Liebe Freundinnen und Freunde der Kunst und Kultur,

kurz vor dem Jahreswechsel möchte das Team des Museumsquartiers Osnabrück einen besonderen Tipp mit auf den Weg geben:
Anlässlich des Geburtstags von Felix Nussbaum im Dezember erscheint der außergewöhnliche Bildband von Erieta Attali über das Felix-Nussbaum-Haus: „Approaching Resistance“.
In ihren Fotografien macht die Fotokünstlerin das eindrucksvolle Zusammenspiel zwischen Nussbaums Werk und der ikonischen Architektur des Felix-Nussbaum-Hauses – dem ersten fertiggestellten Bauwerk von Daniel Libeskind – auf neue Weise erfahrbar.

Für den, der noch auf der Suche nach einem besonderen Weihnachtsgeschenk ist, ist dieser Band eine inspirierende Wahl für Kunst- und Architekturbegeisterte: Er ist ab sofort für 48 Euro im Museumsladen oder per E-Mail an bestellung@fng-os.de erhältlich, ab Januar 2026 dann im deutschen Buchhandel für 68 Euro.

Zum Jahresausklang danken wir Ihnen herzlich für Ihr Interesse, Ihre Unterstützung und Ihre Verbundenheit. Wir wünschen Ihnen erholsame Feiertage, inspirierende Begegnungen und einen hoffnungsvollen Start in ein gutes, gesundes und zuversichtliches neues Jahr – verbunden mit der Einladung, uns auch 2025 wieder zu besuchen.

Ihr Nils-Arne Kässens und das gesamte Team des MQ4.

Programm im Dezember:

Klassismus. Die vergessene Diskriminierungsform.“ – Vortrag von Francis Seeck am Dienstag, 9. Dezember, um 18.30 Uhr. Eintritt frei.

Zum Inhalt: Klassismus – die Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft oder sozialen Status – ist eine der am wenigsten beachteten gesellschaftlichen Ungleichheiten. Wie sehr Klassismus gesellschaftliche Teilhabe bestimmt, steht im Mittelpunkt dieses Abends.
Francis Seeck kommt aus den Sozialwissenschaften, gibt Trainings zu Antidiskriminierung, hat eine Professur für Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Demokratie- und Menschenrechtsbildung an der Technischen Hochschule Nürnberg und zeigt auf, wie Klassismus als gesellschaftliche Unterdrückungsform wirkt – angesichts steigender Armutsquoten, überfüllter Tafeln und eines Mangels an bezahlbarem Wohnraum aktueller denn je.

Albrecht Dürers „Marienleben“ – Vortrag von Marie Brune am Samstag, 6. Dezember, um 15.30 Uhr. Eintritt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, inklusive Kaffee und Kuchen. Um Anmeldung per E-Mail an mq4-vermittlung@osnabrueck.de wird gebeten.

Zum Inhalt: In Albrecht Dürers Holzschnittzyklus „Marienleben“ wird Maria nicht nur als religiöse Figur, sondern als handelnde und fühlende Person gezeigt. In eindrucksvollen Szenen verbindet Dürer biblische Erzählungen mit Motiven aus der Legenda Aurea und verleiht seiner Hauptfigur eine außergewöhnliche Nähe. Der Zyklus entstand in einer seiner kreativsten Schaffensphasen und zählt neben der Apokalypse und der Großen Passion zu seinen bedeutendsten Werken. In neuartiger Weise verband Dürer Bild und Text und setzte damit Maßstäbe in der Buchkunst der Renaissance.
Der Vortrag bietet Einblicke in die Entstehung, Bedeutung und Wirkung dieses außergewöhnlichen Werkkomplexes. Ergänzend kann Dürers Apokalypse-Zyklus in der aktuellen Ausstellung des Museumsquartiers entdeckt werden.

Nähere Informationen: Museumsquartier Osnabrück. Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück, Telefon: 05413232237, E-Mail: museum@osnabrueck.de, Internet: http://www.museumsquartier-osnabrueck.de

Fotografie als Zufluchtsort im Huis Marseille

Noch bis 8. Februar 2026 präsentiert das in Amsterdam beheimatete Huis Marseille, Museum für Fotografie, mit „Rooms We Made Safe“, die erste Museumsausstellung der aufstrebenden Künstlerin Michella Bredahl (*1988, Greve, Dänemark).

Bredahl ist bekannt für ihre unverwechselbar intimen Porträts von Freunden und Bekannten, die sie in unbewachten Momenten zu Hause festhalten. Doch ein Zuhause bedeutet nicht zwangsläufig Sicherheit. Die Ausstellung ist auf eine zutiefst persönliche Abstammung fokussiert und geht zurück zu Fotografien, die Bredahls Mutter vor ihrer Geburt aufgenommen hat, sowie zu denen, die sie gemeinsam in ihrer Kindheit schufen.

Bredahl wuchs in einem Sozialwohnungsviertel am Stadtrand von Kopenhagen mit ihrer alleinerziehenden Mutter und ihrer jüngeren Schwester auf. Die Wohnung war von einer lebendigen Farbpalette erfüllt, die der vorherrschenden minimalistischen skandinavischen Ästhetik widersprach. Jeder Raum hatte seinen eigenen, unverwechselbaren Farbton: tiefes Blau, leuchtendes Rot und Blumenmuster, die sich über die Oberflächen ausbreiteten.

Als Bredahl sieben Jahre alt war, reichte ihre Mutter ihr die Kamera. Gemeinsam dokumentierten sie ihr gemeinsames, intimes tägliches Leben. In jungen Jahren wurden die beiden Schwestern mit der Sucht ihrer Mutter konfrontiert, die einen tiefgreifenden Einfluss auf sie hatte. In „Rooms We Made Safe“ kehrt Bredahl zum Terrain ihrer Jugend zurück, einst ein gefährlicher Ort, und interpretiert es zu einem kraftvollen künstlerischen Ausdruck. Jeder von Huis Marseilles Räumen ist einer anderen Epoche ihres Werks zugeordnet, was ihrer Dokumentation häuslicher Räume Tribut zollt.

Viele meiner Fotografien wirken wie Erweiterungen meiner Mutter und Schwester oder sogar wie Selbstporträts.“ (Michella Bredahl)

Erforschung der Weiblichkeit

Kurz nach ihrem Studium begann Bredahl, regelmäßig nach Paris zu reisen, wo sie sich 2020 niederließ. Die Stadt bot die wärmeren Töne, die sie gesucht hatte, sowie eine reiche kulturelle Vielfalt. Bredahl begann, Menschen, die ihr nahestanden, zu dokumentieren: Freunde, die Kinder ihrer Freunde und Künstler aus ihrer Gemeinde. Die Porträts offenbaren eine Anziehung zu Menschen, die ein Gefühl von Weiblichkeit teilen – eine Erfahrung, die sie nicht als fest und exklusiv betrachtet, sondern als fließend, facettenreich und geprägt von der Anwesenheit jedes einzelnen Motivs. Bredahl fotografiert sie in der Sicherheit ihres eigenen Zuhauses und schafft so eine zutiefst persönliche Atmosphäre, die durch die Tiefe und die reiche Farbpalette der analogen Drucke verstärkt wird. Eine umfangreiche Auswahl ihrer Porträts wurde in ihrer ersten Monographie „Love Me Again“(Loose Joints Publishing, 2023) zusammengefasst, die einen Wendepunkt in ihrer Karriere markierte und die Aufmerksamkeit der internationalen Kunstszene auf sich zog.

Pole Dancing

In ihrem Abschlussfilm „Chassé“ (2019), der einer Gruppe von Tänzern folgt, freundete sich Bredahl mit einem der Pole-Dancer an. Sie begannen gemeinsam, Kurse zu nehmen, was der Ausgangspunkt für Bredahls Untersuchung des Pole Dance sowohl persönlich als auch durch ihre Kamera war. Sie ist fasziniert von der enormen körperlichen Kraft, die für die komplizierten Bewegungen erforderlich ist, sowie von dem befreienden Selbstvertrauen der Tänzer in der verletzlichen Position des Entkleideten. Viele der Pole-Tänzer üben es in ihren eigenen Wohnumgebungen. Ihre anmutigen Bewegungen richten sich nach innen, darauf aus, sich in ihrer eigenen Haut schön zu fühlen oder mit den gelegentlichen Augen eines geliebten Menschen geteilt zu werden. Für Bredahl fühlt sich Tanz wie das, was der Fotografie am nächsten kommt: mit einem gemeinsamen Gefühl von Befreiung, Freiheit und dem vollständigen Vorhandensein in einem einzigen Moment. Das Thema ist eine natürliche Erweiterung von Bredahls künstlerischem Interesse am Intimen und Häuslichen. Die daraus entstandenen Fotografien zollen der Stärke des weiblichen Körpers Tribut.

Miu Miu

In Paris wurde Michella Bredahl Teil der lebendigen Kulturszene, in der sie erstmals die renommierte Stylistin Lotta Volkova kennenlernte. Angesichts von Volkovas Rolle als Stylingberater für Miu Miu (ein von Prada ins Leben gerufenes Modelabel) beschlossen sie, an dieser Serie von Pole-Tänzern zusammenzuarbeiten, die in ihren Häusern oder Studios in Paris fotografiert werden und in der Miu Miu Herbst-Winter-2024-Kollektion gestylt werden. Wie in vielen ihrer Werke besetzt Bredahl ihre Freunde und Gemeinschaft als Protagonistinnen in diesen Geschichten. Ihre Porträts sind reich an faszinierenden Widersprüchen. Die manchmal überladenen häuslichen Umgebungen stehen in starkem Kontrast zu den anmutigen Posen der Tänzer. Die Kleidung fügt eine weitere Ebene hinzu: Sie stellt sowohl die Tendenz heraus, Pole Dance mit Striptease gleichzusetzen, als auch den Tanz körperlich zu erschweren, da nackte Haut meist für den Halt unerlässlich ist. Diese Serie wurde als Buch veröffentlicht, und anschließend setzten Bredahl und Volkova ihre kreative Zusammenarbeit fort, indem sie eine Werbekampagne für Miu Miu mit dem Titel „Upcyled 2025“ drehten.

Mutterschaft und Tochtersein

Eines der Themen der Ausstellung ist die Schönheit und Komplexität von Mutterschaft und Tochterschaft. Indem sie Fotos aus ihrem eigenen Familienarchiv zeigt, bezieht Bredahl ihre eigene intime Geschichte und die Entstehung ihrer Arbeit ein. Bilder ihrer Mutter in den 1970-er und frühen 1980er Jahren bringen eine historische Dimension des (Selbst-)Ausdrucks von Weiblichkeit und zeigen, wie ein kreativer Drang weitergegeben wurde. Rohfotos aus den 1990-er Jahren zeigen eine Mutter, die eine Erweiterung durchmacht, gesehen aus der Sicht ihres Kindes. Sie bieten einen ehrlichen Einblick in das Leben einer Familie, mit den Herausforderungen, der Freude und der Komplexität hinter der Geschichte, die nur ein Kind, das sie erlebt, wirklich verstehen kann.

Über Michella Bredahl

Michella Bredahl studierte Fotografie an der Fatamorgana, der Dänischen Schule für Kunstfotografie (2010–2011), gefolgt von einem Abschluss in Dokumentarfilm an der Nationalen Filmschule Dänemarks (2015–2019). 2023 veröffentlichte sie ihre erste Monographie „Love Me Again“ bei Loose Joints Publishing. In den vergangenen zwei Jahren erlangte ihr intimer Zugang zur Porträtmalerei internationale Anerkennung als neue Stimme bei Publikationen wie The Guardian; große Aufträge und die Präsentation „Unmade Beds“ im Projektraum Shoot the Lobster (2023, New York) folgten „Rooms We Made Safe“ ist Bredahls erste große Einzelausstellung im Museum. 2026 werden die Werke im Kunstmuseum Brandts und im Nationalgeschichtsmuseum auf Schloss Frederiksborg in Dänemark gezeigt.

Zur Ausstellung gehört die Veröffentlichung „Rooms We Made Safe“ von Michella Bredahl, veröffentlicht vom Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König. Text von Stephanie LaCava, entworfen von Kühle und Mozer.

Nähere Informationen: Huis Marseille, Keizersgracht 401,1016 EK Amsterdam, Telefon: +31 020 531 8989E-Mail:info@huismarseille.nl

„Ich, Gustave Courbet“ – Realismus, Rebellion und kosmopolitische Perspektiven

Das Museum Folkwang in Essen präsentiert 2026 ein Jahresprogramm, das historische Bezüge, zeitgenössische Relevanz und kulturelle Vielfalt miteinander verbindet. Herausragende Retrospektiven, international bedeutende Fotografie und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Sammlung machen das Museum zu einem Ort der Reflexion, Vorstellungskraft und des Dialogs zwischen den Künsten aus Gegenwart und Geschichte.

Von der radikalen Bildsprache Gustave Courbets über die transkulturelle Perspektive der Fotografie-Ausstellungen bis hin zur frühen islamischen Sammlung des Museumsgründers Karl Ernst Osthaus spannt sich der Bogen des Jahresprogramms. Mit dem Zusammenspiel aus Historie, Gegenwartskunst und künstlerischer (Er-)Forschung eröffnet es neue Perspektiven auf zentrale Fragen von Kunst und Gesellschaft.
„Mit dem Jahresprogramm 2026 möchten wir die Besucher:innen einladen, Kunst als lebendigen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu erleben. Wir zeigen, wie radikale künstlerische Positionen, historische Sammlungen und zeitgenössische Praktiken in unserem Museum zusammentreffen – ein Ort, an dem Erfahren und Empfinden verschmelzen“, sagt Peter Gorschlüter, Direktor des Museum Folkwang.

Gustave Courbet: Wegbereiter der Moderne

Mit der großen Retrospektive „Ich, Gustave Courbet“ (17. Juli – 8. November 2026) widmet sich das Museum einem der einflussreichsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Courbets kompromisslose Haltung und seine innovative Maltechnik machten ihn zum Grenzgänger zwischen Kunst, Gesellschaft und Politik. Die Ausstellung beleuchtet zentrale Werkgruppen – Selbstbildnisse, soziale Realität, Landschaft, Erotik und Exil – und zeigt, wie Courbets radikaler Realismus der Moderne den Weg bereitete. Die Schau entsteht in Kooperation mit dem Leopold Museum Wien und steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron sowie unter dem Ehrenschutz von Alexander Van der Bellen, Bundespräsident der Republik Österreich.

Nach Damaskus … Karl Ernst Osthaus und die islamischen Künste

Die Ausstellung „Nach Damaskus …“ (6. November 2026 – 21. Februar 2027) stellt zum ersten Mal die ehemalige „Islamische Abteilung“ des Museums in den Fokus. Rund 300 Objekte – von Keramiken über Textilien bis zu Metall- und Glasarbeiten, darunter bedeutende Leihgaben – veranschaulichen, wie die Begegnungen von Karl Ernst Osthaus mit Kunst und Kulturen aus Nordafrika und Westasien die Entwicklung dieser Sammlung prägten. Ausgewählte Werke der Klassischen Moderne, europäisches Kunsthandwerk und zeitgenössische Positionen erweitern den Blick auf die Bestände und ermöglichen neue Perspektiven auf den Sammlungsbereich.
Peter Gorschlüter betont: „Mit „Ich, Gustave Courbet“ und „Nach Damaskus…“ stellen wir zwei Ausstellungen vor, die auf unterschiedliche Weise von der Kraft künstlerischer Erneuerung erzählen. Beide Ausstellungen zeigen, wie eng Kunst, Politik und kulturelle Identität miteinander verwoben sind. In 2026 verhandeln wir diese Fragen neu – mit einer Offenheit, die sowohl den Künstler Courbet als auch das Museum Folkwang seit seiner Gründung prägt.“

Germaine Krull: Chronistin des 20. Jahrhunderts

Mit „Germaine Krull: Chien Fou“ (28. November 2025 – 15. März 2026) rückt das Museum Folkwang die kosmopolitische Fotografin, deren Nachlass sich seit 1995 in der Fotografischen Sammlung des Museums befindet, in den Mittelpunkt. Neben ihren bekannten avantgardistischen Fotografien der 1920er- und 1930er-Jahre werden erstmals in größerem Umfang ihre (auto)biografischen Texte, Fotobücher, Maquetten und politischen Berichte präsentiert. Die Ausstellung beleuchtet insbesondere Krulls OEuvre als Autorin sowie ihre fotografische Praxis ab Beginn des Zweiten Weltkriegs, als sie Europa dauerhaft verließ. Sie eröffnet eine neue, transkulturelle Perspektive auf ihr Werk.


Vielfalt, Vermittlung und junge Positionen

Neben den großen Schauen zeigt das Museum ein breites Spektrum weiterer Ausstellungen: „L is for Look“ (27. Februar – 7. Juni 2026) beleuchtet einen besonderen Aspekt fotografischer Gebrauchsformen und zeigt, wie Fotografien Eingang in die Kinderliteratur fanden – von fantasievollen Bilderbüchern bis hin zu literarischen Geschichten. Die Ausstellung „Herbert W. Franke / Gottfried Jäger“ (16. Oktober 2026 – 10. Januar 2027) befasst sich mit den experimentellen Jahren der gegenstandlosen Fotografie, die von Debatten und Positionsbestimmungen einer damals jungen Generation geprägt war. „Photography Masters“ (16. Oktober 2026 – 10. Januar 2027) hingegen zeigt die künstlerischen Ansätze und thematischen Schwerpunkte junger fotografischer Positionen heute. Die Präsentation „Saâdane Afif: Affiches / Plakate“ (13. März – 4. Oktober 2026) gibt erstmals umfassend Einblick in diese besondere Werkgruppe des französischen Konzept- und Objektkünstlers und die neuseeländische Künstlerin „Kate Newby“ entwickelt eine neue ortspezifische Arbeit im Außenbereich des Museums. Mit dem Stipendienprogramm der Neuen Folkwang Residence und dem Ausstellungsformat „6 ½ Wochen“ werden weiterhin junge Künstler:innen mit ihren ersten musealen Ausstellungen gefördert. Die Schau „100 Beste Plakate 25“ (3. Juli – 2. August 2026) präsentiert außer Haus auf dem UNESCO Welterbe Zollverein die Höhepunkte des jährlich größten deutschsprachigen Wettbewerbs für Plakatdesign.

Sammlung und Neuerwerbungen

Die Sammlungspräsentation „NEUE WELTEN“ stellt den Dialog der Künste ins Zentrum. Sie bleibt kostenfrei zugänglich. Ein Highlight im Jahr 2026 ist die Neuerwerbung der Skulptur „Hahn und Podest“ von Katharina Fritsch, die ab März 2026 als raumgreifende Installation das Museum bereichern wird.

Nähere Informationen: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen, Telefon +49 2018845000, E-Mail: info@museum-folkwang.essen.de

„Smile! Wie das Lächeln in die Fotografie kam“

Smizing, Squinching, Duckface, Fish Gape, Cheese oder Prunes: Schönheitsideale und Soziale Medien lösen immer schnelllebigere Trends für Porträtfotos aus. Bis zum späten 19. Jahrhundert war das Fotografiertwerden eine Prozedur, die größte Bewegungslosigkeit erforderte, um ein scharfes Bild zu erzeugen, was zu starren und leblosen Gesichtsausdrücken führte.

Die Präsentation „Smile! Wie das Lächeln in die Fotografie kam“ in den Fotoräumen des Museum Ludwig untersucht, wie sich unsere „Fotografiergesichter“ im Laufe der Zeit verändert haben. Sie bringt anonyme Porträtfotografien und künstlerisch gestaltete Porträts aus dem 19. bis 21. Jahrhundert zusammen zu einer Geschichte des Lächelns.

Ob wir lächeln, wenn wir wissen, dass wir fotografiert werden, oder nicht, ob wir dabei Zähne zeigen oder nicht, das hängt von gesellschaftlichen Konventionen und der Entwicklung der Fototechnik ab. So beobachtete der Fotograf Josef Janssen 1878: „[…] schon die Zwangslage allein, in welcher sich die Person im Augenblicke der Aufnahme befindet, genügt, sie an der freien Entfaltung ihrer Individualität zu hindern. Sie soll, an den vielgehassten und gefürchteten und doch unentbehrlichen Kopfhalter gelehnt, unbeweglich und unverwandt eine Zeitlang nach einem bestimmten Punkt hinsehen, der dem Auge gewöhnlich nichts zu betrachten bietet. Was anders kann die Folge davon sein, als Starrheit und Leblosigkeit?“

Dass die Menschen, die im 19. Jahrhundert ins Fotoatelier gingen, um sich fotografieren zu lassen, selten lächeln, entsprach aber auch den Wünschen und Konventionen, wie man sich auf einem Porträt zeigen wollte; diese waren abhängig von Klasse, Gender und Kontext. Gefühle gehörten besser ins Private und nicht auf ein Bild.

Für den Einzug des Lächelns in die Porträts des 20. Jahrhunderts spielte die Entwicklung des Stummfilms eine bedeutende Rolle. Die Mimik war es, über die Regungen erzählt wurden. Dafür zoomte die Kamera immer näher an das Gesicht heran. Parallel dazu lässt sich beobachten, dass das Ganzkörperporträt zunehmend abgelöst wurde vom Fokus auf das Gesicht. Später dann kommt die Werbung hinzu, in der das Glücksversprechen eines Produkts durch das Strahlen der dargestellten Personen kommuniziert wird. Immer höher ziehen sich die Mundwinkel. Eine 2015 erschienene Untersuchung von Schülerporträts aus US-amerikanischen Jahrbüchern konnte belegen, dass das Lächeln seit Anfang des 20. Jahrhunderts kontinuierlich zugenommen hat, wobei Frauen messbar mehr lächeln als Männer. Weltweit lässt sich eine zunehmende Expressivität in der Mimik beobachten. Der Blick in die Modefotografie allerdings zeigt, dass Status und Coolness auch dadurch ausgedrückt werden, wie wenig gelächelt wird. Schon 1927 schrieb der Soziologe Siegfried Kracauer davon, dass sich die Welt – und damit auch der Mensch darin – ein „Photographiergesicht“ zugelegt habe. Die Präsentation im Museum Ludwig, die dort noch bis zum 22. März 2026 zu sehen ist, will zeigen, dass sich daran bis heute nichts verändert hat. Das Lächeln hat eine Geschichte.

Publikation

Zur Ausstellung erscheint eine Broschüre: „Smile! Wie das Lächeln in die Fotografie kam“, hrsg. von Miriam Szwast, mit einem Essay von Katharina Sykora, Broschur, 14, 8 x 21 cm, 48 Seiten, 26 Abb., deutsche Ausgabe, ISBN 978-3-9827144-2-4, 8 Euro.

Nähere Informationen: Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln, Telefon: +49-221-221-26165, E-Mail: infomuseum-ludwig.de. Das Museum ist Dienstag bis Sonntag (inkl. Feiertage) jeweils von 10 bis 18 Uhr und jeden ersten Donnerstag im Monat von 10 bis 22 Uhr geöffnet.

Programm des Museumsquartiers Osnabrück für den November

Breitgefächert ist das Programm des Museumsquartiers Osnabrück, das sich von Ausstellungen bis hin zu Gesprächskreisen, Lesungen und Vortragsveranstaltungen erstreckt.

Frieden sehen – Frieden denken

Frieden ist in Osnabrück mehr als ein historisches Erbe – er ist unsere Haltung. So ist dort die Ausstellung zum „Deutschen Friedenspreis für Fotografie“ und zum „Felix Schoeller Photo Award“ zu sehen. Präsentiert werden preisgekrönte und nominierte Arbeiten internationaler Fotografinnen und Fotografen, die zeigen, wie vielfältig Frieden heute gedacht und erlebt werden kann.
Zu den Ausgezeichneten zählt Maximilian Mann, dessen eindringliche Bildserie die Zerbrechlichkeit und Hoffnung menschlicher Existenz spürbar macht. Die Ausstellung wird noch bis Februar 2026 gezeigt.

»Gedenken neu denken – Wie sich unser Erinnern an den Holocaust verändern muss« – Buchvorstellung mit Susanne Siegert am 21. November, 18.30 Uhr, Eintritt frei

„Unsere Erinnerungskultur muss sich verändern“, meint die Autorin Susanne Siegert. Wie und warum, legt sie in ihrem Buch dar. Sie plädiert für eine pluralistische, neue Gedenkarbeit mit einem Schwerpunkt auf der Verantwortung der Nachfahren der Tätergeneration anstelle unserer „einstudierten“ gemeinsamen Rückschau mit den Opfern. Es geht um weniger bekannte NS-Verbrechen, um weniger bekannte Orte, um bisher vernachlässigte Opfergruppen. Gleichzeitig zeigt dieses Buch, wie wichtig eine aktivere, vielfältigere Gedenkkultur ist, um künftige Generationen auch ohne direkte Zeitzeugenberichte zu erreichen. Susanne Siegert klärt auf Instagram und TikTok über den Holocaust auf. Ihr folgen knapp 300.000 Menschen. Für ihre Arbeit wurde sie 2024 mit dem ELNET Preis und dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet.

Filmabend: »Wir sind jung. Wir sind stark.«, 25. November 2025, 19 Uhr, in der Lagerhalle Osnabrück, Eintritt: 6 beziehungsweise ermäßigt 5 Euro

Der Spielfilm von Burhan Qurbani (2014) erzählt von den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen im August 1992. In einer von Perspektivlosigkeit geprägten Plattenbausiedlung entlädt sich die wachsende Fremdenfeindlichkeit in blanker Gewalt gegen Asylsuchende und vietnamesische Vertragsarbeiter:innen – ein erschütterndes Zeitdokument über die Folgen von Orientierungslosigkeit, politischem Versagen und Hass.

Eine Veranstaltung in der Reihe „Geschichte(n) sehen“ von Museumsquartier Osnabrück, Lagerhalle e.V. und Filmfest Osnabrück.

»Pensionen und Baulasten« – Vortrag & Gespräch mit Dr. Christian Hoffmann über den Umgang des Königreichs Hannover mit den Verpflichtungen aus der Zeit der Säkularisation im Bereich der Landdrostei Osnabrück (1813/14–1866) am 25. November, 19 Uhr, Eintritt frei

Die Säkularisation bezeichnet die Enteignung und Verstaatlichung kirchlicher Güter zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Viele Klöster, Stifte und geistliche Fürstentümer wurden aufgelöst, ihr Besitz ging an weltliche Staaten über – ein tiefgreifender Einschnitt in das Verhältnis von Kirche und Staat.
Diese Umwälzungen brachten den neuen Landesherrschaften zwar großen Vermögenszuwachs, jedoch auch langfristige finanzielle Verpflichtungen. Das 1814 zum Königreich erhobene Hannover erhielt durch den Wiener Kongress von 1815 unter anderem das Emsland und die Grafschaft Bentheim und richtete zur Verwaltung des ehemaligen Kirchenvermögens die Klosterkammer ein. Der Vortrag zeigt, wie Hannover seiner Verpflichtung zur Versorgung der Kanoniker, Mönche und Nonnen der aufgehobenen Stifte und Klöster in der Landdrostei Osnabrück nachkam, und zeigt die neue Nutzung des verstaatlichten Immobilienbesitzes.
Eine Veranstaltung in der Reihe „Geschichte konkret“ vom Museumsquartier und dem „Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück“.

Vortrag & Gespräch: Albrecht Dürers »Marienleben« am 6. Dezember 2025, 15.30 Uhr,
Eintritt: 8 beziehungsweise ermäßigt 6 Euro inklusive Kaffee & Kuchen. Anmeldung bis 3. Dezember unter mq4-vermittlung@osnabrueck.de

Die Kunsthistorikerin Marie Brune lädt zu einem Vortrag über Albrecht Dürers Holzschnittzyklus „Marienleben“ ein – ein Meisterwerk der Renaissance, das Maria nicht nur als heilige, sondern als zutiefst menschliche Figur zeigt. In 19 Holzschnitten erzählt Dürer eindrucksvoll vom Leben der Gottesmutter – von ihrer Geburt bis zur Himmelfahrt – und verbindet Bild und Text auf neuartige Weise. Im Anschluss gibt es Gelegenheit, bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch zu kommen und Dürers Werk weiter zu entdecken – darunter auch die derzeit im Museumsquartier gezeigte „Apokalypse“.

Nähere Informationen: Museumsquartier Osnabrück, Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück, Telefon 05413232237, E-Mail: museumsquartier@osnabrueck.de und Internet: http://www.museumsquartier-osnabrueck.de

6 ½ Wochen – Rudi William – In the air we breathe

Die australische Künstlerin Rudi Williams präsentiert Fotografien und fotografische Artefakte – teils selbst hergestellt, teils gefunden. Williams Motive bilden stille Räume voller Spuren, die eine Fülle an Assoziationen wecken. In der Ausstellung „6 ½ Wochen – Rudi William – In the air we breathe“, die vom 21. November bis zum 4. Januar 2026 im Museum Folkwang in Essen zu sehen ist, konzentriert sie sich auf kameralose Bilder und Silhouetten, die das Spannungsfeld zwischen An- und Abwesenheit umkreisen und die Darstellung von Verlust thematisieren. Ihre Praxis reflektiert zugleich die Geschichte und die technischen Prozesse der Fotografie, dabei experimentiert sie unter anderem mit frühen Verfahren wie der Daguerreotypie und der Cyanotypie, die auch als „Sonnendruck“ bezeichnet wird.
Die ausgestellten Fotografien, Daguerreotypien und Textilien werden von filigranen Stahlkonstruktionen getragen, die auf museale Präsentationsformen verweisen und die Einzigartigkeit jedes Objekts betonen. So erscheint Fotografie hier nicht als Bilderflut, sondern als Sammlung einzigartiger, atmender Zeugnisse.
Der Titel der Ausstellung „In the air we breathe“verweist auf die Wahrnehmung von Vorzeichen die sich im Sinne des gesellschaftlichen Zeitgeistes abzeichnen, wie zum Beispiel auch die Stimmung um 1839 als die Erfindung der Fotografie bereits ‚in der Luft lag‘ und Bilder erstmals ‚fixiert‘ wurden.

Rudi Williams, 1993 in Italien geboren und sesshaft in Melbourne, ist diesjährige Stipendiatin der Neuen Folkwang Residence. In ihren Ausstellungen kombiniert und kontrastiert sie häufig Bilder, die zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten aufgenommen wurden und variierende fotografische Formen aufweisen, um ihre eigene Geschichte in Bezug auf Konzepte wie Erinnerung, Temporalität und das Archiv zu reflektieren.

Nähere Informationen: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen, Telefon +49 2018845000, E-Mail: info@museum-folkwang.essen.de

Ein neues Zeitzeugnis über eine „Alte Kirche“

Zu den bekanntesten und prägendsten historischen Bauwerken und Wahrzeichen Nordhorns gehört die Alte Kirche am Markt. Entstanden ist sie im 15. Jahrhundert. Die feierliche Einweihung – damals noch ohne Turm – erfolgte am 6. Juli 1445 im Beisein des Münsteraner Bischofs Johannes Fabri.

Seit ein paar Tagen liegt jetzt der neue Bildband „Alte Kirche am Markt in Nordhorn – Ein Zeitzeugnis aus 2025 -“ vor. Initiator Georg H. Pauling, langjähriger Kirchenältester und Mitglied der reformierten Gemeinde, will mit dieser Veröffentlichung nach seinen eigenen Worten „seine persönliche Wertschätzung für diesen besonderen Ort teilen und sichtbar machen, wie viel Leben, Geschichte und Glauben in diesen alten Mauern steckt.“

Unterstützung bei der Umsetzung seines Vorhabens hat er zum einen von seinem Freund Arno Frey erhalten, mit dem er das Interesse für Kunst, Kirchengeschichte, Architektur und Fotografie teilt, zum anderen von Werner Bergfried, dem früheren Pastor an der Alten Kirche am Markt, der sich während dieser Tätigkeit immer intensiver mit der Geschichte dieses Gebäudes beschäftigt hatte. Während Pauling und Frey vor allem für den Bereich Fotografie zuständig waren, oblag Bergfried die redaktionelle Tätigkeit, die auch die Bildtexte umfasste.

Dem Autor ist es dabei gelungen, auf sechs Seiten sowohl die über 550-jährige Geschichte der Kirche, ihre mittelalterlichen Ursprünge, den Einfluss des Klosters Frenswegen als Ausgangspunkt der religiösen Erneuerungsbewegung „devotia moderna“, die Finanzierung und Bauweise, die durch die Reformation ausgelösten Veränderungen für die Kirche und das rege Gemeindeleben anschaulich und verständlich darzustellen, was angesichts der Fülle und Komplexität des Materials keine leichte Aufgabe war.

Einen Schwerpunkt seiner Ausführungen legt Bergfried auf die „eindrucksvollsten und zugleich geheimnisvollsten Ausstattungen der Alten Kirche Nordhorn.“ Es sind die Wandmalereien. Die Fresken im Chorraum, die aus dem 15. Jahrhundert stammen, zeigten die 12 Apostel. Im Zuge der Reformation, in der Heiligenverehrung und bildliche Darstellungen abgelehnt wurden, weil „sie den Glauben zu sehr auf äußere Zeichen“ fokussierten, wurden diese Malereien zu Beginn des „Dreißigjährigen Krieges“ übertüncht und überklebt.

Wiederentdeckt wurden sie erst im 20. Jahrhundert im Rahmen restauratorischer Arbeiten. Hierzu merkt der Autor ergänzend an, dass von den Aposteln Petrus und Paulus nur noch das Podest übriggeblieben sei, und von dem Apostel Andreas nur das Andreaskreuz. Wie Bergfried weiter schreibt, sind die Wandmalereien „erst seit 1998 … nach und nach wieder freigelegt worden, wobei der fragmentarische Zustand als Teil ihrer Geschichte verstanden wird.“ Darüber hinaus geht Bergfried in seinem Beitrag auf die kunsthistorische Bedeutung der Wandmalereien, den Wandel des Denkens über den Umgang mit Kunst in den Kirchen, restauratorische Arbeiten und manches mehr ein.

Schwerpunkt des Buches sind aber die von Georg Pauling und Arno Frey in diesem Jahr angefertigten Fotos, die durch ihre hohe Qualität bestechen. In mehr als 50 Detailaufnahmen werden viele architektonische und gestalterische Elemente sichtbar gemacht, die den Besucherinnen und Besuchern aufgrund ihrer Fülle bei der ersten Betrachtung zumeist entgehen.

Auch hier liegt der Fokus auf den Wandmalereien. Dank der knappen, aber sehr informativen Bildtexte können die abgebildeten Apostel trotz der „Spuren der Geschichte“ namentlich zugeordnet werden. Wie ein sich auf zwei Seiten erstreckendes Foto deutlich macht, hat insbesondere das Motiv vom heiligen Georg, der den Drachen besiegt hat, erheblich deutlichere Schäden erlitten. Trotzdem konnte es auf ein ähnliches Motiv des Künstlers Israhel von Meckensen (Meckenheim) zurückgeführt werden, das vermutlich zwischen 1465 und 1470 entstanden ist.

Weitere Details, die von den beiden Fotografen festgehalten wurden, sind unter anderem die Orgel, die Glocke, das Dachgeschoss mit den Gewölbekuppeln, die Turmuhr, mehrere Schriftplatten und der Opferstock, der früher ein katholisches Weihwasserbecken war. Perspektivische Blicke runden den Bereich Fotografie ab.

Dank der gelungenen Mischung aus Text und Foto ist es allen drei Beteiligten gelungen, ein Buch zu erstellen, das dem Leser einen guten Einstieg in die spannende Geschichte der Alten Kirche am Markt ermöglicht.

Nachtrag:

Über eine große Resonanz konnten sich Georg Pauling, Werner Bergfried und Arno Frey anlässlich der offiziellen Vorstellung des Buches in der Alten Kirche am Markt freuen. Einen besonderen Dank erhielten sie für die umfangreiche Arbeit an dem Buch von Pastor Simon Plenter. Er nahm in seiner Begrüßungsrede insbesondere Bezug auf das im Buchtitel enthaltene Wort Zeitzeugnis, dem er zwei Bedeutungen zuschrieb: Zum einen die Zeit, in der das Buch entstanden sei und in der Pauling, Bergfried und Frey einen neuen Blick auf die historienträchtige Kirche gerichtet, zum anderen das Zeugnis, dass die drei als Ort des Glaubens mit dem Buch abgelegt hätten.

Im zweiten Redebeitrag betonte Initiator Georg Pauling zunächst seinen besonderen Bezug zur Alten Kirche, die 1964 mit seiner Taufe begonnen hatte und 2017 nach seinem Umzug von Bad Bentheim nach Nordhorn mit einem Neuanfang verbunden war. Er wurde Kirchenältester, Turmführer, Kassenwart und Mitglied des Bauvereins „Alte Kirche“. Durch die Begegnung mit dem ehemaligen Pastor der Alten Kirche, Werner Bergfried, wurde, wie Pauling weiter berichtete, sein Interesse für die Geschichte, die sich an den Mauern des Gebäudes zum Teil zeigt, zum Teil aber auch verbirgt, geweckt – insbesondere für die Fresken. Das war dann auch die Inspiration, das vorliegende Buch herauszubringen.

Detailliert auf das Motiv des Heiligen Georg im Kampf gegen den Drachen ging Arno Frey ein. Wie er ausführte, ist Georg ein legendärer christlicher Heiliger, welcher der Überlieferung zufolge zu Beginn der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian (284–305) gefoltert und getötet und nach dem Sieg des Christentums in vielen Kirchen als Groß- beziehungsweise Erzmärtyrer verehrt wurde.

Frey machte aber auch deutlich, dass die Titulierung Georgs als Märtyrer nicht immer unumstritten war. Aufgrund fehlender historische Angaben zu seiner Person wurde er in der römisch-katholischen Kirche 1969 aus dem römischen Generalkalender gestrichen, jedoch 1975 wieder eingefügt. Die Legende vom Drachentöter Georg, der das Land von einem tyrannischen Drachen befreite, wenn sich das Volk dafür taufen ließe, kam im 12. Jahrhundert auf und ist in der mittelalterlichen Textsammlung „Legenda aurea“ überliefert. Georg zählt im christlichen Glauben zu den 14 Nothelfern und ist der Schutzpatron verschiedener Länder, Adelsfamilien, Städte und Ritterorden sowie der Pfadfinder. Trotz der Verortung der Herkunft Georgs im Bereich Kleinasien und Syrien wird er auch in Europa verehrt. In Großbritannien ist ihm sogar ein Feiertag gewidmet.

Sein Symbol in der Heraldik ist das Georgskreuz. Das rote Kreuz auf weißem Grund ist in vielen Wappen und Flaggen enthalten. Heiligenattribute, die neben dem Georgskreuz als Erkennungszeichen des Heiligen dienen, sind der Drache sowie seine Darstellung als Ritter mit Lanze auf einem Pferd, wie sie sich auch auf einem Motiv der Fresken in der Alten Kirche finden. Lange Recherchen führten laut Frey, wie schon angemerkt, zu der Erkenntnis, dass dieses Motiv, eine Kopie, dem Künstler Israhel von Meckensen (Meckenheim) zuzuordnen und vermutlich zwischen 1465 und 1470 entstanden sei. Eine Vielzahl seiner Werke befindet sich in Bocholt, wo er zirka 1440 geboren wurde und 1503 starb.

Das Buch ist im Gemeindehaus am Markt, bei Von Poll Immobilien am Europaplatz, beim Tabakwarenhandel Strohm (Inh.: Dietmar Brookmann) an der Bahnhofstraße, bei der Rechtsanwaltskanzlei Weßling, Kambach und Bitzer an der Ecke Sandstiege/Büchereiplatz, beim VVV Stadt & Citymarketing an der Firnhaberstraße, bei Firnhabers Neuland an der Firnhaberstraße und im Buchhandel erhältlich. Der Kaufpreis beträgt 29 Euro. 10 Euro davon fließen in den Erhalt der Alten Kirche am Markt.

Georg H. Pauling, Alte Kirche am Markt – Ein Zeitzeugnis aus 2025 -, Edition Virgines, ISBN 978-3-910246-46-1.

Germaine Krull: Chien Fou – Autorin und Fotografin

Der Nachlass der Fotografin Germaine Krull befindet sich seit 1995 im Museum Folkwang. Er umfasst neben Abzügen, Negativen und Publikationen auch ein umfangreiches publizistisches Œuvre. Dazu gehören (auto)biografische und (auto)fiktionale Texte, (Foto-)Bücher und Maquetten, Briefe und politische Berichte oder Reportagen.

Als erweiterter Zugang zum künstlerischen Vermächtnis Germaine Krulls wird dieses publizistische Œuvre jetzt in wesentlichen Teilen sichtbar. Angesichts der Tatsache, dass das Schreiben sämtliche Schaffensphasen der Künstlerin begleitete, rückt mit dieser Ausrichtung, ergänzend zu den avantgardistischen Arbeiten der 1920-er und 1930-er Jahre, auch die fotografische Praxis jener Schaffensphasen in den Blick, die von der Forschung bisher nur marginal berücksichtigt wurden. Mit dem Werk ab Beginn des Zweiten Weltkriegs, nach der dauerhaften Abkehr von Europa entstanden, eröffnet das Ausstellungs- und Publikationsprojekt „Germaine Krull: Chien Fou – Autorin und Fotografin“, das vom 28. November bis zum 15. März 2026 im Museum Folkwang zu sehen ist, auch eine neue transkulturelle Perspektive auf das Leben und auf die künstlerische Arbeit Germaine Krulls.

Zu Germaine Krull (Beitrag des Deutschlandfunks):

In den 1920er-Jahren prägte Germaine Krull mit ihren Bildreportagen die Fotografiegeschichte. Mit schrägen Perspektiven und Ausschnitten entwickelte sie eine ganz eigene Bildsprache. Ihre Reportagen stehen für eine gesellschaftspolitische Empathie.

1967 in Paris formuliert Germaine Krull das Leitmotiv für ihr fotografisches Lebenswerk: „La photographie en soi n’est pas un art. Mais le photographe devrait être un artiste.“, in deutscher Sprache „Die Fotografie an sich ist keine Kunst – aber der Fotograf sollte ein Künstler sein.“

Geboren am 20. November 1897, bis 1918 ausgebildet an der Lehranstalt für Fotohandwerk in München, dokumentiert sie mit der Kamera den Großstadt-Alltag, entwickelt aber auch einen Sinn für künstlerische Experimente der Avantgarde. Befreundet mit Schriftstellern, Theaterleuten und Filmemachern lebt und arbeitet die Fotografin zunächst in Berlin, dann in Amsterdam und von 1926 an in der französischen Metropole. In der Cinémathèque française entsteht 1967 das einzig erhaltene Tondokument anlässlich einer Ausstellung, die Kulturminister André Malraux persönlich auf den Weg gebracht hat. Auf Glanz und höhere Weihen legt Germaine Krull allerdings keinen Wert, sie betont: „Fotografieren ist ein Beruf. Ein Handwerksberuf.“

Politisches Engagement

Ihren Beruf stellt die Fotografin nach Abschluss der Lehre, 1918, erst einmal hintan und engagiert sich politisch. Aber die Münchener Räterepublik wird blutig niedergeschlagen, Germaine Krull flieht Richtung Moskau. Zurück in Deutschland eröffnet sie 1923 in Berlin ein eigenes Atelier. Aber erst nachdem sie mit dem Dokumentarfilmer Joris Ivens nach Amsterdam gezogen ist und dort ihr Faible für technische Anlagen, für Kaimauern, Kräne und Speicherhäuser entdeckt, gelingt der Durchbruch.

Die Schönheit von Transformatoren

Mittlerweile in Paris angelangt, präsentiert die Fotografin das Portfolio „Métal“. Der Schriftsteller Pierre MacOrlan ist begeistert: „Ob Germaine Krull eine Maschinenlandschaft zur Symphonie umgestaltet oder mit den Lichtern von Paris spielt, sie legt geheime Details bloß.“

Mit Mehrfachbelichtungen oder ebenso sachlichen wie surrealistisch verfremdeten Schwarzweiß-Kompositionen hebt die Fotografin die Schönheit von Kugellagern oder Transformatoren hervor. Ähnlich arbeiten André Kertész, Man Ray und Berenice Abbott, die 1928 mit dem „Ersten unabhängigen Salon der Fotografie“ das Lichtbild als neue, eigenständige Kunstform etablieren.

Germaine Krull ist mit von der Partie, findet allerdings einen ganz eigenen Weg für ihr Metier: „Es ist weder Malerei noch Fantasie. Der Fotograf ist ein Zeuge. Der Zeuge seiner Epoche. Der echte Fotograf ist der Zeuge aller Tage, der Reporter.“

Reportagen mit gesellschaftspolitischer Empathie

Die virtuose Reporterin Germaine Krull wird zur tragenden Säule der Zeitschrift „VU“. Mit ihrem subjektiven Foto-Auge und einer präzis geführten Kamera verschmelzen Temperament und Technik, Kunst und handwerkliches Können. Höhepunkte dieser Verbindung von formaler, ästhetischer Kreativität mit gesellschaftspolitischer Empathie sind Reportagen wie „Die Arbeiterinnen von Paris“. Damit steht Germaine Krull für den Philosophen Walter Benjamin auf ihre ganz eigene Art gleichrangig neben Fotografen wie August Sander oder Wilhelm Bloßfeldt: „Die Fotografen, die nicht zufällig, nicht aus Bequemlichkeit von der bildenden Kunst zum Foto gekommen sind, bilden heute die Avantgarde unter den Fachgenossen.“

Einsatz als Kriegsreporterin

Als hätte sie ihr Ziel damit erreicht, verabschiedet sich Germaine Krull von der Fotografie. Nach dem Einsatz als Kriegsreporterin bei der Befreiung Frankreichs reist sie 1946 durch Südostasien und eröffnet in Bangkok ein Hotel. Erst 1960, um Relikte und Denkmäler asiatischer Kulturen zu dokumentieren, nimmt die mittlerweile erfolgreiche Geschäftsfrau ihre Kamera wieder zur Hand.

Für nachfolgende Fotografen-Generationen hinterlässt Germaine Krull, die 1985 in Wetzlar gestorben ist, einen Rat: „Fotografie ist keine Maschine. Man ist leider an die Maschine gefesselt, an die Kamera, den Film, die Entwicklung. Aber jeder muss sein Bild erspüren. Und dann ein, höchstens zwei Fotos aufnehmen. Einfach nur klick, klick, klick zu machen – das führt zu nichts.“

Nähere Informationen: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen, Telefon +49 2018845000, E-Mail: info@museum-folkwang.essen.de

Stimmen der Zeit – Eine Oral-History

Die Ausstellung „Stimmen der Zeit“, die noch bis zum 4. Januar 2026 im Museum Folkwang in Essen zu sehen ist, bietet einen ungewohnten Zugang zur Geschichte der Fotografie. Erstmals liegt der Fokus auf einer Auswahl von Ton- und Videoaufnahmen aus der Fotografischen Sammlung, die nun öffentlich zugänglich gemacht werden – ergänzt durch Fotografien, historische Mitschnitte, Interviews und Gespräche. Im Mittelpunkt der Schau stehen nicht Bilder, sondern Stimmen, die die Entwicklung des Mediums Fotografie über acht Jahrzehnte hinweg aus subjektiven Perspektiven erzählen.

„Oral History“ beschreibt eine historische Praxis, bei der die Erfahrungen und Erinnerungen Einzelner mündlich geteilt und aufgezeichnet werden. Ziel ist es, Geschichtsschreibung zu demokratisieren und vielfältige Perspektiven hörbar zu machen. Davon inspiriert bringt die Ausstellung eine große Bandbreite an Themen und Stimmen zusammen. Die Gespräche kreisen um Auftragsfotografie, Bildberichterstattung, technologische Veränderungen, Fragen der Ausstellungspraxis, die Institutionalisierung des Mediums sowie die Anerkennung der Fotografie als Kunstform.

Ausgangspunkt von „Stimmen der Zeit“ sind historische und zeitgenössische Ton- und Videoaufzeichnungen aus der Fotografischen Sammlung. Viele dieser Dokumente wurden zuvor als Arbeits- oder Begleitmaterial genutzt und werden nun erstmals in den Mittelpunkt gerückt. Ergänzt wird die Präsentation durch Mitschnitte von Künstlergesprächen, Tagungen, Podcasts sowie Radio- und Fernsehinterviews. Diese Zusammenschau zeigt: Geschichte ist kein statisches Narrativ, sondern ein dynamisches Netzwerk von Stimmen, Sichtweisen und Gesprächen. In drei Kabinetträumen und anhand von acht thematischen Schwerpunkten beleuchtet die Präsentation dabei nicht nur Inhalte, sondern reflektiert kritisch, wer spricht, was und wie erzählt wird. Im Dialog zwischen Generationen und über Jahrzehnte hinweg formt sich ein facettenreiches Bild, das sowohl die Entwicklung des Mediums als auch die individuellen Erinnerungen greifbar macht.

Nähere Informationen: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen, Telefon +49 2018845000, E-Mail: info@museum-folkwang.essen.de

Ausstellung im Museum Folkwang: Dokumentarfotografie Förderpreise 15

Das Museum Folkwang in Essen und die Wüstenrot Stiftung zeigen noch bis zum 4. Januar 2026 neue Arbeiten, die im Rahmen der bereits 15. Preisrunde der Dokumentarfotografie Förderpreise der Wüstenrot Stiftung entstanden sind. Die vier Positionen setzen sich in unterschiedlicher Weise mit bestehenden Sichtweisen auf unsere Welt auseinander, die die Gesellschaft und das Individuum betreffen. Die Strategien und Formen, die hierbei Anwendung finden, bewegen sich zwischen dokumentarisch-fiktionalen und KI-generierten Bildwelten.

Kristina Lenz & Alex Simon Klug (*1992/*1991) arbeiten in your choices should be grounded in reality“(2025) mit öffentlich zugänglichen KI-Generatoren. Durch den Prompt „close-up speaking mouth“ generieren sie unterschiedliche Nahaufnahmen von Lippenbewegungen und verdeutlichen so den Einfluss synthetisch erzeugter Bilder auf unsere Gegenwart. Mit einer archäologischen Herangehensweise dokumentieren sie die Entwicklungsstadien der KI visuell – vergleichbar mit Betonabgüssen, die die Spuren vergangener Schichten sichtbar machen – und zeigen, wie schnell sich KI-Modelle verändern. Dadurch unterliegt ihre künstlerische Arbeit kontinuierlichen Anpassungen.

Nazanin Hafez (*1991) thematisiert in ihrer multimedialen Arbeit Spectators“(2025) Plätze öffentlicher Hinrichtungen im Iran. Sie untersucht wie sich diese dokumentieren lassen, ohne Gewalt zu reproduzieren, und inwiefern die Zuschauenden eine moralische Mitverantwortung tragen. Dafür verwendet sie analoge Farbfotografien, Collagen, bestehend aus Found Footage-Bildmaterial iranischer und internationaler Nachrichtenagenturen, Zeitungen und Social-Media-Beiträge sowie ein Video. Ihre Arbeit adressiert das menschliche Verantwortungsbewusstsein und ruft zu einem reflektierten Umgang mit Medienbildern auf.

In ANT*HOLOGY: De / Bugging the cultural history of ants“(2025) erforscht Malte Uchtmann (*1996) Realitätskonstruktionen durch dokumentarisch-fiktionale Bildstrategien. Die Kulturgeschichte von Ameisen bildet die Grundlage für seine Auseinandersetzung mit menschlichen Gesellschaftsformen. Mit einer raumgreifenden, auf einem Algorithmus basierenden Zweikanal-Videoarbeit hinterfragt er, wie Systeme von Wissen, Ordnung und Repräsentation unsere Wahrnehmung und Verhalten prägen.

Gegenstand der Zweikanal-Videoarbeit Die Dialektik dieser Arbeit“(2025) von Hannah Wolf (*1985) ist die Rüstungsindustrie in Deutschland. Die Künstlerin filmt für ihre Videoarbeit Gebäude von Rüstungsunternehmen im Detail und im Kontext. Durch die dokumentarischen Ansichten von Architekturen macht Wolf auf „die Alltäglichkeit des Nichtalltäglichen“ aufmerksam.

Der begleitende Katalog liegt kostenfrei zur Mitnahme in der Ausstellung aus und kann als digitale Version von der Website der Wüstenrot Stiftung heruntergeladen werden.

Nähere Informationen: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen, Telefon +49 2018845000, E-Mail: info@museum-folkwang.essen.de