Die Hitler kommen und gehen – der Mensch lernt nichts (Gemälde DDR)

Von Thomas Gatzemeier

Es war immer eine Illusion zu glauben, die Zeit der Diktaturen lägen hinter uns. Was sich verändert, sind die Namen der Menschen die zu Diktatoren dank ihrer Wähler werden. Aus diesem Grund sollte man Diktaturen nicht personalisieren. Was bleibt, sind die Strukturen – und ihre Spuren im Menschen.

Ein Gemälde von 1980. Ein Befund mit Gültigkeit.

Auf den ersten Blick könnte man die Szene meines Gemäldes „Die Hitler kommen und gehen“ als Atelierszene lesen. Modelle, nackt, arrangiert. Eine Übung. Doch das Bild verweigert diese Lesart, sobald man genauer hinsieht. Und der Ausgangspunkt war eine Fotografie. Ein Familienbild aus der Nazizeit.

Einige Körper sind verletzt. Verstümmelt. Geschunden. Ein Mann steht mit bandagierten Stümpfen, wo Hände sein müssten. Sein Leib ist eingeschnürt. Ein anderer sitzt schwer und erschöpft, als sei ihm jede Spannung entzogen. (Das Modell war Herr Altermann – ehemaliger Kampftaucher der Wehrmacht). Die Haut ist nicht glatt, sondern gezeichnet. Die Figuren sind nicht in Pose, sondern in einem Zustand des Leides gefangen. Auch das ist Zweck und Sinn der Aktmalerei. Denn diese gemalten Menschen stellen einen Befund dar. Und eben auch Eros und Thanatos.

Rechts sitzt eine Frau, massig, präsent, abweisend und gleichgültig. Neben ihr eine stramm stehende Figur, frontal, fast kühl – ein BDM-Mädchen – eine FDJlerin. Dazwischen kein Dialog, sondern innerer Abstand. Der Raum hält sie fest, das Licht erlöst nichts.

Und vorne der Trommler. Er ist klein, beinahe grotesk, und doch ist er der Schlüssel. Der Verweis auf die damals noch verbotene Blechtrommel von Günter Grass. Allein dies war 1980 in der DDR eine Provokation. Denn dieser Roman war bis in das Jahr 1987 in der DDR verboten, da Grass die DDR zuweilen mit dem Dritten Reich verglich.

Verstümmelung als grausame Kontinuität

Die abgeschlagenen Hände sind kein Detail. Sie sind durchaus ein zentraler Punkt in der Komposition. Sie sprechen von Gewalt, die bereits geschehen ist. Von einer Zerstörung, die nicht mehr rückgängig zu machen ist. Und von einem Leben, das dennoch weitergeht – notdürftig verbunden, sichtbar gezeichnet. Hier liegt die eigentliche Aussage des Bildes: Diktaturen verschwinden nicht spurlos. Sie hinterlassen Menschen. Körper. Biografien.

Die Hitler kommen und gehen meint genau das. Nicht die Person, sondern das Prinzip. Die Wiederkehr von Machtformen, die sich einschreiben – in Sprache, in Verhalten, in den Körper selbst.

Nähe zu Dix und Beckmann

In dieser Hinsicht steht das Bild nicht im luftleeren Raum. Die Nähe zu Otto Dix ist offensichtlich. Seine Kriegsversehrten, seine schonungslosen Körper, die nicht mehr zu verbergen sind – sie bilden einen Hintergrund, vor dem man diese Arbeit sehen muss. Dix zeigt die Verwundung als Konsequenz. Als sichtbares Ergebnis einer Ideologie. Mit Otto Dix bin ich aufgewachsen und habe Stunden vor seinen Werken in Dresden verbracht. Aber auch später interessierte mich der Umgang der Systeme in Ost und West mit dem Werk und dem Künstler Otto Dix. Unter anderem in dem Text „Man kann alles malen – aber nicht jeder“.

Auch bei Max Beckmann findet sich diese Verdichtung. Seine Figuren sind gefangen in Räumen, die mehr sind als Räume. Sie sind Bühnen der Existenz. Orte, an denen Macht, Angst und Ausgeliefertsein sichtbar werden. Beide – Dix und Beckmann – haben den Menschen in und nach den Katastrophen ihrer Zeit gemalt. Mit „Die Hitler kommen und Gehen“ versuchte ich darauf hinzuweisen, das die Katastrophe ein Dauerzustand war. Denn die eine Diktatur wurde von der nächsten abgelöst. Das hat natürlich auch Einfluss auf die Gegenwart. Günter Grass würde sagen – „Ein weites Feld“.

Die verschlüsselte Kritik an dem System der DDR wurde in Metaphern verpackt. Das war mir in diesem Fall zu wenig. Das Bild „Die Hitler kommen und gehen“ entstand in der DDR. In einem System, das sich selbst als Gegenentwurf verstand und doch die Kontinuität in sich trug – die des faschistoiden. Gerade darin lag die Spannung. Ich war jung und begriff die Kunst als Mittel der Provokation. Und doch merkt man schnell – Kunst ist nicht Waffe – wie die Genossen behaupteten. Sie ist eine Waffel süß und breiig und wird nichts ändern, aber den Zustand dokumentieren.

Die offizielle Erzählung lautete: Der Faschismus sei überwunden. Die Geschichte sei abgeschlossen meinte man nach 1989 und musste erkennen das man falsch lag. Denn wer mit Verbrechern Geschäfte macht, ist MITSCHULDIG.

Das Bild widerspricht. A priori war die DDR eben keine Demokratie, auch wenn die Mehrheit bei den Wahlen ein Kreuz für diese Menschen machte, von denen sie unterdrückt wurden. Dies nach 1989 zu verharmlosen ist bestimmt einer der Fehler, die eine echte und tiefgreifende Demokratisierung verhinderten.

Es zeigt, dass die Formen weiterleben. Dass sich Gewalt nicht nur in den verdächtigen Systemen zeigt, sondern auch in denen, die sich moralisch überlegen wähnen.

Die Aussage blieb vielen damals verschlossen, weil sie den einlullenden Floskeln glaubten, oder die Realität schlicht verdrängten. Der Titel – das Zitat von Stalin – übernimmt diese Funktion.

Die Hitler kommen und gehen.(Aber das Deutsche Volk bleibt) Ein Satz, der damals nicht von jedem gelesen werden konnte, da Stalin damals in Ungnade gefallen war.

Reaktion und Abwehr

Die Reaktionen auf meine Arbeit waren entsprechend. Die Auseinandersetzungen an der Hochschule für Grafik und Buchkunst zu Leipzig, der Abbruch der Betreuung, die Konfiszierung der schriftlichen Arbeit, die Kritik in den offiziellen Medien – all das zeigt, dass das Bild verstanden wurde.Nicht missverstanden. Verstanden.

Und heute? Man könnte versucht sein, das alles historisch zu lesen. Als Produkt einer bestimmten Zeit. Einer bestimmten Situation. Doch dann müsste man die Verstümmelungen im Bild ignorieren. Denn sie sind nicht vergangen. Sie haben nur ihre Zeit verändert.

Die Mechanismen sind weiterhin sichtbar. Weltweit. Autoritäre Strukturen, nationalistische Rhetorik, eine Sprache, die sich verhärtet. Der Mensch bleibt dabei nicht unberührt. Er wird gezeichnet. Verformt. Deformiert. Manchmal auch zerstört.

Was bleibt: Dieses Bild ist kein Kommentar. Es ist eine Zustandsbeschreibung. Und vielleicht liegt seine Stärke genau darin, dass es keine Lösung anbietet. Sondern nur zeigt, was ist – und was immer wieder geschieht. Die Hitler kommen und gehen. ….. Der Mensch bleibt. Aber nicht unversehrt.

Zum Autor:

Am dunkelsten Tag des Jahres 1954 im sächsischen Döbeln geboren, wurde Thomas Gatzemeier ungefragt von einem katholischen Pfarrer getauft.

Als Kind buk er heimlich einen Kuchen, der als Brot gut ankam. Dieses scheinbare Missgeschick inspirierte ihn dazu, eine Ausbildung als Schrift- und Plakatmaler zu absolvieren, um Pinsel und Stift zu beherrschen. Er arbeitete anschließend auch als Steinmetzgehilfe und Grabsteindesigner. Nach dieser Grundausbildung studierte er Malerei und Grafik an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo Arno Rink und Volker Stelzmann zu seinen Lehrern zählten. 1980 beendete er sein Studium und ist seitdem als freier Künstler, Autor, Kunsthändler, Blogger und Freizeitkoch tätig.

Konflikte mit den Machthabern der SBZ und ein mehrjähriges Ausstellungsverbot bewegten ihn 1986 dazu, die SBZ zu verlassen. Danach lebte er vorwiegend in Karlsruhe, verbrachte aber auch längere Zeit in Zürich und nahe Worpswede. Von 2006 bis 2015 hatte er ein weiteres Atelier in Leipzig. Nach 34 Jahren Hauptwohnsitz in Karlsruhe verlegte der Wanderer zwischen den Welten im Februar 2020 seinen Wohnsitz endgültig nach Leipzig.

Nähere Informationen: Thomas Gatzemeier, Gottschallstraße 24, 04157 Leipzig, Telefon: 0172 610 25 35, E-Mail: info@thomas-gatzemeier.de

Neues aus der Welt der Kunst in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden und manches mehr aus der Welt der Kunst. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Steve McQueens zurückhaltende Installationen thematisieren Rassismus und Kolonialismus

Von Julia Steenhuisen

Rassismus, Gewalt, Unschuld – sogar das ganze Universum: All das wird in der Einzelausstellung des Künstlers und Regisseurs („12 Years a slave“) Steve McQueen im De Pont Museum in Tilburg thematisiert. In drei aktuellen Werken und seiner neuen Installation „Atlas“ zeigt er, wie persönliche Erinnerungen, kollektive Geschichte und der Körper die menschliche Erfahrung prägen.

Lange Zeit dachte Steve McQueen (1969), dass sein Vater ihn auf Distanz hielt. Bis sein Vater kurz vor seinem Tod eine Geschichte erzählt. Diese Geschichte steht im Zentrum von „Sunshine State“(2022), das kürzlich vom De Pont Museum in Tilburg erworben wurde. Die monumentale Videoinstallation zeigt auf zwei Leinwänden Fragmente aus dem alten Film „The Jazz Singer“ (1927), auf denen sich ein weißer Schauspieler für eine Blackface-Performance schminkt. Auf einem Bildschirm erscheint das Bild negativ: Schwarz wird zu Weiß und umgekehrt. Dazwischen tauchen Nahaufnahmen der Sonne auf – der Ursprung allen Lebens, doch hier eine zischende Masse mit bedrohlichem Charakter.

„Leuchte auf mich, Sonnenscheinstaat…“ – McQueens Stimme ertönt über den Bildern. Er erzählt, wie sein Vater als junger Wanderarbeiter in Florida mit extremem Rassismus konfrontiert wird. Eines Abends eskaliert es in einer Bar: Es wird geschossen, er flieht, springt in einen Graben und überlebt nur knapp. Erst später erkennt McQueen, dass sein Vater ihn nicht auf Abstand gehalten, sondern beschützt hat. Die Geschichte wird in der Installation mehrfach erzählt, jedes Mal fragmentarischer. In Kombination mit den verzerrten Filmbildern entsteht ein Bild der Erinnerung als etwas, das sich verschiebt – immer wieder durch Wiederholung und Verzerrung desselben Bildes geformt.

Sichtverschiebung

In McQueens neuestem Werk „Atlas“ (2026), verschwinden Mensch und Erinnerung aus dem Bild. Das eigens für die Ausstellung angefertigte Werk besteht aus vier hängenden Monitoren in einem abgedunkelten Raum. Sie zeigen einen scheinbar endlosen Strom bewegter Punkte: eine bemerkenswert nüchterne Übersetzung von Daten eines Weltraumteleskops der Europäischen Weltraumorganisation, das Milliarden von Sternen kartiert. Die vier Richtungen der Bildschirme deuten auf Bewegung ohne Anfang oder Ende hin. Es gibt keine Geschichte, keine Orientierung. Der Mensch ist hier auf einen Punkt in einem System reduziert, das nicht zu begreifen ist.

Es ist desorientierend, ernüchternd und fast spartanisch – und doch konsequent. McQueen erhielt kürzlich den renommierten Erasmus-Preis für seine Fähigkeit, Menschen in all ihrer Verletzlichkeit zu zeigen. Hier verschiebt er diese Perspektive: Nicht der Mensch steht im Mittelpunkt, sondern das endlose Universum, gegen das der Mensch seinen Maßstab verliert.

Gewalt und Verführung

McQueen lässt uns spüren, wie eine Erfahrung zuerst physisch eintritt, bevor das Bild interpretiert werden kann. Zum Beispiel im Werk „Untitled“(2025), das man durch einen Gang betritt, der in einen dunklen Raum führt, wo laute Schläge und das Klingeln einer Kette zu hören sind. Es stellt sich heraus, dass es das Geräusch eines Boxsacks ist, den McQueen trifft. Es ist im gesamten Museum zu hören und kommt mit der Gewalt von herabfallenden Bomben. Es gibt nichts zu sehen, und doch entfaltet es sich vor deinen Augen wie ein Film.

In „Bounty“(2024) entfaltet McQueen die Geschichte allmählich, durch die Verführung des Bildes. Sie besteht aus einer Serie von 47 Fotos von Blumen von der karibischen Insel Grenada, aus der McQueens Familie stammt. Die Bilder sind reich, mit üppigen Farben und scharfen Details, so stark heranzoomt, dass sie fast abstrakt wirken. Sie ziehen einen in ihren Bann und offenbaren ihre Bedeutung erst, wenn man den Kontext kennt. Hinter der natürlichen Schönheit verbirgt sich eine Geschichte von Kolonisierung, Sklaverei und Migration. Die Flora ist konstant: Während Grenada mehrfach besiedelt wurde, blieben die Pflanzen erhalten.

McQueen wechselt überzeugend zwischen verschiedenen Registern: Er spricht sowohl den Intellekt als auch die Sinne an, verführt mit Bildern und wagt es zugleich, zurückhaltend zu sein. Selbst im losgelösten „Atlas“entpuppt sich diese Sparpolitik nicht als Ausnahme, sondern als Zeichen von Selbstsicherheit – eine effektiv eingesetzte Strategie. Von Fotografie über Datenvisualisierung, von Audio bis Film – er nutzt jedes Medium, um dieselbe Frage zu stellen: Wie Geschichte in Körpern, Bildern und Erinnerungen festgehalten wird und niemals vollständig rekonstruiert werden kann.

Nähere Informationen: De Pont Museum, Wilhelminapark 1, Tilburg, Telefon +31 135438300, E-Mail: info@depont.nl, Internet: www.depont.nl

Makellose Küche (Kolumne von Pauline Broekema)

Als Kolumnistin für die Museumatijdschrift teilt Pauline Broekema in jeder Ausgabe ihre persönlichen künstlerischen Beobachtungen. Diese Kolumne aus Nr. 2 • 2026 konzentriert sich auf Piet Zwarts Bruynzeel-Küche, ein typisches Beispiel der niederländischen Designtradition. Die Küche ist im Kunstmuseum Den Haag zu sehen, aber auch in der Wohnung ihrer Freundin.

Meine Freundin Henriette ist stolz darauf: Sie besitzt etwas, das auch Teil der Dauerausstellung des Kunstmuseums Den Haag ist. Kein Mondrian oder Kandinsky, sondern die Bruynzeel-Küche von Piet Zwart (1885–1977). Sie hält sich für glücklich, dass die Küche noch da war, als sie vor zehn Jahren ihre Wohnung kaufte. Die meisten anderen Bewohner des von Architekt Willem Dudok (1884–1974) entworfenen Wohnhauses von 1956 besitzen nicht mehr Zwarts Werk. In ihrem Fall wurde etwas vorgenommen, das als zeitgenössischer galt. Während, wie man sagen würde, ist die ursprüngliche Küche zeitlos.

Die Bruynzeel-Küche besteht aus separaten Teilen, sodass sie, wie es der Designer wollte, in jedes Haus oder jede Wohnung eingebaut werden kann. Im Kunstmuseum ist es so aufgebaut, dass ich es auf einen Blick sehen konnte. Aber wo ich jetzt bin, in Henriettes kleiner Küche, umgibt er mich, sozusagen. Alles ist greifbar, was es sehr effizient macht.

Progressiv

Wie zuvor im Museum fällt mir erneut auf, wie weit Zwart mit diesem Design seiner Zeit voraus war. 1928, zehn Jahre, bevor die Küche in Zaandam industriell produziert wurde, schilderte er in der Zeitung „Het Vaderland“, was seine Idee war: „Ein Haus oder ein Geschäftsraum wachsen langsam, aber sicher zusammen, in dem die täglichen Aktivitäten mit möglichst wenig Lasten sowie maximalem Komfort und Hygiene stattfinden können.“ In diesem Geschäft sind Raum und Licht entscheidend. Bei Henriette stand die Arbeitsplatte aus gutem Grund in der Nähe des Fensters.

Unter dem Waschbecken gibt es einen Schlitz, um das Handtuch aufzuhängen, und auf beiden Seiten gibt es Öffnungen, in die die Geschirrtücher passen. Darunter sind die charakteristischen Holzstangen sichtbar, mit Platz für die Spülschale. Henriette hängte keinen Vorhang dafür auf, wie es oft geschah. Etwas, das Zwart wohl ein Dorn im Auge gewesen sein wird, weil es so sichtbar die Klarheit seines Entwurfs zerstörte.

Rebellisch

„Wer war er?“, fragt Henriette, während wir im Wohnzimmer Kaffee trinken. Ein Zaankanter, sage ich, geboren in Zaandijk, einer industriell geprägten Region mit vielen Unternehmen. Er war eines dieser Kinder, die wissen wollten, wie etwas zusammengesetzt und hergestellt wird. Das sah er in der Tischlerwerkstatt seines Vaters. Der aber mochte es nicht, dass Piet sich für die Künste entschieden hatte. Wie soll man mit ‚einem Pinsel‘ seinen Lebensunterhalt verdienen?

Studium auf dem Boden des Rijksmuseums

Zwart Jr. studierte schließlich fünf Jahre in Amsterdam an der Rijksschool voor Kunstnijverheid, die sich im Rijksmuseum befand, auf einem riesigen Dachboden mit einigen Trennwänden hier und da, zwischen dem die Schüler arbeiteten. Er lernte Zeichnen, Malen, Batik, Kupfertreiben, Weben und Holzarbeiten.

Unter den Lehrern waren illustre Typen. Zum Beispiel der österreichische Maler Georg Sturm (1855–1923). Er entwarf die Gestaltung für das Rijksmuseum und den Zentralbahnhof in Amsterdam. Zwart erinnerte sich an ihn als kleinen Mann im Frack mit Zylinder. Ordentlich gekleidet, denn wie Sturm seinen Schülern beibrachte, heißt es nicht, dass ein Künstler malen kann, nur weil er mit Farbe bedeckt ist. Piet hat sich diese Vision offenbar zu Herzen genommen: Auf einem Gruppenfoto mit Mitschülern trägt er einen dreiteiligen Anzug.

Praktische Vollkommenheit

Zwart hatte einerseits eine Vorliebe für das Absurde (so freundete er sich mit dem Dadaisten Kurt Schwitters an), aber auch für das Gewöhnliche, das ästhetisch Perfekte. Dies zeigt sich unter anderem in den innovativen Werbeanzeigen für die Niederländische Kabelfabrik in Delft. Ein Frühstücksservice bestand aus gelbem gepresstem Glas, das er gemeinsam mit H.P. Berlage (1856–1934) für die Unternehmerfrau und Museumsgründerin Helene Kröller-Müller entwarf. Auch Fotomontagen, wie zum Beispiel für das Cover des berühmten Buches „Wir Sklaven von Suriname“von Anton de Kom, fertigte er an. Und natürlich machte ihn eines der breiten Öffentlichkeit bekannt: die Bruynzeel-Küche. Dieses Werk macht ihn zu einem der Begründer jener eigenwilligen niederländischen Designtradition, die Schlichtheit mit Innovation und Experimentierfreude verbindet.

Henriette und ich gehen zurück in ihre Küche und denken über ein paar Details nach, darunter die dezent gebogenen Griffe und das, was Piet Zwart für die hohe Speisekammer erfunden hat. Darin hängt an der Innenseite der Tür eine glänzende Metallleiter mit Haltern für kleine Gegenstände wie Kräuter. Er machte Vertiefungen in den drei obersten Regalen, wo diese Regale genau hinpassten. Henriette demonstriert es und schließt die Tür. Es läuft einwandfrei. „Das“, sagt sie, „ist das, was mir an der ganzen Küche am meisten gefällt.“

Konfrontation mit der Realität im Nationalmuseum des Achtzigjährigen Krieges

Wenn man sich für die Ausstellung „Close to the war“im Nationalmuseum des Achtzigjährigen Krieges in Groenlo VR-Brillen aufsetzt, schaut man sich in zerstörten Gebieten der Ukraine um. Fotojournalisten, darunter Mykola Omelchenko, hielten Standorte in 360 Grad vor und nach der Zerstörung fest. Zum Beispiel könnendie Besucher das Hryhorii Skovoroda National Literary Memorial Museum besuchen. Zuerst sieht man ein gut gepflegtes, weißes Gebäude mit gelben Akzenten, dann denselben Ort als Ruine.

Diese direkte Erfahrung steht im Zentrum von „Close to the War“. Der Krieg in der Ukraine, der für viele Menschen fern erscheint, wird hier durch persönliche Geschichten von Zivilisten und Soldaten angesprochen, kombiniert mit militärischer Ausrüstung von der Front.

Technologie spielt eine wichtige Rolle in der Ausstellung. Im ganzen Raum sind Waffen aufgestellt, darunter eine ukrainische Marinedrohne. Und darüber hängen eine Reihe von Fotos von Kriegsopfern – Kinder, Jugendliche, Frauen und Soldaten – Netze mit Drohnen und maßstabsgetreuen Flugzeugmodellen, während das Geräusch von Kampfjets durch die Kirche hallt. Das zeigt, wie sich der Krieg verändert und Auswirkungen auf die Bodenebene hat.

Nähere Informationen: Nationaal Museum Tachtigjarige Oorlog, Mattelierstraat 5, 7141 BP Groenlo, Telefon: 085 060 1627, E-Mail: info@nmto.nl

Zuhause bei Jan Steen – 400 Jahre Leben in der Brauerei

Im Museum De Lakenhal in Leiden besteht bis 23. August die Gelegenheit, 400 Jahre Jan Steen zu feiern und in das Privatleben eines der bedeutendsten niederländischen Maler des siebzehnten Jahrhunderts einzutauchen. In dieser Ausstellung erfahren die Besucher, wie seine Kinder, Ehefrauen, Freunde und seine Kneipe nicht nur seine Umgebung waren, sondern auch seine größte Inspirationsquelle. Basierend auf Meisterwerken aus dem Rijksmuseum, dem Mauritshuis und der eigenen Sammlung des Museums werden sie eine Entdeckungsreise durch Steens Welt voller Humor, Chaos und verborgener Botschaften erleben.

Nähere Informationen: Museum De Lakenhal, Oude Singel 32, Telefon: +31 715165360, E-Mail: pr@lakenhal.nl, Internet: www.lakenhal.nl

Zuhause zwischen den Bäumen

In der Ausstellung „At Home, Between the Trees“ zeigt Sarah van Rossem ihre feinen Naturdrucke und Mirjam Withaar präsentiert ihre taktilen Filzkunstwerke. Beide teilen eine tiefe Liebe zum Wald, einem Ort, an dem sie sich zu Hause fühlen. Während ihrer Spaziergänge entfaltet sich eine vielschichtige Welt.

„Vom weichen Moos unter unseren Füßen bis zum Blätterdach hoch über uns. Überall gibt es Details. Die Brombeere zieht sich über den Waldboden, wildes Geißblatt windet sich selbst und Efeu breitet sich wie ein tiefgrüner Bodendecker aus“, heisst es dazu von der ausstellenden Kunstgalerie Notre Dame des Arts in Ubbergen.

Sarah van Rossem fängt diese flüchtigen Momente sorgfältig in ruhigen Kompositionen auf Papier ein. Ihre natürlichen Drucke fangen die Verletzlichkeit und Stärke von Pflanzen und Blättern ein. Mirjam Withaar übersetzt ihre Walderfahrung in warme, organische Filzformen. Ihr Werk lädt zur Nähe ein, strahlt Sanftheit aus und erinnert an den Schutz des Waldes.

In „At Home, Between the Trees“ entdecken die Besucherinnen und Besucher, wie Wachstum, Verfall und der Rhythmus der Jahreszeiten diese beiden Künstler inspirieren.

Nähere Informationen: Notre Dame des Arts, Rijksstraatweg 37, Ubbergen, Telefon: +31 640945341, E-Mail: info@notredamedesarts.nl, Internet: www.notredamedesarts.nl

Für die Stadt erhalten – 250 Jahre Rathaus von Weesp

In diesem Jahr feiert das Rathaus von Weesp sein 250-jähriges Jubiläum.
Seit 1776 ist dieses Gebäude das Herz des Stadtrats und eine markantes Wahrzeichen der Stadt. Schon bei den allerersten Entwurfszeichnungen strahlte das Rathaus Stolz und Anziehungskraft aus – ein Aussehen, das es bis heute hat.
Es ist nicht umsonst, dass es zu den Top 100 Nationaldenkmälern der Niederlande gehört. Im Laufe der Jahrhunderte wurden hier viele wichtige Entscheidungen über die Zukunft der Stadt getroffen. Heiraten wurden abgehalten, Wahlen wurden hier abgehalten, und Freude und Trauer wurden geteilt. Das Stadsmuseum Weesp bewahrt die Geschichte der Stadt. In dieser Ausstellung werden Objekte gezeigt, die alle mit dem Rathaus zu tun haben.

Nähere Informationen: Museum Weesp, Nieuwstraat 41, Telefon: +31 202546945, E-Mail: museumweesp@amsterdam.nl, Internet: http://www.museumweesp.nl

Skulptur „9 Acute Uneven Angles“ von Bernar Venet vor dem Konferenzzentrum der Stiftung für Kunst und Kultur in Palma de Mallorca

Nach erfolgreichen Projekten im öffentlichen Raum in Salzburg, Bonn sowie an deutschen Bahnhöfen setzt die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. ihr internationales Engagement konsequent fort: Gemeinsam mit dem Bürgermeister von Palma de Mallorca, Jaime Martínez Llabrés, wurde vor Kurzem die monumentale Skulptur „9 Acute Uneven Angles“ (9 unregelmäßige spitze Winkel) des international renommierten Künstlers Bernar Venet feierlich enthüllt.

Die Arbeit ist vor dem Konferenzzentrum in Palma de Mallorca installiert – zeitgleich zur ersten Ausgabe der Art Cologne Palma Mallorca – und markiert einen weiteren bedeutenden Schritt im Einsatz für Kunst im öffentlichen Raum. Die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. versteht es als ihr Ziel, zeitgenössische Kunst aus institutionellen Kontexten zu lösen und einem breiten Publikum unmittelbar zugänglich zu machen. Das Projekt in Palma unterstreicht diesen Anspruch eindrucksvoll und stärkt zugleich den internationalen kulturellen Dialog.

Mit „9 Acute Uneven Angles“ präsentiert Bernar Venet eine Skulptur von eindringlicher physischer und gedanklicher Spannung. Neun aus Cortenstahl gefertigte Winkel erheben sich scheinbar ohne Stütze aus dem Boden. Ihre Anordnung entzieht sich einer klaren Hierarchie und oszilliert zwischen Stabilität und Bewegung, zwischen kalkulierter Konstruktion und visueller Ungewissheit. Das Werk entfaltet einen kontrollierten Widerspruch: eine präzise mathematische Konstruktion, deren Wirkung in Raum offen und unvorhersehbar erscheint. Venet hat eine Komposition im Zustand permanenter Balance geschaffen – ein Moment, der sich jederzeit aufzulösen scheint, ohne es je zu tun. Vor der Kulisse des Mittelmeers gewinnt die Skulptur eine zusätzliche Dimension. Wie Strömungen, die das Wasser formen, treten die Linien aus Stahl in einen subtilen Dialog mit ihrer Umgebung. Perspektivische Verschiebungen eröffnen dem Betrachter immer neue Lesarten und machen die zugrunde liegenden Kräfteverhältnisse sinnlich erfahrbar.

Bernar Venet (*1941, Frankreich) zählt zu den prägenden Figuren der Konzeptkunst seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine künstlerische Praxis basiert auf mathematischen Systemen, wissenschaftlichen Diagrammen und analytischen Strukturen. Mit seinen weltweit installierten Großskulpturen hat Venet maßgeblich dazu beigetragen, zeitgenössische Kunst nachhaltig im öffentlichen Raum zu verankern. Mit dem Projekt in Palma de Mallorca setzt die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. ein deutliches Zeichen: Kunst im öffentlichen Raum ist nicht nur ästhetische Intervention, sondern ein gesellschaftlicher Impuls – offen, zugänglich und international wirksam.

Nähere Informationen: Stiftung für Kunst und Kultur e.V., Viktoriastraße 26, D- 53173 Bonn, Internet: http://www.stiftungkunst.de

„Work in Progress“ in der Kunsthalle Düsseldorf

Am Freitag, 10. April, beginnt in der Kunsthalle Düsseldorf die bis zum 30. August zu sehende neue Malerei-Ausstellung „Work in Progress.
In dieser Gruppenausstellung verwandeln die fünf Künstlerinnen und Künstler Navot Miller, Rosilene Luduvico, Federico Herrero, Stefan Marx und Joëlle Dubois nacheinander für jeweils vier Wochen die Wände der Kunsthalle in großformatige Malereien. Dabei könnt ihr live erleben, wie ortsspezifische Arbeiten entstehen. Den Anfang macht der Künstler Navot Miller bis zum 10. Mai. Für Besucher, die verfolgen wollen, wie sich die Kunsthalle im Laufe der Zeit verändert, lohnt sich das Special Ticket, mit dem für nur 10 Euro die Ausstellung fünfmal besucht werden kann.
Ebenfalls im April beginnt die neue Projektreihe Kunsthalle unterwegs: Die Kunsthalle kommt in den Stadtraum. In Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern entstehen Kunst-Projekte in ganz Düsseldorf, die neue Perspektiven auf die Stadt eröffnen.
Am Donnerstag, 16. April, eröffnet die Kunsthalle mit „FOLDS (in tape fields)“ die erste Kooperation von „Kunsthalle unterwegs“ zusammen mit dem IMAI – Inter Media Art Institute. Der kenianische Sound-Künstler KMRU untersucht in seiner vierteiligen Arbeit, wie urbane Infrastrukturen unser Hören im öffentlichen Raum prägen. Ausgehend von Aufnahmen und Beobachtungen im Stadtraum entfaltet sich die Arbeit über alltägliche Orte wie der Heinrich-Heine-U-Bahn-Station oder dem Salon des Amateurs.

MUR BRUT 38 – Helene Kuschnarew. 360 Hektar (bis 31. Mai)

Was geschieht, wenn ein Ort seine gewohnte Ordnung verliert? Welche Bilder entstehen zwischen Masse und Individuum? Die Bildräume von Helene Kuschnarew bleiben bewusst offen: Sie greifen Verschiebungen auf, ohne sie festzulegen. Gesellschaftliche und institutionelle Strukturen werden angedeutet, moralische und kulturelle Normen berührt, Tabuthemen nur gestreift. Wie groß sind 360 Hektar? So groß wie 504 Fußballfelder, siebenmal der Vatikan oder rund 5.000 Tennisplätze – oder eben Wacken.

Der Titel „360 Hektar“ verweist auf das Dorf Wacken, das durch das jährlich stattfindende Heavy-Metal-Festival Wacken Open Air vorübergehend zur Großstadt wird. Zwischen wenigen tausend Einwohner und zehntausenden Besuchern entsteht ein Ausnahmezustand, der Fragen nach Gemeinschaft, Ritual und kollektiver Identität aufwirft. Der Ort fungiert dabei zugleich als reale Referenz und als Träger kollektiver wie individueller Erinnerung.

Vergänglichkeit und Kurzlebigkeit erscheinen als strukturelle Prinzipien, etwa wenn Pigmentstaub direkt auf die Wand aufgetragen und wieder entfernt wird. Kuschnarews Praxis bewegt sich in einem Spannungsfeld von Archivierung, Spur und Überlagerung, in dem sich Bilder als vorläufige Zustände formieren.

Helene Kuschnarew absolvierte 2025 ihren Abschluss als Meisterschülerin an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Peter Piller.

FOLDS III – Radio broadcast by KMRU

Am Freitag, 17. April, 16 bis 17 Uhr, können sich Zuhörer auf eine einstündige Guest Session des Künstlers KMRU bei Callshop Radio freuen, einem seit 2017 bestehenden, unabhängigen Community Radio aus Deutschland.

FOLDS IV – Live Showcase by KMRU mit Martina Bertoni & Stefan Schneider Monti

Das Konzert von KMRU mit Martina Bertoni und Stefan Schneider Monti findet am 18. April um 21 Uhr im Velvet an der Stresemannstraße 8 statt und ist Teil der ortsübergreifenden Klanginstallation „FOLDS (in tape fields)“. Die Veranstalter bieten einen Abholservice, Early Entry und Assistenzen vor Ort für blinde und sehbehinderte Menschen an. Nähere Informationen erfolgen bei der Stiftung IMAI unter der E-Mail-Adresse info@stiftung-imai.de oder unter der Telefonnummer +49 211 54230994.

FOLDS (in tape fields) – Audioführungen mit Joy Bausch

Joy Bausch führt am Donnerstag, 23. April, 18.30 bis 20 Uhr, und am Samstag, 25. April 2026, 16 bis 17.30 Uhr, entlang der verschiedenen Stationen der mehrteiligen Klanginstallation „FOLDS (in tape fields) von KMRU. Ausgehend von KMRUs Untersuchung urbaner Hörordnungen richtet die Führung den Fokus auf Klang, Bewegung und situative Aufmerksamkeit im gemeinsamen Gehen, Innehalten und Zuhören.

Startpunkt ist die Kunsthalle Düsseldorf am Grabbeplatz 4, Endpunkt die Filmwerkstatt Düsseldorf an der Birkenstraße 47 (Hof). Die Führung ist kostenlos. Teilnehmer benötigen ein gültiges ÖPNV-Ticket. Anmeldung werden per E-Mail an bildung@kunsthalle-duesseldorf.de in deutscher Lautsprache entgegengenommen. Assistenzen vor Ort für blinde und sehbehinderte Menschen werden angeboten. Bei Bedarf werden Teilnehmer von der nächstgelegenen Haltestelle des öffentlichen Nahverkehrs abgeholt und zu den Ausstellungs- und Veranstaltungsorten begleitet. Anmeldungen werden bei der Stiftung IMAI per E-Mail unter der Adresse info@stiftung-imai.de oder per Telefon unter der Nummer +49 211 54230994 entgegengenommen.

Gespräch mit Navot Miller

Im Gespräch mit Navot Miller erhalten die Besucher am Dienstag, 14. April, in der Zeit von 17 bis 18 Uhr Eindrücke von seiner Arbeitsweise. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf seiner Planung und seinem Vorgehen für die ortsspezifischen Wandmalereien in der Kunsthalle im Rahmen der Ausstellung „Work in Progress“.

Work in Progress – Celebrating! Navot Miller

Gemeinsam mit dem Publikum feiert die Kunsthalle ab Freitag, 17. April, von 18 bis 22 Uhr die fertigen Wandmalereien von Navot Miller. „Kommt vorbei und seht, wie der Künstler die Kunsthalle neu eingefärbt hat. Aber denkt daran: Anschließend habt ihr nur bis zum 10. Mai Zeit, das Werk des Künstlers zu entdecken, bevor wir wieder alles weiß übermalen und Rosilene Luduvico mit ihrer Arbeit beginnt“, heisst es vonseiten der Kunsthalle.

Nähere Informationen: Kunsthalle Düsseldorf, Grabbeplatz 4, 40213 Düsseldorf, Telefon: +49 (0)211 54237710, E-Mail: mail@kunsthalle-duesseldorf.de

Ausstellungen und mehr vom Museum de Fundatie in Zwolle und dem Ableger Schloss Het Nijhuis in Heino

Zurück nach Benin – Neue Kunst, jahrhundertealtes Erbe

Im November 2025 gab das Museum de Fundatie die Bronzetafel aus Benin bedingungslos zurück, was ein wichtiger Schritt im Umgang mit der kolonialen Vergangenheit darstellt. Diese Rückgabe bildet die Grundlage der noch bis 7. Juni zu sehenden Ausstellung „Back to Benin: New Art, Centuries-old Heritage“, in der zehn zeitgenössische nigerianische Künstler Edo-Ursprungs zusammenkommen. Durch neue Werke, die von der Tafel inspiriert sind, treten die Künstler in den Dialog mit Geschichte, Symbolik und kulturellem Gedächtnis ein.

Die Bronzetafel aus Benin in der Sammlung des Museum de Fundatie, die eine Figur zeigt, die in der Edo-Kultur als Schlammfisch bekannt ist, wurde 1932 vom Museumsgründer Dirk Hannema erworben. „Back to Benin: New Art, Centuries-Old Heritage“ bringt zehn zeitgenössische nigerianische Künstler Edo-Ursprungs in den Dialog mit der Bronzetafel, die wie andere Artefakte Teil der historischen Geschichte des Benin-Volkes ist. Obwohl die britische Plünderung des Königreichs Benin im Jahr 1897 eine große Lücke in der Geschichte Benins hinterließ, haben die Kunst und Traditionen des Landes dank der Arbeit zeitgenössischer Künstler und Bronzegießer weiterhin geblüht. Unter ihnen sind Leo Asemota, Minne Atairu, Victor Ehikhamenor, Favour Jonathan, Taiye Idahor, Osaru Obaseki, Enotie Ogbebor, Abraham Onoriode Oghobase, Osaze Amadasun und Phil Omodamwen, die eingeladen wurden, an dieser Ausstellung teilzunehmen.

Mit dem Objekt als Ausgangspunkt haben sie neue Werke geschaffen, die das Thema der Wiederherstellung erforschen und über die Rückgabe physischer Objekte hinausgehen. Diese Künstler betrachten zeitgenössisch die Geschichte, Kultur und Philosophie des Königreichs Benin, die Symbole und Symbolik seiner Kunst sowie die Materialität von Artefakten wie der Tafel. Auf diese Weise versucht die Ausstellung, die verschiedenen Facetten und multidimensionalen Welten, die die Tafel repräsentiert oder heraufbeschwört, (wiederzu)rekonstruieren. Dadurch trägt sie zum Widerstand gegen das Auslöschen ihrer Existenz und des Wissens, das sie repräsentiert, bei.

Die Kunstwerke der Ausstellung sind in verschiedenen Medien gefertigt und bieten Reflexionen über die Plünderungen von 1897 und deren Folgen, die Symbolik des Schlammfischs und anderer Edo-Motive und -Figuren, die Edo-Kosmogonie und Kosmologien. Diese Elemente werden neu vereinnahmt, geschaffen und als lebendiges Erbe der Geschichte und des Erbes des Königreichs Benin neu interpretiert. Zur Vorbereitung der Ausstellung reisten Beatrice von Bormann und Aude Mgba nach Nigeria, um die Künstler zu treffen.

Back to Benin: New Art, Ancient Heritage wird von einem umfangreichen Katalog begleitet, mit Beiträgen der Kuratorin Aude Christel Mgba, Professor Kokunre Agbontaen-Eghafona, Osaisonor Godfrey Ekhator-Obogie sowie der Künstler Minne Atairu und Victor Ehikhamenor.

Umbild – Jules van Hulst & Wieger Steenhuis

Mit digitalen Techniken in Form von Medieninstallationen schaffen Jules van Hulst und Wieger Steenhuis in der bis zum 20. September zu sehenden Ausstellung „Umbild“ eine neue Welt. Drei Werke aus der Fundatie-Sammlung bilden den Ausgangspunkt ihrer Forschung darüber, wie neue Techniken bestehenden, alten Kunstwerken durch Repräsentation eine andere oder zusätzliche Bedeutung verleihen können. In einem Masterprogramm des makershuis VAKTOR experimentierten Van Hulst und Steenhuis ein Jahr lang mit dieser Tatsache. Die drei Werke aus der Sammlung des Museums werden von ihnen in diesem Projekt erneut präsentiert, nun jedoch in Form verschiedener Medieninstallationen. Es handelt sich um Werke flämischer Symbolisten: George Minne, James Ensor und Valerius de Saedeleer. Der Fokus auf Symbolik ist bewusst: Die Symbolisten suchten auch nach tieferen und neuen Bedeutungen und nach der Öffnung neuer Welten.

„Umbild“ ist das Ergebnis eines einjährigen Forschungs- und Prüfungsjahres. Van Hulst und Steenhuis präsentieren eine Ausstellung als Erlebnis. Sie nutzen zeitgenössische Mittel, um ein anderes oder tieferes Verständnis älterer Kunstwerke zu entwickeln. Digitale Techniken und Kunst zu mischen, ist eine Herausforderung; Wie macht man das so, dass kein künstlerischer Wert verloren geht? Kann man bestehende Werke vertreten, ohne Plagiate zu begehen?

Der Titel „Umbild“ ist ein deutsches Wort, das sich auf die Veränderung oder Transformation eines Bildes bezieht. Der Titel symbolisiert somit den experimentellen Charakter dieser Ausstellung, in der sich verschiedene Formen verweben. Und an dem man manchmal Besucher und manchmal Teilnehmer ist.

Für die Symbolisten ist Charles Baudelaires Gedichtsammlung „Les Fleurs du Mal (Die Blumen des Bösen)“ von 1857 ein wichtiger Ausgangspunkt. Darin drückt Baudelaire die Dualität der menschlichen Existenz aus: die negative, schwere, melancholische Seite (von Baudelaire Milz genannt) gegen das Verlangen nach dem Perfekten (von Baudelaire Ideal genannt). Dieses Dilemma taucht auch immer wieder in den Medieninstallationen von Van Hulst und Steenhuis auf – wie verbindet man Spiel und Ideal? Sie nutzen auch Sinne, um tiefere Bedeutungen zu vermitteln und Form und Inhalt zu verschmelzen. In mehreren Werken erforschen Van Hulst und Steenhuis die (Un)Möglichkeiten, digitale Techniken und Kunst in „Umbild“ zu verbinden.

Jules van Hulst (Nijmegen, Niederlande, *1984) ist ein bildender Künstler. Er macht Videos, Performances, Installationen und Poesiefilme. Aus einem tief verwurzelten Zweifel an seiner eigenen Existenz beschäftigt sich Van Hulst oft mit mystischen Themen. Seine Arbeit, die auf den ersten Blick sehr unbeteiligt wirkt, zeichnet sich durch ein sanftes Durcheinander aus, das natürlich oder realistisch wirkt. Van Hulsts verschiedene eigene Medienproduktionen werden von New York bis Zwolle gezeigt. Seit 2018 bestrebt er in seiner Arbeit vor allem, sich mit der Poesie zu verbinden. Im Zuge der Medienkunst ist Van Hulst als Moderator von Künstlergesprächen und als Regisseur aktiv.

Wieger Steenhuis (Emmen, NL, *1982) ist Designer und Entwickler. Er ist spezialisiert auf interaktive Installationen und Echtzeit-Computergrafiken. Er arbeitet als digitaler Szenograf und Entwickler spezialisierter Software im Bereich der darstellenden Künste. In seiner Arbeit verwendet er Techniken wie 3D-Modellierung, Game Engines und Extended Reality (XR), mit dem Schwerpunkt auf der Erforschung und Anwendung von Mixed Reality im kollaborativen Erlebnis, im Gegensatz zum Solo-Erlebnis.
Steenhuis hat zu verschiedenen Opern, Theateraufführungen und Filmen beigetragen, darunter die Installation „DANS DANS REVOLUTIE“ (Lisa Weeda, BrotherTill, 2024), die für den Preis „Goldenes Kalb“ nominiert wurde und 2025 den Designer Prize des Dutch Theatre Festival gewann.

George Minne, Das Knien des Brunnens, 1898


George Minne arbeitete seit Jahren am Thema des knienden, introvertierten Jungen. Dabei strebte er nach maximalem Ausdruck mit minimalen Mitteln. „Das Knien des Brunnens“ ist der Endpunkt seiner Suche nach klaren Linien und klarem Design. Der flämische Bildhauer strebte nicht nach anatomischer Korrektheit. Der Junge wirkt gestreckt und sein Kopf und seine Hände wirken zu groß für seinen dünnen Körper. Der gesenkte Kopf und die vor der Brust verschränkten Arme verleihen der Statue einen mystischen und etwas asketischen Charakter. „Das Knien des Brunnens“ ist die berühmteste Statue von Minne. Er fertigte Varianten aus Gips, Bronze und Marmor an. In Auftrag eines deutschen Sammlers komponierte er außerdem eine Skulpturengruppe aus fünf identisch knienden Personen am Rand eines runden Beckens. Eine Marmorversion dieses „Knienbrunnens“ befindet sich im Museum Folkwang in Essen.

James Ensor, Bibelots, 1935


Die Arbeit von James Ensor lässt sich schwer in eine Schublade schieben; Aus Gründen der Bequemlichkeit wird sein Werk oft als Teil des Symbolismus betrachtet, doch er wird sowohl als erster belgischer Impressionist als auch als Vorläufer der belgischen Expressionisten bezeichnet. Sein Stillleben „Bibelots“ ist eines der kleinsten Werke in der Fundatie-Sammlung. Ensor malt eine Sammlung wertloser Objekte in seinen charakteristischen hellen Farben, die die Eitelkeit des Menschen betonen.

Valerius de Saedeleer, Landschaft in Wales, 1917


Gemeinsam mit George Minne und anderen ließ sich Valerius de Saedeleer von 1898 bis 1904 im Dorf Sint-Martens-Latem an der Leie nieder. Gemeinsam mit einer Reihe anderer Künstler suchten sie Stille, Frieden und Natur auf dem Höhepunkt der Industrialisierung. De Saedeleer wurde stark von den Werken Pieter Bruegels des Älteren (ca. *1525 – +1569) beeinflusst. In Kombination mit einem tief verbundenen Naturgefühl malte er weite, offene und panoramische Landschaften. Während des Ersten Weltkriegs floh De Saedeleer nach Wales. Dort entstand dieses Gemälde.

Buhlebezwe Siwani – Ntu

Das Museum de Fundatie präsentiert noch bis zum 20. September die erste niederländische Einzelausstellung von Buhlebezwe Siwani.

Siwani arbeitet mit Performance, Fotografie, Skulptur und Installationen. Sie untersucht, wie der schwarze weibliche Körper in einer männlich dominierten Gesellschaft dargestellt wird. Die Erfahrung schwarzer Frauen im Kontext Südafrikas ist ebenfalls zentral. Siwani ist Sangoma, ein spiritueller Heiler, der im Raum zwischen Leben und Tod arbeitet. In ihrem Werk konzentriert sie sich daher auch auf Rituale und die Beziehung zwischen Christentum und afrikanischer Spiritualität. Ihre Projekte beschäftigen sich oft mit der Verbindung zwischen Ahnenritualen und modernem Leben. Dabei bringt sie soziale und politische Fragen zur Sprache. Siwani greift immer auf ihre eigene Lebensgeschichte und Erfahrungen zurück.

Diese Ausstellung ist Teil der Programmreihe Fundatie Forward, der Reihe der ersten Einzelausstellungen zeitgenössischer Künstler, die (teilweise) in den Niederlanden leben und arbeiten. Mit dieser Serie möchte das Museum de Fundatie etwas in Gang setzen und den Machern eine Bühne bieten.
Buhlebezwe Siwani (geb. 1987, Südafrika) erhielt 2011 ihren BAFA von der Wits School of Arts in Johannesburg und 2015 ihren MFA von der Michaelis School of Fine Arts. Sie steht auf der Shortlist für den Prix de Rome (2025), wurde für den Future Generation Art Prize (2024) nominiert und erhielt die Standard Bank Young Artists Awards 2021 in der Kategorie bildende Kunst. Einzelausstellungen: Intsomi, No Man’s Art Gallery, Amsterdam (2025); ulwela amaza, Rozenstraat – eine Rose ist eine Rose, Amsterdam (2024); iYeza, Standard Bank Gallery, Johannesburg (2023); Amanzi angena endlini, Madragoa, Lissabon (2022); Dedisa ubumnyama, Cairns Art Gallery, Cairns (2021). Gruppenausstellungen: Good Mom/Bad Mom, Centraal Museum, Utrecht (2025); Manifest 15 (2024); 14. Gwangju Biennale, Gwangju (2023); Chrysalis, The Butterfly Dream, Centre d’Art Contemporain Genf, Genf (2023); Eine Lichtung im Wald, TATE Modern, London (2022). Buhlebezwe Siwani lebt und arbeitet in Amsterdam und Kapstadt.

Schau dich um! – Die Fundatie-Sammlung

Kunst kann dazu führen, dass man seine Umgebung anders betrachtet. Eine noch bis zum 1. Juni zu sehende Präsentation der Fundatie-Sammlung konzentriert sich auf genau diese Stärke. Verschiedene Macher, von Jacoba van Heemskerck bis Jonathan van Doornum und von Nola Hatterman bis Vincent van Gogh, verleihen der Realität in ihren Werken ihre eigene Note. Sie zoomen auf Details heran, fügen etwas hinzu, lassen etwas weg, fügen Farbe hinzu und machen den Alltag besonders. Schau dich um! lädt dich ein, die Welt durch eine andere Linse zu betrachten.

Unser Aussehen wurde in der Kunstgeschichte ausführlich beschrieben. Im Laufe der Jahrhunderte beschreiben verschiedene Denker, wie unsere Sichtweise entsteht. Zum Beispiel schreibt der römische Schriftsteller und Wissenschaftler Plinius bereits im Jahr 103 n. Chr. darüber, wie Künstler Technologie nutzen, um das Auge zu täuschen. In den folgenden Jahrhunderten veränderte sich die Art und Weise, wie kulturelle und technologische Entwicklungen vorgenommen wurden, wie die Menschen Dinge betrachteten. Anfang des 20. Jahrhunderts schrieb der Philosoph Walter Benjamin einen einflussreichen Beitrag darüber, wie moderne Technologien wie Film und Fotografie unseren Blick grundlegend veränderten. Darin zeigt er beispielsweise, wie unsere Sichtweise und damit unser Denken von den Massenmedien beeinflusst werden. Fragen Sie sich also: Wie sehen Sie aus, und wer oder was beeinflusst Ihre Sicht auf die Welt?

Sprechende Köpfe – Charlotte van Pallandt

Die Bildhauerin Charlotte van Pallandt ist bekannt für ihre „Köpfe“. Aber was sagen die Porträts, die sie von Truus Trompert, Albert Termote, Dirk Hannema, A. Roland Holst und Mop van Bruggen gemacht hat, über Van Pallandt, aber besonders über die Models selbst? Eine noch bis zum 12. April im Schloss Het Nijenhuis in Heino zu sehende Ausstellung erzählt die Geschichten hinter den Bildern. Treffen Sie die Menschen, die Van Pallandt inspiriert haben, und entdecken, wie Modell und Künstlerin sich gegenseitig beeinflusst haben.

Charlotte van Pallandt (Amsterdam, NL, *1898 – +1997, Noordwijk, NL) ist eine der wichtigsten Bildhauerinnen in der Fundatie-Sammlung, in der sie mit 362 Werken vertreten ist. Van Pallandt ist eine der ersten niederländischen Künstlerinnen, die sich ganz der Bildhauerei widmete. Sie wurde in den 1920er Jahren in Paris ausgebildet, wo sie Malunterricht vom kubistischen Theoretiker André Lhote sowie Bildhauerunterricht von Akop Gurdjan und Charles Despiau erhielt, unter anderen. 1937 vertrat sie die Niederlande mit mehreren Skulpturen auf der Weltausstellung in Paris. 1939 kehrte sie endgültig in die Niederlande zurück und stürzte sich ganz in die Bildhauerei. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten zahlreiche Ausstellungen und Aufträge. Eines der Highlights ihres Werks sind ihre ‚Wilhelmina-Monumente‘ in Rotterdam und Den Haag. In Rotterdam fertigt Van Pallandt eine Steinskulptur der ehemaligen Königin der Niederlande an. Sie spendete das drei Meter hohe Gipsmodell an Dirk Hannema, den Gründer des Museum de Fundatie, mit dem sie gut befreundet war.

Im Laufe ihrer Karriere fertigte Van Pallandt Porträts an. Ihre „Köpfe“ zeigen den Charakter des Modells. Die Porträts, die sie auf Auftrag anfertigt, gefallen den Dargestellten nicht immer: Sie erwarten oft ein realistisches Porträt, während Van Pallandt ganz auf ‚das Wesentliche‘ setzt. Sie macht auch viele Bilder von Familienmitgliedern, Freunden, Kollegen und Bekannten. Sie arbeitete jahrelang an einigen Köpfen und schuf eine Serie mit verschiedenen Versionen desselben Modells. Ein Beispiel dafür ist die Porträtserie eines ihrer Lehrer, des Bildhauers Albert Termote. Truus Trompert, ein bekanntes Modell der Amsterdamer Rijksakademie, lernte Van Pallandt während des Zweiten Weltkriegs kennen. Van Pallandt schuf außerdem eine ganze Serie von Werken von Trompert, die über 20 Jahre lang waren. „Talking Heads“ zeigt, wie Van Pallandt es geschafft hat, das Wesen von Trompert, Termote und verschiedenen anderen Menschen in ihren Bildern einzufangen. Die Ausstellung konzentriert sich nicht nur auf die Bilder, sondern auch auf die Lebensgeschichten der Models.

Elly Tamminga – Kunst und Überzeugung

Nach Jahrzehnten relativer Stille erhält das Werk von Elly Tamminga (*1896 – +1983) erneut die Aufmerksamkeit, die es verdient. Eine noch bis zum 5. Oktober im Schloss Schloss Het Nijenhuis in Heino zu sehende Ausstellung hebt die Arbeiten dieser eigenwilligen niederländischen Malerin und Grafikerin hervor, deren Werk seit langem nur Insidern bekannt ist. Obwohl Tamminga ab den 1920-er Jahren regelmäßig im In- und Ausland ausstellte und ein beeindruckendes Werk aufbaute, verschwand sie nach 1970 fast vollständig aus der Öffentlichkeit. Die Tatsache, dass ihre Arbeit nun wieder präsentiert wird, markiert einen besonderen Moment der Wiederentdeckung.

Tammingas Kunst ist figurativ und hat ihre Ursprünge im Kubismus, mit kraftvollen Farbflächen, klaren Kompositionen und manchmal einer ausgeprägten sozialen Beteiligung. Sie malt Landschaften, Stillleben, Porträts und Alltagsszenen und fertigt zudem grafische Arbeiten an, die bewusst für ein breites Publikum erschwinglich sind. Ihre Kunst wird von Idealen, Einfachheit und Zugänglichkeit dominiert, doch zu ihrer Zeit wurde sie anders aufgenommen und selten von Museen gekauft. Diese Ausstellung zeigt, wie reichhaltig und beständig ihr Werk ist, und lädt Elly Tamminga ein, wieder einen Platz in der niederländischen Kunstgeschichte zu erhalten.

Diese Ausstellung lenkt erneut die Aufmerksamkeit auf das Werk und Leben von Elly Tamminga. Tamminga war eine niederländische Malerin, Grafikerin und Geschäftsfrau, die ihre Kunst bewusst unter anderem nutzte, um soziale Ungleichheit sichtbar zu machen. Aus einem privilegierten Umfeld entschied sie sich nachdrücklich für den Sozialismus und oft für Themen aus dem Leben von Arbeitern, Fischern, Hirten und Bauern. Die Ausstellung zeigt, wie Tamminga Kunst, Überzeugung und persönliche Freiheit verband und wie ihre Arbeit mit Zeitgenossen wie Lou Loeber, Peter Alma, Toon Verhoef und Antoon de Kinderen in Verbindung steht.

Jenseits der Banken – Wilma Wilbrink und De Fundatie Sammlung

Wilma Wilbrink zeigt vom 25. April bis zum 30. August Arbeiten, die aus jahrhundertealten Eichen stammen, die 2013 beim Room for the River-Projekt entlang der IJssel bei Zwolle freigelegt wurden. Diese Bäume, die seit mehr als zweitausend Jahren unter Torf erhalten sind, bilden den Ausgangspunkt für skulpturale Arbeiten, in denen Naturgeschichte und zeitgenössische Klimafragen zusammenkommen. Wilbrink bezieht sich auf mögliche zukünftige Wasserstände und ermöglicht es der Moor-Eiche, als stiller Zeuge menschlichen Eingriffs und Landschaftswandels zu wirken. Die Wachstumsringe verraten von Wachstum, Dürre und Wasser, während eine Leiter das verletzliche Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur sichtbar macht.

In dieser Ausstellung tritt ihre Arbeit in den Dialog mit Landschaften aus der Fundatie-Sammlung von Emmy Bergsma, Paul Bodifee, Jeroen Krabbé und Jan Voerman, unter anderen. Jedes dieser Werke erzählt eine andere Geschichte über die Overijssel-Landschaft und die Veränderungen, denen sie unterliegt.

Museum de Fundatie Zwolle am Freitag, 1. Mai 2026, 17 bis 21 Uhr. Kostenloser Eintritt

Während dieses Fundatie-Freitags nehmen Spoken-Word-Künstler die Herausforderung an, auf die Themen der Ausstellung Back to Benin einzugehen. Denken Sie an Kolonialismus, Dominanz, Identitätsverlust, Resilienz, Symbolik in Kunst, Erbe und Traditionen.

Programm
– Flash-Touren zur Ausstellung Zurück nach Benin
– gesprochene Wort-Lesungen von Arnold und Stephan Palil und Djé-Rimo Holle
– Spoken-Word-Workshop von Djé-Rimo Holle
Die Rückkehr der Bronzetafel aus der Sammlung bildet die Grundlage der Ausstellung „Back to Benin: New Art, Centuries-old Heritage“. Zehn zeitgenössische nigerianische Künstler mit Edo-Ursprung treten in einen Dialog mit Geschichte, Symbolik und kulturellem Gedächtnis.
Dieser Fundatie-Freitag wird gemeinsam mit dem Overijssel-Komitee vom 30. Juni/1. Juli organisiert. Fundatie Friday ist die monatliche kostenlose Abenderöffnung des Museum de Fundatie Zwolle mit wechselndem Programm.

Befreiungsfest Overijssel im Wezenlandenpark Zwolle am Dienstag, 5. Mai. Eintritt ist frei.

Am Befreiungstag beteiligt sich das Museum de Fundatie beim Befreiungsfestival Overijssel im Wezenlandenpark in Zwolle. Das Museum wird die Themen der Ausstellung „Back to Benin – New Art, Ancient Heritage“ in einem moderierten Gespräch im Rahmen des Programms im World Pavilion vorstellen. In diesem moderierten Gespräch wird die Direktorin des Museum de Fundatie, Beatrice von Bormann, mit Moderatorin Marleen Stein über die Wiederherstellung der Kunst und einen zeitgenössischen Blick auf die Geschichte, Kultur und Philosophie des Königreichs Benin sprechen.

Another Gathering: The Beauty We Inherit am 20. Mai im Wereldmuseum Leiden, Niederlande

Another Gathering: The Beauty We Inherit findet am 20. Maiin Leiden, Niederlande, statt. Das Symposium wird vom Museum de Fundatie in Zusammenarbeit mit dem Research Center for Material Cultures (RCMC) organisiert.

Diese Veranstaltung ist im Rahmen der Ausstellung „Back to Benin: New Art, Ancient Legacy“ konzipiert, die derzeit bis zum 7. Juni 2026 im Museum de Fundatie in Zwolle zu sehen ist. Die Ausstellung vereint zehn zeitgenössische Künstler mit Edo-Hintergrund im Dialog mit „Ama O Ghe Ehen, einer Bronzetafel aus dem Königreich Benin, die einen Schlammfisch darstellt, die bis zu ihrer jüngsten Eigentumsübertragung an die rechtmäßigen Hüter seit 1937 in der Sammlung des Museums war.

Obwohl die Wiederherstellung das materielle Erbe zurückbringt, rückt sie den durch ihre Entfernung verursachten Bruch nicht wieder auf. Dieses Symposium fragt: Wie arbeiten zeitgenössische Künstler, Kuratoren und Forscher heute mit diesem Bruch? Inwiefern stellen sie Abwesenheit heraus oder verwandeln sie in neue Formen und Ideen?

Das Treffen bringt Künstler, Forscher, Autoren und Kuratoren zusammen, von denen einige an der Ausstellung, ihrer Entwicklung oder ihren Räumen teilgenommen haben, um diese Fragen durch Keynotes, Vorführungen, Gespräche sowie klangliche und visuelle Vorträge sowie Performances zu erforschen.

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr. / Kasteel het Nijenhuis, ´t Nijenhuis 10, 8131 RD Heino/Wijhe, Telefon +31 572 388188, E-Mail: info@museumdefundatie.nl

Neues aus der Welt der Kunst in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden und manches mehr aus der Welt der Kunst. Hier ein kleiner Ausschnitt:

„Rembrandt brauchte zwei, drei Streifen“ – Interview mit Charlotte Meyer über ihre Radierungskollektion

Charlotte Meyer erbte eine Mappe, die seit einem Jahrhundert unberührt in einem Safe lag. Als sie es betrachtete, stellte sich heraus, dass es Radierungen von Rembrandt van Rijn waren. Die Werke sind nun erstmals in ‚Rembrandt – Von dunkel zu hell‘ im Stedelijk Museum Zutphen zu sehen. Im Gespräch mit Meyer und Regisseur Paulo Martina wird deutlich, wie besonders die Werke sind. „Es sind Radierungen, die kaum jemand bisher gesehen hat.“

Frau Meyer, wie haben Sie entdeckt, dass Sie etwas Besonderes in der Hand haben?
Charlotte Meyer: „Als meine Mutter starb, nahm ich einen kleinen Ordner aus dem Familiensafe. Ich habe es irgendwo unter einen Haufen gelegt – ich war beschäftigt, dachte ich: Ich werde sehen. 2018 beschloss ich, einen Blick in diesen Ordner zu werfen. Ich wusste, dass wir Radierungen in der Familie hatten, mein Großvater hatte sie zwischen 1900 und 1920 für ein paar Gulden gekauft. Der Boom um Rembrandt war damals vorbei, die Radierungstechnik war aus der Mode gekommen. Künstler schafften es nicht mehr, und das Publikum interessierte sich nicht mehr dafür. Also nahm ich an, dass es wenig wert ist. Aber mein Großvater war ein guter Sammler – er hatte ein Gespür dafür. Alles, was er gekauft hat, war etwas Besonderes.“

Und dann hast du das Rembrandt-Haus angerufen?
CM: „Ja. Ich wusste, dass sie die ausgewiesenen Experten sind. Als sie kamen, sah ich sofort, dass sie benommen waren. Sie sagten: Das ist eine ganz besondere Sammlung. Dann wusste ich endlich, was ich in meinen Händen hatte.“

Was macht die Sammlung so besonders?
CM: „Es gibt einige erste Zustände. Das ist selten – ein erster Zustand ist der allererste Abdruck einer Radierung, bevor Rembrandt irgendwelche Anpassungen vorgenommen hatte. Rembrandt fertigte manchmal bis zu acht Zustände einer Radierung an. Jedes Mal, wenn er etwas veränderte – ein Haar in einer Augenbraue, das leicht anders sein musste – entstand ein neuer Zustand. Nur sehr wenige davon existieren noch. Außerdem stammen fast alle Radierungen in der Sammlung aus dem siebzehnten Jahrhundert, was man auf der Rückseite des Papiers und in den Wasserzeichen sehen kann.“

Und im Geiste deines Großvaters hast du auch angefangen, dich zu sammeln.
CM: „Ich habe mich immer mehr in Rembrandt vertieft und die Kollektion durch Einkäufe auf dem internationalen Markt erweitert. Das ist nicht ohne Risiko, denn es gibt unendlich viele Exemplare. Die Ätzplatten wurden verwendet, bis sie vollständig abgenutzt waren – bis nur noch schwarze Flecken übrig blieben. Dann wurden Kopien von Radierungen aus dem siebzehnten Jahrhundert auf altem Papier angefertigt, sodass sie kaum vom Original zu unterscheiden sind. Deshalb arbeite ich mit drei Experten zusammen – in den Niederlanden und in Frankreich. Wir gehen kein Risiko ein.“

Jetzt ist die Sammlung in Zutphen zu sehen. Warum dort?
CM: „Ich habe mehrere Museen angesprochen, aber gute Geschichten über das Stedelijk Museum Zutphen gehört. Ich wollte die Sammlung hier in den Niederlanden zum ersten Mal zeigen.“

Museumsdirektor Paulo Martina nimmt ebenfalls an der Diskussion teil. Unter seiner Leitung hat sich das Stedelijk Museum Zutphen in den letzten Jahren auf größere, öffentlich attraktive Ausstellungen konzentriert. Dies ist sein letztes großes Projekt, bevor er sich im Mai verabschiedet.

Paulo Martina: „Charlotte stand eines Tages mit einer Plastiktüte vor der Tür. Es enthielt eine wunderschöne Radierung – Die Verkündigung an die Hirten. So etwas hatte ich noch nie in den Händen gehalten. Es hat sofort Klick gemacht, und das ist ebenfalls wichtig. Wenn das nicht vorhanden ist, wird alles viel schwieriger. Und jetzt arbeiten wir an einer großen Ausstellung.“

Die Ausstellung zeigt nicht nur Werke von Rembrandt. Es gibt auch Werke von Zeitgenossen und Vorläufern. Warum?
CM: „Eine Zeit lang war ich ausschließlich mit Rembrandt beschäftigt, aber irgendwann dachte ich: Ich will es viel größer machen. Ich begann, meine Zeitgenossen zu betrachten: Wie lebten die Menschen auf der Straße, wie sah Amsterdam aus? Ich habe Drucke aus dem siebzehnten Jahrhundert der Noorderkerk, der Westerkerk und eines Modells des Schiffes von Michiel de Ruyter gesammelt. Das schafft ein breiteres Bild der Welt, in der Rembrandt arbeitete.“

Die Ausstellung verfügt außerdem über interaktive Elemente. Was können Besucher erwarten?
PM: „Neben den Radierungen hängen Vergrößerungen, weil die Werke manchmal nur fünf mal fünf Zentimeter groß sind. Der junge Designer Phil Pot hat zudem ein interaktives Element hinzugefügt: Mit einem Stift, der einen Teller beleuchtet, können Besucher die Linien einer Radierung auf transparenten Platten nachzeichnen, die übereinander liegen. So folgst du buchstäblich der Hand von Rembrandt.“

CM: „Dann erlebt man, wie subtil die Werke sind und wie der kreative Prozess einer solchen Radierung abläuft. Ich habe die Radierung The Pancake Maker lange verfolgt. Die Pfanne besteht aus einigen Kratzern. Nimmt man eine davon ab, ist es keine Pfanne mehr. Er war ein Genie der Auslassung.“

Wenn Sie ein Werk aus der Sammlung auswählen müssten – welches wäre das?
CM: „Der verlorene Sohn. Die Symbolik ist so schön – die Liebe eines Vaters zu seinem Kind, wie er sich über seinen Sohn beugt. Rembrandt hat es in zwei oder drei Zeilen aufgeschrieben. Ich habe es so oft gesehen und verstehe immer noch nicht, wie er das schafft. So unglaublich getroffen.“

Rembrandt, von der Dunkelheit ins Licht

Mehr als fünfzig Radierungen von Rembrandt haben zum ersten Mal seit hundert Jahren das Licht der Welt erblickt. Die Objekte blieben sicher aufbewahrt und wurden ein Jahrhundert lang vergessen. Die Besitzerin und Sammlerin der Radierungen, Charlotte Meyer, erbte die besondere Kunstsammlung ihres Großvaters und entdeckte die Radierungen 2020 in einem Safe.

Meyer wählte das Stedelijk Museum Zutphen als erstes Museum in den Niederlanden, das die Radierungen der Öffentlichkeit zugänglich machte.Meyer ließ die Radierungen vom Rembrandt-Hausmuseum in Amsterdam untersuchen. Erst dann wurde klar, wie besonders dieser Fund ist. Heute widmet sie sich mit großer Hingabe der Erforschung und Erweiterung dieser Sammlung. Dank Meyers Leidenschaft fürs Sammeln ist die Sammlung inzwischen auf mehr als siebzig Radierungen von Rembrandt angewachsen. Auch ihre neuesten Errungenschaften sind zu sehen. Darüber hinaus sammelt sie Radierungen von Inspirationsquellen und Beispielen, aus denen Rembrandt Gleichzeitgenossen und Anhänger des Meisters schöpfte. Das macht die Ausstellung einzigartig; Rembrandts Radierungen werden im Kontext dargestellt und verleihen seinem gewaltigen Werk einen glorreichen Platz in der Zeit. Schließlich werden auch Sonderradierungen aus der Sammlung des Stedelijk Museum Zutphen und des Museums Henriette Polak in der Ausstellung berücksichtigt.Die Ausstellung, die noch bis zum 14. Juni zu sehen ist, zeigt wichtige Themen aus Rembrandts Leben, wie seine frühen Jahre, seine Blütezeit, Trauerzeit und sein Leben in Armut. Es wurden auch Duft- und interaktive Elemente hinzugefügt, die dem Besucher ein multisensorisches Erlebnis bieten.

Nähere Informationen: Stedelijk Museum Zutphen, ´s Gravenhof 4, Zutphen, Telefon: +31 575516878, E-Mail: info@museumzutphen, Internet: www.museumzutphen.nl

Fünf Podcasts über Kunst (Von Ulrike Neyens)

Von historischen Geschichten bis hin zu alltäglichen Gesprächen bieten Podcasts eine zugängliche Möglichkeit, sich mit einer Vielzahl von Themen auseinanderzusetzen. Es gibt auch eine große Bandbreite für diejenigen, die mehr über Kunst erfahren möchten. Die Museumtijdschrift listet fünf Podcasts für ihre Leserinnen und Leserinnen auf.

Besondere Frauen


In ihrem Podcast „The Great Women Artists“ spricht die Kunsthistorikerin und Autorin Katy Hessel mit Künstlerinnen über ihre Karrieren und taucht gemeinsam mit Kuratorinnen und Autorinnen ein. In einer kürzlichen Episode spricht sie mit der Kunsthistorikerin Katlijne Van der Stighelen und Julien Domercq, Kurator an der Royal Academy of Arts in London, über das Leben und Werk von Michaelina Wautier (1604–89), die Wiederentdeckung ihres Werks und ihre Ausstellung in London.

Versteckte Seiten


In der Ausstellung „Gefährliche Bücher – 500 Jahre Wissenschaft unter Beschuss“ im Teylers Museum werden verschiedene wissenschaftliche Bücher aus etwa 1500 zusammengeführt und erstmals gezeigt. Einst wurden diese Bücher von Kirche oder Staat wegen ihres innovativen oder herausfordernden Inhalts verboten. Selbst heute werden Bücher zensiert, wie zum Beispiel in den Vereinigten Staaten. Mit der Podcast-Folge „Dangerous Books! des Museum of Wonder spricht Podcast-Macherin Dide Vonk unter anderem mit der Kinderbuchautorin Pim Lammers. Sie untersucht die Folgen der Löschung von Informationen und betont die Bedeutung der Informationsfreiheit.

Eine meisterhafte Fälschung


Mit kurzen blauen, weißen und grünen Farbstreifen nimmt das Meer seine Form an. Einige Boote schaukeln auf dem Wasser, während die Wellen leise an den Strand rollen. Das Werk „Ansicht des Meeres in Saintes-Maries-de-la-Mer“ (1927–28) wurde lange Zeit Van Gogh zugeschrieben, bis Experten entdeckten, dass es sich um eine Fälschung handelte. Im Podcast „The Unmasked Forgery of the Kröller-Müller Museum“ kann man die Ermittlungen in sechs Episoden verfolgen. Die Zuhörer erfahren mehr über das bemerkenswerte Leben von Helene Kröller-Müller, einer der größten Sammlerinnen von Van Gogh und Gründerin des Museums, und erfahren, wie das Gemälde schließlich als Fälschung erkannt wurde.

Ein Blick hinter die Kulissen

In „The Museologist“ spricht Arnoud Odding, der Erfahrung als Museumsdirektor, strategischer Berater und Autor hat, mit Kuratoren, Forschern und anderen Denkern, die Museen helfen, mit der Zeit zu gehen. In Folge 42 spricht er mit Anne de Haij, der Direktorin des Stedelijk Museum Schiedam, über die Frage, ob ein Museum sich zu sozialen Themen äußern sollte. Ihr zufolge gibt es immer einen Punkt, an dem man sich selbst als Museum deklarieren kann. Eine Podcast-Folge über das Treffen von Entscheidungen, das Einnehmen einer Position und warum Museen gerade jetzt relevant bleiben sollten.

Von Krokette bis Roy Lichtenstein

In „Good Taste mit Janny und Roderick“ diskutieren die kulinarische PR-Beraterin und Moderatorin Janny van der Heijden – bekannt für die Sendung „Heel Holland Bakt“ und ihre Kochbücher – sowie ihr Sohn, der Kunsthistoriker Roderick van der Lee, die gemeinsame Basis zwischen Essen und Kunst. In einer lockeren, heimeligen Umgebung teilen Mutter und Sohn köstliche Anekdoten und überraschende Fakten – von den Ursprüngen der Kroketten bis zur Pop-Art von Roy Lichtenstein.

Ruhe dich aus und gedenke – Jacobien de Rooij

In einer Zeit, in der soziale Unruhen, geistige Erschöpfung und Überreizung immer größere Teile der Bevölkerung betreffen, bietet das Verwey Museum Haarlem mit „Rest and Remember“eine innovative Ausstellung, in der Frieden, Ruhe und geistiger Raum im Mittelpunkt stehen.

„Rest and Remember“ ist die erste Einzelausstellung des international anerkannten bildenden Künstlers Jacobien de Rooij (Rotterdam, *1947) im Haarlemer Museum, der nun seit 25 Jahren in Haarlem lebt und arbeitet. Diese Retrospektive zeigt sein frühes Werk neben seinem jüngsten Schaffen. Seine Arbeit, die stark in der Erfahrung der Natur verwurzelt ist, schafft einen seltenen Moment mentalen Atemraums in einer überfüllten, schnelllebigen Welt. Die Ausstellung, die noch bis zum 24. Mai zu sehen ist, lädt die Besucher ein, über ihre eigene Beziehung zu Natur, Zeit und Umwelt nachzudenken.

„Erleben Sie diese kraftvolle Hommage an einen außergewöhnlich talentierten Künstler. Lassen Sie sich durch ihre frühen Werke entführen, darunter Aquarelle von Süßigkeiten und Spielzeug sowie Zeichnungen ihrer Familienmitglieder, und reflektieren Sie über ihre beeindruckenden großformatigen Pastellzeichnungen von Landschaften und Tieren“, schreibt dazu die Museumstijdschrift.

Nähere Informationen: Verwey Museum Haarlem, Groot Heiligland 40, Haarlem, Telefon: +31 235422427, E-Mail: info@verweymuseumhaarlem.nl, Internet: www.verweymuseumhaarlem.nl

Der Camino – Die Reise des Lebens

Die Ausstellung „Der Camino – Die Reise des Lebens“, die vom 25. April bis 25. Oktober im Museum Krona in Uden zu sehen ist, bietet die Gelegenheit, in die Welt des Pilgers einzutauchen und die berühmte Route von Saint-Jean-Pied-de-Port nach Santiago de Compostela selbst zu erleben. Während dieser Sonderausstellung folgt man dem Weg spielerisch durch ein Live-Brettspiel, bei dem ein Läufer mit 63 Feldern die Route darstellt und symbolisiert. Jeder Teilnehmer läuft einen anderen Parcours, hat Treffen mit den Spielern und macht die Ausstellung zu seinem eigenen Erlebnis, da sie auf dem „echten Camino“ stattfindet. Unterwegs begegnen die Teilnehmer (Kunst-)Objekten, persönlichen Geschichten, Videos und Fotografien. Gemeinsam zeigen sie, dass der Camino ein lebendiges, vielseitiges und zeitloses Erlebnis ist, das Menschen inspiriert.

Nähere Informationen: Museum Krona, Veghelsedijk 25, Uden, Telefon: +31 413263431, E-Mail: info@museumkrona.nl, Internet: www.museumkrona.nl

Lumina – Ein neuer Tempel von Isa van Lier

Das Werk der Künstlerin Isa van Lier (Amsterdam, *1996) strahlt etwas von der Leichtigkeit einer Traumwelt aus. Mit ihren Keramikskulpturen, die auf den ersten Blick ‚leichtfüßig‘ wirken, baut sie Tempel, in die sie bequem verschwinden kann. In ihrer neuesten Installation „Lumina“ nimmt den Betrachter mit auf eine sensorische Reise vom Dunkel zum Licht. Besucher betreten einen intimen, runden Raum durch einen Tunnel, der aus mehr als tausend handförmigen Kreaturen besteht, die einen wie Stalaktiten umhüllen und einen ansehen. Abseits der Ablenkungen der Außenwelt lädt das Werk dazu ein, über seine innere Energie und die oft vergessene Magie der Existenz nachzudenken.

Mit „Lumina“ , was Lichtquelle und Öffnung bedeutet, baut Isa van Lier auf ihrem gefeierten Len Tempel auf, den sie 2022 für die Open-Air-Ausstellung „Paradys“ im friesischen Oranjehuis schuf. Das neue Werk, das sie speziell für die Ausstellung im Stedelijk Museum Schiedam entwickelt hat und dort noch bis 10. Mai zu sehen ist, passt zu ihrem Traum, an verschiedenen Orten der Welt „Tempel“ zu errichten, an denen Besucher vorübergehend entspannen können. Im fünf Meter hohen Len-Tempel, der die Form eines Eies hatte, platzierte sie mehrere Keramikwerke. Besucher konnten vorübergehend im „Traumparadies“ bleiben und entspannen. Viele kamen glücklich und emotional bewegt heraus.

Nähere Informationen: Stedelijk Museum Schiedam, Hoogstraat 112, Schiedam, Telefon: +31 102463666, E-Mail: info@stedelijkmuseumschiedam.nl, Internet: http://www.stedelijkmuseumschiedam.nl

Kröller Müller-Museum im Frühling

Frühlingsgefühle liegen in der Luft! Der Skulpturengarten Kröller Müller-Museums in Otterlo ist wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet. In diesem Artikel erfahren Interessierte mehr über Gruppenführungen im Skulpturengarten.

Startklar für den Frühling

Das Lieblingskunstwerk vieler Besucher ist zurück im Skulpturengarten. Das Objekt „Sculpture flottante, Otterlo“ von Marta Pan schwimmt wieder im Wasser. Die Rückkehr markiert jedes Jahr den inoffiziellen Start der Outdoor-Saison. Örtliche Vorschulklassen haben diesen besonderen Moment mit uns gefeiert. Der „Schwan“ spielt eine große Rolle in der Bilderbuchserie des Museums und dem dazugehörigen Unterrichtspaket.

Zum Skulpturengarten

Zum Kröller-Müller Museum gehört einer der größten Skulpturengärten Europas: eine weitläufige Ausstellungsfläche im Freien, auf der moderne Bildhauerei einen Platz in der Natur findet. Der Skulpturengarten ist ganzjährig geöffnet und vermittelt zu jeder Jahreszeit eine andere Atmosphäre. Die Umgebung lädt zum Verweilen ein: Hier kann man die modernen Skulpturen und die Natur genießen.

Im Skulpturengarten sind über 200 moderne Kunstwerke bedeutender Künstler wie Aristide Maillol, Jean Dubuffet, Marta Pan und Pierre Huyghe zu sehen. Es gibt dort auch zwei Pavillons von Aldo van Eyck und Gerrit Rietveld, herausragende Werke aus den Sechzigerjahren, die hier einen neuen Platz gefunden haben. Der Skulpturengarten ist für Jung und Alt interessant.

Eines der bekanntesten und beliebtesten Kunstwerke im Skulpturengarten ist der eindrucksvolle „Jardin d’émail“ (Garten aus Emaille) von Jean Dubuffet. Sie können dieses moderne Kunstwerk berühren, es ist begehbar und lädt sogar zum Spielen ein – alles ist erlaubt. Dieses Werk und der Rest des Skulpturenmuseums eignen sich daher auch sehr gut für einen Besuch mit Kindern. Tipp: Bringen Sie Ihr eigenes Picknick mit und breiten Sie Ihre Decke neben Ihrem Lieblingskunstwerk aus!

Der „Jardin d’émail“ ist vom 1. April bis zum 1. November zugänglich, doch aus Sicherheitsgründen darf das Werk nur betreten werden, wenn die Oberfläche vollständig trocken ist. Bei Niederschlag oder kurz danach ist das Kunstwerk wegen Glättegefahr ebenfalls nicht zugänglich.

Der „Jardin d’émail“ wurde von 2016 bis 2020 komplett restauriert. Damit die moderne Gartenskulptur möglichst lange in einem guten Zustand bleibt, sind regelmäßige Inspektionen, Wartungs- und Reinigungsmaßnahmen erforderlich. So werden beispielsweise die Abflüsse gereinigt; außerdem wird das gesamte Kunstwerk mit Wasser gespült und geschrubbt. Anschließend muss die Oberfläche trocknen, bis sie für Besucher wieder sicher ist. Dafür haben wir den letzten Montag im Monat reserviert. Während der Wartungsarbeiten dürfen die Besucher des Skulpturenmuseums das Kunstwerk leider nicht betreten.

Das Kröller-Müller-Museum ist dienstags bis sonntags von10 bis 17 Uhr geöffnet.

Nähere Informationen erfolgen unter der Telefonnummer (0031) 0318 591241, im Internet auf www.kmm.nl und per Email unter info@kmm.nl

Frühlingsvergnügen nicht nur an Ostern

Viel zu bieten hat die Kunsthalle Bremen in der neuen Jahreszeit, aber auch darüber hinaus. Im Überblick:

Ausstellungen

Natur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Rom (bis 5. Juli)

Auf den Spuren des Malers Friedrich Nerly (1807–1878): Ab in den Süden – das war der große Trend in der Romantik. Auch Nerly ging bereits früh nach Italien. Er arbeitete in Rom, Tivoli und Olevano, damals wie heute Hotspots der Künstler und Touristen. An der Küste entlang reiste er nach Neapel und bis Sizilien. Dabei entstanden sonnendurchflutete Zeichnungen und Aquarelle vor der Natur, die ihm als Grundlage für Gemälde dienten. Zusammen mit der aufwendig restaurierten „Campagnalandschaft mit Aqua Claudia“ von 1836, einem Hauptwerk des Künstlers, und zahlreichen anderen Gemälden sind sie nun einer großen Ausstellung zu sehen.

Der Tipp: Die Kuratorinnen-Führung mit Dorothee Hansen am Dienstag, 7. April, und 2. Juni um 18 Uhr. Weitere öffentliche Führungen finden jeden Freitag, Samstag und Sonntag um 15 Uhr statt.

Nerly in Venedig. Von Gondeln und Palästen (bis 5. Juli)

Mit 21 Jahren ging Friedrich Nerly nach Italien. Nachdem er in Rom und Mailand gelebt hatte, zog es ihn nach Venedig: Was nur als kurzer Stopp auf dem Weg zurück nach Deutschland geplant war, entwickelte sich zu einem lebenslangen Aufenthalt. In den 41 Jahren vor Ort wurde er der bekannteste lebende Künstler der Stadt. Aus dieser Schaffenszeit stammen auch seine berühmtesten Motive: die Markussäule im Mondschein und der Blick auf den Canal Grande. In der Kabinettausstellung, die parallel zu „Natur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Rom“ gezeigt wird, sind neben 50 Papierarbeiten auch zwei Gemälde mit diesen Erfolgsmotiven zu sehen.

Der Tipp: Die Kuratorinnen-Führung mit Maren Hüppe am Dienstag, 5. Mai, um 18 Uhr.

Remix. Photographie – Fiktion und Wahrheit (seit 25. Februar)

Kann man Photographie heute noch glauben? Und welche Aufgabe kann sie übernehmen in Zeiten von KI und Deep Fakes? Die Kunsthalle erweitert ihre Sammlungsausstellung Remix um vier Räume und zeigt dort eine Auswahl historischer und zeitgenössischer Photographie. Präsentiert werden Arbeiten von Bernd und Hilla Becher, Candida Höfer, Richard Mosse, Sebastian Riemer, Ricarda Roggan, Thomas Ruff, August Sander, Taryn Simon, Thomas Struth und Heinrich Zille. Die Photographien sind teils Neuzugänge aus der eigenen Sammlung, teils Dauerleihgaben aus der Sammlung Ültzen sowie Leihgaben aus der Sammlung Lothar Schirmer. Viele der ausgestellten Kunstwerke sind zum ersten Mal in der Kunsthalle Bremen zu sehen.

Der Tipp: Öffentliche Führungen am Ostersonntag, 5. April, sowie weiteren Sonntags-Terminen jeweils um 11 Uhr.

Dauerausstellung Pipilotti Rist. Pixelwald Wisera

Der einzige Pixelwald der international gefeierten Videokünstlerin Pipilotti Rist in einer deutschen Sammlung: Die Rauminstallation gleicht einem verwunschenen Wald, der sich im Museum ausgebreitet hat, und lädt ein sich darin zu verlieren. Als wäre ein Bildschirm explodiert, schweben Lichter als Pixel im Raum, ohne geometrische Linien und Perspektiven zu zeigen. In Verbindung mit eigens komponierter Musik entsteht eine traumhafte, sinnliche Erfahrung.

Der Tipp: Die öffentliche Führung „Erlebnisräume“ bringt den Teilnehmern am Sonntag, 19. April, um 11 Uhr neben dem Pixelwald Wisera weitere immersive Installationen von James Turrell und Ben Vautier nahe.

Vortrag Nerlys Rom und die Erfindung der deutschen Kunst am Dienstag, 14. April, 19 Uhr

Wie Friedrich Nerly verließen viele junge Maler ihre Heimat, um in Italien die Deutsche Kunst neu zu erfinden. Golo Maurer von der Bibliotheca Hertziana in Rom spürt dieser Bewegung und Nerlys Rolle nach.

Let’s Talk – Paula Modersohn-Becker am Dienstag, 14. April, 19 Uhr

Blicke und ihre Bedeutungen: Kunstgespräch (nicht nur) für junge Menschen mit „New Perceptions“, dem Jugendkuratorium der Kunsthalle Bremen.

Nähere Informationen: Kunsthalle Bremen, Am Wall 207, 28195 Bremen, Telefon: +49 (0)421 – 32 9080, Fax +49 (0)421 – 32908470, E-Mail: info@kunsthalle-bremen.de

Neues aus der Welt der Kunst in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Ausstellung „Art She Crafted“ würdigt Künstlerinnen (Von Edo Dijksterhuis, erschienen in der Museumstijdschrift)

Kunst ist eine Angelegenheit der Männer, das wurde lange Zeit angenommen. Aber diese Einstellung führt dazu, dass all die Frauen vergessen werden, die als Künstlerinnen, Sammlerinnen, Museumsdirektorinnen oder anderweitig zur Kunst beigetragen haben. Die Ausstellung „ Art She Crafted“ im Wereldmuseum Rotterdam zielt darauf ab, überholte Vorstellungen mit einer breiten Präsentation weiblicher Macherinnen zu korrigieren. Dieses Engagement ist spürbar, doch die Fülle an Geschichten und Perspektiven macht die Ausstellung unübersichtlich und die Absicht dahinter unklar.

Zu den ausgestellten Künstlerinnen:

Kritiker bezeichneten ihren Stil als „Hiroshima-Chic“ und ihre Fans werden „die Krähen“ genannt, weil sie schwarze Kleidung bevorzugten. Doch Rei Kawakubo (*1942) gilt auch als einer der größten Modeinnovatorinnen aller Zeiten. Die Gründerin der Marke Comme des Garçons entwickelte eine völlig einzigartige Designsprache mit lässigen, ausgefransten, übergroßen Taschen, asymmetrischen Passformen, Löchern, die man nicht erwartet, und einer geschlechtsneutralen Silhouette. Und das tat sie als Frau, in einer der patriarchalischsten Gesellschaften der Welt, in der Macho-Ära par excellence: Japan in den 1980-er Jahren.

Kawakubos „Crush-Rock“und -Oberteil aus der Frühjahr/Sommer-Sammlung 2012, die jetzt im Wereldmuseum Rotterdam zu sehen sind, zeigen ihre unangefochtene Meisterschaft. Das Outfit besteht aus einem riesigen Stück cremefarbenem Stoff mit origamiähnlichen Falten, das dann mit einem Seil umwickelt wird, sodass es fast zu einer Roulade wird. Körper und Kleidung werden so in eine neue Beziehung gepresst, die an den Slogan erinnert, mit dem Kawakubo anderthalb Jahrzehnte zuvor eine Kollektion bewarb: „Body Meets Dress, Dress Meets Body“(1997). Die japanische Designerin hatte alle Modekonventionen über Bord geworfen und Kleidung in tragbare Skulpturen verwandelt.

Der Titel der Ausstellung im Wereldmuseum, „Kunst, die sie geschaffen hat“, ist daher für wenige Macherinnen ebenso anwendbar wie für Kawakubo. Ihre Arbeit gilt als ‚Handwerk‘, steht aber auf der Ebene autonomer ‚Kunst‘.

Die weinende Frau in Guernica

„Warum gab es keine großen weiblichen Künstlerinnen?“, fragte sich die Kunsthistorikerin Linda Nochlin in ihrem gleichnamigen Buch von 1971. Die Antwort ist einfach: Sie waren da, aber sie wurden nicht gesehen. Was sie machten, wurde als Hausarbeit oder höchstens als angewandte Kunst abgetan. Ihre auferlegte Rolle war eine passive, als Modell und Muse. Zum Beispiel kannte jeder Dora Maar, der ein Video gewidmet ist, als Picassos Geliebte und die ‚weinende Frau‘ in seiner Guernica. Erst nach ihrem Tod wurde bekannt, dass sie selbst eine mehr als verdienstvolle Fotografin und Malerin war.

„Art She Crafted“ handelt von weiblichen Macherinnen, die nie die Anerkennung erhielten, die sie verdienten, aber inzwischen einen großen kulturellen Einfluss hatten. Sie reicht von anonymen palästinensischen Frauen, die ihre nationale Identität mit Stickerei prägen, bis hin zu Frauen in Tonga, die Rindentuch für religiöse und soziale Zwecke herstellen. Aber auch Frauen, die entgegen der Strömung berühmt wurden. Wie Fong-Leng (*1937), Designerin von üppigen Roben, oder Shirin Neshat (*1957), die iranische Künstlerin, die weiß, wie man islamische Ästhetik mit revolutionär-feministischem Elan verbindet.

„Art She Crafted“ beschränkt sich nicht nur auf Schöpferinnen. Jemand wie Safia Farhat (*1924 –+2004), die erste weibliche Direktorin der Kunstakademie in Tunis, erhält ebenfalls einen Platz in der Ausstellung. Nur um darauf hinzuweisen: Frauen spielen unterschiedliche Rollen im Kunstfeld, sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Für alle, die feministische Geschichte ein wenig kennen, scheint das offensichtlich, aber anderen weniger, die Männer und Frauen, sodass Nochlins ihre Frage 2026 ernsthaft wiederholte.

Mit „Art She Crafted“ schließt Gastkurator Rajae El Mouhandiz daran an, wie in den letzten Jahren der Bereich weiblicher Kunst und Künstlerin in den Fokus gerückt wurde, von der Ausstellung „Masterful Women“ (2019) im Stedelijk Museum Schiedam bis hin zum Forschungsprogramm „Women of the Rijksmuseum“, das 2021 gestartet wurde. In der Ausstellung im Wereldmuseum ist sogar ein ganzer Tisch für relevante aktuelle Literatur reserviert.Was El Mouhandiz bezwecken will, ist die Beobachtung, dass Missachtung nicht nur eine Frage des Geschlechts ist. Klasse, Hautfarbe, Epoche und kultureller Hintergrund bestimmen ebenfalls maßgeblich die Sichtbarkeit einzelner Frauen. Um dies zu unterstreichen, springt die Ausstellung von der Malerei des siebzehnten Jahrhunderts im Dienst der Macht, über den Nahen Osten gesehen durch die Augen einer europäischen Fotografin, zu einer zeitgenössischen Interpretation von Mogulminiaturen, in der eine Frau auf dem Bett das Poster eines schönen Jungen betrachtet.Man spürt den Drang, die Geschichte richtigzustellen und die Begeisterung des Kurators nachzuvollziehen. Aber als Besucher fühlt man sich schnell überfordert. Die zu langen Erklärungen helfen nicht, auch weil sie in kleinen Schriften auf Schildern gedruckt sind, die viel zu niedrig platziert sind und man beim Lesen ununterbrochen vom gesprochenen Text der Videos unterbrochen wird. „Art She Crafted“ ertrinkt daher in einem Übermaß an guten Absichten und einem Mangel an Richtung.

Nähere Informationen: Wereldmuseu, Rotterdam, Willemskade 25, 3016 DM Rotterdam, Telefon: +31 10 270 7172, Internet: https://rotterdam.wereldmuseum.nl

Leitern und Treppen in der Kunsthal Kade Amersfoort (von Ulrike Neyens)

Eine vierzehn Meter hohe bronzene Leiter entlang der Autobahn in Amersfoort ragt in den Himmel. „Die Leiter“(1994) von Armando (*1929 – +2018) erinnert an die Opfer von Kamp Amersfoort während des Zweiten Weltkriegs. Für Armando, der als Kind mit Lagergefangenen in Kontakt kam und von diesen Erfahrungen tief berührt wurde, geht es vor allem um die Symbolik der Leiter: ein Mittel, Freiheit zu finden.

Inspiriert von diesem Werk zeigen in der Kunsthal Kade Amersfoort mehr als vierzig Künstler, was eine Leiter oder Treppe für sie bedeutet, mit alten oder neuen Werken wie „Stairway to..?“. Die Ausstellung umfasst die beiden Stockwerke des Gebäudes, die natürlich durch eine Treppe miteinander verbunden sind.

Unten führen die Installationen den Blick der Betrachter nach oben. Die neun Meter hohe Papierleiter „Border Fall Height“ (2025) von Tanya Aguiñiga (*1978) wurde mit Drucken von Objekten gefertigt, die sie nahe der Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko gefunden hatte. Das Werk bezieht sich nicht nur auf die physische Höhe der Grenze, sondern auch auf die Diskriminierung, der Migranten ausgesetzt sind. Das zerbrechliche Papier spiegelt die geistigen Auswirkungen auf Migranten wider, und die Höhe macht die monumentalen Hindernisse und systematischen Missverständnisse sichtbar.

Oben erwecken kleinere Werke und Videos persönliche Geschichten zum Leben. In einem Auszug aus dem beeindruckenden Dokumentarfilm„Sky Ladder“ (2016) von Cai Guo-Qiang (1957) zeigt er, wie er eine 500 Meter lange Feuerwerksleiter über Quanzhou in China als Hommage an seine Kindheit und seine Liebsten entzündete. „Stairway to…?“ zeigt, wie die Treppe für viele Künstler ein Symbol für Vorstellungskraft und Hoffnung ist und schwere soziale Themen darstellen kann.

Nähere Informationen: Kunsthal Kade, Eemplein 77, (Eemhuis), 3812 EA, Amersfoort, Telefon: 033 4225030, E-Mail: info@kunsthalkade.nl

Frauen des Widerstands – Kunst als Erinnerung

Vom 11. April bis 10. Mai präsentieren das Comité 40-45 Hoorn und die Künstlervereinigung De Boterhal die Ausstellung „Frauen des Widerstands – Kunst als Erinnerung“in De Boterhal. Die Ausstellung rückt die oft vergessenen Frauen ins Rampenlicht, die während des Zweiten Weltkriegs eine entscheidende Rolle im Widerstand spielten, und rückt ihre Geschichten durch zeitgenössische Kunst wieder ins Rampenlicht.

Obwohl Frauen im Widerstand lange wenig Aufmerksamkeit erfuhren, wächst die Anerkennung für ihre mutigen Taten. Forschungen der North Holland Archives haben in den letzten Jahren eine wachsende Liste von ‚vergessenen‘ Widerstandsfrauen zutage gefördert. Hoorn hatte auch eine reiche Tradition von Frauen, die gegen Unterdrückung vorgingen: Frauen, die Botschaften weitergaben, Menschen versteckten oder heimlich Widerstand organisierten. In einer Zeit, in der Freiheit weltweit noch nicht selbstverständlich ist, bietet diese Ausstellung die Gelegenheit, über ihre Bedeutung – damals wie heute – nachzudenken.

„Women of Resistance – Art as Memory“vereint Geschichte und Kunst in einer Geschichte. Die historische Ebene zeigt Fotografie und Kontext über Hoorn-Widerstandsfrauen, darunter Henny Schat, Truus Menger, Aaf Dell, Dieuw van Vliet, Trien de Haan, Nellie de Haan, Odile Moereels, Lies Langereis und Gré Visser. Sie standen für Mut, Integrität und zivilen Ungehorsam in Zeiten, in denen dies nicht ohne Gefahr war.

Nähere Informationen: De Boterhal, Kerkplein30, Hoorn, Telefon: +31 229217429, E-Mail: info@boterhal.nl, Internet: www.boterhal.com

Frau, Leben, Freiheit – Widerstand der iranischen Frauen

Unter dem Slogan „Frau, Leben, Freiheit“ gingen die Iraner Ende 2022 auf die Straße, was zu einer globalen Bewegung heranwuchs. Die Ausstellung „Frau, Leben, Freiheit – iranischer Frauenwiderstand“ im Niederländischen Widerstandsmuseum in Amsterdam, die dort noch bis zum 16. August zu sehen ist,hebt die Vielseitigkeit dieser Bewegung hervor und stellt diesen Widerstand in einen langen historischen Kontext. Im Zentrum steht die Stärke und Widerstandsfähigkeit von Frauen und anderen Iranern, die trotz großer Risiken Unterdrückung und Ungleichheit widerstehen.

Da die Iraner 2026 erneut massenhaft auf die Straße gingen, um gegen das Regime zu demonstrieren, und diese Proteste blutig mit einer beispiellosen Zahl von Todesopfern niedergeschlagen wurden, zeigt das Widerstandsmuseum die Geschichten hinter der Protestwelle, die Ende 2022 im Iran ausbrach. Der Grund für diese Protestwelle war der Mord an der 22-jährigen kurdisch-iranischen Jina Mahsa Amini durch die iranische Sittenpolizei, weil sie angeblich ihr Kopftuch nicht richtig trug. Iraner aller Geschlechter, sozialen Gruppen und ethnischen Hintergründe wandten sich gegen das Regime. „Frau, Leben, Freiheit“ ist ursprünglich ein kurdischer Slogan: „Jin, Jiyan, Azadî“. Unter der persischen Übersetzung „Zan, Zendegī, Āzādī“ wuchs die Protestbewegung zu einem landesweiten Aufstand heran. Die englische Übersetzung wurde international bekannt. Die Proteste wurden weltweit verfolgt.

Die Bewegung Frau, Leben, Freiheit kämpft für gleiche Rechte für Frauen sowie für Wahlfreiheit und Gleichheit aller Iraner. Gerade weil Frauen oft die am stärksten unterdrückte Gruppe sind, bildet ihr Kampf das Herzstück einer breiteren Widerstandsbewegung.

Nähere Informationen: Niederländisches Widerstandsmuseum, Plantage, Kerklaan 61, Amsterdam, Telefon: +31 206202535, E-Mail: info: verzetsmuseum.org, Internet: www.verzetsmuseum.org

Skulpturenpark Waldfrieden im April

Der Frühling ist im Park angekommen – und mit ihm eine Zeit des Aufbruchs, der Inspiration und neuer Perspektiven. Das Programm des Skulpturenparks Waldfrieden in Wuppertal lädt dazu ein, Kunst und Umgebung in besonderer Atmosphäre neu zu entdecken.

Mit „Rebecca Horn – Emotion in Motion“ präsentiert der Skulpturenpark eine große Retrospektive, die das vielseitige Schaffen dieser außergewöhnlichen Künstlerin aus vier Jahrzehnten zeigt. Im gesamten Park, in der Villa Waldfrieden und in allen Ausstellungshallen begegnen Ihnen beeindruckende Installationen und kinetische Werke, die Bewegung und Emotion auf einzigartige Weise vereinen.

Begleitend dazu lädt der Skulpturenpark zu öffentlichen Führungen ein – von spannenden XL-Sonderführungen über Kinderführungen bis hin zu thematischen Kurzführungen.
Auch kulinarisch kann der Frühling beim Architektur Apéro in der Villa Waldfrieden genossen werden – wo architektonische Einblicke auf die feinen Köstlichkeiten des Café Podest treffen.
Ein besonderes Filmhighlight ist im April die Filmreihe zu Rebecca Horn: Zu sehen sind „Buster’s Bedroom“ und „Moon Mirror Journey“.

Programm im Überblick

Rebecca Horn – Emotion in Motion

Der Skulpturenpark Waldfrieden präsentiert seit dem 14. März 2026 eine umfassende Einzelausstellung der 2024 verstorbenen Künstlerin Rebecca Horn (*1944 – +2024). Die retrospektiv angelegte Schau vereint großformatige Installationen und kinetische Kunstwerke aus vier Jahrzehnten und zeigt in allen Ausstellungshallen sowie in der Villa Waldfrieden das vielseitige, medienübergreifende Schaffen einer der bedeutendsten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts (siehe auch Einzelartikel über Rebecca Horn auf dieser Seite).

(XL-) Führungen durch die Wechselausstellung jeweils sonntags

Im Rahmen einer Sonderführung bringt der Skulpturenpark den Besuchern am Sonntag, 12. und 26. April, Beginn 12.30 Uhr, die Ausstellung im XL-Format (120 Min.) durch alle drei Ausstellungshallen näher. Zu beachten ist, dass der Rundgang nur für geübte Spaziergänger geeignet ist. Etwas gemächlicher geht es bei der Führung am 15. und 19. April um 13 Uhr (90 Min.) zu, die sich auf zwei der Ausstellungshallen mit Werken von Rebecca Horn konzentriert.

Im Fokus: Der menschliche Körper im Werk von Rebecca Horn am Sonntag, 26. April, 11.15 Uhr

Die Kurzführungen „im Fokus“ im Skulpturenpark vermitteln vertiefende Informationen zu ausgewählten Fragestellungen oder Themen der Wechsel- oder Dauerausstellung. Diese Rundgänge sind auch für Besucherinnen und Besucher gedacht, die den Park bereits kennen und Neues erfahren möchten.

Infos: Dauer: 60 Minuten, Treffpunkt: Mittlere Ausstellungshalle, Kosten: 5 Euro zuzüglich Eintritt, Anmeldung per E-Mail an mail@skulpturenpark-waldfrieden.de oder unter der Telefonnummer 0202 47898120.

Überblicksführungen durch den Skulpturenpark

Im Rahmen der Überblicksführung erfahren die Teilnehmer Wissenswertes zur Geschichte des Skulpturenparks, der Kunst Tony Craggs, der Architektur der Villa Waldfrieden und den aktuellen Wechselausstellung. Sie finden samstags und sonntags und an Feiertagen jeweils von 15 bis 16.30 Uhr statt.

Architektur Apéro in der Villa Waldfrieden am Sonntag, 26. April, 16.30 Uhr

Die zweigeschossige Villa Waldfrieden wurde zwischen 1947 und 1950 im organischen Baustil errichtet. Aus konservatorischen Gründen ist das Bauwerk heute nicht öffentlich zugänglich. Der „Architektur Apéro“ lädt dazu ein, die ehemalige Unternehmervilla von Dr. Kurt Herberts kennenzulernen. Im Rahmen der Besichtigung werden Informationen zur architektonischen Bedeutung des Bauwerks, seiner Geschichte und der heutigen Nutzung vermittelt. Das exklusives Kunsterlebnis wird gastronomisch begleitet durch das Team vom Café Podést.

Nähere Informationen: Skulpturenpark Waldfrieden, Hirschstr. 12, 42285 Wuppertal, Telefon +49 (0)202-47898120, E-Mail: mail@skulpturenpark-waldfrieden.de