„Burgunder in Limburg“

Trifft der Name der Ausstellung „Burgunder in Limburg“ im Limburger Museum in Venlo, die dort noch bis zum 1. Februar 2026 zu sehen ist, tatsächlich den Kern? Ja und nein. Es ist sicherlich eine Augenweide, aber es fehlt eine klare Fokussierung auf das „Limburg“ im Titel.

Mit seltenen Leihgaben wie einer großen Goldstickerei des burgundischen Wappens, der juwelenbesetzten Krone einer burgundischen Braut aus dem Aachener Domschatz oder einer Halskette der exklusiven Ritterschaft des Goldenen Vlieses können sich die Besucher am burgundischen Hof in Venlo aus dem 15. Jahrhundert im sprichwörtlich reichen Leben suhlen.

Es gibt aber auch eine einfachere Seite des Lebens in der Blütezeit des ursprünglich französischen Herzogtums; Zum Beispiel die billigen Pilgersouvenirs, die einst zu Hunderten hergestellt wurden. Wenn man sich die Mühe macht, sich die einfach gemachten Heiligen und biblischen Szenen dieser Abzeichen genau anzusehen, findet man auch eine Vulva, die von fliegenden Penissen umgeben ist.

Fromme Ritterlichkeit und politischer Ehrgeiz

Es ist eine Errungenschaft, dass das Limburger Museum ein Meisterwerk wie den Lütticher Reliquienschrein des letzten Herzogs Karl des Kühnen (*1433- + 1477) gewonnen hat. Dieser goldene Reliquiar wurde zwischen 1467 und 1471 für die Kathedrale St. Lambert in Lüttich angefertigt. Hinter dem knienden, gepanzerten Charles mit dem eigentlichen Reliquiar im Arm steht sein Vorbild: George, der Drachentöter.Oberflächlich betrachtet scheint es Ausdruck frommer Ritterlichkeit zu sein, aber das Kunstwerk ist auch ein Manifest politischer Ambitionen. Als eine der Parteien, die an den sogenannten „Lütticher Kriegen“ beteiligt waren, versuchten die Burgunder seit Jahren, Lüttich und andere mosanische Städte in ihr Reich einzugliedern. Trotz des reichen Geschenks ließ Karl die Stadt ein Jahr nach seiner Beauftragung bis auf die Grundmauern zerstören.Mit seinen Bannern, „Millefleurs“-Tapeten und „Tableaus“ – vor allem denen des berühmten burgundischen Festes, das als „Bankett des Fasans“ in die Geschichte eingegangen ist – hat das Design eine schöne und eindrucksvolle Wirkung. Ist das ein Mediävistischer, der sich mehr auf die Atmosphäre als auf die historische Wahrhaftigkeit konzentriert? Sicher! Aber Besucher, die wie ich in ihrer Kindheit einmal Ritter waren, genießen es sicherlich noch mehr.

Als Hauptfiguren der Ausstellung stellen die Macher die Herzöge Philipp den Guten (*1396 – +1467) und Karl den Kühnen sowie die letzte burgundische Erbin Maria (*1457 – +1482) vor, die treffend „die Reiche“ genannt wird. Sie werden mit Porträts eingeleitet, die in kleinen, abgetrennten Räumen aufgehängt sind. Diese Räume erinnern an die typischen mittelalterlichen Pavillons – runde, bunte Zelte, die von Rittern und Adeligen genutzt wurden, wie das Gemälde von Karl dem Kühnen zeigt, das ein Armeelager darstellt.

Alternative Fakten

Die Tatsache, dass „Burgunder in Limburg“ in der Werbung mit einem Hinweis auf die burgundische Lebensart der Limburger vermarktet wird, ist an sich schon verständlich; So ein modernes Klischee eignet sich einfach gut als Einstieg. Aber die Provinz Limburg als Teil der Nation der Niederlande existiert erst seit dem neunzehnten Jahrhundert. Davor wechselte die Dominanz, die Aufteilung des Gebiets und sogar die Lage dessen, was „Limburg“ genannt wurde, ziemlich oft.Kann man Holzskulpturen wie die des Meisters von Elsloo (zirka 1500) oder Jan van Steffeswert (ca. 1460-nach 1538) gleichzeitig als burgundisch und limburgisch einordnen? Vielmehr gehören sie zu einer mosanischen Kunst, die nicht spezifisch in Limburg verwurzelt war – die es damals noch nicht gab – und die nicht ausschließlich zur burgundischen Kultur gezählt werden kann.

Auch die Präsenz des berühmten „Les Très Riches Heures“als Faksimile (das Original wird nie ausgeliehen und selten ausgestellt) und in Form von riesigen Bildern an den Wänden ist schlampig. Dieses Buch wurde nicht für einen burgundischen Herzog geschrieben, sondern für ihren größten Rivalen und ihr größtes Familienmitglied, den Herzog von Berry. Und was ist mit den Brüdern Van Lymborch, die die berühmtesten Miniaturen des Manuskripts malten? Nun, sie kamen nicht aus Limburg, dem heutigen oder dem damaligen, sondern aus Nimwegen und arbeiteten hauptsächlich in Frankreich. Die Besucher fragen sich vielleicht, wie schlimm es ist, dass solche Details nur indirekt gestreift werden. Für den, der kein (kunst-)historischer Scharfschütze ist, kann es durchaus vorstellbar sein, dass er die Ausstellung mit dem Eindruck verlässt, dass „burgundisch“ eigentlich ein Sammelbegriff für alles Spätmittelalterliche und auch mehr oder weniger ein Synonym für „Limburgisch“ ist. Und das ist in dieser Zeit der grassierenden „alternativen Fakten“ fragwürdig. (Artikel von Dorlen Tamis aus der Museumstijdschrift)

Nähere Informationen: Limburgs Museum, Keulsepoort 5 (gegenüber dem Bahnhof), 5911 BX Venlo, E-Mail: info@limburgsmuseum.nl, Telefon +31 777352212.

Neue Ausstellung im DHM: „Natur und deutsche Geschichte. Glaube – Biologie – Macht“

Was ist gemeint, wenn von „Natur“ die Rede ist? Auf diese Frage sind in der deutschen Geschichte sehr unterschiedliche Antworten gegeben worden. Regierungen sowie religiöse und politische Bewegungen haben den Begriff der Natur definiert – und für sich beansprucht. In der neuen Ausstellung zeigt das Deutsche Historische Museum (DHM) in Berlin, wie unterschiedlich „Natur“ zu verschiedenen Zeiten im Spannungsfeld von Glaube, Biologie und Macht verstanden und politisch eingesetzt wurde. Der schillernde und vielseitige Begriff der „Natur“ wird in seiner historischen Breite und Tiefe ausgelotet.

Die Ausstellung „Natur und deutsche Geschichte. Glaube – Biologie – Macht“, die noch bis zum 7. Juni 2026 im Pei-Bau des Deutschen Historischen Museums zu sehen ist, blickt auf Beispiele aus 800 Jahren deutscher Geschichte zurück: Ausgehend von Hildegard von Bingens Begriff der göttlichen „Grünkraft“ im 12. Jahrhundert spannt die Kuratorin Julia Voss den Bogen bis zu den Naturkonzepten im geteilten Deutschland, der Umweltpolitik und der frühen Anti-Atomkraft-Bewegung der 1970er Jahre. Die Vereinnahmung des angeblich Natürlichen war zudem eine der ideologischen Grundlagen für die NS-Diktatur, die sowohl die „äußere“ als auch die „innere“ Natur mit einer Unzahl von Gesetzen in ihre Definitionsmacht und Gewalt bringen wollte. Die „Nürnberger Gesetze“ und das „Reichsnaturschutzgesetz“ waren aufeinander bezogen und wurden im gleichen Jahr erlassen: 1935.

Nach einem Prolog werden in der Ausstellung historische Etappen dieses Bedeutungswandels durchschritten: In fünf chronologisch angeordneten Themenräumen öffnen verschiedene Stationen historische Fenster auf Ereignisse oder Entwicklungen, in denen das Naturverständnis markant geprägt oder verändert wurde. Diese Stationen werden jeweils mit einem Tier oder einer Pflanze eingeleitet. Die Ausstellung rückt dabei unterschiedliche Landschaften in den Fokus: von den Kulturlandschaften des Mittelalters über die Wüstungen des Dreißigjährigen Krieges und den im 19. Jahrhundert zum Mythos aufgestiegenen „deutschen Wald“ bis zu den Lausitzer Tagebaulandschaften in der DDR im 20. Jahrhundert.

Die Untersuchung geht über die Fokussierung auf Themen des Natur- oder Umweltschutzes hinaus, die in Zeiten des Klimawandels häufig ins Zentrum gestellt werden. Gegenstand der Betrachtung sind nicht alleine die gegenwärtige Aufladung und die heutige semantische Bedeutung von „Natur“, sondern die sich verändernden Vorstellungen in der deutschen Geschichte. Die heutigen Debatten sollen durch die historischen Perspektiven bereichert werden.

Die Publikationen zur Ausstellung: Natur und deutsche Geschichte. Im Spannungsfeld von Glaube, Biologie und Macht

„Natur” ist ein vielschichtiger und schillernder Begriff, der in der deutschen Geschichte überraschende Wandlungen durchlief. Von Hildegard von Bingens Konzept der „Grünkraft” bis zur Anti-Atomkraft-Bewegung der 1970er-Jahre: Im Spannungsfeld von Glaube, Biologie und Macht haben Regierungen sowie unterschiedlichste politische und religiöse Bewegungen ihren je eigenen Naturbegriff definiert und für sich beansprucht. Natur und deutsche Geschichte zeigt Umbrüche und Verschiebungen in den Naturvorstellungen aus 800 Jahren. Anhand von beispielhaften Ereignissen aus der Zeit des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, der Zeit der Industrialisierung, des Nationalsozialismus sowie des geteilten Deutschlands wird Geschichte in Geschichten erzählt, gerahmt von Gesprächen mit herausragenden Historikern. Jede historische Epoche wird mit einem Tier oder einer Pflanze eingeleitet: vom Wolf und Beluga-Wal über die Eiche, die Kartoffel und das Usambaraveilchen bis zur Burgunder-Traube. Historische Rezepte spiegeln die Bedeutung von Lebensmitteln und Essgewohnheiten wider. Ein reich illustrierter Bildband, der die kontrastreichen Transformationen von Naturvorstellungen in der deutschen Geschichte vom Mittelalter bis in die 1970er-Jahre anhand ausgewählter Stationen anschaulich macht.

Herausgegeben von: Raphael Gross und Julia Voss für das Deutsche Historische Museum Berlin 2025, 248 Seiten, Matthes & Seitz Berlin, ISBN 978-3-7518-4041-5, 28 Euro.

Publikation 2: Historische Urteilskraft 06. Magazin des Deutschen Historischen Museums

Das Titelthema der sechsten Ausgabe befasst sich mit den politischen Bedeutungen des Naturbegriffs in der deutschen Geschichte. Insgesamt umspannt der Untersuchungszeitraum der Beiträge 900 Jahre.

In drei einführenden Artikeln geben Annette Kehnel, Jutta Nowosadtko und Frank Uekötter einen Überblick über die wechselvollen Naturbeziehungen in Mittelalter, Neuzeit und im 19. und 20. Jahrhundert. Margot E. Fassler erkundet Hildegard von Bingens Begriff der „viriditas“ (Grünkraft) im 12. Jahrhundert, Hiram Kümper behandelt die Natur als Ressource bei der Hanse und Viktoria Urmersbach schreibt über das Bild vom Wald im 18. Jahrhundert, Nils Franke untersucht Natur und Ideologie im Nationalsozialismus. Tilo Wesche stellt die Dialektik der Naturverhältnisse bei Max Horkheimer und Theodor W. Adorno vor. Stephen Milder thematisiert die Anfänge der Anti-Atomkraftbewegung und Astrid M. Eckert erläutert das Nationalparkprogramm der späten DDR.

Daneben macht sich Volker Braun im Einführungsessay als „Freund präziser Abweichungen“ Gedanken über die Strapazen der Urteilskraft. Die Fotografin Laura J. Padgett erstellte einen Foto-Essay zur Lage des barocken Zeughauses in Berlin-Mitte, den Annett Gröschner mit ihren Überlegungen zur historischen Verortung des Zeughauses begleitet. Liliane Weissberg stellte Lorraine Daston, Martha C. Nussbaum sowie Neil MacGregor die Frage: „Was bedeutet Aufklärung?“ und Ansbert Baumann beleuchtet die Geschichte des Gastarbeiterfußballs in der Bundesrepublik. Anna-Carolin Augustin beschäftigt sich mit Schenkungen des Museums für deutsche Geschichte aus dem Jahr 1990 an das United States Holocaust Memorial Museum. Ulinka Rublack, Stephanie Neuner, Brigitte Reineke und Mathias Lang trafen sich in unserer Gemäldesammlung, um einige Details und ihre Bedeutung aus den Augsburger Monatsbildern herauszuarbeiten. Julia Franke ordnet die Elefanten-Sammlung Juliane Webers ein in den historischen und Sammlungskontext – Juliane Weber war die langjährige Büroleiterin von Bundeskanzler Helmut Kohl. Sie verstarb im Dezember 2023.

Herausgegeben von: Stiftung Deutsches Historisches Museum, Berlin 2024, 104 Seiten, ISBN 978-3-86102-234-3, ISSN 2626-8094, 12 Euro, zzgl. Porto.

Nähere Informationen: Museumsverein des Deutschen Historischen Museums, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, Telefon: +49 30 814535510, E-Mail: kontakt@dhm-museumsverein.de

Museumswochenende x „NNELG“ in Gorssel/NL

Am Samstag, 15. und Sonntag, 16. November, öffnet das Museum MORE seine Pforten. Während der ersten Ausgabe des Museumswochenendes „Achterhoek“ am Samstag, 15. November, und am Sonntag, 16. November, bietet das in Gorssel/NL ansässige Museum ein abwechslungsreichen Programm voller Erlebnisse und Interaktion, das von „NNELG“ kuratiert wird. Die Besucherinnen und Besucher haben an beiden Tagen die Möglichkeit, Kunst und Kultur auf überraschende Weise zu entdecken.

Das Programm im Überblick:

Samstag, 15. November

10 bis 17 Uhr: Drink & Draw im Museumscafé
In dieser Zeit besteht die Möglichkeit, zu kritzeln, zu malen, zu skizzieren oder einfach nur zu malen. Alles ist erlaubt, nichts ist Pflicht. Bei einem Drink kann man sich hinsetzen und sich von der Kunst im Museum inspirieren lassen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Das Museum stellt das erforderliche Material zur Verfügung und bietet Zeichentipps an. Es geht nicht darum, perfekt zu zeichnen, sondern darum, Spaß zu haben, neue Leute kennenzulernen und eine Weile offline zu sein

10 bis 17 Uhr: Museumsbesuch
Gleichzeitig können sich die Besucherinnen und Besucher die erneuerte Dauerausstellung und der Ausstellungen „Europäische Realitäten“ und „Démasqué“ anschauen – verbunden mit interaktiven Aufgaben.

13 bis 17 Uhr: Siebdruck-Workshop
Hier besteht die Möglichkeit, in die Welt der Farbe, Form und des Experimentierens einzutauchen Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich von einem echten Kunstwerk aus dem Museum inspirieren lassen und unter Anleitung einen eigenen einzigartigen Druck zum Mitnehmen anzufertigen. Sie entdecken, wie Schicht für Schicht ein Bild entsteht und wie überraschend das Ergebnis sein kann. Egal, ob man ein kreativer Anfänger ist oder bereits mit Tinte gearbeitet hat; Jeder kann mitmachen. Es empfiehlt sich, etwas anzuziehen, das einem Farbspritzer standhält, und ganz wichtig: Lust auf Experimente zu haben

13 Uhr: Choice of Eus Tour

In dieser Tour führt Özcan Akyol, besser bekannt als „Eus“, durch die Dauerausstellung in der Choice of Eus Live Tour. Diese Tour ist inspiriert vom museumseigenen Medienführer „Keus van Eus“, der auch im Museum angehört werden kann. Für diese Tour kann man sich am 15. November an der Rezeption anmelden. Die Plätze sind begrenzt.

Sonntag, 16. November

10 bis 17 Uhr: Drink & Draw im Museumscafé
In dieser Zeit besteht die Möglichkeit, nochmals zu kritzeln, zu malen, zu skizzieren oder einfach nur zu malen. Alles ist erlaubt, nichts ist Pflicht. Bei einem Drink kann man sich hinsetzen und sich von der Kunst im Museum inspirieren lassen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Das Museum stellt das erforderliche Material zur Verfügung und bietet Zeichentipps an. Es geht nicht darum, perfekt zu zeichnen, sondern darum, Spaß zu haben, neue Leute kennenzulernen und eine Weile offline zu sein

10 bis 17 Uhr: Museumsbesuch
Gleichzeitig können sich die Besucherinnen und Besucher wie am Vortag die erneuerte Dauerausstellung und der Ausstellungen „Europäische Realitäten“ und „Démasqué“ anschauen – verbunden mit interaktiven Aufgaben.

14 bis 14.45: Performance Gershwin Unplugged
Mit fast 40 Shows bei „De Parade“ in drei Städten hat das musikalische Abenteuer, an dem Gershwin in den kommenden Jahren arbeiten wird, offiziell begonnen. Mit fünf Sternen im NRC war „Gershwin Unplugged“ der Auftritt dieses Sommers. Während des „Gershwin Unplugged“ erhalten die Besucherinnen und Besucher als erste eine Live-Vorschau auf Gershwins kommendes Album „Up“, das dieses Jahr erscheinen wird, und auf seine Museumstournee, mit der er 2026 zu sehen sein wird.

Gershwin Bonevacia ist ein vielseitiger Dichter, Schriftsteller, Musiker und Theatermacher, der von 2019 bis 2022 der Stadtdichter von Amsterdam war. Er machte sich mit mehreren Gedichtbänden und der erfolgreichen Theaterperformance „Terug naar Prinsenplein“ einen Namen. Diese Aufführung wurde mehrfach ausgezeichnet und auch international präsentiert.

15 bis 17 Uhr: Siebdruck-Workshop
Hier besteht nochmals die Möglichkeit, in die Welt der Farbe, Form und des Experimentierens einzutauchen Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können sich von einem echten Kunstwerk aus dem Museum inspirieren lassen und unter Anleitung einen eigenen einzigartigen Druck zum Mitnehmen anzufertigen. Sie entdecken, wie Schicht für Schicht ein Bild entsteht und wie überraschend das Ergebnis sein kann. Egal, ob man ein kreativer Anfänger ist oder bereits mit Tinte gearbeitet hat; Jeder kann mitmachen. Es empfiehlt sich, etwas anzuziehen, das einem Farbspritzer standhält, und ganz wichtig: Lust auf Experimente zu haben.

Bitte beachten: Die Tickets für dieses Wochenende sind nur online erhältlich.

Nähere Informationen erfolgen per E-Mail an info@museummore.nl oder telefonisch unter der Nummer 0575 760300.

Ein bewegtes Schauspielerleben oder eine „Nachgelassene Biografie“ über einen geliebten Vater

„Unter den Menschen gibt es zuweilen diese seltsamen Sonnenwesen. Es haftet ihnen etwas ganz Besonderes an, etwas Außergewöhnliches. Wenn sie ein Café betreten, erzeugen sie unter den Gästen ein leises Raunen, fühlen sich die Leute – ob sie wollen oder nicht – auf magische Weise zu ihnen hingezogen. Zweifellos liegt das an ihrem attraktiven Äußeren, das insbesondere bei den jugendlichen Vertretern dieser Gattung hervorsticht. Doch bei echten Sonnenwesen ist da mehr als bloß körperliche Attraktivität. Liegt es an ihrer Lässigkeit? An der Aura des Kosmopolitischen, die sie umgibt? An ihrer starken Persönlichkeit oder vielleicht an der Unbekümmertheit, die sie auf eine sympathische Weise ausstrahlen? An der Freude am Leben?“ (Ilja Bohnet)

Mit 21 Jahren stand er zum ersten Mal vor der Kamera und trat im Film „Solange das Herz schlägt“ neben damals schon so bekannten Namen wie Heidemarie Hatheyer, O. E. Hasse und Hans-Christian Blech auf, er war Hans Scholten, einer der Jungs, der in dem Welterfolg „Die Brücke“ des Regisseurs Bernhard Wicki mitspielte und mit dieser Rolle ebenso wie seine Schauspielerkollegen Fritz Wepper, Volker Lechtenbrink und Michael Hinz den Weg für die spätere Karriere ebnete, und er war in der Rolle des Schauspielers Josef Kainz in dem Visconti-Meisterwerk „Ludwig II“ mit Helmut Berger, Romy Schneider und weiteren internationalen Stars zu sehen – die Rede ist von dem Schauspieler, Regisseur und Bühnenautor Folker Bohnet (*1937 + 2020), über den vor Kurzem eine „nachgelassene Biografie“ erschienen ist.

Sie basiert auf Gesprächen, die Ilja Bohnet, sein Sohn aus der Ehe mit der Schauspielerin Ann-Monika Pleitgen und der Autor des Buches, mit ihm an drei langen Frühlingsabenden in Berlin im Mai 2017 geführt hat.

Gemeinsames Ziel war es, Bohnets private wie beruflich aufregende Lebensgeschichte mit ihren Höhen und Tiefen einzufangen und zumindest einen Teil der Anekdoten zu verschriftlichen, die er zu erzählen wusste.

Wie der Autor des Buches berichtet, war es ein großes Glück, dass Volker Bohnet sowohl druckreif sprechen konnte als auch in der Lage war, geordnet erzählen zu können, so dass sich die unterschiedlichen Stationen seines Lebens für den Leser nachvollziehbar miteinander verbanden.

Aufgeteilt ist das vorliegende Werk in die Erzählungen Bohnets und die durch Ilja Bohnet vorgenommenen Einordnungen des Erzählten in einem auch für Außenstehende verständlichen geschichtlichen, kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Zusammenhang.

Ein Blick zurück: Zwei Jahre vor Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Folker Bohnet in Berlin geboren. Wie er in den Gesprächen mit seinem Sohn berichtet, hatte er eine behütete Kindheit. Der Familie war es sogar gegönnt, in dem Schloss eines befreundeten Grafen in Hohenprießnitz an der Mulde wohnen zu dürfen. Doch dieses Glück sollte ein jähes Ende nehmen. Nachdem der Zweite Weltkrieg verloren war, besetzten zuerst die Amerikaner und dann die Russen das Schloss; und das hieß für die Familie Bohnet sich ein neues Zuhause zu suchen, das sie schließlich bei Verwandten in Halle fand. Nachdem der Vater als Soldat aus dem Krieg heimkehrte, konnte ein privilegiertes Leben weitergeführt werden. Als Direktor einer Zuckerfabrik standen ihm ein Auto und ein Chaffeur zur Verfügung, und in seiner Funktion kam er auch an unterschiedlichste Güter heran, die in der Nachkriegszeit – insbesondere in der von der Sowjetunion besetzten Zone, der späteren DDR – oft Mangelware waren.

In dieser Zeit wurden, wie Bohnet im lockeren Plauderton berichtete, die Weichen für sein späteres Leben und auch sein Lebensglück gestellt. Da seine Eltern oft ins Theater gingen und nachher viele Künstler aus diesem Bereich in ihr Haus einluden, kam er in den Kontakt mit dieser besonderen Welt und war sofort begeistert: „Jede freie Minute, die mir zur Verfügung stand, saß ich fortan im Varieté, nicht nur im Zuschauerraum, sondern auch hinter der Bühne. Ich hatte Zutritt zu den Garderoben und konnte mit den Künstlern, die ich zum Teil von zu Hause gut kannte, intensiv unterhalten. Ich habe dieses Völkchen angefangen zu lieben. Ich wußte, dass das mein Leben sein würde“, schwärmt Bohnet von dieser Zeit.

Doch mit dieser Begeisterung für das Theater beginnen für ihn auch die Probleme. Sein Traum, eine Karriere als Schauspieler zu starten, stößt bei dem Vater auf Widerstand, der sich für seinen Sohn ein bürgerlich-konventionelles Leben vorgestellt hat und ihn zum Jura-Studium drängt. Das belegt er aber nur pro forma. Sein Weg führt ihn zur Schauspielschule Düsseldorf und zu einer neu gegründeten Schauspielschule der UFA. Und dann geht alles ganz schnell. Ohne viel Erfahrung wird er 1958 für das von dem bekannten Regisseur Alfred Weidenmann gedrehte Filmdrama „Solange das Herz schlägt“ engagiert – mit so renommierten Schauspielern wie O.E. Hasse und Heidemarie Hatheyer. Internationalen Erfolg beschert ihm ein Jahr später seine Rolle des Hans Scholten in dem Antikriegs-Klassiker „Die Brücke“. Und so beginnt die Karriere des Volker Bohnet, die sich aber nicht nur in der Schauspielerei erschöpft, sondern auch in die Tätigkeit als Regisseur und Bühnenautor mündet.

Wie die weiteren Erzählungen Bohnets belegen, hat er in seinem Traumberuf Schauspieler Fuß gefasst und das Vorurteil seines Vaters, dass das „brotlose Kunst“ sei, widerlegt. War nun dieses Problem gelöst, ergab sich ein Weiteres: dass seiner sich schon früh zeigenden Bisexualität in einer Zeit, in der homosexuelle Handlungen noch unter Strafe standen. Als glücklichen Umstand bezeichnet er es, dass in der zumeist geschlossenen Welt der Schauspielkunst und anderer Künste andere Regeln galten und unterschiedliche sexuelle Neigungen weitestgehend nicht diskriminiert wurden.

Ein weiterer glücklicher Umstand: die Chance, als Schauspieler die große weite und nonkonformistische Welt dieses Berufes und der mit ihr verbundenen Personen kennenzulernen – auf den freizügigen Partys des bekannten Filmproduzenten Wenzel Lüdecke und durch zahlreiche Begegnungen. Wie Bohnet berichtet, war für ihn der bedeutende deutsche Komponist Hans-Werner Henze eine prägende Figur. Viele Jahre lebte er mit ihm als Paar in dessen mondäner Villa in Rom zusammen, lernte dort viele Persönlichkeiten wie den Dirigenten Leonard Bernstein und insbesondere den Regisseur Luchino Visconti kennen, der ihn für die Rolle des Josef Kainz in dem Film „Ludwig II“ engagierte und über dessen besonderen Charakter er ebenso kenntnis- wie anekdotenreich zu berichten weiß.

Auch in der Erinnerung nach knapp über 50 Jahren bewertet er diese Zeit als maßgeblich für seine Entwicklung von einem sich provinziell fühlenden deutschen Schauspieler hin zu einem sich als Kosmopolit verstehenden Menschen. Sein Dank dafür gilt Henze, durch den er „einen völlig neuen Blick auf die Welt gewann.“

Neben seinem Ausflug in die Welt des Films und Fernsehens bestimmte das Theater Volker Bohnets berufliches Leben: feste Engagements und Gastspiele an renommierten Schauspielhäusern, darunter am Thalia-Theater Hamburg, Renaissance-Theater Berlin, Schauspielhaus Frankfurt, Ernst-Deutsch-Theater Hamburg, Residenztheater München, Theater in der Josefstadt Wien, an den Städtischen Bühnen Köln, der Freien Volksbühne Berlin, den Hamburger Kammerspielen und an fast allen bekannten Komödienhäusern Deutschlands sowie bei Festspielen und Tournee-Produktionen. Dabei spielte er die unterschiedlichsten Rollen von der Klassik bis zur Komödie.

Neben seiner Arbeit als Schauspieler führte Folker Bohnet regelmäßig Theaterregie und schrieb auch zahlreiche Komödien, die im gesamten deutschsprachigen Raum und darüber hinaus mit großem Erfolg aufgeführt wurden. Zu den Bekanntesten gehören „Meine Mutter tut das nicht“, „In anderen Umständen“, „Die Hausdame“ und „Ein Oscar für Emily“. Im neuen Millennium inszenierte er regelmäßig unter Intendanz von Christian Seeler am Ohnsorg-Theater in Hamburg.

Dass er im Zusammenhang mit den Komödien von der Kritik oft nur als „Meister des Boulevards“ bezeichnet wurde und seine ernsten Rollen wie Hamlet, Romeo oder den Tellheim in Lessings „Minna von Barnhelm“ in Vergessenheit zu geraten schienen, bedauert Bohnet in seinen Erinnerungen, ist aber andererseits auch stolz über das ihm entgegengebrachte Lob, denn wie er weiß, ist die Komödie, wenn sie gut sein soll, das schwierigste Genre für einen Schauspieler. Darauf geht er in seinen Erinnerungen dann noch weiter ein – verbunden mit vielen tiefen Einsichten in dieses oft unterschätzte Fach.

Bei aller Leidenschaft für Theater, Film und Fernsehen war es Folker Bohnet auch wichtig, ein Privatleben zu haben. Wie einer seiner Kollegen ihm dazu des Öfteren sagte, hatten aber die Turbulenzen in diesem Bereich vielleicht eine größere Karriere verhindert. Wie Bohnet eingesteht, war dies auch so. Er hatte Beziehungen zu Männern und Frauen – mit der Schauspielerin Ann-Monika Pleitgen war er sogar verheiratet – und manche auch gleichzeitig; und das war für die Beteiligten nicht immer einfach.

Zurückblickend nimmt er aber für sich in Anspruch, nichts bereuen zu müssen. Und das von ihm beschriebene Glück mit seinem letzten Partner und Kompagnon bei einer Vielzahl seiner Theaterstücke, Alexander Alexy, mit dem er fast 40 Jahre liiert war, scheint das zu bestätigen.

Volker Bohnet starb im Oktober 2020 im Alter von 83 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit und wurde auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf im Planquadrat PA 2 oberhalb des Prökelmoors beigesetzt.

Kurzum: Ilja Bohnets Buch über seinen Vater, basierend auf dessen Erinnerungen in einem unterhaltsamen, kurzweiligen und anekdotenreichen Ton, gibt interessante Einblicke sowohl in das Leben eines Schauspielers als auch in das kulturelle Leben Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg.

Zum Autor Ilja Bohnet:

Der Autor ist promovierter Physiker und arbeitete ab Mitte der 1990-er Jahre am Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY in Hamburg und Zeuthen, bevor er im Jahr 2012 als Beauftragter für die Grundlagenforschung mit Großforschungsanlagen in die Geschäftsstelle der Dachorganisation vom DESY, der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren, nach Berlin wechselte.

Daneben schreibt er Kriminalromane, Kurzgeschichten und Sachbücher und wurde für seine belletristischen Werke bereits mehrfach ausgezeichnet, zuletzt 2019 mit dem Wunderwasser-Krimipreis für die Kurzgeschichte „Nur ein Kratzer“ (Verlag Tasten & Typen). Im Herbst 2020 veröffentlichte er sein erstes populärwissenschaftliches Buch im KOSMOS Verlag mit dem Titel „Die 42 größten Rätsel der Physik“. Der Kriminalroman „Schneeflockenrauschen“ ist sein erster Roman in der edition karo.

Ilja Bohnet, Der verzauberte Junge von der Brücke – Aus dem Leben des Schauspielers, Regisseurs und Theaterautors Folker Bohnet, 150 S., Klappenbroschur, 1 Foto fb., 7 Fotos s/w, 20 Euro, • 20,60 (A) • 23,50 CHF, ISBN 978-3-945961-42-1

Programm des Museumsquartiers Osnabrück für den November

Breitgefächert ist das Programm des Museumsquartiers Osnabrück, das sich von Ausstellungen bis hin zu Gesprächskreisen, Lesungen und Vortragsveranstaltungen erstreckt.

Frieden sehen – Frieden denken

Frieden ist in Osnabrück mehr als ein historisches Erbe – er ist unsere Haltung. So ist dort die Ausstellung zum „Deutschen Friedenspreis für Fotografie“ und zum „Felix Schoeller Photo Award“ zu sehen. Präsentiert werden preisgekrönte und nominierte Arbeiten internationaler Fotografinnen und Fotografen, die zeigen, wie vielfältig Frieden heute gedacht und erlebt werden kann.
Zu den Ausgezeichneten zählt Maximilian Mann, dessen eindringliche Bildserie die Zerbrechlichkeit und Hoffnung menschlicher Existenz spürbar macht. Die Ausstellung wird noch bis Februar 2026 gezeigt.

»Gedenken neu denken – Wie sich unser Erinnern an den Holocaust verändern muss« – Buchvorstellung mit Susanne Siegert am 21. November, 18.30 Uhr, Eintritt frei

„Unsere Erinnerungskultur muss sich verändern“, meint die Autorin Susanne Siegert. Wie und warum, legt sie in ihrem Buch dar. Sie plädiert für eine pluralistische, neue Gedenkarbeit mit einem Schwerpunkt auf der Verantwortung der Nachfahren der Tätergeneration anstelle unserer „einstudierten“ gemeinsamen Rückschau mit den Opfern. Es geht um weniger bekannte NS-Verbrechen, um weniger bekannte Orte, um bisher vernachlässigte Opfergruppen. Gleichzeitig zeigt dieses Buch, wie wichtig eine aktivere, vielfältigere Gedenkkultur ist, um künftige Generationen auch ohne direkte Zeitzeugenberichte zu erreichen. Susanne Siegert klärt auf Instagram und TikTok über den Holocaust auf. Ihr folgen knapp 300.000 Menschen. Für ihre Arbeit wurde sie 2024 mit dem ELNET Preis und dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet.

Filmabend: »Wir sind jung. Wir sind stark.«, 25. November 2025, 19 Uhr, in der Lagerhalle Osnabrück, Eintritt: 6 beziehungsweise ermäßigt 5 Euro

Der Spielfilm von Burhan Qurbani (2014) erzählt von den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen im August 1992. In einer von Perspektivlosigkeit geprägten Plattenbausiedlung entlädt sich die wachsende Fremdenfeindlichkeit in blanker Gewalt gegen Asylsuchende und vietnamesische Vertragsarbeiter:innen – ein erschütterndes Zeitdokument über die Folgen von Orientierungslosigkeit, politischem Versagen und Hass.

Eine Veranstaltung in der Reihe „Geschichte(n) sehen“ von Museumsquartier Osnabrück, Lagerhalle e.V. und Filmfest Osnabrück.

»Pensionen und Baulasten« – Vortrag & Gespräch mit Dr. Christian Hoffmann über den Umgang des Königreichs Hannover mit den Verpflichtungen aus der Zeit der Säkularisation im Bereich der Landdrostei Osnabrück (1813/14–1866) am 25. November, 19 Uhr, Eintritt frei

Die Säkularisation bezeichnet die Enteignung und Verstaatlichung kirchlicher Güter zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Viele Klöster, Stifte und geistliche Fürstentümer wurden aufgelöst, ihr Besitz ging an weltliche Staaten über – ein tiefgreifender Einschnitt in das Verhältnis von Kirche und Staat.
Diese Umwälzungen brachten den neuen Landesherrschaften zwar großen Vermögenszuwachs, jedoch auch langfristige finanzielle Verpflichtungen. Das 1814 zum Königreich erhobene Hannover erhielt durch den Wiener Kongress von 1815 unter anderem das Emsland und die Grafschaft Bentheim und richtete zur Verwaltung des ehemaligen Kirchenvermögens die Klosterkammer ein. Der Vortrag zeigt, wie Hannover seiner Verpflichtung zur Versorgung der Kanoniker, Mönche und Nonnen der aufgehobenen Stifte und Klöster in der Landdrostei Osnabrück nachkam, und zeigt die neue Nutzung des verstaatlichten Immobilienbesitzes.
Eine Veranstaltung in der Reihe „Geschichte konkret“ vom Museumsquartier und dem „Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück“.

Vortrag & Gespräch: Albrecht Dürers »Marienleben« am 6. Dezember 2025, 15.30 Uhr,
Eintritt: 8 beziehungsweise ermäßigt 6 Euro inklusive Kaffee & Kuchen. Anmeldung bis 3. Dezember unter mq4-vermittlung@osnabrueck.de

Die Kunsthistorikerin Marie Brune lädt zu einem Vortrag über Albrecht Dürers Holzschnittzyklus „Marienleben“ ein – ein Meisterwerk der Renaissance, das Maria nicht nur als heilige, sondern als zutiefst menschliche Figur zeigt. In 19 Holzschnitten erzählt Dürer eindrucksvoll vom Leben der Gottesmutter – von ihrer Geburt bis zur Himmelfahrt – und verbindet Bild und Text auf neuartige Weise. Im Anschluss gibt es Gelegenheit, bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch zu kommen und Dürers Werk weiter zu entdecken – darunter auch die derzeit im Museumsquartier gezeigte „Apokalypse“.

Nähere Informationen: Museumsquartier Osnabrück, Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück, Telefon 05413232237, E-Mail: museumsquartier@osnabrueck.de und Internet: http://www.museumsquartier-osnabrueck.de

„B{l}ooming – Barocke Blütenpracht“ im Wallraf-Richartz-Museum

Rosen, Tulpen, Nelken – Blumen sind für den Menschen nicht nur eine Augenweide, sondern auch Heilmittel, Accessoire und Symbol für Liebe, Glaube und Treue. Besonders im Barock feierten vor allem Künstlerinnen die vergängliche Schönheit der Blume und verewigten sie in ihren Gemälden, wie das Wallraf-Richartz-Museum noch bis zum 31. Mai 2026 in seiner neuen Jahresausstellung „B{l}ooming – Barocke Blütenpracht“ beweist. Mit bekannten und unbekannten, zum Teil neu erforschten und frisch restaurierten Stillleben, Porträts und Allegorien aus Privatsammlungen und eigenem Bestand präsentiert das Kölner Museum den Boom und die Vielfalt von Blumenmotiven im Barock. Zudem führt ein eigener „Blumenparcours“ das Publikum von der Ausstellung in die ständige Sammlung zu weiteren blühenden Bildern.
In „B{l}ooming“ grünt und blüht ein Novum: Denn um 1600 werden bunte Blumensträuße und kunstvoll geflochtene Girlanden zu einem eigenständigen Bildmotiv und entwickeln sich rasch zu einer beliebten Gemäldegattung. Die Blumenmalerei startete ihren Siegeszug in Flandern und war bald in vielen europäischen Ländern äußerst populär, wie sich leicht an der Herkunft der gezeigten Meister ablesen lässt: Flamen wie Daniel Seghers und Jan Brueghel d.Ä., auch bekannt als „Blumenbrueghel“, Holländer wie Adriaen Coorte und Roelant Savery sowie der Italiener Giovanni Stanchi und der Deutsche Peter Binoit sind in der Ausstellung vereint. All ihre Werke blühen heute noch genauso farbenfroh wie am Tag ihrer malerischen Geburt vor vier Jahrhunderten.
Stichwort Blühen: Ein besonderes Exponat in der Ausstellung ist ein stets frisch arrangiertes Blumengebinde, das auf einem eigenen Sockel präsentiert wird. Die Künstlerinnen dieser Werke sind Floristinnen, die sich bewerben können, um ihre Blumenarrangements in „B{l}ooming“ zeigen zu können. Alle Infos zu dieser Aktion bietet die Website der freunde auf http://www.kunstfreunde.koeln.

Nähere Informationen: Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Obenmarspforten, Am Kölner Rathaus, 50667 Köln, Telefon: +49 (0)221 / 221-21119, Fax: +49 (0)221/221 – 22629, E-Mail info@wallraf.museum

Expedition Zeichnung – Niederländische Meister unter der Lupe

Welche Geheimnisse stecken in jahrhundertealten Zeichnungen? Wie bringt man die stummen Meisterwerke zum Sprechen? Und woran lassen sich Original und Kopie unterscheiden? Diese und weitere spannende Fragen beantwortet in Köln ab 14. November die Ausstellung „Expedition Zeichnung – Niederländische Meister unter der Lupe“. Mit ihr stellt das Wallraf-Richartz-Museum erstmals die erstaunlichen Ergebnisse eines mehrjährigen Forschungsprojekts vor. Knapp 850 Zeichnungen des 15. bis 18. Jahrhunderts nahmen die Expertinnen und Experten dabei unter die Lupe und das Mikroskop.

Mit insgesamt 90 Werken von Meistern wie Rembrandt, Rubens und Goltzius kann das Publikum bis zum 15. März 2026 durch die faszinierende Welt der niederländischen Zeichenkunst reisen. Die „Expedition Zeichnung“ schlägt dabei Schneisen durch unerforschtes Terrain, macht Entdeckungen sichtbar und erzählt die faszinierenden Geschichten hinter den Arbeiten.
Die Palette der abwechslungsreichen und farbenfrohen Zeichenkunst reicht dabei von der briefmarkenkleinen Studie bis zum furios skizzierten Entwurf. Außerdem zeigt die Ausstellung die passende „Ausrüstung“ für eine solch intensive Erforschungsreise und fragt nach dem richtigen Weg: Haben sich die Experten vielleicht auch mal verlaufen, oder führen alle Wege zum Ziel?

Nähere Informationen: Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Obenmarspforten, Am Kölner Rathaus, 50667 Köln, Telefon: +49 (0)221 / 221-21119, Fax: +49 (0)221/221 – 22629, E-Mail info@wallraf.museum

Ausstellung nach Erhalt des Dieter Krieg-Preises

Der Dieter Krieg-Preis „Allen Malern herzlichen Dank“ geht 2025 an das Von der Heydt-Museum, das damit ein Werk von Jaana Caspary (*1988) erwerben kann. Der Neuzugang wird mit einer Ausstellung gefeiert, die noch bis zum 8. Februar 2026 zu sehen ist und einen Einblick in die Arbeit der Wuppertaler Bildhauerin gibt. Verliehen wird die Auszeichnung von der im Jahr 2004 in München begründeten Stiftung Dieter Krieg, die sich der Wahrung und Vermittlung des Werks des renommierten deutschen Malers widmet (1937–2005).

Jaana Casparys Werke orientieren sich am realen Gegenstand. Abformungen von banalen Objekten des Massenkonsums mit elaborierten Grundformen bilden die Grundlage ihrer Skulpturen, die deren ursprüngliche Form nur noch erahnen lassen. Sie formt den realen Gegenstand ab und überträgt ihn in ein anderes Material, vervielfältig seine Grundform, spiegelt diese oder ändert die Perspektive. So wird das Objekt aus seinem Funktionszusammenhang gelöst und als abstrakt gelesen. Jaana Caspary demonstriert das skulpturale Potenzial, das in den Formen, die uns so bekannt sind, steckt. In ihrer Herangehensweise greift sie Traditionen der modernen Skulptur auf und überführt sie in die Gegenwart.

In der Ausstellung im Von der Heydt-Museum wird neben dem Neuzugang zur Sammlung eine facettenreiche Auswahl von teils großformatigen Skulpturen und Wandreliefs neben kleineren Formaten präsentiert. Hierbei wird es sich vor allem um ganz aktuelle Werke der Künstlerin handeln. Mit „Malsch Wanne“ (1970) – eine Gemälde-Serie von Dieter Krieg, aus der das Von der Heydt-Museum eines besitzt – wird eine inhaltliche Verbindung der beiden Künstler:innen hergestellt. Auch Dieter Krieg erfindet im Werk „Malsch Wanne“ eine Form, erweckt jedoch den Anschein, als handele es sich um ein real funktionierendes Objekt.

Jaana Caspary wurde 1988 in Wuppertal geboren und arbeitete während Ausbildung und Studium als Assistenz im Atelier von Tony Cragg. 2014 machte sie ihren Abschluss an der Kunstakademie Düsseldorf in der Bildhauerklasse von Prof. Didier Vermeiren. Seitdem hatte sie zahlreiche Gruppen- sowie Einzelausstellungen, zuletzt im Jahr 2023 im Skulpturenpark Waldfrieden, dem Kunstverein Schwäbisch Hall und 2025 in der Galerie der Stadt Lüdenscheid. 2024 erhielt sie den „Artima“-Förderpreis der Art Karlsruhe.

Nähere Informationen: Von der Heydt-Museum, Turmhof 8, 42103 Wuppertal, Telefon 0202 5636231 und E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de. Geöffnet ist das Museum am Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, am Donnerstag von 11 bis 20 Uhr. Da das zweite Obergeschoss wegen Umbauarbeiten geschlossen ist, gibt es einen ermäßigten Eintrittspreis.

Jendritzko-Ausstellung zum 100. Geburtstag

Vom Bildhauer zum Konzeptkünstler: Das Von der Heydt-Museum ehrt Guido Jendritzko (*1925 Kirchhain/Niederlausitz – +2009 Wuppertal) anlässlich seines 100. Geburtstags mit einer Ausstellung. Sie gibt Einblick in das umfangreiche und vielseitige Werk des in Brandenburg geborenen und in Berlin ausgebildeten Künstlers und documenta-Teilnehmers. Es reicht von frühen Skulpturen und Grafiken über seine Aktions- und Performancekunst der 1970-er Jahre sowie Fotoarbeiten der 1980er Jahre bis zu seinen späten seriellen Arbeiten.

Die Ausstellung, die noch bis zum 8. Februar 2026 zu sehen ist, verdeutlicht, wie Jendritzko seine Arbeitsweise ab den frühen 1970-er Jahren radikal änderte. Er schuf das Genre der „Intim-Performance“, das sich um das Verhältnis Mann – Frau drehte. Ab den 1980-er Jahren konzentriert sich Jendritzko auf die Fotografie. Groß angelegte Fotoinstallationen thematisieren die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt.

Jendritzko entwickelte sich von einem klassischen abstrakten Bildhauer zum zeitkritischen und kulturpolitisch interessierten Konzeptkünstler. Ende der 1960er Jahre beteiligte er sich aktiv an den Wuppertaler Diskussionen rund um einen Museumsneubau. Auch das ist Teil seiner Kunstpraxis.

Heute gehören acht Skulpturen, zahlreiche Tuschezeichnungen und ein umfangreiches Konvolut an Arbeiten mit Fotografie zur Sammlung des Von der Heydt-Museums in Wuppertal, wo er ab 1964 lebte und an der Werkkunstschule lehrte. Ergänzt wird die Schau durch zahlreiche Werke aus dem Nachlass, die bisher noch nicht zu sehen waren.

Sein Werk befindet sich teils in Museen, teils im öffentlichen Raum. In Wuppertal bekannt ist beispielsweise Jendritzkos zwei Meter hohe Bronzeplastik vor der Gesamtschule Uellendahl-Katernberg an der Kruppstraße. Es ist eine von drei Plastiken, mit der er 1959 auf der documenta II in Kassel vertreten war. Jendritzko studierte von 1950 bis 1956 an der Hochschule für bildende Künste in Berlin und war Meisterschüler von Karl Hartung. 1957 war er Stipendiat des „Kulturkreises der deutschen Wirtschaft“, 1960 wurde er mit dem Villa-Romana-Preis ausgezeichnet. Bis 1990 lehrte er an der Werkkunstschule Wuppertal, die 1972 in die Gesamthochschule Wuppertal, später Bergische Universität, einging, als Professor für Freie Plastik.

Nähere Informationen: Von der Heydt-Museum, Turmhof 8, 42103 Wuppertal, Telefon 0202 5636231 und E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de. Geöffnet ist das Museum am Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, am Donnerstag von 11 bis 20 Uhr. Da das zweite Obergeschoss wegen Umbauarbeiten geschlossen ist, gibt es einen ermäßigten Eintrittspreis.

Freundschaftsanfrage No. 3 an Markus Karstieß gerichtet

Die dritte Freundschaftsanfrage des Von der Heydt-Museums in Wuppertal richtet sich an den Bildhauer Markus Karstieß, der sich konsequent und innovativ dem archaischen Werkstoff Keramik widmet und ihm zeitgenössische Aktualität verleiht. Seine teils großformatigen Skulpturen sind zugleich glamourös und rätselhaft. Die schillernden Glasuren der Oberflächen wirken malerisch, die Formen sind eigenwillig und teilweise verstörend. Sie changieren zwischen Mensch und Fabelwesen, zwischen Figuration und Abstraktion.

Die »Freundschaftsanfrage«, eine Ausstellungsreihe, in der das Von der Heydt-Museum renommierte zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler einlädt, sich mit den reichhaltigen Beständen des Hauses auseinanderzusetzen, nutzt Markus Karstieß zur Selbstbefragung. Seine Werke treten in unmittelbaren Austausch mit den berühmten Hauptwerken aus der Sammlung zur Kunst der Klassischen Moderne.

Karstieß’ Auswahl orientiert sich weniger an einer bestimmten Formensprache, an Epochen oder Kunstrichtungen. Vielmehr wählt er als Gegenüber für seine ungewöhnliche Inszenierung Werke, die ihn selbst berühren und in denen er Parallelen im künstlerischen Ansatz erkennt. Überraschend dabei ist, dass er so viele Anknüpfungspunkte in der Malerei, etwa bei Edvard Munch und Paula Modersohn-Becker, findet. Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 8. Februar 2026

Zum Künstler Markus Karstieß:

Markus Karstieß wurde 1971 in Haan geboren und hat an der Düsseldorfer Kunstakademie in der Klasse von Jannis Kounellis studiert. Er hatte Einzel- und Gruppenausstellungen in Museen im In- und Ausland. Seit 2017 leitet er die Klasse Freie Kunst Keramik am Institut für Künstlerische Keramik und Glas der Hochschule Koblenz. Als Kurator ist er in zahlreiche Ausstellungsprojekte involviert.

Nähere Informationen: Von der Heydt-Museum, Turmhof 8, 42103 Wuppertal, Telefon 0202 5636231 und E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de. Geöffnet ist das Museum am Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, am Donnerstag von 11 bis 20 Uhr. Da das zweite Obergeschoss wegen Umbauarbeiten geschlossen ist, gibt es einen ermäßigten Eintrittspreis.