Neues aus der Welt der Kunst in den Niederlanden

In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden und manches mehr aus der Welt der Kunst. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Martin Parr im Foam – Ikonische Fotos (bis 12. August)

Das Fotografiemuseum „Foam“ in Amsterdam veranstaltet die Ausstellung „’Martin Parr – Sehr modern und ziemlich hässlich“: ein kompakter, aber scharfer Querschnitt von Martin Parrs Arbeiten. Parr, der kürzlich verstorben ist, hinterließ ein umfangreiches und einflussreiches Werk, in dem er das Alltägliche mit einer Mischung aus Humor und Unbehagen seziert. Mit leuchtenden Farben, einem lauten Blitz und einem unfehlbaren Detailreichtum richtete er seine Linse auf Konsumkultur, Tourismus und soziale Rituale – zuerst in Großbritannien und später im Rest der Welt.

Die Ausstellung in Amsterdam vereint vier Schlüsselserien, die Parr in mehr als 25 Jahren geschaffen hat: „The Non-Conformists“ (1970s) ist eine frühe Schwarzweiß-Serie über ländliche Gemeinden; „The Last Resort“ (1983–85) mit ironischen Strandbildern aus New Brighton verschaffte ihm seinen Durchbruch; „Common Sense“ (1999) ist eine überwältigende Installation von 270 Nahaufnahmen der Konsumkultur; und „Autoportrait“ (2002) besteht aus einer Serie absurder Selbstporträts, die von Fotografen aus aller Welt geschaffen wurden. Kuratorin Jilke Golbach kuratierte die Ausstellung gemeinsam mit Claartje van Dijk. Für die Museumstijdschrift hebt Golbach drei ikonische Fotos hervor, die Parrs Entwicklung und Perspektive prägnant zusammenfassen.

Frühes Werk – Hebden Bridge in Schwarzweiß

Jilke Golbach: „Obwohl Martin Parrs Farbfotografie am bekanntesten ist, wissen nur wenige, dass er fünfzehn Jahre lang in Schwarzweiß fotografierte. Dieses Bild aus den 1970er Jahren ist Teil einer Serie, in der er eine kleine Dorfgemeinschaft im Norden Englands festhielt. Parr war damals erst Mitte zwanzig, aber sein markanter Blick ist hier bereits deutlich präsent: eine Kombination aus Humor, Auge fürs Detail, Interesse am Alltäglichen und einer Faszination für Stereotype und Klischees, besonders rund um die britische Identität. Parr selbst sagte: „Für Außenstehende mag Hebden Bridge nicht wie ein besonderer Ort zum Fotografieren gewesen sein, obwohl es eine malerische, altmodische Mühlenstadt im Niedergang war. Damals arbeitete ich noch in einem ziemlich klassischen Dokumentarstil, also war daran nichts Radikales. Aber bald hatte ich das Gefühl, etwas Besonderes gefunden zu haben.“

Selbstporträt als Spiel – die Autoportraits

„Im Laufe von vierzig Jahren sammelte Parr eine riesige Serie von Fotos von sich, aufgenommen von Studio- und Straßenfotografen sowie in Fotokabinen auf der ganzen Welt – eine Art Souvenirs seiner Reisen. Er war fasziniert von der Rolle der Fotografie in der Gesellschaft und brachte mit diesen Autoporträts einen Querschnitt der vielen kreativen und manchmal eigenartigen Darstellungen zusammen. Er erklärte: „Der einzige Grund, warum ich mich als Subjekt benutze, ist einfach: Ich bin der Einzige, der immer da ist.“ Der typisch trockene, etwas ernste Blick, mit dem Parr seinen Kopf durch das Maul eines Hais steckt, um dieses absurde Bild zu erschaffen, bringt mich immer wieder zum Lachen.“

Strandszenen – das Alltägliche verstärkt

Jilke Golbach: „Parr war sein ganzes Leben lang von Freizeit und Freizeit fasziniert. Touristenattraktionen und lokale Feste tauchen häufig in seinen Werken auf, aber der Strand war sein Domäne par excellence – zuerst in Großbritannien und später weltweit. „Man kann viel über ein Land lernen, indem man die Strände betrachtet“, sagte Parr. ‚Es ist einer der wenigen öffentlichen Orte, an denen man allerlei Besonderheiten und typische nationale Bräuche sieht.‘ Dieses mittlerweile ikonische Foto fasst seine Art, zu schauen und zu fotografieren, treffend zusammen. Mit einem Makroobjektiv und einem harten Blitz zoomt Parr auf eine alltägliche Situation mitten an einem belebten Strand heran und destilliert daraus eine faszinierende Komposition. Aus der Nähe lenken die leuchtenden Farben die Aufmerksamkeit auf die Details: die blaue Anti-UV-Brille, die gebräunte Haut, die sorgfältig gezupften Augenbrauen und der rote Lippenstift, der gerade noch leicht auf der Oberlippe ausgeblutet ist. Das ist die visuelle Sprache, die Parr so erkennbar – und schließlich weltberühmt gemacht hat.“

Nähere Informationen: Foam Museum Amsterdam, Keizersgracht 609, 1017 DS Amsterdam, Telefon: +31 20 5516 500, Internet: www.foam.org

Zwischen den Sternen und Planeten im Kröller-Müller-Museum (Von Emma Falconer)

Im Kröller-Müller-Museum gibt es eine kleine Ausstellung, die versucht, nichts Geringeres als die Größe des Universums zu umfassen. Beim Betreten scheint ein Werk aus dem Boden zu entstehen: „Zinc Cloud“ (1967/90) von Alan Saret (*1944), ein neuerer Erwerb des Museums. Das Werk steht im Zentrum der Ausstellung „Space Journey“, die darauf abzielt, die Grenze zwischen Erde und Universum zu verwischen.

Die ausgestellten Werke behandeln Themen wie die Kraft der Natur und den menschlichen Wunsch, das Universum zu erforschen. Insbesondere die beiden Videoinstallationen geben diesen Ideen Gestalt. In „Rounding the Square“ (1989 – 1992) von Hetty Huisman (*1941 – +2017) wird die Sonne sowohl zu einem Subjekt als auch zu einer zerstörerischen Kraft: Monatelang filmt Huisman Sonnenuntergänge, in denen das Filmmaterial langsam durch die verlängerte Belichtung beeinflusst wird. In „Myth: Shooting the Suns: Project for Extraterrestrials No 21“ (1994) von Cai Guo-Qiang (1957) nimmt dieser kosmische Ehrgeiz einen spektakulären, fast verzweifelten Charakter an. Mit einer Feuerwerksinstallation versucht die Künstlerin, Kontakt mit außerirdischem Leben herzustellen, ein Aufruf nach Beweisen für Leben außerhalb der Erde.

„Space Journey“ ist klein, schafft es aber, ein Gefühl des Staunens zu wecken, das weit reicht. Gerade deshalb lädt die Ausstellung dazu ein, weiter zu blicken – nicht nur auf die Sterne, sondern auch auf die Kunst und Natur, die das Museum umgeben.

Nähere Informationen: Das Kröller-Müller-Museum ist dienstags bis sonntags von10 bis 17 Uhr geöffnet. Nähere Informationen: erfolgen unter der Telefonnummer (0031) 0318 591241, im Internet auf www.kmm.nl und per Email unter info@kmm.nl

Verdammt auch

Manche Themen erfordern mehr als eine Ausstellung. Deshalb hat die Ausstellung „DARN“ im Zeeuwsmuseum in Middelburg eine Metamorphose durchlaufen und ist unter dem gleichen Titel noch einmal zu sehen.Teilweise ist die Präsentation gleich geblieben, die Schönheit der Restaurierung steht immer noch im Mittelpunkt, nun mit anderen Blickwinkeln und neuen Lieblingen. Auch in „DARN“ werden sich die Besucher bewusst, wie sie sich erinnern.

Narbenstoff

„Endlessly Restored Handicraft“ ist buchstäblich mit persönlichen Geschichten verflochten und weckt Erinnerungen. Sie können Gefühle von Heimweh auslösen, aber auch helfen, Dinge zu interpretieren, sodass man im Leben weitermachen kann. Das „Narbenabzeichen“,entworfen von der (Mode-)Designerin Rianne de Witte, strotzt vor Erinnerungen. Im Verlauf von „DARN“ wurde das meterlange Tuchstück im WORKSHOP aufgestellt, der Teil des Ausstellungsraums ist. Unter der Anleitung von Freiwilligen teilen etwa 450 Museumsbesucher ihre (manchmal schmerzhaften) Erinnerungen und sticken sie zur Heilung auf die Textilien. Auch DARN zeigt das beeindruckende und bewegende Endergebnis, einschließlich (anonymer) Geschichten.

Ode an deine Vorfahren

Der Grafikdesigner Reinier de Waal hält die Erinnerung an seinen Großvater und Urgroßvater lebendig und ehrt beide Vorfahren mit einer Walchers-Bauernjacke, die beide tragen. Er fertigt eine passende, handbestickte Schutzhülle an, die als ’sanfte Umarmung‘ für das Erbstück dient. Das Outfit, für das Modedesigner Bastiaan Reijnen die Armee-Reisetasche seines Großvaters benutzte, haben die Besucher bereits in „DARN“ gesehen und passt nahtlos in dieses Thema. Der bildende Künstler Loek Grootjans verwandelt die Decken seiner Eltern, „unter denen ich gezeugt wurde und später zum ersten Mal Liebe machte“, in einen dreiteiligen Anzug, der ihm perfekt passt. Die „Comfort Objects“ der Textildesignerin Steffi Haeck funktionieren wie eine große, warme Umarmung, ohne dass jemand gebraucht wird. Die „Comfort Objects“ der Textildesignerin Steffi Haeck funktionieren wie eine große, warme Umarmung, ohne dass jemand dazu gebraucht wird.

Handwerk voller Geschichten

Natürlich werden in „DARN“ auch beeindruckende Reparaturarbeiten gezeigt, analysiert, in ihrer Entwicklung dargestellt, vertieft und hinterfragt. Was sagen zum Beispiel reparierte Hemden über die soziale Stellung und die Zukunftsperspektiven eines Mädchens im 19. Jahrhundert aus?
Dass Menschen in Kriegs- und Knappheitszeiten kreativ und widerstandsfähig sind, zeigt sich in den Leihgaben des Befreiungsmuseums Zeeland. Eine geheime Botschaft, auf ein Handtuch gestickt, wurde unter Lebensgefahr aus dem Lager durch die Wäsche geschmuggelt. Die Handtasche aus leeren Patronenbändern sieht wunderschön und einfallsreich aus, aber wenn man zuerst an die Anzahl der abgefeuerten Kugeln denkt, sieht man das ganz anders.

Nähere Informationen: Zeeuws Museum, Abtei (Platz), Middelburg, Telefon +31118653000, E-Mail: info@zeeuwsmuseum.nl, Internet: www.zeeuwsmuseum.nl

Jasmijn Vermeeren – Du siehst nicht krank aus

Das Fotografiemuseum „Foam“ in Amsterdam präsentiert präsentiert noch bis zum 25. Mai „You Don’t Look Sick“, die erste Einzelausstellung der Künstlerin Jasmijn Vermeeren. Aus persönlicher Sicht beleuchtet Vermeeren das Leben mit einer unsichtbaren Behinderung, körperlich und/oder geistig; ein Thema, das in Dialogen über Vielfalt und Inklusion oft unterbeleuchtet bleibt. „You Don’t Look Sick“ bietet ein intimes Erlebnis, das Besucher dazu einlädt, sich in den Alltag von Menschen einzulassen, für die dieses Leben die Norm ist.

Durch Fotografie, Video und skulpturale Arbeiten reflektiert Vermeeren über ihre eigenen Erfahrungen mit chronischen Schmerzen und die gesellschaftlichen Annahmen über Gesundheit und Identität. Sie identifiziert sich als Crip: ein Begriff, der verschiedene Formen von Behinderung umfasst, wie körperliche, geistige, sensorische und Lernbehinderungen. Dabei stellt Vermeeren normative Vorstellungen von Funktionalität und Normalität infrage. „You Don’t Look Sick“ lädt Besucher in die Welt des Künstlers ein, in der Emotionen willkommen sind und Raum zur Reflexion geboten wird, um neu zu entdecken, was es bedeutet, man selbst zu sein.

Nähere Informationen: Foam Museum Amsterdam, Keizersgracht 609, 1017 DS Amsterdam, Telefon: +31 20 5516 500, Internet: www.foam.org

Ruach oder Geist, Atem und Energie

Bis 31. Mai ist die zeitgenössische Zeichenausstellung „Ruach“ in der Akerk in Groningen zu sehen. Auf Einladung von Groninger Kirchen bringen drei renommierte Künstler – Arno Kramer, Caren van Herwaarden und Marisa Rappard – Höhepunkte aus ihrem umfangreichen Werk zusammen und schaffen neue Werke, besonders für die Akerk. Für die Ausstellung wählten sie gemeinsam den Titel „Ruach.“

Ruach | Zeichnungen von Atem und Geist

Zeichnen ist eine der ältesten Kunstformen, mit denen Menschen sich ausdrücken. Durch Zeichnen kann man die Realität darstellen, aber auch das Immaterielle, das Spirituelle sichtbar machen.„Ruach“ ist Hebräisch für Geist, Atem und Energie. Es berührt das Unsichtbare – das, was du fühlst, aber nicht greifen kannst. Die Ausstellung untersucht, wie das Zeichnen eine urtümliche Geste ist, die sowohl die Realität darstellt als auch das Spirituelle sichtbar macht.

Nähere Informationen: Akerk, Akerhof 2, Groningen, Telefon: +3150318143, E-Mail: info@akerk.nl, Internet: http://www.akerk.nl

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