Alles fließt – die Kunst von heute im Dordrechts Museum

Noch bis 15. März 2026 präsentiert das Dordrechts Museum „Alles fließt – aktuelle Perspektiven in der Museumssammlung“. Erstmals vereint die Ausstellung aktuelle Erwerbungen und langfristige Leihgaben aus den Jahren 2020–2025: eine facettenreiche Serie von Gemälden, Videowerken und Skulpturen führender zeitgenössischer Künstler. Ihre Arbeiten führen Besucher durch zeitgenössische Landschaften, Porträts, Traumwelten und Reflexionen über das 21. Jahrhundert.

Reichtum und Vielfalt

Von langen Haarsträhnen, die in einem monumentalen Gemälde von Katinka Lampe um ein Gesicht schwingen, bis hin zu einem Ozean voller Plastiksuppe in einem Video von Anouk Kruithof: Die in „Alles fliesst“ ausgestellten Kunstwerke zeigen die Harmonie und Unharmonie zwischen Mensch, Natur und Gesellschaft. Einige Werke sind eine aktuelle Fortsetzung großer Gemälde aus der Vergangenheit, wie das riesige Gemälde voller Vögel von Niek Hendrix, inspiriert von einem historischen Deckengemälde. Gleichzeitig baut das Museum eine Sammlung für zukünftige Generationen auf: Es ist nicht umsonst, dass die Vögel in einen Regenbogen aus Farben getaucht sind, der den Reichtum und die Vielfalt unserer Welt widerspiegelt.

Führende Künstler

Die Ausstellung zeigt Werke führender Künstler – darunter Abul Hisham (Gewinner des De Scheffer Art Prize 2024), Carla Klein, Iris Kensmil, Neo Matloga, Femmy Otten, Umar Rashid, Emma Talbot, Agnes Waruguru und Evi Vingerling – und zeigt, wie sie die Polyphonie der Kunst des 21. Jahrhunderts mit kritischen Visionen und poetischen Perspektiven zum Leben erwecken. „Kunst im 21. Jahrhundert ist wie ein Strom von Geschichten, Bildern und Ideen, in dem viele Perspektiven koexistieren“, sagt Wilma Sütö, Kuratorin für zeitgenössische Kunst und Kuratorin der Ausstellung.

Künstler

Die Ausstellung „Alles fließt“ enthält Werke von: Abul Hisham (Gewinner des De Scheffer Kunstpreises), dem Duo Maria Roosen & Jiří Pačinek, Iris Kensmil, Neo Matloga, Femmy Otten, Jennifer Tee, Katinka Lampe, Anouk Kruithof, Fiona Lutjenhuis, Rory Pilgrim, Agnes Waruguru, Charlott Weise, Emma Talbot, Evi Vingerling, Juul Kraijer, Niek Hendrix, Frans van Lent, Carla Klein, Umar Rashid, Hans Broek und Charlotte Schleiffert.

Dank an

Die neuen Erwerbungen wären ohne die großzügige Unterstützung von Mitteln, privaten Spendern und Kooperationspartnern nicht möglich gewesen. Dank ihnen kann das Dordrechts Museum die Sammlung bereichern und aktuelle Perspektiven für die Zukunft bewahren. In dieser Zeit ist das Museum auch unternehmerischer geworden: Wir suchen aktiv die Zusammenarbeit mit Partnern, die unsere Mission teilen, gemeinsam eine vielseitige Sammlung aufzubauen. Zum Beispiel arbeiten wir mit Künstlern, Institutionen und Sammlern zusammen, die dazu beitragen, verschiedene Geschichten sichtbar zu machen – über Menschen, Natur, Identität und Gesellschaft. Auf diese Weise wächst die Sammlung nicht nur an Bedeutung, sondern auch an Bedeutung und Ausdruckskraft.

Nähere Informationen: Dordrechts Museum, Museumstraat 40, 3311 XP Dordrecht, Telefon: +31 (0)78 770 8708, E-Mail: info@dordrechtsmuseum.nl

Die Neue Leipziger Schule“ entsteht in Assen nicht

Mit ‚Hotspot Leipzig‘ präsentiert das Drents Museum seine Sammlung neuer Gemälde aus Leipzig. Dennoch ist die Ausstellung enttäuschend. Die Frage bleibt sogar: Gibt es überhaupt eine Neue Leipziger Schule?

„Hotspot Leipzig“ ist ein passender Name für eine Ausstellung im Drents Museum über aktuelle Kunst aus Leipzig. Denn die Stadt im Osten Deutschlands war und ist ein Zentrum der Malerei, besonders rund um die Leipziger Baumwollspinnerei, die seit 2005 als „Die Spinnerei“bekannt ist.Nach der Schließung nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Fabrik von Künstlern und anderen Kreativen übernommen, die oft an der Leipziger Kunstakademie studiert hatten. Ein Kurs, in dem Künstler wie Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer in der DDR-Zeit realistische Malerei unterrichteten. Neo Rauch und Rosa Loy, das Künstlerpaar, das weltweit das Visitenzeichen der sogenannten Neuen Leipziger Schule ist, haben seit 1994 ein Atelier in der Spinnerei.

Seit 2009 zeigt das Drents Museum regelmäßig Werke eines oder mehrerer Leipziger Künstler. Im vergangenen Jahr konnte das Museum schließlich ein Werk von Neo Rauch erwerben, das Gemälde „Das Dreibein“ von 2024. Heute sind etwa 50 Gemälde aus der Sammlung bis zum 5. April 2026 in der Abteihalle und der Kreuzgangshalle ausgestellt.

Meterhohe Leinwände

Direkt neben dem einleitenden Text hängt das Werk von Neo Rauch. Obwohl dies ein markanter Ort ist, ertrinkt das 50 mal 40 Zentimeter große Gemälde im Raum neben der großen Texttafel. Gerade für diejenigen, die Rauchs metergroße Leinwände gewohnt sind, wirkt dies eher wie eine Vorstudie. Außerdem gibt die Ausstellung keine Erklärung zu diesem Gemälde oder zu den anderen Werken. Dank eines Videos, in dem der Leiter des Drents Museums, Harry Tupan, über seine Leidenschaft für die Leipziger Malerei spricht, können Besucher etwas über die Hintergrundgeschichte der Spinnerei erfahren. So erklärt er beispielsweise, dass es so etwas wie eine ‚Neue Leipziger Schule-Stijl‘ nicht gibt: Obwohl die Künstler an derselben Akademie studierten, wählten sie jeweils ihre eigene Richtung. Details dazu sind im Katalog zu lesen – der auch alle 80 Werke des Museums zeigt.

Theatralische Menschenfiguren

Im Museum erhielten die Gemälde nur eine Namensplakette, und es gibt keine weiteren Erklärungen zu den Künstlern. Dies ist daher eher eine Auswahl aus der Sammlung als eine eigenständige Ausstellung, die die Neuwe Lepiziger Schule interpretiert und erkundet. Das ist schade, denn so bleiben der ‚Hotspot‘ und die größere Perspektive etwas im Hintergrund.Allerdings kann der Besucher durch genaue Betrachtung selbst Kreuzverbindungen entdecken. Christoph Ruckhäberle (1972) schafft beispielsweise eine vielfarbige Inszenierung mit theatralischen Menschenfiguren, die entfernt an die surrealistischen Situationen von Rauch (1960) und Loy (1958) erinnern. David Schnell (1971) hat sich wie Dorothee Liebscher (1987) für eine viel fragmentiertere Darstellung der Realität entschieden: Es sind Landschaften, die aus gemalten Linien bestehen. Ob es sich um die Andeutung einer tatsächlichen Landschaft oder ein flaches Gemälde handelt, die Künstler überlassen es dem Betrachter. Es gibt ein faszinierendes, pop-art-ähnliches Gemälde von Frauen, die Pfeifen rauchen, gemalt von Malte Masemann (1979), einer ehemaligen Schülerin von Rauch, der Frauen in historischen Kontexten oft eine prominente Rolle zuschreibt.Unterdessen betrachten die Künstler von einer kleinen Wand aus die Besucher in fünf Selbstporträts. Ihre stillschweigende Botschaft: Wenn du sie wirklich kennenlernen willst, ist es am besten, nach Leipzig zu gehen. (Von Joke de Wolf aus der Museumstijdschrift)

Nähere Informationen: Drents Museum, Brink 1, 9401 HS Assen, Telefon 0592 377773, E-Mail: info@drentsmuseum.nl, Internet: www.drentsmuseum.nl. Geöffnet ist das Museum in der von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr.

Jahresvorschau 2026 der Kunsthalle Bielefeld

„Mit der Kunst die Welt befragen – dieser Mission verschreiben wir uns auch im kommenden Jahr. Wir laden Sie herzlich ein, die Kunsthalle Bielefeld als einen Ort zu erleben, der neue Perspektiven auf unsere Gesellschaft eröffnet und inspirierende Impulse setzt“, heißt es in einer Pressemitteilung der Kunsthalle Bielefeld zum Jahresprogramm 2026. Den Auftakt bildet die Ausstellung „Alles Licht. Light and Space gestern und heute“, die noch bis zum 1. März 2026 zu sehen ist. Hier ein Einblick in die kommenden Highlights:

Duane Linklater – Cache

21. März bis 14. Juni 2026

Wenn wir Dinge sammeln, entsteht eine eigene Welt: Wir verbinden, bewahren, ordnen Bedeutung zu. Das gilt im persönlichen Familienarchiv ebenso wie im Museum, das seine Sammlungen nutzt, um Geschichten über Herkunft und Identität zu erzählen.

Welche Verbindungen stiften unsere Dinge? Was bewahren wir – und warum? Welche Geschichten entstehen aus dem, was wir sammeln? Für seine erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland entwickelt der kanadische Künstler Duane Linklater (*1976) ortsspezifische Installationen. Ausgangspunkt ist der Begriff „cache“, ein Hort, der sowohl „Sammlung“ als auch „Struktur“ oder „Rahmen“ bedeuten kann. In Indigenen Kulturen Kanadas diente ein Cache der Aufbewahrung und Weitergabe von Gegenständen, Erinnerungen und Wissen – ein Prinzip, das Linklater in die Gegenwart überträgt.
Linklater, Omaskêko Ininiwak (Moose Cree First Nation), hat für die Ausstellung modulare, skulpturale Gerüstkonstruktionen – „caches“ – entwickelt. Diese Strukturen tragen Gemälde, gefundene Objekte, Möbel und persönliche Dinge seiner Familie. Sie bilden eine Art aufgeschichteten Hort: ein Speicher, in dem Gegenstände in eine mögliche Zukunft hinein verwahrt werden und sich zugleich der direkten Aneignung entziehen. Linklater knüpft damit an familiäre und kulturelle Formen des Sammelns an und verbindet sie mit Erzählungen über Zirkulation, Bewahrung und Bedeutungswandel — von Alltagsobjekten bis zu archäologischen Funden, wie jenen tausende Jahre alten Indigenen Werkzeugen, die in jüngster Zeit rund um Ottawa entdeckt wurden.

Im Zusammenspiel mit unserer Sammlungspräsentation entsteht ein Resonanzraum zwischen unterschiedlichen Zeiten und Kulturräumen. Die Ausstellung macht erfahrbar, wie Dinge Geschichten tragen, Verbindungen schaffen und kulturelle Kontinuitäten wie Brüche sichtbar machen — und wie sich in diesen Zusammenstellungen persönliche und kollektive Perspektiven überlagern.

So wird die Kunsthalle zu einem vielschichtigen Speicher, in dem Linklaters Gerüste zu materiellen Metaphern für Behutsamkeit, Wiederherstellung und das Weitertragen von Bedeutungen werden.
Die Ausstellung wird gemeinsam mit dem Künstler, der Wiener Secession und der Galerie Rudolfinum, Prag, konzipiert.

Geteilte Ansichten. Kunsthalle Bielefeld x Sammlung KiCo – Teil I: Vom Teilen und Geteiltsein

4. Juli bis 1. November 2026

Was passiert, wenn wir teilen – Ideen, Räume, Verantwortung? Mit „Geteilte Ansichten“ eröffnet die Kunsthalle Bielefeld ein umfassendes, zweiteiliges Ausstellungsprojekt, das das Teilen als ästhetisches, soziales und politisches Prinzip ins Zentrum rückt. Die Schau verbindet Werke aus der Sammlung KiCo mit Positionen aus der Sammlung der Kunsthalle Bielefeld. Die Sammlung KiCo wurde 2009 von Doris Keller-Riemer und Hans-Gerd Riemer ins Leben gerufen – mit der Zielsetzung, nicht nur in einer privaten Sammlung zu münden, sondern sich in kontinuierlicher Zusammenarbeit mit öffentlichen Museen zu entwickeln. In engem Dialog mit dem Kunstmuseum Bonn und der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, die bei der Auswahl und den Entscheidungen für den Ankauf von Kunstwerken partnerschaftlich mitwirken, fließen Überlegungen zu einer sinnvollen und denkbaren Erweiterung der jeweiligen Kunstsammlungen ein.

Ab 2026 ist die Kunsthalle Bielefeld neues Partnermuseum und freut sich darauf, in zwei Ausstellungstakten das neue Zusammenspiel in unterschiedlichen Zugangsformen vorzustellen. „Vom Teilen und Geteiltsein“ untersucht, wie tief das Teilen in unsere Lebenswirklichkeit eingeschrieben ist: als Gestaltung von Raum, als Trennung und Grenzziehung, als Austausch von Material und Information, als Verteilung, Konfrontation und Kommunikation. Die gezeigten Kunstwerke greifen Spuren, Oberflächen, Bildwelten und persönliche Handschriften auf und verweben sie zu neuen gemeinsamen Erzählungen. Aus Fragmenten entsteht ein größeres Ganzes; aus individuellen Perspektiven ein Resonanzraum kollektiver Erfahrung.

Die Ausstellung stellt damit eine zentrale Frage unseres Zusammenlebens: Wie prägt das Teilen unsere Gesellschaft – und welche Rolle können Museen als öffentliche Orte im Aushandeln dieser geteilten Wirklichkeiten spielen? In diesem Dialog zwischen historischen und zeitgenössischen Positionen entsteht ein offener Raum, in dem Kunst nicht nur betrachtet wird, sondern Verantwortung, Gemeinschaft und Austausch sichtbar macht.

Folgende Künstlerinnen und Künstler sind vertreten: Monica Bonvicini, Andrea Büttner, Sandro Chia, George Condo, Thomas Demand, Lucio Fontana, Andreas Gefeller, Isa Genzken, Erik van Lieshout, Daniel Knorr, Michel Majerus, Marcel Odenbach, Ulrich Rückriem, Tomás Saraceno, Corinne Wasmuht, Clemens von Wedemeyer und andere.

Teil II: Willst du mit mir gehen? – Sammlungen im Dialog

21. November 2026 bis 21. Februar 2027

„Man muss einsteigen in die Malerei mit beiden Füßen“, so beschrieb die Künstlerin Maria Lassnig ihren künstlerischen Prozess in einem Interview. Ihr Werk „Füsse“ (1987/89) aus der Sammlung KiCo steht zeichenhaft für den zweiten Teil der Ausstellung, in der neue mögliche Gangarten mit der Sammlung der Kunsthalle Bielefeld eingeschlagen werden und sich zugleich neue Standpunkte eröffnen. „Miteinander gehen“ bedeutet, dass Werke aus zwei Sammlungen zusammenfinden und miteinander ins Gespräch kommen, sich gegenseitig ergänzen, erweitern, hinterfragen und auch widersprechen.

Die Auseinandersetzung mit Malerei, Raum und Abstraktion von der Klassischen Moderne bis in die Gegenwart bildet den verbindenden kunsthistorischen Faden zwischen den Sammlungen. Während die Sammlung der Kunsthalle Schwerpunkte im deutschen Expressionismus und der US-amerikanischen Avantgarde der 1960er-Jahre beinhaltet, knüpft die Sammlung KiCo mit Werken der jüngeren Gegenwart an.

Im Zusammenspiel entstehen neue Sichtachsen; zugleich werden Perspektiven gestärkt, die zuvor weniger sichtbar waren. Werke, die in der Sammlung der Kunsthalle vorhanden sind u.a. Arbeiten von Monica Bonvicini, Herbert Brandl, Gerhard Hoehme, Günter Fruhtrunk, Shannon Bool, Michel Majerus oder Charline von Heyl können mit weiteren Werken aus der Sammlung KiCo ergänzt und so das Werk umfangreicher vorgestellt werden. Bisher gänzlich fehlende Werke von Künstlerinnen wie Marcia Hafif, Katharina Grosse, Sarah Morris oder Maria Lassnig führen die in unserer Sammlung angelegten Setzungen etwa von Agnes Martin, Sigmar Polke, Gerhard Richter oder Georg Baselitz in die jüngere Geschichte fort.

Die ausgewählten Werke erweitern das bestehende Profil unserer Sammlung und zeigen, wie sich Perspektiven durch gemeinsames Sammeln öffnen und verschieben lassen. Historische und aktuelle Positionen treten in einen Dialog. Klassische Formen und Konzepte werden zeitgenössischen gegenübergestellt, skulpturale und raumbezogene Arbeiten verschränken sich, fotografische und mediale Arbeiten erweitern die narrative Dimension der Sammlungen.

„Willst du mit mir gehen?“ ist als sichtbarer Ausdruck einer Sammlungspraxis konzipiert, die auf Kooperation, Offenheit, Nachhaltigkeit und Bewegung setzt. Die Ausstellung wird so zu einem experimentellen Denkraum, in dem Zukunftsperspektiven musealer Arbeit erprobt und die Grundlagen eines gemeinsamen kulturellen Gedächtnisses neu ausgelotet werden.
Folgende Künstlerinnen und Künstler sind vertreten: unter anderem Nevin Aladağ, Karla Black, Georg Baselitz, Monica Bonvicini, Shannon Bool, Louise Bourgeois, Herbert Brandl, Angela Bulloch, Matti Braun, Alexander Calder, Sonia Delaunay, Nicole Eisenman, Olafur Eliasson, Isa Genzken, Katharina Grosse, Cao Fei, Günter Fruhtrunk, Marcia Hafif, Charline von Heyl, Maria Lassnig, Annette Kelm, Agnes Martin, Michel Majerus, Henry Moore, Sigmar Polke, Germaine Richier, Gerhard Richter, Karin Sander, Adrian Schiess, Hiroshi Sugimoto, Wolfgang Tillmans, Philipp Timischl und James Welling.

Nähere Informationen: Kunsthalle Bielefeld, Artur-Ladebeck-Straße 5, 33602 Bielefeld, Telefon: 0521 32999500, Fax: 0521 329995050, E-Mail: info@kunsthalle-bielefeld.de. Die Kunsthalle ist am Dienstag, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, am Mittwoch von 11 bis 21 Uhr geöffnet.

Maritime Mode im Nationalen Maritimen Museum

Kapitänsjacken, Kabelpullover und eine Tasche in Form einer Perle: Die Ausstellung „Oceanista“, die noch bis zum 12. April 20026 im National Maritime Museum in Amsterdam zu sehen ist, ist ein Fest für die Augen. Die erste Modeausstellung des Museums zeigt, wie viele Alltagskleidungsstücke maritime Wurzeln haben.

Aber die entscheidenden Fragen – warum bestimmte Stile so beharrlich zurückkehren, was sie bedeuten – bleiben unbeantwortet. Inhaltlich bleibt es oberflächlich.

Was macht die Kapitänsjacke zu einem so beständigen Modefavoriten? Die steife, blaue Jacke mit goldenen Streifen und glänzenden Knöpfen kehrt immer wieder in die Mode zurück, sei es in Form von Vintage-Jacken oder zeitgenössischen Neuinterpretationen. Modemarken wie Balmain und Thom Browne haben es bereits mehrfach genutzt. Während ihrer Konzertreihe „Love Boat“ im Jahr 2012 trugen die „Toppers“ passende blau-weiße Kapitänsanzüge, die von oben bis unten mit Pailletten bedeckt waren. Was sagt diese anhaltende Faszination für die Marineuniform über uns als Menschen aus?

Maritime Wurzeln

Jedenfalls ist diese Faszination keine Einzelerscheinung. Die Ausstellung zeigt den weitreichenden Einfluss des Lebens in und um Ozeane auf die Mode, anhand einer Auswahl zeitgenössischer und historischer Modestücke, die – direkt oder indirekt – aus der maritimen Welt hervorgegangen sind. Ein Teil dieser Auswahl wurde vom dänischen M/S Maritime Museum bestimmt, von dem das National Maritime Museum die Ausstellung übernahm. Das Museum ergänzte die Auswahl weiter, hauptsächlich mit Leihgaben von niederländischen Museen und Bekleidungsmerken, darunter Kassl, Duran Lantink und Martan.

„Oceanista“ ist in Räume mit unterschiedlichen Themen unterteilt, die zeigen, wie das Meer die Mode auf unterschiedliche Weise beeinflusst hat. Es ist überraschend – wie im Museum zu sehen, dass ganz alltägliche Kleidung maritime Wurzeln hat. Manche sind so häufig, dass man vergessen würde, dass sie von dort stammen. Der Kabelpullover zum Beispiel ist, wie das bretonische gestreifte Hemd, ein klassisches Fischerkleidungsstück. Oder der gelbe Gummiregenmantel, eine Ableitung des jahrhundertealten Ölmantels, der erfunden wurde, um nassen Stürmen standzuhalten. Er bestand aus Baumwolle, die in Leinöl, Bienenwachs und Terpentin getaucht war und gelb gefärbt war, um auf dem Schiffsdeck oder an der Küste besser sichtbar zu sein.

Ein anderer Raum zeigt Entwürfe, die eine Ode an die mystische Schönheit des Meereslebens sind. Es gibt eine Tasche von Simone Rocha in Form einer vergrößerten, eiförmigen Perle und ein Kleid von Botter in tropischen Fischfarben, gefertigt aus dünnem Organza mit ausgeschnittenem Schuppenmuster. Im Mittelpunkt steht ein Kleid von Iris van Herpen mit einem Rock aus Seidenschichten, die wie fließendes Wasser wirbeln oder wie Tentakel nach oben kriegen – je nachdem, wie man es betrachtet.

Unbeantwortete Fragen

Es ist eine reiche und erfrischende Auswahl an Kleidungsstücken und Accessoires, die durch das Design der Ausstellung optisch gut in Szene gesetzt werden: Bühnen in Form von Papierbooten, wellenförmige Trennwände, hängende Fischernetze statt Vitrinen. „Oceanista“ ist eine wunderschöne Ausstellung, aber inhaltlich bleibt sie an der Oberfläche. Dass viel Mode vom Meer inspiriert ist, wird nach ein paar Räumen klar – aber die interessanten Fragen bleiben weitgehend unbeantwortet. Warum entschieden sich so viele Designer für Kapitänsjacken? Was bedeuten die verrückten Paillettenanzüge von „De Toppers“ eigentlich? Wann wurden Ölschalen zu Modeartikeln, und was sagt das über diese Zeit aus? Die Ausstellung hätte von mehr Klarheit in der Art der Präsentation profitiert, zumal die Ausstellung keinen Katalog hatte.

Das hätte auch klarer gemacht, warum „Oceanista“ gerade jetzt relevant ist.

Das Museum selbst betont diese Relevanz, indem es feststellt, dass die maritime Welt eine Quelle der Kreativität für eine nachhaltige Zukunft ist. Doch die Geschichte über Nachhaltigkeit bleibt auch recht allgemein und dreht sich manchmal mehr um das nachhaltige und zeitlose Aussehen maritimer Stile – Ölmäntel, Segelanzüge, Kabelpullover – als um die spezifischen Probleme, die die Modeindustrie für marine Ökosysteme und für die Technologien und Systeme, die damit umgehen, verursacht.

Glücklicherweise erzählen manche Designs diese tieferen Geschichten unabhängig voneinander. Wie der von Charlotte McCurdy entworfene Regenmantel, der das harte Aussehen einer öligen Jacke hat, aber aus Meeresalgen besteht: ein nachhaltigeres Material, das aus dem Meer selbst stammt. Der Designer Niño Divino verwendet kunstvolles Falten und Knoten mit handbemaltem Stoff und mit Fischernetzen, um die Geschichte von Fischern in der Karibik zu erzählen, die mit den Folgen der Kolonialgeschichte zu kämpfen haben. Solch maritime Mode bedarf kaum der Worte. (Text von Nora Veerman, erschienen in der Museumstijdschrift)

Nähere Informationen: Het Scheepvaart National Maritime Museum, Kattenburgerplein 1, 1018 KK Amsterdam, Telefon: 020 523 2222, E-Mail: info@hetscheepvaartmuseum.nl

Pekka Halonen. Eine Ode an Finnland

Das Rijksmuseum Twenthe präsentiert ab dem 20. März 2026 die erste große Überblicksausstellung des finnischen Malers Pekka Halonen (1865–1933) in den Niederlanden.

Halonen gehört zu den beliebtesten Künstlern Finnlands, ist jedoch außerhalb seines Heimatlandes beim breiten Publikum weniger bekannt. Nach früheren erfolgreichen Ausstellungen mit Werken skandinavischer Künstler möchte das Rijksmuseum Twenthe dies ändern, indem es in Zusammenarbeit mit dem Ateneum Art Museum (Helsinki), dem Petit Palais (Paris) und dem Ordrupgaard Museum (Charlottenlund, Dänemark) Halonens erste große Retrospektive außerhalb Finnlands präsentiert.

Die Ausstellung

Die Präsentation umfasst 94 Werke, größtenteils Gemälde von Halonen, ergänzt durch einige persönliche Malutensilien aus Halosenniemi, Halonens selbst entworfenem Atelierhaus am Ufer des Tuusula-Sees. Der Großteil der Leihgaben stammt aus der Sammlung des Ateneum Art Museum in Helsinki. Ergänzt werden diese durch Leihgaben aus verschiedenen anderen finnischen Museen sowie aus Privatsammlungen. Die Ausstellung zeigt die künstlerische Entwicklung Halonens – von seinen Studienjahren in Paris über seine Teilnahme an der Weltausstellung von 1900 bis zu seiner Rückkehr nach Finnland, wo er sich am Tuusula-See niederließ. Den Abschluss bilden Halonens Winterlandschaften – ein Thema, das ihn dauerhaft faszinierte. Dank seiner scharfen Beobachtungsgabe verstand er es wie kaum ein anderer, das finnische Licht, die Kälte und die Stille darzustellen. Diese Werke gehören zu seinen bekanntesten und brachten ihm den Beinamen „Schneemaler“ ein.

Halonen zwischen Paris und Finnland

Als talentierter Sohn einer Bauernfamilie zog Halonen nach Paris, wo er zwischen 1890 und 1893 an der renommierten Académie Julian studierte – gemeinsam mit Eero Järnefelt und Akseli Gallen-Kallela. Seine künstlerische Entwicklung wurde besonders durch seine Lehrzeit bei Paul Gauguin geprägt, dessen Kunst eine wichtige Inspirationsquelle für ihn war.

Halonens Beitrag zum finnischen Pavillon auf der Weltausstellung von 1900 – darunter „Der Luchsjäger“ und „Die Wäsche auf dem Eis“ – markierte einen Wendepunkt: Zum ersten Mal präsentierte sich Finnland international als eigenständige Nation, unabhängig von Russland. In diesen monumentalen Werken zeigt Halonen, wie er die finnische Identität in Alltagsszenen und in der engen Verbundenheit von Mensch und Natur einzufangen wusste.

Nach seiner Rückkehr nach Finnland entwickelte er eine neue Sichtweise auf die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Von seinem Atelierhaus Halosenniemi aus zog er mit Staffelei in die Winterkälte, um die Landschaft aus nächster Nähe zu studieren. Anders als viele Zeitgenossen, die ihre Landschaften oft aus der Vogelperspektive konstruierten, entschied sich Halonen für intime, beinahe greifbare Nahaufnahmen der Natur.

Halosenniemi war zudem ein lebendiger Treffpunkt: Halonen lebte dort mit seiner Frau und acht Kindern und empfing zahlreiche Gäste. Wohnen, Arbeiten und Naturerleben verschmolzen dort zu einem organischen Ganzen. Nicht nur Halonens Kunst, sondern auch sein Lebensstil spiegelte sein Streben nach Harmonie zwischen Mensch und Natur wider.

Aktualität von Halonens Werk

Obwohl Halonen vor mehr als einem Jahrhundert arbeitete, bleibt seine Thematik hochaktuell. Er hielt die Schönheit der finnischen Landschaft und ihrer Jahreszeiten in einer Zeit fest, in der durch zunehmende Industrialisierung großflächig Bäume in den finnischen Wäldern gefällt wurden. Seine Gemälde fungierten daher als subtile Warnung vor der Zerstörung der Natur. In unserer heutigen Zeit, in der der Wechsel der Jahreszeiten durch den Klimawandel immer stärker unter Druck gerät, ist seine Mahnung, sorgsam mit der Natur umzugehen, aktueller denn je.

Halonen erkannte, wie ein Künstler seine Vorstellungskraft einsetzen konnte und wie die Darstellung der Landschaft zur Bildung einer nationalen Identität beitragen konnte. Seine finnischen Landschaften können daher auch als Versuch gesehen werden, die finnische Nation zu fassen – in einer Zeit, in der die finnische Identität durch russische Propaganda unter Druck stand und das Land nach Unabhängigkeit strebte.

Diese Themen von Identität und unserem Umgang mit der Natur knüpfen eng an die Programmlinien Het Groene Lab und Identiteit des Rijksmuseum Twenthe an. Innerhalb dieser beiden Linien stehen gesellschaftliche Fragestellungen im Mittelpunkt: Sie erkunden sowohl das Verhältnis des Menschen zur Natur als auch unsere Beziehung zu uns selbst und zu anderen.

Publikation und Begleitprogramm

Zur Ausstellung erscheint ein reich illustrierter Katalog, herausgegeben von Waanders Uitgevers, mit Beiträgen von Anna-Maria von Bonsdorff (Ateneum), Anne-Charlotte Cathelineau (Petit Palais) und Valentijn As (Rijksmuseum Twenthe). Darüber hinaus entwickelt das Museum ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen, Vorträgen, Workshops und einem großen Mitsommernachtsfest.

Nähere Informationen: Rijksmuseum Twenthe, Lasondersingel 129-131, 7514 BP, Enschede, Telefon +31 53201 2000, Internet www.rijksmuseumtwenthe.nl. Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

Bas Kosters. Many loving arms

Ab dem 14. Februar 2026 wird in Enschede, wo Bas Kosters an der Kunstakademie AKI seine künstlerische Karriere begonnen hat, unter dem Titel Many Loving Arms eine erste große Ausstellung mit seinen in den letzten zehn Jahren entstandenen Werken im Rijksmuseum Twenthe gezeigt.

„Many loving arms“ ist keine traditionelle Ausstellung. Es ist ein Universum, das einen umarmt. Bas Kosters baut eine Welt, die vor Farbe, Sanftheit und gleichzeitig Widerstandskraft nur so strotzt. Ein Ort, an dem Selbstliebe kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit ist. Wo Queerness, Hoffnung, Sinnlichkeit und Verletzlichkeit eine Sprache bilden, die man nicht nur hört und versteht, sondern auch fühlt. Die Ausstellung ist ausladend und intim, leichtfüßig, aber auch genau auf den Punkt. Kosters lädt in eine Welt ein, in der jeder Raum einnehmen, sich selbst erfinden und manchmal an 1000 imaginären Armen anlehnen darf.

Die Welt des Bas Kosters

Hinter dieser farbenfrohen Energie verbirgt sich aber auch ein forscherischer Aspekt, der über Form und Ausdruck hinausreicht. Kosters erforscht, wie Menschen sich in einer Welt behaupten, die Freiheit und Glück in den Mittelpunkt stellt, zugleich aber Gefühle von Druck, Entfremdung und Konkurrenz erzeugt.

Seine Wandteppiche, Skulpturen, Keramiken und Zeichnungen sind Mittel, um grundlegende Fragen zu erforschen: Wie findet man Sicherheit, wie schafft man Raum für sich selbst, wie lebt man mit Verletzlichkeit und Sehnsucht? Themen wie Einsamkeit, Selbstliebe, Sinnlichkeit und Queerness erhalten bei Kosters eine passende Bildsprache, die feinfühlig aber auch direkt ist. Sein Werk zeigt, wie Vorstellungskraft, Humor und Sanftheit Gegenkräfte bilden können in einer Zeit, in der Nuancen und Menschlichkeit unter Druck stehen. Die Welt von Bas Kosters bleibt nicht innerhalb des Ausstellungsraums des Museums. So begrüßt das monumentale „It’s Me“ die Besucher im Museumscafé – eine fröhliche, muskulöse, eigenwillige Erinnerung daran, dass Heldentum nicht nur jenen gehört, die als Helden angesehen werden.

14. Februar: Eröffnung voller Liebe

Die Ausstellung eröffnet – wie könnte es anders sein – am Valentinstag. „Many Loving Arms“ ist ein Fest der Verbundenheit. Das Museum startet mit Workshops, Musik und Begegnungen, die das Herz von Bas’ Werk zum Schlagen bringen. Alle sind willkommen.

Publikation

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit vielen ganzseitigen Abbildungen, die die vielschichtige Welt von Bas zum Leben erwecken. Der Kunstjournalist Edo Dijksterhuis schrieb einen ausführlichen Essay über die Entwicklung von Bas in dieser Zeit und über den Platz, den sein Werk innerhalb der zeitgenössischen Kunst einnimmt.

Queertours

Dem Rijksmuseum Twenthe ist es wichtig, der Queer-Community in Twente im Rahmen dieser Ausstellung eine Plattform zu bieten. Dies geschieht unter anderem durch die Zusammenstellung eines neuen Queertour-Teams. Die Queer-Guides führen aus ihrer eigenen Perspektive und mit einer persönlichen Geschichte durch die Ausstellung.

Nähere Informationen: Rijksmuseum Twenthe, Lasondersingel 129-131, 7514 BP, Enschede, Telefon +31 53201 2000, Internet www.rijksmuseumtwenthe.nl. Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

Museum More zeigt „Bryan Ley, Démasqué“

Die Werke des peruanisch-französischen Künstlers Bryan Ley (1988) säen Verwirrung. Schauen wir uns Fotos an oder etwas anderes? Mit seiner Wahl zwischen Schwarzweiß- oder Schwarzweißgemälden in Acrylfarbe und Tag-Nacht-Modulationen erschafft Ley Dämmerungsgeheimnisse. Inspiriert von Online-Fotos und Bildern aus Zeitschriften, unter anderem, verleiht er seinen Motiven eine ikonische Kraft, die er überraschenderweise in neue Inkarnationen und erfundene Porträts umsetzt. Das Museum MORE mit Sitz in Gorssel/NL präsentiert noch bis zum 3. Mai 2026 mehr als 30 Werke in dieser ersten Einzelausstellung von Bryan Ley.

Paradoxon

Das Erste, was einem an Bryan Leys Werk auffällt, ist sein funkelnder Sprezzatura: die Fähigkeit, technisch komplexe Malerei mühelos erscheinen zu lassen. Der Begriff „Sprezzatura“ wurde von dem italienischen Schriftsteller Baldassare Castiglione (*6. Dezember 1478 in Casatico bei Mantua; †8. Februar 1529 in Toledo, Spanien) als Fähigkeit beschrieben, auch anstrengende Tätigkeiten und Aktivitäten oder solche, die langes Lernen und Üben voraussetzen, leicht und mühelos erscheinen zu lassen.

Leys Meisterschaft zeigt sich in der gewagten Platzierung seiner Figuren und in der spannenden Interaktion zwischen Formen. Es verleiht seinen Porträts sowohl Stärke als auch Rätselhaftigkeit. Obwohl die zugrundeliegende Geometrie zur Abstraktion tendiert, betont Ley selbst, dass das figurative Porträt seine ‚Obsession‘ bleibt, das Thema, zu dem er immer wieder zurückkehrt.

Obwohl Leys Arbeiten realistisch wirken, sind seine Motive keine realen Menschen. Sie sind sorgfältig konstruierte Fiktionen, bestehend aus Fotos aus Zeitschriften, Zeitungen und dem Internet. Die Originalbilder sind ihm unwichtig: „Wenn ich sie exakt reproduzieren würde, würden sie nicht funktionieren. Ich muss viel entfernen, verändern, um zum Wesentlichen zu gelangen.“ Das schafft ein Paradoxon: Porträts, die hyperrealistisch wirken, während die dargestellten Figuren nie existiert haben.

Diese Fiktion spiegelt seinen eigenen Hintergrund wider. Ley wurde in Lima geboren und von einer französischen Familie adoptiert, wuchs in Limoges auf und kehrte nie nach Peru zurück. „Ich weiß alles über meine leiblichen Eltern“, sagt er, „aber ich hatte nie den Wunsch, zurückzugehen.“ Seine Leinwände spiegeln dieses Gefühl wechselnder Identität wider: doppelte Herkunft, hybride Gesichter, Figuren, die weder das eine noch das andere sind. Er begrüßt diese Offenheit: „Ich möchte nicht erklären oder einschränken, wie Menschen die Werke verstehen.“

Obwohl seine Gemälde oft schwarze Figuren zeigen, lehnt er eine politische Agenda ab: „Die dunkle Haut fängt das Licht besser ein, die Spiegelungen sind reicher. Meine Entscheidungen sind ästhetisch.“ Gleichzeitig gibt er zu verstehen, dass Identität in seinem Werk zwangsläufig eine Rolle spielt: Adoption, Jugend, die Suche nach einem Ort. „Ob es dir gefällt oder nicht, alles, was du machst, ist politisch… Dieses Werk handelt auch vom Tod, von größeren existenziellen Fragen“, sagt Ley.

Démasqué : Enttarnung

Materialität spielt eine Schlüsselrolle. Ley sucht nach guten Textilstücken außerhalb des Hauses und spannt bedruckte Stoffe als Träger. Er lässt absichtlich die Seiten seiner Leinwand unbearbeitet, um den ursprünglichen Stoff und das Design zu ‚enttarnen‘. Er malt dünn, sodass das Muster als Kleidung sichtbar bleibt, während die Gesichter in dicken Schichten aufgebaut und undurchsichtig sind. „Sonst würdest du nicht merken, dass es Textilien sind.“ Dieses Spiel von Illusion und Offenbarung unterstreicht die Künstlichkeit seines Werks.

Leys Praxis ist in der Tradition der klassischen Kunsthandwerksausbildung verwurzelt, zu der auch die Arbeit in Pariser Ateliers gehört. In dieser Tradition wird anerkannt, dass jedes Gemälde in gewisser Weise ein Selbstporträt ist: „Wenn es das nicht wäre, wäre es kein gutes Gemälde“, sagt Ley selbst. So schafft er ein Universum aus imaginären Figuren, monumental und faszinierend.

Über Bryan Ley

Bryan Ley (*1988) wurde in Peru geboren und wuchs in Limoges, Frankreich, auf. Er studierte an der Kunstakademie in Poitiers und später am renommierten Van-der-Kelen-Institut für angewandte Künste in Brüssel, wo er eine Bronzemedaille gewann. Seine Arbeiten wurden seitdem in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt, und er erhielt den höchsten Malpreis des Institut Culturel Bernard Magrez.

Gastkurator der Ausstellung ist Adrian Dannatt, in Kooperation mit der Museums-Kuratorin Sito Rozema. Adrian Dannatt (1963) ist ein britischer Schriftsteller, Kurator und Sammler. Er lebt und arbeitet abwechselnd in New York, London und Paris.

Die Ausstellung wird von einem illustrierten 48-seitigen Booklet begleitet. Diese Ausgabe ist im Museumsshop für 4,95 Euro erhältlich.

Nähere Informationen: Museum MORE, Hooftstrad 28, 7213 CW Gorssel, Telefon +31 575 760 306, Internet www.museummore.nl. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, und Burg Ruurlo, Vordenseweg 2, 7261LZ Ruurlo. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

„Ich, Gustave Courbet“ – Realismus, Rebellion und kosmopolitische Perspektiven

Das Museum Folkwang in Essen präsentiert 2026 ein Jahresprogramm, das historische Bezüge, zeitgenössische Relevanz und kulturelle Vielfalt miteinander verbindet. Herausragende Retrospektiven, international bedeutende Fotografie und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Sammlung machen das Museum zu einem Ort der Reflexion, Vorstellungskraft und des Dialogs zwischen den Künsten aus Gegenwart und Geschichte.

Von der radikalen Bildsprache Gustave Courbets über die transkulturelle Perspektive der Fotografie-Ausstellungen bis hin zur frühen islamischen Sammlung des Museumsgründers Karl Ernst Osthaus spannt sich der Bogen des Jahresprogramms. Mit dem Zusammenspiel aus Historie, Gegenwartskunst und künstlerischer (Er-)Forschung eröffnet es neue Perspektiven auf zentrale Fragen von Kunst und Gesellschaft.
„Mit dem Jahresprogramm 2026 möchten wir die Besucherinnen und Besucher einladen, Kunst als lebendigen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu erleben. Wir zeigen, wie radikale künstlerische Positionen, historische Sammlungen und zeitgenössische Praktiken in unserem Museum zusammentreffen – ein Ort, an dem Erfahren und Empfinden verschmelzen“, sagt Peter Gorschlüter, Direktor des Museum Folkwang.

Gustave Courbet: Wegbereiter der Moderne

Mit der großen Retrospektive „Ich, Gustave Courbet“ (Bis 8. November 2026) widmet sich das Museum einem der einflussreichsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Courbets kompromisslose Haltung und seine innovative Maltechnik machten ihn zum Grenzgänger zwischen Kunst, Gesellschaft und Politik. Die Ausstellung beleuchtet zentrale Werkgruppen – Selbstbildnisse, soziale Realität, Landschaft, Erotik und Exil – und zeigt, wie Courbets radikaler Realismus der Moderne den Weg bereitete. Die Schau entsteht in Kooperation mit dem Leopold Museum Wien und steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron sowie unter dem Ehrenschutz von Alexander Van der Bellen, Bundespräsident der Republik Österreich.

Nach Damaskus … Karl Ernst Osthaus und die islamischen Künste

Die Ausstellung „Nach Damaskus …“ (6. November 2026 bis 21. Februar 2027) stellt zum ersten Mal die ehemalige „Islamische Abteilung“ des Museums in den Fokus. Rund 300 Objekte – von Keramiken über Textilien bis zu Metall- und Glasarbeiten, darunter bedeutende Leihgaben – veranschaulichen, wie die Begegnungen von Karl Ernst Osthaus mit Kunst und Kulturen aus Nordafrika und Westasien die Entwicklung dieser Sammlung prägten. Ausgewählte Werke der Klassischen Moderne, europäisches Kunsthandwerk und zeitgenössische Positionen erweitern den Blick auf die Bestände und ermöglichen neue Perspektiven auf den Sammlungsbereich.
Peter Gorschlüter betont: „Mit „Ich, Gustave Courbet“ und „Nach Damaskus…“ stellen wir zwei Ausstellungen vor, die auf unterschiedliche Weise von der Kraft künstlerischer Erneuerung erzählen. Beide Ausstellungen zeigen, wie eng Kunst, Politik und kulturelle Identität miteinander verwoben sind. In 2026 verhandeln wir diese Fragen neu – mit einer Offenheit, die sowohl den Künstler Courbet als auch das Museum Folkwang seit seiner Gründung prägt.“

Germaine Krull: Chronistin des 20. Jahrhunderts

Mit „Germaine Krull: Chien Fou“ (Bis 15. März 2026) rückt das Museum Folkwang die kosmopolitische Fotografin, deren Nachlass sich seit 1995 in der Fotografischen Sammlung des Museums befindet, in den Mittelpunkt. Neben ihren bekannten avantgardistischen Fotografien der 1920er- und 1930er-Jahre werden erstmals in größerem Umfang ihre (auto)biografischen Texte, Fotobücher, Maquetten und politischen Berichte präsentiert. Die Ausstellung beleuchtet insbesondere Krulls OEuvre als Autorin sowie ihre fotografische Praxis ab Beginn des Zweiten Weltkriegs, als sie Europa dauerhaft verließ. Sie eröffnet eine neue, transkulturelle Perspektive auf ihr Werk.

Vielfalt, Vermittlung und junge Positionen

Neben den großen Schauen zeigt das Museum ein breites Spektrum weiterer Ausstellungen: „L is for Look“ (27. Februar bis 7. Juni 2026) beleuchtet einen besonderen Aspekt fotografischer Gebrauchsformen und zeigt, wie Fotografien Eingang in die Kinderliteratur fanden – von fantasievollen Bilderbüchern bis hin zu literarischen Geschichten. Die Ausstellung „Herbert W. Franke / Gottfried Jäger“ (16. Oktober 2026 bis 10. Januar 2027) befasst sich mit den experimentellen Jahren der gegenstandlosen Fotografie, die von Debatten und Positionsbestimmungen einer damals jungen Generation geprägt war. „Photography Masters“ (16. Oktober 2026 bis 10. Januar 2027) hingegen zeigt die künstlerischen Ansätze und thematischen Schwerpunkte junger fotografischer Positionen heute. Die Präsentation „Saâdane Afif: Affiches / Plakate“ (13. März bis 4. Oktober 2026) gibt erstmals umfassend Einblick in diese besondere Werkgruppe des französischen Konzept- und Objektkünstlers und die neuseeländische Künstlerin „Kate Newby“ entwickelt eine neue ortspezifische Arbeit im Außenbereich des Museums. Mit dem Stipendienprogramm der Neuen Folkwang Residence und dem Ausstellungsformat „6 ½ Wochen“ werden weiterhin junge Künstler:innen mit ihren ersten musealen Ausstellungen gefördert. Die Schau „100 Beste Plakate 25“ (3. Juli bis 2. August 2026) präsentiert außer Haus auf dem UNESCO Welterbe Zollverein die Höhepunkte des jährlich größten deutschsprachigen Wettbewerbs für Plakatdesign.

Sammlung und Neuerwerbungen

Die Sammlungspräsentation „Neue Welten“ stellt den Dialog der Künste ins Zentrum. Sie bleibt kostenfrei zugänglich. Ein Highlight im Jahr 2026 ist die Neuerwerbung der Skulptur „Hahn und Podest“ von Katharina Fritsch, die ab März 2026 als raumgreifende Installation das Museum bereichern wird.

Nähere Informationen: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen, Telefon +49 2018845000, E-Mail: info@museum-folkwang.essen.de

Drei wichtige Schenkungen gehen 2025 an das Deutsche Plakat Museum

Museum Folkwang erhält Plakate aus der Sammlung Ulrich Richter, dem Firmenarchiv von H&M sowie von Manfred Beilharz

Das Deutsche Plakat Museum im Museum Folkwang erweitert seine Sammlung durch bedeutende Schenkungen. Neben der umfangreichen Sammlung von Ulrich Richter und einem Theaterplakate-Konvolut von Manfred Beilharz kommt auch das gesamte Plakatarchiv von H&M in die Sammlung.

Das Deutsche Plakat Museum übernimmt die umfassende Sammlung von Ulrich Richter und sichert so deren langfristige Präsentation und Pflege. Der Galerist, Kunstförderer und Plakatsammler hinterlässt einen Bestand von rund 10.000 Plakaten, die auf Wunsch seiner Witwe in eine öffentliche Sammlung übergehen sollten. Die Plakate schließen sowohl geografisch als auch zeitliche Lücken und setzten zugleich neue Akzente im Bestand des DPM. Thematische umfassen Sie ein breites Spektrum an Motiven aus Produkt und Fremdenverkehrswerbung. Die Sammlung umfasst Arbeiten aus Deutschland (BRD und DDR), der Schweiz, Frankreich, Italien, Österreich, Belgien, Spanien, Großbritannien, USA, Tschechien, Polen, Argentinien, Litauen, u.a. Das älteste Plakat datiert um 1900, das jüngste aus den 1990-er Jahren.

Anfang 2025 entschied die H&M Hennes & Mauritz BV & Co KG, ihr Firmenarchiv neu zu strukturieren und die Plakatsammlung zu digitalisieren. Die analogen Originale wurden im Umfang von rund 900 City-Light-Plakaten aus den Jahren 2000 bis 2020 an das Deutsche Plakat Museum übergeben. Die Sammlung dokumentiert über zwei Jahrzehnte hinweg sowohl die visuelle Entwicklung der Marke H&M als auch gestalterische Trends im Bereich Mode- und Werbegrafik.

Eine weitere Schenkung erhielt das DPM von Manfred Beilharz. Der Regisseur sowie Theater- und Festivalintendant sammelte im Laufe seiner beruflichen Tätigkeit Plakate zu eigenen Produktionen oder Häusern unter seiner Intendanz. Die rund 250 übergebenen Plakate stammen unter anderem von der Studiobühne München, dem Theater Castrop-Rauxel, dem Theater Tübingen, dem Theater Freiburg, dem Staatstheater Kassel, dem Schauspiel Bonn, der Oper Bonn, dem Staatstheater Wiesbaden und dem Festival „Neue Stücke aus Europa“. Der Bestand umfasst Arbeiten aus den Jahren 1962 bis 2014.

Die drei Schenkungen erweitern das Deutsche Plakat Museum um zentrale historische und zeitgenössische Positionen der Plakatkunst. Die Sammlung Richter spiegelt das Ergebnis einer jahrzehntelangen Sammelleidenschaft wider, die H&M-Schenkung repräsentiert exemplarisch die Geschichte der Werbeplakate eines Modeunternehmens und der Nachlass Beilharz eröffnet Einblicke in die Geschichte eines Theaterlebens.

Alle Sammlungen werden im Deutschen Plakat Museum fachgerecht verwahrt und erschlossen und zukünftig in der Sammlung Online verfügbar sein. Ausgewählte Plakate aus den Beständen werden in den kommenden Jahren in Ausstellungen präsentiert.

Nähere Informationen: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen, Telefon +49 2018845000, E-Mail: info@museum-folkwang.essen.de

Annika Kahrs – Sonant

Die Städtische Galerie Nordhorn zeigt noch bis zum 8. Februar 2026 eine Einzelausstellung mit der in Berlin und Hamburg lebenden Künstlerin Annika Kahrs, die mit Musik, Performance und Video arbeitet. In ihrer Kunst macht sie die vielen wechselseitigen Beziehungen zwischen akustischen und visuellen Medien erfahrbar.

Kahrs begreift Musik sowohl als Handlung als auch als Mittel der Verständigung und verleiht ihr eine ästhetische sowie gesellschaftliche Bedeutung. Ihre Werke umfassen Video- und Soundinstallationen, Performances, Grafiken sowie Glasarbeiten. Wesentlich für Kahrs künstlerische Arbeit ist eine kollaborative Praxis, wobei sie Musiker und Experten aus anderen Wissensfeldern an der Entwicklung und Umsetzung ihrer Vorhaben beteiligt und dazu auch verschiedene gesellschaftliche Gruppen in die inhaltliche Fragestellung einbezieht. Ihre Arbeiten lassen sich häufig im erweiterten Sinne als Kompositionen verstehen, in denen musikalischen Noten durch präzise formulierte Handlungsvorgaben ergänzt oder ersetzt werden. Auf diese Weise verbindet die Kunst von Annika Kahrs nicht nur Hören, Sehen und Tun, sondern schafft Räume, die poetisch und sozial zugleich sind. Die Ausstellung in der Städtischen Galerie Nordhorn bringt Videoinstallationen, Grafiken, Glasarbeiten sowie Live-Performances aus den Jahren 2010 bis 2025 zusammen.

Zu Annika Kahrs

Annika Kahrs (*1984 in Achim) ist eine deutsche Installations-,Video- und Performancekünstlerin. Sie studierte an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei Andreas Slominski, an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Harun Farocki und an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig Freie Kunst. Sie schloss 2012 ihr Studium an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg ab.

Annika Kahrs erhielt 2011 beim 20. Bundeswettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung „Kunststudentinnen und Kunststudenten stellen aus“ in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn den Bundeskunstpreis. Im gleichen Jahr erhielt sie ein Stipendium der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg. 2012 erhielt sie in Wiesbaden den George-Maciunas-Förderpreis, gestiftet von René Block, für den Videofilm „Strings“.

2017 wurde sie mit dem Förderpreis der Vordemberge-Gildewart-Stiftung für ihre Videoarbeit „Sea-Pool“ mit drei Zeichnungen, die von Seemännern in Bremerhaven stammen, ausgezeichnet. 2019 erhielt sie das Stipendium des Max-Pechstein-Förderpreises; und 2020 wurde Kahrs mit dem „Heitland Honneur“ der Heitland Foundation ausgezeichnet. Für 2022 erhielt sie ein Stipendium der Villa Aurora.

Ihre Werke wurden in vielen Ausstellungen präsentiert: unter anderem in der Bundeskunsthalle Bonn, der Hamburger Kunsthalle, dem Kunstmuseum Stuttgart und in der Kunsthal 44 Møen, Askeby.

Nähere Informationen: Städtische Galerie Nordhorn, Vechteaue 2 (Alte Weberei), 48529 Nordhorn, Telefon: +49 (0) 5921 / 971-100, E-Mail: kontakt@staedtische-galerie.nordhorn.de