Wissenswertes und Aktuelles aus der Welt der Kunst in den Niederlanden und darüber hinaus

Das Museum Magazine 1 2026 beziehungsweise die erste Ausgabe der Museumstijdschrift für dieses Jahr ist erschienen: eine kosmopolitische Ausgabe voller Geschichten über weltberühmte Kunst aus den Niederlanden und dem Rest der Welt.

Zum Beispiel spricht Simon Schama in einem überraschenden Interview über seine zwei großen Faszinationen: Vögel und Kunst. Der renommierte britische Historiker schuf die Ausstellung „Vögel“ im Mauritshuis, in der auch das Gemälde „Der Stieglitz“ aus dem Jahre1654 von Carel Fabritius zu sehen ist.

Seit seinen Anfängen in New York in den 1970-er Jahren hat sich Hip-Hop von einer rebellischen Musikbewegung zu einer globalen Kultur entwickelt, die von Tanz und Mode bis hin zu Fotografie und auch bildender Kunst reicht. Das Groninger Museum zeigt einen wichtigen Überblick über den Einfluss des Hip-Hop auf die zeitgenössische visuelle Kultur.

Jan Toorop gilt als vielseitiger und etwas rätselhafter Maler. Eine Ausstellung im Museum Singer Laren entwirrt das Geheimnis dieses einflussreichen Künstlers, indem sie sich auf seinen indonesischen Hintergrund fokussiert.

Zu lesen ist auch ein aufschlussreiches Porträt der School Of London, einer Gruppe von Künstlern, die sich mit einer neuen Art realistischer Malerei im Nachkriegs-England einen Namen machten. Viele kennen Lucien Lucien Freud, David Hockney und Francis Bacon. Aber wer gehört sonst noch zu dieser illustren Malergruppe? Dies und vieles mehr gibt es in einer neuen Ausgabe des Museum Magazine und ist ab dem 13. Januar im Handel und schon jetzt im Webshop erhältlich.

Über die Museumstijdschrift

Die Museumtijdschrift ist das größte unabhängige Kunstmagazin in den Niederlanden. Es erscheint achtmal jährlich als Papiermagazin und bietet eine breite Auswahl der aktuellen Ausstellungsangebote. Von alter zu zeitgenössischer Kunst und von Kulturerbe bis Design. Mit jeder Ausgabe wird eine umfangreiche Ausstellungsagenda veröffentlicht. Die erste Ausgabe des Museum Magazine – damals noch unter dem Namen Vitrine – erschien 1988. Das Museumsmagazin ist auch online sehr aktiv, mit einer wöchentlichen Webrezension und einem Newsletter. Zusätzlich gibt es regelmäßige Leser-Arrangements.

Darüber hinaus verleiht es jedes Jahr den Museum Magazine Exhibition Prize, einen öffentlichen Preis für Sonderausstellungen in niederländischen Museen. Im Jahr 2025 wurde der Preis zum siebten Mal verliehen. Mit dem jährlichen öffentlichen Preis lenkt das Museum Magazine die Aufmerksamkeit auf die hohe Qualität und Vielseitigkeit der Ausstellungen – von Kunst und Geschichte bis hin zu Design, Archäologie und Mode. 2024 ging die Auszeichnung an die Ausstellung „Ai Weiwei – Auf der Suche nach der Menschheit“ in der Kunsthal Rotterdam.

Mehr als 17.000 Museumsbesucher gaben ihre Stimmen im vergangenen Jahr ab. Mit einer überzeugenden Mehrheit wurde „Anselm Kiefer – Sag mir wo die Blumen sind“ als Lieblingsausstellung der vergangenen Saison ausgewählt. Die Doppelausstellung des Stedelijk Museum Amsterdam und des Van-Gogh-Museums rückte einen der wohl bekanntesten deutschen Gegenwartskünstler ins Rampenlicht, unterstrich seine Bewunderung für Vincent van Gogh und zeigte erstmals alle Werke aus der Sammlung des Stedelijk Museum Amsterdam neben neuen und bisher ungezeigten Werken.

Alberto Giacometti. Das Maß der Welt – in Bremen zu sehen

„Alberto Giacometti. Das Maß der Welt“, die noch bis zum 15. Februar in der Kunsthalle Bremen zu sehen ist, ist die erste umfassende monographische Ausstellung über das Leben und Werk des schweizerischen Bildhauers und Malers Alberto Giacometti seit mehr als zehn Jahren in Deutschland. Es ist zugleich die erste Retrospektive, die sich speziell Giacomettis intensiver Beschäftigung mit der Stellung des Menschen in der Welt und Natur widmet. Gezeigt werden über 100 Werke darunter Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen und Drucke.

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Fondation Giacometti in Paris. Alberto Giacometti (1901–1966) zählt zu den bedeutendsten europäischen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Mit seinen eindrücklichen überlängten Figuren hat er die Bildhauerei nach dem Zweiten Weltkrieg grundsätzlich neu formuliert. Die Ausstellung „Das Maß der Welt“ lenkt den Blick auf zwei zentrale Themen in seinem Werk: Zum einen auf das ‚rechte Maß‘, das bei Giacometti stets im Gegensatz steht zur naturgetreuen Darstellung. Und zum anderen schaut die Ausstellung auf seine Frage nach der Stellung des Menschen in der Welt.

Postimpressionstische Vätergeneration, heimatliche Alpenlandschaft und Ideen der Romantik

Alberto Giacometti wurde als junger Künstler durch vielfältige Einflüsse geprägt. Zum einen durch das künstlerische Umfeld, in dem er aufgewachsen ist: Sein Vater, der postimpressionistische Maler Giovanni Giacometti (1868–1933) zählte ebenso wie dessen Malerfreunde Ferdinand Hodler (1853 1918), Cuno Amiet (1868–1961) und Giovanni Segantini (1858–1899) zu den erfolgreichsten Künstlern der Schweiz. Zum anderen durch die spektakuläre Alpenlandschaft seiner Heimat: Die beiden Täler Bergell und Engadin im Kanton Graubünden mit ihrem teils malerischen, teils monumentalen Charakter prägten seine Sicht auf die Welt. Darüber hinaus begeisterte sich Giacometti als Jugendlicher besonders für die Ideen der deutschen Romantik und macht sich mit der Vorstellung der Alpen als Inbegriff des Erhabenen vertraut. Die Idee von der Monumentalität der Natur, mit der sich der Mensch als kleines Wesen konfrontiert sieht, sowie eine intensive Naturverbundenheit, wurden zu Konstanten in seinem späteren Schaffen.

Von den erhabenen Schweizer Alpen hin zur Kunstmetropole Paris

Zwischen 1914–23 fertigte der junge Künstler Ölgemälde, Zeichnungen und vor allem Aquarelle, die seine Heimat in den Schweizer Alpen zeigen. Die Lichtstimmung ist in diesen frühen Landschaftsbildern von zentraler Bedeutung. Die Werke zeigen beispielsweise den Silsersee mit dem heute noch bestehenden „Hotel in Maloja“ (um 1920) oder „Bäume am Seeufer“ (um 1919) mit von der Sonne zum Glühen gebrachten Gipfel rund um den Bergsee Cavloccio. Der junge Künstler strebte jedoch nicht nach Imitation. Vielmehr ging es ihm darum, sich prüfend mit der eigenen Wahrnehmung auseinanderzusetzen. Auch als Giacometti 1922 nach Paris zog um Bildhauerei zu studieren, blieb die Aufgabe – seine Wahrnehmung der Wirklichkeit in Kunst zu übersetzen – für ihn immer dieselbe.

Die menschliche Figur als zentrales Motiv

Seine Entscheidung, sich auf die Bildhauerkunst zu fokussieren, hängt zusammen mit seiner ausgeprägten Aufmerksamkeit für seine Umgebung, die Räume, die sich in ihr ergeben und für die Materie der Dinge an sich. 1935 formulierte er sein Ziel, herausfinden zu wollen, wie man einen menschlichen Kopf wirklichkeitsgetreu darstellen könne. Die Entscheidung, die menschliche Figur zum zentralen Motiv zu machen, war wegweisend für sein gesamtes folgendes Schaffen. Er arbeitete an Köpfen von seinem Bruder Diego, dem Berufsmodell Rita Gueyfier sowie seiner Frau Annette. Er experimentierte mit unterschiedlichen Techniken, Materialien und Ansätzen.

Bäume wie Frauen, Berge wie Menschen

Aus dem Antrieb, seine Sicht auf die Welt in seiner Kunst auszudrücken, entwickelte Alberto Giacometti nach dem Zweiten Weltkrieg stehende Frauenfiguren, die zu einem wiederkehrenden Motiv in seinem Schaffen wurden. Die strenge unbewegliche Aufrichtung der Figuren macht den Einfluss altägyptische Kunst spürbar, die Giacometti beeindruckte. Er verknüpfte die schlank nach oben wachsenden Figuren aber auch mit seinen Erinnerungen an hoch aufragende Nadelbäume in seiner Schweizer Heimat. So, wie Giacometti Bäume als Frauen wahrnahm, so sah er auch Berge wie Menschen an. Folglich sind die zerfurchten Oberflächen von Giacomettis Plastiken nicht nur Ergebnisse seines rastlos suchenden Formungsprozesses. Sie erinnern auch an die Strukturen der Berge in seiner Heimat und bezeugen damit sein Denken in Analogien zwischen Natur und Mensch.

Isolation des Menschen

Seit den 1940-er Jahren wurde das Thema der Einsamkeit immer wichtiger in Giacomettis Schaffen. Dies zeigt sich sowohl in seinen wie von der Umwelt isoliert stehenden Figuren sowie in Gemälden und Zeichnungen, in denen er einsame Menschen in weite Landschaften hineinsetzte. Auch in seinen Gruppenkompositionen „Drei schreitende Männer“ (1948) und „Der Käfig“ (1950) erscheinen die Dargestellten vereinzelt und allein in der Welt. Die hier versammelten Wesen teilen sich zwar einen gemeinsamen Raum, sie existieren nebeneinander, aber sie interagieren nicht, wie Giacometti es auch im Alltag in Paris beobachtete. Während Giacometti sich selbst niemals als ‚Künstler der Einsamkeit‘ verstand, so erinnern seine Figuren doch an die Idee vom Menschen als einsames, fragendes Wesen in der Welt, auf der Suche nach Sinn.

Das Erhabene und der Mensch

In den Kriegsjahren 1941 bis 1945, die Giacometti abwechselnd in einem winzigen Zimmer im Hôtel de Rive in Genf und im engen Tal des Bergell verbrachte, verstärkte sich sein Eindruck, die menschliche Figur nicht losgelöst vom umgreifenden Raum darstellen zu können. In dieser Zeit wurden seine Skulpturen immer kleiner, bis sie schließlich nur noch wenige Zentimeter maßen. Zum Ausgleich für diese fortschreitende Reduzierung, die schließlich an Entmaterialisierung grenzte, stellte er sie auf Sockel. Gestapelt und variierend in Größe und Maßstab wurden sie zu zentralen Elementen seiner Werke. Nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer winzigen Dimensionen erhalten seine kleinen Figuren einen Ausdruck von Größe. Der Künstler, der in seiner Jugend die Unermesslichkeit der Umgebung des Bergell in sich aufgesogen hatte, fand in der Beschäftigung mit den Beziehungen zwischen unterschiedlichen Maßstäben ebenjenes Wirklichkeitsempfinden wieder, das sich dem menschlichen Erkenntnisvermögen entzieht.

Die Verbindung von Zeit und Raum

Das aus 150 Lithographien bestehende Künstlerbuch „Paris sans fin“ (dt.: „Paris ohne Ende“) (1969 posthum veröffentlicht) ist ein Höhepunkt im späten Schaffen des Künstlers. Die einzelnen Graphiken zeigen alltägliche Momente und unterschiedliche räumliche Situationen, die sich zu einem ganz persönlichen Kompendium der Metropole zusammenfügen. Gerade die Darstellungen von weiten Landschaften außerhalb des Stadtkerns zeigen die Unbegrenztheit von Giacomettis Blick, mit dem er das „immerwährende Paris“ einfing. Zweifellos drückt sich hier das vom Künstler beschriebene Gefühl einer ausgedehnten und zirkulären Zeit in einer anderen Form aus.

Zur Ausstellung

Mit „Alberto Giacometti. Das Maß der Welt“ präsentiert die Kunsthalle Bremen die erste Retrospektive seines Werks in Bremen. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Fondation Giacometti in Paris, aus deren umfangreicher Sammlung die Exponate stammen. Sie werden ergänzt durch ausgewählte Werke aus dem Kupferstichkabinett der Kunsthalle Bremen sowie einem Film des Dokumentarfilmers Arnold Fanck (1889–1974) und einer Videoarbeit der Künstlerin Ulrika Sparre (1974–2025). Die thematisch gegliederte Ausstellung zeigt alle Medien, die Giacometti verwendete – Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen und Drucke. Sie bietet einen umfassenden Überblick über sein Schaffen, von seinen frühen Werken bis zur surrealistischen Phase, von seiner Rückkehr zur Figuration bis zu seinen Arbeiten nach Modellen und zur Erfindung seines ikonisch gewordenen Stils der Nachkriegszeit.

Katalog:

Begleitend zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, auf Deutsch und Englisch mit zahlreichen Abbildungen und Texten von Hugo Daniel, Eva Fischer-Hausdorf, Stefan Krämer und Romain Perrin. Der Katalog erscheint im Schirmer Mosel Verlag. 37,90 Euro im Museumsshop. 48 Euro im Buchhandel. ISBN 978-3-8296-1055-1.

Nähere Informationen: Kunsthalle Bremen, Am Wall 207, 28195 Bremen, Telefon: +49 (0)421 – 32 9080, Fax +49 (0)421 – 32908470, E-Mail: info@kunsthalle-bremen.de

Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst – noch bis 1. Februar 2026

Wie kein anderes Tier hat das Einhorn die Phantasie angeregt. Seit Jahrhunderten ist es in vielen Kulturen belegt. Die Spur des Einhorns zeigt sich in der christlichen und außereuropäischen Kunst, in Naturwissenschaft und Medizin und einer vielfältigen Symbolik. Die Beschäftigung mit der Ikonographie des Einhorns lädt ein zu Reflexionen über Weltwissen, Ambivalenzen und Projektionen.Zum ersten Mal wird dieses Thema im Überblick von der Antike bis zur zeitgenössischen Kunst erforscht und ausgestellt.

Die Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“, die noch bis zum 1. Februar im Museum Barberini in Potsdam zu sehen ist, präsentiert rund 150 Werke und Objekte, darunter Arbeiten von Arnold Böcklin, Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien, Angela Hampel, Rebecca Horn, René Magritte, Gustave Moreau, AurélieNemours, Olaf Nicolai, Joachim Sandrart, Marie Cécile Thijs und Maerten de Vos.

Die Bandbreite der Exponate bildet eine Zeitspanne vom zweiten Jahrtausend vor Christus bis in die Gegenwart ab und umfasst neben Gemälden und Grafiken auch Skulpturen, Manuskripte, Tapisserien, Videoarbeiten und Kunstkammerobjekte. Zu den Leihgebern zählen das Ashmolean Museum, Oxford, die Gallerie degli Uzi, Florenz, das Grüne Gewölbe, Dresden, das Historische Museum Basel, das Metropolitan Museum of Art, New York, das Musée du Louvre, Paris, das Museo Nacional del Prado, Madrid, das Rijksmuseum, Amsterdam, und das Victoria and Albert Museum, London.

Das Einhorn stand und steht für Freiheit und Unbezähmbarkeit, für Reinheit und Unschuld, für Natürlichkeit und Zuneigung. Dabei ist die Faszination für das Fabeltier kein neues Phänomen – sie reicht über Jahrhunderte, sogar Jahrtausende zurück und ist in vielen Kulturen verbreitet. Ihren Ursprung hat die Erzählung vom Einhorn in Indien, von wo aus sie sich nach China und – über Persien und Ägypten – nach Europa verbreitete. Hier erhielt das Einhorn viele Bedeutungen: Es galt als Symbol für Christus, weshalb es auf vielen Altarbildern gezeigt wurde, es galt als Zeichen der Keuschheit und wurde oft mit einer jungen Frau gemalt, und seinem Horn wurden medizinische Wunderkräfte nachgesagt, weshalb sich viele Apotheken nach dem Einhorn benannten.

Im Mittelalter zweifelte niemand an der Existenz des Einhorns, schließlich kam es ja auch in der Bibel vor. Außerdem gab es als sichtbaren Beweis das wundersame Horn des Einhorns, das in manchen großen Kirchen zu sehen war: eine lange weiße, spiralig gedrehte Stange, die oben spitz zuläuft. Erst im 17. Jahrhundert konnten Naturforscher beweisen, dass es sich dabei um einen Zahn des Narwals handelt. Aber auch diese wissenschaftliche Erkenntnis konnte der Anziehungskraft des Einhorns keinen Abbruch tun.

Das Einhorn ist magisch. Das mythische Wesen ist ein vielschichtiges Zeichen, von dem eine besondere assoziative Energie ausgeht. Es ist in keinem Zoo als lebendes Tier zu sehen, aber zugleich allgegenwärtig – in der Popkultur, als Werbung oder in den Kinderzimmern“, erklärt Michael Philipp, Chefkurator des Museums Barberini und Kurator der Ausstellung. „Das eine Horn auf der Stirn, das kein anderer Vierfüßer trägt, gilt als Zeichen der Auserwähltheit. Es zeigt das Einhorn als etwas Außergewöhnliches, das einer anderen Welt als der alltäglichen angehört. Dieser übernatürliche Status, seine ferne Vertrautheit, macht es zu einer Projektionsfläche für Sehnsüchte und Idealvorstellungen, die sich aus überlieferten Geschichten und Bildern speist.“

Kunstwerke von Maerten de Vos bis Rebecca Horn

Die umfangreiche Ausstellung im Museum Barberini beleuchtet anhand herausragender Kunstwerke die vielen Facetten des Einhorns. Sie zeigt das monumentale Gemälde von Maerten de Vos, der 1572 ein Einhorn als machtvollen, kampfbereiten Charakter portraitierte (Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin), aber auch die Plastik eines knienden Einhorns aus Tibet aus dem 18. Jahr hundert, die aus einem buddhistischen Tempel stammt (Museum Rietberg, Zürich). Auf einer persischen Fliese aus dem 13. Jahrhundert kämpft das Einhorn gegen den Elefanten (Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Islamische Kunst), auf einem Wandteppich von etwa 1625 gegen Löwen und Panther (Adornes Estate, Brügge). Aber es wird auch gejagt – Alexander der Große kämpft, wie ein Manuskript aus dem 13. Jahr hundert zeigt, gegen ein ganzes Heer von Einhörnern (Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett), auf einem Altargemälde von etwa 1480 scheucht der Erzengel Gabriel das Einhorn zur Jungfrau Maria (Erfurter Dom). Zu sehen ist das große Horn des Einhorns aus St. Denis, das im Mittelalter berühmt war und von vielen Pilgern aufgesucht wurde (Musée de Cluny, Paris), ebenso wie alte Apothekengefäße für medizinisches Einhornpulver (Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg; Deutsches Apotheken-Museum, Heidelberg).

Um 1533 malte Hans Baldung Grien das Einhorn mit anderen Geschöpfen im Paradies (Angermuseum, Erfurt), Paulus Potter setzte es 1650 zur Legende von Orpheus, der die wilden Tiere besänftigt (Rijksmuseum, Amsterdam). Gedruckte Reiseberichte künden von angeblichen Einhorn-Sichtungen, Naturwissenschaftler wie Conrad Gessner erforschen das Tier (beide Staatsbibliothek Berlin – Preußischer Kulturbesitz). Kostbare Kunstkammergefäße aus Elfenbein oder Silber feiern im 16. und 17. Jahrhundert das schöne Tier (u.a. Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden). Wie sehr das Einhorn für Künstlerinnen und Künstler seit dem 19. Jahrhundert zum Musterbeispiel der kreativen Phantasie wurde, zeigen Werke von Arnold Böcklin (Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Sammlung Schack München; Muzeum Narodowew Poznaniu, Posen) oder Arthur B. Davies, der eine märchenhafte Landschaft mit vier Einhörnern um 1906 ins Bild setzt (The Metropolitan Museum of Art, New York), von Alfred Kubin (Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg) und René Magritte (Privatsammlung) bis Rebecca Horn (Tate, London).

Die künstlerische Inspiration des Einhorns wirkt bis in die jüngste Zeit, etwa in den Photographien von Marie Cécile Thijs, Videoarbeiten von Maïder Fortuné oder Skulpturen von Olaf Nicolai. Die Ausstellung versammelt in neun Sälen des Museums rund 150 Werke aus einem Zeitraum von etwa 4000 Jahren, darunter Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphiken, illuminierte Manuskripte, Plastiken und Tapisserien. „Viele dieser Werke werden nur selten ausgeliehen“, sagt Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini. „Wir freuen uns, dass wir mit unserem Ausstellungskonzept über 80 Leihgeber aus 16 Ländern überzeugen konnten.“

Zu den Leihgebern gehören die Albertina, Wien, das Ashmolean Museum, University of Oxford, die Gallerie degli Uzi, Florenz, das Germanische Nationalmuseum, Nürnberg, das Grüne Gewölbe der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das Historische Museum Basel, die KB Nationale Bibliotheek, Den Haag, das MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien, das Metropolitan Museum of Art, New York, das Musée du Louvre, Paris, die Musées royaux d’Art et d’Histoire, Brüssel, das Museo Nacional del Prado, Madrid, das Rijksmuseum, Amsterdam, das Szépmuvészeti Múzeum, Budapest, und das Victoria and Albert Museum, London.

Ausstellung leistet wegweisenden Beitrag zur Erforschung mythischer Motive in der Kunst

Die Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“ bereitet dieses faszinierende Thema erstmals in dieser Breite und Tiefe museal auf und erschließt neue kunsthistorische Perspektiven: Sie verdeutlicht, wie das Einhorn in verschiedenen kulturellen, religiösen und wissenschaftlichen Kontexten über Jahrtausende hinweg symbolisch aufgeladen wurde – und beleuchtet bislang kaum beachtete ikonographische Verbindungen und historische Wandlungen.

Zu allen Kapiteln der umfangreichen Schau wurden Schriftquellen gehoben, übersetzt und interpretiert, die den zeithistorischen Kontext der Kunst werke und ihre Verkettung vor Augen stellen: Quellentexte von antiken Schriftstellern, christlichen Theologen, Naturforschern und Medizinern der Frühen Neuzeit.

Aus der Quellensammlung entstand eine Anthologie für den 400-seitigen Katalog (Prestel Verlag, München), ein vielstimmiges Gewebe aufeinander aufbauender Texte von Reisenden und Naturkundlern, von Kompilatoren, Mönchen, Ärzten und Dichtern vom Jahr 400 vor unserer Zeit (früher vor Christi) bis zu Rainer Maria Rilke und Umberto Eco. Der Katalog enthält Aufsätze von Adrien Bossard (Nizza), Béatrice de Chancel-Bardelot (Paris), Barbara Drake Boehm (New York), Michael Philipp (Potsdam), Annabelle Ténèze (Lens) und Stefan Trinks (Berlin). 3 Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst Pressemitteilung „Die intensive wissenschaftliche Recherche und die im Katalog versammelten Textquellen eröffnen neue Impulse für die kunsthistorische Forschung und belegen, wie das Fabelwesen als Projektionsfläche für kollektive Vorstellungen und kulturelle Narrative diente“, erklärt Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini. „Damit leistet die Ausstellung einen wegweisenden Beitrag zur Erforschung mythischer Motive in der Kunst und ihrer Rezeption durch die Jahrhunderte.“

Ein umfangreiches Vermittlungs- und Veranstaltungsprogramm mit Führungen, Workshops, Vorträgen, Gesprächen, einer Lesung und einem Konzert sowie einem Filmprogramm begleitet die Schau. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Musée de Cluny und der Grand Palais Rmn, Paris. Im Musée de Cluny ist die Schau als zweite Station vom 13. März bis 12. Juli 2026 zu sehen.

Nähere Informationen: Museum Barberini, Friedrich-Ebert-Str. 115, 14467 Potsdam, E-Mail: info@museum-barberini.de, Internet: http://www.museum-barberini.de

Swinging Nordhorn – eine mobile Dauerausstellung

Eine neue Dauerausstellung mit dem Titel „Swinging Nordhorn – Jugend in einer Kleinstadt im Grünen“ wird am Samstag, 14. Februar, ab 20 Uhr im Saal 2 der Alten Weberei in Nordhorn der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie besteht aus 14 großformatigen Collagen über eine Jugend zwischen Rock´n Roll, Pop, Mode, Kino, Festivals und Protest.

Als prominenter Gast konnte der ESC-Kommentator und NDR-Musikjournalist Peter Urban gewonnen werden, der aus seinem Buch „On Air – Erinnerung an ein Leben mit der Musik“ vorlesen wird. Im Anschluss gibt es Live-Musik mit Frank Stehle & Friends featuring Peter Urban. Gespielt werden Coverversionen aus den 1960-ern, 1970-ern und 1980-ern.

Veranstalter ist der Förderverein Kulturzentrum Alte Weberei.

Eigene Erinnerungen

Wenn ich mich an meine Jugend in Nordhorn erinnere, gibt es einige zentrale Eckpunkte, die auch viele meiner Altersgenossen geprägt haben. Womit könnte ich anfangen? Vielleicht mit meinen ersten Konzert-Erlebnissen, die ich im Konzert- und Theatersaal hatte: „Birth Control“ und „Floh de Cologne“. Gegensätzlicher hätte deren beider Musik kaum sein können: Zum einen dynamischer und hypnotischer Krautrock mit vielen Soloeinlagen, zum anderen mit Jazz vermischter Politrock, kombiniert mit kabarettistischen Einlagen im Geiste der APO und nachfolgend der DKP und damit ideologisch eins zu eins einem dialektisch-marxistischen Weltbild verpflichtet. Gehört beziehungsweise gelesen hatte ich von der Gruppe in der Konkret, einer Zeitschrift für Politik und Kultur mit weit links stehenden Positionen, die auch heute noch existiert. Ob ich damals den ideologischen Überbau verstanden habe, weiß ich nicht mehr. Vielleicht hatte es mich einfach nur gereizt, bei einer Veranstaltung dabei zu sein, die wegen ihrer politischen Ausrichtung schon den Hauch des Verbotenen hatte.

Eine weitere Veranstaltung dieser Art war ein Filmabend der DKP in einem gemieteten Raum des damaligen Bahnhofrestaurants. Gezeigt wurde „Nackt unter Wölfen“. Basierend auf dem Roman von Bruno Apitz drehte der bekannte Regisseur Frank Beyer den gleichnamigen Film, der vom Ende des Dritten Reiches im Konzentrationslager Buchenwald handelt. Im Mittelpunkt steht ein dreijähriges Kind, das von den Gefangenen versteckt wird, um es vor den Schergen des Naziregimes zu schützen, die es ermordet hätten, wenn sie es entdeckt hätten. Als ich mir mit den anderen den Film anguckte, fühlte ich mich wie das Mitglied einer verschworenen kleinen Gemeinschaft.

Anzumerken ist an dieser Stelle, dass ich mich schon früh für Politik interessierte und auf der Suche nach politischer Orientierung war. Ich sah mich politisch auf der linken Seite, ohne allerdings eine ideologisch gefestigte Einstellung zu haben. Die Ereignisse, die einen damals prägten: die Taten der RAF, der Kampf des Staates gegen diese und die damit verbundenen Folgen wie politisch erregte Diskussionen, die Rasterfahndung, die dadurch entstandene Angst vor einem übermächtigen Staat, die Atomkraft und die Angst vor deren Nutzung, die Beschäftigung mit der damals sogenannten Dritten Welt, angeregt durch die auch in der Grafschaft Bentheim entstandenen Dritte Welt-Läden, und der Konflikt zwischen Ost und West, der unter anderem durch die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) entschärft werden sollte. Direkt vor Ort beschäftigte die Menschen neben dem Kernkraftwerk in Lingen auch noch der von der Royal Air Force genutzte Bombenabwurfplatz Nordhorn-Range, gegen den immer wieder protestiert wurde – sogar mit Schulstreiks.

Von Interesse waren für mich aber nicht nur die großen politischen Themen, sondern auch die Musik. Und da darf ein Name nicht fehlen: Georgies. Der leider heute nicht mehr existierende Laden war ein Kultort. Fast wöchentlich oder noch öfters stöberte ich dort nach LPs, die ich, bevor ich mir eine eigene Plattensammlung zulegte, bei meinem viel zu früh verstorbenen Vetter Michael gesehen und gehört hatte. In seinem vom Rest des großen Elternhauses meiner Mutter etwas abgetrennten Zimmer im früheren Dachboden hörte ich über eine Anlage höchster Qualität alles, was damals Rang und Namen hatte: die Rolling Stones, Deep Purple, Pink Floyd, Santana, Crosby Stills Nash & Young, Yes, Uria Heep, Mike Oldfield und auch schon Vertreter der damals im Kommen begriffenen Krautrock-Musik wie Wallenstein, Birth Control, Frumpy und manche mehr. Es gab aber nicht nur Rock zu hören, sondern auch Klassik. Was mir von damals noch in Erinnerung ist: die Vier Jahreszeiten von Vivaldi, die Brandenburgischen Konzerte von Bach und Toccata & Fuge – ebenfalls von Bach.

Neben der Musik faszinierten mich auch Bücher, ebenfalls beeinflusst von meinem äußerst belesenen Vetter Michael. Einer der Klassiker damals: Hermann Hesse. Obwohl schon 1962 verstorben, war er einer der Kultautoren vieler Jugendlichen meiner Generation. Seine Werke wie Demian, Unterm Rad und vor allem Der Steppenwolf trafen den Nerv. Das Aufbegehren gegen überkommene Autoritäten und die Sinnsuche vor dem Hintergrund einer vom Konsum und Materialismus geprägten Gesellschaft bestimmten das Denken der Heranwachsenden.

Nicht fehlen darf bei diesen Erinnerungen an eine Jugend in Nordhorn das Jugendzentrum. Dort kam ich erst im Alter von 17 oder 18 Jahren hin. Der Grund: Bis dahin kannte ich keinen, der dort hinging. Erst durch einen ehemaligen Freund lernte ich das Jugendzentrum kennen und war sofort begeistert. Dort wurde die Musik gespielt, die ich hörte, und dort waren auch die Leute, mit denen man politisch auf einer Wellenlänge war und mit denen man auch andere Interessen wie Musik und Literatur teilte. Legendär noch immer: die Discos am Mittwoch und am Wochenende in der zumeist proppenvollen Tenne, die anfangs nur bis 23 Uhr liefen. Später kam noch die Scheune dazu, um dem Besucherstrom gerecht zu werden. Neben der Disco gab es im Jugendzentrum auch viele unvergessliche Konzerte mit Herman Brood, The Touch mit Terence Trent D´Arby als Sänger, Cuby & The Blizards und später Rausch, Abwärts, Reamonn mit Ray Garvey als Frontmann, H-Blockx, Rammstein (tatsächlich) und vielen vielen mehr. Das waren noch Zeiten.

Ich könnte vermutlich noch viel mehr aus dieser Zeit erzählen, wollte mich aber nur auf die Punkte beziehen, die wohl viele meiner Generation gemein haben. Und ich freue mich auf die Eröffnung der Ausstellung.

Impressionismus. Die Sammlung Hasso Plattner

Seit September 2020 dauerhaft im Museum Barberini

Das Museum Barberini in Potsdam zeigt seit September 2020 dauerhaft die umfang reiche Sammlung impressionistischer und postimpressionistischer Gemälde des Museumsgründers Hasso Plattner: Mit 113 Meisterwerken von 23 Künstlerinnen und Künstlern wie Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir, Berthe Morisot, Alfred Sisley, Camille Pissarro, Henri-Edmond Cross und Paul Signac stellt die Sammlung die französische Landschaftsmalerei einzigartig schlüssig und umfangreich dar. Mit 39 Gemälden Monets beherbergt das Museum den größten Werkkomplex dieses Malers in Europa außerhalb Frankreichs sowie einzigartige Bestände an Gemälden von Caillebotte, Pissarro, Signac, Sisley und Maurice de Vlaminck.

Potsdam ist damit eines der weltweit wichtigsten Zentren impressionistischer Landschaftsmalerei. In den 1860er Jahren fanden sich in Paris junge Maler zusammen: Claude Monet, Camille Pissarro, Pierre-Auguste Renoir und Alfred Sisley. Sie befreiten sich von den traditionellen Bildthemen ihrer Zeit und revolutionierten die Kunst mit lichtdurchfluteten Landschaften. 1874 wurden sie als „Impressionisten“ bekannt, die mit Vorliebe in freier Natur malten und flüchtige Sinneseindrücke unmittelbar auf die Leinwand bannten. Später schlossen sich Berthe Morisot, Paul Cézanne und Gustave Caillebotte dieser neuen Kunstrichtung an. In den 1890-er Jahren entwickelten Paul Signac und Henri- Edmond Cross diese Malerei im Pointillismus weiter. Anfang des 20. Jahrhunderts lösten sich die Fauvisten wie Maurice de Vlaminck und André Derain vom impressionistischen und pointillistischen Stil und entwickelten eine flächige, farbstarke Malerei. Impressionisten, Neoimpressionisten und Fauvisten folgten dem gleichen Ideal: Natur mit Licht und Farbe sinnlich erfahrbar zu machen.

Der Sammlungsschwerpunkt des Museumsgründers Hasso Plattner ist seit dem Jahr 2000 der Impressionismus: „Die Gemälde beziehen uns als Betrachter unmittelbar mit ein. Wir spüren den Wind auf der Haut und die Temperatur des Wassers, wenn wir Monets Segelbooten auf der Seine zusehen. Das schafft keine andere Kunst. Die Impressionisten sind Kommunikationsgenies“, erklärt Hasso Plattner. Im Herbst 2020, rund drei Jahre nach Eröffnung des Museums Barberini 2017, übergab Hasso Plattner 103 Werke seines Privatbestandes wie auch seiner Stiftung, der Hasso Plattner Foundation, als Dauerleihgabe an das Museum. Die Sammlung konnte 2022 und 2023 durch ins gesamt zehn Neuerwerbungen erweitert werden, darunter ein Gemälde aus Claude Monets berühmter Serie der britischen Parlamentsgebäude.

Inzwischen umfasst die Sammlung 113 Meisterwerke des Impressionismus und Postimpressionismus von 23 Künstlerinnen und Künstlern. Mit 39 Gemälden von Claude Monet beherbergt das Museum den größten Werkkomplex dieses Malers in Europa außerhalb Frankreichs Impressionismus. Die Sammlung Hasso Plattner sowie einzigartige Bestände an Gemälden von Caillebotte, Pissarro, Signac, Sisley und Vlaminck. Zu den bekanntesten Werken der Sammlung gehören Caillebottes „Die Brücke von Argenteuil“ und die Seine (um 1883), Signacs „Der Hafen bei Sonnenuntergang“, Opus 236 (Saint-Tropez) (1892) sowie Monets Gemälde „Getreideschober“ (1890), „Der Palazzo Contarini (1908) und Seerosen (1914–1917).

Die Sammlungspräsentation im Museum Barberini spannt den Bogen von den 1850-er Jahren bis ins frühe 20. Jahrhundert und versammelt Werke aus drei Generationen an Künstlerinnen und Künstlern, die oft zusammenarbeiteten, für ihre Gemälde an die gleichen Orte reisten und einander inspirierten. Anhand von neun Themenräumen bietet die Schau die Möglichkeit, die Entwicklung der französischen Landschaftsmalerei in den Stilrichtungen des Impressionismus, Neoimpressionismus und Fauvismus nachzuvollziehen.

Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini, erläutert: „Es gibt keine vergleichbare Sammlung, die die Landschaftsmalerei der französischen Impressionisten so umfangreich und die Entwicklung wie auch die Ikonographie so schlüssig zeigen könnte. Besucher innen und Besucher können aber nicht nur die Geschichte dieser faszinierenden Kunstrichtung, sondern auch die Weiterentwicklung der Landschaftsmalerei durch die Neoimpressionisten und die Fauvisten anhand unserer Werke kennenlernen.“

Seit der Eröffnungsausstellung des Museums Barberini Impressionismus. Die Kunst der Landschaft (2017) bieten jährlich bis zu drei Wechselausstellungen die Möglichkeit, den Impressionismus sowie andere Kunstrichtungen aus den unterschiedlichsten Perspektiven zu entdecken. Begleitend zur Sammlungspräsentation ist der Katalog Impressionismus. Die Sammlung Hasso Plattner (Prestel, 2023) von Ortrud Westheider erhältlich. Auf der Website des Museums wird die Sammlung mit Texten von Daniel Zamani, Sammlungskurator am Museum Barberini, und Ergebnissen der Provenienzforschung von Linda Hacka, wissenschaftliche Mitarbeiterin, umfassend vorgestellt. Impressionismus.

Rundgang durch die Sammlung – Reflexionen im Fluss

In den Landschaften entlang der Seine entwickelten die Impressionisten ihr Motivrepertoire. Hier arbeiteten sie unter freiem Himmel, konzentrierten sich auf das Hier und Jetzt und verzichteten auf das Anekdotische früherer Landschaftsmalerei. Sie schärften ihre Beobachtungsgabe an den spiegelnden Oberflächen der Seine. Zu den ständigen Veränderungen von Licht und Wolken am Himmel kamen mit den Reflexionen und dem Fließen weitere dynamische Momente. Schon 1865 brachen Pierre-Auguste Renoir und Alfred Sisley von Paris zu einem Malausflug entlang der Seine auf, der sie bis zur Mündung in Le Havre führte. Viele Künstler der Sammlung werden bis heute mit Seine-Orten wie Argenteuil, Giverny und Moret verbunden: Eugène Boudin, Gustave Caillebotte, Claude Monet, Paul Signac und Alfred Sisley.

Die Industrialisierung und Effizienzsteigerung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts prägte auch die Seine. Dampfschiffe verkehrten auf dem Versorgungsweg zur Hauptstadt und brachten den Stahl für den Bau von Schienen und Passagen aus den am Fluss gelegenen Fabriken nach Paris. Von Steinbrüchen in der Normandie wurde das Material für die Boulevards und die neuen Quartiere in der rasant wachsenden Metropole verschifft. Neben Getreide und Gemüse aus dem Pariser Umland brachten Lastkähne Muscheln, Textilien und andere Konsumgüter zum Verkauf in der Stadt. Daneben war die Seine auch Schauplatz des modernen Segelsports und Ausflugsziel erholungssuchender Städter, die mit der Eisenbahn in die Vororte gelangten – Aspekte des modernen Lebens, die die Impressionisten wie selbstverständlich in ihre Landschaftsbilder integrierten.

Paris und die Peripherie

Die Impressionisten beobachteten das Leben auf den Boulevards, in den Kaffeehäusern und Parks. Gewaltige Umbaumaßnahmen hatten die Hauptstadt seit den 1850-er Jahren verändert. Im Auftrag Kaiser Napoleons III. hatte Baron Haussmann die Stadt zu einer modernen Metropole umgestaltet: mit monumentalen Sichtachsen und Schneisen für den wachsenden Verkehr, mit neuen Grünanlagen, riesigen Markthallen, Bahnhöfen und Theatern. Gleichförmige Fassaden und Baumreihen, Gaslaternen, Litfaßsäulen, Cafés und Geschäfte säumten die Straßen. Paris war die Stadt mit den nach London meisten Einwohnern. Von 1850 bis 1870 verdoppelte sich deren Anzahl auf zwei Millionen. Neue Straßenzüge führten in die Peripherie. Die Vororte wuchsen durch den Zuzug von Handwerkern und Angestellten, die den steigenden Mieten im Zentrum entgehen wollten. Anders als in London, wo die Arbeiterschaft im Zentrum lebte, entstanden um Paris mit der Industrialisierung die Banlieues.

Seit den 1860er Jahren fuhren die erholungssuchenden Pariser mit der Eisenbahn in weniger als fünf Stunden an die Küste der Normandie. In Étretat und Trouville waren Seebäder nach englischem Vorbild entstanden. Anders als im 18. Jahrhundert, als sich der Adel in Kurorten mit Heilquellen, Thermalbädern und Parks erholte, zogen die zum offenen Meer ausgerichteten Badeorte zahllose Touristen an – unter ihnen die Künstler und ihre Sammler.

Ein neuer Realismus

Die Motive der Impressionisten sind betont unspektakulär: Kornfelder, Pappelreihen, Feldwege und Wiesen. In den Feldern an ihren Wohnorten fingen sie für ihr Pariser Publikum Aspekte französischer Landschaft ein, die weder nostalgischen noch nationalen Klischees entsprachen. Lebendig werden ihre neuartigen Naturausschnitte durch die bewegte Pinselführung. So offen die Malweise auch ist, so exakt ist doch die Topographie wieder gegeben. Wege versinnbildlichen nicht mehr den Lauf des Lebens wie in der klassischen Landschaftsmalerei, sondern laden die Betrachter ein, Licht und Luft, Tages- und Jahreszeiten mit allen Sinnen zu empfinden. Als Städter nahmen die Impressionisten das agrarisch geprägte Frankreich mit anderen Augen wahr als die Bauern ihr Ackerland. Während Camille Pissarro und Alfred Sisley sich in ihren Bildern mit der Landbevölkerung in Beziehung setzten, inszenierte Claude Monet sich und seine Familie als Außenstehende. Seine Bilder zeigen das landschaftliche Umfeld Givernys ohne die Arbeit der ansässigen Bauern in den Blick zu nehmen.

Mit wechselnden Licht- und Wetterbedingungen erfassten die Maler atmosphärische Erscheinungen, wie sie die Wissenschaft im 19. Jahrhundert erforschte. Auch die Künstler setzten auf genaue Beobachtung der Phänomene. Dabei entstand keine willkürliche Stimmungsmalerei, sondern ein Protokoll unmittelbaren Erlebens: jeder Pinselstrich eine Information. Moderne am Meer Frankreich war keine Seefahrernation. Doch gewannen die Küsten der Bretagne und der Normandie im Lauf des 19. Jahrhunderts an Bedeutung. Le Havre, wo Eugène Boudin und Claude Monet ihre ersten Malkampagnen starteten, war nach Marseille der zweitgrößte französische Hafen.

Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren hier die Baumwollschiffe aus der Neuen Welt angekommen. Der oft archaisch anmutende Charakter der Hafenstädte mit ihren Segelschiffen täuscht, denn sie hatten ihre Wirtschaft bereits von der vorindustriellen Produktion auf moderne Dienstleistungen umgestellt. Um dem expandierenden Handel gerecht zu werden, wurden französische Häfen nach dem Vorbild der Londoner Docks umgebaut.

Auch Le Havre rüstete sich für immer größere Dampfschiffe: 1872 wurde damit begonnen, den von Boudin und Monet dargestellten Außenhafen mit einer neuen Kaimauer aus zubauen. Impressionistische Hafendarstellungen dienten nicht wie die Marinemalerei Englands und der Niederlande dazu, dem Nationalstolz auf die Flotte Ausdruck zu verleihen. Die Künstler ließen sich von Vorbildern der Alten Meister anregen und arbeiteten die Modernität der Hafenstädte heraus. Künstliche Beleuchtung zeigt den neuen Takt des Warenumschlags an.

Intensivierung und Verdichtung zeigt auch Monets Malerei. In London hatte er, wie wenig später auch Berthe Morisot – die einzige Frau, die von Beginn an mit den Impressionisten ausstellte –, nicht nur die englischen Docks, sondern auch die dynamische Malerei William Turners kennengelernt.

Gartenbilder

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Gartenkultur, ausgehend von England, zur Leiden schaft gebildeter Schichten. Auch das Interesse an importierten exotischen Pflanzen nahm zu. Die Impressionisten pflegten ihre Vorliebe für das Wandelbare auch im eigenen Garten und brachten mit diesem neuen Thema den Wechsel von Tages- und Jahreszeiten zur Anschauung. Claude Monets Schaffen ist untrennbar mit dem Wassergarten verbunden, den er in den 1890er Jahren anlegte und dessen Seerosenteich zum bestimmenden Motiv seines Spätwerks wurde. Doch bereits seit den 1870er Jahren setzte sich der begeisterte Hobbygärtner intensiv mit dem Thema der Hortikultur auseinander.

Das Interesse an Hortikultur teilte Monet mit Freunden wie Gustave Caillebotte, dem Schriftsteller Octave Mirbeau und dem Politiker Georges Clemenceau. Bei japanischen Händlern in Paris erwarben sie Blumenzwiebeln und -samen, aus denen sich die Farbenpracht ihrer Gärten entwickeln sollte. Mit Chrysanthemen züchteten sie eine Pflanze, die in Japan die Sonne symbolisiert. Caillebotte regte der Austausch mit Monet zu Stillleben mit Blumen des eigenen Gartens an. Künstlergärten wurden um die Jahrhundertwende aber auch ein wichtiges Thema, weil sie die Möglichkeit boten, Naturbilder mit Innenraumdarstellungen zu verbinden.

Die Farbe Weiß

Die Winter der 1860-er bis 1890-er Jahre waren schneereich. Auch in Gegenden Frankreichs, in denen es selten schneit, fielen bis zu 30 Zentimeter. Am Ende der Kleinen Eiszeit, die im 17. Jahrhundert begonnen hatte, kam es zu einer Erwärmung, die zu einer zirkulierenden Feuchtigkeit in den unteren Schichten der Atmosphäre und zu ungewöhnlich hohen Niederschlägen führte. Schon der Landschaftsmaler Gustave Courbet hatte diese Ausnahmesituation, die die Landschaft verfremdete, zu Winterbildern inspiriert. Wie dieser waren die Impressionisten nicht mehr daran interessiert, das Heroische zu thematisieren, das dem Schnee im kollektiven Gedächtnis nach den Winterkriegen Napoleons eingeschrieben war.

Die Verwandlung der Landschaft durch den Schnee gab den Malern die Freiheit, sich auf Licht und Farbe zu fokussieren. Die Künstler arbeiteten bei Minusgraden unter erschwerten Bedingungen. Sie setzten sich der eisigen Kälte aus, um dem Schnee die optischen Phänomene der Lichtbrechung auf den Kristallen abzugewinnen. Wie bei ihren Darstellungen von Wasserflächen ging es den Malern um die visuelle Verschränkung von Himmel und Erde. Sie beobachteten das Schauspiel des Widerscheins vom Himmelblau und glühender Sonnenuntergänge. Die Reflexionen auf dem Schnee setzten sie in teils abstrakt anmutende Malerei um.

Die Küsten Europas

Nur die Venedig-Ansichten Claude Monets erinnern noch an die Grand Tour der Künstler voriger Jahrhunderte. Die Stadt hatte schon den Romantikern eine atmosphärische Lichtmalerei entlockt. Die Malerei des Nordens und die Beobachtung der heimischen Natur hatten in Monets Generation das Vorbild der Antike und der an der italienischen Campagna geschulten klassizistischen Landschaftsmalerei abgelöst. Wenn Eugène Boudin, Berthe Morisot und später Paul Signac Italien besuchten, dann nicht auf den traditionellen Wegen. Vielmehr reisten sie mit der Eisenbahn entlang der Küsten wie andere Touristen.

Die Küsten Nord- wie Südeuropas wurden im späten 19. Jahrhundert mit Postkarten touristisch vermarktet. Die Maler stellten sich dieser Konkurrenz, indem sie mit den Ausschnitt-Techniken der Photographie arbeiteten. Ihre pastose Malerei stand im Gegensatz zu den glatten Oberflächen des neuen Mediums. Die Côte d’Azur wurde touristisch zur gleichen Zeit erschlossen, als sich Cross und Signac dort in den 1890-er Jahren niederließen. Das Sonnenlicht, das die Maler in den Süden zog, war für sie eine Energie, die künstlerische Neuerungen mit gesellschaftlichen Utopien speiste. Die drei Generationen der Impressionisten, Pointillisten und Fauvisten – Zeitgenossen eines sich rasant entwickelnden modernen Frankreichs – verband das gleiche Ideal: Natur mit Licht und Farbe sinnlich erfahrbar zu machen.

Monets Serien

Nachdem Monet Ende der 1870er Jahre Paris den Rücken gekehrt hatte, widmete er sich zunächst in Vétheuil und später in Giverny der Natur im Wechsel von Tages- und Jahreszeiten. Hier verfolgte er die Idee, durch Wiederholungen des Motivs der Erfassung des Augenblicks näherzukommen. Von 1891 an nutzte Monet Einzelausstellungen in seiner Pariser Galerie Durand-Ruel zur Präsentation groß angelegter Werkreihen, bei denen er ein einziges Motiv in zahlreichen Variationen durchspielte: Auf seine Getreideschober folgten die Kathedralen von Rouen, später die Serie des britischen Parlaments in London und schließlich die des Seerosenteichs in seinem Wassergarten in Giverny.

Drei dieser Werkgruppen sind in der Sammlung Hasso Plattner beispielhaft vertreten. Mit den Getreideschobern stellte Monet sein Konzept des enveloppe vor – jener das Motiv umgebenden Hülle aus Licht und Luft, das er zum eigentlichen Gegenstand seiner Malerei erhob. Die im Smog gegen den Sonnenuntergang aufscheinende Silhouette von Westminster Palace beschäftigte ihn bei drei London-Aufenthalten zwischen 1899 und 1901. Der Seerosenteich in Giverny gab Monet über zwei Jahrzehnte lang Stoff zu sehen und zu malen: Spiegelnde Wasserflächen hatten sein Werk von Anfang an geprägt. Das neben seinem Seerosenteich gelegene Atelier erlaubte es ihm, nun auf bisher ungeahnt großen Leinwänden zu arbeiten. Indem sie auf den Horizont verzichten und den Himmel spiegeln, entgrenzen die Bilder den Landschaftsraum und bieten den Betrachtern ein immersives Erlebnis.

Landschaften der Fauvisten

1905 kam eine radikal neue Kunstrichtung auf, die die Konturen betonte und die Farbe expressiv einsetzte. Als „Les Fauves“ (die Wilden) bezeichnete ein Kunstkritiker diese Maler anlässlich ihrer ersten Ausstellung im Pariser Herbstsalon.

Während André Derain mit seinem Freund Henri Matisse auf den Spuren von Cross und Signac in Südfrankreich gemalt hatte, war Maurice de Vlaminck in Nordfrankreich an den Ufern der Seine geblieben. Die Fauvisten lösten sich vom impressionistischen und pointillistischen Stil und entwickelten eine flächige, farbstarke Malerei. Anders als die Impressionisten ging es ihnen nicht um die Darstellung von Naturphänomenen, sondern – darin den Malern der „Brücke“ verwandt – um den Ausdruckswert der Farbe.

Auch begannen sie in der Nachfolge Cézannes mit einer Zergliederung der Form zu experimentieren, wie sie der Kubismus später weiterführte. Ihr expressiver Malstil hielt sie jedoch nicht davon ab, Impressionismus und Pointillismus in der Wahl der Orte und Motive zu folgen. So reiste Derain 1907 nach Cassis, wo bereits Signac gemalt hatte. Vlaminck malte mit dem Bootshaus von Rueil ein Motiv Pierre-Auguste Renoirs. Obwohl ihre Landschaften aufgewühlt, oft düster sind, bezogen sich die Fauvisten auf die Ikonographie des Impressionismus.

Nähere Informationen: Museum Barberini, Friedrich-Ebert-Str. 115, 14467 Potsdam, E-Mail: info@museum-barberini.de, Internet: http://www.museum-barberini.de

Affinities – Neue Begegnungen in der Sammlung der Kunsthalle Recklinghausen

Den Abschluss des 75. Jubiläumsjahres der Kunsthalle Recklinghausen bildet die noch bis zum 6. April zu sehende Ausstellung „Affinities“, die Werke aus der eigenen Sammlung der Kunsthalle, des ehemaligen Vestischen Museums und des Ikonen-Museums mit national und international bekannten Künstlerinnen und Künstlernals Gästen im Haus kombiniert. Alle Werke stehen in Bezug zur Ausstellungsgeschichte des Hauses, zu kuratorischen Ideen, oder Displays von den Anfängen der Kunsthalle bis in die Gegenwart. Gezeigt werden sie über klassische Epochen- und Genrefragen hinaus als ästhetische Verwandtschaften. Und diese Beziehungen sollen als Affinitäten zueinander verstanden und präsentiert werden.

In Rückbezug auf Thomas Grochowiaks bahnbrechenden Ausstellungen an der Kunsthalle Recklinghausen in den 1950-er Jahren, oder die großen monografischen Projekte der 1990-er Jahre in Recklinghausen mit Einzelausstellungen von Per Kirkeby oder Jannis Kounellis, mit einem Blick für kuratorische Konzepte wie Harald Szeemanns „When Attitudes Become Form“(1969) in Bern oder Danh Vos „Slip of the Tongue“(2015) in Venedig will diese Ausstellung einen kaleidoskopischen Rückblick und eine perspektivische Aussicht für die Kunsthalle und die in ihr gezeigte Kunst bieten.

Ausstellende Künstler

Vertreten sind Werke von Søren Aagaard, Marina Apollonio, Katja Aufleger, Noémi Barbaglia, Béatrice Balcou, Marianne Berenhaut, Erich Bödecker, Hal Busse, Vivian Ellis, Ayşe Erkmen, Ângela Ferreira, Isabella Fürnkäs, Christine Gironcoli, Katharina Grosse, Dor Guez, Flo Kasearu, Barbara Kasten, Tadeshi Kawamata, Per Kirkeby, Mischa Kuball, Sigalit Landau, Jeewi Lee, Julio Le Parc, James Lewis, Heinz Mack, Paola Siri Renard, Anahita Razmi, Michael Sailstorfer, Morgaine Schäfer, Mona Schulzek, Berit Schneidereit, Franz Erhard Walther, Andy Warhol sowie Werke aus dem Ikonen-Museum und dem ehemaligen Vestischen Museum Recklinghausen.

Nähere Informationen: Kunsthalle Recklinghausen, Große Perdekamp-Straße 25-27, 45657 Recklinghausen, Telefon: +49 (0)2361 501935, E-Mail: info@kunst-re.de

Spot On – Only Murders in the Museum

Ob dramatisch inszeniert oder nüchtern geschildert, ob detailreich ausgeführt oder in groben Strichen angedeutet: Seit Jahrhunderten sind Morde in all ihren Facetten Gegenstand der Kunst. Sie begegnen uns sowohl in Darstellungen antiker Mythen, biblischer Geschichten und historischer Begebenheiten als auch in zeitgenössischen Bildwelten. Die Faszination für solche Werke liegt in ihrer Emotionalität und dem Versuch, dem Unbegreiflichen und Schockierenden Ausdruck zu verleihen.

Aus dem Sammlungsbestand des Kunstpalastes Düsseldorf wurden für die Kabinettausstellung „Spot On – Only Murders in the Museum“22 Werke, darunter Gemälde, Grafiken und Skulpturen ausgewählt, die den Zeitraum vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart abdecken. Sie erzählen unterschiedliche Geschichten von Unschuldigen und Schuldigen, von kaltblütigen Taten und tragischen Verhängnissen.
Die Arbeiten bieten Anlass, den eigenen Blick auf solche Taten und deren Darstellung zu hinterfragen. Gleichzeitig verraten sie viel über den gesellschaftlichen Umgang mit Morden: In manchen Werken wird die Gewalt verklärt, in anderen wird sie religiös oder politisch begründet, und in wieder anderen werden strukturelle Probleme sichtbar. Denn letztlich sind Morde in der Kunst immer auch ein Spiegel ihrer Zeit.
Kuratiert wurde die Kabinettausstellung, die noch bis zum 3. Mai zu sehen ist, von Hannah Steinmetz, wissenschaftliche Volontärin, Sammlung Malerei bis 1900 am Kunstpalast.

Nähere Informationen: Kunstpalast, Ehrenhof 4-5, 40479 Düsseldorf, Telefon: 0211 56642100, E-Mail: info@kunstpalast.de

Expedition Weltmeere – kulturhistorisch und immersiv

Etwa 70 Prozent der Erdoberfläche ist mit Wasser bedeckt, davon sind 96,5 Prozent Meerwasser. Müsste die Erde nicht eigentlich „Planet Wasser“ heißen? Die Weltmeere gelten als der Ursprung allen Lebens auf der Erde. Sie bieten Rohstoffe, Energie, Nahrung, Transportwege und funktionieren als Klimamaschine. Die kulturhistorische und immersive Ausstellung Expedition Weltmeere, die noch bis zum 6. April in der Bundeskunsthalle Bonn zu sehen ist, beleuchtet nicht nur die „oberflächliche“ Beziehung zwischen Mensch und Meer, sondern taucht auch in die geheimnisvollen submarinen Gefilde ein.

Bereits seit 4000 Jahren nutzen Menschen die Wasserwege als globalen Highway, deshalb mutet es geradezu paradox an, dass wir heute über die Oberflächen von Mond und Mars mehr wissen als über die Weltmeere, deren Tiefen lediglich zu fünf Prozent erforscht sind. Die Weltmeere waren stets imaginäre Räume, die Sehnsüchte weckten, Fantasie anregten, aber auch Ängste schürten. Seit jeher spielten sie beim Austausch zwischen Völkern und Kontinenten eine Schlüsselrolle: Waren, Ideen und Religionen verbreiteten sich immer auch auf dem Seeweg. Die Meere wurden auf der Suche nach Siedlungsmöglichkeiten, nach Gold, Gewürzen und neuen Wissensquellen überquert. So entstanden in einem jahrhundertelangen Prozess von Interaktionen vielfältige Verbindungen und Netzwerke rund um den Globus.

Bereits in der Frühzeit war die Seefahrt ein Mittel ökonomischer und machtpolitischer Expansion: Wer die Meere beherrschte, hatte auch am Land das Sagen. Der beschämendste Aspekt dieses transkontinentalen Strebens nach Macht und Reichtum war der Handel mit versklavten Menschen aus Afrika (15. bis 19. Jahrhundert), deren Schwerstarbeit den Wohlstand Europas und der Vereinigten Staaten von Amerika überhaupt erst ermöglichte. Die Ozeane und Meere sind der größte zusammenhängende Lebensraum unseres Planeten. Da sie Wärme und CO2 in großen Mengen speichern, haben sie maßgeblichen Einfluss auf Wetter und Klima. Umgekehrt nehmen sie und ihre Ökosysteme durch die Auswirkungen des Klimawandels erheblichen Schaden. Auch Überfischung, industrielle Nutzung, intensiver Schiffsverkehr und die anthropogene Verschmutzung drohen die faszinierende Vielfalt der Weltmeere zu vernichten.

Zu den Zielen der 2021 gestarteten UN-Ozeandekade gehört neben Maßnahmen zum Schutz der Meere auch das Bestreben, das Wissen über die Ozeane zu verbreiten und stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Das Thema Weltmeere bietet unzählige Betrachtungsperspektiven und Zugänge. Die Ausstellung Expedition Weltmeere richtet den Fokus auf das lustvolle Erforschen und Erkunden unterschiedlicher Facetten der marinen Welten, deren Transformationsprozesse sowie die vielfältigen kulturellen Beziehungen zwischen Mensch und Meer. Sie hebt die Schönheit der rätselhaften Lebensräume unter Wasser hervor und weist gleichzeitig hin auf ihre Bedrohung durch Verschmutzung, Lärm, Übernutzung mariner Ressourcen und den vom Menschen verursachten Klimawandel.

Die Ausstellung konzentriert sich auf drei große Themenschwerpunkte: Die Tiefsee mit ihren rätselhaften Lebenswelten und dem fragilen Ökosystem, die Weltmeere als umkämpfter Wirtschaftsraum und Grundlage der Globalisierung und schließlich die Weltmeere als Sehnsuchtsort und Transferraum für Menschen und Ideen. Diese geheimnisvollen Gefilde waren schon immer eine Inspirationsquelle für Fantasie und Kreativität: Neben Originalobjekten aus Natur, Wissenschaft und Technik führen historische wie zeitgenössische Kunstwerke die gefährdete Schönheit der marinen Flora und Fauna vor Augen und animieren zum Nachdenken über die wechselvolle Beziehung zwischen Mensch und Meer.

Die beiden immersiven Stationen in der Ausstellung, Der Fahrstuhl in die Tiefsee und Die Unterwasserstation, vermitteln neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in einem zeitgemäßen Format. Bei der Station Der Fahrstuhl in die Tiefsee sind Assoziationen mit der Nautilus, dem berühmten Unterwasserboot des Kapitän Nemo, durchaus naheliegend. Der Fahrstuhl wurde als eine Kabine für mehrere Personen konzipiert, deren „Fenster“ aus großen Monitoren bestehen, auf denen auf acht „Etagen“ die dort lebende Meeresflora und -fauna in Originalaufnahmen zu sehen sind. Die Unterwasserstation erzählt die Geschichte der Endurance, des vermutlich berühmtesten Expeditionsschiffs der Wissenschaftsgeschichte, mit dem der Polarforscher Ernest Shackleton 1914 zu seiner Trans-Antarktis Expedition aufbrach. Das Schiff sank 1915, ohne sein Ziel zu erreichen, sein Wrack wurde erst 2022 in 3008 Metern Tiefe entdeckt – eine weltweite Sensation. Die realitätsnah gestaltete Unterwasserstation bietet den Ausgangspunkt für die Erkundung des Wracks der Endurance auf dem Meeresboden.

Ausstellungstexte

Die Weltmeere sind der Ursprung allen Lebens auf der Erde. Sie bilden das größte zusammenhängende Ökosystem auf unserem Planeten und sind Lebensraum für geschätzt mehr als zwei Millionen Arten. Für unser Leben sind sie unentbehrlich als Klimaregulator und Sauerstoffproduzent. Sie liefern Nahrung, Rohstoffe und Energie. Und obwohl sie etwa 70 Prozent der Erdoberfläche bedecken, wissen wir mehr über Mond und Mars als über die Weltmeere. Unsere Ausstellung taucht in diese geheimnisvollen submarinen Gefilde ein und beleuchtet die komplexe Beziehung zwischen Mensch und Meer. Im Mittelpunkt stehen das Erforschen und Erkunden der marinen Welten. Wir feiern ihre Bedeutung und ihre Schönheit und verweisen gleichzeitig auf ihre Gefährdung. Wir präsentieren die Weltmeere als Wirtschaftsräume und Transferzonen für Menschen, Waren und Ideen. Und wir erzählen von den Ozeanen als Quelle kreativer Fantasie und der Abenteuerlust sowie als Ursprung tiefer Ängste gleichermaßen. In der Mitte der von den Vereinten Nationen 2021 ausgerufenen Dekade der Ozeane und im Jahr der Nachhaltigkeit in der Bundeskunsthalle will die Ausstellung das Wissen über die Weltmeere und ihre existenzielle Bedeutung stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken.

Der Blaue Planet

Vom Weltall aus betrachtet, erscheint die Erdkugel in einem kräftigen Blau. Das liegt an der Größe der Ozeane, die zirka 70 Prozent der Erdoberfläche bedecken. Seit der Mensch sich aufgemacht hat, die Ozeane zu erobern, nutzt und erforscht er sie, bedroht aber auch deren Existenz. Um sich auf See zu orientieren, sind Schiffe auf Navigationsinstrumente und Karten angewiesen. Früher mussten die Seeleute ihren Weg mit Hilfe der Gestirne finden, um anhand der Position der Himmelskörper den eigenen Standort zu bestimmen. Heute vertrauen sie auf moderne Techniken wie Radar und GPS. Trotz ihrer riesigen Ausdehnung sind die Unterwasserwelten immer noch wenig erforscht. Dabei sind die vielfältigen marinen Lebensräume mit ihrem überwältigenden Reichtum an Flora und Fauna nicht nur der Ursprung allen Lebens auf unserem Planeten, sondern auch ein Reich voller Wunder und Rätsel. Doch die Ozeane sind zunehmend bedroht. Das größte zusammenhängende Ökosystem der Erde leidet unter menschengemachten Problemen wie Lärm, Vermüllung, Übernutzung mariner Ressourcen und Klimawandel.

Die Kunst der Navigation

Solange es die Seefahrt gibt, nutzten Menschen Hilfsmittel, um sich auf dem Meer zu orientieren. Zunächst waren es die Sterne, der Sonnenstand und die Küstennavigation. Seit dem Mittelalter gehörten das Astrolabium, der Kompass sowie Portolankarten mit ihren Seerouten zur Grundausstattung der Schiffe. Die Erfindung des Sextanten und des Chronometers zur Bestimmung der Breiten- und Längengrade im 18. Jahrhundert machte, zusammen mit den ersten wissenschaftlichen Weltkarten, eine präzise Navigation möglich. Im Zuge der ersten großen Expeditionen erfolgte schließlich im 19. Jahrhundert die Kartierung der Meeresfläche und die Tiefenmessung. In der heutigen Navigation, die für die Sicherheit und die Erforschung der Weltmeere unverzichtbar ist, werden traditionelle und moderne Methoden wie Radar, Echolot und GPS verwendet.

Unterwasserwelten

„Die vielleicht größte Entdeckung des 20. Jahrhunderts über den Ozean war die Entdeckung des Ausmaßes unserer Unwissenheit“, stellt Sylvia Earl, eine der weltweit führenden Meeresforscherinnen, ernüchtert fest. Zwar haben die meereskundlichen Expeditionen seit dem 19. Jahrhundert das Wissen über die Unterwasserwelten erweitert, doch die Weltmeere sind heute in ihrer Gesamtheit lediglich zu fünf Prozent erforscht. Die gerade stattfindende technologische Revolution bietet neue Möglichkeiten, diese unbekannten Welten zu ergründen. Dabei stellt sich heraus, dass das Leben in den Meeren genauso bunt und vielfältig ist wie auf dem Festland. Die abwechslungsreichen Geländeformationen und mehr als zwei Millionen Arten stehen für die schier grenzenlose Vielfalt des marinen Lebensraums. Diese geheimnisvollen Gefilde sind seit jeher auch eine ergiebige Inspirationsquelle für die menschliche Fantasie und Kreativität.

Bedrohte Lebensräume

Die Ozeane geraten zunehmend aus der Balance. Das größte zusammenhängende Ökosystem auf unserem Planeten leidet unter den von Menschen verursachten Schäden wie Lärm, Vermüllung, Übernutzung mariner Ressourcen und Klimawandel. Insbesondere die Erwärmung der Meere bedroht die Lebensräume zahlreicher Meeresbewohner. Durch die Aufnahme von Kohlendioxid und die Vermischung des Treibhausgases mit dem Wasser versauern die Ozeane. Die jüngsten Messungen am Great Barrier Reef vor der Küste Australiens belegen, dass die Schäden durch die Korallenbleiche ein Rekordausmaß erreicht haben. Eine weitere Gefahr stellen die zirka 150 Millionen Tonnen Plastikmüll dar, die in den Ozeanen treiben und sich in fünf riesigen Müllstrudeln sammeln.Die nicht abbaubaren Mikroplastikpartikel dringen in alle Meeresregionen vor und gefährden hunderte von Tierarten, die das Plastik mit ihrer Nahrung aufnehmen.

Die Globalisierung der Weltmeere

Seit jeher spielten die Weltmeere beim Austausch zwischen Völkern und Kontinenten eine Schlüsselrolle. Man überquerte sie auf der Suche nach neuen Siedlungsmöglichkeiten, Rohstoffen und wissenschaftlichen Erkenntnissen. So entstanden bereits in der Frühzeit vielfältige Verbindungen und Netzwerke rund um den Globus. Die Weltmeere waren auch immer, spätestens jedoch seit dem Beginn der Globalisierung im 15. Jahrhundert, ein umkämpfter Wirtschaftsraum und Schauplatz des Strebens nach Macht und Reichtum, an dem alle seefahrenden Nationen beteiligt waren. Heute sind die Meere das Rückgrat der globalen Wirtschaft. Zunehmend wurden die Ozeane in die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Systeme eingebunden. Heute betrachtet man sie nicht nur als geografische Räume, sondern als Orte vielfältiger Interaktionen, die internationale Regelungen und Kontrollen erfordern. Die globale Vernetzung und zunehmende menschliche Nutzung der Meere führen zu bedrohlichen ökologischen Problemen. Auch hier ist internationale Zusammenarbeit erforderlich, um eine nachhaltige Nutzung ihrer Ressourcen sicherzustellen.

Ozeane im Austausch

Seit Tausenden von Jahren existierten auf den Ozeanen zahlreiche Seewege und Netzwerke, und auch untereinander waren die Weltmeere stets verbunden. Das 15. und 16. Jahrhundert markiert jedoch einen großen Umbruch. Die damaligen europäischen Versuche, auf dem Seeweg nach Indien zu gelangen, führten zu Entdeckungen, die die Weltmeere auf eine neue Art und Weise miteinander verknüpften. Von nun an zogen sich neue Seerouten kreuz und quer über die Ozeane, und zwischen den Kontinenten wurde ein Schiffsverkehr mit einem weltweiten Austausch von Waren, Menschen, Tieren und Pflanzen etabliert. Die Erschließung neuer Seewege ging mit dem Beginn der Kolonisierung und Besiedlung der neu entdeckten Territorien durch Europäer einher. Diese Expansionspolitik auf den Weltmeeren setzte sich auch nach dem so genannten „Entdeckerzeitalter“ fort.

Globale Handelsrouten

Maritime Handelsrouten waren seit jeher Achsen des wirtschaftlichen und kulturellen Austauschs zwischen Regionen und Kontinenten. Im 16. Jahrhundert gelang es den europäischen Kolonialmächten mit nautischen und logistischen Kenntnissen, aber auch mit Waffengewalt, die Grundlage für ein weltumspannendes maritimes Handelsnetzwerk zu schaffen. Mitte des 19. Jahrhunderts begann mit der Einführung der Dampfschiffe ein neues Zeitalter. Diese schnellere und zuverlässigere Transportmöglichkeit wirkte sich auch auf die Weltwirtschaft aus. Heute werden ca. 90 % des internationalen Güterverkehrs auf dem Seeweg abgewickelt. Möglich machte dies die Erfindung des standardisierten Containers 1956. Die einfache wie geniale Idee, Waren nicht einzeln als Stückgut, sondern gebündelt zu transportieren, revolutionierte den Welthandel und wurde zum Symbol der Globalisierung.

Profit um jeden Preis ‒ Der transatlantische Sklavenhandel

Der europäische Sklavenhandel zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert stellt eines der größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit dar. Es wirkt bis heute in allen Teilen der Welt nach. Die Kolonialmächte zwangen zirka 13 Millionen Afrikaner in die Sklaverei, um sie auf den profitbringenden Plantagen in der neuen Welt als praktisch kostenlose Arbeitskräfte einzusetzen. Neben Waren wie Gold, Gewürze, Zucker, Tabak und Baumwolle wurde auch die Handelsware Mensch transportiert. Aus verschleppten Menschen wurden „Sklaven“, denen man alle Rechte und jegliche Humanität absprach. Die Überfahrt fand unter menschenunwürdigen Bedingungen auf speziell für diesen Zweck umgebauten und ausgerüsteten Sklavenschiffen statt. Mehr als 1,8 Millionen Menschen verloren dabei ihr Leben. Erst mit der Sklavenbefreiung in den USA 1865 endete die institutionell legitimierte Sklaverei in den Industrienationen.

Weltmeere als Ressource: Fischerei

Seit Jahrzehnten schrumpfen die Fischbestände in den Weltmeeren. Die Ursachen liegen in der industriellen Fischerei mit großen Fangflotten und moderner Technik, aber auch im illegalen Fischfang, fehlenden Kontrollen, hohen Fischkonsum und Aquakulturen. Die Folgen der Überfischung sind dramatisch: Die Fischpopulationen brechen zusammen, marine Ökosystem werden durch den Einsatz von Schleppnetzen zerstört oder geraten ins Ungleichgewicht, und viele Menschen verlieren dadurch ihre Lebensgrundlage. Die Lösungen im Kampf gegen die Überfischung sind bekannt: eine nachhaltige Fischerei mit festgelegten Höchstfangquoten und Schutzzeiten sowie marine Schutzgebiete, in denen gar nicht oder nur eingeschränkt gefischt werden darf. Aber auch ein verändertes Verhalten der Verbraucher, weniger oder bewusster Fisch zu konsumieren und dabei auf Zertifizierungen wie das MSC-Siegel (Marine Stewardship Council) zu achten, ist wichtig.

Weltmeere als Ressource: Rohstoffe

Neben der Öl- und Gasgewinnung aus dem Meeresboden, die mittlerweile ein Drittel der weltweiten Förderung ausmacht, sind es die mineralischen Rohstoffe aus der Tiefsee, die eine zentrale Rolle für die Zukunft spielen. Denn Manganknollen, Massivsulfide und Kobaltkrusten liefern wertvolle Metalle und seltene Erden für moderne Technologien. Diese Rohstoffe, die auf dem Meeresboden jenseits der nationalen Hoheitsgebiete (mehr als 200 Seemeilen vor der Küste) zu finden sind, werden im Internationalen Seerechts übereinkommen der Vereinten Nationen von 1982 als das „gemeinsame Erbe der Menschheit“ bezeichnet. Ihr kommerzieller Abbau hat noch nicht begonnen und ist hoch umstritten. Er ist nur mit der Genehmigung der Internationalen Meeresbodenbehörde möglich, die entsprechende Lizenzen vergibt und verhindern soll, dass nur reiche Industrienationen oder Konzerne von den Rohstoffen profitieren.

Schutz der Meere

„Wir müssen die Ozeane retten, wenn wir uns selbst retten wollen“, erklärte die Seerechtsexpertin, Ökologin und Publizistin Elisabeth Mann Borgese (Anm.: Bekannt wurde die Tochter von Thomas Mann durch den Dokumentarfilm „Die Manns“ von Heinrich Breloer) bereits in den 1960er-Jahren. Heute ist die Bedrohung für die Weltmeere und somit für unsere gesamte Lebensgrundlage durch Verschmutzung, Lärm, Übernutzung mariner Ressourcen und den vom Menschen verursachten Klimawandel mehr als dramatisch. Die im Jahr 2021 gestartete Ozeandekade der Vereinten Nationen hat sich daher zum Ziel gesetzt, durch gemeinsame Forschungsprojekte, Handlungsstrategien und Informa tionskampagnen bis 2030 einen gesunden und nachhaltig bewirtschafteten Ozean zu schaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss auch das Wissen über den Ozean und seine massive Gefährdung stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Gerade jetzt, in Zeiten der geopolitischen Krise ist der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik, NGOs und Zivilgesellschaft von höchster Bedeutung.

Ozeane als Transferraum für Menschen und Ideen

Die Beziehung zwischen Mensch und Meer ist so alt wie die Menschheit selbst. Sie ist von dem Wunsch geprägt, die grenzenlosen Weiten der Ozeane zu erkunden und zu erschließen. So entwickelten sich die Weltmeere zu einer Transferzone, deren Passagen auch für unterschiedliche Migrationsbewegungen offenstehen. Die Beweggründe hierfür sind vielfältig: Politische und religiöse Motive, Hoffnung auf eine bessere wirtschaftliche und soziale Zukunft haben Millionen Menschen auf die Reise geschickt. Mit den Menschen reisten auch Ideen zu neuen Ufern. Die Hafenstädte entwickelten sich zu Informationsbörsen und Umschlagplätzen für Nachrichten aus aller Welt. Ob die Ideale der Französischen Revolution oder die vibrierenden Tanzrhythmen der afrikanischen Diaspora – sie alle verbreiteten sich ebenfalls übers Meer. Die menschliche Wahrnehmung des Meeres wurzelt in einem Spannungsfeld zwischen Wissensaneignung und der Sehnsucht nach dem Unbekannten. Seit der Frühzeit befeuerten die Mythen über mächtige Seegottheiten und furchterregende Ungeheuer in den Meerestiefen Abenteuerlust und Fantasie der Menschen gleichermaßen.

Migration übers Meer

Die Migration über das Meer hat viele Facetten: Die Beweggründe der Menschen reichen von freiwilliger Auswanderung bis zur lebensrettenden Flucht. Schon in prähistorischer Zeit migrierten Menschen über die Weltmeere. So begann die polynesische Besiedlung hunderter von Inseln im Pazifik bereits um 1500 v. Chr. Der Atlantik erlebte eine erste große Migrationswelle im späten 15. Jahrhundert. Sie brachte Europäer, vor allem aber Millionen von versklavten Menschen aus Afrika nach Amerika. Eine weitere Migrationswelle folgte im 19. Jahrhundert, als schätzungsweise mehr als 50 Millionen Menschen aus Europa nach Nord- und Südamerika auswanderten. Die Hauptursachen hierfür waren wirtschaftliche Not, politische Umbrüche und religiöse Verfolgung. Diese Motive bedingen bis heute die Migration über die Meere auf der ganzen Welt. Neben Krieg, Armut und Verfolgung gehört mittlerweile auch der Klimawandel dazu.

Transatlantischer Ideentransfer – Die Haitianische Revolution

Im 18. Jahrhundert entwickelten sich die Hafenstädte der europäischen Kolonien in der Karibik zu bedeutenden Knotenpunkten eines weitgespannten Informationsnetzes. So verbreiteten sich die Ideale der Französischen Revolution von 1789 auch über den Seeweg. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte weckte Hoffnungen bei vielen versklavten Menschen, die auf den Zuckerrohrplantagen der französischen Kolonie Saint-Domingue Schwerstarbeit leisteten. Doch eine Abschaffung der Sklaverei in Übersee war nicht vorgesehen. 1791 erhoben sich Tausende Sklaven gegen die Plantagenbesitzer. Nach einem brutalen Bürgerkrieg riefen die siegreichen Aufständischen am 1. Januar 1804 den ersten und einzigen von ehemaligen Sklaven gegründeten Staat der Weltgeschichte aus. In Anlehnung an den ursprünglichen indigenen Namen der Insel hieß er fortan Haiti.

Sagen, Mythen, Abenteuer

In allen Kulturen gibt es Sagen, Mythen und Legenden, die von in den Meeren lebenden furchteinflößenden Wesen erzählen. Diese Meeresungeheuer beschäftigen seit alters die Fantasie der Menschen: Sie sind riesengroß, bringen Schiffe zum Kentern und töten Menschen. Sie verkörpern eine zerstörerische Macht, während die Meeresgottheiten das Meer, seine Bewohner und die Naturgewalten repräsentieren. Götter wie Poseidon oder Triton gehören der antiken Mythologie an, in vielen außereuropäischen Kulturen spielen Meeresgottheiten wie die nordische Sedna jedoch nach wie vor eine wichtige Rolle. Die Vorstellung von geheimnisvollen „ozeanischen Mächten“ hat auch in der modernen Welt nichts von ihrer Faszination verloren. Doch bereits Jules Verne zeigte, dass die Tiefsee kein Ort des Schreckens, sondern der Entdeckung ist, und inspirierte so Genera tionen von Forschenden, die Unterwasserwelten zu erkunden.

635 Tage im Eis – Die British Imperial Trans-Antarctic Expedition von Ernest Shackleton

Angetrieben von dem Ziel, als erster den antarktischen Kontinent zu durchqueren, bricht der Polarforscher Ernest Shackleton (1874–1922) am 8. August 1914 zu seiner Antarktis-Expedition auf. Doch sein Schiff, die Endurance, erreicht den Eiskontinent nie. Wenige Seemeilen vor dem Ziel bleiben Shackleton und seine 28-köpfige Besatzung im Packeis stecken. Von den Eismassen eingeschlossen und schließlich zerquetscht, sinkt ihr Schiff im November 1915. Es folgt eine der dramatischten Rettungsaktionen der Forschungsgeschichte, die im August 1916 ein glückliches Ende findet. 10 Mehr als 100 Jahre später macht sich der Unterwasserarchäologe Mensun Bound mit seinem hochspezialisierten Team auf die Suche nach der Endurance. Am 5. März 2022 ist die Sensation perfekt – das Sonarbild des nahezu unzerstörten Wracks geht um die Welt.

Publikation

Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Publikation Expedition Weltmeere. Magazin zur Ausstellung. Herausgeber ist die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland Mit über 40 Beiträgen aus Wissenschaft und Kunst von David Barrie, Daniela Baumann, Rachel L. Carson, Katharina Chrubasik, Volker Dehs, André Freiwald, Rainer Froese, Amitav Gosh, Gerd Hoffmann-Wieck, Florian Huber, Andrea Koschinsky, Mark Lenz, Agnieszka Lulińska , Olaus Magnus, Ina Makosi, Nele Matz-Lück, Alexander Meier-Dörzenbach, Katja Mintenbeck, Maike Nicolai, Martin Papirowski, Grischka Petri, Henriette Pleiger, Heike Raphael-Hernandez, Iris Schröder, Felix Schürmann, Simon Schwartz, Julia Sigwart, Dava Sobel, Christiane Stahl, Solvin Zankl, darunter Interviews mit Antje Boetius, Mensun Bound, Boris Herrmann und Katja Matthes Umfang und Format Broschur, 21 x 29,7 cm 194 Seiten, 190 farbige Abbildungen Deutsche Ausgabe Hirmer Verlag, München Preis: 19,90 Euro, Buchhandelspreis: 25 Euro.

Nähere Informationen: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH Museumsmeile Bonn, Helmut-Kohl-Allee 4, 53113 Bonn, Telefon: +49 228 9171-200, Fax: +49 228 234154, E-Mail: info@bundeskunsthalle.de

Ausstellungsvorschau 2026/27 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Das Ausstellungsprogramm 2026 der Kunstsammlung Nordrhein Westfalen feiert die Strahlkraft von Kunst und die Bedeutung des Museums für die Gesellschaft Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen gehört mit ihren beiden Standorten K20 und K21 zu den international bedeutendsten Sammlungen der klassischen Moderne, der Nachkriegsmoderne und der Gegenwartskunst.

Unter der Direktion von Susanne Gaensheimer setzt das Museum seinen Weg fort, bedeutende internationale Künstlerpositionen in Düsseldorf zu präsentieren und dabei ein vielstimmiges und inklusives Museum für alle zu sein. Das Ausstellungsprogramm 2026 zielt insbesondere darauf ab, niedrigschwellige Formate mit wissenschaftlicher Tiefe zu verbinden, den Zugang zur Kunst weiter zu öffnen und das Museum als lebendigen, vielfältigen Ort für eine neue Generation zu gestalten. Das Jahr beginnt mit dem Ausklang zweier Gruppenausstellungen: „Queere Moderne. 1900 bis 1950“ im K20 erzählt mit über 130 Werken von 34 internationalen Künstlern eine alternative Geschichte der Moderne, deren Themen wie Begehren, Gender und Sexualität sowie die Politik der Selbstdarstellung aktueller denn je sind. In der Gruppenausstellung „Grund und Boden. Wie wir gemeinsam leben“ im K21 thematisieren 34 internationale Künstler und Kollektive ausgehend vom K21 als dem ehemaligen Parlamentsgebäude von Nordrhein-Westfalen, unterschiedliche Formen der Verwaltung von Ressourcen – von indigenen Wirtschaftsweisen über kollektives Eigentum bis hin zu utopischen Blockchain-Projekten.

„Let’s Play!“ – Ab April verwandelt sich die größte Ausstellungshalle im K20 in einen außergewöhnlichen Spielplatz, der von den Künstlern Sonia Kazovsky und Oded Rimon gestaltet wird. Unter dem Titel „Playground“ entstehen begehbare Installationen, die Groß und Klein zum Entdecken und Spielen einladen. Ergänzt wird der Raum durch eine gemütliche Lese- und Kaffee-Ecke für Eltern und Erwachsene. Playground folgt ähnlichen Museumsprojekten für Kinder wie etwa Tate Play (Tate Modern, London) oder BauBau (Gropius Bau, Berlin).

Im Frühjahr und Herbst wird das K20 zwei Ausstellungen zeigen, die sich jeweils einer Künstlerpersönlichkeit widmen, deren Werke – trotz Unterschieden in Zeit und Kontext – den künstlerischen Umgang mit Farbe und Abstraktion neu definiert haben: Ab März zeigt das Museum die erste europäische Einzelausstellung der US-amerikanischen Künstlerin und Autorin Anne Truitt, die neben Donald Judd, Blinky Palermo und Carmen Herrera als Pionierin des Minimalismus gilt. Ab September widmet das K20 dem Mitbegründer des „Blauen Reiter“, Franz Marc, eine umfassende Einzelschau. Seine zauberhaften Tierdarstellungen spielten eine zentrale Rolle in der Entwicklung der modernen Abstraktion.

Das K21, das Museum für internationale Gegenwartskunst der Kunstsammlung Nordrhein Westfalen, startet ins neue Jahr mit Einzelausstellungen von Jon Rafman und dem Duo Holly Herndon & Mat Dryhurst. Beide Positionen befassen sich in ihren Werken mit dem rasanten Aufstieg von Künstlicher Intelligenz, ihren gesellschaftlichen Auswirkungen und ihrem kreativen Potenzial. Den Jahresabschluss bilden die Verleihung des K21 Global Art Award 2026 gemeinsam mit den Freunden der Kunstsammlung sowie eine umfassende Bespielung des gesamten K21 durch den international renommierten Künstler und Rheinländer Thomas Schütte.

Queere Moderne. 1900 bis 1950 – noch bis 15. Februar 2026

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt mit „Queere Moderne. 1900 bis 1950“ die erste umfassende Ausstellung in Europa, die den bedeutenden Beitrag queerer Künstler zur Moderne vorstellt. Mit über 130 Werken – darunter Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen, Filme, Literatur und Archivalien – von 34 internationalen Künstlern richtet das Ausstellungsprojekt den Fokus auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Es erzählt eine alternative Geschichte der Moderne, in der queere Künstler Themen wie Begehren, Gender und Sexualität sowie die Politik der Selbstdarstellung in den Mittelpunkt ihres Schaffens stellten. Sie erzählt zudem Geschichten queeren Lebens in Zeiten von Krieg und Widerstand. Mit dabei sind queere Künstler wie Claude Cahun, Hannah Höch, Jean Cocteau, Romaine Brooks, Marlow Moss oder Richmond Barthé. Nachdem die K20 Sammlung in den letzten Jahren vielstimmiger, globaler und experimenteller geworden ist, eröffnet die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen mit dieser einzigartigen Ausstellung neue Perspektiven auf die Moderne und schenkt bisher weniger beachteten Positionen eine große Sichtbarkeit.

Anne Truitt. Pionierin der Minimal Art – vom 28. März bis 2. August 2026

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen freut sich, die erste umfassende Ausstellung der US-amerikanischen Künstlerin und Schriftstellerin Anne Truitt (1921–2004) in Europa zu präsentieren. Zu entdecken gibt es mehr als 100 beeindruckende Werke aus über vier Jahrzehnten, die das Schaffen einer der einflussreichsten Künstler des Minimalismus zeigen.

Diese Kunstbewegung, bekannt durch Donald Judd, Blinky Palermo und Carmen Herrera, zeichnet sich durch die Verwendung einfacher Formen, lebendiger Farben und das Streben nach Klarheit und Essenz aus. In der Ausstellung laden Truitts Werke ein, sich mit den emotionalen Aspekten von Farbe, Form und Raum auseinanderzusetzen.

Die Ausstellung wird von der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, dem Musée de Grenoble und dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid organisiert und wird von der Terra Foundation for American Art und der Ernst von Siemens Kunststiftung gefördert.

Playground – ab 25. April 2026

Let’s Play! Ab April 2026 verwandelt sich die größte Ausstellungshalle im K20 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen für ein ganzes Jahr in einen außergewöhnlichen Spielplatz, der von den Künstlern Sonia Kazovsky und Oded Rimon gestaltet wird. Unter dem Titel Playground entsteht eine begehbare Installation, die Kinder zum Entdecken und Spielen einlädt. Ergänzt wird der Raum mit einer gemütliche Lese- und Kaffee-Ecke für die ganze Familie. Diese Initiative folgt einer Reihe von institutionellen Ausstellungsprojekten für Kinder, darunter Tate Play (Tate Modern, London), The Playground Project (Kunsthalle Zürich, u.a.), BauBau (Gropius Bau, Berlin) und Für Kinder. Kunstgeschichten seit 1968 (Haus der Kunst, München). Mit Playground verfolgt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen das Ziel, ein Museum für alle zu sein.

Franz Marc – 12. September 2026 bis 24. Januar 2027

Franz Marcs (1880–1916) Werke faszinieren durch ihre leuchtenden Farben und tief berührenden Themen. Vor allem seine Tierdarstellungen ziehen die Betrachter in den Bann: spiegeln sie doch eine tiefe Verbundenheit mit der Natur und die innige Sehnsucht nach Harmonie.

Obwohl Franz Marc ein eher zurückgezogenes Leben führte, war er kein Einzelgänger. Als engagierter Künstler und Kunstkritiker knüpfte er ein weitreichendes Netzwerk zwischen Paris, Berlin und München. Gemeinsam mit Wassily Kandinsky gründete er die Redaktionsgemeinschaft „Der Blaue Reiter“ und setzte sich leidenschaftlich für die moderne Kunst ein. Sein Weg führte ihn zunehmend in die Abstraktion, bevor er durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs jäh unterbrochen wurde.

Das Gesamtwerk von Franz Marc entstand in nur wenigen Jahren zwischen 1904 und 1914. Von den zauberhaften frühen Tierdarstellungen bis zur kubistischen Auflösung der Formen zeichnet die Ausstellung den Weg eines Suchenden nach – eines Künstlers, der sich in einer vom Fortschrittsglauben geprägten Zeit nach dem irdischen Paradies und einem geistigen Raum jenseits der Technik sehnte. Die Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf ist die erste monografische Schau zu Franz Marc seit mehr als zwanzig Jahren und bietet einen umfassenden Einblick in das Schaffen dieses außergewöhnlichen Künstlers.

Grund und Boden. Wie wir miteinander leben – noch bis 19. April 2026

Die Ausstellung „Grund und Boden. Wie wir miteinander leben“ im K21 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen handelt vom menschlichen Zusammenleben: von Krieg, Vertreibung, Flucht und der Zerstörung der Natur, aber auch von Wiederaufbau und Regeneration, vom Wohnen, Pflanzen, Besitzen und Teilen. Sie lädt ein, Visionen für eine gerechte und nachhaltige Zukunft zu entwerfen. Die Ausstellung erstreckt sich über das gesamte K21 sowie den angrenzenden Ständehauspark und nimmt auch den Boden, auf dem das Museum steht – geografisch wie historisch – in den Blick. Ausgehend von der Parlamentsvergangenheit des Hauses, thematisieren 34 internationale Künstler und Kollektive unterschiedliche Formen der Verwaltung von Ressourcen – von indigenen Wirtschaftsweisen über kollektives Eigentum bis hin zu utopischen Blockchain-Projekten.

Mit Werken von: Havîn Al-Sîndy, Maria Thereza Alves, Asche Lützerathi (otherhosted by Sybling – JP Raether & Sarah Friend), Joseph Beuys, AA Bronson, Johannes Büttner, Cercle d’Art des Travailleurs de Plantation Congolaise (Künstlerbund Kongolesischer Plantagenarbeiter, CATPC), Liu Chuang, Simon Denny, Jan Dibbets, Nir Evron, Simone Fattal, Ximena Garrido Lecca, Jef Geys, Robert Gober, Dor Guez, Andreas Gursky, Christopher Kulendran Thomas, Mierle Laderman Ukeles, Richard Long, Gordon Matta-Clark, Boris Mikhailov, Lutz Mommartz, Grace Ndiritu, Simone Nieweg, Chris Reinecke, Ugo Rondinone, Thomas Ruff, Lin May Saeed, Shimabuku, terra0, Ron Tran, Franz West und Alex Wissel

Jon Rafman – 30. Mai bis 27. September 2026

Jon Rafman (*1981 in Montreal, lebt in Los Angeles) gilt seit den 2010-er Jahren als wegweisender Künstler des digitalen Zeitalters. Euphorisch und kritisch zugleich nutzt er für seine Videos und Filme die Möglichkeiten des Internets und dessen überbordende computergestützte Bildsprache.

Im Austausch mit Musik, Popkultur, Mode und Design erprobt und entwickelt Rafman fortlaufend neue bildgebende Verfahren. Rafmans neueste Experimente mit Künstlicher Intelligenz erfahren in der Ausstellung im K21 erstmals museale Betrachtung. Die erste Einzelausstellung des Künstlers in einem deutschen Museum zeigt einen Überblick über das seit 2008 entstehende Werk (unter anderem „Nine Eyes of Google Street View“ (2008-fortlaufend), „Kool Aid Man in Second Life“ (2008-11) und „Dream Journal“ (2019).

Im Mittelpunkt steht das aktuelle Projekt „Mainstream Media Network“, zu dem ein in Gründung befindlicher Musikfernsehkanal gehört, der das historische MTV aus den 1980-er Jahren mittels KI-Modellen wiederaufleben lässt. Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Vortrags- und Bildungsprogramm, das insbesondere die Medienkompetenz junger Menschen in den Blick nimmt. Es erscheint eine monografische Publikation.

Holly Herndon & Mat Dryhurst. Starmirror – 26. Juni bis 11. Oktober 2026

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf und die KW Institute for Contemporary Art, Berlin freuen sich, gemeinsam eine Ausstellung mit den Künstlern und Technologen Holly Herndon (*1980 in Johnson City) und Mat Dryhurst (*1984 in Birmingham) zu realisieren.

Das Duo ist international bekannt für ihre Arbeit an der Schnittstelle von Kunst, Musik, maschinellem Lernen und experimentellen Organisationsformen. Mit Starmirror verwandeln sie die Ausstellungsräume der beiden Institutionen in ein Trainingsgelände für die kollaborative Produktion von Kunst und Musik zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz.

In Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro sub schaffen sie eine immersive Klanginstallation, die gleichzeitig als Aufnahme- und Hörumgebung dient. Besucher sind eingeladen, gemeinsam mit lokalen Chören und unter der Leitung eines Vokalensembles an öffentlichen Gesangsaufnahmen teilzunehmen.

Diese bilden einen Datensatz, der es den Künstlern ermöglicht, einen KI-Chor zu entwickeln. Das speziell für das Projekt konzipierte Liederbuch basiert auf dem Moralitätenspiel „Ordo Virtutum“ der Benediktineräbtissin und Universalgelehrten Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert. Darin muss eine Seele zwischen den Kräften des Guten und des Bösen wählen. Die Ausstellung macht KI als kollektiven, menschlich mitgestalteten Prozess erfahrbar und beleuchtet die unsichtbare Rolle technischer Protokolle bei der Gestaltung der uns umgebenden Welt. Die Ausstellung ist eines von elf ausgewählten Projekten, die die Kulturstiftung des Bundes mit ihrem neuen Programm „Kunst & KI – Fonds für neue künstlerische Perspektiven auf KI und Gesellschaft” fördert.

Thomas Schütte – vom 14. November 2026 bis 18. April 2027

Das vielgestaltige Werk Thomas Schüttes (*1954 in Oldenburg) ist seit etwa 40 Jahren prägend für die Kunst der Gegenwart. Seine Werke wurden bereits in den bedeutendsten Museen der Welt gezeigt, wie zuletzt 2024 im Museum of Modern Art in New York.

Ab Herbst 2026 widmet ihm nun die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen eine umfangreiche Einzelausstellung. In Schüttes Architekturmodellen können wir Vorschläge erkennen, wie wir im öffentlichen und im privaten Raum leben können. Zugleich kommentieren diese Vorschläge aber auch die Realität unserer Gesellschaft. Den hintergründigen Humor und die Experimentierfreude mit den unterschiedlichsten Materialien und Themen zeichnen auch seine Skulpturen und Installationen aus, wenn er Knetmasse, Holz, und Textilien, neben traditionelle Techniken wie glasierte Keramik, Bronzeguss und Aquarell stellt.

Der für ungewöhnliche Präsentationsformate bekannte Künstler wird die Piazza im Erdgeschoss und den Ausstellungsraum im Untergeschoss des K21 bespielen. Die Ausstellung im K21 entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler und stellt eine neue Auseinandersetzung mit dem Ständehaus als Institution und Architektur dar.

K21 Global Art Award 2026

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen verleiht in Kooperation mit den Freunden der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen den jährlichen Kunstpreis K21 Global Art Award. Die Künstlerin Mthwakazi Marasela (*1977, in Thokoza, Südafrika) erhielt 2023 mit dem Ankauf einer Werkgruppe zum ersten Mal den Kunstpreis. 2024 ist Wang Tuo (*1984 in Changchun, China) mit seinem Werk The Second Interrogation (2022) ausgezeichnet worden. 2025 folgt als Preisträgerin die brasilianische Künstlerin Tadáskía. 2026 wird der K21 Global Art Award zum vierten Mal vergeben.

Der Preis fördert Künstlern am Anfang oder in der Mitte ihrer Karriere und ist mit einem Ankauf für die K21 Sammlung verbunden. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag, um die Sammlung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen vielstimmiger und pluraler zu gestalten.

Nähere Informationen: K20, Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf, K21, Ständehausstraße 1, 40217 Düsseldorf, Telefon: +49 (0)211 8381-204, E-Mail: service@kunstsammlung.de, Internet: http://www.kunstsammlung.de

Ausstellung thematisiert die Frage, wie gerechtes Zusammenleben heute möglich ist

Die Ausstellung „Grund und Boden. Wie wir miteinander leben“ im K21 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen handelt vom menschlichen Zusammenleben: von Krieg, Vertreibung, Flucht und der Zerstörung der Natur, aber auch von Wiederaufbau und Regeneration, vom Wohnen, Pflanzen, Besitzen und Teilen. Sie lädt ein, Visionen für eine gerechte und nachhaltige Zukunft zu entwerfen. Die Ausstellung, die noch bis zum 19. April 2026 zu sehen ist, erstreckt sich über das gesamte K21 sowie den angrenzenden Ständehauspark und nimmt auch den Boden, auf dem das Museum steht – geografisch wie historisch – in den Blick. Ausgehend von der Parlamentsvergangenheit des Hauses, thematisieren 34 internationale Künstlerinnen, Künstler und Kollektive unterschiedliche Formen der Verwaltung von Ressourcen – von indigenen Wirtschaftsweisen über kollektives Eigentum bis hin zu utopischen Blockchain-Projekten.

Erde, Kohle, Lotusseide, Piniennadeln, Schokolade: Die Ausstellung geht in Material und Form ans Elementare. Sie spricht die Sinne ebenso an wie den Geist. Grund und Boden führt nach Brasilien, Korea, den Kongo, Japan, die USA, China, Peru, Vietnam, den Irak, Sri Lanka, den Nahen Osten und zurück nach Deutschland. Sie spürt den Fantasien libertärer Pionierenach, die ihre eigenen Staaten gründen oder den Mars erobern möchten. Und sie blickt auf eine wichtige Grundlage des industriellen Wohlstands im Rheinland, die Kohle: Gleich mehrere Werke beschäftigen sich mit der Geschichte des Kohlebergbaus. Am letzten Tag führt eine Performance von Asche Lützerathi (umsorgt von JP Raether) nach Hambach, dem größten Braunkohletagebau Europas.

Selbstverwaltung: Freiheit vor 500 Jahren und heute

Im Zentrum steht die Frage der Selbstverwaltung. Vor 500 Jahren, zu Beginn des Buchdrucks und des Finanzkapitalismus, standen deutsche Bauern gegen Privatisierung und ein immer undurchsichtigeres Geflecht aus Pflichten und Abgaben auf. Alex Wissel befragt das Erbe des deutschen Bauernkriegs in Wandzeichnungen von Bauernprotesten damals und heute. Unter der Glaskuppel des K21 präsentiert Ugo Rondinone hunderte vergoldete Werkzeuge, die im 19. Jahrhundert von Einwanderern in New York geschnitzt und geschmiedet wurden.

Nebenan erläutern in einer Videoinstallation von Maria Thereza Alves indigene Agroforst-Agenten, wie sie ohne Unterstützung der brasilianischen Regierung ein Waldgebiet im Amazonas von der Größe Brandenburgs verwalten. Ihre Methoden zeigen, wie Wachstum für alle Lebewesen möglich ist, wenn die Synergien der Natur genutzt werden. Grace Ndiritu lässt die Natur in einem Protestzug aus Tier- und Pflanzenkostümen auftreten. Teppiche zeigen historische Demonstrationen für Land- und für Frauenrechte. Meditationskissen reihen sich um die Abbildung eines Treffens der Artist Placement Group (1966–1989) mit Vertretern aus Düsseldorfer Wirtschaft und Verwaltung 1971 in der Düsseldorfer Kunsthalle.

Ebenfalls in Düsseldorf besetzten im selben Jahr Chris Reinecke und Lutz Mommartz den Gustaf-Gründgens-Platz vor dem Schauspielhaus und demonstrierten gegen von der Politik tolerierten Mietwucher. Mommartz‘ Film „Mietersolidarität“ zeigt eine Ansprache Reineckes gegen Spekulation mit „Grund und Boden“. Neben Reineckes Protestplakaten für die „Mietersolidarität“ werden auch ihre satirischen Entwürfe für selbstgebaute Siedlungen und Beete im Hofgarten gezeigt, der 1769 als erster öffentliche Park Deutschlands eröffnete.

Im Ständehauspark wiederum, gegenüber dem K21, baut Havîn Al-Sîndy einen Raum des Lehmhauses neu auf, in dem sie in den Kurdischen Autonomiegebieten im Irak aufwuchs. Lehmhäuser sind eine der ältesten und meistverbreiteten Bauweisen. Sie sind buchstäblich aus dem Boden gebaut, auf dem sie stehen.

Ximena Garrido-Lecca verwandelt indes basale Elemente von Hütten, wie sie seit den 1950er Jahren von Binnenflüchtlingen an Perus Küste errichtet wurden, in Skulpturen aus Kupfer – dem Rohstoff, dessen Abbau die Anden-Bevölkerung verarmen ließ.

Auch Liu Chuang blickt in seiner Dreikanal-Videoinstallation in die Berge, allerdings nach Südostasien, wo Bergvölker nach Jahrtausenden ihre Autonomie verlieren. Chuang vergleicht Bergvölker mit Blockchain-Minern, die auf der Suche nach günstiger Energie mit den Jahreszeiten über das Land ziehen wie Zugvögel. Die Utopie einer Selbstverwaltung ohne Nationalstaat wird auch in einer saalfüllenden Videoinstallation von Christopher Kulendran Thomas entworfen. Angehörige der tamilischen Diaspora fragen hier nach dem Erbe des 2009 niedergeschlagenen tamilischen Unabhängigkeitskriegs in Sri Lanka und nach Alternativen zu den von Identitätsfragen geprägten Konflikten der Gegenwart.

Auf einer ehemaligen Palmölplantage des Unilever-Konzerns im Kongo wird die Utopie der Selbstverwaltung wahr: Hier arbeiten die Autodidakten des Künstlerbundes Kongolesischer Plantagenarbeiter (CATPC) in Skulpturen aus Lehm das Erbe des Kolonialismus auf. Die Skulpturen werden 3D-gescannt, in Schokolade gegossen und auf dem Kunstmarkt verkauft. Vom Erlös haben CATPC bislang 20 Hektar Land renaturiert und ein lokales Museum gebaut. 2024 bespielten CATPC den Pavillon der Niederlande auf der Kunstbiennale von Venedig. Infolge des ersten digitalen Restitutionsversuchs via Blockchain erreichten CATPC die Ausleihe einer Holzfigur der Pende, die 1931 im Zusammenhang mit einem Aufstand gegen belgische Kolonialgewalt in ihrer Nähe entstand, aus dem Kunstmuseum Richmond, Virginia. Die Figur zeigt einen belgischen Offizier und ist ebenfalls in Grund und Boden ausgestellt. In einer handgezeichneten Karte liefern CATPC ein globales Bild von Ausbeutung und Warenströmen.

Eine Bilanz von Blockchain in der Kunst

Blockchain-Technologie spielt in vielen Werken eine Rolle. Grund und Boden ist auch eine Bilanz dieser wichtigen Tendenz in der Kunst der letzten 15 Jahre. Es wird deutlich, dass Blockchain zwar neue Ideen kollektiven Eigentums und dezentraler Verwaltung von Gütern hervorbrachte, für deren Realisierung aber inzwischen meist wieder auf staatliche Strukturen zurückgegriffen wird. terra0 etwa verwalten ein Waldbiotop in Brandenburg via Blockchain und deutschem Vereinsrecht und leisteten dafür in Abstimmung mit dem Finanzamt rechtliche Pionierarbeit.

Sarah Friend und JP Raether entwerfen mit Sybling eine Sorge-Gemeinschaft aus Vereinen und GmbHs, die individuelles Eigentum überwinden soll. Simon Denny übersetzt digitale Grundstücksangebote in Metaversen in Landschaftsmalerei. Und Johannes Büttner reist mit der Kamera nach Liberland, einem selbst erklärten Kryptostaat zwischen Serbien und Kroatien, der für 10.000 US-Dollar in Bitcoin einen Pass und ein Stück Land ausgibt. Hier stößt Büttner auf Vereinnahmungen des Freiheitsbegriffs in libertärem Denken, wie es sich in der Krypto-Szene, im Silicon Valley und zuletzt in Regierungen in Argentinien oder den USA breitmacht: Hier bedeutet Freiheit, die Märkte vom Staat zu befreien, auch mit autoritären Mitteln. In einem Gespräch im Katalog vergleichen Büttner, Alex Wissel und die Historikerin Lyndal Roper von der Universität Oxford Freiheitsbegriffe und apokalyptisches Denken zur Zeit des Bauernkriegs und heute.

Kriege damals und heute

Die damals neue Gewaltdimension der Glaubenskriege im 16. Jahrhundert stellte Pieter Brueghel d.Ä. im „Triumph des Todes“ dar, in dem Skelette Menschen jagen. Ein Ausschnitt ist auf einer zwanzig Meter breiten Leinwand nachgemalt, die über der Piazza des K21 hängt. Sie stammt aus Alex Wissels Bühnenbild für die Götz von Berlichingen Interpretation Eisenfaust des Regisseurs Jan Bonny am Schauspiel Köln (2025) und vervollständigt die oben genannten Wandzeichnungen. Die Szene lässt an heutige Kriege und Terrorangriffe denken.

Dor Guez zeigt ein gepresstes Exemplar der Malvensorte Khobiza, die an der Levante wächst und wegen ihres hohen Nährstoffgehalts während Hungersnöten gegessen wird, wie aktuell von Guez‘ Verwandten in Gaza. Boris Mikhailovs Fotografien zeigen die sozialen Verwerfungen in der Ukraine nach der Unabhängigkeit. Und in einem neuen Film von Nir Evron erinnert sich der Boden selbst an die nationalsozialistische Kriegswirtschaft und ihre Experimente mit Ersatzstoffen aus Kohle und dem kasachischen Löwenzahn unter Zwangsarbeit. In alldem strahlen Lin May Saeeds Darstellung der Sieben Schläfer von Ephesos, die von Gott in einen zweihundertjährigen Schlaf versetzt wurden, um sie vor der römischen Christenverfolgung zu schützen, eine tiefe Ruhe und Geduld aus. Noch dazu sind hier Tiere und Menschen Teil einer gleichwertigen Gemeinschaft.

Das K21 und seine Geschichte als Volksvertretung

Die Ausstellung überbrückt weit entfernte Lebensrealitäten und verortet sich zugleich bewusst in der Düsseldorfer Wirtschafts- und Kunstgeschichte, mit Künstlern wie Havîn Al-Sîndy, Joseph Beuys, Andreas Gursky, Simone Nieweg, Chris Reinecke, Thomas Ruff und Alex Wissel. Sie verortet sich auch bewusst im Ort, an dem sie stattfindet.

Das ehemalige Ständehaus am Kaiserteich war das erste gebaute Parlamentsgebäude im Rheinland. Seine historistische Neo-Renaissance-Architektur greift Elemente von vor 500 Jahren auf, der Zeit des Bauernkriegs und der Ausbildung der heutigen Wissens- und Wirtschaftsordnung. 1876 bis 1880 nach Plänen des späteren Berliner Dombaumeisters Julius Raschdorff erbaut, diente das Ständehaus als preußischer Provinziallandtag, in dem die Ständevertreter regionale Fragen berieten. Von 1949 bis 1988 hatte hier der nordrhein westfälische Landtag seinen Sitz.

2002 eröffnete das Haus grundsaniert und mit seiner ikonischen Glaskuppel als Museum für internationale Gegenwartskunst der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Es dient zugleich weiterhin als Repräsentationsgebäude für die Landesregierung.

Vertretene Künstler

Zu sehen sind Werke von Havîn Al-Sîndy, Maria Thereza Alves, Asche Lützerathi (otherhosted by Sybling – JP Raether & Sarah Friend), Joseph Beuys, AA Bronson, Johannes Büttner, Cercle d’Art des Travailleurs de Plantation Congolaise (Künstlerbund Kongolesischer Plantagenarbeiter, CATPC), Liu Chuang, Simon Denny, Jan Dibbets, Nir Evron, Simone Fattal, Ximena Garrido-Lecca, Jef Geys, Robert Gober, Dor Guez, Andreas Gursky, Christopher Kulendran Thomas, Mierle Laderman Ukeles, Richard Long, Boris Mikhailov, Gordon Matta-Clark, Lutz Mommartz, Grace Ndiritu, Simone Nieweg, Chris Reinecke, Ugo Rondinone, Thomas Ruff, Lin May Saeed, Shimabuku, terra0, Ron Tran, Franz West und Alex Wissel.

Katalog

Der Katalog zur Ausstellung, gestaltet von Studio Pyda, erscheint im Verlag Hatje Cantz und ist eine vielstimmige Einführung in die Politik, Biologie und Ökonomie von Grund und Boden. Neben Vorstellungen der Künstler und ihrer Werke enthält er Essays, Gespräche und verblüffende statistische Grafiken. Grund und Boden. Wie wir miteinander leben, hrsg. v. Susanne Gaensheimer und Kolja Reichert, Hatje Cantz Verlag, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2025, Autoren: Dirk Böttcher, Johannes Büttner, Paula Gioia, Olaf Grawert, Doris Krystof, Sebastian Peter, Kolja Reichert, Lyndal Roper, Ced’Art Tamasala und Alex Wissel, 136 Seiten, zirka 50 mehrfarbige Abbildungen, zirka 20 Infografiken, in deutscher und englischer Sprache, Preis: 24 Euro.

Nähere Informationen: K20, Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf, K21, Ständehausstraße 1, 40217 Düsseldorf, Telefon: +49 (0)211 8381-204, E-Mail: service@kunstsammlung.de, Internet: http://www.kunstsammlung.de