Kunsthalle Bielefeld im April

Vor Kurzem hat die Kunsthalle Bielefeld ihr Programm für den Aptil vorgelegt. Anbei ein Überblick über die Aktivitäten und laufenden Ausstellungen.

Frohe Ostern in der Kunsthalle – Öffentliche Führungen für alle am 3., 5. und 6. April ohne Anmeldung. An den Osterfeiertagen heißt die Kunsthalle die Besucherinnen und Besucher herzlich willkommen. Sie haben die Möglichkeit, die neuen Ausstellungen zu entdecken und sich von den Vermittlern mehr über die gezeigten Arbeiten erzählen zu lassen. öffentliche Führungen werden jeweils um 11.30 und 16 Uhr angeboten.

Angebot für die Generation 55+ am 13. April, 12 bis 14 Uhr und 14 bis 16 Uhr: Die Kunsthalle lädt zu einer entspannten Entdeckungstour mit Sitzgelegenheiten ein. Nach der Führung werden ein Mittagsimbiss sowie Getränke oder Kaffee und Kuchen angeboten. Anmeldungen sollten bis spätestens Freitagmittag vor dem jeweiligen Termin erfolgen – per Mail oder an der Museumskasse.

Direktorinnenführung am 16. April, 17 bis 18 Uhr: An diesem Tag erhalten die Besucher exklusive Einblicke hinter die Kulissen mit Kunsthallen-Direktorin Christina Végh. Bei dieser besonderen Führung durch die Ausstellung „Duane Linklater. Mâcistan“ gibt es spannende Hintergrundinformationen zu den Werken, Einblicke in kuratorische Entscheidungen und persönliche Perspektiven der Direktorin. Eine Anmeldung ist erforderlich.

KunstZeit – Slow Art am 17. April, 16.30 bis 17.30 Uhr: An diesem Tag besteht die Gelegenheit, sich und ausgewählten Kunstwerken einmal mehr Zeit zu schenken. In einer kleinen Gruppe stehen ausgewählte Werke im Fokus, die intensiv und ausgiebig betrachtet und besprochen werden. Eindrücke, Stimmungen, Assoziationen kommen ebenso zur Sprache wie Detail-Beobachtungen und natürlich Fragen. Gemeinsam mit den Kunstvermittlern können die Teilnehmer in die Werke und deren Geschichte eintauchen. Eine Anmeldung empfiehlt sich.

Nachtansichten am 25. April, 18 bis 0 Uhr: Die Bielefelder Kulturorte laden am 25. April von 18 bis 0 Uhr zur Spätschicht für Nachteulen und Kunstfans ein. Das Kulturhighlight zeigt spannende Ausstellungen, faszinierende Installationen und überraschende Performances. Im Vortragssaal der Kunsthalle findet eine interdisziplinäre Performance von Veit Mette und Markus Schwartze statt, in der Malstube gibt es eine Kreativaktion. Im Skulpturenpark präsentiert die Musik- und Kunstschule eine Modenshow. Genaue Zeiten sind der Website zu entnehmen.

Zu den Ausstellungen:

Duane Linklater. Mâcistan – noch bis 14. Juni

Wenn im Frühjahr das Eis aufbricht, gerät der Fluss wieder in Bewegung. Schollen lösen sich, treiben auseinander und schaffen Raum für Neues. „mâcistan“ bezeichnet genau diesen Moment des Übergangs – einen Zustand des Wandels und der Neuordnung. Das Wort kommt aus der Sprache der Mushkego Inniniw, einer Indigenen Gemeinschaft im Gebiet des Vertrags Nr. 9 (Nordontario, Kanada). Unter diesem Titel entwickelt der kanadische Künstler Duane Linklater (*1976) seine erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland in der Kunsthalle Bielefeld.

Sammeln, Fürsorge und Verantwortung

Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Konzept des „Cache“, eines Horts. In Indigenen Kulturen Kanadas ist das ein vorläufiger Ort zur Aufbewahrung und Weitergabe von Gegenständen, Wissen und Erinnerungen. Linklater überträgt dieses Prinzip in eine offene Struktur aus Baugerüsten. In diese Cache-Konstruktionen integriert er Gemälde, Skulpturen, gefundene Objekte, Möbelstücke und persönliche Dinge. Die einzelnen Elemente werden in den Caches präsentiert und zugleich gelagert – als warteten sie auf eine zukünftige Bedeutung.So entsteht eine Präsentation, die zugleich Archiv und künstlerische Installation ist. Persönliche und familiäre Objekte treffen auf Materialien, Bilder und Referenzen zur Geschichte und Gegenwart Indigener Kulturen im heutigen Kanada. Dort ringen Indigene Gemeinschaften bis heute um die Bedeutung ihrer Objekte und die Rechte an ihnen. Es geht um Fragen von Besitz, kultureller Zugehörigkeit und Deutungshoheit. Linklater stellt diese Fragen auch uns: Was bewahren wir? Was geben wir weiter? Und wer entscheidet das?

Gemeinsam mit Duane Linklater hat die Kunsthalle Werke aus ihrer Sammlung um die Arbeiten des Künstlers arrangiert. Hierbei wurden Arbeiten ausgewählt, in denen florale Motive mehr sind als dekorative Elemente. Welche Bedeutung tragen sie und worauf verweisen sie? Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Ausstellungsseite „Blumen überall. Blick in die Sammlung #12“.

Die Ausstellung wird gemeinsam mit dem Künstler, der Secession, Wien, und der Galerie Rudolfinum, Prag, konzipiert und für die Kunsthalle Bielefeld in einer eigens entwickelten Form präsentiert.

Blumen überall – Blick in die Sammlung #12 – noch bis 14. Juni

Die Ausstellung „Blumen überall: Blick in die Sammlung #12“ steht in direktem Dialog mit der Ausstellung „mâcistan“ von Duane Linklater. Gemeinsam mit dem Künstler haben die Kuratorinnen Werke aus der Sammlung der Kunsthalle ausgewählt, in denen florale Motive weit mehr sind als dekorative Elemente. Ausgehend von Linklaters künstlerischer Auseinandersetzung mit Geschichte, Sammlung und kolonialen Verflechtungen richtet dieser Sammlungsblick den Fokus auf Blumen als Trägerinnen von Erinnerung, Austausch und Widerstand. Sie verweisen auf Beziehungen zwischen Europa und dem Norden Amerikas, zwischen Museum und Gemeinschaft, zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Europäische Expansion: Handel und Macht

Im 18. und 19. Jahrhundert erreichte unter anderem der europäische Pelzhandel das heutige Kanada und die angrenzenden Gebiete. Doch dieser Handel war nicht gleichberechtigt. Er geschah in einer Zeit, in der europäische Mächte ihre Herrschaft ausweiteten und koloniale Strukturen festigten.
Für viele Indigene Gemeinschaften bedeutete das Verlust, Verdrängung und Unterdrückung. Ihnen wurde das Land genommen, auf dem sie lebten und arbeiteten. Sie wurden von europäischen Mächten wirtschaftlich ausgebeutet und politisch entrechtet. Ihre traditionellen Lebensweisen wurden systematisch verdrängt, und über Generationen hinweg überlieferte Praktiken wurden verboten und unter Strafe gestellt. Kinder wurden ihren Familien entrissen. Diese gezielte Zerstörung sozialer Strukturen und die angewendete Gewalt führten in vielen Regionen zu massiven Bevölkerungsverlusten. Diese Entwicklungen gelten heute als Form von Genozid, also als systematische Zerstörung von Gemeinschaften.

Florale Muster als kulturelle Übersetzung

Duane Linklater ist Mitglied der Moose Cree First Nation. Diese Indigene Gemeinschaft hat ihre Heimat hauptsächlich in der südlichen James Bay-Region des heutigen Kanadas. Für die Moose Cree bot eine neue Handelsbeziehung Indigenen Künstlern die Möglichkeit, neue Motive zu entwickeln und mit neuen Materialien zu arbeiten.
Mit dem europäischen Pelzhandel kamen auch neue Waren wie Glasperlen, Stoffe und Blumenmuster – Motive, die in Europa schon lange verbreitet waren.  Moose Cree-Künstler*innen griffen die neuen Materialien auf und machten sie zu etwas Eigenem. Blumenmuster wurden nicht einfach übernommen, sondern weitergeführt und neu gestaltet. In der Perlenstickerei verbanden sich Glasperlen aus Europa mit Indigenem Wissen, mit Erinnerungen, mit Beziehungen zum Land und zu den Vorfahren. Die neuen floralen Motive wurden zu einem starken Zeichen tief verwurzelter kultureller Identität. Sie erzählen von Austausch und Kolonialgeschichte – aber auch von Widerstandskraft, Kreativität und Kontinuität.

Zu sehen sind Werke folgender Künstlerinnen und Künstler: Yto Barrada, Heinrich Campendonk, Albrecht Dürer, Max Ernst, Fischli Weiss, Annette Kelm, Anselm Kiefer, Konrad Lueg, August Macke, Goshka Macuga, Germaine Richier, Christian Rohlfs, Hermann Stenner und einigen mehr.

Yael Bartana. Mir Zaynen Do! – noch bis 14. Juni

Wie entsteht Gemeinschaft? Was verbindet Menschen über Zeit und Orte hinweg? Und wie wird Zugehörigkeit weitergegeben, erinnert und geteilt? Lieder, Tänze, Rituale und Sprache tragen diese Verbindungen: Sie bewahren Erinnerungen, vermitteln Erfahrungen und schaffen Momente des Zusammenkommens.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht Yael Bartanas Video- und Klanginstallation „Mir Zaynen Do!“(2024). Der jiddische Titel – „Wir sind da!“ – verweist auf ein Lied des jüdischen Widerstands während des Zweiten Weltkriegs. In Bartanas Arbeit treffen in São Paulo zwei Ensembles mit unterschiedlichen Diaspora-Hintergründen aufeinander – Gemeinschaften, die aus Erfahrungen von Entwurzelung hervorgegangen sind und ihre kulturellen Traditionen fern ihres Ursprungs weitertragen: Coral Tradição, ein jüdisch-brasilianischer Chor, und Ilú Obá De Min, ein afro-brasilianisches Straßenmusik-Ensemble. Dessen Mitglieder sind Nachfahren von Maroons – aus der Sklaverei geflohene Menschen. Ihre Stimmen, Rhythmen und Bewegungen verschränken sich zu einer lebendigen Gemeinschaft: leise und meditativ, laut und kraftvoll.

Geteilte Ansichten. Kunsthalle Bielefeld x Sammlung KiCo – Teil I: Vom Teilen und Geteiltsein – Vom 4. Juli bis 1. November

Was passiert, wenn wir teilen – Ideen, Räume, Verantwortung? Mit „Geteilte Ansichten“ eröffnet die Kunsthalle Bielefeld ein umfassendes, zweiteiliges Ausstellungsprojekt, das das Teilen als ästhetisches, soziales und politisches Prinzip ins Zentrum rückt. Die Schau verbindet Werke aus der Sammlung KiCo mit Positionen aus der Sammlung der Kunsthalle Bielefeld. Die Sammlung KiCo wurde 2009 von Doris Keller-Riemer und Hans-Gerd Riemer ins Leben gerufen – mit der Zielsetzung, nicht nur in einer privaten Sammlung zu münden, sondern sich in kontinuierlicher Zusammenarbeit mit öffentlichen Museen zu entwickeln. In engem Dialog mit dem Kunstmuseum Bonn und der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, die bei der Auswahl und den Entscheidungen für den Ankauf von Kunstwerken partnerschaftlich mitwirken, fließen Überlegungen zu einer sinnvollen und denkbaren Erweiterung der jeweiligen Kunstsammlungen ein.

Ab diesem Jahr ist die Kunsthalle Bielefeld neues Partnermuseum und freut sich darauf, in zwei Ausstellungstakten das neue Zusammenspiel in unterschiedlichen Zugangsformen vorzustellen. „Vom Teilen und Geteiltsein“ untersucht, wie tief das Teilen in unsere Lebenswirklichkeit eingeschrieben ist: als Gestaltung von Raum, als Trennung und Grenzziehung, als Austausch von Material und Information, als Verteilung, Konfrontation und Kommunikation. Die gezeigten Kunstwerke greifen Spuren, Oberflächen, Bildwelten und persönliche Handschriften auf und verweben sie zu neuen gemeinsamen Erzählungen. Aus Fragmenten entsteht ein größeres Ganzes; aus individuellen Perspektiven ein Resonanzraum kollektiver Erfahrung.

Die Ausstellung stellt damit eine zentrale Frage unseres Zusammenlebens: Wie prägt das Teilen unsere Gesellschaft – und welche Rolle können Museen als öffentliche Orte im Aushandeln dieser geteilten Wirklichkeiten spielen? In diesem Dialog zwischen historischen und zeitgenössischen Positionen entsteht ein offener Raum, in dem Kunst nicht nur betrachtet wird, sondern Verantwortung, Gemeinschaft und Austausch sichtbar macht.

Beteiligte Künstler: Monica Bonvicini, Andrea Büttner, Sandro Chia, George Condo, Thomas Demand, Lucio Fontana, Andreas Gefeller, Isa Genzken, Erik van Lieshout, Daniel Knorr, Michel Majerus, Marcel Odenbach, Ulrich Rückriem, Tomás Saraceno, Corinne Wasmuht, Clemens von Wedemeyer und andere.

Nähere Informationen: Kunsthalle Bielefeld, Artur-Ladebeck-Straße 5, 33602 Bielefeld, Telefon: 0521 32999500, Fax: 0521 329995050, E-Mail: info@kunsthalle-bielefeld.de. Die Kunsthalle ist am Dienstag, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, am Mittwoch von 11 bis 21 Uhr geöffnet.

Von der Heydt-Museum im April

Wie das Von der Heydt-Museum in Wuppertal mitteilt, wurde dort vor ein paar Wochen die Ausstellung „Carl Grossberg „Sachlich – magisch – visionär“ feierlich eröffnet und begeistert bereits die ersten Besucherinnen und Besucher. Ab sofort können sie die faszinierenden Werke dieses bedeutenden Malers der Neuen Sachlichkeit im Museum erleben und in seine eindrucksvolle Bildwelt aus Architektur und Industrie eintauchen.

Auch im April lädt das Museum dazu ein, die Ausstellungen im Rahmen besonderer Führungen neu zu entdecken – von spannenden Themenführungen bis hin zu exklusiven Einblicken durch die Kuratoren. Öffentliche Führungen gibt es jede Woche dienstags, 11.30 Uhr, und sonntags, 15.30 Uhr. Tickets bekommt man online sowie 30 Minuten vor Beginn an der Museumskasse.

Die Abteilung Kunstvermittlung hält darüber hinaus wieder ein abwechslungsreiches Programm an Workshops bereit. Sowohl Einsteiger als auch Fortgeschrittene können sich in der Ölmalerei ausprobieren, ebenso besteht die Möglichkeit, beim Porträtmalen mit Acryl-Farbe kreativ zu werden.

Ein besonderes Highlight ist auch die Fortsetzung der Kinoreihe „Museum in Motion“: Am 9. April zeigt das Museum im REX-Filmtheater Wuppertal den Filmklassiker „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ von Fritz Lang – eine eindrucksvolle Ergänzung zur Epoche, in der auch Grossberg wirkte.

Carl Grossberg – Sachlich – magisch – visionär (bis 30. August)

Die Ausstellung des Von der Heydt-Museums feiert die Wiederentdeckung eines der herausragenden Maler der Neuen Sachlichkeit: Carl Grossberg (1894–1940). Sein umfangreiches Werk, das in einem Zeitraum von nur knapp 20 Jahren entstanden ist, widmet sich fast ausschließlich den Themen Architektur und Industrie. Mit seiner formalen Klarheit und Strenge ist es Ausdruck eines neuen, fotografischen Sehens und spiegelt den technischen Fortschritt im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Dabei regen die reduzierten Kompositionen dazu an, den industriellen Fortschritt und seine Wirkungen auf den Menschen kritisch zu hinterfragen.

Die Ausstellung, die erste Retrospektive seit über 30 Jahren, betrachtet Carl Grossbergs Schaffen umfassend neu und präsentiert eine Reihe von bisher unbekannten Arbeiten. Dabei zeigt sich, wie aktuell Grossbergs Werke sind, in künstlerischer wie in gesellschaftlicher Hinsicht. Insbesondere die vieldeutig lesbaren „Traumbilder“, einzigartig in der Kunst der 1920er und 1930er Jahre, weisen ihn als hoch sensiblen Intellektuellen aus. Grossbergs Kunst beschwört die Magie der Dinge, macht die Komplexität der modernen Welt und ihre inneren Widersprüche sichtbar. Parallelen zu heute ergeben sich aus dem aktuell stattfindenden Strukturwandel mit noch unabsehbaren gesellschaftlichen Folgen, für den überzeugende visuelle Formen gerade ausgehandelt werden.

Carl Grossbergs Motivwahl und die Nüchternheit seiner Malerei sind untrennbar verbunden mit der gleichzeitig entstandenen Fotografie. Und sie haben ihrerseits wegweisende Fotograf*innen nachfolgender Generationen inspiriert. Beispielhaft ausgewählte Positionen von August Sander über Bernd und Hilla Becher bis hin zu Thomas Ruff machen das deutlich. Allerdings treffen Grossbergs Bilder heute auf einen fundamental anderen Umgang mit medialen Bildern, die in schneller Folge erzeugt, unablässig in digitale Netzwerke eingespeist und vielfachen Manipulationen unterworfen werden, bis sie nachgerade zu „Traumbildern“ werden können.

Das Von der Heydt-Museum realisiert die Ausstellung „Carl Grossberg. Sachlich – magisch – visionär“ in Kooperation mit dem Museum im Kulturspeicher Würzburg (MiK). Beide Museen sind eng mit der Biografie des Künstlers verbunden: Er wurde in Elberfeld geboren, das heute zu Wuppertal gehört, und lebte ab 1921 in Sommerhausen, südlich von Würzburg. Dementsprechend ist er in den Sammlungen beider Häuser gut vertreten.

Museum A bis Z – Von Anfang bis Zukunft

Was macht ein Museum aus, und wie sollte es in Zukunft sein? Welche Aufgaben hat ein Museum, und welche Wünsche haben wir an das Museum als Institution und an das Von der Heydt-Museum im Speziellen?

Die Ausstellung „Museum A bis Z: Von Anfang bis Zukunft“ ermöglicht einerseits ungewohnte und unbekannte Einblicke in die Geschichte und die Vielfalt der Sammlung und richtet andererseits den Blick in die Zukunft. Neben den klassischen Aufgaben Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln prägt die Beschäftigung mit aktuellen Themen wie Diversität, Digitalisierung, Dekolonialisierung und Teilhabe zunehmend die Rolle von Museen.

„Museum A bis Z“ führt von Anfang bis Zukunft: von der Gründungsphase des Museums über Themen wie lokales und globales Sammeln, koloniale Kontexte, Provenienzforschung und Restitutionen bis hin zu möglichen Perspektiven für die weitere Entwicklung. Die Präsentation ergänzt damit die neu konzipierte Dauerausstellung „Zeiten und Räume. Klassiker der Sammlung“ und macht erstmals beispielhaft die überraschende Vielfalt der historisch gewachsenen Bestände des Von der Heydt-Museums sichtbar, einschließlich kaum bekannter Bereiche wie dem Kunstgewerbe und den außereuropäischen Objekten.

Gezeigt werden beispielsweise Textilien aus dem heutigen Indonesien und außereuropäische Plastiken, denen Wuppertaler Ansichten u. a. von Adolf Erbslöh, Carl Grossberg, Erich Heckel, Oskar Schlemmer oder Marie Luise Oertel gegenübergestellt werden. Die Objektvielfalt wird über eine Ordnungsstruktur vermittelt, die außerhalb rein inhaltlicher Kategorien steht: So zeigen etwa Gemälde von Ottilie W. Roederstein, Emmy Klinker oder Paula Modersohn-Becker die Gattungsvielfalt der Malerei, während kunsthandwerkliche Objekte die Vielfalt von Material und Technik erlebbar machen.

Die Provenienzforschung bildet einen weiteren wichtigen Schwerpunkt der Ausstellung: Ihre Bedeutung wird mit dem Fokus auf das Gemälde „Bildnis Felix Benjamin“ von Max Liebermann erläutert, das 2023 an die Erben des von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Felix Benjamin restituiert und anschließend zurückerworben wurde.

Ein zentraler Punkt der Ausstellung ist die barriereärmere Vermittlung sowohl im Museum als auch im digitalen Raum: Erstmals wird ein Tastmodell von Max Pechsteins Gemälde „Der Sohn des Künstlers auf dem Sofa“ für blinde und sehbehinderte Menschen den Weg zur Kunst erleichtern und durch ein eigens entwickeltes Führungsprogramm ergänzt.

Begleitet wird „Museum A bis Z“ von einem vielfältigen Vermittlungs- und Veranstaltungsprogramm. Vor dem Hintergrund des bevorstehenden 125. Geburtstags des Von der Heydt-Museums im Jahr 2027 lädt die Ausstellung dazu ein, über dessen heutige und zukünftige Aufgaben ins Gespräch zu kommen und Wünsche zu formulieren.

Klassiker der Sammlung. Ruisdael bis Giacometti – Zeiten und Räume

Die einzigartige Sammlung des Von der Heydt-Museums mit ihren ausgeprägten Schwerpunkten im 19. Jahrhundert und in der Klassischen Moderne wird nach vielen Jahren erstmals wieder in einer dauerhaften Ausstellung und in neuer Gestalt präsentiert. Die neu konzipierte Sammlungspräsentation vereint ausgewählte Gemälde und Skulpturen vom 17. Jahrhundert bis in die 1960-er Jahre – viele davon ausgesprochene Lieblinge des Publikums. Besonders ist dabei die Gruppierung der Werke: Unter dem Titel „Zeiten und Räume“ sind diese wie in einer Art visuellem Reiseführer zusammengestellt, der durch die prägenden Räume und Perioden der europäischen Kunstgeschichte der letzten Jahrhunderte führt: etwa in die Niederlande und nach Flandern, in die Kunstmetropolen Paris und Berlin oder in das unscheinbare Örtchen Worpswede, von dem gleichwohl bedeutende Impulse ausgingen. Die Ausstellung wird also weniger eine Chronologie im klassischen Sinne aufbauen, sondern vor allem künstlerische Netzwerke aufzeigen. Zu sehen sind unter anderem Werke von Ludwig Richter, Gustave Courbet, Hans von Marées, Paul Gauguin, Claude Monet, Paula Modersohn-Becker, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Dix, Hans Arp und Alberto Giacometti.

Mit über 2000 Gemälden, 500 Skulpturen, 800 Fotografien und 30.000 grafischen Blättern verfügt das Von der Heydt-Museum über eine der bedeutendsten Kunstsammlungen Deutschlands. Ihr systematischer Aufbau begann in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts und dauert bis heute an. Mit der Ausstellung „Zeiten und Räume – Klassiker der Sammlung“ lädt das Museum ein, seine hochkarätigen und international renommierten Bestände anhand einer präzisen Auswahl neu zu entdecken. Zugleich markiert es auf nachhaltige Weise Wuppertal als einen Kulturort von Rang in Nordrhein-Westfalen.

Nähere Informationen: Von der Heydt-Museum, Turmhof 8, 42103 Wuppertal, Telefon 0202 5636231 und E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de. Geöffnet ist das Museum am Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, am Donnerstag von 11 bis 20 Uhr. Da das zweite Obergeschoss wegen Umbauarbeiten geschlossen ist, gibt es einen ermäßigten Eintrittspreis.

Sammlung Fotografie: Zweimal Deutschland um 1980

Präsentation in den Fotoräumen vom 18. April bis 11. Oktober

Die Sammlung Fotografie des Museum Ludwig umfasst rund 70.000 Werke von den Anfängen der Fotografie im frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. In seinen Fotoräumen stellt das Museum regelmäßig Werke zu ausgesuchten Themen und Fotografen zusammen.

Die Präsentation zeigt eine Auswahl von Fotografien aus Ost- und Westdeutschland, die um das Jahr 1980 entstanden sind. Die Arbeiten von sieben Fotografen geben Einblicke in gesellschaftliche und alltägliche Lebenswelten beider deutscher Staaten, die von unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Systemen geprägt waren.

Porträtfotografien von Derek Bennett, Christiane Eisler und Ute Mahler treffen auf Aufnahmen von Henry Maitek und Evelyn Richter, die Alltagsszenen festhalten. Karl Kugel dokumentierte seine Reise vom Rheinland nach West-Berlin und montierte die Abzüge zu einem Fotoessay. Erasmus Schröter fotografierte mit einer Infrarotkamera nächtliche Straßenszenen in Leipzig und verfremdete damit den vertrauten Blick auf das Alltägliche. In vielen Fällen geben erst die Bildtitel Aufschluss darüber, ob die Fotografien in der Bundesrepublik oder in der DDR entstanden sind.

Die ausgewählten Arbeiten zeigen keine historischen Ereignisse. Stattdessen richten sie den Blick auf scheinbar beiläufige Situationen und Menschen. Viele der Bilder entziehen sich einer eindeutigen Lesart, da sie bewusst auf typisierende Darstellungen verzichten. Gerade diese Offenheit unterläuft Erwartungen an sichtbar unterschiedliche Lebensrealitäten in zwei politischen Systemen. Ergänzende Informationen zum historischen Kontext helfen dabei, das Abgebildete einzuordnen.

In der Bundesrepublik veränderte sich die Gesellschaft um 1980 durch Arbeitsmigration sowie durch das Aufkommen der neuen sozialen Bewegungen. Politische Debatten und Demonstrationen – etwa zum NATO-Doppelbeschluss, zu Umweltfragen oder zu Hausbesetzungen – prägten die öffentliche Diskussion. Diese Entwicklungen gingen mit einem politischen Wandel einher, der schließlich zur konservativ-liberalen Regierung unter Bundeskanzler Helmut Kohl führte.

In der DDR waren die Unterzeichnung der Schlussakte der „Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ 1975 in Helsinki mit Hoffnungen auf größere Freiheiten verbunden, die jedoch enttäuscht wurden. Gleichzeitig verschärften sich die wirtschaftlichen Probleme, und die Versorgungslage der Bevölkerung verschlechterte sich spürbar. In weiten Kreisen wurden daher die 1980er Jahre als eine Phase bleierner Stagnation erlebt.

Das Leben in der Bundesrepublik wird in der Präsentation von drei Fotografen porträtiert, die in Polen, den USA und Frankreich geboren wurden und somit einen Blick von außen auf die deutsche Gesellschaft werfen. Bereits die Titel ihrer Arbeiten – „Deutschland ins Gesicht geschaut“ von Henry Maitek (1969), „Stille Zwiesprache. Bildnisse von Deutschen“ von Derek Bennett (1978–1981) und „Deutsche Reise“ von Karl Kugel (1983/1987) – verweisen auf ihre Auseinandersetzung mit dem Bild der Deutschen nach 1945.

Die gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR sind in den Arbeiten von vier Fotografen eingefangen, die mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig verbunden sind. Ute Mahler, Christiane Eisler und Erasmus Schröter studierten dort; Evelyn Richter lehrte von 1981 bis 2001 an der Hochschule. In der DDR kam der Fotografie eine besondere gesellschaftliche Funktion zu: Sie sollte die Staatsdoktrin des „real existierenden Sozialismus“ vermitteln. Entsprechend streng waren die staatlichen Vorgaben bis Mitte der 1970er Jahre. Erst danach wurden größere Freiheiten bei der Wahl der künstlerischen Ausdrucksmittel eingeräumt, und lebensweltliche Themen hielten Einzug in die Fotografie. Während des Rektorats von Bernhard Heisig (1976–1987) bot die HGB ihren Studierenden vergleichsweise große Freiräume. Evelyn Richter steht exemplarisch für eine Lehre, die das selbstbewusste, eigenständige Entscheiden über Themen und Motive förderte.

Der Schwerpunkt der Präsentation liegt auf Fotografien aus der Zeit um 1980. Ergänzend werden einzelne Arbeiten von Henry Maitek und Evelyn Richter aus den 1960er Jahren gezeigt, die den zeitlichen Rahmen erweitern und zusätzliche Perspektiven eröffnen.
Yilmaz Dziewior: „Mit der Präsentation „Zweimal Deutschland um 1980“ schöpft das Museum Ludwig einmal mehr aus dem reichen Schatz seiner Fotosammlung. Darüber hinaus freue ich mich, dass wir durch die Beschäftigung mit ostdeutschen Positionen der besonderen Geschichte unseres Hauses Rechnung tragen, die dank Peter und Irene Ludwig schon früh durch Werke aus der DDR geprägt wurde.“

Liste der Fotografinnen und Fotografen: Derek Bennett (*1944 – +1990), Christiane Eisler (geb. 1958), Karl Kugel (geb. 1957), Ute Mahler (geb. 1949), Henry Maitek (1922–2007), Evelyn Richter (*1930 – +2021) und Erasmus Schröter (*1956 – +2021).

Nähere Informationen: Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln, Telefon: +49-221-221-26165, E-Mail: infomuseum-ludwig.de. Das Museum ist Dienstag bis Sonntag (inkl. Feiertage) jeweils von 10 bis 18 Uhr und jeden ersten Donnerstag im Monat von 10 bis 22 Uhr geöffnet.

Cranach, Picasso und der Honigdieb

Von Thomas Gatzemeier

Manche Motive wie Cranach oder Picasso mit ihrem Honigdieb erschöpfen sich nicht. Stattdessen wechseln sie ihre Gestalt und tauchen in neuen Zeiten wieder auf.

Unter einem Baum steht eine Venus. Neben ihr ein kleiner Amor, die Hand am Kopf, die Wabe noch festhaltend. Dies verbindet Cranach, Picasso und Theokrits Geschichte vom Honigdieb. Einige Jahrhunderte später erscheint dieselbe Konstellation erneut. Zwar hat sich die Bildsprache verändert, doch die Ordnung bleibt erstaunlich stabil, denn sie hat einen Ewigkeitswert.

Zwischen Lucas Cranach dem Älteren und Pablo Picasso liegt keine direkte Entwicklungslinie. Dennoch verbindet sie das Motiv Venus und Amor als Honigdieb, das sich über die Jahrhunderte hinweg behauptet.

Die Konstruktion der Venus bei Cranach

Bei Cranach ist die Venus nicht einfach dargestellt, sondern bewusst konstruiert. Der Körper erscheint langgezogen und kühl, fast ohne Gewicht. Gleichzeitig wirkt die Haut glatt und geschlossen, beinahe verletzlich. Dadurch entsteht eine Distanz, die den Blick lenkt. Auf sie lenkt. Die Venus, welche den Betrachter selbstbewusst anblickt. Auch ein wenig herablassend und skeptisch?

Zugleich symbolisiert der Baum mit seinen prallen Äpfeln die Verführung. Möchte Venus den Baum rütteln und schütteln, damit sich die Äpfel auf die Menschheit verteilen?

Währenddessen bleibt Amor unten positioniert und übernimmt die erzählerische Funktion. Da trifft ein biblisches Symbol auf eine Geschichte aus der Antike. Auffällig ist zudem der Kopfschmuck der Venus. Ein Heiligenschein aus Tüll und Tinnef – böse formuliert. Dieser gehört nicht zur Natur, sondern zur Inszenierung einer ambivalenten Figur.

Theokrit und der Ursprung des Honigdiebs

Der Ursprung des Motivs liegt in der antiken Dichtung bei Theokrit. In seinem kurzen Gedicht stiehlt Eros Honig aus einem Bienenstock. Kurz darauf wird er gestochen und klagt über den Schmerz. Seine Mutter Aphrodite antwortet mit einer präzisen Umkehrung: Obwohl Eros klein ist, verursacht er selbst größere Wunden.

Damit ist der Kern bereits formuliert. Die Liebe erscheint süß, zugleich aber schmerzhaft. Genau diese Spannung bildet die Grundlage für das spätere Bildmotiv Venus und Amor als Honigdieb. Cranach greift diesen Gedanken auf und überführt ihn in eine visuelle Ordnung. Dadurch wird aus dem Gedicht ein Bild, das Verführung und Verletzung gleichzeitig zeigt.

Die Story vom Honigdieb des Theokrit:

Einmal Eros, den Dieb, stach übel ein Bienchen, als Waben

Er aus den Stöcken geplündert; die Spitzen der sämtlichen Finger

Setzte der Stachel in Gluten; er hauchte im Schmerz sich die Hand an,

Stampfte den Boden und sprang in die Höh‘ und wies Aphroditen,

Was für Weh‘ ihm geschehen, und jammerte, daß ein so winzig

Tierlein die Biene doch sei und mache so mächtige Wunden.

Lachend die Mutter darauf: Gleichst nicht du selber der Biene?

Wie bist winzig auch du, und machest so mächtige Wunden!

Zu Theokrit:

Theokrit gehört zu den prägenden Dichtern der hellenistischen Zeit. Im 3. Jahrhundert v. Chr. entwickelt er mit seinen Idyllen eine neue Form von Dichtung, die das Einfache, das Ländliche und das scheinbar Nebensächliche ernst nimmt. Seine Texte wirken oft leicht, beinahe beiläufig – und tragen doch eine erstaunliche gedankliche Schärfe in sich.

Picasso und die Adaption nach Cranach

Im Werk von Picasso bleibt die Grundstruktur erhalten, während sich die Form deutlich verändert. Zunächst steht die Venus weiterhin im Zentrum. Ebenso bleibt Amor am unteren Bildrand positioniert. Darüber hinaus fungiert der Baum erneut als tragendes Element der Komposition.

Allerdings löst Picasso die geschlossene Form Cranachs auf. Der Körper wirkt nicht mehr modelliert, sondern reduziert und zeichenhaft. Dadurch entsteht eine neue Bildsprache, die sich stärker auf Linie und Kontrast konzentriert.

Gerade hier zeigt sich die Qualität der Adaption: Picasso übernimmt nicht das Erscheinungsbild, sondern die Konstruktion des Motivs Venus und Amor nach Cranach.

Kopfschmuck als kompositorisches Element

Ein besonders deutliches Bindeglied zwischen beiden Bildern ist der Kopf der Venus. Bei Cranach erscheint der Kopfschmuck als kunstvolle, fast übersteigerte Form. Dadurch wird die Figur bewusst aus der Natur herausgehoben. In ähnlicher Weise reagiert Picasso darauf, indem er den Hut stark vergrößert und formal zuspitzt.

Somit entsteht eine visuelle Verbindung, die über den Stil hinausgeht. Beide Künstler markieren die Venus als künstliche Figur. Genau hierin liegt ein zentraler Hinweis auf die bewusste Adaption.

Cranach, Picasso und der Honigdieb – Ein Motiv überdauert

Hatte es Cranach noch nötig, das Thema der Venus oder auch der Quellnymphe zu wählen, wenn er für seine bürgerliche Kundschaft „Nacktbilder“ produzierte, ließ sich Picasso durch die Gemälde alter Meister anregen.

Einerseits entwickelt Cranach aus einem antiken Text ein komplexes Bildsystem. Andererseits greift Picasso dieses System auf und überführt es in eine moderne Form. Dabei bleiben die zentralen Elemente erhalten: die Venus, der Amor, der Baum. Gleichzeitig verändert sich die formale Darstellung grundlegend.

Und vielleicht genügt tatsächlich ein einziger Stich – der der Biene bei Theokrit –, um diese lange Bildtradition in Gang zu halten. Denn sie scheint verloren in der abstrusen bildnerischen Korrektheit der Gegenwart.

Zum Autor:

Am dunkelsten Tag des Jahres 1954 im sächsischen Döbeln geboren, wurde Thomas Gatzemeier ungefragt von einem katholischen Pfarrer getauft. Als Kind buk er heimlich einen Kuchen, der als Brot gut ankam. Dieses scheinbare Missgeschick inspirierte ihn dazu, eine Ausbildung als Schrift- und Plakatmaler zu absolvieren, um Pinsel und Stift zu beherrschen.

Er arbeitete anschließend auch als Steinmetzgehilfe und Grabsteindesigner. Nach dieser Grundausbildung studierte er Malerei und Grafik an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo Arno Rink und Volker Stelzmann zu seinen Lehrern zählten. 1980 beendete er sein Studium und ist seitdem als freier Künstler, Autor, Kunsthändler, Blogger und Freizeitkoch tätig.

Konflikte mit den Machthabern der SBZ und ein mehrjähriges Ausstellungsverbot bewegten ihn 1986 dazu, die SBZ zu verlassen. Danach lebte er vorwiegend in Karlsruhe, verbrachte aber auch längere Zeit in Zürich und nahe Worpswede. Von 2006 bis 2015 hatte er ein weiteres Atelier in Leipzig.

Nach 34 Jahren Hauptwohnsitz in Karlsruhe verlegte der Wanderer zwischen den Welten im Februar 2020 seinen Wohnsitz endgültig nach Leipzig.

Nähere Informationen: Thomas Gatzemeier, Gottschallstraße 24, 04157 Leipzig, Telefon: 0172 610 25 35, E-Mail: info@thomas-gatzemeier.de

Matthias Grünewald – ein früher Expressionist

Von Thomas Gatzemeier

Es gibt Maler, die passen in ihre Zeit. Und es gibt solche, die fallen aus ihr heraus. Matthias Grünewald gehört eindeutig zur zweiten Sorte.

Während um 1500 in Italien die Welt schön gemacht wird – Perspektive, Proportion, Harmonie –, geschieht bei Grünewald etwas ganz anderes. Denn seine Malerei will nicht beruhigen. Sie will zeigen, was im Inneren geschieht. Und das tut sie mit einer Radikalität, die noch heute überrascht und uns zum Nachdenken anregen sollte. Auch unsere Zeitgenössische Kunst „macht wieder einen auf schön“ obwohl die Welt in Unordnung ist.

Wer vor dem Isenheimer Altar im Musée Unterlinden steht, merkt schnell: Hier wird nichts idealisiert. Der gekreuzigte Christus ist kein schöner Körper, sondern ein gezeichneter gottgleicher Mensch. Denn seine Haut spannt sich, die Wunden treten eitern, der Leib wirkt schwer und leidend. Dieses Bild ist keine theologische Illustration mehr, sondern eine Erfahrung – beinahe körperlich spürbar. Es ist diesseitig, menschlich, abgründig.

Genau darin liegt die eigentümliche zeitlose Modernität dieses Werks. Grünewald interessiert sich nicht für die äußere Welt, sondern für das, was sie im Menschen auslöst. Farbe wird zum Mittel der Steigerung, Form zum Ausdruck von Spannung. Nichts ist glatt, nichts ausgeglichen. Nichts will gefallen.

Es ist kein Zufall, dass Künstler des 20. Jahrhunderts gerade hier ansetzen. Sie erkennen in Grünewald keinen Alten Meister im klassischen Sinne, sondern einen, der etwas vorwegnimmt: die Idee, dass Malerei mehr sein kann als Abbild – nämlich ein Zustand. Grünewalds Bildsprache ist eine universelle Bildsprache, denn sie vermag die Abgründe des Daseins darzustellen.

Ob man ihn deshalb einen frühen Expressionisten nennt, ist am Ende vielleicht gar nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass seine Bilder etwas tun, was selten gelingt: Sie lassen den Betrachter nicht in Ruhe.

Die Szene zeigt die Verkündigung an Maria aus dem Isenheimer Altar. Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass Grünewald weniger an harmonischer Schönheit interessiert ist als an einer dramatischen Steigerung des Ausdrucks. Genau hier beginnt der Gedanke, ihn als eine Art Vorläufer des Expressionismus zu verstehen.

Der Engel tritt nicht ruhig, klassisch und sanft auf, wie man es etwa bei italienischen Renaissancemalern erwarten würde. Sein Körper ist in eine fast tänzerische Bewegung gespannt, und vor allem der rote Mantel wirbelt wie eine Flamme durch den Raum. Farbe ist hier kein dekoratives Detail – sie wirkt wie ein emotionaler Ausbruch im Bild. Denn vor allem das Rot steigert die Intensität der Szene, ähnlich wie es später expressionistische Maler mit grellen Farbkontrasten tun.

Auch die Gestik ist ungewöhnlich aufgeladen. Die Hand des Engels zeigt mit einer fast nervösen Spannung auf Maria, während die kleine Taube des Heiligen Geistes wie ein Lichtpunkt zwischen beiden Figuren schwebt. Schauen Sie die Linienführung an, sie wirkt nicht ruhig und ausgewogen, sondern innerlich gespannt. Grünewalds Formen scheinen sich zu strecken und zu biegen, als stünde das ganze Bild unter emotionalem Druck. Maria weicht wie erschrocken zurück. Ihr nach hinten geneigter Kopf und die geschlossenen Augen geben der Szene einen spannungsvollen Charakter.

Matthias Grünewald interessiert sich weniger für perspektivische Ordnung oder ideale Proportionen als für die sichtbare Darstellung eines geistigen Ereignisses. Die Malerei wird zum Ausdrucksträger einer inneren Erfahrung. In dieser emotional aufgeladenen Bildsprache liegt der Grund, warum viele Kunsthistoriker Grünewald als einen der frühesten Vorläufer des Expressionismus betrachten.
Vergessen wird dabei, das auch seine inhaltlichen Interpretationen neu und anders sind.

Eine Szene aus dem Isenheimer Altar zeigt ein geradezu visionäres Engelskonzert. Mehrere Engel erscheinen in einem Raum von überwältigender Farbintensität. Ein Engel im Vordergrund spielt ein großes Saiteninstrument, während hinter ihm weitere Gestalten mit Harfe und Violine musizieren.

Doch der Expressionist Grünewald interessiert sich weniger für eine harmonische Darstellung himmlischer Musik als für eine Steigerung der emotionalen Wirkung. Denn die Farben wirken glühend und unruhig: Rosa, giftiges Grün, tiefes Blau und leuchtendes Rot stehen in scharfen Kontrasten zueinander. Auch die Figuren erscheinen fast körperlos im dunklen Hintergrund und scheinen aus einem Strudel von Licht und Farbe hervorzutreten.

Besonders auffällig ist die Mischung aus verfremdeter Schönheit und dem exaltierten Gestus der musizierenden Hände. Einige Engel besitzen beinahe groteske Züge, ihre Gesichter wirken maskenhaft oder entrückt. Diese Darstellung erinnert weniger an die ruhige Harmonie der Renaissance als an eine visionäre Bildwelt voller innerer Spannung.

Gerade jene expressive Übersteigerung macht Grünewald zu einer Ausnahmeerscheinung der deutschen Kunst um 1500. Seine Malerei versucht nicht, eine ideale Welt zu zeigen, sondern eine geistige Erfahrung sichtbar zu machen. Auch wegen dieser radikalen Bildsprache sehen viele Kunsthistoriker in ihm einen erstaunlich frühen Vorläufer des Expressionismus, der erst vierhundert Jahre später entstehen sollte.

Eine der dramatischen Szenen aus dem Isenheimer Altar zu Colmar zeigt die Versuchung des heiligen Antonius. Der Einsiedler liegt am Boden, während ihn eine Horde grotesker Dämonen attackiert. Die Kreaturen besitzen Mischformen aus Tier, Mensch und Fantasiegestalt: gefiederte Körper, Hörner, Schnäbel und verzerrte Gesichter drängen auf den Heiligen ein.

Grünewald steigert hier die Darstellung des Bösen zu einer geradezu visionären Intensität. Er vermag es die Dämonen nicht als einzelne Figuren, sondern als ein chaotischer Schwarm deformierter Körper darzustellen. Ihre grellen Farben – Gelb, Rot, Grün und Schwarz – wirken unruhig und aggressiv. Der Raum selbst scheint unter der Gewalt dieser Erscheinungen zu zerbrechen: zerstörte Architektur und verdrehte Landschaftsteile verstärken den Eindruck eines apokalyptischen Angriffs.

Vor allem der Körper des heiligen Antonius wirkt verletzlich und menschlich im positiven Sinne. Sein Gesicht drückt Entsetzen aus während die Dämonen an seinem Bart ziehen und ihn bedrängen. Dieser Gegensatz zwischen geistiger Standhaftigkeit und äußerem Chaos verleiht der Szene eine enorme Spannung.

Gerade in dieser radikalen Übersteigerung von Formen und Emotionen zeigt sich die außergewöhnliche Modernität Grünewalds. Die deformierten Figuren, die grellen Farbkontraste und die dramatische Bewegung erinnern überraschend stark an Bildwelten des Expressionismus oder sogar an surrealistische Visionen des 20. Jahrhunderts.

Deshalb gilt Grünewald vielen Kunsthistorikern als einer der erstaunlichsten Vorläufer einer Kunst, die nicht mehr nur die sichtbare Welt abbildet, sondern innere Zustände, Angst und Ekstase sichtbar macht.

Eine Szene des Isenheimer Altars zeigt die Begegnung der beiden Wüsteneinsiedler Antonius und Paulus. Beide sitzen in einer wilden Landschaft und teilen ein Stück Brot – eine Szene der christlichen Legende, in der ein Rabe den Einsiedlern Nahrung bringt.

Doch auch hier zeigt sich, dass Grünewald weniger an einer idyllischen Naturdarstellung interessiert ist als an einer visionären Verdichtung der Wirklichkeit. Die Landschaft wirkt fremd und beinahe traumartig. Verdrehte Baumstämme, moosbewachsene Äste und steile Felsformationen schaffen eine Umgebung, die eher einem inneren Zustand als einer realen Landschaft gleicht.

Es liegt nicht fern hierbei an die Landschaften des Surrealisten Max Ernst zu denken. Oder eben an die von Otto Dix. Grünewalds Figuren besitzen eine erstaunliche körperliche Präsenz. Besonders der asketische Körper des Paulus wirkt beinahe überdehnt, seine Haut liegt gespannt über den Knochen. Die Gestik seiner Hand, die in einer lebhaften Bewegung auf Antonius zeigt, verstärkt den Eindruck eines intensiven geistigen Gesprächs.

Auch die Tiere – der Rabe und das kleine Reh im Vordergrund – wirken nicht einfach dekorativ. Sie erscheinen wie symbolische Begleiter einer Welt, in der Natur, Vision und religiöse Erfahrung ineinander übergehen.

Gerade diese expressive Gestaltung der Landschaft und der Körper lässt Grünewald weit über die Kunst seiner Zeit hinausragen. Während viele Renaissancekünstler nach Harmonie und idealen Proportionen strebten, entwickelt Grünewald eine Bildsprache voller Spannung und innerer Bewegung.

Zum Autor:

Am dunkelsten Tag des Jahres 1954 im sächsischen Döbeln geboren, wurde Thomas Gatzemeier ungefragt von einem katholischen Pfarrer getauft.

Als Kind buk er heimlich einen Kuchen, der als Brot gut ankam. Dieses scheinbare Missgeschick inspirierte ihn dazu, eine Ausbildung als Schrift- und Plakatmaler zu absolvieren, um Pinsel und Stift zu beherrschen.

Er arbeitete anschließend auch als Steinmetzgehilfe und Grabsteindesigner. Nach dieser Grundausbildung studierte er Malerei und Grafik an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo Arno Rink und Volker Stelzmann zu seinen Lehrern zählten. 1980 beendete er sein Studium und ist seitdem als freier Künstler, Autor, Kunsthändler, Blogger und Freizeitkoch tätig.

Konflikte mit den Machthabern der SBZ und ein mehrjähriges Ausstellungsverbot bewegten ihn 1986 dazu, die SBZ zu verlassen. Danach lebte er vorwiegend in Karlsruhe, verbrachte aber auch längere Zeit in Zürich und nahe Worpswede. Von 2006 bis 2015 hatte er ein weiteres Atelier in Leipzig.

Nach 34 Jahren Hauptwohnsitz in Karlsruhe verlegte der Wanderer zwischen den Welten im Februar 2020 seinen Wohnsitz endgültig nach Leipzig.

Nähere Informationen: Thomas Gatzemeier, Gottschallstraße 24, 04157 Leipzig, Telefon: 0172 610 25 35, E-Mail: info@thomas-gatzemeier.de

Cranach-Altäre in Mitteldeutschland (Von Thomas Gatzemeier)

Bildkunst zwischen Werkstatt, Glaube und Malerei

Wer durch Mitteldeutschland reist, begegnet ihm auf Schritt und Tritt: Lucas Cranach dem Älteren, dem Jüngeren und ihrer Werkstatt.

Von Wittenberg bis Weimar, von Merseburg bis auf die Augustusburg prägen ihre Altäre die Kirchenlandschaft. Dass sich hier eine der weltweit dichtesten Ansammlungen Cranachscher Werke erhalten hat, ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer künstlerischen und unternehmerischen Ausnahmeerscheinung.

Cranach ob der Ältere oder der Jüngere arbeiteten nicht wie die einsamen Meister, sondern wie klug organisierte Produzenten von Bildwerken jeder Art. Die Wittenberger Werkstatt funktionierte eher wie eine Manufaktur: effizient, arbeitsteilig, erstaunlich produktiv. Gleichzeitig bewegten sich die Cranachs sicher zwischen den Machtzentren ihrer Zeit – als Freunde Martin Luthers und Hofmaler der sächsischen Kurfürsten. Und das aufstrebende Bürgertum konnte sich die kleineren Werke auch schon leisten.

So entstand eine Kunst, die zwischen den Systemen steht: zwischen katholischer Bildtradition und reformatorischer Bildkritik, zwischen Handwerk und Idee, zwischen Markt und Glauben.

Der Heinrichsaltar im Merseburger Dom

Cranach Altäre Mitteldeutschland und ein eher verborgenes Werk mit überraschender Kraft

Abseits der großen Besucherströme, in einer Seitenkapelle des Merseburger Doms, steht ein Werk, das leicht übersehen wird – und gerade deshalb wirkt. Der sogenannte Heinrichsaltar aus der Werkstatt Cranachs entfaltet seine Kraft nicht durch Größe, sondern durch seine Bildstruktur.

Besonders auffällig sind die in den Raum ragenden Lanzen, die fast unwillkürlich an die Schlachtenbilder Paolo Uccellos erinnern. Ob Cranach Werke Uccellos kannte, bleibt fraglich – die formale Verwandtschaft ist dennoch bemerkenswert.

Der Altar zeigt die Kreuzigung Christi, umgeben von Heiligen, darunter Kaiser Heinrich II., dessen politische und religiöse Rolle hier sichtbar verschränkt wird. Die Figuren wirken nicht entrückt, sondern erstaunlich menschlich. Vielleicht liegt darin bereits eine leise Vorahnung reformatorischen Denkens.

Der Cranach-Altar in der Weimarer Herderkirche

Ein Bildraum von großer Klarheit und Tiefe

Wer die Herderkirche in Weimar betritt, steht unvermittelt vor einem der geschlossensten und zugleich komplexesten Werke der Cranach-Werkstatt. Der Altar, vollendet von Lucas Cranach dem Jüngeren, entfaltet sich nicht in der üblichen Ordnung, sondern in einer räumlichen Dramaturgie.

Die Szenen treten aus der Tiefe hervor, schichten sich nach vorn, gewinnen an Präsenz. Der gekreuzigte Christus steht im Zentrum – nicht nur ikonografisch, sondern auch kompositorisch.

Typologische Bezüge durchziehen das Bild: Mose, die eherne Schlange, das Lamm Gottes. Gleichzeitig erscheinen Zeitgenossen wie Luther als Teil des Geschehens. Der Altar wird so zum theologischen Argument – und zugleich zu einem eigenständigen Bildraum.

Hier wirkt Cranach der Jüngere nicht als Produzent, sondern als Gestalter eines komplexen Zusammenhangs von Raum, Glaube und Bild.

Cranach auf der Augustusburg

Ein fast übersehener Höhepunkt

Auf der Augustusburg, wo sich heute Motorräder und Touristen begegnen, verbirgt sich ein Werk, das bis heute im Schatten steht. Der Altar von Lucas Cranach dem Jüngeren – frisch restauriert – zeigt, welch eine Kraft von dieser Malerei ausgeht, wenn man sie von Zeit und Eingriffen befreit.

Die Farbigkeit hat gelitten, das Bleiweiß ist nachgedunkelt, und doch besitzt das Werk eine unmittelbare Präsenz. Im Zusammenspiel mit der bemalten Kanzel und dem klaren Innenraum der Schlosskapelle entsteht ein überraschend geschlossenes Ensemble.

Es ist einer jener Orte, an denen man sich fragt, warum solche Werke nicht stärker ins Bewusstsein rücken. Vielleicht liegt es daran, dass der Blick sich heute leichter von Motoren als von Bildern fesseln lässt.

Die Idee einer „Cranachstraße“ durch Sachsen erscheint plötzlich naheliegend – eine Route von Wittenberg über Leipzig bis hinauf zur Augustusburg.

Der Reformationsaltar in Wittenberg

Cranach Altäre Mitteldeutschland | Kunst zwischen Glaubensbild und Selbstinszenierung

Der Wittenberger Reformationsaltar gilt als Schlüsselwerk der protestantischen Bildkunst. Und doch stellt sich bei genauer Betrachtung eine gewisse Irritation ein.

Luthers Forderung nach dem Bild als „Merkbild“ – als verständliche, didaktische Darstellung – ist hier konsequent umgesetzt. Die Szene des Abendmahls wird zum theologischen Lehrstück. Luther selbst sitzt am Tisch, ebenso Melanchthon und andere Vertreter der Reformation.

Doch gerade diese Nähe wirft Fragen auf. Wird hier Glauben dargestellt – oder bereits inszeniert? Ist das Bild Ausdruck religiöser Überzeugung oder Teil einer neuen Form von Sichtbarkeit und Macht? Gar Propaganda?

Verglichen mit dem nur wenige Jahre später entstandenen Weimarer Altar wirkt das Wittenberger Werk erstaunlich zurückgenommen. Die Malerei tritt hinter die Botschaft zurück.

Vielleicht liegt darin seine eigentliche Aussage: Die Reformation war ein Umbruch der Gedanken – nicht unbedingt ein Triumph der Malerei.

Genau betrachtet bewegen sich die Cranach Altäre Mitteldeutschland zwischen System und Widerspruch.

Die Cranach Altäre in Mitteldeutschland sind keine homogene Werkgruppe. Sie zeigen vielmehr ein Spannungsfeld: zwischen Werkstatt und Meisterwerk, zwischen Theologie und Bild, zwischen Auftrag und künstlerischer Notwendigkeit.

Manche dieser Werke wirken unmittelbar, andere eher erklärend. Einige ziehen den Blick an, andere entziehen sich ihm.

Zum Autor:

Am dunkelsten Tag des Jahres 1954 im sächsischen Döbeln geboren, wurde Thomas Gatzemeier ungefragt von einem katholischen Pfarrer getauft.

Als Kind buk er heimlich einen Kuchen, der als Brot gut ankam. Dieses scheinbare Missgeschick inspirierte ihn dazu, eine Ausbildung als Schrift- und Plakatmaler zu absolvieren, um Pinsel und Stift zu beherrschen.

Er arbeitete anschließend auch als Steinmetzgehilfe und Grabsteindesigner. Nach dieser Grundausbildung studierte er Malerei und Grafik an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo Arno Rink und Volker Stelzmann zu seinen Lehrern zählten. 1980 beendete er sein Studium und ist seitdem als freier Künstler, Autor, Kunsthändler, Blogger und Freizeitkoch tätig.

Konflikte mit den Machthabern der SBZ und ein mehrjähriges Ausstellungsverbot bewegten ihn 1986 dazu, die SBZ zu verlassen.

Danach lebte er vorwiegend in Karlsruhe, verbrachte aber auch längere Zeit in Zürich und nahe Worpswede. Von 2006 bis 2015 hatte er ein weiteres Atelier in Leipzig.

Nach 34 Jahren Hauptwohnsitz in Karlsruhe verlegte der Wanderer zwischen den Welten im Februar 2020 seinen Wohnsitz endgültig nach Leipzig.

Nähere Informationen: Thomas Gatzemeier, Gottschallstraße 24, 04157 Leipzig, Telefon: 0172 610 25 35, E-Mail: info@thomas-gatzemeier.de

Neues aus der Welt der Kunst in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Klang als Mittel, sichtbar zu werden (von Bas Blaasse, erschienen in der aktuellen Ausgabe der Museumstijdschrift)

“Mach Lärm: Verlangen. Praktikum. Change.“ ist die neunte und letzte Ausgabe von „Positions“, einer Ausstellungsreihe, die aufstrebende Künstler und Kollektive zusammenbringt. Der Titel bezieht sich darauf, eine Position einzunehmen: wie sich Künstler in ihrer Zeit und in sozialen Diskussionen ausdrücken. Das Thema Klang ist daher ein passender Abschluss der Serie. Geräusche zu machen bedeutet hier: sich hörbar zu machen und Aufmerksamkeit zu fordern.

Im ersten zentralen Raum des Abbe Museums in Eindhoven befindet sich eine große Satellitenschüssel. Selma Selman malte darauf auf Englisch: „Gott, mach mich zum berühmtesten, damit ich diesem Ort entkommen kann.“ „Satellite Dish“ (2023) ist Teil einer Serie von Readymades, in denen Selman Alltagsutensilien malt. Der Text und die Satellitenschüssel rufen Assoziationen mit Kontakt aus der Ferne hervor – oder dessen Bruch – und mit der Sehnsucht nach dem, was fern oder unerreichbar erscheint. In der Arbeit von Selman, der in einer Roma-Gemeinde in Bosnien aufwuchs, nimmt dieser Wunsch eine besondere Bedeutung an. Schließlich kann dieses Verlangen zweierlei gehen: Der Wunsch, einer Umgebung mit wenig Perspektive zu entkommen, aber auch die Sehnsucht nach der Gemeinschaft, aus der man stammt.

Geräusche in der Luft

Im nächsten Raum hängen zwei Klavierflügel an den Seiten von der Decke. Die Instrumente werden ausgefaltet und gegeneinander angeordnet, wodurch ihr Inneres freigelegt wird und in der Mitte ein schmaler vertikaler Streifen entsteht. Durch diese Rotation scheinen die Flügel gleichzeitig auseinandergebaut und wieder zusammengesetzt worden zu sein. In Jack O’Brien’s „Semblance“ (2025) stimmt die Form des Instruments nicht mehr mit seiner Verwendung überein. Das Klavier ist noch da, kann aber nicht mehr gespielt werden; Die Geräusche hängen sozusagen in der Luft. Dieser Effekt wird dadurch verstärkt, dass die Konstruktion an Lagermodulen und Bühnenelementen aus dem Museum befestigt ist, ergänzt durch Material aus einer früheren Installation von O’Brien. So deutet das Werk sowohl eine Bühne als auch das, was dahinter liegt, nahe.

Im ‚Sound Box‘-Raum hängen einfache illustrierte Anweisungen an der Wand: 19 Schritte aus einem Line Dance, der von Ternate stammt, einer Insel auf den Molukken. “Poco2 – shifting perspective” (2025) von Finn Maätita und Jerrold Saija lädt die Besucher ein, den Bewegungen zu folgen. Etwas unbeholfen versuche ich, die scheinbar einfachen Schritte nachzuahmen. Ich bewege mich. Im selben Raum ist ein Mixtape mit molukkischen Machern experimenteller und verzerrter Klänge zu hören, zusammengestellt von den Künstlern. Die Werke beziehen sich auf die Molukken-Diaspora in den Niederlanden: In diesem Jahr jährt sich der 75. Jahrestag der Ankunft der ersten großen Gruppe von Molukken nach der Dekolonisierung Indonesiens.

Klang ist Berührung aus der Ferne

In einem anderen Raum befindet sich eine Installation von Miloš Trakilović. Schwarze Lautsprecher sind über den Boden verteilt, während einige Mikrofonständer ohne Mikrofon liegen, als ob die Aufnahme gerade beendet ist. Lichtfragmente und abstrakte Bilder sind auf vertikalen Bildschirmen zu sehen. Für „564 Tracks (Not a Love Song Is Usually a Love Song)“ (2024) verwendete Trakilović ein KI-Modell, das Klänge von Krieg und jugoslawischer Popmusik in einer Komposition mit der Struktur eines Liebesliedes zusammenführt. Die Installation zeigt, wie eng Zuneigung und Gewalt sein können – und wirft die Frage auf, wer hier eigentlich spricht: der abwesende Sänger, das Archiv der Kriegsklänge oder der Algorithmus.

Anders als in stillen Museumsräumen sickert der Klang von Raum zu Raum. Das geschieht, ohne dass die Arbeiten sich gegenseitig übertönen. Es scheint ein Ausdruck des Glaubens zu sein, dass man sagen kann, was man will, solange es andere nicht untergräbt. Ein politisch aufgeladenes Thema wie „seine Stimme hörbar machen“ kann in einer Gruppenausstellung schnell illustrativ werden, aber das passiert hier nicht. Der Titel „Make Some Noise: Desire. Praktikum. Veränderung.“ ist eine eindrucksvolle Zusammenfassung der vielen Stimmen, Formen und Gesten, die durch die Ausstellung schwingen. Es erinnert an das Sprichwort: Klang ist Berührung aus der Ferne. Ein passender Abschluss der Serie – und einer mit einem langen Atemzug, denn die Ausstellung ist bis Ende September zu sehen.

Nähere Informationen: Van Abbe Museum, Stratumsedijk 2, Eindhoven, Telefon: +31 402381000, E-Mail: info@abbemuseum.nl

Kostenloser Besuch im Museum mit dem Book Week Gift

Am Sonntag, 22. März, dem letzten Tag der Book Week, erhalten Besucher kostenlosen Eintritt in mehr als 230 Museen in den Niederlanden durch die Präsentation des Book Week-Geschenks.

Das Book Week Gift dient daher an diesem Tag als Eintrittskarte. Die Aktion ist eine Initiative des Museumsvereins und der Stiftung für kollektive Propaganda des niederländischen Buches (CPNB) un d wird zum zweiten Mal organisiert. Mehr als 230 Museen im ganzen Land nehmen teil.

44 niederländische Autoren schrieben kurze Texte zu Objekten aus fünfzehn Museumssammlungen. Mit dabei waren unter anderem Adriaan van Dis, Heleen van Royen, Jan Siebelink, Joost Oomen, Hanna Bervoets und Ted van Lieshout. Diese sogenannten ‚literarischen Museumsplatten‘ bieten verschiedene Lesarten der Werke. Eine Auswahl wurde in einer Mini-Broschüre gebündelt, die am 22. März in den teilnehmenden Museen kostenlos erhältlich sein wird. Die gesamte Serie kann digital über QR-Codes und auf der Internetseite Museum.nl gelesen werden. Besucher sind außerdem eingeladen, ihren eigenen Text für ein Objekt zu schreiben.

Frühneuzeitliche Pop-Ikonen im Limburger Museum (von Ulrike Neyens, erschienen in der aktuellen Ausgabe der Museumstijdschrift)

Hendrick (*1558 – +1617), Jacob (*1574 – +1631) und Hubert Goltzius (+1526 – +1583) waren die Popikonen der Künstler des 16. und 17. Jahrhunderts: Ihre Drucke hingen sowohl in königlichen Palästen als auch in bürgerlichen Wohnzimmern. Huberts Buch „C. Ivlivs Caesar“ (1563), in dem er die klassische Geschichte anhand von Münzbildern beleuchtete, fand seinen Weg in unzählige Bücherregale. Hendrick wiederum verkaufte eine enorme Anzahl von Ausgaben seines Drucks „Moses mit den Szenen des Gesetzes“ (1583), der in mehreren Sprachen verteilt wurde.

Um diese drei bekannten Künstler stand eine eng verbundene Künstlerfamilie. Die Ausstellung „Familie Goltzius – Meister aus Venlo“ im Limburger Museum vereint erstmals die gesamte Geschichte der Familie. Anhand von Dutzenden von Drucken und einigen wenigen Gemälden zeigt sie, wie die verschiedenen Generationen arbeiteten, wie sich die Familie durch Europa verbreitete und wie die Mitglieder sich gegenseitig beeinflussten. Jacob Goltzius II. zum Beispiel basierte seinen Druck „Unequal Love“ (1584–1600) auf einem Entwurf von Hendrick, in dem er humorvoll eine junge Frau darstellt, die die Annäherungsversuche eines alten Mannes ablehnt. Jacob Matham (*1571 – +1631) verewigt seinen Stiefvater Hendrick in einem stattlichen Porträt als Hommage an seine Kunstfertigkeit. Besondere Aufmerksamkeit gilt auch der Rolle der Frauen bei der Pflege von Netzwerken und dem Aufbau des Familienunternehmens.

Als Besucher muss man wachsam bleiben: Aufgrund des breiten Aufbaus und der großen Anzahl an Drucken kann die Geschichte manchmal etwas verwirrend werden. Dennoch zeigt die Ausstellung überzeugend, wie die Goltziussen gemeinsam ein einflussreiches und kreatives Netzwerk bildeten, das die Druckgrafik dauerhaft prägt.

Nähere Informationen: Limburger Museum, Keulsepoort 5, 5911BX Limburg, E-Mail: info@limburgsmuseum.nl, Telefon: +31 773522112.

At the Table and what else is on the table“

Essen und Kunst sind im Museum Staal in Almen auf überraschende Weise miteinander verwoben. Die Ausstellung „At the Table and what else is on the table“ ist eine Reise durch Zeit, Kunst und Tradition. Egal, ob Sie die wunderschön gedeckten Tische, die moderne Kunst oder die Geschichten über Essen im Achterhoek genießen – Sie werden garantiert mit neuen Einsichten nach Hause gehen. Wie ein gutes Essen hinterlässt diese Ausstellung einen bleibenden Eindruck.

Nähere Informationen: Museum Staal, Dorpsstraat 39, Almen, Telefon: +31 575474317, E-Mail: info@museumstaal.nl, Internet: www.museumstaal.nl

Am Tisch mit den Römern

In der Ausstellung „Am Tisch mit den Römern“ im Huygens Museum in Voorburg entdecken Besucher die Essgewohnheiten der Bewohner des Forum Hadriani, der römischen Stadt, die an der Stelle des heutigen Voorburg lag. Die Ankunft und Entwicklung des Römischen Forums Hadriani brachte bedeutende Innovationen in die lokale Esskultur: Die Römer führten neue Zutaten, Utensilien und Rezepte ein. Mit der Entwicklung der Stadt als Leitfaden nimmt die Ausstellung den Besucher mit auf eine kulinarische Reise durch die römische Küche.

Ein Blick hinter die Kulissen

In der Ausstellung erhält man auf Grundlage römischer archäologischer Funde vom Forum Hadriani und Umgebung Einblicke in die Ess- und Kochgewohnheiten der Region. Die Ausstellung zeigt den besonderen ‚Sonntagsgottesdienst‘ der Römer: die sogenannte Terra sigillata, was gestempelte Keramik bedeutet. Diese roten Schalen und Becher waren das Geschirr der wohlhabenden Bürger. Die archäologischen Funde erzählen eine Geschichte und geben Einblicke in das tägliche Leben vor zweitausend Jahren. In der Ausstellung werden Sie als Besucher herausgefordert, über das Objekt hinauszublicken. Ein Krug ist nicht nur ein einfaches Irdengerät, sondern wurde einst verwendet, um Wein, Fischsauce oder Olivenöl zu lagern und zu transportieren – Produkte, die aus dem Mittelmeerraum herangekommen wurden. So entpuppt sich ein Krug als greifbare Spur eines internationalen Handelsnetzwerks.

Nähere Informationen: Huygens Museum, Westeinde 2a, Voorburg, Telefon: +31 703872311, E-Mail: secretaariat@huygensmuseum.nl, Internet: www.huygensmuseum.nl

Das Lehmbruck Museum im April

Ausstellungen, Veranstaltungen, Kunstvermittlung

Ausstellungen

Anish Kapoor. Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland (24. April bis 30. August 2026)

Der Künstler Anish Kapoor (*1954, Mumbai) zählt zu den visionärsten Bildhauern unserer Zeit. Mit dem Wilhelm-Lehmbruck-Preis der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland wird nun sein wegweisendes Lebenswerk gewürdigt, das die Entwicklung der Kunst bis heute prägt.

Plastik Fantastik – Präsentation der Kunstvermittlung zur Ausstellung „Mika Rottenberg. Queer Ecology“ (bis 31. Mai 2026)

Originelle Exponate, ein verführerisches Nagelstudio und ein fantastischer Souvenir-Shop verleiten zum Tauschen, Staunen und Bereuen. Ein „Beichtstuhl“ mit einem Regal der Reue ermöglicht es, Buße zu tun und dem eigenen Konsumverhalten mit einem Augenzwinkern zu begegnen. Inspiriert von Mika Rottenbergs surrealen Werken entsteht ein kreativer Raum, der zum Mitmachen, Nachdenken und Gestalten einlädt. Durch interaktive Workshops, Führungen und performative Formate erschließen sich neue Perspektiven auf Kunst, Alltag, Umwelt und gesellschaftliche Zusammenhänge – poetisch, spielerisch und kritisch zugleich.

Das Lehmbruck Museum kooperiert mit der Maker-Szene und Nachhaltigkeitsinitiativen in Duisburg-Ruhrort, um ökologische Themen auch außerhalb des Museums kreativ erlebbar zu machen. Müll kann wertvoll sein, Weggeworfenes wird zu ungeahnten Schätzen. Zusammen räumen wir die Nachbarschaft mal ordentlich auf, um neue Perspektiven für die Zukunft zu gewinnen. Ebenso wie die Werke von Mika Rottenberg widmet sich auch die Präsentation „Plastik Fantastik“ den Gewohnheiten unseres Alltags und rückt die Dinge in ein neues Licht: Kunst ist ein Mittel, um alltägliches Handeln und Umweltbewusstsein neu zu verknüpfen.

Zwei Werke von Mika Rottenberg schlagen eine direkte Brücke zur Ausstellung „Mika Rottenberg. Queer Ecology“. Ein besonderes Highlight ist Rottenbergs erster und bisher einziger Spielfilm „REMOTE“ (2022, 92 Minuten), der in ihrer bekannten surrealen Ästhetik gemeinsames Alleinsein in unserer vernetzten und doch immer stärker isolierenden Welt thematisiert. Die Vorführzeiten sind täglich um 13 und 15 Uhr, am Wochenende zusätzlich um 11.15 Uhr.

„Plastik Fantastik“ zeigt darüber hinaus Werke von Benjamin Tiberius Adler, Aljoscha, Dirk Krüll, Monika Radhoff-Troll, Joachim Römer und Anna Vasof. Weitere Beteiligte sind die Blockblocks Cleanup gGmbH, Dr. Sonja Ehlers, Dr. Julius A. Ellrich, Shunji Furukama, RuhrortPlus, Jola Schwarzer (Schwarzer-design), Fabian Bos (Startupscheune) und die Wirtschaftsbetriebe Duisburg.

Veranstaltungen / Kunstvermittlung

Wenn nicht anders vermerkt, sind Tickets im Ticketshop des Lehmbruck Museums erhältlich.

Alternative Anmeldungen sind unter der Telefonnummer 0203 283 3294 oder per E-Mail an anmeldung@lehmbruckmuseum.de möglich.

Feiertagsöffnungszeiten

An Karfreitag, 3. April, und an beiden Osterfeiertagen, 5. und 6. April, ist das Museum von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Jeden Sonntag wird um 11.30 Uhr eine öffentliche Führung angeboten. 5. April: „Plastik Fantastik“,

12. April: „Traum und Wirklichkeit: Schlüsselwerke des Surrealismus“, 19. April: „Wilhelm Lehmbruck – Leben und Werk“, und 26. April: „Anish Kapoor. Wilhelm-Lehmbruck-Preisträger der Stadt Duisburg und des Landschaftsverbandes Rheinland“. Teilnahme: zwei Euro (zuzüglich zum Eintrittsgeld: neun Euro/ermäßigt fünf Euro) → Ticketshop

Donnerstag, 2. April, 17.30 Uhr

Kunst & Stulle: „Standbein – Spielbein. Menschen in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts“

Nach Feierabend ins Museum – ganz ungestört bietet sich die Gelegenheit, außerhalb der normalen Öffnungszeiten die Sammlung des Lehmbruck Museums oder die aktuellen Sonderausstellungen kennen zu lernen. Im Anschluss gibt es belegte Brote, Wein und weitere Getränke. Teilnahme: zwölf Euro (inklusive Eintritt, Führung, Speisen und Getränken) → Ticketshop

Freitag, 3. April, 12 bis 17 Uhr

Pay What You Want!

Jeden ersten Freitag im Monat können Besucherinnen und Besucher den Eintrittspreis selbst festlegen. Um 15 Uhr findet eine öffentliche Führung zum Thema „Highlights der Sammlung“ statt. Teilnahme: Pay What You Want!

Dienstag, 21. April, 15 Uhr

Kunst & Kaffee: „Von Meiderich nach Paris! Lehmbrucks Weg vom Dorf in die Kunstmetropole“

Die Teilnehmer genießen einen entspannten Nachmittag in der aktuellen Sonderausstellung. Nach einer Führung sprechen wir in geselliger Runde bei Kaffee und Kuchen über die Eindrücke der Ausstellung gesprochen. Teilnahme: zwölf Euro (inklusive Eintritt, Führung, Speisen und Getränken) → Ticketshop

Samstag, 25. April, 11 bis 17 Uhr

Hackaton: „Posthumane Körper“

Wie könnten sich unsere Körper entwickeln, wenn der Mensch sich wieder stärker an seine Umwelt anpassen würde? Wie sähe eine Fusion aus technischen, industriellen, tierischen, pflanzlichen und menschlichen Körpern aus? Ob Kabel statt Haaren, Polsterfolie als Hautoberfläche oder komplexe Chimären – mit der App „GENERIO“ sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Die KI-gestützte App verwandelt Skizzen und Ideen in ein 3D-Modell, das vor Ort mit einem 3D-Drucker ausgedruckt oder als Augmented-Reality-Experience virtuell präsentieren werden kann. Fabian Bos von der Startupscheune und die Künstlerin SOFF begleiten die Teilnehmer durch den Tag und unterstützen sie technisch und künstlerisch dabei, eine digitale Skulptur eines posthumanen Körpers zu entwickeln.

Zum Abschluss findet eine gemeinsame Bewertungsrunde statt: Die Teilnehmer werden zur Jury und stimmen über die beste Skulptur ab. Der Preis ist eine Jahreslizenz für GENERIO sowie die Möglichkeit, die eigene Skulptur im Lehmbruck Museum zu präsentieren.

Für die Teilnahme sind keine Vorkenntnisse in 3D-Modellierung oder Künstlicher Intelligenz erforderlich. Anmeldungen sind unter der Telefonnummer 0203 283 2195 oder per E-Mail an kunstvermittlung@lehmbruckmuseum.de. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Donnerstag, 30. April, 17 Uhr

Bijayini Satpathy: „Transcending Gender and Self in Odissi Dance“ Lecture Demonstration im Rahmen des Festivals „Eigenzeit – Musik von jetzt“

Mit Bijayini Satpathy hat die Kuratorin Kamalini Mukherji einen ganz besonderen Gast zur Eröffnung des Festivals „Eigenzeit – Musik von jetzt“ nach Duisburg eingeladen. Tanzend, forschend und lehrend, beschäftigt sich die Künstlerin seit ihrer Kindheit mit der klassischen indischen Tanzform Odissi – und in der Tat: Es ließe sich kaum jemand Geeigneteres dafür finden, die Hintergründe dieser jahrtausendealten und erst im 20. Jahrhundert wiederentdeckten Kunst so kenntnisreich zu beleuchten, als Bijayini Satpathy. Eintritt: 11 Euro.

Nähere Informationen: Lehmbruck Museum, Friedrich-Wilhelm-Straße 40, 47051 Duisburg, Postadresse: Düsseldorfer Straße 51, 47049 Duisburg, Telefon: +49 (0) 203 283-3294. Fax: +49 (0) 203 283-3892, E-Mail info@lehmbruckmuseum.de

„Von den Yoden“ – Zur Erinnerung an die erste Epoche jüdischer Sesshaftigkeit

Am Sonntag, 22. März,11.30 Uhr, wird im zum Museumsquartier Osnabrück gehörenden Kulturgeschichtlichen Museum die Ausstellung „Von den Yoden“ offiziell eröffnet.

Anlass ist das Ende der ersten jüdischen Gemeinde(n) in Osnabrück vor 600 Jahren. 1309 vom Osnabrücker Bischof offiziell für den Geldverleih in die Stadt geholt, wurden die jüdischen Menschen während des Pestpogroms von 1350 brutal ermordet. Nur wenige Jahre später entstand in der Neustadt eine neue jüdische Gemeinde. 1426 endete die erste Epoche jüdischer Sesshaftigkeit in der Stadt mit letzten Steuerzahlungen.
In der Ausstellung erinnern kostbare mittelalterliche Originale an diese Phase Osnabrücker Wirtschafts-, Religions- und Migrationsgeschichte. Am lokalen Beispiel werden die über Jahrhunderte tradierten antijudaistischen Wurzeln des Antisemitismus sichtbar. Der durch ihre kulturelle und religiöse Vielfalt geprägten bundesdeutschen Gesellschaft bietet „Van den Yoden“ mit Ausstellung, Begleitprogramm und Katalog angesichts des aktuellen Antisemitismus den öffentlichen Raum für eine kritische Auseinandersetzung mit seinen im Antijudaismus gründenden Ursprüngen.

Weitere Veranstaltungen

Filmabend »Am Ende kommen Touristen« am 18. März, 19 Uhr, in der Lagerhalle

Sven hatte sich seinen Zivildienst anders vorgestellt. Er wollte ins Ausland und etwas Sinnvolles machen, doch für ihn blieb nur eine Stelle in der Begegnungsstätte in Auschwitz, dem Ort, dessen Name zum Symbol für den nationalsozialistischen Völkermord wurde. Das Museum erinnert ihn an langweiligen Geschichtsunterricht. Mit gepackten Koffern steht er bald am Bahnhof. Doch am Ende kommen Touristen, wie jeden Tag, und Sven muss sich entscheiden. Eintritt 6 Euro / ermäßigt 5 Euro.

»Israelis in Berlin nach dem 7. Oktober« – Buchvorstellung und Gespräch mit Andrea von Treuenfeld am 26. März, 18.30 Uhr, im Veranstaltungssaal

Tausende Israelis leben heute in Berlin. Mit einigen von ihnen hat Andrea von Treuenfeld gesprochen und diese Gespräche in biografische Erzählungen gefasst. Sie kamen aus verschiedenen Gründen und leben teilweise schon viele Jahre in Berlin. Israelis sind sie geblieben, aber der zweite Pass ist jetzt oftmals ein deutscher. Ihr Dasein hier erleben sie als offen, divers und liberal. Zumindest bis zum 7. Oktober 2023, als Hamas Terroristen in den Süden Israels eindrangen, ein Massaker begingen und damit den Gaza Krieg auslösten. Der folgende weltweite Anstieg antisemitischer Übergriffe hat die Realität der in Berlin lebenden Israelis drastisch verändert. Eintritt: 9 Euro / ermäßigt 7 Euro.

Vortrag von Dr. Thorsten Heese am 9. April, 18.30 Uhr, im Veranstaltungssaal

„Warum ich Nationalsozialist wurde!“ Gerhard Schlikker und die „Villa Schlikker“. Eintritt: 3 Euro, für unter 18-Jährige frei.

Stadtrundgang mit Dr. Thorsten Heese am 14. April, 16 Uhr, Treffpunkt: Museumskasse

»Jüdisches Leben im mittelalterlichen Osnabrück«. Um 1300 etablierte sich eine erste jüdische Gemeinde. Ihre Ansiedlung unter dem Schutz des Osnabrücker Bischofs blieb nicht ohne Konflikte. Anmeldung erfolgen per E-Mail unter mq4-vermittlung@osnabrueck.de. Eintritt: ab 4 Euro pro  Person.

Szenische Führung am 15. April, 16 Uhr, im Felix-Nussbaum-Haus

„Lass mich dir erzählen. Mein Freund Felix Nussbaum“ – Ein gemeinsamer Rundgang durch zwei Leben, erzählt aus den Erinnerungen von Fritz Steinfeld. Eintritt: 9 Euro/ermäßigt 7 Euro.

Nähere Informationen: Museumsquartier Osnabrück, Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück, E-Mail: museum@osnabrueck.de, Telefon: 0541 323-2207 oder 0541 323-2237. Geöffnet ist das Museum Dienstag bis Freitag: 11 bis18 Uhr, Samstag und Sonntag: 10 bis 18 Uhr.

Ausstellungs-Tipps in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Mudfish wird zum Raumschiff (Von Edo Dijksterhuis, erschienen in der Museumstijdschrift) – bis 7. Juni

Die Rückgabe kolonialer geplünderter Kunst findet meist in ethnographischen Museen statt. Doch das Museum de Fundatie in Zwolle besaß auch eine Bronze aus Benin in seiner Sammlung und nutzte die Restitution als Grund für die Ausstellung „Back to Benin“, bei der zehn zeitgenössische nigerianische Künstler eine Bühne erhalten.

Es ist leicht herauszufinden, wo „Ama O Ghe Ehen“ in den letzten 90 Jahren war. Die Bronzetafel eines Fisches mit breitem, flachem Kopf wurde 2005 in der Publikation über Museumsfavoriten des Museum de Fundatie dargestellt. Ein halbes Jahrhundert zuvor war es im Stedelijk Museum Schiedam ausgestellt, als Leihgabe von Dirk Hannema, dem Gründer des Zwolleer Museums. Er hatte den Edelstein 1937 in der Van Lier Art Gallery in Amsterdam gekauft, die ihn vermutlich zwei Jahre zuvor im MoMA in New York präsentiert hatte.

Alles davor ist Spekulation. Mit Ausnahme der Herkunft der Tafel: „Ama O Ghe Ehen“gehört zu den Benin-Bronzen, den Skulpturen des westafrikanischen Königreichs Benin (heute Nigeria), die 1897 von britischen Kolonialtruppen in großem Maßstab geplündert wurden. Es ist unmöglich zu sagen, ob dieses spezielle Kunstwerk auch illegal nach Europa gelangt ist oder ’nur‘ gehandelt wurde. Aber für Beatrice von Bormann spielt das keine Rolle. Als sie kurz nach ihrer Ernennung zur Direktorin von diesem bemerkenswerten Stück in der Museumssammlung hörte, entschied sie, dass es nach Nigeria zurückgebracht werden musste.

Dabei schließt sie sich einer wachsenden Gruppe von Kollegen an, die kolonial geplünderte Kunst an ihren rechtmäßigen Besitzer zurückgeben. Es gab auch Ausstellungen, die der Wiederherstellung gewidmet waren, wie ‚Plünderte Kunst – 10 Geschichten‘ (2023–24) im Mauritshuis und ‚Unfinished Past‘ (2025–27 im Wereldmuseum Amsterdam). Doch De Fundatie ist das erste Museum, das Wiedergutmachung nutzt, um die Beziehung zwischen Nachkommen von Dieben und Räubern wiederherzustellen oder zu erneuern. „Back to Benin“ verbindet die Geschichte von „Ama O Ghe Ehen“auf fruchtbare Weise mit zeitgenössischer Kunst aus Nigeria.

Orakelvogel

Die Ausstellung beginnt mit dem Grund: der Tafel. Der Fisch lebt auf dem schlammigen Grund von Flüssen, zwischen Land und Wasser, und erhielt daher mythische Kraft als Bote zwischen den Welten. Die Schuppen und das Rastermuster auf dem Kopf sind äußerst fein, ebenso wie die Zierblumen rund um den Körper. Selbst der größte koloniale Rough-and-Tumbler konnte diese Qualität nicht vermissen. Kein Wunder, dass dieser Fisch gestohlen wurde.An den Wänden erzählen eine Zeitleiste und Fotos die Geschichte der Benin-Bronzen, die nach der britischen Plünderung in etwa 160 Museen weltweit verteilt wurden. Es dauerte mehr als ein Jahrhundert, bis eine Wiedergutmachung überhaupt in Betracht gezogen wurde. Erst im vergangenen Jahr wurden 113 Stücke aus der Nationalsammlung und sechs aus der Gemeinde Rotterdam offiziell an den Oba (König) von Benin übergeben.

Die hohe Informationsdichte der einleitenden Präsentation spricht nicht jeden an, hilft aber, Folgendes zu verstehen. Eine Reihe von Künstlern, die von der Kuratorin Aude Christel Mgba ausgewählt wurden, sind buchstäblich vom Schlammfisch, den Benin-Bronzen oder der Mythologie des Edo-Volkes, der Gründer des Königreichs Benin, inspiriert. In ihren Collagen aus Fotografie und Malerei bezieht sich Taiye Idahor auf den Orakelvogel, der einen Oba aus dem sechzehnten Jahrhundert vor der Niederlage rettete. Und Minne Atairu übersetzt die kosmologische Geschichte über die ‚Könige des Himmels‘ in ein KI-generiertes Video mit afro-futuristischem Touch, in dem der Schlammfisch zu einem Raumschiff wird.

Riesige Tonrüstung

Die ausgewählten Künstler haben alle einen internationalen Lebenslauf, aber die Qualität ihrer Arbeit variiert. Die Fotoinstallation, in der Abraham Onoriode die kolonialen Archive von Oghobase mit der alten Karte von Benin verbindet, ist konzeptionell aufwendig, aber visuell nicht besonders aufregend. Und die Gemälde, in denen Osaze Amadasun historische Persönlichkeiten und zeitgenössische Szenen verbindet, wirken für westliche Augen ein wenig zu sehr wie glatte Filmplakate.

Viel interessanter ist die Arbeit von Favour Jonathan, die nicht nur ein riesiges Totem zusammenschweißte, sondern auch hundert Selbstporträts fotografierte, in denen ihre wechselnde Frisur jedes Mal eine andere Kraft symbolisiert. Victor Ehikhamenor errichtete eine Kapelle mit einem traditionellen Regengott aus geschmolzenen Plastikrosenkränzen, um zu zeigen, wie Christentum und afrikanische Religion noch heute Seite an Seite existieren. Und im selben Raum beeindruckt Osaru Obaseki mit einer Wandskulptur, in der Platten aus gepresstem Ton – Benins Verteidigungsmauer – mit Bronzetafeln zu einer riesigen Rüstung vernietet werden.

Im Vergleich dazu wirkt Phil Omodamwens Werk recht konventionell. Und doch ist es wertvoll, dass es Teil von „Back to Benin“ ist. Omodamwen gehört einer Familie von Bronzegießern an, die seit fünfhundert Jahren in derselben Tradition wie die Benin-Bronzen arbeiten. Er fertigt jedoch keine religiösen oder zeremoniellen Werke an, sondern stellt historische Ereignisse dar, die ein weniger positives Bild der Kolonialherrscher zeichnen. Er schließt den Kreis, von damals und jetzt, dort und hier, geben und nehmen.

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Das Drents Museum verschiebt die Ausstellung mit Werken von Amrita Sher-Gil aufgrund geopolitischer Spannungen

Das Drents Museum in Assen kann seine lang erwartete Retrospektive der indischen Künstlerin Amrita Sher-Gil am 22. März nicht eröffnen. Das indische Kulturministerium hat beschlossen, die etwa sechzig Gemälde und Zeichnungen aus der Sammlung der National Gallery of Modern Art in Neu-Delhi aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage nicht zu transportieren. Damit ist das Drents Museum das erste niederländische Museum, das direkt von den Spannungen im Nahen Osten betroffen ist.

Museumsleiter Robert van Langh nennt es „eine große Enttäuschung“. Er fährt fort: „Gleichzeitig verstehen wir die Entscheidung. Laut dem Dagblad van het Noordenerhielt das Museum am Montag, dem 10. März, erstmals ein Signal, dass eine Verschiebung möglich sei; Die offizielle Entscheidung folgte einen Tag später. Die indische Regierung gab keine weiteren Erklärungen, aber laut dem Museum wird angenommen, dass internationale Spannungen im Nahen Osten eine Rolle spielen.

In der Zwischenzeit arbeitet das Museum an einer alternativen Ausstellung mit dem Titel „Ode an Amrita“. Zu diesem Zweck fordert das Museum andere Institutionen auf, Werke aus ihrer Sammlung zur Verfügung zu stellen, die mit den Themen in Sher-Gils Leben und Werk übereinstimmen, wie Identität, Freiheit, Verbindung und Liebe. Laut dem Museum haben die ersten niederländischen Museen bereits ihre Kooperation zugesagt. Die Ausstellung wird nicht aus Arbeiten von Sher-Gil selbst bestehen, sondern möchte dem Publikum ihre Ideen näherbringen – die laut Drents Museum aktuell bleiben, gerade in einer Zeit, in der Errungenschaften wie Offenheit und Meinungsfreiheit auf dem Spiel stehen. Laut dem Dagblad van het Noorden hofft das Museum, die Ersatzausstellung Anfang April eröffnen zu können.

Nähere Informationen: Drents Museum, Brink 1, 9401 HS Assen, Telefon 0592 377773, E-Mail: info@drentsmuseum.nl, Internet: www.drentsmuseum.nl. Geöffnet ist das Museum in der von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr.

Louwrien Wijers – Wir leben in der Sprache – bis 3. Mai

Das Friesland-Museum in Leeuwarden präsentiert die erste Einzelausstellung von Louwrien Wijers (Aalten, *1941). Die Künstlerin erhält in diesem Jahr den Gerrit Benner Prize für ihren führenden Beitrag zur bildenden Kunst in Fryslân. Die Jury lobt ihre besondere Arbeitsweise, bei der Sprache, Zuhören und Gespräch wichtig sind: „Sie sieht Worte, Gedanken und Kommunikation als eine Kunstform und betont deren Bedeutung für die Gesellschaft. Ihre Arbeit ist ruhig und durchdacht und bildet einen kraftvollen Gegenpol zur schnelllebigen visuellen Kultur.“ Im Laufe ihrer Karriere sprach die Künstlerin mit führenden Künstlern, Wissenschaftlern und Denkern, darunter Andy Warhol und dem Dalai Lama. Ihre unkonventionelle und immaterielle Arbeitsweise hat ihrer Position in der Kunstwelt eine besondere, aber bescheidene Stellung verschafft. Die Ausstellung „We Live in Language“ bietet einen Überblick über ihr Werk, einschließlich Arbeiten, die zuvor nie gezeigt wurden.

Nähere Informationen: Friesmuseum, Wilhelminaplein 92, Leeuwarden, Telefon +31 582555500, E-Mail: info@friesmuseum.nl, Internet: www.friesmuseum.nl

It goes without saying“ oder „Das versteht sich von selbst“ – bis 29. März

Sprache ist niemals neutral. Worte können uns sowohl verbinden als auch trennen. Sie prägen unser Denken, Fühlen und Handeln. Sie interpretieren unsere intimsten Geständnisse und lautesten Forderungen, können aber ebenso leicht verbergen, ausschließen oder manipulieren. Sprache kann trösten oder verletzen, Fürsorge oder Widerstand inspirieren oder ein Instrument der Kontrolle sein. Die Ausstellung „It Goes Without Saying“ in der Kunsthal Extra City in Antwerpen erforscht dieses Terrain und zeigt, wie sich Sprache zwischen privat und öffentlich bewegt, vom therapeutischen zum Politischen, von geflüsterten Auseinandersetzungen bis zum Gebrüll kollektiver Proteste.

Die Ausstellung vereint Skulpturen, Zeichnungen, Installationen und Videos, die die Möglichkeiten von Sprechen, Schreiben, Gebärdensprachen und Symbolen erweitern. Sie stellt die Autorität des Wörterbuchs in Frage und untersucht alternative Sprachformen. Wo Worte versagen, braucht es Fantasie. In westlichen Gesellschaften zum Beispiel hat die Fähigkeit zur kollektiven Trauer abgenommen: Trauer bleibt oft privat, und die Worte, sie öffentlich zu benennen, sind weitgehend verschwunden. Oder denken Sie an das aktuelle geopolitische Klima, in dem ein einzelnes Wort wie „Völkermord“ besonders schwer zu verwenden ist.

Sprache ist kein fester Code, sondern ein verletzliches, lebendiges und umkämpftes Feld. Dies zeigt sich besonders in den Erfahrungen der Vertreibung. Das Fehlen oder die teilweise Beherrschung einer Muttersprache erschwert es, sich in kulturellen, historischen und sozialen Landschaften zurechtzufinden. Übersetzung wird dann zu einer Möglichkeit, Welten und Identitäten zu verbinden. In solchen Momenten ist Sprache nicht nur ein Kommunikationsmittel, sondern auch eine Möglichkeit, die Vergangenheit anzuerkennen, sich in der Gegenwart zu verankern und sich mögliche Zukünfte vorzustellen.

Nähere Informationen: Kunsthal Extra City, Provinciestraat 112, Antwerpen, Telefon +32 36771655, E-Mail: info@extracity.org, Internet: www.extracity.org

Dichtung des Volkes – bis 3. Mai

Die Ausstellung „Dichtung des Volkes“, die zuvor im Wereldmuseum Amsterdam zu sehen war, erhält nun eine neue Bühne im Wereldmuseum Rotterdam. In einer Stadt, die für ihre kulturelle Vielfalt und internationale Gemeinschaft bekannt ist, zeigt die Ausstellung, wie Poesie Menschen verbindet, Geschichten weitergibt und Raum für Reflexion und Anerkennung bietet. Viele der Gedichte in Dichtung des Volkes werden noch immer gelesen und studiert. Zum Beispiel singt Meral Polat auf ihrem neuen Album ein Lied zu den Texten des Gedichts „Ötme Bülbül Ötme“ des Dichters Pir Sultan Abdal. Er setzte sich für die Rechte des Volkes ein und stellte sich gegen das Osmanische Reich. In der Ausstellung rezitiert Meral Polat das Gedicht in einem Video.

Nähere Informationen: Wereldmuseum Rotterdam, Willemskade 25, Rotterdam, Telefon: +31 102707172, E-Mail: info@wereldmuseum.nl, Internet: http://www.wereldmuseum.nl