Martin Roemers – Homo Mobilis in der Kunsthal Rotterdam

Was sagt ein Fahrzeug über die Person, die es fährt? Noch bis zum 1. März präsentiert die Kunsthal Rotterdam die Ausstellung „Homo Mobilis, ein fotografisches Projekt“ von Martin Roemers (1962, Oldehove).

Seit Jahren fotografiert Roemers Menschen und ihre Fahrzeuge – von kompakten Stadtautos über pulsierende Lastwagen bis hin zu Tuktuks und Motorrollern. Im Kunsthal zeigen über dreißig Fotografien, dass diese Fahrzeuge nicht nur ein Mittel sind, um von A nach B zu reisen, sondern auch etwas über den Status, die Identität und die Kultur, aus der sie stammen, verraten.

Für dieses Projekt reiste Roemers in Städte in den Niederlanden, Deutschland, China, der Ukraine, Indien, Senegal und den Vereinigten Staaten. In öffentlichen Räumen bauten er und sein Team ein mobiles Fotostudio: ein weißer Hintergrund von 12 Metern Länge und 6 Metern Höhe, der alle visuellen Ablenkungen blockiert. Diese neutrale Einstellung legt den vollen Fokus auf die Person und das Fahrzeug, sodass subtile Details wie Haltung, Blick und Material sprechen können.

Porträts globaler Mobilität

In Dakar, Senegal, fotografierte Roemers die Autoverkäufer Aïcha, Yvonne, Fatimata und Becaya mit einem leuchtend roten Mini Cooper. In Shanghai posierten Zu’en und ihr kleiner Sohn auf einem Motorroller, und in Bengaluru, Indien, wurden Hariom und Vinoth in ihrem Eiswagen fotografiert. Die farbenfrohen und vielfältigen Bilder zeigen, wie Mobilität weltweit unterschiedlich ist, berühren aber gleichzeitig universelle Themen wie Umwelt, Geschlecht, Klasse und Individualität. Für manche ist ein Fahrzeug rein praktisch, für andere aber eine Erweiterung ihrer Identität. Die Porträts enthalten nur Informationen zu vier Dingen: Name, Beruf, Fahrzeugmarke und Ort. Dieser minimale Kontext lässt Raum für Fantasie und lädt zu persönlicher Interpretation ein.

Über Martin Roemers

Martin Roemers (*1962, Oldehove) studierte an der AKI Academy of Arts & Design in Enschede. Seit vielen Jahren arbeitet er an langfristigen Projekten, die zu Ausstellungen und Fotobüchern führen, darunter Kabul, Relikte des Kalten Krieges, Die Augen des Krieges (zwischen 3. Mai und 24. August 2012 in der Kunsthal gezeigt) und Metropolis. Seine Arbeiten wurden in Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Australien ausgestellt und sind in den Sammlungen von Instituten wie dem Rijksmuseum (Amsterdam), dem Museum of Fine Arts (Houston) und dem Getty Research Institute (Los Angeles) enthalten. Roemers hat zwei World Press Photo Awards sowie eine Vielzahl weiterer Preise gewonnen.

Veröffentlichung

Am 7. Oktober 2025 wurde das Fotobuch Homo Mobilis vom Verlag Lannoo veröffentlicht, 208 Seiten, EAN: 9789020992359. Erhältlich im Kunsthal Shop und Kunsthal Webshop für 49,99 Euro.

Nähere Informationen: Kunsthal Rotterdam, Museumpark, Westzeedijk 341, 3015 AA Rotterdam, Niederlande, Telefon +31 (0)10 – 4400301, E-Mail: communicatie@kunsthal.nl

Nicht nur die Kulturgeschichte von Sexarbeit, aber auch

Ausstellungsprogramm der Bundeskunsthalle Bonn

„Was uns verbindet. Dimensionen sozialer Nachhaltigkeit“ – so lautet das Jahresthema 2026 der Bundeskunsthalle. Damit stellt das Haus nach dem Themenjahr der ökologischen Nachhaltigkeit die soziale Verantwortung ins Zentrum seiner Programmarbeit und fragt, wie Kunst, Bildung, kultureller Austausch und gesellschaftlicher Dialog zu einem für alle gewinnbringenden Miteinander beitragen können.

Das Team der Bundeskunsthalle hat vor Kurzem das Programm für das Jahr 2026 vorgestellt. „Es ist wichtig, als Institution darüber nachzudenken, wie wir als Gesellschaft funktionieren und sich dabei zu fragen, was uns verbindet. Mit dem Jahresprogramm 2026 möchten wir den Blick in die weite Ferne schweifen lassen und genauso in unsere diverse, soziokulturelle Umgebung blicken. Wir schauen in den globalen Süden und beschäftigen uns mit indigenen Welten des Amazonasgebiets, zeigen eine zentrale Figur in der queeren Szene New Yorks der 1970er/80er Jahre, ergründen die Kulturgeschichte von Sexarbeit, rücken die Gedenkkultur zu den NS-Verbrechen in den Fokus und richten den Blick auf zumeist wenig beachtete lateinamerikanische Künstlerinnen. Es geht dabei um Themen wie soziale Interdependenzen, kulturelle Teilhabe und alternative Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens“, erläutert die Intendantin Eva Kraus. „Was uns verbindet. Dimensionen sozialer Nachhaltigkeit“ verortet die Bundeskunsthalle nicht nur in Ausstellungen, sondern in einem ganzen Audit von Vermittlung, Bildung und durch gesellschaftliche Beteiligung. Es soll gelingen, Kunst und Kultur als Plattform für ein soziales Miteinander zu denken.

Das Jahresthema verknüpft dabei immer künstlerische Stimmen und ästhetische Positionen mit den Fragen sozialer Nachhaltigkeit. „Als Prämisse ist dabei die diversitätssensible Öffnung des Hauses ein langfristig strategisch und strukturell angelegtes Ziel der Bundeskunsthalle. Inklusion, Teilhabe und der Zugang des Hauses wie auch die Anteilnahme an gesellschaftsrelevanten Themen sind ein wichtiger Motor für den Dialog und das Miteinander. Die Kulturvermittlung spielt dabei einen essentiellen Part – unterstützt durch die Fokusgruppe, das Gesellschaftsforum und die vielen freien Führungs- und Workshopmitarbeiter werden zahlreiche Formate im kleineren und größeren Maßstab für die Besucher immer neu aufgelegt. Ein explizit für Kinder, Jugendliche und Familien neu kuratiertes partizipatives Programm erwartet die Besucher im Programmjahr 2026“, sagt Eva Kraus weiter.

Das Ausstellungsjahr 2026 beginnt am 27. Februar mit einer Ausstellung über einen der bedeutendsten Fotografen New Yorks, Peter Hujar, der für die Empathie und Wärme seiner Bilder gefeiert wurde, zu Lebzeiten jedoch wenig bekannt war. Hujars Hauptinteresse galt der Porträtfotografie und er fotografierte sich selbst, seine Freunde und Bewohner der queeren New Yorker Downtown-Szene, genauso aber richtete er seine Aufmerksamkeit auch auf Tiere, Architektur und Landschaften. (Peter Hujar. Eyes Open in the Dark, bis 23. August)

Die Ausstellung „Amazônia. Indigene Welten“ gibt vom 13. März bis 9. August den indigenen Völkern des Amazonasgebiets eine Stimme und bietet einen neuen Blick auf diese Region, die oft auf das Klischee einer exotischen, von der heutigen Welt abgekoppelten Gesellschaft reduziert wird. Dabei ist Amazonien ein lebendiges Ganzes aus dichten Netzwerken, interkulturellem Austausch und einer erweiterten Soziabilität zwischen Hunderten von indigenen Völkern. Die Ausstellung mit ihren zirka 400 Exponaten legt einen Schwerpunkt auf die Konzepte von Schöpfung, Gemeinschaft und Zukunftsperspektiven aus der Sicht der Bewohnerinnen und Bewohner.

„Nichts über uns ohne uns!“ – Das Prinzip der folgenden Ausstellung könnte ebenso gut für „Amazônia. Indigene Welten“ gelten, doch charakterisiert es zentral das Projekt Sex Work. Eine Kulturgeschichte der Sexarbeit. Gemeinsam mit einem Kollektiv forschender Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter wurde die ab 2. April laufende Ausstellung konzipiert, die mit Kunst, kulturgeschichtlichen Zeugnissen und Archivmaterial die Sexarbeit in Europa von der Antike bis in die Gegenwart kaleidoskopartig aufblättert. Denn welches Menschenbild die Zeit prägte, welche Werte galten und wer Macht ausübte, lässt sich auch daran ablesen, wie gesellschaftlich mit Sexarbeit umgegangen wurde. (bis 25. Oktober 2026)

Mit den „Interactions 2026“ werden ab 1. Mai wieder ausgewählte Kunstwerke und Performances angeboten, die im Außenraum der Bundeskunsthalle bis zum 1. November zum interaktiven Spiel einladen. Alle Werke bzw. Projekte beinhalten eine eigene Erzählung oder Vision, die es neben der Interaktion zu entdecken gilt. Sie machen deutlich, dass Offenheit sowohl dem individuellen als auch dem gemeinsamen Erleben dient und ein Miteinander, Toleranz und Sensibilität fördert.

Der Kulturherbst wird am 9. Oktober mit einem Thema eröffnet, das dringlicher nicht sein könnte. Wie steht es um die Erinnerungskultur und Gedenkpolitik in Deutschland? In den kommenden Jahren wird es kaum noch Überlebende des Holocaust und andere Opfer des NS-Regimes geben, die über ihre Erlebnisse berichten könnten. Aber sie hinterlassen ihre Zeugnisse in Büchern, Tonaufnahmen, Filmen und eigenen Kunst werken. Die Ausstellung „Nie wieder! Gegen das Vergessen der NS-Verbrechen“ widmet sich der sich verändernden Erinnerungskultur in Bezug auf die Verbrechen des Nationalsozialismus. Die Ausstellung untersucht vor allem mit Mitteln der Kunst und digitaler Medien sowie mit historischen Zeugnissen und Objekten verschiedene Methoden des Gedenkens. (bis 2. Mai 2027)

In den Jahresendspurt geht die Bundeskunsthalle mit einer große Überblicksschau, die erstmals in Europa zentrale Werke von mehr als 60 Künstlerinnen aus Lateinamerika von Mexiko bis Argentinien vereint. „Avant-Guardistas. Lateinamerikanische Künstlerinnen von Frida Kahlo bis heute“ spannt einen großen Bogen über mehr als ein Jahrhundert, der berühmte Künstlerinnen mit solchen vereint, die über die Jahrzehnte in Vergessenheit geraten sind. Die Ausstellung geht vom 4. Dezember bis 29. März 2027 den eigen ständigen künstlerischen Sprachen auch in ihrer Bedeutung für kulturelle Identitäten und Prozesse der (weiblichen) Selbstermächtigung nach.

Wenn die Ausstellungstüren schließen, gehen bei live arts die Scheinwerfer an. Auf dem Programm 2026 stehen dann fünf internationale Produktionen aus Tanz, Theater, Musik und Performance. So lädt Connor Schumacher mit „Physical Therapy – Sober Dance Sessions“ (Physiotherapie Tanzen ohne Rauschmittel) Menschen dazu ein, zentrale Qualitäten der Rave- und Club kultur bewusst zu trainieren, zu reflektieren und weiterzuentwickeln – ganz ohne den Einfluss von Substanzen. Es folgen die international gefeierten und für den Grammy nominierten Musiker Manu Delago (Handpans) und Max ZT (Hackbrett), die sich mit innovativen Arrangements und wunderschönen Kompositionen in ein unerforschtes musikalisches Terrain vorwagen. Performance mit erwünschter Teilnahme präsentieren Hoffmann&Lindholm mit „Hiding Piece“, bei dem das Publikum aufgefordert wird, im Aufführungsraum zu verschwinden, sich unsichtbar zu machen oder in der Position stiller Beobachter zu verharren.

„Studio Bonn“ komplettiert mit Diskussionen einerseits zur ökologischen, andererseits zu den Dimensionen sozialer Nachhaltigkeit das Kunst- und Kulturjahr in der Bundeskunsthalle. Studio Bonn versteht sich als Beitrag zur demokratischen Selbstverständigung über den gemeinsamen Umgang mit Krisen und Konflikten, über gesellschaftliche Veränderungsprozesse und kulturelle Gestaltungspotentiale.

Noch dem Jahresthema 2025 verpflichtet und die Ausstellung „Expedition Weltmeere“ begleitend, wird bei „Gefährdete Schönheit: Wie können wir die Weltmeere besser schützen?“ am 25. Februar über den aktuellen Zustand der Ozeane diskutiert, die den Globus als zusammenhängendes komplexes Ökosystem umspannen. Dem Jahresthema 2026 folgend, fragt „Extremer Reichtum: Wie Vermögensungleichheit den sozialen Zusammenhalt gefährdet“ am 29. April, wie ein gerechter Ausgleich der finanziellen Lastenverteilung, wie ihn beispielsweise Konrad Adenauer schon einmal vollzogen hatte, erneut gelingen kann.

„Digitales Empowerment? Künstliche Intelligenz zwischen Utopie und Dystopie“ am 3. Juli wagt sich an ein weiteres drängendes Thema. Worin liegen die Chancen und Risiken der neuesten Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz und welche Form von Regulierung hilft uns in Europa, technologische Innovationen mit ethischer Orientierung zu verknüpfen?

Begleitend zur Ausstellung „NIE WIEDER! Gegen das Vergessen der NS-Verbrechen“ beschäftigt sich das Panel am 13. November mit den gegenwärtigen Angriffen auf Gedenkstätten wie Buchenwald durch rechtsextreme Gruppen und diskutiert Strategien, wie die Erinnerung an die deutschen Verbrechen des NS-Regimes gerade in Zeiten einer deutschen Remilitarisierung lebendig und wirkmächtig gehalten werden kann.

Neu im Diskursprogramm ist das Europäische Kulturforum Bonn/European Cultural Forum Bonn ECFB. Von nun an bringt einmal pro Jahr das ECFB herausragende Akteure aus Kunst, Kultur, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aus aller Welt in Bonn zusammen, vom 16. bis 19. September. Gemeinsam soll unter dem Leitgedanken globaler wechselseitiger Abhängigkeiten und planetarer Grenzen über aktuelle Herausforderungen unserer Gegenwart und deren kulturelle Dimension diskutiert sowie transnationale Allianzen für eine offene Gesellschaft und demokratische Kultur gestärkt werden.

Die Bundeskunsthalle positioniert sich seit Jahren als Ort inklusiver Kultur, bei dem Vermittlung zur Brücke wird: Programme adressieren vielfältige Besuchergruppen, bauen Barrieren ab und machen Kunst, Kultur und Wissenschaften erfahrbar. Von inklusiven Führungen über barrierefreie Zugänge und Räume bis zu digitalen Angeboten, die auch jüngere Zielgruppen erreichen, wird auf Teilhabe gezielt. Lokale Perspektiven wie das Gesellschaftsforum und Menschen mit unterschiedlichen Zugängen wie beispielsweise durch die Fokusgruppe (Experten für Barrierefreiheit) finden Aufmerksamkeit. Seit 2010 gibt es konkrete Angebote wie Tastführungen, Gebärdensprachführungen und Programme für Menschen mit Demenz; interkulturelle Formate und queere Zugänge ergänzen das Spektrum.

In diesem Jahr stehen mit dem „Ellah-Lab“, einem umfangreichen Familienprogramm und dem kollektiven Jahresabschlussprojekt in der Ostgalerie weitere Highlights an, die das Publikumserlebnis vertiefen und bürgernahe Partizipation stärken. So wird inklusive Vermittlung zu einem integrativen Erlebnis, das Gemeinschaft stärkt.

Auf eine weitere positive Stabilisierung der Besuchszahlen deuten auch die Prognosen für das noch laufende Jahr: Bei geschätzt 375.000 Besuchen bis Ende des Jahres werden eine Vielzahl an Menschen in der Bundeskunsthalle Ausstellungen gesehen, Konzerte gehört, Filme angeschaut oder bei Diskussionen mitdiskutiert haben.

Nähere Informationen: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH Museumsmeile Bonn, Helmut-Kohl-Allee 4, 53113 Bonn, Telefon: +49 228 9171-200, Fax: +49 228 234154, E-Mail: info@bundeskunsthalle.de

Die blutigen Hände in Somy Samanis Fotografie „Confidential“

Politische Kunst als Reaktion auf die Proteste gegen die Mullah-Diktatur im Iran

Die Fotografie „Confidential“ von Somy Samani kann als ein künstlerisches Zeugnis der iranischen Revolution im Januar 2026 verstanden werden, obwohl diese Arbeit schon 2023 entstand.

Still, kontrolliert und bewusst zurückgenommen zeigt sie eine sitzende Frau, deren Gesicht teilweise verschleiert ist. Nichts an dieser Fotografie ist laut – und doch verdichtet sich in ihr eine politische Erfahrung, die für viele Revolutionen gilt, für die iranische jedoch in besonderer Weise.

Der Blick des Betrachters wird unweigerlich auf die Hände gelenkt: rot gefärbt, offen sichtbar, nicht versteckt. Es sind blutige Hände, die hier nicht als Schockmoment, sondern als reflektiertes Symbol erscheinen. Genau darin liegt die besondere Stärke dieser Arbeit.

Die iranische Revolution 2026 unterscheidet sich von früheren Protestbewegungen durch ihre existenzielle Zuspitzung. Sie ist kein symbolischer Aufstand mehr, sondern ein offener Kampf um politische und körperliche Selbstbestimmung. Somy Samani hat wie so viele Künstler eine Ahnung von dem, was kommen wird und reagiert mit einer bewusst inszenierten Bildform, die Distanz schafft – und gerade dadurch Tiefe gewinnt.

Die Figur in „Confidential“ steht nicht für eine konkrete Person. Sie ist anonym, stellvertretend, beinahe zeitlos. Diese Anonymität verweist auf die kollektive Erfahrung einer Revolution, auf die vielen Namenlosen, deren Handeln sichtbar wird, während ihre Identität verborgen bleiben muss.

Verantwortung statt Heroisierung

Im Zentrum der Fotografie stehen die blutigen Hände. Somy Samani versteht sie nicht als Anklage und nicht als moralische Überhöhung. Sie sind vielmehr Ausdruck einer bitteren Realität:

Denn wirkliche Revolutionen verlaufen nicht unblutig. Wer sich gegen ein repressives System erhebt, muss bereit sein, Verantwortung zu übernehmen – auch dort, wo Gewalt unausweichlich wird, um nicht selbst zum Opfer zu werden und andere zu schützen.

Die Fotografie „Confidential“ verweigert das Bild der sauberen, makellosen Befreiung. Die Illusion einer friedlichen Revolution, die letztendlich wie 1989 in Deutschland lediglich einen ökonomischen Charakter hatte und „Werte“ nicht thematisiert. Alte Eliten übernimmt und zu den nächsten gesellschaftlichen Problemen führt.

So exportierte Deutschland noch im Jahr 2025 für 500 Millionen Euro Güter, Maschinen und Ausrüstungen, in den Iran, die es dem Regime ermöglichten, seine Macht zu erhalten und indirekt den russischen Krieg in der Ukraine zu unterstützen.

Die roten Hände sind ruhig, nicht aggressiv. Sie zeigen keinen Akt der Gewalt, sondern deren Konsequenz. Damit verschiebt Samani den Blick von der Tat zur Verantwortung – ein zentraler Gedanke innerhalb der iranischen politischen Kunst.

Zensur, Metapher und die Sprache iranischer politischer Kunst

Die Bildsprache von „Confidential“ ist ohne den Kontext staatlicher Zensur nicht zu verstehen. Unter dem derzeitigen Regime entwickelten iranische Künstler über Jahrzehnte eine hochkomplexe visuelle Metaphorik, um politische Kritik zu tarnen. Offene Aussagen waren – und sind – oft unmöglich.

Erwähnt sei hier der Film „Taxi Teheran“ oder das Buch Persepolis von Marjane Satrapi . Taxi Teheran (Originaltitel: Taxi) ist eine iranische Dokufiktion des Regisseurs und Regimekritikers Dschafar Panahi aus dem Jahr 2015. In dem Film fährt ein Taxi durch die Straßen Teherans und nimmt verschiedene Fahrgäste auf, um sie zu ihren Bestimmungsorten zu bringen. Einige unter ihnen erkennen, dass der Regisseur Panahi am Steuer sitzt, der wegen seiner Filme Berufsverbot erteilt bekam und zu Gefängnisstrafen verurteilt wurde. Am Armaturenbrett hat er eine Kamera befestigt, die er auf die Fahrgäste richtet, während er sich mit ihnen unterhält.

Persepolis ist eine französische Graphic Novel von Marjane Satrapi, einer 1969 im Iran geborenen, heute in Paris lebenden Autorin und Zeichnerin von Comicromanen und Kinderbüchern. In dem vierteiligen Werk, das in Deutschland in zwei Bänden herausgegeben wurde, beschreibt sie ihre Kindheit im Iran, ihre spätere Zeit im Ausland und die Rückkehr in ihr Heimatland.

Während in der Diaspora oder in revolutionären Momenten wie 2022 explizite Symbole genutzt werden – etwa abgeschnittenes Haar oder die Farben der Flagge –, arbeiten viele Künstler weiterhin mit Zeichen, die für Außenstehende harmlos wirken. Alltagsgegenstände, Körperhaltungen oder Naturmotive werden zu Trägern politischer Bedeutung.

Somy Samani bewegt sich bewusst in dieser Tradition. Die Fotografie „Confidential“ ist kein offenes Protestbild. Ihre politische Aussage liegt in der Reduktion, im Weglassen, im kontrollierten Einsatz eines einzigen, unübersehbaren Symbols: der blutigen Hände.

Somy Samani im Kontext iranischer Opposition in Kunst, Film und Literatur

Die iranische Opposition hat seit Jahrzehnten ihre stärksten Stimmen im kulturellen Raum entwickelt. Film und Literatur arbeiteten mit Andeutung, Auslassung und Symbolik, um Zensur zu umgehen. Auch die bildende Kunst wurde zu einem Ort des indirekten Widerstands.

Im Vergleich zu erzählerischen Medien konzentriert sich Somy Samani auf den einzelnen, verdichteten Moment. Ihre Fotografie erzählt keine Geschichte im klassischen Sinn – sie hält einen Zustand fest. Gerade dadurch wird „Confidential“ anschlussfähig an unterschiedliche Diskurse innerhalb der iranischen Opposition: an feministische Kämpfe, an Fragen von Verantwortung, an die Ambivalenz revolutionärer Gewalt.

„Confidential“ ist ein Bild über Revolution an sich. Es verzichtet auf Parolen, auf Pathos und auf eindeutige Schuldzuweisungen. Stattdessen zeigt es den Menschen im Moment der Entscheidung.

In einer Zeit, in der politische Bilder oft schnell konsumiert und ebenso schnell vergessen werden, behauptet sich diese Fotografie durch ihre Ruhe. Sie zwingt zur Auseinandersetzung. Und genau darin liegt ihre politische Kraft. (von Thomas Gatzemeier)

Zum Autor:

Am dunkelsten Tag des Jahres 1954 im sächsischen Döbeln geboren, wurde Thomas Gatzemeier ungefragt von einem katholischen Pfarrer getauft.

Als Kind buk er heimlich einen Kuchen, der als Brot gut ankam. Dieses scheinbare Missgeschick inspirierte ihn dazu, eine Ausbildung als Schrift- und Plakatmaler zu absolvieren, um Pinsel und Stift zu beherrschen.

Er arbeitete anschließend auch als Steinmetzgehilfe und Grabsteindesigner. Nach dieser Grundausbildung studierte er Malerei und Grafik an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo Arno Rink und Volker Stelzmann zu seinen Lehrern zählten. 1980 beendete er sein Studium und ist seitdem als freier Künstler, Autor, Kunsthändler, Blogger und Freizeitkoch tätig.

Konflikte mit den Machthabern der SBZ und ein mehrjähriges Ausstellungsverbot bewegten ihn 1986 dazu, die SBZ zu verlassen.

Danach lebte er vorwiegend in Karlsruhe, verbrachte aber auch längere Zeit in Zürich und nahe Worpswede. Von 2006 bis 2015 hatte er ein weiteres Atelier in Leipzig.

Nach 34 Jahren Hauptwohnsitz in Karlsruhe verlegte der Wanderer zwischen den Welten im Februar 2020 seinen Wohnsitz endgültig nach Leipzig.

Nähere Informationen: Thomas Gatzemeier, Gottschallstraße 24, 04157 Leipzig, Telefon: 0172 610 25 35, E-Mail: info@thomas-gatzemeier.de

Wissenswertes und Aktuelles aus der Welt der Kunst in den Niederlanden und darüber hinaus

Das Museum Magazine 1 2026 beziehungsweise die erste Ausgabe der Museumstijdschrift für dieses Jahr ist erschienen: eine kosmopolitische Ausgabe voller Geschichten über weltberühmte Kunst aus den Niederlanden und dem Rest der Welt.

Zum Beispiel spricht Simon Schama in einem überraschenden Interview über seine zwei großen Faszinationen: Vögel und Kunst. Der renommierte britische Historiker schuf die Ausstellung „Vögel“ im Mauritshuis, in der auch das Gemälde „Der Stieglitz“ aus dem Jahre1654 von Carel Fabritius zu sehen ist.

Seit seinen Anfängen in New York in den 1970-er Jahren hat sich Hip-Hop von einer rebellischen Musikbewegung zu einer globalen Kultur entwickelt, die von Tanz und Mode bis hin zu Fotografie und auch bildender Kunst reicht. Das Groninger Museum zeigt einen wichtigen Überblick über den Einfluss des Hip-Hop auf die zeitgenössische visuelle Kultur.

Jan Toorop gilt als vielseitiger und etwas rätselhafter Maler. Eine Ausstellung im Museum Singer Laren entwirrt das Geheimnis dieses einflussreichen Künstlers, indem sie sich auf seinen indonesischen Hintergrund fokussiert.

Zu lesen ist auch ein aufschlussreiches Porträt der School Of London, einer Gruppe von Künstlern, die sich mit einer neuen Art realistischer Malerei im Nachkriegs-England einen Namen machten. Viele kennen Lucien Lucien Freud, David Hockney und Francis Bacon. Aber wer gehört sonst noch zu dieser illustren Malergruppe? Dies und vieles mehr gibt es in einer neuen Ausgabe des Museum Magazine und ist ab dem 13. Januar im Handel und schon jetzt im Webshop erhältlich.

Über die Museumstijdschrift

Die Museumtijdschrift ist das größte unabhängige Kunstmagazin in den Niederlanden. Es erscheint achtmal jährlich als Papiermagazin und bietet eine breite Auswahl der aktuellen Ausstellungsangebote. Von alter zu zeitgenössischer Kunst und von Kulturerbe bis Design. Mit jeder Ausgabe wird eine umfangreiche Ausstellungsagenda veröffentlicht. Die erste Ausgabe des Museum Magazine – damals noch unter dem Namen Vitrine – erschien 1988. Das Museumsmagazin ist auch online sehr aktiv, mit einer wöchentlichen Webrezension und einem Newsletter. Zusätzlich gibt es regelmäßige Leser-Arrangements.

Darüber hinaus verleiht es jedes Jahr den Museum Magazine Exhibition Prize, einen öffentlichen Preis für Sonderausstellungen in niederländischen Museen. Im Jahr 2025 wurde der Preis zum siebten Mal verliehen. Mit dem jährlichen öffentlichen Preis lenkt das Museum Magazine die Aufmerksamkeit auf die hohe Qualität und Vielseitigkeit der Ausstellungen – von Kunst und Geschichte bis hin zu Design, Archäologie und Mode. 2024 ging die Auszeichnung an die Ausstellung „Ai Weiwei – Auf der Suche nach der Menschheit“ in der Kunsthal Rotterdam.

Mehr als 17.000 Museumsbesucher gaben ihre Stimmen im vergangenen Jahr ab. Mit einer überzeugenden Mehrheit wurde „Anselm Kiefer – Sag mir wo die Blumen sind“ als Lieblingsausstellung der vergangenen Saison ausgewählt. Die Doppelausstellung des Stedelijk Museum Amsterdam und des Van-Gogh-Museums rückte einen der wohl bekanntesten deutschen Gegenwartskünstler ins Rampenlicht, unterstrich seine Bewunderung für Vincent van Gogh und zeigte erstmals alle Werke aus der Sammlung des Stedelijk Museum Amsterdam neben neuen und bisher ungezeigten Werken.

Limburgs Museum regt mit einer Ausstellung über Erotik die Sinne an

Mit der neuen Ausstellung „Erotik – Jenseits von Schönheit und Scham (Erotiek – Voorbij schoonheid en schaamte)“ nimmt das Limburgs Museum in Venlo seine Besucher noch bis zum 4. Januar 2026 mit auf eine spannende Zeitreise vom späten Mittelalter bis in die Gegenwart.

In der Ausstellung bringt das Museum Limburger Künstler wie Tanja Ritterbex und Han van Wetering mit internationalen Größen wie Rineke Dijkstra, Erwin Olaf, Marlene Dumas und David LaChapelle zusammen und gibt reichlich Gelegenheit, Antworten auf die eine Frage zu finden: Was bedeutet Erotik für Sie?

Das menschliche Begehren ist so vielfältig wie die Menschheit selbst. Liebe und Lust, Vergnügen und Verspieltheit, Scham und Schmerz: Jeder hat andere Gedanken und Gefühle dazu. Die Ausstellung Erotik – Jenseits von Schönheit und Scham ist eine Ode an diese Diversität. „Denn Erotik ist Teil des Menschseins“, sagt der Kurator Edwin Becker, geboren in Limburg und im Hauptberuf Chefkurator für Ausstellungen im Van Gogh Museum. „So unterschiedlich und persönlich die Erotik auch sein mag, wir alle kommen mit ihr in Berührung. Das ist wunderbar und kompliziert, schön und schwierig, befreiend und einschränkend.“

Gemeinsam mit dem Designer Peter de Kimpe und nach einem Konzept von Laura Adams hat Becker die Ausstellung anhand von drei Themen zusammengestellt: Körper und Geist, Erotik und Religion sowie Schönheit und Tod. Das erste Thema, Körper und Geist, befasst sich mit der Spannung zwischen dem Verlangen des Geistes und dem Verlangen des Körpers. „Macht der Körper alles, was der Geist ihm vorgibt? Wo liegt die Macht im Spiel des Beobachtens und Beobachtetwerdens? Und was wäre, wenn wir rein vom Geist ausgehen würden?“ So führt die Reise vom sehnsüchtigen Blick des in Venlo geborenen Jean Laudy bis zur stilisierten Erotik von Robert Mapplethorpe, Araki Nobuyoshi und vielen anderen.

Die Macht der Fantasie

Das Thema Erotik und Religion befasst sich mit der ambivalenten Haltung der Kirche gegenüber der Erotik. Neben sinnlichen „Reliquien“ befinden sich in diesem Raum zum Beispiel Bleiglasfenster von Helen Verhoeven, die voller erotischer Anspielungen sind. „Offiziell war Sexualität sündig und diente nur der Fortpflanzung. Diese Repression der Kirche brachte auch viel Leid mit sich. Mit Blick auf die nackten Marias und die Sünder beim Liebesspiel wird jedoch deutlich, dass mit der richtigen Vorstellungskraft, Suggestion und Symbolik vielleicht mehr möglich war, als es heute der Fall ist. Zumindest in der Kunst.“

Das dritte und letzte Thema, Schönheit und Tod, führt die Besucher zur sexuellen Revolution der 1960er- und 1970er-Jahre. Es umfasst Arbeiten von Ed van der Elsken, eine Skulptur von Wim Delvoye und Fotografien von Andres Serrano. Mit einer Reihe verhängnisvoller Frauen endet die Ausstellung mit der Ekstase, die die Erotik mit dem Tod teilt. Becker: „Durch die Ekstase löst man sich so sehr vom Hier und Jetzt, dass man das Irdische – wie im Tod – für einen Moment transzendiert.“ Bei Künstlern wie Desiree Dolron und Bill Viola erhält die Erotik auf diese Weise eine rituelle und spirituelle Aufladung.

Limburger Geschichten

So untersucht Erotik – Jenseits von Schönheit und Scham das Thema Erotik aus einer Limburger Perspektive in einem internationalen Kontext. In einer spannenden Audioführung bespricht der Regisseur, Moderator und Theaterproduzent Lucas De Man unter anderem mit Marloes IJpelaar von der feministischen Theatergruppe Club Lam eine Reihe von Kunstwerken. Um die Kunstwerke herum finden sich persönliche und manchmal intime Gedanken verschiedener Limburger jeden Alters, die erzählen, was Erotik für sie bedeutet.

Ihre Geschichten fügen der Ausstellung eine persönliche Ebene hinzu und regen die Besucher an, in der großen Auswahl an Werken zu entdecken, was Erotik für sie selbst bedeuten kann. Diese Gedanken können im Museum ausgetauscht werden. Gemeinsam werfen wir so ein neues Licht auf ein komplexes und zeitloses Thema.

Ons Limburgs Museum

Ergänzend zur Ausstellung in Venlo erforschen wir auf ons.limburgsmuseum.nl, der interaktiven Plattform für Geschichten des Limburgs Museum, gemeinsam mit den Menschen in Limburg, welche Rolle die Welt des Internets für das Erleben von Erotik spielt. Besucher können auch ihre eigenen Geschichten oder Kommentare hinterlassen. Dies kann unter Angabe des Namens, aber auch anonym geschehen. Die erste Geschichte über Liebe und Begegnungen in der Offline- und Online-Welt wurde Ende April veröffentlicht.

Nähere Informationen: Limburger Museum, Keulsepoort 5, Venlo, Telefon +31773522112, E-Mail: info@limburgsmuseum.nl, Internet: www.limburgsmuseum.nl

„Ich, Gustave Courbet“ – Realismus, Rebellion und kosmopolitische Perspektiven

Das Museum Folkwang in Essen präsentiert 2026 ein Jahresprogramm, das historische Bezüge, zeitgenössische Relevanz und kulturelle Vielfalt miteinander verbindet. Herausragende Retrospektiven, international bedeutende Fotografie und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Sammlung machen das Museum zu einem Ort der Reflexion, Vorstellungskraft und des Dialogs zwischen den Künsten aus Gegenwart und Geschichte.

Von der radikalen Bildsprache Gustave Courbets über die transkulturelle Perspektive der Fotografie-Ausstellungen bis hin zur frühen islamischen Sammlung des Museumsgründers Karl Ernst Osthaus spannt sich der Bogen des Jahresprogramms. Mit dem Zusammenspiel aus Historie, Gegenwartskunst und künstlerischer (Er-)Forschung eröffnet es neue Perspektiven auf zentrale Fragen von Kunst und Gesellschaft.
„Mit dem Jahresprogramm 2026 möchten wir die Besucherinnen und Besucher einladen, Kunst als lebendigen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu erleben. Wir zeigen, wie radikale künstlerische Positionen, historische Sammlungen und zeitgenössische Praktiken in unserem Museum zusammentreffen – ein Ort, an dem Erfahren und Empfinden verschmelzen“, sagt Peter Gorschlüter, Direktor des Museum Folkwang.

Gustave Courbet: Wegbereiter der Moderne

Mit der großen Retrospektive „Ich, Gustave Courbet“ (Bis 8. November 2026) widmet sich das Museum einem der einflussreichsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Courbets kompromisslose Haltung und seine innovative Maltechnik machten ihn zum Grenzgänger zwischen Kunst, Gesellschaft und Politik. Die Ausstellung beleuchtet zentrale Werkgruppen – Selbstbildnisse, soziale Realität, Landschaft, Erotik und Exil – und zeigt, wie Courbets radikaler Realismus der Moderne den Weg bereitete. Die Schau entsteht in Kooperation mit dem Leopold Museum Wien und steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron sowie unter dem Ehrenschutz von Alexander Van der Bellen, Bundespräsident der Republik Österreich.

Nach Damaskus … Karl Ernst Osthaus und die islamischen Künste

Die Ausstellung „Nach Damaskus …“ (6. November 2026 bis 21. Februar 2027) stellt zum ersten Mal die ehemalige „Islamische Abteilung“ des Museums in den Fokus. Rund 300 Objekte – von Keramiken über Textilien bis zu Metall- und Glasarbeiten, darunter bedeutende Leihgaben – veranschaulichen, wie die Begegnungen von Karl Ernst Osthaus mit Kunst und Kulturen aus Nordafrika und Westasien die Entwicklung dieser Sammlung prägten. Ausgewählte Werke der Klassischen Moderne, europäisches Kunsthandwerk und zeitgenössische Positionen erweitern den Blick auf die Bestände und ermöglichen neue Perspektiven auf den Sammlungsbereich.
Peter Gorschlüter betont: „Mit „Ich, Gustave Courbet“ und „Nach Damaskus…“ stellen wir zwei Ausstellungen vor, die auf unterschiedliche Weise von der Kraft künstlerischer Erneuerung erzählen. Beide Ausstellungen zeigen, wie eng Kunst, Politik und kulturelle Identität miteinander verwoben sind. In 2026 verhandeln wir diese Fragen neu – mit einer Offenheit, die sowohl den Künstler Courbet als auch das Museum Folkwang seit seiner Gründung prägt.“

Germaine Krull: Chronistin des 20. Jahrhunderts

Mit „Germaine Krull: Chien Fou“ (Bis 15. März 2026) rückt das Museum Folkwang die kosmopolitische Fotografin, deren Nachlass sich seit 1995 in der Fotografischen Sammlung des Museums befindet, in den Mittelpunkt. Neben ihren bekannten avantgardistischen Fotografien der 1920er- und 1930er-Jahre werden erstmals in größerem Umfang ihre (auto)biografischen Texte, Fotobücher, Maquetten und politischen Berichte präsentiert. Die Ausstellung beleuchtet insbesondere Krulls OEuvre als Autorin sowie ihre fotografische Praxis ab Beginn des Zweiten Weltkriegs, als sie Europa dauerhaft verließ. Sie eröffnet eine neue, transkulturelle Perspektive auf ihr Werk.

Vielfalt, Vermittlung und junge Positionen

Neben den großen Schauen zeigt das Museum ein breites Spektrum weiterer Ausstellungen: „L is for Look“ (27. Februar bis 7. Juni 2026) beleuchtet einen besonderen Aspekt fotografischer Gebrauchsformen und zeigt, wie Fotografien Eingang in die Kinderliteratur fanden – von fantasievollen Bilderbüchern bis hin zu literarischen Geschichten. Die Ausstellung „Herbert W. Franke / Gottfried Jäger“ (16. Oktober 2026 bis 10. Januar 2027) befasst sich mit den experimentellen Jahren der gegenstandlosen Fotografie, die von Debatten und Positionsbestimmungen einer damals jungen Generation geprägt war. „Photography Masters“ (16. Oktober 2026 bis 10. Januar 2027) hingegen zeigt die künstlerischen Ansätze und thematischen Schwerpunkte junger fotografischer Positionen heute. Die Präsentation „Saâdane Afif: Affiches / Plakate“ (13. März bis 4. Oktober 2026) gibt erstmals umfassend Einblick in diese besondere Werkgruppe des französischen Konzept- und Objektkünstlers und die neuseeländische Künstlerin „Kate Newby“ entwickelt eine neue ortspezifische Arbeit im Außenbereich des Museums. Mit dem Stipendienprogramm der Neuen Folkwang Residence und dem Ausstellungsformat „6 ½ Wochen“ werden weiterhin junge Künstler:innen mit ihren ersten musealen Ausstellungen gefördert. Die Schau „100 Beste Plakate 25“ (3. Juli bis 2. August 2026) präsentiert außer Haus auf dem UNESCO Welterbe Zollverein die Höhepunkte des jährlich größten deutschsprachigen Wettbewerbs für Plakatdesign.

Sammlung und Neuerwerbungen

Die Sammlungspräsentation „Neue Welten“ stellt den Dialog der Künste ins Zentrum. Sie bleibt kostenfrei zugänglich. Ein Highlight im Jahr 2026 ist die Neuerwerbung der Skulptur „Hahn und Podest“ von Katharina Fritsch, die ab März 2026 als raumgreifende Installation das Museum bereichern wird.

Nähere Informationen: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen, Telefon +49 2018845000, E-Mail: info@museum-folkwang.essen.de

Programm des Museumsvereins Deutsches Historisches Museum

Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst

Wie kein anderes Tier hat das Einhorn die Fantasie der Menschen beflügelt. Seit Jahrhunderten ist es in zahlreichen Kulturen präsent. Seine Spur findet sich in christlicher und außereuropäischer Kunst, in Naturwissenschaft und Medizin sowie in einer reichen Symbolik. Das Einhorn steht für Freiheit und Unbezähmbarkeit, für Reinheit und Unschuld, für Natürlichkeit und Zuneigung. Der Ursprung der Erzählung liegt in Indien, von wo sie über China, Persien und Ägypten nach Europa gelangte.

Die Ausstellung „Einhorn“ im Museum Barberini zeigt das faszinierende Fabelwesen von der Antike bis zur Gegenwart. Zu sehen sind Werke von Albrecht Dürer, Tizian, René Magritte, Rebecca Horn und vielen weiteren Künstlerinnen und Künstlern. „Lang lebe das Tier, das es nicht gibt“, schrieb eine Frankfurter Tageszeitung – und die Schau macht diesem Satz alle Ehre. Mit kräftigen Farben und einer brillanten Inszenierung präsentiert das Museum Barberini eine prachtvolle Ausstellung, die zum Staunen einlädt. Ideal, um dem Weihnachtstrubel zu entfliehen – am besten in den Randzeiten.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 1. Februar 2026.

Nähere Informationen: Museum Barberini, Humboldtstraße 5–6, Alter Markt, 14467 Potsdam. Reguläre Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag von 10 bis 19 Uhr, dienstags geschlossen.

Zwischen Bild und Botschaft: Ein Flüchtlingstreck und seine fotografische Inszenierung sind Thema im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung.

Der Treck – Fotografien einer Flucht 1945

In der Sonderausstellung „Der Treck – Fotografien einer Flucht 1945“ im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung wird zum ersten Mal der vollständige Fotobestand, der die Flucht von 350 Menschen aus dem niederschlesischen Lübchen nach Sachsen dokumentierte und inszenierte, gezeigt. Die Ausstellung erzählt nicht nur vom Treck und der Not der Flüchtenden, sondern auch von der Geschichte hinter den Bildern: von einem Fotografen, der in der NS-Zeit zum Bildlieferanten des Propagandaministeriums wurde, und von einem kleinen Ort, in dem Zwangsarbeit und Krieg zum Alltag gehörten – lange bevor die zivile Bevölkerung durch den Vormarsch der Roten Armee zur Flucht gezwungen wurde.

Sehr zu empfehlen ist eine öffentlichen Führung, denn was die Bilder zeigen, ist genauso wichtig wie das, was sie nicht zeigen. Manche Bilder dürften einem sogar bekannt vorkommen, da Tschiras Fotografien bis heute als Bildikonen in Medien, Büchern und Museen präsent sind. Sie prägen – oft ohne Kontext – die kollektive Vorstellung von Flucht und Vertreibung in Deutschland. Die Ausstellung lädt zur kritischen Betrachtung ein und ergründet, wie historische Fotografien unsere Erinnerungskultur beeinflussen.

Nähere Informationen: Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstraße 90, 10963 Berlin. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 19 Uhr.

Im Ephraim-Palais geht es um einen wohlvertrauten Ort:

Berliner Höfe Zwischen Alltag, Arbeit und Begegnung

Spätestens seit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert ist Berlin ein Anziehungspunkt für Menschen aus anderen Regionen Deutschlands und aus anderen Ländern. Stadtgeschichte war also immer auch Migrationsgeschichte.

Durch enormes Bevölkerungswachstum, räumliche Ausdehnung und bauliche Verdichtung ist Berlin wie keine andere Stadt von Hinterhöfen geprägt – ob als Wohnhöfe, Schulhöfe, Gewerbehöfe, Atelierhöfe, Hofgärten oder Hof-Restaurants. Ihre Geschichte ist vielfältig, genauso wie die Menschen, die sie beleben.

Überwiegend nähert sich die Ausstellung „Berliner Höfe“ ihrem Subjekt mittels der Fotografie. Aber nicht nur: Der Eingangsbereich zur Ausstellung im Dachgeschoss des Ephraim-Palais ist etwa wie eine Durchfahrt gestaltet. Links hängen Briefkästen aus Metall, nur der Mülleimer für die ungewünscht Post fehlt. Eine Installation der Stadtforscher Duygu Örs und Sinthujan Varatharajah setzt sich mit Sinneseindrücken in Hinterhöfe auseinander. Gerade der Klang der Höfe wird vielen vertraut vorkommen.

Die Ausstellung endet am 18. Januar 2026.

Nähere Informationen: Museum Ephraim-Palais, Poststraße 16, 10178 Berlin. Reguläre Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen.

Ab zum Wannsee – ein Winterbesuch in der Liebermann Villa

Vision und Illusion. Architekturfotografien von Hélène Binet

Die Fotografin Hélène Binet bereiste Europa, um bedeutende Landsitze und Villen zu portraitieren – von Großbritannien über die Côte d’Azur, Berlin und Umbrien bis nach Brno. Das Ergebnis ist eine Reise duch die europäische Baugeschichte:

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte Europa eine architektonische Rückbesinnung auf das Landhaus. Der Wunsch nach einem privaten Refugium führte zu höchst unterschiedlichen Ausprägungen, die Hélène Binet in ihren Fotografien sichtbar macht: vom gotischen Charme des Anwesens Strawberry Hill in Twickenham über die Neuinterpretation der griechischen antiken Architektur der Villa Kérylos an der Côte d’Azur und der modernen Stilistik der Villa
Tugendhat in Brno.

Gleichzeitig eröffnet Binet neue Perspektiven auf Orte jüdischer Erinnerung: Für viele jüdische Familien jener Zeit waren repräsentative Landhäuser Ausdruck kultureller Zugehörigkeit und Selbstverwirklichung. Hélène Binets künstlerische Arbeiten zeigen eine detaillierte Auseinandersetzung mit den materiellen, ornamentalen und atmosphärischen Charakteristika jedes Anwesens. Gleichzeitig machen sie sichtbar, wie jüdische Auftraggeber mit ihren architektonischen Visionen die europäische Kultur- und Architekturgeschichte bereicherten.

Wie so oft bietet die Liebermann Villa einen Audioguide an, der die Ausstellung begleitet. Meiner Erfahrung nach lohnt es sich immer in den Audioguide hineinzuhören, um den Kontext der Arbeiten besser zu verstehen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 19. Januar 2026.

Nähere Informationen: Liebermann Villa am Wannsee, Colomierstraße 3, 14109 Berlin. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag, 11 bis 17 Uhr, montags geschlossen. Am 15. Januar 2026 bis 20 Uhr.

Ich danke Maríon Bayer vom Museumsvereins des Deutschen Historischen Museums für diese Tipps.

Nähere Informationen: Museumsverein des Deutschen Historischen Museums, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, E-Mail: kontakt@dhm-museumsverein.de

Jan Banning: Blutsbande – Versöhnung nach dem Völkermord in Ruanda

Vor Kurzem eröffnete das Fotomuseum Hilversum die Ausstellung „Blood Ties: Reconciliation after the Genocide in Rwanda“ mit Werken des Fotografen Jan Banning und des Journalisten Dick Wittenberg. Gleichzeitig wurde das gleichnamige Buch veröffentlicht, mit einem Essay des Philosophen Marjan Slob. Die Ausstellung, die noch bis zum 15. März 2026 zu sehen ist, zeigt bewegende Doppelporträts von Tätern und Überlebenden des Völkermords.

Jan Bannings Fotos zeigen nicht nur Opfer und Täter: In jedem Doppelporträt sehen wir Menschen nebeneinander, die eine direkte und schmerzhafte Vergangenheit teilen. Es sind Überlebende, die denen gegenüberstehen, die ihnen oder ihren Familien irreparables Leid zugefügt haben, wie die Tötung eines geliebten Menschen.

Die Bilder, kombiniert mit den Geschichten von Dick Wittenberg, machen greifbar, wie schwer, aber auch menschlich der Versöhnungsprozess ist. Mit „Blood Ties“ präsentieren Banning und Wittenberg eine seltene, nuancierte, aber auch konfrontative Perspektive auf das Thema Versöhnung. In einer Zeit, in der weltweit erneut tiefe Wunden durch Konflikte und Gewalt zugefügt werden, bietet das Projekt keine einfachen Antworten, aber es ist ein kraftvolles Beispiel für die Möglichkeit von Genesung und Menschlichkeit.

Mit „Blood Ties“ haben Jan Banning und Dick Wittenberg bereits sieben internationale Auszeichnungen erhalten und waren mit ihrem Werk bereits unter anderem in Cortona und New York zu sehen. Kürzlich präsentierte Banning das Projekt an verschiedenen Orten in den Vereinigten Staaten, darunter das Center for Documentary Studies der Duke University und das Ford Hall Forum in Boston, wo zuvor Redner wie Malcolm X, Noam Chomsky, Al Gore und Eleanor Roosevelt Gäste waren. Er wurde außerdem für Michelle Bogres Buch „Photography as Activism“ interviewt. Bannings Werk wird von der Robert Klein Gallery (Boston) und der Galerie Fontana (Amsterdam) vertreten.

Im Fotomuseum Hilversum ist „Blood Ties“ nun erstmals in den Niederlanden zu sehen.

Über die Macher

Jan Banning ist ein international anerkannter fotografischer Künstler und Gewinner eines World Press Photo Award sowie unter anderem elf Silberkameras.

Dick Wittenberg ist Journalist und Schriftsteller und arbeitete viele Jahre für das NRC. Gemeinsam mit Banning gewann er den Bob den Uyl Prize für ihr früheres Buch über Dickson, Malawi.

Marjan Slob ist Philosophin und Essayistin. Sie schreibt unter anderem für de Volkskrant.

Nähere Informationen: Fotomuseum Hilversum, Kerkbrink 6, 1211 BX – Hilversum, Telefon 035 6292826, Internet: http://www.fotomuseumhilversum.nl

Modefotografie mit Humor

Mit verstörendem Humor und originellen Kompositionen haben das Fotografenduo Blommers & Schumm in den letzten drei Jahrzehnten die Regeln der Modefotografie herausgefordert. Bei der Retrospektivausstellung „Mid-air“, die noch bis zum 23. Februar 2026 im Fotomuseum Foam in Amsterdam ist nicht alles so, wie es scheint.

Eine Frau in einem ordentlichen blauen Anzug mit Lackschuhen liegt auf der Straße, den Kopf an einem Bordstein gelehnt. Benommen schaut sie in die Kamera, zwischen ihren Zähnen ist eine Lücke, und sie hält eine Zigarette in der Hand. Das Bild charakterisiert sowohl den ästhetischen als auch den disruptiven Fotografiestil von Anuschka Blommers und Niels Schumm (beide 1969).

Sie lernten sich an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam kennen und arbeiten seit 1997 zusammen. Während Schumm sich zunächst auf Stillleben und Blommers auf Porträts konzentrierte, entwickelte sich ihre Zusammenarbeit bald zu einer gemeinsamen Praxis.

Einer ihrer ersten Aufträge ist sofort für Viktor & Rolf, das sich mit skurrilen, kreativen und theatralischen Werken einen Namen macht. In den folgenden Jahrzehnten arbeiteten sie für Modemarken wie Gucci, Balenciaga und Hermès sowie für avantgardistische Magazine wie „Self Service“, „The Gentlewoman“ und „RE Magazine“. Das Duo arbeitet fast immer auf Provision, schafft es aber auch, die Grenzen im kommerziellen Rahmen zu verschieben. Und das sorgt für spannende, experimentelle und leicht absurde Bilder. Damit ebneten sie auch anderen den Weg, innerhalb der Modefotografie mehr zu experimentieren.

Mopp und Bügelbrett

Dieser Humor und Witz sind in „Mid-air“ reichlich präsent. Es ist nicht unverständlich, dass der Titel der Ausstellung auf die Momente verweist, in denen Menschen oder Objekte in den Fotografien von Blommers & Schumm für einen Moment zu ’schweben‘ scheinen, aber dennoch perfekt ausbalanciert sind. Das Foto eines Glases, das am Rand eines Tisches balanciert, ist ein gutes Beispiel dafür. Für das Magazin Middle Plane holte Blommers & Schumm David Hockney vor die Kamera. Kein konventionelles Porträt, sondern eine Art Collage aus Alltagsgegenständen: ein Wischmopp für Haare, Bleistifte für eine Nase und ein Modeartikel von Bottega Veneta als Kopfbedeckung. In einem anderen Raum hängt ein Foto einer Frau, die auf einem Bügelbrett liegt, angefertigt für das „Buffalo Magazine“. Auf den ersten Blick sieht es nicht besonders aus, bis man genauer hinsieht. Wenn das Foto um eine Vierteldrehung gedreht wird, scheint das Modell aufrecht auf einem Block zu stehen. Eines der vielen Beispiele in der Ausstellung, in denen Blommers & Schumm mit der Perspektive spielen. Und die deine Aufmerksamkeit sechs Jahre später noch fesseln und dich in leichter Verwirrung und Staunen zurücklassen.

Anti-Glamour

In der Serie „Class of 1998“ für das Magazin „Self Service“ schauen junge britische Mädchen mit geschwollenen Augen, errötendem Rouge und Lippenstift direkt in die Kamera. Niemand lacht, manche wirken schüchtern. Sie sehen aus wie Puppen. Ein Gegenstück zu den glänzenden Modeberichten mit super selbstbewussten Models.

Blommers & Schumm rauben der Modefotografie ihren gewohnten Glamour. Das ist der rote Faden durch ihr Werk. Sie arbeiten genauso gerne mit Familie und Freunden wie mit professionellen Models. Nicht die teure Kleidung steht im Mittelpunkt, sondern das Porträt als Ganzes – die Dynamik der Pose oder des Gesichtsausdrucks einer Person. Immer mit einem überraschenden Winkel.

Die Wand aus Polaroids, auf der sich das Duo als Testmodelle verwendet, ist eine gute Ergänzung. Auch hier keine Perfektion. Das Duo drängt sich dabei in lustige Positionen. Bei ihren Selbstporträts werden ihre Nasen mit Klebeband zu Schweinenasen verzerrt.

Schau, schau, schau

Die Galerietexte sind rar; Der Fokus liegt auf dem Suchen. Im zweiten Raum gibt es drei Bildschirme mit Kampagnen-Bildern. Es ist schade, dass das schnelle Tempo, in dem sie gespielt werden, sodass die Bilder nicht haften bleiben.“Mid-air“ ist am besten, wenn die Werke mit unserer Perspektive spielen, oft mit einem Hauch von Humor. Eine IKEA-Lampe, die wie zwei Beine mit Unterwäsche aussieht, oder ein offenes Buch mit Seiten, die wie zwei Brüste aussehen. Die Fotos in „Mid-air“ bringen einen regelmäßig zum Lächeln. Das Duo fordert dich heraus, weiter genau hinzuschauen. (Text von Rosa Lee Szorzynski, erschienen in der Museumstijdschrift).

Nähere Informationen: Foam Museum Amsterdam, Keizersgracht 609, 1017 DS Amsterdam, Telefon: +31 20 5516 500, Internet: http://www.foam.org

Museum Hilversum wird zum Fotomuseum Hilversum

Seit dem 2. Dezember 2025 wird das Museum Hilversum als Fotomuseum Hilversum weitergeführt. Das Museum selbst bezeichnet dies natürlich nicht als Kurswechsel, sondern als klare Profilierung. Schließlich legte das Museum bereits den Schwerpunkt auf zeitgenössische Fotografie und hat ein Programm, das eng mit der sozialen Debatte um die visuelle Kultur verbunden ist.

Hilversum Media City

Das Fotomuseum Hilversum baut auf der reichen Mediengeschichte der Stadt auf. In einer Umgebung, in der Bilder täglich erstellt und geteilt werden, möchte das Museum ein Ort sein, an dem sowohl Fachleute als auch ein breites Publikum zusammenkommen. Mit Schwerpunkt auf Nachrichtenfotografie, dokumentarischen visuellen Geschichten und zeitgenössischer visueller Kultur bietet das Museum etwas, das in unserer schnelllebigen Bildgesellschaft immer seltener wird: Verlangsamung, Kontext und Raum, um wirklich zu schauen.

Fotojournalismus, Pressefreiheit und Dialog

Das Fotomuseum Hilversum zeigt, wie Bilder entstehen, zirkulieren und Bedeutung gewinnen und warum das wichtig ist. Gemeinsam mit langjährigen Partnern wie der Stichting Zilveren Camera und World Press Photo betont das Museum die Bedeutung von Fotojournalismus, Pressefreiheit und Dialog, um unser Verständnis der Welt und der Menschen um uns herum zu vertiefen.

Flooded

„In unserer heutigen Gesellschaft werden wir ständig mit Bildern überflutet. Im Fotomuseum Hilversum können Sie heute mehr über die Rolle der Fotografie erfahren“, sagt Direktorin Fleur van Muiswinkel und stellt sich unter anderem die wichtige Frage: „Welchen Wert hat die Fotografie in einer Zeit, in der KI eine immer wichtigere Rolle spielt? Unser Museum bietet neue Perspektiven.“

Neues Logo

Das neue Logo wurde von der multidisziplinären Designagentur LMNOP entworfen. Sie ließen sich von den Deckenmalereien aus dem 19. Jahrhundert im historischen Teil des Museums inspirieren. An der Decke befindet sich eine Kompassrose, die auf die umliegenden Gemeinden hinweist. Diese Verbindung zur Welt um sie herum ist nach wie vor zentral für den Betrieb des Museums – genauso wie zu Zeiten des ehemaligen Rathauses, so die Pressemitteilung des Museums.Die Enthüllung der neuen visuellen Identität und die Bekanntgabe des neuen Namens fand am 2. Dezember statt.Seitdem gibt es unter dem Begriff FotomuseaNederland sechs Fotomuseen. Neben dem Fotomuseum Hilversum sind es das Nederlands Fotomuseum in Rotterdam (wiedereröffnet im Februar), das Foam in Amsterdam, das Huis Marseille in Amsterdam, das Fotomuseum aan het Vrijthof in Maastricht und das Fotomuseum Den Haag.

Nähere Informationen: Fotomuseum Hilversum, Kerkbrink 6, 1211 BX – Hilversum, Telefon 035 6292826, Internet: http://www.fotomuseumhilversum.nl