Ausstellungen im Rijksmuseum Amsterdam

Ein kurzer Überblick:

Metamorphosen

Leidenschaft, Verlangen, Lust, Eifersucht, List und Täuschung. Selten hat ein antiker Text so viele Künstler inspiriert wie Ovids Metamorphosen. In der großen Frühjahrsausstellung „Metamorphosen“ konkurrieren Künstler wie Tizian, Correggio, Cellini, Caravaggio, Rubens, Rodin, Brancusi, Magritte und Bourgeois in ihrer künstlerischen Vorstellungskraft mit einem der größten Dichter der klassischen Antike. Mehr als 80 Meisterwerke kommen aus Museen und Sammlungen weltweit zusammen. Die außergewöhnliche Ausstellung „Metamorphosen“ entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Galleria Borghese in Rom und ist vom 6. Februar bis 25. Mai im Rijksmuseum Amsterdam zu sehen. Anschließend wird die Ausstellung in einer anderen Zusammenstellung vom 22. Juni bis 20. September in der Galleria Borghese gezeigt. Metamorphosen im Rijksmuseum werden teilweise durch die Bennink Stiftung, den Rijksmuseum International Circle und Rijksmuseum Patterns ermöglicht.

Fake! – Historische Fotocollagen und Fotomontagen

In einer Zeit, in der KI immer klüger wird, fragen Sie sich vielleicht: Wann ist ein Foto gefälscht oder echt? Aber wussten Sie, dass Bilder von Anfang an überraschend leicht zu manipulieren waren? In der Ausstellung „FAKE!“, die ebenfalls vom 6. Februar bis zum 25. Mai zu sehen ist, kann das Publikum 50 historische Bilder aus der eigenen Sammlung, die kreative und irreführende Illusionen darstellen.

Ab 1860 begannen Fotografen, mit Fotocollagen und Fotomontagen zu experimentieren, indem sie Fotos schnitten, einklebten und zeichneten. In der Ausstellung kann man sehen, wie sich diese kreativen Techniken bis 1940 entwickelten. Mit einfachen Materialien wie Schere, Klebstoff, Tinte und Bleistift erschufen sie Bilder, die lustig, seltsam oder völlig unmöglich waren. Digitale Werkzeuge wie Photoshop existierten damals noch nicht, alles wurde von Hand erstellt. Manche Fotomontagen zeigen sofort, dass sie Fantasie sind, aber manchmal entdeckt man erst nach genauem Hinsehen, dass sie ausgeschnitten und eingefügt wurden.

Eine Fotocollage und eine Fotomontage mögen auf den ersten Blick gleich erscheinen, aber wissen Sie, worin der Unterschied besteht? In einer Fotocollage werden die Bilder ausgeschnitten und zu einem Ganzen eingefügt, und eine Fotomontage entsteht, wenn mehrere Fotos zu einem Bild zusammengeführt, dann erneut fotografiert und gedruckt werden.

100 Jahre Herrenmode, 1750 bis 1850

Gestreifter Samt, florale Stickereien und reiche Seidenstoffe: Die Präsentation Suit Yourself, die noch bis zum 15. März zu sehen ist, zeigt, wie Männer in den Niederlanden im 18. und 19. Jahrhundert extrovertierte Kleidung zur Schau stellten. Während der Makkaroni-Periode in den 1750er bis 1770er Jahren blühte dieser auffällige Stil mit viel Farbe und kontrastierenden Stoffen auf. Im 19. Jahrhundert änderte sich dieser Stil unter dem Einfluss der Industrialisierung, die die Verfügbarkeit von Stoffen und Konfektionskleidung erhöhte. Ein Höhepunkt der Präsentation ist ein Galamantel mit viertausend Strasssteinen, die bei jeder Bewegung im Kerzenlicht funkelten.

Über das Rijksmuseum Amsterdam

Die schönsten Meisterwerke und aufregendsten Geschichten finden sich im Rijksmuseum Amsterdam. In 80 Räumen erzählen 8.000 Schätze die Geschichte von 800 Jahren niederländischer Kunst und Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. In der Ehrengalerie befinden sich die großen Maler des 16. Jahrhunderts von Johannes Vermeer über Frans Hals bis Jan Steen; und die weltberühmte Nachtwache von Rembrandt van Rijn ist natürlich auch dabei.

Nähere Informationen: Rijksmuseum Amsterdam, Museumstraat 1, Telefonnummer: +31206747000, E-Mail: info@rijksmuseum.nl, Internet: www.rijksmuseum.nl

Headlines, Fakenews, Nius, von Storch, Martin Huber und Markus Lanz und was das alles miteinander zu tun hat

Dass die Diskussionskultur, wenn es um Politik geht, ein sehr geringes Maß an Niveau aufweist, ist nichts Neues. Als Paradebeispiele und Ursache für manchmal auch unversöhnliche Gespräche sind an vorderster Stelle der Angriffskrieg der Russen gegen die Ukraine und der Konflikt im Gazastreifen zu nennen. Informiert durch Headlines und gegebenenfalls noch einer Unterzeile aus den „Sozialen Medien“ fühlen sich viele berufen, ihre oft unausgegorene und mit wenig Faktenwissen belegte Meinung zu äußern – Instagram, Facebook und Co. machen es ja möglich. So wird zumindest geglaubt.

Was da an Äußerungen getätigt werden, sind diese so absurd, dass sie einen fassungslos machen können. So wird im Falle des Angriffskrieges der Russen gegen die Ukraine das Opfer zum Täter gemacht. Es wird behauptet, dass Putin die russische Minderheit in der Ukraine schützen wolle, dass das westliche Verteidigungsbündnis NATO schuld habe, weil es so viele ehemalige Ostblockländer aufgenommen habe, dass das Existenzrecht der Ukraine als eigenständiges Land nicht gegeben sei und dass die Ukraine so stark von faschistisch orientierten Kräften durchsetzt sei, dass Putin gar nicht mehr anders konnte, als diesen wehrhaft gegenüberzutreten.

Vergessen wird, dass Putin seit seinem Amtsantritt als Präsident immer wieder Kriege begonnen hat – gegen Tschetschenien und gegen Georgien und schon seit 2014 gegen die Ukraine. Nicht zu vergessen sind die von Putin installierten künstlichen Gebilde wie Transnistrien auf dem Gebiet der Republik Moldau sowie Abchasien und Ossetien auf dem Gebiet Georgiens. Und mehr als glaubwürdig belegt ist, dass Putin und die mit ihm verbündeten Oligarchen eine Kleptokratie geschaffen haben, die ausschließlich dem eigenen materiellen Vorteil dient. Mit dabei sind natürlich auch die üblichen Verdächtigen wie das Militär und der Geheimdienst.

Ähnlich Lügenhaftes wird auch über den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern verbreitet. Extreme Kreise stellen das Existenzrecht Israels als Staat in Frage, manche glauben, dass die Hamas eine Freiheitsorganisation der Palästinenser sei und dass deren Anschlag auf die israelische Zivilbevölkerung im Jahre 2023 mit über 1000 Toten ein Akt des Widerstandes war.

Aber auch in diesem Fall machen es sich viele zu einfach. Anstatt sich über die komplexe politische Situation im Nahen Osten kundig zu machen, reichen den meisten headlines, um sich als versierte Kenner zu gerieren. Wer aber wirklich etwas Substanzielles zu diesem Thema beitragen möchte, sollte sich ausführlich damit beschäftigen. Und da bedarf es vieler geschichtlicher Kenntnisse, deren Ursprünge schon Tausende von Jahren zurückliegen.

Dass die politische Diskussionskultur aber nicht nur in alltäglichen Gesprächen so ein geringes Niveau aufweist, sondern auch in Kreisen, die es besser wissen sollten, ist um so verheerender. Deutliche Belege dafür gab es in der vergangenen Woche am Mittwoch und Donnerstag bei Markus Lanz.

Am Mittwoch unter anderem zu Gast war Beatrix von Storch von der AfD, die zunächst nachplapperte, was der amerikanische Vizepräsident J. D. Vance schon einmal auf der Münchener Sicherheitskonferenz herausposaunt hatte: dass die Meinungsfreiheit in Europa gefährdet sei. Dass ein führender Vertreter der amerikanischen Regierung ohne jegliche Kenntnisse solch einen Unsinn redet, ist angesichts des Umgangs von Trump & Co. mit kritischen Journalisten mehr als unsäglich. Dass eine Politikerin wie von Storch, die dazu noch bei Markus Lanz eingeladen war und ihre Meinung äußern durfte, den gleichen Quatsch erzählt, ist unerträglich.

Damit nicht genug behauptete sie auch, dass der Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, Daniel Günther, in einer früheren Sendung von Markus Lanz die Einschränkung der Pressefreiheit gefordert hätte. Doch damit kam sie bei Markus Lanz nicht durch. Wie er belegen konnte, wurden die Äußerungen von Daniel Günther vom Sender Nius des ehemaligen Bild-Chefredakteurs Julian Reichelt so zusammengeschnitten, dass ein falscher Eindruck entstanden war. Im Original hatte Günther sich ausschließlich für ein Verbot sozialer Medien für Jugendliche bis 16 Jahren ausgesprochen, wie es von der australischen Regierung vor kurzem beschlossen wurde – nicht für ein Verbot ihm missliebiger Presseorgane.

Dass es übrigens überzeugende Argumente für dieses Verbot gibt, belegt unter anderem ein mit der Überschrift „Digitales Heroin“ betitelter und im Spiegel erschienener Leitartikel, in dem folgender Satz zu lesen ist: „Im Jahr 2021 enthüllte die ehemalige Facebook-Datenspezialistin Frances Haugen, wie genau das Unternehmen über den schädlichen Einfluss sozialer Medien Bescheid wusste. Laut einer internen Befragung sagten 32 Prozent der weiblichen Teenager dass sich ihr Körpergefühl weiter verschlechtert habe, nachdem sie auf Instagram gewesen waren. 13 Prozent der befragten Jugendlichen in Großbritannien gaben an, dass ihre Suizidgedanken mit der Nutzung von Instagram begonnen hätten.

Angesichts der politischen Haltung von von Storch und ihrer Partei könnte natürlich gesagt werden, dass von ihr nichts anderes als das Nachplappern rechtspopulistischer Inhalte auf einem rechtspopulistischen Sender zu erwarten gewesen wäre.

Doch dass auch Politiker der traditionellen Parteien solche Lügen wie die über Daniel Günther verbreiten, ist dafür umso verwerflicher. Passiert ist das am vergangenen Donnerstag. Unter anderem zu Gast war der Generalsekretär der CSU, Martin Huber, der genau den gleichen Unsinn erzählte, wie es von Storch getan hatte. Auch er wurde eines Besseren belehrt. Aber nicht nur in diesem Fall war er von jeglichen Kenntnissen befreit. Das Gleiche galt für die in der Sendung thematisierte Neuregelung der Erbschaftssteuer, von der er auch nicht viel zu verstehen schien.

Armes Deutschland, das von solchen Politikern vertreten wird.

P.s.: Nicht nur bei Markus Lanz wurden geistige Lücken offenbart. Das passierte auch bei der Sendung von Dieter Nuhr, in der die Kabarettistin Simone Solga dem Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins, Daniel Günther, ebenfalls eine Neigung zur Pressezensur attestierte.

Ausstellungen und mehr auf Schloss Moyland

Das ist ja überhaupt alles sehr beweglich.“ Joseph Beuys & Fluxus noch bis 15. Februar

Konzept, Aktion, Musik, Poesie, Sprache und wissenschaftsbasierte Ansätze anstelle von traditionellem Tafelbild und Skulptur: Der erweiterte Kunstbegriff der intermedialen Fluxus-Bewegung bildet die Basis des Erweiterten Kunstbegriffs von Joseph Beuys.

Das Fluxus-Kollektiv hatte als supranationales Netzwerk ab 1962 jede herkömmliche Form akademischer und institutioneller Verfestigung verflüssigt und die Rezipient:innen als freie, selbstbestimmte, schöpferische Individuen ins Zentrum gesetzt. Für Beuys bedeutete der frühe Kontakt zu der unorthodoxen intellektuellen Gruppe Befreiung aus der „ästhetischen Zwangsjacke“, interdisziplinäre Kommunikation, Eintritt in den öffentlichen, gesellschaftlichen und politischen Raum. Beuys wurde zu Beuys erst durch Fluxus.

In den Jahren 1962–1964 ereignete sich der entscheidende Umschlag im Werk des Künstlers, der bis dahin als Bildhauer und Zeichner gearbeitet hatte: In Bezug auf die Wahl seiner Medien (Aktionen, später Multiples), Materialien und Methoden, zu denen auch sein offensiver Umgang mit den Medien zählte. Im Umgang mit Fluxus Inhalten entwickelte Beuys eine ganz eigene Strategie: Begreifen, Aneignen, Kooperieren und Transformieren.

Die Ausstellung betrachtet den Künstler nicht, wie so häufig, als solitäre Erscheinung, sondern setzt ihn in einen offenen kollaborativen Kontext. Darin spielen Künstlerfreunde und -kollegen wie Fluxus-Initiator George Maciunas, Nam June Paik und die dänische Fluxus-Connection (Arthur Køpcke, Hen ning Christiansen) eine besondere Rolle.

Innerhalb einer chronologischen Struktur werden Schlaglichter gesetzt: Auf die frühen formativen Fluxus-Jahre (1962–1964), auf Beuys‘ Aktionen mit Paik und Christiansen (bis 1985) und auf die Zeit der Studentenbewegung, als sich im Umfeld der Düsseldorfer Kunstakademie der anti-autoritäre eman zipatorische Fluxus-Impuls durch Künstler wie Robert Filliou, Daniel Spoerri und Dieter Roth reaktivierte (1967–1974). Das Projekt, das Archivalien und Werke, Konzepte und Fotografien, Audios und Videos versammelt, verbindet das Dokumentarische mit dem Ereignis haften und Experimentellen.

Symposium Joseph Beuys und der Nationalsozialismus – Ein Laborraum Samstag/Sonntag, 31. Januar/1. Februar

Im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojektes Joseph Beuys und der Nationalsozialismus – Ein Laborraum lädt das Museum Schloss Moyland zu einem Symposium ein, das sich mit Joseph Beuys im Kontext des Nationalsozialismus sowie seiner späteren Beschäftigung mit dieser Zeit befasst.

Das Symposium stellt einen wesentlichen Beitrag zur aktuellen Diskussion in der Forschung dar und kontextualisiert den innovativen und partizipativen Laborraum zu diesem Thema, der seit dem 30. März 2025 innerhalb der Dauerpräsentation im Schloss eingerichtet ist. Ziel des Symposiums ist es, die gesellschaftspolitische und künstlerische Dimension von Beuys’ Biografie kritisch zu reflektieren, insbesondere seine Rolle im Nationalsozialismus und die Frage seiner späteren Positionierung und Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit.

In einem interdisziplinären Dialog werden sowohl wissenschaftliche als auch künstlerische Perspektiven zu Wort kommen. Diskussionsrunden bieten dem Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Damit wird das Symposium zu einem lebendigen Raum des Austauschs, der Transparenz und der Reflexion. Das Symposium dient nicht nur der wissenschaftlichen Vertiefung, sondern auch der Förderung eines offenen Dialogs über die Verflechtungen von Kunst, Geschichte und Gesellschaft sowie der Verantwortung, die sich aus der gegenwärtigen Beschäftigung mit den genannten Themen für Fachleute aus Wissenschaft und Museum sowie der Gesellschaft ergibt.

Das Forschungsprojekt „Joseph Beuys und der Nationalsozialismus – Ein Laborraum“ wurde im Rahmen eines vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen geförderten Forschungsvolontariats in Kooperation mit der Hochschule Rhein-Waal und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf realisiert.

Die einzigartigen Bestände des Museums Schloss Moyland bilden hierbei die Grundlage für eine detaillierte Auseinandersetzung mit Beuys’ Jugend, seiner Zeit als Soldat, seiner Beteiligung an einem Wettbewerb für ein Denkmal im ehemaligen KZ Auschwitz-Birkenau sowie der Aktion „Polentransport 1981“. Multimedial aufbereitet, bieten Archivalien und Kunstwerke Besucherinnen und Besuchern einen transparenten Einblick in das Thema.

Das Symposium findet in deutscher Sprache im Zwirnersaal (Schloss) statt. Kosten: Ein Tag: 15 Euro / beide Tage: 25 Euro jeweils inklusive Museumseintritt und Kaffee/Tee (in den Pausen) Eine Möglichkeit zum Mittagessen gibt es in Rocco’s Museumscafé (https://moyland.de/schloss-und-park/museumscafe/).

Eine Anmeldung ist noch bis zum Montag, 18. Januar, per E-Mail an besucherservice@moyland.de unter Angabe von Namen, Anschrift und Telefonnummer möglich.

Programmablauf

Ankommen, Anmeldung | 9–9.30 Uhr Begrüßung Dr. Antje-Britt Mählmann

Panel 1 | Samstag, 31. Januar | 10 Uhr Prof. Dr. Philip Ursprung, Prof. Dr Barbara Lange, Dr. Anke Blümm, Diskussions- und Fragerunde: Moderation Dr. Antje-Britt Mählmann

Panel 2 | Samstag, 31. Januar Bjørn Nørgaard, Dr. Petra Richter, Dr. Wolfgang Zumdick, Dr. Nicole Fritz, Diskussions- und Fragerunde: Moderation Dr. Alexander Grönert

Panel 3 | Sonntag, 1. Februar | 10 Uhr Johannes Stüttgen Prof. Dr. Antje von Graevenitz Dr. Gabriele Mackert Prof. Dr. Christa-Maria Lerm Hayes Diskussions- und Fragerunde: Moderation Dr. Alexander Grönert

Panel 4 | Sonntag, 1. Februar Drs. Ron Manheim, Dr. Alexander Grönert, Dr. Mario Kramer, Diskussions- und Fragerunde: Moderation Angela Steffen M.A. Ende | zirka 17 Uhr. Änderungen vorbehalten!

Nähere Informationen: Museum Schloss Moyland Sammlung van der Grinten Joseph Beuys Archiv des Landes Nordrhein-Westfalen Am Schloss 4 47551 Bedburg-Hau, Telefon: +49 2824 9510-0 Telefax: +49 2824 9510-99, E- Mail: info@moyland.de http://www.moyland.de

Pauli-Preis 2026: Die Nominierungen stehen fest

Ausstellungslaufzeit: 8. August – 4. Oktober

Im Jahr 2026 wird in der Kunsthalle Bremen der Pauli-Preis zum 50. Mal verliehen. Der Kunstpreis zeichnet im deutschen Sprachraum lebende Künstler für einen hervorragenden Beitrag zur jüngsten Kunst der Gegenwart aus und gilt als einer der bedeutendsten Preise für zeitgenössische Kunst in Deutschland.

Sein Name erinnert an den ersten wissenschaftlichen Direktor der Kunsthalle Bremen, Gustav Pauli (*1866 – +1938). Bis heute verdankt das Museum seine berühmtesten Werke Paulis progressiven Ankäufen moderner Kunst. Seinem fortschrittlichen Geist sieht sich auch der Pauli-Preis verpflichtet, der vom 8. August bis 4. Oktober acht nominierte Künstlerinnen und Künstler präsentiert. Nun stehen die nominierten Positionen fest.

Die Wettbewerbsausstellung, in der alle acht nominierten Künstler ihre Werke präsentieren, findet vom 8. August bis 4. Oktober in der Kunsthalle Bremen statt. Die künstlerischen Positionen wurden von sechs internationalen Kuratorinnen und Kuratoren, dem Direktor der Kunsthalle Bremen, Christoph Grunenberg, sowie dem Stifterkreis für den Pauli-Preis nominiert. Im Laufe der Ausstellung verkündet eine renommierte fünfköpfige Jury von Fachleuten den Preisträger beziehungsweise die Preisträgerin. Am 15. September wird der mit 30.000 Euro dotierte Preis verliehen.

Die acht nominierten Künstler und ihre Kuratoren für den Pauli-Preis 2026:

• Jan Albers (*1971 in Wuppertal, lebt und arbeitet in Düsseldorf) vorgeschlagen von Felix Krämer, Generaldirektor und künstlerischer Leiter des Kunstpalastes in Düsseldorf • Christiane Baumgartner (*1967 in Leipzig, lebt und arbeitet in Leipzig) vorgeschlagen von Anna Wesle, Kuratorin am Museum Franz Gertsch, Burgdorf, Schweiz • Harry Hachmeister (*1979 in Leipzig, lebt und arbeitet in Berlin und Leipzig) vorgeschlagen von Mathilda Legemah, wissenschaftliche Mitarbeiterin für Institutional Development am Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin • Annette Kelm (*1975 in Stuttgart, lebt und arbeitet in Berlin) vorgeschlagen vom Stifterkreis für den Pauli-Preis • Caroline Kryzecki (*1979 in Wickede/Ruhr, lebt und arbeitet in Berlin) vorgeschlagen von Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen • Phung-Tien Phan (*1983 in Essen, lebt und arbeitet in Essen) vorgeschlagen von Michelle Cotton, Direktorin der Kunsthalle Wien • Liesl Raff (*1979 in Stuttgart, lebt und arbeitet in Wien) vorgeschlagen von Stefanie Böttcher, Direktorin der Kunsthalle Mainz • Anike Joyce Sadiq (*1985 in Heidelberg, lebt und arbeitet in Berlin und Nürnberg) vorgeschlagen von Yvette Mutumba, Mitbegründerin und Leiterin von Contemporary And (C&)

Jury:

• Yilmaz Dziewior, Direktor Museum Ludwig, Köln • Asta Gröting, Künstlerin, Berlin • Roland Mönig, Direktor Von der Heydt-Museum, Wuppertal • Susanne Pfeffer, Direktorin Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main • Hilke Wagner, Direktorin Albertinum, Dresden

Hintergrundinformationen zum Pauli-Preis

Der Pauli-Preis blickt auf eine lange Geschichte zurück: Vor über 70 Jahren wurde er als Kunstpreis der Böttcherstraße von Ludwig Roselius jun. (1929–2022) ins Leben gerufen und bis 1983 in der Böttcherstraße in Bremen jährlich ausgerichtet. Seit mittlerweile 40 Jahren verdankt der Preis sein Fortbestehen einer Gruppe engagierter Mitglieder des Kunstvereins in Bremen. Seitdem wird alle zwei Jahre die Ausstellung in der Kunsthalle Bremen präsentiert und durch den Stifterkreis getragen. 2024 wurde der Kunstpreis der Böttcherstraße umbenannt und heißt nun Pauli Preis.

Der mit 30.000 Euro dotierte Pauli-Preis feiert im Jahr 2026 ein rundes Jubiläum und wird zum 50. Mal verliehen. Dabei legt das mehrstufige Preisverfahren großen Wert auf Transparenz und Neutralität: Sechs Kuratorinnen und Kuratoren, der Direktor der Kunsthalle Bremen sowie der Stifterkreis für den Pauli-Preis schlagen unabhängig voneinander je eine künstlerische Position vor. Diese acht Nominierten präsentieren ihre Arbeiten in der Wettbewerbsausstellung in der Kunsthalle Bremen. Im Laufe dieser Ausstellung kürt eine Jury, die sich aus fünf weiteren Kunstexperten zusammensetzt, schließlich die Preisträgerin beziehungsweise den Preisträger.

Der private Stifterkreis, der sich aus einer Gruppe von Mitgliedern des Kunstvereins in Bremen sowie dem Senator für Kultur und der Sparkasse Bremen zusammensetzt, finanziert nicht nur die Ausstellung, den Katalog und das Preisgeld, sondern bemüht sich auch um die Erwerbung eines Werks der jeweiligen Preisträger für die Sammlung des Kunstvereins. So konnten dank des Stifterkreises in der Vergangenheit Kunstwerke unter anderem von Gabriele Stötzer (2024), Karimah Ashadu (2022), Ulrike Müller (2020), Nina Beier (2014), Daniel Knorr (2012), Thea Djordjadze (2009), Ulla von Brandenburg (2007), Clemens von Wedemeyer (2005), Tino Sehgal (2003), Olafur Eliasson (1997) und Wolfgang Tillmans (1995) erworben werden.

Nähere Informationen: Kunsthalle Bremen, Am Wall 207, 28195 Bremen, Telefon: +49 (0)421 – 32 9080, Fax +49 (0)421 – 32908470, E-Mail: info@kunsthalle-bremen.de

Paulina Broekema über ihre Faszination für Zirkusakrobaten

Als Kolumnistin für Museumsmagazine teilt Pauline Broekema in jeder Ausgabe ihre persönlichen künstlerischen Beobachtungen. In dieser Kolumne aus der Ausgabe 8/2025 der Museumstijdschrift beschreibt sie, wie ein Besuch eines reisenden Zirkus in der Normandie sie zur beeindruckenden Zirkussammlung des Allard Pierson, einem überwiegend archäologisch ausgerichteten Museum der Universität von Amsterdam führt, wo auch Gemälde, Zeichnungen, Tausende von Plakaten, Büchern, Fotografien und andere besondere Stücke über das Phänomen Zirkus aufbewahrt werden.

Eine aufgeregte Stimme ertönt aus dem Tal. Das Soundauto fährt, so scheint es, auf das Meer zu, zum Kiesstrand. Dort ragen die beeindruckenden Klippen empor, die Kalksteinklippen, die Impressionisten wie Claude Monet und Berthe Morisot so sehr liebten. Der Mann im Auto macht am Boulevard eine Kehrtwende, kehrt zurück und verspricht uns eine spektakuläre Darbietung.Am nächsten Tag folgen wir den Plakaten und kommen in einem Dorf an. Der Zirkus hat sich an einem wahrhaft königlichen Ort niedergelassen. Das mittelgroße Zelt und die beeindruckende, leuchtend gelbe Flotte stehen auf einem Rasen gegenüber einer Burg, in der Kaiserin Elisabeth von Österreich, die legendäre Sisi, einst einen Sommer verbrachte.

Mit armen Tieren herumalbern“

Sofort überkommt mich Melancholie. Die klassischen Zirkusse wie Althoff, Boltini, Sarrasani, Renz, Krone… Ich habe sie als Kind besucht. Am Tag der Ankunft gingen wir, um uns die Bauarbeiten anzusehen. Ich bin an den Lastwagen mit wilden Tieren vorbeigelaufen. Eine Tradition ohne meine Mutter. Die Tiger hinter Gittern, die Kamele, die Elefanten im Stroh: Sie hasste es, ‚mit diesen armen Tieren herumzualbern‘. Meine Mutter war darin nicht wirklich ihrer Zeit voraus. Denn schon in den 1930-er Jahren gab es Proteste gegen diese Ausbeutung von Tieren, sagt Kuratorin Frederieke van Wijk vom Allard Pierson in Amsterdam.

Ich bin bei ihr, weil ich wieder von dem Phänomen in diesem Zirkuszelt in der Normandie fasziniert war. Diese Mini-Gesellschaft. Dieses reisende Dasein. Mitarbeiter, die eine Doppelrolle erfüllen. Denn wenn wir eine Aufführung besuchen und uns auf die Holzbank neben der Arena setzen, erkenne ich sofort die Stimme des Zirkusdirektors. Er ist der Mann des Soundautos. Und wir wurden zuvor am Eingang von einem alten Clown hereingelassen, der jetzt zwischen den Liedern leuchtende Spielzeug-Windmühlen verkauft.

Schwindelerregende Farben

Das Allard Pierson, das Museum und die Kulturerbe-Sammlungen der Universität Amsterdam, besitzt eine der größten Zirkussammlungen Europas und alles rund um das Phänomen: Gemälde, Zeichnungen, tausende Plakate, Bücher, Dokumentationen, Fotografien und besondere Objekte. Van Wijk zeigt mir das Depot. Auf dem Weg zu den Schränken mit den tausenden Plakaten kommen wir an einem Kleiderständer vorbei. Es gibt ein wunderschönes Kostüm, in dem die Pferdedompteurin Valesca Wilke (*1919 – +1999) einst auftrat. Sie wurde in einem Zirkuswagen geboren, war das Kind eines Seelöwenpflegers und eines Pferdetrainers. So läuft es oft. Der Beruf wird manchmal über viele Generationen hinweg weitergegeben. Ich konzentriere mich auf Luftakrobatik. Der Teil erinnert mich an das wunderbare Schwingen im Ring – der einzige Teil des Fitnessstudios, in dem ich früher besonders gut war. Van Wijk öffnet die Schubladen der Plakatschränke nacheinander. Allein das Allard Pierson besitzt 3500 verschiedene internationale Zirkusplakate des berühmten Lithografen und Verlegers Adolph Friedländer aus Berlin.

Wunderschöne Exemplare ziehen vorbei, in schwindelerregenden Farben. Und genau deshalb mag ich das in Blau und Weiß von 1911 so sehr. Die Werbung für die französische Luftakrobaten „Troupe Banola“ zeichnet sich durch ihre Schlichtheit aus und zwingt den Betrachter somit dazu, das ausgestellte Handwerk aufmerksam zu betrachten. Es ist ein Poster als Anweisung. Folgen Sie der gestrichelten Linie und sehen Sie etwas, an dem jahrelang herumgebastelt wurde. Sieh zu, wie der Poster-Ersteller die Zirkusnummer ehrfürchtig zeigt. Man sieht es geschehen. Wie der Akrobat Geschwindigkeit macht, sich in die Luft peitscht, nach dem zweiten Balken einen Doppelsalto macht, weiter schwebt und nach einer Reise über acht Meter sicher vom Fänger eingeholt wird.

Halb zerrissene Poster


Was haben sie durchgemacht, diese Zirkusakrobaten? Ich durchforste das Internet und finde Antworten. In einem schönen Gespräch skizziert der kanadische ehemalige Luftakrobat Rodleigh Stevens der kanadischen Schriftstellerin Carolyn Whitney-Brown, wie abhängig man voneinander ist: „Meter über dem Boden musst du darauf vertrauen, dass der ‚Fänger‘ zur richtigen Zeit seine Hände ausstreckt und dich, den ‚Flieger‘, sicher hereinbringt. Du legst dein Schicksal in seine Hände, wie es manchmal im Leben der Fall ist, und musst davon ausgehen, dass du sicher bist. Und nach einem Auftritt? Dann gibt es immer eine Bewertung. Ihr stellt euch gegenseitig Fragen: Ist etwas schiefgelaufen und was kann verbessert werden? Und danach? Dann setzt du deine Reise fort“, sagt Stevens.

Ein paar Tage nach unserem Zirkusbesuch sind wir wieder im Dorf. Hier und da gibt es immer noch ein halb zerrissenes Poster. Der Rasen ist leer. Nur ein gelber Fleck in der Mitte des Geländes erinnert uns an das, was dort war. Dass einst der Zirkus dort stand.

Programm für den Februar im Lehmbruck-Museum

Neben den Ausstellungen „Mika Rottenberg. Queer Ecology“ (bis 22. Februar), „Plastik Fantastik“ – Präsentation der Kunstvermittlung und Outreach-Programm zur Ausstellung „Mika Rottenberg. Queer Ecology“ (bis 31. Mai) und „Sculpture 21st: Flaka Haliti“ (bis 8. März) wird im Lehmbruck-Museum in Duisburg folgendes Programm geboten:

Donnerstag, 5. Februar, 17.30 Uhr

Kunst & Stulle

„Mika Rottenberg. Queer Ecology“

Nach Feierabend ins Museum – ganz ungestört bietet sich die Gelegenheit, außerhalb der normalen Öffnungszeiten die Sammlung des Lehmbruck Museums oder die aktuellen Sonderausstellungen kennen zu lernen. Im Anschluss gibt es belegte Brote, Wein und weitere Getränke.

Teilnahme: 12 Euro (inkl. Eintritt, Führung, Speisen und Getränken)

Freitag, 6. Februar, 12 bis 17 Uhr

Pay What You Want!

Jeden ersten Freitag im Monat können Besucherinnen und Besucher den Eintrittspreis selbst festlegen. Um 15 Uhr findet eine öffentliche Führung in der Ausstellung „Mika Rottenberg. Queer Ecology“ statt.

Sonntag, 8. Februar, 14 bis 17 Uhr

Jugend trifft Kunst

„Portrait und Gefühl – Arbeiten mit Ton“

Bei Jugend trifft Kunst können Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren selbst kreativ werden. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Dienstag, 17. Februar, 15 Uhr

Kunst & Kaffee „Mika Rottenberg. Queer Ecology“

Geboten wird ein entspannter Nachmittag in der aktuellen Sonderausstellung. Nach einer Führung wird in geselliger Runde bei Kaffee und Kuchen über die Eindrücke der Ausstellung gesprochen.

Für die Teilnahme werden 12 Euro (inkl. Eintritt, Führung, Speisen und Getränken) berechnet.

Samstag, 21. Februar, 10.30 Uhr

Waste Walk und Workshop „Müllviecher“

Begleitprogramm zur Ausstellung „Mika Rottenberg. Queer Ecology“

Marcus Franken von wastewalk.de organisiert einen besonderen Spaziergang durch den Hafenstadtteil Duisburg-Ruhrort. In geselliger Runde wird ganz nebenbei sauber gemacht, denn jeder Spaziergänger bekommt eine Müllzange und kann nach dem Motto „Machen ist wie wollen – nur krasser“ laufend und plaudernd ein bisschen Müll aufsammeln. Maximal 90 Minuten dauert die Runde. Im Anschluss kann man sich im Umweltlokal bei Kaffee / Tee und Brötchen stärken.

Wer keine Lust hat spazieren zu gehen, kann stattdessen im Umwelt-Lokal aus bereits gesammelten, sauberen Verpackungsresten ein fantastisches „Müllviech“ bauen. Die Kunstaktion wird von der Künstlerin Dotty Wenders geleitet und ist kostenfrei.

Treffpunkt: Umwelt-Lokal, Weinhagenstraße 23, 47119 Duisburg

Teilnahme: kostenfrei, ohne Anmeldung

Samstag, 21. Februar, 18 Uhr

Filmvorführung: „Remote“

Ein surrealer Spielfilm von Mika Rottenberg über vernetzte Einsamkeit (2022, 92 Minuten)

Filmprogramm im Lokal Harmonie (Duisburg-Ruhrort), begleitend zur Ausstellung „Mika Rottenberg. Queer Ecology“

„Remote“ schildert den Alltag einer Frau (Okwui Okpokwasili), die unter Quarantäne steht, in ihrer abgeschotteten, hochmodernen Wohnung, einem Paradies aus leuchtenden Farben, blühenden Pflanzen und bunten Bildschirmen. Während sich vor ihrem Fenster eine nicht näher definierte globale Krise abspielt, schließt sie sich einer Gruppe von Frauen aus aller Welt an, die sich eine südkoreanische Hundefrisur-Show ansehen wollen, und stürzt schließlich in ein Kaninchenloch, um mit ihnen ein unerklärliches interaktives Spiel zu spielen. (NYFF)

Der Film wird in englischer Sprache gezeigt.

Teilnahme: kostenfrei

Anmeldungen erfolgen unter de Telefonnummer 0203 283 2195 oder per E-Mail an kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de

Sonntag, 22. Februar, 15 Uhr

RecycleBar: Aus Plastik wird Fantastik

Tauschaktion mit Fabian Bos

Begleitprogramm zur Ausstellung „Mika Rottenberg. Queer Ecology“

In der RecycleBar wird Müll zur Schatzkiste: Wir verwandeln sauberen Kunststoffabfall in neue, überraschende Objekte zum Mitnehmen. Gemeinsam mit dem Duisburger Maker Fabian Bos können Sie miterleben, wie Flaschendeckel, Shampooflaschen, Waschmittelcontainer oder Joghurtbecher geschreddert, geschmolzen und neu geformt werden – und dabei selbst aktiv mitmachen, mitradeln, mitformen und mitstaunen. Aus lokalem Plastikabfall entstehen kleine, einzigartige Objekte zum Mitnehmen. Humorvoll, hands-on und nachhaltig!

Die Teilnahme ist im Museumseintritt (9 Euro/erm. 5 Euro) enthalten, keine Anmeldung erforderlich

Sonntag, 22. Februar, ab 15 Uhr

Finissage

Mika Rottenberg. Queer Ecology“

Am letzten Tag der Ausstellung besteht die Gelegenheit, noch einmal zusammen ganz und gar in die bunten, skurrilen Welten von Rottenberg begeben. Mit Musik, Getränken und Glitzer wird gemeinsam der Tag ausklingen.

Auf dem Programm unter anderem:

15 Uhr: Führung mit dem Drag Queen-Duo „Diamond Dust“

17.15 Uhr: Filmvorführung „Remote“ mit Einführung und Popcorn

Für Musik und Getränke ist gesorgt.

Teilnahme: Motto „Pay What You Want!“

Donnerstag, 26. Februar, 19.30 Uhr

Musik im Museum

„Kurtág 100“ – Hommage zum 100. Geburtstag von György Kurtág

György Kurtág gehört zweifelsohne zu den bedeutendsten Komponisten unserer Zeit, am 19. Februar 2026 feiert er seinen 100. Geburtstag. Seine Musik ist „zerbrechlich, schutzlos, wie unbeholfen tastend durchs Weglose, schwankend zum Rand des Verstummens hin – aber dabei glühend von emotionaler Intensität“, hatte der Kurtág-Kenner Hartmut Lück es einmal wunderbar formuliert. Als Geburtstagsgeschenk hat Christof Weinig, Kontrabassist der Duisburger Philharmoniker, ein Programm mit Werken des ungarischen Tonschöpfers zusammengestellt, das er gemeinsam mit seiner Frau, seinem Sohn und engen Weggefährten interpretiert. Ein ganz persönliches Gesprächskonzert für einen besonderen Komponisten.

Eintritt: 17 Euro, Ermäßigung möglich.

Nähere Informationen: Lehmbruck Museum, Friedrich-Wilhelm-Straße 40, 47051 Duisburg, Postadresse: Düsseldorfer Straße 51, 47049 Duisburg, Telefon: +49 (0) 203 283-3294. Fax: +49 (0) 203 283-3892, E-Mail info@lehmbruckmuseum.de

Januar-Programm der Kunsthalle Düsseldorf

Auch im neuen Jahr ist wieder viel los in der Kunsthalle Düsseldorf. So läuft die Ausstellung „Wohin? Kunsthalle / Stadt / Gesellschaft der Zukunft“ noch bis zum 1. Februar.
Zum Ende der Ausstellung lädt die Kunsthalle zum großen Thementag „Grün bauen. Stadt teilen. Utopien zwischen Stadtplanung, Teilhabe und Gemeinwohl“ ein. Am Samstag, 24. Januar, gibt es von 11 bis 18 Uhr zwei Talks mit Künstlern und Fachexperten aus den Bereichen, Architektur, Kultur und Soziales, eine Mitmach-Aktion sowie eine Performance des Künstlerkollektivs Club Real. Der Thementag knüpft an die Fragen von Nachhaltigkeit und Teilhabe in Stadt, Architektur und Städtebau an, die die aktuelle Ausstellung verhandelt. Der Eintritt in die Ausstellung und das Programm sind an diesem Tag frei.
Zur Finissage von „Wohin? Kunsthalle / Stadt / Gesellschaft der Zukunft“ am 1. Februar gibt es unter anderem eine akustische Führung für blinde, sehbehinderte und sehende Menschen in der Zeit von 11.30 bis 12.30 Uhr.
Am Dienstag, 20. Januar, gibt es von 19 bis 22 Uhr ein Nachtfoyer mit Michael Dekker und am Donnerstag, 29. Januar, lädt die Kunsthalle in der Zeit von 18 bis 21 Uhr zum „Langen Donnerstag“ ein. Bei freiem Eintritt werden eine performative Lesung von Christina Irrgang, ein Screening und ein Talk mit Nadine Karl und Fiona Borowski zur Projektreihe „Mur Brut“ (37) und noch einiges mehr geboten.

Zu Nadine Karl. After Unrast Mur Brut 37

Aus dem flimmernden Licht des betongrauen Parkhauses entfaltet sich eine schattenhafte Geschichte: eine Kreatur – weder ganz menschlich noch ganz fremd – eröffnet eine mythologische Welt, die sich mit selbstkritischen Fragen an die Betrachterinnen und Betrachter richtet. In welchem Verhältnis steht der eigene Körper zu dieser Figur, zu ihrer Verletzlichkeit, zu ihrer Umwelt? In ihr begegnet uns eine ökofeministische Perspektive, die die Trennung von Mensch und Natur, Subjekt und Objekt in einem unwirklichen Setup infrage stellt.

Die Installation von Nadine Karl untersucht Übergänge zwischen Wahrnehmung, Identität und Erinnerung und entfaltet ein Moment der Unsicherheit. Transformation erscheint nicht als dramatischer Wandel, sondern als leises Umschalten zwischen Zuständen, Zeiten und Empfindungen. Das Parkhaus wird zum Resonanzraum dieser Fragen: ein Schwellenort, an dem sowohl die individuelle als auch die gesellschaftliche Wahrnehmung in Bewegung gerät und das Sehen zu einer körperlichen Erfahrung wird; flüchtig, tastend, offen und womöglich doch überfordert.

Nadine Karl absolvierte 2024 ihren Abschluss als Meisterschülerin an der Kunstakademie Düsseldorf bei Professorin Dominique Gonzalez-Foerster.

Die Projektreihe „Mur Brut“ wird seit 2014 auf einer weiß gestrichenen Wand im Parkhaus der Kunsthalle Düsseldorf umgesetzt. Seitdem dient diese so aus dem visuellen Konzept des Parkhauses herausgelöste Wand als Projektionsfläche für vierteljährlich wechselnde Kunstprojekte.

Nähere Informationen: Kunsthalle Düsseldorf, Grabbeplatz 4, 40213 Düsseldorf, Telefon: +49 (0)211 54237710, E-Mail: mail@kunsthalle-duesseldorf.de

Ausstellung „Ariel Reichman. Keiner soll frieren!“

In der Reihe „Gegenwärtig. Zeitgenössische Künstler begegnen Felix Nussbaum“ noch bis zum 10. Mai im Museumsquartier Osnabrück

Mit der Präsentation „Keiner soll frieren!“ zeigt das Felix-Nussbaum-Haus im Museumsquartier Osnabrück eine von dem Künstler Ariel Reichman konzipierte Ausstellung mit neu geschaffenen Werken. Geboren 1979 in Südafrika zur Zeit der Apartheid, ist er im Alter von 13 Jahren mit seiner Familie nach Israel eingewandert und lebt heute in Berlin.

Reichmann beschäftigt sich in seinem Werk mit der Verbindung von persönlicher Biografie, Erinnerung, persönliche Gedanken- und Gefühlswelt und dem individuellen politischen Bewusstsein. Seine Kunst kreist um Konzepte wie Empathie und menschlicher Verletzlichkeit. Als Ariel Reichman in Sofia, Bulgarien, ausstellte, besuchter er an seinem letzten Tag in der Stadt den Markt neben der Alexander-Newski-Kathedrale. Unerwartet traf er dort auf zahlreiche Utensilien mit Hakenkreuz- oder Reichsadleremblemen, die dort auf den Tischen lagen – von Besteck bis hin zu SS-Abzeichen und Anstecknadeln, Feuerzeugen und Zigarettenspitzen.

Neben Disney-Figuren und Matrjoschka-Puppen bekamen die Nazi-Devotionalien ihren Platz in der Reihe der Trivialitäten, wurden offen zur Schau gestellt und zum Erwerb angeboten. Diese spontane Konfrontation entfachte bei Reichman das intensive Bedürfnis, die Objekte aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, ihnen ihre Präsenz zu nehmen, sie unwirksam zu machen – und wurde zum initialen Moment für die Werke der Ausstellung „Keiner soll frieren!“.

Über internationale Auktionshäuser, Online-Shops, sogar über eBay und Amazon ist der Erwerb so genannter „Nazi-Memorabilien“ möglich. Die Gegenstände reichen von Anstecknadeln und Abzeichen bis hin zu Helmen, Kleidung, Fotos und persönlichen Gegenständen. In der Folge seiner Erfahrung auf dem Markt in Sofia verfolgt Ariel Reichman mehrere dieser Live-Auktionen und erwirbt zahlreiche Nazi-Metallgegenstände. „Meine vorwiegende Motivation ist es, diese Gegenstände aus dem öffentlichen Raum zu entfernen. Der Wunsch dabei ist, dass diese Art Gegenstände am besten gar nicht mehr verfügbar sein sollten“, erläutert Ariel Reichman.

Im nächsten Schritt erhitzt Reichman diese Metallgegenstände zunächst über Feuer, so dass sie schmelzen, um sie anschließend ins Wasser zu gießen, wo sie abrupt erhärten.

Den Prozess der Zerstörung sowie den Moment der Erneuerung hält Reichman in zwei Filmen fest. Die entstandenen Metallskulpturen werden in der Ausstellung neben Fotografien von kleinen Papier- und Wachsblumen präsentiert, die wie Abzeichen im Nationalsozialismus als Dank für die Spende im Rahmen des Winterhilfswerks verschenkt wurden – eine mit großem Propagandaaufwand jährlich durchgeführte Sammel- und Spendenaktion zur Unterstützung ‚bedürftiger Volksgenossen‘ zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland.

„Keiner soll hungern, keiner soll frieren!“ lautete die Direktive für das erste Winterhilfswerk im Jahr 1933. Hinter den scheinbar harmlosen Sammlerstücken steckte ein kalkuliertes System nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik und Beeinflussungsstrategie. „Keiner soll frieren!“ lautet auch der Ausstellungstitel und befragt mit Kunstwerken, die den Prozess der Umformung und Transformation thematisieren, ob man Geschichte überwinden kann. Was bleibt an Dingen, Architekturen, in Körpern oder auch im Denken von der Vergangenheit haften?

Ergänzt wird die Ausstellung durch den von Reichman gestalteten Space of Mourning, einen Raum des bewussten Innehaltens und der kollektiven Trauer, inspiriert von der jüdischen Tradition der Schiwa. Auf dem Weg dorthin begegnen Besucher der Lichtinstallation I am (not) safe sowie einem interaktiven Sockel, über den per Knopfdruck die Frage „Am I Safe?“ mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden kann – eine persönliche Rückmeldung, die sichtbar nach außen wirkt. In einem von Ariel Reichman im Rahmen der Ausstellung entwickelten und angeleiteten dreiteiligen Workshop „Anxious about the Situation?“ geht der Künstler gemeinsam mit einer Tänzerin, einer Musikerin und einer Psychologin auf verschiedenen Ebenen dem Gefühl der Angst und dem komplexen Konzept der Sicherheit nach.

Unterstützt wird die Ausstellung von der LEAP Foundation und Artis. Das Vermittlungsprogramm wird durch die VGH Stiftung gefördert. Kooperationspartner ist die Felix-Nussbaum-Gesellschaft Osnabrück.

Nähere Informationen: Museumsquartier Osnabrück, Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück, E-Mail: museum@osnabrueck.de, Telefon: 0541 323-2207 oder 0541 323-2237. Geöffnet ist das Museum Dienstag bis Freitag: 11 bis18 Uhr, Samstag und Sonntag: 10 bis 18 Uhr.

Die blutigen Hände in Somy Samanis Fotografie „Confidential“

Politische Kunst als Reaktion auf die Proteste gegen die Mullah-Diktatur im Iran

Die Fotografie „Confidential“ von Somy Samani kann als ein künstlerisches Zeugnis der iranischen Revolution im Januar 2026 verstanden werden, obwohl diese Arbeit schon 2023 entstand.

Still, kontrolliert und bewusst zurückgenommen zeigt sie eine sitzende Frau, deren Gesicht teilweise verschleiert ist. Nichts an dieser Fotografie ist laut – und doch verdichtet sich in ihr eine politische Erfahrung, die für viele Revolutionen gilt, für die iranische jedoch in besonderer Weise.

Der Blick des Betrachters wird unweigerlich auf die Hände gelenkt: rot gefärbt, offen sichtbar, nicht versteckt. Es sind blutige Hände, die hier nicht als Schockmoment, sondern als reflektiertes Symbol erscheinen. Genau darin liegt die besondere Stärke dieser Arbeit.

Die iranische Revolution 2026 unterscheidet sich von früheren Protestbewegungen durch ihre existenzielle Zuspitzung. Sie ist kein symbolischer Aufstand mehr, sondern ein offener Kampf um politische und körperliche Selbstbestimmung. Somy Samani hat wie so viele Künstler eine Ahnung von dem, was kommen wird und reagiert mit einer bewusst inszenierten Bildform, die Distanz schafft – und gerade dadurch Tiefe gewinnt.

Die Figur in „Confidential“ steht nicht für eine konkrete Person. Sie ist anonym, stellvertretend, beinahe zeitlos. Diese Anonymität verweist auf die kollektive Erfahrung einer Revolution, auf die vielen Namenlosen, deren Handeln sichtbar wird, während ihre Identität verborgen bleiben muss.

Verantwortung statt Heroisierung

Im Zentrum der Fotografie stehen die blutigen Hände. Somy Samani versteht sie nicht als Anklage und nicht als moralische Überhöhung. Sie sind vielmehr Ausdruck einer bitteren Realität:

Denn wirkliche Revolutionen verlaufen nicht unblutig. Wer sich gegen ein repressives System erhebt, muss bereit sein, Verantwortung zu übernehmen – auch dort, wo Gewalt unausweichlich wird, um nicht selbst zum Opfer zu werden und andere zu schützen.

Die Fotografie „Confidential“ verweigert das Bild der sauberen, makellosen Befreiung. Die Illusion einer friedlichen Revolution, die letztendlich wie 1989 in Deutschland lediglich einen ökonomischen Charakter hatte und „Werte“ nicht thematisiert. Alte Eliten übernimmt und zu den nächsten gesellschaftlichen Problemen führt.

So exportierte Deutschland noch im Jahr 2025 für 500 Millionen Euro Güter, Maschinen und Ausrüstungen, in den Iran, die es dem Regime ermöglichten, seine Macht zu erhalten und indirekt den russischen Krieg in der Ukraine zu unterstützen.

Die roten Hände sind ruhig, nicht aggressiv. Sie zeigen keinen Akt der Gewalt, sondern deren Konsequenz. Damit verschiebt Samani den Blick von der Tat zur Verantwortung – ein zentraler Gedanke innerhalb der iranischen politischen Kunst.

Zensur, Metapher und die Sprache iranischer politischer Kunst

Die Bildsprache von „Confidential“ ist ohne den Kontext staatlicher Zensur nicht zu verstehen. Unter dem derzeitigen Regime entwickelten iranische Künstler über Jahrzehnte eine hochkomplexe visuelle Metaphorik, um politische Kritik zu tarnen. Offene Aussagen waren – und sind – oft unmöglich.

Erwähnt sei hier der Film „Taxi Teheran“ oder das Buch Persepolis von Marjane Satrapi . Taxi Teheran (Originaltitel: Taxi) ist eine iranische Dokufiktion des Regisseurs und Regimekritikers Dschafar Panahi aus dem Jahr 2015. In dem Film fährt ein Taxi durch die Straßen Teherans und nimmt verschiedene Fahrgäste auf, um sie zu ihren Bestimmungsorten zu bringen. Einige unter ihnen erkennen, dass der Regisseur Panahi am Steuer sitzt, der wegen seiner Filme Berufsverbot erteilt bekam und zu Gefängnisstrafen verurteilt wurde. Am Armaturenbrett hat er eine Kamera befestigt, die er auf die Fahrgäste richtet, während er sich mit ihnen unterhält.

Persepolis ist eine französische Graphic Novel von Marjane Satrapi, einer 1969 im Iran geborenen, heute in Paris lebenden Autorin und Zeichnerin von Comicromanen und Kinderbüchern. In dem vierteiligen Werk, das in Deutschland in zwei Bänden herausgegeben wurde, beschreibt sie ihre Kindheit im Iran, ihre spätere Zeit im Ausland und die Rückkehr in ihr Heimatland.

Während in der Diaspora oder in revolutionären Momenten wie 2022 explizite Symbole genutzt werden – etwa abgeschnittenes Haar oder die Farben der Flagge –, arbeiten viele Künstler weiterhin mit Zeichen, die für Außenstehende harmlos wirken. Alltagsgegenstände, Körperhaltungen oder Naturmotive werden zu Trägern politischer Bedeutung.

Somy Samani bewegt sich bewusst in dieser Tradition. Die Fotografie „Confidential“ ist kein offenes Protestbild. Ihre politische Aussage liegt in der Reduktion, im Weglassen, im kontrollierten Einsatz eines einzigen, unübersehbaren Symbols: der blutigen Hände.

Somy Samani im Kontext iranischer Opposition in Kunst, Film und Literatur

Die iranische Opposition hat seit Jahrzehnten ihre stärksten Stimmen im kulturellen Raum entwickelt. Film und Literatur arbeiteten mit Andeutung, Auslassung und Symbolik, um Zensur zu umgehen. Auch die bildende Kunst wurde zu einem Ort des indirekten Widerstands.

Im Vergleich zu erzählerischen Medien konzentriert sich Somy Samani auf den einzelnen, verdichteten Moment. Ihre Fotografie erzählt keine Geschichte im klassischen Sinn – sie hält einen Zustand fest. Gerade dadurch wird „Confidential“ anschlussfähig an unterschiedliche Diskurse innerhalb der iranischen Opposition: an feministische Kämpfe, an Fragen von Verantwortung, an die Ambivalenz revolutionärer Gewalt.

„Confidential“ ist ein Bild über Revolution an sich. Es verzichtet auf Parolen, auf Pathos und auf eindeutige Schuldzuweisungen. Stattdessen zeigt es den Menschen im Moment der Entscheidung.

In einer Zeit, in der politische Bilder oft schnell konsumiert und ebenso schnell vergessen werden, behauptet sich diese Fotografie durch ihre Ruhe. Sie zwingt zur Auseinandersetzung. Und genau darin liegt ihre politische Kraft. (von Thomas Gatzemeier)

Zum Autor:

Am dunkelsten Tag des Jahres 1954 im sächsischen Döbeln geboren, wurde Thomas Gatzemeier ungefragt von einem katholischen Pfarrer getauft.

Als Kind buk er heimlich einen Kuchen, der als Brot gut ankam. Dieses scheinbare Missgeschick inspirierte ihn dazu, eine Ausbildung als Schrift- und Plakatmaler zu absolvieren, um Pinsel und Stift zu beherrschen.

Er arbeitete anschließend auch als Steinmetzgehilfe und Grabsteindesigner. Nach dieser Grundausbildung studierte er Malerei und Grafik an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo Arno Rink und Volker Stelzmann zu seinen Lehrern zählten. 1980 beendete er sein Studium und ist seitdem als freier Künstler, Autor, Kunsthändler, Blogger und Freizeitkoch tätig.

Konflikte mit den Machthabern der SBZ und ein mehrjähriges Ausstellungsverbot bewegten ihn 1986 dazu, die SBZ zu verlassen.

Danach lebte er vorwiegend in Karlsruhe, verbrachte aber auch längere Zeit in Zürich und nahe Worpswede. Von 2006 bis 2015 hatte er ein weiteres Atelier in Leipzig.

Nach 34 Jahren Hauptwohnsitz in Karlsruhe verlegte der Wanderer zwischen den Welten im Februar 2020 seinen Wohnsitz endgültig nach Leipzig.

Nähere Informationen: Thomas Gatzemeier, Gottschallstraße 24, 04157 Leipzig, Telefon: 0172 610 25 35, E-Mail: info@thomas-gatzemeier.de

Sculpture 21st: Flaka Haliti

Die 1982 in Prishtina (Kosovo) geborene Künstlerin Flaka Haliti gehört zu den profiliertesten und eigenwilligsten Künstlerinnen ihrer Generation. Im letzten Jahrzehnt hat sie eine unverwechselbare Bildsprache entwickelt, die aus dem reichen Formenrepertoire der Skulptur, der Fotografie, der Architektur und der Installationskunst schöpft. Mit konzeptueller Präzision und großer Imaginationskraft wählt sie Materialien (oft aus unserer Alltagswelt) und fügt sie scheinbar leichthändig zu immersiven Inszenierungen zusammen.

Für die Besucherinnen und Besucher des Lehmbruck Museums hat sie ein Raum-Ensemble erschaffen, das für die Architektur im wahrsten Wortsinn geschaffen ist und zugleich einen Kontrapunkt setzt: Trotz der transparenten gläsernen Hülle der Architektur grenzt sich das Werk von seiner Umgebung ab. Die Installation definiert einen inneren Bereich, den die Betrachtenden erkunden können. Die dabei zu entdeckenden skulpturalen Elemente vereinen verschiedenste Gegensätze in sich – das Vertraute und das Fremde, das Alte und das Neue, das Technoide und das Menschengemachte überbrücken verschiedene Zeiten und verbinden sich im Raum zu einem raumgreifenden Gesamtwerk.

Höhepunkt der Präsentation, die noch bis zum 8. März im Lehmbruck-Museum in Duisburg zu sehen ist, ist eine Neuproduktion der Künstlerin: Fenster eines ehemaligen Militärhangars der KFOR (Kosovo Force) werden in silbern schimmernde Stahl- und Aluminiumkonstruktionen gefasst und erheben sich zu überlebensgroßen Lichtskulpturen im Raum. Heute ist ebendieser ehemalige Militärstandort der Sitz der Kulturinstitution Autostrada Biennale Hangar – so fungieren die Werke als ein Sinnbild für Veränderung: Sie erinnern uns an die jüngste Vergangenheit, die bis in die Gegenwart hinein wirkt. Auch wenn sich ihr militärischer Ursprung erst nach und nach erschließt, ist er deutlich spürbar. Die Künstlerin transformiert das Material und verwandelt es in etwas Neues, das viele Bedeutungen in sich trägt.

Auch in ihrer Werkreihe “Its urgency got lost in reverse (while being in constant delay)“ (zu Deutsch: „Ihre Dringlichkeit ging im Rückwärtsgang verloren (während sie sich in ständiger Verzögerung befand)“) widmet sich Haliti den bis heute anhaltendenden Spannungsverhältnissen in ihrer Heimat Kosovo. Erneut nutzt sie Überreste aufgegebener Militärlager der KFOR und verwandelt sie in farbenfrohe Skulpturen. Dem Müßiggang frönend scheinen sich die zwei Roboter an ihren eigentlichen Zweck nicht zu erinnern. Nur das Material selbst, unter greller Farbe getarnt, verweist auf seine militärische Vergangenheit – nun jedoch in freundlicher, humorvoller Form. In einem scheinbar virtuellen Raum platziert, eröffnen die Skulpturen Momente der Leichtigkeit. Schimmernde Flügel, die an Engelsdarstellungen der Renaissance erinnern, verstärken das Bild und eröffnen gleichzeitig einen Moment der Hoffnung.

Haliti stellt die Verbindung zwischen Ästhetik und Kriegsführung her und übt Kritik an dem globalen Narrativ von Macht und Dominanz. Geprägt von der ständigen Präsenz militärischer Ästhetik in ihrer Heimat Kosovo, stellen die Werke von Flaka Haliti dieser einen transformierten Entwurf gegenüber. Es entstand der von der Künstlerin geprägte Begriff der „demilitarisation of aesthetics“ (dt.: Demilitarisierung der Ästhetik).

Durch die Neuanordnung von Materialien und Gegenständen, die Haliti ihren ursprünglichen Fundorten, ihrem Zweck und ihrer Zeit entnimmt, entstehen neue Konstellationen, eine anschauliche Reflexion über die Überwindung von Grenzen, über Macht und Identität. Mit feinem Humor und sensibler Poetik regen uns Halitis Werke dazu an, neue Möglichkeiten jenseits der gewohnten Pfade des Denkens in Betracht zu ziehen.

Zur Künstlerin:

Flaka Haliti (*1982 Pristina, Kosovo) studierte Grafikdesign in Pristina und Bildende Kunst an der Städelschule, Frankfurt a. M. Seit 2013 ist sie PhD in Practice-Kandidatin an der Universität für angewandte Kunst, Wien. Mit ihrem Debüt für den Kosovo-Pavillon auf der 56. Biennale in Venedig wurde sie 2015 international bekannt. Sie zeigte ihr Werk in Einzelausstellungen u. a. im mumok – Museum moderner Kunst, Wien (2014), in der Nationalgalerie des Kosovo, Pristina (2014), im Kunsthaus Hamburg (2018), in der Nationalen Galerie der Künste, Tirana (2018), der Cukrarna, Ljubljana (2023) und der Galerie Deborah Schamoni, München (2024). Haliti erhielt u. a. den Henkel Art.Award (2013), den Muslim Mulliqi X Award (2014), den ars viva-Preis für Bildende Kunst (2016), den Ludwig-Gies-Preis und die Shortlist-Nominierung für den Preis der Nationalgalerie, Berlin (2019).

Sculpture 21st

Unter dem Titel „Sculpture 21st” präsentiert das Lehmbruck Museum seit 2014, anlässlich des 50. Jubiläum des Museums, wechselnde Positionen zur zeitgenössischen Skulptur. Einige der wichtigsten Bildhauer:innen der Gegenwart – unter ihnen Tino Sehgal, Jeppe Hein, Julian Opie, Mona Hatoum, Shirin Neshat und zuletzt Peter Kogler – präsentierten in der ikonischen Glashalle des Museums ihre Werke und zeigten, wie sie die Skulptur im 21. Jahrhundert  neu definieren. Die Grenzen der Bildhauerei werden in einem der bedeutendsten Museen für Skulptur in Europa verhandelt, überschritten oder auch gänzlich aufgelöst.

Die imposante Nordhalle des Lehmbruck Museums mit ihren über sieben Meter hohen Glasscheiben bildet die architektonische Verbindung zwischen Museum und Öffentlichkeit. Mit jeder weiteren künstlerischen Interpretation dieses Raumes durch die gastierenden Künstler:innen wird die außergewöhnliche Museumsarchitektur Manfred Lehmbrucks stets aufs Neue zu einer einzigartigen Raumerfahrung. Mit jeder neuen Präsentation werden neue Schwerpunkte gesetzt und der Ausstellungsraum neu interpretiert. Durch die Glaswände sind die eindrucksvollen Werke auch außerhalb des Museums im Immanuel-Kant-Park sichtbar und bilden so die Schnittstelle zwischen Öffentlichkeit und musealem Raum. Gerade die Reihe „Sculpture 21st“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Grenzen zwischen Außenwelt und Innenraum aufzulösen und die Öffentlichkeit in die Verhandlungen um die Position der Skulptur mit einzubeziehen.

Nähere Informationen: Lehmbruck Museum, Friedrich-Wilhelm-Straße 40, 47051 Duisburg, Telefon: +49 (0)203 283-3294, Fax: +49 (0)203 283-3892, E-Mail: infolehmbruckmuseum.de