„Ich, Gustave Courbet“ – Realismus, Rebellion und kosmopolitische Perspektiven

Das Museum Folkwang in Essen präsentiert 2026 ein Jahresprogramm, das historische Bezüge, zeitgenössische Relevanz und kulturelle Vielfalt miteinander verbindet. Herausragende Retrospektiven, international bedeutende Fotografie und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Sammlung machen das Museum zu einem Ort der Reflexion, Vorstellungskraft und des Dialogs zwischen den Künsten aus Gegenwart und Geschichte.

Von der radikalen Bildsprache Gustave Courbets über die transkulturelle Perspektive der Fotografie-Ausstellungen bis hin zur frühen islamischen Sammlung des Museumsgründers Karl Ernst Osthaus spannt sich der Bogen des Jahresprogramms. Mit dem Zusammenspiel aus Historie, Gegenwartskunst und künstlerischer (Er-)Forschung eröffnet es neue Perspektiven auf zentrale Fragen von Kunst und Gesellschaft.
„Mit dem Jahresprogramm 2026 möchten wir die Besucher:innen einladen, Kunst als lebendigen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu erleben. Wir zeigen, wie radikale künstlerische Positionen, historische Sammlungen und zeitgenössische Praktiken in unserem Museum zusammentreffen – ein Ort, an dem Erfahren und Empfinden verschmelzen“, sagt Peter Gorschlüter, Direktor des Museum Folkwang.

Gustave Courbet: Wegbereiter der Moderne

Mit der großen Retrospektive „Ich, Gustave Courbet“ (17. Juli – 8. November 2026) widmet sich das Museum einem der einflussreichsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Courbets kompromisslose Haltung und seine innovative Maltechnik machten ihn zum Grenzgänger zwischen Kunst, Gesellschaft und Politik. Die Ausstellung beleuchtet zentrale Werkgruppen – Selbstbildnisse, soziale Realität, Landschaft, Erotik und Exil – und zeigt, wie Courbets radikaler Realismus der Moderne den Weg bereitete. Die Schau entsteht in Kooperation mit dem Leopold Museum Wien und steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron sowie unter dem Ehrenschutz von Alexander Van der Bellen, Bundespräsident der Republik Österreich.

Nach Damaskus … Karl Ernst Osthaus und die islamischen Künste

Die Ausstellung „Nach Damaskus …“ (6. November 2026 – 21. Februar 2027) stellt zum ersten Mal die ehemalige „Islamische Abteilung“ des Museums in den Fokus. Rund 300 Objekte – von Keramiken über Textilien bis zu Metall- und Glasarbeiten, darunter bedeutende Leihgaben – veranschaulichen, wie die Begegnungen von Karl Ernst Osthaus mit Kunst und Kulturen aus Nordafrika und Westasien die Entwicklung dieser Sammlung prägten. Ausgewählte Werke der Klassischen Moderne, europäisches Kunsthandwerk und zeitgenössische Positionen erweitern den Blick auf die Bestände und ermöglichen neue Perspektiven auf den Sammlungsbereich.
Peter Gorschlüter betont: „Mit „Ich, Gustave Courbet“ und „Nach Damaskus…“ stellen wir zwei Ausstellungen vor, die auf unterschiedliche Weise von der Kraft künstlerischer Erneuerung erzählen. Beide Ausstellungen zeigen, wie eng Kunst, Politik und kulturelle Identität miteinander verwoben sind. In 2026 verhandeln wir diese Fragen neu – mit einer Offenheit, die sowohl den Künstler Courbet als auch das Museum Folkwang seit seiner Gründung prägt.“

Germaine Krull: Chronistin des 20. Jahrhunderts

Mit „Germaine Krull: Chien Fou“ (28. November 2025 – 15. März 2026) rückt das Museum Folkwang die kosmopolitische Fotografin, deren Nachlass sich seit 1995 in der Fotografischen Sammlung des Museums befindet, in den Mittelpunkt. Neben ihren bekannten avantgardistischen Fotografien der 1920er- und 1930er-Jahre werden erstmals in größerem Umfang ihre (auto)biografischen Texte, Fotobücher, Maquetten und politischen Berichte präsentiert. Die Ausstellung beleuchtet insbesondere Krulls OEuvre als Autorin sowie ihre fotografische Praxis ab Beginn des Zweiten Weltkriegs, als sie Europa dauerhaft verließ. Sie eröffnet eine neue, transkulturelle Perspektive auf ihr Werk.


Vielfalt, Vermittlung und junge Positionen

Neben den großen Schauen zeigt das Museum ein breites Spektrum weiterer Ausstellungen: „L is for Look“ (27. Februar – 7. Juni 2026) beleuchtet einen besonderen Aspekt fotografischer Gebrauchsformen und zeigt, wie Fotografien Eingang in die Kinderliteratur fanden – von fantasievollen Bilderbüchern bis hin zu literarischen Geschichten. Die Ausstellung „Herbert W. Franke / Gottfried Jäger“ (16. Oktober 2026 – 10. Januar 2027) befasst sich mit den experimentellen Jahren der gegenstandlosen Fotografie, die von Debatten und Positionsbestimmungen einer damals jungen Generation geprägt war. „Photography Masters“ (16. Oktober 2026 – 10. Januar 2027) hingegen zeigt die künstlerischen Ansätze und thematischen Schwerpunkte junger fotografischer Positionen heute. Die Präsentation „Saâdane Afif: Affiches / Plakate“ (13. März – 4. Oktober 2026) gibt erstmals umfassend Einblick in diese besondere Werkgruppe des französischen Konzept- und Objektkünstlers und die neuseeländische Künstlerin „Kate Newby“ entwickelt eine neue ortspezifische Arbeit im Außenbereich des Museums. Mit dem Stipendienprogramm der Neuen Folkwang Residence und dem Ausstellungsformat „6 ½ Wochen“ werden weiterhin junge Künstler:innen mit ihren ersten musealen Ausstellungen gefördert. Die Schau „100 Beste Plakate 25“ (3. Juli – 2. August 2026) präsentiert außer Haus auf dem UNESCO Welterbe Zollverein die Höhepunkte des jährlich größten deutschsprachigen Wettbewerbs für Plakatdesign.

Sammlung und Neuerwerbungen

Die Sammlungspräsentation „NEUE WELTEN“ stellt den Dialog der Künste ins Zentrum. Sie bleibt kostenfrei zugänglich. Ein Highlight im Jahr 2026 ist die Neuerwerbung der Skulptur „Hahn und Podest“ von Katharina Fritsch, die ab März 2026 als raumgreifende Installation das Museum bereichern wird.

Nähere Informationen: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen, Telefon +49 2018845000, E-Mail: info@museum-folkwang.essen.de

„Smile! Wie das Lächeln in die Fotografie kam“

Smizing, Squinching, Duckface, Fish Gape, Cheese oder Prunes: Schönheitsideale und Soziale Medien lösen immer schnelllebigere Trends für Porträtfotos aus. Bis zum späten 19. Jahrhundert war das Fotografiertwerden eine Prozedur, die größte Bewegungslosigkeit erforderte, um ein scharfes Bild zu erzeugen, was zu starren und leblosen Gesichtsausdrücken führte.

Die Präsentation „Smile! Wie das Lächeln in die Fotografie kam“ in den Fotoräumen des Museum Ludwig untersucht, wie sich unsere „Fotografiergesichter“ im Laufe der Zeit verändert haben. Sie bringt anonyme Porträtfotografien und künstlerisch gestaltete Porträts aus dem 19. bis 21. Jahrhundert zusammen zu einer Geschichte des Lächelns.

Ob wir lächeln, wenn wir wissen, dass wir fotografiert werden, oder nicht, ob wir dabei Zähne zeigen oder nicht, das hängt von gesellschaftlichen Konventionen und der Entwicklung der Fototechnik ab. So beobachtete der Fotograf Josef Janssen 1878: „[…] schon die Zwangslage allein, in welcher sich die Person im Augenblicke der Aufnahme befindet, genügt, sie an der freien Entfaltung ihrer Individualität zu hindern. Sie soll, an den vielgehassten und gefürchteten und doch unentbehrlichen Kopfhalter gelehnt, unbeweglich und unverwandt eine Zeitlang nach einem bestimmten Punkt hinsehen, der dem Auge gewöhnlich nichts zu betrachten bietet. Was anders kann die Folge davon sein, als Starrheit und Leblosigkeit?“

Dass die Menschen, die im 19. Jahrhundert ins Fotoatelier gingen, um sich fotografieren zu lassen, selten lächeln, entsprach aber auch den Wünschen und Konventionen, wie man sich auf einem Porträt zeigen wollte; diese waren abhängig von Klasse, Gender und Kontext. Gefühle gehörten besser ins Private und nicht auf ein Bild.

Für den Einzug des Lächelns in die Porträts des 20. Jahrhunderts spielte die Entwicklung des Stummfilms eine bedeutende Rolle. Die Mimik war es, über die Regungen erzählt wurden. Dafür zoomte die Kamera immer näher an das Gesicht heran. Parallel dazu lässt sich beobachten, dass das Ganzkörperporträt zunehmend abgelöst wurde vom Fokus auf das Gesicht. Später dann kommt die Werbung hinzu, in der das Glücksversprechen eines Produkts durch das Strahlen der dargestellten Personen kommuniziert wird. Immer höher ziehen sich die Mundwinkel. Eine 2015 erschienene Untersuchung von Schülerporträts aus US-amerikanischen Jahrbüchern konnte belegen, dass das Lächeln seit Anfang des 20. Jahrhunderts kontinuierlich zugenommen hat, wobei Frauen messbar mehr lächeln als Männer. Weltweit lässt sich eine zunehmende Expressivität in der Mimik beobachten. Der Blick in die Modefotografie allerdings zeigt, dass Status und Coolness auch dadurch ausgedrückt werden, wie wenig gelächelt wird. Schon 1927 schrieb der Soziologe Siegfried Kracauer davon, dass sich die Welt – und damit auch der Mensch darin – ein „Photographiergesicht“ zugelegt habe. Die Präsentation im Museum Ludwig, die dort noch bis zum 22. März 2026 zu sehen ist, will zeigen, dass sich daran bis heute nichts verändert hat. Das Lächeln hat eine Geschichte.

Publikation

Zur Ausstellung erscheint eine Broschüre: „Smile! Wie das Lächeln in die Fotografie kam“, hrsg. von Miriam Szwast, mit einem Essay von Katharina Sykora, Broschur, 14, 8 x 21 cm, 48 Seiten, 26 Abb., deutsche Ausgabe, ISBN 978-3-9827144-2-4, 8 Euro.

Nähere Informationen: Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln, Telefon: +49-221-221-26165, E-Mail: infomuseum-ludwig.de. Das Museum ist Dienstag bis Sonntag (inkl. Feiertage) jeweils von 10 bis 18 Uhr und jeden ersten Donnerstag im Monat von 10 bis 22 Uhr geöffnet.

Armin Mueller-Stahl. Nacht und Tag auf der Erde

„Die Schauspielerei ist mir nicht in die Wiege gelegt worden, die Malerei schon.“ 1930 kommt Armin Mueller-Stahl in Ostpreußen in einer musisch geprägten Familie zur Welt. Dort gehören Zeichnen, Malen, Musizieren und Schauspiel zum Alltag. Mueller-Stahl ist mehrfach begabt – er ist ausgebildeter Konzertgeiger, Komponist, Schauspieler, Schriftsteller und bildender Künstler.

Für ihn verbindet die Malerei vieles mit der Schauspielkunst: Mit wenigen Gesten das Wesentliche erfassen, spontan und voller Ausdruckskraft. Täglich arbeitet er im Atelier, verarbeitet die eigene Biografie und das Weltgeschehen als politisch wacher Geist in meist figürlichen Bildern. Als Zeitzeuge hat er Krieg, Diktatur, Teilung und Neuanfang erlebt – vom alten Europa über den Nationalsozialismus, die DDR und die BRD bis nach Hollywood.

Seine über hundert Werke in der Ausstellung „Nacht und Tag auf der Erde“, die noch bis zum 12. April 2026 in der Kunsthalle Emden zu sehen ist, spiegeln diese Erfahrungen wider: kraftvoll, eindringlich und von großer künstlerischer Vielfalt. Sie zeigen eindrucksvoll, wie reich Mueller-Stahls Leben an Herausforderungen, aber auch an schöpferischer Energie ist.

Getragen von einer Partnerschaft zwischen der Kunsthalle Emden, der Stiftung Museum Schloss Moyland und der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim ist die Ausstellung unter der Federführung von Dr. Antje-Britt Mählmann realisiert worden.

Rahmenprogramm

Gemeinsam mit dem Internationalen Filmfest Emden-Norderney präsentiert die Kunsthalle Emden im VHS-Forum ausgewählte Filme mit Armin Mueller-Stahl. Jede Vorführung beginnt mit einer Einführung von Festivalleiter Edzard Wagenaar. Auszüge eines Gesprächs der Bremer Kulturjournalistin Hilke Theessen mit dem Schauspieler geben Einblicke in das persönliche Wirken und Denken von Armin Mueller-Stahl.

Weiter zum Rahmenprogramm gehört die Veranstaltungsreihe „Kunstlese – Literatur trifft Kunst“ mit Gesprächen zu ausgewählten literarischen Werken. Anschließend folgt ein gemeinsamer Ausstellungsrundgang. Im Fokus stehen Texte von Armin Mueller-Stahl sowie ein Werk von Thomas Mann, den Mueller-Stahl in der Filmproduktion „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ eindrucksvoll verkörperte.

Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen: Armin Mueller-Stahl. Nacht und Tag auf der Erde

Hrsg. von Antje-Britt Mählmann, mit Texten von Eske Nannen, Armin Mueller-Stahl, Antje-Britt Mählmann, Beate Kemfert und Kristin Schrader. Hardcover, Deutsch, 136 Seiten, über 160 Farbabbildungen. Preis an der Museumskasse 28 Euro. 30 Prozent Rabatt gibt es für Mitglieder der Freunde der Kunsthalle e.V.

Nähere Informationen: Kunsthalle Emden, Hinter dem Rahmen 13, 26721 Emden, Telefon: +49 4921 9750-50, E-Mail über die Internetseite. Die Ausstellung ist Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr sowie am Samstag und Sonntag sowie an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Zusätzlich ist jeden ersten Dienstag im Monat von 10 bis 21 Uhr geöffnet.

„Someone`s neighbour“ – Livemusik mit eigenen Stücken in der Kornmühle

Die Band „Someone`s Neigbour“ steht am 13. Dezember um 18.30 Uhr auf der Bühne
der Kornmühle in Nordhorn mit einem Konzert, das ganz im Zeichen von
handgemachter, ehrlicher Rockmusik steht.
Die vier aus der Grafschaft Bentheim stammenden Musiker, Jürgen „Joschi“ Rasch (Gitarre, Gesang), Sabine „Bine“ Hannusch (Gesang), Christian „Zaffy“ Zafuda (Bass) und Armin Schärling (Schlagzeug, Percussion, Gesang) fanden 2022 zusammen und bringen seither frischen Wind in die regionale Musikszene. Unterschiedliche musikalische Wurzeln und Band-Erfahrungen prägen ihren Sound, der sich bewusst nicht auf ein Genre festlegen läßt. „Someone`s Neighbour“ spielen ausschließlich eigene Songs – abwechslungsreich, energiegeladen, mit viel Gefühl für Dynamik.
Mal klingen die Songs leicht und verspielt, dann wieder druckvoll, rau und voller Ecken und Kanten. Zwischen sphärischen Klängen, rotzigen Gitarrenriffs und markanten Rhythmen entstehen Songs, die das Publikum mit auf eine musikalische Reise nehmen – von der Karibik bis zur dunklen Seite des Mondes.
Der Eintritt ist frei.

Wie aus einem Justizdrama ein Kommentar zur Zeitgeschichte wird

Eine umjubelte Premiere war am vergangenen Freitag in der Kornmühle zu erleben. Die Theaterwerkstatt Nordhorn führte unter der Regie von Ernst Schröder das Justizdrama „Die 12 Geschworenen“ nach dem gleichnamigen Fernsehspiel von Reginald Rose auf, das durch den mit so bekannten Namen wie Henry Fonda, Martin Balsam, Lee J. Cobb, Jack Warden und Jack Klugman hochkarätig besetzten Kinofilm auch international bekannt wurde.

Doch wie die Zeiten sich wandeln. Vor dem Hintergrund einer immer erregteren Diskussions-Unkultur, die viele Gespräche zu vergiften droht – sei es über den Krieg in der Ukraine oder den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis – , wird aus einem Justizdrama ein Kommentar zum aktuellen Geschehen, geprägt von sogenannten alternativen Fakten, Lügen und Hetze – Donald Trump und AfD lassen grüßen. Ob das so von Regisseur Schröder beabsichtigt war, wird er nur selber beantworten können.

Doch worum geht es eigentlich? Nach sechs Verhandlungstagen eines Mordprozesses, in dem ein achtzehnjähriger Puerto-Ricaner aus den New Yorker Slums des Mordes an seinem Vater beschuldigt wird, ziehen sich die zwölf Geschworenen in das Geschworenenzimmer des Gerichts zurück. Hier sollen sie über das Urteil beraten, das einstimmig gefällt werden muss. Dem Angeklagten droht im Falle des Schuldspruchs die Hinrichtung durch den elektrischen Stuhl. Aufgrund zweier eindeutiger Zeugenaussagen scheint der Schuldspruch eine klare Angelegenheit zu sein, die keine lange Beratung erfordert. Doch in der ersten Abstimmung stimmt der Geschworene Nr. 8 als einziger der zwölf Geschworenen für nicht schuldig, während die elf anderen mehr oder weniger überzeugt für eine Verurteilung des jungen Mannes stimmen.

Die Aufgabe der 12 Geschworenen ist eine große. Es geht um die Entscheidung über ein Menschenleben und um die Wahrheitsfindung – vor dem Hintergrund schwieriger Bedingungen. Eingesperrt in einem Raum bei unerträglichen Temperaturen sollen sie den Fall klären, der aufgrund von zwei Zeugenaussagen deutlich zu sein scheint. Eine Frau und ein Mann aus der Nachbarschaft sind überzeugt, den 18-jährigen Puerto-Ricaner bei der Tat gesehen zu haben. Diese Aussagen haben auch die Geschworenen bis auf einen überzeugt. Aber wie substanziell ist diese Überzeugung und wie sehr ist diese von den unterschiedlichen Charakteren der Geschworenen geprägt?

Da gibt es den Vorsitzenden Nr. 1 (Kalle Busche), der um Ordnung bemüht ist und versucht, die Diskussion zu leiten. Mit seiner eigenen Meinung zu dem Fall hält er sich jedoch zurück. Als er merkt, dass die Stimmung kippt, schließt er sich zögernd der neuen Mehrheit an.

Nr. 2 (Phila Swafing) ist eine freundliche Frau, anfangs sehr unsicher und zugleich aufgeregt, zumal er zum ersten Mal in einer Jury sitzt. Er versucht zu begründen, warum er den Angeklagten für schuldig hält, kann es aber nicht schlüssig erklären. Im Laufe der Handlung wandelt sich ihr Agieren.

Nr. 3 (Bernd Wilke) ist ein grobschlächtiger, aufbrausender Mann, der die Konflikte mit seinem Sohn auf den Angeklagten überträgt und diesen dafür verurteilt sehen will.

Nr. 4 (Birgitta Dietz) ist eine analytisch und objektiv denkender Frau, die sich keine Emotionen erlaubt und sich stets unter Kontrolle hat. Trotz der schwülen Hitze im Raum schwitzt sie zunächst nicht einmal. Disziplinlosigkeit ist ihr zuwider, und sie verabscheut die Emotionsausbrüche anderer Geschworener. Sie versucht mit sachlichen Argumenten zu überzeugen und genießt eine gewisse Autorität bei den anderen Juroren.

Nr. 5 (Nevio Oelrichs) ist, wie der Angeklagte, in den New Yorker Slums aufgewachsen. Er reagiert empfindlich auf Vorurteile, die im Laufe der Diskussion auftauchen.

Nr. 6 (Katharina „Kitty Munk) ist eine einfache Frau ohne intellektuellen Hintergrund, dafür aber mit klaren moralischen Grundsätzen.

Nr. 7 (Werner Rohr) schlägt sich als Handelsvertreter für Marmelade durchs Leben und fällt durch seine flotten Sprüche und kleinen Witze auf. Ob der Angeklagte schuldig ist oder nicht, scheint ihn nicht zu interessieren. Wichtiger ist ihm, dass die Sache schnell über die Bühne geht, weil er das Baseballspiel der New York Yankees am Abend auf keinen Fall verpassen will.

Der schon erwähnte Nr. 8 (Clemens Haas) hält die Schuld des Angeklagten nicht für zweifelsfrei bewiesen. Deshalb stimmt er als Einziger von Anfang an für „nicht schuldig“, auch wenn er es für möglich hält, dass der Angeklagte die Tat begangen haben könnte. Aber nur so kann er die anderen dazu bringen, den gesamten Fall Punkt für Punkt durchzugehen.

Nr. 9 (Regina Liu) ist eine ruhige, älterer Frau mit gesundheitlichen Problemen, die zuerst auch für „schuldig“ stimmt, dann aber Nr. 8 nach dessen ersten Ausführungen als erste folgt.

Nr. 10 (Hanno Buscher), Betreiber mehrerer Tankstellen, ist ein cholerischer Rassist, der mit seinen Vorurteilen nicht hinter dem Berg hält. Für ihn ist der Angeklagte allein wegen seiner puerto-ricanischen Herkunft schuldig. Deshalb interessieren ihn Tatsachen nur, solange sie die Schuld des Angeklagten zu beweisen scheinen.

Nr. 11 (Vera Wicke), eine Einwanderin aus Europa, ist eine disziplinierte Frau, die stolz darauf ist, jetzt Amerikanerin zu sein. Sie macht sich Notizen und beobachtet das Geschehen genau. Ihr fallen dabei einige Widersprüche auf. Sie weiß die Vorteile einer freien Gesellschaft und eines fairen Justizsystems zu schätzen und ermahnt die erhitzten Gemüter zur Ruhe.

Nr. 12 (Gerd Hensen) ist ein oberflächlicher Opportunist. Konflikte liegen ihm nicht, die scharfen Auseinandersetzungen sind ihm zuwider. Während der Diskussionen kritzelt er gelangweilt auf seinem Block herum. Er ist ein Mann der Schlagworte und flapsigen Redensarten. Inhaltlich kann er nicht viel beitragen. Als er sich mit der Mehrheit weiß, ist er noch sehr selbstsicher. Das ändert sich im Laufe der Handlung.

Bei seiner Inszenierung ist es Regisseur Ernst Schröder zum einen gelungen, diese unterschiedlichen Charaktere – vom ganzen Ensemble hervorragend umgesetzt – herauszuarbeiten, zum anderen die Spannung bei einem Stück zu halten, das in nur einem Raum spielt und inhaltlich ausschließlich aus Gesprächen und Diskussionen besteht.

Was die Spannung ausmacht, ist aber nicht nur die Inszenierung, sondern auch die Unterschiedlichkeit der Haltungen, die die 12 Geschworenen zu ihrer Aufgabe der Wahrheitsfindung einnehmen, und die Veränderung ihrer Einstellungen, die sich im Laufe der Handlung ergibt.

Für letzteres ist natürlich der von dem Geschworenen 8 (Clemens Haas) nachdrücklich geäußerte Zweifel an den angeblich so eindeutigen Fakten zu Lasten des Angeklagten ausschlaggebend.

Obwohl es sein Recht ist, Zweifel zu äußern, wird es ihm vor allem von drei Personen abgesprochen, denen ein schnelles Urteil wichtiger ist als ein auf dem Abwägen von Argumenten basierendes Urteil. Es sind Nr. 3, Nr. 7 und Nr. 10. Nr. 3 projiziert die im Streit erfolgte Trennung von seinem Sohn auf den Angeklagten, Nr. 7 will ein Baseballspiel nicht verpassen und Nr. 10 ist von seiner rassistischen Haltung gegenüber dem angeklagten Puerto-Ricaner so durchdrungen, dass er keine Argumente gelten lassen will. Aus persönlichen Gründen werden diese drei ihrer Aufgabe, ein begründbares Urteil über Schuld oder Unschuld und vor allem über Todesstrafe oder Freispruch zu treffen, nicht gerecht. Bei Nr. 4 ist die Situation eine andere. Sie ist eine analytisch und objektiv denkende Frau, die mit sachlichen Argumenten zu überzeugen versucht. Was sie nicht versteht: dass es vor dem Hintergrund der ungeheuren Mordtat Ungereimtheiten geben kann, die nicht aufzulösen sind. Und so beginnt vor allem zwischen ihnen und Nr. 8 eine erbitterte Auseinandersetzung.

Anders ist es bei den anderen, zunächst noch etwas blass und unentschieden wirkenden Geschworenen. Allmählich ist bei ihnen der Zweifel gewachsen; und durch eigene Beobachtungen und Erinnerungen an den Gerichtsprozess, angeregt von Nr. 8, stellen sie Lücken in der vom Staatsanwalt vorgelegten Beweiskette fest.

Kurzum: Die Besucherinnen und Besucher der noch folgenden Aufführungen erleben ein spannendes Justizdrama, das viel über eine demokratisch verfasste Staatsordnung, Recht, Gerechtigkeit und vor allem über die Freiheit, begründete Zweifel zu haben, aussagt.

„Burgunder in Limburg“

Trifft der Name der Ausstellung „Burgunder in Limburg“ im Limburger Museum in Venlo, die dort noch bis zum 1. Februar 2026 zu sehen ist, tatsächlich den Kern? Ja und nein. Es ist sicherlich eine Augenweide, aber es fehlt eine klare Fokussierung auf das „Limburg“ im Titel.

Mit seltenen Leihgaben wie einer großen Goldstickerei des burgundischen Wappens, der juwelenbesetzten Krone einer burgundischen Braut aus dem Aachener Domschatz oder einer Halskette der exklusiven Ritterschaft des Goldenen Vlieses können sich die Besucher am burgundischen Hof in Venlo aus dem 15. Jahrhundert im sprichwörtlich reichen Leben suhlen.

Es gibt aber auch eine einfachere Seite des Lebens in der Blütezeit des ursprünglich französischen Herzogtums; Zum Beispiel die billigen Pilgersouvenirs, die einst zu Hunderten hergestellt wurden. Wenn man sich die Mühe macht, sich die einfach gemachten Heiligen und biblischen Szenen dieser Abzeichen genau anzusehen, findet man auch eine Vulva, die von fliegenden Penissen umgeben ist.

Fromme Ritterlichkeit und politischer Ehrgeiz

Es ist eine Errungenschaft, dass das Limburger Museum ein Meisterwerk wie den Lütticher Reliquienschrein des letzten Herzogs Karl des Kühnen (*1433- + 1477) gewonnen hat. Dieser goldene Reliquiar wurde zwischen 1467 und 1471 für die Kathedrale St. Lambert in Lüttich angefertigt. Hinter dem knienden, gepanzerten Charles mit dem eigentlichen Reliquiar im Arm steht sein Vorbild: George, der Drachentöter.Oberflächlich betrachtet scheint es Ausdruck frommer Ritterlichkeit zu sein, aber das Kunstwerk ist auch ein Manifest politischer Ambitionen. Als eine der Parteien, die an den sogenannten „Lütticher Kriegen“ beteiligt waren, versuchten die Burgunder seit Jahren, Lüttich und andere mosanische Städte in ihr Reich einzugliedern. Trotz des reichen Geschenks ließ Karl die Stadt ein Jahr nach seiner Beauftragung bis auf die Grundmauern zerstören.Mit seinen Bannern, „Millefleurs“-Tapeten und „Tableaus“ – vor allem denen des berühmten burgundischen Festes, das als „Bankett des Fasans“ in die Geschichte eingegangen ist – hat das Design eine schöne und eindrucksvolle Wirkung. Ist das ein Mediävistischer, der sich mehr auf die Atmosphäre als auf die historische Wahrhaftigkeit konzentriert? Sicher! Aber Besucher, die wie ich in ihrer Kindheit einmal Ritter waren, genießen es sicherlich noch mehr.

Als Hauptfiguren der Ausstellung stellen die Macher die Herzöge Philipp den Guten (*1396 – +1467) und Karl den Kühnen sowie die letzte burgundische Erbin Maria (*1457 – +1482) vor, die treffend „die Reiche“ genannt wird. Sie werden mit Porträts eingeleitet, die in kleinen, abgetrennten Räumen aufgehängt sind. Diese Räume erinnern an die typischen mittelalterlichen Pavillons – runde, bunte Zelte, die von Rittern und Adeligen genutzt wurden, wie das Gemälde von Karl dem Kühnen zeigt, das ein Armeelager darstellt.

Alternative Fakten

Die Tatsache, dass „Burgunder in Limburg“ in der Werbung mit einem Hinweis auf die burgundische Lebensart der Limburger vermarktet wird, ist an sich schon verständlich; So ein modernes Klischee eignet sich einfach gut als Einstieg. Aber die Provinz Limburg als Teil der Nation der Niederlande existiert erst seit dem neunzehnten Jahrhundert. Davor wechselte die Dominanz, die Aufteilung des Gebiets und sogar die Lage dessen, was „Limburg“ genannt wurde, ziemlich oft.Kann man Holzskulpturen wie die des Meisters von Elsloo (zirka 1500) oder Jan van Steffeswert (ca. 1460-nach 1538) gleichzeitig als burgundisch und limburgisch einordnen? Vielmehr gehören sie zu einer mosanischen Kunst, die nicht spezifisch in Limburg verwurzelt war – die es damals noch nicht gab – und die nicht ausschließlich zur burgundischen Kultur gezählt werden kann.

Auch die Präsenz des berühmten „Les Très Riches Heures“als Faksimile (das Original wird nie ausgeliehen und selten ausgestellt) und in Form von riesigen Bildern an den Wänden ist schlampig. Dieses Buch wurde nicht für einen burgundischen Herzog geschrieben, sondern für ihren größten Rivalen und ihr größtes Familienmitglied, den Herzog von Berry. Und was ist mit den Brüdern Van Lymborch, die die berühmtesten Miniaturen des Manuskripts malten? Nun, sie kamen nicht aus Limburg, dem heutigen oder dem damaligen, sondern aus Nimwegen und arbeiteten hauptsächlich in Frankreich. Die Besucher fragen sich vielleicht, wie schlimm es ist, dass solche Details nur indirekt gestreift werden. Für den, der kein (kunst-)historischer Scharfschütze ist, kann es durchaus vorstellbar sein, dass er die Ausstellung mit dem Eindruck verlässt, dass „burgundisch“ eigentlich ein Sammelbegriff für alles Spätmittelalterliche und auch mehr oder weniger ein Synonym für „Limburgisch“ ist. Und das ist in dieser Zeit der grassierenden „alternativen Fakten“ fragwürdig. (Artikel von Dorlen Tamis aus der Museumstijdschrift)

Nähere Informationen: Limburgs Museum, Keulsepoort 5 (gegenüber dem Bahnhof), 5911 BX Venlo, E-Mail: info@limburgsmuseum.nl, Telefon +31 777352212.

Neue Ausstellung im DHM: „Natur und deutsche Geschichte. Glaube – Biologie – Macht“

Was ist gemeint, wenn von „Natur“ die Rede ist? Auf diese Frage sind in der deutschen Geschichte sehr unterschiedliche Antworten gegeben worden. Regierungen sowie religiöse und politische Bewegungen haben den Begriff der Natur definiert – und für sich beansprucht. In der neuen Ausstellung zeigt das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin, wie unterschiedlich „Natur“ zu verschiedenen Zeiten im Spannungsfeld von Glaube, Biologie und Macht verstanden und politisch eingesetzt wurde. Der schillernde und vielseitige Begriff der „Natur“ wird in seiner historischen Breite und Tiefe ausgelotet.

Die Ausstellung „Natur und deutsche Geschichte. Glaube – Biologie – Macht“, die noch bis zum 7. Juni 2026 im Pei-Bau des Deutschen Historischen Museums zu sehen ist, blickt auf Beispiele aus 800 Jahren deutscher Geschichte zurück: Ausgehend von Hildegard von Bingens Begriff der göttlichen „Grünkraft“ im 12. Jahrhundert spannt die Kuratorin Julia Voss den Bogen bis zu den Naturkonzepten im geteilten Deutschland, der Umweltpolitik und der frühen Anti-Atomkraft-Bewegung der 1970er Jahre. Die Vereinnahmung des angeblich Natürlichen war zudem eine der ideologischen Grundlagen für die NS-Diktatur, die sowohl die „äußere“ als auch die „innere“ Natur mit einer Unzahl von Gesetzen in ihre Definitionsmacht und Gewalt bringen wollte. Die „Nürnberger Gesetze“ und das „Reichsnaturschutzgesetz“ waren aufeinander bezogen und wurden im gleichen Jahr erlassen: 1935.

Nach einem Prolog werden in der Ausstellung historische Etappen dieses Bedeutungswandels durchschritten: In fünf chronologisch angeordneten Themenräumen öffnen verschiedene Stationen historische Fenster auf Ereignisse oder Entwicklungen, in denen das Naturverständnis markant geprägt oder verändert wurde. Diese Stationen werden jeweils mit einem Tier oder einer Pflanze eingeleitet. Die Ausstellung rückt dabei unterschiedliche Landschaften in den Fokus: von den Kulturlandschaften des Mittelalters über die Wüstungen des Dreißigjährigen Krieges und den im 19. Jahrhundert zum Mythos aufgestiegenen „deutschen Wald“ bis zu den Lausitzer Tagebaulandschaften in der DDR im 20. Jahrhundert.

Die Untersuchung geht über die Fokussierung auf Themen des Natur- oder Umweltschutzes hinaus, die in Zeiten des Klimawandels häufig ins Zentrum gestellt werden. Gegenstand der Betrachtung sind nicht alleine die gegenwärtige Aufladung und die heutige semantische Bedeutung von „Natur“, sondern die sich verändernden Vorstellungen in der deutschen Geschichte. Die heutigen Debatten sollen durch die historischen Perspektiven bereichert werden.

Die Publikationen zur Ausstellung: Natur und deutsche Geschichte. Im Spannungsfeld von Glaube, Biologie und Macht

„Natur” ist ein vielschichtiger und schillernder Begriff, der in der deutschen Geschichte überraschende Wandlungen durchlief. Von Hildegard von Bingens Konzept der „Grünkraft” bis zur Anti-Atomkraft-Bewegung der 1970er-Jahre: Im Spannungsfeld von Glaube, Biologie und Macht haben Regierungen sowie unterschiedlichste politische und religiöse Bewegungen ihren je eigenen Naturbegriff definiert und für sich beansprucht. Natur und deutsche Geschichte zeigt Umbrüche und Verschiebungen in den Naturvorstellungen aus 800 Jahren. Anhand von beispielhaften Ereignissen aus der Zeit des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, der Zeit der Industrialisierung, des Nationalsozialismus sowie des geteilten Deutschlands wird Geschichte in Geschichten erzählt, gerahmt von Gesprächen mit herausragenden Historikern. Jede historische Epoche wird mit einem Tier oder einer Pflanze eingeleitet: vom Wolf und Beluga-Wal über die Eiche, die Kartoffel und das Usambaraveilchen bis zur Burgunder-Traube. Historische Rezepte spiegeln die Bedeutung von Lebensmitteln und Essgewohnheiten wider. Ein reich illustrierter Bildband, der die kontrastreichen Transformationen von Naturvorstellungen in der deutschen Geschichte vom Mittelalter bis in die 1970er-Jahre anhand ausgewählter Stationen anschaulich macht.

Herausgegeben von: Raphael Gross und Julia Voss für das Deutsche Historische Museum Berlin 2025, 248 Seiten, Matthes & Seitz Berlin, ISBN 978-3-7518-4041-5, 28 Euro.

Publikation 2: Historische Urteilskraft 06. Magazin des Deutschen Historischen Museums

Das Titelthema der sechsten Ausgabe befasst sich mit den politischen Bedeutungen des Naturbegriffs in der deutschen Geschichte. Insgesamt umspannt der Untersuchungszeitraum der Beiträge 900 Jahre.

In drei einführenden Artikeln geben Annette Kehnel, Jutta Nowosadtko und Frank Uekötter einen Überblick über die wechselvollen Naturbeziehungen in Mittelalter, Neuzeit und im 19. und 20. Jahrhundert. Margot E. Fassler erkundet Hildegard von Bingens Begriff der „viriditas“ (Grünkraft) im 12. Jahrhundert, Hiram Kümper behandelt die Natur als Ressource bei der Hanse und Viktoria Urmersbach schreibt über das Bild vom Wald im 18. Jahrhundert, Nils Franke untersucht Natur und Ideologie im Nationalsozialismus. Tilo Wesche stellt die Dialektik der Naturverhältnisse bei Max Horkheimer und Theodor W. Adorno vor. Stephen Milder thematisiert die Anfänge der Anti-Atomkraftbewegung und Astrid M. Eckert erläutert das Nationalparkprogramm der späten DDR.

Daneben macht sich Volker Braun im Einführungsessay als „Freund präziser Abweichungen“ Gedanken über die Strapazen der Urteilskraft. Die Fotografin Laura J. Padgett erstellte einen Foto-Essay zur Lage des barocken Zeughauses in Berlin-Mitte, den Annett Gröschner mit ihren Überlegungen zur historischen Verortung des Zeughauses begleitet. Liliane Weissberg stellte Lorraine Daston, Martha C. Nussbaum sowie Neil MacGregor die Frage: „Was bedeutet Aufklärung?“ und Ansbert Baumann beleuchtet die Geschichte des Gastarbeiterfußballs in der Bundesrepublik. Anna-Carolin Augustin beschäftigt sich mit Schenkungen des Museums für deutsche Geschichte aus dem Jahr 1990 an das United States Holocaust Memorial Museum. Ulinka Rublack, Stephanie Neuner, Brigitte Reineke und Mathias Lang trafen sich in unserer Gemäldesammlung, um einige Details und ihre Bedeutung aus den Augsburger Monatsbildern herauszuarbeiten. Julia Franke ordnet die Elefanten-Sammlung Juliane Webers ein in den historischen und Sammlungskontext – Juliane Weber war die langjährige Büroleiterin von Bundeskanzler Helmut Kohl. Sie verstarb im Dezember 2023.

Herausgegeben von: Stiftung Deutsches Historisches Museum, Berlin 2024, 104 Seiten, ISBN 978-3-86102-234-3, ISSN 2626-8094, 12 Euro, zzgl. Porto.

Nähere Informationen: Museumsverein des Deutschen Historischen Museums, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, Telefon: +49 30 814535510, E-Mail: kontakt@dhm-museumsverein.de

Museumswochenende x „NNELG“ in Gorssel/NL

Am Samstag, 15. und Sonntag, 16. November, öffnet das Museum MORE seine Pforten. Während der ersten Ausgabe des Museumswochenendes „Achterhoek“ am Samstag, 15. November, und am Sonntag, 16. November, bietet das in Gorssel/NL ansässige Museum ein abwechslungsreichen Programm voller Erlebnisse und Interaktion, das von „NNELG“ kuratiert wird. Die Besucherinnen und Besucher haben an beiden Tagen die Möglichkeit, Kunst und Kultur auf überraschende Weise zu entdecken.

Das Programm im Überblick:

Samstag, 15. November

10 bis 17 Uhr: Drink & Draw im Museumscafé
In dieser Zeit besteht die Möglichkeit, zu kritzeln, zu malen, zu skizzieren oder einfach nur zu malen. Alles ist erlaubt, nichts ist Pflicht. Bei einem Drink kann man sich hinsetzen und sich von der Kunst im Museum inspirieren lassen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Das Museum stellt das erforderliche Material zur Verfügung und bietet Zeichentipps an. Es geht nicht darum, perfekt zu zeichnen, sondern darum, Spaß zu haben, neue Leute kennenzulernen und eine Weile offline zu sein

10 bis 17 Uhr: Museumsbesuch
Gleichzeitig können sich die Besucherinnen und Besucher die erneuerte Dauerausstellung und der Ausstellungen „Europäische Realitäten“ und „Démasqué“ anschauen – verbunden mit interaktiven Aufgaben.

13 bis 17 Uhr: Siebdruck-Workshop
Hier besteht die Möglichkeit, in die Welt der Farbe, Form und des Experimentierens einzutauchen Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich von einem echten Kunstwerk aus dem Museum inspirieren lassen und unter Anleitung einen eigenen einzigartigen Druck zum Mitnehmen anzufertigen. Sie entdecken, wie Schicht für Schicht ein Bild entsteht und wie überraschend das Ergebnis sein kann. Egal, ob man ein kreativer Anfänger ist oder bereits mit Tinte gearbeitet hat; Jeder kann mitmachen. Es empfiehlt sich, etwas anzuziehen, das einem Farbspritzer standhält, und ganz wichtig: Lust auf Experimente zu haben

13 Uhr: Choice of Eus Tour

In dieser Tour führt Özcan Akyol, besser bekannt als „Eus“, durch die Dauerausstellung in der Choice of Eus Live Tour. Diese Tour ist inspiriert vom museumseigenen Medienführer „Keus van Eus“, der auch im Museum angehört werden kann. Für diese Tour kann man sich am 15. November an der Rezeption anmelden. Die Plätze sind begrenzt.

Sonntag, 16. November

10 bis 17 Uhr: Drink & Draw im Museumscafé
In dieser Zeit besteht die Möglichkeit, nochmals zu kritzeln, zu malen, zu skizzieren oder einfach nur zu malen. Alles ist erlaubt, nichts ist Pflicht. Bei einem Drink kann man sich hinsetzen und sich von der Kunst im Museum inspirieren lassen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Das Museum stellt das erforderliche Material zur Verfügung und bietet Zeichentipps an. Es geht nicht darum, perfekt zu zeichnen, sondern darum, Spaß zu haben, neue Leute kennenzulernen und eine Weile offline zu sein

10 bis 17 Uhr: Museumsbesuch
Gleichzeitig können sich die Besucherinnen und Besucher wie am Vortag die erneuerte Dauerausstellung und der Ausstellungen „Europäische Realitäten“ und „Démasqué“ anschauen – verbunden mit interaktiven Aufgaben.

14 bis 14.45: Performance Gershwin Unplugged
Mit fast 40 Shows bei „De Parade“ in drei Städten hat das musikalische Abenteuer, an dem Gershwin in den kommenden Jahren arbeiten wird, offiziell begonnen. Mit fünf Sternen im NRC war „Gershwin Unplugged“ der Auftritt dieses Sommers. Während des „Gershwin Unplugged“ erhalten die Besucherinnen und Besucher als erste eine Live-Vorschau auf Gershwins kommendes Album „Up“, das dieses Jahr erscheinen wird, und auf seine Museumstournee, mit der er 2026 zu sehen sein wird.

Gershwin Bonevacia ist ein vielseitiger Dichter, Schriftsteller, Musiker und Theatermacher, der von 2019 bis 2022 der Stadtdichter von Amsterdam war. Er machte sich mit mehreren Gedichtbänden und der erfolgreichen Theaterperformance „Terug naar Prinsenplein“ einen Namen. Diese Aufführung wurde mehrfach ausgezeichnet und auch international präsentiert.

15 bis 17 Uhr: Siebdruck-Workshop
Hier besteht nochmals die Möglichkeit, in die Welt der Farbe, Form und des Experimentierens einzutauchen Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich von einem echten Kunstwerk aus dem Museum inspirieren lassen und unter Anleitung einen eigenen einzigartigen Druck zum Mitnehmen anzufertigen. Sie entdecken, wie Schicht für Schicht ein Bild entsteht und wie überraschend das Ergebnis sein kann. Egal, ob man ein kreativer Anfänger ist oder bereits mit Tinte gearbeitet hat; Jeder kann mitmachen. Es empfiehlt sich, etwas anzuziehen, das einem Farbspritzer standhält, und ganz wichtig: Lust auf Experimente zu haben.

Bitte beachten: Die Tickets für dieses Wochenende sind nur online erhältlich.

Nähere Informationen erfolgen per E-Mail an info@museummore.nl oder telefonisch unter der Nummer 0575 760300.

Ein bewegtes Schauspielerleben oder eine „Nachgelassene Biografie“ über einen geliebten Vater

„Unter den Menschen gibt es zuweilen diese seltsamen Sonnenwesen. Es haftet ihnen etwas ganz Besonderes an, etwas Außergewöhnliches. Wenn sie ein Café betreten, erzeugen sie unter den Gästen ein leises Raunen, fühlen sich die Leute – ob sie wollen oder nicht – auf magische Weise zu ihnen hingezogen. Zweifellos liegt das an ihrem attraktiven Äußeren, das insbesondere bei den jugendlichen Vertretern dieser Gattung hervorsticht. Doch bei echten Sonnenwesen ist da mehr als bloß körperliche Attraktivität. Liegt es an ihrer Lässigkeit? An der Aura des Kosmopolitischen, die sie umgibt? An ihrer starken Persönlichkeit oder vielleicht an der Unbekümmertheit, die sie auf eine sympathische Weise ausstrahlen? An der Freude am Leben?“ (Ilja Bohnet)

Mit 21 Jahren stand er zum ersten Mal vor der Kamera und trat im Film „Solange das Herz schlägt“ neben damals schon so bekannten Namen wie Heidemarie Hatheyer, O. E. Hasse und Hans-Christian Blech auf, er war Hans Scholten, einer der Jungs, der in dem Welterfolg „Die Brücke“ des Regisseurs Bernhard Wicki mitspielte und mit dieser Rolle ebenso wie seine Schauspielerkollegen Fritz Wepper, Volker Lechtenbrink und Michael Hinz den Weg für die spätere Karriere ebnete, und er war in der Rolle des Schauspielers Josef Kainz in dem Visconti-Meisterwerk „Ludwig II“ mit Helmut Berger, Romy Schneider und weiteren internationalen Stars zu sehen – die Rede ist von dem Schauspieler, Regisseur und Bühnenautor Folker Bohnet (*1937 + 2020), über den vor Kurzem eine „nachgelassene Biografie“ erschienen ist.

Sie basiert auf Gesprächen, die Ilja Bohnet, sein Sohn aus der Ehe mit der Schauspielerin Ann-Monika Pleitgen und der Autor des Buches, mit ihm an drei langen Frühlingsabenden in Berlin im Mai 2017 geführt hat.

Gemeinsames Ziel war es, Bohnets private wie beruflich aufregende Lebensgeschichte mit ihren Höhen und Tiefen einzufangen und zumindest einen Teil der Anekdoten zu verschriftlichen, die er zu erzählen wusste.

Wie der Autor des Buches berichtet, war es ein großes Glück, dass Volker Bohnet sowohl druckreif sprechen konnte als auch in der Lage war, geordnet erzählen zu können, so dass sich die unterschiedlichen Stationen seines Lebens für den Leser nachvollziehbar miteinander verbanden.

Aufgeteilt ist das vorliegende Werk in die Erzählungen Bohnets und die durch Ilja Bohnet vorgenommenen Einordnungen des Erzählten in einem auch für Außenstehende verständlichen geschichtlichen, kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Zusammenhang.

Ein Blick zurück: Zwei Jahre vor Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Folker Bohnet in Berlin geboren. Wie er in den Gesprächen mit seinem Sohn berichtet, hatte er eine behütete Kindheit. Der Familie war es sogar gegönnt, in dem Schloss eines befreundeten Grafen in Hohenprießnitz an der Mulde wohnen zu dürfen. Doch dieses Glück sollte ein jähes Ende nehmen. Nachdem der Zweite Weltkrieg verloren war, besetzten zuerst die Amerikaner und dann die Russen das Schloss; und das hieß für die Familie Bohnet sich ein neues Zuhause zu suchen, das sie schließlich bei Verwandten in Halle fand. Nachdem der Vater als Soldat aus dem Krieg heimkehrte, konnte ein privilegiertes Leben weitergeführt werden. Als Direktor einer Zuckerfabrik standen ihm ein Auto und ein Chaffeur zur Verfügung, und in seiner Funktion kam er auch an unterschiedlichste Güter heran, die in der Nachkriegszeit – insbesondere in der von der Sowjetunion besetzten Zone, der späteren DDR – oft Mangelware waren.

In dieser Zeit wurden, wie Bohnet im lockeren Plauderton berichtete, die Weichen für sein späteres Leben und auch sein Lebensglück gestellt. Da seine Eltern oft ins Theater gingen und nachher viele Künstler aus diesem Bereich in ihr Haus einluden, kam er in den Kontakt mit dieser besonderen Welt und war sofort begeistert: „Jede freie Minute, die mir zur Verfügung stand, saß ich fortan im Varieté, nicht nur im Zuschauerraum, sondern auch hinter der Bühne. Ich hatte Zutritt zu den Garderoben und konnte mit den Künstlern, die ich zum Teil von zu Hause gut kannte, intensiv unterhalten. Ich habe dieses Völkchen angefangen zu lieben. Ich wußte, dass das mein Leben sein würde“, schwärmt Bohnet von dieser Zeit.

Doch mit dieser Begeisterung für das Theater beginnen für ihn auch die Probleme. Sein Traum, eine Karriere als Schauspieler zu starten, stößt bei dem Vater auf Widerstand, der sich für seinen Sohn ein bürgerlich-konventionelles Leben vorgestellt hat und ihn zum Jura-Studium drängt. Das belegt er aber nur pro forma. Sein Weg führt ihn zur Schauspielschule Düsseldorf und zu einer neu gegründeten Schauspielschule der UFA. Und dann geht alles ganz schnell. Ohne viel Erfahrung wird er 1958 für das von dem bekannten Regisseur Alfred Weidenmann gedrehte Filmdrama „Solange das Herz schlägt“ engagiert – mit so renommierten Schauspielern wie O.E. Hasse und Heidemarie Hatheyer. Internationalen Erfolg beschert ihm ein Jahr später seine Rolle des Hans Scholten in dem Antikriegs-Klassiker „Die Brücke“. Und so beginnt die Karriere des Volker Bohnet, die sich aber nicht nur in der Schauspielerei erschöpft, sondern auch in die Tätigkeit als Regisseur und Bühnenautor mündet.

Wie die weiteren Erzählungen Bohnets belegen, hat er in seinem Traumberuf Schauspieler Fuß gefasst und das Vorurteil seines Vaters, dass das „brotlose Kunst“ sei, widerlegt. War nun dieses Problem gelöst, ergab sich ein Weiteres: dass seiner sich schon früh zeigenden Bisexualität in einer Zeit, in der homosexuelle Handlungen noch unter Strafe standen. Als glücklichen Umstand bezeichnet er es, dass in der zumeist geschlossenen Welt der Schauspielkunst und anderer Künste andere Regeln galten und unterschiedliche sexuelle Neigungen weitestgehend nicht diskriminiert wurden.

Ein weiterer glücklicher Umstand: die Chance, als Schauspieler die große weite und nonkonformistische Welt dieses Berufes und der mit ihr verbundenen Personen kennenzulernen – auf den freizügigen Partys des bekannten Filmproduzenten Wenzel Lüdecke und durch zahlreiche Begegnungen. Wie Bohnet berichtet, war für ihn der bedeutende deutsche Komponist Hans-Werner Henze eine prägende Figur. Viele Jahre lebte er mit ihm als Paar in dessen mondäner Villa in Rom zusammen, lernte dort viele Persönlichkeiten wie den Dirigenten Leonard Bernstein und insbesondere den Regisseur Luchino Visconti kennen, der ihn für die Rolle des Josef Kainz in dem Film „Ludwig II“ engagierte und über dessen besonderen Charakter er ebenso kenntnis- wie anekdotenreich zu berichten weiß.

Auch in der Erinnerung nach knapp über 50 Jahren bewertet er diese Zeit als maßgeblich für seine Entwicklung von einem sich provinziell fühlenden deutschen Schauspieler hin zu einem sich als Kosmopolit verstehenden Menschen. Sein Dank dafür gilt Henze, durch den er „einen völlig neuen Blick auf die Welt gewann.“

Neben seinem Ausflug in die Welt des Films und Fernsehens bestimmte das Theater Volker Bohnets berufliches Leben: feste Engagements und Gastspiele an renommierten Schauspielhäusern, darunter am Thalia-Theater Hamburg, Renaissance-Theater Berlin, Schauspielhaus Frankfurt, Ernst-Deutsch-Theater Hamburg, Residenztheater München, Theater in der Josefstadt Wien, an den Städtischen Bühnen Köln, der Freien Volksbühne Berlin, den Hamburger Kammerspielen und an fast allen bekannten Komödienhäusern Deutschlands sowie bei Festspielen und Tournee-Produktionen. Dabei spielte er die unterschiedlichsten Rollen von der Klassik bis zur Komödie.

Neben seiner Arbeit als Schauspieler führte Folker Bohnet regelmäßig Theaterregie und schrieb auch zahlreiche Komödien, die im gesamten deutschsprachigen Raum und darüber hinaus mit großem Erfolg aufgeführt wurden. Zu den Bekanntesten gehören „Meine Mutter tut das nicht“, „In anderen Umständen“, „Die Hausdame“ und „Ein Oscar für Emily“. Im neuen Millennium inszenierte er regelmäßig unter Intendanz von Christian Seeler am Ohnsorg-Theater in Hamburg.

Dass er im Zusammenhang mit den Komödien von der Kritik oft nur als „Meister des Boulevards“ bezeichnet wurde und seine ernsten Rollen wie Hamlet, Romeo oder den Tellheim in Lessings „Minna von Barnhelm“ in Vergessenheit zu geraten schienen, bedauert Bohnet in seinen Erinnerungen, ist aber andererseits auch stolz über das ihm entgegengebrachte Lob, denn wie er weiß, ist die Komödie, wenn sie gut sein soll, das schwierigste Genre für einen Schauspieler. Darauf geht er in seinen Erinnerungen dann noch weiter ein – verbunden mit vielen tiefen Einsichten in dieses oft unterschätzte Fach.

Bei aller Leidenschaft für Theater, Film und Fernsehen war es Folker Bohnet auch wichtig, ein Privatleben zu haben. Wie einer seiner Kollegen ihm dazu des Öfteren sagte, hatten aber die Turbulenzen in diesem Bereich vielleicht eine größere Karriere verhindert. Wie Bohnet eingesteht, war dies auch so. Er hatte Beziehungen zu Männern und Frauen – mit der Schauspielerin Ann-Monika Pleitgen war er sogar verheiratet – und manche auch gleichzeitig; und das war für die Beteiligten nicht immer einfach.

Zurückblickend nimmt er aber für sich in Anspruch, nichts bereuen zu müssen. Und das von ihm beschriebene Glück mit seinem letzten Partner und Kompagnon bei einer Vielzahl seiner Theaterstücke, Alexander Alexy, mit dem er fast 40 Jahre liiert war, scheint das zu bestätigen.

Volker Bohnet starb im Oktober 2020 im Alter von 83 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit und wurde auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf im Planquadrat PA 2 oberhalb des Prökelmoors beigesetzt.

Kurzum: Ilja Bohnets Buch über seinen Vater, basierend auf dessen Erinnerungen in einem unterhaltsamen, kurzweiligen und anekdotenreichen Ton, gibt interessante Einblicke sowohl in das Leben eines Schauspielers als auch in das kulturelle Leben Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg.

Zum Autor Ilja Bohnet:

Der Autor ist promovierter Physiker und arbeitete ab Mitte der 1990-er Jahre am Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY in Hamburg und Zeuthen, bevor er im Jahr 2012 als Beauftragter für die Grundlagenforschung mit Großforschungsanlagen in die Geschäftsstelle der Dachorganisation vom DESY, der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren, nach Berlin wechselte.

Daneben schreibt er Kriminalromane, Kurzgeschichten und Sachbücher und wurde für seine belletristischen Werke bereits mehrfach ausgezeichnet, zuletzt 2019 mit dem Wunderwasser-Krimipreis für die Kurzgeschichte „Nur ein Kratzer“ (Verlag Tasten & Typen). Im Herbst 2020 veröffentlichte er sein erstes populärwissenschaftliches Buch im KOSMOS Verlag mit dem Titel „Die 42 größten Rätsel der Physik“. Der Kriminalroman „Schneeflockenrauschen“ ist sein erster Roman in der edition karo.

Ilja Bohnet, Der verzauberte Junge von der Brücke – Aus dem Leben des Schauspielers, Regisseurs und Theaterautors Folker Bohnet, 150 S., Klappenbroschur, 1 Foto fb., 7 Fotos s/w, 20 Euro, • 20,60 (A) • 23,50 CHF, ISBN 978-3-945961-42-1

Programm des Museumsquartiers Osnabrück für den November

Breitgefächert ist das Programm des Museumsquartiers Osnabrück, das sich von Ausstellungen bis hin zu Gesprächskreisen, Lesungen und Vortragsveranstaltungen erstreckt.

Frieden sehen – Frieden denken

Frieden ist in Osnabrück mehr als ein historisches Erbe – er ist unsere Haltung. So ist dort die Ausstellung zum „Deutschen Friedenspreis für Fotografie“ und zum „Felix Schoeller Photo Award“ zu sehen. Präsentiert werden preisgekrönte und nominierte Arbeiten internationaler Fotografinnen und Fotografen, die zeigen, wie vielfältig Frieden heute gedacht und erlebt werden kann.
Zu den Ausgezeichneten zählt Maximilian Mann, dessen eindringliche Bildserie die Zerbrechlichkeit und Hoffnung menschlicher Existenz spürbar macht. Die Ausstellung wird noch bis Februar 2026 gezeigt.

»Gedenken neu denken – Wie sich unser Erinnern an den Holocaust verändern muss« – Buchvorstellung mit Susanne Siegert am 21. November, 18.30 Uhr, Eintritt frei

„Unsere Erinnerungskultur muss sich verändern“, meint die Autorin Susanne Siegert. Wie und warum, legt sie in ihrem Buch dar. Sie plädiert für eine pluralistische, neue Gedenkarbeit mit einem Schwerpunkt auf der Verantwortung der Nachfahren der Tätergeneration anstelle unserer „einstudierten“ gemeinsamen Rückschau mit den Opfern. Es geht um weniger bekannte NS-Verbrechen, um weniger bekannte Orte, um bisher vernachlässigte Opfergruppen. Gleichzeitig zeigt dieses Buch, wie wichtig eine aktivere, vielfältigere Gedenkkultur ist, um künftige Generationen auch ohne direkte Zeitzeugenberichte zu erreichen. Susanne Siegert klärt auf Instagram und TikTok über den Holocaust auf. Ihr folgen knapp 300.000 Menschen. Für ihre Arbeit wurde sie 2024 mit dem ELNET Preis und dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet.

Filmabend: »Wir sind jung. Wir sind stark.«, 25. November 2025, 19 Uhr, in der Lagerhalle Osnabrück, Eintritt: 6 beziehungsweise ermäßigt 5 Euro

Der Spielfilm von Burhan Qurbani (2014) erzählt von den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen im August 1992. In einer von Perspektivlosigkeit geprägten Plattenbausiedlung entlädt sich die wachsende Fremdenfeindlichkeit in blanker Gewalt gegen Asylsuchende und vietnamesische Vertragsarbeiter:innen – ein erschütterndes Zeitdokument über die Folgen von Orientierungslosigkeit, politischem Versagen und Hass.

Eine Veranstaltung in der Reihe „Geschichte(n) sehen“ von Museumsquartier Osnabrück, Lagerhalle e.V. und Filmfest Osnabrück.

»Pensionen und Baulasten« – Vortrag & Gespräch mit Dr. Christian Hoffmann über den Umgang des Königreichs Hannover mit den Verpflichtungen aus der Zeit der Säkularisation im Bereich der Landdrostei Osnabrück (1813/14–1866) am 25. November, 19 Uhr, Eintritt frei

Die Säkularisation bezeichnet die Enteignung und Verstaatlichung kirchlicher Güter zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Viele Klöster, Stifte und geistliche Fürstentümer wurden aufgelöst, ihr Besitz ging an weltliche Staaten über – ein tiefgreifender Einschnitt in das Verhältnis von Kirche und Staat.
Diese Umwälzungen brachten den neuen Landesherrschaften zwar großen Vermögenszuwachs, jedoch auch langfristige finanzielle Verpflichtungen. Das 1814 zum Königreich erhobene Hannover erhielt durch den Wiener Kongress von 1815 unter anderem das Emsland und die Grafschaft Bentheim und richtete zur Verwaltung des ehemaligen Kirchenvermögens die Klosterkammer ein. Der Vortrag zeigt, wie Hannover seiner Verpflichtung zur Versorgung der Kanoniker, Mönche und Nonnen der aufgehobenen Stifte und Klöster in der Landdrostei Osnabrück nachkam, und zeigt die neue Nutzung des verstaatlichten Immobilienbesitzes.
Eine Veranstaltung in der Reihe „Geschichte konkret“ vom Museumsquartier und dem „Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück“.

Vortrag & Gespräch: Albrecht Dürers »Marienleben« am 6. Dezember 2025, 15.30 Uhr,
Eintritt: 8 beziehungsweise ermäßigt 6 Euro inklusive Kaffee & Kuchen. Anmeldung bis 3. Dezember unter mq4-vermittlung@osnabrueck.de

Die Kunsthistorikerin Marie Brune lädt zu einem Vortrag über Albrecht Dürers Holzschnittzyklus „Marienleben“ ein – ein Meisterwerk der Renaissance, das Maria nicht nur als heilige, sondern als zutiefst menschliche Figur zeigt. In 19 Holzschnitten erzählt Dürer eindrucksvoll vom Leben der Gottesmutter – von ihrer Geburt bis zur Himmelfahrt – und verbindet Bild und Text auf neuartige Weise. Im Anschluss gibt es Gelegenheit, bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch zu kommen und Dürers Werk weiter zu entdecken – darunter auch die derzeit im Museumsquartier gezeigte „Apokalypse“.

Nähere Informationen: Museumsquartier Osnabrück, Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück, Telefon 05413232237, E-Mail: museumsquartier@osnabrueck.de und Internet: http://www.museumsquartier-osnabrueck.de