„Ich, Gustave Courbet“ – Realismus, Rebellion und kosmopolitische Perspektiven

Das Museum Folkwang in Essen präsentiert 2026 ein Jahresprogramm, das historische Bezüge, zeitgenössische Relevanz und kulturelle Vielfalt miteinander verbindet. Herausragende Retrospektiven, international bedeutende Fotografie und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Sammlung machen das Museum zu einem Ort der Reflexion, Vorstellungskraft und des Dialogs zwischen den Künsten aus Gegenwart und Geschichte.

Von der radikalen Bildsprache Gustave Courbets über die transkulturelle Perspektive der Fotografie-Ausstellungen bis hin zur frühen islamischen Sammlung des Museumsgründers Karl Ernst Osthaus spannt sich der Bogen des Jahresprogramms. Mit dem Zusammenspiel aus Historie, Gegenwartskunst und künstlerischer (Er-)Forschung eröffnet es neue Perspektiven auf zentrale Fragen von Kunst und Gesellschaft.
„Mit dem Jahresprogramm 2026 möchten wir die Besucherinnen und Besucher einladen, Kunst als lebendigen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu erleben. Wir zeigen, wie radikale künstlerische Positionen, historische Sammlungen und zeitgenössische Praktiken in unserem Museum zusammentreffen – ein Ort, an dem Erfahren und Empfinden verschmelzen“, sagt Peter Gorschlüter, Direktor des Museum Folkwang.

Gustave Courbet: Wegbereiter der Moderne

Mit der großen Retrospektive „Ich, Gustave Courbet“ (Bis 8. November 2026) widmet sich das Museum einem der einflussreichsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Courbets kompromisslose Haltung und seine innovative Maltechnik machten ihn zum Grenzgänger zwischen Kunst, Gesellschaft und Politik. Die Ausstellung beleuchtet zentrale Werkgruppen – Selbstbildnisse, soziale Realität, Landschaft, Erotik und Exil – und zeigt, wie Courbets radikaler Realismus der Moderne den Weg bereitete. Die Schau entsteht in Kooperation mit dem Leopold Museum Wien und steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron sowie unter dem Ehrenschutz von Alexander Van der Bellen, Bundespräsident der Republik Österreich.

Nach Damaskus … Karl Ernst Osthaus und die islamischen Künste

Die Ausstellung „Nach Damaskus …“ (6. November 2026 bis 21. Februar 2027) stellt zum ersten Mal die ehemalige „Islamische Abteilung“ des Museums in den Fokus. Rund 300 Objekte – von Keramiken über Textilien bis zu Metall- und Glasarbeiten, darunter bedeutende Leihgaben – veranschaulichen, wie die Begegnungen von Karl Ernst Osthaus mit Kunst und Kulturen aus Nordafrika und Westasien die Entwicklung dieser Sammlung prägten. Ausgewählte Werke der Klassischen Moderne, europäisches Kunsthandwerk und zeitgenössische Positionen erweitern den Blick auf die Bestände und ermöglichen neue Perspektiven auf den Sammlungsbereich.
Peter Gorschlüter betont: „Mit „Ich, Gustave Courbet“ und „Nach Damaskus…“ stellen wir zwei Ausstellungen vor, die auf unterschiedliche Weise von der Kraft künstlerischer Erneuerung erzählen. Beide Ausstellungen zeigen, wie eng Kunst, Politik und kulturelle Identität miteinander verwoben sind. In 2026 verhandeln wir diese Fragen neu – mit einer Offenheit, die sowohl den Künstler Courbet als auch das Museum Folkwang seit seiner Gründung prägt.“

Germaine Krull: Chronistin des 20. Jahrhunderts

Mit „Germaine Krull: Chien Fou“ (Bis 15. März 2026) rückt das Museum Folkwang die kosmopolitische Fotografin, deren Nachlass sich seit 1995 in der Fotografischen Sammlung des Museums befindet, in den Mittelpunkt. Neben ihren bekannten avantgardistischen Fotografien der 1920er- und 1930er-Jahre werden erstmals in größerem Umfang ihre (auto)biografischen Texte, Fotobücher, Maquetten und politischen Berichte präsentiert. Die Ausstellung beleuchtet insbesondere Krulls OEuvre als Autorin sowie ihre fotografische Praxis ab Beginn des Zweiten Weltkriegs, als sie Europa dauerhaft verließ. Sie eröffnet eine neue, transkulturelle Perspektive auf ihr Werk.

Vielfalt, Vermittlung und junge Positionen

Neben den großen Schauen zeigt das Museum ein breites Spektrum weiterer Ausstellungen: „L is for Look“ (27. Februar bis 7. Juni 2026) beleuchtet einen besonderen Aspekt fotografischer Gebrauchsformen und zeigt, wie Fotografien Eingang in die Kinderliteratur fanden – von fantasievollen Bilderbüchern bis hin zu literarischen Geschichten. Die Ausstellung „Herbert W. Franke / Gottfried Jäger“ (16. Oktober 2026 bis 10. Januar 2027) befasst sich mit den experimentellen Jahren der gegenstandlosen Fotografie, die von Debatten und Positionsbestimmungen einer damals jungen Generation geprägt war. „Photography Masters“ (16. Oktober 2026 bis 10. Januar 2027) hingegen zeigt die künstlerischen Ansätze und thematischen Schwerpunkte junger fotografischer Positionen heute. Die Präsentation „Saâdane Afif: Affiches / Plakate“ (13. März bis 4. Oktober 2026) gibt erstmals umfassend Einblick in diese besondere Werkgruppe des französischen Konzept- und Objektkünstlers und die neuseeländische Künstlerin „Kate Newby“ entwickelt eine neue ortspezifische Arbeit im Außenbereich des Museums. Mit dem Stipendienprogramm der Neuen Folkwang Residence und dem Ausstellungsformat „6 ½ Wochen“ werden weiterhin junge Künstler:innen mit ihren ersten musealen Ausstellungen gefördert. Die Schau „100 Beste Plakate 25“ (3. Juli bis 2. August 2026) präsentiert außer Haus auf dem UNESCO Welterbe Zollverein die Höhepunkte des jährlich größten deutschsprachigen Wettbewerbs für Plakatdesign.

Sammlung und Neuerwerbungen

Die Sammlungspräsentation „Neue Welten“ stellt den Dialog der Künste ins Zentrum. Sie bleibt kostenfrei zugänglich. Ein Highlight im Jahr 2026 ist die Neuerwerbung der Skulptur „Hahn und Podest“ von Katharina Fritsch, die ab März 2026 als raumgreifende Installation das Museum bereichern wird.

Nähere Informationen: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen, Telefon +49 2018845000, E-Mail: info@museum-folkwang.essen.de

Drei wichtige Schenkungen gehen 2025 an das Deutsche Plakat Museum

Museum Folkwang erhält Plakate aus der Sammlung Ulrich Richter, dem Firmenarchiv von H&M sowie von Manfred Beilharz

Das Deutsche Plakat Museum im Museum Folkwang erweitert seine Sammlung durch bedeutende Schenkungen. Neben der umfangreichen Sammlung von Ulrich Richter und einem Theaterplakate-Konvolut von Manfred Beilharz kommt auch das gesamte Plakatarchiv von H&M in die Sammlung.

Das Deutsche Plakat Museum übernimmt die umfassende Sammlung von Ulrich Richter und sichert so deren langfristige Präsentation und Pflege. Der Galerist, Kunstförderer und Plakatsammler hinterlässt einen Bestand von rund 10.000 Plakaten, die auf Wunsch seiner Witwe in eine öffentliche Sammlung übergehen sollten. Die Plakate schließen sowohl geografisch als auch zeitliche Lücken und setzten zugleich neue Akzente im Bestand des DPM. Thematische umfassen Sie ein breites Spektrum an Motiven aus Produkt und Fremdenverkehrswerbung. Die Sammlung umfasst Arbeiten aus Deutschland (BRD und DDR), der Schweiz, Frankreich, Italien, Österreich, Belgien, Spanien, Großbritannien, USA, Tschechien, Polen, Argentinien, Litauen, u.a. Das älteste Plakat datiert um 1900, das jüngste aus den 1990-er Jahren.

Anfang 2025 entschied die H&M Hennes & Mauritz BV & Co KG, ihr Firmenarchiv neu zu strukturieren und die Plakatsammlung zu digitalisieren. Die analogen Originale wurden im Umfang von rund 900 City-Light-Plakaten aus den Jahren 2000 bis 2020 an das Deutsche Plakat Museum übergeben. Die Sammlung dokumentiert über zwei Jahrzehnte hinweg sowohl die visuelle Entwicklung der Marke H&M als auch gestalterische Trends im Bereich Mode- und Werbegrafik.

Eine weitere Schenkung erhielt das DPM von Manfred Beilharz. Der Regisseur sowie Theater- und Festivalintendant sammelte im Laufe seiner beruflichen Tätigkeit Plakate zu eigenen Produktionen oder Häusern unter seiner Intendanz. Die rund 250 übergebenen Plakate stammen unter anderem von der Studiobühne München, dem Theater Castrop-Rauxel, dem Theater Tübingen, dem Theater Freiburg, dem Staatstheater Kassel, dem Schauspiel Bonn, der Oper Bonn, dem Staatstheater Wiesbaden und dem Festival „Neue Stücke aus Europa“. Der Bestand umfasst Arbeiten aus den Jahren 1962 bis 2014.

Die drei Schenkungen erweitern das Deutsche Plakat Museum um zentrale historische und zeitgenössische Positionen der Plakatkunst. Die Sammlung Richter spiegelt das Ergebnis einer jahrzehntelangen Sammelleidenschaft wider, die H&M-Schenkung repräsentiert exemplarisch die Geschichte der Werbeplakate eines Modeunternehmens und der Nachlass Beilharz eröffnet Einblicke in die Geschichte eines Theaterlebens.

Alle Sammlungen werden im Deutschen Plakat Museum fachgerecht verwahrt und erschlossen und zukünftig in der Sammlung Online verfügbar sein. Ausgewählte Plakate aus den Beständen werden in den kommenden Jahren in Ausstellungen präsentiert.

Nähere Informationen: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen, Telefon +49 2018845000, E-Mail: info@museum-folkwang.essen.de

Annika Kahrs – Sonant

Die Städtische Galerie Nordhorn zeigt noch bis zum 8. Februar 2026 eine Einzelausstellung mit der in Berlin und Hamburg lebenden Künstlerin Annika Kahrs, die mit Musik, Performance und Video arbeitet. In ihrer Kunst macht sie die vielen wechselseitigen Beziehungen zwischen akustischen und visuellen Medien erfahrbar.

Kahrs begreift Musik sowohl als Handlung als auch als Mittel der Verständigung und verleiht ihr eine ästhetische sowie gesellschaftliche Bedeutung. Ihre Werke umfassen Video- und Soundinstallationen, Performances, Grafiken sowie Glasarbeiten. Wesentlich für Kahrs künstlerische Arbeit ist eine kollaborative Praxis, wobei sie Musiker und Experten aus anderen Wissensfeldern an der Entwicklung und Umsetzung ihrer Vorhaben beteiligt und dazu auch verschiedene gesellschaftliche Gruppen in die inhaltliche Fragestellung einbezieht. Ihre Arbeiten lassen sich häufig im erweiterten Sinne als Kompositionen verstehen, in denen musikalischen Noten durch präzise formulierte Handlungsvorgaben ergänzt oder ersetzt werden. Auf diese Weise verbindet die Kunst von Annika Kahrs nicht nur Hören, Sehen und Tun, sondern schafft Räume, die poetisch und sozial zugleich sind. Die Ausstellung in der Städtischen Galerie Nordhorn bringt Videoinstallationen, Grafiken, Glasarbeiten sowie Live-Performances aus den Jahren 2010 bis 2025 zusammen.

Zu Annika Kahrs

Annika Kahrs (*1984 in Achim) ist eine deutsche Installations-,Video- und Performancekünstlerin. Sie studierte an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei Andreas Slominski, an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Harun Farocki und an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig Freie Kunst. Sie schloss 2012 ihr Studium an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg ab.

Annika Kahrs erhielt 2011 beim 20. Bundeswettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung „Kunststudentinnen und Kunststudenten stellen aus“ in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn den Bundeskunstpreis. Im gleichen Jahr erhielt sie ein Stipendium der Hochschule für Bildende Künste, Hamburg. 2012 erhielt sie in Wiesbaden den George-Maciunas-Förderpreis, gestiftet von René Block, für den Videofilm „Strings“.

2017 wurde sie mit dem Förderpreis der Vordemberge-Gildewart-Stiftung für ihre Videoarbeit „Sea-Pool“ mit drei Zeichnungen, die von Seemännern in Bremerhaven stammen, ausgezeichnet. 2019 erhielt sie das Stipendium des Max-Pechstein-Förderpreises; und 2020 wurde Kahrs mit dem „Heitland Honneur“ der Heitland Foundation ausgezeichnet. Für 2022 erhielt sie ein Stipendium der Villa Aurora.

Ihre Werke wurden in vielen Ausstellungen präsentiert: unter anderem in der Bundeskunsthalle Bonn, der Hamburger Kunsthalle, dem Kunstmuseum Stuttgart und in der Kunsthal 44 Møen, Askeby.

Nähere Informationen: Städtische Galerie Nordhorn, Vechteaue 2 (Alte Weberei), 48529 Nordhorn, Telefon: +49 (0) 5921 / 971-100, E-Mail: kontakt@staedtische-galerie.nordhorn.de

Zwischen Ende und Anfang – Osnabrück 1945. Werke von Franz Josef Langer

Ohne Beschönigung porträtierte Franz Josef Langer in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg mit Pinsel oder Kohlestift seine zerstörte Heimatstadt Osnabrück. Auch den beginnenden Wiederaufbau, der die Grundlage für die Entwicklung zur modernen Großstadt legte, zeigen seine Werke.

Die meist menschenleeren, räumlich sehr genauen Gemälde und Zeichnungen Langers gehören zu den wenigen überlieferten Kunstwerken, die Osnabrück in dieser Zeit darstellen.

Ergänzend zeigt die Ausstellung „Zwischen Ende und Anfang – Osnabrück 1945. Werke von Franz Josef Langer“, die noch bis zum 17. Mai 2026 im Osnabrücker Museum für Industriekultur (MIK) zu sehen ist, ausgewählte Fotografien aus den Sammlungen des MIK. In der Zusammenschau wird das Ausmaß der Zerstörung, das aus den nationalsozialistischen Angriffskriegen und Gräueltaten folgte, deutlich. In unserer Gegenwart, 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, erhalten die Bilder angesichts neuer Kriege auch in Europa und erstarkender rechtsextremer Bewegungen eine erschreckende Aktualität.

Zum Künstler

Franz-Josef Langer (*6. Januar1916 in Osnabrück; †10. März 1981 ebenda) war ein deutscher Maler und Kunsterzieher.

Nach der Mittleren Reife 1933 schloss er eine vierjährige Lehre als Dekorationsmaler mit dem Besuch der Malerfachschule in Osnabrück an. Ab 1937 folgte die Zwangsverpflichtung im Reichsarbeits- und Reichswehrdienst. Von 1939 bis 1941 war er Soldat in Frankreich in einer Nachrichtenstaffel. Von 1941 bis 1945 nahm er am Russlandfeldzug teil. Von 1941 bis 1942 wurde er vom Militärdienst freigestellt, um an der Hochschule für Bildende Künste (HfbK) Berlin (heute Universität der Künste Berlin) zu studieren.

Ab 1945 arbeitete er als Kunstmaler in Osnabrück. Ab 1949 unterrichtete er an der Malerfachschule in Osnabrück und ab 1950 am Sozialwerk der Bundesbahn. Von 1958 bis 1979 war er Kunsterzieher am Gymnasium Carolinum in Osnabrück, und an der Süntelstraße in Osnabrück-Sonnenhügel unterhielt er ein eigenes Atelier mit Ausstellungsräumen und Schaufenstern sowie eine eigene Malschule.

In der Ausstellung „Osnabrück zeichnet – 1900 bis 2010. Hundertzehn Jahre Zeichenkunst aus Osnabrück“ in der Kunsthalle Dominikanerkirche in Osnabrück (2011) dokumentierte Franz-Josef Langer vor allem die Zeit von 1933 bis 1945 durch die sogenannten Trümmerbilder von der im Weltkrieg schwer zerstörten Stadt Osnabrück. Darüber hinaus hat er in seinen Gemälden immer wieder vor allem seiner Heimatstadt und dem Osnabrücker Land ein Denkmal gesetzt.

Nähere Informationen: MIK – Museum Industriekultur Osnabrück, Fürstenauer Weg 171, 49090 Osnabrück, E-Mail: info@mik-osnabrueck.de

Programm des Museumsvereins Deutsches Historisches Museum

Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst

Wie kein anderes Tier hat das Einhorn die Fantasie der Menschen beflügelt. Seit Jahrhunderten ist es in zahlreichen Kulturen präsent. Seine Spur findet sich in christlicher und außereuropäischer Kunst, in Naturwissenschaft und Medizin sowie in einer reichen Symbolik. Das Einhorn steht für Freiheit und Unbezähmbarkeit, für Reinheit und Unschuld, für Natürlichkeit und Zuneigung. Der Ursprung der Erzählung liegt in Indien, von wo sie über China, Persien und Ägypten nach Europa gelangte.

Die Ausstellung „Einhorn“ im Museum Barberini zeigt das faszinierende Fabelwesen von der Antike bis zur Gegenwart. Zu sehen sind Werke von Albrecht Dürer, Tizian, René Magritte, Rebecca Horn und vielen weiteren Künstlerinnen und Künstlern. „Lang lebe das Tier, das es nicht gibt“, schrieb eine Frankfurter Tageszeitung – und die Schau macht diesem Satz alle Ehre. Mit kräftigen Farben und einer brillanten Inszenierung präsentiert das Museum Barberini eine prachtvolle Ausstellung, die zum Staunen einlädt. Ideal, um dem Weihnachtstrubel zu entfliehen – am besten in den Randzeiten.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 1. Februar 2026.

Nähere Informationen: Museum Barberini, Humboldtstraße 5–6, Alter Markt, 14467 Potsdam. Reguläre Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag von 10 bis 19 Uhr, dienstags geschlossen.

Zwischen Bild und Botschaft: Ein Flüchtlingstreck und seine fotografische Inszenierung sind Thema im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung.

Der Treck – Fotografien einer Flucht 1945

In der Sonderausstellung „Der Treck – Fotografien einer Flucht 1945“ im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung wird zum ersten Mal der vollständige Fotobestand, der die Flucht von 350 Menschen aus dem niederschlesischen Lübchen nach Sachsen dokumentierte und inszenierte, gezeigt. Die Ausstellung erzählt nicht nur vom Treck und der Not der Flüchtenden, sondern auch von der Geschichte hinter den Bildern: von einem Fotografen, der in der NS-Zeit zum Bildlieferanten des Propagandaministeriums wurde, und von einem kleinen Ort, in dem Zwangsarbeit und Krieg zum Alltag gehörten – lange bevor die zivile Bevölkerung durch den Vormarsch der Roten Armee zur Flucht gezwungen wurde.

Sehr zu empfehlen ist eine öffentlichen Führung, denn was die Bilder zeigen, ist genauso wichtig wie das, was sie nicht zeigen. Manche Bilder dürften einem sogar bekannt vorkommen, da Tschiras Fotografien bis heute als Bildikonen in Medien, Büchern und Museen präsent sind. Sie prägen – oft ohne Kontext – die kollektive Vorstellung von Flucht und Vertreibung in Deutschland. Die Ausstellung lädt zur kritischen Betrachtung ein und ergründet, wie historische Fotografien unsere Erinnerungskultur beeinflussen.

Nähere Informationen: Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstraße 90, 10963 Berlin. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 19 Uhr.

Im Ephraim-Palais geht es um einen wohlvertrauten Ort:

Berliner Höfe Zwischen Alltag, Arbeit und Begegnung

Spätestens seit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert ist Berlin ein Anziehungspunkt für Menschen aus anderen Regionen Deutschlands und aus anderen Ländern. Stadtgeschichte war also immer auch Migrationsgeschichte.

Durch enormes Bevölkerungswachstum, räumliche Ausdehnung und bauliche Verdichtung ist Berlin wie keine andere Stadt von Hinterhöfen geprägt – ob als Wohnhöfe, Schulhöfe, Gewerbehöfe, Atelierhöfe, Hofgärten oder Hof-Restaurants. Ihre Geschichte ist vielfältig, genauso wie die Menschen, die sie beleben.

Überwiegend nähert sich die Ausstellung „Berliner Höfe“ ihrem Subjekt mittels der Fotografie. Aber nicht nur: Der Eingangsbereich zur Ausstellung im Dachgeschoss des Ephraim-Palais ist etwa wie eine Durchfahrt gestaltet. Links hängen Briefkästen aus Metall, nur der Mülleimer für die ungewünscht Post fehlt. Eine Installation der Stadtforscher Duygu Örs und Sinthujan Varatharajah setzt sich mit Sinneseindrücken in Hinterhöfe auseinander. Gerade der Klang der Höfe wird vielen vertraut vorkommen.

Die Ausstellung endet am 18. Januar 2026.

Nähere Informationen: Museum Ephraim-Palais, Poststraße 16, 10178 Berlin. Reguläre Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen.

Ab zum Wannsee – ein Winterbesuch in der Liebermann Villa

Vision und Illusion. Architekturfotografien von Hélène Binet

Die Fotografin Hélène Binet bereiste Europa, um bedeutende Landsitze und Villen zu portraitieren – von Großbritannien über die Côte d’Azur, Berlin und Umbrien bis nach Brno. Das Ergebnis ist eine Reise duch die europäische Baugeschichte:

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte Europa eine architektonische Rückbesinnung auf das Landhaus. Der Wunsch nach einem privaten Refugium führte zu höchst unterschiedlichen Ausprägungen, die Hélène Binet in ihren Fotografien sichtbar macht: vom gotischen Charme des Anwesens Strawberry Hill in Twickenham über die Neuinterpretation der griechischen antiken Architektur der Villa Kérylos an der Côte d’Azur und der modernen Stilistik der Villa
Tugendhat in Brno.

Gleichzeitig eröffnet Binet neue Perspektiven auf Orte jüdischer Erinnerung: Für viele jüdische Familien jener Zeit waren repräsentative Landhäuser Ausdruck kultureller Zugehörigkeit und Selbstverwirklichung. Hélène Binets künstlerische Arbeiten zeigen eine detaillierte Auseinandersetzung mit den materiellen, ornamentalen und atmosphärischen Charakteristika jedes Anwesens. Gleichzeitig machen sie sichtbar, wie jüdische Auftraggeber mit ihren architektonischen Visionen die europäische Kultur- und Architekturgeschichte bereicherten.

Wie so oft bietet die Liebermann Villa einen Audioguide an, der die Ausstellung begleitet. Meiner Erfahrung nach lohnt es sich immer in den Audioguide hineinzuhören, um den Kontext der Arbeiten besser zu verstehen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 19. Januar 2026.

Nähere Informationen: Liebermann Villa am Wannsee, Colomierstraße 3, 14109 Berlin. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag, 11 bis 17 Uhr, montags geschlossen. Am 15. Januar 2026 bis 20 Uhr.

Ich danke Maríon Bayer vom Museumsvereins des Deutschen Historischen Museums für diese Tipps.

Nähere Informationen: Museumsverein des Deutschen Historischen Museums, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, E-Mail: kontakt@dhm-museumsverein.de

Vier Museumstipps für ein besonders kulturelles Weihnachten

Während der Weihnachtsferien organisieren Museen im ganzen Land verschiedene Aktivitäten: von kreativen Weihnachtsworkshops bis hin zu atmosphärischen Winterwelten und ruhigen Ausstellungen. Die niederländische Museumstijdschrift hat folgende vier Tipps für eine kulturelle Weihnachtszeit:

Königliches Weihnachten im Huis Doorn

Wer einen königlichen Weihnachtstag erleben möchte und entdecken will, wie Weihnachten vor 100 Jahren gefeiert wurde, sollte das Huis Doorn, den ehemaligen Exilort des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. seit 1918, besuchen. Das historische Herrenhaus wurde mit einem wunderschön dekorierten kaiserlichen Dekor ausgestattet, komplett mit reich gedeckten Tischen, besonderen Gegenständen und Geschichten darüber, wie die kaiserliche Familie Weihnachten feierte. Dort kann man sich für das eigene Weihnachtsessen inspirieren lassen und die gedeckten Tische voller Porzellan und Silber aus dem 18. Jahrhundert bewundern. Es gibt auch besondere Stücke, die zuvor nie zu sehen waren, wie das wunderschöne Galakleid der ehemaligen Kaiserin Auguste Viktoria. Diese Präsentation ist noch bis zum 11. Januar 2026, Dienstag bis Sonntag jeweils von 13 bis 17 Uhr, zu sehen.

Nähere Informationen: Huis Doorn, Langbroekerweg 10, 3941 MT Doorn, Telefon: 0343 421020, E-Mail: info@huisdoorn.nl

Weihnachtsausstellung „Boundlessly beautiful“ im Blechfigurenmuseum

Im Blechfigurenmuseum in Ommen kommen internationale Weihnachtstraditionen in mehr als fünfzig Krippenszenen aus 20 Ländern zusammen. Dank der besonderen Sammlung des Sammlers Tim Bottema – der jahrelang um die Welt reiste, um Ställe zu sammeln – sind sie nun erstmals gemeinsam ausgestellt. Zu erleben ist eine Ausstellung, die zeigt, wie unterschiedlich und universell die Weihnachtsgeschichte dargestellt wird. Außerdem beeindruckend ist die Sammlung von mehr als 100.000 Zinnfiguren, für die das Museum bekannt ist. Dieses Ziel ist auch perfekt, um es mit einem Winterspaziergang durch Ommen oder einem Besuch auf lokalen Weihnachtsmärkten zu kombinieren.

Diese Präsentation ist noch bis zum 7. März 2026 zu sehen.

Nähere Informationen: Nationales Museum für Zinnfiguren, Markt 1, 7731 DB Ommen, Telefon: 0529 454500, E-Mail: welkom@tinnenfigurenmuseum.nl

Wintergemütlichkeit im Museum Klok & Peel

Während der Weihnachtsferien verwandelt sich das Museum Klok & Peel in Asten in eine atmosphärische Winterwelt voller Lichter, Krippenszenen und Aktivitäten. Das Museum ist vollständig dekoriert, vom Garten bis zur Orangerie. Kinder können am LEGO Experience teilnehmen, und an ausgewählten Tagen gibt es eine Schatzsuche, kreative Aktivitäten und Aufführungen. Zwischen all der winterlichen Gemütlichkeit kann man das Museum selbst erkunden, das von beeindruckenden Glocken über Fossilien bis hin zu Geschichten aus dem Torfmoor viel zu bieten hat – kurzum ein abwechslungsreicher Weihnachtsausflug, bei dem Tradition, Kreativität und Kultur zusammenkommen.

Diese Präsentation ist noch bis zum 4. Januar 2026 von Montag bis Sonntag jeweils in der Zeit von 12 bis 17 Uhr zu sehen.

Nähere Informationen: Museum Klok & Peel, Ostaderstraat 23, 5721 WC Asten, Telefon: +31 (0)493 691865, E-Mail: info@museumklokenpeel.nl

Eislaufen im Winterbahnhof im Eisenbahnmuseum Utrecht
Jedes Jahr ein festlicher Favorit: das Eisenbahnmuseum in Utrecht. Eine atmosphärische Winterstation voller Lichter, Live-(Weihnachts-)Musik, Delikatessen und spaßigen Aktivitäten. Zwischen historischen Zügen kann man auf der Indoor-Eisbahn skaten, eine Fahrt im antiken Karussell machen oder Marshmallows am Feuer rösten. Das Museum kann auch besucht werden – mit alten Dampflokomotiven, interaktiven Attraktionen und Familienausstellungen ist dort ebenfalls für viel Abwechslung gesorgt. Auch an Weihnachten selbst und am Neujahrstag ist es geöffnet.

Diese Präsentation ist noch bis zum 4. Januar 2026 zu unterschiedlichen Zeiten zu sehen.

Nähere Informationen: Eisenbahnmuseum, Maliebaanstation 16, 3581 XW Utrecht, Telefon: 030 2306206, E-Mail: info@spoorwegmuseum.nl

Jan Fleischhauer hat es bei „Eingesperrt mit Jan Fleischhauer“ auf ZDF versemmelt – eine Mischung aus unfreiwilliger Komik und mangelndem Sachverstand

Als der Öffentlich Rechtliche Rundfunk mal überlegte, auch einer konservativen oder vielleicht auch mal einer rechter gesinnten Meinung Öffentlichkeit zu verleihen, gab es eine Julia Ruhs, die das mal machen sollte – die Debatten darüber und das Ende sind bekannt.

Am Dienstag sah ich nun den ehemaligen Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer, den ich für einen streitbaren, aber intellektuell kompetenten Vertreter seines Faches gehalten habe, und der wie Julia Ruhs auch so was eher Konservatives oder Rechter Gesinntes liefern sollte. Und war enttäuscht. Vielleicht lag es an dem Medium und der Form, in der das gelaufen ist: einer kleinen auf ihn unpassend zugeschnittene Talkshow auf ZDF nach dem heute journal update mit dem Titel „Eingesperrt mit Jan Fleischhauer“.

Sein Kontrapart war eine Katja Diehl, die sich wohl für eine andere Art von Mobilität im Bereich Verkehr einsetzt – mehr ÖPNV und so. Erster Eindruck: Die komisch-bunte Hose, die streng wirkende Brille, eine gewisse Freudlosigkeit und vielleicht ein Zahnproblem, das eine Hälfte ihres Gesichtes ein wenig unrund aussehen ließ. Sie war ja bemüht, dem vermeintlich komischen Format einer launigen Plauderei noch eine gewisse Lustigkeit beizufügen, was nicht so recht gelingen wollte. Humor will gelernt sein!

Die Studio-Atmosphäre: ein wenig Klaus Krömer, ein wenig klaustrophobisch, aber immerhin mit einem VW Cabrio aus früheren Zeiten geschmückt, ein paar Verkehrszeichen und anderem Gedöns – und mit einer Bushaltestelle von wegen ÖPNV. Und die beiden waren eingesperrt, was angesichts mancher Situation mit Mann und Frau in dieser Kombination – erinnert sei an Fritzl und Kampusch, vielleicht noch Marc Dutronc – von ebenfalls unfreiwilliger Komik in den Bereich des Schreckens gerät.

Sei es drum. Der schlecht gekleideten und eher mißmutigen Aktivistin Frau Diehl steht ein seriös gekleideter älterer, aber sehr nervös und unsicher wirkender und vor allem nicht telegener Herr Fleischhauer gegenüber, der sich einerseits in seiner Auto-Nostalgie suhlt und andererseits behauptet, die Verkehrswende in Richtung E-Mobilität als Ursache für den Stellenabbau in der Automobilbranche zu betrachten. Das mag so sein, obwohl ausgewiesene Autoexperten wie Ferdinand Dudenhöfer der Branche eher attestieren, technologische Entwicklungen verpennt zu haben, richtig wissen tut er es nicht so, denn als studierter Literaturwissenschaftler ist er vielleicht nicht so im Thema, was er auch zugibt.

Das verbindet ihn wiederum mit Frau Diehl, die auch keine ausgewiesene Expertin für das Thema Mobilität ist, sondern auch Literaturwissenschaften studiert hat. Sie möchte eine Wende in Richtung des öffentlichen Personennahverkehrs, hat sicherlich dafür auch Argumente, aber keine substanziellen, die beweisbar zeigen, wie das auch praktisch umgesetzt werden kann – abgesehen von ein paar kleinen Projekten.

Irgendwann redeten sie nach ihrer ergebnislosen Plauderei unabhängig voneinander über den anderen und stellten fest, dass sie in unterschiedlichen Welten leben; und dann ist es vorbei.

Glücklicherweise dauert es nur eine halbe Stunde; und wenn ich nicht alleine mit meiner Meinung stehe, wird sich das Format auch schnell erledigt haben.

Draiflessen Collection stellt Programm für das Jahr 2026 vor

Das Ausstellungsjahr 2026 der Draiflessen Collection steht unter dem Motto „Collecting Ourselves“: Für ein Museum ist das Sammeln – neben dem Bewahren, Forschen und Vermitteln – eine maßgebliche Aufgabe. Sammeln ist aber auch eine zutiefst menschliche und damit eine individuelle ebenso wie kollektive Handlung. Unbewusst lässt uns diese Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbinden, indem wir Erinnerungen bewahren, Erfahrungen teilen und damit Spuren hinterlassen.

2026 möchten die Verantwortlichen der Draiflessen Collection in Mettingen den Impuls ihres Jahresmottos nutzen, um in ihren Ausstellungen und Veranstaltungen der Idee des Sammelns und des Ordnens zu folgen sowie Verbindungen erkennbar zu machen.

So greift die Ausstellung „Mix & Match“ tief in die Sammlungen aus Kunst, Familien- und Unternehmensgeschichte ein, um sie in völlig neue Zusammenhänge zu bringen, und regt die Besucher dazu an, eigene Assoziationen und Erinnerungen mit den gezeigten Objekten in Beziehung zu setzen.

„Spitze!“ offenbart neben dem sorgfältig kuratierten Thema auch den Blick auf die jeweilige Sammlerpersönlichkeit selbst: Diese prägt ihre Sammlung durch ihre Auswahl und Perspektive – und erzählt damit immer auch eine Geschichte über sich selbst.

Die Ausstellung „Erinnerungen aufschlagen“ schließlich zeigt, dass Erinnerungen, wie wir sie zum Beispiel in Fotoalben manifestiert finden, immer auch subjektive Geschichten sind, die durch die Auswahl der Fotos und ihre Zusammenstellung erzählt werden. „Collecting Ourselves“ verbindet die Ausstellungen in der Frage, was Sammeln über uns selbst verrät – als Institution, als Gesellschaft und als Einzelne.

Die Ausstellungen im Einzelnen

Bereits im letzten Jahr angelaufen sind die Ausstellungen „Magische Frauen“, „Der Teufel – Mythos, Macht, Mysterium“ und „Verortet – Auf den Spuren von C & A in Sneek“. Sie sind aber auch noch im kommenden Jahr zu sehen.

Magische Frauen

Magie durchdringt Sprache und Alltag: Wir sprechen von der Magie bestimm ter Augenblicke oder davon, dass Dingen etwas Magisches innewohnt. Auch im popkulturellen Mainstream feiern okkulte Motive, Astrologie oder esoterische Praktiken ein Comeback. Dies hat eine lange Tradition: Obwohl lange Zeit als Aberglaube und mit wissenschaftlichen Werten der Moderne unvereinbar heruntergespielt, haben mystische, spirituelle sowie esoterische Aspekte auch in der Kunst und Kultur eine lange Tradition. Die Ausstellung widmet sich künstlerischen Positionen des 20. und 21. Jahrhunderts, die sich mit Magie, Okkultem und spirituellen Praktiken auseinandersetzen – oft aus einer feministischen Perspektive. Im Zentrum steht die Frage, wie Künstler diese Themen nutzen, um gesellschaftliche Strukturen, Identitäten und Geschlechterrollen zu hinter fragen, aufzubrechen, umzudeuten und neu zu erzählen.

Der Teufel – Mythos, Macht, Mysterium

Keine andere Gestalt hat im Christentum gleichermaßen Schrecken und Faszination ausgelöst wie der Teufel. Über Jahrhunderte fürchteten die Gläubigen, er und seine Dämonen würden als Gegenspieler Gottes jederzeit versuchen, Unordnung in die Welt zu bringen. Naturkatastrophen, Erdbeben und Seuchen galten als Werke des Teufels – ebenso wie persönliche Versuchungen, mit denen er die Menschen vom rechten Weg abzubringen versuchte. Diese Vorstellung nährte die Angst vor den Qualen der Hölle und prägte den christlichen Glauben tief bis in die Alltagskultur. Die Kabinettausstellung im Studiensaal beleuchtet die Veränderungen und Vielfalt des Teufelsbildes – von biblischen Vorstellungen bis hin zur Darstellung in der Populärkultur.

Verortet – Auf den Spuren von C&A in Sneek

Gründungsorte haben etwas beinahe Mystisches. Sie sind mehr als nur geogra f ische Punkte – sie stehen für Identität und Tradition. Bisweilen jedoch geraten sie in Vergessenheit – wie etwa bei C&A: Wo genau wurde das heute international agierende Modeunternehmen C&A im Jahr 1841 gegründet? Diese scheinbar einfache Frage hat sich zu einer komplexen Spurensuche entwickelt, der sich die Ausstellung widmet. Im Zentrum steht das sogenannte Stammhaus in Sneek (NL), das jahrzehntelang als Ursprungsort des Unternehmens galt – und es ganz sicher nicht ist. Anhand historischer Dokumente, Fotografien und Recherchen wird der tatsächlichen Geschichte vom Gründungsort von C&A nachgespürt. Die Ausstellung dokumentiert diesen Prozess und macht zudem deutlich: Der Gründungsmythos ist nicht nur ein Ort – er ist auch ein Konstrukt.

Mix & Match – Einblicke in einen Sammlungskosmos

In „Mix & Match“ begegnen sich Archiv und Sammlung in vier epochen- und medienübergreifenden Themenräumen und geben einen Einblick in den Sammlungskosmos der Draiflessen Collection. Die Ausstellung lädt dazu ein, neue, teils unerwartete Verbindungen zwischen den Objekten und Epochen zu knüpfen. Sie präsentiert die vielfältigen Bestände des Museums in einer assoziativen Ordnung. Dafür dienen die vier Grundelemente Feuer, Wasser, Erde und Luft – schon seit der Antike Deutungsmuster für die Welt – als narratives Leitmotiv. Gezeigt werden Highlights aus Druckgrafik und Buchkunst neben Fotografien, Film- und Werbematerial aus der Geschichte von C&A. Mode gesellt sich zu zeitgenössischer Kunst und Archivdokumenten. Spielerisch setzen die Exponate Assoziationen zu den Elementen frei, die nicht nur museale Sehgewohnheiten, sondern auch die alltägliche Wahrnehmung neu ordnen können.

Erinnerungen aufschlagen

Was sehen wir, wenn wir uns Fotoalben anderer Personen anschauen? Blättern wir durch solche Alben, folgen wir dem Rhythmus der Erinnerung selbst: fragmentiert, repetitiv, voller Assoziationen und Lücken. Auch wenn uns die Menschen oder Orte unbekannt sind, wirken die Fotografien oft vertraut. Die Ausstellung spürt dieser Resonanz zwischen vertraut und fremd, Vergangenheit und Gegenwart, Erinnerung und Fotografie nach. Sie bringt historische Fotoalben aus dem eigenen Archivbestand mit Werken zeitgenössischer Künstler und Fotografen zusammen und verbindet so verschiedene zeitliche Ebenen sowie konzeptuelle Ansätze miteinander. Die Kunstwerke spiegeln da bei nicht nur die in den Fotoalben sichtbaren Prozesse, sondern machen auch deutlich, dass das Erzählen selbst ein kreativer Akt ist, der ebenso sehr vom Vergessen wie vom Erinnern geprägt wird.

Spitze!

Spitze war im 16. und 17. Jahrhundert weit mehr als reine Zierde: Sie galt als Ausdruck von Luxus, Modebewusstsein und gesellschaftlichem Rang – und kam be sonders eindrucksvoll am Kragen zur Geltung. Die Ausstellung beleuchtet die „Kragenmode“ anhand zweier bedeutender Porträtsammlungen: der in der Liberna Collection bewahrten Iconographie Anton van Dycks (*1591 +1641) sowie der Gemälde- und Miniatursammlung des Verlegerpaares Frieda und Franz von Lipperheide, die sich heute in der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin, Sammlung Modebild, befindet. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den sehr selten erhaltenen Kragen und Spitzen, deren Bedeutung, Schönheit und Kunstfertigkeit zusätzlich durch Einblicke in die Techniken der Nadel- und Klöppelspitze erfahrbar gemacht werden. Anschauungsmodelle, Videos und historische Handarbeitsutensilien stehen dabei im Dialog mit aktuellen Spitzenarbeiten und Gertrud Riethmüllers Klang-Installation „Ein Kragen – im Tanz der Verflechtungen“ (2022/23).

Musik, die verbindet by Draiflessen

Seit über zehn Jahren steht Draiflessen mit der Konzertreihe „meetMUSIC“ für besondere Musikerlebnisse. Hier treffen sich Musikliebhaber aller Generationen, um Bekanntes zu erleben und neue Klänge zu entdecken. In der besonderen Atmosphäre entsteht eine direkte Verbindung zwischen Künstler und Publikum – Musik wird hier persönlich und unmittelbar spürbar. Das Programm bietet für jeden Musikgeschmack etwas: von Klas sik über Jazz bis zu Singer-Songwritern sowie Familienkonzerte. Jeden August verwandelt sich der Park von Draiflessen in eine Open-Air Bühne für das dreitägige meetMUSIC-Festival. Es gibt aufstrebenden Musiker aus aller Welt eine Bühne und macht die Vielfalt der Musik in all ihren Facetten erlebbar – inspirierend, lebendig und nah. Auch der Nach wuchs wird gefördert: meetMUSIC verleiht in jedem Jahr Sonderpreise an Gewinner des Bundeswettbewerbs Jugend musiziert.

Mehr Info unter http://www.meetmusic.de

Führungen und Kunstvermittlung

Die Draiflessen Collection bietet neben öffentlichen und individuellen Führungen auch inklusive Führungen und kreative Formate an, die einen individuellen Zugang zur Kunst fördern, speziell auch für Kinder und Jugendliche, wie etwa den MuseumsSpaß in den Ferien. Für Erwachsene und Familien ergänzen Workshops, Exkursionen, Vorträge und Podiumsdiskussionen das vielfältige Programm.

Weitere Informationen unter http://www.draiflessen.com

Incarnate – Eine Ausstellung der Julia Stoschek Foundation und der Langen Foundation

Die Ausstellung „Incarnate“, die noch bis zum 22. März 2026 auf der „Raketenstation Hombroich“ zu sehen ist, führt erstmals zwei der führenden privaten Kunstsammlungen Nordrhein-Westfalens zusammen: Videokunst aus der Julia Stoschek Collection trifft auf klassische japanische und asiatische Kunst aus der Sammlung Viktor und Marianne Langen.

Incarnate lädt die Besuchenden ein, zwischen materiellen und immateriellen Welten zu wandeln und Verbindungen zwischen spirituellen Fragen und medialen Ausdrucksformen zu entdecken. In den Begegnungen von religiöser Kunst und digitalen Avataren zeigt sich, wie überliefertes Wissen und zeitgenössische Ausdrucksformen miteinander in Beziehung treten.

Die Präsentation in den Sammlungsräumen macht eine überraschende Nähe zwischen den metaphysischen Fragestellungen des Buddhismus und den illusionistischen Strategien zeitgen.ssischer Videokunst sichtbar: Hier das buddhistische Misstrauen gegenüber dem äußeren Schein zugunsten einer tieferen Wirklichkeitserfahrung, dort die ambivalente Auffassung der Videobildfläche als Fenster oder Schleier. Die Auswahl der Werke ist zudem inspiriert vom Wandel des Begriffs „Avatar“ – von seinen Ursprüngen in der östlichen Philosophie hin zu seiner heutigen Bedeutung in der digitalen Kultur.

In der Philosophie und Theologie bezeichnet der Begriff „Inkarnation“ das Sichtbarwerden des Unsichtbaren, die Erscheinung des Geistigen in einer endlichen, materiellen Form. Begegnungen zwischen antiken, modernen und zeitgenössischen Kunstwerken symbolisieren eine wiederkehrende Schleife zwischen Form und Inhalt, wie in einer bekannten Passage aus dem Herz-Sutra: „Form ist Leere (śūnyatā), Leere ist Form.“

Folgende Künstlerinnen und Künstler sind beteiligt: Vito Acconci, Ed Atkins, Peggy Ahwesh, Peter Campus, Trisha Donnelly, Matt Calderwood, Jen DeNike, Cyprien Gaillard, Cao Guimares, Bruce Nauman, Nam June Paik, Laure Prouvost, Jon Rafman, Lu Yang, nameless masters of the Three Realms, Kanō school, Sui Dynasty, Ayutthaya, Shrivijaya, La Na, Sukhothai und mehr.

Nähere Informationen: Stiftung Insel Hombroich, Raketenstation Hombroich 4, 41472 Neuss, Telefon: 02182 8874001, E-Mail: stiftung@inselhombroich.de

Jan Banning: Blutsbande – Versöhnung nach dem Völkermord in Ruanda

Vor Kurzem eröffnete das Fotomuseum Hilversum die Ausstellung „Blood Ties: Reconciliation after the Genocide in Rwanda“ mit Werken des Fotografen Jan Banning und des Journalisten Dick Wittenberg. Gleichzeitig wurde das gleichnamige Buch veröffentlicht, mit einem Essay des Philosophen Marjan Slob. Die Ausstellung, die noch bis zum 15. März 2026 zu sehen ist, zeigt bewegende Doppelporträts von Tätern und Überlebenden des Völkermords.

Jan Bannings Fotos zeigen nicht nur Opfer und Täter: In jedem Doppelporträt sehen wir Menschen nebeneinander, die eine direkte und schmerzhafte Vergangenheit teilen. Es sind Überlebende, die denen gegenüberstehen, die ihnen oder ihren Familien irreparables Leid zugefügt haben, wie die Tötung eines geliebten Menschen.

Die Bilder, kombiniert mit den Geschichten von Dick Wittenberg, machen greifbar, wie schwer, aber auch menschlich der Versöhnungsprozess ist. Mit „Blood Ties“ präsentieren Banning und Wittenberg eine seltene, nuancierte, aber auch konfrontative Perspektive auf das Thema Versöhnung. In einer Zeit, in der weltweit erneut tiefe Wunden durch Konflikte und Gewalt zugefügt werden, bietet das Projekt keine einfachen Antworten, aber es ist ein kraftvolles Beispiel für die Möglichkeit von Genesung und Menschlichkeit.

Mit „Blood Ties“ haben Jan Banning und Dick Wittenberg bereits sieben internationale Auszeichnungen erhalten und waren mit ihrem Werk bereits unter anderem in Cortona und New York zu sehen. Kürzlich präsentierte Banning das Projekt an verschiedenen Orten in den Vereinigten Staaten, darunter das Center for Documentary Studies der Duke University und das Ford Hall Forum in Boston, wo zuvor Redner wie Malcolm X, Noam Chomsky, Al Gore und Eleanor Roosevelt Gäste waren. Er wurde außerdem für Michelle Bogres Buch „Photography as Activism“ interviewt. Bannings Werk wird von der Robert Klein Gallery (Boston) und der Galerie Fontana (Amsterdam) vertreten.

Im Fotomuseum Hilversum ist „Blood Ties“ nun erstmals in den Niederlanden zu sehen.

Über die Macher

Jan Banning ist ein international anerkannter fotografischer Künstler und Gewinner eines World Press Photo Award sowie unter anderem elf Silberkameras.

Dick Wittenberg ist Journalist und Schriftsteller und arbeitete viele Jahre für das NRC. Gemeinsam mit Banning gewann er den Bob den Uyl Prize für ihr früheres Buch über Dickson, Malawi.

Marjan Slob ist Philosophin und Essayistin. Sie schreibt unter anderem für de Volkskrant.

Nähere Informationen: Fotomuseum Hilversum, Kerkbrink 6, 1211 BX – Hilversum, Telefon 035 6292826, Internet: http://www.fotomuseumhilversum.nl