„Gegenwärtig. Zeitgenössische Kunst begegnet Felix Nussbaum“

Ausstellung und Programm im Museumsquartier Osnabrück

Eine Ausstellung der Künstlerin und Musikerin Michaela Melián wird am 4. Juni um 18 Uhr im Felix-Nussbaum-Haus eröffnet.

Die Künstlerin und Musikerin Michaela Melián richtet den Blick auf Themen wie Emigration, Flucht, Vertreibung. Ihre multimedialen Installationen verknüpfen Geschichten, die mit Orten, Objekten oder Biografien verbunden sind, mit gesellschaftlichen Fragen. Sie erschafft dabei vielschichtige, sinnlich erfahrbare Räume.

Im Felix-Nussbaum-Haus entsteht im Rahmen der Reihe „Gegenwärtig. Zeitgenössische Kunst begegnet Felix Nussbaum“ eine Welt aus Klangskulpturen und Projektionen, die Vergangenheit und Gegenwart, Kunst und Gesellschaft auf besondere Weise verbindet. Meliáns Arbeiten regen dazu an, über Sichtbarkeit, Machtverhältnisse und Erinnerung nachzudenken – sie verzichten auf klare Botschaften und betonen stattdessen die Vielschichtigkeit und Komplexität ihrer Themen.

Für die Ausstellung entwickelt Michaela Melián eine Installation, die aus der Auseinandersetzung mit den Texten der französischen Philosophin und Schriftstellerin Hélène Cixous (1937 in Algerien geboren) entstanden ist. Cixous‘ Familie stammt aus Osnabrück und war mit Felix Nussbaum und seiner Familie bekannt. Eve Cixous – Hélènes Mutter – ist als Eva Klein in Osnabrück aufgewachsen. Ihre Mutter – Hélènes Großmutter – heißt Rosi Klein, geborene Jonas. Die Familie Jonas hatte ihr Geschäftshaus am Nicolaiort 2 in Osnabrück. Eve, ihre Schwester Eri und Rosi konnten in den 1930er Jahren aus Deutschland entkommen, im Gegensatz zu vielen weiteren Familienmitgliedern, die in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern ermordet wurden. Die familiären Erfahrungen der Flucht und des Exils sind prägend für das Schreiben der feministischen Denkerin Cixous. Inspiriert von diesen Texten, wie zuletzt veröffentlicht in „Osnabrück“ (2017/2018) und „Osnabrück Hauptbahnhof nach Jerusalem“ (2018) entsteht eine mehrstimmige Komposition, in der Frauenstimmen in verschiedenen Sprachen und Akzenten die Grenzen des Nationalen überschreiten.

Michaela Melián (* 1956, München) ist Künstlerin und Musikerin. Sie ist Mitgründerin der Band F.S.K. und war bis 2023 Professorin für zeitbezogene Medien an der Hochschule für Bildende Künste (HfbK) in Hamburg. Ihre Arbeiten waren in den vergangenen Jahren unter anderem ausgestellt im Lenbachhaus München/Deutschland; in der Fundació Juan Miró Barcelona/Spanien; Kunsthal Rotterdam/Niederlande; Deichtorhallen Hamburg; Staatsgalerie Stuttgart/Deutschland; Kunsthalle Mannheim/Deutschland; Lentos Museum Linz/Österreich; Cubitt London/Vereinigtes Königreich; Ludlow New York; NY/USA und im The War and Women’s Human Rights Museum in Seoul/Südkorea. 2010 hat sie im Auftrag der Stadt München „Memory Loops“, ein akustisches Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus, realisiert. Für ihre Arbeiten wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter den Hörspielpreis der Kriegsblinden (2006), den Kunstpreis der Stadt München (2010), den Grimme Online Award Spezial (2011), den Edwin-Scharff-Preis der Stadt Hamburg (2018) und den Rolandpreis für Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Bremen (2018).

29. Mai, 14 – 17 Uhr


Jüdisches Leben in Osnabrück heute: Die Osnabrücker Synagoge


Parallel zur Ausstellung „Van den Yoden“ über die Geschichte der jüdischen Gemeinde im mittelalterlichen Osnabrück öffnet die heutige Jüdische Gemeinde der Stadt für Interessierte ihre Pforten. Sie gewährt Einblick in das gegenwärtige Leben jüdischer Menschen in Osnabrück wie in der Bundesrepublik. Im Mittelpunkt des gemeinsamen Nachmittags steht die Synagoge.

Synagoge. In der Barlage 41-43. Der Eintritt ist frei. Anmeldung erfolgen unter der Telefonnummer 0541-4842-0 oder unter der E-Mail-Adresse info@jg-osnabrueck.de

6. Juni, 11 – 17 Uhr


Kreativwerkstatt KIDS: Zeichnen wie Felix Nussbaum


Felix Nussbaum hat nicht nur düstere und dunkle Bilder gemalt, sondern auch farbenfrohe Zeichnungen für Kinder geschaffen. Wir lassen und von PIT&PEGGS, von Nussbaums Tieren und Landschaften inspirieren und greifen selbst zum Stift und zur Wassermalfarbe. Die Bilder, die während des Workshops entstehen, können selbstverständlich mit nach Hause genommen. Es sind keine Vorerfahrungen oder besondere Fähigkeiten im Zeichnen und Malen notwendig.

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Kosten: 3 Euro Materialkostenpauschale pro Kind. Eine verbindliche Anmeldung unter der E-Mail-Adresse mq4-vermittlung@osnabrueck.de ist erforderlich.

11. Juni, 18.30 Uhr


Buchvorstellung mit Sharon Dodua Otoo: „So, in etwa, ist es geschehen“


Die Autorin und Aktivistin Sharon Dodua Otoo liest aus ihrem aktuellen Roman „So, in etwa, ist es geschehen“ und spricht über Erinnerung, Gewaltgeschichte und gesellschaftliche Verantwortung. Im Zentrum steht die Geschichte von Amata Haller, deren Familiengeschichte mit dem Untergang der „Cap Arcona“ verbunden ist – einer der größten Schiffskatastrophen des Zweiten Weltkriegs.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Reihe „Geschichte(n) erzählen“ statt, die sich literarisch mit Erinnerungskultur und historischen Erfahrungen auseinandersetzt. Im Anschluss an die Lesung gibt es ein Publikumsgespräch. Die Reihe ist eine Kooperation des Museumsquartiers Osnabrück, des Literaturbüros Westniedersachsen und der Volkshochschule Osnabrück.. Eintritt: 9 Euro / ermäßigt 7 Euro.

Nähere Informationen: Museumsquartier Osnabrück, Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück, Telefon: 05413232237, E-Mail: museumsquartier@osnabrueck.de, Internet: http://www.museumsquartier-osnabrueck.de

„Charley Toorop & Pyke Koch | All or Nothing“

Charley Toorop (*1891 – +1955) und Pyke Koch (*1901 – +1991) gelten in den Niederlanden als zwei der wichtigsten figurativen Maler des 20. Jahrhunderts – vielleicht als die bedeutendsten. „Charley Toorop & Pyke Koch | All or Nothing“ ist die allererste Ausstellung, in der die Werke dieser beiden markanten Persönlichkeiten gemeinsam präsentiert werden. Ihre bedeutenden Werke zeigen sichtbare Parallelen, ihre Leben und Lieben kreuzen sich regelmäßig. Mit einer großen Retrospektive der besten Werke beider Künstler orchestriert Museum More erstmals künstlerische ‚Begegnungen‘ und überraschende Brücken zwischen Toorop und Koch.

Intim und verspielt

Charley Toorop und Pyke Koch waren Zeitgenossen, Freunde und Bewunderer der Werke des anderen, doch die Kunstgeschichte trennte sie lange nach stilistischen Gründen: die eine Expressionistin, der andere Neorealist oder magischer Realist. Nebeneinander platziert offenbaren sie jedoch ein reiches Netz künstlerischer Gemeinsamkeiten und faszinierender Interaktionen.

Ihre persönliche Bindung war intim, aber launisch – intensiv in drei verschiedenen Perioden, manchmal mit jahrelangen Pausen dazwischen. Es gab gegenseitige Bewunderung und Einfluss. Dies spiegelt sich scharf in Themen, Kompositionen und deren tiefgehender Behandlung klassischer Genres wie Porträt, Landschaft und Stillleben wider. Der Höhepunkt ihrer Freundschaft wird in Toorops monumentalem Schlüsselwerk „Meal of Friends“ (1932/33) verewigt, einem Gruppenporträt von Familien- und Künstlerfreunden, in dem Koch nahe an seinem ‚Selbstporträt‘ steht – eine Zigarette im Mund, die leuchtende Spitze ihr zugewandt. Vielleicht eine Anspielung auf eine einst platonische Beziehung zwischen den beiden Künstlern.

Alles oder nichts

Waren sie Freunde oder mehr? Dafür gibt es Hinweise. Koch und Toorop unterhielten viele Liebesaffären, waren aber auch völlig ihrem Beruf verpflichtet. Beide schienen auch etwas beweisen zu wollen, ihr Leben war geprägt von der Einstellung Alles-oder-Nichts. Sie hatten keine formale Kunstausbildung und entwickelten eine eigenwillige visuelle Sprache. Während Toorop mit festen Pinselstriche und scheinbar mit voller Geschwindigkeit arbeitete, war Koch ein langsam arbeitender Perfektionist, der aus Unzufriedenheit regelmäßig seine eigene Arbeit zerstörte.

Toorop war die inspirierende Kraft in ihrer frühen künstlerischen Beziehung. Kochs erste Gemälde verrieten ihren Einfluss: die frontale Darstellung des menschlichen Gesichts, die durchdringenden Augen, der feste Blick auf den Betrachter. Wo sie dieses Konzept als Ausdrucksmittel entwickelt hatte, verfeinerte er es mit technischer Präzision und einer erzählerischen, manchmal ironischen Spannung, die ganz ihm selbst entsprach.

Beide waren vom Selbstporträt als Genre fasziniert, obwohl ihre Herangehensweisen unterschiedlich waren. Toorop malte sich mindestens siebzehnmal mit unerbittlicher Ehrlichkeit. Koch malte nur drei Selbstporträts, und ihr Selbstporträt mit schwarzer Leinwand (1937) wurde nach dem Krieg zu einem kontroversen politischen Emblem.

Akrobaten und Attraktionen

Als Porträtmaler waren sie beide hervorragend. Toorop stellte ihr Umfeld – Kinder, Freunde, Förderer, psychiatrische Patienten – mit einer Direktheit dar, die für ihre Zeitgenossen manchmal zu weit ging; Koch strebte ebenfalls nach einem zeitlosen idealen Typ. Ihre Stimmen hallten gleichermaßen in Stillleben, Landschaften und Stadtansichten wider: Toorop in der Konfrontation mit der nackten Realität, Koch in der konstruierten Inszenierung, durchdrungen von Symbolik.

Thematisch bewegten sie sich durch verwandte Welten. Der Jahrmarkt und der Zirkus boten beiden einen künstlerischen Rahmen für das menschliche Dasein: Toorop in farbenfrohen, manchmal wirbelnden Menschenmengen; Koch legt sein Augenmerk auf eine hypnotische Figur – die Frau in der Schießbude, die Kontorsionistin – als Personifikation von Faszination und Gefahr. Seine Vorstellung von Frauen war jedoch grundlegend anders: Toorop sah sie als soziale Wesen, eingebettet in eine harte Realität, mit Blick auf die Tragödie ihrer Existenz. Koch betrachtete die Frau eher als psychologisches Rätsel, aufgeladen mit Erotik und Mystik.

Abschied

Am Ende ihres Lebens schufen sie Werke, die als Testamente gelesen werden können. Toorop malte sich selbst als Abschiedsgeste, die Offenheit zeigt: der Blick über die Schulter, der Vorhang hinter ihr halb geschlossen. Koch verbarg seinen Abschied hinter einer Allegorie: ein Seiltänzer mit einem schwarzen Tuch über dem Kopf, der seine Nummer noch einmal auf dem Drahtseil aufführte.

Seite an Seite zeigen Toorop und Koch, was die kunsthistorischen Etiketten verbergen: zwei einzigartige Künstler, die viel enger miteinander verwandt sind, als erwartet. Gerade in dieser Spannung zwischen Ähnlichkeit und Individualität liegt der Reichtum ihrer ‚parallelen Welten‘.

Gastkuratoren sind Carel Blotkamp und Mieke Rijnders. Das begleitende Ausstellungsbuch mit Essays von ihnen wurde von Waanders veröffentlicht. Dieses wunderschöne Kunstbuch wird ebenfalls ab dem 20. Juni in unserem Museumsladen und online in unserem Webshop erhältlich sein.

Nähere Informationen: Museum More, Hoofdstraat 28, 7213 CW Gorssel, Telefon: +31 575 760 300, E-Mail: info@museummore.nl

Maeve van Klaveren im Museum More

Kann man gleichzeitig anwesend und abwesend sein? Das geschieht in der Welt von Maeve van Klaveren (Amsterdam, *1977). Die Figuren in ihrem Werk sind nicht vorhanden – zumindest nicht wirklich. Manchmal buchstäblich, weil sie nicht dargestellt, sondern nur als Leere oder Spur vorhanden sind. Manchmal, weil sie so tief in Gedanken versunken sind, dass sie scheinbar woanders sind. Sie sind ruhig, geben Raum. Und genau dieser Raum lädt den Betrachter ein, sich darin zu erkennen – oder etwas völlig anderes darin zu sehen.

Diese Einzelpräsentation, bestehend aus einer Auswahl von 11 Werken, ist noch bis 25. Oktober im Museum MORE in Gorssel zu sehen.

Die Welt in der Nähe

Neben menschlichen Figuren stellt Van Klaveren auch gerne Gegenstände dar, die ihr nahe liegen: einen Blumenstrauß, eine Hauskatze, einen Esstisch. Ihre Arbeit strahlt eine heimelige Atmosphäre aus, ein Frühlingsgefühl – helle Töne, sanfte Farben. Vertraut und einladend. Gleichzeitig gibt es Stimmungen und Emotionen, die man erkennt, ohne sie genau benennen zu können.

Eigene visuelle Sprache

Was ihre Arbeit sofort erkennbar macht, ist nicht nur das Motiv, sondern auch die Art des Zeichnens. Eine naturalistische Darstellung ist kein Selbstzweck: Köpfe können vergrößert sein, aber ausdrucksstark und groß wirken. Sie sucht nach einer etwas anderen Darstellungsweise, bei der Wiedererkennung und ihre eigene visuelle Sprache Hand in Hand gehen. Wenn man das Werk sieht, weiß man sofort: Das ist Maeve van Klaveren.

Von der Mode zum Museum

Diese Individualität zeigt sich auch in ihrem Materialgebrauch. Van Klaveren kombiniert Zeichenmaterialien – Kohle, Buntstift, Pastell- und Aquarellfarbe – und verarbeitet sie austauschbar auf Papier, was ihm eine samtige, fast kuschelige Textur verleiht. Ihr Hintergrund zeigt sich darin: Sie studierte am Amsterdam Fashion Institute und arbeitete im Atelier einer Textilkünstlerin, bevor sie vor etwa zwölf Jahren den Schritt zur autonomen Kunst machte. Ihre Erfahrung als Innenarchitektin – das Dekorieren und Aufhellen von Innenräumen – spiegelt sich auch in den inneren Welten wider, die sie darstellt.

Über Maeve van Klaveren

Van Klaveren wird durch die Moving Gallery (Utrecht) und die Kristin Hjellegjerde Gallery (London, Berlin, West Palm Beach) vertreten. Sie hat international ausgestellt und ihre Arbeiten befinden sich in Privatsammlungen weltweit sowie in öffentlichen Sammlungen, darunter DELA und UMC Utrecht. Nach Einzelausstellungen in der Moving Gallery und der Kristin Hjellegjerde Gallery in Berlin (2024) und London (2025) ist das Museum MORE 2026 der Ort für ihre erste Museums-Einzelpräsentation sein. Drei ihrer Kunstwerke wurden zuvor in den Ausstellungen „Reality Check“ im Museum More in Gorssel und „Cute & Catty“ im Schloss Ruurlo gezeigt, beide im Jahr 2025.

Nähere Informationen: Museum More, Hoofdstraat 28, 7213 CW Gorssel, Telefon: +31 575 760 300, E-Mail: info@museummore.nl

Robin Wen & Bobbi Essers | „Nothing Makes Me Feel As Good“

Wie sieht Freiheit aus, wenn man sie einfängt? In Ölgemälden und Kugelschreiberzeichnungen zeigen Bobbi Essers (*2000) und Robin Wen (*1994) jeweils auf ihre eigene Weise den Wunsch nach Freiheit ihrer Generation. Ihre Arbeit führt einen von chilligen Abenden mit Freunden zu Partys, die bis in die frühen Morgenstunden andauern. Mit geschickter Hand schaffen beide Künstler ruhige, filmische Schnappschüsse. Indem man sorgfältig auswählt, was sie zeigen – und besonders das, was sie weglassen – entstehen Bilder, die mehr aussagen als zeigen.

„Robin Wen & Bobbi Essers | Nothing Makes Me Feel As Good“ ist noch bis 15. November im Garden Room des Museums More in Gorssel zu sehen.

Fragmente einer gemeinsamen Welt

Für ihre Ölgemälde orientiert sich Essers an analogen Fotos ihrer Freunde. Im Großformat nutzt sie präzise Technik, um abrupt geschnittene Fragmente ihrer Welt einzufangen: eine Schulter, einen Ohrring, ein Haarbüschel, eine Umarmung. Diese Details werden zu Bildern verwoben, die sich wie Erinnerungen an einen ausgelassenen Abend anfühlen – Eindrücke, die auch nach dem Ende der Nacht bleiben.

Da Essers ihrem Subjekt nahe steht, entsteht eine spürbare Intimität. Sie lässt Identität und Geschlecht oft bewusst in der Mitte – ihre persönliche Welt öffnet sich so für eine größere Anerkennung. Ihre Arbeit strahlt queere Positivität aus: Auf ihrer Leinwand werden Menschen in ihrem vollen Wesen unsterblich gemacht. Essers fängt den Geist der Generation Z ein: das Abenteuer, das Chillen und die Liebe. In ihren Ausschnitten und unerwarteten Kombinationen liegt etwas, das zugleich sehr persönlich und weithin erkennbar ist: der Zauber der Freundschaft.

Nachtleben in blauen Linien

Wo Essers die Intimität ihrer unmittelbaren Umgebung darstellt, taucht Wen in die Welt der Free Party und der Rave-Kultur ein: freie, oft illegale Partys, bei denen junge Menschen zusammenkommen, um Ekstase und Flucht zu suchen.

Er fängt diese ungezähmte Welt mit außergewöhnlicher technischer Präzision ein. Wen arbeitet hauptsächlich mit einem scheinbar alltäglichen Medium: dem blauen Kugelschreiber. Texturen, Licht und Gesichtsausdrücke werden fast fotografisch dargestellt. Das charakteristische blaue Leuchten verleiht seiner Arbeit eine entfremdende Atmosphäre: Das Nachtleben scheint von der gewöhnlichen Realität losgelöst zu sein.

In seinen Bildern erscheinen leere Partylocations im Morgenlicht und tanzende Figuren ohne Gesichter. Diese Abwesenheit wird zur Kraft: das Unbekannte, das Schwerfassbare, die Widersprüche zwischen Überschwang und Schweigen, zwischen Kollektivität und Einsamkeit. Seine Arbeit dient als Zeugnis einer Subkultur, die zwischen dem Fantastischen und dem Alltäglichen balanciert.

Open-End-Schnappschüsse

Essers und Wen zeigen ihre Realität als Fragmente mit bewusst offenen Enden. Bei Essers wird Raum geschaffen durch das, was sie weglässt: Identität verblasst, Details übernehmen. Wen umarmt das Fremde: Leere Räume und anonyme Körper betonen die flüchtige Natur der Freiheit.

Beide Künstler teilen eine Faszination für den Moment, diesen einen Moment, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Ihre Werke sind keine fertigen Geschichten – sie laden zur Fantasie ein und fordern den Betrachter auf, selbst Verbindungen herzustellen.

In einer Zeit, in der Bilder schnell nacheinander folgen, verlangsamen Essers und Wen ihren Blick. Sie machen das flüchtige Leben ihrer Generation sichtbar und lassen es einfach dort existieren, in all seiner Zerbrechlichkeit, Intensität und Schönheit.

Über Robin Wen

Robin Wen (Taiwan, *1994) lebt und arbeitet in Brüssel. 2018 schloss er sein Studium an der La Cambre, der belgischen Nationalschule für Bildende Kunst, ab und gewann den Woluwe-Saint-Pierre Kunstpreis für seine Zeichnungen. Seine Arbeiten – hyperrealistische Zeichnungen mit Kugelschreiber, verwurzelt in der Free Party und der Rave-Kultur – sind seitdem international durch Messen und Ausstellungen sichtbar geworden. Dies ist das erste Mal, dass sein Werk in einem niederländischen Museum gezeigt wird.

Über Bobbi Essers

Bobbi Essers (Enschede, *2000) lebt und arbeitet in Amsterdam. Sie schloss 2022 ihr Studium an der Utrechter Kunsthochschule ab und erwarb 2024 ihren Masterabschluss am Frank Mohr Institute. 2023 erhielt sie den Royal Award for Painting. Seitdem hat sie an Ausstellungen im In- und Ausland teilgenommen, darunter die Gruppenausstellung Reality Check des Museum More im Jahr 2025.

Nähere Informationen: Museum More, Hoofdstraat 28, 7213 CW Gorssel, Telefon: +31 575 760 300, E-Mail: info@museummore.nl

Mode als Kunst im Schloss Ruurlo

Noch bis zum 28. Juni werden im zum Museum More gehörenden Schloss Ruurlo die revolutionären Kreationen der niederländischen Modeikone Fong-Leng präsentiert. Die Ausstellung konzentriert sich hauptsächlich auf die grellen 1970-er Jahre und Fong-Lengs Beziehung zum ‚lebenden Kunstwerk‘ Mathilde Willink. Neben einer Auswahl einzigartiger, skulpturaler Roben werden dort auch Jeans-Designs gezeigt, die Fong-Leng für Levi’s angefertigt hat. Neue Arbeiten des Modefotografen Ferry van der Nat zeigen ebenfalls, wie zeitgemäß Fong-Lengs Mode immer noch ist.

In diesem Jahr ist es genau 60 Jahre her, dass die niederländisch-chinesische Designerin Carla Maria Fong Leng Tsang (*1937) ihre turbulente Karriere begann. Sie war eine der wenigen weiblichen Modemacherinnen und durchbrach Anfang der 1970-er Jahre das vorherrschende Bild der niederländischen Haute Couture. Alles an Fong-Leng strahlt die damalige Atmosphäre Amsterdams aus. Ihre überschwänglichen, theatralischen Kreationen und auch ihre bahnbrechenden Modenschauen mit mitreißender Disco-Musik sorgen in der angesehenen niederländischen Modewelt für Aufsehen.

Sie entwickelte ihre eigene Signatur und ließ sich unter anderem von ihren chinesischen Wurzeln sowie asiatischen Pflanzen- und Tiermotiven inspirieren. Sie verwendet Materialien wie Leder, Wildleder, Seide und Maraboufedern. Bei der Herstellung ihrer fantasievollen oder exotischen Kreationen wendet sie alte Handwerkstechniken wie Falten, Smocken und Applikationen an. Fong-Leng hat sich nie als Designer, sondern als Modekünstler gesehen. Sie sieht ihre Werke als eigenständige Kunstwerke. „Ich möchte etwas erschaffen, das nicht untergeht. Ja, nenn es das Streben nach Unsterblichkeit“, sagte sie einmal.

Mathilde

Es ist Fong-Lengs Modekunst, die eine starke Bindung zu einer anderen skurrilen Frau schaffen würde. 1971 besuchten Mathilde Willink-de Doelder (1938–1977) aus Zeeland zusammen mit ihrem Ehemann Carel Willink (1900–1983) Fong-Lengs neu eröffneten Laden. Studio Fong Leng in der Amsterdamer P.C. Hoofststraat ist mit Glas und Schiffsmetall dekoriert, Champagner wird serviert, Kleidung wird anprobiert und die Leute tanzen. Die Adresse wird zum Ort für führende niederländische Menschen und sogar internationale Jetsets. Mathildes erster Kauf ist der Beginn einer langjährigen Freundschaft zwischen ihr und Fong-Leng. Sie scheinen dazu bestimmt zu sein, in einer gemeinsamen Arena zu glänzen. Die kostbaren Fong-Leng-Kreationen, die Mathilde von nun an trägt, werden von ihrem Ehemann bezahlt.

Mathilde wird zu einer ikonischen Figur in Amsterdams Straßenszene und Nachtleben werden. Sie fühlt sich wie ein lebendiges Kunstwerk, kauft täglich in voller Montur ein und schminkt sich mit üppigem Make-up, das Willink vorbereitet hat. In Fong-Leng-Kreationen ist Mathilde endlich die geworden, die sie innerlich immer war. Im Gegensatz dazu ist die große Mathilde eine fantastische Botschafterin für Fong-Lengs Werk. Er sagt 1974: „Sie ist eine der liebsten Menschen, die ich gerne um mich habe. Sie ist wirklich ein Schatz. Ein Typ ohne nervige weibliche Kleinigkeiten. Und so ehrlich. Sie kann wirklich alles tragen. So perfekt. Außerdem geht sie überall hin. Sie trägt meinen Namen.“ Fong-Leng schreibt Modegeschichte, während Mathilde so berühmt ist, dass sie nur mit ihrem Vornamen genannt wird.

Enge Bindung

1975 verewigt Carel Willink Mathilde, gekleidet in einem metallfarbenen Leopardenumhang, in einem monumentalen Gemälde. Es ist auch das letzte Porträt, das Willink von seiner Muse und dritten Frau anfertigt. Der Maler hat beschlossen, sich von ihr scheiden zu lassen. Das Dreieck aus Fong-Leng, Mathilde und Willink ist gebrochen. Mathilde verliert jeglichen Halt und stirbt 1977 plötzlich unter mysteriösen Umständen. Fong-Leng kleidet sie für ihre Beerdigung in einen besonderen Hosenanzug: eine letzte Hommage an eine enge Bindung. Eineinhalb Jahre später wird Mathildes sorgfältig gesammelte Garderobe versteigert. Mathilde wünschte sich Berichten zufolge, dass ihre Fong-Leng-Kreationen in einem Museum landen würden. In gewisser Weise ist dieser Traum Wirklichkeit geworden. Mehrere niederländische Museen, darunter das Museum MORE, besitzen Werke von Fong-Leng in ihren Sammlungen.

Kate Bush, Levi’s…

Fong-lengs Karriere endet nach Mathildes Tod nicht. 1979 beispielsweise posiert die junge britische Popstar Kate Bush in einer breiten goldgelben Fong-Leng-Kreation während eines legendären Shootings des Popfotografen Claude Vanheye in einem Amsterdamer Parkhaus. Und Anfang der 80er entwirft Fong-Leng eine Jeanskollektion für Levi’s. Unterdessen ist eine Jeans-Schuppenjacke aus ihrer Hand ein beliebtes Sammlerstück. Sogar ihre Levi’s-Hose von vor 40 Jahren lässt sich noch leicht als modernes Design tragen.

Große Shows

Fong-Lengs Kreativität und Handwerkskunst haben sie vielleicht zur besten Modedesignerin gemacht, die die Niederlande je gekannt haben. Sie hat mit ihrer Arbeit die Grenze zwischen Mode und Kunst verwischt. Sie ließ sich von Conventions nicht aufhalten. Ich habe buchstäblich groß gedacht. Gemeinsam mit ihrem Team organisierte sie große Modeevents an Orten wie der Amsterdamer Beurs van Berlage, dem Tropenmuseum und dem Theater Carré, die 1983 in einer Modenschau im PSV-Fußballstadion gipfelten. Es ist Freitagnachmittag, der 20. August. Popmusik ertönt laut aus Stadionlogen und mehr als 15.000 Fans haben ein Ticket gekauft. Gegen Ende der Show beginnt es zu regnen, Schaufensterpuppen laufen unter Regenschirmen, aber das Publikum jubelt die Modediva von den Tribünen aus und ruft ihren Namen. Fong-Leng ist weiterhin als eigenständige Künstlerin aktiv.

Höhepunkte

In der Ausstellung auf Schloss Ruurlo kann das monumentale Porträt von Mathilde bewundert werden, zusammen mit einer wunderschönen Auswahl aus der Sammlung des Museum MORE: von einzigartigen Fong-Leng-Kreationen aus den 1970-ern bis hin zu Jeansdesigns und Levi’s-Kleidung aus den frühen 1980-ern. Einige Stücke werden erstmals ausgestellt.

Gezeigt werden auch Fotos von Ferry van der Nat (*1965). Dieser niederländische Fotograf mit Studios in Antwerpen und Paris war zunächst als Stylist und Make-up-Artist in der Modewelt tätig. Bekannt wurde er unter anderem durch Arbeiten für Vogue und Viktor & Rolf. Heutzutage konzentriert er sich auf Fotografie, wo er auch mit Künstlicher Intelligenz experimentiert. So hat Van der Nat kürzlich eine Fotoserie gemacht, in der androgyne Models in Fong-Leng-Kreationen posieren. Er manipuliert die Bilder mit KI, um einen entfremdenden Effekt zu erzeugen. Die Kleidungsstücke sind echt, aber ob seine Models und ihre Posen völlig real sind, bleibt unklar. Ferry van der Nat ist ebenfalls Sammler von Fong-Leng-Stücken.

Book Fong-Leng – 60 Jahre Mode und Ruhm: Die begleitende reich illustrierte Publikation beleuchtet die größte Modeikone der Niederlande des 21. Jahrhunderts. Unter anderen mit Beiträgen von Lisa Goudsmit und Julia Dijkstra. Das Buch wurde von Waanders Publishers veröffentlicht und ist in Zusammenarbeit zwischen dem Museum Jan aus Amstelveen und dem Museum More entstanden.

Nähere Informationen: Museum More, Hoofdstraat 28, 7213 CW Gorssel, Telefon: +31 575 760 300, E-Mail: info@museummore.nl

Mehr Frauen! Bremer Künstlerinnen auf Papier – 22. Juli – 8. November

Die Kunsthalle Bremen hat ihre Sammlung von Zeichnungen von Bremer Künstlerinnen im Rahmen eines Forschungsprojektes genauer untersucht und eine bemerkenswerte Erkenntnis gemacht: Im Verhältnis zum männlich geprägten Gesamtbestand der Kunsthalle Bremen bewahrt das Kupferstichkabinett überdurchschnittlich viele Zeichnungen von Bremer Künstlerinnen. Neben Paula Modersohn-Becker tauchen weitere Namen auf, die bislang kaum bekannt sind.

Eine Auswahl von 60 Werken wird in der Ausstellung „Mehr Frauen! Bremer Künstlerinnen auf Papier“ vom 22. Juli bis 8. November in der Kunsthalle präsentiert. Paula Modersohn-Becker genießt heute weltweiten Ruhm. Wer aber kennt ihre Mitstreiterinnen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ebenfalls in der Bremer Kunstszene aktiv waren: Clara Rilke Westhoff, Marie Bock, Anna Plate, Margarethe von Reinken, Agnes Sander-Plump, Dora Bromberger, Elisabeth Noltenius, Gustava Tölken oder Olga Bontjes van Beek?

Die Sammlung von Zeichnungen Bremer Künstlerinnen umfasst insgesamt mehr als 1800 Werke, davon stammt fast ein Viertel von Frauen. Wie kam es zu dieser Schaffenskraft, obwohl Künstlerinnen damals doch systematisch ausgebremst wurden? Bis 1919 durften Frauen beispielsweise nicht an den staatlichen Kunstakademien studieren, sodass ihre Ausbildung erheblich erschwert war. Die Bremer Künstlerinnen setzten sich durch Netzwerkarbeit gegen die Ausgrenzung zur Wehr: Sie gründeten 1899 den „Bremer Malerinnenverband“ oder traten ab 1928 der „Gemeinschaft deutscher und oesterreichischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen“ (GEDOK) bei.

Die Ausstellung verfolgt die Verbindungslinien zwischen den Künstlerinnen sowie ihre Verwurzelung in Bremen und dem Umland: In den Orten Worpswede, Fischerhude und Dötlingen lebten sie Tür an Tür. Dort unterrichteten sie die nachfolgende Generation im Malen und Zeichnen – bewusst in Abgrenzung zu den Akademien. Es sind Künstlerdynastien entstanden wie die Familien Modersohn, Plump oder Breling. Zuletzt sind aus den Bekanntschaften in den Künstlerinnenorten und bei der GEDOK tiefe Freundschaften erwachsen.

Forschungsprojekt

Die Ausstellung bildet den Abschluss des Forschungsprojekts „Handzeichnungen HB“, in dem mehr als 1.800 Zeichnungen untersucht wurden. Die Erschließung umfasste unter anderem die Zuschreibung an eine Künstlerin, die Bestimmung von Motiv, künstlerischer Technik und Objektmaßen sowie die Erfassung von Provenienzmerkmalen. Neben der Ausstellung und einem Katalog werden die Ergebnisse im Online-Katalog der Kunsthalle Bremen und darüber hinaus in übergeordneten Datenbanken wie dem Graphikportal und der Deutschen Digitalen Bibliothek zugänglich gemacht. So stehen sie sowohl der Forschung als auch einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung.

Nähere Informationen: Kunsthalle Bremen, Am Wall 207, 28195 Bremen, Telefon: +49 (0)421 – 32 9080, Fax +49 (0)421 – 32908470, E-Mail: info@kunsthalle-bremen.de

Museumszentrum Quadrat feiert 50-jähriges Bestehen

Gemeinsam bilden drei Ausstellungen ein festliches Jubiläumsprogramm, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Museumszentrum Quadrat miteinander verbindet und in einem abwechslungsreichen Rundgang die lebendige und teils visionäre Bottroper Ausstellungs- und Sammlungsgeschichte vorstellt. Im Erweiterungsbau wird eine große Retrospektive des Künstlers, Theoretikers und Wegbereiters der konstruktiv-konkreten Kunst Richard Paul Lohse präsentiert. In der Abteilung Moderne Galerie lädt die Ausstellung 50 Jahre Quadrat zum Entdecken und Mitgestalten ein, während das Museum für Ur- und Ortsgeschichte mit einer Ausstellung zu Museumsleiter Arno Heinrich an die Gründung und die frühen Jahre des Hauses erinnert.

Die Ausstellungen sind am Sonntag, 14. Juni, ab 11 Uhr kostenfrei geöffnet. Geboten werden Kunstgespräche in den Ausstellungen [11.30-13.30/15-17 Uhr] und ein offener Collageworkshop [11-14/15-17 Uhr].

Zum Jubiläumsprogramm im Detail

Richard Paul Lohse – 14. Juni bis 11. Oktober

Das Josef Albers Museum im Museumszentrum Quadrat präsentiert zum Jubiläum eine umfassende Einzelausstellung des Malers, Grafikers und Theoretikers Richard Paul Lohse (*1902 – +1988). Im Jahr 1976 war ihm die erste Einzelausstellung im frisch eröffneten »Quadrat« gewidmet und sein Werk »Drei horizontale Teilungen« (1949/72) stellt den ersten Ankauf des Bottroper Museums und damit den Grundstein der Kunstsammlung »jenseits von Josef Albers« dar. Bei der aktuellen Ausstellung handelt es sich um die erste große Retrospektive von Lohse, einem der Hauptvertreter der konstruktiv-konkreten Kunst, seit mehr als 20 Jahren. Sie erzählt eine wesentliche Episode der Bottroper Museumsgeschichte und verhandelt aktuelle Fragen nach gesellschaftlichen Utopien und sozialer Gleichheit.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Werke von Josef Albers, Günter Fruhtrunk, Rupprecht Geiger, Camille Graeser, Gotthard Graubner, Donald Judd, Verena Loewensberg, François Morellet, Bridget Riley, Jan Schoonhoven, Günther Uecker und Victor Vasarely.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Richard Paul Lohse-Stiftung in Zürich sowie dem MASI Lugano, dem Museum Haus Konstruktiv in Zürich und dem Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen. Zur Ausstellung wird ein umfangreiches Programm mit Führungen und anderen Veranstaltungen geboten.

50 Jahre Quadrat – bis 8. November

In der Abteilung Moderne Galerie lädt »50 Jahre Quadrat« dazu ein, neue Perspektiven auf die reiche Geschichte und die Gegenwart des Museumszentrums zu gewinnen und darüber nachzudenken, wie dessen Zukunft aussehen könnte. Interaktive Stationen bieten Besuchenden die Gelegenheit, sich kreativ mit Josef Albers, dem Museum und seinen Geschichten auseinanderzusetzen und nicht zuletzt das Morgen und Übermorgen des Museums mitzugestalten.

Arno Heinrich – Vom Bergmann zum Museumsleiter – ab dem 14. Juni

Die Ausstellung zu Arno Heinrich (*1929 – +2009) knüpft ebenfalls an das Jubiläum an und thematisiert die eindrucksvolle und einmalige Geschichte des Gründungsdirektors des Museum für Ur- und Ortsgeschichte.

Mit zum Teil erstmals öffentlich gezeigten Funden aus seinen Untersuchungen, Texten, Fotografien und Filmen wird das außergewöhnliche Engagement Heinrichs sichtbar, der als Arbeiter ins Ruhrgebiet kam und aufgrund der spektakulären eiszeitlichen Funde im Bottroper Stadtgebiet zum international vernetzten Museumsleiter wurde.

Auch das Museum für Ur- und Ortsgeschichte beteiligt sich an der Einladung an Besucher, Inhalte und Materialien mitzugestalten. Unter dem Titel »Labor²: Experimentierfeld (im) Museum« steht ab Juni 2026 ein Mitmachtisch in der Eiszeithalle, an dem Abbildungen, Texte und interaktive Methoden ausprobiert werden können. Los geht es im Juni und Juli mit »Findlinge: Klima-Archive der Erde«.

Nähere Informationen: Museumszentrum Quadrat, Josef Albers Museum, Museum für Ur- und Ortsgeschichte, Anni-Albers-Platz 1, 46236 Bottrop, Telefon: 02041 – 37 20 30, Internet: www.quadrat-bottrop.de, Instagram: @museumquadrat. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr, Donnerstag 11 bis 19 Uhr.

Neues aus der Welt der Kunst in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden und manches mehr aus der Welt der Kunst. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Cobra zum Tragen – von Karmen Samson

Das Werk der Nachkriegs-Cobra-Bewegung ist für seine Experimentierfreude und spontane Bildsprache bekannt. In der Ausstellung “Wilde Röcke – Cobra-Kunst als Textilien” im Museum Cobra in Amstelveen sieht man, wie Cobra-Künstler auch Designs für Textilien gestalteten, sodass ihre visuelle Sprache in Kleiderschränken und Wohnzimmern landete.

Auf einer Schaufensterpuppe sticht ein Kleid aus den fünfziger Jahren scharf von einem fliederfarbenen Panel hervor: Mützenärmel, spitzer Kragen, schmale Taille und ein Stoff voller schwingender schwarzer Linien und leuchtend roter, fast blumenhafter Akzente. Unmittelbar beim Eintritt in die Ausstellung wird deutlich, dass die Entwürfe von Karel Appel, Constant, Corneille, Anton Rooskens und Anne Bonnet hier nicht als autonome Kunst gezeigt werden, sondern als Stoffe, die verwendet werden sollten.

Für Cobra-Künstler boten Textilien eine Möglichkeit, ihre visuelle Sprache vom Gemälde zu lösen. Ihre leuchtenden Farben, lockeren Linien und verspielten Formen erwiesen sich ebenfalls als geeignet für wiederholbare Designs auf Stoff, die zu Kleidung oder Möbelpolsterung verarbeitet werden konnten. In dieser angewandten Form erhält es eine zusätzliche Funktion: Es bewegt sich mit dem Körper, verschleißt sich bei der Nutzung und verändert sich, sobald sie Teil eines Innenraums oder Kleiderschranks wird.

Designer und Träger

Dies ist in einem Kleid von 1955-1956 zu sehen, das aus einem von Karel Appel entworfenen Stoff gefertigt wurde. Der Stoff ist mit leuchtend orangefarbenen, gelben und dunkelblauen unvollkommenen Kreisen bedruckt, zwischen denen grüne Streifen und kleine abstrakte Figuren aufgetragen sind. Neben dem Kleid hängt die originale Stoffrolle, auf der die Farben noch leuchtend sind. In getragener Form zeigt das Kleid, wie Waschen und Gebrauch diese Farben allmählich verblasst haben.

Die Ausstellung hebt nicht nur die Künstler, sondern auch die Nutzer hervor. Dies zeigt sich zum Beispiel an einem Kleid von Mrs. Klauderman-Stalknecht mit betonter Taille, leicht ausgestelltem Rock und abgerundetem Schalkragen. 1957 kaufte sie den Stoff, fertigte daraus selbst ein Kleid und schenkte es 1977 dem Kunstmuseum Den Haag. Der Stoff besteht aus organischen Flecken in Grün, Schwarz, Weiß, Lila und Akzenten in Gelb. Das Kleid wird auf einer Schaufensterpuppe präsentiert, vor einem Hintergrund desselben Stoffes in anderen Farben.

Solche Beispiele machen deutlich, wie die Entwürfe oft ihre endgültige Form außerhalb des Studios annahmen. Die Stoffe wurden industriell hergestellt, aber dann von Privatpersonen zu einem Endprodukt verarbeitet. Die Aufmerksamkeit verlagert sich somit vom Künstler zu den Menschen, die die Stoffe auswählten, trugen und damit lebten.

Wilde Röcke in einem gezähmten Raum

Die Präsentation betont auch diese materielle und nutzerorientierte Seite. Die Textilien werden nicht zu unberührbaren Kunstobjekten erhoben, sondern als Stoffrolle oder Utensili gezeigt. Das Design der Ausstellung ist übersichtlich und kontrolliert, mit einer pastellartigen Farbpalette aus Rosa, Grün und Blau. Das sorgt für Klarheit, dämpft aber auch die Energie und Rohheit der ausgestellten Stoffe. Die ‚Wildheit‘ bleibt hauptsächlich im Material enthalten und spiegelt sich weniger im räumlichen Erlebnis wider.

„Wild Skirts“ zeigt einen relativ unterbelichteten Teil von Cobra: die Anwendung ihrer visuellen Sprache in Textilien und damit auch in Mode und Innenraum. Die Auswahl der Objekte macht die Ausstellung stark: Design, Material, Nutzung und persönliche Geschichte kommen zusammen. „Wild Skirts“ zeigt, wie Cobra im Alltag weiterlebte.

Nähere Informationen: Cobra Museum für moderne Kunst, Sandbergplein 1, Amstelveen, Telefon: +31 205475050, E-Mail: info@cobra-museum.nl, Internet: www.cobra-museum.nl

Meisterwerke von Amrita Sher-Gil im Drents Museum ausgestellt

Die lang erwartete Retrospektivausstellung von Amrita Sher-Gil im Drents Museum kann nachgeholt werden. Die Gemälde und Zeichnungen der indischen Künstlerin sind in Assen angekommen, nachdem die Ausstellung im März wegen geopolitischer Spannungen im Nahen Osten in letzter Minute verschoben werden musste.

„Amrita Sher-Gil – Europe is Picasso’s, India is mine“ ist bis Sonntag, 20. September, zu sehen. Es ist das erste Mal, dass eine große Retrospektive Sher-Gil in den Niederlanden gewidmet ist, die als einer der wichtigsten Pionierinnen der modernen indischen Kunst gilt. Ihre Arbeit ist Teil des nationalen Erbes Indiens und verlässt das Land nur selten.

In einem Gespräch mit der Museumstijdschrift bezeichnete der Direktor des Drents Museums, Robert van Langh, die Ankunft der Werke als „einen großartigen Moment“ und sagte weiter: „Was wir Anfang März verschieben mussten, ist nun Realität geworden.“

Die Ausstellung war sechs Jahre in Vorbereitung. Im März beschloss das indische Kulturministerium, die etwa sechzig Gemälde und Zeichnungen aus der Sammlung der National Gallery of Modern Art in Neu-Delhi nicht zu transportieren. Das Drents Museum eröffnete dann die Wechselausstellung „Ode an Amrita“, für die 23 niederländische Museen Werke zur Verfügung stellten, die Themen aus Sher-Gils Leben und Werk entsprachen. Drei Werke aus dieser Ausstellung, von Picasso, Matisse und Braque, werden ebenfalls in der neuen Retrospektive gezeigt werden – Künstler, auf die Sher-Gil selbst in ihrer Erklärung Bezug nahm: „Europa gehört Picasso, Matisse, Braque und vielen anderen. Indien gehört allein mir.“

Nähere Informationen: Drents Museum, Brink 1, 9401 HS Assen, Telefon 0592 377773, E-Mail: info@drentsmuseum.nl, Internet: www.drentsmuseum.nl. Geöffnet ist das Museum in der von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr.

Farbenfrohe Kreuzbestäubung zwischen Gestel und De Smet im Stedelijk Museum Alkmaar

Zwei Kartoffelernten hängen nebeneinander. In einem Werk ist die Szene dunkel und voll, mit soliden Schatten und subtilen Farbunterschieden. Im anderen ist die Komposition minimaler, mit leuchtenderen Farben und strafferen Linien. Das Motiv ist nahezu dasselbe und beide Werke sind in einer verwandten visuellen Sprache gemalt. In der Ausstellung „Gestel und De Smet – farbenfrohe Freundschaft“ werden der Niederländer Leo Gestel (*1881 – +1941) und der Belgier Gustave De Smet (*1877 – +1943) nebeneinander als zwei Künstler gezeigt, die sich nicht nur persönlich, sondern auch künstlerisch stark beeinflussten.

Diese Wechselwirkung zeigt sich in Werken wie De Smets „Kartoffelernte“ (ca. 1930) und Gestels „Kartoffelernte“ (1926), aber auch in Gestels „Liegender Akt“ (1929) und De Smets „De zomer“ (1925). Sie verwenden ähnliche Kompositionen, Farbe und Stil. Während seines Aufenthalts im Haus von Gestel übernahm De Smet Elemente aus Gestels Stil, insbesondere aus dem Kubismus. Gestel wiederum begann, lebhafter mit Farben zu arbeiten, obwohl er weiterhin eine Vorliebe für dunklere Farben hatte.

Auch die Gestaltung der Ausstellung betont diesen Dialog. Jeder Raum hat seine eigene leuchtende Farbe, die überraschend gut zu den ausgestellten Werken passt. Die Texte bieten Kontext für die Freundschaft der beiden Künstler, doch die Stärke der Ausstellung liegt vor allem in der Präsentation: Indem sie ihre Werke direkt nebeneinander aufhängen, werden Ähnlichkeiten, Unterschiede und gegenseitige Einflüsse auf einen Blick sichtbar.

Nähere Informationen: Stedelijk Museum Alkmaar, Canadaplein 1, Alkmaar, Telefon: +31 725489789, E-Mail: info@museumalkmaar, Internet: www.stedelijkmuseumalkmaar.nl

Unseen – Die Fotoausstellung, die man nicht unbedingt sehen muss

„Echtes Sehen geht über das bloße Schauen hinaus. Schließen Sie die Augen und entdecken Sie die außergewöhnlichen Arbeiten von Brent Stirton, Ian Treherne, Evgen Bavcar und Daphne Wageman“, heißt es in einem Artikel der Museumstijdschrift. Diese Fotografen zeigen auf ihre Weise ihre Beziehung zu Blindheit und Sehbehinderung.

Die Fotos werden in unterschiedlichen Formen wie Bildern, Reliefdrucken und Audiobildern präsentiert. Das macht die Ausstellung im muZIEum in Nijmegen interessant und für alle zugänglich. Egal, ob man sehen kann, blind oder sehbehindert ist: Durch Fühlen, Zuhören und Schauen erleben die Besucher Fotografie auf eine neue, überraschende Weise. Für die Ausstellung Unseen haben sich das muZIEum und die Firma Canon zusammengeschlossen, um Fotografie für blinde und sehbehinderte Menschen zugänglich zu machen. Die Ausstellung bietet auch die Gelegenheit, zu erleben, wie es ist, blind oder sehbehindert zu sein.

Nähere Informationen: muZIEum, Ziekerstraat 6B, Nijmegen, Telefon: +31 242001050, E-Mail: info@muzieum.nl, Internet: www.muzieum.nl

Selfie der Soul III

Selfie-Kunst ohne Filter. In dieser Ausstellung im NDSM in Amsterdam präsentieren Künstler Werke, die über die glatten Fassaden der sozialen Medien hinausgehen. Während digitale Plattformen oft ein sorgfältig konstruiertes Bild zeigen, das Erwartungen und Ideale erfüllt, entscheiden sich diese Schöpfer für Offenheit. Sie zeigen Zweifel und Verletzlichkeit, aber auch Stärke, Individualität und einen buchstäblich selbstbewussten Blick.

Die Ausstellung besteht aus einer Reihe von Einzelpräsentationen, die jeweils eine andere Seite der Seele zeigen. In einer Gesellschaft, die zunehmend polarisiert und in eine Schublade gedrängt wird, sucht „Selfie of the Soul“ nach Kunst, die die Person hinter der Maske offenbart. Was passiert, wenn wir uns nicht als Gruppe oder Rolle nähern, sondern uns wirklich als Individuen treffen?

Im dritten Teil zeigen sechs Künstler ihre ungefilterte innere Welt in Einzelauftritten. Durch Installationen, Filme, Gemälde, Fotografien und mehr erleben Sie sowohl Schnappschüsse als auch die kontinuierliche Bewegung der Seele. Themen wie Gleichgewicht und Ungleichgewicht, Schamlosigkeit, das Unvollendete und die Zeitlichkeit der Existenz kommen in diesen intimen Darstellungen zusammen. Die Künstler teilen ihre tiefsten Schichten und persönlichen Perspektiven – alles fließt, alles verändert sich. „Selfie of the Soul III“ entführt dich in eine fließende Welt und lädt dich ein, deinen eigenen Platz zu finden: mit dem, was du sein möchtest und wer du wirklich bist.

Nähere Informationen: NDSM Fuse, NDMS-Plein 29, Amsterdam, Telefon: +31 621506113, E-Mail: laura@ndsm-fuse.eu, Internet: www.ndsm-fuse.de

Mit neuen Augen – Jubiläumsausstellung im Zuiderzee-Museum

Was passiert, wenn zeitgenössische Künstler die Vergangenheit der Zuiderzee neu betrachten? Finden Sie es in der Jubiläumsausstellung „Mit neuen Augen“ heraus und lassen Sie sich von Werken überraschen, die die Geschichte wieder zum Leben erwecken.

Seit 2006 baut das Zuiderzee-Museum eine spezielle Unterkollektion mit Werken zeitgenössischer Künstler, (Mode-)Designer und Fotografen auf, die von der Geschichte der Zuiderzee inspiriert sind. Anlässlich dieses zwanzigjährigen Jubiläums präsentiert das Museum die neue Ausstellung „With new eyes“ in the Schathuys, eine Auswahl aus dieser Sammlung. Künstler wie Viktor & Rolf, Jimmy Nelson und Christien Meindertsma betrachteten die Vergangenheit der Zuiderzee mit frischem Blick. In ihren Werken nahmen sie etwas aus der Vergangenheit mit in die Gegenwart und gaben ihr eine neue Bedeutung. Die neueste Ergänzung der Museumssammlung, „In the Silence of Nynke Kosters Deep WaterCellar“, wird offiziell zur Eröffnung der Ausstellung präsentiert.

Nähere Informationen: Zuidersee-Museum, Wierdijk 12-22, Enkhuizen, Telefon: +31 22835111, E-Mail: info@zuiderseemuseum.nl, Internet: http://www.zuiderseemuseum.nl

Viel los in der Kunsthalle Bremen

Aktuelle Ausstellung Natur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Rom (Bis 5. Juli)

Auf den Spuren des Malers Friedrich Nerly (1807–1878): Ab in den Süden – das war der große Trend in der Romantik. Auch Nerly ging bereits früh nach Italien. Er arbeitete in Rom, Tivoli und Olevano, damals wie heute Hotspots der Künstler und Touristen. An der Küste entlang reiste er nach Neapel und bis Sizilien. Dabei entstanden sonnendurchflutete Zeichnungen und Aquarelle vor der Natur, die ihm als Grundlage für Gemälde dienten. Zusammen mit der aufwendig restaurierten „Campagnalandschaft mit Aqua Claudia“ von 1836, einem Hauptwerk des Künstlers, und zahlreichen anderen Gemälden sind sie nun einer großen Ausstellung zu sehen.
„La Kunstalle parla italiano con la mostra di Friedrich Nerly!“ Der nächste Termin für diese Reise im Rahmen einer Führung auf Italienisch ist am Sonntag, 14. Juni, um 11.30 Uhr. Natürlich gibt es auch weiterhin öffentliche Führungen auf Deutsch: jeden Freitag, Samstag und Sonntag um 15 Uhr.

Aktuelle Ausstellung Remix. Photographie – Fiktion und Wahrheit (Bis 28. Februar 2027)

Kann man Photographie heute noch glauben? Und welche Aufgabe kann sie übernehmen in Zeiten von KI und Deep Fakes? Die Kunsthalle erweitert ihre Sammlungsausstellung Remix um vier Räume und zeigt dort eine Auswahl historischer und zeitgenössischer Photographie. Präsentiert werden Arbeiten von Bernd und Hilla Becher, Candida Höfer, Richard Mosse, Sebastian Riemer, Ricarda Roggan, Thomas Ruff, August Sander, Taryn Simon, Thomas Struth und Heinrich Zille. Die Photographien sind teils Neuzugänge aus der eigenen Sammlung, teils Dauerleihgaben aus der Sammlung Ültzen sowie Leihgaben aus der Sammlung Lothar Schirmer. Viele der ausgestellten Kunstwerke sind zum ersten Mal in der Kunsthalle Bremen zu sehen.
Tipp: Öffentliche Führungen am Sonntag, 24. und 31. Mai, jeweils um 11 Uhr.

Ausstellungsvorschau „Der Dackel. Eine Ikone geht Gassi“ (31. Oktober 2026 bis 28. März 2027)

Das Highlight im Herbst: Eine Ausstellung mit rund 120 hochkarätigen historischen und aktuellen Werken wird humorvoll und kritisch dem Dackel in der Kunst folgen. Neben Malerei, Zeichnung, Photographie, Video, Installation und Performance gibt es Einblicke in Populärkulturelles, Buchillustration, Deko- und Spielzeugdesign – und auch den Versuch, die Perspektive des Dackels selbst einzunehmen.
Tipp: Noch bis 31. Mai gibt es im Online-Shop das limitierte Early-Bird-Ticket! Dieses Ticket kann flexibel während der gesamten Ausstellungslaufzeit eingelöst werden, ohne dass sich Besucher auf einen bestimmten Tag festlegen müssen.

Vorträge und anderes

Zwischen Kunstschutz und Kunstraub am Dienstag, 26. Mai, 19 Uhr

Der Zeithistoriker und Romanist Michael Wedekind spricht über Italiens Kulturerbe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Ein Ticket – über 30 Orte – Lange Nacht der Museen in Bremen am Samstag, 30. Mai, 18 Uhr bis Mitternacht

Kreativaktionen und Kurzführungen, Traumreise, Walking Act, Ausstellungen und vieles mehr (nicht nur) in der Kunsthalle

Kunstgespräch Let’s Talk am Dienstag, 9. Juni, 19 Uhr

Kleidung und Klasse – Gestern und Heute: Das Jugendkuratorium New Perceptions lädt zum Gespräch (nicht nur) für junge Menschen.

Nähere Informationen: Kunsthalle Bremen, Am Wall 207, 28195 Bremen, Telefon: +49 (0)421 – 32 9080, Fax +49 (0)421 – 32908470, E-Mail: info@kunsthalle-bremen.de

Podcast „Der Fall Liebermann“

Ergänzung zur Ausstellung im Museum Barberini

Max Liebermann war einer der zentralen Künstler des Impressionismus in Deutschland und hatte auch als Sammler, Ausstellungsmacher und Mentor herausragenden Einfluss. Im konservativen Kaiserreich war der jüdische Maler als Präsident der Berliner Secession eine mutige Stimme für Fortschritt, Internationalität und Erneuerung. Dennoch war Liebermann bei seinem Tod 1935 aus der Öffentlichkeit gedrängt, sein Werk verfemt. Wie konnte es dazu kommen?

In dem vierteiligen Video-Podcast „Der Fall Liebermann“ geht der Kulturjournalist und Moderator Johannes Nichelmann dieser Frage nach. Er folgt Max Liebermann von seinen skandalbegleiteten Anfängen über die Zeiten des Ruhmes als gefeierter Künstler Deutschlands bis zu seinem Ende in Verbitterung und Einsamkeit. Der Podcast ist ab heute auf Spotify, Apple Podcasts sowie YouTube zu finden.

Der Fall Liebermann verbindet anhand der facettenreichen Biographie Max Liebermanns Kunst- und Zeitgeschichte. Als Expert:innen zu hören sind dabei Evelyn Wöldicke, Liebermann-Expertin und Direktorin der Liebermann-Villa am Wannsee, Jens Bisky, Journalist und Autor (zuletzt: „Die Entscheidung. Deutschland 1929—34“), und Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini. Moderiert wird der Podcast von Kulturjournalist Johannes Nichelmann, der auch dessen Produzent ist. In vier Akten werden Liebermanns Leben und „Fall“ aufgerollt:

Die erste Akte, „Jung gegen Alt“, widmet sich Liebermanns Anfängen, seiner Erziehung als Sohn einer großbürgerlichen Familie, dem Skandal um sein erstes großes Werk „Die Gänserupferinnen“ sowie seinem Gemälde Zwölfjähriger Jesus im Tempel, das ebenfalls für einen Skandal sorgte und den Juden Liebermann erstmals weitreichenden antisemitischen Anfeindungen aussetzte.

Die zweite Akte, „Künstler gegen Kaiser“, beleuchtet Liebermanns Konflikte im konservativen Kaiserreich und mit Kaiser Wilhelm II. persönlich. Liebermanns Kunst wird immer stärker impressionistisch, also französisch beeinflusst – ein Affront in den Augen des Kaisers! Der Konflikt gipfelt in der Gründung der Berliner Secession, deren Präsident Max Liebermann wird. Als Machtmensch polarisiert Liebermann, doch als er 1911 als Präsident der Secession zurücktritt, ist er auf dem Zenit seines Schaffens und seines künstlerischen Ruhmes.

Im Zentrum der dritten Akte, „Nazis gegen die Vernunft“, stehen die Jahre der Weimarer Republik, in denen Max Liebermann Präsident der Preußischen Akademie der Künste ist. Als Reformer fördert er junge Künstler, die er als Secessions-Präsident noch ablehnte – nun bringt er damit reaktionäre Kreise gegen sich auf, die zunehmend laut eine „völkische“ Kunst fordern. Obwohl vordergründig in gefestigter Position, muss Liebermann immer stärker antisemitische Hetze ertragen. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten ist Liebermanns Leben und Wirken in der Öffentlichkeit beendet.

Die vierte Akte, „Die Villa am See“, fokussiert sich auf Liebermanns häusliches Umfeld in seiner Villa am Wannsee, seine Familie und das Schicksal seiner Frau Martha. Und sie folgt der Frage: Wie konnten die Nationalsozialisten innerhalb nur weniger Jahre die Öffentlichkeit gleichschalten und das gesellschaftliche Fundament für ihre Verbrechen legen?

Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini, über das Projekt: „Das Museum Barberini versteht sich als Haus des Impressionismus. Max Liebermann als den wohl wichtigsten Vertreter dieser Strömung in Deutschland auch über unsere aktuelle Ausstellung hinaus näher zu beleuchten, war für uns daher naheliegend. Im Video-Podcast erfahren wir nicht nur viel über seine Kunstauffassung oder seine künstlerische Arbeit, sondern lernen Liebermann auch als Menschen kennen, mit seinem Humor, seiner Familienliebe, seiner Streitbarkeit, aber auch den Anfeindungen, denen er eigentlich sein ganzes Leben lang ausgesetzt war. Die Idee von nb Studios für das Format hat uns sofort überzeugt, und dank der umfassenden Unterstützung der Liebermann-Villa, für die wir sehr dankbar sind, können wir nun dauerhaft aus Potsdam heraus die Brücke zum Berliner Max Liebermann schlagen.“

Evelyn Wöldicke, Direktorin der Liebermann-Villa am Wannsee, über das Projekt: „Max Liebermanns Biographie ist keine Erfolgsgeschichte ohne Brüche. Sie erzählt von Ausgrenzung, von Widersprüchen und davon, wie schnell gesellschaftliche Anerkennung kippen kann. Für die Liebermann-Villa ist es ein zentrales Anliegen, Liebermann nicht allein als Maler zu zeigen, sondern auch als Persönlichkeit im Spannungsfeld seiner Epoche. Der Podcast bietet dafür ein besonders lebendiges Format: Er bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen, eröffnet neue Zugänge und lädt ein, tiefer in die Zeitgeschichte einzutauchen. Es ist uns eine große Freude, Teil dieses wichtigen Projekts zu sein, um Liebermanns Geschichte vielschichtig in die Gegenwart zu tragen.“

Johannes Nichelmann, Co-Produzent von nb Studios sowie Moderator des Video-Podcasts: „Als Produktionsfirma erzählen wir bei nb Studios packende Geschichten aus Politik, Kultur und Gesellschaft. Die Lebensgeschichte Max Liebermanns verbindet alle diese Bereiche und wir wollten sie in einer zeitgemäßen Form erzählen. Fragen, die für Liebermanns Zeit hochrelevant waren, beschäftigen uns auch heute: Wer hat welchen Platz in einer Gesellschaft? Wessen Stimmen werden gehört? Wie schnell können Menschen ausgegrenzt werden, und auf welcher Grundlage eigentlich? Mit dem Video-Podcast zeigen wir auf, dass all diese Fragen nicht neu sind, die Suche nach Antworten uns aber bis heute dazu auffordert, genau hinzusehen.“

Neben der umfassenden inhaltlichen Unterstützung der Liebermann-Villa am Wannsee unterstützten auch das Städel Museum, Frankfurt am Main, sowie die Staatlichen Museen zu Berlin mit Alter Nationalgalerie und Kupferstichkabinett das Projekt, insbesondere mit der Bereitstellung von Bildmaterial. Weitere Abbildungen stammen aus dem Museum Kunst der Westküste, Alkersum / Föhr, dem Musée d’Orsay, Paris, der Tate, London, aus dem Kunsthaus Zürich sowie aus Privatsammlungen.

Der Fall Liebermann ist als Video-Podcast auf Spotify und Apple Music sowie als Video auf dem YouTube-Kanal des Museums Barberini zu finden.

Nähere Informationen: Museum Barberini, Friedrich-Ebert-Str. 115, 14467 Potsdam, E-Mail: info@museum-barberini.de, Internet: http://www.museum-barberini.de