Sonderausstellung „Judit Reigl. Couleur vivante“ im Museum Reinhard Ernst
Frauen an der Spitze der Kunstwelt: Anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung „Judit Reigl. Couleur vivante“ spricht Naomi Beckwith, die Künstlerische Leiterin der documenta 16, mit Direktor Dr. Oliver Kornhoff über Künstlerinnen, Kuratorinnen und Museumsgründerinnen, die die Kunstwelt veränder(te)n.
Anlässlich der Eröffnung der Sonderausstellung Judit Reigl. Couleur vivante am Sonntag, 15. November, wird Naomi Beckwith, die Künstlerische Leiterin der documenta 16, gemeinsam mit dem Direktor des Museums Reinhard Ernst, Oliver Kornhoff, über die Rolle von Frauen als Gestalterinnen der Kunstwelt nachdenken. Nach einem Grußwort von Timon Gremmels, dem Hessischen Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, geht es in dem Gespräch darum, welche Spuren visionäre Sammlerinnen, Museumsdirektorinnen und Kuratorinnen hinterlassen haben – und wie sie Institutionen bis heute prägen.
Über viele Jahrzehnte hinweg haben sich Malerinnen, Sammlerinnen und Direktorinnen ihren Platz in der Kunstgeschichte hart erkämpft. Dass die Verdienste von Künstlerinnen mit großen internationalen Werkschauen gewürdigt werden, ist erst seit einigen Jahren der Fall. So war die ungarisch-französische Malerin Judit Reigl 1957 als einzige Frau unter 16 Künstlern an der Ausstellung Lebendige Farbe − Couleur vivante beteiligt. Ihre innovative Malerei steht im Zentrum der neuen Sonderausstellung im Museum Reinhard Ernst vom 15. November 2026 bis 11. April 2027.
Als stellvertretende Direktorin und Jennifer and David Stockman-Chefkuratorin am Solomon R. Guggenheim Museum and Foundation in New York wird Naomi Beckwith besonderes Augenmerk auf Frauen als Institution Builders richten, also als Gründerinnen von Institutionen. Ausgangspunkt ist Hilla Rebay, die erste Direktorin des Solomon R. Guggenheim Museum in New York. Mit ihrer visionären Idee eines Museums für non-objective art legte sie entscheidende Grundlagen für die Entwicklung des Guggenheim Museum in New York City. Auch Peggy Guggenheim prägte mit ihrer wegweisenden Galerie, ihrer Sammlungstätigkeit und ihrer legendären Ausstellung The 31 Women die Geschichte der modernen Kunst.
Von diesen Pionierinnen führt das Gespräch zu Judit Reigl und in die Moderne: Was können wir von Frauen lernen, die in ihrer künstlerischen Praxis kompromisslos neue Wege eingeschlagen haben? Wie können Institutionen Räume schaffen, in denen unterschiedliche Perspektiven sichtbar und wirksam werden? Welche Verantwortung tragen Museen als Orte der Begegnung, des Austauschs und der gesellschaftlichen Teilhabe? Naomi Beckwith bringt dabei ihre eigene langjährige Erfahrung als Kuratorin und Museumsleiterin ein.
Das Programm zur Ausstellungseröffnung „Judit Reigl. Couleur vivante“ am Sonntag, 15. November
12 Uhr Einlass
12.30 Uhr bis 13 Uhr Kuratorinnenführungen mit Lea Schäfer und Caroline Marié
13.15 Uhr Grußwort Timon Gremmels, hessischer Kulturminister, anschließend Naomi Beckwith im Gespräch mit Dr. Oliver Kornhoff
16 bis 16.30 Uhr Kuratorinnenführungen mit Lea Schäfer und Caroline Marié
Ganztägig im Farblabor: Familienworkshop „Kunterbunt verbandelt – Freundschaftsbänder-Workshop für Kinder“
Am Eröffnungstag der Ausstellung „Judit Reigl. Couleur vivante“ gilt der ermäßigte Ticketpreis von 10 Euro.
Über die Ausstellung „Judit Reigl. Couleur vivante“
Als „Lebendige Farbe – Couleur vivante“ im Frühjahr 1957 eröffnete, wurde in Wiesbaden die Wirkkraft der modernen Kunst neu vermessen. Für viele Besucher:innen eröffnete diese gestische und ungezügelte Malerei eine völlig neue Erfahrung: Sie forderte die Sehgewohnheiten heraus und die Art, wie über Kunst gesprochen wurde. Siebzig Jahre später schlägt das Museum Reinhard Ernst (mre) dieses Kapitel wieder auf. Für Judit Reigl. Couleur vivante wurde die historische Ausstellung von 1957 teilrekonstruiert: 15 Werke konnten nach umfangreichen Recherchen lokalisiert werden und sind nun erstmalig wieder in einer Ausstellung zu sehen.
Zugleich steht die einzige Teilnehmerin im Fokus: die ungarisch-französische Malerin Judit Reigl (1923–2020), deren Arbeiten heute zu den bedeutenden Positionen der europäischen Nachkriegsabstraktion zählen. 23 ihrer Gemälde werden in der Ausstellung zu sehen sein, davon zwei Leihgaben aus der historischen Schau. Die Arbeiten decken ihre künstlerische Schaffenszeit von 1954 bis 1971 ab. Weiterhin sind Gemälde ihrer Zeitgenossen Camille Bryen, Jean Degottex, Claude Georges, Karl Otto Götz, Simon Hantaï, Heinz Kreutz, Bernard Schultze und K.R.H. Sonderborg zu sehen.
Die Sammlung Reinhard Ernst umfasst Arbeiten aller sechzehn Künstler:innen, die 1957 an Lebendige Farbe – Couleur vivante beteiligt waren. Vier Werke aus dieser Sammlung, die auch 1957 gezeigt wurden, sind Teil der aktuellen Ausstellung.
Judit Reigl. Couleur vivante lädt dazu ein, eine wichtige Künstlerin zu entdecken und zugleich ein Kapitel europäischer Kunstgeschichte neu zu erleben. Unsere Ausstellung macht deutlich, wie aktuell die historischen Themen geblieben sind: malerische Freiheit, künstlerischer Aufbruch und der Austausch über Landesgrenzen hinweg.
Die Ausstellung ist Teil eines gemeinsamen Jubiläumsprojektes des Museums Reinhard Ernst, des Museums Wiesbaden und des Nassauischen Kunstvereins Wiesbaden. Alle drei Institutionen greifen die historische Ausstellung mit unterschiedlichen Schwerpunkten auf.
Katalog (DE/ENG)
Couleur vivante 1957–2027. 70 Jahre lebendige Farbe in Wiesbaden, Hrsg. Museum Wiesbaden, Nassauischer Kunstverein Wiesbaden und Reinhard und Sonja Ernst-Stiftung, Texte: J. Daur, J. Dennhard, L. Dinse, A. Henning, A.-K. Hinz, O. Kornhoff, C. Marié und L. Schäfer, Übersetzungen: G. Goodrow-Jaber, 176 Seiten, 69 Abbildungen, ISBN: 978-3-96912-298-3, Verlag: DCV.
Nähere Informationen: Museum Reinhard Ernst, Wilhelmstraße 1, 65185 Wiesbaden, Telefon: +49 (0)611 76388880, E-Mail: info@museumre.de