In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden und manches mehr aus der Welt der Kunst. Hier ein kleiner Ausschnitt:
Die Familie hinter Vincent van Goghs Weltruhm – Vom Emma Falconer
Vincent van Gogh ist zweifellos einer der berühmtesten Künstler der Welt. Zu seinen Lebzeiten gab es keine breite Anerkennung und seine Gemälde wurden kaum gewürdigt. In „Vincents Weg zum Weltberühmtsein“ zeigt das Van-Gogh-Museum, wie seine Familie eine entscheidende Rolle bei seinem posthumen Erfolg spielte. Die Sommerausstellung ist eine zugängliche Einführung in das Museum und seine Geschichte. Frühere Versionen wurden 2023 und 2025 unter dem Titel ‚Choosing Vincent‘ gezeigt; Die Präsentation wird diesen Sommer zum letzten Mal gezeigt.
Es ist allgemein bekannt, dass Vincents Bruder Theo van Gogh (1857–1891) von unentbehrlicher Bedeutung für seine Karriere war. Theo versorgte ihn mit den Grundbedürfnissen und Malmaterial, damit Vincent weiterarbeiten konnte. Das zeigt sich auch in dieser Ausstellung. Die Galerietexte über Theo erklären seine Karriere als Kunsthändler und seinen Einfluss auf seinen älteren Bruder. Und die Zeitleiste auf dem Flurboden vermittelt auch einen guten Eindruck von Theos jahrelanger Beteiligung.
Öffentlicher Zugang
Aber Vincents Schwägerin, Jo van Gogh-Bonger (1862–1925), war vielleicht die wichtigste Figur auf Vincents Weg zum Weltberühmtsein. Theo starb etwa sechs Monate nach Vincent. Danach war es Jo, die die große Sammlung von Kunstwerken verwaltete. Aus den Briefen geht klar hervor, dass Jo alles getan hat, um Vincents Kunst auszustellen, strategisch zu verkaufen und seinen Ruf aufzubauen. Ein Plakat für die große Einzelausstellung, die Jo 1905 organisierte, zeigt, wie gezielt sie nach Vincents Tod an seinem Ruf arbeitete.
Theos und Jos Sohn war noch kein Jahr alt, als sein Onkel starb, aber auch sein Beitrag zu Vincents Ruhm ist wichtig. Cousin Vincent Willem van Gogh (1890–1978), bekannt als ‚der Ingenieur‘, gründete 1960 die Vincent-van-Gogh-Stiftung, um die Sammlung zusammenzuhalten. Später war er eng an der Gründung des Van-Gogh-Museums beteiligt. Dabei sorgte er dafür, dass die Werke sicher erhalten und einem großen Publikum zugänglich gemacht wurden.
Mandelblüte
Die Ausstellung bietet nicht nur einen guten Überblick über Vincents schwierige Karriere und seinen intensiven Kontakt zu seinem Bruder und seiner Schwägerin, sondern auch über die Bemühungen, die Familie unternahm, seinem Vermächtnis die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Die gigantische Ausstellung, die Jo van Gogh-Bonger organisierte und in der nicht weniger als 480 seiner Werke gezeigt wurden, ist ein klares Beispiel dafür. Die Plakate in der Ausstellung machen dieses Engagement deutlich.
Die Ausstellung zeigt auch, wie Vincent wiederum seine Verbindung zu seiner Familie ausdrückte. Sein Gemälde „Mandelblüte“ (1890) steht im Mittelpunkt der Ausstellung: eine offensichtliche, aber überzeugende Wahl. Vincent schuf das Werk nach der Geburt seines Neffen und Namensvetters Vincent Willem van Gogh. Die Nachricht über das neugeborene Kind gab ihm sichtbar Inspiration. Briefe an seinen Bruder und seine Mutter zeigen, wie glücklich er für Theo war.
Die Ausstellung umfasst außerdem eine Reihe von Videoinstallationen, in denen die Brüder von Schauspielern gespielt werden und Gespräche aus den Briefen zum Leben erweckt werden. Diese Silhouetten verleihen der Familiengeschichte zusätzliche Tiefe: Text auf Papier wird durch die Vorstellungskraft in Bild und Klang realer und menschlicher.
Mit Briefen, Fotos und Videos macht „Vincent’s Road to World Fame“ deutlich, wie jedes Familienmitglied auf seine eigene Weise zu Vincents Vermächtnis beigetragen hat. Nicht nur die Bindung zwischen den Brüdern war von großer Bedeutung, sondern auch die zwischen Vincent und Jo. Es war also nicht nur Vincents Talent, das ihn weltberühmt machte, sondern auch die Ermutigung und Unterstützung seiner Familie. Ohne ihre Bemühungen wäre Vincent van Gogh wahrscheinlich nie zu dem weltberühmten Künstler herangewachsen, der er heute ist.
Nähere Informationen: Van Gogh-Museum, Museumsplein 6, Amsterdam, Telefon: +31 205705200, E-Mail: info@vangoghmuseum.nl, Internet: www.vangoghmuseum.nl
Jedes Mal eine andere Form – Sin Wai Kin im Frans Hals Museum – Von Tara Sickle
Die extravaganten Drag-Divas und übernatürlichen Figuren der Multimedia-Künstlerin Sin Wai Kin sind ebenso entfremdend wie verführerisch. Im Frans-Hals-Museum in Haarlem treten Kins lebende Porträts in einen Dialog mit der alten Kunst aus der Dauerausstellung. Und das funktioniert sehr gut.
Platinblonde Haare, glitzernder Lidschatten und Plastikbrüste. V Sin, eines der nicht-binären Alter Egos des kanadischen Künstlers Sin Wai Kin (1991), hat genau das, was man von einer Drag Queen erwarten würde. In „Asleep“(2024) liegt die Figur wie eine Primadonna, die gerade ohnmächtig wurde. Eine Hand in einer dramatischen Geste auf der Stirn, die stark verzierten Lippen einen Spalt geöffnet.
Dass ein solch bombastisches Erscheinungsbild an einer Wand mit originalen Delfter Blauen Fliesen nicht fehl am Platz wirkt, zeigt sich im Frans Hals Museum. Es ist nicht das erste Mal, dass das Museum Werke von Kin ausstellt. Vor zwei Jahren waren bereits mehrere Werke in der thematischen Ausstellung „The Art of Drag“ im inzwischen geschlossenen Anbau am Grote Markt zu sehen. Heute erscheinen Kins ‚Gemälde‘ spielerisch unter den alten Meistern der Dauerausstellung.
Unfeminin
Gemälde in Anführungszeichen, ja. Denn tatsächlich handelt es sich um minimal bewegte Videobilder, in denen Kin jedes Mal eine andere Form annimmt. In „The Storyteller“(2023) zum Beispiel gibt sich Kin als Nachrichtensprecher einer Acht-Uhr-Nachrichten auf „Steroiden“aus. Hinter dem vertrauten Studioschreibtisch sitzend, aber mit leuchtend blauer Haut, orangefarbener Perücke und gewundenen Linien, die sich wie Blattadern über ihr Gesicht ziehen. Nur das Blinzeln der Augen zeigt, dass diese futuristische Mona Lisa ein Mensch aus Fleisch und Blut ist.
Neben diesem Porträt hängt „Lady with a Big Hat in Arboro“(1913), gemalt von Leo Gestel (1881–1941) in mindestens ebenso fluoreszierenden Farbtönen. Die Zigarette, die die Frau zwischen den Fingern hält, galt damals als ‚unweiblich‘. Abgesehen vom komplementären Farbeinsatz ist die Wahl, diese beiden Werke nebeneinander zu zeigen, daher sehr erfolgreich. Gerade diese binären Gegensätze zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit, Gut und Böse, Realität und Fantasie, die Kin hinterfragen.
Um diese Kategorie zu widersprechen, verweist Kin regelmäßig auf berühmte Kunstwerke. Zum Beispiel lehnt sich in „Tell me everything you saw, and what you think it means“(2018) die glamouröse Drag-Diva auf luxuriös drapierte Stoffe und Fell wie eine moderne Venus von Urbino. Das ruhige Video passt passend zu den Gemälden von Minerva, Merkur und Herkules von Hendrick Goltzius (1558–1617). „Schau sie dir an“, flüstert eine sanfte, aber durchdringende Stimme, „auf ihre Lippen, auf ihre Augen, auf die Art, wie sie dort liegt.“ Das bringt unbeabsichtigt den Voyeur in dir zum Vorschein.
Huhn und Pak Choi
In „Wai King“(2023) nehmen die kunsthistorischen Verweise eine weniger unangenehme Wendung. Kin versetzt die Geschichte des stolzen Narziss, der sich in sein Spiegelbild im Wasser verliebt – eine so oft dargestellte Szene, wobei das von Caravaggio (1571–1610) das berühmteste Beispiel ist – in eine dystopische Wüstenlandschaft. Leider ist unter den biblischen Szenen im Museum unklar, was das Kunstwerk genau bewirkt. Das spielt keine große Rolle; die Eitelkeit von Kins Gestalt versickert von der Leinwand und lädt einen ein, über die eigene Identität nachzudenken.
Bemerkenswerterweise spielt Kin selbst nicht die führende Rolle in ihrem neuen Werk, das vom Frans Hals Museum in Auftrag gegeben wurde. Auch die Stille wird weggelassen. Im Video „The Lens“(2026) stehen Kins Eltern im Mittelpunkt. Sie essen eine umfangreiche kantonesische Mahlzeit an einem weißen Tisch. Während sie Stücke von Hähnchen und Pak Choi essen, führen sie eine eher philosophische Diskussion über Veränderung, die Nachbarn, das Essen und die Wäsche.
Sie wechseln sich ab, mit Essstäbchen ein Auge aus einem gedämpften Fisch zu picken. Das Spektakel ähnelt einem zeitgenössischen Vanitas-Stillleben und ist daher ein schöner Abschluss einer Präsentation, in der Vergangenheit und Gegenwart so eindringlich miteinander verbunden sind. Aber es ist kein besonders schöner Anblick.
Nähere Informationen: Frans Hals Museum, Groot Heiligland 62, Harleem, Telefon: +31 235115775, E-Mail: info@franshalsmuseum.nl, Internet: www.franshalsmuseum.nl
Verehrte Heilige in Zutphener Museen
In den Nischen einer abgedunkelten Museumshalle werfen Scheinwerfer Licht auf Zeichnungen und Pläne. In der hinteren Ecke glänzt ein geheimnisvoller Gegenstand, und im Hintergrund ist Kirchengesang zu hören. Für die Ausstellung ‚Saints & Heroes – Saint Justus, Rubens and the Pilgrims‘ sammelte das Stedelijk Museum Zutphen Dutzende von Leihgaben aus Belgien und den Niederlanden, um eine lebendige Geschichte über Pilgerfahrt, Glauben und Verehrung zu erzählen.
Der Hauptgrund für die Ausstellung ist die Wiedervereinigung zweier Meisterwerke: des Schädels des heiligen Justus, der nach 240 Jahren vorübergehend nach Zutphen zurückgekehrt ist, und das Gemälde „Le Miracle de St. Just“ (1629) von Peter Paul Rubens (1577–1640), das eigens für dieses Reliquie geschaffen wurde.
Die Ausstellung beginnt mit einer Einführung in die Wallfahrt, vom Mittelalter bis zur Gegenwart. So sind beispielsweise Pilgerabzeichen und Feldflaschen aus dem 14. Jahrhundert ausgestellt, aber auch eine Sammlung zeitgenössischer Souvenirs des Camino de Santiago De Compostela. Darüber hinaus zeigen originale Gegenstände wie Ablässe und Gebetskarten, wie eng der Glaube mit dem Alltag der mittelalterlichen Menschen verflochten war. Statuetten von Heiligen und Verschlüsse zeugen von der Beliebtheit bestimmter Schutzpatrone und weisen den Weg zu den beiden Meisterwerken der Ausstellung.
Als sie den Schädel und das düstere Gemälde des enthaupteten Justus erreichen, führt eine Treppe zu einer zweiten, damit verbundenen Ausstellung im angrenzenden Museum Henriëtte Polak: ‚Ikonische Fotos von Eddy Posthuma‘. Mit intimen Einblicke in Fotos wie „Mutter und Kind“(1971) und „Kein Papst hier“(1969) zeigt Posthuma (1931–2021), dass Heilige und Helden in allen möglichen Gestalten auftreten.
Nähere Informationen: Stedelijk Museum Zutphen, ´s Gravenhof 4, Zutphen, Telefon: +31 575516878, E-Mail: info@museazutphen.nl, Internet: http://www.museazutphen,nl, Museum Henriette Polak, Hof van Heeckeren, ´s Gravenhof 4, Zutphen, Telefon: +31 575516878, E-Mail: info@ museazutphen.nl, Internet: http://www.museazutphen,nl
Wie zerbrechlich wir sind – Eveline van der Pas
Diesen Sommer präsentiert das Pier Pander Museum die Ausstellung „Wie zerbrechlich wir sind“ mit Werken von Eveline van der Pas.
Wie verletzlich wir sind – als Menschen, als Spezies, als Teil eines größeren Ganzen, diese Frage steht im Zentrum der Ausstellung. Van der Pas beginnt in einem Spannungsfeld, das viele erkennen: Ihre Bestürzung über Umweltschäden, Krieg und menschliche Hybris steht im Kontrast zu ihrem tiefen Staunen über die Kraft, Unberechenbarkeit und Schönheit der Natur. Wir stehen weder über noch außerhalb der Natur; Wir sind darin verflochten. Gerade im Missverständnis und in der Überzeugung, dass die Welt ‚unsere‘ sein würde, offenbart sich unsere Verletzlichkeit. Die Ausstellung zeigt außerdem Werke von Maria Leeflang, Miranda Bosman und Herma Betten, die zum Thema passen. Die von Eveline ausgewählten Werke fügen jeweils ihren eigenen Aspekt hinzu: konkret, greifbar und symbolisch.
In den kommenden Monaten wird Eveline regelmäßig Workshops im Museum geben. Außerdem wird sie an verschiedenen Tagen als Artist in Residence anwesend sein.
Die Ausstellung ist noch bis 27. September samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr zu sehen.
Nähere Informationen: Pier Pander Museum, Prinsentuin 1B, Leeuwarden, Telefon: +31 582332350, E-Mail: historischcentrum@leuuwarden.nl, Internet: http://www.pierpander.nl und http://www.evelinevanderpas.nl
Sam Drukker – Der alternde Mann
Diese Ausstellung auf Schloss Ruurlo zeigt eine Auswahl aus dem Werk des bekannten niederländischen Malers und Zeichners Sam Drukker (1957) zum Thema der alternden Person.
In seinen Porträts werden Verletzlichkeit, Stärke und Schönheit sichtbar. Drukker bevorzugt es, dies mit möglichst wenigen Ressourcen zu tun. Er zwingt sich, auf einmal die richtigen Linien zu wählen, den richtigen Pinselsrich zu zeichnen. Er fängt einen Moment ein, einen Moment der Vitalität. Der Rest ist egal. Oft ist außerhalb der Figur, die uns entgegenkommt, keine Farbe sichtbar. Und er hat den Mut, nicht auf der Leinwand zu bleiben. Drukker sagte einmal: „Ich liebe Menschen einfach. So einfach ist das; Ich habe viel Mitgefühl. Die Komplexität, die Schichtung des Menschen, das ist so aufregend und interessant. Das ist so viel mehr als nur die wenigen Konzepte, die einem in den Sinn kommen, sobald jemand hereinkommt.“ Sam Drukker studierte an der Minerva Akademie in Groningen und wurde unter anderem von Matthijs Röling unterrichtet. Nach seinem Studium lebte und arbeitete er in Paris und lange Zeit in Barcelona, bevor er sich in Amsterdam niederließ.
Nähere Informationen: Museum More – Schloss Ruurlo, Vordenseweg 2, Ruurlo, Telefon: +31 575760300, E-Mail: info@museummore.nl, Internet: www.museummore-kasteelruurlo.nl
Relikte
Mit Relics präsentiert das Amsterdam Art Zoo Museum – als einer der besten Orte der Welt 2026 vom Magazin TIME ausgezeichnet – seine erste Ausstellung in diesem Jahr. Relics besteht aus einer Sammlung gigantischer Fossilien, die in zeitgenössische Kunst umgewandelt wurden. Die Präparationskünstler Darwin, Sinke und Van Tongeren, das berühmte Duo hinter dem Art Zoo Museum, arbeiten seit mehr als zehn Jahren daran. Das Ergebnis ist eine künstlerische Ode an die Überreste einer verschwundenen Ära. Die Ausstellung lädt zur Reflexion und Bewunderung über die Schönheit und Zerbrechlichkeit der Natur ein: ein wiederkehrendes Thema in den Werken der Künstler.
Vorgeschichte, Barock, Korallen, Stahl und Samt
„Relics“ist eine künstlerische Begegnung zwischen Barock und Vorgeschichte. Die Präsentation findet im Kanalhaus des Art Zoo aus dem 17. Jahrhundert unter einer monumentalen, barocken Decke des Meistermalers Jacob de Wit statt. Als konzeptionellen Faden wählten Darwin, Sinke und Van Tongeren kontrastierende Elemente wie weiches Samt, harten versteinerten Knochen, Korallen aus bemaltem Stahl und sichtbare Stahlkonstruktionen.
Relikte handelt von Schönheit
Bei der Zusammenstellung von Reliktenverwendeten Darwin, Sinke und Van Tongeren Dinosaurier- und andere Fossilien, die zig Millionen Jahre alt sind. Die Ausstellung umfasst einen fünfzehn Meter langen Basilosaurus (45 Millionen Jahre alt), den Kopf eines Mosasauriers (70 Millionen Jahre alt) und einen Triceratops-Schädel (67 Millionen Jahre alt).
Die fossilen Überreste wurden unter der Leitung des paläontologischen Instituts ZOIC entdeckt und vorbereitet, in Zusammenarbeit mit Iacopo Briano, Sammlungskurator und Dinosaurierexperte am Art Zoo Museum. ZOIC und Briano gaben den Künstlern völlige künstlerische Freiheit.
Nähere Informationen: Art Zoo Museum, Herengracht 368, 1016 CH, Amsterdam, Telefon: +31 885185001, E-Mail: mail@artzoo.com, Internet: www.artzoo.com