Besondere Präsentation von Joseph Beuys-Werken im Kröller-Müller Museum

In einem der Räume des Van-de-Velde-Flügels stehen noch bis zum 11. Januar 2026 zwei Werke von Joseph Beuys (1921–1986) aus der Sammlung des Kröller-Müller Museums in Otterlo im Mittelpunkt. Beuys gehört ohne Zweifel zu den einflussreichsten und politisch engagiertesten Künstlern der deutschen Nachkriegszeit.

Jeder Mensch ist ein Künstler“

Für Joseph Beuys waren Kunst und Leben untrennbar miteinander verbunden. Sein Werk ist voll von persönlicher Symbolik, die sich auf wichtige Lebensereignisse bezieht, die er manchmal auch erfunden hatte. Er nutzte diesen persönlichen Aspekt, um Kunst mit einem sozialen Zweck zu schaffen: dem Streben nach einer Gesellschaft, in der es Raum für Wärme, Zärtlichkeit und Irrationalität gibt, in der jeder Mensch ein Künstler ist.

Gedächtnis

„Die Straßenbahnhaltestelle“ (1976) erinnert an eine Begebenheit aus Beuys‘ Kindheit in Kleve. Die Installation setzt sich aus einer Straßenbahnschiene und Abgüssen des „Eisernen Mannes“ (1653) zusammen. Es handelt sich dabei um ein Denkmal zum Gedenken an den 80-jährigen Krieg zwischen Spanien und den Niederlanden, das 1794 von Napoleons Truppen zerstört wurde. Wenn Beuys nach der Schule neben diesen Überresten saß und auf die Straßenbahn wartete, erlebte er deren geistige Durchschlagskraft. Er erkannte, dass „die ganze Welt von der Konstellation einiger weniger Klumpen Materie abhängt“. Dieser Gedanke legte den Grundstein für seine Auffassung, dass eine Skulptur ein sich ständig verändernder und sozialer Prozess ist.

Beuys schuf diese Installation für den Deutschen Pavillon der Biennale in Venedig. Die Überreste der Installation sind im Kröller-Müller-Museum „abgelegt“: wie begraben.

Isolation

„Filzanzug“ (1970) bezieht sich auf ein weiteres für Beuys lebensveränderndes Ereignis aus dem Zweiten Weltkrieg, das allerdings teilweise von ihm erfunden wurde. Nach dem Absturz seines Kampfflugzeugs auf der Krim im Jahr 1944 verdankte er angeblich sein Leben den Tataren, die ihn in Fett und Filz einwickelten, um seine Körperwärme wiederherzustellen. Mit dieser selbsterfundenen Legende erklärte er die häufige Verwendung von Materialien mit „warmen“ Eigenschaften wie Fett, Filz und Kupfer (Flexibilität, Isolierung, Leitung) in seiner Kunst. Der Filzanzug, der seinem eigenen Kostüm nachempfunden ist, bezieht sich auf die Isolierung oder den Schutz vor dem, was um uns herum passiert.

Nähere Informationen: Kröller-Müller Museum, Houtkampweg 6, 6731 AW Otterlo/Niederlande, E-Mail: info@krollermuller.nl und Telefon: +31(0)318591241. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Ausstellung über erste Dokumentationen von NS-Verbrechen im Deutschen Historischen Museum

Auf welche Weise verarbeiteten die Nachkriegsgesellschaften die Erfahrung von Gewalt und Vernichtung, die der Zweite Weltkrieg und die gewaltsame Besetzung weiter Teile Europas durch das nationalsozialistische Deutschland verursacht hatte? Eine bisher übersehene, aber historisch prägende Form der Auseinandersetzung bildeten Ausstellungen, die unmittelbar nach Kriegsende von 1945 bis 1948 in vielen europäischen Ländern von Institutionen, Gruppierungen und Akteuren ganz unterschiedlicher Herkunft organisiert wurden. In Zeiten sozialer Not, politischer Unsicherheit, anhaltender Gewalt und unklarer Zukunftsperspektiven zielten die Ausstellungen darauf ab, die Auswirkungen des Holocaust und der nationalsozialistischen Verbrechen zu dokumentieren und zu visualisieren.

Das Deutsche Historische Museum zeigt noch bis zum 23. November unter dem Titel „Gewalt ausstellen: Erste Ausstellungen zur NS-Besatzung in Europa 1945 – 1948“ die Geschichte dieses gesamteuropäischen Phänomens anhand früher Ausstellungen in London, Paris, Warschau, Liberec und Bergen-Belsen. Der Fokus richtet sich auf die unterschiedlichen Formen und Inhalte, mit denen die damaligen Ausstellungsmacherinnen und -macher – darunter meist NS-Verfolgte und Holocaust-Überlebende – die Gewaltereignisse, den Widerstand, die Täter und den Verlust des kulturellen Erbes thematisierten. Sichtbar werden zudem die unterschiedlichen Zukunftsvorstellungen, die sich in diesen Ausstellungen niederschlugen.

Ghetto-Glück“: Ein Kilim aus dem Ghetto Łódź – von Dr. Zofia Trębacz

Die Ausstellung enthält viele ungewöhnliche Exponate. Eine ganz besondere Stellung nimmt ein Kilim – eine dekorative, flachgewebte Teppichart – aus dem Ghetto Łódź ein, wie Dr. Zofia Trębacz vom Emanuel-Ringelblum Jüdisches Historisches Institut in Warschau in ihrem Beitrag schildert. In der Ausstellung wird das Objekt dem breiten Publikum zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten zugänglich gemacht.

Wie der Kilim in die Sammlungen des nach Emanuel Ringelblum benannten Jüdischen Historischen Instituts in Warschau gelangt ist, wo er sich heute befindet, weiß man nicht. Die erste erhaltene Information stammt von der Eröffnung des vom Jüdischen Historischen Institut in Warschau gegründeten Museums des Martyriums und Kampfes vom 18. April 1948, als der Kilim in der Begleitausstellung „Martirologye un Kamf / Martyrologia i walka“ (Martyrium und Kampf) gezeigt wurde.

Aufgrund dessen ist davon auszugehen, dass der Kilim aus den Sammlungen der Zentralen Jüdischen Historischen Kommission stammte, die beim Zentralkomitee der Juden in Polen angesiedelt war. Die Historische Kommission entstand im August 1944 in Lublin und wurde im Herbst in die Zentrale Jüdische Historische Kommission umgewandelt[1]. Seit März 1945 befand sich ihr Sitz in Łódź. Wichtigste Aufgabe dieser Institution war die Dokumentation der Verbrechen gegen das jüdische Volk. Sie lieferte auch Material für die Kriegsverbrecherprozesse in Polen und in Nürnberg. Ihre Mitglieder betrieben außerdem wissenschaftliche Forschungen und publizierten u.a. Quellenstudien. Sie sammelten zudem Archivmaterial aus unterschiedlichen Ghettos und Lagern, Akten der Judenräte, der Besatzungsbehörden, Institutionen und Privatpersonen sowie Urkunden ehemaliger jüdischer Gemeinden. Die Kommission besaß Zweigstellen in mehreren Städten. 1947 beschloss das Präsidium des Zentralkomitees der Juden in Polen, die Kommission in das Jüdische Historische Institut mit Sitz an der Tłomackie-Straße 5 in Warschau umzuwandeln, in dem wieder aufgebauten Gebäude des Vorkriegs-Instituts für Judaistik und die Judaistische Hauptbibliothek. Seit 2009 trägt das Institut den Namen von Emanuel Ringelblum – dem Historiker, Aktivisten und Gründer des Geheimen Archivs des Warschauer Ghettos, des sogenannten Ringelblum-Archivs. Er wurde im März 1944 von den Deutschen ermordet[2].

Die Interessen der Mitarbeiter der Zentralen Jüdischen Historischen Kommission waren derart breit gefächert, dass ihre Sammlungen sowohl Dokumente als auch von Juden während des Kriegs angefertigte Objekte unterschiedlicher Art umfassten. Ein bedeutender Teil davon war die Sammlung von Gegenständen, die im ehemaligen Ghetto von Łódź gefunden wurden waren – Gemälde, Skulpturen, aber auch Objekte, die für den zivilen und militärischen Bedarf der Wirtschaft des NS-Staates produziert worden waren. Dazu zählte vermutlich auch der erwähnte Kilim.

Er ist in der Teppichweberei („Teppich-Ressort“) im Ghetto Łódź hergestellt worden. Er hat die Maße 110 cm x 160 cm. Im zentralen Teil zeigt er eine Szene nach einem Motiv entworfen von Józef Kowner: die Gestalten von vier Juden – höchstwahrscheinlich drei Frauen mit Kopftüchern und ein Mann mit Hut – bei der Arbeit, die auf der gepflasterten Straße im Kreis sitzen oder hocken. Der Kilim ist mit Textilstreifen und Stoffresten auf Kettenfäden aus grauen Schnüren gewebt. Das vielfarbige Mittelfeld wird von einem schwarzen, schmalen Rahmen sowie einer breiten grauen Bordüre eingefasst. Die Fransen bestehen aus angeknüpften Schnüren in zwei Farben: Grau und Weiß. Im unteren Teil des Kilims steht die in arabischen und hebräischen Ziffern gewebte Jahreszahl: 1942. Im oberen Teil hingegen findet sich in jiddischer Sprache die ironische Aufschrift: Geto-glikn, „Ghetto-Glück“.

Trotz der extrem schwierigen Lebensbedingungen im Ghetto blieb der Humor oft erhalten. Man mag darin einen Versuch sehen, sich an die widrige Wirklichkeit anzupassen, sich mit ihr zu arrangieren. Dennoch waren die humorvollen Sprüche und Scherze, die man häufig nur versteht, wenn man auch den Kontext ihrer Verwendung kennt, auch für die Chronisten des Ghettolebens etwas Überraschendes und Notierenswertes. In diesem konkreten Fall sind die Worte „Ghetto-Glück“ über einer Illustration, die Juden bei der Arbeit für die deutsche Wirtschaft zeigt, ein ironischer Kommentar zum Schicksal der dargestellten Personen. War doch die Zwangsarbeit für den Feind zugleich die einzige Möglichkeit der Errettung. In der Realität des Ghettos Łódź war die Beschäftigung in einer Fabrik oder Werkstatt das Kriterium, das am ehesten vor dem Transport ins Vernichtungslager bewahren konnte.

Im Ghetto Łódź existierten viele verschiedene Abteilungen und Ressorts, d.h. Fabriken und Werkstätten, die für den Bedarf der deutschen Wirtschaft produzierten. Während des gesamten Bestehens des Ghettos waren dort zwischen 27 und 32 sogenannte Agenden tätig, in denen 13.000–14.000 Arbeiter beschäftigt waren[3]. Mit der Zeit verwandelte sich das Ghetto Łódź in eine Art Arbeitslager. Das kam in der Maxime des Leiters der Jüdischen Verwaltung, Mordechaj Chaim Rumkowski, zum Ausdruck: „Unser einziger Weg ist die Arbeit“. Die bereits 1940 begonnene Strategie wurde in den folgenden Jahren weiterentwickelt. Die im Ghetto Łódź funktionierenden Ressorts setzten in der Praxis die Idee des Überlebens durch Arbeit um – indem sie für die deutsche Wirtschaft produzierten, sollten sie die Nützlichkeit der Jüdinnen und Juden unter Beweis stellen. Beschäftigung fanden darin auch Künstler*innen die Jubiläums-Alben herstellten, die die Arbeit der Ressorts propagandaartig im besten Licht präsentierten. Eines von ihnen war das Gedenkalbum des Teppichressorts, das von Szyja (Jehoszua) Klugmann geleitet wurde. Das Objekt hat den Krieg überdauert und ist Teil der Sammlungen des Jüdischen Historischen Instituts. Es stellt die Entstehungsgeschichte und die Arbeit des Instituts von Juni 1941 bis Oktober 1943 dar und zeigt Muster von Wandteppichen, die auf der vom Ressort im Ghetto Łódź organisierten Ausstellung am 26. Dezember 1942 gezeigt worden waren.

Einer der in der Werkstatt beschäftigten Künstler war Józef Kowner (1895–1967), der schon in der Vorkriegszeit als Maler bekannt gewesen war. Im Ghetto Łódź galt er als „reifer Künstler mit individuellem Stil[4]. Seine Wohnung war Treffpunkt von Maler*innen, Schriftsteller*innen, Schauspieler*innen und Musiker*innen. Kowners Gemälde aus jener Zeit zeichnen sich durch eine ungewöhnlich lebhafte Farbgebung aus. Auf verblüffend farbige Weise stellt er Szenen aus dem Leben des geschlossenen Viertels dar – vor allem die Ghettostraße und die Arbeit. Ein großer Teil seiner Werke hat den Krieg überdauert, einige davon haben den Weg in die Sammlungen des Jüdischen Historischen Instituts gefunden.

Die wachsende Zahl der Bestellungen und die minimalen Arbeitskosten waren für die Deutschen eine Zeit lang Grund genug, das Ghetto Łódź bestehen zu lassen. Dennoch erwies sich die Vorstellung, durch Arbeit überleben zu können, angesichts der Vernichtungspläne als Illusion.

Der Beschluss zur endgültigen Liquidierung des Ghettos Łódź fiel im Frühjahr 1944. Zu der Zeit hielten sich in ihm fast 77.000 Juden auf. Im August 1944 setzten die Deportationen in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ein. Mit einem der letzten Transporte verließen Rumkowski und seine engsten Familienangehörigen das Ghetto Łódź.

Vom Ghetto Łódź sind ungewöhnlich vielfältige Dokumente erhalten. Sie stammen vor allem aus der jüdischen und der deutschen Verwaltung und beinhalten zudem zahlreiche persönliche Papiere und Fotografien. Erhalten ist auch eine reiche Kollektion von Bildern und Objekten des Kunsthandwerks, die in die Sammlungen des Jüdischen Historischen Instituts aufgenommen wurde. Hierzu gehört auch der hier thematisierte Kilim.

In den Sammlungen dieser Institution befinden sich auch zwei andere Objekte von ähnlichem Charakter. Das eine ist ein ebenfalls in der Teppich-Ressort hergestellter Kilim für Aron Jakubowicz, den Leiter des Zentralbüros der Ressorts. Auf grauem Hintergrund steht in rosa-schwarzer Schrift auf Jiddisch: „An das Zentralbüro der Arbeitsressorts. Herrn Aron Jakubowicz. Wir melden, dass wir im Zeitraum 1.07[.]–31.12.1941 11.138 m² Teppiche hergestellt und 49.920 kg Abfälle verarbeitet haben. Der Leiter des Teppich-Ressorts Jehoszua Klugman.“Die blaue Bordüre weist einen schmalen rosafarben en Innenstreifen auf. Die untere Seite wurde mit Fransen versehen.

Bei dem anderen Objekt handelt es sich um einen Wandbehang, der am selben Ort produziert wurde. Der obere Rand ist mit einem Streifen aus rotem Stoff benäht, der untere mit grau-roten Fransen abgeschlossen. Mit roter Strickwolle ist auf grauem Grund die jiddische Aufschrift gestickt: „Der Vorsitzende M. Ch. Rumkowski ist ein Symbol für jüdischen Geist und Schaffenskraft“.

Der heutige Blick auf den in Frage stehenden Kilim aus dem Ghetto Łódź unterscheidet sich erheblich von dem, was vermutlich den Ausstellungsmachern von 1948 vorschwebte. Damals wurde er als Ausdruck der Repressionen und der Leiden der Juden unter deutscher Besatzung präsentiert. Heute haben wir auch einen Blick für seinen künstlerischen Wert. Wir sehen ihn unter anderem als Beispiel dafür, wie die jüdische Verwaltung sich bemühte, die Schaffenden zu unterstützen, weil sie in ihnen wichtige Vertreter der Gesamtgesellschaft sah. Zugleich erzählt das vom Urheber gewählte Sujet des Kilims in seiner Art auch von den unmenschlichen Arbeitsbedingungen im Ghetto Łódź. Es ermöglicht uns so einen nuancierteren Blick, vertieft unser Wissen, unsere Empfindsamkeit, und zwingt zur Reflexion.

Literatur:

[1] Näheres vgl. Agnieszka Haska, „‚Festhalten und verewigen‘: Die Tätigkeit der Zentralen Jüdischen Historischen Kommission“, in: Raphael Gross und Agata Pietrasik (Hrsg.), Gewalt ausstellen: Erste Ausstellungen zur NS-Besatzung in Europa, 1945–1948, Berlin 2025, S. 162–171.

[2] Näheres vgl. Samuel D. Kassow, Ringelblums Vermächtnis. Das geheime Archiv des Warschauer Ghettos, Reinbek 2010.

[3] Julian Baranowski, Łódzkie getto 1940–1944/The Łódź Ghetto 1940–1944: Vademecum, Łódź 2009, S. 43.

[4] Jakub Bendkowski, „Józef Kowner. Malarz getta łódzkiego“ in: Jakub Bendkowski und Zofia Trębacz (Hrsg.), Uchwycić getto. Codzienność getta łódzkiego oczami artystów, Warschau 2025, S. 151.

Nähere Informationen: Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, E-Mail: info@dhm.de. Das Museum ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Ausstellung über den Bentheimer Grenzlandausschuss im Stadtmuseum Nordhorn

Als Reparationsforderungen für die im Zweiten Weltkrieg entstandenen Schäden und Verluste forderten die Niederlande 1946 die Abtretung von Gebieten entlang der westdeutschen Grenze. Betroffen waren 18 Landkreise in einer Linie von Borkum bis nach Aachen. Eines der größten Gebiete stellte dabei die Niedergrafschaft dar. Diese Pläne waren auch der Anschub für den Emslandplan, der am 5. Mai 1950 vom Bundestag beschlossen wurde.

Vor diesem historischen Hintergrund wurde am 12. Februar 1947 der Bentheimer Grenzlandausschuß gegründet, als sich in Bentheim die Regierungspräsidenten und die sechzehn Landräte der von den niederländischen Gebietsansprüchen betroffenen Kreise im deutsch-niederländischen Grenzgebiet versammelten und Protest gegen jegliche Abtretung deutschen Territoriums an die Niederlande erhoben. Den Vorsitz führte der Landrat des Landkreises Grafschaft Bentheim, Dr. Rudolf Beckmann.
Der Ausschuß nahm in Form eines Gutachtens Stellung zu Gebietsansprüchen und zu wirtschaftlichen und wasserwirtschaftlichen Forderungen der Niederlande, unter anderem die Forderung von Kohle-, Kali- und Ölkonzessionen sowie nach Beschränkung der Ein- und Ausfuhr in deutschen Seehäfen. Ein Aufgabenschwerpunkt war die Beratung und rechtliche Vertretung von deutschen Landwirten, deren Grundstücke (sogenannte Traktatgrundstücke) auf niederländischem Territorium aufgrund des Pariser Reparationsabkommens vom 14. Januar 1946 in den Niederlanden beschlagnahmt worden waren. Seit 1952 verhandelten die Bundesrepublik Deutschland und die Niederlande über die Rückgabe der Traktatgebiete. Zu diesem Zweck wurde eine deutsch-niederländische Studienkommission eingesetzt, der auch Vertreter des Bentheimer Grenzlandausschusses angehörten. Die Verhandlungen endeten mit dem deutsch-niederländischen Ausgleichsvertrag vom 8. April 1960, der die Rückgabe der 1949 unter niederländische Verwaltung gestellten Grundstücke an die Bundesrepublik Deutschland und den Verlauf der gemeinsamen Grenze regelte. Die offizielle Auflösung des Bentheimer Grenzlandausschusses erfolgte am 12. Februar 1964.

Die Tätigkeiten, Organisation und Wirkung dieses Gremiums, das sich als „Demokratie von der Basis aus“ verstand, stehen im Mittelpunkt der neuen Sonderausstellung im Stadtmuseum Nordhorn im NINO-Hochbau an der NINO-Allee. Die offizielle Eröffnung erfolgt am Sonntag, 28. September, 11.30 Uhr. Die Begrüßung der Gäste wird von Dr. Werner Rohr, Vorsitzender des Grafschafter Museumsvereins, vorgenommen. Das Grußwort wird von Uwe Fietzek, Landrat der Grafschaft Bentheim, gehalten, die Eröffnungsrede von Nadine Höppner, Museumsleiterin. Die Ausstellung ist bis zum 8. März 2026 zu sehen.

Zum Stadtmuseum Nordhorn

Das Stadtmuseum Nordhorn zeigt im 1. Obergeschoss im NINO-Hochbau auf einer Fläche von mehr als 1200 Quadratmetern die große Textil- und Modegeschichte Nordhorns. Über 100 Jahre lang galt der Satz „Nordhorn hängt am Baumwollfaden“. Zu Beginn der 1960-er Jahre zählten die großen Textilbetriebe der Stadt – NINO, Povel und Rawe – noch fast 12.000 Mitarbeiter, die Jahr für Jahr Millionen Meter Stoff produzierten. Eine Zeit, in der insbesondere das Unternehmen NINO in die „Champions League“ der europäischen Textilindustrie aufstieg. Wie viele andere in Westeuropa ansässige Textilfabriken mussten auch NINO, Povel und Rawe den Verwerfungen der in den 1970-er Jahren einsetzenden Globalisierung Tribut zollen. Im Sommer 2001 stellte mit Rawe die letzte der einst „Großen Drei“ Nordhorner Textilfabriken die Produktion ein. Die Grafschafter Textil- und Bekleidungsindustrie stellte sich neu auf – von Stoff- und Zutatenhändlern über die Mode- und Arbeitskleidung bis hin zur Qualitätssicherung zeigt das Stadtmuseum auch die Textilwelt in der Grafschaft Bentheim heute.

In der Dauerausstellung im NINO-Hochbau präsentiert das Museum zahlreiche Fotografien, Film- und Fernsehreportagen, Betriebszeitschriften, Gemälde, Arbeitsurkunden und Objekte rund um die Grafschafter Textilindustrie. Die Exponate verbinden sich zu einem umfassenden Einblick in die Arbeitswelt der Industriegeschichte Nordhorns. Einzigartiger Bestandteil der Ausstellung sind dabei die Einblicke in die bundesweit einzigartige Sammlung von Industrie- und Modefotografien, unter anderem mit Aufnahmen der Fotografen Rudolf Bulla, Charles Compére, Otto Steinert, Ferdinand Tesch, Alfred Tritschler oder Dr. Paul Wolff.

Stichwort: Textilkultur


Die Dauerausstellung des Stadtmuseums ist eine Hommage an die Mode- und Werbewelt der Nordhorner Textilindustrie. Eine ständig wechselnde Auswahl aus den mehr als 100.000 Fotografien der Museumssammlung, Modezeitschriften, Original-Kleidungsstücken aus NINO-, Povel- und Rawe-Stoffen, Hunderte von Musterbüchern und Mustercoupons, Kollektionskataloge und Werbeartikeln aus der NINO-, Povel- und Rawe-Historie vereinen sich zu einer Zeitreise durch die von den Nordhorner Textilern inspirierte Modewelt der Nachkriegsjahrzehnte.

Ein großer Teil der ausgestellten Modefotografien entstand im Zuge der zwischen 1950 und 1990 mit Millionenaufwand in Szene gesetzten Markenwerbung für Kleidung aus NINO-Stoffen wie der berühmten „NINO-Flex-Mantel“. Modereportagen illustrierten weltweit in Zeitschriften wie „Vogue“, „Stern“, „Brigitte“, „Petra“, „Film und Frau“ oder auch der 60er-Kultzeitschrift „TWEN“. Zu entdecken gibt es Bilder von Fotografen-Legenden wie Helmut Newton, F.C. Gundlach, Guy Bourdin, Frank Horvat, Hans-Günther Kaufmann, Charlotte March, Christa Peters, Rico Puhlmann oder Regina Relang. Themeninseln erzählen zudem die Geschichte der Zusammenarbeit von NINO mit berühmten Desigern wie Karl Lagerfeld, Daniel Hechter oder Heinz Oestergaard.

Zur Abrundung der Zeitreise durch die Textil- und Modewelt lädt das Stadtmuseum jeden ein, im „Dressing Room“ historische Kleidung selbst auszuprobieren.

Nähere Informationen: Stadtmuseum im NINO-Hochbau, NINO-Allee 11, 1. Obergeschoss links, 48529 Nordhorn, Telefon: 05921 721500, E-Mail: kontakt@stadtmuseum-nordhorn.de, Internet: www.stadtmuseum-nordhorn.de. Das Museum ist dienstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 uhr geöffnet.

Quellen: Deutsche Digitale Bibliothek / Bundesarchiv, Internetseite des Stadtmuseums Nordhorn

Ausstellung „Von der neoexpressionistischen Eruption zum Drip Painting“ im Haus Westerhoff

Die „GIGs & Goods Galerie“ lädt noch bis zum 18. Oktober zur spannungsreichen Ausstellung „Von der neoexpressionistischen Eruption zum Drip Painting“ im Haus Westerhoff an der Heerestraße 1 in Bad Bentheim ein.

Diese Ausstellung bietet einen Blick auf die Vielfalt und die kreative Bandbreite der Werke, die von Künstlerinnen und Künstlern der Galerie geschaffen wurden. Mit einer sorgfältig kuratierten Auswahl von Gemälden wird das breite Spektrum an Ausdrucksformen und Techniken gezeigt, dass die Künstler:innen der Galerie repräsentieren.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der spannende Bogen von den intensiven, leidenschaftlichen Gesten des Neoexpressionismus (Neue Wilde) bis hin zu den fließenden, meditativen Techniken des Drip Paintings, die eine neue Form der Abstraktion in der Kunstgeschichte markieren und insbesondere durch Jackson Pollock bekannt wurde und hier neu interpretiert werden. Die Besucher können in eine Welt eintauchen, die sich sowohl durch emotionale Tiefe als auch durch innovative Kreativität auszeichnet – Werke, die zum Nachdenken anregen und Raum für individuelle Interpretationen lassen.

Ziel dieser Ausstellung ist es nicht nur, die künstlerische Vielfalt der „GIGs & Goods Galerie“ zu zeigen, sondern auch die hohe Leistungsfähigkeit der Artothek und die Inklusionsarbeit, die hinter dieser Plattform für Kunst und Kultur stehen. Die Galerie ist ein inklusives Arbeitsprojekt der Grafschafter Inklusions Gesellschaft (GIG) und vereint ehrenamtliche und kunstinteressierte Kräfte, die in einem kreativen Miteinander Kunst für alle zugänglich machen. Damit wird nicht nur die künstlerische Schaffenskraft der Galerie präsentiert, sondern auch die wertvolle soziale Dimension des Projekts, das sich für die Integration von Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Fähigkeiten einsetzt.

Mit dieser Ausstellung gibt die „GIGs & Goods Galerie“ einen eindrucksvollen Einblick in die Synergien zwischen Kunst, Inklusion und gesellschaftlicher Verantwortung. Es ist eine Einladung, Kunst in ihrer ganzen Vielfalt und Tiefe zu erleben und dabei auch den Menschen hinter den Werken einen Platz zu geben.

Zu sehen sind Werke von Ilse Kampen, Stephan Hausmeister, Motek (Udo Hammer) und Manfred Flucht.

Die Ausstellung ist Samstag und Sonntag jeweils von 14.30 bis 18 Uhr geöffnet.

Zum Haus Westerhoff

Kaum ein Ausstellungsort in Bad Bentheim strahlt so viel Charme aus wie das Haus Westerhoff.Das alte Ackerbürgerhaus wurde im Jahre 1656 als Fachwerkbau in traditioneller Ankerbalkenzimmerung mit seinen kleinen Räumen und der großen Diele errichtet. Es ist nach seinem letzten Bewohner, einem Schuhmacher, benannt.

Heute gehört es der Stadt Bad Bentheim und wird seit vielen Jahren für Workshops (Kunsthandwerk) und Wechselausstellungen genutzt. Das ganze Jahr hindurch haben verschiedene Künstlerinnen und Künstler die Möglichkeit, in Einzel- oder Gruppenausstellungen ihre Werke zu präsentieren.

„Nehmen Sie Platz auf Vincents Cafeterrasse!“

Kröller-Müller Museum lädt zu zwei besonderen Aktionen ein


Zum ersten Mal seit 20 Jahren ist der Vincent van Gogh-Klassiker „Terrace of a Café at Night“ auf Tournee; sie findet in Japan statt, wo es bis September 2026 in Kobe, Fukushima und Tokio ausgestellt wird. Obwohl es in dieser Zeit nicht im Kröller-Müller Museum in Otterlo/NL zu sehen sein wird, kann das Publikum das Gemälde hier auf eine ganz andere Art und Weise erleben. In einem Raum, der speziell für die „Terrasse eines Cafés bei Nacht“ konzipiert wurde, können die Besucherinnen und Besucher auf dem „Place du Forum“ Platz nehmen und sich in Van Goghs Gemälde fotografieren.

Ihre Version der „Terrasse eines Cafés“ im Museum?

Im Rahmen dieser Tournee hat sich das Kröller-Müller Museum noch etwas Besonderes einfallen lassen: „Lassen auch Sie sich von unzähligen kreativen Interpretationen der „Terrasse eines Cafés bei Nacht“ inspirieren: von Gemälden, Stickereien und Kleidung bis hin zu Lego-Modellen. Haben Sie Ihre eigene Version des Gemäldes erstellt? Oder lassen Sie sich von den Fotos und Videos inspirieren, die Sie im Museum sehen? Dann senden Sie uns Ihre Arbeit! Senden Sie Ihre Version von „Terrace of a Café at Night“ per E-Mail an vangogh@krollermuller.nl. Eine Auswahl der Einreichungen werden wir in den Vortrag einfließen lassen. So können Sie Ihre Arbeiten vielleicht sogar im Museum sehen. Neugierig oder auf der Suche nach Inspiration? Sehen Sie sich das Video auf der Internetseite an“, heißt es dazu vonseiten des Museums.

Das Kröller-Müller-Museum ist dienstags bis sonntags von10 bis 17 Uhr geöffnet.

Nähere Informationen: erfolgen unter der Telefonnummer (0031) 0318 591241, im Internet auf www.kmm.nl und per Email unter info@kmm.nl

Eine Zeitreise durch die Kunstgeschichte im Museum Groningen

In der neuen Sammlungspräsentation „It’s About Time“, die noch bis zum 10. Mai 2026 im Museum Groningen zu sehen ist, werden die Grenzen linearer Zeit durchbrochen. Normalerweise stellen wir uns Zeit und Geschichte als gerade Linie vor, aber was passiert, wenn wir kreuz und quer hindurchgehen? Oder in Kreisen? Sieben Säle voller Kunstwerke aus der eigenen Sammlung laden zu einer persönlichen Entdeckungsreise durch die verschiedenen Gesichter der Zeit ein.

Verschiedene Kuratoren des Groninger Museums haben die Freiheit erhalten, als Zeitreisende durch die Sammlung zu wandeln und ihre eigene Geschichte zu erzählen. Jeder Saal beleuchtet so die einzigartige Sammlung aus einer persönlichen Perspektive, wobei Themen wie Natur, Machtlosigkeit und Vergänglichkeit den Ton angeben – sowohl bei jahrhundertealten als auch bei zeitgenössische Kunstwerken.

„It’s About Time“kommt zu einem besonderen Moment: einer Übergangszeit, in der sich das Groninger Museum auf einen neuen künstlerischen Kurs unter der Leitung von Kunstdirektorin Roos Gortzak vorbereitet. Sie hat gemeinsam mit den Kuratoren hier und da Akzente verschoben und einen zusätzlichen Saal mit Werken von David Lamelas (siehe unten) und Bas Jan Ader (siehe anderen Artikel auf dieser Seite) hinzugefügt – Künstler, deren Werk perfekt sowohl zum Zeitkonzept als auch zur Museumssammlung passt.

Zeit gemeinsam erleben

Gemeinsam können die Besucherinnen und Besucher an David Lamelas‘ Performance „Time“ aus dem Jahr 1970 teilnehmen. Anhand der Anweisungen des Künstlers Lamelas erfahren sie, dass Zeit mehr ist als eine Uhr oder ein Kalender: Es ist etwas, was wir gemeinsam erleben, weitergeben und gestalten. „Was auch immer unser kultureller Hintergrund, unsere Hautfarbe, unser Geschlecht, unsere Religion oder andere Merkmale sein mögen, wir teilen die Gegenwart. In Zeiten zunehmender Polarisierung ist eine solche verbindende Erfahrung dringend nötig“, heißt es dazu vonseiten des Museums.

Zu David Lamela

David Lamelas(* 1946 in Buenos Aires, Argentinien) ist ein argentinischer Bildhauer, Konzeptkünstler, Fotograf und experimenteller Filmemacher. Er gilt als einer der Pioniere der Konzeptkunst der 1960-er und 1970-er Jahre.

Leben und Werk

David Lamelas absolvierte in Argentinien eine Ausbildung als Bildhauer. Im Jahr 1968 erreichte er internationale Bekanntheit, als er Argentinien auf der Biennale von Venedig mit dem Werk „Office of Information about the Vietnam War on Three Levels: The Visual Image, Text and Audio“ vertrat. Über Antwerpen zog es Lamelas nach London. Er studierte dort, mit einem Stipendium für Skulptur ausgestattet, an der St. Martins School of Art. Er begann dort auch mit Fotografien und Textmaterial zu arbeiten, um für sich den Begriff der Skulptur auszuweiten. Gleichzeitig begann er Filme zu drehen. Das Hauptinteresse seines künstlerischen Schaffens wurde die Beschäftigung mit Zeit, Raum und Sprache. In den 1970-er Jahren lebte und arbeitete David Lamelas abwechselnd in Europa und Amerika.

David Lamelas wurde zu einem der Pioniere der Konzeptkunst der 1960-er und 1970-er Jahre. Er produzierte ein umfassendes Werk von Filmen und Videos. Er arbeitete häufig ohne Schnitte und Montage, um eine fortlaufende, erzählerische und ungeschnittene Dokumentation im Film zu erzeugen.

Im Jahr 1969 begann er eine experimentelle Filmreihe in Düsseldorf zu drehen. Bei dieser Filmreihe „Time as Acitivity“ filmte er an drei verschiedenen Orten in der Stadt das Alltagsgeschehen mit einer fixierten Kamera. Die Filme überließen gänzlich dem Zuschauer, was dieser mit dem gefilmten assoziierte. Das Filmprojekt führte Lamelas über mehr als vier Jahrzehnte fort, mit weiteren Drehorten neben Düsseldorf in Berlin, Los Angeles, Warschau und New York City.

Im Jahr 1972 war er mit dem 16-mm-Film „Cumulative Script“ Teilnehmer der „documenta 5“ in in Kassel in der Abteilung Individuelle Mythologien: Film.

David Lamelas Kunst beschäftigt sich mit dem Umgang mit Zeit und Raum. In seinen Projekten, die aus Filmen, Fotografien, Installationen und „Interventionen“ bestehen beschäftigt er sich mit der Frage nach den Grenzen der Zeitlichkeit von Kunst und ihren Möglichkeiten zur Erzeugung alternativer Kommunikations- und Erkenntnisprozesse. Er nimmt seit Ende der 1960-er Jahre an bedeutenden Ausstellungen und Projekten als Einzelkünstler oder an Gruppenausstellungen weltweit teil. 2017 nahm er an der „documenta 14“ teil.

Lamelas lebt und arbeitet in Buenos Aires, Paris und New York City.

Nähere Informationen: Groninger Museum, Museumeiland 1, 9711 ME Groningen, Niederlande, Telefon +31 503666555, E-Mail: info@groningermuseum.nl. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

„Grand Stairwell Installation“ dauerhaft im Museum Groningen

Die „Grand Stairwell Installation“ des US-amerikanischen Künstlers Dave Chiuly umfasst 70 rote, gelbe und orangefarbene Glasformen, so genannte „Persians“. Sie bedecken die drei zwölf Meter hohen Wände des Treppenhauses im Museum Groningen. Die Installation ist auf allen Etagen und von der Treppe aus zu sehen. Viele Besucherinnen und Besucher wünschten sich schon während der Chihuly-Ausstellung 2018/19, dass das Kunstwerk im Museum bleiben sollte. Das Groninger Museum ist hocherfreut, genügend Unterstützung vonseiten mehrerer Sponsoren gefunden zu haben, um diesen Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen.

Zur Geschichte der Zusammenarbeit

Im Winter 2018/19 zeigte das Groninger Museum Dale Chihulys bis dato größte Einzelschau in Europa. Von der überregionalen Tageszeitung NRC als „mutig“ betitelt, hatte die Ausstellung ungeahnten Erfolg und zog 156.000 begeisterte Besucher an. Eines der Highlights war die große Installation, die Chihuly für das Treppenhaus entwarf.

Zur Installation von Dale Chiuly im Museum

Chihuly ist sich der Kraft der Architektur bewusst und er weiß, wie jede Linie, jeder Farbton, jede Form und jeder Raum für den Gesamteindruck einer Installation eine Rolle spielt. Niemals zuvor wurde das Treppenhaus des Museums so überzeugend ausgefüllt. Das Groninger Museum nennt viele technisch anspruchsvolle, raumgreifende Werke sein Eigen, in denen Künstler die Grenzen ihres Berufes vollends ausloten. Die „Grand Stairwell Installation“ reiht sich in diese Tradition ein und wird permanent zu sehen sein. Sie fügt sich bestens in die Neon-Installation von François Morellet in der Eingangshalle und die Einrichtungen von Studio Job, Jaime Hayon und Maarten Baas.

Persians

Wie viele seiner Arbeiten sind Chihulys „Persians“ das Ergebnis seiner künstlerischen Erkundung von Form und Farbe. Während das asymmetrische Aussehen der einzelnen Objekte an Urformen erinnert, verschmelzen sie zu einem geheimnisvoll-verzaubernden Ganzen. Man findet die „Persians“ in vielen seiner spektakulären Kompositionen. Zunächst wurden sie auf Sockeln präsentiert, haben sich aber später zu großen Installationen an Decken und Wänden weiterentwickelt und wurden zu „Chandeliers“ und „Towers“ zusammengefügt.

Zu Dave Chiuly

Der US-amerikanische Künstler Dale Chihuly revolutionierte die Studioglaskunst und hob sie auf ein neues Level. Weltweit wird er für seine Installationen gerühmt, die in historischen Stadtensembles, Museen und Gärten zu bewundern sind. Chihuly arbeitet mit unterschiedlichen Materialien, darunter Glas, Farbe, Holzkohle, Neon, Eis und Polyvitro, um seine kreativen Visionen zu verwirklichen. Chihulys Werke befinden sich in über 200 Museumssammlungen weltweit, unter anderem dem Metropolitan Museum of Art, dem Smithsonian American Art Museum und dem Corning Museum of Glass. Zu seinen wegweisenden Ausstellungen gehören „Chihuly Over Venice (1995-96)“ und „Chihuly in the Light of Jerusalem (1999)“. Seine Präsentationen waren unter anderem im de Young Museum in San Francisco (2008), im Museum of Fine Arts, Boston (2011), im Virginia Museum of Fine Arts, Richmond (2012), im Montreal Museum of Fine Arts, (2013), im Royal Ontario Museum, Toronto, (2016), im Crystal Bridges Museum of American Art, Bentonville, Arkansas (2017), im Groninger Museum, (2018), und im Royal Botanic Gardens, Kew in London (2019) zu sehen. Die Dauerschau „Chihuly Garden and Glass“ im Seattle Center wurde 2012 eröffnet.

Dale Chihuly über die „Grand Stairwell Installation“:

„Meine Einzelausstellung im Groninger Museum war eine große Ehre. Es war nicht nur meine bisher größte Ausstellung in einem europäischen Museum, in der ich meine Arbeit einem ganz neuen Publikum vorstellen konnte, auch die Ästhetik des Museums selbst war unheimlich inspirierend. Ich mag seine farbenfrohen, interessanten Räume – das Ergebnis der architektonischen Zusammenarbeit unter der Leitung von Alessandro Mendini – und es freut mich sehr, dass meine Grand Stairwell Installation eine dauerhafte Bleibe in diesem wunderbaren Haus gefunden hat.“

Nähere Informationen: Groninger Museum, Museumeiland 1, 9711 ME Groningen, Niederlande, Telefon +31 503666555, E-Mail: info@groningermuseum.nl. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Mikrokosmos – Die Welt in einer Wunderkammer

Ein ausgestopfter mechanischer Bär, der Tricks ausführt, ein mysteriöser Dodo-Knochen, anatomische Modelle und wunderschöne Nautilus-Tassen – die Ausstellung „Mikrokosmos – Die Welt in einer Wunderkammer“, die noch bis zum 1. März 2026 im Drents Museum in Assen/NL zu sehen ist, versammelt klassische Wunderkammer-Objekte, zeitgenössische Raritäten und Bildende Kunst – ein visuelles Spektakel, in dem die Magie des Sammelns zum Leben erweckt wird. Gleichzeitig ist es auch die Abschiedsausstellung von Generaldirektor Harry Tupan, der für diese große Wunderkammer-Retrospektive alle Register gezogen hat.

An dem Projekt arbeiteten unter anderem der Tätowierer Henk Schiffmacher, der Entdecker Redmond O’Hanlon, der Schriftsteller und Schauspieler Ramsey Nasr und der Biologe Midas Dekkers mit. In Zusammenarbeit mit dem Teylers Museum werden auch Objekte aus der Sammlung des des Fernsehmachers und Bibliophilen Boudewijn Büch (1948 – 2002) präsentiert.

Als Ausstellungsmacher hat Stupan Stadt und Land auf der Suche nach klassischen Wunderkammer-Objekten durchkämmt. Er entführt den Besucher in ein großes Gesamtkunstwerk, in dem die skurrilsten Kuriositäten neben besonderen zeitgenössischen Kunstwerken präsentiert werden – eine Ode an eine Welt, in der Wunder, Schönheit und Neugier im Mittelpunkt standen.

Die Ausstellung beleuchtet aber auch die Schattenseiten des Sammelns. Für die Besitzer war ein Kuriositätenkabinett ein Statussymbol, ein Zeichen der Intelligenz und des Wissens über die Welt. Die Objekte galten als exotisch und wurden nicht immer fair erworben.

In seiner Ausstellung zeigt Tupan Objekte aus der Sammlung des Drents-Museums, Leihgaben aus verschiedenen Museen wie dem Rijksmuseum und dem Naturalienkabinett Waldenburg sowie eine Vielzahl von Objekten aus Privatsammlungen.

Eigens für diese Ausstellung geben namhafte Sammler, mit denen Tupan eine besondere Verbindung hat, einen Einblick in ihre persönliche Wunderkammer-Sammlung.

Zeitgenössische Kunst

21 zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler reflektieren das Thema Wunderkammer auf ihre je eigene Weise. In der Ausstellung werden klassische Wunderkammer-Objekte wie Nautilustassen, Stofftiere und anatomische Modelle mit Bildender Kunst kombiniert. Künstler wie Daan Brouwer, Mark Dion und Dana Meyer lassen sich von Wunderkammern aus früheren Jahrhunderten inspirieren; und Carolein Smit bedient sich einer Bildsprache, die an Wunderkammern erinnert.

Jeroen Kuster erschafft nicht existierende biologische Arten und erfundene Sammlungen von Pflanzen und Tieren. Schädeln, Muscheln und Skelette sind im Werk von Clary Mastenbroek zu sehen. Roos Hollemann interessiert sich für Haut, Haare, Fell und Federn.

Somit zeigt die Ausstellung auch das Schaffen von Künstlern, die zum Nachdenken über das Sammeln und die Faszination für besondere Dinge – entweder von der Natur oder aus Menschenhand gemacht – anregen.

Zur Geschichte der Wunderkammern

Eigens angefertigten Kabinette oder Kabinette mit Kunstgegenständen und wundersamen Phänomenen aus dem vierzehnten Jahrhundert können als Vorläufer eines Museums angesehen werden.

In einem Schrank, einem Zimmer oder einer Palasthalle sammelten wohlhabende Menschen sowohl natürliche Gegenstände wie Muscheln, Steine und Stofftiere als auch von Menschenhand geschaffene Dinge. Das gilt auch für die Ausstellung: Gezeigt wird ein Mix aus originalen Wunderkammer-Objekten unterschiedlichster Art, thematisch unterteilt in die Sammlungsbereiche naturalia, artificialia, exotica und scientifica. In der Ausstellung treten die Besucherinnen und Besucher von einer wunderbaren Welt in die andere, jede mit ihrer eigenen erstaunlichen Atmosphäre.

Nähere Informationen: Drents Museum, Brink 1, 9401 HS Assen, Telefon 0592 377773, E-Mail: info@drentsmuseum.nl, Internet: www.drentsmuseum.nl. Geöffnet ist das Museum in der von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr.