Magico! – Italienischer Realismus von 1920 bis 1970

Das Museum „MORE“ in Gorssel/NL hat in Zusammenarbeit mit 24 ORE Cultura eine große Ausstellung organisiert, die 50 Jahren des italienischen Realismus gewidmet ist. Mit einer Auswahl von 70 Werken stellt „Magico! – Italienischer Realismus von 1920 bis 1970“ dem niederländischen Publikum erstmals die Entwicklungen der modernen realistischen Malerei des 20. Jahrhunderts in Italien vor. Die Ausstellung umfasst Meisterwerke von Künstlern wie Edita Broglio, Felice Casorati, Giorgio de Chirico, Cagnaccio di San Pietro, Antonio Donghi, Leonor Fini, Domenico Gnoli, Ubaldo Oppi und Gino Severini. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 7. Juni.

Rätselhaft

Ab den frühen 1920-er Jahren begann eine italienische künstlerische Avantgarde, die Welt um sich herum auf magische, poetische, entfremdete, aber manchmal auch glasklare Weise darzustellen. Außerdem war ihre neue Realitätssicht Teil eines breiten Trends in ganz Europa, wieder realistische Kunst zu schaffen. Dies war jedoch keine reaktionäre Rückkehr zu ‚altmodischen‘ Kunstansichten, sondern ein Bedarf, ein anderes Lebensgefühl und eine neue Weltanschauung auszudrücken. Vor allem nachdem die Abstraktion für einige Künstler die Schrecken des Ersten Weltkriegs nicht darstellen konnte. Sie nahmen eine kritische Distanz ein und verschmolzen das Experiment und die Tradition ihrer Vorgänger zu einer ganz eigenen visuellen Sprache. Dies führte oft zu intensiven, rätselhaften und präzisen, technisch perfekten Gemälden.

In den 1920-er und 1930-er Jahren reisten Künstler nach Deutschland und Frankreich, besonders aber nach Italien, um sich voneinander und von alten italienischen Meistern wie Piero della Francesca und Giotto inspirieren zu lassen. Italien, oft als Wiege der europäischen Kunst angesehen, erwies sich als perfekter Nährboden für das Aufblühen eines magischen Realismus

Ohne von einer Bewegung oder Schule sprechen zu können, wirkt der italienische Realismus aus der Zwischenkriegszeit oft subtil anders als zum Beispiel die deutsche Neue Sachlichkeit. Während einige deutsche Künstler den Betrachter brutal mit einer rohen oder grauen Sicht auf ihre Motive konfrontieren, suchen viele italienische Neorealisten hinter dem Wahrnehmbaren nach einer „mystischen Wahrheit“.

Verzauberter Blick

In konzentrierten Stillleben, verlassenen Landschaften, Stadtansichten und (Gruppen-)Porträts führender Maler wie Felice Casorati, Cagnaccio di San Pietro, Antonio Donghi, Ubaldo Oppi und Gino Severini wird eine verborgene Schönheit zum Ausdruck gebracht. Sie machen das Alltägliche fast ikonisch. Manchmal mit einer überdeutlichen Darstellung zum Beispiel von Arbeitern oder würdevollen Würdenträgern. Oft mit scheinbar ruhigen oder zeitlich eingefrorenen Bildern, die Situationen, Menschen oder regungslose Dinge, an denen man schnell vorbeigehen kann, wie zum Beispiel Laborglas, zusätzliche Intensität verleihen.

Diese italienischen Künstler nehmen die Betrachter mit in ihrem Staunen über die rational wahrnehmbare Welt, über das Hier und Jetzt. Und gleichzeitig bieten sie dem Betrachter ein Geheimnis, das in mathematisch konstruierte Gemälde gehüllt ist. Der magische Realismus ist jedoch alles andere als eine exakte Methode mit künstlerischen Vorgaben. Es ist eher eine emotionale Vision mit einer breiten Bandbreite an Ausdrucksformen, die ihren Anfang in den 1920-er Jahren hatten. Die magischen Realisten jener Zeit teilten hauptsächlich einen „verzauberten Blick“, einen Blick auf die Grenze zwischen Traum und Realität.

Radikal und groß

Nach dem Zweiten Weltkrieg hielten mehrere italienische Künstler an ihrer eigenen realistischen Bildsprache fest. In einer Zeit, in der abstrakte Kunst in ganz Europa zur Norm wird, , setzen sich diese Künstler dafür ein, die Traditionen der italienischen Malerei fortzuführen und zu erneuern. Gegen die Strömung treten einige einzigartige italienische Künstler hervor, wie Domenico Gnoli, der die figurative Malerei radikal auffrischt. Auch für ihn bilden Handwerk und Handwerk eine technische Grundlage, doch mit seinen Werken dehnt er das Stillleben-Genre bis an die Grenzen. Er sprengt buchstäblich die magische Essenz von ‚dem Ding‘ in die monumentale Darstellung nur eines Details des Wesens. Ein Damenschuh oder ein Teil eines Mantelreverses werden bei Gnoli zu neuen Ikonen in einer neuen Nachkriegswelt. Bildschirmfüller, groß und vergänglich.

Alle in der Ausstellung vertretenen Künstler

Pietro Annigoni, Baccio Maria Bacci, Rino Gaspare Battaini, Edita Broglio, Mario Broglio, Antonio Bueno, Xavier Bueno, Cagnaccio di San Pietro, Massimo Campigli, Felice Casorati, Ugo Celada da Virgilio, Giorgio de Chirico, Stanis Dessy, Antonio Donghi, Leonor Fini, Oscar Ghiglia, Domenico Gnoli, Renato Guttuso, Mario Lannes, Bice Lazzari, Carlo Levi, Nella Marchesini-Malvano, Daphne Maugham-Casorati, Ubaldo Oppi, Mario Reviglione, Carlo Sbisà, Gregorio Sciltian, Alfredo Serri, Gino Severini, Cesare Sofianopulo, Mario Tozzi und Giuseppe Zancolli.

Nähere Informationen: Museum More, Hoofdstraat 28, 7213 CW Gorssel, Telefon: +31 575 760 300, E-Mail: info@museummore.nl

„Piets Geburtstagswochenende“ im Museum Villa Mondrian

Piets Geburtstagswochenende“ im Museum Villa Mondrian

Beim Piet-Geburtstagswochenende am Samstag, 7. März, und am Sonntag, 8. März, dreht sich das Museum Vikka Mondrian in Winterswijk ganz um Feiern, Kunst und Spaß für Jung und Alt.

An beiden Tagen gibt es drei kostenlose Flash-Touren, bei denen die Besucherinnen und Besucher in kurzer Zeit die Highlights des Museums entdecken können. Für Kinder organisieren die Mitarbeiter des Museums kreative Werkstätten, einige kostenlos, einige gegen eine kleine Gebühr. Es verspricht, ein geschäftiges und vor allem spaßiges Wochenende zu werden. Als Überraschung gibt es eine reduzierte Eintrittsgebühr. Für Eltern gibt es auch viel zu tun, mit inspirierenden Malworkshops und einer ausführlichen Führung durch eine Kuratorin. Kurz gesagt, ein festliches Wochenende voller Kunst, Kreativität und Überraschungen.

Besonders für die jüngsten Besucher wird das Buch „Kikvors Kasper en d’n stork“ laut vorgelesen. Die Schriftstellerin Else Klomps besucht das Museum, um die spannende Geschichte von Frosch Kasper zu erzählen. Kasper wird von einem Storch entdeckt und einfach weggebracht! Solange das gut läuft… Mit einem kostenlosen Glas Limonade für unsere kleinen Besucher.

Programm in der Übersicht

Samstag, 7. März, 11:30 Uhr im Café, freier Eintritt gegen Vorlage eines gültigen Eintrittstickets. Oben im Studio können die Teilnehmer wie ein echter Künstler arbeiten. Es gibt alle möglichen Materialien, die man selbst entdecken kann, und man lernt, wie man eine Collage erstellt. Vielleicht machst jemand den neuen Victory Boogiewoogie?

Samstag, 7. März und Sonntag, 8. März, der Workshop, ganztägig, kostenloser Eintritt gegen Vorlage gültiger FahrkarteAn beiden Tagen organisieren die Mitarbeiter des Museums drei kostenlose Flash-Touren, bei denen Sie in kurzer Zeit die Highlights des Museums entdecken. Die Führungen finden um 12, 13 und 14 Uhr statt. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich, maximal 15 Teilnehmer pro Tour.

Samstag, 7. März und Sonntag, 8. März, versammeln sich die Teilnehme im Museumsladen, 12, 13 und 14 Uhr, kostenlos gegen Vorgabe eines gültigen Eintrittstickets.

Im Garten besteht die Möglichkeit, unter der Anleitung des Künstlers Vic Hulshof zu malen Im Garten des Museums haben die Besucher einen wunderschönen Blick auf einen Apfelbaum und auf die Jakobskirche. Auch Piet Mondrian fand hier Inspiration und stellte oft diesen Baum und diese Kirche dar. In diesem Workshop bringt Vic den Teilnehmern bei, wie sie die Kirche und den Apfelbaum direkt auf die Leinwand setzen können. Termin: Sonntag, 8. März, 13.30 Uhr, maximal 15 Teilnehmer. Kostenbeitrag 13 Euro.

Nähere Informationen: Museum Villa Mondriaan, Zonnebrink, 47101 NC Winterswijk, Telefon +31 (0) 54351 5400, E-Mail info@villamondriaan.nl. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Ukrainisch-deutsches Theaterensemble „KUVO“ spielt am 7. und 8. März im Capitol Nordhorn

Theaterproduktion in deutscher und ukrainischer Sprache

Bei den KUVO-Theaterprojekten arbeiten Flüchtlinge und Einheimische zusammen: Menschen aus der Grafschaft Bentheim, aus der Ukraine und aus Syrien. Gemeinsam gestalten und erleben sie Zusammenarbeit. Inzwischen besteht die Gruppe aus 15 Teilnehmern: sieben jungen und älteren Menschen aus der Ukraine, sechs aus Deutschland und zwei aus Syrien.

Aktuell laufen die Proben zu dem neuen Theaterstück „#Filter“. Die Idee zu dem im Jahr 2023 gegründeten Theaterprojekt stammt von der Theaterwissenschaftlerin Simone Wrede. Inzwischen bringt sie gemeinsam mit Kinga Röder de Jong bereits das dritte Stück mit dem Namen „#Filter“ auf die Bühne.

Die Premiere von „#Filter“ findet am 7. März um 20 Uhr im Capitol an der Neuenhauser straße 13 in Nordhorn statt. Am 8. März folgt um 17 Uhr eine weitere Aufführung. Karten gibt es im Internet auf der Seite https://capitol-nordhorn.reservix.de

Auf den Krisenherden dieser Welt unterwegs

Neues Buch von Katrin Eigendorf

Sie gehört ohne Zweifel zu den mutigsten deutschen Journalistinnen: Katrin Eigendorf, die für das ZDF direkt vor Ort von den Krisenherden dieser Welt berichtet.

Seit Kurzem liegt ihr neues Buch mit dem Titel „Erzählen, was ist – Berichten am Limit in einer Zeit der Kriege“ vor, in dem sie von ihrer Tätigkeit als Sonderkorrespondentin berichtet – und das auf eine sehr persönliche Art tut. Sie lässt die Leserinnen und Leser neben den politischen Fakten auch an ihrer Sicht der Dinge teilhaben. Katrin Eigendorf ist dort unterwegs, wo die Welt ins Wanken geraten ist – in der Ukraine, wo sie Soldaten an der Front begleitet, oder in Afghanistan, wo sie von mutigen Frauen in Afghanistan berichtet, die Mädchen in Untergrund-Schulen unterrichten, aber auch von den Taliban, die 2021 die Macht zurückgewonnen haben und ein weiteres mal die Frauen unterdrücken. Es sind existenzielle, häufig auch schmerzhafte Begegnungen, mit Menschen, deren Geschichten die Reporterin erzählt. Nicht aus der Distanz, nur aus der Nähe, aus der eigenen Anschauung und Anteilnahme berichtet sie über Kriege. Was sie dort erlebt, wie in der zurückeroberten ukrainischen Stadt Isjum, wo sie auf von den Russen hinterlassene Leichenberge stößt, ist erschreckend.

Was zur Zeit auf der Welt von Afghanistan über den Gazastreifen bis hin zum Angriffskrieg der Russen gegen die Ukraine und auch in anderen Regionen passiert, bringt Katrin Eigendorf präzise auf den Punkt: „Wir erleben heute, wie Grenzen systematisch überschritten und verschoben werden. Grenzen von Ländern, Grenzen der Menschlichkeit, des Ressourcenverbrauchs. Wir bewegen uns in eine scheinbar grenzenlose Welt, in der fast alles möglich scheint – und zugleich alles ins Rutschen gerät. Das nutzen Autokraten wie Putin, Trump oder Xi zu ihrem Vorteil. Und nicht nur sie. In Deutschland erteilt ein Ladenbesitzer Juden Hausverbot. In Afghanistan verweigern die Taliban verletzten Frauen nach einem Erdbeben ärztliche Hilfe, weil diese nicht von Männern berührt werden dürfen. In Gaza lässt die israelische Regierung Menschen verhungern, im Iran lassen die Mullahs Frauen foltern und ermorden, weil sie ihre Haare nicht bedecken. Russland überfällt sein Nachbarland, und in den USA darf ein gewählter Präsident willkürlich Jagd auf Menschen machen und diese deportieren lassen. Es ist eine Welt der Grenzverschiebungen.“

Dabei war zu Beginn ihrer journalistischen Karriere Ende der 1980-er Jahre die Welt von sehr viel Hoffnung erfüllt, wie sie weiterschreibt: „Der Beginn meiner journalistischen Laufbahn ist geprägt vom Fall der Mauer und dem Ende der Sowjetunion. Es schien damals, als befände sich die Demokratie auf dem Siegeszug. Francis Fukuyama sprach vom Ende der Geschichte. Die Vorstellung, dass auf den Trümmern einer Monarchie und eines jahrzehntelangen Sowjetregimes eine funktionierende Marktwirtschaft und Demokratie entstehen können, zog mich nach Russland – voller Hoffnung. Im Westen wuchs damals die Überzeugung, Reformen könnten von außen gefördert werden.“

Doch diese Hoffnungen trogen, wie die nachfolgenden Jahre zeigten. Und das gilt auch für den Westen, allen voran die USA mit Präsident Donald Trump. Ebenso in seinem Fall bringt sie die von ihm vollzogenen Grenzverschiebungen auf den Punkt: „Es ist ihm gelungen, so viel Macht in seinen Händen zu konzentrieren, wie kein amerikanischer Präsident zuvor. Er und die MAGA-Bewegung sind dabei, die demokratischen Institutionen, Traditionen und ihr Regelwerk systematisch zu zerstören, mit dem Ziel, ein autokratisches Regime zu errichten.“

Dass dergleichen geschehen konnte, begründet sie unter anderem mit einer technischen Entwicklung, die immer mehr die Wahrnehmung von Informationen beeinflusst: Das Internet und die mit ihm verbundenen „sozialen Medien“. Deren immer größer werdende Macht datiert sie auf das Jahr 2014 zurück: „Wir werden überflutet mit Informationen, und viele Menschen haben das Gefühl, die Orientierung zu verlieren. Eine Entwicklung, die spätestens seit 2014 erkennbar ist. Mit gezielter Desinformation ist es Russland gelungen, das Vertrauen in die Wahrheit zu erschüttern. Social Media haben den Autokraten von heute schier unbegrenzte Möglichkeiten der Manipulation gegeben. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird die Grenzen in einem Ausmaß weiter verschieben, das wir noch nicht kennen.“

Mit ihrem Buch will sie ein Zeichen gegen diese Entwicklung setzen. Sie glaubt an die Wahrheit und an ihre Profession als Journalistin. So ist es ihr ein großes Anliegen, über Menschen zu berichten, die sich gegen die um sich greifenden autokratischen Denkweisen und Strukturen ankämpfen: „Hoffnung machen mir die vielen Begegnungen mit Menschen, die teilweise unter hohen Risiken für ihre Freiheit eintreten. Ihre Geschichten zu erzählen ist mein Anliegen …“

Eine ihrer Stationen: die Zarghona High School in Kabul, ein Jahr nach der Machtübernahme durch die Taliban. Dort trifft Katrin Eigendorf für einen Fernsehbericht auf die Direktorin, die trotz eines allgemeinen Schulverbotes für Mädchen durch die Taliban Unterricht erteilt, allerdings nur noch für 2000 statt für 8000 Schülerinnen. Und auch damit soll Schluss sein: „Für die Mädchen der sechsten Klassen soll es der letzte Schultag ihres Lebens sein. Ich versuche mir vorzustellen,was das bedeutet, wie die Mädchen sich fühlen mögen“, berichtet die Journalistin. Richtig traurig wird es zum Schluss des Besuches, als eine Lehrerin Katrin Eigendorf mit folgenden Worten verabschiedet: „»Bitte erzähle das, was die Mädchen erleben, bitte berichte davon«, sagt sie leise, bevor wir uns verabschieden. Wir werden uns nicht wiedersehen und auch nicht telefonieren, aber manchmal, so habe ich gelernt, ist es wichtig, eine Telefonnummer notiert zu haben.

Diese und weitere Erfahrungen solcher Art führen die Autorin auch dazu, über ihren Beruf zu reflektieren und eine Haltung dazu zu gewinnen: „Wie geht es dir nach solchen Begegnungen, wie kommst du damit klar, in Ländern zu sein, wo Menschen so viel Unrecht angetan wird? Es sind Fragen, die mir immer wieder gestellt werden. Gar nicht komme ich damit klar, lautet meine Antwort. Manchmal komme ich mir in eine Zeit versetzt vor, die ich als Kind nur aus Spielfilmen kannte. Die Brutalität, die Unterdrückung und diese Erbarmungslosigkeit. Das war irgendwie das Mittelalter, dessen Grausamkeit wir durch den Humanismus überwunden zu haben schienen. Hier in Afghanistan ist all das Realität.Es zu sehen ist schlimm, es zu spüren, den Menschen nahe zu sein, und sei es auch nur für wenige Stunden oder einen Tag, macht mich traurig. Das, was meinen Beruf ausmacht, ist auch das, was schmerzt. Nur wenn ich mit den Menschen, die ich treffe, eine Verbindung eingehe, kann ich ihre Geschichten so erzählen, wie es mir richtig erscheint.“

Katrin Eigendorf spricht aber nicht nur mit den unterdrückten Mädchen und Frauen, sondern auch mit denen, die das zu verantworten haben: den Taliban. Ortswechsel: das Büro des Vizeregierungssprechers Bilal Karimi. Was dort passiert, ist typisch für das frauenfeindliche Verhalten der Taliban. Karimi will sich eigentlich weigern, ein Interview mit einer Frau zu führen, lässt es aber dann doch zu. Richtig ärgerlich wird er, als Eigendorf folgende Frage stellt: „Wo im Koran steht geschrieben, dass Mädchen nach der sechsten Klasse keine Schule besuchen dürfen?«, frage ich. Ich erkenne sofort den Ärger im Gesicht des Mannes. Er bemüht sich, ruhig zu antworten, und erklärt mir etwas von oben herab: »Sie sollten auf Dinge, die mit dem Islam zu tun haben, nicht oberflächlich schauen. Das ist ein Land, das 43 Jahre für seine spirituellen und islamischen Werte gekämpft hat.“ Nach weiteren kritischen Fragen ist das Gespräch beendet.

Eigendorf weiß aber trotzdem, wie weit sie gehen kann, und welche Regeln sie befolgen muss, um aus einem von den Taliban beherrschten Land überhaupt noch berichten zu können. Ihr zu Seite steht ein afghanisches Zweimann-Team, das die „feinen Linien“ kennt, die nicht überschritten werden sollten. Sie bekommt entgegen ihren Befürchtungen nach dem Interview aber auch bestätigt, dass sie sich richtig verhalten und die nötige Sensibilität bewiesen hat: „Wir besprechen genau, was aus ihrer Sicht möglich ist und was Probleme schaffen könnte. Oft sind sie viel mutiger als ich. Sie sind der Meinung, dass das Gespräch gut gelaufen ist, denn ich war kritisch, habe mich aber höflich, fair und respektvoll verhalten. Ähnlich ist es auch mit unseren Berichten.“ Das sagt ihr auch ein weiterer journalistischer Kollege: „Solange du sachlich bleibst und nichts verdrehst oder aufbauschst, ist es okay«, erklärt mir Farid, ein weiterer langjähriger afghanischer Kollege immer wieder.“

Journalistische Tugenden, die auch hier gelten, und Umgangsformen, die in Deutschland auch als Sekundärtugenden bezeichnet werden, helfen bei der Arbeit auch unter erschwerten Bedingungen, wie Eigendorf schreibt: „Ein falsches Wort, eine falsche Darstellung kann nicht nur unsere Kollegen oder auch

Gesprächspartner in Gefahr bringen, es kann auch dazu führen, dass wir beim nächsten Mal kein Visum und keine Akkreditierung bekommen. Es ist ein schmaler Grat zwischen der Möglichkeit, hier zu arbeiten, und dem journalistischen Wert, zu berichten, was ist. Nach fast jeder größeren Geschichte müssen die afghanischen Mitarbeiter Gespräche mit den Behörden führen. Es ist dann besonders wichtig, dass meine Schilderungen wahrheitsgetreu sind. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, doch leider erlebe ich vor allem in Afghanistan, dass sich die Menschen von westlichen Medien oft klischeehaft und falsch dargestellt sehen.“ So erhält der Leser neben einer genauen Beschreibung der Verhältnisse vor Ort auch Einblicke in die Regeln guten journalistischen Handwerks.

Weiter geht es im Buch mit einer differenzierten Analyse der Taliban und ihren unterschiedlichen Ausrichtungen, mit Berichten aus anderen Krisenregionen der Welt sowie persönlichen Erfahrungen und Betrachtungen; und durch diese gelungene Mischung gelingt es Eigendorf, komplexe Sachverhalte verständlich auf den Punkt zu bringen. Kurzum: eine lohnenswerte Lektüre über die schwierigen politischen Verhältnisse auf dieser Welt, die dem Leser Orientierung über manchmal kaum zu überblickende Zusammenhänge bietet.

Katrin Eigendorf, Erzählen, was ist – Berichten am Limit in einer Zeit der Kriege, S. Fischer Verlag, 256 Seiten, ISBN: 978-3-10-397699-1

Ausstellungstipps für Museumsbesuche in den Niederlanden

In der aktuellen Ausgabe der Museumstijdschrift gibt es wieder einige vielversprechende Ausstellungs-Tipps für Museumsbesuche in den Niederlanden. Dieses Mal mit dem Thema „Lebenslinien“.

Grijs! Kunst über das Altern

Perspektiven auf das Altern in einer alternden Gesellschaft

In einer Gesellschaft, die obsessiv nach ewiger Jugend sucht, hat das Museum van Bommel van Dam in Venlo seine erste große Ausstellung über das Alter gemacht. Noch bis 14. Juni präsentiert das Kunstmuseum die Gruppenausstellung „Grijs! Kunst über das Altern“.

Durch Arbeiten internationaler zeitgenössischer Künstler erforscht die Ausstellung die Sicht und Erfahrung des Alterns in einer alternden Gesellschaft: von Altersdiskriminierung und Bildsprache bis hin zur Schönheit des sich verändernden Körpers und der Beziehung zwischen den Generationen. In Fotos, Videos, Gemälden, Installationen und Zeichnungen bekannter Künstler zeichnet die Ausstellung „Grijs!“ ein reichhaltiges Bild einer der wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit.

Zu den teilnehmenden Künstlern zählen Tyna Adebowale (Nigeria, 1982), Diana Blok (Uruguay, 1952), Melanie Bonajo (Niederlande, 1978), Marrie Bot (Niederlande, 1946), Jan van Herwijnen (Niederlande, *1889 – +1965), Wen Hui (China, 1960), Isadora Kosofsky (Vereinigte Staaten, 1993), Marcos Kueh (Malaysia, 1995), Maria Lassnig (Österreich, *1919 – +2014), Lique Schoot (Niederlande, 1969), Sjoerd Schunselaar (Niederlande, 1990), Joan Semmel (Vereinigte Staaten, 1932), Lily van der Stokker (Niederlande, 1954) und Fiona Tan (Indonesien, 1966).

Nähere Informationen: Museum van Bommel van Dam, Keulsepoort 1, Venlo, Telefon: +31 773513457, E-Mail: info@vanbommelvandam.nl, Internet: www.vanbommelvandam.nl

GEN 3.0 – Die Generation 3.0 äußert sich zum Mitspracherecht

Genau 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der auch das Ende der japanischen Besetzung der Niederländisch-Ostindien markierte, bringt das Fotomuseum Den Haag zeitgenössische Künstler zusammen, die visuell über die Auswirkungen der kolonialen Vergangenheit reflektieren. Aus ihrer persönlichen Perspektive untersuchen sie, wie diese Geschichte ihre Identität und Stellung in der Gesellschaft beeinflusst. Diese „Generation 3.0“ mit Wurzeln in verschiedenen Gemeinden der ehemaligen niederländischen Kolonie sind heute junge Erwachsene und neugierig: ‚Wie machen mich meine Familiengeschichte und mein koloniales Erbe zu dem, was ich heute bin?‘

Mit Fotografie, Video, Sammlungsdokumenten und Archivmaterial erzählen sie Geschichten, die bis jetzt unbesprochen geblieben sind. Ihre Arbeit bietet vielen Anerkennung und lädt gleichzeitig ein breiteres Publikum ein, über diese gemeinsame Vergangenheit nachzudenken.

Nähere Informationen: Fotomuseum Den Haag, Stadhouderslaan 43, Den Haag, Telefon: +31 703381144, E-Mail: info@fmdh.nl, Internet: www.fotomuseumdenhaag.nl

Neues Alt! Die Kunst des Altwerdens

Noch bis zum 3. Januar 2027 zeigt das Museum des Geistes in Haarlem mit der Ausstellung „Neues Alt! Die Kunst des Alterns“ ein menschliches und überraschendes Gesicht für die alternde Bevölkerung. Anhand spezieller Kunstfotos bekannter und unbekannter älterer Menschen zeigt das Museum die Vielseitigkeit, Vitalität und Widerstandsfähigkeit des Alterns. Die Ausstellung widerlegt hartnäckige Mythen über ältere Menschen als verletzlich und kostspielig und lädt zu einem neuen Blick auf das Alter ein. Die Niederlande altert rasant. Zum ersten Mal leben mehr ältere als junge Menschen in den Niederlanden. Laut Zahlen der niederländischen Statistik sind etwa 3,76 Millionen Menschen 65 Jahre oder älter und etwa 3,72 Millionen Menschen unter 20 Jahren. Im Jahr 2030 werden 25 Prozent der Bevölkerung über 67 Jahre alt sein. Jeder dritte 67-Jährige erlebt manchmal irgendeine Form von Altersdiskriminierung, während drei Viertel der über 65-Jährigen vital und unternehmerisch sind und voll an der Gesellschaft teilnehmen.

Einzigartige Lebensphase

In der Ausstellung „Neues Alt! Die Kunst des Altwerdens“ präsentiert das Museum des Geistes zusammen mit Gastkurator Prof. Tineke Abma, Stiftungsprofessorin für Kunst und Pflege an der Erasmus-Universität Rotterdam, eine andere, reichere Perspektive auf das Alter. Die Ausstellung verlagert den Fokus von Verletzlichkeit hin zu Vitalität, Kreativität und sozialem Engagement. Dem Wunsch nach Verbindung und Bedeutung wird ebenfalls expliziter Raum gegeben. Abma bringt es mit folgenden Worten auf den Punkt:: „Das Alter ist eine Lebensphase, die einzigartige Möglichkeiten bietet, endlich der Mensch zu werden, der man ist.“

Nähere Informationen: Museum des Geistes, Schotersingel 2, Haarlem, Telefon: +31 235410670, E-Mail: info@museumvandegeest.nl, Internet: museumvandegeest.nl

„Kop d’r veur“ – Kolumne von Pauline Broekema

Als Kolumnistin für die niederländische Museumstijdschrift teilt Pauline Broekema in jeder Ausgabe ihre persönlichen künstlerischen Beobachtungen mit den Leserinnen und Lesern. In dieser Kolumne aus dem Heft Nr. 1 • 2026 beschreibt sie, wie ein Besuch der Dauerausstellung „New Light“ im Groninger-Museum sie in ihre Kindheit zurückversetzte. Die Vertreter der Künstlervereinigung „De Ploeg“ fingen mit ihren farbenfrohen und ausdrucksstarken Gemälden die Landschaften ein, an denen sie so oft vorbeigefahren sind.

„Meine Oberschule lag im Zentrum der Stadt Groningen. Ich fuhr mit dem Fahrrad hin und zurück über die Moesstraat, die bis Ende der fünfziger Jahre eine Zufahrtsstraße zu den Ommelanden war. Wo die Moesstraat endete, begann damals die antike Landschaft nördlich der Stadt. Entlang des Wassers des Reitdiep befinden sich Wiesen, Kühe, Gräben, kleine Bauernhöfe und enge Landstraßen. Die hohen Weiden entlang der Wege trugen, wie der Maler Johan Dijkstra (*1896 –+1978) einst schrieb, „das Zeichen des Windes in ihren Kronen“.

In den sechziger Jahren wurden auf dieser Kulturlandschaft Häuser und Wohnungen errichtet. Wir sind dort eingezogen. Ich dachte, Selwerd sei ein karges, einfallsloses Viertel. Tatsache ist, dass die Stadtentwickler und Architekten, getrieben vom Wohnungsmangel, bei weitem nicht mit den berühmten Vorkriegsarchitekten aus Groningen mithalten konnten.

Von der Landschaft geprägt

In diesem verschwundenen Land gab es einst den Weiler „Blauw Borgje“. Der Künstler Johan Dijkstra schrieb 1965 in der Kulturzeitschrift Weerwoord: „Auf dem Reitdiepsdijk gab es zwei Bauernhöfe in malerischer Umgebung mit alten Bäumen, wilden Büschen und einem umzäunten Innenhof. Man kann sagen, dass eine Generation junger Groninger Maler dort geprägt wurde.“

Brillante Beispiele dieser Bewegung sind im Groninger-Museum in der kürzlich eröffneten Dauerausstellung „New Light“ zu sehen. Die De-Ploeg-Kuratorin Anneke de Vries und ihre Kollegen haben eine wunderbare Auswahl aus der „De Ploeg“ genannten Künstlervereinigung getroffen, deren Vertreter auch liebevoll „unsere alten Meister“ genannt wurden.

Die Grundlage für das Schaffen dieser „jungen Groninger Maler“ wurde von dem Lehrer und Maler F. H. Bach (*1865–+1956) gelegt. Er nahm seine Schüler des Kunstkurses der „Minerva Akademie“ mit nach draußen und direkt in die landwirtschaftlich geprägte Region. Das war eine Neuheit. Nachdem sie das Klassenzimmer verlassen hatten, mussten sie durch die Moesstraat in Richtung Reitdiep nach „Blauw Borgje“ fahren. Er ließ sie dort skizzieren. Sie durften nie länger als eine halbe Stunde an einer Zeichnung arbeiten und dabei auch nicht „picken“, sondern mussten mit festen Pinselstrichen malen.

Emotion in einer Körperhaltung

1918 gründeten Künstler, darunter einige von Bachs Schülern, den Verein „De Ploeg“. Der Maler Jan Altink (*1885 – +1971) erfand den Namen – das kulturelle Klima in Groningen musste durchpflügt werden. „Besessen von Farbe“ waren sie, erklärte Ploeg-Mitglied Job Hansen (*1899 – +1960) später. Tatsächlich konnte bei ihnen ein Himmel violett sein, das Segel eines Schiffes rot, ein Heuhaufen orange.

In der Ausstellung „New Light“ verweile ich am längsten bei dem Bild „Nach dem Besuch“(1925) von Jan Altink. Was für ein Mut, einen solchen Moment so zu malen! Zwei Frauen begleiten den Besuch. Anfangs nehme ich an, dass sie bereits über die Besucher tratschen. Aber je länger ich die Szene betrachte, desto mehr bin ich überzeugt, dass etwas Ernstes vor sich geht. Wir sehen ihre Gesichter nicht. Der Ausdruck muss irgendwie anders gelingen. Altink weiß, wie man Emotionen in einer Geste oder Körperhaltung ausdrückt.

Schultern an das Steuer

Als ich nach Hause komme, frage ich, wer dort abfährt, welche Art von Kutsche der unbefestigten orangefarbenen Straße folgt. „Ein Tilbury“, sagt Direktor Geert Pruiksma vom National Carriage Museum. Ein solch wendiger zweirädriger Wagen wird vom Fahrgast selbst gelenkt, sagt er. Jetzt erinnere ich mich. Ich kenne Tilburys aus Geschichten über Dorfärzte. Doktor Cleveringa aus Appingedam, der Großvater des berühmten Anwalts Rudolph Cleveringa, nutzte ihn, um die Kranken zu besuchen.

Fährt tatsächlich ein Arzt davon? Und bekamen die Frauen schlechte Nachrichten über die kranke Person im Bett, im Bauernhaus hinter ihnen? Die Frau mit der lila-roten Arbeitsschürze scheint in sich selbst versunken zu sein. Die andere, mit diesen starken, muskulösen Unterarmen hingegen legt ihre Hände zur Seite. Bei ihr ist es ‚kop d’r veur‘, wie die Groninger es treffend ausdrückten. Mit anderen Worten: Komm schon, leg deine Schultern ans Steuer. Die Kutsche wird bald um die Ecke biegen und aus dem Blickfeld verschwinden. Auf dem Weg zur nächsten Adresse.

Doktor Cleveringa hatte immer eine Angelrute dabei. Zwischen den Besuchen stellte er seine Tilbury an die Straße und genoss die Landluft, während er angelte. Ab und zu fahre ich wie üblich nach Norden auf der Moesstraat. Dann passiere ich die Hügeldörfer Dorkwerd und Oostum. Ich mache normalerweise einen Zwischenstopp in Garnwerd. Am Wasser, um es so zu genießen wie dieser Doktor. Auch wenn es bei mir ohne Angelrute ist. Dann stelle ich fest, dass das Land der Ploeg-Maler immer noch existiert. Nicht nur im Museum, sondern zum Glück auch im echten Leben.“

Über das Groninger Mueseum

Das Groninger-Museum ist ein vielseitiges Museum, das sich in Stil und Mentalität unter den besten niederländischen Museen auszeichnet. Mit zeitgenössischer Kunst erforscht das Groninger Museum die Grenzen von Kunst und Gesellschaft und zeigt nonkonformistische Kunst und Trends. Das Groninger-Museum möchte die Öffentlichkeit durch Inhalt und Art der Präsentation herausfordern und konfrontieren. Jedes Jahr besuchen durchschnittlich 200.000 Besucher das Groninger-Museum. Die zahlreichen Ausstellungen sorgen für Aktualität und Vielfalt.

Nähere Informationen: Museum Groningen, Museumeiland 1, Groningen, Telefon: +31 503666555, E-Mail: info@groningermuseum.nl, Internet: http://www.groninger museum.nl

100 Jahre nach der Schenkungsurkunde

Edwina van Heek im Mittelpunkt einer Ausstellung im Rijksmuseum Twenthe

Ab dem 8. März wird im Rijksmuseum Twenthe eine Fokuspräsentation zu Edwina van Heek gezeigt. Die Ausstellung basiert auf neuer historischer Forschung von Bert-Jaap Koops und beleuchtet ihre Rolle bei der Entstehung des Museums, eine Geschichte, die lange Zeit unterbelichtet wurde. Die Präsentation wurde in Zusammenarbeit mit der Edwina van Heek Stiftung und dem Archiv des Zonnebeek Estate erstellt.

1926 legte eine Unterschrift den Grundstein für das Rijksmuseum Twenthe. Am 19. Februar desselben Jahres unterzeichnete Edwina van Heek-Burr Ewing die Schenkungsurkunde, in der sie ein neues Museumsgebäude und eine dazugehörige Kunstsammlung dem niederländischen Staat schenkte. Mit dieser Tat verwirklichte sie den Traum ihres verstorbenen Ehemanns, des Textilfabrikanten Jan Bernard van Heek. Das Museum musste ‚dauerhaft und als solches‘ erhalten bleiben.

Obwohl Jan Bernard van Heek die Eröffnung des Museums nicht mehr erlebte, sorgte Edwina mit Entschlossenheit dafür, dass sein Ideal Wirklichkeit wurde. Hundert Jahre später ist ihre Rolle endlich zentral. In dieser fokussierten Präsentation heben wir ihre Entschlossenheit, Vision und ihr gesellschaftliches Engagement hervor: Werte, die im Museum noch spürbar sind.

Neue Forschung, neue Geschichte

Die Präsentation basiert auf neuer historischer Forschung von Bert-Jaap Koops und wirft neues Licht auf Edwinas Rolle bei der Gründung des Rijksmuseum Twenthe. Eine Geschichte, die lange Zeit wenig beleuchtet wurde, bekommt hier endlich Platz. Die Fokuspräsentation wurde in Zusammenarbeit mit der Edwina van Heek Stiftung und dem Archiv von Landgoed Zonnebeek erstellt.

Nähere Informationen: Rijksmuseum Twenthe, Lasondersingel 129-131, 7514 BP, Enschede, Telefon +31 53201 2000, Internet www.rijksmuseumtwenthe.nl. Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

Neuigkeiten und Termine bei der Kunsthalle Düsseldorf

Die Stadt Düsseldorf hat entschieden, die ab Sommer diesen Jahres geplante Sanierung der Kunsthalle um drei Jahre zu verschieben. Aktuell arbeitet die Kunsthalle daran, ihr Programm für 2026 an die neue Situation anzupassen. Weitere Details dazu folgen in Kürze.
Im Februar begrüßt die Kunsthalle Düsseldorf ihr Publikum zu drei Veranstaltungen: Am 27. Februar heißt es wieder „Ab durch Raum und Zeit“ bei der Düsseldorfer Kindermuseumsnacht. 15 Düsseldorfer Ausstellungsorte laden dazu ein zu entdecken, zu forschen und kreativ zu sein. In der Kunsthalle erwartet die Teilnehmer von 17 bis 22 Uhr die längste Leinwand der Stadt und eine „Interaktive Mission“ in einer Rauminstallation der Künstlerin Sofía Magdits Espinoza, die auch am darauffolgenden Familienwochenende, Samstag, 28. Februar, und Sonntag, 1. März, noch geöffnet sein wird.
Außerdem gibt es am Dienstag, 24. Februar, von 19 bis 22 Uhr ein Nachtfoyer Spezial mit den Künstlerinnen Lisa Röing Baer, Inessa Emmer, Julika Rudelius & Nikola Ukić.

Zu den Autorinnen und ihren Werken

Während sich das Zukunftsversprechen der Petromoderne in Luft auflöst, bleibt unser Alltag scheinbar unverändert – und doch trägt er die Spuren eines tiefgreifenden Wandels. Dieses Buch hält sie fest: Eine Welt, die in vertrauten Bildern fortbesteht und doch ins Wanken geraten ist.
Mit ihrer ersten Monografie „Der Boden knirscht unter meinen Füßen“ legt Lisa Röing Baer (* 1994) eine Auswahl aus fünfzehn Jahren analoger Fotografie vor und zeigt eine Epoche, die sich dem Ende zuneigt. Oft greifen hier Alltägliches und Politisches ineinander, Hoffnungen und Enttäuschungen stehen Seite an Seite in Bildern, denen die Vergangenheit nur mehr als verblassende Erinnerung eingeschrieben ist und die Zukunft zweifelhaft erscheint. Lichtdurchflutete Straßenszenen, Konsumwelten, Landschaften – erst in der Zusammenstellung wird deutlich, dass Baers Aufnahmen keine kohärente Erzählung liefern, sondern als visuelle Matrix spannungsgeladener Assoziationen miteinander verwoben sind, die jegliche Form linearen Fortschrittsglaubens infrage stellen. Lisa Röing Baer wird am Abend im Rahmen einer Lesung Einblicke in das Buch geben. (Lisa Röing Baer, Der Boden knirscht unter meinen Füßen, Kerber, 2025, ISBN 978-3-7356-1043-0)

Die Publikation „Mash up“ vereint Arbeiten aus zwei Ausstellungen von Inessa Emmer im Museum Kloster Bentlage sowie in der Städtischen Galerie Schloss Donzdorf. Gezeigt wird ein vielschichtiger Querschnitt ihres künstlerischen Schaffens zwischen Holzschnitt, Grafik und Malerei. Der Katalog macht sichtbar, wie sich Emmers Arbeiten zwischen druckgrafischer Präzision und malerischer Freiheit bewegen. Im Rahmen der Präsentation spricht Inessa Emmer mit Dr. Alexander Grönert (Stellvertretung künstlerische Direktion, Museum Schloss Moyland) über ihre Arbeitsweise, Materialien und die Entwicklung der gezeigten Werkgruppen. (Inessa Emmer
Mash up, Selbstverlag, 2025)

Julika Rudelius beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit Phänomenen, die ihren Ursprung in Machtstrukturen haben. Anhand von Video und Fotografie untersucht Rudelius Einflüsse von Macht auf das menschliche Verhalten: Von der Inszenierung archetypischer Individuen, über die Analyse systemischer Probleme bis hin zur Verarbeitung gesellschaftlicher Zustände. Nach ihrer Einzelausstellung „…in the days of the bullies“ 2023 in der Villa Merkel erscheint nun eine gleichnamige Publikation in Zusammenarbeit mit Céline Wouters (Grafik) und Johannes Kaufmann (Kurator der Ausstellung, Stadt Esslingen). Anhand der gemeinsamen Bildauswahl, eine Kombination aus Stills, Detail- und Installationsansichten, entstehen neue Assoziationen und bildliche Erzählungen, die über die Themen der Arbeiten in der Ausstellung hinausgehen und eine eigenständige thematische und visuelle Auseinandersetzung behaupten. Es findet ein Gespräch mit Johannes Kaufmann (Kurator, Stadt Esslingen) über die gleichnamige Ausstellung von Julika Rudelius „…in the days of the bullies“ (2023) in der Villa Merkel statt, zu der 2025 der Katalog bei StrzeleckiBooks veröffentlicht wurde. (Julika Rudelius, …in the days of the bullies, StrzeleckiBooks, 2025, ISBN 978-3-910298-26-2)

In seiner Praxis untersucht Ukić Prozesse von Entstehen und Vergehen sowie die Grenzen zwischen Natur und Kultur, Leben und Materie. Er greift Konzepte der 1960er-Jahre auf, in denen sich die Bildhauerei von repräsentativen Formen löste, und entwickelt daraus eine kritische Neuinterpretation skulpturaler Strategien. Seine Arbeiten reflektieren Form als eigenständige Größe und eröffnen ein Nebeneinander unterschiedlicher Zustände ohne deren Vereinheitlichung. Die Publikation „About the Sense of Possibilities“ dokumentiert mehr als zwei Jahrzehnte seines Schaffens mit Texten von Sabina Salamon, Vladimir Vidmar, Thorsten Schneider und Rolf Hengesbach. Am Abend findet ein Artist Talk gemeinsam mit Branka Benčić (Museumsdirektorin MMSU Rijeka), Sabina Salamon (Kuratorin, MMSU Rijeka) und Rolf Hengesbach (Galerist), inklusive einer Präsentation von Buchauszügen statt. (Nikola Ukić, About the Sense of Possibilities Herausgeber: MMSU – Museum of Modern and Contemporary Art, Rijeka, Herausgeberin Branka Bencic, Editor, Sabina Salamon. SNOEK, 2026, ISBN 978-3-86442-468-7)

Familienwochenende: Entdecke den Planeten Kunsthalle

Am Samstag, 28. Februar, und Sonntag, 1. März 2026, jeweils von 11 bis 18 Uhr, lädt die Kunsthalle Düsseldorf zum Familienwochenende ein. An diesem Wochenende öffnen sich zwei besondere Räume für Kinder, Familien und Neugierige jeden Alters: der Seitenlichtsaal und der Kinosaal. Der Eintritt ist frei.

Gemeinsam malen im Seitenlichtsaal

Im Seitenlichtsaal können Kinder gemeinsam an der langen Maltafel ein riesiges Bild entstehen lassen. Alle Werke werden nach und nach an die Wände gehängt – so wächst der Raum im Laufe der Tage immer weiter zu einer bunten, kollektiven Bilderlandschaft.

Ein außerirdischer Planet im Kinosaal

Im Kinosaal entsteht eine begehbare Rauminstallation der Künstlerin Sofía Magdits Espinoza.
Die Kunsthalle wird zu einem außerirdischen Planeten aus Wurzeln, Myzel und Wasser.
Kinder und Erwachsene gestalten den Raum mit: Sie flechten textile Wurzeln, verbinden sie mit Fäden und lassen ein wachsendes Netzwerk entstehen. Jede neue Verbindung macht den Planeten größer. Am Boden fließt unterirdisches Wasser durch den Raum. Licht, Klang und Textilien schaffen eine besondere Atmosphäre.

Nähere Informationen: Kunsthalle Düsseldorf, Grabbeplatz 4, 40213 Düsseldorf, E-Mail: mail@kunsthalle-duesseldorf.de

Auf den Spuren von Uta Danella und Hedwig Courths-Mahler

Zutiefst verunglücktes Roman-Debüt von Judith Hoersch

Mit „Niemands Töchter“ hat die 1981 in Köln geborene Judith Hoersch vor Kurzem ihr Debüt als Romanautorin gegeben. Hört oder liest man ihren Namen wird sie zumeist mit etwas anderem verbunden: mit ihren Auftritten als Schauspielerin in Serien und Spielfilmen.

So verkörpert sie seit acht Jahren die Titelrolle der Hebamme Lena Lorenz in der gleichnamigen Erfolgsreihe im ZDF und ist dadurch einem treuen wie breiten Publikum bekannt. Bereits mit 18 Jahren stand Hoersch erstmals vor der Kamera. Seither wirkte sie in zahlreichen TV- und Film-produktionen mit und etablierte sich sowohl im dramatischen als auch im komödiantischen Fach und ist unter anderem durch ihre Rollen in Fernsehfilmen und Reihen wie „Der Kriminalist“ (ZDF), „Im Spessart sind die Geister los“ (ARD), „Starfighter“ (RTL), „Taunuskrimi“ (ZDF), „Tatort Kiel“ (ARD) und „Meine Nachbarn mit dem dicken Hund“ (ARD) bekannt.

Auf der Kinoleinwand war sie unter anderem in „Männer wie wir“, „Buddy“, „Die Klasse von ’99“ und „A Cure for Wellness“ zu sehen. Der Kinofilm „Schneeflöckchen“, in dem Hoersch die Titelfigur spielte und zudem den Titelsong beisteuerte, gewann zahlreiche internationale Preise.

Literatur hat aber schon länger ihr Leben begleitet. Von ihrem Vater, einem Journalisten, wurde sie schon früh in die Geheimnisse des Schreibens von Geschichten eingewiesen. Selbst schrieb sie Kurzgeschichten, Songtexte und Gedichte; und schon mit elf verfasste sie eine umfassende Liebesgeschichte. Ebenfalls durch das Elternhaus wurde bei Judith Hoersch die Leidenschaft für die Musik geweckt. Neben der Schauspielerei spielen sowohl die Literatur als auch die Musik bis heute eine große Rolle in ihrem Leben.

In ihrem beim Piper Verlag erschienen Debütroman, der auch als Hörbuch vorliegt, erzählt sie die Geschichte zweier Mädchen, die etwas verbindet. Alma wächst in den 1980er- Jahren in der Eifel auf, fühlt sich aber fremd in ihrer Familie. Denn über ihre Herkunft wird geschwiegen. Viele Jahre später fehlt auch Isabell ihre Mutter schmerzlich. Diese Leerstelle in ihrer Vergangenheit beeinflusst ihre Gegenwart, ihr Fühlen und Denken und ihr eigenes Familienleben.

In einer Kurzbeschreibung von Verlagsseite wird der Roman wie folgt weiter beschrieben: „Als sich Almas und Isabells Wege auf schicksalshafte Weise kreuzen, entfaltet sich zwischen Polaroids und verlorenen Träumen eine Geschichte, die die beiden Frauen über Generationen hinweg verbindet.
Ihr Leben lang waren Niemands Töchter auf der Suche nach ihrem Platz im Leben, und gemeinsam finden sie ihn, wo sie ihn am wenigsten erwartet haben. Ein berührender Roman über das, was wir verlieren, das, was bleibt – und die Kraft, die man daraus schöpft, das eigene Glück zu suchen.

Judith Hoerschs Debut erforscht zeitlose Fragen, wie Identität, die Suche nach der eigenen Herkunft und den Einfluss von Familienwunden.“

So wie diese tränenreiche, kitschige und nach Uta Danella und Konsorten klingende Kurzbeschreibung nichts Gutes ahnen lässt, so ist leider auch der Roman. Gleich zu Anfang sind folgende Zeilen zu lesen, die einem Leser oder einer Leserin, die sich auf einen anspruchsvollen Roman mit interessanten und vom Verlag versprochenen Themen wie Identität, Herkunft und beschädigten Familienbiografien freuen, die Haare zu Berge stehen: „Mutter und Tochter verließen Arm in Arm den Bahnsteig. Alma sah ihnen hinterher und blieb allein zurück. Eine Sehnsucht füllte ihr Herz. Ein Gefühl, so alt und wund. Für sie würde es ein solches Wiedersehen, eine solche Nähe und Liebe nie wieder geben. Alma ließ sich auf die Bank fallen und vergrub den Kopf zwischen den Händen. Ein tiefer Schluchzer löste sich in ihr. Sie weinte um Oma Hedwig und Opa Jupp. Um Gabriele und auch um sich. Und für einen kaum wahrnehmbaren Moment roch sie Veilchenpastillen und spürte die warmen Hände ihre Mutter in ihrem Haar.“

Es ist verwunderlich, wie eine 1981 geborene Autorin so schreibt, als wäre sie nicht nur eine Epigonin Uta Danellas, sondern als wollte sie auch noch auf den Spuren Hedwig Courths-Mahlers wandeln. Bei allem Verständnis für ein vermeintlich einfühlsames Schreiben, mit dem sich die Autorin der von Trauer besetzten Stimmung ihrer Protagonistin annimmt oder anzunehmen scheint, bleibt hier nur festzuhalten, dass die von ihr gewählte Sprache zutiefst rückständig, oberflächlich und vor Kitsch triefend ist – und ohne jegliche literarische Qualität.

In the Picture – Porträtfotografie aus der Sammlung van der Grinten

Die Ausstellung „In the Picture – Porträtfotografie aus der Sammlung“, die noch bis zum 19. April im Schloss Moyland zu sehen ist, fügt sich in den Fotografie-Schwerpunkt der letzten Jahre, mit besonderem Fokus auf Mode- und Porträtfotografie. Sie lädt dazu ein, in die Vielschichtigkeit der Fotoporträts aus der Museumssammlung einzutreten, von den Anfängen bis zur Gegenwart.

Auf der einen Seite stehen die Repräsentationsporträts von 1860 bis in die 1930-er Jahre. Sie zeigen Menschen in der Pose ihrer Zeit. Diese Selbstentwürfe zeigen das Bedürfnis des Bürgertums, der führenden gesellschaftlichen Kraft der Zeit, nach Repräsentation im Bild. Diese Bilder sind nicht nur Zeugnisse individueller Identität, sondern zugleich Dokumente gesellschaftlicher Ordnung, Ausdruck von Status und Selbstverständnis. Sie verweisen damit auch auf den gesellschaftlichen Kontext ihrer Entstehung, der sich im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert spürbar verändert. Ihr Wert liegt in der Nähe zur Realität, im Anspruch auf Authentizität, im Charakter des Sichtbaren als Beleg des Gewesenen.

Etwas freier entfalten sich Porträts späterer Jahrzehnte, 1920 bis in die Gegenwart, die den Schritt ins Künstlerische bewusst ergreifen. Hier wird das Gesicht zur Projektionsfläche, das Abbild zur Interpretation. Mit dem Aufkommen neuer künstlerischer Strömungen und Ausdrucksformen entwickelt sich die Fotografie als selbständiges Medium. Kontraste, Form, Licht und Komposition lösen sich vom rein Dokumentarischen und eröffnen ästhetische Räume, in denen Nähe und Entrückung, Intimität und Abstraktion miteinander verschmelzen.

In einem Zeitraum von 50 Jahren haben die Brüder van der Grinten die Fotografische Sammlung mit über 15.000 Fotografien zusammengetragen, darunter etwa 1300 Porträtfotos.

Folgende Künstlerinnen und Künstler sind in der Schau unter anderem vertreten: Ellen Auerbach, Kirsten Becken, Elina Brotherus, Madame d´Ora, Rudolf Dührkoop, Fritz Getlinger, Wilhelm von Gloeden, Ute Klophaus, El Lissitzky, René Magritte, Willy Maywald, Man Ray, August Sander, Georg Schedele, Nadine Schwickart, Katharina Sieverding und Wols.

Stiftung Museum Schloss Moyland, Am Schloss 4, 47551 Bedburg-Hau, Telefon: +49 (0)2824 9510-60, E-Mail: info@moyland.de. Geöffnet ist Sommer (1. April bis 31. Oktober), Montag 11 bis 17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 10 bis18 Uhr, Winter (1. November bis 31. März), Montag 11 bis 17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr.