Ein neues Zeitzeugnis über eine „Alte Kirche“

Zu den bekanntesten und prägendsten historischen Bauwerken und Wahrzeichen Nordhorns gehört die Alte Kirche am Markt. Entstanden ist sie im 15. Jahrhundert. Die feierliche Einweihung – damals noch ohne Turm – erfolgte am 6. Juli 1445 im Beisein des Münsteraner Bischofs Johannes Fabri.

Seit ein paar Tagen liegt jetzt der neue Bildband „Alte Kirche am Markt in Nordhorn – Ein Zeitzeugnis aus 2025 -“ vor. Initiator Georg H. Pauling, langjähriger Kirchenältester und Mitglied der reformierten Gemeinde, will mit dieser Veröffentlichung nach seinen eigenen Worten „seine persönliche Wertschätzung für diesen besonderen Ort teilen und sichtbar machen, wie viel Leben, Geschichte und Glauben in diesen alten Mauern steckt.“

Unterstützung bei der Umsetzung seines Vorhabens hat er zum einen von seinem Freund Arno Frey erhalten, mit dem er das Interesse für Kunst, Kirchengeschichte, Architektur und Fotografie teilt, zum anderen von Werner Bergfried, dem früheren Pastor an der Alten Kirche am Markt, der sich während dieser Tätigkeit immer intensiver mit der Geschichte dieses Gebäudes beschäftigt hatte. Während Pauling und Frey vor allem für den Bereich Fotografie zuständig waren, oblag Bergfried die redaktionelle Tätigkeit, die auch die Bildtexte umfasste.

Dem Autor ist es dabei gelungen, auf sechs Seiten sowohl die über 550-jährige Geschichte der Kirche, ihre mittelalterlichen Ursprünge, den Einfluss des Klosters Frenswegen als Ausgangspunkt der religiösen Erneuerungsbewegung „devotia moderna“, die Finanzierung und Bauweise, die durch die Reformation ausgelösten Veränderungen für die Kirche und das rege Gemeindeleben anschaulich und verständlich darzustellen, was angesichts der Fülle und Komplexität des Materials keine leichte Aufgabe war.

Einen Schwerpunkt seiner Ausführungen legt Bergfried auf die „eindrucksvollsten und zugleich geheimnisvollsten Ausstattungen der Alten Kirche Nordhorn.“ Es sind die Wandmalereien. Die Fresken im Chorraum, die aus dem 15. Jahrhundert stammen, zeigten die 12 Apostel. Im Zuge der Reformation, in der Heiligenverehrung und bildliche Darstellungen abgelehnt wurden, weil „sie den Glauben zu sehr auf äußere Zeichen“ fokussierten, wurden diese Malereien zu Beginn des „Dreißigjährigen Krieges“ übertüncht und überklebt.

Wiederentdeckt wurden sie erst im 20. Jahrhundert im Rahmen restauratorischer Arbeiten. Hierzu merkt der Autor ergänzend an, dass von den Aposteln Petrus und Paulus nur noch das Podest übriggeblieben sei, und von dem Apostel Andreas nur das Andreaskreuz. Wie Bergfried weiter schreibt, sind die Wandmalereien „erst seit 1998 … nach und nach wieder freigelegt worden, wobei der fragmentarische Zustand als Teil ihrer Geschichte verstanden wird.“ Darüber hinaus geht Bergfried in seinem Beitrag auf die kunsthistorische Bedeutung der Wandmalereien, den Wandel des Denkens über den Umgang mit Kunst in den Kirchen, restauratorische Arbeiten und manches mehr ein.

Schwerpunkt des Buches sind aber die von Georg Pauling und Arno Frey in diesem Jahr angefertigten Fotos, die durch ihre hohe Qualität bestechen. In mehr als 50 Detailaufnahmen werden viele architektonische und gestalterische Elemente sichtbar gemacht, die den Besucherinnen und Besuchern aufgrund ihrer Fülle bei der ersten Betrachtung zumeist entgehen.

Auch hier liegt der Fokus auf den Wandmalereien. Dank der knappen, aber sehr informativen Bildtexte können die abgebildeten Apostel trotz der „Spuren der Geschichte“ namentlich zugeordnet werden. Wie ein sich auf zwei Seiten erstreckendes Foto deutlich macht, hat insbesondere das Motiv vom heiligen Georg, der den Drachen besiegt hat, erheblich deutlichere Schäden erlitten. Trotzdem konnte es auf ein ähnliches Motiv des Künstlers Israhel von Meckensen (Meckenheim) zurückgeführt werden, das vermutlich zwischen 1465 und 1470 entstanden ist.

Weitere Details, die von den beiden Fotografen festgehalten wurden, sind unter anderem die Orgel, die Glocke, das Dachgeschoss mit den Gewölbekuppeln, die Turmuhr, mehrere Schriftplatten und der Opferstock, der früher ein katholisches Weihwasserbecken war. Perspektivische Blicke runden den Bereich Fotografie ab.

Dank der gelungenen Mischung aus Text und Foto ist es allen drei Beteiligten gelungen, ein Buch zu erstellen, das dem Leser einen guten Einstieg in die spannende Geschichte der Alten Kirche am Markt ermöglicht.

Nachtrag:

Über eine große Resonanz konnten sich Georg Pauling, Werner Bergfried und Arno Frey anlässlich der offiziellen Vorstellung des Buches in der Alten Kirche am Markt freuen. Einen besonderen Dank erhielten sie für die umfangreiche Arbeit an dem Buch von Pastor Simon Plenter. Er nahm in seiner Begrüßungsrede insbesondere Bezug auf das im Buchtitel enthaltene Wort Zeitzeugnis, dem er zwei Bedeutungen zuschrieb: Zum einen die Zeit, in der das Buch entstanden sei und in der Pauling, Bergfried und Frey einen neuen Blick auf die historienträchtige Kirche gerichtet, zum anderen das Zeugnis, dass die drei als Ort des Glaubens mit dem Buch abgelegt hätten.

Im zweiten Redebeitrag betonte Initiator Georg Pauling zunächst seinen besonderen Bezug zur Alten Kirche, die 1964 mit seiner Taufe begonnen hatte und 2017 nach seinem Umzug von Bad Bentheim nach Nordhorn mit einem Neuanfang verbunden war. Er wurde Kirchenältester, Turmführer, Kassenwart und Mitglied des Bauvereins „Alte Kirche“. Durch die Begegnung mit dem ehemaligen Pastor der Alten Kirche, Werner Bergfried, wurde, wie Pauling weiter berichtete, sein Interesse für die Geschichte, die sich an den Mauern des Gebäudes zum Teil zeigt, zum Teil aber auch verbirgt, geweckt – insbesondere für die Fresken. Das war dann auch die Inspiration, das vorliegende Buch herauszubringen.

Detailliert auf das Motiv des Heiligen Georg im Kampf gegen den Drachen ging Arno Frey ein. Wie er ausführte, ist Georg ein legendärer christlicher Heiliger, welcher der Überlieferung zufolge zu Beginn der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian (284–305) gefoltert und getötet und nach dem Sieg des Christentums in vielen Kirchen als Groß- beziehungsweise Erzmärtyrer verehrt wurde.

Frey machte aber auch deutlich, dass die Titulierung Georgs als Märtyrer nicht immer unumstritten war. Aufgrund fehlender historische Angaben zu seiner Person wurde er in der römisch-katholischen Kirche 1969 aus dem römischen Generalkalender gestrichen, jedoch 1975 wieder eingefügt. Die Legende vom Drachentöter Georg, der das Land von einem tyrannischen Drachen befreite, wenn sich das Volk dafür taufen ließe, kam im 12. Jahrhundert auf und ist in der mittelalterlichen Textsammlung „Legenda aurea“ überliefert. Georg zählt im christlichen Glauben zu den 14 Nothelfern und ist der Schutzpatron verschiedener Länder, Adelsfamilien, Städte und Ritterorden sowie der Pfadfinder. Trotz der Verortung der Herkunft Georgs im Bereich Kleinasien und Syrien wird er auch in Europa verehrt. In Großbritannien ist ihm sogar ein Feiertag gewidmet.

Sein Symbol in der Heraldik ist das Georgskreuz. Das rote Kreuz auf weißem Grund ist in vielen Wappen und Flaggen enthalten. Heiligenattribute, die neben dem Georgskreuz als Erkennungszeichen des Heiligen dienen, sind der Drache sowie seine Darstellung als Ritter mit Lanze auf einem Pferd, wie sie sich auch auf einem Motiv der Fresken in der Alten Kirche finden. Lange Recherchen führten laut Frey, wie schon angemerkt, zu der Erkenntnis, dass dieses Motiv, eine Kopie, dem Künstler Israhel von Meckensen (Meckenheim) zuzuordnen und vermutlich zwischen 1465 und 1470 entstanden sei. Eine Vielzahl seiner Werke befindet sich in Bocholt, wo er zirka 1440 geboren wurde und 1503 starb.

Das Buch ist im Gemeindehaus am Markt, bei Von Poll Immobilien am Europaplatz, beim Tabakwarenhandel Strohm (Inh.: Dietmar Brookmann) an der Bahnhofstraße, bei der Rechtsanwaltskanzlei Weßling, Kambach und Bitzer an der Ecke Sandstiege/Büchereiplatz, beim VVV Stadt & Citymarketing an der Firnhaberstraße, bei Firnhabers Neuland an der Firnhaberstraße und im Buchhandel erhältlich. Der Kaufpreis beträgt 29 Euro. 10 Euro davon fließen in den Erhalt der Alten Kirche am Markt.

Georg H. Pauling, Alte Kirche am Markt – Ein Zeitzeugnis aus 2025 -, Edition Virgines, ISBN 978-3-910246-46-1.

Germaine Krull: Chien Fou – Autorin und Fotografin

Der Nachlass der Fotografin Germaine Krull befindet sich seit 1995 im Museum Folkwang. Er umfasst neben Abzügen, Negativen und Publikationen auch ein umfangreiches publizistisches Œuvre. Dazu gehören (auto)biografische und (auto)fiktionale Texte, (Foto-)Bücher und Maquetten, Briefe und politische Berichte oder Reportagen.

Als erweiterter Zugang zum künstlerischen Vermächtnis Germaine Krulls wird dieses publizistische Œuvre jetzt in wesentlichen Teilen sichtbar. Angesichts der Tatsache, dass das Schreiben sämtliche Schaffensphasen der Künstlerin begleitete, rückt mit dieser Ausrichtung, ergänzend zu den avantgardistischen Arbeiten der 1920-er und 1930-er Jahre, auch die fotografische Praxis jener Schaffensphasen in den Blick, die von der Forschung bisher nur marginal berücksichtigt wurden. Mit dem Werk ab Beginn des Zweiten Weltkriegs, nach der dauerhaften Abkehr von Europa entstanden, eröffnet das Ausstellungs- und Publikationsprojekt „Germaine Krull: Chien Fou – Autorin und Fotografin“, das vom 28. November bis zum 15. März 2026 im Museum Folkwang zu sehen ist, auch eine neue transkulturelle Perspektive auf das Leben und auf die künstlerische Arbeit Germaine Krulls.

Zu Germaine Krull (Beitrag des Deutschlandfunks):

In den 1920er-Jahren prägte Germaine Krull mit ihren Bildreportagen die Fotografiegeschichte. Mit schrägen Perspektiven und Ausschnitten entwickelte sie eine ganz eigene Bildsprache. Ihre Reportagen stehen für eine gesellschaftspolitische Empathie.

1967 in Paris formuliert Germaine Krull das Leitmotiv für ihr fotografisches Lebenswerk: „La photographie en soi n’est pas un art. Mais le photographe devrait être un artiste.“, in deutscher Sprache „Die Fotografie an sich ist keine Kunst – aber der Fotograf sollte ein Künstler sein.“

Geboren am 20. November 1897, bis 1918 ausgebildet an der Lehranstalt für Fotohandwerk in München, dokumentiert sie mit der Kamera den Großstadt-Alltag, entwickelt aber auch einen Sinn für künstlerische Experimente der Avantgarde. Befreundet mit Schriftstellern, Theaterleuten und Filmemachern lebt und arbeitet die Fotografin zunächst in Berlin, dann in Amsterdam und von 1926 an in der französischen Metropole. In der Cinémathèque française entsteht 1967 das einzig erhaltene Tondokument anlässlich einer Ausstellung, die Kulturminister André Malraux persönlich auf den Weg gebracht hat. Auf Glanz und höhere Weihen legt Germaine Krull allerdings keinen Wert, sie betont: „Fotografieren ist ein Beruf. Ein Handwerksberuf.“

Politisches Engagement

Ihren Beruf stellt die Fotografin nach Abschluss der Lehre, 1918, erst einmal hintan und engagiert sich politisch. Aber die Münchener Räterepublik wird blutig niedergeschlagen, Germaine Krull flieht Richtung Moskau. Zurück in Deutschland eröffnet sie 1923 in Berlin ein eigenes Atelier. Aber erst nachdem sie mit dem Dokumentarfilmer Joris Ivens nach Amsterdam gezogen ist und dort ihr Faible für technische Anlagen, für Kaimauern, Kräne und Speicherhäuser entdeckt, gelingt der Durchbruch.

Die Schönheit von Transformatoren

Mittlerweile in Paris angelangt, präsentiert die Fotografin das Portfolio „Métal“. Der Schriftsteller Pierre MacOrlan ist begeistert: „Ob Germaine Krull eine Maschinenlandschaft zur Symphonie umgestaltet oder mit den Lichtern von Paris spielt, sie legt geheime Details bloß.“

Mit Mehrfachbelichtungen oder ebenso sachlichen wie surrealistisch verfremdeten Schwarzweiß-Kompositionen hebt die Fotografin die Schönheit von Kugellagern oder Transformatoren hervor. Ähnlich arbeiten André Kertész, Man Ray und Berenice Abbott, die 1928 mit dem „Ersten unabhängigen Salon der Fotografie“ das Lichtbild als neue, eigenständige Kunstform etablieren.

Germaine Krull ist mit von der Partie, findet allerdings einen ganz eigenen Weg für ihr Metier: „Es ist weder Malerei noch Fantasie. Der Fotograf ist ein Zeuge. Der Zeuge seiner Epoche. Der echte Fotograf ist der Zeuge aller Tage, der Reporter.“

Reportagen mit gesellschaftspolitischer Empathie

Die virtuose Reporterin Germaine Krull wird zur tragenden Säule der Zeitschrift „VU“. Mit ihrem subjektiven Foto-Auge und einer präzis geführten Kamera verschmelzen Temperament und Technik, Kunst und handwerkliches Können. Höhepunkte dieser Verbindung von formaler, ästhetischer Kreativität mit gesellschaftspolitischer Empathie sind Reportagen wie „Die Arbeiterinnen von Paris“. Damit steht Germaine Krull für den Philosophen Walter Benjamin auf ihre ganz eigene Art gleichrangig neben Fotografen wie August Sander oder Wilhelm Bloßfeldt: „Die Fotografen, die nicht zufällig, nicht aus Bequemlichkeit von der bildenden Kunst zum Foto gekommen sind, bilden heute die Avantgarde unter den Fachgenossen.“

Einsatz als Kriegsreporterin

Als hätte sie ihr Ziel damit erreicht, verabschiedet sich Germaine Krull von der Fotografie. Nach dem Einsatz als Kriegsreporterin bei der Befreiung Frankreichs reist sie 1946 durch Südostasien und eröffnet in Bangkok ein Hotel. Erst 1960, um Relikte und Denkmäler asiatischer Kulturen zu dokumentieren, nimmt die mittlerweile erfolgreiche Geschäftsfrau ihre Kamera wieder zur Hand.

Für nachfolgende Fotografen-Generationen hinterlässt Germaine Krull, die 1985 in Wetzlar gestorben ist, einen Rat: „Fotografie ist keine Maschine. Man ist leider an die Maschine gefesselt, an die Kamera, den Film, die Entwicklung. Aber jeder muss sein Bild erspüren. Und dann ein, höchstens zwei Fotos aufnehmen. Einfach nur klick, klick, klick zu machen – das führt zu nichts.“

Nähere Informationen: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen, Telefon +49 2018845000, E-Mail: info@museum-folkwang.essen.de

Künstlerin Tadáskía realisiert Installation im K21

Tadáskía (*1993 in Rio de Janeiro) zählt zu den einflussreichsten zeitgenössischen Künstlerinnen Brasiliens. Ihr vielseitiges Werk umfasst Zeichnung, Malerei, Skulptur, Video und weitere künstlerische Ausdrucksformen. Es berührt Themen wie Veränderung und Selbstwahrnehmung, widmet sich dem Vertrauten und Fremden und greift lebendige und vergessene afro-transgender-kosmologische Erzählungen auf.

Im Rahmen des „K21 Global Art Award“ wird Tadáskía als Preisträgerin die ortsspezifische Installation „brincando animada: travesti mariposa centopeia / animated play: travesti moth centipede“ (2025) für die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen realisieren. Das Werk besteht aus einem frei auf die Wand gemalten semi-abstrakten Bild und neu geschaffenen Skulpturen aus Taboa. „Es ist ein unerwartetes Geschenk, meine Arbeit – die ich meiner Mutter Elenice, die mit den Pflanzen und den Sternen sprach, und meines Vaters Aguinaldo, der mir Beständigkeit beigebracht hat, zu verdanken habe – an Orte jenseits des Vertrauten zu gelangen. Ich bin zutiefst dankbar und fühle mich geehrt, den dritten K21 Global Art Award zu erhalten. Es freut mich sehr, meine Zeichnungen in diesem anderen Teil der Welt lebendig werden und spielen zu sehen“, sagt Tadáskía.

Die Zeichnung bildet ein zentrales Element in Tadáskías Schaffen. Spuren von Pastell, Spray, Graphit und Kohle verwandeln sich zu lebendigen und geheimnisvollen Zeichen – jede Linie wird zu einem intimen Gestus, einem Flüstern aus einer Welt zwischen den Welten. Tadáskías Skulpturen entstehen aus Taboa, einer schilfartigen Pflanze, die in afro-indigenen Gemeinschaften des brasilianischen Pantanal oder Amazonasgebiets traditionell zum Bauen aber auch als Heilpflanze verwendet wird und das kulturelle Wissen von Vorfahren in sich trägt. Die Künstlerin formt aus diesem strohähnlichen Material kleinformatige, sich windende Skulpturen, die ihre Wandzeichnung um eine kaleidoskopische Situation im Raum erweitern.

Die Arbeit spielt mit der Verflechtung von Selbstwahrnehmung, Vorstellungskraft und Geheimnisvollem und lädt dazu ein, festgefügte soziale Normen und Geschlechterrollen zu hinterfragen und Genderfluiditäten sichtbar zu machen.

Das Werk wurde bereits in bedeutenden internationalen Institutionen realisiert, darunter im Museum of Modern Art in New York (2024) und auf der 35. Bienal de São Paulo (2023). Arbeiten von Tadáskía befinden sich in renommierten öffentlichen Sammlungen wie dem Museum of Modern Art in New York, dem Nevada Museum of Art in Reno, der Pinacoteca de São Paulo, dem Solomon R. Guggenheim Museum in New York sowie bei Kadist in Paris. Ab 2025 erweitert ihr Werk die Sammlung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen um eine zeitgenössische non-binäre Perspektive aus Lateinamerika.

Nähere Informationen: K21, Ständehausstraße 1, 40217 Düsseldorf.

„Queere Moderne 1900 bis 1950“ im K20 in Düsseldorf

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt mit „Queere Moderne. 1900 bis 1950″ noch bis zum 15. Februar 2026 die erste umfassende Ausstellung in Europa, die den bedeutenden Beitrag queerer Künstlerinnen und Künstler zur Moderne vorstellt. Mit über 130 Werken – darunter Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen, Filme, Literatur und Archivalien – von 34 internationalen Künstlerinnen und Künstlern richtet das Ausstellungsprojekt den Fokus auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es erzählt eine alternative Geschichte der Moderne, in der queere Künstlerinnen und Künstler Themen wie Begehren, Gender und Sexualität sowie die Politik der Selbstdarstellung in den Mittelpunkt ihres Schaffens stellten. Sie erzählt zudem Geschichten queeren Lebens in Zeiten von Krieg und Widerstand. Mit dabei sind queere Künstlerinnen und Künstler wie Claude Cahun, Hannah Höch, Jean Cocteau, Romaine Brooks, Marlow Moss oder Richmond Barthé.

Nachdem die K20 Sammlung in den letzten Jahren vielstimmiger, globaler und experimenteller geworden ist, eröffnet die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen mit dieser einzigartigen Ausstellung neue Perspektiven auf die Moderne und schenkt bisher weniger beachteten Positionen eine große Sichtbarkeit. Ein queerer Beirat hat die Ausstellung kritisch beraten, Vermittlungssituationen konzipiert und Vorschläge zum Rahmenprogramm beigetragen.

Publikation

Das Experimentieren mit alternativen Lebensentwürfen spiegelt sich in neuen Bildsprachen, Perspektiven und einer anderen Ästhetik wider. „Moderne Utopien von der Aufhebung der Geschlechter-Binarität“, „Queere Avantgarden“ oder „Die Potentiale queerer Lesarten von Abstraktion“ sind nur einige der spannenden Themen, die der Band vorstellt. Er erzählt gleichzeitig die Geschichte queeren Lebens in einer Zeit von Krieg, Verfolgung und Widerstand.

Deutsch/Englisch, 336 Seiten, 250 Abbildungen, 39,90 Euro

Nähere Informationen: K20, Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf, Telefon: +49 (0)211 8381-204, E-Mail: service@kunstsammlung.de. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen jeweils von 11 bis 18 Uhr.

Kunstverein Steinfurt präsentiert in einer Doppelausstellung Malerei, Grafik und Skulpturen

Vor Kurzem wurde in den Räumlichkeiten des Kunstvereins Steinfurt, dem Huck-Beifang-Haus an der Hahnenstraße im Stadtzentrum, eine Ausstellung mit Werken der Künstlerin Verena Gründel und des Künstlers Thomas Junghans eröffnet. Während Gründel malerische und grafische Werke zeigt, sind es bei Junghans Skulpturen.

Zu den Künstlern

Verena Gründel, 1990 in Hamm, Westfalen, geboren, schloss ihr Kunststudium an der Kunstakademie Münster 2020 als Meisterschülerin von Prof. Cornelius Völker ab. Ihre Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland präsentiert und mit diversen Kunstpreisen und Stipendien ausgezeichnet.

Während sich die Künstlerin in ihrem Studium hauptsächlich der Druckgrafik (Aquatinta-Radierungen) gewidmet hat, bewegt sie sich jetzt im Medium der Malerei. Dabei setzt sie sich mit alltäglichen und flüchtigen Eindrücken – hauptsächlich Landschaften – auseinander und übersetzt diese in „malerische Essenzen“, bei denen Licht und Schatten und glutvolle Farbigkeit ein beunruhigendes Eigenleben abseits des Benennbaren entfalten. Das Abbilden und Einfangen von Zeit und Vergänglichkeit bilden dabei einen zentralen Ausgangspunkt für die Malereien und tritt in den Arbeiten immer wieder unterschiedlich in Erscheinung.

Thomas Junghans, geb. 1981 in Stollberg/Erzgebirge, entdeckte seine Passion für Skulpturen beim Zivildienst als Vogelwart auf der Nordseeinsel Scharhörn. Seine Motive, vorwiegend Tiere und Pflanzen, inspirierten ihn, eine Ausbildung zum Steinmetz zu absolvieren mit einem anschließenden Studium der Steinbild – und Holzbildhauerei in Südtirol. Als Restaurator arbeitete er unter anderem am Dom zu Halberstadt und beim Wiederaufbau des Neuen Museums Berlin.

Seit 2013 lebt er als freier Bildhauer in Tharandt lebt. Seine Motive findet Thomas Junghans in der Natur. Feinfühlig haucht er totem Holz oder Resten von Vögeln Leben ein. Die Themen und Formen suchen dich heim, nicht umgekehrt, stecken jahrelang in dir, werden durch deine Hände plastisch, berührbar und herrlich dreidimensional.

Nähere Informationen: Kunstverein Steinfurt, Hahnenstraße 8, 48565 Steinfurt, E-Mail: kontakt@steinfurter-kunstverein.de

Freie Künstlergemeinschaft Schanze zu Gast in Mettingen, Ibbenbüren und Dörenthe

Die diesjährigen Herbstgäste der drei Kunstvereine in Mettingen, Ibbenbüren und Dörenthe kommen aus der Region – genauer gesagt aus Münster. Die „Freie Künstlergemeinschaft Schanze“, eine traditionsreiche Vereinigung mit über 100-jähriger Geschichte, präsentiert in allen drei Häusern vom 15. November bis zum 14. Dezember ein breites Spektrum zeitgenössischer Kunst unter dem Titel „Innere Reise“.

Die Künstler:innen zeigen Werke aus den Bereichen Malerei, Grafik, Fotografie, Plastik und Installation. Der Titel „Innere Reise“ dient als roter Faden und verweist auf die individuellen künstlerischen Prozesse, die von Gedanken, Wahrnehmungen, Erlebtem und Intuition geprägt sind. Die Ausstellung lädt dazu ein, sich auf eine Reise durch persönliche Perspektiven, emotionale Tiefen und gesellschaftliche Themen zu begeben.

Mit dabei sind: Erhard Wilde, Natascha Fix, Margit M. Hübschen, Mark Tippmann, Michael Hassels, Jan Homeyer, Thomas M. Hartmann, Rupert König, Wilhelm Wahner, Dieter van Offern und Miriam Przygoda.

Ihre Werke thematisieren unter anderem Natur und zwischenmenschliche Beziehungen (Wilde), fantasievolle Bildgeschichten mit Van Gogh (Homeyer), Spuren der Natur und menschlicher Realität (Hartmann), Licht und Bewegung in der Fotografie (Wahner), gesellschaftliche Phänomene wie Panik und Perfektion (Tippmann), Kritzelzeichnungen und Pop-Art-Elemente (Hassels), lakonischen Realismus und emotionale Distanz (van Offern), ökologische und feministische Positionen in der Bildhauerei (Hübschen), Collagen aus persönlichen Fotoreisen (Fix), Zeichnungen und Schnitzarbeiten aus Selbstreflexion (König) und Gemälde und Linolschnitte als Ausdruck innerer Atmosphären (Przygoda).

Die Eröffnung am 15. November erfolgt um 15 Uhr im Kunstspeicher Mettingen, um 16.30 Uhr im Kunstverein Ibbenbüren und um 18 Uhr im Kulturspeicher Dörenthe. Geöffnet ist sie an allen drei Standorten am Samstag und Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr.

Nähere Informationen: Kulturspeicher Dörenthe, Hafenstraße 14, 49479 Ibbenbüren, Telefon +49 5455 960094, E-Mail: info@kulturspeicher-doerenthe.de, Schultenhof Mettingen, Bergstraße 9, 49497 Mettingen, Telefon +49 5452 5213, E-Mail: info@schultenhof-mettingen.de und Kunstverein Ibbenbüren, Klosterstraße 21, 49477 Ibbenbüren, E-Mail: info@kunstverein-ibbenbueren.de.

Ausstellung in Emsdetten: Katsuhiko Matsubara: „Piece of myth“

Der Emsdettener Kunstverein präsentiert noch bis zum 2. November die Ausstellung „Piece of myth“ mit Werken des Künstlers Katsuhiko Matsubara.

Katsuhiko Matsubara erschafft in seiner Malerei einen harmonischen Raum zwischen Geist und Materie, Ost und West. Mit feinen Schichten und erdigen Flächen aus Ölfarbe erzeugt er ein lebendiges, organisches „Ökosystem“, das nicht konkrete Motive zeigt, sondern durch Farben, Texturen und Bewegung wirkt. Seine Werke basieren auf einer animistischen Weltsicht und verbinden persönliche Erfahrungen mit westlichen Kunstströmungen wie dem Impressionismus und Symbolismus. So lädt Matsubaras Malerei zur tiefen sinnlichen und geistigen Erfahrung ein.

Zum Künstler:

Katsuhiko Matsubara, 1986 in Tokio geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Von 2016 bis 2021 studierte er Malerei bei Prof. Anselm Reyle an der HFBK Hamburg. 2019 und 2020 war er Stipendiat im Künstlerhaus Bethanien. Derzeit stellt er vor allem in Deutschland, aber auch international in Galerien, Institutionen und Museen aus.

Nähere Informationen: Emsdettener Kunstverein, Friedrichstraße 2, 48282 Emsdetten, E-Mail: info@emsdettener-kunstverein.de. Die Ausstellung kann noch bis 2. November immer donnerstags und freitags von 15 bis 19 Uhr, samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr in der Galerie Münsterland besucht werden.

Sechs große Kunstwerke unter dem Motto „Lass uns tanzen“

„Let’s Dance“ bringt nach langer Zeit sechs große Kunstwerke zurück ins Museum. Eine Form von Bewegung ist in allen Arbeiten erkennbar. Am auffälligsten ist die leuchtend pinke Skulptur „Pompadour“ von Antony Caro. In dieser Präsentation, die noch bis zum kommenden Sonntag, 2. November, im Kröller-Müller Museum in Otterlo/NL zu sehen ist, wird es mit „schwingenden“ Skulpturen von Richard Deacon, William Tucker und anderen kombiniert.

Die Skulpturen von Antony Caro (1924–2013) wirken „offen“, luftig und verspielt. In „Pompadour“ tanzen sechs quadratische Flächen auf und ab wie Noten in einer Notenzeile. Die Elemente scheinen zufällig in einer ständigen Andeutung von Bewegung zusammengeführt zu sein.

„Pompadour“ wird hier mit Skulpturen von Künstlern wie Richard Deacon (1949) und William Tucker (1935) kombiniert sowie mit Werken von früheren Studenten Caros an der St. Martin’s School of Art in London. Auch die fließende Linie von Deacons „Blind, Deaf and Dumb (A)“ und Tuckers rockiges „ARC“ evozieren Bewegung. Und wenn man genau hinschaut, sieht man die Blechfahne von Reiner Ruthenbeck (1937–2016) sanft auf ihrer Linie „wehen“.

Neben den Skulpturen von Caro, Deacon, Tucker und Ruthenbeck sind auch Werke von John McCracken (1934–2011) und Auke de Vries (1937) zu sehen.

Das Kröller-Müller-Museum ist dienstags bis sonntags von10 bis 17 Uhr geöffnet. Nähere Informationen erfolgen unter der Telefonnummer (0031) 0318 591241, im Internet auf www.kmm.nl und per Email unter info@kmm.nl

Museumsnacht Winterswijk: ein Abend, drei Museen, unendlich viel zu erleben

Am Samstag, 15. November, öffnen das Museum Villa Mondriaan, Transit Oost und die Museumfabriek gemeinsam ihre Türen für eine neue Ausgabe der Museumsnacht Winterswijk.

Ein Abend voller Musik, Getränke, Kurzfilme, Karaoke und Performances. Eine Entdeckungsreise durch Kunst, Erbe und Kreativität, alles zum Greifen nah. In dieser besonderen Nacht verwandelt sich Winterswijk in ein lebendiges kulturelles Netzwerk. Die Besucher ziehen von Museum zu Museum und erleben an jedem Ort eine andere Atmosphäre.

Im Museum Villa Mondriaan verwandelt sich die historische Villa in einen lebendigen Treffpunkt. Zwischen den Kunstwerken wird Musik gespielt und es werden Kurzfilme gezeigt und zum Abschluss kann sich das Publikum beim Karaoke austoben. Von spontanen Vocals bis hin zu tanzbaren Sets. Ein Abend, an dem Kunst und Nachtleben mühelos verschmelzen. Bei Transit Oost dreht sich alles um Technologie. Die Besucher erhalten einen einzigartigen Blick hinter die Kulissen und sehen hautnah, wie Züge gebaut und restauriert werden. Zwischen dem Stahl und den Werkbänken ist eine musikalische Überraschung zu hören, die das industrielle Dekor zum Leben erweckt.

In der Museumfabriek erfüllt Live-Musik den Raum, und eine Band umrahmt den Abend auf stimmungsvolle Weise. Darüber hinaus werden alte Filmaufnahmen aus Winterswijk gezeigt, eine Zeitreise, die zeigt, wie reich das lokale Erbe ist. Und genauso viel Spaß macht die Fahrt zwischen den Drehorten: Ein Borrelbus bringt die Besucher auf festliche Weise von Museum zu Museum bringt. Mit einem Drink in der Hand wird die Fahrt selbst Teil der Party.

Die Museumsnacht Winterswijk ist eine Ode an Kreativität, Zusammenarbeit und Staunen, eine Nacht, in der Kunst, Musik und Gemeinschaft aufeinandertreffen.

Nähere Informationen: Museum Villa Mondriaan, Zonnebrink, 47101 NC Winterswijk, Telefon +31 (0) 54351 5400, E-Mail info@villamondriaan.nl. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Solarpunk – Eine Ausstellung mit einem Funkeln aus der Zukunft

In Zeiten, in denen sich die Nachrichten zu Kriegen, Hunger und Naturkatastrophen überschlagen, lädt die Ausstellung „Solarpunk“, die bis zum 17. Januar 2026 im „uzwei“ im Dortmunder U zu sehen ist, dazu ein, gemeinsam die Vision einer Zukunft zu entwerfen, in der Inklusion, Klimagerechtigkeit, Diversität und Gleichberechtigung möglich und die von Nachhaltigkeit, Klimaschutz und einer Überwindung von Konflikten geprägt ist.

Junge Künstlerinnen und Künstler zeigen Werke, die danach fragen, wie und ob eine solche Zukunft erreicht werden kann. Sie laden dazu ein, dass alle, die die Ausstellung besuchen, Ideen entwickeln, was sie selbst zu der Erschaffung einer Welt beitragen können, in der das Leben auch noch in hunderten von Jahren lebenswert ist. Außerdem erfahren Besucherinnen und Besucher, was sich hinter dem Science Ficion-Genre „Solar Punk“ verbirgt.

Die Ausstellung macht Mut zum Optimismus und für eine gemeinsame Rebellion gegen Umweltverschmutzung, Krieg, Diskriminierung und Hoffnungslosigkeit.

Zu sehen sind Kunstwerke von Nour Attalla und Robert Manschke, Marija Balubdžić mit Solarchor – Daniel Butau, Teresa Ewers, Elisavet Kenanoglou, Mika Finn Klöpper, Mia-Lucy Rottmann, Hannah Schittkowski – Bea Davis, Sheree Domingo, Marta Górnicka mit – Smilla Ann, Anjali Bröcker, Ayla Buchholz, Katharina Frölich, Cosmo Glanc, Judith Grytzka, Lukas Huber, Agnetha Jaunich, Jan Kollenbach, Lisa Schäfer, Camila Scholtbach, Lioba Sombetzki und Johanna Sowka -, Stefan Hurtig, Lounami und Mia Killus, Judith Kranz, Gabriel Massan, Theresa Mielich, Simone Salva-Neumann, Maki Shimizu, Stift Toucheé – Helena Daniel, Till Gilsbach, Norman Grotegut, Jacqui Mundri, Therese Schuleit, Maike Weckenbrock, Rendered Realities – Agnetha Jaunich und Hendrik Lange mit Michael Nguyen und Florencia Alonso.

Workshops bieten an: Melissa Arcak, Christopher Bonk, Sofia Brandes, Laura Gronwald, Rafael Hengelbrock, Anna Hilfrich Lisanne Immke, Christine Köck, David Mergelmeyer, Lisa Panitz, Salma Parra Scholz, Franziska Schneeberger, SOFF – Diana Helena Sophie Ramirez, Katja Striedelmeyer und Sarah Wegmann.

Nähere Informationen: uzwei im Dortmunder U, Leonie-Reygers-Terrasse, 44137 Dortmund, E-Mail: uzwei@stadtdo.de, Telefon 0231 5010171.