Der Dackel. Eine Ikone geht Gassi

31. Oktober 2026 bis 28. März 2027 in der Kunsthalle Bremen

„Der Dackel. Eine Ikone geht Gassi“ (31. Oktober 2026 – 28. März 2027) ist die erste Ausstellung, die sich dem Dackel in der Kunst widmet. Anhand von 120 historischen und zeitgenössischen Werken nimmt sie den Dackel in der Kunst aus unterschiedlichen Perspektiven ins Visier. Dies reicht von seinen Anfängen als Jagdhund über seine Rolle als städtischer Begleiter des Bürgertums, als beliebte Muse und Inspiration von Künstler*innen bis hin zur heute allseits präsenten Trendfigur. Außerdem wird der Dackel selbst zum Akteur und Publikum.

Die Ausstellung „Der Dackel. Eine Ikone geht Gassi“ ist dem Dackel anhand von hochkarätigen Kunstwerken auf der Spur: Von seinen traditionellen Anfängen als Jagdhund zum städtischen Begleiter des Bürgertums bis hin zur heute allseits präsenten Trendfigur. Der Dackel sind heute nicht nur bei Hundebesitzer*innen im Kommen, sondern ist auch aufgrund seiner unverkennbaren Form omnipräsent auf Tassen, Socken und Pullovern. Bedeutenden Künstler*innen wurde der Dackel zur als beliebten Begleitung und Projektionsfigur.

Dabei wird deutlich, dass er weit mehr als ein Motiv ist – er ist Familienmitglied, Helfer und Ausdruck einer Weltanschauung. Humorvoll und kritisch zeigt die Schau in der Kunsthalle Bremen hochkarätige Werke aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Photographie, Video, Installation und Performance sowie der Populärkultur.

Zu sehen sind unter anderem Werke von Pierre Bonnard, Thorsten Brinkmann, Elina Brotherus, Franz Burkhardt, Otto Dix, David Hockney, Fritz Koch-Gotha, Max Liebermann, Pablo Picasso, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, Rosemarie Trockel, Paloma Varga Weisz, Édouard Vuillard, Andy Warhol und Ylla. Mit Leihgaben unter anderem aus dem Louisiana Museum of Modern Art, Humlebaek; Kunstmuseum Pablo Picasso Münster; Musée d’Art Moderne, Paris; Royal Collection, London; Andy Warhol Museum, Pittsburgh und David Hockney Foundation.

Kapitel der Ausstellung

Die Ausstellung ist in sieben Kapitel unterteilt. In Raum eins und drei befinden sich raumgreifende Installationen. Vierbeiner sind in vier Räumen willkommen: Sie dürfen die Kunstwerke und Installationen im ersten Raum und letzten Raum der Ausstellung besuchen, außerdem sind sie in der Dackel-Lounge und dem Mitmachraum (dem Dackelier) willkommen.

Toxie Love

Im ersten Raum begrüßt die Besuchenden eine eigens für die Ausstellung entstandene Arbeit von Thorsten Brinkmann (*1971), die für Dackelliebhaber einen einzigen Bazar der Begehrlichkeiten darstellt: Im Zentrum der Installation „Toxie Love“ (2026) thront ein vier Meter langes Inflatable, ein grinsender Mix aus Dackel und Ente. Ringsherum wuchert ein Arrangement unter anderem aus Kunstwerken und zahlreichen Dackel-Objekten. Verschiedene Teppiche und eine pinkfarbene Tapete erzeugen eine Fusion von Wohnzimmer, Fun-Park und Pop-Factory. Die Installation basiert neben Skulpturen und Fotografien des Künstlers auf rund 1.200 Leihgaben aus dem Dackelmuseum Regensburg, das weltweit einzige Museum dieser Art. Dem explizit in diesem Raum zugelassenen Vierbeiner wird extra tief Gehängtes geboten, darunter beispielsweise Pfotendruckkunst.

Dackel-Olymp

Im zweiten Raum wird die Designikone „Waldi“ sowie die Dackel-Ikone „Lump“ von Pablo Picasso betrachtet. Waldi war der bunt geringelte Botschafter der Olympischen Spiele 1972 in München. Er war das erste offizielle Olympia-Maskottchen überhaupt. Im Team um den Ulmer Grafiker Otl Aicher, dessen Sportpiktogramme noch heute Schulhallen und Sportstätten markieren, hat ihn die Gestalterin Elena Schwaiger entwickelt. Picassos Einlinienzeichnung ist eine verblüffend treffende formale Verdichtung dessen, was den Körperbau und Charakter des Dackels ausmachen. So verwundert es nicht, dass dieses Bildzeichen für unzählige Merchandising-Produkte genutzt wurde und wird – für Tassen, Taschen und nicht zuletzt in der Olunda- Serie des Einrichtungshauses IKEA. Auch von Picasso stammt der nicht minder legendäre Teller, den der Künstler ein halbes Jahrhundert später seinem Dackel Lump widmete. Der Teller „Pour Lump“ ist ein Unikat, das heute ein museales Einzelstück und von der Aura eines kunsthistorisch glücklichen Moments umfangen ist. Der amerikanische Fotojournalist David Douglas Duncan hat die Entstehung des Tellers und die besondere Beziehung von Picasso und Lump in einer Serie festgehalten.

Form Follows Function

Im dritten Raum wird deutlich: Ohne Jagd kein Dackel. Denn der Dackel geht auf deutsche Bracken und andere Jagdhunde zurück, aus denen über Generationen hinweg ein kurzbeiniger Spezialist vornehmlich für die Baujagd gezüchtet wurde. Seine Aufgabe bestand darin, Dachse, Füchse und anderes Wild in unterirdischen Bauten aufzuspüren und zu stellen. Graphiken zeigen agile Hunde mit kurzen Beinen bei der Arbeit. Erst Beispiele aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bilden unverkennbar den Hund ab, dessen Statur wir heute rassetypisch als Dackel oder Teckel erkennen. 1879 werden Rassestandards festgelegt, 1888 wird der Deutsche Teckelklub e. V. (DTK) gegründet. Eine für die Ausstellung entwickelte Rauminstallation des Bildhauers und Zeichners Franz Burkhardt (*1966) schafft den Eindruck eines Jagdzimmers. Sie ist von einer Dachs- und Eichenlaubtapete und einer dunkelbraunen Holzverkleidung eingefasst. Graphiken, Gemälde, Postkarten und Zeitungsseiten zeigen den Jagdhelfer in unterschiedlichen historischen Ausprägungen. In einer Vitrine sind allerhand Objekte und Memorabilien zu sehen.

Dasein und Dösen

In Raum vier zeugen Werke von beispielsweise Pierre Bonnard, Max Liebermann, David Hockney, Hugo Fortes und Elina Brotherus von der alltäglichen Koexistenz zwischen Künstler*in und Tier. „They are like little people to me“ sagte Hockney, der von 1993 zwei Jahre lang obsessiv seine beiden braunen Kurzhaardackel Stanley und Boodgie zeichnete und malte. Der Künstler Pierre Bonnard war zeitlebens von Katzen und Hunden umgeben. Zahlreiche Fotografien belegen seine tiefe emotionale Verbundenheit mit der Natur und all ihren Geschöpfen. In den 1920er Jahren sollen zeitweise bis zu vier Dackel im Haus Bonnards gelebt haben. Max Liebermanns Gemälde, Zeichnungen und Graphiken zeigen seine Dackel in Konstellationen der häuslichen Lebenswelt. In Portraits und Familiendarstellungen sind sie verlässliche Harmonieverstärker. Sein erster Dackel Männe war ein Geburtstagsgeschenk von Hugo von Tschudi, dem damaligen Direktor der Nationalgalerie Berlin.

Wer trägt Dackel?

Elina Brotherus thematisiert in dem Selbstportrait „My Dog Is Cuter Than Your Ugly Baby“ (2013) ihre persönlichen Erfahrungen des unerfüllten Kinderwunsches. In der Fotografie inszeniert sie sich mit ihrem Dackel Marcello, um mit der provokanten Geste des Mittelfingers für alternative Familienkonstellationen zu plädieren – ein Aspekt, der auch in Werken Andy Warhols eine Rolle spielt. Bei dem amerikanischen Pop Art-Künstler gehörte Dackel Archie über Jahre hinweg mit zum Image. Warhol ist in perfekter Selbststilisierung unzertrennlich mit seinem Alter Ego auf Vernissagen, in Restaurants, bei Interviews und Fotoshootings anzutreffen.

Mensch Dackel!

Raum fünf widmet sich unter anderem dem Dackel in der Illustration, in der er mehr oder minder karikierend in Erscheinung tritt. Sein Habitus und die ihm zugeschriebenen Eigenschaften sind eine Einladung zur Übertreibung und Vermenschlichung. Schon im Verlauf des 19. Jahrhunderts wird dies ein Erfolgsrezept, das sich bis in unsere Tage hält. 1930 wird der vermenschlichte Waldi ein bekannter Star auf dem Kinderbilderbuchsektor. Das von Fritz Koch-Gotha illustrierte Buch mit Texten von Walter Andreas Sixtus war noch weit nach dem Zweiten Weltkrieg in Kinderzimmern zu finden.

Was will der Dackel?

Wurst, wäre eine einfache Antwort. Die Künstlerin Sonja Alhäuser beschäftigt sich mit der assoziativen Nähe zwischen dem englischsprachigen Wiener Dog / Sausage Dog und dem Fast Food-Gericht Hot Dog. Ihre opulente Wandmalerei und die darin integrierten Rezeptzeichnungen wie „Verwurstung“ (2026) sezieren Schritt für Schritt, wie für den Hot Dog Wurst entsteht, wer dafür sein Leben lässt und welche Perversionen und Obszönitäten im engeren und weiteren Sinne das Ganze birgt. Das Künstlerduo Krõõt Juurak und Alex Bailey versucht einen Perspektivwechsel: Die im Vorfeld mit Bremer Dackeln entstandene Videodokumentation „Performances für Dackel“ (2026) zeigt die Begegnungen zwischen den beiden Performern und eingeladenen Dackeln. Jedes Zusammentreffen dauerte rund zwanzig Minuten, in denen das Performanceduo jeweils ausschließlich für den Hund agierte.

Alles für den Dackel – vor und in der Kunsthalle

Schon vor dem Haus werden die Besuchenden mit einer großen Hundehütte auf die Ausstellung eingestimmt. Im ersten Saal findet sich eine Dackel-Lounge, in der Mensch und Dackel warten, pausieren und sich austauschen können. Dort findet sich ebenfalls Kunst – nicht nur für den Menschen, sondern auch für Vierbeiner, wie beispielsweise ein unsichtbares olfaktorisches Bild der Geruchskünstlerin Camilla Nicklaus Maurer. Denn schließlich nehmen Hunde das Museum und die Ausstellung anders wahr als Menschen: aus einer Perspektive dicht über dem Boden, mit einer abweichenden Farb- und Klangwahrnehmung und vor allem einem hochsensiblen Geruchssinn.

Hereingedackelt: Dackel ins Museum!

• In der Dackel-Ausstellung sind Dackel und kleine Hunde bis 30 Zentimeter an ausgewählten Tagen willkommen: jeweils donnerstags von 12 bis 18 Uhr (Dackel-Donnerstag) und samstags von 12 bis 16 Uhr (Sausage-Dog-Saturday)

• Eintritt mit Hund ist nur im Vorverkauf mit Online-Ticket und Zeitfenster möglich. Das Hunde-Ticket ist nur in Kombination mit einem Eintrittsticket gültig. Der Eintritt für Vierbeiner ist kostenlos. https://shop.kunsthalle-bremen.de/tickets

• Im Ersten Saal bieten wir unmittelbar vor dem Ausstellungsbereich eine Dackel-Lounge mit Sitzmöglichkeiten für Dackel und ihre Bezugspersonen an. Jeden ersten Samstag im Monat sind Gassigeher*innen vom Bremer Tierschutzverein e.V. vor Ort. Mit einem Info-Stand informieren sie auch speziell mit Blick auf den Dackel über Fragen des Tierwohls und unterstützen Besuchende bei der Betreuung der Dackel in der Lounge.

• Hunde können die Lounge und drei von insgesamt acht Ausstellungsräumen der Sonderausstellung besuchen. Wir empfehlen Hundebesitzer*innen den Besuch mit einer Begleitung zu planen, damit die Vierbeiner abwechselnd in der Dackel-Lounge betreut werden können, während die andere Person die weiteren Räume besucht.

Veranstaltungen (Auswahl):

Dackelier – offenes Atelier in der Ausstellung alle zwei Wochen dienstags und sonntags

• ab Dienstag, 3. November, 18.30 bis 20.30 Uhr

• ab Sonntag, 8. November, 14 bis 17 Uhr

Vorträge und Gesprächsrunden

• Sonntag, 1. November,11.30 bis 13 Uhr: Sonntags-Matinée, Ein Blick in die Augen der Tiere, Vortrag und Künstlergespräch mit Hugo Fortes, São Paulo, Brasilien

• Dienstag, 10. November, 18.30 bis 19 Uhr: Blickwechsel – Interreligiöses Bildgespräch aus christlicher, muslimischer und hinduistischer Perspektive, Moderation: Marion Koch, Hamburg.

• Dienstag, 26. Januar 2027, 17 bis 20 Uhr: Hunde-Salon: Vortrag Fashion Wow: Mode und Hund mit Dr. habil. Christiane Keim, Berlin und Prof. Dr. Christina Threuter, Hochschule Trier und Dackel deluxe. Künstlergespräch mit Thorsten Brinkmann

• Dienstag, 9. Februar 2027 19 bis 20 Uhr: Heute Hot Dogs. Künstlerinnengespräch mit Sonja Alhäuser

• Sonntag 21. Februar 2027, 11.30 bis 13 Uhr: Sonntags-Matinée, Was Hunde glücklich macht. Talkrunde mit dem Dackelmuseum Regensburg (Oliver Storz / Seppi Küblbeck), Antje Jettka (Tierärztin Bremen) und Dr. Annett Reckert (Kunsthalle Bremen), Moderation: Bettina Böttinger

Kunstpausen

• Donnerstag, 5. November, 13 bis 13.15 Uhr: Kunstpause, Toxie Doxie, Zu Gast: Künstler Thorsten Brinkmann

• Donnerstag, 3. Dezember, 13 bis 13.15 Uhr: Kunstpause, Jagdzimmer, Zu Gast: Künstler Franz Burkhardt

• Donnerstag, 18. Februar 2027, 13 bis 13.15 Uhr: Kunstpause, Zu Gast: Dr. Renate Noda, Kuratorin der Ausstellung Kult Katze!, Übersee-Museum Bremen

• Donnerstag, 25. Februar 2027, 13 bis 13.15 Uhr: Kunstpause, C. R. (anonym), 1823, Dr. Renate Möller, Kunstsachverständige

• Donnerstag, 11. März 2027, 13 bis 13.30 Uhr: Kunstpause, Du Hund, 2026, Zu Gast: Künstlerin Carolin Klapp

Dackelspaziergang

• Sonntag, 14. März 2027, 11.30 Uhr: Mobile Matinée: Dackelspaziergang

Nähere Informationen: Kunsthalle Bremen, Am Wall 207, 28195 Bremen, Telefon: +49 (0)421 – 32 9080, Fax +49 (0)421 – 32908470, E-Mail: info@kunsthalle-bremen.de

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