Privates Engagement macht Kunstpreis zum 50. Mal möglich
Im Jahr 2026 wird in der Kunsthalle Bremen der Pauli-Preis zum 50. Mal verliehen. Der 1955 erstmals vergebene Preis wird aus privatem Engagement einer kleinen Gruppe von Mäzenen ermöglicht, die neben dem Preisgeld auch die Kosten für die Ausstellung, den Katalog und den Ankauf eines Kunstwerks finanzieren. Der mit 30.000 Euro dotierte Kunstpreis ist einer der bestdotierten in Deutschland.
In der Pauli-Preis Ausstellung werden vom 8. August bis 4. Oktober 2026 Werke von acht nominierten Künstlerinnen und Künstlern präsentiert. Am 15. September wird der Preisträger beziehungsweise die Preisträgerin gekürt. Der Pauli-Preis (ehemals Kunstpreis der Böttcherstraße) zeichnet im deutschen Sprachraum lebende Künstlerinnen und Künstler für einen hervorragenden Beitrag zur jüngsten Kunst der Gegenwart aus und gilt als einer der bedeutendsten Preise für zeitgenössische Kunst in Deutschland.
Der Pauli-Preis blickt auf eine lange Geschichte zurück: Anlässlich des Wiederaufbaus der Böttcherstraße nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg gründete die Familie Roselius im Jahr 1954 die HAG-Stiftung mit dem Zweck, den Kunstpreis der Böttcherstraße an zeitgenössische Künstler*innen zu vergeben. Der 1955 erstmals verliehene Preis war damals eine der wenigen Fördermöglichkeiten für bildende Künstlerinnen und Künstler, denn „in der Zeit des Deutschen Wiederaufbaus“ steckte „die staatliche Förderung des Kultur- und Geisteslebens noch in den Anfängen“, so erinnerte sich Ludwig Roselius jun. (1929–2022) später. Der damals jährlich verliehene Preis entwickelte sich schnell zu einem der wichtigsten Kunstpreise in Westdeutschland. Als jedoch 1979 das Familienunternehmen Kaffee HAG an den US-amerikanischen Konzern General Foods verkauft wurde, wurde wenige Jahre später das Ende des Kunstpreises verkündet. 1983 wurde der Preis zum letzten Mal in der Böttcherstraße verliehen.
Um die Tradition des Preises weiterzuführen, gründete sich 1984 auf Initiative der Kunstvereins-Mitglieder Georg Abegg und Franz Osmers ein neuer Stifterkreis, der den Preis bis heute trägt. Der Stifterkreis, der sich aus einer kleiner Gruppe von Mitgliedern des Kunstvereins in Bremen sowie dem Senator für Kultur und seit 1992 der Sparkasse Bremen zusammensetzt, finanziert nicht nur die Ausstellung, den Katalog und das Preisgeld, sondern bemüht sich auch um die Erwerbung eines Werks der jeweiligen Preisträgerinnen und Preisträger für die Sammlung der Kunsthalle Bremen. So konnten dank des Stifterkreises in der Vergangenheit Kunstwerke unter anderem von Gabriele Stötzer (2024), Karimah Ashadu (2022), Ulrike Müller (2020), Nina Beier (2014), Daniel Knorr (2012), Thea Djordjadze (2009), Ulla von Brandenburg (2007), Clemens von Wedemeyer (2005), Tino Sehgal (2003), Olafur Eliasson (1997) und Wolfgang Tillmans (1995) erworben werden. Seit mittlerweile über 40 Jahren verdankt der seit 1985 alle zwei Jahre in der Kunsthalle Bremen stattfindende Preis sein Fortbestehen dieser Gruppe engagierter Mitglieder des Kunstvereins in Bremen.
Seit 2024 heißt der ehemalige Kunstpreis der Böttcherstraße Pauli-Preis und erinnert seitdem an den ersten wissenschaftlichen Direktor der Kunsthalle Bremen, Gustav Pauli (1866–1938). Auf seine progressive Sammlungspolitik gehen die berühmtesten Werke aus der Kunsthallen-Sammlung zurück. Seinem fortschrittlichen Geist sieht sich auch der Pauli-Preis verpflichtet.
Acht Vorschläge, fünf Stimmen, eine Entscheidung: Das Verfahren des Pauli-Preises
Die Wettbewerbsausstellung, in der alle acht nominierten Künstlerinnen und Künstler ihre Werke präsentieren, findet vom 8. August bis 4. Oktober 2026 in der Kunsthalle Bremen statt. Die künstlerischen Positionen werden von sechs internationalen Kuratorinnen und Kuratoren, dem Direktor der Kunsthalle Bremen, Christoph Grunenberg, sowie dem Stifterkreis für den Pauli-Preis nominiert. Im Laufe der Ausstellung verkündet eine renommierte fünfköpfige Jury von Fachleuten den Preisträger beziehungsweise die Preisträgerin. Das 1974 eingeführte zweistufige Preisverfahren, das damals schnell als „Bremer Modell“ publik wurde und als vorbildlich für vergleichbare Preise galt, garantiert noch heute Transparenz und Neutralität. Die hohe Qualität des Auswahlverfahrens zeigt sich an der Liste der in der Vergangenheit vorgeschlagenen Künstler*innen und der Preisträger*innen. Viele, die zu diesem Zeitpunkt noch keiner breiten Öffentlichkeit bekannt waren, zählen heute zu den herausragenden Personen der internationalen Kunstszene: Rebecca Horn, Stephan Balkenhol und Olafur Eliasson sind heute einer breiten Öffentlichkeit bekannt, Wolfgang Tillmans und Tomma Abts erhielten 2000 und 2006 den renommierten Turner-Preis, während Tino Sehgal, Isa Genzken, Natascha Sadr Haghighian und Henrike Naumann neben vielen anderen für den Bremer Kunstpreis Nominierten später Deutschland auf der Biennale in Venedig vertraten. In diesem Jahr wird der mit 30.000 Euro dotierte Preis an den Preisträger beziehungsweise die Preisträgerin am 15. September verliehen.
Die acht nominierten Künstlerinnen und Künstler sowie die Nominierenden für den Pauli-Preis 2026:
• Jan Albers (*1971 in Wuppertal, lebt und arbeitet in Düsseldorf) vorgeschlagen von Felix Krämer, Generaldirektor und künstlerischer Leiter des Kunstpalastes in Düsseldorf • Christiane Baumgartner (*1967 in Leipzig, lebt und arbeitet in Leipzig) vorgeschlagen von Anna Wesle, Kuratorin am Museum Franz Gertsch, Burgdorf, Schweiz • Harry Hachmeister (*1979 in Leipzig, lebt und arbeitet in Berlin und Leipzig) vorgeschlagen von Mathilda Legemah, wissenschaftliche Mitarbeiterin für Institutional Development am Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin • Annette Kelm (*1975 in Stuttgart, lebt und arbeitet in Berlin) vorgeschlagen vom Stifterkreis für den Pauli-Preis • Caroline Kryzecki (*1979 in Wickede/Ruhr, lebt und arbeitet in Berlin) vorgeschlagen von Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen • Phung-Tien Phan (*1983 in Essen, lebt und arbeitet in Essen) vorgeschlagen von Michelle Cotton, Direktorin der Kunsthalle Wien • Liesl Raff (*1979 in Stuttgart, lebt und arbeitet in Wien) vorgeschlagen von Stefanie Böttcher, Direktorin der Kunsthalle zu Kiel • Anike Joyce Sadiq (*1985 in Heidelberg, lebt und arbeitet in Berlin und Nürnberg) vorgeschlagen von Yvette Mutumba, Mitbegründerin und Leiterin von Contemporary And (C&)
Die Jury 2026:
• Yilmaz Dziewior, Direktor Museum Ludwig, Köln • Asta Gröting, Künstlerin, Berlin • Roland Mönig, Direktor Von der Heydt-Museum, Wuppertal • Susanne Pfeffer, Direktorin Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main • Hilke Wagner, Direktorin Albertinum, Dresden
Veranstaltungen:
Donnerstag, 13. August, 13 Uhr: Kunstpause mit Dr. Eva Fischer-Hausdorf Donnerstag, 27. August, 13 Uhr: Kunstpause mit Lea Woltermann Dienstag, 1. September, 18 Uhr: Kuratorinnenführung mit Dr. Eva Fischer-Hausdorf Donnerstag, 10. September, 13 Uhr: Kunstpause mit Dr. Eva Fischer-Hausdorf Dienstag, 15. September, 18 Uhr: Öffentliche Preisverleihung Pauli-Preis 2026 Dienstag, 15. September, 19 Uhr: Die Jungen mit Lea Woltermann (nur für Mitglieder des Kunstvereins) Donnerstag, 24. September, 13 Uhr: Kunstpause mit Lea Woltermann Dienstag, 29. September, 18 Uhr: Öffentliche Führung mit Lea Woltermann
Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Der reich bebilderte Katalog umfasst Interviews mit den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern stellt erstmals die Geschichte des Kunstpreises von 1955 bis heute ausführlich dar. Das Buch kostet 18 Euro.
Nähere Informationen: Kunsthalle Bremen, Am Wall 207, 28195 Bremen, Telefon: +49 (0)421 – 32 9080, Fax +49 (0)421 – 32908470, E-Mail: info@kunsthalle-bremen.de