Museum Lehmbruck präsentiert: Dejan Sarić. In Between

Vom 3. Juli bis 13. Dezember

Für das Lehmbruck Museum hat der Bildhauer und Maler Dejan Sarić ein Gesamtkunstwerk geschaffen: Malerei, Zeichnung, Objektkunst und Architektur verbinden sich zu einem faszinierenden Kosmos von Farben, Formen und ihren Spiegelungen.

Im Zentrum der Studioausstellung stehen zwei begehbare Installationen, von denen eine speziell für die Räumlichkeiten des Museums entworfen wurde. Es handelt sich um Holzkonstruktionen, die nach außen hin nicht preisgeben, was den Eintretenden im Inneren erwartet. Die erste Version von Place to Be hat im Sommer 2024 im Düsseldorfer Kunstpalast im Rahmen der Ausstellung „DIE GROSSE“ erhebliche Aufmerksamkeit erweckt.

Wer sich in die Konstruktion hineinbegibt, findet sich umgeben von teils farbigen, teils transparenten Streifen und Reflektionen. Bei der Bewegung durch den Raum entstehen fortlaufend neue Eindrücke: Man sieht sich selbst in immer wieder neuen Perspektiven und Ausschnitten. Es entsteht ein Labyrinth, doch die Desorientierung löst in diesem Fall eher Freude als Unbehagen aus. Die beweglichen farbigen Elemente können vom Betrachtenden eigenhändig umpositioniert werden, so dass der Raum sich ständig verändert.

Die neue, speziell für die Ausstellung entwickelte Arbeit kehrt die Position der farbigen Streifen und Spiegel um: Haben vorher die Spiegel die Außenwände gebildet und die Streifen das Innere, so hängen nun zahlreiche Spiegelstreifen von der Decke herab und die Wände sind mit Farbmustern bedruckt. Ein kleiner Lufthauch versetzt die schmalen Spiegel in Bewegung und lässt einen kaleidoskopischen Eindruck entstehen. Unsere Reflektionen und somit auch wir selbst werden Teil des Kunstwerks. Beide Arbeiten spielen mit unserer Wahrnehmung und der Fasziniation von Farben und Spiegelungen. Durch die Kombination von statischen und beweglichen Elementen entstehen dynamische Raumsituationen, die je nach Standpunkt und Bewegung anders wahrgenommen werden.

Zwei frühere Ölgemälde von 2009, die im Bereich der Werkstatt ausgestellt sind, lassen erkennen, auf welcher Basis die farbigen Muster der großen Installationen entstanden sind: Die Innenwände der begehbaren Installationen sind abfotografierte und vergrößerte Bilder dieser Reihe. Es sind Raster aus farbigen, zum Teil leicht verwischten Streifen, die sich überlagern, Zwischenräume und eine netzartige Struktur bilden.

Farbige Ellipsen kennzeichnen die ausgestellte Serie von acht großformatigen Zeichnungen aus dem Jahr 2020. Dejan Sarić spielt hier mit einer Abfolge von Farben, deren Grundmuster, nämlich Form und Anordnung, immer gleich bleibt, nur wird bei jeder Zeichnung jeweils ein Element der vorangegangenen weggelassen. Durch dieses einfache Mittel entstehen immer wieder unterschiedliche Farbstimmungen. Das Format der Zeichnungen entspricht in etwa der Größe eines Menschen, so dass die betrachtenden Personen und die exzentrischen „Augen“ der Ellipsen sich in Blickhöhe gegenüberstehen.

Auf das menschliche Maß bezogen sind auch die 33 kleinen Reliefs, die in der Ausstellung eine lange Reihe bilden. Die aus jeweils vier quadratischen Modulen zusammengesetzen Elemente sind 2024 bis 2026 entstanden und verstehen sich als Modelle für architektonische Räume. Der Maßstab beträgt 1:20, so dass jedes Viertelquadrat etwa zwei Meter hoch und breit ist. Aus den Modulen lassen sich Räume und Korridore, Gassen und Kreuzungen bilden.

So greifen alle Motive und Werkreihen der Ausstellung ineinander und sind zusammengehörige Elemente in verschiedenen Maßstäben. Grundlegend für das Verständnis des Werkbegriffs von Dejan Sarić ist das Gegenüber beziehungsweise das Miteinander von Werk und Mensch. Folgerichtig ist die Präsentation „In Between“ eine Einladung, Kunst nicht nur zu betrachten, sondern sie durch Bewegung und Interaktion zu erfahren.

Biografie

Dejan Sarić wurde 1966 im früheren Jugoslawien, in Smederevska Palanka, Serbien, geboren. Nach einigen Semestern an der Fachhochschule für Medizin in Belgrad begannn er 1989 ein Studium der Malerei an der Fakultät für bildende Kunst der Universität der Künste in Belgrad. 1994 bis 1997 war er dort Meisterschüler an der Fakultät für bildende Kunst bei Prof. M. Stevanović. Von 1998 bis 2002 absolvierte er im Rahmen eines DAAD-Stipendiums ein Gaststudium für Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Magdalena Jetelová. Seit 2010 ist er Mitglied des Vereins der Düsseldorfer Künstler 1844. 2024 begann er eine Tätigkiet als Gastdozent an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Alfter bei Bonn. Dejan Sarić lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Nähere Informationen: Lehmbruck Museum, Friedrich-Wilhelm-Straße 40, 47051 Duisburg, Telefon: +49 (0)203 283-3294, Fax: +49 (0)203 283-3892, E-Mail: infolehmbruckmuseum.de

Eine neue Website

Das Museum de Fundatie in Zwolle hat eine neue Website. Diese Website wurde unter der neuen Unternehmensidentität des Museum de Fundatie erstellt.

Sie ist frischer, klarer und mit mehr Platz für alles, was das Museum de Fundatie ausmacht: Kunst, Schöpfer, Besucher, Geschichten, Orte und Begegnungen. Die neue Website wurde vom Kreativstudio „Avec Sans“ entworfen und erstellt, und die Inhaltsbearbeitung wurde von der KV Kennisontwikkeling übernommen.

Wer die neue Website besucht, findet schneller den Weg zu dem, was es zu sehen gibt, und erledigt es. Nicht nur in den Museen in Zwolle und Heino, sondern auch entlang der Kunstwegen und an anderen Orten, an denen das Museum de Fundatie Gast ist. Praktische Informationen zu Öffnungszeiten, Tickets, Barrierefreiheit und Barrierefreiheit sind klar organisiert, damit ein Besuch leichter geplant werden kann.

Raum für Vertiefung

Aber die Website ist mehr als nur ein praktischer Leitfaden. Es gibt auch viel Raum für Vertiefung. In neuen Abschnitten können Sie Geschichten hinter Ausstellungen lesen, Künstler treffen, entdecken, wie Kunstwerke und Ausstellungen entstehen, und in die Geschichte des Museums und seiner Sammlung eintauchen.

Familien, Schulen und Besucher mit Fragen zur Barrierefreiheit erhalten ebenfalls einen klareren Platz. Unter dem Titel „Kunst ohne Barrieren“ zeigt das Museum de Fundatie, wie das Museum einen Besuch gewährleistet, der für möglichst viele Menschen angenehm, verständlich und willkommen ist.

Darüber hinaus wird dem gesamten Museumserlebnis mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Ein Besuch im Museum de Fundatie bedeutet nicht nur, Kunst zu betrachten, sondern auch durch besondere Gebäude zu schlendern, durch den Skulpturenpark zu schlendern, im Museumscafé zu plaudern, etwas aus dem Museumsladen zu nehmen oder an einer Aktivität teilzunehmen.

Mit der neuen Website möchte das Museum de Fundatie die Besucher besser in die Vielfalt des Angebotes des Museums einführen. Die Seite orientiert sich an dem Ziel des Museums, ein offener, dynamischer, verbindender und neugieriger Ort für ein breites Publikum zu sein.

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Eine Postkarte führt zum Erfolg

DHM restituiert Bronzerelief an die Stadt Dinant

Manchmal ist es ein unscheinbares Objekt, das eine ganze Geschichte ins Rollen bringt: Im Fall eines Bronzereliefs aus der Sammlung des Deutschen Historischen Museums (DHM) war es eine Postkarte aus dem Jahr 1930. Sie zeigt ein Denkmal in der belgischen Stadt Dinant mit einem Relief, das sich bis vor kurzen in der Sammlung des DHM befand. Erste Recherchen zeigten, dass die Reliefplatte später am Denkmal fehlte.

Die historische Aufnahme wurde zum Ausgangspunkt intensiver, proaktiver Provenienzrecherchen, die nun in der Restitution des Kunstwerks gipfelten: Am 12. Juni 2026 übergab Raphael Gross, der Präsident der Stiftung Deutsches Historische Museum, das Bronzerelief des belgischen Bildhauers Frans Huygelen (*1878 – +1940) im Rahmen einer offiziellen Zeremonie an die Stadt Dinant.

Erinnerung an ein deutsches Kriegsverbrechen

Das um 1927 entstandene Relief war Teil eines Denkmals, das an die Erschießung von über 670 belgischen Zivilistinnen und Zivilisten durch deutsche Soldaten am 23. August 1914 erinnert. Die Ereignisse gehören zu den schwersten Kriegsverbrechen der frühen Phase des Ersten Weltkriegs und prägen bis heute das historische Gedächtnis der Stadt.

Richard Fournaux, Bürgermeister von Dinant, würdigte die Rückgabe als wichtigen Schritt: „Seit den Massakern und der Zerstörung der Stadt am 23. August 1914 fiel es den Einwohnern von Dinant schwer, sich resilient zu zeigen und die Beziehungen zum deutschen Volk wieder aufzubauen. […] obwohl wir alle zu Europäern geworden waren. Im Mai 2001 haben wir gemeinsam unsere Versöhnung gefeiert. Seitdem haben sich die Kontakte vervielfacht.  Die Rückgabe des Bronzereliefs stellt eine neue, äußerst symbolträchtige und feierliche Etappe dar.“

Auch der deutsche Botschafter in Belgien, Martin Kotthaus, betonte die Bedeutung des Ereignisses für die deutsch-belgischen Beziehungen: „Die glückliche Rückkehr des Bronzereliefs […] schließt eine Lücke in der Versöhnung zwischen Dinant, Belgien und Deutschland. […] Gerade heute, da wir wieder Hass und Gewalt im Osten unseres Kontinents sehen, müssen wir uns stets bewusst sein, dass Frieden und Versöhnung möglich, aber nicht selbstverständlich sind. Ein jeder von uns kann dazu beitragen. Jeden Tag. Ich bin […] den Menschen in Dinant zutiefst dankbar für die ausgestreckte Hand und Freundschaft der letzten Jahrzehnte und freue mich sehr, dass das Bronzerelief am 12. Juni 2026 nach Hause kommt.“

Das Relief war 1942 während der deutschen Besatzung auf Anweisung des deutschen Kriegskommandanten von Dinant und Philippeville entfernt worden. Vermutlich wurde es anschließend nach Berlin in das damalige Heeresmuseum im Zeughaus gebracht und ging später mit der Gründung 1952 in den Bestand des Museums für Deutsche Geschichte (MfDG) über. Nach der Wiedervereinigung 1990 übernahm das DHM die Sammlungen des MfDG.

Provenienzforschung mit positiven Konsequenzen

Die Rückgabe des Reliefs steht exemplarisch für die zentrale Aufgabe der Provenienzforschung am DHM: die Herkunft von Sammlungsobjekten zu klären und historische Unrechtskontexte offenzulegen. Raphael Gross unterstrich die Bedeutung der Restitution: „Es ist für das DHM ein wichtiges Anliegen, dass das Werk nun nach fast 100 Jahren an seinen ursprünglichen Ort in Dinant zurückkehrt.“

Mehr als hundert Jahre nach den Ereignissen des Ersten Weltkriegs zeigt dieser Fall, dass Provenienzforschung nicht nur der Klärung von Besitzverhältnissen dient, sondern auch einen Beitrag zu Erinnerung, Verantwortung und Versöhnung leisten kann.

Nähere Informationen: Museumsverein des Deutschen Historischen Museums, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, Telefon: +49 30 814535510, E-Mail: kontakt@dhm-museumsverein.de

Neues aus der Welt der Kunst in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden und manches mehr aus der Welt der Kunst. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Vorschau: Interview mit Carlijn Kingma über die Maschinerie hinter der Wohnungskrise

Eine Schlange führt an den Schaltern vorbei, Geld fließt durch Rohre und Politiker drehen am unteren Ende Hebel. In der monumentalen Zeichnung The Machinery of Public Housing vereint Carlijn Kingma die niederländische Wohnungsnot in einer großen Karte. Ihre gezeichnete Welt ist das Ergebnis umfangreicher Forschung. Kingmas Werk ist ab dem 30. Juni in Singer Laren zu sehen. „Wir haben ein System eingerichtet, das Ungleichheit fördert.“

Am 24. Juni veröffentlichte das digitale Magazin Museumtijdschrift+ ein Interview mit Carlijn Kingma über ihre Arbeitsweise, die Entstehung von „The Machinery of Public Housing“ und die Art und Weise, wie sie komplexe Systeme in Bilder übersetzt. Hier ein Auszug:

Mit dem dünnsten technischen Zeichenstift zeichnete Carlijn Kingma (1991) eine monumentale Karte von 113 mal 150 Zentimetern. Die Maschinerie des öffentlichen Wohnungsbaus zeigt die Wohnungskrise als ein großes, komplexes Apparat, in dem Geldströme, Regeln, Interessen und politische Entscheidungen ständig miteinander interagieren. Links befindet sich der bestehende Wohnungsbestand, rechts die schwächelnde Neubauproduktion. An der Spitze stehen die Banken, unten die politische Arena. Dazwischen bewegen sich Mieter, Hausbesitzer, Wohnungsbaugesellschaften, Projektentwickler und Gemeinden durch dieselbe Maschine.

Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit der Online-Forschungsplattform Follow the Money ins Leben gerufen. Es gibt auch eine animierte Videotour davon. Eine Reproduktion von Die Maschine des öffentlichen Wohnungsbaus wurde zuvor an verschiedenen Orten in den Niederlanden gezeigt, und das Original ist nun erstmals in Singer Laren ausgestellt, zusammen mit mehreren Karikaturen, in denen Kingma einzelne Mechanismen aus der Wohnungskrise weiter erläutert.

Zweitausend Stunden

„Ich begann mit The Machinery of Public Housing ungefähr, als ich mit ihr schwanger wurde.“ Kingma betrachtet das neugeborene Baby auf ihrem Schoß. Es ist ein warmer Tag in einem Jugendstilhaus in Zutphen, wo sie mit ihrem Freund und Partner Thomas Bollen lebt und arbeitet. Ihre Schwangerschaft dauerte neun Monate; Im gleichen Zeitraum arbeitete sie insgesamt etwa zweitausend Stunden an der Zeichnung. Normalerweise zieht sich Kingma während der Zeichnungsphase eines Projekts monatelang zurück. Sie arbeitet lange Stunden und konzentriert sich konzentriert auf das Papier. Mit einem Baby auf dem Schoß ist es weniger einfach, Arbeit und Alltag zu trennen.

„Kunstfertigkeit und Elternschaft zu verbinden, ist ziemlich suchend. Jetzt liegt ein Baby neben mir, wenn ich zeichne. Ich höre draußen mit ihr Podcasts und Hörbücher, und ich habe einen Weg gefunden, mit meinem Skizzenbuch im Kinderwagen zu arbeiten. Dann schaut sie sich ein wenig die Bäume an.“ So wie Arbeit und Privatleben in dieser Zeit miteinander verflochten sind, zeigt Kingma in ihren Zeichnungen, wie soziale Systeme das tägliche Leben beeinflussen – in diesem Fall etwas so Grundlegendes wie Wohnen.

Unbekanntes Gebiet

Nach zwei Jahren Forschung in Zusammenarbeit mit Bollen wandelte Kingma niederländischen Sozialwohnungen in ein gezogenes System um. Wohnen ist eine grundlegende Lebensnotwendigkeit, aber für immer mehr Menschen ist ein Dach über dem Kopf unerreichbar. Laut Kingma und Bollen ist die aktuelle Wohnungskrise nicht von selbst entstanden: Das System wurde so angepasst, dass das Leben immer weniger um ein sicheres und komfortables Zuhause geht und immer mehr um Immobilienbesitz und Kapitalwachstum.

Kingma nennt sich selbst Kartografin. „Für mich kommen hier die Rollen von Forscherin und Künstler zusammen.“ Sie vergleicht ihre Arbeitsweise mit dem Betreten von unbekanntem Terrain. „Es fühlt sich an, als würde ich mit meinem Freund Thomas in ein Land eintreten, in dem ich noch nie war. Wir reisen durch diese Welt, während die Menschen uns den Weg zeigen und sagen: So sieht die Landschaft aus. Die Karte wächst langsam und wird immer detaillierter. Du musst all diese Teile sammeln und sie wie Puzzleteile zusammensetzen.“

Weiterlesen und Gewinnspiel

Das vollständige Interview mit Carlijn Kingma kann seit dem 24. Juni in der Museumtijdschrift+-App in der Museumtijdschrift-App gelesen werden. Am Mittwoch, 1. Juli, wird die Ausstellung von einem Abendprogramm begleitet, mit Carlijn Kingma, Thomas Bollen, der Autorin Maaike Schoon, Professor Edwin Buitelaar und weiteren Rednern. Die Museumstijdschrift kann 2×2 Tickets für das Abendprogramm verschenken.

Nähere Informationen: Museum Singer Laren, Oude Drift 1, 1251 BS Laren, Telefon: (035) 5393939, E-Mail: museum@singerlaren.nl

König eröffnet restauriertes Kunstwerke im Kröller-Müller-Museum später

Eigentlich sollte der niederländische König Willem-Alexander am Freitag, 26. Juni, das restaurierte Kunstwerk „Kijk Uit Attention“ (1986–2005) im Skulpturengarten des Kröller-Müller-Museums in Otterlo eröffnen. Dieser Termin ist wegen der Hitze verschoben worden.

Das Werk von Krijn Giezen (*1939 – +2011) besteht aus einem ungewöhnlichen Spaziergang durch den Wald, der zu einer 87 Meter langen Treppe über den Baumwipfeln führt. Giezen entwarf das Werk eigens für den Skulpturengarten des Kröller-Müller-Museums. Nach einem langen Realisierungsprozess wurde „Kijk Uit Attention“ 2005 vorgestellt. Während der jüngsten Restaurierung wurde die Treppe in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Seitengeländer wurden auch am unteren Teil der Treppe, der im Sand liegt, angebracht.

Die Treppe hat 300 Stufen und bietet einen Blick über einen Teil des Nationalparks De Hoge Veluwe. Seit Samstag, 27. Juni, kann die Öffentlichkeit das Kunstwerk wieder besteigen.

Nähere Informationen: Das Kröller-Müller-Museum ist dienstags bis sonntags von10 bis 17 Uhr geöffnet. Kontakte sind unter der Telefonnummer (0031) 0318 591241, im Internet auf www.kmm.nl und per Email an info@kmm.nl möglich.

Wie Wein im Glas – Kolumne von Pauline Broekema

Als Kolumnistin für die Museumstijdschrift teilt Pauline Broekema in jeder Ausgabe ihre persönlichen künstlerischen Beobachtungen. In dieser Kolumne von Nr. 4 • 2026 trifft sie die Künstlerin und Schriftstellerin Octavie Wolters in ihrem Atelier und dem umliegenden Naturschutzgebiet. Wolters fühlt sich in dieser Natur zu Hause, wo sie Inspiration für ihre Drucke und Texte findet.

In der Nähe ihres Hauses und Ateliers, im ehemaligen Dorf Maasniel, heute ein Stadtteil von Roermond, befindet sich ein Naturschutzgebiet. Der Künstler und Schriftsteller Octavie Wolters (1977) geht dort fast jeden Tag. Immer zusammen mit ihrem Partner und mit Wiesje, dem Hund. Dort zu gehen ist ihre Art, sich zu entspannen, zu entspannen und Inspiration für ihre Arbeit zu sammeln. Es kann alles sein, was sie im Wald, in der Nähe der Felder oder am Wasser betrifft. Eine Elster, die aufblickt, wenn sie vorbeigeht, drei Seidenreiher in einer Reihe oder eine Amsel, deren Krallen fest um einen Ast klammern.

In einer ihrer Sammlungen von Drucken und Kurzgeschichten seufzt sie: „Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, warum um alles in der Welt Menschen die Welt bereisen wollen, wenn so viel Schönheit in Reichweite liegt.“ Kürzlich informierte sie ihre zahlreichen Follower in den sozialen Medien, die sie regelmäßig mit Tipps versorgt, dass ihre Jacke ein imaginäres Etikett hat, auf dem steht: „Mag keine Feiertage“.

Nah an der Heimat

Warum zieht sie es vor, abgesehen von gelegentlichen Ausflügen, in der Nähe ihres Zuhauses zu bleiben? Ich habe sie nicht gefragt, als wir uns kennengelernt haben. Aber wenn ich über unser Gespräch nachdenke und ihre Arbeiten betrachte, Linolschnitte oft in Kombination mit Texten, komme ich wieder zu dem Schluss, dass das, was sie dort um die Ecke findet, für sie genug ist. Das reicht, um zu tun, was sie will. Sie stellt sich vor, was sie berührt und beschäftigt. Noch mehr Eindrücke und Bilder bringen noch mehr Trubel in ihren Kopf. Und so viel muss dort verstaut werden. Denn unzählige Themen halten sie beschäftigt. Zum Beispiel über die Welt nachzudenken, nah und fern, darüber, wie wir Menschen zusammengesetzt sind, was uns verbindet, was Freiheit gibt und was Trost spendet.

Im Kopf Bild formuliert

Von zu Hause aus hat sie viel Liebe zur Natur und Kunst geerbt. Nach dem Studium der niederländischen Sprache und Literatur, nach dem, was sie als ‚einen verschlungenen Weg‘ bezeichnet, wurde die Kunstfertigkeit zum ultimativen Ziel.

Wenn sie während eines Spaziergangs auf etwas stößt, das sie in irgendeiner Weise berührt oder ihr Auge streichelt, beginnt der Prozess. So wie eine Autorin über den Verlauf der Geschichte, die Charakterzeichnung und die Dialoge nachdenkt, formuliert sie in ihrem Kopf das Bild, das sie erschaffen möchte. Sie liebt diesen Prozess. Ich dachte nachts im Bett über diese eine Frage nach. Wie bringe ich aufs Papier, was ich gesehen und gefühlt habe? Das Glück, die Sanftheit, die Inspiration und manchmal der Trost, den sie daraus zog. „Ich mag diese Denkweise“, sagt sie. Es ist wunderbar, ein solches Ausgangsbild, wie Wein im Glas, in meinem Kopf herumtanzen zu lassen und es wachsen zu lassen.“

So entsteht ein Druck. Das Schneiden des darauffolgenden Linoleums ist eine Technik, die zu ihr passt. Sie liebt das Ausbohren, weil es so einen schönen Rhythmus hat und man beim Abschneiden von Linoleum so schön „sauber“ wird.

Scheunenschwalbe

Ich sehe dieses Vergnügen im Rhythmus des Hervorstechens im Druck der Magnolie und der Schlucke. Es ist der Tulpenbaum aus ihrem eigenen Garten. Jedes Jahr ist sie erstaunt, wie der Baum aus dem Winter entsteht und sich im Frühling entfaltet. Man würde denken: Dann gibt sie diesen aufkeimenden Knospen viel Rosa. Aber das tut sie nicht, und dadurch macht sie die Arbeit noch stärker. Die weiße Blüte gab ihnen nur hier und da einen Farbflieger. Dein Auge macht dann den Rest und mischt den rosa Streifen mit dem Weißen. Das verleiht den Blumen ein charakteristisches helles Rosa und bildet einen festlichen Kontrast zum leuchtenden pastellrosa des Himmels.

Die Scheunenschwalbe ist gerade von einer Reise von Tausenden von Kilometern von seinem afrikanischen Nahrungsgebiet zurückgekehrt. Sie feiert den Frühling. Bald wird sie spektakulär mit anderen Schwalben durch die Luft gleiten. Wolters begegnet ihnen regelmäßig in ihrem Wandergebiet. Sie können hinüberfliegen. Manchmal so tief, dass du denkst, du spürst sie. Dass sie dein Gesicht mit ihren Flügelspitzen streifen. Dass sie dich berühren, so wie der Schluck des Drucks es tut.

Kann Liebe ein Foto sein

Bereits seit 40 Jahren arbeiten die international renommierten Fotografen Inez van Lamsweerde (NL, 1963) und Vinoodh Matadin (NL, 1961) zusammen. Dieses besondere Jubiläum ist der Grund, warum das Kunstmuseum Den Haag das Duo, ursprünglich aus den Niederlanden, zu einer großen Retrospektive einlädt, in der sie auf vierzig Jahre künstlerische Zusammenarbeit zurückblicken.

In der Retrospektivausstellung “Can love be a Photograph – 40 Years of Inez & Vinoodh” wird deutlich, dass das Fotografenduo ständig neue Stile und Techniken erkundet. Anfang der 1990er Jahre gehörten sie zu den ersten Fotografen, die die Möglichkeiten der digitalen Bildgebungstechnologie als Medium erforschten. Sie entwickeln einen unverwechselbaren Stil visueller Verführung, kombiniert mit provokativem Erzählen.

Inez & Vinoodh sind sowohl in der Kunst- als auch in der Modewelt tätig. Seit den 1990er Jahren haben sie bahnbrechende Leitartikel für Publikationen wie Vogue, V Magazine, Visionaire, The New York Times Magazine und W Magazine erstellt. Ihr innovativer Ansatz zeigt sich auch in Kampagnen und Modefilmen für Marken wie Balenciaga, Balmain, Calvin Klein, Chanel, Dior, Gucci, Louis Vuitton, Miu Miu, Valentino und Yohji Yamamoto. Darüber hinaus haben Inez & Vinoodh ihr Fachgebiet auf die Welt von Film und Video ausgeweitet. Sie haben bahnbrechende Musikvideos für Künstler wie Lady Gaga, Björk, Rihanna, Kanye West und Paul McCartney sowie andere inszeniert.

Nähere Informationen: Kunstmuseum Den Haag, Stadhouderslaan 41, Den Haag, Telefon: +31 703381111, E-Mail: info@kunstmuseum.nl, Internet: www.kunstmuseum.nl

Staphorst und die Fotografie – Eine schöne und manchmal schwierige Geschichte

Seit 1937 besteht in dem niederländischen Dorf Staphorst ein Fotoverbot. Eine einzigartige kommunale Verordnung, die noch gilt, aber selten durchgesetzt wird. Obwohl Staphorster es nicht mögen, ohne gefragt fotografiert zu werden, ist ihr Interesse an Fotos groß. In der Tradition des Dorfes gibt es eine Reihe fester ‚Fotomöglichkeiten‘, die sich leicht vom Rest der Niederlande unterscheiden. Zum Beispiel gibt es die Hochzeitsfotos, die ‚Danke, dass Sie bei unserer Hochzeit waren‘-Fotos und die jährlichen ‚Schreibtischfotos‘, auf denen alle Mütter mit Kind für die Kinderklinik aufgenommen werden.

Die Spannung zwischen Anziehung und Abstoßung steht im Zentrum dieser Ausstellung, die gemeinsam mit Wim van Sinderen (ehemaliger Kurator des Haager Museum für Foto) als außerordentlicher Berater geschaffen wurde. Der wichtigste gemeinsame Faden sind natürlich die farbenfrohen Kostüme. Ein Phänomen, das allmählich weniger und damit immer interessanter zu fotografieren wird. Bekannte Fotografen wie Stephan Vanfleteren, Annie van Gemert und Martijn van der Griendt arbeiteten an dieser Ausstellung zusammen.

Nähere Informationen: Museum Staphorst, Gemeenteweg 67, Staphorst, Telefon: +31 522462526, E-Mail: info@museumstaphorst.nl, Internet: http://www.museumstaphorst.nl

Zwischen Nonkonformismus und Selbstbefragung – Von Thomas Gatzemeier

1985 war für mich ein Jahr zwischen Hoffnung und Resignation. Das Ausstellungsverbot hatte mich von der Öffentlichkeit abgeschnitten, die Ausbürgerung stand noch bevor. In dieser Zeit entstanden Bilder, die weniger Antworten geben als Fragen stellen – Fragen nach Freiheit, Würde und dem menschlichen Leib.

Mann im Käfig

Das wohl eindrücklichste und aussagekräftigste Gemälde dieses Jahres – im Jahr vor meiner Ausbürgerung aus der DDR – ist die Arbeit „Mann im Käfig“. Ist die „Sitzende“ – weiter hinten im Beitrag – wie auch andere Bilder dieser Zeit noch nah am menschlichen Leib, so beginnt sich dieser beim Mann im Käfig bereits aufzulösen. Die Figur geht einerseits in der Malerei auf, andererseits wird sie zu einer geschundenen, fleischlichen Masse. Der Leib verliert seine Konturen. Er scheint eingezwängt, deformiert und jeder Bewegung beraubt.

Der expressive Duktus verrät meine intensive Auseinandersetzung mit den deutschen Expressionisten. Ebenso beschäftigte ich mich damals mit Willem de Kooning und Francis Bacon. Beide zeigten mir, dass Malerei weit mehr sein kann als die Darstellung eines Menschen. Farbe und Pinselstrich vermögen innere Zustände unmittelbar sichtbar zu machen. Nicht das Abbild interessierte mich, sondern der Ausdruck. Der „Mann im Käfig“ wurde für mich zum Sinnbild der damaligen Situation.

Nach meinem Ausreiseantrag lebte ich mit dem Bewusstsein, dass jederzeit eine Verhaftung möglich sein konnte. Das Ausstellungsverbot, ständige Schikanen und eine völlige Ungewissheit bestimmten den Alltag. Der Käfig steht deshalb nicht nur für einen äußeren Ort. Er beschreibt ebenso einen seelischen Zustand.

Dennoch möchte ich eines anmerken: Starke Kunst entsteht selten im luftleeren Raum. Sie braucht Reibung, Widerstand und Erfahrungen, die nach bildhaftem Ausdruck verlangen. Innere und äußere Bedingungen verdichten sich zu Bildern. Rückblickend gehört „Mann im Käfig“ für mich zu den Arbeiten, in denen dies am unmittelbarsten sichtbar wird.

Licht im Keller

Das Gemälde „Licht im Keller“ besitzt einen ambivalenten Charakter. Einerseits sehen wir zwei nackte Figuren, deren Leiber schutzlos dem Blick des Betrachters ausgesetzt sind. Andererseits erinnert der kahle Kellerraum mit der grellen Lampe an eine Verhörsituation oder einen Ort, an dem Macht ausgeübt wird. Das Bild erzählt jedoch keine konkrete Geschichte. Es lässt Raum für eigene Assoziationen.

Das harte Licht der Lampe trifft die linke Figur beinahe schmerzhaft. Der Leib scheint sich unter der Helligkeit zu winden, als würde das Licht selbst zur Bedrohung werden. Die zweite Figur sitzt mit vor der Brust verschränkten Armen daneben und schaut zu. Sie greift nicht ein. Ob sie Beobachter, Zeuge oder selbst Gefangener ist, bleibt offen.

Mich interessierte damals weniger die Schilderung einer bestimmten Situation als die Atmosphäre. Ein einfacher Kellerraum genügte, um Gefühle von Unsicherheit, Ausgeliefertsein und Verletzlichkeit hervorzurufen. Gerade weil das Bild nichts eindeutig erklärt, entfaltet es seine Wirkung.

Rückblickend sehe ich in „Licht im Keller“ eine Arbeit, in der der menschliche Leib nicht mehr nur dargestellt wird. Er wird zum Träger einer seelischen Verfassung. Das Licht beleuchtet nicht nur die Figuren – es legt ihre Verletzlichkeit offen.

Antike Szene mit Krieger

Auch 1985 beschäftigte ich mich intensiv mit den antiken Mythen, insbesondere mit Homers Odyssee. Mich faszinierte, wie wenig sich der Mensch im Laufe der Jahrtausende verändert hat. Macht, Gewalt, Angst, Hoffnung und Überlebenswille begegnen uns bei Homer ebenso wie in unserer Gegenwart. Wer Geschichte ernst nimmt, erkennt darin weniger vergangene Zeiten als den Menschen selbst.

Die „Antike Szene mit Krieger“ erzählt deshalb keine Geschichte aus der Antike. Sie benutzt die Antike als Spiegel. Der Krieger könnte ebenso gut in Troja kämpfen wie in jeder anderen Epoche. Die Zeiten ändern sich, der Mensch erstaunlich wenig.

Auch hier taucht wieder das Gittermotiv auf. Es erscheint nicht mehr als Käfig, sondern als eine Struktur, die den Bildraum durchzieht und den Leib einengt. Rückblickend erkenne ich darin ein Motiv, das mich in dieser Zeit immer wieder beschäftigte. Wahrscheinlich war es weniger Absicht als Ausdruck meiner damaligen Lebenssituation.

Von heute aus betrachtet wirken viele Bilder des Jahres 1985 erstaunlich dunkel. Das wurde mir allerdings erst bewusst, als ich wenige Tage nach dem Zusammenbruch der zweiten deutschen Diktatur wieder durch die Städte im Osten fuhr. Plötzlich sah ich Farben, die ich jahrelang kaum wahrgenommen hatte. Das Grau des Alltags hatte sich unmerklich auch in meine Palette eingeschlichen.

Vielleicht erklärt das auch, weshalb sich manche Kunsthistoriker bis heute mit der ostdeutschen Malerei jener Jahre schwertun. Wer die Atmosphäre dieser Zeit nicht selbst erlebt hat, betrachtet die Bilder oft nur unter stilistischen oder politischen Gesichtspunkten. Dabei erzählen sie zunächst von einer existenziellen Erfahrung. Man muss sie nicht theoretisch sezieren. Es genügt manchmal, sie einfach anzuschauen.

Paar auf dem Bett

Neben der bedrückenden und oftmals bedrohlichen Lebenssituation jener Jahre ging das Leben natürlich weiter. Und zu diesem Leben gehörten auch Liebe, Erotik und Sinnlichkeit. Das Gemälde „Paar auf dem Bett“ zeigt zwei Menschen beim Liebesspiel. Doch es ging mir nie darum, eine intime Szene zu illustrieren. Mich interessierte vielmehr der menschliche Leib in seiner existenziellen Dimension.

Seit den ersten bildnerischen Darstellungen des Menschen gehört die Darstellung von Erotik selbstverständlich zur Kunst die „Venus von Willendorf“ ist wohl das bekannteste Beispiel aus der Steinzeit.

Auf griechischen Vasen, in römischen Fresken, in den Radierungen eines Rembrandt, den Akten eines Tizian oder später bei Egon Schiele und Pablo Picasso wird der Mensch nicht nur als schönes Wesen gezeigt, sondern als liebendes, begehrendes und verletzliches. Erotik war nie bloß ein Thema unter vielen. Sie gehört zum Menschsein.

Auch in diesem Bild lösen sich die beiden Leiber teilweise in der Malerei auf. Sie verschmelzen miteinander und werden zu einer gemeinsamen Form. Nicht der anatomisch richtige Körper interessiert mich, sondern das Sichtbarmachen einer Erfahrung. Der expressive Farbauftrag und die Überlagerung der Formen sollen das ausdrücken, was sich mit Worten kaum beschreiben lässt.

Wenn ich heute auf diese Arbeit schaue, fällt mir auf, wie selbstverständlich wir damals mit dem menschlichen Leib umgingen. Heute scheint mir der öffentliche Umgang widersprüchlicher geworden zu sein. Einerseits ist der Mensch überall präsent, andererseits wächst die Scheu vor seiner unverstellten Darstellung. Kunst gerät schnell unter Rechtfertigungsdruck. Der nackte Leib wird häufiger moralisch bewertet als künstlerisch betrachtet.

Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb der Mensch in meiner heutigen Malerei kaum noch vorkommt. Nicht weil mich der menschliche Leib nicht mehr interessiert, sondern weil sich der gesellschaftliche Blick auf ihn verändert hat. Eine offene Darstellung verlangt heute bisweilen mehr Rechtfertigung als noch vor vierzig Jahren. Diese Form der stillen Selbstzensur wollte ich für mich nicht akzeptieren. Stattdessen habe ich andere Bildwelten gefunden, in denen ich dieselben Fragen nach Verletzlichkeit, Vergänglichkeit und Schönheit weiterverfolgen kann.

Verbeugung

Auf die sinnliche Nähe des Gemäldes „Paar auf dem Bett“ folgt mit „Verbeugung“ beinahe zwangsläufig die andere Seite menschlicher Beziehungen. Liebe und Begehren gehören zum Leben, aber ebenso Enttäuschung, Trennung und der Wunsch nach Versöhnung.

Die beiden Figuren sind einander zugewandt und doch nicht miteinander verbunden. Die linke Gestalt wirkt verschlossen und abweisend. Die rechte Figur scheint sich weit nach vorn zu beugen, fast als bitte sie um Verzeihung oder darum, die zerbrochene Beziehung wieder aufnehmen zu dürfen. Ob diese Bitte erhört wird, bleibt offen. Gerade dieses Ungewisse verleiht dem Bild seine Spannung.

Mich interessierte nicht die Schilderung einer konkreten Geschichte. Es ging mir um einen Zustand, den wohl jeder Mensch kennt: den Augenblick, in dem Nähe plötzlich Distanz wird und Worte nicht mehr ausreichen. Dann spricht der Leib. Seine Haltung verrät mehr als jedes Gesicht.

Auch malerisch setzt sich hier fort, was bereits in den vorhergehenden Arbeiten manifest ist. Die Figuren beginnen ihre festen Konturen zu verlieren. Arme, Hände und Leiber verschränken sich mit dem Farbauftrag und gehen teilweise in der Malerei auf. Nicht die anatomische Richtigkeit stand im Vordergrund, sondern die Frage, wie sich eine seelische Erschütterung in Farbe und Form übersetzen lässt.

Rückblickend sehe ich „Verbeugung“ als ein Bild über Verletzlichkeit. Nicht die Trennung selbst wird dargestellt, sondern der Moment davor – jener kurze Augenblick, in dem noch Hoffnung besteht und doch bereits spürbar ist, dass sich zwei Menschen voneinander entfernen.

In der Manege

Natürlich war es riskant, sich mit den Machthabern der zweiten deutschen Diktatur anzulegen. Diese Erfahrung bildet den Hintergrund vieler Arbeiten aus dem Jahr 1985. Dennoch erzählen die Bilder keine politischen Geschichten. Sie handeln vom Menschen in Situationen der Unsicherheit und Bedrohung.

Das Gemälde „In der Manege“ zeigt einen Akrobaten, der mit einer maskenartigen Kopfbedeckung an einer frei schwebenden Schaukel hängt. Über ihm, am linken Bildrand, erscheinen lediglich die Füße einer weiteren Figur. Wer dieser Mensch ist, bleibt offen. Ist es ein Artist? Ein Dompteur? Ein Beobachter? Oder gar derjenige, der über das Schicksal des Akrobaten entscheidet?

Mich interessierte gerade diese Ungewissheit. Die Manege erscheint als Ort der Vorführung. Jeder ist sichtbar, jeder wird beobachtet, jeder kann abstürzen. Der Akrobat bewegt sich scheinbar frei durch den Raum und ist doch vollständig von den Gesetzen der Manege abhängig.

Auch die Maske verändert den Blick auf den Menschen. Sie verbirgt die Persönlichkeit und macht aus dem Individuum eine Figur, die stellvertretend für viele stehen könnte. Der menschliche Leib bleibt sichtbar, das Gesicht entzieht sich dagegen jeder eindeutigen Identifikation. Vielleicht liegt gerade darin die eigentliche Spannung des Bildes.

Heute sehe ich „In der Manege“ weniger als ein Bild über politische Macht als über die Zerbrechlichkeit menschlicher Freiheit. Die Manege wird zum Sinnbild einer Welt, in der jeder seinen Platz kennt, beobachtet wird und jederzeit den Halt verlieren kann.

Der Affektierte

Heute begegnet man immer wieder Kunstwissenschaftlern, die das künstlerische Selbstbildnis kurzerhand in die Schublade des Selfies stecken. Das wirkt auf mich ungefähr so, als würde man Michelangelos David mit einer Schaufensterpuppe vergleichen. Beides stellt einen Menschen dar – mehr Gemeinsamkeiten gibt es kaum.

Seit Jahrhunderten gehört das Selbstbildnis zu den wichtigsten Aufgaben der Malerei. Rembrandt, Dürer, van Gogh, Käthe Kollwitz oder Francis Bacon nutzten den eigenen Leib nicht aus Eitelkeit, sondern als Gegenstand der Selbstbefragung. Das Selbstbildnis ist kein Blick in den Spiegel, sondern ein Blick nach innen.

In meinem Selbstbildnis „Der Affektierte“ stelle ich mir dieselben Fragen. Wer bin ich? Wie sehen mich andere? Und sehe ich mich selbst vielleicht ebenso? Die Hände tasten das Gesicht beinahe suchend ab. Sie wirken, als wollten sie eine Maske abnehmen oder prüfen, was hinter der eigenen Erscheinung verborgen liegt.

Der Titel ist bewusst doppeldeutig gewählt. Ist die dargestellte Figur tatsächlich affektiert? Oder ist es lediglich der Blick des Betrachters, der sie so wahrnimmt? Das Bild gibt darauf keine Antwort. Es lebt gerade von dieser Unsicherheit.

Rückblickend erkenne ich darin eine Arbeit, die weniger ein Porträt als eine Selbstuntersuchung ist. Der menschliche Leib wird zum Medium der Frage nach der eigenen Identität. Vielleicht gehört gerade diese Bereitschaft, sich selbst ebenso kritisch zu betrachten wie die Welt um sich herum, zum Wesen jeder ernsthaften Kunst.

Ein Paar

Ist es ein griechischer Gott, der die Frau umklammert und davonträgt? Oder sehen wir lediglich ein Paar in einer dramatischen Umarmung? Das Bild beantwortet diese Frage nicht. Es bewegt sich bewusst zwischen Mythos und Wirklichkeit.

Unwillkürlich denkt man an die großen Raubgeschichten der Kunstgeschichte. An den Raub der Sabinerinnen, an Europa und den Stier, an Persephone, an jene antiken Mythen, in denen Liebe, Macht, Gewalt und Schicksal untrennbar miteinander verbunden sind. Solche Motive beschäftigten Künstler über Jahrhunderte. Nicht weil sie Entführungen verherrlichten, sondern weil sie extreme menschliche Situationen sichtbar machten.

Auch mich interessierte damals weniger eine konkrete Geschichte als die Verdichtung einer existenziellen Erfahrung. Der menschliche Leib wird zum Ausdrucksträger von Kraft und Gegenkraft, von Nähe und Widerstand. Die beiden Figuren verschmelzen beinahe zu einer einzigen Form. Wer trägt wen? Wer hält fest? Wer befreit sich? Das bleibt offen.

Natürlich stellt sich auch die Frage, weshalb ein Maler überhaupt ein solches Motiv wählt. Geht es um den Mythos? Um die Erzählung? Ich glaube, eher nicht. Malerei lebt von Spannung. Sie braucht Gegensätze, Bewegung und Reibung. Harmonie allein ergibt selten ein starkes Bild. Erst dort, wo Kräfte aufeinanderstoßen, beginnt Malerei lebendig zu werden.

Vielleicht erklärt das auch, weshalb Künstler seit Jahrtausenden auf dieselben Themen zurückkommen. Nicht weil sie alte Geschichten nacherzählen möchten, sondern weil sich am Menschen wenig verändert hat. Liebe, Begehren, Verlust, Macht und Gewalt gehören zu den Konstanten unserer Existenz. Jede Generation findet dafür ihre eigene Bildsprache.

Sitzende

Nach den vielen Bildern voller Bedrohung, Unsicherheit, Erotik und Selbstbefragung erscheint die „Sitzende“ beinahe wie ein Ruhepol. Die Dramatik ist nicht verschwunden, sie hat lediglich ihre Gestalt verändert. Sie ist nach innen gewandert.

Die junge Frau sitzt zusammengesunken auf einem Stuhl. Sie verbirgt ihr Gesicht hinter den Armen. Ob sie schläft, nachdenkt oder verzweifelt ist, bleibt offen. Gerade diese Offenheit macht das Bild für mich bis heute interessant. Es erzählt keine Geschichte und verlangt keine eindeutige Deutung.

Mich beschäftigte damals weniger die Darstellung eines Modells als die Frage, wie sich eine innere Verfassung malerisch ausdrücken lässt. Der menschliche Leib spricht oft deutlicher als ein Gesicht. Die Haltung verrät Erschöpfung, Rückzug oder Nachdenklichkeit. Jeder Betrachter wird darin etwas anderes erkennen.

Rückblickend sehe ich in der „Sitzenden“ irgendwie einen Schlusspunkt dieser Werkgruppe die ich bisher hier vorgestellt habe. Viele der Themen des Jahres 1985 sind hier noch einmal gegenwärtig: die Konzentration auf den menschlichen Leib, die Reduktion auf das Wesentliche und die Suche nach einer Malerei, die nicht illustriert, sondern Erfahrungen sichtbar macht.

Vielleicht braucht jede Werkgruppe einen Moment der Ruhe. Nach den Käfigen, den Mythen, den Liebenden, den Kriegern und den Selbstbefragungen bleibt am Ende ein Mensch, der schweigt. Später werde ich weiter daran arbeiten. Denn auch das Schreiben ist eine Form der Selbstvergewisserung.

Als diese Bilder entstanden, wusste ich nicht, dass ich sie einmal als zusammenhängende Werkgruppe betrachten würde. Ich malte nicht für eine Ausstellung und schon gar nicht für den Kunstmarkt. Ich malte, weil ich gar nicht anders konnte. Vierzig Jahre später erkenne ich, dass all diese Arbeiten dieselben Fragen umkreisen: Freiheit und Begrenzung, Nähe und Distanz, Mythos und Wirklichkeit, vor allem aber den menschlichen Leib als Ausdrucksträger existenzieller Erfahrungen.

Der Nonkonformismus jener Jahre war für mich nie Selbstzweck. Er ergab sich aus dem Versuch, den eigenen Weg zu gehen und der Malerei treu zu bleiben. Vielleicht verbindet genau das diese Bilder bis heute – nicht ihre Entstehung in einer Diktatur, sondern ihre Weigerung, einfache Antworten zu geben. Später – im Westen – musste ich mich dann mit Kunst gegen Gewalt beschäftigen.

Zum Autor:

Am dunkelsten Tag des Jahres 1954 im sächsischen Döbeln geboren, wurde Thomas Gatzemeier ungefragt von einem katholischen Pfarrer getauft.

Als Kind buk er heimlich einen Kuchen, der als Brot gut ankam. Dieses scheinbare Missgeschick inspirierte ihn dazu, eine Ausbildung als Schrift- und Plakatmaler zu absolvieren, um Pinsel und Stift zu beherrschen. Er arbeitete anschließend auch als Steinmetzgehilfe und Grabsteindesigner. Nach dieser Grundausbildung studierte er Malerei und Grafik an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo Arno Rink und Volker Stelzmann zu seinen Lehrern zählten. 1980 beendete er sein Studium und ist seitdem als freier Künstler, Autor, Kunsthändler, Blogger und Freizeitkoch tätig.

Konflikte mit den Machthabern der SBZ und ein mehrjähriges Ausstellungsverbot bewegten ihn 1986 dazu, die SBZ zu verlassen. Danach lebte er vorwiegend in Karlsruhe, verbrachte aber auch längere Zeit in Zürich und nahe Worpswede. Von 2006 bis 2015 hatte er ein weiteres Atelier in Leipzig. Nach 34 Jahren Hauptwohnsitz in Karlsruhe verlegte der Wanderer zwischen den Welten im Februar 2020 seinen Wohnsitz endgültig nach Leipzig.

Nähere Informationen: Thomas Gatzemeier, Gottschallstraße 24, 04157 Leipzig, Telefon: 0172 610 25 35, E-Mail: info@thomas-gatzemeier.de

Vom Ausstellungsbanner zum Design Objekt

Museum Reinhard Ernst und die AMD Akademie Mode & Design in Wiesbaden kooperieren

Was geschieht mit dem Werbebanner, wenn eine Ausstellung endet? Anstatt das 9 x 9 Meter große Kunststoffbanner zu entsorgen, entschied sich das Museum Reinhard Ernst (mre) in Zusammenarbeit mit Studierenden der AMD für einen nachhaltigeren Weg: Sie entwarfen und realisierten eine passende Produktkollektion, die seit dem 23. Juni im Museum Reinhard Ernst präsentiert wird.

Das Werbemittel zeigte ein Detail des Gemäldes „Sea Level“ (1976) von Helen Frankenthaler und zierte zuvor eine Hausfassade an der Schwalbacher Straße. Eine Gruppe von zehn Studentinnen und Studenten des vierten und sechsten Semesters der Studiengänge Mode und Design sowie Mode und Designmanagement unter der Leitung von Prof. Ilona Kötter und Prof. Paula Knorr hat das Werbemittel neu interpretiert und wiederverwendet. Die Entwürfe spielen mit Frankenthalers fließenden Farbflächen und übersetzen ihre Malerei in zeitgemäße, nützliche Designs.

Nach einer Einführung in die Do’s und Dont’s bei der Produktentwicklung für das Sortiment eines Museumsshops, legten die Studentinnen und Studenten los. Jedes Produkt ist durch den individuellen Zuschnitt des Banners ein Unikat und wird in einer Kleinauflage produziert. Die Kollektion umfasst drei Produkte: eine Vase, eine versatil einsetzbare Tasche für Pinsel und Stifte sowie einen Schlüsselanhänger.

Ines Gutierrez, Leitung Shop und Digital Marketing beim mre: „Im Rahmen dieser Zusammenarbeit durften wir die Kunst Helen Frankenthalers und die DNA des Museums Reinhard Ernst an die Studentinnen und Studenten vermitteln. Es war richtig schön zu sehen, wie dieser Input in den Gestaltungsprozess eingeflossen ist. Wir sind begeistert von den kreativen Ansätzen und Entwürfen der Studierenden.“

Charlotte Kneupper, eine der am Projekt beteiligten Studentinnen, sagt: „Es ist eine wertvolle und spannende Erfahrung, den gesamten Weg vom ersten Entwurf bis hin zum fertigen Produkt begleiten zu dürfen. Das besondere an diesem Projekt ist es, viel auszuprobieren und zu experimentieren. Auch das gestalten einer gesamten Produktlinie und vieler Unikate, zeigt uns, wie komplex und vielfältig nachhaltiges Design sein kann.“

Nähere Informationen: Museum Reinhard Ernst, Wilhelmstraße 1, 65185 Wiesbaden, Telefon: +49 (0)611 76388880, E-Mail: info@museumre.de

Museum Küppersmühle für Moderne Kunst zeigt: Jaume Plensa – Invisible

Bis November zu sehen

Meine Arbeit will immer Brücken bauen, Fragen stellen, Schönheit in den Alltag der Menschen bringen; Verbindungen zwischen Menschen schaffen, ohne dass Hautfarbe, Ideologie, Religion oder Geographie eine Rolle spielen“ – Jaume Plensa

Jaume Plensa findet seine Modelle auf der ganzen Welt. Im Zentrum seines Schaffens steht dabei der Mensch – insbesondere die weibliche Figur. Die Ausstellung bringt rund 50 eindrucksvolle Frauenporträts ins MKM und eröffnet einen faszinierenden Einblick in das Werk eines Künstlers, dessen Arbeiten Menschen weltweit berühren. International bekannt wurde Plensa durch seine monumentalen Arbeiten im öffentlichen Raum, die seit mehr als zwei Jahrzehnten auf allen Kontinenten zu sehen sind. Zu seinen jüngsten Höhepunkten zählt das Project „Secret Garden“, das im Sommer 2025 anlässlich der Salzburger Festspiele auf dem Residenzplatz in Salzburg präsentiert wurde. In Deutschland realisierte er unter anderem die Großskulpturen „Laurelle“ (2024) in Bonn Bad-Godesberg, „Body of Knowledge“ (2010) in Frankfurt am Main und „Gläserne Seele“ (2000) in Potsdam. Heute gilt Jaume Plensa als einer der bedeutendsten universellen Künstler der Gegenwart. Bereits vor dem Museum empfängt die Besucherinnen und Besucher des Museums die monumentale Skulptur „Flora“ (2021). Ein weiterer Höhepunkt erwartet sie im Siloraum mit „Invisible Anna“ (2018): Ein großer transparenter Kopf aus Edelstahlstäben entfaltet hier eine ebenso kraftvolle wie poetische Präsenz und beherrscht den Raum mit seiner stillen Ausstrahlung.

Jeder Mensch ist ein ‚Ort‘. Jede Frau, jeder Mann, jedes Kind, jeder ältere Mensch ist ein bewohnbarer Raum, bewegt und sich entfaltend; ein ‚Ort‘ in der Zeit, in der Geographie, in Volumen und in Farbe.“

Ganze Städte gebaut aus Körpern, die sich wie Türen öffnen und schließen. Flackernde Lichter. Immer wenn ein Mensch stirbt, schließt sich ein Haus und ein ‚Ort‘ geht verloren. Meine Arbeit ist ihr Gedächtnis. Die eingefrorene Fixierung so vieler, vieler Körper, die sich entfalten und in der Flüchtigkeit des Lichts verschwinden.“

Mein Werk ist ihre Verkörperung.“ – Jaume Plensa

Die Werke Plensas sind gleichermaßen rätselhaft wie inspirierend. Sie laden zur Kontemplation über Identität, Schönheit, Vergänglichkeit und menschliche Verbundenheit ein. Der Schriftsteller Clemens J. Setz fasst die Wirkung der Arbeiten in seinem Essay für die begleitende Publikation prägnant zusammen: „Vor ihnen stehend, bleiben wir allein mit uns selbst, und das nicht eingeschüchtert oder unerfüllt, sondern beschenkt und eigentümlich erhöht.“

Anlässlich der Ausstellung erscheint eine großformatige Publikation im Wienand Verlag mit Ausstellungsansichten, einem Gespräch zwischen Walter Smerling und Jaume Plensa sowie einem Essay von Clemens J. Setz.

Nähere Informationen: Museum für moderne Kunst Küppersmühle, Philosophenweg 55, 47051 Duisburg, Telefon 0203 30194811, E- Mails: kasse@museum-kueppersmuehle.de (für Kasse und Information), buchung@museum-kueppersmuehle.de (für Buchung von Führungen und Workshops) und office@museum-kueppersmuehle.de (für Stornierungen und Fragen zu Tickets), Internet: www.museum-kueppersmuehle.de. Geöffnet ist von Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

Vorschau – Ausstellungen im Museum FOAM

Nadav Kander: Der Rand der Dinge

Das Fotomuseum Foam in Amsterdam präsentiert „The Edge of Things“, eine bedeutende Einzelausstellung des international renommierten Fotografen Nadav Kander. In den letzten vier Jahrzehnten hat Kander einige der gefeiertsten Bilder der zeitgenössischen Fotografie geschaffen.

Über die Ausstellung – 18. September 2026 bis zum 17. Februar 2027

Von preisgekrönten Fotografien der Ufer des großen Jangtse in China, der Ufer der Londoner Themsemündung und den kargen Landschaften von Tschernobyl bis hin zu Porträts globaler Persönlichkeiten wie Barack Obama, Rosamund Pike und David Lynch sowie Studien zur menschlichen Form. Kander sucht nach der unerwarteten Resonanz in Menschen und Orten, jenen Momenten, in denen etwas Tiefgründiges dem Auge und der Kamera offenbart wird.

Die Ausstellung wird vom Gastkurator David Campany, Creative Director des International Center of Photography, New York, kuratiert.

Hailun Ma: Heimatstadt

Im September 2026 präsentiert Hailun Ma ihre erste große Einzelausstellung außerhalb Chinas und lädt Besucher in eine Welt ein, in der Mode zu einer Linse sozialer Beobachtungen wird. Als eine der einflussreichsten Stimmen unter Chinas neuer Generation von Bildgestaltern gilt, richtet Ma ihre Kamera auf die Gesten, Stile und Beziehungen, die das Alltagsleben in Xinjiang prägen.

Über die Ausstellung – 18. September 2026 bis zum 20. Januar 2027

Die Ausstellung vereint aktuelle Serien, die sich auf Familie, Jugend und Alltagsstil in Xinjiang konzentrieren. Zwischen dem Inszenierten und dem Spontanen hin und her zeigen Ma’s Bilder, wie Menschen sich präsentieren und wie Kultur getragen, geteilt und neu interpretiert wird.

Mas Arbeit erlaubt es, dass die Bilder sprechen, bevor sie erklärt werden. Mit ihren lebendigen Porträts hat sie weltweit auf die Stilsubkulturen ethnischer Minderheiten und multikultureller Gemeinschaften im zeitgenössischen China aufmerksam gemacht – und so lokale Identität und globale Modekultur verbunden. Ihre Arbeiten wurden in New York Magazine, i-D, GQ China und Vogue vorgestellt.

Keerthana Kunnath: Not What You Saw

Foam präsentiert die erste Einzelausstellung der in London ansässigen Fotografin Keerthana Kunnath. In ihrer Arbeit nutzt sie die Kamera als Instrument, um soziokulturelle Themen zu untersuchen und sichtbar zu machen.

In ihrer Debütserie „Not What You Saw“ dokumentierte Kunnath weibliche Bodybuilderinnen in Kerala, Südindien. Die Serie stellt konventionelle Stereotype infrage und hinterfragt kulturelle Vorstellungen von Geschlecht und Schönheit in der Region. Die Bilder strahlen sowohl Stärke als auch Sanftheit aus und laden den Betrachter ein, erneut zu blicken: auf Vorurteile darüber, wie eine Frau aussehen sollte, und auf sich selbst.

Über die Ausstellung – 18. September 2026 bis zum 27. November 2026

Die Geschichten dieser Frauen sind sowohl inspirierend als auch aufschlussreich: Indem sie den Sport ausüben, stellen sie die vorherrschende Norm infrage, hinterfragen den männlichen Blick und widersprechen den gesellschaftlichen Erwartungen an Weiblichkeit.

Über die Künstlerin

Keerthana Kunnath ist eine in London ansässige indische Künstlerin, die ihr Medium nutzt, um Gespräche über soziokulturelle Themen anzustoßen. In ihren Arbeiten behandelt sie Themen wie Sexualität, queere Identität, Weiblichkeit und psychische Gesundheit – Themen, die in ihrem Heimatland Südindien selten offen diskutiert werden.

Nahost-Archiv

Das Foam und das Middle East Archive präsentieren ein zweiteiliges Ausstellungsprojekt in Amsterdam-West, bestehend aus einer Einzelausstellung am Mercatorplein und einer Gruppenpräsentation in der MAQAM (Kolenkitbuurt). Beide Präsentationen basieren auf der neuesten MEA-PublikationAl Nisa / Women und werden in Zusammenarbeit mit Romaisa Baddar, der Gründerin des Middle East Archive, kuratiert. Durch die Galerie Mercatorplein und seinen Satellitenstandort MAQAM ist Foam in Amsterdam-West langjährig präsent und pflegt enge Verbindungen zu den vielfältigen Gemeinden der Region. Die beiden Ausstellungen sind Teil eines mehrjährigen Programms, das 2027 mit einer Ausstellung beim Foam fortgesetzt wird.

Über die Ausstellung – Am Mercatorplein vom 1. Oktober – 29. Oktober/Im MAQAM vom
1. Oktober – Ende Dezember 2026

„Foam x Middle East Archive“ ist ein kollaboratives Projekt, das sich auf visuelle Kultur aus dem Nahen Osten und Nordafrika (MENA) konzentriert. Es findet an zwei Orten in Amsterdam-West statt.

Die Einzelausstellung von Yomna El Beyaly im Mercatorplein bietet eine intime und nuancierte Darstellung des Alltagslebens von Frauen und Mädchen in Ägypten und fängt Rituale von Fürsorge, Schönheit, Zusammenhalt und öffentlicher Präsenz ein. Ihre Bilder zeigen Frauen nicht als Symbole, sondern als komplexe Individuen mit unterschiedlichen Lebenserfahrungen.

Beim MAQAM bringt eine Gruppenpräsentation Arbeiten von Najla Said, Rania Matar, Chiara Wettmann, Farah Al Qasimi, Mariam El Gendy, Haneen Hadiy, Taqwa Bint Ali, Tanya Habjouqa, Yumna Al Arashi und Nadia Bseiso zusammen. Durch die gleichzeitige Öffnung treten die beiden Ausstellungen in einen Dialog über verschiedene Orte hinweg und ermutigen die Besucher, beide Veranstaltungsorte zu erleben und sich mit dem Projekt als Ganzes auseinanderzusetzen.

Die Ausstellungen werden gemeinsam in einer festlichen Eröffnung eröffnet, an der Anwohner, Projektpartner und Besucher aus der ganzen Stadt teilnehmen. Diese gemeinsame Eröffnung verbindet den öffentlichen Raum des Mercatorplein mit der intimeren Atmosphäre von MAQAM und lädt das Publikum ein, beide Orte zu erkunden und den vollen Umfang des Projekts zu entdecken.

Während der gesamten Ausstellungszeit wird Foam ein öffentliches Programm organisieren, das darauf abzielt, die aktive Zusammenarbeit mit den Bewohnern von Amsterdam-West zu fördern. Das Programm umfasst Workshops im MAQAM sowie Aktivitäten wie geführte Fototouren auf dem Mercatorplein.

Foam Talent 2026

Das Foam präsentiert noch bis zum 28. August „Foam Talent 2026“. Eine Gruppenausstellung, die Werke einer außergewöhnlichen neuen Welle von Bildmachern zeigt, die die Zukunft der Fotografie prägen. Die diesjährige Ausstellung zeigt die Arbeiten von 15 außergewöhnlichen Künstlern, ausgewählt aus fast 2.892 Einsendungen aus 107 Ländern. Die 15 Schaumstofftalente in der Ausstellung spiegeln die Energie, Vielfalt und globale Reichweite aufkommender fotografischer Praktiken heute wider. Gemeinsam weisen ihre Praktiken auf mutige neue Richtungen im Medium hin und zeigen ein starkes Engagement für das Geschichtenerzählen über eine Vielzahl von Erzählungen, Perspektiven und künstlerischen Ansätzen hinweg. Das Foam Magazine wird die neueste Talent Issue #68 zusammen mit der Eröffnung der Ausstellung bei Foam veröffentlichen.

In einer Zeit, die von ständigem globalen Wandel und Unsicherheit geprägt ist, beschäftigen sich die Foam Talents mit einigen der drängendsten Themen der Fotografie und Gesellschaft heute: politische Unterdrückung, Trauer und psychische Gesundheit, Religion und Glaube, Konflikte, Vertreibung, kulturelle Identität und technologische Innovation. Doch in diesen verschiedenen Werkgruppen taucht immer wieder ein Thema auf: Heimat. Für viele der Künstler ist Zuhause nicht als fester Ort definiert, sondern als ein Netzwerk von Erinnerungen, Beziehungen und emotionalen Verbindungen. Durch ihre Arbeit – sei es durch das Annehmen des Glaubens, das Auseinandersetzen traumatischer Erfahrungen oder das Erfinden neuer Formen der Resilienz – legen sie nahe, dass Zuhause nicht nur unser Herkunftsort ist, sondern etwas, das wir weiterhin formen und in uns tragen.

Martin Parr: Sehr modern und ziemlich hässlich

Das Foam ehrt das Vermächtnis des britischen Fotografen Martin Parr mit der Ausstellung „Very Modern and Rather Ugly“. Mit einer Auswahl seiner ikonischsten Werke feiert die Ausstellung Parrs unverkennbare Sichtweise, witzige gesellschaftliche Beobachtungen und seine anhaltende Faszination für die Rolle der Fotografie im Alltag. Dies ist Parrs erste Einzelausstellung in einem Museum in den Niederlanden seit mehr als zwanzig Jahren. Zur Erinnerung an seinen Tod wird Foam eine Würdigung des Vermächtnisses von Martin Parr überreichen.

In einer Karriere, die sich über mehr als fünf Jahrzehnte erstreckte, wurde Martin Parr (1952–2025) zu einer der markantesten und einflussreichsten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Dokumentarfotografie. Bekannt für seine gesättigten Farben, Nahaufnahmen, scharfe Blitze und scharfen, ironischen Blick, dokumentierte er die alltäglichen Rituale, Verhaltensweisen und Gewohnheiten des modernen Lebens. Von Freizeit und Tourismus bis hin zu Konsumismus und sozialer Klasse offenbart sein Werk den Humor und die Absurdität des Alltags.

Parr wird dafür gefeiert, dass er das Vertraute seltsam und das Eintönige interessant wirken lässt. Durch seine lebendige visuelle Sprache verwandelte er scheinbar banale Szenen in scharfsinnige Reflexionen über die moderne Gesellschaft. Im Zentrum seines Lebenswerks standen Themen wie Konsum, kulturelle Identität, Tourismus und Klasse, die er über Jahrzehnte hinweg sowohl national als auch international erforschte. Sein unverwechselbarer Themenansatz, langfristige Projekte und sein sofort erkennbarer fotografischer Stil haben ihn zu einem bleibenden Bezugspunkt für jüngere Fotografengenerationen gemacht. Parr dokumentierte nicht einfach das zeitgenössische Leben, sondern veränderte auch unsere Sichtweise darauf.

Im Zentrum der Ausstellung steht Parrs ikonische Serie „Common Sense“(1999), eine Installation mit 264 farbgesättigten Nahaufnahmen, die auf die globale Konsumkultur hineinzoomen – von Fast Food und Touristenorten bis hin zu persönlicher Dekoration und sozialen Stereotypen. Die Serie „Autoportrait“ (2002) vereint drei Jahrzehnte an Porträts von Martin Parr – aufgenommen von Straßenfotografen, Studiofotografen und Fotoboxen auf der ganzen Welt –, mit denen er versuchte, die vielen verschiedenen Formen, Gestalten und Traditionen der globalen Porträtfotografie hervorzuheben. Besucher können außerdem „The Non-Conformists“ (Mitte der 1970er Jahre) entdecken, seine frühe Dokumentation ländlicher englischer Gemeinden in Schwarz-Weiß, sowie seine bahnbrechende Serie „The Last Resort“ (1983–85), die Parrs Hinwendung zur Farbe und Fokus auf die britische Küste markiert. Neben der Fotoserie wird die Ausstellung einen Lesesaal bieten, in dem Besucher in Parrs zahlreiche Fotobuchpublikationen eintauchen können.

Über den Künstler

Martin Parr (1952–2025) wurde in Epsom, Vereinigtes Königreich, geboren und studierte Fotografie am Manchester Polytechnic. 1994 wurde Parr Vollmitglied von Magnum Photos und war von 2013 bis 2017 Präsident der Behörde. Neben seiner fotografischen Tätigkeit war er als Kurator, Redakteur und Professor aktiv. Nachdem er über 150 eigene Bücher veröffentlicht und weitere 30 zu Lebzeiten herausgegeben hatte, schuf Parr ein langanhaltendes Vermächtnis.

Parrs Werke wurden von vielen der weltweit führenden Museen gesammelt, von der Tate im Vereinigten Königreich über das Centre Pompidou in Paris bis hin zum Museum of Modern Art in New York. 2017 wurde die Martin Parr Foundation in Bristol gegründet, um aufstrebende, etablierte und wenig anerkannte Fotografen zu unterstützen, deren Arbeit sich auf Großbritannien und Irland konzentriert.
Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit Magnum Photos und der Martin-Parr-Stiftung.

Nähere Informationen: Foam Museum Amsterdam, Keizersgracht 609, 1017 DS Amsterdam, Telefon: +31 20 5516 500, Internet: http://www.foam.org

Die Bedeutung der Kopie in der Kunst (Von Thomas Gatzemeier)

Was uns das Gotische Haus in Wörlitz über Originale und Erinnerung lehrt

Als ich das gotische Haus im Wörlitzer Park betrat, war dies eine Überraschung, denn die Bedeutung der Kopie in der Kunst wurde mir bei diesem Besuch klar.

Natürlich war ich von der Fülle der Kunst überrascht, die hier versammelt war. Jedoch hing zwischen den Gemälden von Lucas Cranach, dessen Reformatorenporträts und diversen Fürstenbildnissen auch eine großformatige schwarz-weiße Reproduktion des Dessauer Fürstenaltars. Das Original befindet sich längst in der Anhaltischen Gemäldegalerie im Georgium. Ich berichtete darüber. Dennoch hat man seinen verwaisten Platz im gotischen Haus nicht leer gelassen.

Für den modernen Museumsbesucher wirkt dies zunächst befremdlich. Weshalb zeigt man in einer bedeutenden Kunstsammlung eine Reproduktion? Wäre es nicht ehrlicher, die Lücke sichtbar zu machen oder mit anderem „Kunstmaterial“ aus- und aufzufüllen? Die Frage verrät bereits, wie sehr sich unser Blick auf Kunst verändert hat.

Die Kopie als Lehrmeister und die Bedeutung der Kopie in der Kunst

Heute gilt das Original nahezu als heilig. Museen werben mit ihm, Sammler bezahlen Millionen dafür, und ganze Industrien leben von seiner Aura. Die Kopie hingegen erscheint vielen als minderwertiger Ersatz.

Über Jahrhunderte dachte man anders. Die europäische Kunstgeschichte wäre ohne Kopien kaum denkbar. Junge Künstler lernten ihr Handwerk durch das Kopieren großer Vorbilder. Raffael studierte Leonardo, Rubens studierte Tizian, Generationen von Akademieschülern zeichneten nach antiken Skulpturen und alten Meistern. Die Kopie war kein Zeichen mangelnder Kreativität, sondern ein Weg zur Erkenntnis. Diese ist uns heute augenscheinlich abhandengekommen und durch – oft minderwertige Authentizität – ersetzt wurden. Man kopierte nicht, weil man nichts Eigenes zu sagen hatte. Man kopierte, um zu verstehen.

Die Kopie existiert neben dem Original fast gleichberechtigt

Genau in diesem Geist entstand die Kunstsammlung des gotischen Hauses. Fürst Franz von Anhalt-Dessau schuf hier keine Schatzkammer für den Kunstmarkt. Er sammelte Geschichte. Über vierzig Jahre trug er Gemälde, Glasmalereien, Bildnisse und historische Fragmente zusammen, um seinen Besuchern die Entwicklung europäischer Kultur vor Augen zu führen. Dabei spielte die Frage nach dem Original nicht immer die entscheidende Rolle.

In den Räumen begegnet man qualitätvollen Kopien nach Anton van Dyck ebenso wie Originalen aus der Werkstatt Lucas Cranachs. Ein Porträt Kaiser Karls V. konnte seinen historischen Bildungsauftrag auch dann erfüllen, wenn es nicht unmittelbar von der Hand des berühmten Meisters stammte. Entscheidend war die Geschichte, die das Bild erzählte. Fürst Franz sammelte daher nicht allein Kunstwerke. Er sammelte historische Zusammenhänge.

Der Dessauer Fürstenaltar

Besonders deutlich wird dies am Dessauer Fürstenaltar von Lucas Cranach dem Älteren. Das Werk gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen der Reformationszeit in Anhalt. Heute befindet sich das Original in der Anhaltischen Gemäldegalerie. Im Gotischen Haus erinnert eine Reproduktion an seinen einstigen Platz innerhalb der Sammlung.

Gerade diese Reproduktion besitzt eine tiefere Bedeutung. Sie verweist darauf, dass nicht nur das einzelne Kunstwerk wichtig ist, sondern auch der Ort, an dem es gezeigt wurde.

Das gotische Haus ist mehr als eine Ansammlung wertvoller Objekte. Die Räume selbst sind Teil des Kunstwerks. Fürst Franz entwickelte eine sorgfältig durchdachte Hängung, in der Cranachs, Reformatorenbilder, Herrscherporträts und historische Erinnerungsstücke miteinander kommunizieren. Entfernt man ein Werk vollständig, geht ein Teil dieser Erzählung verloren. Also ist die Bedeutung der Kopie in der Kunst auch ein Akt der Erinnerung. Die Reproduktion bewahrt deshalb nicht allein das Bild. Sie bewahrt einen Gedanken.

Die Erfindung des Originals

Vielleicht würde Fürst Franz unsere heutige Kunstwelt sogar mit Verwunderung betrachten. Der moderne Kunstmarkt verehrt das Original wie eine Reliquie. Sein Wert bemisst sich häufig weniger nach seiner Aussage als nach seiner Einzigartigkeit. Der Name des Künstlers wird wichtiger als die Geschichte des Bildes. Nicht selten erzielt ein Werk Millionenbeträge, während seine inhaltliche sowie künstlerische Bedeutung kaum noch diskutiert wird.

Im 18. Jahrhundert stand dagegen oft eine andere Frage im Mittelpunkt: Was können wir aus diesem Werk lernen und genügt es den künstlerischen Ansprüchen?

Die Sammlung des gotischen Hauses entstand in einer Zeit der Aufklärung. Bildung galt als Voraussetzung einer freien Gesellschaft. Kunst sollte nicht überwältigen, sondern Erkenntnis ermöglichen.

Vielleicht erklärt dies auch den Unterschied zwischen Wörlitz und vielen heutigen Prestigeprojekten. Der Wörlitzer Park entstand noch in einer Epoche, in der Herrschaft wenigstens den Anspruch erhob, sich durch Bildung, Landschaftskunst und geistige Offenheit zu legitimieren. Betrachtet man dagegen die ästhetischen Sehnsüchte heutiger Oligarchen und Potentaten, ahnt man nichts Gutes.

Wahrscheinlich entstünden überwachte Luxusfestungen, monumentale Zufahrten und jene peinlich-theatralischen Triumphbögen, für die selbst Donald Trump eine Schwäche zu besitzen scheint. Wörlitz dagegen wollte nicht überwältigen, sondern verfeinern.

Ohne Kopien wäre Kultur verloren

Die schwarz-weiße Wiedergabe des Dessauer Fürstenaltars erinnert deshalb an etwas, das heute fast vergessen scheint. Kultur entsteht nicht allein durch Originale. Sie entsteht durch Überlieferung, Erinnerung und Weitergabe. Bibliotheken bewahren Abschriften. Museen zeigen Reproduktionen. Kunsthistoriker arbeiten mit Fotografien. Studenten lernen an Nachbildungen. Selbst unser Wissen über viele verlorene Werke verdanken wir alten Kopien. Die Kopie war daher über Jahrhunderte kein Makel. Sie war ein Werkzeug der Bildung.

Vielleicht ist die Bedeutung der Kopie in der Kunst die eigentliche Botschaft des gotischen Hauses. Zwischen Cranachs, Fürstenporträts und Glasgemälden erzählt die Sammlung nicht nur von der Geschichte Europas. Sie erinnert zugleich daran, dass Erkenntnis wichtiger sein kann als Besitz und dass der Wert eines Kunstwerks nicht immer dort beginnt, wo sein Marktpreis endet.

Zum Autor:

Am dunkelsten Tag des Jahres 1954 im sächsischen Döbeln geboren, wurde Thomas Gatzemeier ungefragt von einem katholischen Pfarrer getauft.

Als Kind buk er heimlich einen Kuchen, der als Brot gut ankam. Dieses scheinbare Missgeschick inspirierte ihn dazu, eine Ausbildung als Schrift- und Plakatmaler zu absolvieren, um Pinsel und Stift zu beherrschen. Er arbeitete anschließend auch als Steinmetzgehilfe und Grabsteindesigner. Nach dieser Grundausbildung studierte er Malerei und Grafik an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo Arno Rink und Volker Stelzmann zu seinen Lehrern zählten. 1980 beendete er sein Studium und ist seitdem als freier Künstler, Autor, Kunsthändler, Blogger und Freizeitkoch tätig.

Konflikte mit den Machthabern der SBZ und ein mehrjähriges Ausstellungsverbot bewegten ihn 1986 dazu, die SBZ zu verlassen. Danach lebte er vorwiegend in Karlsruhe, verbrachte aber auch längere Zeit in Zürich und nahe Worpswede. Von 2006 bis 2015 hatte er ein weiteres Atelier in Leipzig. Nach 34 Jahren Hauptwohnsitz in Karlsruhe verlegte der Wanderer zwischen den Welten im Februar 2020 seinen Wohnsitz endgültig nach Leipzig.

Nähere Informationen: Thomas Gatzemeier, Gottschallstraße 24, 04157 Leipzig, Telefon: 0172 610 25 35, E-Mail: info@thomas-gatzemeier.de

Neues aus der Welt der Kunst in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden und manches mehr aus der Welt der Kunst. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Sommerreihe von Freilichtausstellungen – Lustwarande in Tilburg (Von Edo Dijksterhuis)

In der Oude Warande, dem barocken Sternenwald von Tilburg, verlockt die Jubiläumsausgabe von Lustwarande die Besucher, sich mit dem Grün des barocken Jagdparks zu identifizieren. Mit einem ertrunkenen Buchenbeet, Baumbondage, Baumumarmungen und Skulpturen aus Abfallmaterial stellt die Ausstellung Menschen, Technologie und Natur gegenüber. Die Vorstellung, dass wir uns technologisch aus der Klimakrise herausarbeiten können, erhält hier eine ‚Rückkehr zur Natur-Erwiderung‘ – ohne menschliche Einfallsreichtum völlig abzuschreiben.

Wir bemerkten Anfang 2024 die Folgen des Klimawandels, als es in Europa extrem stark regnete, Flüsse über ihre Ufer traten und ganze Landflächen weggespült wurden. Auch die Oude Warande in Tilburg blieb nicht unversehrt. Ein großes Buchenfeld wurde überflutet, und da die Gemeinde keine Entwässerungsmaßnahmen ergriff, ertranken die Bäume. Das Gefühl war unvermeidlich. Im jahrhundertealten Park wurde ein hässliches Loch angelegt, und es wird mindestens ein Jahrhundert dauern, bis die neue Bepflanzung wieder dem Standard entspricht.

Als Ugo Rondinone (1964) die Landschaftsnarbe sah, zog er sofort seinen ursprünglichen Beitrag zu Lustwarande zurück. Statt einer Bildhauergruppe entwarf er eine einzelne, aber viel größere Skulptur. White Blue Monk (2021) besteht aus zwei übermalten bronzenen Felsbrocken. Auf dem unteren Block in Mary-Blau wurde ein kleinerer, weißer, runder Block angebracht. Mit diesen einfachen Mitteln entsteht eine abstrakte Figur, die ihre Arme ausstreckt – als Segen oder als beschwörende Geste. Rondinones Mönch steht mitten in der Trauer um die entwurzelte Buche als eine Art Schutzpatron oder spiritueller Hüter der Natur. Aber auch als Maskottchen von Lustwarande, an dem er zum fünften Mal teilnimmt.

Zero-Waste-Künstler

Outdoor-Kunstveranstaltungen finden oft an wunderbaren Orten statt, aber Lustwarande schlägt den Jackpot an. Die Oude Warande in Tilburg wurde zwischen 1712 und 1715 angelegt und gilt als der am besten erhaltene barocke Sternwald der Niederlande. Nach der damaligen Gartenmode sollten Statuen und Follies das labyrinthartige Wegesystem vervollständigen, aber dazu kam es nie. Der Auftraggeber, Prinz Wilhelm von Hessen-Kassel, zog um und ließ sein geistiges Kind unvollendet zurück. Dies änderte sich schließlich im Jahr 2000, als die Organisatoren von Lustwarande doch Statuen aufstellten.Lustwarande sollte ein Einzelstück sein, war aber so erfolgreich, dass die internationale Skulpturen-Manifestation zu einem wiederkehrenden Ereignis wurde. Und trotz der Streichung der Subvention – durch dieselbe Gemeinde, die die Buchen ertränkt hat – wird nun das 25-jährige Jubiläum gefeiert.

In den frühen Ausgaben – mit Werken von Berlinde De Bruyckere, Franz West und Anish Kapoor – diente der Park als herrliche Kulisse für erstklassige Arbeiten. Allmählich gibt es mehr Wechselwirkung zwischen Kunst und Kontext, besonders in dieser Ausgabe. Der Titel „Material Worlds“ bezieht sich auf die erneuerte Wertschätzung für das Greifbare und Authentische in diesem Zeitalter virtueller Zoom-Meetings und 3D-Drucke. Aber vor allem geht es um unsere Beziehung zur Natur, die das Material für Kunstwerke liefert und manchmal einen hohen Preis dafür zahlt.

Chloé Royer (1989) stellt treffend die erstickende Beziehung zwischen Mensch und Natur mit ihren Metallringen dar, die wie eine Form von Fesselung um Stämme hängen. Su Melo (1976) versucht, die Beziehung zu ihren Tree Huggers wiederherzustellen, indem sie Keramikhauben an Bäume hängt, in die man den Kopf stecken kann, während man liebevoll die Arme um den Stamm legt. Und die Arbeit von Jan Eric Visser (1962) ist vollkommen naturfreundlich. Der ‚Zero-Waste-Künstler‘ verwendet für seine Skulpturen nie neues Material, sondern stellt alles aus recyceltem Abfall her. Wie das weggeworfene Plastikmüll, das er aus dem Verbrennungsofen bewahrte und als Ode an die Zirkularität in eine Gruppe gewundener Skulpturen verwandelte.

Beweis für Einfallsreichtum

Mit wenigen Ausnahmen – wie den eulenartigen Köpfen von Nicole Eisenman (1965) und den Salzanemonen von Meri Karapetyan (1998) – dominiert eine abstrakte visuelle Sprache, die die Fähigkeit zur Assoziation schön fördert. Zum Beispiel erinnern die massiven Aluminiumskulpturen von Katleen Vinck (1976) an maßstabsgetreue Raumschiffmodelle. Und Phyllida Barlow (1944–2023) scheint ein Kaninchen zwischen gestapelten Klavieren zerquetscht zu haben.

Viel organischer sind die eingeengten Stücke, die Patricia Ayres (1975) hoch oben im Baum aufgehängt hat. Oder der Baum von Kokou Ferdinand Makouvia (1989), der einem mutierten Dickdarm ähnelt, dessen Bänder in den umliegenden Wald führen. Diese Werke sind eine Antwort auf die Cyborg-Philosophie der 1990er Jahre. Damals zeigte die Fusion mit Technologie den Weg in eine posthumane Zukunft. Heute unterordnen Künstler die Technologie dem organischen Leben, mit einem tiefen Glauben an die widerstandsfähige Natur, die uns Menschen und unsere Erfindungen überdauern wird.

Aber schreiben Sie Menschen nicht komplett ab. Bosco Sodi (1970) experimentierte mit Ton, Sand, Wasser und verschiedenen Brennstoffen, bis er Keramikblöcke einer Größe herstellen konnte, die laut physikalischen Gesetzen nicht vollständig aus dem Ofen zu entfernen ist. Zu Säulen gestapelt, stehen sie in der Nähe von Rondinones Mönch auf dem Buchenfriedhof, als Beweis für die Einfallsreichtum, mit der wir hoffentlich auch das Chaos beseitigen können, das wir uns selbst angerichtet haben.

Nähere Informationen: Lustwarande, Park de Oude Warande, Bredaseweg 441, Tilburg, Telefon: +31 013545757, E-Mail: info@lustwarande.org, Internet: http://www.lustwarande.org

Sondi gewinnt die Jubiläumsausgabe des Volkskrant Kunstpreises

Die Künstlerin Sondi, Künstlername Sondi Rumohr, hat den Volkskrant Kunstpreis 2026 gewonnen. Die Juryvorsitzende Ingrid van Engelshoven gab den Gewinner im Monopole, dem neuen Kunstraum des Stedelijk Museum Schiedam, bekannt. Die Jury lobt Sondi für „ein Werk, das sowohl persönlich als auch politisch Anklang findet“.

Der Volkskrant Kunstpreis feiert in diesem Jahr sein zwanzigjähriges Jubiläum und ehrt talentierte Künstler bis zum Alter von 35 Jahren, die in den Niederlanden leben oder arbeiten. Der Jurypreis beträgt 10.000 Euro. Neben Sondi (1994) wurden afra eisma (1993), Levi van Gelder (1995) und Malik Saïb-Mezghiche (1993) nominiert.

Laut Jury gelingt es Sondis Werk, persönliche Verletzlichkeit mit breiteren sozialen Themen zu verbinden. Im Jurybericht wird ihr Werk als dringend und nachdenklich beschrieben. „In einer Zeit, in der Gewalt allgegenwärtig scheint, findet dieser Künstler Raum für Verletzlichkeit, Vorstellungskraft und Hoffnung“, sagte die Jury. Er sieht „großes Potenzial“ in Sondi und erwartet, dass sie sich in den kommenden Jahren zu einer wichtigen Stimme der zeitgenössischen Kunst entwickelt.

Stereotypisierung in Spielen

In der Ausstellung „Volkskrant Visual Art Prize 2026“ präsentiert Sondi die multimediale Installation „Play Pretend“. Darin untersucht sie, wie der Körper unter anderem durch Bilder, Projektionen und Stereotype aus der Spielwelt geformt wird. Die Jury lobt die Art und Weise, wie Unbehagen und Sanftheit in ihrem Werk koexistieren. „Die harte und konfrontative Realität rassistischer Stereotype und Gewalt fließt auf bewegende Weise in traumhafte Bilder von Frieden und Ruhe über“, heißt es im Jurybericht.

Anne de Haij, Direktorin des Stedelijk Museum Schiedam und Monopole, bezeichnet Sondis Arbeit als aktuell und hoffnungsvoll. „Sondi spricht darüber, dass schwarze Spielcharaktere sehr stereotyp sind und welche Vorurteile das bei den Spielern hervorrufen kann. Anschließend verleiht sie dem Ganzen ihre eigene positive Note in ihrer Arbeit. Wir brauchen dringend so inspirierende und hoffnungsvolle Botschaften durch Kunst.“

Die Ausstellung mit Werken der vier Nominierten ist bis zum 2. August im Monopole in Schiedam zu sehen. Besucher können bis zum 12. Juli für ihren Lieblingskünstler abstimmen. Zusätzlich zum Jurypreis wird auch ein Publikumspreis von 2500 Euro vergeben. Beide Preise werden vom Schiedam De Groot Fund bereitgestellt.

Magie erwacht zum Leben in der Kunsthal KAdE

Man hört es, bevor man es sieht: Im ersten Raum von „Mundo Mágico“ begrüßt die Kunsthal KAdE Besucher mit beruhigender, meditativer Musik – ein völlig anderes Erlebnis als das geschäftige Treiben des Eemplein vor den Türen der Kunsthal. Der Titel bedeutet magische Welt, und die Ausstellung hält dieses Versprechen ein. Jeder Raum ist einem anderen Künstler gewidmet; Optisch variiert ihre Arbeit stark. Das magische Element kehrt immer wieder zurück: In Farbe, Material und Thema rufen die Werke jedes Mal eine andere Welt hervor.

Die Arbeit von Julien Creuzet (1986) sollte man nicht verpassen. Ganz am Anfang blickt man auf die Haupthalle, wo man später landet. Da sind seine Multimedia-Skulpturen. Die fließenden Formen lassen die Bilder scheinbar bewegen, als würden sie zur Musik tanzen. Der gesamte Raum ist der Bewegung gewidmet: Bildschirme zeigen flüssige Animationen, die zusammen mit Bildern und Ton ein Ganzes bilden.

Im Obergeschoss teilt „Green Clouds“(2021) von Daniel Steegmann Mangrané (*1977) einen der Räume in zwei Teile. Das Werk besteht aus einem Vorhang aus Metallketten, durch die man hindurchgeht, um voranzukommen. Das wirkt in einem Museum etwas unangenehm, aber die Platzierung macht deutlich, dass Berührung hier Teil des Kunstwerks ist. Der Besucher betrachtet nicht nur die magische Welt, sondern bewegt sich buchstäblich durch sie.

Nähere Informationen: Kunsthal KAdE, Eemhuis, Eemplein 77, Amersfort, Telefon +31 334225030, E-Mail: info@kunsthalkade.nl, Internet: www.kunsthalkade.nl

Gewinnspiel: Tickets für das Abendprogramm mit Carlijn Kingma

Die Museumstijdschrift kann 2×2 Tickets (Einsendeschluss 27. Juni) für das Abendprogramm rund um die Ausstellung „Carlijn Kingma – Die Maschinerie des öffentlichen Wohnungsbaus“ im Museum Singer Laren vergeben.

Am Mittwoch, 1. Juli, führen der Künstler Carlijn Kingma und der investigative Journalist Thomas Bollen durch „The Machinery of Public Housing“, Kingmas monumentale Zeichnung über das System hinter der Wohnungskrise. Im Theatersaaldes Museumswird der Wohnungsmarkt Schritt für Schritt analysiert: von politischen Entscheidungen und Geldflüssen bis hin zu den Konsequenzen auf der Straße.

Wohnen ist eine grundlegende Lebensnotwendigkeit, aber für viele Menschen ist bezahlbarer Wohnraum unerreichbar. Laut Kingma und Bollen ist die Wohnungskrise kein Zufall, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen und finanzieller Mechanismen. Am Abend zeigen sie, wie die Maschine funktioniert, wo sie stecken bleibt und welche Knöpfe gedreht werden können. Der Abend entspricht genau der gleichnamigen Ausstellung, die ab dem 30. Juni in der Singer Laren zu sehen ist.

Neben Kingma und Bollen gehören zu den Gästen Maaike Schoon, Autorin von „Why You Can’t Afford a House“, und Edwin Buitelaar, Professor für Land- und Immobilienentwicklung. Weitere Redner werden später bekannt gegeben. Der Abend wird in Zusammenarbeit mit Follow the Money organisiert.

Das Abendprogramm findet am Mittwoch, 1. Juli, im Museum Singer Laren statt. Der Theatersaal ist ab 19.30 Uhr geöffnet; Das Programm dauert von 20 bis 21.30 Uhr. Anschließend gibt es die Möglichkeit, die Ausstellung bis 22.30 Uhr zu besuchen.

Das Museumsmagazin sprach mit Carlijn Kingma über ihre Arbeitsweise, die Entstehung von „The Machinery of Public Housing“ und die Art und Weise, wie sie komplexe Systeme in Bilder übersetzt. Das vollständige Interview erscheint am 24. Juni in der Museumtijdschrift, dem digitalen Magazin in der App.

Nähere Informationen: Museum Singer Laren, Oude Drift 1, 1251 BS Laren, Telefon: (035) 5393939, E-Mail: museum@singerlaren.nl

Neue Generation – Leidenschaft für Keramik

In der Ausstellung „Neue Generation – Leidenschaft für Keramik“ werden die Besucherinnen und Besucher mit der überraschenden und vielseitigen Arbeit einer neuen Generation internationaler Keramiker vertraut gemacht. Was treibt diese jungen Macher an? Woher nehmen sie ihre Inspiration, wer hat ihnen den Beruf beigebracht und welche Träume wollen sie verwirklichen? Zu entdecken sind Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Keramikern aus verschiedenen Ländern und das Publikum kann sich von ihrer innovativen Sicht und Leidenschaft für Keramik überraschen lassen. Die Ausstellung ist bis 6. Dezember im Keramikzentrum Tiendschuur zu sehen.

Die Skulpturen von Ioana Tămaș (RO/NL) spiegeln emotionale Metamorphosen durch amythische Ästhetik wider. Die Betrachter sind eingeladen, zu entdecken, was die Formen persönlich in ihnen hervorrufen. Ein wiederkehrendes Element in den Skulpturen sind die spitzen Beine, die an Wurzeln erinnern – Symbole für Wachstum, Reichen und die Suche nach Stabilität. Darüber hinaus werden oft lithografische Techniken verwendet, um Muster oder Porträts hinzuzufügen.

Nähere Informationen: Keramikzentrum Tiendschur, Kasteellaan 8, Tegelen, Telefon: +31 773260213, E-Mail: info@tiendschuur.net, Internet: www.tiendschuur.net

Bitte berühren

Silber stimuliert die Sinne in der neuen Ausstellung „Please Touch“. In ihr schärft das Niederländische Silbermuseum das Bewusstsein für eine uralte Museumsregel: „Nicht anfassen“. Während Museen heutzutage fast alle ihre Objekte hinter Glas schützen, lädt „Please Touch“ Besucherinnen und Besucher in manchen Fällen ein, die Werke zu berühren.

Nähere Informationen: Niederländisches Silbermuseum, Kazerneplein 4, Schoonhoven, Telefon: +31 182385612, E-Mail: info@zilvermuseum.nl, Internet: www.zilvermuseum.nl

Doppelausstellung „Embroidery in Motion“ und „Who gave you wings?“

Die Ausstellung „Embroidery in Motion“ spiegelt die wunderbaren Möglichkeiten der Stickerei wider. Das Museum de Kantfabriek zeigt zusammen mit Mitgliedern von SteekPlus, einer nationalen Gruppe von Textilkünstlern, alle möglichen Facetten der Stickerei, von funktionaler und traditioneller bis hin zu zeitgenössischer Arbeit.

Wer hat dir Flügel gegeben?

„Wer hat dir Flügel gegeben?“ ist eine besondere Installation von Nellie de Mulder. Eine Kiste voller alter Spitzen- und Stickmuster war der Ausgangspunkt. Das Werk hat eine tiefere persönliche Bedeutung und besteht aus vierzig Kinderkleidern, die im Raum zwischen Vergangenheit und Gegenwart schweben.

Nähere Informationen: Museum de Kantfabriek, Americaanseweg 8, Horst, Telefon: +31 773981650, E-Mail: info@museumdekantfabriek,nl, Internet: www.museumdekantfabriek.nl

Museumsmagazin Nr. 4 • 2026 ist erschienen

über aktuelle Museumssammlungen, alte Drucke und zeitlose Straßenfotografie

Inhalt

Museum-Kort: die schönsten Ausstellungen im In- und Ausland

  • Pyke Koch & Charley Toorop: zwei figurative Maler, zwei künstlerische Gegensätze, nun Seite an Seite
  • Doppeltes Interview mit Lisa Konno & Paul Kooiker: Ein Modedesigner und ein Fotograf über ihre Hassliebe zur Mode
  • Kolumne: Pauline Broekema über die Arbeit des Schriftstellers und Künstlers Octavie Wolters
  • Kollektionspräsentationen: Ein frischer Blick auf Ihre eigenen Sammlungen? Drei Museen geben das Vorbild
  • Kho Liang Ie: Kosmopolitischer Modernist und Vorläufer des niederländischen Designs
  • Lou Loeber: Der sozialistische Maler wollte mit Farbe, Harmonie und Vielschichten erheben
  • Antony Gormley: Ein Besuch im Atelier des Bildhauers und seiner dreißig Assistenten im Herzen Londons
  • Rembrandts Radierungen: Seine Druckgrafik zeugt von ungezügelter Kreativität und kommerzieller Einfallsreichtum
  • Levitt & Van der Elsken: Ein schüchterner Amerikaner und ein frecher Niederländer als Begründer der Straßenfotografie
  • Ruud Kuijers Atelier und das Final Piece über den Choreografen William Forsythe