Niederländischer Kulturrat: Künstlerische Freiheit erfordert aktiven Schutz

Der Druck auf die künstlerische Freiheit in den Niederlanden wächst. Dies wird vom Kulturrat in seinem Beratungsbericht „Making (z)onder druk“ festgehalten. Laut dem Rat ist künstlerische Freiheit ein wesentlicher Bestandteil der demokratischen Rechtsstaatlichkeit, doch Künstler und Institutionen stehen zunehmend unter sozialem und politischem Druck.

Der Grund für den Rat sind Signale von Kulturschaffenden, die auf zunehmende Debatten über Kunst hinweisen, die regelmäßig in Einschüchterung, Drohungen oder Druck münden, Werke nicht zu zeigen. Der Rat warnt, dass dies zu Selbstzensur und einer Verarmung der öffentlichen Diskussion führen könnte. Soziale Medien spielen dabei eine unterstützende Rolle.

Der Rat fordert Politiker und Regierung dazu auf, bei inhaltlichen Urteilen über Kunst Zurückhaltung walten zu lassen. Obwohl rechtliche Schutzmaßnahmen bestehen, sind laut Rat die Handlungen von Verwaltern und Volksvertretern von großer Bedeutung für den Schutz der künstlerischen Freiheit.Laut dem Rat gibt es auch eine Aufgabe für den Kultursektor. Institutionen müssen das öffentliche Interesse der Kunst fördern, auf Gesellschaftskritik vorbereitet sein und Schöpfer aktiv unterstützen, wenn sie unter Druck geraten.

Darüber hinaus betont der Rat die Bedeutung von Bildung. Indem Kunst in den Lehrplan eingebettet und mit der Bürgerbildung verknüpft wird, können Schüler und Öffentlichkeit besser auf die gesellschaftliche Debatte über Kunst vorbereitet werden.

Der Beratungsbericht wurde unter dem Vorsitz von Paul Schnabel erstellt und Gouke Moes, dem scheidenden Minister für Bildung, Kultur und Wissenschaft vorgelegt. (Quelle: Pressemitteilung des Kulturrats)

Museumsquartier Osnabrück stellt Programm für den Februar vor

Guten Tag, wie fühlst du dich grade? Diese Frage steht am Beginn einer Workshopreihe Ende Februar, die Raum für gemeinsames Nachdenken, Spüren und Zuhören eröffnet. In drei kostenfreien Formaten laden der Künstler Ariel Reichman und eingeladene Gäste dazu ein, sich mit Sicherheit, emotionalem Erbe und den Auswirkungen gesellschaftlicher und politischer Gegenwart auseinanderzusetzen.
Mit körperlichen Übungen, klanglichen Experimenten und einem vertiefenden Vortrag entstehen kollektive Momente der Wahrnehmung und des gemeinsamen Austauschs.

Termin 13. Februar

16 Uhr Treffpunkt Museumskasse, Sonderführung »Von Henkern, Folter und Hexenwahn«.
Bei dieser Führung im Bucksturm, dem ehemaligen Gefängnis der Stadt, erfahren die Teilnehmer vom Leben und Handwerk eines Henkers, von Folter, Haft und den berühmtesten Gefangenen. Begleitet werden sie auf dieser Tour auch zu den Orten der Osnabrücker Hexenprozesse, und sie hören von den Schicksalen der Opfer und der Täter. Preis 4 Euro pro Person, zuzüglich Eintritt.

Termin 14. Februar

15.30 Uhr im Felix-Nussbaum-Haus Kuratorinnenführung mit Dr. Mechthild Achelwilm durch die Ausstellung »Ariel Reichmann. Keiner soll frieren!«
In dieser Führung gibt die Kuratorin Einblick in die Arbeiten von Ariel Reichman, der persönliche Erinnerungen mit Fragen nach Empathie, Verletzlichkeit und gesellschaftlicher Verantwortung verbindet. Ausgehend vom Werk Felix Nussbaums reflektiert Reichman die Gegenwart im Spiegel der NS-Vergangenheit und fragt, was von Geschichte in Dingen, Bildern und Denkweisen fortwirkt.
Preis 4 Euro pro Person, zuzüglich Eintritt.

Termin 14. Februar

10 bis 18 Uhr »Photo Academy: Selbstinszenierung« Workshop am Valentinstag.

Wie wirken Licht und Raum auf den eigenen Körper? Welcher Bildausschnitt erzählt welche Geschichte? Welche Pose, welcher Blick, welches Objekt unterstützt die gewünschte Darstellung? Diesen Fragen widmet sich ein eintägiger Workshop für ambitionierte Fotograf:innen mit Verdiana Albano, Preisträgerin des Nachwuchspreises des „Felix Schoeller Photo Awards“.
Bitte mitbringen: Kamera oder Smartphone, ggf. Speicherkarte, Stativ, optional Blitz oder Dauerlicht, persönliches Material (Objekte, Fotos, Texte), analoge Filter, ein Laptop zur Bildauswahl.
Die Teilnahme kostet 99 Euro regulär, 30 Euro für Studenten – die ersten drei Studenten nehmen kostenfrei teil. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Eine Platzreservierung kann nur bei Vorkasse garantiert werden.

Termin 26. Februar

18.30 Uhr im Veranstaltungssaal »Wo der Name wohnt« – Lesung und Gespräch mit Ricarda Messner.

Den Worten ihres Urgroßvaters Salomon folgend, findet Ricarda Messner ein Fenster im ehemaligen Rigaer Ghetto und zeichnet von dort aus die Wege von vier Generationen nach – vom sowjetischen Lettland der siebziger Jahre bis nach Deutschland.
Eintritt: 9 Euro / ermäßigt 7 Euro – Eine Kooperation mit dem Literaturbüro Westniedersachsen und der Volkshochschule Osnabrück.

Workshops von und mit Ariel Reichman

Termin 28. Februar

13 Uhr »What does safety feel like? | Wie fühlt sich Sicherheit an?« mit Shay Kukui und Ariel Reichman.

Die Tänzerin Shay Kukui leitet zusammen mit Ariel Reichman verschiedene Körperübungen an. Ist es möglich, in unserem Museum einen kollektiven Moment der Entspannung und Erleichterung in Bezug auf unsere aktuelle politische und soziale Welt zu erleben?
Teilnahme kostenfrei, in englischer Sprache.

Termin 28. Februar

15 Uhr »What does safety sound like? | Wie klingt Sicherheit?« mit Shabnam Parvaresh und Ariel Reichman.

Die Musikerin Shabnam Parvaresh und Ariel Reichman arbeiten mit den Teilnehmenden an der Frage „Wie klingt Sicherheit?“. Gemeinsam werden die subjektiven und kollektiven Klänge des Sich-sicher-fühlens erforscht.
Teilnahme kostenfrei, Deutsch/Englisch.

Termin 1. März

14 Uhr im Veranstaltungssaal: »Emotionales Erbe und das Vermächtnis von Traumata | Emotional inheritance and the legacy of trauma« mNähereit Dr. Galit Atlas (per Videokonferenz) und Ariel Reichman (vor Ort)
Die Psychoanalytikerin Dr. Galit Atlas lädt in diesem Vortrag mit anschließendem Gespräch ein. Sie untersucht, wie die unbewussten Verbindungen zu den Traumata unserer Vorfahren unser emotionales Erleben und Verhalten beeinflussen.
Teilnahme kostenfrei, in englischer Sprache

Nähere Informationen: Museumsquartier Osnabrück, Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück, Deutschland, Telefon: 05413232237, E-Mail: museum@osnabrueck.de, Internet:
http://www.museumsquartier-osnabrueck.de

Surrealismus als Haltung – Rezension von Kees Keijer in der Museumstijdschrift

Wie relevant ist die Kunstrichtung des Surrealismus 100 Jahre nach der Entstehung dieser Bewegung? Das Museum Boijmans Van Beuningen lud unter dem Titel “Jenseits des Surrealismus” zeitgenössische Künstler ein, über das Vermächtnis von Dalí, Magritte, Carrington und Miró nachzudenken. Ihre Werke bilden eine Reihe vielfältiger Echos, in denen Entfremdung, Assoziation und Transformation jedes Mal unterschiedlich interpretiert werden. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 6. April.

„Süße Rache“: Die Künstlerin Raphaela Vogel war wütend über einen Brief ihres Ex-Freundes und verwandelte ihn in ein Kunstwerk. Sie setzte die Worte aus dem Brief auf „Gute Nacht“ ein, das Eröffnungslied von Franz Schuberts „Winterreise“ (1828). Die melancholische Melodie nahm somit kalte, bösartige Sätze an, in denen ihr ehemaliger Geliebter jeglichen Kontakt abbricht und ihr sogar verbietet, ihr nahe zu kommen.

Das Lied ist Teil einer Installation mit einem Video und weißen Skulpturen, die an Knochenstrukturen erinnern. Das Video zeigt gescannte Bilder, die nicht ganz perfekt sind. Dadurch entstehen unter anderem Löwenskulpturen und Löwenlöcher. Der Abschiedsbrief wurde somit in eine Metamorphose von Bild und Klang verwandelt.

Dies verbindet das Werk mit „Shirley Temple, le plus jeune monstre sacré du cinéma de son temps“ (1939) von Salvador Dalí (*1904 +1989). In diesem Gemälde sieht die Schauspielerin aus den Dreißigern wie eine Sphinx aus. Ihr leuchtend roter Löwenkörper ist von Knochen und Totenköpfen umgeben. Während das Bild von Shirley Temple als süßer Kinderstar von der breiten Öffentlichkeit geschätzt wurde, stellte Dalí sie als aggressives Monster dar.

Vogel verwendet in ihren Werken auch einen Löwen und Knochen, was Dalís „paranoidendekritischen Methoden“ eine zeitgenössische Note verleiht, in der irrationale Assoziationen präzise hervorgerufen und geformt werden.

Das Unterbewusstsein, Träume und Automatismen

In der Ausstellung ‚Beyond Surrealism‘ sucht Museum Boijmans Van Beuningen hundert Jahre nach dem Aufkommen des Surrealismus nach zeitgenössischen Echos dieser Bewegung in der bildenden Kunst. Das Museum lud sechs Künstlerinnen – Kerstin Brätsch (*1979), Monster Chetwynd (*1973), Laure Prouvost (*1978), Tai Shani (*1976), Emma Talbot (*1969) und Raphaela Vogel (*1988) – ein, um sich von der surrealistischen Kunstsammlung des Rotterdamer Museums inspirieren zu lassen. Im fünften Stock des Depots sind die zeitgenössischen Kunstwerke von surrealistischen Werken aus der Sammlung umgeben, die an welligen, lachsfarbenen Wänden hängen.

Der klassische Surrealismus konzentrierte sich auf das Unterbewusstsein, Träume und Automatismen, inspiriert von Freud. Die Idee war, dass das Unvorhersehbare zu neuen Einsichten und einer neuen Form von Schönheit führen könnte. Neben allen Arten von skulpturalen Kartonarbeiten mit schimmernden Mustern zeigt Kerstin Brätsch eine große Marmorzeichnung, die größtenteils zufällig entstanden ist. Die Leistung erfolgt durch das Gießen von Tinte und Lösungsmitteln in ein Wasserbecken. Das Endergebnis ist voller zitternder Kreise, zwischen denen maskenartige Formen erscheinen.

Monster Chetwynd hat ein Gesamterlebnis geschaffen, in dem die surrealistische Methode der Collage eine wichtige Rolle spielt. Wände und Boden sind mit Skulpturen bedeckt, die von Max Ernsts surrealistischem Collagebuch „Une semaine de bonté ou Les sept éléments capitaux» (1934) inspiriert sind. Für dieses Buch, das ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist, schnitt Ernst Drucke aus Zeitschriften des neunzehnten Jahrhunderts aus, die er zu absurden Kompositionen umordnete. Das surrealistische „cadavre exquis» ist ebenfalls in Chetwynds Installation integriert. Die Teilnehmer fügen abwechselnd eine Zeichnung oder einen Text auf ein Blatt Papier an, ohne zu wissen, was ihre Vorgänger gemacht haben. So entstanden unerwartete Auftritte.

Vier Saisons

Edward James (*1907 +1984), der wohlhabende Dichter, Förderer und Förderer des Surrealismus, ist der Protagonist in Magrittes „La reproduction interdite» (1937). Im Gemälde steht ein Mann vor dem Spiegel, aber dieser spiegelt nicht das Gesicht des Mannes, sondern den Hinterkopf wider. James bildet die Verbindung zwischen mehreren Werken in „Beyond Surrealism“. Er schuf Las Poza, einen paradiesischen Skulpturengarten in Mexiko. Dieser Garten inspirierte Laure Prouvost, eine Installation mit einem verschmutzten See mit sprechenden Pflanzen und springenden Fischen zu schaffen. Ein verwirrendes und lustiges Werk mit Sprache und Bildern, aber auch ein scharfer Kommentar zur aktuellen ökologischen Krise.

James besaß ein Gemälde der surrealistischen Künstlerin Leonora Carrington (*1917 +2011), die sich ebenfalls in Mexiko niedergelassen hatte. Dieses Panel mit halbdurchscheinenden Figuren und Vögeln im Garten inspirierte Emma Talbot dazu, ein Werk mit zwei handbemalten Seidenleinwänden zu schaffen, die frei in anmutigen Wellen im Raum hängen. Das Werk zeigt eine Art magischen Garten mit Texten über unsichtbare Kräfte und Energien, die in der Natur enthalten sind.

Talbot ist überzeugt, dass wir mehr in Harmonie mit der Natur leben müssen. Die beiden Seidentücher symbolisieren die vier Jahreszeiten. Die helle Seite enthält Heilpflanzen, die dunkle Seite beherbergt giftige und halluzinatorische Arten.Talbot verbindet diese mit vier Lebensphasen eines Menschen. Es ist sicherlich besonders, obwohl das Ganze eher an Symbolik als an Surrealismus erinnert. Als Bewegung mag der Surrealismus etwas aus der Vergangenheit sein, aber die meisten Werke in der Ausstellung machen überzeugend deutlich, dass seine Strategien für zeitgenössische Künstler noch immer lebendig und wohlauf sind.

Nähere Informationen: Postadresse Museum Boijmans Van Beuningen, Postfach 2277, NL-3000 CG Rotterdam, Niederlande, Besuchsadresse Depot Boijmans Van Beuningen, Museumpark 24, 3015 CX Rotterdam, Telefon: +31(0)10-4419400, E-Mail:info@boijmans.nl

Skulpturenpark Waldfrieden präsentiert: Rebecca Horn. Emotion in Motion

Mit „Rebecca Horn. Emotion in Motion“ präsentiert der Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal vom 14. März bis zum 30. August eine umfassende Einzelausstellung der 2024 verstorbenen Künstlerin Rebecca Horn (*1944 –+2024).

Die retrospektiv angelegte Schau vereint großformatige Installationen und kinetische Kunstwerke aus vier Jahrzehnten und zeigt in allen Ausstellungshallen sowie in der Villa Waldfrieden das vielseitige, medienübergreifende Schaffen einer der bedeutendsten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Entstanden ist die Ausstellung in enger Zusammenarbeit mit der von Rebecca Horn 2007 in Bad König gegründeten Moontower Foundation, die seit dem Tod der Künstlerin ihren künstlerischen Nachlass verwaltet und betreut. Ihr Stiftungsziel ist es, Künstlerinnen und Künstler zu fördern und das Werk Rebecca Horns lebendig zu halten sowie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Rebecca Horn wurde 1944 in Michelstadt im Odenwald geboren. Die Arbeit an ihren ersten Körperskulpturen, die sie während ihres Studiums an der Hochschule für bildende Künste Hamburg in den 1960er-Jahren als Kunststoffabformungen umsetzte, führten aufgrund der im Verarbeitungsprozess entstandenen giftigen Dämpfe zu einem langen Krankenhausaufenthalt der Künstlerin. Aus dieser Erfahrung der Isolation sind Rebecca Horns „Körperextensionen“ entstanden: Objekte, die den menschlichen Körper erweitern und die Horn in Performances präsentierte.

Die Thematik von Fragilität, Verletzlichkeit und die räumliche Begrenzung menschlicher Existenz ist zum zentralen Gegenstand in Rebecca Horns Werk geworden. Fragen nach physischen und metaphysischen Bedingungen des Menschseins, nach Sehnsucht und Begierde übersetzte sie in kinetische Objekte, Malerei, Grafik, Dichtung, Film, Performance, in Bühnenbilder oder ortsbezogene Installationen. Die Arbeiten ihres sechs Jahrzehnte umfassendes Œuvres sind durch Materialien, Maschinen, Funktionen oder die Wiederverwendung einzelner Objekte miteinander verbunden und werden auf einer symbolischen Ebene vom Austarieren von Materie und Poesie geeint.

Die Ausstellung im Skulpturenpark Waldfrieden zeigt 13 Arbeiten von Rebecca Horn, die zwischen den 1980er- und 2010er-Jahren entstanden sind, darunter großformatige kinetische Skulpturen, die durch ihre Mechanik Klänge erzeugen.

Rebecca Horns Arbeiten sind weltweit ausgestellt worden. 1972 präsentierte sie bei der Documenta 5 erstmals ihre Körperextensionen. Bereits 1993 erhielt sie – als erste weibliche Künstlerin – im New Yorker Guggenheim Museum eine Retrospektive. Horn wurden im Verlauf ihres Schaffens zahlreiche internationale Auszeichnungen und Preise verliehen, darunter zuletzt: Praemium Imperiale for Sculpture (Tokio, 2010), Grande Médaille des Arts Plastiques (Paris, 2011), Orden pour le mérite für Wissenschaften und Künste (Berlin, 2016) und Wilhelm-Lehmbruck-Preis (Duisburg, 2017).

Nähere Informationen: Skulpturenpark Waldfrieden, Hirschstr. 12, 42285 Wuppertal, Telefon +49 (0)202-47898120, E-Mail: mail@skulpturenpark-waldfrieden.de

Nicht nur die Kulturgeschichte von Sexarbeit, aber auch

Ausstellungsprogramm der Bundeskunsthalle Bonn

„Was uns verbindet. Dimensionen sozialer Nachhaltigkeit“ – so lautet das Jahresthema 2026 der Bundeskunsthalle. Damit stellt das Haus nach dem Themenjahr der ökologischen Nachhaltigkeit die soziale Verantwortung ins Zentrum seiner Programmarbeit und fragt, wie Kunst, Bildung, kultureller Austausch und gesellschaftlicher Dialog zu einem für alle gewinnbringenden Miteinander beitragen können.

Das Team der Bundeskunsthalle hat vor Kurzem das Programm für das Jahr 2026 vorgestellt. „Es ist wichtig, als Institution darüber nachzudenken, wie wir als Gesellschaft funktionieren und sich dabei zu fragen, was uns verbindet. Mit dem Jahresprogramm 2026 möchten wir den Blick in die weite Ferne schweifen lassen und genauso in unsere diverse, soziokulturelle Umgebung blicken. Wir schauen in den globalen Süden und beschäftigen uns mit indigenen Welten des Amazonasgebiets, zeigen eine zentrale Figur in der queeren Szene New Yorks der 1970er/80er Jahre, ergründen die Kulturgeschichte von Sexarbeit, rücken die Gedenkkultur zu den NS-Verbrechen in den Fokus und richten den Blick auf zumeist wenig beachtete lateinamerikanische Künstlerinnen. Es geht dabei um Themen wie soziale Interdependenzen, kulturelle Teilhabe und alternative Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens“, erläutert die Intendantin Eva Kraus. „Was uns verbindet. Dimensionen sozialer Nachhaltigkeit“ verortet die Bundeskunsthalle nicht nur in Ausstellungen, sondern in einem ganzen Audit von Vermittlung, Bildung und durch gesellschaftliche Beteiligung. Es soll gelingen, Kunst und Kultur als Plattform für ein soziales Miteinander zu denken.

Das Jahresthema verknüpft dabei immer künstlerische Stimmen und ästhetische Positionen mit den Fragen sozialer Nachhaltigkeit. „Als Prämisse ist dabei die diversitätssensible Öffnung des Hauses ein langfristig strategisch und strukturell angelegtes Ziel der Bundeskunsthalle. Inklusion, Teilhabe und der Zugang des Hauses wie auch die Anteilnahme an gesellschaftsrelevanten Themen sind ein wichtiger Motor für den Dialog und das Miteinander. Die Kulturvermittlung spielt dabei einen essentiellen Part – unterstützt durch die Fokusgruppe, das Gesellschaftsforum und die vielen freien Führungs- und Workshopmitarbeiter werden zahlreiche Formate im kleineren und größeren Maßstab für die Besucher immer neu aufgelegt. Ein explizit für Kinder, Jugendliche und Familien neu kuratiertes partizipatives Programm erwartet die Besucher im Programmjahr 2026“, sagt Eva Kraus weiter.

Das Ausstellungsjahr 2026 beginnt am 27. Februar mit einer Ausstellung über einen der bedeutendsten Fotografen New Yorks, Peter Hujar, der für die Empathie und Wärme seiner Bilder gefeiert wurde, zu Lebzeiten jedoch wenig bekannt war. Hujars Hauptinteresse galt der Porträtfotografie und er fotografierte sich selbst, seine Freunde und Bewohner der queeren New Yorker Downtown-Szene, genauso aber richtete er seine Aufmerksamkeit auch auf Tiere, Architektur und Landschaften. (Peter Hujar. Eyes Open in the Dark, bis 23. August)

Die Ausstellung „Amazônia. Indigene Welten“ gibt vom 13. März bis 9. August den indigenen Völkern des Amazonasgebiets eine Stimme und bietet einen neuen Blick auf diese Region, die oft auf das Klischee einer exotischen, von der heutigen Welt abgekoppelten Gesellschaft reduziert wird. Dabei ist Amazonien ein lebendiges Ganzes aus dichten Netzwerken, interkulturellem Austausch und einer erweiterten Soziabilität zwischen Hunderten von indigenen Völkern. Die Ausstellung mit ihren zirka 400 Exponaten legt einen Schwerpunkt auf die Konzepte von Schöpfung, Gemeinschaft und Zukunftsperspektiven aus der Sicht der Bewohnerinnen und Bewohner.

„Nichts über uns ohne uns!“ – Das Prinzip der folgenden Ausstellung könnte ebenso gut für „Amazônia. Indigene Welten“ gelten, doch charakterisiert es zentral das Projekt Sex Work. Eine Kulturgeschichte der Sexarbeit. Gemeinsam mit einem Kollektiv forschender Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter wurde die ab 2. April laufende Ausstellung konzipiert, die mit Kunst, kulturgeschichtlichen Zeugnissen und Archivmaterial die Sexarbeit in Europa von der Antike bis in die Gegenwart kaleidoskopartig aufblättert. Denn welches Menschenbild die Zeit prägte, welche Werte galten und wer Macht ausübte, lässt sich auch daran ablesen, wie gesellschaftlich mit Sexarbeit umgegangen wurde. (bis 25. Oktober 2026)

Mit den „Interactions 2026“ werden ab 1. Mai wieder ausgewählte Kunstwerke und Performances angeboten, die im Außenraum der Bundeskunsthalle bis zum 1. November zum interaktiven Spiel einladen. Alle Werke bzw. Projekte beinhalten eine eigene Erzählung oder Vision, die es neben der Interaktion zu entdecken gilt. Sie machen deutlich, dass Offenheit sowohl dem individuellen als auch dem gemeinsamen Erleben dient und ein Miteinander, Toleranz und Sensibilität fördert.

Der Kulturherbst wird am 9. Oktober mit einem Thema eröffnet, das dringlicher nicht sein könnte. Wie steht es um die Erinnerungskultur und Gedenkpolitik in Deutschland? In den kommenden Jahren wird es kaum noch Überlebende des Holocaust und andere Opfer des NS-Regimes geben, die über ihre Erlebnisse berichten könnten. Aber sie hinterlassen ihre Zeugnisse in Büchern, Tonaufnahmen, Filmen und eigenen Kunst werken. Die Ausstellung „Nie wieder! Gegen das Vergessen der NS-Verbrechen“ widmet sich der sich verändernden Erinnerungskultur in Bezug auf die Verbrechen des Nationalsozialismus. Die Ausstellung untersucht vor allem mit Mitteln der Kunst und digitaler Medien sowie mit historischen Zeugnissen und Objekten verschiedene Methoden des Gedenkens. (bis 2. Mai 2027)

In den Jahresendspurt geht die Bundeskunsthalle mit einer große Überblicksschau, die erstmals in Europa zentrale Werke von mehr als 60 Künstlerinnen aus Lateinamerika von Mexiko bis Argentinien vereint. „Avant-Guardistas. Lateinamerikanische Künstlerinnen von Frida Kahlo bis heute“ spannt einen großen Bogen über mehr als ein Jahrhundert, der berühmte Künstlerinnen mit solchen vereint, die über die Jahrzehnte in Vergessenheit geraten sind. Die Ausstellung geht vom 4. Dezember bis 29. März 2027 den eigen ständigen künstlerischen Sprachen auch in ihrer Bedeutung für kulturelle Identitäten und Prozesse der (weiblichen) Selbstermächtigung nach.

Wenn die Ausstellungstüren schließen, gehen bei live arts die Scheinwerfer an. Auf dem Programm 2026 stehen dann fünf internationale Produktionen aus Tanz, Theater, Musik und Performance. So lädt Connor Schumacher mit „Physical Therapy – Sober Dance Sessions“ (Physiotherapie Tanzen ohne Rauschmittel) Menschen dazu ein, zentrale Qualitäten der Rave- und Club kultur bewusst zu trainieren, zu reflektieren und weiterzuentwickeln – ganz ohne den Einfluss von Substanzen. Es folgen die international gefeierten und für den Grammy nominierten Musiker Manu Delago (Handpans) und Max ZT (Hackbrett), die sich mit innovativen Arrangements und wunderschönen Kompositionen in ein unerforschtes musikalisches Terrain vorwagen. Performance mit erwünschter Teilnahme präsentieren Hoffmann&Lindholm mit „Hiding Piece“, bei dem das Publikum aufgefordert wird, im Aufführungsraum zu verschwinden, sich unsichtbar zu machen oder in der Position stiller Beobachter zu verharren.

„Studio Bonn“ komplettiert mit Diskussionen einerseits zur ökologischen, andererseits zu den Dimensionen sozialer Nachhaltigkeit das Kunst- und Kulturjahr in der Bundeskunsthalle. Studio Bonn versteht sich als Beitrag zur demokratischen Selbstverständigung über den gemeinsamen Umgang mit Krisen und Konflikten, über gesellschaftliche Veränderungsprozesse und kulturelle Gestaltungspotentiale.

Noch dem Jahresthema 2025 verpflichtet und die Ausstellung „Expedition Weltmeere“ begleitend, wird bei „Gefährdete Schönheit: Wie können wir die Weltmeere besser schützen?“ am 25. Februar über den aktuellen Zustand der Ozeane diskutiert, die den Globus als zusammenhängendes komplexes Ökosystem umspannen. Dem Jahresthema 2026 folgend, fragt „Extremer Reichtum: Wie Vermögensungleichheit den sozialen Zusammenhalt gefährdet“ am 29. April, wie ein gerechter Ausgleich der finanziellen Lastenverteilung, wie ihn beispielsweise Konrad Adenauer schon einmal vollzogen hatte, erneut gelingen kann.

„Digitales Empowerment? Künstliche Intelligenz zwischen Utopie und Dystopie“ am 3. Juli wagt sich an ein weiteres drängendes Thema. Worin liegen die Chancen und Risiken der neuesten Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz und welche Form von Regulierung hilft uns in Europa, technologische Innovationen mit ethischer Orientierung zu verknüpfen?

Begleitend zur Ausstellung „NIE WIEDER! Gegen das Vergessen der NS-Verbrechen“ beschäftigt sich das Panel am 13. November mit den gegenwärtigen Angriffen auf Gedenkstätten wie Buchenwald durch rechtsextreme Gruppen und diskutiert Strategien, wie die Erinnerung an die deutschen Verbrechen des NS-Regimes gerade in Zeiten einer deutschen Remilitarisierung lebendig und wirkmächtig gehalten werden kann.

Neu im Diskursprogramm ist das Europäische Kulturforum Bonn/European Cultural Forum Bonn ECFB. Von nun an bringt einmal pro Jahr das ECFB herausragende Akteure aus Kunst, Kultur, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aus aller Welt in Bonn zusammen, vom 16. bis 19. September. Gemeinsam soll unter dem Leitgedanken globaler wechselseitiger Abhängigkeiten und planetarer Grenzen über aktuelle Herausforderungen unserer Gegenwart und deren kulturelle Dimension diskutiert sowie transnationale Allianzen für eine offene Gesellschaft und demokratische Kultur gestärkt werden.

Die Bundeskunsthalle positioniert sich seit Jahren als Ort inklusiver Kultur, bei dem Vermittlung zur Brücke wird: Programme adressieren vielfältige Besuchergruppen, bauen Barrieren ab und machen Kunst, Kultur und Wissenschaften erfahrbar. Von inklusiven Führungen über barrierefreie Zugänge und Räume bis zu digitalen Angeboten, die auch jüngere Zielgruppen erreichen, wird auf Teilhabe gezielt. Lokale Perspektiven wie das Gesellschaftsforum und Menschen mit unterschiedlichen Zugängen wie beispielsweise durch die Fokusgruppe (Experten für Barrierefreiheit) finden Aufmerksamkeit. Seit 2010 gibt es konkrete Angebote wie Tastführungen, Gebärdensprachführungen und Programme für Menschen mit Demenz; interkulturelle Formate und queere Zugänge ergänzen das Spektrum.

In diesem Jahr stehen mit dem „Ellah-Lab“, einem umfangreichen Familienprogramm und dem kollektiven Jahresabschlussprojekt in der Ostgalerie weitere Highlights an, die das Publikumserlebnis vertiefen und bürgernahe Partizipation stärken. So wird inklusive Vermittlung zu einem integrativen Erlebnis, das Gemeinschaft stärkt.

Auf eine weitere positive Stabilisierung der Besuchszahlen deuten auch die Prognosen für das noch laufende Jahr: Bei geschätzt 375.000 Besuchen bis Ende des Jahres werden eine Vielzahl an Menschen in der Bundeskunsthalle Ausstellungen gesehen, Konzerte gehört, Filme angeschaut oder bei Diskussionen mitdiskutiert haben.

Nähere Informationen: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH Museumsmeile Bonn, Helmut-Kohl-Allee 4, 53113 Bonn, Telefon: +49 228 9171-200, Fax: +49 228 234154, E-Mail: info@bundeskunsthalle.de

Im Museum Ludwig: Yayoi Kusama – 14. März bis 2. August

Im Jahr 2026 widmet das Museum Ludwig in Köln anlässlich seines 50-jährigen Jubiläums der legendären japanischen Künstlerin Yayoi Kusama eine große Ausstellung.

Kusama (*1929, Matsumoto) zählt zu den bekanntesten Künstlerinnen unserer Zeit. Ihre ikonischen Polka Dots, ihre Kürbisskulpturen und ihre verspiegelten Infinity Rooms sind zu einer Art Markenzeichen geworden und tauchen millionenfach in den Sozialen Medien auf. Die Ausstellung nimmt die Besucher mit auf eine spannende Reise durch Kusamas gesamtes Schaffen mit über 300 Arbeiten, von der ersten Zeichnung von zirka 1934 bis heute, und durch eine Vielzahl künstlerischer Medien, wie Malerei, Zeichnung, Skulptur, Installation, Mode, Performance und Literatur.

Über die gesamte Wechselausstellungsfläche des Museum Ludwig hinaus wird die groß angelegte Ausstellung auch weitere Bereiche des Hauses wie die Dachterrasse mit Domblick bespielen. Eine neue, eigens für die Ausstellung konzipierte immersive Rauminstallation mit integriertem Infinity Mirror Room wird den größten Saal des Museums füllen. Darüber hinaus werden frühe ikonische Arbeiten, wie Kusamas erste, 1963 entstandene Installation „Aggregation: One Thousand Boats Show“ zu sehen sein.

Im Zentrum von Kusamas Werk stehen die Natur in ihrem ständigen Wandel, Werden und Vergehen sowie die Unendlichkeit des Universums, in der alles Existierende sich letztlich auflöst. Die Punktemuster (Polka Dots), mit denen die Künstlerin Gegenstände und Menschen überzieht, sind ebenso Ausdruck dieser Weltsicht wie ihre Unendlichkeits-Spiegelräume.

Erlebnisse ihrer Kindheit, darunter Halluzinationen, in denen sie den eigenen Körper und die Umgebung von Punkten, Blüten und anderen Wiederholungsmustern überwuchert wahrnahm, durchziehen Kusamas gesamtes Schaffen. Fragilität und Auslöschung sind gleichermaßen Teil dieser Erfahrungen wie die Teilhabe und Verschmelzung mit einem großen Ganzen. Ihre Kunst ist für Kusama Lebensnotwendigkeit, jedes ihrer Werke auch eine Auseinandersetzung mit sich selbst.

Nach Kindheit und Jugend im ländlichen, patriarchalisch geprägten Japan der Nachkriegszeit entflieht Kusama der Enge und geht in den 1960er Jahren ins New York der Flower Power-Bewegung und des Vietnamkriegs; dort bezieht sie politisch Stellung und macht Schlagzeilen mit provokanten Happenings. 1973 kehrt Kusama nach Japan zurück und verarbeitet ihre existentiellen Ängste in oft schonungslosen Romanen und Gedichten. In ihrem kraftvollen Alterswerk erschafft sie wiederum lebensvolle und farbenprächtige Bilderzyklen.

Ihren roten Faden beschreibt Kusama, wenn sie sagt: „In meinen mehr als siebzig Jahren als Künstlerin habe ich immer Ehrfurcht vor dem Wunder des Lebens gehabt. Mehr als alles andere hat mich dieser starke Sinn für die Lebenskraft im künstlerischen Ausdruck unterstützt und mir Kraft gegeben, Gefühle von Depression, Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit zu überwinden. Ich habe mich von meinem Glauben an diese Kraft leiten lassen.“

Yayoi Kusama wird vom Museum Ludwig in Zusammenarbeit mit der Fondation Beyeler, Riehen/Basel (12. Oktober 2025 – 25. Januar 2026) und dem Stedelijk Museum Amsterdam (12. September 2026 – 17. Januar 2027) organisiert.

In der Kölner Station der Ausstellung werden einige große installative Arbeiten gezeigt, die nicht Teil der Ausstellung in Basel sind, wie Kusamas erste, 1963 entstandene Installation „Aggregation: One Thousand Boats Show“, das Environment „I’m Here but Nothing“ (2000 bis heute), ein in Schwarzlicht getauchter Wohnraum mit zahllosen fluoreszierenden Klebepunkten und die imposanten bunt bemalten Bronze-Blumen „Flowers“, die auf der Dachterrasse des Museum Ludwig installiert werden.

Nähere Informationen: Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln, Telefon: +49-221-221-26165, E-Mail: infomuseum-ludwig.de. Das Museum ist Dienstag bis Sonntag (inkl. Feiertage) jeweils von 10 bis 18 Uhr und jeden ersten Donnerstag im Monat von 10 bis 22 Uhr geöffnet.

Robert Smithson-Ausstellung bis zum 19. April im Josef Albers Museum

Das Josef Albers Museum ist dankbar dafür, dass der Großteil der Leihgebern einer zweimonatigen Verlängerung zugestimmt hat und es die herausragenden Exponate in dieser besonderen Ausstellung weiterhin zeigen kann.

Der US-amerikanische Künstler Robert Smithson (*1938 +1973) hat in den 1970er Jahren maßgeblich den Begriff der Earth Art geprägt. Seine Skulpturen und Installationen befassen sich mit den geologischen Gegebenheiten eines Ortes, dem Zusammenspiel von Mensch und Natur, Industrie und Umwelt. Dabei hat Smithson einige seiner bedeutendsten Werke in Europa realisiert: So besuchte er 1968/69 gemeinsam mit dem Fotografen Bernd Becher und dem Galeristen Konrad Fischer das Gelände der Gutehoffnungshütte in Oberhausen, um Schlacke für seine Werke zu sammeln. Unweit des historischen Ortes, zwischen Kohle und Sandgruben, ist Bottrop als ehemalige Bergbau- und Industriestadt der ideale Rahmen für diese Präsentation.

Der Dialog zwischen Smithsons Kunstwerken und Fundstücken aus der Sammlung der Ur- und Ortsgeschichte ist zudem ein wunderbarer Übergang in das Jubiläumsjahr des Museumszentrum Quadrat, das seit nunmehr 50 Jahren als Zweispartenhaus existiert und sowohl in der Kunst als auch im naturkundlichen Bereich über Sammlungen von internationaler Strahlkraft verfügt.

Am Samstag, 7. Februar, bietet das Josef Albers-Museum eine Busreise nach Emmen in den Niederlanden an. Dort ist seit 1971 das einzige, in Europa realisierte Reclamation-Projekt „Broken Circle/Spiral Hill“ (1971) von Robert Smithson zu erkunden.
Und am Sonntag, 14. Juni, wird das 50-jährige Bestehens des Museumszentrum Quadrat gefeiert.

Nähere Informationen: Museumszentrum Quadrat, Josef Albers Museum, Museum für Ur- und Ortsgeschichte, Anni-Albers-Platz 1, 46236 Bottrop, Telefon: 02041 – 37 20 30, Internet: www.quadrat-bottrop.de, Instagram: @museumquadrat. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr, Donnerstag 11 bis 19 Uhr.

Verführer, die täuschen – Magali Reus im Museum Beelden aan Zee – Rezension von Eda Dijksterhuis

In den Händen von Magali Reus bekommen alltägliche Gegenstände eine andere Bedeutung und sogar eine andere Persönlichkeit. Im Museum Beelden aan Zee wirft die Bildhauerin ein surrealistisches Licht auf Scheveningen.

Vier Kapseln einer Zahnpastatube, die Rückseite eines Ohrrings, ein Kamm mit unregelmäßigen Zähnen. In den Bildern von Magali Reus (*1981) gibt es viel Wiedererkennbarkeit. Und doch sind diese alltäglichen Dinge nicht leicht zu verstehen, so losgelöst sind sie von ihrem üblichen Kontext. Wer erwartet schon eine Mausefalle in einer offenen Sardinendose? Oder bekommt man kein unangenehmes Gefühl bei dem hellblauen Farbton der Form, die eine Niere oder eine riesige Bohne darstellt?

„Ungehorsame Objekte, die ein anderes Bild von sich selbst zeigen“, nennt die Künstlerin selbst ihr Werk in der Ausstellungsbroschüre. Man kann die Skulpturen auch als ‚Verführer, die täuschen‘ bezeichnen. Weil sie den Zuschauer ständig auf die falsche Spur bringen. Dabei reagiert Reus auf die menschliche Neigung, in allem etwas zu sehen: ein Gesicht in einer Augenhöhle oder einen Oktopus in einem Kleiderhaken. Der Bildhauer verbindet diese assoziative Fähigkeit mit einem technisch perfekten Finish und einer surrealen Neigung, was zu einem Seherlebnis führt, das zugleich ästhetisch befriedigend und kognitiv verwirrend ist. Es sind schöne, aber leicht verstörende Bilder.

Fishy business

Reus ist eine Sammlerin unter den Bildhauern. Wie die Zeitgenossen David Jablonowski (*1982) und Ruta Butkute (*1984) beginnt sie nicht mit einem formlosen Stück Ton oder einem Steinblock, sondern stapelt bestehende Objekte, die bereits eine Anwendung und Bedeutung haben. Sie sind jedoch so geneigt, dass Form und Funktion teilweise getrennt sind und man sie betrachtet, als würde man sie zum ersten Mal sehen. So schön kann eine Zahnpastakappe sein!

Seit ihrer Ausbildung an der Rijksakademie (2013–2014) und dem Gewinn des renommierten Prix de Rome 2015 werden Reus‘ Werke regelmäßig gezeigt – insbesondere in der Galerie Fons Welters, die im vergangenen Jahr geschlossen wurde. Doch „Tales and Reals“ im Museum Beelden aan Zee ist – nach „Mussard“ (2016) im Stedelijk Museum Amsterdam – ihr zweiter Museums-Solo-Auftritt. Und was für ein passender Ort für ein solches Debüt. Reus wurde in der Nähe in Scheveningen geboren und wuchs dort auf. Für die drei Werkserien, die sie derzeit zeigt, kehrt sie zur Landschaft ihrer Jugend zurück: Meer, Hafen, Boulevard, Industrie und Tourismus. Aber vor allem: fischige Angelegenheiten.

Zum Beispiel besteht die „Merlin-Serie“aus Sardinendosen mit unerwartetem Inhalt. „Streamers“ist der Titel der Fischgräten, die aussehen, als wären sie mit Puderzucker bestäubt und auf eine Bühne in Form eines Kanalschachts gelegt worden wie umgestürzte Weihnachtsbäume. Und „Rig“ ist eine Reihe von Hooks mit allem von einem abstrahierten Schläger, Supermarktetiketten und Knochen bis hin zu den bereits erwähnten Zahnpastakappen. Sie sind extrem vergrößerte Blinker, die Art von Köder, mit der Angler hoffen, Hecht, Barsch und Forelle zu fangen.

Die frühen Arbeiten der perfektionistischen Künstlerin Reus waren recht bescheiden. Dann begann sie, größer und barocker zu arbeiten. Und jetzt ist sie wieder kompakt und nüchtern. Die Werke sind Wohnzimmergröße, was in der monumentalen Ehrenhalle von Beelden aan Zee gewagt ist. Mit einer einfachen, aber effektiven Intervention bleibt alles mühelos. Mit wenigen Wänden wurden ein Innen- und ein Außenbereich geschaffen. Das „Innere“ ist gefüllt mit den „häuslicheren“ Arbeiten, den Dosen und Fischgräten. An der Wand rundherum hängen die Haken in Gefechtsordnung und nutzen die Schraubenlöcher im Beton gut. Die codeartigen Titel sind in derselben Schriftart, die man auch auf Schiffscontainern etwas weiter unten im Hafen findet.Solche Details gehören für Reus dazu. Bis hin zum Informationsblatt, das aussieht wie die VVV-Karten, die man in Badeorten findet. Alles ist richtig und perfekt fertig. Stahl wird lasergeschnitten, perforiert, gewalzt, geschweißt und pulverbeschichtet. Polyester wird besprüht, geschliffen und gewachst. Und Sperrholz geformt und eingelegt.Mit so viel perfektionistischer Handarbeit kann es leicht zu weit gehen und einfach zu schön werden. Doch Reus‘ Werk ist buchstäblich und im übertragenen Sinne mit einem scharfen Hook ausgestattet, der den Blick hängen lässt. Dadurch kann Entfremdung wirken, Details offenbaren sich, und als Betrachter beginnt man, über Konsum, unsere Beziehung zum Meer und unsere Beziehung zu alltäglichen Dingen nachzudenken, die wir eigentlich nicht richtig betrachten.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 3. Mai.

Nähere Informationen: Museum Beelden aan Zee Harteveltstraat 1, 2586 EL Den Haag, Niederlande, Telefon: 070 – 358 58 57, E-Mail: info@beeldenaanzee.nl

Frühjahrsprogramm des Von der Heydt-Museums

Anfang Februar gibt es die letzten Chancen, im Von der Heydt-Museum in Wuppertal drei derzeitigen Wechselausstellungen zur Skulptur zu sehen: „Markus Karstieß. Freundschaftsanfrage No. 3“, „Dieter Krieg-Preis: Jaana Caspary“ und „Guido Jendritzko zum 100. Geburtstag“ laufen bis 8. Februar. Danach wird für die nächste große Schau umgebaut: Carl Grossberg, die am 22. März eröffnet – ein Highlight der Kunst der Neuen Sachlichkeit.

Symposium zur Ausstellung „Guido Jendritzko zum 100. Geburtstag“

Freitag, 6. Februar, 15 bis 18 Uhr – Vorträge und Diskussion zur Kunstszene in Wuppertal 1965–1980, Moderation Dr. Beate Eickhoff

Vom Bildhauer zum Konzeptkünstler: Das Von der Heydt-Museum Wuppertal, Turmhof 8, ehrt Guido Jendritzko (1925 Kirchhain/Niederlausitz – 2009 Wuppertal) anlässlich seines 100. Geburtstags bis 8. Februar mit einer Ausstellung „Guido Jendritzko: Zum 100. Geburtstag“. Dazu veranstaltet das Von der Heydt-Museum ein Symposium zur Finissage der Ausstellung. Ausgehend vom Werk Guido Jendritzkos wird die Kunstszene der 1960er und 1970er Jahre in Wuppertal thematisiert. Ein Fokus liegt auf der Werkkunstschule als Ursprungsort einer multidisziplinären Avantgarde mit internationaler Strahlkraft.

Keynotes:

„Zur Geschichte der Wuppertaler Werkkunstschule im europäischen Kontext” von Prof. Dr.-Ing. Christoph Grafe, Professor Architekturgeschichte und -theorie, Bergische Universität Wuppertal

„Die Wandlung des Kunstbegriffs am Beispiel der Werkentwicklung Guido Jendritzkos” von Dr. Beate Eickhoff, Von der Heydt-Museum

„Wuppertal als Spielraum für Ideen” von Dr. Sarah Czirr und Prof. Dr. Jürgen Wiener, Institut für Kunstgeschichte, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf

Öffentliche Führungen

„Museum A bis Z. Von Anfang bis Zukunft“
Samstag, 7. Februar, 13 Uhr

„Zeiten und Räume. Klassiker der Sammlung. Ruisdael bis Giacometti“
Sonntag, 8. Februar, 15.30 Uhr

Kombiführung durch die Sammlungen
„Museum A– Z“ und „Zeiten und Räume“
Sonntag, 15. Februar, 14 Uhr

Zum WSW-Kunstabend: „Happy Hour in der Sammlung“
Donnerstag, 19. Februar, 18 Uhr
(Freier Eintritt in die Sammlung ab 17 bis 20 Uhr)

Kostenlose Führung durch die Bibliothek
Donnerstag, 26. Februar, 16.30 Uhr

Themenführungen am Mittwoch:

Paula Modersohn-Becker zum150. Geburtstag, 4. Februar, 11.15 Uhr. Mit Dr. Anna Storm

Hans von Marées und die moderne Kunst, 18. Februar, 11.15 Uhr. Mit Petra Mecklenbrauck

Kuratorenführungen:

„Zeiten und Räume. Klassiker der Sammlung“, Dienstag, 24. Februar, 16.30 Uhr. Mit Dr. Anna Storm

Digitale Führung:

Digitaler Kunstabend: ein Haus – eine Stunde, Mittwoch, 4. Februar, 19 Uhr. An jeweils einem Mittwoch des Monats beleuchtet Karolina Bürger neue Aspekte der aktuellen Ausstellungen und gibt wissenswerte Informationen zur Geschichte des Museums und der Sammlung. Thema: Happy Birthday Paula Modersohn-Becker. Der Zoom-Link wird nach vorheriger Anmeldung im Online-Shop verschickt.

Weitere Führungen und Angebote:

Führungen für sehbehinderte und blinde Menschen sowie Begleitpersonen
Freitag, 27. Februar, ab 15 – 16.30 Uhr. Ausführliche Bildbeschreibungen und Tastmodelle machen Werke der Ausstellungen »Zeiten und Räume« und »Carl Grossberg« erfahrbar. Individuelle Gruppenführung zum Wunschtermin buchbar. Mit Julia Dürbeck.

Private Führungen:

Führungen für Gruppen bis zu 20 Personen können zu allen Ausstellungen gebucht werden.

Buchung per Email an buchungen.vdhm@stadt.wuppertal.de oder telefonisch unter 0202 / 563-6397 oder online. Kosten: 80 Euro für 60 Minuten oder 120 Euro für 90 Minuten zuzüglich Eintritt.

Kataloge unserer Ausstellungen im Shop

Zur Ausstellung „Markus Karstieß. Freundschaftsanfrage No. 3“ gibt es nicht nur den Katalog für für 12 Euro im Online-Shop, sondern auch das neue Künstlerbuch für 39 Euro. Die umfangreiche, vom Künstler selbst konzipierte Publikation zeigt seine Ausstellung im Von der Heydt-Museum (Laufzeit: 11. Oktober 2025 – 8. Februar 2026) in zahlreichen Installations- und Detailansichten und macht so ihren einzigartigen Ansatz erlebbar. Bisher unveröffentlichte Zeichnungen aus Skizzenheften des Künstlers geben zudem einen Einblick in die Genese des Projekts. Ein dialogischer Text von Dr. Doris Krystof, Kuratorin an der Kunstsammlung NRW, und Dr. Linda Walther, Direktorin des Josef Albers Museum Quadrat Bottrop, führt in das Werk von Markus Karstieß ein. Das Buch wurde gestaltet von Adeline Morlon und umfasst 128 Seiten.

Mit dem Smartphone durch die AusstellungenMultimedia-Guide

Der Multimedia Guide bietet den Besuchenden die Möglichkeit online geführter Touren durch alle Ausstellungen. Die Kuratoren stellen ausgewählte Werke mit erhellenden Informationen vor. Die Infos helfen beim Verständnis und laden zur Auseinandersetzung ein. Auf der virtuellen Tour ist es außerdem möglich, Lieblingswerke der Ausstellung in die Merkliste aufzunehmen. Diese persönlichen Highlights werden gespeichert und man kann immer wieder darauf zugreifen: https://guide.von-der-heydt-museum.de/

Eine Besonderheit gibt es bei der Ausstellung „Zeiten und Räume“: Der Audioguide wurde von den Schauspielern Ann-Kathrin Kramer und Harald Krassnitzer eingesprochen. Außerdem gibt es zu dieser Sammlungspräsentation, die die Highlights versammelt, einen Multimedia-Guide in türkischer Sprache, den man zu Hause oder beim Museumsbesuch konsultieren kann und durch den man Infos zu ausgewählten Werken bekommt.

Es empfiehlt sich, für den Museumsbesuch eigene Kopfhörer mitzunehmen, damit man sich die Texte direkt vor den Kunstwerken anhören kann.

Museumsblog

Der Museumsblog öffnet ein digitales Fenster hinter die Kulissen: Das Von der Heydt-Museum stellt ausgewählte Kunstwerke vor, veröffentlichen Interviews zu aktuellen Ausstellungen und geben Einblicke in die tägliche Museumsarbeit. Von wissenschaftlichen Erkenntnissen über Provenienzforschung bis zu praktischen Erfahrungen aus Praktika und Vermittlungsformaten – der Blog beleuchtet die vielfältigen Facetten des Museums.

Sammlung digital

Zum Bestand der Sammlung des Von der Heydt-Museums gehören rund 2100 Gemälde, 500 Skulpturen und 30.000 grafische Blätter. Seit drei Jahren arbeitet ein Team des Museums an der Digitalisierung und wir freuen uns, Ihnen mit einer Auswahl von etwa 800 Werken einen ersten digitalen Einblick in die Bestände des Museums anbieten zu können.

Der Fokus liegt zunächst auf den Hauptwerken der Gemäldesammlung und einer kleinen Auswahl an repräsentativen Plastiken, Grafiken und Fotografien. Die Werke werden mit Kerndaten, Abbildung und Infos angezeigt. Außerdem wird angegeben, ob ein Werk derzeit ausgestellt ist. Die Sammlung digital wird nun sukzessive wachsen und soll perspektivisch die kompletten Sammlungsbestände des Museums online abbilden.

Die digitale Sammlung finden Interessierte über die Website des Museums auf sammlung.von-der-heydt-museum.de/. Dort kann gestöbert oder gezielt nach Sammlungsschwerpunkten gesucht werden.

Nähere Informationen: Von der Heydt-Museum, Turmhof 8, 42103 Wuppertal, Telefon 0202 5636231 und E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de. Geöffnet ist das Museum am Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, am Donnerstag von 11 bis 20 Uhr. Da das zweite Obergeschoss wegen Umbauarbeiten geschlossen ist, gibt es einen ermäßigten Eintrittspreis.

Kreative sind Störenfriede

Nachklang zur Veranstaltung Lesung & Talk mit Jean-Remy von Matt im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg

Jean-Remy von Matt begeisterte gestern Abend über 170 Gäste im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg und las sechs Passagen aus seinem neuen Buch „Am Ende, von dem er selbst sagt, dass es mit zunehmendem Lesen immer langweiliger wird. „Kreativität muss der erwarteten Ordnung widersprechen – Kreative sind Störenfriede, aber eben sehr wertvolle Störenfriede, denn ohne sie bliebe alles beim Alten.“ Mit dieser Aussage setzte er das erste Statement des Abends, ließ es aber nicht das letzte sein. Faszinierende Geschichten aus seinem Leben folgten und haben den Weg seiner Karriere zwischen Eitelkeit und Bescheidenheit eindrucksvoll beschrieben.

Fragen von Walter Smerling, Direktor des MKM Museum Küppersmühle, nach dem Ausmaß seines Selbstwertgefühls, das an einer guten Headline hängt lösten sich ab durch Schilderungen, die seinen aktuellen Alltag als Konzeptkünstler darstellten. Jean-Remy von Matt und Walter Smerling lieferten sich ein unterhaltsames Gespräch, antworteten prompt sowie unerwartet und zogen so das begeisterte Publikum in ihren Bann. Auf die Frage, ob man Kreativität erlernen könne, entgegnete von Matt, „dass wir kreativ geboren werden und uns die Kreativität eher abtrainiert wird nach der Kindheit, also durch den Ernst des Lebens, durch die Schule und manchmal auch durch die Verantwortung, die man übernimmt. Kreativität geht zumeist verloren, wenn wir ein vernünftiges, systemrelevantes Mitglied der Gesellschaft werden, denn Kreativität ist nicht nur Ungehorsam, sondern auch oft Unvernunft.“ Einen Ausblick in die Zukunft wagt er mit der Aussage, dass „KI nie genau so kreativ sein kann wie ein Mensch.“ Er führt aus: „Ich glaube, da KI sich nur aus Daten der Vergangenheit ernährt, fehlt ihr etwas, was für Kreativität sehr wichtig ist, nämlich der Blick nach vorne, also die Fantasie. Das ist auch etwas, was nicht jeder Mensch kann, nämlich die Fantasie über die Vernunft zu setzen. Und darum, glaube ich, dass man Kreativität bis zu einem gewissen Grad auch trainieren und lernen kann, der High-End-Bereich von Kreativität aber nur einer bestimmten Art von Geistern offensteht. Deswegen ist es ja so wichtig, dass wir Kunst anschauen, immer wieder. Denn sie provoziert uns das aus den Bildern herauszuholen, was darin steckt.“ Somit liefert er auch gleich die passende Begründung, warum die Lesung seines aktuellen Buchs in einem Museum für Moderne Kunst stattfindet. Auf die abschließende Frage von Walter Smerling nach einem Wunsch von Jean-Remy von Matt, der noch auf seine Erfüllung wartet, entgegnete er „als ‚junger‘ Konzeptkünstler nicht belächelt zu werden“, eine Maßnahme, die da helfen würde, sei „eine Ausstellung in der Küppersmühle“.

Ob es also schon bald zu einem erneuten Wiedersehen im MKM kommt, bleibt spannend. Ein unterhaltsamer Abend mit kreativen Denkanstößen, neuen Erkenntnissen und viel guter Laune.

Biografie

Jean-Remy von Matt wurde 1952 in Brüssel geboren, wuchs in Zürich auf und lebt seit 1975 in Deutschland, heute in Berlin. Er verbrachte fast fünf Jahrzehnte als Kreativer in verschiedenen Werbeagenturen. 1991 gründete er mit seinem Partner, Holger Jung, die Agentur Jung von Matt, die bald zu deiner der größten unabhängigen Agenturen in Europa wurde. Ihre Agentur galt jahrzehntelang als die kreativste Deutschlands und war mehrfach „unabhängige Agentur des Jahres“ bei den Cannes Lions. Im Jahr 2020 begann er, sich mit konzeptioneller Kunst zu beschäftigen. Bald hatte er seien ersten Ausstellungen in Museen und Galerien. Seine bis heute bekanntesten Arbeiten, die in zahlreichen Publikationen besprochen wurden, sind seine Lebenszeit-Installationen, mit denen er unsere Vergänglichkeit sichtbar und damit bewusst macht. Bereits 2002 entwickelte Jean-Remy von Matt für sich eine Lebenszeituhr. Im Jahr 2022 präsentierte er dann seine erste Lebenszeitskulptur Carpe Vitam Clock. Als kreativer Kopf fasziniert ihn die gestaltbare Zukunft viel mehr als die bereits abgeschlossene Vergangenheit. Unsere Lebenserwartung ist eines seiner Lieblingsthemen. Die über 400 Werke der Ausstellung „passage“ aus verschiedenen Jahrzehnten und Werkgruppen bilden eine Passage durch das künstlerische Universum von Susan Hefuna. Sie bedient sich in ihren Ausdrucksformen eines breiten Spektrums von Medien, das von der Zeitung, Skulptur und Installation bis hin zu Video, Fotografie und Performance reicht.

Nähere Informationen: Museum für moderne Kunst Küppersmühle, Philosophenweg 55, 47051 Duisburg, Telefon 0203 30194811, E- Mails: kasse@museum-kueppersmuehle.de (für Kasse und Information), buchung@museum-kueppersmuehle.de (für Buchung von Führungen und Workshops) und office@museum-kueppersmuehle.de (für Stornierungen und Fragen zu Tickets), Internet: www.museum-kueppersmuehle.de. Geöffnet ist von Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr.