Vier Museumstipps für ein besonders kulturelles Weihnachten

Während der Weihnachtsferien organisieren Museen im ganzen Land verschiedene Aktivitäten: von kreativen Weihnachtsworkshops bis hin zu atmosphärischen Winterwelten und ruhigen Ausstellungen. Die niederländische Museumstijdschrift hat folgende vier Tipps für eine kulturelle Weihnachtszeit:

Königliches Weihnachten im Huis Doorn

Wer einen königlichen Weihnachtstag erleben möchte und entdecken will, wie Weihnachten vor 100 Jahren gefeiert wurde, sollte das Huis Doorn, den ehemaligen Exilort des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. seit 1918, besuchen. Das historische Herrenhaus wurde mit einem wunderschön dekorierten kaiserlichen Dekor ausgestattet, komplett mit reich gedeckten Tischen, besonderen Gegenständen und Geschichten darüber, wie die kaiserliche Familie Weihnachten feierte. Dort kann man sich für das eigene Weihnachtsessen inspirieren lassen und die gedeckten Tische voller Porzellan und Silber aus dem 18. Jahrhundert bewundern. Es gibt auch besondere Stücke, die zuvor nie zu sehen waren, wie das wunderschöne Galakleid der ehemaligen Kaiserin Auguste Viktoria. Diese Präsentation ist noch bis zum 11. Januar 2026, Dienstag bis Sonntag jeweils von 13 bis 17 Uhr, zu sehen.

Nähere Informationen: Huis Doorn, Langbroekerweg 10, 3941 MT Doorn, Telefon: 0343 421020, E-Mail: info@huisdoorn.nl

Weihnachtsausstellung „Boundlessly beautiful“ im Blechfigurenmuseum

Im Blechfigurenmuseum in Ommen kommen internationale Weihnachtstraditionen in mehr als fünfzig Krippenszenen aus 20 Ländern zusammen. Dank der besonderen Sammlung des Sammlers Tim Bottema – der jahrelang um die Welt reiste, um Ställe zu sammeln – sind sie nun erstmals gemeinsam ausgestellt. Zu erleben ist eine Ausstellung, die zeigt, wie unterschiedlich und universell die Weihnachtsgeschichte dargestellt wird. Außerdem beeindruckend ist die Sammlung von mehr als 100.000 Zinnfiguren, für die das Museum bekannt ist. Dieses Ziel ist auch perfekt, um es mit einem Winterspaziergang durch Ommen oder einem Besuch auf lokalen Weihnachtsmärkten zu kombinieren.

Diese Präsentation ist noch bis zum 7. März 2026 zu sehen.

Nähere Informationen: Nationales Museum für Zinnfiguren, Markt 1, 7731 DB Ommen, Telefon: 0529 454500, E-Mail: welkom@tinnenfigurenmuseum.nl

Wintergemütlichkeit im Museum Klok & Peel

Während der Weihnachtsferien verwandelt sich das Museum Klok & Peel in Asten in eine atmosphärische Winterwelt voller Lichter, Krippenszenen und Aktivitäten. Das Museum ist vollständig dekoriert, vom Garten bis zur Orangerie. Kinder können am LEGO Experience teilnehmen, und an ausgewählten Tagen gibt es eine Schatzsuche, kreative Aktivitäten und Aufführungen. Zwischen all der winterlichen Gemütlichkeit kann man das Museum selbst erkunden, das von beeindruckenden Glocken über Fossilien bis hin zu Geschichten aus dem Torfmoor viel zu bieten hat – kurzum ein abwechslungsreicher Weihnachtsausflug, bei dem Tradition, Kreativität und Kultur zusammenkommen.

Diese Präsentation ist noch bis zum 4. Januar 2026 von Montag bis Sonntag jeweils in der Zeit von 12 bis 17 Uhr zu sehen.

Nähere Informationen: Museum Klok & Peel, Ostaderstraat 23, 5721 WC Asten, Telefon: +31 (0)493 691865, E-Mail: info@museumklokenpeel.nl

Eislaufen im Winterbahnhof im Eisenbahnmuseum Utrecht
Jedes Jahr ein festlicher Favorit: das Eisenbahnmuseum in Utrecht. Eine atmosphärische Winterstation voller Lichter, Live-(Weihnachts-)Musik, Delikatessen und spaßigen Aktivitäten. Zwischen historischen Zügen kann man auf der Indoor-Eisbahn skaten, eine Fahrt im antiken Karussell machen oder Marshmallows am Feuer rösten. Das Museum kann auch besucht werden – mit alten Dampflokomotiven, interaktiven Attraktionen und Familienausstellungen ist dort ebenfalls für viel Abwechslung gesorgt. Auch an Weihnachten selbst und am Neujahrstag ist es geöffnet.

Diese Präsentation ist noch bis zum 4. Januar 2026 zu unterschiedlichen Zeiten zu sehen.

Nähere Informationen: Eisenbahnmuseum, Maliebaanstation 16, 3581 XW Utrecht, Telefon: 030 2306206, E-Mail: info@spoorwegmuseum.nl

Jan Fleischhauer hat es bei „Eingesperrt mit Jan Fleischhauer“ auf ZDF versemmelt – eine Mischung aus unfreiwilliger Komik und mangelndem Sachverstand

Als der Öffentlich Rechtliche Rundfunk mal überlegte, auch einer konservativen oder vielleicht auch mal einer rechter gesinnten Meinung Öffentlichkeit zu verleihen, gab es eine Julia Ruhs, die das mal machen sollte – die Debatten darüber und das Ende sind bekannt.

Am Dienstag sah ich nun den ehemaligen Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer, den ich für einen streitbaren, aber intellektuell kompetenten Vertreter seines Faches gehalten habe, und der wie Julia Ruhs auch so was eher Konservatives oder Rechter Gesinntes liefern sollte. Und war enttäuscht. Vielleicht lag es an dem Medium und der Form, in der das gelaufen ist: einer kleinen auf ihn unpassend zugeschnittene Talkshow auf ZDF nach dem heute journal update mit dem Titel „Eingesperrt mit Jan Fleischhauer“.

Sein Kontrapart war eine Katja Diehl, die sich wohl für eine andere Art von Mobilität im Bereich Verkehr einsetzt – mehr ÖPNV und so. Erster Eindruck: Die komisch-bunte Hose, die streng wirkende Brille, eine gewisse Freudlosigkeit und vielleicht ein Zahnproblem, das eine Hälfte ihres Gesichtes ein wenig unrund aussehen ließ. Sie war ja bemüht, dem vermeintlich komischen Format einer launigen Plauderei noch eine gewisse Lustigkeit beizufügen, was nicht so recht gelingen wollte. Humor will gelernt sein!

Die Studio-Atmosphäre: ein wenig Klaus Krömer, ein wenig klaustrophobisch, aber immerhin mit einem VW Cabrio aus früheren Zeiten geschmückt, ein paar Verkehrszeichen und anderem Gedöns – und mit einer Bushaltestelle von wegen ÖPNV. Und die beiden waren eingesperrt, was angesichts mancher Situation mit Mann und Frau in dieser Kombination – erinnert sei an Fritzl und Kampusch, vielleicht noch Marc Dutronc – von ebenfalls unfreiwilliger Komik in den Bereich des Schreckens gerät.

Sei es drum. Der schlecht gekleideten und eher mißmutigen Aktivistin Frau Diehl steht ein seriös gekleideter älterer, aber sehr nervös und unsicher wirkender und vor allem nicht telegener Herr Fleischhauer gegenüber, der sich einerseits in seiner Auto-Nostalgie suhlt und andererseits behauptet, die Verkehrswende in Richtung E-Mobilität als Ursache für den Stellenabbau in der Automobilbranche zu betrachten. Das mag so sein, obwohl ausgewiesene Autoexperten wie Ferdinand Dudenhöfer der Branche eher attestieren, technologische Entwicklungen verpennt zu haben, richtig wissen tut er es nicht so, denn als studierter Literaturwissenschaftler ist er vielleicht nicht so im Thema, was er auch zugibt.

Das verbindet ihn wiederum mit Frau Diehl, die auch keine ausgewiesene Expertin für das Thema Mobilität ist, sondern auch Literaturwissenschaften studiert hat. Sie möchte eine Wende in Richtung des öffentlichen Personennahverkehrs, hat sicherlich dafür auch Argumente, aber keine substanziellen, die beweisbar zeigen, wie das auch praktisch umgesetzt werden kann – abgesehen von ein paar kleinen Projekten.

Irgendwann redeten sie nach ihrer ergebnislosen Plauderei unabhängig voneinander über den anderen und stellten fest, dass sie in unterschiedlichen Welten leben; und dann ist es vorbei.

Glücklicherweise dauert es nur eine halbe Stunde; und wenn ich nicht alleine mit meiner Meinung stehe, wird sich das Format auch schnell erledigt haben.

Draiflessen Collection stellt Programm für das Jahr 2026 vor

Das Ausstellungsjahr 2026 der Draiflessen Collection steht unter dem Motto „Collecting Ourselves“: Für ein Museum ist das Sammeln – neben dem Bewahren, Forschen und Vermitteln – eine maßgebliche Aufgabe. Sammeln ist aber auch eine zutiefst menschliche und damit eine individuelle ebenso wie kollektive Handlung. Unbewusst lässt uns diese Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbinden, indem wir Erinnerungen bewahren, Erfahrungen teilen und damit Spuren hinterlassen.

2026 möchten die Verantwortlichen der Draiflessen Collection in Mettingen den Impuls ihres Jahresmottos nutzen, um in ihren Ausstellungen und Veranstaltungen der Idee des Sammelns und des Ordnens zu folgen sowie Verbindungen erkennbar zu machen.

So greift die Ausstellung „Mix & Match“ tief in die Sammlungen aus Kunst, Familien- und Unternehmensgeschichte ein, um sie in völlig neue Zusammenhänge zu bringen, und regt die Besucher dazu an, eigene Assoziationen und Erinnerungen mit den gezeigten Objekten in Beziehung zu setzen.

„Spitze!“ offenbart neben dem sorgfältig kuratierten Thema auch den Blick auf die jeweilige Sammlerpersönlichkeit selbst: Diese prägt ihre Sammlung durch ihre Auswahl und Perspektive – und erzählt damit immer auch eine Geschichte über sich selbst.

Die Ausstellung „Erinnerungen aufschlagen“ schließlich zeigt, dass Erinnerungen, wie wir sie zum Beispiel in Fotoalben manifestiert finden, immer auch subjektive Geschichten sind, die durch die Auswahl der Fotos und ihre Zusammenstellung erzählt werden. „Collecting Ourselves“ verbindet die Ausstellungen in der Frage, was Sammeln über uns selbst verrät – als Institution, als Gesellschaft und als Einzelne.

Die Ausstellungen im Einzelnen

Bereits im letzten Jahr angelaufen sind die Ausstellungen „Magische Frauen“, „Der Teufel – Mythos, Macht, Mysterium“ und „Verortet – Auf den Spuren von C & A in Sneek“. Sie sind aber auch noch im kommenden Jahr zu sehen.

Magische Frauen

Magie durchdringt Sprache und Alltag: Wir sprechen von der Magie bestimm ter Augenblicke oder davon, dass Dingen etwas Magisches innewohnt. Auch im popkulturellen Mainstream feiern okkulte Motive, Astrologie oder esoterische Praktiken ein Comeback. Dies hat eine lange Tradition: Obwohl lange Zeit als Aberglaube und mit wissenschaftlichen Werten der Moderne unvereinbar heruntergespielt, haben mystische, spirituelle sowie esoterische Aspekte auch in der Kunst und Kultur eine lange Tradition. Die Ausstellung widmet sich künstlerischen Positionen des 20. und 21. Jahrhunderts, die sich mit Magie, Okkultem und spirituellen Praktiken auseinandersetzen – oft aus einer feministischen Perspektive. Im Zentrum steht die Frage, wie Künstler diese Themen nutzen, um gesellschaftliche Strukturen, Identitäten und Geschlechterrollen zu hinter fragen, aufzubrechen, umzudeuten und neu zu erzählen.

Der Teufel – Mythos, Macht, Mysterium

Keine andere Gestalt hat im Christentum gleichermaßen Schrecken und Faszination ausgelöst wie der Teufel. Über Jahrhunderte fürchteten die Gläubigen, er und seine Dämonen würden als Gegenspieler Gottes jederzeit versuchen, Unordnung in die Welt zu bringen. Naturkatastrophen, Erdbeben und Seuchen galten als Werke des Teufels – ebenso wie persönliche Versuchungen, mit denen er die Menschen vom rechten Weg abzubringen versuchte. Diese Vorstellung nährte die Angst vor den Qualen der Hölle und prägte den christlichen Glauben tief bis in die Alltagskultur. Die Kabinettausstellung im Studiensaal beleuchtet die Veränderungen und Vielfalt des Teufelsbildes – von biblischen Vorstellungen bis hin zur Darstellung in der Populärkultur.

Verortet – Auf den Spuren von C&A in Sneek

Gründungsorte haben etwas beinahe Mystisches. Sie sind mehr als nur geogra f ische Punkte – sie stehen für Identität und Tradition. Bisweilen jedoch geraten sie in Vergessenheit – wie etwa bei C&A: Wo genau wurde das heute international agierende Modeunternehmen C&A im Jahr 1841 gegründet? Diese scheinbar einfache Frage hat sich zu einer komplexen Spurensuche entwickelt, der sich die Ausstellung widmet. Im Zentrum steht das sogenannte Stammhaus in Sneek (NL), das jahrzehntelang als Ursprungsort des Unternehmens galt – und es ganz sicher nicht ist. Anhand historischer Dokumente, Fotografien und Recherchen wird der tatsächlichen Geschichte vom Gründungsort von C&A nachgespürt. Die Ausstellung dokumentiert diesen Prozess und macht zudem deutlich: Der Gründungsmythos ist nicht nur ein Ort – er ist auch ein Konstrukt.

Mix & Match – Einblicke in einen Sammlungskosmos

In „Mix & Match“ begegnen sich Archiv und Sammlung in vier epochen- und medienübergreifenden Themenräumen und geben einen Einblick in den Sammlungskosmos der Draiflessen Collection. Die Ausstellung lädt dazu ein, neue, teils unerwartete Verbindungen zwischen den Objekten und Epochen zu knüpfen. Sie präsentiert die vielfältigen Bestände des Museums in einer assoziativen Ordnung. Dafür dienen die vier Grundelemente Feuer, Wasser, Erde und Luft – schon seit der Antike Deutungsmuster für die Welt – als narratives Leitmotiv. Gezeigt werden Highlights aus Druckgrafik und Buchkunst neben Fotografien, Film- und Werbematerial aus der Geschichte von C&A. Mode gesellt sich zu zeitgenössischer Kunst und Archivdokumenten. Spielerisch setzen die Exponate Assoziationen zu den Elementen frei, die nicht nur museale Sehgewohnheiten, sondern auch die alltägliche Wahrnehmung neu ordnen können.

Erinnerungen aufschlagen

Was sehen wir, wenn wir uns Fotoalben anderer Personen anschauen? Blättern wir durch solche Alben, folgen wir dem Rhythmus der Erinnerung selbst: fragmentiert, repetitiv, voller Assoziationen und Lücken. Auch wenn uns die Menschen oder Orte unbekannt sind, wirken die Fotografien oft vertraut. Die Ausstellung spürt dieser Resonanz zwischen vertraut und fremd, Vergangenheit und Gegenwart, Erinnerung und Fotografie nach. Sie bringt historische Fotoalben aus dem eigenen Archivbestand mit Werken zeitgenössischer Künstler und Fotografen zusammen und verbindet so verschiedene zeitliche Ebenen sowie konzeptuelle Ansätze miteinander. Die Kunstwerke spiegeln da bei nicht nur die in den Fotoalben sichtbaren Prozesse, sondern machen auch deutlich, dass das Erzählen selbst ein kreativer Akt ist, der ebenso sehr vom Vergessen wie vom Erinnern geprägt wird.

Spitze!

Spitze war im 16. und 17. Jahrhundert weit mehr als reine Zierde: Sie galt als Ausdruck von Luxus, Modebewusstsein und gesellschaftlichem Rang – und kam be sonders eindrucksvoll am Kragen zur Geltung. Die Ausstellung beleuchtet die „Kragenmode“ anhand zweier bedeutender Porträtsammlungen: der in der Liberna Collection bewahrten Iconographie Anton van Dycks (*1591 +1641) sowie der Gemälde- und Miniatursammlung des Verlegerpaares Frieda und Franz von Lipperheide, die sich heute in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin, Sammlung Modebild, befindet. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den sehr selten erhaltenen Kragen und Spitzen, deren Bedeutung, Schönheit und Kunstfertigkeit zusätzlich durch Einblicke in die Techniken der Nadel- und Klöppelspitze erfahrbar gemacht werden. Anschauungsmodelle, Videos und historische Handarbeitsutensilien stehen dabei im Dialog mit aktuellen Spitzenarbeiten und Gertrud Riethmüllers Klang-Installation „Ein Kragen – im Tanz der Verflechtungen“ (2022/23).

Musik, die verbindet by Draiflessen

Seit über zehn Jahren steht Draiflessen mit der Konzertreihe „meetMUSIC“ für besondere Musikerlebnisse. Hier treffen sich Musikliebhaber aller Generationen, um Bekanntes zu erleben und neue Klänge zu entdecken. In der besonderen Atmosphäre entsteht eine direkte Verbindung zwischen Künstler und Publikum – Musik wird hier persönlich und unmittelbar spürbar. Das Programm bietet für jeden Musikgeschmack etwas: von Klas sik über Jazz bis zu Singer-Songwritern sowie Familienkonzerte. Jeden August verwandelt sich der Park von Draiflessen in eine Open-Air Bühne für das dreitägige meetMUSIC-Festival. Es gibt aufstrebenden Musiker aus aller Welt eine Bühne und macht die Vielfalt der Musik in all ihren Facetten erlebbar – inspirierend, lebendig und nah. Auch der Nach wuchs wird gefördert: meetMUSIC verleiht in jedem Jahr Sonderpreise an Gewinner des Bundeswettbewerbs Jugend musiziert.

Mehr Info unter http://www.meetmusic.de

Führungen und Kunstvermittlung

Die Draiflessen Collection bietet neben öffentlichen und individuellen Führungen auch inklusive Führungen und kreative Formate an, die einen individuellen Zugang zur Kunst fördern, speziell auch für Kinder und Jugendliche, wie etwa den MuseumsSpaß in den Ferien. Für Erwachsene und Familien ergänzen Workshops, Exkursionen, Vorträge und Podiumsdiskussionen das vielfältige Programm.

Weitere Informationen unter http://www.draiflessen.com

Incarnate – Eine Ausstellung der Julia Stoschek Foundation und der Langen Foundation

Die Ausstellung „Incarnate“, die noch bis zum 22. März 2026 auf der „Raketenstation Hombroich“ zu sehen ist, führt erstmals zwei der führenden privaten Kunstsammlungen Nordrhein-Westfalens zusammen: Videokunst aus der Julia Stoschek Collection trifft auf klassische japanische und asiatische Kunst aus der Sammlung Viktor und Marianne Langen.

Incarnate lädt die Besuchenden ein, zwischen materiellen und immateriellen Welten zu wandeln und Verbindungen zwischen spirituellen Fragen und medialen Ausdrucksformen zu entdecken. In den Begegnungen von religiöser Kunst und digitalen Avataren zeigt sich, wie überliefertes Wissen und zeitgenössische Ausdrucksformen miteinander in Beziehung treten.

Die Präsentation in den Sammlungsräumen macht eine überraschende Nähe zwischen den metaphysischen Fragestellungen des Buddhismus und den illusionistischen Strategien zeitgen.ssischer Videokunst sichtbar: Hier das buddhistische Misstrauen gegenüber dem äußeren Schein zugunsten einer tieferen Wirklichkeitserfahrung, dort die ambivalente Auffassung der Videobildfläche als Fenster oder Schleier. Die Auswahl der Werke ist zudem inspiriert vom Wandel des Begriffs „Avatar“ – von seinen Ursprüngen in der östlichen Philosophie hin zu seiner heutigen Bedeutung in der digitalen Kultur.

In der Philosophie und Theologie bezeichnet der Begriff „Inkarnation“ das Sichtbarwerden des Unsichtbaren, die Erscheinung des Geistigen in einer endlichen, materiellen Form. Begegnungen zwischen antiken, modernen und zeitgenössischen Kunstwerken symbolisieren eine wiederkehrende Schleife zwischen Form und Inhalt, wie in einer bekannten Passage aus dem Herz-Sutra: „Form ist Leere (śūnyatā), Leere ist Form.“

Folgende Künstlerinnen und Künstler sind beteiligt: Vito Acconci, Ed Atkins, Peggy Ahwesh, Peter Campus, Trisha Donnelly, Matt Calderwood, Jen DeNike, Cyprien Gaillard, Cao Guimares, Bruce Nauman, Nam June Paik, Laure Prouvost, Jon Rafman, Lu Yang, nameless masters of the Three Realms, Kanō school, Sui Dynasty, Ayutthaya, Shrivijaya, La Na, Sukhothai und mehr.

Nähere Informationen: Stiftung Insel Hombroich, Raketenstation Hombroich 4, 41472 Neuss, Telefon: 02182 8874001, E-Mail: stiftung@inselhombroich.de

Jan Banning: Blutsbande – Versöhnung nach dem Völkermord in Ruanda

Vor Kurzem eröffnete das Fotomuseum Hilversum die Ausstellung „Blood Ties: Reconciliation after the Genocide in Rwanda“ mit Werken des Fotografen Jan Banning und des Journalisten Dick Wittenberg. Gleichzeitig wurde das gleichnamige Buch veröffentlicht, mit einem Essay des Philosophen Marjan Slob. Die Ausstellung, die noch bis zum 15. März 2026 zu sehen ist, zeigt bewegende Doppelporträts von Tätern und Überlebenden des Völkermords.

Jan Bannings Fotos zeigen nicht nur Opfer und Täter: In jedem Doppelporträt sehen wir Menschen nebeneinander, die eine direkte und schmerzhafte Vergangenheit teilen. Es sind Überlebende, die denen gegenüberstehen, die ihnen oder ihren Familien irreparables Leid zugefügt haben, wie die Tötung eines geliebten Menschen.

Die Bilder, kombiniert mit den Geschichten von Dick Wittenberg, machen greifbar, wie schwer, aber auch menschlich der Versöhnungsprozess ist. Mit „Blood Ties“ präsentieren Banning und Wittenberg eine seltene, nuancierte, aber auch konfrontative Perspektive auf das Thema Versöhnung. In einer Zeit, in der weltweit erneut tiefe Wunden durch Konflikte und Gewalt zugefügt werden, bietet das Projekt keine einfachen Antworten, aber es ist ein kraftvolles Beispiel für die Möglichkeit von Genesung und Menschlichkeit.

Mit „Blood Ties“ haben Jan Banning und Dick Wittenberg bereits sieben internationale Auszeichnungen erhalten und waren mit ihrem Werk bereits unter anderem in Cortona und New York zu sehen. Kürzlich präsentierte Banning das Projekt an verschiedenen Orten in den Vereinigten Staaten, darunter das Center for Documentary Studies der Duke University und das Ford Hall Forum in Boston, wo zuvor Redner wie Malcolm X, Noam Chomsky, Al Gore und Eleanor Roosevelt Gäste waren. Er wurde außerdem für Michelle Bogres Buch „Photography as Activism“ interviewt. Bannings Werk wird von der Robert Klein Gallery (Boston) und der Galerie Fontana (Amsterdam) vertreten.

Im Fotomuseum Hilversum ist „Blood Ties“ nun erstmals in den Niederlanden zu sehen.

Über die Macher

Jan Banning ist ein international anerkannter fotografischer Künstler und Gewinner eines World Press Photo Award sowie unter anderem elf Silberkameras.

Dick Wittenberg ist Journalist und Schriftsteller und arbeitete viele Jahre für das NRC. Gemeinsam mit Banning gewann er den Bob den Uyl Prize für ihr früheres Buch über Dickson, Malawi.

Marjan Slob ist Philosophin und Essayistin. Sie schreibt unter anderem für de Volkskrant.

Nähere Informationen: Fotomuseum Hilversum, Kerkbrink 6, 1211 BX – Hilversum, Telefon 035 6292826, Internet: http://www.fotomuseumhilversum.nl

Sammlung Marina Eshuis in die Collectie Nederland eingefügt

Die außergewöhnliche Kunstsammlung der aus der Region Twenthe stammenden Sammlerin Marina Eshuis (*1934 +2024) ist in die nationale Sammlung der Niederlande eingefügt worden.

Die aus rund 150 Werken bestehende Sammlung ist dem Rijksmuseum Twenthe und dem Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed (RCE) geschenkt worden, die gemeinsam für die Verwaltung der Sammlung zuständig sind.

Die offizielle Übergabe erfolgte vor Kurzem im Rijksmuseum Twenthe mit einem Festakt und der Eröffnung der Ausstellung „Marina Eshuis – eine jahrzehntelange Sammelleidenschaft“. Diese Ausstellung beleuchtet sowohl das Leben als auch die Sammelleidenschaft von Marina Eshuis, die im vergangenen Jahr mit 89 Jahren verstorben ist.

Ein Leben lang gesammelt

In der Ausstellung wird die Geschichte einer Arztfamilie aus Tubbergen und deren besondere Leidenschaft für moderne Kunst in den Blick genommen. Mit dem Ankauf von drei Bildern des Malers Jan Sluijters im Jahre 1940 legten die Eltern von Marina Eshuis die Grundlage für eine Sammlung, die sich unter ihrer Obhut zu einer der bedeutendsten Privatsammlungen in der Twenthe entwickelte.

Die Sammlung umfasst Bilder, Keramik- und Glasobjekte von Künstlern wie dem schon erwähnten Jan Sluijters, aber auch von Marc Chagall, Lucebert, Charlotte van Pallandt, Theo Wolvecamp, Eugène Brands und Roger Raveel. In ihrem Haus an der Oranjestraat in Tubbergen umgab sich Marina Eshuis mit ihrer Kunst: „Alles hängt an den Wänden oder ist aufgestellt. Ich will all meine Kunst um mich haben“, sagte sie einmal selbst.

Von der Privatsammlung zum kulturellen Erbe der Niederlande

Vor ihrem Ableben überließ sie die Sammlung der Stichting Het Esch-Huys – verbunden mit dem Auftrag, dass diese in die Verantwortung der Rijkscollectie übergeben wird. Damit war gewährleistet, dass die Werke sorgsam konserviert, untersucht und dann auch präsentiert werden konnten. Mit der Aufnahme in die Collectie Nederland ist das gewährleistet.

Die Sammlung soll in der Zukunft durch wechselnde Präsentationen und Forschungsprojekte der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Der Anfang wurde mit der Ausstellung im Rijksmuseum Twenthe gemacht, die dort noch bis zum 22. Februar 2026 zu sehen ist. Gezeigt werden Werke von Jan Sluijters und Roger Raveel, die in der niederländischen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts eine große Rolle spielen.

Nähere Informationen: Rijksmuseum Twenthe, Lasondersingel 129-131, 7514 BP, Enschede, Telefon +31 53201 2000, Internet www.rijksmuseumtwenthe.nl. Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

Nicht die Caine war sein Schicksal – aus der Bahn geworfen und dann?

„Das Schicksal schläft nie. Es lauert hellwach in jedem Moment. In uns selbst. Unbemerkt führt es uns durch die ebenen Täler der Sorglosigkeit, nur um dann geduldig zu warten … Es wartet auf den perfekten Augenblick, um mit geballter Faust zuzuschlagen und jene Nachricht zu überbringen, die wir für unmöglich gehalten hätten.“ – mit diesen Sätzen auf der ersten Seite seines deutlich autobiografisch geprägten Romans „Shake it, Baby“ hält Oliver Peral nicht lange hinter den Berg – eben so wenig wie mit dem Untertitel „Ein Roman über Parkinson und andere Katastrophen“, der gleich auf der Titelseite prangt.

Bei dem Rundfunkjournalisten Oliver Peral (unter anderem bei Radio Hamburg, NDR, N-Joy, Antenne Aachen und aktuell beim Städtenetwork Radio 21 – Rockland Radio – Antenne Sylt) hat es wie bei seinem Protagonisten Oliver Vega Berger, ebenfalls Rundfunkjournalist, mit einem Zittern in den Händen angefangen – bei der Arbeit. Zunächst noch abgetan als Reaktion auf zu viel Stress bei der Arbeit oder auf Magnesiummangel – worauf hin er alles aufkauft, was es an Präparaten gegen Magnesiummangel gibt -, schleichen sich dann doch die Gedanken an eine richtige Erkrankung ins Hirn. Was folgt ist das, was wohl viele tun, die in einer ähnlichen Situation sind: Sie befragen Dr. Google, doch was dieser „berufene“ Arzt anzubieten hat, ist wenig hilfreich, denn dort werden laut dem Autor und seines Protagonisten nur Ängste bedient, die wiederum zu unzähligen Klicks führen. Dem Geschäftsmodell von Google ist genüge getan, aber die von Krankheit Betroffenen – egal ob es sich um reale, mögliche Krankheiten oder vielleicht nur Scheinkrankheiten handelt – bleiben allein mit ihrer Not.

Nachdem noch weitere Symptome wie Zucken, Muskelschmerzen, Schlaflosigkeit und häufiger Harndrang hinzukommen, lässt sich Oliver Vega Berger zu einem Neurologen überweisen. Auch hier kommt es zu einem Phänomen, das in Deutschland die meisten kennen: das Warten auf einen Termin. Womit also die Zeit und die Ungeduld vertreiben? Mit der Hinwendung zu Wundermitteln wie Globuli und Heilpflanzen.

Doch dann ist irgendwann der Tag der Wahrheit. Das erschreckende Ergebnis der Untersuchung: Morbus Parkinson, eine Erkrankung, von der ungefähr ein Prozent der Weltbevölkerung über 60 Jahren betroffen ist. Die Parkinson-Krankheit ist damit nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung der Welt. In Deutschland wird derzeit von 300.000 bis 400.000 erkrankten Menschen ausgegangen – und einer davon ist der Autor.

Die Erkrankung beginnt schleichend und schreitet danach zeitlebens fort, die Symptome werden im Verlauf stärker und daher auch besser erkennbar. Das Idiopathische Parkinson-Syndrom beginnt typischerweise einseitig (und bleibt im Verlauf einseitig stärker); als Frühzeichen gilt beispielsweise das reduzierte und später fehlende Mitschwingen eines Armes beim Laufen. Nicht selten treten Schulterschmerzen und einseitige Muskelverspannungen auf.

Das Parkinson-Syndrom ist definiert durch das Vorliegen von Akinese und eines der drei anderen Leitsymptome: Rigor, Tremor und posturale Instabilität.

Mit dem Begriff Akinese (auch Bradykinese oder Hypokinese) wird eine allgemeine Bewegungsarmut bezeichnet und ist Voraussetzung für die Diagnose eines Parkinson-Syndroms. Sie macht sich bei allen Bewegungen bemerkbar. So vermindert sich das Muskelspiel, was den Gesichtsausdruck bestimmt (Maskengesicht oder auch Hypomimie), das Sprechen wird leise und undeutlich (Mikrophonie), das Schlucken verzögert sich (scheinbar vermehrter Speichelfluss oder Pseudo-Hypersalivation), die Geschicklichkeit der Hände lässt besonders bei schnellen Bewegungen nach (Schriftbild wird kleiner oder auch Mikrographie), die Rumpfbewegungen sind erschwert (vermindertes Umlagern im Schlaf), das Gangbild wird kleinschrittig und schlurfend.

Zu diesem obligaten Krankheitszeichen muss mindestens eines der folgenden drei Symptome kommen: Rigor (auch Rigidität)

Damit wird eine Muskelsteifheit aufgrund einer Steigerung des Muskeltonus bezeichnet. Sie wird durch eine unwillkürliche Anspannung der gesamten quergestreiften Muskulatur hervorgerufen und führt oft auch zu Muskelschmerzen. Nach außen sichtbar sind eine leichte Beugung von Ellenbogengelenk, Rumpf und Nacken sowie später der Kniegelenke. Bei passiver Bewegung der Gelenke von oberer und unterer Extremität tritt das Zahnradphänomen auf, bei dem es den Anschein hat, die Bewegung im Ellenbogengelenk laufe über ein Zahnrad, das die Bewegung in wechselnden Intervallen bremst. Körpernahe Muskelgruppen sind oft stärker betroffen (axialer Rigor). Eine gekrümmte Fehlhaltung des Körperstammes durch die Tonuserhöhung wird als Kamptokormie bezeichnet.

Ruhetremor:

Durch die wechselseitige Anspannung entgegenwirkender Muskeln entsteht ein relativ langsames Zittern (Antagonistentremor – vier bis sechs Schläge pro Sekunde, selten bis neun Schläge pro Sekunde), das bei aktiver Bewegung abnimmt. Es ist typisch für das idiopathische Parkinson-Syndrom (75 Prozent) und weniger typisch für atypische Parkinson-Syndrome (25 Prozent), auch der Tremor ist einseitig betont. Der Tremor ist das augenfälligste Symptom.

Posturale Instabilität:

Die verminderte Stabilität beim Aufrechthalten des Körpers kommt durch eine Störung der Stellreflexe zustande. Die kleinen, aber schnellen reflektorischen Ausgleichsbewegungen werden verzögert, so dass es zur Gang- und Standunsicherheit kommt. Die Wendebewegung wird unsicher, die Patienten kommen dabei ins Trippeln. Sie bekommen Angst zu fallen; diese Fallangst kann sie noch zusätzlich zur motorischen Behinderung beeinträchtigen. Bei früh stark gestörten Stellreflexen muss ein atypisches Parkinson-Syndrom bedacht werden.

Die unterschiedlichen Symptome können beim einzelnen Erkrankten unterschiedlich stark ausgeprägt sein oder ganz fehlen; Auftreten und Stärke wechseln auch im Tagesverlauf.

Das alles befällt auch den Autor und seinen Protagonisten. Und wie bei den anderen Betroffenen kommt die Frage auf: Warum ich? Damit nicht genug, kommt auch noch Wut dazu. So schreibt Oliver Peral: „Warum nicht jemand, der nichts zu sagen hat? Warum nicht ein Arschloch? Oder irgendein bedeutungsloser Trottel, oder warum nicht gleich ein Radiomoderator, dessen bedeutungsloses Geschwätz schmerzte wie eine nächste Gallenkolik. Warum trifft es die, die noch etwas wollen vom Leben? Ist das Zufall? Oder Schicksal? Oder einfach nur ein komischer Tritt in die Eier.“

Trotz dieses Schicksals ist dem Autor ein Erfahrungsroman gelungen, in dem er mit viel Humor, Selbstironie und einem versöhnlichen Blick auf den Umgang mit der Erkrankung – aber auch ironisch und ungeschönt – darauf eingeht, wie das Leben plötzlich den Takt wechselt.

Statt sich vom Leben schütteln zu lassen, schüttelt er lieber selbst: Witz, Wut und wunderbare Pointen über das Dasein mit einer Krankheit, die keine Gnade kennt. Zwischen Tablettenplänen und Tremor-Attacken stemmt sich Oliver Peral mit Ironie gegen das Stigma, das Diagnose heißt – und eröffnet in einer Stadtteil-Bücherei einen surrealen Stuhlkreis: Dort trifft er auf Ikonen wie Muhammad Ali, Michael J. Fox, Salvador Dalí und Ozzy Osbourne – alle vereint durch ein nervöses Zittern.

Kurzum: Ein rasanter, bewegender und trotz allem lebensfroher Roman über Kontrollverlust, Kreativität und Kämpfergeist und ein Buch, das Betroffene, Angehörige und Gesunde bewegt. Weil es aufrüttelt – und versöhnt – mit dem Ziel, Mut zu machen und gleichzeitig auch Angehörige zum Schmunzeln (und Nachdenken) zu bringen.

Shake it, Baby – Roman über Parkinson und andere Katastrophen“ von Oliver Peral ist bei Books on Demand erschienen und kann unter der ISBN 978-3-8192-8376-5 bestellt werden.

Modefotografie mit Humor

Mit verstörendem Humor und originellen Kompositionen haben das Fotografenduo Blommers & Schumm in den letzten drei Jahrzehnten die Regeln der Modefotografie herausgefordert. Bei der Retrospektivausstellung „Mid-air“, die noch bis zum 23. Februar 2026 im Fotomuseum Foam in Amsterdam ist nicht alles so, wie es scheint.

Eine Frau in einem ordentlichen blauen Anzug mit Lackschuhen liegt auf der Straße, den Kopf an einem Bordstein gelehnt. Benommen schaut sie in die Kamera, zwischen ihren Zähnen ist eine Lücke, und sie hält eine Zigarette in der Hand. Das Bild charakterisiert sowohl den ästhetischen als auch den disruptiven Fotografiestil von Anuschka Blommers und Niels Schumm (beide 1969).

Sie lernten sich an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam kennen und arbeiten seit 1997 zusammen. Während Schumm sich zunächst auf Stillleben und Blommers auf Porträts konzentrierte, entwickelte sich ihre Zusammenarbeit bald zu einer gemeinsamen Praxis.

Einer ihrer ersten Aufträge ist sofort für Viktor & Rolf, das sich mit skurrilen, kreativen und theatralischen Werken einen Namen macht. In den folgenden Jahrzehnten arbeiteten sie für Modemarken wie Gucci, Balenciaga und Hermès sowie für avantgardistische Magazine wie „Self Service“, „The Gentlewoman“ und „RE Magazine“. Das Duo arbeitet fast immer auf Provision, schafft es aber auch, die Grenzen im kommerziellen Rahmen zu verschieben. Und das sorgt für spannende, experimentelle und leicht absurde Bilder. Damit ebneten sie auch anderen den Weg, innerhalb der Modefotografie mehr zu experimentieren.

Mopp und Bügelbrett

Dieser Humor und Witz sind in „Mid-air“ reichlich präsent. Es ist nicht unverständlich, dass der Titel der Ausstellung auf die Momente verweist, in denen Menschen oder Objekte in den Fotografien von Blommers & Schumm für einen Moment zu ’schweben‘ scheinen, aber dennoch perfekt ausbalanciert sind. Das Foto eines Glases, das am Rand eines Tisches balanciert, ist ein gutes Beispiel dafür. Für das Magazin Middle Plane holte Blommers & Schumm David Hockney vor die Kamera. Kein konventionelles Porträt, sondern eine Art Collage aus Alltagsgegenständen: ein Wischmopp für Haare, Bleistifte für eine Nase und ein Modeartikel von Bottega Veneta als Kopfbedeckung. In einem anderen Raum hängt ein Foto einer Frau, die auf einem Bügelbrett liegt, angefertigt für das „Buffalo Magazine“. Auf den ersten Blick sieht es nicht besonders aus, bis man genauer hinsieht. Wenn das Foto um eine Vierteldrehung gedreht wird, scheint das Modell aufrecht auf einem Block zu stehen. Eines der vielen Beispiele in der Ausstellung, in denen Blommers & Schumm mit der Perspektive spielen. Und die deine Aufmerksamkeit sechs Jahre später noch fesseln und dich in leichter Verwirrung und Staunen zurücklassen.

Anti-Glamour

In der Serie „Class of 1998“ für das Magazin „Self Service“ schauen junge britische Mädchen mit geschwollenen Augen, errötendem Rouge und Lippenstift direkt in die Kamera. Niemand lacht, manche wirken schüchtern. Sie sehen aus wie Puppen. Ein Gegenstück zu den glänzenden Modeberichten mit super selbstbewussten Models.

Blommers & Schumm rauben der Modefotografie ihren gewohnten Glamour. Das ist der rote Faden durch ihr Werk. Sie arbeiten genauso gerne mit Familie und Freunden wie mit professionellen Models. Nicht die teure Kleidung steht im Mittelpunkt, sondern das Porträt als Ganzes – die Dynamik der Pose oder des Gesichtsausdrucks einer Person. Immer mit einem überraschenden Winkel.

Die Wand aus Polaroids, auf der sich das Duo als Testmodelle verwendet, ist eine gute Ergänzung. Auch hier keine Perfektion. Das Duo drängt sich dabei in lustige Positionen. Bei ihren Selbstporträts werden ihre Nasen mit Klebeband zu Schweinenasen verzerrt.

Schau, schau, schau

Die Galerietexte sind rar; Der Fokus liegt auf dem Suchen. Im zweiten Raum gibt es drei Bildschirme mit Kampagnen-Bildern. Es ist schade, dass das schnelle Tempo, in dem sie gespielt werden, sodass die Bilder nicht haften bleiben.“Mid-air“ ist am besten, wenn die Werke mit unserer Perspektive spielen, oft mit einem Hauch von Humor. Eine IKEA-Lampe, die wie zwei Beine mit Unterwäsche aussieht, oder ein offenes Buch mit Seiten, die wie zwei Brüste aussehen. Die Fotos in „Mid-air“ bringen einen regelmäßig zum Lächeln. Das Duo fordert dich heraus, weiter genau hinzuschauen. (Text von Rosa Lee Szorzynski, erschienen in der Museumstijdschrift).

Nähere Informationen: Foam Museum Amsterdam, Keizersgracht 609, 1017 DS Amsterdam, Telefon: +31 20 5516 500, Internet: http://www.foam.org

Ausstellungsprogramm 2026 des Kunstpalastes Düsseldorf

Community – Fotografie und Gemeinschaft

Der Fußballfanclub, die Familie, das politische Kollektiv – Menschen streben nach Zugehörigkeit. Seit der Erfindung der Fotografie hält das Medium Zugehörigkeit nicht nur fest, sondern kann sie ebenso befeuern oder infrage stellen. Fotografie macht es möglich zu demonstrieren, dass man Teil von etwas Größerem ist. Ebenso kann sie sich in den Dienst der Grenzziehung zu jenen stellen, die nicht Teil der eigenen Community sind.
Die Ausstellung „Community – Fotografie und Gemeinschaft“, die vom 10. Februar bis 25. Mai 2026 im Kunstpalast in Düsseldorf zu sehen sein wird, beleuchtet das facettenreiche Verhältnis von Fotografie und Gemeinschaft in Geschichte und Gegenwart. Sie versammelt angewandte wie künstlerische Positionen, die diesem Verhältnis nachgehen – sei es mit subtilem Witz, in eindrücklicher Solidarität, oder mit dem Ziel einer präzisen Analyse.

Die Ausstellung wird aus der fotografischen Sammlung des Kunstpalastes heraus entwickelt und durch internationale Leihgaben ergänzt. Besuchende werden aktiv in die Ausstellung einbezogen und können sich mit ihren eigenen Gemeinschaftsbildern einbringen. Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit Beiträgen aus der kunstwissenschaftlichen, soziologischen und historischen Forschung zum Thema.

Monet – Cézanne – Matisse – The Scharf Collection

Erstmals wird vom 12. März bis 9. August 2026 die Scharf Collection präsentiert, eine deutsche Privatsammlung französischer Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts sowie zeitgenössischer internationaler Kunst.

Sie führt in vierter Generation einen Zweig der bedeutenden Berliner Sammlung Otto Gerstenberg weiter, deren Spektrum von den Anfängen der Moderne bei Franciso de Goya bis zur französischen Avantgarde der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Gustave Courbet und Edgar Degas und dem gesamten graphischen Werk von Henri de Toulouse-Lautrec reicht. Trotz vieler Kriegsverluste konnte Gerstenbergs Tochter Margarethe Scharf den Großteil der Sammlung retten und an die beiden Söhne Walther und Dieter Scharf vererben.

Nach der Teilung der Sammlung zwischen den Enkeln knüpften Walther Scharf, dessen Frau Eve und Sohn René an den französischen Fokus an und ergänzten u. a. Werke von Claude Monet, Paul Cézanne, Pierre Bonnard, Henri Matisse und Pablo Picasso. Heute richten René Scharf und seine Frau Christiane Scharf den Blick auf zeitgenössische internationale Positionen, unter anderem mit Werken von Sam Francis, Daniel Richter und Katharina Grosse. Mit einem besonderen Interesse an den Grenzen des Mediums Malerei sowie dem Verhältnis von gegenständlichen und abstrakten Bildwelten erweitern sie die familiäre Sammlungstradition in die Gegenwart.
Eine Ausstellung des Kunstpalastes, Düsseldorf, in Kooperation mit der Alten Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin.

Palastblühen

Wenn Kunst auf florale Poesie trifft, ist es wieder soweit: Die Veranstaltung „Palastblühen“ kehrt vom 17. bis 26. April 2026 in den Kunstpalast zurück. Bereits zum dritten Mal verwandeln floristische Kompositionen den Sammlungs-Rundgang in ein lebendiges Gesamtkunstwerk – farbenfroh, duftend und vergänglich schön. Inmitten der Werke aus Malerei, Skulptur, Design und Glas eröffnen Blumenarrangements neue Blickwinkel, schaffen visuelle Korrespondenzen und setzen sinnliche Akzente.

Auch im nächsten Jahr treten Düsseldorfer Floristinnen und Floristen mit ihren Interpretationen in den Dialog mit der Sammlung: Mal augenzwinkernd, mal kontemplativ, mal dramatisch entfalten sie in ihren Arbeiten eine ganz eigene Erzählung. Dabei entstehen temporäre Installationen, die den Raum verwandeln – überraschend, atmosphärisch und stets im Rhythmus der Natur.

Niki de Saint Phalle – Dream Machine

Radikal stellt sich Niki de Saint Phalle (*1930 +2002) mit ihrer Kunst gegen die Diskriminierung von Frauen und erschafft eine neuartige monumentale Inszenierung von Weiblichkeit. Der Kunstpalast zeigt vom 10. September 2026 bis 7. Februar 2027 ihre berühmten Frauenfiguren, Schießaktionen, Happenings, Skulpturen und Filme bis hin zu Modellen von Großplastiken im Landschaftsraum und rückt ihre künstlerische Selbstbehauptung inmitten einer männerdominierten Szene in den Fokus. „Nanas an die Macht!“ – gerade aus heutiger Sicht gleicht Niki de Saint Phalles individuelles künstlerisches Handeln und ihr Anliegen, Geschlechterverhältnisse grundlegend zu verändern, dem einer feministischen Aktivistin, auch wenn sie selbst sich nie als solche bezeichnete.
Die Ausstellung stellt Niki de Saint Phalle ausgewählten Arbeiten ihrer Zeitgenossen gegenüber. Im Dialog mit Künstlerfreunden wie Jean Tinguely, Jasper Johns und Robert Rauschenberg oder Yayoi Kusama und Dorothy Iannone werden Niki de Saint Phalles Haltung sowie ihr nachhaltiger künstlerischer Einfluss umso deutlicher.

Jörg Immendorff

Jörg Immendorff (*1945 +2007) wurde Ende des 20. Jahrhunderts weltweit als einer der bedeutendsten deutschen Künstler seiner Generation gefeiert. Als berüchtigter „Malerfürst“ pflegte er ein hartes Image und führte einen kontroversen Lebensstil. Umso überraschender ist es, dass die für Herbst 2026 (25. September 2026 bis 10. Januar 2027) im Kunstpalast geplante Ausstellung die erste umfassende Retrospektive in Düsseldorf ist, wo Immendorff jahrzehntelang studierte, lehrte und arbeitete. Das von dem Nachlass des Künstlers unterstützte Projekt wird alle Phasen seines Schaffens beleuchten, von den Anfängen an der Kunstakademie bis zu den letzten Werken in dem hiesigen Atelier.

Die rund 100 ausgestellten Exponate umfassen großformatige Gemäldeserien, Holz- und Bronzeskulpturen sowie noch nie gezeigte Zeichnungen und Archivmaterial. Neben der Bandbreite seines kreativen Wirkens beleuchtet die Präsentation Immendorffs beharrliche Hinterfragung der Rolle des Künstlers in der Gesellschaft. Die simultane Konfrontation mit gesellschaftlich drängenden politischen Kontexten steht ebenso im Fokus wie die Widersprüche seiner eigenen Person.

Winfred Gaul – Werke aus der Sammlung Kemp

Der Kunstpalast widmet dem Düsseldorfer Künstler Winfred Gaul im Herbst 2026 (15. Oktober bis 7. Februar 2027) eine umfassende Ausstellung. Gezeigt werden rund 120 Gemälde und Papierarbeiten aus der 2011 gestifteten Sammlung von Willi Kemp. Sie bietet einen weitreichenden Überblick über Gauls Werk von 1955 bis 1997 und dokumentiert zugleich den engen Austausch zwischen Künstler und Sammler.

Winfred Gaul (*1928 +2003) prägte die deutsche Nachkriegskunst mit seiner Auffassung der gegenstandslosen Malerei als befreiendem Medium des Neubeginns. Zwischen Offenheit und Strenge, Ausdruck und Zeichen, Heimat und Ferne: Jeder Pinselstrich eröffnete ihm Einsichten in Farbe, Linie, Fläche und deren Zusammenspiel. Der zweifache Documenta-Teilnehmer entwickelte sein Werk zwischen der freien Geste des Informel und der strengen Ordnung geometrischer Formen. Die in der Schau präsentierte Malerei aus einem Zeitraum von über 40 Jahren reicht von spontanen Wischbildern über die signalhaften Verkehrszeichen bis hin zu Spielarten der Farbfeldmalerei – das verbindende Element, die Farbe, entdeckte Gaul bis zu seinem Tod immer wieder neu.

Nähere Informationen: Kunstpalast, Ehrenhof 4-5, 40479 Düsseldorf, Telefon: 0211 56642100, E-Mail: info@kunstpalast.de

Die ikonischen Museen des verstorbenen Architekten Frank Gehry

Vor Kurzem ist der amerikanische Architekt Frank Gehry (1929–2025) verstorben. Mit seinem verspielten architektonischen Stil hinterließ Gehry einen wichtigen Eindruck im Erscheinungsbild zeitgenössischer Museen. Er machte sogar Städte damit weltberühmt.

Biografisches und ein Überblick über seine ikonischsten Museen

Frank Gehry wurde 1929 in Toronto, Kanada, als Frank Owen Goldberg geboren, ein Kind jüdischer Einwanderer. Er studierte Architektur an der University of Southern California in Los Angeles und änderte später seinen Namen in Frank Gehry.

In den 1980-er Jahren machte er sich mit ikonischen Gebäuden einen Namen, die alle traditionellen architektonischen Regeln brechen: Regeln über Schönheit, über Materialverwendung und sogar physikalische Regeln über die Schwerkraft. Er hatte eine Vorliebe für glänzendes Metall und Hightech-Kunststoffe.

Als Architekt wurde Gehry vom Dekonstruktivismus beeinflusst, bei dem Gebäude aus einzelnen Elementen errichtet werden. Im Fall von Gehry führte dies zu Fassaden in gestapelten geometrischen Formen, als wäre sein Entwurf als Modell auf dem Boden auseinandergefallen und dann in der falschen Reihenfolge wieder zusammengeklebt worden. 1989 gewann er den Pritzker-Preis, auch bekannt als Nobelpreis für Architektur.

Doch seine expressive Architektur war nicht ohne Kontroversen. So würde er spektakuläre Architektur schaffen und den größenwahnsinnigen Wünschen der Großunternehmen entsprechen. Aber seine Gebäude werden auf der ganzen Welt geliebt. Er hinterließ auch einen wichtigen Eindruck im Prestige zeitgenössischer Museen. Aus klassischen Gebäuden, die Kunst dienen, sind Gehrys Museen zu eigenständigen Kunstwerken hervorgegangen. Nicht, was man im Museum sehen kann, aber das Gebäude selbst ist die Hauptattraktion.

Frank Gehrys Einfluss reichte sogar über seinen Tod hinaus. Im Jahr 2026 – nach einer Bauphase von zwanzig Jahren – wird sein Guggenheim-Museum in Abu Dhabi eröffnet.

Die wichtigsten Museen von Frank Gehry

Vitra Design Museum, Weil am Rhein (1989)

Als Gehry Ende der 1980er Jahre beauftragt wurde, das neue Design Museum für den Möbelhersteller Vitra zu entwerfen, war er bereits ein großer Name in den USA. Mit diesem ersten Gebäude in Europa schafft er sofort eine mächtige Visitenkarte. Das Betongebäude ähnelt am ehesten einer Origami-Konstruktion. Im Inneren bietet der fragmentierte Grundriss spannende Ausblicke zwischen den verschiedenen Ausstellungsräumen. Gehry hat das Museum als Sammlung quadratischer Kisten abgeschafft.

Guggenheim-Museum, Bilbao (1992)

1992 war Bilbao eine graue Industriestadt in einer baskischen Ecke Spaniens. 1993 sieht die Welt eine Stadt voller Reiz und Flair – alles dank des titanverkleideten Guggenheim-Museums. Bei hellem Tageslicht glänzt das Gebäude wie ein Diamant; In der roten Abendsonne sieht es aus wie eine atmosphärische Laterne. Der große Erfolg des Guggenheims zieht Besucher aus aller Welt an und verschafft der Stadt einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung. Dies ist als der ‚Bilbao-Effekt‘ bekannt. Museen auf der ganzen Welt wollen ebenfalls einen Gehry, um ihr Image zu verbessern.

Fondation Louis Vuitton, Paris (2014)

Mit Baukosten von 126 Millionen Euro ist die Fondation Louis Vuitton in Paris das teuerste und prestigeträchtigste Museum in Gehry. Das Gebäude sieht aus wie ein riesiges Segelschiff mit zwölf wallenden Segeln. Die Fassade besteht aus mehr als zehntausend halbtransparenten Fensterteilen, von denen keiner gleich ist. Hinter der spektakulären Fassade befindet sich eine traditionelle Stapelung von Betonvolumen. Das Museumsgebäude, das von der bekannten Luxusmarke in Auftrag gegeben wurde, wird daher mit gemischten Kritiken aufgenommen. Hat der Gehry-Trick nachgelassen?

LUMA, Arles (2021)

Als Maja Hoffmann, die wohlhabende Erbin der Schweizer Chemiefirma Roche, ein privates Museum für die Familienkunstsammlung errichten lässt, ist es nur logisch, dass sie Gehry fragt. Es ist inzwischen allgemein bekannt, dass er mit einer visuellen Geste ein Museum auf die Landkarte setzen kann. Gehry entwarf einen 56 Meter hohen Turm für das LUMA-Museum in Arles im Süden Frankreichs, der am ehesten einem riesigen Bienenstock ähnelt. Obwohl Gehry sagt, er sei von Vincent van Goghs Gemälde Die Sternennacht aus dem Jahr 1889 inspiriert worden. Die Edelstahlblöcke beziehen sich auf die zerklüfteten Felsformationen der nahegelegenen Hügel, die sich in Cézannes Werk widerspiegeln. Wieder einmal liefert Gehry ein hochkarätiges Museumsgebäude. (Text aus Museumstijdschrift)