launen bauen sie oft auf der Tradition der holländischen Meister, flämischen Primitiven oder italienischen Renaissance-Kunst auf. Jedoch immer auf ganz eigene Weise. Ihr Werk kann mysteriös oder rücksichtslos sein oder einen Blick auf eine Realität werfen, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. Diese Spitzenkünstler stehen international in der gleichen Tradition wie Alexander Kanoldt, Otto Dix, George Grosz, Giorgio de Chirico, Salvador Dali, René Magritte, Paul Delvaux, Edward Hopper und George Tooker. … Das „MORE“ ist eine private Initiative des Sammler-Ehepaares Hans und Monique Melchers, die Spitzenwerke niederländischer, moderner, realistischer Künstler aus den letzten hundert Jahren als nationales Kulturerbe einem breiten Publikum zeigen wollen.“

Zum Museum

Das von dem Sammler-Ehepaar Hans und Monique Melchers initiierte Museum wurde vor 10 Jahren eröffnet. Entworfen wurde es wurde von dem bekannten Museumsarchitekten Hans van Heeswijk. Er war auch verantwortlich für die Renovierung der Eremitage Amsterdam, des Mauritshuis in Den Haag und des neuen Eingangs zum Van Gogh Museum. Das ehemalige Rathaus von Gorssel diente als Ausgangspunkt für Van Heeswijks Entwurf. Der historische Teil des Gebäudes aus dem Jahr 1914 blieb erhalten. Die Teile, die später hinzugefügt wurden, wurden durch Neubauten ersetzt. Das Museum ist als zweistöckiger, pavillonartiger Bau angelegt und befindet sich in einer parkähnliche Umgebung.

Seit Juni 2017 ist der zweite Standort des Museum MORE, das Schloss Ruurlo, geöffnet. Schwerpunkt der dortigen Ausstellung ist das Werk und Leben des Malers Carel Willink (*1900 +1983), der zu den Vertretern des Magischen Realismus gehört und als „Kühler Großmeister“ in die Geschichte dieser Stilrichtung eingegangen ist. Das Schloss, in dem der Künstler auch gelebt hat, blickt auf eine lange Geschichte zurück und wird 1326 erstmals urkundlich erwähnt. Das heutige Gebäude stammt aus dem 16. Jahrhundert. Dem Architekten Hans van Heeswijk ist hier das Kunststück gelungen, moderne Architektur mit fünf Jahrhunderten Baugeschichte zu verbinden. In diesem Jahr verwandeln sich die oberen Räume der Burg Ruurlo übrigens in Dioramen, Räume in Räumen und Krabbelwege aus Pappe. In Jemima de Jonges erster musealer Einzelausstellung (*2001) wandeln die Betrachter durch irreale Welten, in denen die Grenzen zwischen Video, Installationskunst, Performance-Kunst und Theater schwer zu ziehen sind.

Sammlung und Ausstellungen

Neben den schon erwähnten Bildern aus der Sammlung Melchers sowie Neueinkäufen präsentiert das Museum „MORE“ auch zahlreiche Sonderausstellungen mit früheren und aktuellen Vertretern der realistischen Malerei. Zur Zeit laufen Ausstellungen mit Werken von Erik Mattijssen und dem Künstlerehepaar Hans Bosman (*1958 +2012) und Loes Enklaar (*1950 +2017) sowie die Sammelausstellung „Pop Models – Women in European Pop Art“. Zu verweisen ist auch noch auf eine der größten und schönsten Sammlungen von Jan Mankes (siehe unten).

Zu Jan Mankes

Jan Mankes (*1889 +1920) ist als „zurückgenommenster Maler Hollands“ in die Kunstgeschichte eingegangen. Er starb jung an Tuberkulose, was zu dem Mythos beitrug, der seine Kunst umgab.

Bis zu seiner Heirat mit Annie Zernike, der ersten Pfarrerin der Niederlande, lebte Mankes bei seinen Eltern, die aufs friesische Land gezogen waren. Dort konnte er sich in seine große Liebe zur Natur vertiefen. Er malte im Freien, fertigte Vogelstudien und Stillleben an, und er zeichnete oft Tiere, „bis er sie innerlich träumen konnte“. Beispielhaft dafür steht die Eule aus dem berühmten Gemälde „Große Eule auf dem Bildschirm“ aus dem Jahr 1913, die im Haus der Familie Mankes lebte. Der Vogel war als Geschenk vom Mäzen des Künstlers geschickt worden, dem Zigarrenfabrikanten und Kunstsammler Aloys Pauwels. Mankes schrieb später dazu:Es ist wie eine Erscheinung aus einem Märchen, etwas Königliches, etwas, das man nie anfassen möchte, ja, es ist für mich wegen dieser silbernen Brust total perfekt geworden.“ Märchenhaft und zart sind in der Tat treffende Charakterisierungen von Mankes großartigem Werk. Mankes als Person hatte die Anmutung eines genialen Einsiedlers. Sein zartes, zurückhaltendes Werk beeinflusste auch spätere Künstler wie Dick Ket und Wim Schumacher. Mankes selbst wurde von Kunsttraditionen früherer Generationen beeinflusst. Als Junge ging er jeden Sonntag von Delft nach Den Haag, um Bilder von Holbein, Vermeer und von flämischen Primitiven im Museum „Mauritshuis“ zu sehen. So will es zumindest die Legende.

Bis zu seiner Heirat mit Annie Zernike, der ersten mennonitischen Pfarrerin der Niederlande, lebte Mankes bei seinen Eltern, die aufs friesische Land gezogen waren. Dort konnte er sich in seine große Liebe zur Natur vertiefen. Er malte im Freien, fertigte Vogelstudien und Stillleben an. Er zeichnete ebenso oft Tiere, „bis er sie innerlich träumen konnte“.

Um 1915 malte Mankes eine Reihe von Werken mit Bäumen, in der zwei kleine Figuren fast schwebend gemeinsam durch eine Landschaft gehen, als könnten sie vom Himmel absorbiert werden. Sie sollen eine Anspielung auf den Maler selbst und seine geliebte Annie sein. Der Einfluss von Annie ist auch in dieser Arbeit zu sehen. Gemeinsam vertieften sich Mankes und Zernike in Literatur, Poesie, Malerei und Theologie, in die philosophische Richtung des Humanismus und in teils mystisch gefärbte Ideale. Auch Themen wie Frieden und eine vegetarische Ernährung waren ihnen wichtig.

Nähere Informationen: Museum MORE, Hooftstrad 28, 7213 CW Gorssel, Telefon +31 575 760 306, Internet www.museummore.nl. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, und Burg Ruurlo, Vordenseweg 2, 7261LZ Ruurlo. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Jede Menge Picasso in Münster

Dem in Lengerich geborenen Gert Huizinga (*1927 +2018) ist ein Museum zu verdanken, dass interessante Einblicke in das Leben und Werk eines der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts bietet – und in das seiner künstlerischen Weggefährten.

Zum Sammler Gerd Huizinga

Gert Huizinga studierte nach dem Abitur an der renommierten Kunsthochschule auf dem Lerchenfeld in Hamburg – gemeinsam mit Paul Wunderlich und Vico von Bülow, besser bekannt als Loriot. Nach seiner künstlerischen Ausbildung ließ er sich als Werbegrafiker in seinem Heimatort Lengerich nieder, doch die Leidenschaft für die Kunst ließ ihn nicht los und so erwarb er Anfang der 1950er-Jahre seinen ersten Picasso, einen Linolschnitt. Huizingas Bekanntschaft mit Picassos einstiger Lebensgefährtin Marie-Thérèse Walter führte dann dazu, dass er sich fortan auf das Sammeln von Picasso-Lithografien konzentrierte; und durch die Begegnung und spätere Freundschaft mit Picassos Drucker Fernand Mourlot konnte Gert Huizinga bis Ende der 1990er-Jahre weitere Werke, insbesondere sehr seltene Zustandsdrucke, für seine Sammlung gewinnen. Sie umfasst weit über 700 Grafiken und gilt damit als die weltweit vollständigste Lithografie-Kollektion von Picasso.

Mit dem beständigen Wachsen der Sammlung reifte bei Gert Huizinga und seiner Ehefrau Jutta irgendwann der Gedanke, sich von ihrem Kunstschatz zu trennen, um ihn einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So brachten sie im Mai 1997 die Sammlung in eine neu gegründete Stiftung ein. Weitere Stifter waren die Sparkassen in Westfalen-Lippe, die Westdeutsche Landesbank und die Westfälischen Provinzial-Versicherungen. Die Stiftung ist Trägerin des im Jahr 2000 eröffneten Kunstmuseum Pablo Picasso Münster.

Zur Geschichte des Gebäudes

Im Jahr 1997 gründeten die westfälisch-lippischen Sparkassen und die Westdeutsche Landesbank Girozentrale gemeinsam mit den Sammlern Gert und Jutta Huizinga die Sparkassenstiftung Pablo Picasso. Ziel der Stiftung war die Errichtung eines Museums, das seinen Besuchern Einblicke in das Leben Picassos, sein Werk und insbesondere sein lithografisches Wirken gewährt.

Für den Museumsbau stellte die damalige Stadtsparkasse Münster den Druffel’schen Hof sowie den Hensenbau im Herzen der Münsteraner Innenstadt zur Verfügung. Diese sollten zu einem Gebäude verbunden und für den modernen Museumsbetrieb umgebaut werden. Beauftragt wurden dazu die renommierten Architekten Hilmer & Sattler & Albrecht aus München: Sie hatten bereits beim Umbau der Berliner Gemäldegalerie und dem Umbau des westlichen Stülerbaus gegenüber des Schlosses Charlottenburg in Berlin zum „Museum Berggruen“ bewiesen, dass sie es verstanden, Alt und Neu miteinander zu verbinden.

Die Arbeiten für das neue Museumsgebäude begannen im Februar 1999. Nach der aufwendigen Sicherung der historischen Fassaden konnten die dahinter liegenden Gebäude bis auf die Keller abgerissen werden. Bereits am 7. September 2000 wurde das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster feierlich eröffnet. Anlässlich seines 10-jährigen Bestehens wurde es in Kunstmuseum Pablo Picasso Münster umbenannt, um die breiter gefassten Ausstellungsprojekte widerzuspiegeln.

Heute ist das Museum über die Freitreppe des Druffel’schen Hofes sowie über die sich auf der Rückseite des Gebäudes befindenden MünsterArkaden, zugänglich. Über zwei Etagen erstrecken sich die rund 600 Quadratmeter Ausstellungsfläche des Museums. In wechselnden Ausstellungen werden hier die unterschiedlichen Arbeitstechniken und Schaffensperioden Picassos und seiner Künstler-Kollegen präsentiert. Zusätzlich dient das Museum als besonderer Veranstaltungsort für Tagungen, Workshops oder Feste und kann zu einem solchen Zweck gemietet werden. Als einziges Picasso-Museum Deutschlands etablierte sich das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster seit seiner Eröffnung zu einem Ort von nationaler und internationaler Bedeutung.

Zur Sammlung

Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster beherbergt neben der weltweit umfangreichsten Sammlung der Lithografien Pablo Picassos weitere Picasso-Bestände in verschiedenen künstlerischen Techniken und aus unterschiedlichen Schaffensperioden. Große Werkkonvolute seiner künstlerischen Mitstreiter Georges Braque, Marc Chagall, Joan Miró und Henri Matisse gehören ferner zu den Schätzen des Museums.

In wechselnden Ausstellungen beleuchtet das Picasso-Museum das facettenreiche Werk des Spaniers, indem es sein grafisches Schaffen in Dialog zu Malerei und Skulptur stellt. Solchen Querbezügen gehen auch die seinen künstlerischen Weggefährten gewidmeten Ausstellungen des Museums nach. So ist es – ganz im Sinne seines Namenspatrons – ein Haus des beständigen Wechsels, das mehrfach im Jahr mit Sonderausstellungen lockt.

2010 wurde das Museum anlässlich seines 10-jährigen Jubiläums von Graphikmuseum Pablo Picasso Münster in Kunstmuseum Pablo Picasso Münster umgetauft. Schon zehn Jahre später empfing das Haus am Picassoplatz seine 1.5 Millionste Besucherin.

Picasso und die Druckgrafik

Pablo Picasso (1881-1973) gilt als einer der genialsten Künstler der Moderne, für viele ist er der Inbegriff von Schöpferkraft und Genialität schlechthin. Er hinterließ ein gigantisches Werk an Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und Druckgrafiken. Sein grafisches Œuvre ist das umfangreichste, das ein Künstler im 20. Jahrhundert geschaffen hat. Bei Künstlerkollegen und schöpferisch tätigen Menschen galt und gilt Picasso unangefochten als größter Zeichner seiner Epoche. Schon der Künstlerkollege Wassily Kandinsky stellt fest: „Matisse die Farbe – Picasso die Zeichnung.“ Auch der Modeschöpfer Karl Lagerfeld hat beispielsweise in einem Interview Picasso als den in seinen Augen bedeutendsten Zeichner des vergangenen Jahrhunderts beschrieben.

Picasso ist 18 Jahre alt, als er seine erste Radierung schafft. Er berücksichtigt bei diesem Erstlingswerk mit der Darstellung eines spanischen Picador noch nicht, dass druckbedingt eine Seitenumkehrung der Darstellung erfolgt. So zeigt die Radierung den Stierkämpfer mit der Lanze in der Linken. Statt das Werk nochmals zu komponieren, nennt er es einfach „Der Linkshänder (El Zurdo)“. Bis ins hohe Alter widmet sich Picasso der Druckgrafik in den verschiedensten Techniken. So entstehen bis 1972, also ein Jahr vor seinem Tod, noch Grafiken.

Zur Technik der Druckgrafik

Nur die Druckgrafik bietet dem Künstler die Möglichkeit, im Werkprozess sogenannte Zustandsdrucke zu schaffen. Hierbei prüft er die Komposition und verändert dann gegebenenfalls die Bildanlage. Picasso geht in der Regel nicht mit einer fertigen Bildidee ans Werk, sondern konkretisiert diese erst im Schaffensprozess. Angesichts seines prozessualen Bilddenkens boten ihm die druckgrafischen Techniken besonders gute Rahmenbedingungen für sein Schaffen. Picassos berühmte Stierfolge aus dem Winter 1946 belegt dies besonders eindrucksvoll. Von einem einzigen Lithostein gedruckt, ändert der Künstler im Rahmen von insgesamt elf Zustandsdrucken grundlegend die Komposition. Aus einem naturalistisch durchgebildeten Jungstier wird der Stier in einer Linie, der nunmehr nur noch wie eine grafische Chiffre für den Stier anmutet.

Die grafischen Techniken

In der Druckgrafik unterscheidet man generell zwischen Hochdruck, Flachdruck und Tiefdruckverfahren. Bei einem Hochdruckverfahren tragen die erhabenen Bildpartien auf dem Druckträger die Darstellung. Der Holzschnitt und der Linolschnitt fallen beispielsweise in diese Kategorie. Beim Flachdruckverfahren liegen alle Bildpartien auf einer Ebene. Bei der Lithografie (von lithos gr. = Stein) handelt es sich um ein solches Verfahren. Beim Tiefdruck sind die in den Druckträger gefurchten oder geritzten Bildpartien Träger der Darstellung. Die Radierung gehört zum Beispiel dieser Kategorie an.

Picassos künstlerische Phasen:

  1. Die 1930-er Jahre: Die Suite Vollard – Der Künstler hinter der Maske

In den dreißiger Jahren schafft Picasso eine hundert Grafiken umfassende Folge, die nach dem auftraggebenden Kunsthändler „Suite Vollard“benannt wurde. Ambroise Vollard (1868-1939) war einer der profiliertesten Galeristen in Paris. Er vertrat so prominente Künstler wie Cézanne, Renoir und Picasso. Bereits 1901 hatte Vollard Werke des jungen Picasso in Paris ausgestellt. Der Spanier hingegen würdigte seinen Kunsthändler 1910 durch ein kubistisches Porträt. Bereits 1913 hatte Vollard editorisches Geschick bewiesen, indem er Picasso eine Folge von achtzehn Druckplatten abkaufte, die die Thematik der Akrobaten und des Zirkusvolkes umkreisten. Diese Serie ist als „Gauklersuite“bekannt geworden.

Als Vollard und Picasso im Jahr 1930 überein kommen, wieder im Hinblick auf eine bedeutende Grafikfolge zusammen zu arbeiten, ist Picasso bereits ein äußerst erfolgreicher und wohlhabender Künstler. Durch den Kauf des Schlosses Boisgeloup in der Normandie verfügt er erstmals über die Möglichkeit eines geräumigen Ateliers für seine skulpturale Arbeit. In den Grafiken der Suite Vollard zitiert Picasso immer wieder das eigene skulpturale Schaffen der dreißiger Jahre. Mit Marie-Thérèse Walter ist Ende der zwanziger Jahre eine neue Muse in sein Leben getreten. Er verewigt sie in zahlreichen Kopfbüsten.

Picasso jongliert in der Suite Vollard, deren Entstehungsprozess sich über neun Jahre zieht, mit verschiedenen Stilen. Surrealistische Formverwandlungen paaren sich mit einer klassizistisch inspirierten Welt, in deren Mittelpunkt Gestalten in antikischer Nacktheit stehen.

In einigen Blättern umkreist Picasso die Gestalt Rembrandts, den er nach eigenem Bekunden für den historisch unerreichten Großmeister der Grafik hält. Seit Ende der zwanziger Jahre hat sich Picasso das mythologische Mischwesen des Minotaurus zum eigenen Wappentier erkoren. Halb Mensch, halb Stier verkörpert der Minotaurus mustergültig verschiedene Facetten seiner Persönlichkeit.

Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster konnte 2002 eine komplette „Suite Vollard“auf dem internationalen Kunstmarkt erwerben. Mit dieser grafischen Folge kann das Museum die verschiedenen stilistischen Impulse im Schaffen Picassos in den dreißiger Jahren dokumentieren.

  1. Die 1940-er Jahre: Die Zeit mit Françoise Gilot – Picassos „Lithografisches Fieber – Die Période Françoise

Erst im Winter 1945/46 entdeckt Picasso die Lithografie als Drucktechnik für sich und seine Kunst. Er ist damals also bereits 54 Jahre alt. Nur sporadisch und vereinzelt hatte er bis dahin Werke in dieser Technik geschaffen. In der Pariser Druckerei von Fernand Mourlot unweit des Gare de l‘Est experimentiert Picasso ab November 1945 mit den Ausdrucksmöglichkeiten des Steindrucks. Es entstehen in schnellem Rhythmus umfangreiche Werkfolgen. Picassos Umgang mit der Technik ist undogmatisch und äußerst individuell, sodass sein Drucker bemerkt, dass jemand, der so arbeitet wie Picasso, als Lehrling wohl nie eine Anstellung finden würde.

Neben dem Steindruck lotet Picasso auch die Möglichkeiten der Zinkographie aus, bei der eine Zinkplatte als Druckträger Verwendung findet. Im Gegensatz zu den schweren Lithosteinen ist diese leichter zu handhaben, insbesondere wenn es sich um größere Formate handelt. Im besetzten Paris hatte Picasso die junge Studentin Françoise Gilot kennengelernt. Sie hat selbst künstlerische Ambitionen und wird Picassos Muse.

In immer neuen Variationen und Werkfolgen umkreist Picasso die Physiognomie seiner jungen Muse. Sein Drucker Mourlot spricht vom „lithografischen Fieber“, das den Spanier befallen habe. Als Picasso seinen Lebensmittelpunkt von Paris an die Côte d’Azur verlegt, flacht die lithografische Fieberkurve erkennbar ab. Bis in das Jahr 1968 entstehen noch weitere Werke in dieser Drucktechnik, doch der Schaffensrhythmus verlangsamt sich merklich.

3. Die 1950-er und 1960-er Jahre – Die Zeit mit Jaqueline Roque – Picassos Spätwerk und die Pèriode Jaqueline

Mit Jacqueline Roque tritt in den fünfziger Jahren eine neue Frau in Picassos Leben. Der Spanier lernt sie in der Töpferei Madoura in Vallauris kennen, wo er Keramiken schafft. Beide heiraten am 2. März 1961. Picasso inthronisiert die neue Muse sogleich in seiner Kunst. Für Jaqueline wählt er vor allem die Profilansicht. Aufgrund ihres südländischen Aussehens verleiht er ihr den Spitznamen „die Spanierin.“

1954 wird Picasso, der ein begeisterter Anhänger des Stierkampfs ist, gebeten, ein Plakat für eine in Vallauris stattfindende Corrida zu schaffen. Dieser Umstand bietet ihm Gelegenheit, sich mit der für ihn neuen Drucktechnik des Linolschnitts zu beschäftigen. Er gestaltet für diesen Anlass mit dem Hohleisen in markanten Linienzügen ein auf Weitsicht angelegtes Plakat in schwarz-weiss. In schneller Folge entstehen weitere Werke im Medium des Linolschnitts. Picasso experimentiert in den Folgejahren insbesondere mit farbig reich orchestrierten Werken. Sein Umgang mit der Technik ist wie so oft äußerst unkonventionell. So verwendet er beispielsweise für feinste Schraffuren des Linoleums Nägel oder Pferdebürsten. Mit Hidalgo Arnéra kann Picasso in Vallauris auf einen im Linolschnitt sehr versierten Drucker zurückgreifen. Gegen 1961/62 verlangsamt sich der schnelle, schöpferische Rhythmus, in dem Picasso mit dem Drucker Arnéra zusammenarbeitet. Nur noch sporadisch entstehen Linolschnitte in seinem späteren Werk. Pablo Picasso gilt als der Künstler, der den Linolschnitt zu einer anderen Verfahren ebenbürtigen künstlerischen Drucktechnik gemacht hat.

Picassos Freunde und Wegbegleiter

Der spanische Künstler Pablo Picasso ist der Namenspatron des Kunstmuseum Pablo Picasso Münster. Seine künstlerische Ausbildung erfährt der junge Picasso in Spanien, doch wird er in Paris, der damaligen Welthauptstadt der Künste, zum großen Revolutionär der Kunst des 20. Jahrhunderts. Eine erste Reise führt ihn 1900 nach Paris. Ab 1904 lässt er sich dauerhaft in der französischen Metropole nieder. In diesem Schmelztiegel treffen sich Künstlerinnen und Künstler aus ganz Europa und stimulieren sich gegenseitig. So drängt es Marc Chagall bereits 1912, sein heimatliches Russland zu verlassen, um in Paris Anschluss an die internationale Avantgarde zu bekommen. Auch Picassos Landsmann Joan Miró kommt 1920 aus Katalonien nach Paris und formt in Kreisen der dortigen Surrealisten seinen unverwechselbaren Stil.
Picassos Kunst kann nicht isoliert verstanden werden, sondern nur im Wechselspiel mit den Strömungen und Impulsen seiner verschiedenen Schaffensphasen. Vor diesem Hintergrund hat das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster seit seiner Gründung systematisch Werkkonvolute anderer bedeutsamer Künstler der „École de Paris“ vereint. So beherbergt es mehrere Hundert Werke von Picassos künstlerischem Mitstreiter Georges Braque, von Marc Chagall und Joan Miró. Auch Henri Matisse, zu dem Picasso in einem starken Konkurrenzverhältnis stand, ist mit einer bedeutsamen Kollektion in Münster vertreten.

Georges Braque

Kaum ein Künstler arbeitete so eng und intensiv mit Picasso zusammen wie Georges Braque. Beide entwickelten zwischen 1907/08 und 1914 zusammen den Kubismus als eine der größten Revolutionen in der Kunst der Moderne.

Im Frühjahr 2004 erhielt das Münsteraner Picasso-Museum von der Sparkasse Münsterland Ost 208 Grafiken als Dauerleihgabe. Diese Sammlung bietet einen repräsentativen Querschnitt durch das gesamte grafische Schaffen Braques‘ von 1926 bis zu seinem Todesjahr 1963. Im Gegensatz zu den Werken Picassos ist die Mehrzahl der Grafiken Braques‘ farbig gestaltet. „Ich bin kein revolutionärer Maler, ich suche nicht die Überspanntheit, die Spannung genügt mir.“ Diesem künstlerischen Motto folgte Braque in seinem langen Künstlerleben. Der Franzose fand nach dem kubistischen Abenteuer mit Picasso zu einer ganz eigenständigen Formsprache. Konform zu seiner Devise, er suche nicht die Überspanntheit, umkreist Braque immer wieder einmal gefundene Bildthemen, ohne sich jedoch zu wiederholen: das Stillleben, antike Sujets wie „Phaeton auf seinem Himmelswagen“ oder „Der Vogel im Flug“ sind von zentraler Bedeutung für sein Werk.

Auch in den Malerbüchern der Stiftung Classen wird das gesamte Spektrum der Motivwelt Braques‘ erfahrbar. Zu Beginn der 30er Jahre illustriert der Franzose die Theogonie (Göttergeburt) des antiken Autors Hesiod. Braque schafft eine sehr originelle Bildsprache, bei der sich die antike Götterwelt als kurvig mäandernde Linienschwünge artikuliert. Im Spätwerk der frühen 60er Jahre hingegen verdichten sich in der Darstellung fliegender Vögel zentrale künstlerische Fragestellungen für Braque: wie kann man Bewegung in einem statischen Medium wiedergeben, wie ist die Unendlichkeit des Raumes auf einer endlichen Bildfläche zu repräsentieren. Das 1962 erschienene Malerbuch „L’Ordre des oiseaux“vereint die schönsten diesem Thema gewidmeten Darstellungen Braques‘. Seine Vögel im Flug sind von solcher Prägnanz und Eindringlichkeit, dass die französische Post eine solche Darstellung als Firmenlogo führt.

Marc Chagall

Hervorstechendstes Merkmal der Bildwelt Chagalls ist das Glühen und Pulsieren seiner Farben. In der Kunst der Moderne gilt er als unerreichter Farbkünstler und auch Pablo Picasso bewunderte den unverwechselbaren Koloristen Chagall, als er einmal ausführte: „Ich mag zwar nicht seine fliegenden Bauern und Kühe, aber als Farbkünstler ist er einzigartig.“

Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster beherbergt seit 2008 eine 137 Grafiken umfassende Chagall-Sammlung, die die Sparkasse Münsterland Ost erwarb, um sie dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen. Die Lithografien und Holzschnitte entstanden mehrheitlich in der Pariser Druckerei Mourlot, in der auch Braque, Matisse und Picasso arbeiteten. Chagall und Picasso verbindet der Umstand, dass sie die wohl fruchtbarsten Grafiker der Klassischen Moderne sind. So steht das lithografische Werk von Chagall demjenigen Picassos in nichts nach, es ist mit über eintausend Werken sogar noch umfangreicher. Über den Stellenwert der Grafik in seinem Schaffen hat Chagall einmal geäußert: „Wenn ich einen Lithografiestein oder eine Kupferplatte anfasste, hatte ich das Gefühl, als ob ich einen Talisman berührte.“ Während Picasso vornehmlich als Großmeister der schwarz-weißen Linienkunst gilt, schuf Chagall analog zu seinen Gemälden farbig reich orchestrierte Grafiken.
Die im Picasso-Museum aufbewahrte Kollektion umfasst eine Vielzahl von Unikaten und seltenen Zustandsdrucken. Hierdurch besitzt sie einen ausgesprochenen Werkstatt-Charakter, der die Entstehung der Werke und insbesondere das Bilddenken Chagalls sinnfällig macht.

Die Stiftung Classen im Kunstmuseum Pablo Picasso Münster besitzt weitere prominente Werke Marc Chagalls, die die Kollektion der Grafiken komplettieren und abrunden. Mit den für das Malerbuch „Die toten Seelen“ (geschaffenen Radierungen bringt Chagall in liebevoll-ironischer Pointierung seinem heimatlichen Russland eine Hommage. Die Grafiken illustrieren die von Nicolai Gogol verfasste Erzählung eines windigen Steuerbetrügers, der in der russischen Provinz einen großangelegten Verwaltungsbetrug plant. Mit den 105 ganzseitigen Radierungen, die er ab den frühen 30er Jahren für die Bibel schuf, hat Chagall nach eigenem Bekunden sein grafisches Meisterwerk hinterlassen. Die Illustrationen folgen persönlichen Vorlieben und nicht religiösen Dogmen. Chagall bezeichnete die Bibel als „reichste poetische Quelle aller Zeiten.“ Konform zu dieser Äußerung behandelt Chagall die Bibel als Sammlung exemplarischer menschlicher Schicksale, er sucht das Weltliche im Religiösen und religiöse Dimensionen im vordergründig Weltlichen.

Im Jahre 2025 wuchs die Chagall-Sammlung des Picasso-Museum weiter: Meret Meyer, Enkeltochter Marc Chagalls und Vizepräsidentin des Comité Chagall in Paris, schenkte dem Museum anlässlich des 25jährigen Jubiläums 118 Lithografien und zehn Malerbücher ihres Großvaters aus ihrem Privatbesitz. „Mit der Schenkung möchte ich die bestehende Chagall-Sammlung des Picasso-Museums ergänzen und Möglichkeiten für weitere Ausstellungen und neue Blickwinkel auf Chagall schaffen“, erklärt Meret Meyer. Die Sammlung enthält auch über vierzig Entwurfsskizzen Chagalls, die zum Zeitpunkt der Schenkung noch nie öffentlich zu sehen waren. Die Werke erlauben intime Einblicke in die Arbeitsweise des größten Farbvirtuosen des 20. Jahrhunderts.

Henri Matisse

Pablo Picasso und Henri Matisse lernten sich in Paris im Jahre 1905 im Hause der amerikanischen Schriftstellerin und Kunstsammlerin Gertrude Stein kennen. Beide Künstler beäugten sich eifersüchtig im Hinblick auf das Schaffen des anderen. Sie standen lebenslang in künstlerischer Konkurrenz, die jedoch von gegenseitigem Respekt geprägt war.

Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster beherbergt seit 2015 neben seinen umfangreichen Picasso-Beständen auch die größte deutsche Matisse-Sammlung. Die 121 Grafiken umfassende Kollektion wurde dem Museum von der Sparkasse Münsterland Ost als Dauerleihgabe übergeben. Die Werke lagerten über sechzig Jahre im Pariser Banksafe der Familie Matisse.

Die Sammlung umfasst mit Holzschnitten, Radierungen, Lithografien und Linolschnitten alle bedeutenden grafischen Techniken. Sie deckt im Werk des Franzosen einen Schaffenszeitraum von 1906 bis 1951 ab. Somit spannt sie einen Bogen vom frühen, fauvistischen Matisse bis hin zum reifen Künstler, der in Vence und Nizza seine farbenprächtigen Scherenschnitte schuf.

Der Schwerpunkt der Kollektion liegt auf der sogenannten ersten Nizza-Periode in den 1920er Jahren, als sich Matisse wegen des Lichts und des milderen Klimas an der Côte d’Azur niederließ. Er umkreist in diesen Jahren immer wieder das Thema des Frauenaktes, dem er durch vorderorientalische Gewandung und Dekor den Hauch des Fremdländisch-Exotischen verleiht.

Die 30er bis 50er Jahre im Schaffen von Matisse werden durch die insgesamt zehn Malerbücher dokumentiert, die in der Sammlung Classen im Kunstmuseum Pablo Picasso Münster vereint sind. Mit zarten Radierungen hat Matisse in den frühen 30er Jahren eine visuelle Begleitmusik zu Gedichten von Stéphane Mallarmé geschaffen. Neben antiken Gestalten lässt er hier auch Impressionen seiner zuvor unternommenen Tahiti-Reise aufscheinen. Mit „Jazzgestaltet der späte und von Krankheit gezeichnete Matisse das kühnste und ungewöhnlichste Malerbuch des 20. Jahrhunderts. Gleich einem Jazzmusiker, der Themen improvisierend variiert, umkreist der Franzose in kühnen, bisweilen dissonanten Farbakkorden die Welt des Zirkus, der Akrobaten und professionellen Spaßmacher. Sie sind gleichnishaft im Hinblick auf das moderne Künstlertum zu verstehen – im Zentrum der Aufmerksamkeit stehend bleiben sie doch gesellschaftliche Außenseiter und Randexistenzen.

Joan Miró

Pablo Picasso war zwölf Jahre älter als Joan Miró. Als dieser im März 1919 erstmalig nach Paris reiste, galt einer seiner ersten Besuche dem bereits berühmten Landsmann. Die Familien beider kannten sich aus Barcelona und waren miteinander befreundet. So fand Joan Miró freundliche Aufnahme bei Picasso, mit dem ihn zeitlebens eine Künstlerfreundschaft verband.

Die Stiftung Classen zählt zwei der gelungensten und berühmtesten Malerbücher von Joan Miró zu ihren Schätzen. Für das Werk „Parler seul“schuf Miró Lithographien zu Gedichten von Tristan Tzara (eigentlich Samuel Rosenstock). Sie waren im Sommer 1945 in einer psychiatrischen Klinik in Saint-Alban (Lozère) entstanden. Die tiefgreifende menschliche Erfahrung der Gespräche mit den Patienten hat Tzara in den Werken verewigt. Miró und der Dadaist Tzara waren seit den 20er Jahren miteinander befreundet. Die künstlerische Symbiose aus Texten und poetischen Bildzeichen zeugt von der engen Zusammenarbeit beider Künstler in diesem vierhändig geschaffenen Werk.

Das Malerbuch „A toute épreuve“ist das ehrgeizigste Projekt Mirós im Medium der Buchgrafik. Die Gedichte Paul Eluards kreisen thematisch und motivisch um Katalonien und seinen mit der Ehefrau Gala 1930 unternommenen Besuch bei Salvador Dalí. Gala verliebte sich damals unsterblich in Dalí und verließ ihren Mann. Miró schlug vor, Holzschnitte für die Gedichte zu schaffen. Fast zehn Jahre arbeitete er an diesem ambitionierten Werk und schrieb im Juni 1948: „Ich habe Versuche gemacht, durch die ich sehen konnte, was es heißt, ein Buch zu machen, nicht zu illustrieren, die Illustration ist immer etwas Nebensächliches. Wichtig ist, dass ein Buch die ganze Würde einer in Marmor gehauenen Statue hat.“ Texte und Bilder stehen folglich in einem äußerst freien, eher assoziativen Bezugsverhältnis, akzentuieren und rhythmisieren die Gedichte und bilden bisweilen zeichenhaft verkürzte Notabene-Zeichen.

Porträtfotografien von Picasso, Matisse, Miró, Chagall und Braque

Zum 25. Geburtstag des Picasso-Museums hat der Sparkassenverband Westfalen-Lippe dem Museum eine bedeutsame Sammlung von 133 Fotografien als Dauerleihgabe überreicht. Die Aufnahmen zeigen Porträts von Pablo Picasso und seine Künstlerkollegen Henri Matisse, Georges Braque, Marc Chagall und Joan Miró. Die Sammlung umfasst Fotografien von René Burri, Robert Capa, Philippe Halsman, Herbert List, David Seymour und Michel Sima. Sie zählen zu den renommiertesten Fotografen des 20. Jahrhunderts und hatten das Glück, die größten Künstler der Moderne vor ihre Kameras zu bekommen.

Die Werke entstammen der großen Zeit des Fotojournalismus, die in den 1920er-Jahren einsetzt und dem das Aufkommen des Fernsehens als Massenmedium ein Ende bereitet. So kreuzen sich in der Fotosammlung Kunst- und Mediengeschichte.

Nähere Informationen: Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, Picassoplatz 1, 48143 MünsterTelefon: +49 (02 51) 4 14 47-10, Telefax: +49 (02 51) 4 14 47-77, E-Mail: info@picassomuseum.de. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Ein Besuch im Picasso-Museum in Münster

Auch Erinnerungen an vergangene Ausstellungen sind schön. Beispielsweise an „Brücke zur geistigen Welt – Meisterwerke des Expressionismus“ im vergangenen Jahr.

Wer die letzten Tage und Wochen mit Regen und trübem Himmel miterlebt hat, weiß, wie schön es ist, aus den eigenen vier Wänden herauszukommen, sich auf Abwechslung von dem grauen Einerlei des Wetters zu freuen und mal wieder was richtig Schönes zu erleben. So hat es mich sehr gefreut, einen Anruf von einer guten Freundin erhalten zu haben, verbunden mit der Frage, ob ich Lust hätte, nach Münster zu fahren. Kaum zehn Minuten später stand ich an der Straße, wo ich mit Auto abgeholt wurde.

Eine gute Entscheidung, wie sich schnell herausstellte. Die zunehmend depressiv stimmenden Wolkengebilde lösten sich entgegen aller Erwartung allmählich auf, blauer Himmel brach sich Bahn und auch manch Sonnenstrahl erhellte das Gemüt. In Münster angekommen, fand sich schnell eine Parkgelegenheit auf dem Schloßplatz, und von dort ist es ja nur ein kurzer Weg ins Stadtzentrum, die Kreuzstraße hoch, am legendären „Blauen Haus“ entlang, am Antiquariat „Wilsberg“ (bekannt aus der ZDF-Krimiserie) vorbei, linker Hand die Überwasserkirche, weiter gerade aus bis zum blitzeblanken Dom, vor dem gerade samstags ein reges Markttreiben herrscht. Trotz der vielen Menschen findet sich immer irgendwo ein Platz, um eine Kleinigkeit zu essen oder einen Kaffee zu trinken. Alternativ gibt es auch gleich gegenüber dem Markt ein schönes, mit 1950-er Jahre-Lampen und großformatigen Werbemotiven auf Emaille dekoriertes Café, in dem man es sich gut gehen lassen kann.

Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg Richtung Prinzipal-Markt, dort kurz rechts halten und dann wieder links zum Picasso-Platz, wo sich das gleichnamige Museum befindet, beheimatet im früheren Druffel´schen Hof und dem angrenzenden Hensenbau. Ziel erreicht: die Ausstellung „Brücke zur geistigen Welt – Meisterwerke des Expressionismus“.

Ein weiteres Mal haben die Macher des von dem Grafiker und Sammler Gert Huizinga (+2018) ins Leben gerufenen Museums eine Ausstellung auf die Beine gestellt, die ein Muss für alle Freunde der modernen Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist. Von Edvard Munch über Emil Nolde, Otto Dix und Max Beckmann bis hin zu Ernst-Ludwig Kirchner, Franz Marc und August Macke ist alles vertreten, was im Expressionismus Rang und Namen hat.

Was sie eint, ist die Abkehr von der reaktionär bis konservativ ausgerichteten bürgerlichen Gesellschaft. Es gilt, neue Ausdrucksformen der Kunst jenseits der überkommenen Konventionen auszuprobieren und auf der Leinwand umzusetzen. Vereinfachung, Abstraktion, Verzerrung und eine gänzlich andere Verwendung von Farben mit oft symbolischen Assoziationen sind die zentralen Elemente des Expressionismus. Die Künstler begeben sich auf die Suche nach einer neuen Spiritualität, bei der auch die christliche Religion eine Rolle spielt. Sie wollten eine Kunst schaffen, die den seelischen Zustand und die persönliche Einstellung des Künstlers auf den Betrachter überträgt. Kurzum: Angestrebt wurde eine Kunst, die nicht erlernt werden konnte, sondern neu erfunden werden musste. Trotzdem blieb es nicht aus, sich an Vorbildern zu bedienen. Motive aus der Renaissance von Künstlern wie Albrecht Dürer und Matthias Grünewald wurden zeitgemäß interpretiert, afrikanische Stammeskunst neu entdeckt.

Beispielhaft stehen dafür in der Ausstellung zwei Bilder von Edvard Munch: das weinende Mädchen mit der toten Mutter und die „Madonna“, auch bekannt als Madonna-Gesicht oder Liebende Frau. Beide Bilder ergreifen den Betrachter mit ihrer schonungslosen Direktheit. Zusätzlich Staunen allerdings macht aber das Madonna betitelte Bild, das vom Namen ursprünglich für die Jungfrau Maria steht. Zu sehen ist aber eine durchaus sinnlich wirkende Frau mit nacktem Oberkörper und geschlossenen Augen, hinter der manches mehr zu entdecken ist als das Sinnbild der Mutter Jesu aus der Bibel. Die Interpretationen dieses Bildes gehen auch fast ausschließlich in eine nichtbiblische Richtung. Sie reicht von der Darstellung des Orgasmus bis hin zur Entstehung des Lebens, die sich in einem ebenfalls dargestellten Embryo links unten im Bild widerspiegelt. Eine Verbindung mit dem Tod wurde von Munch selbst hergestellt. Ein wesentlicher Faktor der Wirkung des Bildes ergibt sich neben der Darstellung des Frauenkörpers durch die Farbkontraste braun und rot, blau und schwarz sowie durch das schwarz gemalte Haar und den Heiligenschein in signalrot.

Was die Künstler auch beschäftigt, ist das alltägliche Leben der Menschen in der Großstadt, das vielfach von Not und Elend gekennzeichnet ist. Dafür stehen unter anderem die Werke von Max Beckmann und Otto Dix. Ebenfalls schonungslos ist ihr Blick. Fast abwenden möchte man sich, wenn sie Prostituierte in all ihrer Hässlichkeit und körperlichen Ausgemergeltheit im Bild festhalten und auch vor der Darstellung von an Syphilis Erkrankten nicht Halt machen.

Eine große Bedeutung für die expressionistischen Künstler hat die Verwendung von durckgrafischen Techniken und die Auseinandersetzung mit ihren spezifischen Ausdrucksmöglichkeiten. Die Ausstellung in Münster präsentiert über 100 Werke, die so entstanden sind. Bekannterweise ist der Holzschnitt mit seinen groben Furchen und gezackten Linien als die herausragende künstlerische Technik des Expressionismus bekannt geworden, aber die Expressionisten revolutionierten auch die Formsprache der Radierung und der Lithografie.

Die Ausstellung in Münster dokumentiert in aller Ausführlichkeit auch die Religion und die künstlerische Auseinandersetzung mit ihr, die sich vor allem nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zusammenbruch des deutschen Kaiserreiches in vielen Werken der Künstler des Expressionismus wiederfindet. Es geht um die Suche nach einer neuen Spiritualität, die aber ohne den Reflex auf die Bibel und ihre Inhalte nicht auszukommen scheint, wie es unter anderem die Bildreihe „Vater unser“ von Max Pechstein belegt. Die 12 Holzschnitte vermitteln dem Betrachter in drastischer und Ehrfurcht gebietender Weise die tiefe und ernste Botschaft des vielfach einfach nur so daher gesagten Gebetes. Beeindruckend in der Ausstellung sind gleichfalls die Darstellungen des gekreuzigten Jesus und das damit verbundene göttliche und menschliche Elend.

Es ist aber noch einiges mehr an großen und beeindruckenden Werken zu sehen.

Nähere Informationen: Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, Picassoplatz 1, 48143 MünsterTelefon: +49 (0251) 41447-10, Telefax: +49 (0251) 414 47-77, E-Mail: info@picassomuseum.de. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Herman de Vries – 70 Jahre Natur als Kunstwerk

Bis zum 9. November 2025 zeigt das Rijksmuseum Twenthe in Enschede eine groß angelegte Retrospektive über das Leben und Werk von Herman de Vries (*1931), einem der bedeutendsten niederländischen Künstler seiner Generation.

Vom Forscher zum Künstler

Herman de Vries begann seine Karriere als biologischer Feldforscher, eine Erfahrung, die seine Kunst nachhaltig beeinflusste. In den 1950-er und 1960-er Jahren untersuchte er mit wissenschaftlichen Methoden Ordnung und Zufall in der Natur, was zu seinen ersten zufälligen Arbeiten führte. Um 1970 vollzog er einen radikalen Wandel: Er erkannte, dass die Natur selbst das ultimative Kunstwerk ist. Von da an konzentrierte er sich ganz auf das Sammeln und Ordnen natürlicher Materialien – Blätter, Steine und Erde –, mit denen er seine ikonischen Naturwerke schuf. Die Ausstellung in Enschede entführt die Besucher in seine Welt, von seinen ersten künstlerischen Experimenten bis hin zu seiner tiefen Verbundenheit mit der Natur. Das spiegelt sich auch im Steigerwald wider, dem deutschen Waldgebiet in der Nähe seiner Heimatstadt, wo er viel Inspiration für seine Arbeit findet.

Einzigartige Werke und noch nie gezeigte Archivdokumente

Die Ausstellung im Rijksmuseum Twenthe versammelt erstmals alle Phasen des Œuvres on von de Vries. Zu den Höhepunkten zählen das monumentale Zufallsrelief (1967) – eine Sonderleihgabe des Rijksmuseums Amsterdam – und die beeindruckende Installation „la gomera“, in der er die Kanareninsel als Gesamtkunstwerk präsentiert. Darüber hinaus werden noch nie gezeigte Archivdokumente und Dokumentationen gezeigt, die ein neues Licht auf seine frühe Zeit als Künstler werfen.

Eine Ode an Herman de Vries

Diese Ausstellung zeichnet nicht nur ein vollständiges Bild von de Vries‘ künstlerischem Schaffen, sondern ist auch eine Hommage an seine einflussreiche Vision über die Verbindung zwischen Kunst und Natur. In einem speziellen „Ode-Raum“ wird sein Werk in Dialog mit den zeitgenössischen Künstlern Melanie Bonajo, Milah van Zuilen, Stefan Cools und Nan Groot Antink gebracht, die sich von seinem Werk inspirieren ließen. Die Ausstellung zeigt, wie seine Ideen in einer neuen Generation von Künstlern weiterleben und wie wichtig sein Werk bis heute ist.

Mehr als sechzig Werke

Mit mehr als sechzig Werken, verteilt auf neun Museumsräume und den Hofgarten, ist „Herman de Vries – 70 Jahre Natur als Kunstwerk“ die bisher umfangreichste Ausstellung zu seinem Schaffen. Anlässlich der Ausstellung erscheint eine reich bebilderte Publikation und es wird ein umfangreiches öffentliches Programm organisiert.

Biografisches zu Herman de Vries

Der 1931 in Alkmaar geborene Herman de Vries besuchte von 1949 bis 1951 die Reichsgartenbauschule in Hoorn und arbeitete anschließend als Landarbeiter und Gärtner in Frankreich und den Niederlanden. Von 1961 bis 1968 war er Mitarbeiter am Institut für angewandte biologische Forschung in der Natur. Er lebt seit 1970 in Knetzingen (Unterfranken). 1953 begann de Vries künstlerisch zu arbeiten und hatte 1954 seine erste Einzelausstellung. Seine Arbeiten wurden unter anderem beim Skulptur.Projekt, Münster und auf den Biennalen in Venedig und Lyon gezeigt.

Nähere Informationen: Rijksmuseum Twenthe, Lasondersingel 129-131, 7514 BP, Enschede, Telefon +31 53201 2000, Internet www.rijksmuseumtwenthe.nl. Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

Poeten einer anderen Wahrnehmung oder „Die Gefäße weiten sich / Der Bann bricht“

Aus Anlass des 30-jährigen Bestehens hat die in Münster gegründete und in Köln ansässige Gruppe „Erdmöbel“ das Album „Hätte Sehnsucht Gewicht“ vorgelegt und auf Tour vorgestellt. Weitere Termine folgen.

26 Jahre zurück liegt meine erste Begegnung mit der Gruppe „Erdmöbel“ in Form einer CD mit dem Titel „Erste Worte nach Bad mit Delfinen“, die ich als Promo-Material bekam und die mich vor allem wegen ihrer doch etwas abseitigen Texte – ein Trost angesichts der Abgeschmacktheit vieler deutscher Texte anderer Musiker – begeisterte. Damals war ich Redakteur bei einem regionalen Anzeigenblatt und dort auch für die Seite „Inside/Outside“ zuständig, auf der vor allem über Rock- und Popmusik berichtet wurde. Wenn ich mich recht erinnere, sollten „Erdmöbel“ im Rahmen eines Clubkonzertes im Café des Jugendzentrums Nordhorn spielen.

Eine weitere Band, die auch dort spielen sollte, hieß „Obst Obscure“, die sich bei einer ihrer Veröffentlichungen von dem Schriftsteller Franz Kafka inspirieren ließen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück zu „Erdmöbel“ (DDR-Begriff für Sarg): Die in Münster gegründete und heute in Köln ansässige Band, bestehend aus dem Sänger, Gitarristen, Trompeter und Schriftsteller Markus Berges, Ekki Maas (Gitarre, Computer, Gesang und Mundharmonika sowie Produzent), Wolfgang Proppe (Keyboards) und Christian Wübben (Schlagzeug und Gesang), wurde 1995 gegründet. Bereits ein Jahr später erschien ihr erstes Album „Ende der Diät“ – noch stark beeinflusst von der anglo-amerikanischen Singer- und Songwriter-Tradition, aber auch mit Rock- und Experimental-Elementen, wie zu lesen ist.

Sprechen kann ich persönlich von dem zweiten und schon erwähnten Album „Erste Worte nach Bad mit Delfinen“, das ich als Promo-Material für einen Artikel erhalten hatte. Und da kann ich immer noch sagen: Einfach klasse. Und das gilt nicht nur für die hervorragend gespielte und sehr abwechslungsreiche Musik aus unterschiedlichsten Stilrichtungen, in der Produzent Ekki Maas auch immer mehr elektronische Elemente eingebunden hatte, sondern gleichfalls für die Texte von Markus Berges, die wirklich zu den besten gehören, die deutschsprachige Rock- und Popmusik zu bieten hat. Nicht umsonst schrieb die Süddeutsche Zeitung von der „größten deutschsprachigen Band unserer Tage“; und die Zeit brachte es mit diesem Satz auf den Punkt: „Als hätten Gottfried Benn, Hans Christian Andersen und die Pet Shop Boys gemeinsam eine Band gegründet.“

Wie es Markus Berges gelingt, in aller Lässigkeit und aller Ernsthaftigkeit die schrägsten, absurdesten, assoziationsreichsten, aber auch liebevollsten lyrischen Lieder zu singen, ist wirklich einzigartig. Ein Beispiel gefällig: „Man sieht ihr das nicht an, an ihr ist gar nichts dran, aber von Kopf bis Fuß tätowiert von innen“, das von einer Supermarktverkäuferin der etwas anderen Art handelt. Oder im Lied „Das Beste vom Osten“: „keine Hostessen, halbnackt in Gummibooten, oder auf Tischen mit gespreizten Beinen das Comeback des Variete mit Niveau im Berliner Nachtcafe mit Toiletten comme ll faut weiß wie Schnee“ – oder im Lied „Trost im Stich“: „keine Kröte kann kleine Jungs aufblasen um Jahre später davon zu erzählen in ihrer Kellerbar mit Fellen an den Wänden wie glasig dein Blick war, als sie endlich von dir abließ.“ Kurz gesagt mit Versen dergleichen hätten „Erdmöbel“ alle Literaturpreise dieser Welt verdient.

Gleiches gilt für das Album „kung fu fighting“, das mit eingängig-poppigen Melodien und Texten höchster literarischer Qualität aufwartet – wie auf allen Veröffentlichungen. Zu gefallen wissen auch Refrains wie „Die Gefäße weiten sich / Der Bann bricht“ (Mein Favorit) und viele weitere mehr.

Gewissermaßen ein Konzeptalbum hat die Gruppe 2007 mit „no 1 hits“ aufgelegt. Da haben sich die vier Musiker 12 englischsprachige Nr. 1-Hits von den Bee Gees über Nirvana bis Crash Test Dummies und Procol Harum ausgesucht und diese ins Deutsche übertragen sowie in ihrer speziellen Art musikalisch interpretiert – wunderbar wie auch die Vorgänger-Alben.

Aktuell liegt aus Anlass des 30-jährigen Bestehens das Album „Hätte Sehnsucht Gewicht“ vor, das Erdmöbel gemeinsam mit dem Kaiser Quartett eingespielt haben, einem deutschen Streichquartett, das sich zunächst auf Studioaufnahmen im Bereich Charts, Film- und Kinomusik konzentrierte, und später mit vielen bekannten Musikern wie Chilli Gonzales, Jarvis Cocker, Kettcar, den Leoniden und Gregory Porter zusammenarbeitete – auch live vor Publikum.

Mit großem Erfolg wurde das Album, gewissermaßen ein Best of, auf Tour vorgestellt: unter anderem zweimal in der ausverkauften Elbphilharmonie in Hamburg. Weitere Termine folgen.

Nachtrag: Ich werde mir noch die anderen Veröffentlichungen zulegen und bei nächster Gelegenheit mal ein Konzert besuchen.

Neue Linien – Zwischen Freundschaft und Einheit

Ergänzend zur Ausstellung „Piet Mondrian und Michel Seuphor – Eine Freundschaft in Linie und Farbe“ über die Begegnung zwischen Piet Mondrian und dem Schriftsteller und Künstler Michel Seuphor gibt es im Museum „Villa Mondriaan“ eine weitere Ausstellung mit Werken zeitgenössischer Künstler.

Der Sommer 2025 steht in der Villa Mondriaan in Winterswijk ganz im Zeichen der „Linie“. Die Hauptausstellung konzentriert sich auf das Werk von Michel Seuphor, einem guten Freund von Piet Mondrian und einem Meister der Abstraktion und Geometrie. Die Einflüsse von Mondrians Praktiken sind in Seuphors Werk sehr sichtbar. Verstärkt wurden diese durch die gemeinsame Mitgliedschaft in der Künstlervereinigung „Cercle et Carré“.

Während es damals üblich war, dass ein Künstler einem Verein beitrat, scheint dies heute nicht mehr der Fall zu sein.Neun zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler reflektieren mit ihrer Teilnahme an der Ausstellung „New Lines“ die Themen Freundschaft und Einheit. Auf Einladung des Kurators Marian Genet werden ihre Rauminstallationen mit den verspielten Objekten von Christina de Korte, Iekeliene Stange, Dirry de Bruin, Lisette van Hoogenhuyze, Judith Pool, Carmen Schabracq, Joana Schneider und Hadassah Emmerich zusammengebracht.

Die Arbeiten laden dazu ein, in den textilen Installationen Platz zu nehmen, die Treppen von Judith Pool zu erklimmen oder die experimentelle Glaskunst von Dirry de Bruin zu betrachten. „New Lines“ gibt Einblick in die Frage, wie Künstlerinnen ihre Position im Kunstsektor stärken können, indem sie einen Verein gründen oder ein Kollektiv gründen.

Diese Ausstellung ist ebenfalls bis zum 2. November im Museum Villa Mondriaan zu sehen.

Ermöglicht wurde sie von der Gemeinde Winterswijk, der Provinz Gelderland, der Stiftung für Frauen von Frauen und dem Mondriaan Fund.

Nähere Informationen: Museum Villa Mondriaan, Zonnebrink, 47101 NC Winterswijk, Telefon +31 (0) 54351 5400, E-Mail info@villamondriaan.nl. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Piet Mondrian und Michel Seuphor – Eine Freundschaft in Linie und Farbe

Die Begegnung zwischen Piet Mondrian und dem Schriftsteller und Künstler Michel Seuphor ist das Thema einer Ausstellung in der Villa Mondrian in Winterswijk.

Im geschäftigen Paris des frühen 20. Jahrhunderts besucht der junge Schriftsteller und Künstler Michel Seuphor (*1901 +1999) das Atelier von Piet Mondrian. Das Gebäude macht auf Seuphor zunächst wenig Eindruck. Er schreibt: „Der Innenhof, wo sich der Eingang zu Mondrians Atelier befand, war sehr miserabel. Im Treppenhaus hat es ein bisschen gerochen.“

Im Inneren erlebt Seuphor aber etwas Besonderes: „Schönheit, Frieden, Ruhe und Ausgeglichenheit“. Im Atelier werden Mondrians Vision und Präzision erlebbar. Es ist ein Ort, an dem Kunst und Philosophie zusammenkommen. Dieses Treffen markiert den Beginn einer langjährigen Freundschaft zwischen den beiden Künstlern, die sich gegenseitig inspirieren. Gemeinsam bilden sie ein „Tableau-Poème“, in dem Malerei und Poesie aufeinandertreffen.

Seuphor schrieb auch die erste Monografie über Mondrian, in der er sein Leben und Werk beleuchtet. Seuphor war nicht nur Schriftsteller, sondern auch Künstler mit einer eigenen Bildsprache. Seine Kunst zeichnet sich durch eine klare Fokussierung auf Linien, Geometrie und Rhythmus aus, die in Zeichnungen und großen Wandteppichen ausgearbeitet werden. Seuphors künstlerische Entwicklung – von frühen Experimenten bis hin zu späteren Werken mit sichtbaren Einflüssen östlicher Philosophien – wird in der Ausstellung „Piet Mondrian und Michel Seuphor – Eine Freundschaft in Linie und Farbe“ beleuchtet, die noch bis zum 2. November in der Villa Mondrian zu sehen ist.

Nähere Informationen: Museum Villa Mondriaan, Zonnebrink, 47101 NC Winterswijk, Telefon +31 (0) 54351 5400, E-Mail info@villamondriaan.nl. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.