Anne Carson erhält den Literaturnobelpreis 2026

Die Entscheidung der Schwedischen Akademie ist gefallen: Der Literaturnobelpreis 2026 geht an die kanadische Lyrikerin, Essayistin und Übersetzerin Anne Carson. Damit ehrt das Nobelpreiskomitee eine der innovativsten und intellektuell fesselndsten Stimmen der englischsprachigen Gegenwartsliteratur. In der Begründung der Jury heißt es, sie habe den Nobelpreis erhalten für: »Ihr kühnes und einfallsreiches Oeuvre, das im spielerischen Dialog mit klassischer Tradition steht, und damit neue Formen für zeitgenössische Literatur geschaffen hat.«

Anne Carson – Rot – Zwei Romane in Versen

Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt ihrer erotischen Beziehung lässt Herkules Geryon fallen und stürzt diesen in tiefstes Leid. Doch da reist Geryon auf magische Weise aus der Antike in die Gegenwart – und findet Trost in der Fotografie.

Die Lyrikerin Anne Carson hat das Unbändigste und Verrückteste geschaffen, was die Literatur zur Zeit zu bieten hat. Sie setzt Homer in einen Teilchenbeschleuniger, um in der Zersplitterung alter Bedeutungen ein Spiegelbild unserer Gegenwart zu zeichnen. »Rot« ist ungeheuer erotisch und böse wie die griechischen Mythen, melancholisch und lasziv wie Velvet Underground.

Zur Autorin

Anne Carson ist eine der großen Lyrikerinnen der Gegenwart. 1950 in Toronto geboren, studierte sie Griechisch und unterrichtet als Altphilologin. Die Parallelität von Antike und Gegenwart durchzieht ihr ganzes Werk. Neben der Sappho-Studie »Eros the Bittersweet« und ihren Sappho-Übersetzungen entstanden auch Studien zu Celan und Hölderlin. Bei S. FISCHER erschienen in der Übersetzung von Anja Utler: »Decreation. Gedichte. Oper. Essays« (2014) sowie »Rot. Zwei Romane in Versen« (2019).

Nachtrag zu Geryon

Geryon (altgriechisch Γηρυών Gēryṓn), auch Geryones (Γηρυόνης Gēryónēs), Geryoneas (Γηρυονέας Gēryonéas) und Geryoneus (Γηρυονεύς Gēryóneús), ist eine Gestalt der griechischen Mythologie.

Geryon war der Sohn des Chrysaor und der Okeanide Kallirrhoë und lebte auf der Insel Erytheia („Rotland“, Land der Abendröte), die sich weit im Westen jenseits der Säulen des Herakles und nahe Gadeira (Cádiz) oder unter den westlichen Inseln der Hesperiden befunden haben soll. Laut Hekataios herrschte Geryon hingegen in der Gegend um den Ambrakischen Golf.

Geryon besaß drei an der Hüfte zusammengewachsene Leiber und wird oft gerüstet mit drei Schwertern und Schilden sowie manchmal geflügelt dargestellt. Sein außergewöhnlich schönes Vieh, eine Herde roter Stiere, wurde von dem Hirten Eurytion und dem zweiköpfigen Hund Orthos, einem Bruder des Kerberos, bewacht.

Die zehnte Aufgabe des Herakles bestand darin, diese Herde zu rauben.Herakles brachte die Rinder in seine Gewalt, indem er Orthos und Eurytion mit seiner Keule erschlug. Als Menoites, der in der Nähe das Vieh des Hades weidete, Geryon von diesem Überfall berichtete, eilte dieser herbei und forderte Herakles am Fluss Anthemos zum Kampf heraus. Herakles tötete ihn mit einem einzigen Pfeil, der mit dem Blut der Hydra getränkt war.

Geryons Grab wurde in Gades (Cádiz) vermutet, wo laut Flavius Philostratos (Vit. Apollon. V, 5) auf dem Grabhügel Geryons zwei wundersame Bäume von einer durch Kreuzung aus Fichte und Pinie entstandenen dritten Art standen, von deren Rinde Blut tropfte. Gebeine Geryons sollen auch in Heiligtümern in Olympia und Theben aufbewahrt worden sein. Ein Orakel des Geryon befand sich in Patavium (Padua).

Aufgrund seiner Dreileibigkeit wurde Geryon in der klassischen lateinischen Literatur gerne mit Beiwörtern wie tricorpor, triformis oder tergeminus apostrophiert. Die christlichen Autoren führten ihn teils als historisch verbürgtes Monstrum an, oder erklärten ihn auch als Fabelwesen, wobei im letzteren Fall dann in der Tradition von Isidor von Sevilla (Etym. XI, iii, 28) der wahre historische Kern der Fiktion („fictum“) so gesehen wurde, dass es sich in Wirklichkeit um drei Brüder gehandelt habe, zwischen denen solche Eintracht bestand, dass gleichsam eine einzige Seele in drei Leibern lebte („tres fratres tantae concordiae ut in tribus corporibus quasi una anima esset“). (Wikipedia)

Anne Carson, Rot, 320 Seiten, S. Fischer Verlag, ISBN: 978-3-10-397279-5

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