Spot On – Only Murders in the Museum

Ob dramatisch inszeniert oder nüchtern geschildert, ob detailreich ausgeführt oder in groben Strichen angedeutet: Seit Jahrhunderten sind Morde in all ihren Facetten Gegenstand der Kunst. Sie begegnen uns sowohl in Darstellungen antiker Mythen, biblischer Geschichten und historischer Begebenheiten als auch in zeitgenössischen Bildwelten. Die Faszination für solche Werke liegt in ihrer Emotionalität und dem Versuch, dem Unbegreiflichen und Schockierenden Ausdruck zu verleihen.

Aus dem Sammlungsbestand des Kunstpalastes Düsseldorf wurden für die Kabinettausstellung „Spot On – Only Murders in the Museum“22 Werke, darunter Gemälde, Grafiken und Skulpturen ausgewählt, die den Zeitraum vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart abdecken. Sie erzählen unterschiedliche Geschichten von Unschuldigen und Schuldigen, von kaltblütigen Taten und tragischen Verhängnissen.
Die Arbeiten bieten Anlass, den eigenen Blick auf solche Taten und deren Darstellung zu hinterfragen. Gleichzeitig verraten sie viel über den gesellschaftlichen Umgang mit Morden: In manchen Werken wird die Gewalt verklärt, in anderen wird sie religiös oder politisch begründet, und in wieder anderen werden strukturelle Probleme sichtbar. Denn letztlich sind Morde in der Kunst immer auch ein Spiegel ihrer Zeit.
Kuratiert wurde die Kabinettausstellung, die noch bis zum 3. Mai zu sehen ist, von Hannah Steinmetz, wissenschaftliche Volontärin, Sammlung Malerei bis 1900 am Kunstpalast.

Nähere Informationen: Kunstpalast, Ehrenhof 4-5, 40479 Düsseldorf, Telefon: 0211 56642100, E-Mail: info@kunstpalast.de

Expedition Weltmeere – kulturhistorisch und immersiv

Etwa 70 Prozent der Erdoberfläche ist mit Wasser bedeckt, davon sind 96,5 Prozent Meerwasser. Müsste die Erde nicht eigentlich „Planet Wasser“ heißen? Die Weltmeere gelten als der Ursprung allen Lebens auf der Erde. Sie bieten Rohstoffe, Energie, Nahrung, Transportwege und funktionieren als Klimamaschine. Die kulturhistorische und immersive Ausstellung Expedition Weltmeere, die noch bis zum 6. April in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen ist, beleuchtet nicht nur die „oberflächliche“ Beziehung zwischen Mensch und Meer, sondern taucht auch in die geheimnisvollen submarinen Gefilde ein.

Bereits seit 4000 Jahren nutzen Menschen die Wasserwege als globalen Highway, deshalb mutet es geradezu paradox an, dass wir heute über die Oberflächen von Mond und Mars mehr wissen als über die Weltmeere, deren Tiefen lediglich zu fünf Prozent erforscht sind. Die Weltmeere waren stets imaginäre Räume, die Sehnsüchte weckten, Fantasie anregten, aber auch Ängste schürten. Seit jeher spielten sie beim Austausch zwischen Völkern und Kontinenten eine Schlüsselrolle: Waren, Ideen und Religionen verbreiteten sich immer auch auf dem Seeweg. Die Meere wurden auf der Suche nach Siedlungsmöglichkeiten, nach Gold, Gewürzen und neuen Wissensquellen überquert. So entstanden in einem jahrhundertelangen Prozess von Interaktionen vielfältige Verbindungen und Netzwerke rund um den Globus.

Bereits in der Frühzeit war die Seefahrt ein Mittel ökonomischer und machtpolitischer Expansion: Wer die Meere beherrschte, hatte auch am Land das Sagen. Der beschämendste Aspekt dieses transkontinentalen Strebens nach Macht und Reichtum war der Handel mit versklavten Menschen aus Afrika (15. bis 19. Jahrhundert), deren Schwerstarbeit den Wohlstand Europas und der Vereinigten Staaten von Amerika überhaupt erst ermöglichte. Die Ozeane und Meere sind der größte zusammenhängende Lebensraum unseres Planeten. Da sie Wärme und CO2 in großen Mengen speichern, haben sie maßgeblichen Einfluss auf Wetter und Klima. Umgekehrt nehmen sie und ihre Ökosysteme durch die Auswirkungen des Klimawandels erheblichen Schaden. Auch Überfischung, industrielle Nutzung, intensiver Schiffsverkehr und die anthropogene Verschmutzung drohen die faszinierende Vielfalt der Weltmeere zu vernichten.

Zu den Zielen der 2021 gestarteten UN-Ozeandekade gehört neben Maßnahmen zum Schutz der Meere auch das Bestreben, das Wissen über die Ozeane zu verbreiten und stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Das Thema Weltmeere bietet unzählige Betrachtungsperspektiven und Zugänge. Die Ausstellung Expedition Weltmeere richtet den Fokus auf das lustvolle Erforschen und Erkunden unterschiedlicher Facetten der marinen Welten, deren Transformationsprozesse sowie die vielfältigen kulturellen Beziehungen zwischen Mensch und Meer. Sie hebt die Schönheit der rätselhaften Lebensräume unter Wasser hervor und weist gleichzeitig hin auf ihre Bedrohung durch Verschmutzung, Lärm, Übernutzung mariner Ressourcen und den vom Menschen verursachten Klimawandel.

Die Ausstellung konzentriert sich auf drei große Themenschwerpunkte: Die Tiefsee mit ihren rätselhaften Lebenswelten und dem fragilen Ökosystem, die Weltmeere als umkämpfter Wirtschaftsraum und Grundlage der Globalisierung und schließlich die Weltmeere als Sehnsuchtsort und Transferraum für Menschen und Ideen. Diese geheimnisvollen Gefilde waren schon immer eine Inspirationsquelle für Fantasie und Kreativität: Neben Originalobjekten aus Natur, Wissenschaft und Technik führen historische wie zeitgenössische Kunstwerke die gefährdete Schönheit der marinen Flora und Fauna vor Augen und animieren zum Nachdenken über die wechselvolle Beziehung zwischen Mensch und Meer.

Die beiden immersiven Stationen in der Ausstellung, Der Fahrstuhl in die Tiefsee und Die Unterwasserstation, vermitteln neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in einem zeitgemäßen Format. Bei der Station Der Fahrstuhl in die Tiefsee sind Assoziationen mit der Nautilus, dem berühmten Unterwasserboot des Kapitän Nemo, durchaus naheliegend. Der Fahrstuhl wurde als eine Kabine für mehrere Personen konzipiert, deren „Fenster“ aus großen Monitoren bestehen, auf denen auf acht „Etagen“ die dort lebende Meeresflora und -fauna in Originalaufnahmen zu sehen sind. Die Unterwasserstation erzählt die Geschichte der Endurance, des vermutlich berühmtesten Expeditionsschiffs der Wissenschaftsgeschichte, mit dem der Polarforscher Ernest Shackleton 1914 zu seiner Trans-Antarktis Expedition aufbrach. Das Schiff sank 1915, ohne sein Ziel zu erreichen, sein Wrack wurde erst 2022 in 3008 Metern Tiefe entdeckt – eine weltweite Sensation. Die realitätsnah gestaltete Unterwasserstation bietet den Ausgangspunkt für die Erkundung des Wracks der Endurance auf dem Meeresboden.

Ausstellungstexte

Die Weltmeere sind der Ursprung allen Lebens auf der Erde. Sie bilden das größte zusammenhängende Ökosystem auf unserem Planeten und sind Lebensraum für geschätzt mehr als zwei Millionen Arten. Für unser Leben sind sie unentbehrlich als Klimaregulator und Sauerstoffproduzent. Sie liefern Nahrung, Rohstoffe und Energie. Und obwohl sie etwa 70 Prozent der Erdoberfläche bedecken, wissen wir mehr über Mond und Mars als über die Weltmeere. Unsere Ausstellung taucht in diese geheimnisvollen submarinen Gefilde ein und beleuchtet die komplexe Beziehung zwischen Mensch und Meer. Im Mittelpunkt stehen das Erforschen und Erkunden der marinen Welten. Wir feiern ihre Bedeutung und ihre Schönheit und verweisen gleichzeitig auf ihre Gefährdung. Wir präsentieren die Weltmeere als Wirtschaftsräume und Transferzonen für Menschen, Waren und Ideen. Und wir erzählen von den Ozeanen als Quelle kreativer Fantasie und der Abenteuerlust sowie als Ursprung tiefer Ängste gleichermaßen. In der Mitte der von den Vereinten Nationen 2021 ausgerufenen Dekade der Ozeane und im Jahr der Nachhaltigkeit in der Bundeskunsthalle will die Ausstellung das Wissen über die Weltmeere und ihre existenzielle Bedeutung stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken.

Der Blaue Planet

Vom Weltall aus betrachtet, erscheint die Erdkugel in einem kräftigen Blau. Das liegt an der Größe der Ozeane, die zirka 70 Prozent der Erdoberfläche bedecken. Seit der Mensch sich aufgemacht hat, die Ozeane zu erobern, nutzt und erforscht er sie, bedroht aber auch deren Existenz. Um sich auf See zu orientieren, sind Schiffe auf Navigationsinstrumente und Karten angewiesen. Früher mussten die Seeleute ihren Weg mit Hilfe der Gestirne finden, um anhand der Position der Himmelskörper den eigenen Standort zu bestimmen. Heute vertrauen sie auf moderne Techniken wie Radar und GPS. Trotz ihrer riesigen Ausdehnung sind die Unterwasserwelten immer noch wenig erforscht. Dabei sind die vielfältigen marinen Lebensräume mit ihrem überwältigenden Reichtum an Flora und Fauna nicht nur der Ursprung allen Lebens auf unserem Planeten, sondern auch ein Reich voller Wunder und Rätsel. Doch die Ozeane sind zunehmend bedroht. Das größte zusammenhängende Ökosystem der Erde leidet unter menschengemachten Problemen wie Lärm, Vermüllung, Übernutzung mariner Ressourcen und Klimawandel.

Die Kunst der Navigation

Solange es die Seefahrt gibt, nutzten Menschen Hilfsmittel, um sich auf dem Meer zu orientieren. Zunächst waren es die Sterne, der Sonnenstand und die Küstennavigation. Seit dem Mittelalter gehörten das Astrolabium, der Kompass sowie Portolankarten mit ihren Seerouten zur Grundausstattung der Schiffe. Die Erfindung des Sextanten und des Chronometers zur Bestimmung der Breiten- und Längengrade im 18. Jahrhundert machte, zusammen mit den ersten wissenschaftlichen Weltkarten, eine präzise Navigation möglich. Im Zuge der ersten großen Expeditionen erfolgte schließlich im 19. Jahrhundert die Kartierung der Meeresfläche und die Tiefenmessung. In der heutigen Navigation, die für die Sicherheit und die Erforschung der Weltmeere unverzichtbar ist, werden traditionelle und moderne Methoden wie Radar, Echolot und GPS verwendet.

Unterwasserwelten

„Die vielleicht größte Entdeckung des 20. Jahrhunderts über den Ozean war die Entdeckung des Ausmaßes unserer Unwissenheit“, stellt Sylvia Earl, eine der weltweit führenden Meeresforscherinnen, ernüchtert fest. Zwar haben die meereskundlichen Expeditionen seit dem 19. Jahrhundert das Wissen über die Unterwasserwelten erweitert, doch die Weltmeere sind heute in ihrer Gesamtheit lediglich zu fünf Prozent erforscht. Die gerade stattfindende technologische Revolution bietet neue Möglichkeiten, diese unbekannten Welten zu ergründen. Dabei stellt sich heraus, dass das Leben in den Meeren genauso bunt und vielfältig ist wie auf dem Festland. Die abwechslungsreichen Geländeformationen und mehr als zwei Millionen Arten stehen für die schier grenzenlose Vielfalt des marinen Lebensraums. Diese geheimnisvollen Gefilde sind seit jeher auch eine ergiebige Inspirationsquelle für die menschliche Fantasie und Kreativität.

Bedrohte Lebensräume

Die Ozeane geraten zunehmend aus der Balance. Das größte zusammenhängende Ökosystem auf unserem Planeten leidet unter den von Menschen verursachten Schäden wie Lärm, Vermüllung, Übernutzung mariner Ressourcen und Klimawandel. Insbesondere die Erwärmung der Meere bedroht die Lebensräume zahlreicher Meeresbewohner. Durch die Aufnahme von Kohlendioxid und die Vermischung des Treibhausgases mit dem Wasser versauern die Ozeane. Die jüngsten Messungen am Great Barrier Reef vor der Küste Australiens belegen, dass die Schäden durch die Korallenbleiche ein Rekordausmaß erreicht haben. Eine weitere Gefahr stellen die zirka 150 Millionen Tonnen Plastikmüll dar, die in den Ozeanen treiben und sich in fünf riesigen Müllstrudeln sammeln.Die nicht abbaubaren Mikroplastikpartikel dringen in alle Meeresregionen vor und gefährden hunderte von Tierarten, die das Plastik mit ihrer Nahrung aufnehmen.

Die Globalisierung der Weltmeere

Seit jeher spielten die Weltmeere beim Austausch zwischen Völkern und Kontinenten eine Schlüsselrolle. Man überquerte sie auf der Suche nach neuen Siedlungsmöglichkeiten, Rohstoffen und wissenschaftlichen Erkenntnissen. So entstanden bereits in der Frühzeit vielfältige Verbindungen und Netzwerke rund um den Globus. Die Weltmeere waren auch immer, spätestens jedoch seit dem Beginn der Globalisierung im 15. Jahrhundert, ein umkämpfter Wirtschaftsraum und Schauplatz des Strebens nach Macht und Reichtum, an dem alle seefahrenden Nationen beteiligt waren. Heute sind die Meere das Rückgrat der globalen Wirtschaft. Zunehmend wurden die Ozeane in die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Systeme eingebunden. Heute betrachtet man sie nicht nur als geografische Räume, sondern als Orte vielfältiger Interaktionen, die internationale Regelungen und Kontrollen erfordern. Die globale Vernetzung und zunehmende menschliche Nutzung der Meere führen zu bedrohlichen ökologischen Problemen. Auch hier ist internationale Zusammenarbeit erforderlich, um eine nachhaltige Nutzung ihrer Ressourcen sicherzustellen.

Ozeane im Austausch

Seit Tausenden von Jahren existierten auf den Ozeanen zahlreiche Seewege und Netzwerke, und auch untereinander waren die Weltmeere stets verbunden. Das 15. und 16. Jahrhundert markiert jedoch einen großen Umbruch. Die damaligen europäischen Versuche, auf dem Seeweg nach Indien zu gelangen, führten zu Entdeckungen, die die Weltmeere auf eine neue Art und Weise miteinander verknüpften. Von nun an zogen sich neue Seerouten kreuz und quer über die Ozeane, und zwischen den Kontinenten wurde ein Schiffsverkehr mit einem weltweiten Austausch von Waren, Menschen, Tieren und Pflanzen etabliert. Die Erschließung neuer Seewege ging mit dem Beginn der Kolonisierung und Besiedlung der neu entdeckten Territorien durch Europäer einher. Diese Expansionspolitik auf den Weltmeeren setzte sich auch nach dem so genannten „Entdeckerzeitalter“ fort.

Globale Handelsrouten

Maritime Handelsrouten waren seit jeher Achsen des wirtschaftlichen und kulturellen Austauschs zwischen Regionen und Kontinenten. Im 16. Jahrhundert gelang es den europäischen Kolonialmächten mit nautischen und logistischen Kenntnissen, aber auch mit Waffengewalt, die Grundlage für ein weltumspannendes maritimes Handelsnetzwerk zu schaffen. Mitte des 19. Jahrhunderts begann mit der Einführung der Dampfschiffe ein neues Zeitalter. Diese schnellere und zuverlässigere Transportmöglichkeit wirkte sich auch auf die Weltwirtschaft aus. Heute werden ca. 90 % des internationalen Güterverkehrs auf dem Seeweg abgewickelt. Möglich machte dies die Erfindung des standardisierten Containers 1956. Die einfache wie geniale Idee, Waren nicht einzeln als Stückgut, sondern gebündelt zu transportieren, revolutionierte den Welthandel und wurde zum Symbol der Globalisierung.

Profit um jeden Preis ‒ Der transatlantische Sklavenhandel

Der europäische Sklavenhandel zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert stellt eines der größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar. Es wirkt bis heute in allen Teilen der Welt nach. Die Kolonialmächte zwangen zirka 13 Millionen Afrikaner in die Sklaverei, um sie auf den profitbringenden Plantagen in der neuen Welt als praktisch kostenlose Arbeitskräfte einzusetzen. Neben Waren wie Gold, Gewürze, Zucker, Tabak und Baumwolle wurde auch die Handelsware Mensch transportiert. Aus verschleppten Menschen wurden „Sklaven“, denen man alle Rechte und jegliche Humanität absprach. Die Überfahrt fand unter menschenunwürdigen Bedingungen auf speziell für diesen Zweck umgebauten und ausgerüsteten Sklavenschiffen statt. Mehr als 1,8 Millionen Menschen verloren dabei ihr Leben. Erst mit der Sklavenbefreiung in den USA 1865 endete die institutionell legitimierte Sklaverei in den Industrienationen.

Weltmeere als Ressource: Fischerei

Seit Jahrzehnten schrumpfen die Fischbestände in den Weltmeeren. Die Ursachen liegen in der industriellen Fischerei mit großen Fangflotten und moderner Technik, aber auch im illegalen Fischfang, fehlenden Kontrollen, hohen Fischkonsum und Aquakulturen. Die Folgen der Überfischung sind dramatisch: Die Fischpopulationen brechen zusammen, marine Ökosystem werden durch den Einsatz von Schleppnetzen zerstört oder geraten ins Ungleichgewicht, und viele Menschen verlieren dadurch ihre Lebensgrundlage. Die Lösungen im Kampf gegen die Überfischung sind bekannt: eine nachhaltige Fischerei mit festgelegten Höchstfangquoten und Schutzzeiten sowie marine Schutzgebiete, in denen gar nicht oder nur eingeschränkt gefischt werden darf. Aber auch ein verändertes Verhalten der Verbraucher, weniger oder bewusster Fisch zu konsumieren und dabei auf Zertifizierungen wie das MSC-Siegel (Marine Stewardship Council) zu achten, ist wichtig.

Weltmeere als Ressource: Rohstoffe

Neben der Öl- und Gasgewinnung aus dem Meeresboden, die mittlerweile ein Drittel der weltweiten Förderung ausmacht, sind es die mineralischen Rohstoffe aus der Tiefsee, die eine zentrale Rolle für die Zukunft spielen. Denn Manganknollen, Massivsulfide und Kobaltkrusten liefern wertvolle Metalle und seltene Erden für moderne Technologien. Diese Rohstoffe, die auf dem Meeresboden jenseits der nationalen Hoheitsgebiete (mehr als 200 Seemeilen vor der Küste) zu finden sind, werden im Internationalen Seerechts übereinkommen der Vereinten Nationen von 1982 als das „gemeinsame Erbe der Menschheit“ bezeichnet. Ihr kommerzieller Abbau hat noch nicht begonnen und ist hoch umstritten. Er ist nur mit der Genehmigung der Internationalen Meeresbodenbehörde möglich, die entsprechende Lizenzen vergibt und verhindern soll, dass nur reiche Industrienationen oder Konzerne von den Rohstoffen profitieren.

Schutz der Meere

„Wir müssen die Ozeane retten, wenn wir uns selbst retten wollen“, erklärte die Seerechtsexpertin, Ökologin und Publizistin Elisabeth Mann Borgese (Anm.: Bekannt wurde die Tochter von Thomas Mann durch den Dokumentarfilm „Die Manns“ von Heinrich Breloer) bereits in den 1960er-Jahren. Heute ist die Bedrohung für die Weltmeere und somit für unsere gesamte Lebensgrundlage durch Verschmutzung, Lärm, Übernutzung mariner Ressourcen und den vom Menschen verursachten Klimawandel mehr als dramatisch. Die im Jahr 2021 gestartete Ozeandekade der Vereinten Nationen hat sich daher zum Ziel gesetzt, durch gemeinsame Forschungsprojekte, Handlungsstrategien und Informa tionskampagnen bis 2030 einen gesunden und nachhaltig bewirtschafteten Ozean zu schaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss auch das Wissen über den Ozean und seine massive Gefährdung stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Gerade jetzt, in Zeiten der geopolitischen Krise ist der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik, NGOs und Zivilgesellschaft von höchster Bedeutung.

Ozeane als Transferraum für Menschen und Ideen

Die Beziehung zwischen Mensch und Meer ist so alt wie die Menschheit selbst. Sie ist von dem Wunsch geprägt, die grenzenlosen Weiten der Ozeane zu erkunden und zu erschließen. So entwickelten sich die Weltmeere zu einer Transferzone, deren Passagen auch für unterschiedliche Migrationsbewegungen offenstehen. Die Beweggründe hierfür sind vielfältig: Politische und religiöse Motive, Hoffnung auf eine bessere wirtschaftliche und soziale Zukunft haben Millionen Menschen auf die Reise geschickt. Mit den Menschen reisten auch Ideen zu neuen Ufern. Die Hafenstädte entwickelten sich zu Informationsbörsen und Umschlagplätzen für Nachrichten aus aller Welt. Ob die Ideale der Französischen Revolution oder die vibrierenden Tanzrhythmen der afrikanischen Diaspora – sie alle verbreiteten sich ebenfalls übers Meer. Die menschliche Wahrnehmung des Meeres wurzelt in einem Spannungsfeld zwischen Wissensaneignung und der Sehnsucht nach dem Unbekannten. Seit der Frühzeit befeuerten die Mythen über mächtige Seegottheiten und furchterregende Ungeheuer in den Meerestiefen Abenteuerlust und Fantasie der Menschen gleichermaßen.

Migration übers Meer

Die Migration über das Meer hat viele Facetten: Die Beweggründe der Menschen reichen von freiwilliger Auswanderung bis zur lebensrettenden Flucht. Schon in prähistorischer Zeit migrierten Menschen über die Weltmeere. So begann die polynesische Besiedlung hunderter von Inseln im Pazifik bereits um 1500 v. Chr. Der Atlantik erlebte eine erste große Migrationswelle im späten 15. Jahrhundert. Sie brachte Europäer, vor allem aber Millionen von versklavten Menschen aus Afrika nach Amerika. Eine weitere Migrationswelle folgte im 19. Jahrhundert, als schätzungsweise mehr als 50 Millionen Menschen aus Europa nach Nord- und Südamerika auswanderten. Die Hauptursachen hierfür waren wirtschaftliche Not, politische Umbrüche und religiöse Verfolgung. Diese Motive bedingen bis heute die Migration über die Meere auf der ganzen Welt. Neben Krieg, Armut und Verfolgung gehört mittlerweile auch der Klimawandel dazu.

Transatlantischer Ideentransfer – Die Haitianische Revolution

Im 18. Jahrhundert entwickelten sich die Hafenstädte der europäischen Kolonien in der Karibik zu bedeutenden Knotenpunkten eines weitgespannten Informationsnetzes. So verbreiteten sich die Ideale der Französischen Revolution von 1789 auch über den Seeweg. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte weckte Hoffnungen bei vielen versklavten Menschen, die auf den Zuckerrohrplantagen der französischen Kolonie Saint-Domingue Schwerstarbeit leisteten. Doch eine Abschaffung der Sklaverei in Übersee war nicht vorgesehen. 1791 erhoben sich Tausende Sklaven gegen die Plantagenbesitzer. Nach einem brutalen Bürgerkrieg riefen die siegreichen Aufständischen am 1. Januar 1804 den ersten und einzigen von ehemaligen Sklaven gegründeten Staat der Weltgeschichte aus. In Anlehnung an den ursprünglichen indigenen Namen der Insel hieß er fortan Haiti.

Sagen, Mythen, Abenteuer

In allen Kulturen gibt es Sagen, Mythen und Legenden, die von in den Meeren lebenden furchteinflößenden Wesen erzählen. Diese Meeresungeheuer beschäftigen seit alters die Fantasie der Menschen: Sie sind riesengroß, bringen Schiffe zum Kentern und töten Menschen. Sie verkörpern eine zerstörerische Macht, während die Meeresgottheiten das Meer, seine Bewohner und die Naturgewalten repräsentieren. Götter wie Poseidon oder Triton gehören der antiken Mythologie an, in vielen außereuropäischen Kulturen spielen Meeresgottheiten wie die nordische Sedna jedoch nach wie vor eine wichtige Rolle. Die Vorstellung von geheimnisvollen „ozeanischen Mächten“ hat auch in der modernen Welt nichts von ihrer Faszination verloren. Doch bereits Jules Verne zeigte, dass die Tiefsee kein Ort des Schreckens, sondern der Entdeckung ist, und inspirierte so Genera tionen von Forschenden, die Unterwasserwelten zu erkunden.

635 Tage im Eis – Die British Imperial Trans-Antarctic Expedition von Ernest Shackleton

Angetrieben von dem Ziel, als erster den antarktischen Kontinent zu durchqueren, bricht der Polarforscher Ernest Shackleton (1874–1922) am 8. August 1914 zu seiner Antarktis-Expedition auf. Doch sein Schiff, die Endurance, erreicht den Eiskontinent nie. Wenige Seemeilen vor dem Ziel bleiben Shackleton und seine 28-köpfige Besatzung im Packeis stecken. Von den Eismassen eingeschlossen und schließlich zerquetscht, sinkt ihr Schiff im November 1915. Es folgt eine der dramatischten Rettungsaktionen der Forschungsgeschichte, die im August 1916 ein glückliches Ende findet. 10 Mehr als 100 Jahre später macht sich der Unterwasserarchäologe Mensun Bound mit seinem hochspezialisierten Team auf die Suche nach der Endurance. Am 5. März 2022 ist die Sensation perfekt – das Sonarbild des nahezu unzerstörten Wracks geht um die Welt.

Publikation

Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Publikation Expedition Weltmeere. Magazin zur Ausstellung. Herausgeber ist die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Mit über 40 Beiträgen aus Wissenschaft und Kunst von David Barrie, Daniela Baumann, Rachel L. Carson, Katharina Chrubasik, Volker Dehs, André Freiwald, Rainer Froese, Amitav Gosh, Gerd Hoffmann-Wieck, Florian Huber, Andrea Koschinsky, Mark Lenz, Agnieszka Lulińska , Olaus Magnus, Ina Makosi, Nele Matz-Lück, Alexander Meier-Dörzenbach, Katja Mintenbeck, Maike Nicolai, Martin Papirowski, Grischka Petri, Henriette Pleiger, Heike Raphael-Hernandez, Iris Schröder, Felix Schürmann, Simon Schwartz, Julia Sigwart, Dava Sobel, Christiane Stahl, Solvin Zankl, darunter Interviews mit Antje Boetius, Mensun Bound, Boris Herrmann und Katja Matthes Umfang und Format Broschur, 21 x 29,7 cm 194 Seiten, 190 farbige Abbildungen Deutsche Ausgabe Hirmer Verlag, München Preis: 19,90 Euro, Buchhandelspreis: 25 Euro.

Nähere Informationen: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH Museumsmeile Bonn, Helmut-Kohl-Allee 4, 53113 Bonn, Telefon: +49 228 9171-200, Fax: +49 228 234154, E-Mail: info@bundeskunsthalle.de

Ausstellungsvorschau 2026/27 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Das Ausstellungsprogramm 2026 der Kunstsammlung Nordrhein Westfalen feiert die Strahlkraft von Kunst und die Bedeutung des Museums für die Gesellschaft Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen gehört mit ihren beiden Standorten K20 und K21 zu den international bedeutendsten Sammlungen der klassischen Moderne, der Nachkriegsmoderne und der Gegenwartskunst.

Unter der Direktion von Susanne Gaensheimer setzt das Museum seinen Weg fort, bedeutende internationale Künstlerpositionen in Düsseldorf zu präsentieren und dabei ein vielstimmiges und inklusives Museum für alle zu sein. Das Ausstellungsprogramm 2026 zielt insbesondere darauf ab, niedrigschwellige Formate mit wissenschaftlicher Tiefe zu verbinden, den Zugang zur Kunst weiter zu öffnen und das Museum als lebendigen, vielfältigen Ort für eine neue Generation zu gestalten. Das Jahr beginnt mit dem Ausklang zweier Gruppenausstellungen: „Queere Moderne. 1900 bis 1950“ im K20 erzählt mit über 130 Werken von 34 internationalen Künstlern eine alternative Geschichte der Moderne, deren Themen wie Begehren, Gender und Sexualität sowie die Politik der Selbstdarstellung aktueller denn je sind. In der Gruppenausstellung „Grund und Boden. Wie wir gemeinsam leben“ im K21 thematisieren 34 internationale Künstler und Kollektive ausgehend vom K21 als dem ehemaligen Parlamentsgebäude von Nordrhein-Westfalen, unterschiedliche Formen der Verwaltung von Ressourcen – von indigenen Wirtschaftsweisen über kollektives Eigentum bis hin zu utopischen Blockchain-Projekten.

„Let’s Play!“ – Ab April verwandelt sich die größte Ausstellungshalle im K20 in einen außergewöhnlichen Spielplatz, der von den Künstlern Sonia Kazovsky und Oded Rimon gestaltet wird. Unter dem Titel „Playground“ entstehen begehbare Installationen, die Groß und Klein zum Entdecken und Spielen einladen. Ergänzt wird der Raum durch eine gemütliche Lese- und Kaffee-Ecke für Eltern und Erwachsene. Playground folgt ähnlichen Museumsprojekten für Kinder wie etwa Tate Play (Tate Modern, London) oder BauBau (Gropius Bau, Berlin).

Im Frühjahr und Herbst wird das K20 zwei Ausstellungen zeigen, die sich jeweils einer Künstlerpersönlichkeit widmen, deren Werke – trotz Unterschieden in Zeit und Kontext – den künstlerischen Umgang mit Farbe und Abstraktion neu definiert haben: Ab März zeigt das Museum die erste europäische Einzelausstellung der US-amerikanischen Künstlerin und Autorin Anne Truitt, die neben Donald Judd, Blinky Palermo und Carmen Herrera als Pionierin des Minimalismus gilt. Ab September widmet das K20 dem Mitbegründer des „Blauen Reiter“, Franz Marc, eine umfassende Einzelschau. Seine zauberhaften Tierdarstellungen spielten eine zentrale Rolle in der Entwicklung der modernen Abstraktion.

Das K21, das Museum für internationale Gegenwartskunst der Kunstsammlung Nordrhein Westfalen, startet ins neue Jahr mit Einzelausstellungen von Jon Rafman und dem Duo Holly Herndon & Mat Dryhurst. Beide Positionen befassen sich in ihren Werken mit dem rasanten Aufstieg von Künstlicher Intelligenz, ihren gesellschaftlichen Auswirkungen und ihrem kreativen Potenzial. Den Jahresabschluss bilden die Verleihung des K21 Global Art Award 2026 gemeinsam mit den Freunden der Kunstsammlung sowie eine umfassende Bespielung des gesamten K21 durch den international renommierten Künstler und Rheinländer Thomas Schütte.

Queere Moderne. 1900 bis 1950 – noch bis 15. Februar 2026

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt mit „Queere Moderne. 1900 bis 1950“ die erste umfassende Ausstellung in Europa, die den bedeutenden Beitrag queerer Künstler zur Moderne vorstellt. Mit über 130 Werken – darunter Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen, Filme, Literatur und Archivalien – von 34 internationalen Künstlern richtet das Ausstellungsprojekt den Fokus auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Es erzählt eine alternative Geschichte der Moderne, in der queere Künstler Themen wie Begehren, Gender und Sexualität sowie die Politik der Selbstdarstellung in den Mittelpunkt ihres Schaffens stellten. Sie erzählt zudem Geschichten queeren Lebens in Zeiten von Krieg und Widerstand. Mit dabei sind queere Künstler wie Claude Cahun, Hannah Höch, Jean Cocteau, Romaine Brooks, Marlow Moss oder Richmond Barthé. Nachdem die K20 Sammlung in den letzten Jahren vielstimmiger, globaler und experimenteller geworden ist, eröffnet die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen mit dieser einzigartigen Ausstellung neue Perspektiven auf die Moderne und schenkt bisher weniger beachteten Positionen eine große Sichtbarkeit.

Anne Truitt. Pionierin der Minimal Art – vom 28. März bis 2. August 2026

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen freut sich, die erste umfassende Ausstellung der US-amerikanischen Künstlerin und Schriftstellerin Anne Truitt (1921–2004) in Europa zu präsentieren. Zu entdecken gibt es mehr als 100 beeindruckende Werke aus über vier Jahrzehnten, die das Schaffen einer der einflussreichsten Künstler des Minimalismus zeigen.

Diese Kunstbewegung, bekannt durch Donald Judd, Blinky Palermo und Carmen Herrera, zeichnet sich durch die Verwendung einfacher Formen, lebendiger Farben und das Streben nach Klarheit und Essenz aus. In der Ausstellung laden Truitts Werke ein, sich mit den emotionalen Aspekten von Farbe, Form und Raum auseinanderzusetzen.

Die Ausstellung wird von der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, dem Musée de Grenoble und dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid organisiert und wird von der Terra Foundation for American Art und der Ernst von Siemens Kunststiftung gefördert.

Playground – ab 25. April 2026

Let’s Play! Ab April 2026 verwandelt sich die größte Ausstellungshalle im K20 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen für ein ganzes Jahr in einen außergewöhnlichen Spielplatz, der von den Künstlern Sonia Kazovsky und Oded Rimon gestaltet wird. Unter dem Titel Playground entsteht eine begehbare Installation, die Kinder zum Entdecken und Spielen einlädt. Ergänzt wird der Raum mit einer gemütliche Lese- und Kaffee-Ecke für die ganze Familie. Diese Initiative folgt einer Reihe von institutionellen Ausstellungsprojekten für Kinder, darunter Tate Play (Tate Modern, London), The Playground Project (Kunsthalle Zürich, u.a.), BauBau (Gropius Bau, Berlin) und Für Kinder. Kunstgeschichten seit 1968 (Haus der Kunst, München). Mit Playground verfolgt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen das Ziel, ein Museum für alle zu sein.

Franz Marc – 12. September 2026 bis 24. Januar 2027

Franz Marcs (1880–1916) Werke faszinieren durch ihre leuchtenden Farben und tief berührenden Themen. Vor allem seine Tierdarstellungen ziehen die Betrachter in den Bann: spiegeln sie doch eine tiefe Verbundenheit mit der Natur und die innige Sehnsucht nach Harmonie.

Obwohl Franz Marc ein eher zurückgezogenes Leben führte, war er kein Einzelgänger. Als engagierter Künstler und Kunstkritiker knüpfte er ein weitreichendes Netzwerk zwischen Paris, Berlin und München. Gemeinsam mit Wassily Kandinsky gründete er die Redaktionsgemeinschaft „Der Blaue Reiter“ und setzte sich leidenschaftlich für die moderne Kunst ein. Sein Weg führte ihn zunehmend in die Abstraktion, bevor er durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs jäh unterbrochen wurde.

Das Gesamtwerk von Franz Marc entstand in nur wenigen Jahren zwischen 1904 und 1914. Von den zauberhaften frühen Tierdarstellungen bis zur kubistischen Auflösung der Formen zeichnet die Ausstellung den Weg eines Suchenden nach – eines Künstlers, der sich in einer vom Fortschrittsglauben geprägten Zeit nach dem irdischen Paradies und einem geistigen Raum jenseits der Technik sehnte. Die Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf ist die erste monografische Schau zu Franz Marc seit mehr als zwanzig Jahren und bietet einen umfassenden Einblick in das Schaffen dieses außergewöhnlichen Künstlers.

Grund und Boden. Wie wir miteinander leben – noch bis 19. April 2026

Die Ausstellung „Grund und Boden. Wie wir miteinander leben“ im K21 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen handelt vom menschlichen Zusammenleben: von Krieg, Vertreibung, Flucht und der Zerstörung der Natur, aber auch von Wiederaufbau und Regeneration, vom Wohnen, Pflanzen, Besitzen und Teilen. Sie lädt ein, Visionen für eine gerechte und nachhaltige Zukunft zu entwerfen. Die Ausstellung erstreckt sich über das gesamte K21 sowie den angrenzenden Ständehauspark und nimmt auch den Boden, auf dem das Museum steht – geografisch wie historisch – in den Blick. Ausgehend von der Parlamentsvergangenheit des Hauses, thematisieren 34 internationale Künstler und Kollektive unterschiedliche Formen der Verwaltung von Ressourcen – von indigenen Wirtschaftsweisen über kollektives Eigentum bis hin zu utopischen Blockchain-Projekten.

Mit Werken von: Havîn Al-Sîndy, Maria Thereza Alves, Asche Lützerathi (otherhosted by Sybling – JP Raether & Sarah Friend), Joseph Beuys, AA Bronson, Johannes Büttner, Cercle d’Art des Travailleurs de Plantation Congolaise (Künstlerbund Kongolesischer Plantagenarbeiter, CATPC), Liu Chuang, Simon Denny, Jan Dibbets, Nir Evron, Simone Fattal, Ximena Garrido Lecca, Jef Geys, Robert Gober, Dor Guez, Andreas Gursky, Christopher Kulendran Thomas, Mierle Laderman Ukeles, Richard Long, Gordon Matta-Clark, Boris Mikhailov, Lutz Mommartz, Grace Ndiritu, Simone Nieweg, Chris Reinecke, Ugo Rondinone, Thomas Ruff, Lin May Saeed, Shimabuku, terra0, Ron Tran, Franz West und Alex Wissel

Jon Rafman – 30. Mai bis 27. September 2026

Jon Rafman (*1981 in Montreal, lebt in Los Angeles) gilt seit den 2010-er Jahren als wegweisender Künstler des digitalen Zeitalters. Euphorisch und kritisch zugleich nutzt er für seine Videos und Filme die Möglichkeiten des Internets und dessen überbordende computergestützte Bildsprache.

Im Austausch mit Musik, Popkultur, Mode und Design erprobt und entwickelt Rafman fortlaufend neue bildgebende Verfahren. Rafmans neueste Experimente mit Künstlicher Intelligenz erfahren in der Ausstellung im K21 erstmals museale Betrachtung. Die erste Einzelausstellung des Künstlers in einem deutschen Museum zeigt einen Überblick über das seit 2008 entstehende Werk (unter anderem „Nine Eyes of Google Street View“ (2008-fortlaufend), „Kool Aid Man in Second Life“ (2008-11) und „Dream Journal“ (2019).

Im Mittelpunkt steht das aktuelle Projekt „Mainstream Media Network“, zu dem ein in Gründung befindlicher Musikfernsehkanal gehört, der das historische MTV aus den 1980-er Jahren mittels KI-Modellen wiederaufleben lässt. Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Vortrags- und Bildungsprogramm, das insbesondere die Medienkompetenz junger Menschen in den Blick nimmt. Es erscheint eine monografische Publikation.

Holly Herndon & Mat Dryhurst. Starmirror – 26. Juni bis 11. Oktober 2026

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf und die KW Institute for Contemporary Art, Berlin freuen sich, gemeinsam eine Ausstellung mit den Künstlern und Technologen Holly Herndon (*1980 in Johnson City) und Mat Dryhurst (*1984 in Birmingham) zu realisieren.

Das Duo ist international bekannt für ihre Arbeit an der Schnittstelle von Kunst, Musik, maschinellem Lernen und experimentellen Organisationsformen. Mit Starmirror verwandeln sie die Ausstellungsräume der beiden Institutionen in ein Trainingsgelände für die kollaborative Produktion von Kunst und Musik zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz.

In Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro sub schaffen sie eine immersive Klanginstallation, die gleichzeitig als Aufnahme- und Hörumgebung dient. Besucher sind eingeladen, gemeinsam mit lokalen Chören und unter der Leitung eines Vokalensembles an öffentlichen Gesangsaufnahmen teilzunehmen.

Diese bilden einen Datensatz, der es den Künstlern ermöglicht, einen KI-Chor zu entwickeln. Das speziell für das Projekt konzipierte Liederbuch basiert auf dem Moralitätenspiel „Ordo Virtutum“ der Benediktineräbtissin und Universalgelehrten Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert. Darin muss eine Seele zwischen den Kräften des Guten und des Bösen wählen. Die Ausstellung macht KI als kollektiven, menschlich mitgestalteten Prozess erfahrbar und beleuchtet die unsichtbare Rolle technischer Protokolle bei der Gestaltung der uns umgebenden Welt. Die Ausstellung ist eines von elf ausgewählten Projekten, die die Kulturstiftung des Bundes mit ihrem neuen Programm „Kunst & KI – Fonds für neue künstlerische Perspektiven auf KI und Gesellschaft” fördert.

Thomas Schütte – vom 14. November 2026 bis 18. April 2027

Das vielgestaltige Werk Thomas Schüttes (*1954 in Oldenburg) ist seit etwa 40 Jahren prägend für die Kunst der Gegenwart. Seine Werke wurden bereits in den bedeutendsten Museen der Welt gezeigt, wie zuletzt 2024 im Museum of Modern Art in New York.

Ab Herbst 2026 widmet ihm nun die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen eine umfangreiche Einzelausstellung. In Schüttes Architekturmodellen können wir Vorschläge erkennen, wie wir im öffentlichen und im privaten Raum leben können. Zugleich kommentieren diese Vorschläge aber auch die Realität unserer Gesellschaft. Den hintergründigen Humor und die Experimentierfreude mit den unterschiedlichsten Materialien und Themen zeichnen auch seine Skulpturen und Installationen aus, wenn er Knetmasse, Holz, und Textilien, neben traditionelle Techniken wie glasierte Keramik, Bronzeguss und Aquarell stellt.

Der für ungewöhnliche Präsentationsformate bekannte Künstler wird die Piazza im Erdgeschoss und den Ausstellungsraum im Untergeschoss des K21 bespielen. Die Ausstellung im K21 entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler und stellt eine neue Auseinandersetzung mit dem Ständehaus als Institution und Architektur dar.

K21 Global Art Award 2026

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen verleiht in Kooperation mit den Freunden der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen den jährlichen Kunstpreis K21 Global Art Award. Die Künstlerin Mthwakazi Marasela (*1977, in Thokoza, Südafrika) erhielt 2023 mit dem Ankauf einer Werkgruppe zum ersten Mal den Kunstpreis. 2024 ist Wang Tuo (*1984 in Changchun, China) mit seinem Werk The Second Interrogation (2022) ausgezeichnet worden. 2025 folgt als Preisträgerin die brasilianische Künstlerin Tadáskía. 2026 wird der K21 Global Art Award zum vierten Mal vergeben.

Der Preis fördert Künstlern am Anfang oder in der Mitte ihrer Karriere und ist mit einem Ankauf für die K21 Sammlung verbunden. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag, um die Sammlung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen vielstimmiger und pluraler zu gestalten.

Nähere Informationen: K20, Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf, K21, Ständehausstraße 1, 40217 Düsseldorf, Telefon: +49 (0)211 8381-204, E-Mail: service@kunstsammlung.de, Internet: http://www.kunstsammlung.de

Ausstellung thematisiert die Frage, wie gerechtes Zusammenleben heute möglich ist

Die Ausstellung „Grund und Boden. Wie wir miteinander leben“ im K21 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen handelt vom menschlichen Zusammenleben: von Krieg, Vertreibung, Flucht und der Zerstörung der Natur, aber auch von Wiederaufbau und Regeneration, vom Wohnen, Pflanzen, Besitzen und Teilen. Sie lädt ein, Visionen für eine gerechte und nachhaltige Zukunft zu entwerfen. Die Ausstellung, die noch bis zum 19. April 2026 zu sehen ist, erstreckt sich über das gesamte K21 sowie den angrenzenden Ständehauspark und nimmt auch den Boden, auf dem das Museum steht – geografisch wie historisch – in den Blick. Ausgehend von der Parlamentsvergangenheit des Hauses, thematisieren 34 internationale Künstlerinnen, Künstler und Kollektive unterschiedliche Formen der Verwaltung von Ressourcen – von indigenen Wirtschaftsweisen über kollektives Eigentum bis hin zu utopischen Blockchain-Projekten.

Erde, Kohle, Lotusseide, Piniennadeln, Schokolade: Die Ausstellung geht in Material und Form ans Elementare. Sie spricht die Sinne ebenso an wie den Geist. Grund und Boden führt nach Brasilien, Korea, den Kongo, Japan, die USA, China, Peru, Vietnam, den Irak, Sri Lanka, den Nahen Osten und zurück nach Deutschland. Sie spürt den Fantasien libertärer Pionierenach, die ihre eigenen Staaten gründen oder den Mars erobern möchten. Und sie blickt auf eine wichtige Grundlage des industriellen Wohlstands im Rheinland, die Kohle: Gleich mehrere Werke beschäftigen sich mit der Geschichte des Kohlebergbaus. Am letzten Tag führt eine Performance von Asche Lützerathi (umsorgt von JP Raether) nach Hambach, dem größten Braunkohletagebau Europas.

Selbstverwaltung: Freiheit vor 500 Jahren und heute

Im Zentrum steht die Frage der Selbstverwaltung. Vor 500 Jahren, zu Beginn des Buchdrucks und des Finanzkapitalismus, standen deutsche Bauern gegen Privatisierung und ein immer undurchsichtigeres Geflecht aus Pflichten und Abgaben auf. Alex Wissel befragt das Erbe des deutschen Bauernkriegs in Wandzeichnungen von Bauernprotesten damals und heute. Unter der Glaskuppel des K21 präsentiert Ugo Rondinone hunderte vergoldete Werkzeuge, die im 19. Jahrhundert von Einwanderern in New York geschnitzt und geschmiedet wurden.

Nebenan erläutern in einer Videoinstallation von Maria Thereza Alves indigene Agroforst-Agenten, wie sie ohne Unterstützung der brasilianischen Regierung ein Waldgebiet im Amazonas von der Größe Brandenburgs verwalten. Ihre Methoden zeigen, wie Wachstum für alle Lebewesen möglich ist, wenn die Synergien der Natur genutzt werden. Grace Ndiritu lässt die Natur in einem Protestzug aus Tier- und Pflanzenkostümen auftreten. Teppiche zeigen historische Demonstrationen für Land- und für Frauenrechte. Meditationskissen reihen sich um die Abbildung eines Treffens der Artist Placement Group (1966–1989) mit Vertretern aus Düsseldorfer Wirtschaft und Verwaltung 1971 in der Düsseldorfer Kunsthalle.

Ebenfalls in Düsseldorf besetzten im selben Jahr Chris Reinecke und Lutz Mommartz den Gustaf-Gründgens-Platz vor dem Schauspielhaus und demonstrierten gegen von der Politik tolerierten Mietwucher. Mommartz‘ Film „Mietersolidarität“ zeigt eine Ansprache Reineckes gegen Spekulation mit „Grund und Boden“. Neben Reineckes Protestplakaten für die „Mietersolidarität“ werden auch ihre satirischen Entwürfe für selbstgebaute Siedlungen und Beete im Hofgarten gezeigt, der 1769 als erster öffentliche Park Deutschlands eröffnete.

Im Ständehauspark wiederum, gegenüber dem K21, baut Havîn Al-Sîndy einen Raum des Lehmhauses neu auf, in dem sie in den Kurdischen Autonomiegebieten im Irak aufwuchs. Lehmhäuser sind eine der ältesten und meistverbreiteten Bauweisen. Sie sind buchstäblich aus dem Boden gebaut, auf dem sie stehen.

Ximena Garrido-Lecca verwandelt indes basale Elemente von Hütten, wie sie seit den 1950er Jahren von Binnenflüchtlingen an Perus Küste errichtet wurden, in Skulpturen aus Kupfer – dem Rohstoff, dessen Abbau die Anden-Bevölkerung verarmen ließ.

Auch Liu Chuang blickt in seiner Dreikanal-Videoinstallation in die Berge, allerdings nach Südostasien, wo Bergvölker nach Jahrtausenden ihre Autonomie verlieren. Chuang vergleicht Bergvölker mit Blockchain-Minern, die auf der Suche nach günstiger Energie mit den Jahreszeiten über das Land ziehen wie Zugvögel. Die Utopie einer Selbstverwaltung ohne Nationalstaat wird auch in einer saalfüllenden Videoinstallation von Christopher Kulendran Thomas entworfen. Angehörige der tamilischen Diaspora fragen hier nach dem Erbe des 2009 niedergeschlagenen tamilischen Unabhängigkeitskriegs in Sri Lanka und nach Alternativen zu den von Identitätsfragen geprägten Konflikten der Gegenwart.

Auf einer ehemaligen Palmölplantage des Unilever-Konzerns im Kongo wird die Utopie der Selbstverwaltung wahr: Hier arbeiten die Autodidakten des Künstlerbundes Kongolesischer Plantagenarbeiter (CATPC) in Skulpturen aus Lehm das Erbe des Kolonialismus auf. Die Skulpturen werden 3D-gescannt, in Schokolade gegossen und auf dem Kunstmarkt verkauft. Vom Erlös haben CATPC bislang 20 Hektar Land renaturiert und ein lokales Museum gebaut. 2024 bespielten CATPC den Pavillon der Niederlande auf der Kunstbiennale von Venedig. Infolge des ersten digitalen Restitutionsversuchs via Blockchain erreichten CATPC die Ausleihe einer Holzfigur der Pende, die 1931 im Zusammenhang mit einem Aufstand gegen belgische Kolonialgewalt in ihrer Nähe entstand, aus dem Kunstmuseum Richmond, Virginia. Die Figur zeigt einen belgischen Offizier und ist ebenfalls in Grund und Boden ausgestellt. In einer handgezeichneten Karte liefern CATPC ein globales Bild von Ausbeutung und Warenströmen.

Eine Bilanz von Blockchain in der Kunst

Blockchain-Technologie spielt in vielen Werken eine Rolle. Grund und Boden ist auch eine Bilanz dieser wichtigen Tendenz in der Kunst der letzten 15 Jahre. Es wird deutlich, dass Blockchain zwar neue Ideen kollektiven Eigentums und dezentraler Verwaltung von Gütern hervorbrachte, für deren Realisierung aber inzwischen meist wieder auf staatliche Strukturen zurückgegriffen wird. terra0 etwa verwalten ein Waldbiotop in Brandenburg via Blockchain und deutschem Vereinsrecht und leisteten dafür in Abstimmung mit dem Finanzamt rechtliche Pionierarbeit.

Sarah Friend und JP Raether entwerfen mit Sybling eine Sorge-Gemeinschaft aus Vereinen und GmbHs, die individuelles Eigentum überwinden soll. Simon Denny übersetzt digitale Grundstücksangebote in Metaversen in Landschaftsmalerei. Und Johannes Büttner reist mit der Kamera nach Liberland, einem selbst erklärten Kryptostaat zwischen Serbien und Kroatien, der für 10.000 US-Dollar in Bitcoin einen Pass und ein Stück Land ausgibt. Hier stößt Büttner auf Vereinnahmungen des Freiheitsbegriffs in libertärem Denken, wie es sich in der Krypto-Szene, im Silicon Valley und zuletzt in Regierungen in Argentinien oder den USA breitmacht: Hier bedeutet Freiheit, die Märkte vom Staat zu befreien, auch mit autoritären Mitteln. In einem Gespräch im Katalog vergleichen Büttner, Alex Wissel und die Historikerin Lyndal Roper von der Universität Oxford Freiheitsbegriffe und apokalyptisches Denken zur Zeit des Bauernkriegs und heute.

Kriege damals und heute

Die damals neue Gewaltdimension der Glaubenskriege im 16. Jahrhundert stellte Pieter Brueghel d.Ä. im „Triumph des Todes“ dar, in dem Skelette Menschen jagen. Ein Ausschnitt ist auf einer zwanzig Meter breiten Leinwand nachgemalt, die über der Piazza des K21 hängt. Sie stammt aus Alex Wissels Bühnenbild für die Götz von Berlichingen Interpretation Eisenfaust des Regisseurs Jan Bonny am Schauspiel Köln (2025) und vervollständigt die oben genannten Wandzeichnungen. Die Szene lässt an heutige Kriege und Terrorangriffe denken.

Dor Guez zeigt ein gepresstes Exemplar der Malvensorte Khobiza, die an der Levante wächst und wegen ihres hohen Nährstoffgehalts während Hungersnöten gegessen wird, wie aktuell von Guez‘ Verwandten in Gaza. Boris Mikhailovs Fotografien zeigen die sozialen Verwerfungen in der Ukraine nach der Unabhängigkeit. Und in einem neuen Film von Nir Evron erinnert sich der Boden selbst an die nationalsozialistische Kriegswirtschaft und ihre Experimente mit Ersatzstoffen aus Kohle und dem kasachischen Löwenzahn unter Zwangsarbeit. In alldem strahlen Lin May Saeeds Darstellung der Sieben Schläfer von Ephesos, die von Gott in einen zweihundertjährigen Schlaf versetzt wurden, um sie vor der römischen Christenverfolgung zu schützen, eine tiefe Ruhe und Geduld aus. Noch dazu sind hier Tiere und Menschen Teil einer gleichwertigen Gemeinschaft.

Das K21 und seine Geschichte als Volksvertretung

Die Ausstellung überbrückt weit entfernte Lebensrealitäten und verortet sich zugleich bewusst in der Düsseldorfer Wirtschafts- und Kunstgeschichte, mit Künstlern wie Havîn Al-Sîndy, Joseph Beuys, Andreas Gursky, Simone Nieweg, Chris Reinecke, Thomas Ruff und Alex Wissel. Sie verortet sich auch bewusst im Ort, an dem sie stattfindet.

Das ehemalige Ständehaus am Kaiserteich war das erste gebaute Parlamentsgebäude im Rheinland. Seine historistische Neo-Renaissance-Architektur greift Elemente von vor 500 Jahren auf, der Zeit des Bauernkriegs und der Ausbildung der heutigen Wissens- und Wirtschaftsordnung. 1876 bis 1880 nach Plänen des späteren Berliner Dombaumeisters Julius Raschdorff erbaut, diente das Ständehaus als preußischer Provinziallandtag, in dem die Ständevertreter regionale Fragen berieten. Von 1949 bis 1988 hatte hier der nordrhein westfälische Landtag seinen Sitz.

2002 eröffnete das Haus grundsaniert und mit seiner ikonischen Glaskuppel als Museum für internationale Gegenwartskunst der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Es dient zugleich weiterhin als Repräsentationsgebäude für die Landesregierung.

Vertretene Künstler

Zu sehen sind Werke von Havîn Al-Sîndy, Maria Thereza Alves, Asche Lützerathi (otherhosted by Sybling – JP Raether & Sarah Friend), Joseph Beuys, AA Bronson, Johannes Büttner, Cercle d’Art des Travailleurs de Plantation Congolaise (Künstlerbund Kongolesischer Plantagenarbeiter, CATPC), Liu Chuang, Simon Denny, Jan Dibbets, Nir Evron, Simone Fattal, Ximena Garrido-Lecca, Jef Geys, Robert Gober, Dor Guez, Andreas Gursky, Christopher Kulendran Thomas, Mierle Laderman Ukeles, Richard Long, Boris Mikhailov, Gordon Matta-Clark, Lutz Mommartz, Grace Ndiritu, Simone Nieweg, Chris Reinecke, Ugo Rondinone, Thomas Ruff, Lin May Saeed, Shimabuku, terra0, Ron Tran, Franz West und Alex Wissel.

Katalog

Der Katalog zur Ausstellung, gestaltet von Studio Pyda, erscheint im Verlag Hatje Cantz und ist eine vielstimmige Einführung in die Politik, Biologie und Ökonomie von Grund und Boden. Neben Vorstellungen der Künstler und ihrer Werke enthält er Essays, Gespräche und verblüffende statistische Grafiken. Grund und Boden. Wie wir miteinander leben, hrsg. v. Susanne Gaensheimer und Kolja Reichert, Hatje Cantz Verlag, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2025, Autoren: Dirk Böttcher, Johannes Büttner, Paula Gioia, Olaf Grawert, Doris Krystof, Sebastian Peter, Kolja Reichert, Lyndal Roper, Ced’Art Tamasala und Alex Wissel, 136 Seiten, zirka 50 mehrfarbige Abbildungen, zirka 20 Infografiken, in deutscher und englischer Sprache, Preis: 24 Euro.

Nähere Informationen: K20, Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf, K21, Ständehausstraße 1, 40217 Düsseldorf, Telefon: +49 (0)211 8381-204, E-Mail: service@kunstsammlung.de, Internet: http://www.kunstsammlung.de

Wohin? Kunsthalle / Stadt / Gesellschaft der Zukunft

Die letzte Ausstellung vor der Sanierung widmet die Kunsthalle Düsseldorf einem gemeinsamen Blick in die Zukunft: der Zukunft der Kunsthalle, aber auch der Zukunft von Städten, urbanen Räumen, Gesellschaften und unserem gemeinsamen Zusammenleben.

Die Ausstellung „Wohin? Kunsthalle / Stadt / Gesellschaft der Zukunft“, die noch bis zum 1. Februar 2026 zu sehen ist, nimmt die Schwelle, an der sich die Institution befindet, zum Ausgangspunkt und öffnet sie für eine kollektive Auseinandersetzung mit Fragen des städtischen und institutionellen Zusammenlebens. Die Kunsthalle wird dabei zum Denk- und Erfahrungsraum, zum Laboratorium der Möglichkeiten. Sie lädt dazu ein, sich mit Fragen der Architektur, Stadtplanung, kulturellen Teilhabe und Gestaltung öffentlicher und gemeinsamer Orte in einer Stadt auseinanderzusetzen – insbesondere in Zeiten tiefgreifender ökologischer, sozialer und ökonomischer Umbrüche.

Künstler, Architekten, Designer, Stadtplaner und Wissenschaftler, die sich mit Themen wie grünen Städten, urbaner Mobilität, nachhaltigem Bauen, gelebter Demokratie, kultureller Teilhabe und der Rolle und Verantwortung von Kultur in diesem komplexen Gefüge beschäftigen, lassen die Besucher an ihren innovativen Ideen, Projekten und Visionen teilhaben. Die Ausstellung versteht sich nicht als abgeschlossene Präsentation, sondern als offener, sich entwickelnder Projektraum. Sie versammelt Ideen, Experimente und Vorschläge und lädt zum gemeinsamen (Weiter-)Denken und Entwickeln ein.

Wohin? fragt nach Perspektiven für die Stadt der Zukunft und rückt zentrale Herausforderungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens unserer Zeit ins Zentrum. Im Fokus stehen dabei nicht nur die Probleme, sondern vor allem kreative Lösungsvorschläge und zukunftsweisende Impulse unterschiedlichster Akteure. Wir stellen uns die Frage: Wie möchten wir in Zukunft leben? Aber vor allem auch: Wie können wir in Zukunft leben?

Ziel von Wohin? ist es, Raum für Begegnungen und Austausch zu schaffen, um gemeinsam nach Antworten auf diese Fragen zu suchen. Die Besucher sind eingeladen, sich aktiv einzubringen: mit Fragen, Gedanken, Kritik und Fantasie für die Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft. Zahlreiche Projekte und Formate regen zum Mitdenken, Mitgestalten und Erleben ein.

Mit Anouchka Strunden, Bureau Baubotanik, Club Real, Fari Shams & Every House has a door, Jan Kamensky, Luca Kohlmetz, Martin Pfeifle, Max Mundhenke & Jan Silbersiepe, MY-CO-X, Neonature, Offenbach Institut für Mobilitätsdesign, Paul Hutchinson, rampe:aktion, Stöbe Architekten & Molestina Architekten + Stadtplaner, Van Bo-Le Mentzel, Verbunt – Jugendkunst Düsseldorf e.V., Veronika Pfaffinger, Zentrum für Peripherie

Wohin? ist ein gemeinsames Abschiedsprojekt des Teams der Kunsthalle Düsseldorf und zugleich ein gemeinsamer Aufbruch in eine offene Zukunft.

Nähere Informationen: Kunsthalle Düsseldorf, Grabbeplatz 4, 40213 Düsseldorf, Telefon: +49 (0)211 54237710, E-Mail: mail@kunsthalle-duesseldorf.de

Limburgs Museum regt mit einer Ausstellung über Erotik die Sinne an

Mit der neuen Ausstellung „Erotik – Jenseits von Schönheit und Scham (Erotiek – Voorbij schoonheid en schaamte)“ nimmt das Limburgs Museum in Venlo seine Besucher noch bis zum 4. Januar 2026 mit auf eine spannende Zeitreise vom späten Mittelalter bis in die Gegenwart.

In der Ausstellung bringt das Museum Limburger Künstler wie Tanja Ritterbex und Han van Wetering mit internationalen Größen wie Rineke Dijkstra, Erwin Olaf, Marlene Dumas und David LaChapelle zusammen und gibt reichlich Gelegenheit, Antworten auf die eine Frage zu finden: Was bedeutet Erotik für Sie?

Das menschliche Begehren ist so vielfältig wie die Menschheit selbst. Liebe und Lust, Vergnügen und Verspieltheit, Scham und Schmerz: Jeder hat andere Gedanken und Gefühle dazu. Die Ausstellung Erotik – Jenseits von Schönheit und Scham ist eine Ode an diese Diversität. „Denn Erotik ist Teil des Menschseins“, sagt der Kurator Edwin Becker, geboren in Limburg und im Hauptberuf Chefkurator für Ausstellungen im Van Gogh Museum. „So unterschiedlich und persönlich die Erotik auch sein mag, wir alle kommen mit ihr in Berührung. Das ist wunderbar und kompliziert, schön und schwierig, befreiend und einschränkend.“

Gemeinsam mit dem Designer Peter de Kimpe und nach einem Konzept von Laura Adams hat Becker die Ausstellung anhand von drei Themen zusammengestellt: Körper und Geist, Erotik und Religion sowie Schönheit und Tod. Das erste Thema, Körper und Geist, befasst sich mit der Spannung zwischen dem Verlangen des Geistes und dem Verlangen des Körpers. „Macht der Körper alles, was der Geist ihm vorgibt? Wo liegt die Macht im Spiel des Beobachtens und Beobachtetwerdens? Und was wäre, wenn wir rein vom Geist ausgehen würden?“ So führt die Reise vom sehnsüchtigen Blick des in Venlo geborenen Jean Laudy bis zur stilisierten Erotik von Robert Mapplethorpe, Araki Nobuyoshi und vielen anderen.

Die Macht der Fantasie

Das Thema Erotik und Religion befasst sich mit der ambivalenten Haltung der Kirche gegenüber der Erotik. Neben sinnlichen „Reliquien“ befinden sich in diesem Raum zum Beispiel Bleiglasfenster von Helen Verhoeven, die voller erotischer Anspielungen sind. „Offiziell war Sexualität sündig und diente nur der Fortpflanzung. Diese Repression der Kirche brachte auch viel Leid mit sich. Mit Blick auf die nackten Marias und die Sünder beim Liebesspiel wird jedoch deutlich, dass mit der richtigen Vorstellungskraft, Suggestion und Symbolik vielleicht mehr möglich war, als es heute der Fall ist. Zumindest in der Kunst.“

Das dritte und letzte Thema, Schönheit und Tod, führt die Besucher zur sexuellen Revolution der 1960er- und 1970er-Jahre. Es umfasst Arbeiten von Ed van der Elsken, eine Skulptur von Wim Delvoye und Fotografien von Andres Serrano. Mit einer Reihe verhängnisvoller Frauen endet die Ausstellung mit der Ekstase, die die Erotik mit dem Tod teilt. Becker: „Durch die Ekstase löst man sich so sehr vom Hier und Jetzt, dass man das Irdische – wie im Tod – für einen Moment transzendiert.“ Bei Künstlern wie Desiree Dolron und Bill Viola erhält die Erotik auf diese Weise eine rituelle und spirituelle Aufladung.

Limburger Geschichten

So untersucht Erotik – Jenseits von Schönheit und Scham das Thema Erotik aus einer Limburger Perspektive in einem internationalen Kontext. In einer spannenden Audioführung bespricht der Regisseur, Moderator und Theaterproduzent Lucas De Man unter anderem mit Marloes IJpelaar von der feministischen Theatergruppe Club Lam eine Reihe von Kunstwerken. Um die Kunstwerke herum finden sich persönliche und manchmal intime Gedanken verschiedener Limburger jeden Alters, die erzählen, was Erotik für sie bedeutet.

Ihre Geschichten fügen der Ausstellung eine persönliche Ebene hinzu und regen die Besucher an, in der großen Auswahl an Werken zu entdecken, was Erotik für sie selbst bedeuten kann. Diese Gedanken können im Museum ausgetauscht werden. Gemeinsam werfen wir so ein neues Licht auf ein komplexes und zeitloses Thema.

Ons Limburgs Museum

Ergänzend zur Ausstellung in Venlo erforschen wir auf ons.limburgsmuseum.nl, der interaktiven Plattform für Geschichten des Limburgs Museum, gemeinsam mit den Menschen in Limburg, welche Rolle die Welt des Internets für das Erleben von Erotik spielt. Besucher können auch ihre eigenen Geschichten oder Kommentare hinterlassen. Dies kann unter Angabe des Namens, aber auch anonym geschehen. Die erste Geschichte über Liebe und Begegnungen in der Offline- und Online-Welt wurde Ende April veröffentlicht.

Nähere Informationen: Limburger Museum, Keulsepoort 5, Venlo, Telefon +31773522112, E-Mail: info@limburgsmuseum.nl, Internet: www.limburgsmuseum.nl

Die Kunst, der Schmetterling, die Symmetrie – Von Thomas Gatzemeier

Über Ordnung, Ausgleich und die stille Wirkung von Bildern

Der Schmetterling gehört zu den Bildmotiven, die fast jeder sofort versteht – und die dennoch nie banal werden. Er ist leicht und zugleich präzise, farbig und dennoch geordnet. Seine besondere Wirkung verdankt er nicht nur seiner Schönheit oder Symbolik, sondern einer formalen Eigenschaft, die tief in unserer Wahrnehmung verankert ist: der Symmetrie.

Symmetrie ist kein dekoratives Beiwerk. Sie ist ein Ordnungsprinzip – in der Natur ebenso wie in der Kunst. Schmetterling Symmetrie Kunst gehören oft zusammen.

Symmetrie als Grundlage des Sehens

Symmetrie begleitet die Kunstgeschichte von Anfang an. Lange bevor sie theoretisch beschrieben wurde, war sie Teil des Sehens selbst. Das menschliche Auge erkennt symmetrische Formen schneller und mit weniger Anstrengung. Sie geben Orientierung, sie schaffen Halt.

In der Kunst wurde Symmetrie deshalb immer dort eingesetzt, wo Ruhe, Stabilität und Dauer vermittelt werden sollten. Zentrale Bildachsen, ausgewogene Proportionen, spiegelnde Strukturen sammeln den Blick. Sie lenken ihn nicht ab, sondern führen ihn zur Mitte. Ein symmetrisch aufgebautes Bild sagt nicht: Schau weiter. Es sagt: Hier kannst du bleiben.

Der Schmetterling als ideales Bildmotiv

Der Körperbau des Schmetterlings ist für diese Wirkung nahezu ideal. Seine Flügel bilden eine klare Mittelachse, eine natürliche Ordnung. Zugleich ist diese Symmetrie nie vollkommen. Kleine Abweichungen in Zeichnung, Farbe oder Form machen jedes Tier einzigartig.

Gerade dieses Zusammenspiel aus Ordnung und Abweichung verleiht dem Schmetterling seine bildnerische Kraft. Er wirkt ruhig, ohne starr zu sein. Ausgeglichen, ohne leblos zu wirken. Als Bildmotiv ist er damit prädestiniert für Darstellungen, die nicht laut auftreten, sondern dauerhaft wirken sollen.

Kunstgeschichtliche Bezüge

Die Kunstgeschichte kennt Symmetrie nicht als starres Schema, sondern als tragende Struktur. In der Renaissance wird sie zum Ausdruck von Harmonie und Maß, im Barock stabilisiert sie komplexe Bildräume. Auch dort, wo Bewegtheit und Fülle dominieren, bleibt ein inneres Gleichgewicht spürbar- Schmetterling Symmetrie Kunst.

Die Moderne bricht diese Ordnung bewusst – doch selbst im Bruch bleibt Symmetrie als Referenz erhalten. Oft wird sie nicht mehr gezeigt, sondern unterlaufen. Gerade dadurch wird ihre Bedeutung sichtbar.

Der Schmetterling fügt sich in diese Linien ein, ohne historisch zu wirken. Er ist zugleich Naturform und konstruiertes Bildzeichen. Ein Motiv, das Ordnung sichtbar macht, ohne sie zu behaupten.

Erzählen und Ordnung – zwei Seiten derselben Medaille

Zeitgenössische Schmetterlingsdarstellungen zeigen, dass Symmetrie und Erzählen kein Widerspruch sind. In manchen Arbeiten steht der Falter frei und konzentriert im Raum, in anderen tritt er in Beziehung zu weiteren Naturelementen und entwickelt eine leise erzählerische Dimension.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Schlankjungfer:

Mehrere Insekten begegnen sich auf einem historischen Kontenblatt, ergänzt durch scheinbar beiläufige Motive wie eine Erdbeere oder eine Raupe. Trotz dieser erzählerischen Erweiterung bleibt das Bild im Gleichgewicht. Die Ordnung führt den Blick, die Geschichte entfaltet sich nicht durch Bewegung, sondern durch Beziehungen. Symmetrie wird hier nicht aufgehoben, sondern erweitert. Sie trägt das Erzählerische, statt ihm im Weg zu stehen. Schmetterling Symmetrie Kunst sind oft eine Einheit.

Die Serie Falter-Porträt: Symmetrie als monumentales Prinzip

Besonders konsequent tritt dieses Ordnungsprinzip in der Serie Falter-Porträt hervor. Hier wird Symmetrie selbst zum beherrschenden Thema des Bildes. Die Falter erscheinen frontal, entlang einer klaren Mittelachse organisiert, von erzählerischen Ablenkungen befreit.

Gerade durch diese Strenge entfalten die Arbeiten ihre monumentale Wirkung. Sie entsteht nicht aus Größe allein, sondern aus der Konsequenz der Ordnung und der außerordentlich filigranen, handwerklich komplexen Ausführung. In feinsten Details der Flügelzeichnung, in minimalen Verschiebungen von Farbe, Linie und Struktur verdichtet sich das Bild zu einer konzentrierten Präsenz. Die Symmetrie wirkt hier kraftvoll und standhaft – als visuelles Fundament, das Räume prägt, sammelt und dauerhaft trägt.

Ein stiller Gegenentwurf zur visuellen Unruhe – Schmetterling Symmetrie Kunst

Unsere visuelle Gegenwart ist laut. Bilder wechseln, fordern Aufmerksamkeit, konkurrieren. In diesem Umfeld gewinnen Motive an Bedeutung, die nichts verlangen.

Schmetterlinge, klar komponiert und ausgewogen dargestellt, wirken wie ein Gegenpol. Sie drängen sich nicht auf. Sie sind da. Und genau dadurch entfalten sie ihre Kraft.

Auch in den Arbeiten von Thomas Gatzemeier steht diese Wirkung im Mittelpunkt. Ob einzeln gesetzt oder in erzählerischen Konstellationen – die Ordnung bleibt spürbar. Symmetrie wird hier nicht zur Formel, sondern zum Werkzeug der Konzentration.

Über den Autor:

Am dunkelsten Tag des Jahres 1954 im sächsischen Döbeln geboren, wurde Thomas Gatzemeier ungefragt von einem katholischen Pfarrer getauft.

Als Kind buk er heimlich einen Kuchen, der als Brot gut ankam. Dieses scheinbare Missgeschick inspirierte ihn dazu, eine Ausbildung als Schrift- und Plakatmaler zu absolvieren, um Pinsel und Stift zu beherrschen.

Er arbeitete anschließend auch als Steinmetzgehilfe und Grabsteindesigner. Nach dieser Grundausbildung studierte er Malerei und Grafik an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo Arno Rink und Volker Stelzmann zu seinen Lehrern zählten. 1980 beendete er sein Studium und ist seitdem als freier Künstler, Autor, Kunsthändler, Blogger und Freizeitkoch tätig.

Konflikte mit den Machthabern der SBZ und ein mehrjähriges Ausstellungsverbot bewegten ihn 1986 dazu, die SBZ zu verlassen. Danach lebte er vorwiegend in Karlsruhe, verbrachte aber auch längere Zeit in Zürich und nahe Worpswede. Von 2006 bis 2015 hatte er ein weiteres Atelier in Leipzig. Nach 34 Jahren Hauptwohnsitz in Karlsruhe verlegte der Wanderer zwischen den Welten im Februar 2020 seinen Wohnsitz endgültig nach Leipzig.

Nähere Informationen: Thomas Gatzemeier, Gottschallstraße 24, 04157 Leipzig, Telefon: 0172 6102535, E-Mail: info@thomas-gatzemeier.de

Schöne neue Arbeitswelt. Traum und Trauma der Moderne

Die Welt der Arbeit ist im Umbruch. Vertraute Berufsbilder verändern sich in rasantem Tempo. Homeoffice und künstliche Intelligenz sorgen für Freiheitsgewinne, schaffen zugleich aber auch neue Abhängigkeiten. Flexibilität und Resilienz sind gefragt.

Vergleichbare Entwicklungen prägten bereits das frühe 20. Jahrhundert, als die Modernisierung der Arbeitswelt ebenso tiefgreifende Veränderungen hervorrief wie heute. Künstlerinnen und Künstler reagierten auf diese Umbrüche, indem sie den technischen Fortschritt feierten, soziale Ungerechtigkeiten anprangerten und Visionen einer künftigen Gesellschaft entwickelten.

Die Ausstellung „Schöne neue Arbeitswelt. Traum und Trauma der Moderne“, die noch bis zum 12. April 2026 im Rheinisches Landesmuseum für Archäologie, Kunst- und Kulturgeschichte zu sehen ist, eröffnet verschiedene Perspektiven auf die Arbeitswelt der Moderne zwischen 1890 und 1940. Sie reflektiert die Hoffnungen und Herausforderungen der damals lebenden Menschen anhand von Kunstwerken, Publikationen und Alltagsobjekten. Ikonen der Neuen Sachlichkeit wie Leo Breuers „Kohlenmann“ von 1931 treten in einen Dialog mit Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern wie Otto Dix, Conrad Felixmüller, Hannah Höch und Franz Wilhelm Seiwert. Weniger bekannte Positionen, etwa von Magnus Zeller, Sella Hasse oder Thea Warncke vervollständigen das Bild.

In jedem Ausstellungskapitel schlagen interaktive Bereiche einen Bogen vom Gestern ins Heute und laden zum Mitmachen ein. Schließlich ist kaum etwas so eng mit unserem eigenen Leben verwoben wie die Frage: Wie wollen wir zukünftig arbeiten?

Katalog zur Ausstellung

Der ausstellungsbegleitende Katalog „Schöne neue Arbeitswelt. Traum und Trauma der Moderne“ gibt einen vollumfänglichen Einblick in die Themen und Exponate der Ausstellung. Über 220 hochwertige Abbildungen begleiten die wissenschaftlichen Beiträge.

Der 256 Seiten umfassende Katalog erscheint im Hirmer Verlag und ist an der Museumskasse für 39 Euro zu erwerben (Buchhandelspreis 50 Euro).

Das LVR-Landesmuseum Bonn

Das LVR-Landesmuseum Bonn zeigt Schätze der Archäologie, Kunst- und Kulturgeschichte aus über 400.000 Jahren. Es ist das einzige kulturgeschichtliche Museum im Rheinland und zeichnet mit seinen Exponaten die Entwicklung der Region von den Anfängen bis zur Gegenwart nach.

Kern der musealen Arbeit ist die Bewahrung, Sammlung, Präsentation, Vermittlung und Erforschung von kunst- und kulturhistorischen Zeugnissen. Diesen Aufgaben hat sich das LVR-Landesmuseum Bonn leidenschaftlich verschrieben und ist zudem ein national und international führendes archäologisches Forschungsinstitut.

Der Träger des LVR-Landesmuseums Bonn ist der Landschaftsverband Rheinland.

Die Geschichte des Museums

Das LVR-Landesmuseum Bonn ist eines der ältesten Museen in Deutschland. Es kann mittlerweile auf eine spannende, über 200-jährige Geschichte zurückblicken.

Die Anfänge

Am 4. Januar 1820 wurde in Bonn das „Antiquitätenkabinett Rheinisch-Westphälischer Alterthümer“ gegründet – auch genannt „Museum vaterländischer Alterthümer“. Dieses durch einen Erlass des bedeutenden preußischen Staatskanzlers Karl August Fürst von Hardenberg ins Leben gerufene Museum gilt als der frühste Vorgänger des heutigen LVR-LandesMuseums.

„Die Königl. Preußische Regierung hat durch eine Anordnung des Fürsten Staatskanzlers vom 4. Januar 1820 einen neuen Beweis gegeben, welches Intereße sie für die Bildung und für den Flor der Wissenschaften und Künste in den Rheinisch-Westfälischen Provinzen nimmt, indem durch ein planmäßiges und zusammenhängendes Verfahren die zerstreuten Bruchstücke aus der altdeutschen und Römischen Zeit vor Zerstörung, Verstümmelung und Zersplitterung sichergestellt werden sollen.“ (Preußischen Staats-Zeitung, 4. März 1820)

Aufgabe des Museums waren die Ausgrabung, die Erhaltung und das Sammeln von Artefakten aus der Vor-und Frühgeschichte und von Zeugnissen der römischen Anwesenheit im Rheinland. Leider stand die Anfangszeit des Museums unter weniger guten Vorzeichen als erhofft: Nach zwei Jahren verstarb 1822 Fürst von Hardenberg und Wilhelm Dorow, der erste Direktor, verließ das Museum. Ohne eigene Räumlichkeiten, ohne substantielle staatliche Förderung und am Desinteresse der Bevölkerung leidend, musste das Museum versuchen, seinen Platz in der Bonner Kulturlandschaft zu finden.

Neugründung: Das Provinzialmuseum

Die Lage des Museums verbesserte sich – oder viel eher: Änderte sich gänzlich – in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auf Beschluss des Provinziallandtags in Düsseldorf wurde 1874 die Gründung des Provinzialmuseums Bonn initiiert. Treibende Kraft war hier insbesondere Ernst aus’m Weerth, der später der erste Direktor des Provinzialmuseums wurde. Das Museum sollte, nicht zuletzt im Lichte eines neu erwachten Interesses für die Historie der eigenen Nation, die kulturelle Geschichte des Rheinlands von seinen Anfängen bis zur Gegenwart abbilden. Die Sammlung dieses neu gegründeten Provinzialmuseums setzte sich aus der bereits bestehenden Sammlung des „Museums vaterländischer Alterthümer“ und aus der Sammlung des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande zusammen. Die ursprüngliche Funktion des Museums, die archäologischen Zeugnisse sowohl durch Grabung, Forschung und Bewahrung zu erhalten, wurde bestätigt und die enge Zusammenarbeit mit der Bodendenkmalpflege gefestigt.

Die Gründung des Provinzialmuseums umfasste zudem eine strukturelle Erneuerung: Das Museum unterstand nun der „Provinzialverwaltung der Rheinlande“ – der Vorläuferorganisation des heutigen Landschaftsverbands Rheinland (LVR). Dieser Umstand sollte in der Zukunft durchaus große Bedeutung für das Museum haben.

Nach seiner Gründung hatte auch das Provinzialmuseum mit einer gewissen Raumnot zu kämpfen, da dem Museum kein eigenes Gebäude zur Verfügung stand. Ein Teil der Sammlung war zwar beständig in der Universität Bonn untergebracht, andere Sammlungskonvolute mussten jedoch immer wieder ihren Standort wechseln. Eine optimale Nutzung der Sammlung war so kaum möglich. Der Einzug des Provinzialmuseums in das eigene Haus am heutigen Standort in der Colmantstraße erfolgte 1893. Dank des Neubaus konnte die Sammlung nun zusammenhängend präsentiert werden.

Auch im Provinzialmuseum wurde die Sammlung durch Grabungen, Ankäufe und Schenkungen beständig erweitert und verändert. Das Sammeln von Gemälden, obwohl nicht vollkommen vernachlässigt, stand dabei nicht unbedingt im Fokus der Sammlungsentwicklung des Hauses. Im Jahr 1902 wurde der Stadt Bonn eine Leihgabe von 226 Gemälden aus der Sammlung des Ehepaars Wesendonck angeboten. Die Bilder wurden 1909 von der Stadt an das Museum gegeben. Zunächst eine Leihgabe, wurden viele Stücke der Sammlung 1925 dem Wesendonck Erben durch das Museum und die Stadt Bonn abgekauft. So vervielfachte sich der Bestand an Gemälden – Alte Meister und aktuellere Kunst – am Beginn des neuen Jahrhunderts sprunghaft. Tatsächlich wurde der Umfang der Sammlung damit so groß, dass nun ein dringend benötigter Anbau realisiert wurde.

Das Museum in der NS-Zeit

Die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland 1933-1945 ging am Museum keinesfalls spurlos vorbei. Bereits kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 erhielt das SA und NSDAP Mitglied Hans-Joachim Apffelstaedt als neuer Kulturdezernent im Rheinland großen Einfluss auf das Museum und wusste diesen zu nutzen, um die eigenen kulturpolitischen Ideen umzusetzen.

Mit der Übernahme der Rheinischen Provinzialverwaltung durch den Nationalsozialisten Heinrich Haake wurden Umstrukturierungen des Museums großzügig finanziert – mangelnde finanzielle Mittel waren in den Jahren zuvor noch ein ständiges Hemmnis in der Entwicklung des Museums gewesen – und eine inhaltliche Neuausrichtung der Präsentation vorgenommen. Das Museum sollte als Prestigeobjekt der Nationalsozialisten den neuen Typus eines Museums abbilden, das eine „volksnahe Bildungsstätte“ sein und die nationalsozialistische Ideologie kulturpolitisch untermauern sollte. So wurden in der Ausstellung die provinzialrömischen Objekte zu Gunsten der Vor- und Frühgeschichte weit in den Hintergrund gerückt. Es sollte ein Fokus auf vermeintlich deutsche Vorfahren gelegt werden, römisches galt als uninteressant und in der Vergangenheit über Gebühr bevorzugt. 1934 wurde zudem der Name von „Provinzialmuseum Bonn“ in „Rheinisches Landesmuseum“ geändert.

Während der Umgestaltung wurden Objekte veräußert, die nicht in das angestrebte Konzept passten. Beispielsweise wurde ein großer Teil der Wesendonck-Sammlung 1935 in einer Auktion bei Lempertz in Köln versteigert. Für die Realisierung der nationalsozialistischen Ansprüche an das Haus erhielt das Museums immer neue finanzielle Mittel von der Rheinischen Provinzialverwaltung und Sponsoren, die zu nicht unerheblichen Teilen für den Ankauf von Gemälden genutzt wurden.

Bei den Neuerwerbungen wurde ein Schwerpunkt auf solche Gemälde rheinischer und flämisch-niederländischer Maler gelegt, die als „artverwandt“ galten. Viele dieser Kunstwerke wurden durch Apffelstaedt und den Leiter der Gemäldegalerie des Museums, Franz Rademacher, in Paris, Amsterdam und Brüssel gekauft. Die Kunstwerke stammten häufig aus Sammlungen, die zuvor ihren Besitzern und Besitzerinnen enteignet worden waren oder deren Besitzer bzw. Besitzerinnen sich durch Flucht und Emigration zum Verkauf ihrer Sammlungen genötigt sahen.

Obwohl das Museum Ende August 1939 für das Publikum geschlossen wurde und große Teile der Sammlung in verschiedene Kunstschutzdepots verbracht wurden, konnte der Verlauf des Krieges das Akquirieren von neuen Exponaten nicht bremsen: Noch in der ersten Hälfte des Jahres 1944 reisten Mitarbeiter des Museums nach Frankreich, um im besetzten Paris bei Galeristen und in Museen Gemälde für die Sammlung zu kaufen.

Viele der Gemälde, die in dieser exzessiven Ankaufphase während des Krieges ins Rheinische Landesmuseum bzw. dessen Schutzdepots gelangten, wurden direkt nach Ende des Krieges und der Öffnung der Depots von den Alliierten an die Herkunftsländer zurückgegeben. Über die Herkunft und den Umgang mit Objekten, die zur Zeit des Nationalsozialismus oder mit potenziell belasteter Provenienz nach dem Krieg in den Besitz des Museums gelangten, finden im LVR-LandesMuseum andauernde Provenienzforschungen statt.

Neuausrichtung nach dem Krieg

Das Jahrzehnt nach dem Krieg war von der Beseitigung der Kriegsschäden und der Wiedereinrichtung des Museums geprägt. Im Zuge der danach erfolgten Neuaufstellung richtete sich das Rheinische Landesmuseum an den Bedürfnissen der Besucher*innen und den aktuellsten musealen Standards aus. So war bereits zu Beginn der 1970er Jahre ein museumspädagogisches Angebot im Haus angesiedelt, das auch für die kleinsten Bürger und Bürgerinnen den Besuch im Museum spannend und interessant gestaltete.

Mit dem Jahr 1998 begann ein aufwendiger Umbau des Museums in dessen Zuge eine ganz neue Dauerausstellung konzipiert wurde. Es wurden sogenannte Themenrundgänge eingerichtet, in denen unter thematischen Aspekten Objekte unterschiedlicher Epochen und Gattungen gemeinsam präsentiert wurden. Mit dieser Art der Präsentation sollten die Querverbindungen und Zusammenhänge zwischen den Objekten der Sammlung verdeutlicht und ein Netz von Bezügen über die Jahrhunderte hinweg geknüpft werden. Diese Rundgänge standen beispielsweise unter den Überschriften: Von Göttern zu Gott, Macht und Mächte und Kelten im Rheinland.

Es war und bleibt der Anspruch des Museums die Geschichte des Rheinlandes an möglichst viele Menschen vermitteln zu können und das kulturelle Erbe zu bewahren, zu präsentieren und zu erforschen. Um diesem Leitgedanken gerecht zu werden, finden am LVR-Landesmuseum fortdauernde Forschungen zu aktuellen Funden und archäologischen, historischen Fragestellungen statt.

Ein neues Kapitel

Im Jahr 2018 nahm das LVR-Landesmuseum Bonn (diesen Namen trägt das Museum seit 2008) Umbaumaßnahmen in Angriff, um dem eigenen Anspruch an Partizipation und Inklusion gerecht zu werden. Das Museum möchte allen Menschen einen spannenden, informativen und kurzweiligen Besuch des Hauses ermöglich. Deswegen wird weiter daran gearbeitet, die Liegenschaft komplett barrierefrei zu gestalten und die Ausstellungen sollen gänzlich inklusiv und interaktiv werden.

An dieser Leitidee ausgerichtet, wird derzeit die Dauerausstellung überarbeitet: Sie wird komplett neugestaltet und ermöglicht nach der Fertigstellung einen Streifzug durch 400.000 Jahre Geschichte. Dafür wurde die Einteilung nach Themenrundgängen aufgegeben und ein ganz neues Ausstellungskonzept erstellt. Die Objekte werden in Zukunft entlang des roten Fadens der Zeit epochengeschichtlich-thematisch präsentiert. Als erster Bereich ist die Neandertaler-Rotunde nach diesem Konzept realisiert. Das zweite Obergeschoss mit der Zeit des Mittelalters bis zur Gegenwart wurde im Herbst 2023 eröffnet. In der zweiten Jahreshälfte 2025 folgt das erste Obergeschoss mit archäologischen Zeugnissen der Vor- und Frühgeschichte, der Römerzeit und des Frühmittelalters.

Die Geschichte des Museumsgebäudes

Der Charakter des LVR-Landesmuseums ist eng mit dem Museumsgebäude verbunden. Das Landesmuseum versteht sich als Ort, der alle Menschen einlädt, Geschichte zu erleben, Wissen zu vertiefen und Fragen zu stellen – der dabei stets wandelbar bleibt und auf die Herausforderungen der Zeit eingeht.

Die Notwendigkeit eines Gebäudes

Ein Großteil der Sammlung des „Antiquitätenkabinetts“ (der Vorläuferinstitution des LVR-Landesmuseums) war in Räumlichkeiten des Schlosses der Universität Bonn untergebracht, wo er – mit kurzen Zwischenstationen einige Exponate beispielsweise im Kapitelsaal des Bonner Münsters – die meiste Zeit seit der Gründung des Museums 1820 auch verblieb.

Mit der Gründung des Provinzialmuseums 1874 wurde das Vorhaben, ein eigenes Museumsgebäude zu erhalten, forciert. Hermann Schaaffhausen sprach sich für das Grundstück des Königlichen Gymnasiums an der Koblenzer Straße (der heutigen Adenauerallee) aus, da er die Nähe zur Universität bevorzugte. Er konnte sich mit diesem Vorhaben nicht durchsetzen und es wurde beschlossen, das Grundstück Urban Colmants an der heutigen Colmantstraße anzukaufen. Der Neubau des Museums nach Plänen von Clemens Guinbert wurde am 8. April 1890 begonnen und die Arbeiten dauerten bis 1893. In diesem neuen Museum konnte die Sammlung nun zusammenhängend und nutzungsorientiert präsentiert werden – die Zielgruppen waren allerdings hauptsächlich Gelehrte und Studenten der Archäologie. Von einem „Museum für alle“ war man damals noch weit entfernt.

Das ursprüngliche Museumsgebäude wurde bereits nach wenigen Jahren durch einen Anbau erweitert. Dieser Anbau, der im Jahr 1909 eröffnet wurde, war deshalb notwendig, weil die Gemälde der Wesendonck-Sammlung, die als Leihgabe ins Provinzialmuseum gekommen waren, sonst keinen adäquaten Platz gehabt hätten. Durch das stetige Wachsen der Sammlung war ohnehin bereits ein gewisser Platzmangel deutlich geworden.

Der Neubau wurde als zweigeschossiger Flügelbau in Richtung Bachstraße ausgeführt, der die auch heute noch prominente Oberlichthalle umfasste.

Kriegsschäden

In den 1930er Jahren fanden abermals bauliche Maßnahmen statt. Sie standen unter der Prämisse, das Gebäude und die Architektur der Ausstellungsräume den Anforderungen der Nationalsozialisten an das Museum als „volksnahe Bildungsstätte“ anzupassen.

Im zweiten Weltkrieg wurde das Museum geschlossen und die meisten Exponate ausgelagert. Sehr große Steinobjekte waren jedoch für den Transport zu schwer und wurden daher im Museum durch Sandsäcke, Holzplatten oder provisorische Backsteinwände geschützt. Außerdem blieben auch kleinere archäologische Funde in den Magazinschränken im Keller.

Am 28. Dezember 1944 wurden das Haus und das Gelände von drei Bomben getroffen und zu großen Teilen zerstört. Im vorderen Bereich des Gebäudes wurde die Eingangstreppe und die Fassade beschädigt, wodurch sich der Giebel des Dachs verschob und die Statik dieses Teils des Hauses beeinträchtigt wurde. Der gesamte hintere Teil des Altbaus wurde zerstört, wobei auch der vordere Teil des Anbaus beschädigt wurde. Durch die einstürzenden Wände und Decken des Museums wurde die Kellerdecke durchschlagen und die unterirdischen Magazinräume zerstört. Die dort gelagerten Objekte gingen dabei verloren.

Weitere Schäden am Gebäude entstanden in den letzten Wochen des Kriegs: Durch die Sprengung der Rheinbrücke im Frühjahr 1945 stürzten instabil gewordene Teile der Fassade des Altbaus ein.

Aus Altbau wird Neubau

1953 wurde entschieden, den beschädigten Altbau abzureißen. Somit blieb nur noch der hintere Teil des Museumsbaus erhalten, der nach dem Krieg renoviert wurde und in dem das Museum seit 1950 wieder einen Teil seiner Sammlung präsentierte. An die Stelle des abgerissenen Altbaus sollte ein Neubau treten und mit dem bestehenden Gebäude – das seitdem als „Altbau“ bezeichnet wird – verbunden werden. Nach den Plänen des Wiesbadener Architekten Rainer Schell wurde zwischen 1963 und 1967 ein zur damaligen Zeit wegweisender Bau errichtet. Die Verwendung von Beton und Glas in einer sehr klaren Formsprache machte den neuen Museumsbau zu einem typischen Gebäude der Moderne. Das Gebäude erhielt, dem Namen des Architekten entsprechend, die umgangssprachliche Bezeichnung „Schellbau“.

Um die Ausstellung modernen Ansprüchen anzupassen, orientierte man sich bei der Errichtung des Schellbaus und der Präsentation der Objekte an den aktuellen Standards von Ausstellungswesen und museumspädagogischem Wissen. Die Vitrinen wurden nicht mit Objekten vollgestopft, sondern jedes Exponat sollte die Chance erhalten, auf den Besuchenden zu wirken. Das bedeutete allerdings, dass es viel mehr Objekte gibt, die es wert sind, gezeigt zu werden, als es letztlich in die Ausstellung schafften. Tatsächlich wird nur ein Bruchteil der Sammlungen im Museum gezeigt. Der überwältigende Großteil des Bestands wird in Depots gelagert. Diese befinden sich sowohl in Bonn wie auch in Meckenheim, wo ein eigenes Depotgebäude errichtet wurde.

Neues ab der Jahrtausendwende

In den 1990er Jahren wurden Pläne für einen abermaligen Umbau des Museums beschlossen. Der Schellbau sollte an aktuelle Standards der musealen Präsentation, Ökologie und Technik angepasst werden. Für dieses Vorhaben wurde die Architektengruppe Stuttgart in Zusammenarbeit mit Knut Lohrer und Dieter K. Keck beauftragt. Die umfassende bauliche Neugestaltung begann 1998 und war nicht im laufenden Betrieb zu realisieren, weswegen das Museum für das Publikum schließen musste. Die zunächst auf drei Jahre angelegte Schließungs- und Umbauzeit verlängerte sich, wodurch das Museum erst im November 2003 wiedereröffnete.

Die Fassade des Neubaus wird seit dem Umbau durch eine Holzverkleidung geprägt, der eine gläserne Hülle vorgesetzt ist. Dadurch entstand zwischen der Holzfassade und der Glaswand eine Fläche, die als erster Ausstellungsraum architektonische Exponate enthält.

Mit den Holzbalken, die waagerecht und schräg zur Fassade verlaufen, soll der Eindruck von alten Grabungskisten erweckt werden. Grabungskisten sind Kästen – früher aus Holz, heute aus Plastik – in denen die Funde bei Grabungen gelagert und transportiert werden. Das LVR-Landesmuseum ist letztlich solche eine Kiste: Voller spannender Funde und Objekte. Die Glashülle, die das Haus umgibt, spielt ebenfalls mit musealen Ausstattungsgegenständen: Wie eine Vitrine schützt das Glas das Haus und lässt dennoch den Blick ins Innere zu. Im Gebäude selbst werden die verwendeten Materialien Holz, Glas und Beton aufgegriffen und eine helle, offene Gestaltung erreicht.

Die 1998-2003 ausgeführten Erneuerungen wurden 2019/2020 durch Arbeiten im Erd- und Untergeschoss ergänzt. Dafür wurden Herrmann & Bosch engagiert, die bereits in den Umbau zur Jahrtausendwende involviert waren. Während des laufenden Betriebs wurden eine neue Gestaltung des Foyers und der Einbau eines zentralen, gläsernen Aufzugschachts durchgeführt. Zudem wurden im Bereich des Neandertalers die neuen Gestaltungselemente der Dauerausstellung umgesetzt. Mithilfe von klaren Linien, einem deutlichen Leitsystem, Licht und partizipativen Angeboten wird ein ganz neues, inklusives und interaktives Museumserlebnis geschaffen.

Nähere Informationen: Rheinisches Landesmuseum für Archäologie, Kunst- und Kulturgeschichte, Colmanstraße 14 – 16, 53115 Bonn, Telefon: 0228 2070351, E-Mail: info@landesmuseum-bonn,lvr.deKunst- und

Alles fließt – die Kunst von heute im Dordrechts Museum

Noch bis 15. März 2026 präsentiert das Dordrechts Museum „Alles fließt – aktuelle Perspektiven in der Museumssammlung“. Erstmals vereint die Ausstellung aktuelle Erwerbungen und langfristige Leihgaben aus den Jahren 2020–2025: eine facettenreiche Serie von Gemälden, Videowerken und Skulpturen führender zeitgenössischer Künstler. Ihre Arbeiten führen Besucher durch zeitgenössische Landschaften, Porträts, Traumwelten und Reflexionen über das 21. Jahrhundert.

Reichtum und Vielfalt

Von langen Haarsträhnen, die in einem monumentalen Gemälde von Katinka Lampe um ein Gesicht schwingen, bis hin zu einem Ozean voller Plastiksuppe in einem Video von Anouk Kruithof: Die in „Alles fliesst“ ausgestellten Kunstwerke zeigen die Harmonie und Unharmonie zwischen Mensch, Natur und Gesellschaft. Einige Werke sind eine aktuelle Fortsetzung großer Gemälde aus der Vergangenheit, wie das riesige Gemälde voller Vögel von Niek Hendrix, inspiriert von einem historischen Deckengemälde. Gleichzeitig baut das Museum eine Sammlung für zukünftige Generationen auf: Es ist nicht umsonst, dass die Vögel in einen Regenbogen aus Farben getaucht sind, der den Reichtum und die Vielfalt unserer Welt widerspiegelt.

Führende Künstler

Die Ausstellung zeigt Werke führender Künstler – darunter Abul Hisham (Gewinner des De Scheffer Art Prize 2024), Carla Klein, Iris Kensmil, Neo Matloga, Femmy Otten, Umar Rashid, Emma Talbot, Agnes Waruguru und Evi Vingerling – und zeigt, wie sie die Polyphonie der Kunst des 21. Jahrhunderts mit kritischen Visionen und poetischen Perspektiven zum Leben erwecken. „Kunst im 21. Jahrhundert ist wie ein Strom von Geschichten, Bildern und Ideen, in dem viele Perspektiven koexistieren“, sagt Wilma Sütö, Kuratorin für zeitgenössische Kunst und Kuratorin der Ausstellung.

Künstler

Die Ausstellung „Alles fließt“ enthält Werke von: Abul Hisham (Gewinner des De Scheffer Kunstpreises), dem Duo Maria Roosen & Jiří Pačinek, Iris Kensmil, Neo Matloga, Femmy Otten, Jennifer Tee, Katinka Lampe, Anouk Kruithof, Fiona Lutjenhuis, Rory Pilgrim, Agnes Waruguru, Charlott Weise, Emma Talbot, Evi Vingerling, Juul Kraijer, Niek Hendrix, Frans van Lent, Carla Klein, Umar Rashid, Hans Broek und Charlotte Schleiffert.

Dank an

Die neuen Erwerbungen wären ohne die großzügige Unterstützung von Mitteln, privaten Spendern und Kooperationspartnern nicht möglich gewesen. Dank ihnen kann das Dordrechts Museum die Sammlung bereichern und aktuelle Perspektiven für die Zukunft bewahren. In dieser Zeit ist das Museum auch unternehmerischer geworden: Wir suchen aktiv die Zusammenarbeit mit Partnern, die unsere Mission teilen, gemeinsam eine vielseitige Sammlung aufzubauen. Zum Beispiel arbeiten wir mit Künstlern, Institutionen und Sammlern zusammen, die dazu beitragen, verschiedene Geschichten sichtbar zu machen – über Menschen, Natur, Identität und Gesellschaft. Auf diese Weise wächst die Sammlung nicht nur an Bedeutung, sondern auch an Bedeutung und Ausdruckskraft.

Nähere Informationen: Dordrechts Museum, Museumstraat 40, 3311 XP Dordrecht, Telefon: +31 (0)78 770 8708, E-Mail: info@dordrechtsmuseum.nl

Die Neue Leipziger Schule“ entsteht in Assen nicht

Mit ‚Hotspot Leipzig‘ präsentiert das Drents Museum seine Sammlung neuer Gemälde aus Leipzig. Dennoch ist die Ausstellung enttäuschend. Die Frage bleibt sogar: Gibt es überhaupt eine Neue Leipziger Schule?

„Hotspot Leipzig“ ist ein passender Name für eine Ausstellung im Drents Museum über aktuelle Kunst aus Leipzig. Denn die Stadt im Osten Deutschlands war und ist ein Zentrum der Malerei, besonders rund um die Leipziger Baumwollspinnerei, die seit 2005 als „Die Spinnerei“bekannt ist.Nach der Schließung nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Fabrik von Künstlern und anderen Kreativen übernommen, die oft an der Leipziger Kunstakademie studiert hatten. Ein Kurs, in dem Künstler wie Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer in der DDR-Zeit realistische Malerei unterrichteten. Neo Rauch und Rosa Loy, das Künstlerpaar, das weltweit das Visitenzeichen der sogenannten Neuen Leipziger Schule ist, haben seit 1994 ein Atelier in der Spinnerei.

Seit 2009 zeigt das Drents Museum regelmäßig Werke eines oder mehrerer Leipziger Künstler. Im vergangenen Jahr konnte das Museum schließlich ein Werk von Neo Rauch erwerben, das Gemälde „Das Dreibein“ von 2024. Heute sind etwa 50 Gemälde aus der Sammlung bis zum 5. April 2026 in der Abteihalle und der Kreuzgangshalle ausgestellt.

Meterhohe Leinwände

Direkt neben dem einleitenden Text hängt das Werk von Neo Rauch. Obwohl dies ein markanter Ort ist, ertrinkt das 50 mal 40 Zentimeter große Gemälde im Raum neben der großen Texttafel. Gerade für diejenigen, die Rauchs metergroße Leinwände gewohnt sind, wirkt dies eher wie eine Vorstudie. Außerdem gibt die Ausstellung keine Erklärung zu diesem Gemälde oder zu den anderen Werken. Dank eines Videos, in dem der Leiter des Drents Museums, Harry Tupan, über seine Leidenschaft für die Leipziger Malerei spricht, können Besucher etwas über die Hintergrundgeschichte der Spinnerei erfahren. So erklärt er beispielsweise, dass es so etwas wie eine ‚Neue Leipziger Schule-Stijl‘ nicht gibt: Obwohl die Künstler an derselben Akademie studierten, wählten sie jeweils ihre eigene Richtung. Details dazu sind im Katalog zu lesen – der auch alle 80 Werke des Museums zeigt.

Theatralische Menschenfiguren

Im Museum erhielten die Gemälde nur eine Namensplakette, und es gibt keine weiteren Erklärungen zu den Künstlern. Dies ist daher eher eine Auswahl aus der Sammlung als eine eigenständige Ausstellung, die die Neuwe Lepiziger Schule interpretiert und erkundet. Das ist schade, denn so bleiben der ‚Hotspot‘ und die größere Perspektive etwas im Hintergrund.Allerdings kann der Besucher durch genaue Betrachtung selbst Kreuzverbindungen entdecken. Christoph Ruckhäberle (1972) schafft beispielsweise eine vielfarbige Inszenierung mit theatralischen Menschenfiguren, die entfernt an die surrealistischen Situationen von Rauch (1960) und Loy (1958) erinnern. David Schnell (1971) hat sich wie Dorothee Liebscher (1987) für eine viel fragmentiertere Darstellung der Realität entschieden: Es sind Landschaften, die aus gemalten Linien bestehen. Ob es sich um die Andeutung einer tatsächlichen Landschaft oder ein flaches Gemälde handelt, die Künstler überlassen es dem Betrachter. Es gibt ein faszinierendes, pop-art-ähnliches Gemälde von Frauen, die Pfeifen rauchen, gemalt von Malte Masemann (1979), einer ehemaligen Schülerin von Rauch, der Frauen in historischen Kontexten oft eine prominente Rolle zuschreibt.Unterdessen betrachten die Künstler von einer kleinen Wand aus die Besucher in fünf Selbstporträts. Ihre stillschweigende Botschaft: Wenn du sie wirklich kennenlernen willst, ist es am besten, nach Leipzig zu gehen. (Von Joke de Wolf aus der Museumstijdschrift)

Nähere Informationen: Drents Museum, Brink 1, 9401 HS Assen, Telefon 0592 377773, E-Mail: info@drentsmuseum.nl, Internet: www.drentsmuseum.nl. Geöffnet ist das Museum in der von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr.