Kunstpalast Düsseldorf präsentiert: Künstlerinnen! Von Monjé bis Münter

Sie kämpften für ihre Ausbildung, für Anerkennung und Sichtbarkeit – und verschwanden dennoch fast vollständig aus der Geschichtsschreibung. Mit der Ausstellung „Künstlerinnen! Von Monjé bis Münter“, die noch bis zum 1. Februar 2026 zu sehen ist, holt der Kunstpalast Düsseldorf über 30 Künstlerinnen zurück ins Licht der Öffentlichkeit. Die Schau gibt Einblick in rund 100 Jahre weiblichen Kunstschaffens in Düsseldorf – einer Stadt, die im 19. Jahrhundert wichtiger Anlaufpunkt für Künstlerinnen aus ganz Europa war, obwohl ihnen die Türen der Kunstakademie verschlossen waren.

Eine Laufbahn als Künstlerin einzuschlagen, erforderte neben den finanziellen Mitteln für Privatunterricht auch viel Willensstärke. Obwohl einige Künstlerinnen in ihrer Zeit erstaunlich präsent waren – darunter Elisabeth Jerichau-Baumann, Marie Wiegmann oder Paula Monjé – sind heute fast alle vergessen. In öffentlichen Sammlungen, wie der des Kunstpalastes, sind sie vergleichsweise wenig vertreten und viele Werke werden seit dem 19. Jahrhundert erstmals öffentlich präsentiert.
Die große Sonderausstellung widmet sich – anschließend an ein mehrjähriges Forschungsprojekt – erstmals umfassend den Lebenswegen und Werken jener Frauen, die zwischen 1819 und 1919 in Düsseldorf künstlerisch tätig waren. Die Schau gibt Einblick in rund 100 Jahre weiblichen Kunstschaffens in Düsseldorf – einer Stadt, die im 19. Jahrhundert wichtiger Anlaufpunkt für Künstlerinnen aus ganz Europa war, obwohl ihnen die Türen der Kunstakademie verschlossen blieben.

„Jede neue Schwierigkeit war mir ein neuer Ansporn“, schreibt die Malerin Elisabeth Jerichau-Baumann um 1874 – ein Satz, der das Selbstverständnis vieler weiterer Künstlerinnen widerspiegelt und als Leitmotiv dieser Ausstellung gelten könnte. Die Schau macht die Beharrlichkeit und das Talent von Generationen von Frauen in der Kunst sichtbar, die lange ignoriert wurden.
Das Forschungsprojekt, das 2021 am Kunstpalast initiiert wurde, suchte nach den Spuren der zwischen 1819 und 1919 in Düsseldorf tätigen Künstlerinnen; jenen 100 Jahren von der Wiedergründung der Kunstakademie bis zu deren schrittweiser Öffnung für Frauen. Über 500 Namen konnten ermittelt werden – weit mehr als die bisher bekannten rund 200. Viele dieser Frauen nahmen Privatunterricht, studierten an der Kunstgewerbeschule oder arbeiteten selbstständig. Einige waren in internationalen Ausstellungen vertreten, erhielten Preise und Stipendien und ihre Werke wurden von wichtigen Sammlungen erworben. Dennoch sind auch sie heute weitgehend unbekannt, ihre Namen fanden keinen Eingang in den Kanon.
Die Ausstellung ist das Ergebnis intensiver Grundlagenforschung, aber auch ein selbstkritischer Blick auf die eigene Sammlungsgeschichte. Denn der Kunstpalast – 1913 als Städtische Kunstsammlungen zu Düsseldorf gegründet – war Teil des strukturellen Ausschlusses: Vor 1933 wurden lediglich vier Gemälde von Künstlerinnen angekauft. Erst in den letzten Jahrzehnten begann ein Wandel. Unter der Direktion Felix Krämers wurden ab 2017 gezielt Arbeiten weiblicher Kunstschaffender erworben, darunter 15 Gemälde von Künstlerinnen des 19. Jahrhunderts wie Emilie Preyer, Paula Monjé oder Emmy Lischke.

Die Ausstellung macht verschüttete Geschichten zugänglich und beleuchtet, mit welchen Mitteln Frauen ihren künstlerischen Weg trotz struktureller Benachteiligung gingen. Neben bekannten Namen wie Gabriele Münter zeigt der chronologisch-thematische Rundgang in elf Räumen vergessene Protagonistinnen wie Amalie Bensinger, Magda Kröner oder Marga Klinckenberg.
Die Schau ermöglicht den überfälligen „zweiten Blick“ und erweitert so grundlegend das Verständnis für die Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Sie fügt der Kunstgeschichte ein wichtiges und viel zu lange übersehenes Kapitel hinzu und macht deutlich, dass ohne den Einfluss der Künstlerinnen die Kunstgeschichte unvollständig ist.
Ein besonderer Fokus liegt auf den Künstlerinnen aus Skandinavien und Finnland, die Düsseldorf als Ausbildungs- und Inspirationsort wählten. Partner der internationalen Ausstellung ist das Ateneum Art Museum, Finnische Nationalgalerie, Helsinki, wo im Frühjahr 2025 bereits eine erste Version der Ausstellung gezeigt wurde.

„Künstlerinnen!“ ist mehr als eine historische Rückschau – die Ausstellung ist ein klares Statement für Gleichberechtigung und einen kritischen Blick auf den bestehenden Kanon. Sie erzählt von mutigen Wegen, klugen Entscheidungen und von Künstlerinnen, die mit ihrer Arbeit den Boden bereitet haben für das, was heute selbstverständlich sein sollte: gleiche Chancen für alle, auch in der Kunst.

In der Ausstellung vertretene Künstlerinnen:

Victoria Åberg | Amalie Bensinger | Fanny Churberg | Mathilde Dietrichson | Alma Erdmann | Ilna Ewers-Wunderwald | Alexandra Frosterus-Såltin | Marta Hegemann | Minna Heeren | Adeline Jaeger | Elisabeth Jerichau-Baumann | Marga Klinckenberg | Benita Koch-Otte | Magda Kröner | Gertrud von Kunowski | Marie Laurencin | Emmy Lischke | Amalia Lindegren | Luise von Martens | Paula Monjé | Gabriele Münter | Emilie Preyer | Sophie Ribbing | Julia Schily-Koppers | Christiane Schreiber | Martel Schwichtenberg | Alwine Schroedters | Hermine Stilke | Milly Steger | Emma Volck | Marie Wiegmann

Nähere Informationen: Kunstpalast, Ehrenhof 4-5, 40479 Düsseldorf, Telefon: 0211 56642100, E-Mail: info@kunstpalast.de

„Die geheime Macht der Düfte“ in Düsseldorf

Der Mensch besitzt über 400 Geruchsrezeptoren – mehr als genug, um Tausende von Düften zu unterscheiden. Trotzdem wird dem Geruchssinn in der westlichen Kultur oft wenig Beachtung geschenkt. Die Ausstellung „Die geheime Macht der Düfte“ im Kunstpalast, die noch bis zum 8. März 2026 zu sehen ist, rückt ihn nun ins Zentrum: Sie macht die Geschichte des Duftes nicht nur sichtbar, sondern erfahrbar – durch die Nase.

Düfte rufen Erinnerungen wach, wecken Emotionen und beeinflussen unsere Wahrnehmung sowie unser Handeln. Mit einer großen Überblicksausstellung widmet sich der Kunstpalast erstmals der faszinierenden Geschichte des Duftes – von der Antike bis zur Gegenwart – und macht sie sinnlich erlebbar. Auf einer Fläche von 5000 Quadratmetern führt die Ausstellung Besucherinnen und Besucher durch über tausend Jahre Kunst- und Kulturgeschichte.
Im Sammlungsrundgang begegnen sie dabei rund 30 eigens entwickelten Duftstationen, die ein völlig neues Zusammenspiel von Kunst- und Geruchserlebnis eröffnen.

Von Weihrauch bis Chanel N°5

Die Reise beginnt mit der Jahrtausende zurückreichenden spirituellen und heilenden Bedeutung von Düften in religiösen Zeremonien. Sie führt über die opulente Duftkultur der europäischen Höfe des Barock und den Gestank der Städte im 18. Jahrhundert, wo zugleich das legendäre Eau de Cologne entstand.
Mit der industriellen Revolution hielten synthetische Duftstoffe Einzug, die nicht nur Parfüms, sondern auch Seifen, Waschmittel und andere Alltagsprodukte prägten. Im 20. Jahrhundert revolutionierten schließlich Modehäuser wie Chanel mit kühnen Kreationen die Parfümgeschichte.

Düfte zwischen Wissenschaft und Zukunft

Dass Düfte unsere Wahrnehmung, das Gedächtnis und sogar unser Wohlbefinden beeinflussen, belegen zahlreiche Forschungsergebnisse. Die Ausstellung macht diese Erkenntnisse erlebbar: Sie präsentiert Duftstoffe, die Aufmerksamkeit steigern und solche, die für Entspannung sorgen. Die Schau stellt außerdem das Molekül Iso E Super vor, das seine Träger*innen attraktiver wirken lässt und als „Duft der Träume“ gilt. Neue Anwendungsfelder im Bereich der Medizin, im Marketing sowie in Virtual Reality Formaten zeigen, welche Rolle Gerüche aktuell und künftig noch spielen können.

Ein Erlebnis für alle Sinne

Mal subtil als Raumduft, mal interaktiv oder punktuell zu einzelnen Werken – stets entsteht durch den Duft und die Verbindung von Kunstbetrachtung und Geruchssinn in dieser Ausstellung ein intensives, emotionales Erlebnis: „Die geheime Macht der Düfte“ eröffnet eine neue Dimension des Museumsbesuchs. Die Schau richtet sich an alle Altersgruppen und verbindet multisensorisches Erleben mit gesellschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Perspektiven. Besucher*innen riechen Geschichte – und entdecken dabei vielleicht auch ein Stück ihrer eigenen.

Der Kunstpalast-Duft

Wie ein Logo kann auch Duft die Identität einer Institution verkörpern, Inhalte sinnlich vertiefen, Emotionen wecken oder eine markenspezifische unsichtbare Signatur bilden. Anlässlich der Ausstellung haben Kurator Robert Müller-Grünow und Parfümeur Geza Schön einen Duft aus Bergamotte, Jasmin und Zedernholz für den Kunstpalast komponiert, dessen Inhaltsstoffe die Offenheit, Experimentierfreudigkeit und Dynamik des Hauses olfaktorisch verkörpern. Die Kunstpalast-Duftkerze bringt diese Atmosphäre auch in die eigenen vier Wände. Exklusiv im Museumsshop für 49 Euro erhältlich.

Nähere Informationen: Kunstpalast, Ehrenhof 4-5, 40479 Düsseldorf, Telefon: 0211 56642100, E-Mail: info@kunstpalast.de

Open-Ended / Ergebnisoffen

Die Ausstellung „Open-Ended“, die vom 22. November bis 6. April 2026 im Kröller-Müller Museum in Otterlo/NL zu sehen ist, versammelt eine Auswahl von Kunstwerken, die einen Übergang markieren. Die Werke sollen die Betrachter aktivieren; Sie regen zum Handeln, zur Bewegung und zum Nachdenken an. Und manchmal braucht man nur seine Vorstellungskraft, um eine Veränderung einzuleiten.

Ein Tipp: „Lass dir Zeit. Es sind oft große Werke, die man im Nu ’sehen‘ kann, die einem aber Gänsehaut bereiten, wenn man sich die Zeit nimmt, sie zu würdigen.“ (Regisseur Benno Tempel in „See All This“)

Zwischen einem Anfangs- und einem Endpunkt

„Open-Ended“ passt zu den letzten Monaten des Jahres: Im Winter, einer Zeit des Übergangs, geht es darum, über die Vergangenheit nachzudenken und nach vorne zu blicken. Seit Jahrhunderten feiern die Menschen in den dunklen Tagen um die Wintersonnenwende (21. Dezember) das langsam zurückkehrende Licht. Die Kunstwerke in „Open-Ended“ bilden einen Durchgang zwischen einem Anfangs- und einem Endpunkt oder nehmen Sie mit auf eine Reise von A nach B, wie in „Airport“, einer Klanginstallation des chinesischen Künstlers Zhou Tiehai (1966), die einen imaginären Flughafen erschafft. Weiter geht es durch „Topoestesia“ von Gianni Colombo (1937–1992), eine schwindelerregende Passage.

Vorgestellt: Knochenvorhang von Marina Abramović / Ulay

Das fesselnde Werk „Bone Curtain“ besteht aus rasselnden Knochen und blutroten Seilen. Der Vorhang, der von dem Künstlerduo Marina Abramović (1946) und Ulay (*1943 – +2020) geschaffen wurde, hängt von Wand zu Wand; Man muss da hindurchgehen. Die Künstler zwingen einen so, eine Schwelle zu überschreiten. „Bone Curtain“ stellt die Grenze zwischen Leben und Tod dar. Egal, ob du es schrecklich oder schön findest, es wird eine Wirkung auf dich haben, wenn du hindurchgehst.

Featured: „Klemme“ von Franz West

In der Installation „Clamp“ lädt Franz West (*1947 – +2012) dazu ein, einen Fremden anzurufen. Die Wände sind mit Seiten aus dem Telefonbuch von Otterlo bedeckt. Ursprünglich enthielt „Clamp“ auch einen funktionierenden Festnetzanschluss. Gemeint waren damit die Momente, in denen West bei der Arbeit in seinem Atelier durch einen Anruf unterbrochen wurde. Nach einer solchen Unterbrechung konnte der Künstler sein Werk wieder mit neuen Augen betrachten. Sie können weiterhin Anrufe in „Clamp“ tätigen. Wer weiß, wen Sie erreichen könnten …

Nähere Informationen: Das Kröller-Müller-Museum ist dienstags bis sonntags von10 bis 17 Uhr geöffnet. Kontakte sind unter der Telefonnummer (0031) 0318 591241, im Internet auf www.kmm.nl und per Email an info@kmm.nl möglich.

Die Radbank Kröller-Müller Edition

Die Wheelbench Kröller-Müller Edition ist eine zeitgemäße Neuinterpretation der ikonischen Wheelbench aus Eiche. Diese von Rogier Martens in Zusammenarbeit mit dem Kröller-Müller Museum entworfene Aluminium-Sonderedition bringt Kunst und Natur zusammen und lädt zur Interaktion mit der Natur ein.
Die überraschende Kombination aus Bank und Schubkarrenrad unterstreicht das Gefühl von Freiheit unter freiem Himmel. Rollen Sie die Wheelbench einfach an ein sonniges Plätzchen, eine schattige Ecke, eine malerische Aussicht oder eine geschützte Ecke.
Gemeinsame Sitzplätze: Bequem ist Platz für zwei bis drei Personen.
Witterungsbeständig und langlebig: Dank ihrer Aluminiumkonstruktion ist die Wheelbench extrem stabil und kann das ganze Jahr über draußen bleiben.
Einzigartiges Designobjekt: Mit den mitgelieferten Aufklebern von 10 berühmten Werken aus dem Skulpturengarten des Kröller-Müller Museums erhält jede Bank eine eigene Identität und Geschichte. Die Aufkleber können auch getrennt von der Bank verwendet werden.
Leicht zu bewegen: Die Radbank ist leicht zu bewegen
Lackiert in Ockergelb (RAL 1024).
Zur Feier dieser Sonderedition sind auf der Wheelbench Aufkleber von zehn ikonischen Kunstwerken aus dem Skulpturengarten des Kröller-Müller Museums zu sehen.

Details

Designer: Rogier Martens / Kapazität: 2 – 3 Personen / Gewicht: 23 kg / Material: Aluminium / Sitzhöhe: 45 cm / Sitzbreite: 130 cm / Maße der Verpackung: 207 x 51 x 82 cm / Montage erforderlich: Diese Bank wird als flaches Paket mit klaren Anweisungen und Werkzeugen geliefert.

Für den Versand außerhalb Europas müssen sich Interessierte per E-Mail an folgende Adresse wenden: info@krollermullershop.nl

Nähere Informationen: Kröller-Müller Museum, Houtkampweg 6, 6731 AW Otterlo/Niederlande, E-Mail: info@krollermuller.nl und Telefon: +31(0)318591241. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Jahresausstellung Bottroper Künstlerinnen und Künstler 2025

Die Jahresausstellung Bottroper Künstlerinnen und Künstler findet vom 23. November bis 11. Januar 2026 im Josef Albers-Museum statt. Gezeigt werden Malerei und Grafik, Skulptur und Fotografie.

Alle in Bottrop geborenen, ansässigen oder arbeitenden Künstlerinnen und Künstler haben einmal im Jahr die Gelegenheit, ihre Werke im Museumszentrum Quadrat zu präsentieren. Die Auswahl erfolgt durch eine Jury – zusammengesetzt aus Vertretern der Stadt, Künstlern sowie Kunsthistorikern.

Zum Künstler Gereon Krebber:

Der Bildhauer Gereon Krebber (*1973) ist nach 2005 zum zweiten Mal mit einer Einzelpräsentation im Rahmen der Jahresausstellung Bottroper Künstlern im Museumszentrum Quadrat vertreten. Nach der Ausstellung „Kringel“ (2005), zeigt er unter dem Titel „Ins Grüne“ neue Arbeiten und mischt diese mit älteren Arbeiten, die aber zum Teil neu gegossen worden sind, um neue Situationen für den gegebenen Ort zu schaffen.

Die Jahresausstellung, seit Gründung des Museumszentrums 1976 fester Bestandteil im Ausstellungskalender, jährt sich 2025 zum 50. Mal. Die Jury nahm dies zum Anlass, den renommierten Künstler mit seinem unerschöpflichen Formenrepertoire ein weiteres Mal einzuladen.

Der inzwischen international bekannte Bildhauer Gereon Krebber ist seit 2012 Professor für Bildhauerei im Orientierungsbereich der Kunstakademie Düsseldorf. Dort studierte er selbst zwischen 1994 bis 2000 bei den Professoren Luise Kimme, Tony Cragg und Hubert Kiecol, bevor er von 2000 bis 2002 das Royal College of Art, London, besuchte, und mit dem MA Fine Art Sculpture abschloss.

Der Kulturpreisträger der Stadt Bottrop (2007) ist seit 2004 mit seinen Werken bei der Jahresausstellung vertreten. Doch schon vor seiner ersten Beteiligung erregte er im selben Jahr Aufsehen mit seinem Ausstellungsbeitrag zum 25-jährigen Bestehen des Künstlerbund Bottrop. Die Gelatinearbeit „Kreis“ mit einem Durchmesser von sechs Metern bedeckte den Boden der Modernen Galerie. Seit dieser Zeit fanden aktuelle Werke aus allen erdenklichen Werkstoffen in jedem Jahr ihren Weg ins Quadrat. Zuletzt waren es keramische Arbeiten wie „Smavos“, „Dupper Boxen“ oder bereits 2022 eine Keramik aus der Serie „Derelikt“, die er mit heller Freude in Sichtachse zu dem soeben eröffneten Neubau platzierte und humorvoll mit den Worten „einstürzende Neubauten“ kommentierte. Humor und Wortwitz begleiten das Œuvre Krebbers, die Titel und Wortschöpfungen sind elementarer Bestandteil seiner Kunst, wesentlich für den Dialog mit seinem Publikum. Niemals sind diese Titel eindeutig. „Es sind Fingerzeige und Fragezeichen, Fußangeln und Spielbälle – genauso wie die Skulpturen selbst“, so Krebber.

Mit „Ins Grüne“ ist Gereon Krebber der erste Künstler, der in der jetzt fünfzigjährigen Geschichte der Jahresausstellung, zwei Orte parallel bespielt. Es ist einerseits die dem Ort der Einzelausstellung zugedachte Studio-Galerie. Ein niedriger Raum im unteren Geschoss der Moderne Galerie, in den wenig Licht fällt. Andererseits sucht er die Weite des Vorplatzes und die von fünf Skulpturen der Museumssammlung, die sich bereits in unmittelbarer Nähe des Eingangsbereichs befinden.
Zwei Orte – innen und außen – wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Aus beiden schafft Krebber neue Situationen, trennt sie strikt und verbindet sie gleichzeitig. So sind seine Arbeiten oft monumental, immer eigenständig, gar autonom; eine jede steht für sich und ihre Gestalt ist vereinfacht. Ein Kontext entwickelt sich erst aus dem Zusammenspiel mit der Umgebung. Hierbei kommt der eigenen Wahrnehmung und der Erfahrung der Betrachtenden eine entscheidende Rolle zu. Ein assoziativer Prozess wird in Gang gesetzt und erschafft neue Erlebnisse.

Die Studio-Galerie wird vornehmlich durch vier Regalskulpturen bestimmt. In den Regalen hängen jeweils Bronzen. Der Ort wirkt verlassen, die Regale dearrangiert. Es entsteht unweigerlich eine fiktive und etwas surreale Keller- oder Lagersituation. Weitere Keramiken und Holzskulpturen verstärken diesen Eindruck, lenken den Blick aber ebenso nach außen. Auf dem Vorplatz breiten sich die Skulpturen des Bildhauers wie eine begehbare Collage aus unterschiedlichen Materialien, Formaten, Formen und Oberflächen aus.

Gereon Krebber erzeugt mit seinen abstrakten Plastiken, Formen und Oberflächen beim Publikum Bildlichkeit. Assoziationen werden hervorgerufen, eingefahrene Sehgewohnheiten aufgebrochen. Als Künstler ziehen ihn Gegensätze an. Er setzt mit seinen Werken Kontraste, die er wiederum vereint; er setzt Kontrapunkte, die er verstärkt. Die Wahrnehmung entsteht in den Augen des Betrachtenden. Krebber gibt die Spielräume; die Welt ist niemals gut oder böse, sie ist immer alles zugleich. Sein Werk wird zu keiner Zeit langweilig für den, der es annimmt.

Der Eintritt in diese Ausstellung ist frei.

Nähere Informationen: Museumszentrum Quadrat, Josef Albers Museum, Museum für Ur- und Ortsgeschichte, Anni-Albers-Platz 1, 46236 Bottrop, Telefon: 02041 – 37 20 30, Internet: www.quadrat-bottrop.de, Instagram: @museumquadrat. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr, Donnerstag 11 bis 19 Uhr.

6 ½ Wochen – Rudi William – In the air we breathe

Die australische Künstlerin Rudi Williams präsentiert Fotografien und fotografische Artefakte – teils selbst hergestellt, teils gefunden. Williams Motive bilden stille Räume voller Spuren, die eine Fülle an Assoziationen wecken. In der Ausstellung „6 ½ Wochen – Rudi William – In the air we breathe“, die vom 21. November bis zum 4. Januar 2026 im Museum Folkwang in Essen zu sehen ist, konzentriert sie sich auf kameralose Bilder und Silhouetten, die das Spannungsfeld zwischen An- und Abwesenheit umkreisen und die Darstellung von Verlust thematisieren. Ihre Praxis reflektiert zugleich die Geschichte und die technischen Prozesse der Fotografie, dabei experimentiert sie unter anderem mit frühen Verfahren wie der Daguerreotypie und der Cyanotypie, die auch als „Sonnendruck“ bezeichnet wird.
Die ausgestellten Fotografien, Daguerreotypien und Textilien werden von filigranen Stahlkonstruktionen getragen, die auf museale Präsentationsformen verweisen und die Einzigartigkeit jedes Objekts betonen. So erscheint Fotografie hier nicht als Bilderflut, sondern als Sammlung einzigartiger, atmender Zeugnisse.
Der Titel der Ausstellung „In the air we breathe“verweist auf die Wahrnehmung von Vorzeichen die sich im Sinne des gesellschaftlichen Zeitgeistes abzeichnen, wie zum Beispiel auch die Stimmung um 1839 als die Erfindung der Fotografie bereits ‚in der Luft lag‘ und Bilder erstmals ‚fixiert‘ wurden.

Rudi Williams, 1993 in Italien geboren und sesshaft in Melbourne, ist diesjährige Stipendiatin der Neuen Folkwang Residence. In ihren Ausstellungen kombiniert und kontrastiert sie häufig Bilder, die zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten aufgenommen wurden und variierende fotografische Formen aufweisen, um ihre eigene Geschichte in Bezug auf Konzepte wie Erinnerung, Temporalität und das Archiv zu reflektieren.

Nähere Informationen: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen, Telefon +49 2018845000, E-Mail: info@museum-folkwang.essen.de

Ausstellung „Ariel Reichman. Keiner soll frieren!“ im Felix-Nussbaum-Haus

Der aus einer jüdisch-orthodoxen Familie stammende und in Berlin lebende Künstler Ariel Reichman (*1979) erforscht in seiner Kunst die eigene Biografie, Erinnerungen, die persönliche Gedanken- und Gefühlswelt. Reichmans interdisziplinäre Arbeiten basieren auf den Konzepten der Empathie und der menschlichen Verletzlichkeit.

Im Rahmen der Ausstellungsreihe „Gegenwärtig. Zeitgenössische KünstlerInnen begegnen Felix Nussbaum“ nimmt Reichman unter dem Titel „Keiner soll frieren!“das Werk Felix Nussbaums zum Ausgangspunkt, über die heutige Gesellschaft zu diskutieren und sie im Spiegel der Vergangenheit zu reflektieren.

Neben Metallskulpturen, die aus eingeschmolzenem Nazi-Metallmemorabilia neu entstehen, werden in der Ausstellung Fotografien von kleinen Papier- und Wachsblumen präsentiert, die wie Abzeichen im Nationalsozialismus als Belohnung verschenkt wurden. Hinter den scheinbar harmlosen Sammlerstücken steckte ein kalkuliertes System nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik und Beeinflussungsstrategie. Im Prozess der Umformung und Transformation stellt Reichman heute die Frage, ob man Geschichte überwinden kann. Was bleibt an Dingen, Architekturen oder auch im Denken von der Vergangenheit haften?

Öffentliche Führungen zur Ausstellung, die noch bis zum 10. Mai 2026 im Felix Nussbaum-Haus in Osnabrück zu sehen ist, finden jeweils um 15.30 Uhr an folgenden Terminen statt:
7. Dezember (mit Kinderbetreuung von 15 bis 17 Uhr), 8. Februar 2026, 14. Februar 2026 (Kuratorinnenführung) und 5. April 2026 (mit Kinderbetreuung von 15-17 Uhr).

Nähere Informationen: Museumsquartier Osnabrück, Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück, E-Mail: museum@osnabrueck.de, Telefon: 0541 323-2207 oder 0541 323-2237.

Verortet – Auf den Spuren von C&A in Sneek

Gründungsorte haben etwas beinahe Mystisches. Sie sind mehr als nur geografische Punkte – sie stehen für Identität und Tradition. Noch heute steht das kleine Fachwerkhaus des von Friedrich Krupp gegründeten Stahlkonzerns wie ein Fremdkörper auf dem Gelände der Essener Firmenzentrale. Die Garage, in der Steve Jobs und Steve Wozniak den ersten Apple-Rechner zusammenlöteten, steht heute unter Denkmalschutz. Unternehmen brauchen historische Ankerpunkte. Bisweilen jedoch geraten sie in Vergessenheit – wie etwa bei C&A.
Lange Zeit galt das Haus am Oosterdijk 7/9 in Sneek als Gründungsort von C&A. Bis vor Kurzem hatte eine Tafel am heutigen Gebäude – ein Doppelhaus mit zwei Boutiquen – daran erinnert. Tatsächlich stand hier das erste Ladengeschäft von Clemens und August Brenninkmeijer, das sie 1860 eröffneten – fast 20 Jahre nach Unternehmensgründung. Denn schon 1841 hatten sich Clemens und August Brenninkmeijer selbstständig gemacht und zunächst als Wanderhändler gearbeitet. Wo aber genau stand das Haus, in dem sie ihr erstes Magazin hatten und von wo aus sie ihren ersten eigenen Geschäften nachgingen? Wo nahm die Geschichte von C&A tatsächlich ihren Anfang?
Die Ausstellung „Verortet – Auf den Spuren von C&A in Sneek“, die vom 26. November bis 26. April 2026 in den Räumlichkeiten der Draiflessen Collection in Mettingen im Rahmen der Reihe „Das Forum“ zu sehen ist, spürt anhand von Fotos, Memoiren, Geschäftsbüchern und Verwaltungsunterlagen dem Ort nach, wo die Brüder Clemens und August 1841 ihr Unternehmen gründeten. Die Besucherinnen und Besucher dürfen sich auf eine spannende, vielschichtige Entdeckungsreise durch Archive, Stadtgeschichte und Unternehmensgedächtnis freuen.

Nähere Informationen: Draiflessen Collection, Georgstraße 18, 49497 Mettingen, Telefon: +49 (0)5452. 9168-3500, E-Mail: info@draiflessen.com. Öffnungszeiten Mittwoch bis Sonntags von 11 bis 17 Uhr, jeder erste Donnerstag im Monat von 11 bis 21 Uhr. Montags und Dienstags ist geschlossen.

Ausstellung der Draiflessen Collection: „Der Teufel – Mythos, Macht, Mysterium“

Keine andere Gestalt hat im Christentum gleichermaßen Schrecken und Faszination ausgelöst wie der Teufel. Jahrhundertelang fürchteten die Gläubigen, er und seine Dämonen würden als Gegenspieler Gottes jederzeit versuchen, Unordnung in die Welt zu bringen. Nur der Teufel konnte als Verursacher von Naturkatastrophen, Erdbeben und Seuchen gelten. Zudem war es ihm allein möglich, unverhofft an jedem Ort zu erscheinen, um die Gläubigen in Versuchung zu führen. Diese Versuchungen des Teufels haben in der Christenheit eine Vielzahl von Erzählungen hervorgebracht, die bei den Menschen vor allem eines nährten – die Furcht vor ewigen Höllenqualen. In der christlichen Kunstgeschichte findet sich nur wenig Gestaltungsfreiraum für die Darstellung religiöser Figuren. Zu genau hatten die Bibel und populäre Heiligenerzählungen die Vorstellungen von ihnen geprägt. Umso überraschender ist es, dass das Aussehen des Teufels als eine der wirkmächtigsten Figuren des Christentums in der Bibel nicht näher beschrieben wird. Dadurch entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte die fantasievollsten Darstellungen des Teufels, seiner Diener und der Hölle.
Die Ausstellung „Der Teufel – Mythos, Macht, Mysterium“ im Studiensaal der Draiflessen Collection in Mettingen, die dort vom 26. November bis zum 26. April 2026 zu sehen ist, beleuchtet die Veränderungen und Vielfalt des Teufelsbildes im Laufe der Zeit und wirft einen Blick auf die Bedeutung des Teufels und der Hölle für das Christentum. Sie geht der Frage nach, wie sich populäre Vorstellungen wandelten und wie das Bild des Teufels genutzt wurde, um unliebsame Gegenspieler oder Gruppen zu verteufeln.

Nähere Informationen: Draiflessen Collection, Georgstraße 18, 49497 Mettingen, Telefon: +49 (0)5452. 9168-3500, E-Mail: info@draiflessen.com. Öffnungszeiten Mittwoch bis Sonntags von 11 bis 17 Uhr, jeder erste Donnerstag im Monat von 11 bis 21 Uhr. Montags und Dienstags ist geschlossen.

Ein neues Zeitzeugnis über eine „Alte Kirche“

Zu den bekanntesten und prägendsten historischen Bauwerken und Wahrzeichen Nordhorns gehört die Alte Kirche am Markt. Entstanden ist sie im 15. Jahrhundert. Die feierliche Einweihung – damals noch ohne Turm – erfolgte am 6. Juli 1445 im Beisein des Münsteraner Bischofs Johannes Fabri.

Seit ein paar Tagen liegt jetzt der neue Bildband „Alte Kirche am Markt in Nordhorn – Ein Zeitzeugnis aus 2025 -“ vor. Initiator Georg H. Pauling, langjähriger Kirchenältester und Mitglied der reformierten Gemeinde, will mit dieser Veröffentlichung nach seinen eigenen Worten „seine persönliche Wertschätzung für diesen besonderen Ort teilen und sichtbar machen, wie viel Leben, Geschichte und Glauben in diesen alten Mauern steckt.“

Unterstützung bei der Umsetzung seines Vorhabens hat er zum einen von seinem Freund Arno Frey erhalten, mit dem er das Interesse für Kunst, Kirchengeschichte, Architektur und Fotografie teilt, zum anderen von Werner Bergfried, dem früheren Pastor an der Alten Kirche am Markt, der sich während dieser Tätigkeit immer intensiver mit der Geschichte dieses Gebäudes beschäftigt hatte. Während Pauling und Frey vor allem für den Bereich Fotografie zuständig waren, oblag Bergfried die redaktionelle Tätigkeit, die auch die Bildtexte umfasste.

Dem Autor ist es dabei gelungen, auf sechs Seiten sowohl die über 550-jährige Geschichte der Kirche, ihre mittelalterlichen Ursprünge, den Einfluss des Klosters Frenswegen als Ausgangspunkt der religiösen Erneuerungsbewegung „devotia moderna“, die Finanzierung und Bauweise, die durch die Reformation ausgelösten Veränderungen für die Kirche und das rege Gemeindeleben anschaulich und verständlich darzustellen, was angesichts der Fülle und Komplexität des Materials keine leichte Aufgabe war.

Einen Schwerpunkt seiner Ausführungen legt Bergfried auf die „eindrucksvollsten und zugleich geheimnisvollsten Ausstattungen der Alten Kirche Nordhorn.“ Es sind die Wandmalereien. Die Fresken im Chorraum, die aus dem 15. Jahrhundert stammen, zeigten die 12 Apostel. Im Zuge der Reformation, in der Heiligenverehrung und bildliche Darstellungen abgelehnt wurden, weil „sie den Glauben zu sehr auf äußere Zeichen“ fokussierten, wurden diese Malereien zu Beginn des „Dreißigjährigen Krieges“ übertüncht und überklebt.

Wiederentdeckt wurden sie erst im 20. Jahrhundert im Rahmen restauratorischer Arbeiten. Hierzu merkt der Autor ergänzend an, dass von den Aposteln Petrus und Paulus nur noch das Podest übriggeblieben sei, und von dem Apostel Andreas nur das Andreaskreuz. Wie Bergfried weiter schreibt, sind die Wandmalereien „erst seit 1998 … nach und nach wieder freigelegt worden, wobei der fragmentarische Zustand als Teil ihrer Geschichte verstanden wird.“ Darüber hinaus geht Bergfried in seinem Beitrag auf die kunsthistorische Bedeutung der Wandmalereien, den Wandel des Denkens über den Umgang mit Kunst in den Kirchen, restauratorische Arbeiten und manches mehr ein.

Schwerpunkt des Buches sind aber die von Georg Pauling und Arno Frey in diesem Jahr angefertigten Fotos, die durch ihre hohe Qualität bestechen. In mehr als 50 Detailaufnahmen werden viele architektonische und gestalterische Elemente sichtbar gemacht, die den Besucherinnen und Besuchern aufgrund ihrer Fülle bei der ersten Betrachtung zumeist entgehen.

Auch hier liegt der Fokus auf den Wandmalereien. Dank der knappen, aber sehr informativen Bildtexte können die abgebildeten Apostel trotz der „Spuren der Geschichte“ namentlich zugeordnet werden. Wie ein sich auf zwei Seiten erstreckendes Foto deutlich macht, hat insbesondere das Motiv vom heiligen Georg, der den Drachen besiegt hat, erheblich deutlichere Schäden erlitten. Trotzdem konnte es auf ein ähnliches Motiv des Künstlers Israhel von Meckensen (Meckenheim) zurückgeführt werden, das vermutlich zwischen 1465 und 1470 entstanden ist.

Weitere Details, die von den beiden Fotografen festgehalten wurden, sind unter anderem die Orgel, die Glocke, das Dachgeschoss mit den Gewölbekuppeln, die Turmuhr, mehrere Schriftplatten und der Opferstock, der früher ein katholisches Weihwasserbecken war. Perspektivische Blicke runden den Bereich Fotografie ab.

Dank der gelungenen Mischung aus Text und Foto ist es allen drei Beteiligten gelungen, ein Buch zu erstellen, das dem Leser einen guten Einstieg in die spannende Geschichte der Alten Kirche am Markt ermöglicht.

Nachtrag:

Über eine große Resonanz konnten sich Georg Pauling, Werner Bergfried und Arno Frey anlässlich der offiziellen Vorstellung des Buches in der Alten Kirche am Markt freuen. Einen besonderen Dank erhielten sie für die umfangreiche Arbeit an dem Buch von Pastor Simon Plenter. Er nahm in seiner Begrüßungsrede insbesondere Bezug auf das im Buchtitel enthaltene Wort Zeitzeugnis, dem er zwei Bedeutungen zuschrieb: Zum einen die Zeit, in der das Buch entstanden sei und in der Pauling, Bergfried und Frey einen neuen Blick auf die historienträchtige Kirche gerichtet, zum anderen das Zeugnis, dass die drei als Ort des Glaubens mit dem Buch abgelegt hätten.

Im zweiten Redebeitrag betonte Initiator Georg Pauling zunächst seinen besonderen Bezug zur Alten Kirche, die 1964 mit seiner Taufe begonnen hatte und 2017 nach seinem Umzug von Bad Bentheim nach Nordhorn mit einem Neuanfang verbunden war. Er wurde Kirchenältester, Turmführer, Kassenwart und Mitglied des Bauvereins „Alte Kirche“. Durch die Begegnung mit dem ehemaligen Pastor der Alten Kirche, Werner Bergfried, wurde, wie Pauling weiter berichtete, sein Interesse für die Geschichte, die sich an den Mauern des Gebäudes zum Teil zeigt, zum Teil aber auch verbirgt, geweckt – insbesondere für die Fresken. Das war dann auch die Inspiration, das vorliegende Buch herauszubringen.

Detailliert auf das Motiv des Heiligen Georg im Kampf gegen den Drachen ging Arno Frey ein. Wie er ausführte, ist Georg ein legendärer christlicher Heiliger, welcher der Überlieferung zufolge zu Beginn der Christenverfolgung unter dem römischen Kaiser Diokletian (284–305) gefoltert und getötet und nach dem Sieg des Christentums in vielen Kirchen als Groß- beziehungsweise Erzmärtyrer verehrt wurde.

Frey machte aber auch deutlich, dass die Titulierung Georgs als Märtyrer nicht immer unumstritten war. Aufgrund fehlender historische Angaben zu seiner Person wurde er in der römisch-katholischen Kirche 1969 aus dem römischen Generalkalender gestrichen, jedoch 1975 wieder eingefügt. Die Legende vom Drachentöter Georg, der das Land von einem tyrannischen Drachen befreite, wenn sich das Volk dafür taufen ließe, kam im 12. Jahrhundert auf und ist in der mittelalterlichen Textsammlung „Legenda aurea“ überliefert. Georg zählt im christlichen Glauben zu den 14 Nothelfern und ist der Schutzpatron verschiedener Länder, Adelsfamilien, Städte und Ritterorden sowie der Pfadfinder. Trotz der Verortung der Herkunft Georgs im Bereich Kleinasien und Syrien wird er auch in Europa verehrt. In Großbritannien ist ihm sogar ein Feiertag gewidmet.

Sein Symbol in der Heraldik ist das Georgskreuz. Das rote Kreuz auf weißem Grund ist in vielen Wappen und Flaggen enthalten. Heiligenattribute, die neben dem Georgskreuz als Erkennungszeichen des Heiligen dienen, sind der Drache sowie seine Darstellung als Ritter mit Lanze auf einem Pferd, wie sie sich auch auf einem Motiv der Fresken in der Alten Kirche finden. Lange Recherchen führten laut Frey, wie schon angemerkt, zu der Erkenntnis, dass dieses Motiv, eine Kopie, dem Künstler Israhel von Meckensen (Meckenheim) zuzuordnen und vermutlich zwischen 1465 und 1470 entstanden sei. Eine Vielzahl seiner Werke befindet sich in Bocholt, wo er zirka 1440 geboren wurde und 1503 starb.

Das Buch ist im Gemeindehaus am Markt, bei Von Poll Immobilien am Europaplatz, beim Tabakwarenhandel Strohm (Inh.: Dietmar Brookmann) an der Bahnhofstraße, bei der Rechtsanwaltskanzlei Weßling, Kambach und Bitzer an der Ecke Sandstiege/Büchereiplatz, beim VVV Stadt & Citymarketing an der Firnhaberstraße, bei Firnhabers Neuland an der Firnhaberstraße und im Buchhandel erhältlich. Der Kaufpreis beträgt 29 Euro. 10 Euro davon fließen in den Erhalt der Alten Kirche am Markt.

Georg H. Pauling, Alte Kirche am Markt – Ein Zeitzeugnis aus 2025 -, Edition Virgines, ISBN 978-3-910246-46-1.