„Gerhard Hoehme – enträtsel nicht die Orte“ im Museum Küppersmühle für Moderne Kunst

In seinen Bildern machte der Künstler Gerhard Hohme (*1920 – +1989) das Unbegreifliche sichtbar. Sein vielfältiges Werk hat bis heute nichts von seiner Faszination und Strahlkraft verloren. Als einer der prägenden Künstler der deutschen Nachkriegskunst nahm Hoehme bereits seit den frühen 1950er-Jahren eine zentrale Rolle in der Entwicklung der abstrakten Malerei ein. Seine Werke nehmen bis heute eine Schlüsselrolle in der Sammlung Ströher ein.

Die umfangreiche Einzelausstellung im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg, die dort vom 26. Februar bis zum 31. Mai zu sehen ist, widmet sich dem komplexen Gesamtwerk des Künstlers und bietet einen umfassenden Überblick über sein Schaffen.

Den Gesetzen der Fläche bin ich immer nur widerwillig gefolgt. Weit mehr hat mich die Gesetzmäßigkeit der Farbe, ihr Strömen und Wachsen, ihre Materie und Struktur interessiert… Meine Sehnsucht war der weite Raum, der dritte, vierte, fünfte – nach oben, zur Seite, nach vorn, ja sogar nach hinten, aber ohne illusionistische Tiefe.“

Von Beginn an wirkte Hoehme stilbildend. Seine Innovationskraft trug maßgeblich zur Entstehung und internationalen Wahrnehmung des Deutschen Informel bei. Zugleich blieb er zeitlebens ein Suchender: Seine Bildfindungen entzogen sich früh jeder festen Kategorisierung. „Ich möchte ein Stück Unbegreifliches sichtbar machen, es aber im Unbegreiflichen lassen.“, schrieb der Künstler 1976 in seinem Text „Reflektionen“.

In den frühen sogenannten Borkenbildern setzte er sich intensiv mit der Materialität der Farbe auseinander. In den späten 1950er-Jahren erforschte er die Möglichkeiten gestischer Malerei und verabschiedete sich bewusst von herkömmlichen Regeln des Bildaufbaus. Hoehme nutzte seinen Erfindungsreichtum, um Werke zu schaffen, deren große Ausdruckskraft er stets offen und in der Schwebe hielt. Diese Offenheit lässt seine Arbeiten stets neu erfahren, sie sind und bleiben für jedes neue Publikum faszinierend und aktuell.

Das Ausgreifen der Malerei in den Raum wurde zu einem wesentlichen Anliegen seines Werks. Nach Experimenten mit ungewöhnlichen Bildformaten – die das spätere Shaped Canvas eines Frank Stella um Jahre vorwegnahmen – integrierte Hoehme Schläuche und andere raumgreifende Elemente direkt in seine Arbeiten. Damit überschritt er konsequent die Grenzen der klassischen Tafelmalerei.

Eine entscheidende Erweiterung seiner künstlerischen Konzeption erfolgte durch den eigenwilligen Umgang mit Handschrift, Sprache und Schrift. Hoehme bezog Texte aus avantgardistischer Lyrik ebenso ein wie politische Kampfbegriffe oder Fragmente aus der Werbesprache. In diesen Arbeiten manifestiert sich früh eine humanistische und demokratische Haltung, die bereits in den 1960-er Jahren die Vision eines ungeteilten Deutschlands formulierte – eine Entwicklung, deren Verwirklichung im November 1989 der Künstler selbst nicht mehr erleben konnte.

Unter der Last einer Erinnerung immer drängt der Hoffnung blühender Raum“.

In den 1980er-Jahren entstand ein fulminantes Spätwerk: eindringliche Großformate von außergewöhnlicher Dichte, emotionaler Intensität und poetischer Intimität. Hier verband Hoehme seine vom Informel geprägte Bildsprache mit einem weit gefassten literarischen und poetischen Referenzraum. Parallel zu den großformatigen Gemälden und Rauminstallationen schuf er ein umfangreiches Œuvre an Arbeiten auf Papier, darunter Aquarelle und Druckgrafiken. Gerhard Hoehme war Professor an der Kunstakademie Düsseldorf und prägte als Lehrer eine Generation bedeutender Künstlerinnen und Künstler, darunter Chris Reinecke und Sigmar Polke.

Darüber hinaus verfasste er zahlreiche Essays zur Kunst, die 2010 in Buchform unter dem Titel Relationen. Texte-1952-1987 veröffentlicht wurden. Mit rund 80 Arbeiten präsentiert das MKM Museum Küppersmühle eine der umfangreichsten Ausstellungen zu Gerhard Hoehme seit vielen Jahren. Neben zentralen Werken aus der Sammlung Ströher sind bedeutende Werkgruppen aus der Gerhard und Margarethe Hoehme-Stiftung zu sehen.

Nähere Informationen: Museum für moderne Kunst Küppersmühle, Philosophenweg 55, 47051 Duisburg, Telefon 0203 30194811, E- Mails: kasse@museum-kueppersmuehle.de (für Kasse und Information), buchung@museum-kueppersmuehle.de (für Buchung von Führungen und Workshops) und office@museum-kueppersmuehle.de (für Stornierungen und Fragen zu Tickets), Internet: www.museum-kueppersmuehle.de. Geöffnet ist von Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

Museum de Fundatie präsentiert das Ausstellungsprogramm 2026

Da bereits die letzten Wochen einiger laufender Ausstellungen aus dem vergangenen Jahr angebrochen sind, hat sich das Museum de Fundatie in Zwolle schon auf ein reiches und vielseitiges Ausstellungsjahr 2026 vorbereitet.

In Zwolle bleibt die Ausstellung „Chourouk Hriech – In De 17e Hemel“ bis einschließlich 16. August geöffnet. Am Standort Heino sind die Ausstellungen „Charlotte van Pallandt – Sprekende Koppen“ und „Fundatie Collectie – Remix“ noch bis einschließlich 12. April zu sehen.

Für 2026 blickt das Museum de Fundatie auf ein neues Jahr voller internationaler zeitgenössischer Kunst, eindrucksvoller Sammlungs-Schauen und experimenteller Projekte an beiden Standorten.

Back to Benin – Neue Kunst, Jahrhundertealtes Erbe, Zwolle | 21. Februar bis 7. Juni

Im November 2025 gab das Museum de Fundatie eine bronzene Plakette aus Benin zurück. Dieser wichtige Schritt in der Anerkennung der kolonialen Vergangenheit bildet den Ausgangspunkt für die Ausstellung „Back to Benin – Neue Kunst, Jahrhundertealtes Erbe.“

In dieser Ausstellung treten zehn zeitgenössische nigerianische Künstlerinnen und Künstler mit Edo-Herkunft (Anmerkung: Die Edo sind ein westafrikanisches Volk in Nigeria, das die Sprache Edo und einige mit ihr eng verwandte Sprachen spricht. Die Edo werden auch als „Bini“ bezeichnet und sind die Nachfahren der Gründer des einstmals mächtigen Königreichs Benin. Zur Ethnie der Edo gehören etwa 2,7 Millionen Menschen. Ihre Sprachen bilden die Gruppe der edoiden Sprachen innerhalb der Niger-Kongo-Sprachen. Die Edo leben in den Plateaus in Zentral-Nigeria, im Bundesstaat Edo. Die Stadt Benin-City ist das kulturelle Zentrum der Edo.) in einen Dialog mit der Geschichte, Symbolik und kulturellen Erinnerung des Königreichs Benin.

Mit neuen Werken, die im Auftrag des Museum de Fundatie in unterschiedlichen Medien entstanden sind, erkunden sie das Thema Restitution im weitesten Sinne: nicht nur als Rückgabe von Objekten, sondern als lebendigen Prozess von Erinnerung, Wissen und kultureller Kontinuität.

Die Ausstellung zeigt, wie Edo-Kunst und Edo-Traditionen trotz der Plünderung von 1897 und deren weitreichenden Folgen weiterleben und sich immer wieder erneuern.

Buhlebezwe Siwani – Ntu, Zwolle | 21. Februar bis 20. September

Das Museum de Fundatie präsentiert die erste niederländische museale Einzelausstellung der Künstlerin Buhlebezwe Siwani. In ihrem Werk, das sich von Performance über Fotografie Installation bis hin zur Skulptur erstreckt, untersucht Siwani, wie der schwarze weibliche Körper in einer von Männern dominierten Gesellschaft dargestellt wird.

Als sangoma (spirituelle Heilerin) verbindet sie persönliche Erfahrungen mit Ritualen, afrikanischer Spiritualität und dem Christentum. Ntu ist Teil der Programmlinie Fundatie Forward, in der das Museum de Fundatie zeitgenössischen Kunstschaffenden Raum bietet, die neue Perspektiven eröffnen und gesellschaftliche wie spirituelle Fragen nicht scheuen.

Umbild – Jules van Hulst & Wieger Steenhuis, Zwolle | 21. Februar bis 20. September

In Umbild, einer Zusammenarbeit mit dem Zwoller Makershaus Vaktor, einer Organisation für Kulturprojekte in der Region, schaffen Jules van Hulst und Wieger Steenhuis eine Erfahrung, in der digitale Medieninstallationen und historische Kunst zusammenkommen. Drei Werke aus der Fundatie-Sammlung – von George Minne, James Ensor und Valerius de Saedeleer – bilden den Ausgangspunkt für eine experimentelle Untersuchung von Repräsentation, Bedeutung und Transformation.

Mit zeitgenössischer Technologie entwickeln die Künstler neue Ebenen des Verständnisses und laden die Besucherinnen und Besucher dazu ein, mal Beobachter, mal aktive Teilnehmer zu sein.

Der Titel Umbild verweist auf das Umformen eines Bildes und unterstreicht den hybriden und untersuchenden Charakter der Ausstellung.

Fundatie Collectie – Schau dich um!, Zwolle | 6. Februar bis 20. September

Schau dich um! zeigt, wie Kunst unseren Blick auf die Welt verändern kann. In dieser Sammlungsausstellung präsentieren Künstlerinnen und Künstler verschiedener Generationen – von Jacoba van Heemskerck und Nola Hatterman bis hin zu Vincent van Gogh und Jonathan van Doornum – wie sie die Wirklichkeit bearbeiten, vergrößern oder verdichten.

Die Ausstellung lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, innezuhalten und sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wie wir schauen und wer oder was unseren Blick beeinflusst – in einer Welt, die sich durch technologische und kulturelle Entwicklungen ständig wandelt.

Wilma Wilbrink & Sammlung, Heino | 25. April bis 30. August

Mit ihrer Werkreihe „Veeneiken II“ zeigt Wilma Wilbrink Arbeiten, die aus jahrhundertealten Eichen hervorgegangen sind, die 2013 im Rahmen des Projekts „Ruimte voor de Rivier“ entlang der IJssel bei Zwolle freigelegt wurden. Diese Bäume, die über 2000 Jahre unter dem Moor konserviert waren, bilden den Ausgangspunkt für skulpturale Werke, in denen Naturgeschichte und aktuelle Klimafragen zusammenkommen.

Wilbrink verweist auf mögliche zukünftige Wasserstände und lässt die Mooreiche als stille Zeugin menschlicher Eingriffe und landschaftlicher Veränderungen auftreten. Die Jahresringe erzählen von Wachstum, Trockenheit und Überschwemmungen, während in ihrem Werk eine Leiter das fragile Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur sichtbar macht. In dieser Ausstellung tritt ihre Arbeit in einen Dialog mit Landschaftsdarstellungen aus der Fundatie-Sammlung.

Elly Tamminga – Kunst und Überzeugung, Heino | ab 25. April

Mit Kunst und Überzeugung rückt das Museum de Fundatie das Werk von Elly Tamminga (*1896 –+1983) wieder in den Fokus. Obwohl sie seit den 1920-er Jahren regelmäßig im In- und Ausland ausstellte und ein umfangreiches Œuvre schuf, geriet ihr Werk nach 1970 weitgehend in Vergessenheit. Tammingas figurative Kunst, verwurzelt im Kubismus, zeichnet sich durch kräftige Farbflächen, klare Kompositionen und eine ausgeprägte gesellschaftliche Haltung aus. Die Ausstellung zeigt Gemälde und grafische Arbeiten und macht sichtbar, wie bewusst Tamminga Einfachheit und Zugänglichkeit wählte.

Das Museum de Fundatie zeigt die Vielfalt und Geschlossenheit ihres Werks und lädt dazu ein, Elly Tamminga erneut einen festen Platz in der niederländischen Kunstgeschichte zu geben.

Jan Cremer, Zwolle | 20. Juni bis 20. September

Diese erste große Retrospektive nach dem Tod von Jan Cremer im Jahr 2024 stellt sein frühes Werk in einen breiteren Kontext. Die Ausstellung erkundet Cremers Weg als bildender Künstler, seine Position innerhalb der Kunstgeschichte und die Verbindung zwischen seinem Schaffen als Maler und als Schriftsteller.

„Ich schmiere Farbe auf eine Leinwand, ich tropfe, spritze, schlage, schubse. Ich kämpfe mit Farbe.“ – mit diesen Worten positionierte sich Jan Cremer 1959 als Künstler. Er wandte sich entschieden gegen das Werk seiner Zeitgenossen, das er als „Schrott-Ästhetika“ bezeichnete. Cremer präsentierte sich gern als radikaler Außenseiter, doch die Ausstellung zeigt, wie eng er tatsächlich mit internationalen Kunstszenen verbunden war – unter anderem in Den Haag, Paris, Ibiza und New York.

Anhand von Gemälden, Arbeiten auf Papier und neu entdecktem Archivmaterial zeigt das Museum de Fundatie, wie Cremer sich zu seinen Zeitgenossen und zu kulturellen Entwicklungen verhielt. Das Museum besitzt die größte Sammlung seiner frühen Werke.

Bé Thoden van Velzen, Heino | 12. September bis 7. März 2027

Mit rund 250 Werken ist Bé Thoden van Velzen in der Fundatie-Sammlung besonders umfangreich vertreten. Diese Präsentation stellt ihr vielseitiges Œuvre in den Mittelpunkt – mit Skulpturen, Zeichnungen, Studien und Aquarellen.

Thoden van Velzen ist bekannt für ihre Skulpturen im öffentlichen Raum, aber ebenso für ihre eindringlichen Darstellungen des menschlichen Körpers. Die Ausstellung beleuchtet ihre künstlerische Entwicklung sowie ihre bedeutende Rolle im Kunstunterricht in Zwolle und Hattem.

Miguel Chevalier – Digital by Nature, Zwolle | ab 3. Oktober

Unter dem Titel „Digital by Nature“ präsentiert das Museum de Fundatie die erste große Einzelausstellung des digitalen Kunstpioniers Miguel Chevalier in den Niederlanden. Seit den 1980-er Jahren nutzt Chevalier den Computer als künstlerisches Medium und erforscht kontinuierlich neue Technologien – darunter auch künstliche Intelligenz.

Die Ausstellung zeigt Werke aus allen Phasen seiner Karriere: in immersiven und überwiegend interaktiven Installationen ebenso wie in intimeren Präsentationen mit Hologrammen, in 3D-gedruckten Skulpturen und Zeichnungen.

Mit seiner Kunst verbindet Chevalier Vergangenheit und Zukunft, die analoge und die digitale Welt. Die Besucherinnen und Besucher können die Installationen und die Klanglandschaft durch ihre Bewegungen beeinflussen und „erschaffen“ so gewissermaßen die Ausstellung selbst. Dadurch entstehen fortlaufend neue Bilder – eine fesselnde Erfahrung, in der Technologie, Natur und Kunstgeschichte miteinander verschmelzen.

Natalia Domínguez Rangel – Deep Dive, Zwolle | 3. Oktober bis 17. Januar 2027

Mit „Deep Dive“ verwandelt die bildende Künstlerin und Komponistin Natalia Domínguez Rangel die Wolke des Museum de Fundatie in eine Unterwasserwelt. Mit Skulpturen aus Glas, Keramik und Metall, kombiniert mit einer eigens komponierten Klangumgebung, untersucht sie an diesem besonderen Ort die tiefe Verbundenheit zwischen dem menschlichen Körper und dem Ozean.

Die Ausstellung verbindet poetische Imagination mit drängenden Themen wie Ökologie, kolonialer Geschichte und Ressourcenabbau. „Deep Dive“ ist Teil der Projektreihe Fundatie Forward und lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn tiefer zuzuhören.

Kunst in der Vide – Diana Scherer: Symbio Zwolle | 3. Oktober bis September 2027

Für die Programmreihe „Kunst in der Vide“ realisiert Diana Scherer eine neue monumentale Installation für diesen besonderen Raum des Museums de Fundatie. In diesem Werk wachsen Pflanzenwurzeln und von ihr selbst entworfenes Textil miteinander zusammen.

Mit ihrem Werk „Symbio“ untersucht Scherer die Grenze zwischen Kontrolle und Zufall, zwischen Natur und Kultur. Das Werk übt Kritik an der Ausbeutung natürlicher Systeme, entwirft aber zugleich ein utopisches Szenario von Zusammenarbeit und Gegenseitigkeit. Der Wachstumsprozess selbst – langsam, unvorhersehbar und teilweise unkontrollierbar – wird zu einer Metapher für die Suche nach einem neuen Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur.

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr. / Kasteel het Nijenhuis, ´t Nijenhuis 10, 8131 RD Heino/Wijhe, Telefon +31 572 388188, E-Mail: info@museumdefundatie.nl

Kawase Hasui. Die Vorstellungskraft Japans

Shin Hanga: die Wiedergeburt der japanischen Druckgrafik

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schien der Vorhang auf die traditionelle japanische Druckgrafik (ukiyo-e) gefallen zu sein. Fotografie und Lithografie gewannen an Bedeutung, und die klassischen Techniken drohten zu vergessen. Dank der Bemühungen des Verlegers Watanabe Shōzaburō wurde die Druckgrafik jedoch in einer neuen, zeitgenössischen Form wiederbelebt: Shin Hanga – wörtlich ’neue Drucke‘. In dieser Bewegung arbeiteten Künstler, Blockschneider, Drucker und Verlage intensiv zusammen, um Drucke auf hohem Niveau zu schaffen, in denen Tradition und Moderne zusammenkamen.

Meister der Landschaft

Kawase Hasui (*1883 – + 1957) begann seine künstlerische Laufbahn spät. Erst im Alter von 35 Jahren erschienen seine ersten Drucke. Seine Landschaftsdrucke sind das Ergebnis umfangreicher Skizzenreisen durch Japan. Während seine Vorgänger berühmte Orte festhielten, entschied sich Hasui oft für intime, friedliche Szenen. Damit brachte er unbekannte Orte – seiner Meinung nach das echte Japan – ans Licht. Dies erwies sich als Erfolg; seine Drucke wurden sowohl in Japan als auch in Amerika begeistert gesammelt.

Verlorene Kunst

Hasui arbeitete in einer Zeit voller Aufruhr und Veränderungen. Das hatte sicherlich Einfluss auf seine Karriere. Als Tokio am 1. September 1923 von einem schweren Erdbeben getroffen wurde, wurden die Räumlichkeiten des Verlags Watanabe zerstört, einschließlich aller bis dahin von Hasui produzierten Druckblöcke und Lagerbestände. Hasuis Skizzenbücher gingen ebenfalls verloren. Abdrücke aus der Zeit vor dem Erdbeben sind daher äußerst selten. In der Ausstellung Kawase Hasui. Die Vorstellungskraft Japans -Shin Hanga: die Wiedergeburt der japanischen Druckgrafik, die noch bis zum 15. März im Japan Museum Siebold Huis in Leiden zu sehen ist, erhält das Publikum die einzigartige Gelegenheit, mehr als dreißig Drucke aus Hasuis früher Zeit zu bewundern.

Neustart in Trümmern

Sowohl Hasui als auch Watanabe überlebten die Bombardierung Tokios während des Zweiten Weltkriegs. Diesmal blieben die Vorräte verschont. In den Ruinen einer zerstörten Stadt nahmen sie bald ihre Arbeit wieder auf. Trotz der vorherigen Kriegsjahre blieb die amerikanische Nachfrage nach japanischen Drucken hoch. Dies war den amerikanischen Soldaten der Besatzungsarmee in Japan zu verdanken. Watanabe reagierte geschickt darauf, und bald wurden Werke in großer Zahl exportiert.

Druckgrafik und Illustrationen

Die Ausstellung zeigt nicht nur Hasuis Drucke, sondern hebt auch seine weniger bekannte Seite hervor: Illustrationen für Speisekarten, Zeitschriften, Poster und Postkarten. Diese Werke werfen neues Licht auf Hasuis Vielseitigkeit und zeigen, wie sich sein Stil im Laufe der Jahre entwickelte. Die in dieser Ausstellung gezeigten Drucke stammen von privaten und institutionellen Kreditgebern aus den Niederlanden, Belgien und Deutschland.

Bildmacher Japans

Hasui gilt im Westen als wichtiger Bildner Japans, mit einem beeindruckenden Werk von mehr als 600 Drucken, die bis heute weltweit bewundert werden. Das Japan Museum Siebold Huis feiert eine Premiere mit der ersten Hasui-Ausstellung in Europa.

Katalog und Aktivitäten

Diese Ausstellung wird von einer umfangreichen Veröffentlichung des Verlags Ludion begleitet, die mehr als 250 Illustrationen und kurze Essays zu verschiedenen Aspekten von Hasuis Leben und Werk enthält.

Es gibt ein vielseitiges Aktivitätsprogramm für Jung und Alt, das eine weitere Vertiefung des ‚Kawase Hasui‘ bietet. Die Vorstellungskraft Japans‘. Für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren gibt es eine kostenlose Schnitzeljagd.

Nähere Informationen: Japan Museum SieboldHuis, Besuchsadresse: Rapenburg 19, 2311 GE Leiden, Telefon: 071-5125539, E-Mail: info@sieboldhuis.org. Eröffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 10 bis 17 Uhr. Die Öffnungszeiten können bei privaten Veranstaltungen variieren.

Anne Desmet: Bauen ohne Barrieren

Auf den Spuren von M.C. Escher im Museum Escher im Palast in Den Haag

Die Grafikerin Anne Desmet (Liverpool, *1964) fertigt gestochen scharfe Drucke, in denen sie mit Perspektive und Architektur spielt. Wie Escher beherrscht sie Verwandlung und Metamorphose und schafft in Italien ihr erstes architektonisches Werk, das ihre späteren Stadtlandschaften nachhaltig beeinflusst.

Noch bis zum 15. März präsentiert das Museum Escher im Palast in Den Haag zum ersten Mal in den Niederlanden das Werk der gefeierten Anne Desmet an der Seite einer ihrer großen Inspirationen: M.C. Escher. Man könnte sie ohne weiteres als „britischen Escher“ bezeichnen.

Schon in jungen Jahren ist Anne Desmet von Themen wie Transformation und Architektur fasziniert und nutzt diese als Grundlage für ihre Drucke und Zeichnungen. An der Kunstakademie (Ruskin School of Art, Universität Oxford) lernt sie die Techniken Radierung, Holzschnitt, Kupferstich, Siebdruck und Lithografie.

Seitdem gehören insbesondere Holzstich und Lithografie zu ihren Lieblingstechniken. Der Erhalt des Lithografie-Preises des Printmakers Council in London im Alter von 23 Jahren, gefolgt von einem Rom-Stipendium, legte den Grundstein für ihre glanzvolle Karriere. In Rom erschafft sie ihr erstes architektonisches Werk, und nach ihrer Rückkehr nach England erregen auch dort urbane Landschaften ihre Aufmerksamkeit.

Wie Escher lässt sie sich von der Welt um sie herum faszinieren und hat dabei Italien stets im Hinterkopf. Desmet wird eine beliebte Künstlerin und erhält den Titel eines „Royal Academician“. Sie hat Dutzende von Auszeichnungen und Preisen gewonnen, und ihre Arbeiten wurden in Ausstellungen im Vereinigten Königreich, Wales, Italien, Russland und Brasilien gezeigt.

Eine große Faszination von Anne Desmet besteht darin, zu zeigen, wie sich die Vergangenheit und die Gegenwart gegenseitig beeinflussen. So „baut“ sie häufig moderne Städte auf Ruinen. „Ich möchte ein Gefühl für die Verflechtung und das Verstreichen der Jahre in der Geschichte erwecken – eine Art Metamorphose, die ein vorherrschendes Thema in meiner Arbeit ist“, sagt sie selbst darüber.

Sie versieht ihre Drucke buchstäblich und im übertragenen Sinne mit mehreren Schichten: Neben Reliefdrucken in Auflage, kreiert sie auch Collagen, indem sie Fragmente ihrer Stiche und Linolschnitte ausschneidet, faltet, zerreißt, wiederverwertet und mit anderen Materialien kombiniert. Diese neuen Bilder existieren sowohl auf Papier als auch digital. Ihre Arbeit verbindet Vergangenheit und Gegenwart mit Wahrzeichen wie die Brooklyn Bridge und die Skyline von Manhattan in New York City und mit zeitlosen, ikonischen Gebäuden wie das Britische Museum in London. Ihre architektonischen Arbeiten sind auch das Herzstück ihrer beeindruckenden kaleidoskopischen Muster.

Die Ausstellung von Escher im Palast zeigt neben rund 40 Grafiken von Desmet auch eine Auswahl von Skizzenbüchern, Holzblöcken und Werkzeugen. Die große Stärke beider Künstler ist die Art und Weise, wie sie ihre Darstellungen mit Licht aus der Dunkelheit aufbauen. Ihre Drucke zeigen deutlich das handwerkliche Können und die Präzision der beiden Grafiker.

Das Schnitzen eines Holzblocks ist ein zeitaufwändiger Prozess, der viel Geduld erfordert. Die Anfertigung eines komplexen Werks kann bis zu drei Monate dauern, und das Ergebnis ist jedes Mal eine Offenbarung, auch für Desmet selbst: „Das Weiße, das Sie auf dem Papier sehen, ist das, was ich ins Holz graviere. Dass ich Licht aus der Dunkelheit „ausschneiden“ kann, finde ich nach wie vor das Faszinierende an meiner Arbeit.“

Nähere Informationen: Escher im Palast, Lange Voorhout 74, 2514 EH Den Haag, Telefon +31 70-4277730 (erreichbar während der Bürozeiten), E-Mail: info@escherinhetpaleis.nl

Die Escher Ausstellung in einem Palast in Den Haag

Mit über 120 Drucken zeigt das Museum Escher im Palast in Den Haag eine Dauerausstellung mit den bekanntesten Werken aus dem Oeuvre von M.C. Escher (*1898 – +1972). Diese eindrucksvollen Werke werden in einem königlichen Ambiente gezeigt: dem ehemaligen Winterpalast von Königinmutter Emma.

Zu entdecken ist der Künstler Maurits Cornelis Escher, der sich immer wieder von der wunderbaren Welt um sich herum überraschen ließ. Der weltberühmte niederländische Grafiker fasziniert mit seinen fantasievollen Welten, in denen Verwunderung und Illusion die Hauptrolle spielen, Jung und Alt. Im Museum Escher im Palast steht Eschers Entwicklung als Künstler im Mittelpunkt. Sein Frühwerk besteht aus Holzschnitten von Menschen und aus unvergleichlichen Natur- und Landschaftsdarstellungen, in denen er sein Talent auslotet. In seinen späteren Arbeiten entwickelt er seine revolutionären Flächenfüllungen, Metamorphosen und optischen Täuschungen. Seine verspielten Drucke erfreuen das Auge und sind seit vielen Jahren eine wichtige Inspirationsquelle für Mathematiker, Filmemacher und Architekten auf der ganzen Welt.

„Informieren Sie sich in unserem Filmsaal über Eschers Leben und Werk, entdecken Sie, wie er an seinem außergewöhnlichen grafischen Werk arbeitete, und tauchen Sie anhand von Fotos und einer interaktiven Zeitachse tief in seine Lebensgeschichte ein“, heisst es vonseiten des Museums.

Der Meister, der König, der Zauberer

Zu bewundern sind Eschers Meisterwerke, die den Höhepunkt seines beeindruckenden Oeuvres bilden. Ein früher Höhepunkt ist zum Beispiel „Tag und Nacht“ (1938), bei dem er eine holländische Polderlandschaft in fliegende Vögel verwandelt. Oder der zeitlose Druck „Relativität“ (1953), in dem mehrere Realitäten nebeneinander zu existieren scheinen und er der Schwerkraft trotzt. Und natürlich die Krönung: der sieben Meter lange Druck „Metamorphose III“ (1967-1968), in dem er seine Hauptthemen Ewigkeit und Unendlichkeit ultimativ interpretiert. „Entdecken Sie Escher, den Meister der Metamorphose, den König der Illusion und den Zauberer auf Papier“, heisst es hier vonseiten Museums.

Erleben Sie die Welt von Escher“

Im zweiten Stock lernen die Besucherinnen und Besucher laut Museumsaussage, in einer interaktiven Ausstellung wie Escher zu sehen: „Rätseln Sie mit den Augen, entdecken Sie mit den Händen und werden Sie Teil von Eschers Erfahrung. Treten Sie in seine Illusionen ein und werden Sie in Sekundenschnelle zu einem Riesen oder schrumpfen Sie zu einem Zwerg. Sie kommen Escher noch näher, wenn Sie Ihre eigene Flächenfüllung erstellen oder selbst mit unmöglichen Figuren spielen. In unserem Op-Art-Raum zweifeln Sie an sich selbst: Die Kunstwerke scheinen sich zu bewegen… aber es ist Ihre eigene Bewegung, die diese Illusion erzeugt. In der außergewöhnlichen Installation Langenfelder Lichtwand für Escher im Palast des deutschen Zero-Künstlers Otto Piene (2012) werden Sie durch das sich ständig bewegende Licht Teil eines Spektakels. Eine Erfahrung, die man nie vergisst.“

Zu Besuch im Königspalast

Königinmutter Emma (*1858 – +1934) lebte und arbeitete von 1901 bis zu ihrem Tod in diesem ehemaligen Palast. Hier empfing sie auch ihre Verwandten und offiziellen Gäste. Nach ihrem Tod nutzten auch die Königinnen Wilhelmina, Juliana und Beatrix diesen Palast. Das Gebäude ist mehr als zwei Jahrhunderte alt und befindet sich im Museumsviertel des historischen Den Haag an der Lange Voorhout, einer der schönsten Straßen der Niederlande. Es ist das einzige öffentliche Gebäude in Den Haag, in dem Sie noch die alte Palastatmosphäre erleben können.

Außerdem findet sich hier ein einzigartiger Parkettboden des amerikanischen Minimal-Künstlers Donald Judd; und der Palast wird von spektakulären Kronleuchtern von Hans van Bentem beleuchtet.

Das Leben des M.C. Escher

M.C. Escher wurde am 17. Juni 1898 als dritter Sohn in zweiter Ehe von George Escher und Sara Gleichman geboren. Aus einer früheren Ehe hatte der Vater G.A. Escher bereits zwei Söhne. Der Name Maurits Cornelis stammt von einem Onkel seiner Mutter. Als er klein war, wurde er von der Familie „Maukie“ und später „Mauk“ genannt. Dieser Spitzname wurde später auch von seinen Freunden benutzt.

Eschers Vater war ein Wasserbauingenieur und einer der niederländischen „Wassermänner“, die am Ende des 19. Jahrhunderts nach Einladung des Kaisers in Japan arbeiteten. Nach seiner Rückkehr in die Niederlande wird er 1890 Hauptingenieur des Distrikts Friesland und Groningen beim Dienst Rijkswaterstaat in Leeuwarden. Für seine Familie mietet er den Princessehof und hat sein Büro im Hause.

Jugend

1903 zieht die Familie nach Arnheim. Maurits erlebt eine schöne Jugend, wird aber oft von Krankheiten geplagt. Um wieder zu Kräften zu kommen, verbrachte er 1905 eine längere Zeit allein in einem Kindererholungsheim in Zandvoort. Wie die anderen Söhne erhielt Escher eine umfassende Erziehung mit Werkunterricht und Klavierstunden. Auf dem Flachdach des Hauses stand ein Fernglas, mit dem sein Vater und er regelmäßig den nächtlichen Himmel beobachteten. Außerdem beginnt er schon in jungen Jahren mit Zeichnen.

Trotz des Altersunterschieds hatten Maurits Escher und seine Brüder ein gutes Verhältnis zueinander. Später informiert ihn sein Bruder Berend, Professor für Geologie und späterer Rektor der Universität von Leiden, über die neueste Fachliteratur auf dem Gebiet der Kristallographie. Diese Erkenntnisse lieferten Escher Inspiration für mehrere Drucke.

Ab 1912 besucht M.C. Escher die Oberschule in Arnheim und lernt hier Freunde fürs Leben kennen: Roosje Ingen Housz, Bas Kist, Jan van der Does de Willebois und dessen Schwester Fiet. Die Schule interessiert Escher kaum. Er bleibt in der zweiten Klasse sitzen und besteht 1918 die Abschlussprüfung nicht. Durch Beziehungen seines Vaters wird er trotzdem bei der Technischen Universität in Delft angenommen. Seine Eltern hoffen, dass er Architekt wird.

Ausbildung

Das Studium in Delft ist kein Erfolg. Escher bricht schon im ersten Jahr ab. Er schließt einen Kompromiss mit seinen Eltern und beginnt im September 1919 das Studium an der „School voor Bouwkunde, Versierende Kunsten en Kunstambachten“ in Haarlem. Er schreibt sich bei der Fakultät Architektur ein, zeigt aber bereits in der ersten Woche dem Lehrer für graphische Kunst, Samuel Jessurun de Mesquita, seine Arbeiten. Dieser rät ihm, sein Studium an der graphischen Fakultät fortzusetzen. Nach einem Gespräch mit Jessurun de Mesquita geben seine Eltern nach: Maurits darf grafischer Künstler werden.

Ein Einwand, den Eschers Vater gegen die Berufswahl seines Sohnes hatte, war die Vermutung, dass er später seinen Lebensunterhalt nicht verdienen könne. Das traf nach der Ausbildung auch zu. Die Eltern von Escher – und nach seiner Hochzeit 1924 auch die Schwiegereltern – unterstützen die junge Familie. Vater Eschers Unterstützung des Sohnes Maurits ist nicht außergewöhnlich. Er half all seinen Söhnen, wenn es nötig war.

Reisen und Ehe

Nach seiner Ausbildung in Haarlem unternimmt Escher einige lange Reisen nach Italien. 1922 besucht er Spanien. Dort sieht er zum ersten Mal die Alhambra in Granada mit den reich verzierten Fliesen. In der italienischen Stadt Ravello lernt Escher 1923 die Familie Umiker aus der Schweiz kennen. Er verliebt sich in die jüngste Tochter Giulietta, Rufname Jetta. In den darauffolgenden Monaten entspinnt sich ein reger Briefwechsel zwischen Maurits Escher und Jetta Umiker, die in die Schweiz zurückkehrt war. Schließlich heiraten die beiden am 12. Juni 1924 in Viareggio.

Im Oktober 1925 beziehen Maurits und Jetta ihr Appartement in Rom. Ein Jahr später wird ihr erster Sohn George geboren. 1928 folgt der zweite Sohn Arthur. Auch nach seiner Heirat reist Escher durch Italien. Jeden Frühling macht Escher eine lange Reise durch eine andere Region. So besucht er unter anderem Kalabrien, Sizilien, die Abruzzen und die Küste bei Neapel. Escher liebt diese lange Wanderungen. Für den Rest seines Lebens pflegt er dieses Hobby.

Die Anfangsjahre als Künstler

Im Februar 1924 hat Escher beim Kunsthandel De Zonnebloem in Den Haag seine erste Ausstellung in den Niederlanden. Im Magazin „Elseviers Geïllustreerd Maandschrift“bekommen seine Arbeiten im Juni 1924 gute Kritiken. Ab 1926 stellt er regelmäßig in Italien und in den Niederlanden aus, wie zum Beispiel im Pulchri Studio in Den Haag, in Amsterdam, Leeuwarden und Utrecht, aber auch in Warschau, Prag und Madrid. Ab 1929 fertigt Escher auch immer öfter Lithografien an. Die Technik eignet er sich mithilfe von Drucken wie „Goriano Sicoli, Abruzzen“(1929) und Selbstporträt(1929) an und perfektioniert diese im Laufe der Zeit. Die Lithografie „Nonza, Korsika“(1934) des korsischen Dorfs Nonza gewinnt 1934 sogar den dritten Preis der International Exhibition of Contemporary Prints des Art Institute von Chicago. Die Reisen durch Italien, Spanien und Korsika bieten Escher Inspiration für seine Kunstwerke. Obwohl die Drucke, die Escher von Landschaften und Städten anfertigt, ihn nicht wirklich berühmt machen, nimmt seine Bekanntheit als Künstler dennoch stetig zu. Trotzdem fällt es Escher schwer, eine gute finanzielle Grundlage für sich und seine Familie zu schaffen.

Wegzug aus Italien

Das Leben in Rom gestaltet sich für Escher indes immer schwieriger. Bei seinem Sohn Arthur werden Tuberkulosezellen entdeckt. Aber auch der Aufstieg des Faschismus in Italien gefällt Escher nicht. Am 4. Juli 1935 ziehen Maurits, Jetta und ihre beiden Söhne in den Ort Châteaux-d’Oex in der Schweiz. Die isolierte und kalte Umgebung machen Escher jedoch unglücklich. So hält sich die Familie nur kurze Zeit in der Schweiz auf. Schon 1937 folgt der Umzug nach Ukkel bei Brüssel. Dort wird 1938 der dritte Sohn Jan geboren.

Andere Wirklichkeit

In Italien ließ sich Escher von der mediterranen Landschaft inspirieren. In seinen Drucken spielen die Natur und die Wahrnehmung der Natur eine große Rolle. Deshalb erscheinen Eschers Darstellungen stets realitätsnah. Die Landschaft in der Schweiz und in Belgien inspiriert Escher jedoch kaum. Er schöpft stattdessen immer mehr aus seiner eigenen Fantasie. Seine frühere Faszination für die Natur weicht der für „Landschaften“, die seiner eigenen Fantasie entspringen. Stundenlang kann er über neu zu erschaffende Welten voller Unmöglichkeiten nachdenken, dabei jedoch immer Italien im Hinterkopf behaltend. In Drucken wie „Stillleben mit Spiegel“(1934) und „Stillleben und Straße“(1937) gibt Escher diese unmöglichen und fantasiereichen Situationen in einer italienischen Umgebung wieder.

1936 begeben sich Maurits und Jetta auf eine lange Seereise nach Spanien. Dort besucht Escher zum zweiten Mal die Alhambra in Granada, aber auch die Mezquita-Kathedrale in Córdoba. Von nun an widmet er sich wieder intensiv Flächenfüllungen, der so genannten Parkettierung. Die sich aneinander anschließenden Muster bilden ab jetzt immer häufiger die Grundlage für Eschers Drucke.

Rückkehr in die Niederlande

Schließlich lässt sich die Familie Escher 1941 in dem niederländischen Ort Baarn nieder. Escher ist wieder in seine Heimat zurückgekehrt. Und obwohl er die italienische Landschaft vermisst, fühlt er sich in Baarn zu Hause. Escher wohnt bis zu seinem Tod in den Niederlanden. Im Zweiten Weltkrieg entstehen nur wenige neue Drucke. Aufgrund seiner Weigerung, sich bei der niederländischen Kulturkammer zu registrieren, darf Escher während des Kriegs nicht an Ausstellungen teilnehmen.

Escher verdiente Geld mit dem Verkauf seiner Drucke, auch schon vor seinem internationalen Durchbruch nach dem Zweiten Weltkrieg. Es war aber nicht genug, um eine Familie unterhalten zu können. Neben seinen freien Arbeiten bekommt Escher in den Niederlanden regelmäßig Aufträge, wie 1940 bis 1941 für Intarsienarbeiten im Rathaus von Leiden, aber auch für Briefmarken und Exlibris. Er illustriert Bücher von Freunden oder stellt andere Aufträge fertig. Etwa Mitte der 1930-er Jahre fängt Escher an, mehr mit unmöglichen und überraschenden Darstellungen zu experimentieren, die zunehmend Aufmerksamkeit erregen.

Berühmt

1951 schreibt die britische Fachzeitschrift „The Studio“ über das Werk Eschers. Auch international gelesene, beliebte Zeitschriften wie „Time“ und „Life“ schreiben über Eschers Werk. Das amerikanische Interesse nimmt dadurch stark zu. Seine Drucke erfreuen sich großer Beliebtheit und werden viel nachgefragt. Vor allem „Tag und Nacht“ aus dem Jahr 1938 ist beliebt. Escher druckt seine Holzschnitte selbst und beschwert sich später, dass er über 600 Exemplare dieses Drucks anfertigen musste. 1961 schreibt E.H. Gombrich in „The Saturday Evening Post“ über Eschers Arbeit.

Escher hat jetzt auch Ausstellungen im Stedelijk Museum in Amsterdam (im Rahmen einer internationalen Mathematikkonferenz) sowie an mehreren Orten in den USA und Großbritannien. Schließlich folgt 1968 Eschers erste Retrospektive zum Anlass seines 70. Geburtstags im Gemeentemuseum in Den Haag. 1955 wird M.C. Escher mit dem Orden „Ridder in de Orde van Oranje Nassau” ausgezeichnet. 1965 folgt der Kulturpreis der Stadt Hilversum, und 1967 erhält er eine weitere königliche Auszeichnung.

Tod

Eschers Gesundheit war seit frühester Kindheit schwach. In den letzten Jahren vor seinem Tod unterzieht er sich mehreren schweren Operationen. 1969 entwirft Escher seinen letzten Holzschnitt: „Ringschlangen“. Danach druckt er noch gelegentlich ältere Werke, es entsteht jedoch kein neues Werk mehr. Da Eschers Gesundheit schlechter wird, zieht er 1970 in das Rosa-Spier-Haus in Laren. Es wurde 1969 von der niederländischen Harfenistin Rosa Spier gegründet. Hier wohnen seitdem ältere Künstler und Wissenschaftler in einer Wohn- und Arbeitsgemeinschaft. In diesem Haus findet Escher Anschluss an Gleichgesinnte.

Escher stirbt am 27. März 1972 in einem Krankenhaus in Hilversum.

Nähere Informationen: Escher im Palast, Lange Voorhout 74, 2514 EH Den Haag, Telefon

+31 70-4277730 (erreichbar während der Bürozeiten), E-Mail: info@escherinhetpaleis.nl

De wereld van Bas Kosters – in twee hoofdstukken

Van geboortegrond naar grote overzichtstentoonstelling

Dit najaar en volgend voorjaar staat het autonome werk van Bas Kosters (Zutphen, *1977) centraal in twee solotentoonstellingen: in Dat Bolwerck, huis voor kunst en gedachten in zijn geboortestad Zutphen, en in Rijksmuseum Twenthe in Enschede, de stad waar hij zijn kunstenaarschap vormde aan de AKI.

Samen schetsen de musea een veelzijdig portret van een kunstenaar die is gevormd door de modewereld, maar zich de afgelopen jaren op zijn eigen unieke wijze volledig toelegt op autonoom, beeldend werk met een maatschappelijke lading. De tentoonstellingen vullen elkaar aan in perspectief en toon: van een persoonlijk en intiem verhaal in Zutphen tot een museaal overzicht in Enschede. Het publiek wordt van oktober 2025 tot juni 2026 uitgenodigd om de wereld van Bas Kosters in volle breedte en gelaagdheid te ervaren – toegankelijk, indringend en actueel. Persoonlijk verhaal in geboortestad Zutphen op 3 Oktober 2025 opent in Dat Bolwerck een uiterst persoonlijke tentoonstelling, waarin Bas Kosters zijn zoektocht naar eigen ruimte op zijn geboortegrond ontrafelt.

We Are All Here“ is een onderzoeksproject naar hoe we onze ruimte kunnen innemen en hoe we harmonieus kunnen samenleven. De tentoonstelling toont nieuw werk, waaronder een monumentale textiele installatie die zowel in de tuin van Dat Bolwerck als op Station Zutphen te zien is (Kosters is geboren op het Stationsplein).

Ook de serie „Family Textiles“ – drie wandkleden die Bas“ overleden vader en moeder, en hemzelf verbeelden – is bij Dat Bolwerck voor het eerst in zijn geheel te zien. Daarnaast maken zijn porseleinen kunstwerken, ontstaan tijdens een artist-in-residence in Arita (Japan), deel uit van de presentatie. Er zijn bovendien veel zelfportretten van Kosters te zien, waarin zijn persoonlijke zoektocht en identiteit centraal staan. Kosters: “Zachtheid en poëtische verbeelding van mens en dier zijn uitgangspunten voor het project. Ik wil vrijheid bevechten – voor mensen, voor hun bestaansrecht in de maatschappij, en ook voor mijn eigen bestaansrecht.”

Groot overzicht 10 jaar autonoom werk in Enschede

Op 14 februari opent in Rijksmuseum Twenthe de tentoonstelling Bas Kosters Many loving arms: de eerste museale overzichtstentoonstelling van zijn autonome werk uit de afgelopen tien jaar. In deze rijke presentatie komen textielkunst, sculpturen, keramiek, kostuums, installaties en tekeningen samen in een weelderige wereld waarin zelfliefde, queerness, hoop, sensualiteit en veiligheid centraal staan.

Met zijn werk wil Kosters verbinden en een veilige ruimte creëren voor anderen én voor zichzelf. In Enschede – waar Kosters aan de AKI studeerde – zijn toonaangevende series te zien als An Exercise in Joy, The Divine Series, Safe Me en My House is on Juicy Street. De tentoonstelling toont niet alleen de overdadige en kleurrijke werken waar Kosters om bekend staat, maar ook zijn meer gevoelige en intieme kant. Kosters: “Mijn werk mag dan bont en kleurrijk zijn, maar er zit ook een serieuze laag onder. Je zou het kunnen beschouwen als een handreiking voor hoe we kunnen functioneren in deze wereld.”

Infos: Rijksmuseum Twenthe, Lasondersingel 129-131, 7514 BP, Enschede, Telefon +31 53201 2000, Internet www.rijksmuseumtwenthe.nl. Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

Erfolgreiche Bilanz 2025 im Museum Barberini

Rund 350.000 Besuche und Vermittlungszahlen auf Allzeithoch

Im Jahr 2025 konnte das Museum Barberini 349.937 Besuche verzeichnen. Damit bewegt sich das Besucherniveau auf stabil hohem Niveau, nachdem 2024 durch die besonders besucherstarken Ausstellungen „Munch. Lebenslandschaft“ sowie „Modigliani. Moderne Blicke“ rund 378.000 Besuche erzielt wurden (2023: 358.130).
Die Zahlen für das Vermittlungsprogramm erreichten 2026 einen neuen Höchststand: Mit über 3000 durchgeführten Education-Veranstaltungen für 53.700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer übertraf das Interesse an Führungen, Workshops, Einführungsvorträgen und weiteren Formaten alle bisherigen Jahre. Möglich wurde diese erneute Steigerung der Auslastung insbesondere durch die Eröffnung des Barberini Studio im Februar 2025, das neben erweiterten Räumlichkeiten für die Vermittlungsarbeit auch eine inhaltliche Ausweitung des Angebots ermöglichte.

Im Jahr 2025 zeigte das Museum Barberini vielfältige Sonderausstellungen. Noch bis Mitte Januar zog „Maurice de Vlaminck. Rebell der Moderne“ 14.260 Besuche an (gesamt: 95.488). Die Schau „Kosmos Kandinsky. Geometrische Abstraktion im 20. Jahrhundert“ begeisterte von Februar bis Mai knapp 130.000 Gäste. Im Sommer präsentierte das Museum die Retrospektive „Mit offenem Blick. Der Impressionist Pissarro“, die 114.690 Besucherinnen und Besucher verzeichnete. Die Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“, die am 24. Oktober 2025 eröffnete und bis zum 1. Februar 2026 lief, sahen insgesamt 107.000 Gäste in 14 Ausstellungswochen.

Einhorn als Liebling des jungen Publikums

„Wir sind sehr glücklich darüber, dass es die Einhorn-Ausstellung geschafft hat, sonst schwer erreichbare Besuchsgruppen wie Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ins Museum zu führen. Auch die Anzahl an Familien sowie Erstbesucherinnen und -besuchern in der Ausstellung war bemerkenswert.”, erklärt Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit dieser inhaltlich tiefen und oft überraschenden Ausstellung diese Zielgruppen an das Erlebnis Museum heranführen konnten.“
Auch im Vermittlungsprogramm zur Schau waren die Angebote für Schulen, Kinder und Familien besonders stark nachgefragt. Insgesamt nahmen 17.535 Personen an den 1010 Veranstaltungen des Education-Programms teil.

Neue Impulse im Digitalbereich

Auch im Podcast-Bereich setzte das Museum Barberini 2025 Akzente. Mit „Im Moment – Eine meditative Reise mit Monet“ entstand ein Audio-Format, das die Kunst der Impressionisten mit Achtsamkeit verbindet und von Schauspieler Benno Fürmann präsentiert wird. Der 2024 auf Deutsch erschienene Doku-Podcast „Monet – Zeiten des Umbruchs“, der in sechs Teilen durch das bewegte Leben des Künstlers führt, erschien 2025 unter dem Titel „Monet – Century of Change“ auch auf Englisch. Als Hostin konnte dafür die junge britische Historikerin Alice Loxton gewonnen werden, während der britische Schauspieler James d’Arcy Claude Monet spricht.
Mit dem Digital-Projekt „Barberini Music Walks“ wurde ein innovativer Zugang zu den Werken der Sammlung Hasso Plattner geschaffen. In Zusammenarbeit mit dem Komponisten, DJ und Produzenten Henrik Schwarz entstand eine Anwendung für die Barberini App, mit der Besucherinnen und Besucher die Impressionismus-Sammlung vor Ort auf völlig neue, klangliche Weise entdecken können. Für jeden Saal der Sammlung haben Henrik Schwarz und der Komponist Zacharias Falkenberg atmosphärische Soundscapes entwickelt, die von den kompositorischen Prinzipien der Impressionisten inspiriert sind. Über die Barberini App reagieren diese Klangwelten in Echtzeit auf die individuellen Bewegungen im Raum und beziehen dabei Parameter wie Laufrichtung und Verweildauer ein. Mithilfe von Technologien aus der Game-Entwicklung entstehen bei jedem Gang durch die Sammlung neue, dynamische Kompositionen, die sich mit dem Stil der Impressionisten verweben. „Music Walks“ wurde im November 2025 der Öffentlichkeit vorgestellt und ermöglicht seither einen neuen Zugang zu den Werken des Impressionismus.

2026: Liebermann, Signac, Netzwerke

2026 steht wieder ganz im Zeichen verschiedener Spielarten des Impressionismus. Ab dem 28. Februar zeigt die Ausstellung „Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland“ über 100 Gemälde von Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt und Lesser Ury, lädt aber auch zur (Wieder)Entdeckung von Künstlerinnen und Künstlern wie Sabine Lepsius, Dora Hitz, Philipp Franck, Gotthardt Kuehl oder Maria Slavona ein.

Ab dem 4. Juli folgt „Symphonie der Farben. Signac und der Neo-Impressionismus“, die sich Paul Signacs künstlerischem Werk und seiner zentralen Rolle innerhalb der neoimpressionistischen Bewegung widmet.

Ab 7. November begeht das Museum Barberini mit der Jubiläumsausstellung „Netzwerke des Impressionismus. Künstler, Händler, Sammler“ sein zehnjähriges Bestehen im Januar 2027. Die Ausstellung zeigt mit Gemälden von Monet, Renoir, Morisot und Caillebotte, wie der Impressionismus zu weltweiter Anerkennung gelangte. Sie präsentiert Werke aus renommierten Museen wie dem Art Institute of Chicago, der National Gallery in London, dem Metropolitan Museum of Art in New York, dem Musée d’Orsay in Paris und dem National Museum of Western Art in Tokio.

Nähere Informationen: Museum Barberini, Friedrich-Ebert-Str. 115, 14467 Potsdam, E-Mail: info@museum-barberini.de, Internet: http://www.museum-barberini.de

Kunsthalle Bremen zeigt: Natur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Rom

Mindestens 150 Jahre lang war dieses Gemälde nicht öffentlich zu sehen: Die „Campagnalandschaft mit Aqua Claudia“ von Friedrich Nerly. Seit 1954 befindet sich das Bild im Besitz der Kunsthalle, doch bis vor kurzem war es nicht ausstellbar. Gut ein Jahr dauerte die Restaurierung mit eindrucksvollem Ergebnis: Ein vergessenes Hauptwerk des deutschen Malers Friedrich Nerly (1807–1878) kam ans Licht! Das Gemälde zeigt die antike Wasserleitung Aqua Claudia vor den Toren Roms.

Ab dem 14. März und bis zum 5. Juli steht es im Mittelpunkt der Ausstellung „Natur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Rom“. Die Ausstellung nimmt Nerlys frühe Schaffensjahre in Rom von 1829 bis 1835 in denFokus. Der deutsche Romantiker Friedrich Nerly und die Kunsthalle Bremen sind auf besondere Weise verbunden, denn die Kunsthalle Bremen besitzt mit mehr als 550 Werken nahezu die Hälfte seines Nachlasses. Der andere Teil befindet sich im Angermuseum in seiner Geburtsstadt Erfurt. Die Kunsthalle Bremen erwarb diese Werke von einer Nachfahrin des Künstlers. 1957 zeigte die Kunsthalle die erste Einzelausstellung des Künstlers und publizierte einen Katalog – den ersten, der Friedrich Nerly je gewidmet wurde. Die große Ausstellung „Natur und Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Rom“ knüpft nun an diese frühe Erschließung seines Werks an und präsentiert bisher unbekannte Meisterwerke von Nerly.

Die Ausstellung „Natur und Antike“ nimmt mit zahlreichen Gemälden, Ölstudien, Zeichnungen, Aquarellen und Fotografien Friedrich Nerlys frühe, prägende Jahre in Rom von 1829 bis 1835 in den Blick. Zur Zeit der Romantik pilgerten viele Künstler nach Italien, Nerly reiste bereits mit 20 Jahren dorthin. Er arbeitete in Rom, Tivoli und Olevano – damals wie heute beliebte Reiseziele von Künstlern und Touristen. An der Küste entlang reiste er nach Neapel und bis Sizilien. Dabei entstanden sonnendurchflutete Zeichnungen und Aquarelle in der Natur, die ihm als Grundlage für Gemälde dienten. Aqua Claudia – damals und heute Höhepunkt der Ausstellung ist das Gemälde „Campagnalandschaft mit Aqua Claudia“ (1836).

Jahrzehntelang schlummerte dieses Hauptwerk im Depot der Kunsthalle und war ein schwerer Fall für die Restaurierung. Erst eine großzügige Spende ermöglichte die aufwendige Bearbeitung. Das Motiv der imposanten Ruinen des Aquädukts vor den Toren Roms war zu Nerlys Zeiten neu und spektakulär. Denn bis dahin galt die Campagna als öde und gefährlich, wegen der Räuber und der Malaria. Daher durchquerte man diese Gegend möglichst schnell, um an idyllischere Orte wie Frascati oder Tivoli zu gelangen. Die historischen Ruinen würdigte man nur im Vorbeifahren aus der Ferne. In Gemälden wurde die Aqua Claudia daher bis zum frühen 19. Jahrhundert nur im Hintergrund dargestellt, wie beispielsweise in dem berühmten Bild „Goethe in der römischen Campagna“ (1787) von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751–1829).

Erst seit den 1820-er Jahren zogen Dichter und Künstler zunehmend in die Campagna, ergriffen von der erhabenen Stimmung und der Erinnerung an die römische Geschichte. Zunächst entstanden nur Zeichnungen und kleine Ölstudien. Friedrich Nerly war einer der ersten, der die Ruinen des Aquädukts zum Hauptmotiv eines großen Gemäldes machte. Die Ausstellung untersucht auch die spätere Rezeption dieser Ruinen und schlägt den Bogen in die Gegenwart. Die Fotoserie „Aqua Claudia“ (2014) von Hans-Christian Schink regt aktuelle Debatten an: über vergessene und wiederentdeckte Orte, über den Wandel unseres Blicks auf das kulturelle Erbe Italiens und über die Geschichte und Zukunft der Wasserversorgung – ein essentielles Thema in Zeiten des Klimawandels.

Friedrich Nerly blieb sein Leben lang in Italien, zunächst in Rom und ab 1837 in Venedig. Nerlys Werke öffnen nicht nur ein Fenster in die Romantik, sie inspirieren auch zu neuen Reisewegen nach Italien, zur Auseinandersetzung mit der antiken Architektur und der römischen Ingenieursbaukunst. Sie lassen darüber hinaus die griechischen Mythen Homers anklingen, die bereits Goethe – ebenso wie Nerly – auf seiner italienischen Reise als Begleiter in der Tasche hatte.

Fakten zur Ausstellung

Die Ausstellung „Natur und Antike“ arbeitet intensiv mit den Nerly-Beständen der Kunsthalle Bremen und präsentiert darüber hinaus Leihgaben u.a. aus dem Angermuseum in Erfurt, dem Thorvaldsen Museum in Kopenhagen und der Nationalgalerie Berlin. Außerdem werden Werke aus Privatbesitz gezeigt, die der Öffentlichkeit bisher nicht zugänglich waren und für die Ausstellung teilweise frisch restauriert wurden. Sie stammen aus bedeutenden alten Sammlungen; ein Gemälde befand sich zuvor im Besitz des dänischen Kronprinzenpaars. Die Ausstellung „Natur und Antike“ umfasst rund 160 Arbeiten.

Neben Werken von Friedrich Nerly sind auch Bilder der Aqua Claudia unter anderem von Carl Blechen, Gaston Lenthe, Johann Wilhelm Schirmer und Carl Spitzweg zu sehen. Sie zeugen von der Karriere dieses Bildmotivs, das im Verlauf des 19. Jahrhunderts sehr populär wurde. Eine begleitende Ausstellung mit dem Titel „Nerly in Venedig. Von Gondeln und Palästen“ (14. März bis 5. Juli) gibt Einblick in Nerlys späteres Schaffen: Sie ist zeitgleich im Kupferstichkabinett zu sehen.

Nerly in Venedig. Von Gondeln und Palästen“ (14. März – 5. Juli)

„Venedig und immer Venedig, von allen Seiten, groß und klein, zur alten und jetzigen Zeit“, schrieb Friedrich Nerly im Jahr 1845 über seinen künstlerischen Alltag. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits seit sieben Jahren in der Lagunenstadt, nachdem er zuvor in Rom gelebt hatte. Durch die Heirat mit einer Venezianerin aus gutem Hause war er ausgezeichnet vernetzt und sein zentral gelegenes Atelier im Palazzo Pisani etablierte sich als beliebtes Ziel vieler Reisender. Mit pittoresken Ansichten bediente der Künstler die Nachfrage der Touristen, die in immer größerer Zahl eintrafen. Zu seinen erfolgreichsten Motiven gehörten die Piazzetta und die Markussäule bei Mondschein, die er über 30 mal wiederholte.

Für Nerly war Venedig ein unerschöpflicher Motivschatz: Der Teilnachlass des Künstlers, der seit 1953 in der Kunsthalle Bremen aufbewahrt wird, umfasst zahlreiche Zeichnungen, die er in den 41 Jahren vor Ort bis zu seinem Tod 1878 geschaffen hat, darunter brillante Impressionen venezianischer Fenster, gotischer Architektur, schwarzer Gondeln und vor Anker liegender Segelschiffe. Aus dieser Zeit stammen auch seine zwei berühmtesten Motive und gleichzeitig seine Erfolgsbilder, von denen die Kunsthalle Bremen zwei Gemälde besitzt, „Die Markussäule in Venedig bei Mondschein“, um 1837, und „Canale Grande mit Blick auf Santa Maria della Salute“, 1838/39. Sie werden neben 50 Papierarbeiten in der Ausstellung präsentiert werden.

Nähere Informationen: Kunsthalle Bremen, Am Wall 207, 28195 Bremen, Telefon: +49 (0)421 – 32 9080, Fax +49 (0)421 – 32908470, E-Mail: info@kunsthalle-bremen.de

Ausstellungsode an die Druckgrafik

Das Druckalbum „L’Estampe originale“ (1893–1895) ist ein Höhepunkt der Blütezeit der Druckgrafik im fin de siècle. Mit etwa 35 Drucken zeigt diese kleine Ausstellung, die noch bis zum 17. Mai im Van Gogh-Museum in Amsterdam zu sehen ist, wie vielfältig, eigenwillig und innovativ die Künstler waren, die die Drucke für dieses Album anfertigten.

Das Album „L’Estampe originale“ zeigt, wie reich und vielfältig die Druckgrafik Ende des 19. Jahrhunderts war. Das Van-Gogh-Museum ist eine von sechs Sammlungen weltweit, die eine vollständige Version dieses Druckalbums besitzen. Die Abdrücke sind wegen ihrer Zerbrechlichkeit selten zu sehen.

Ursprüngliche Druckgrafik

Im März 1893 veröffentlichte der Verleger André Marty den ersten Band von „L’Estampe originale“, einem Album moderner Drucke avantgardistischer Künstler. Jedes Quartal wurde ein Album mit zehn Abzügen veröffentlicht und an eine ständig wachsende Gruppe von Sammlern geschickt. Zwischen 1893 und 1895 wurden neun Alben veröffentlicht, mit insgesamt 95 Drucken von 74 verschiedenen Künstlern.

Die Künstler fertigten die Drucke nach den Prinzipien der „Estampe originale“, der ursprünglichen Druckgrafik an. Nach diesen Richtlinien waren Künstler persönlich in jeden Teil des Entstehungsprozesses eingebunden, vom Design bis zum Druck. Außerdem sorgten sie dafür, dass die Drucke in einer kleinen, nummerierten Auflage von hundert Exemplaren veröffentlicht wurden. Das war besonders, denn zu dieser Zeit wurden kommerzielle Drucke und Reproduktionsgrafiken in Massenproduktion produziert.

Junge Talente und etablierte Namen

Marty kombinierte avantgardistische Drucke mit traditionelleren Grafiken. Dies sprach Sammler an, die oft noch etwas konservativ waren. Das Album enthält daher Originaldrucke sowohl junger Talente als auch etablierter Namen, darunter Pierre Bonnard, Camille Pissarro, Henri de Toulouse-Lautrec und Paul Gauguin.

Der Aufstieg von Farbe und Moderne

Früher betrachteten Künstler die Farblithografie als minderwertig. Ende des 19. Jahrhunderts änderte sich dies aufgrund der hohen Sichtbarkeit von Farbplakaten auf der Straße und Farblithografien in Zeitschriften. 1890 gab es auch eine Ausstellung in Paris über japanische Drucke. Seitdem gilt die Farblithografie als neu, spannend und vor allem als modern.

Frauen auf dem Bild

Die Drucke von „L’Estampe originale“ zeigen eine bemerkenswerte Anzahl von Frauen: als Muse, Mutter, Geliebte oder als geheimnisvolle Figuren. Sie bleiben oft anonym oder werden als Allegorie dargestellt. Die Drucke waren hauptsächlich für ein männliches Publikum gedacht, das die Alben zu Hause erhielt. So zeigt L’Éstampe originale nicht nur die künstlerischen Entwicklungen am Ende des 19. Jahrhunderts, sondern auch die soziale Stellung der Frauen jener Zeit.

Ein Querschnitt des Fin de Siècle

Durch die Kombination verschiedener Künstler, Techniken und Themen bietet „L’Estampe originale“ ein klares Bild einer sich wandelnden kulturellen Epoche. Das Album zeigt, wie Kunst, Geschmack und Gesellschaft um 1890 miteinander verflochten waren.

L’Estampe originale

Die Mission von André Marty, dem Herausgeber des Druckalbums „L’Estampe originale“ wurde von Roger Marx wie folgt ausgedrückt: „ein Repertoire zu schaffen und zu bewahren, das als Beweis für die Kunst unserer Zeit vor der Geschichte dient“. Das hat wunderbar funktioniert. Nicht weniger als 74 verschiedene Künstler steuerten insgesamt 97 Drucke bei, verteilt auf neun Alben. Die Portfolios, die in einer Auflage von hundert veröffentlicht wurden, wurden alle drei Monate an die abonnierenden bürgerlichen Drucksammler verteilt. Das Projekt erlangte schnell mythischen Status und gilt bis heute als das Prestigeprojekt, das während des Fin de Siècle den Trend für die Druckgrafik beflügelte.

Die Kriterien des Originaldrucks

Roger Marx erklärte die Grundidee der Auswahl im Vorwort zum ersten Album. Über Schule, Stil oder Technik stellte Marty die individuellen Eigenschaften und den Ausdruck des Künstlers. Solange er nach den Kriterien des Originaldrucks arbeitete, blieben seine ursprünglichen Absichten sichtbar. Das bedeutete, dass der Künstler in den gesamten Prozess der Entstehung des Drucks eingebunden sein musste, vom ursprünglichen Entwurf über die Papierauswahl bis hin zum Druck der endgültigen Radierung, Lithografie oder Holzschnitt.

Vollständiger Überblick über die Fin de Siècle-Druckgrafik

Da Marty die individuellen Qualitäten des Künstlers als einziges Kriterium nutzte, wurden alle modernen Stile und Bewegungen des fin de siècle auf dem Album vertreten. Die Drucke der neuesten Künstlergruppen, wie der Schule von Pont-Aven, befanden sich im selben Ordner wie Drucke etablierter Namen wie Auguste Renoir und Puvis de Chavannes. Das erste Album widmete sich stark der jüngsten Avantgarde mit den farbigen Lithographien der Nabis und Henri de Toulouse-Lautrecs.

André Marty

André Marty wurde 1857 geboren und ist als Herausgeber von „L’Estampe originale“, dem renommiertesten Druckalbum des fin de siècle, in die Geschichte eingegangen. Er produzierte jedoch viele weitere Ausgaben moderner künstlerischer Drucke für ein ausgewähltes Publikum ernsthafter Sammler. Seine weiteren Veröffentlichungen, wie die Druckreihe Le Café Concert, das Künstlerbuch Yvette Guilbert und das Druckalbum Album de la Revue blanche gehören alle zur Crème de la Crème der Pariser Druckgrafik.

Herausgeber des „L’Estampe originale“

Im Porträt von Adolphe Willette sieht man Marty, wie er in einem Anzug durch den Regen rennt und einen Bilderordner unter dem Arm hat. Für „L’Estampe originale“ lief er tatsächlich von 1893 bis 1895 ununterbrochen durch Paris, vom Künstler zum Drucker, vom Papierhändler zum Sammler, um die unendlich komplexe Entstehung dieses Druckalbums zu realisieren. Neben viel Talent fürs Arrangieren hatte Marty auch ein sehr gutes Auge für künstlerische Qualität. Die 74 Künstler, die er für sein Album gewinnen konnte, bilden zusammen einen Querschnitt der modernen Kunstwelt des Fin de Siècle.

Druckgrafik und die Blüte der dekorativen Künste

Für Marty war die Förderung der ursprünglichen Druckgrafik Teil einer größeren Bewegung, die dekorative Kunst zu einer Kunstform zu erheben. Er veröffentlichte die Zeitschrift „Le Livre vert“, in der er wiederholt betonte, dass nur das Genie des einzelnen Künstlers entscheidet, ob etwas künstlerisch ist. Ein Kunstwerk konnte daher ebenso gut ein Druck oder eine Vase wie ein Gemälde sein. Um diese Jugendstil-Idee zu unterstreichen, fertigte er dekorative Objekte von Künstlern sowie Broschen und Figuren an.

Farblithografie

Farblithografie war die Technik der modernen Druckgrafik des fin de siècle. Laut dem Kunstkritiker André Mellerio war es sogar „die unverwechselbare Kunstform unserer Zeit“. Diese Kunstform wurde zunächst hauptsächlich von der Avantgarde von Paris übernommen. Zum Beispiel waren Farbdrucke im offiziellen Salon erst 1899 erlaubt, als die Beliebtheit der Farblithografie in der modernen Kunstwelt bereits ihren Höhepunkt erreicht hatte.

Lithografieierte Plakate

Es war der „König des Plakats“ ,Jules Chéret, der mit seinen lithografiierten Werbeplakaten die Farblithografie im Alleingang zu einem künstlerischen Medium erhob. Seine leuchtenden und farbenfrohen Plakate waren eine Neuheit in den ehemals grauen Straßen von Paris. Künstler wie Pierre Bonnard und Henri de Toulouse-Lautrec ließen sich von den ästhetischen Möglichkeiten der Technik inspirieren und folgten mit eigenen künstlerischen Plakaten, die aus leuchtenden Farbflächen, geschwungenen Silhouetten und Mustern sowie dekorativer Typografie bestanden.

Zeitgenössische Ode an die Farblithographie

In seiner Abhandlung „La Lithographie originale en couleurs“ von 1898 lobte Mellerio die besonderen Eigenschaften des Mediums und brachte zum Ausdruck, was eine künstlerische Farblithografie erfüllen musste: Die Farbfelder mussten so weit wie möglich getrennt und schlicht und hell gehalten werden, mit offenen Papierteilen dazwischen. Die Komposition musste einfach gestaltet sein und ein harmonisches Ganzes bilden.

Nähere Informationen: Van Gogh Museum, Museumplein 6, Amsterdam, Telefon +31 205705200, E-Mail: info@vangoghmuseum.nl, Internet: http://www.vangoghmuseum.nl

Wissenswertes über die Kunsthal Rotterdam

Die Kunsthal in Rotterdam ist eine der Ikonen der modernen Architektur und wird jedes Jahr von zahlreichen Architekturliebhabern aus aller Welt besucht.


Der weltberühmte Architekt Rem Koolhaas entwarf die Kunsthal von 1988 bis 1989 gemeinsam mit dem Projektarchitekten Fuminori Hoshino vom Rotterdamer Architekturbüro OMA (Office for Metropolitan Architecture). Das Werk erregte sofort breite internationale Aufmerksamkeit wegen Merkmalen wie dem innovativen Materialeinsatz, der Lage des Eingangs und der steilen Rampen. Das Kunsthal wurde am 1. November 1992 offiziell eröffnet. Das wuchtige Gebäude beherbergt sieben Ausstellungsräume, ein charakteristisches Auditorium und ein Café mit besonderer Atmosphäre.

Zur Geschichte

Das Blockbuster-Phänomen tauchte in den 1980-er Jahren auf: große Ausstellungen, um Menschenmengen und ein neues Publikum anzuziehen. Bestehende Museen waren weniger auf die zunehmende Menschenmassen vorbereitet und mussten über ihre Dauerausstellung nachdenken. Joop Linthorst, der damals Stadtrat für Finanzen und Kunst in Rotterdam war, hatte die Idee, einen Ausstellungsraum speziell für diese temporären Blockbuster-Ausstellungen zu entwickeln.

Der Architekt Rem Koolhaas wurde beauftragt, einen Entwurf für den heutigen Standort am Westzeedijk zu entwerfen. Sein erster Entwurf, Kunsthal Hoboken Entwurf (27. April 1988), zeigte ein Kunsthal, das größtenteils über dem Boden schwebte und auf sechs breiten Säulen ruhte, mit einem Eingang am Westzeedijk. Sein ehrgeiziger Plan basierte auf einem Museum ohne Wände, einem einzigen, weitläufigen Raum mit völliger Flexibilität, inspiriert vom modernistischen Ideal von Ludwig Mies van der Rohe.

Kunsthal II

Wim van Krimpen wurde als Architekt und erster Direktor der Kunsthal eingeladen. Als er seine Stelle antrat, lehnte er Koolhaas‘ ersten Entwurf aus verschiedenen Gründen ab. Zum Beispiel wollte er mehr Quadratmeter Ausstellungsfläche und mehr Wände, um Kunstwerke aufzuhängen. Koolhaas begann mit dem Entwurf der Kunsthal II auf der Grundlage eines neuen Anforderungsprogramms. Dank des großen Engagements aller Beteiligten wurde das Kunsthal schließlich 1991 mit einem Eingang auf halber Höhe der Rampe fertiggestellt.

Als die Kunsthal 1992 eröffnet wurde, war die Ära der Blockbuster bereits vorbei, ebenso wie die der großen Subventionen. Das Kunsthal organisierte eigene Ausstellungen und legte die Grundlage für seine Mission: Kunst einem breiten Publikum zu präsentieren.

Wim van Krimpen war von 1992 bis 2002 Direktor des Kunsthal. Ihm folgte Wim Pijbes, der bereits von 2000 bis 2008 als Kurator für die Kunsthal gearbeitet hatte. Gefolgt von Emily Ansenk von 2008 bis 2019. Nathanja van Dijk ist seit September 2019 Direktorin. Seit dem 14. Februar 2022 ist Marianne Splint Direktorin der Kunsthal Rotterdam.

Lage

Das Kunsthal liegt am Rand des attraktiven Museumsparks und des Westzeedijks. Die Rampe, die direkt durch das Gebäude führt, überbrückt den Höhenunterschied von sechs Metern und verbindet den Museumspark mit dem Westzeedijk, dem Hoboken-Gebiet und dem Park. Neben seiner Funktion als Ausstellungsort ist die Kunsthal als Eingang und Tor zum Museumspark auch ein Verkehrsknotenpunkt und Treffpunkt für verschiedene öffentliche Verkehrsströme. Der ‚Showcase‘, der die Rampe flankiert, kann von Passanten außerhalb des Gebäudes als Ausstellungsraum betrachtet werden und ist tagsüber Teil der öffentlichen Straße.

Museumspark

Der Museumspark befindet sich auf dem ehemaligen Anwesen der Familie Hoboken, die in der Villa lebte, in der sich heute das Naturhistorische Museum Rotterdam befindet. Der charakteristische Park ist in bescheidenem Maßstab (100 x 400 Meter) und verbindet alle Gebäude rund um den Museumspark miteinander.

Der Teil des Museumsparks zwischen dem Erasmus University Medical Centre und dem Rosengarten wurde von Rem Koolhaas/OMA in enger Zusammenarbeit mit dem französischen Landschaftsarchitekten Yves Brunier (*1962 – +1991) und der Designerin Petra Blaisse entworfen. Der Park hat ein sehr innovatives Design: vier Kammern, jede mit eigenem Layout, Nutzung und Stimmung. Der Platz vor dem Kunsthal blickt auf eine romantische Naturzone mit Bäumen, Wasser, gewundenen Wegen und einer Brücke mit funkelnden Steinen. Die Brücke selbst bietet einen wunderbaren Blick auf die Kunsthal. Im Park befinden sich verschiedene Kunstwerke, sodass der Museumspark auch als Freilichtmuseum dient.

Innovative Materialverwendung

Koolhaas verwendete für das Kunsthal nicht nur teure, klassische Materialien wie Marmor und Parkett, sondern auch billige, „übliche“ Materialien wie Wellblech, blanken Beton, verzinkte Stahlroste und grobe Baumstämme. Jeder Ausstellungsraum hat seinen eigenen Charakter und seine eigene Atmosphäre, Materialverwendung und Format. Tageslicht wird durch verschiedene Schichten gefiltert; der Wechsel von Fenster- und Mattglas bietet überraschende Ausblicke und macht die Kunsthal sehr geeignet für alle Arten von Ausstellungen.

Architektur mit vielen Gesichtern

Das Kunsthal-Gebäude hat viele Gesichter. Insgesamt wirkt es einfach: eine große, flache, quadratische Box mit einem schmalen, hohen Turm als vertikalem Akzent. Dieser Dachturm trägt das charakteristische schwarz-weiße Logo der Kunsthal und bietet zudem Kühlung und Belüftung. Da jede Fassade anders ist und es keine klare Vorder- oder Rückseite gibt, wirkt die Kunsthal manchmal transparent und offen, zu anderen Zeiten introvertiert und geschlossen. Sein Erscheinungsbild ist auf der einen Seite ruhig und klar, während es auf der anderen Seite fragmentiert ist wie eine Collage separater Elemente.

Die verschiedenen Teile des Gebäudes scheinen leicht übereinander gestapelt zu sein, und mehrere Rampen durchqueren die Struktur, sodass eine spiralförmige Route durch das Gebäude entsteht. Die durchgehende Rampe schlängelt sich nach oben und verbindet die verschiedenen Ausstellungsräume.

Charakteristik

Das Gebäude von Koolhaas ist funktional, aber gleichzeitig ein zeitgenössisches Kunstwerk voller Themen, Anspielungen und Spezialeffekte. Daher ist die Bodenplatte unter dem Hauptausstellungsraum auf dem Deich etwas höher als auf Straßenniveau, sodass dieser Teil des Gebäudes zu schweben scheint. Auf dem Dach befindet sich ein leuchtend orangefarbener Stahlträger, der für anderthalb Meter über den Rand des Deckes ragt – als hätte ihn jemand versehentlich dort liegen lassen.

Renovierte Kunsthal

Nach einer intensiven Siebenmonatigen Renovierung wurde die Kunsthal am 1. Februar 2014 wiedereröffnet. Das Ergebnis der von OMA überwachten Renovierung ist ein nachhaltiges Gebäude, das leichter zugänglich und betreibend ist. Der Haupteingang wurde in den Museumspark verlegt. Der einladende Eingangsbereich umfasst das Kunsthalcafé, den Laden und den Schalter für die Eintrittskarten. Das prächtige Auditorium mit mehr als 300 Sitzplätzen wird von der Kunsthal zur Programmgestaltung genutzt, kann aber nun auch separat als Veranstaltungsort gemietet werden. Die Themen der Aktivitäten variieren je nach Ausstellung. Der ehemalige Laden beherbergt nun einen dauerhaften Bildungsbereich, das KunsthalLAB, in dem Schulklassen, Familien und Kinder täglich praktische Aktivitäten ausüben können.

Nähere Informationen: Kunsthal Rotterdam, Museumpark, Westzeedijk 341, 3015 AA Rotterdam, Niederlande, Telefon +31 (0)10 – 4400301, E-Mail: communicatie@kunsthal.nl