In der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift findet der Leser oder die Leserin viele Tipps über Kunstausstellungen in den Niederlanden und manches mehr aus der Welt der Kunst. Hier ein kleiner Ausschnitt:
Ruhige Moonshines voller tanzender Flammen – Von Dorien Tamis
Mit ihren geheimnisvollen Schatten und dunklen Trieben ist die Nacht eine bleibende Inspiration – auch für Künstler des 17. Jahrhunderts. In ‚From Dusk Till Dawn‘ im Dordrechts Museum können Sie nun einen historischen Nachtspaziergang machen.
Nachts geschieht viel mehr als Schlaf, selbst im siebzehnten Jahrhundert. Am Abend lernen sie bei Kerzenlicht, später singen die Nachteulen, und die Feuer werden gelöscht. Mitten in der Nacht beugen sich Wissenschaftler über Himmelskörper, und vor Tagesanbruch beginnt oft ein neuer Arbeitstag. All diese Aktivitäten wurden von Malern unsterblich gemacht.
In der Ausstellung „Von der Dämmerung bis zur Morgendämmerung – Nachtkunst im17. Jahrhundert“ im Dordrechtser Museum unternimmt man eine Reise durch eine solche Nacht des siebzehnten Jahrhunderts – beginnend und endet in den goldenen Stunden, in denen die Sonne gerade noch oder noch unter dem Horizont verborgen ist. Bekannte Malernamen spielen dabei eine Nebenrolle.
Lichtstrahl
Wenn es einen Namen gibt, der heraussticht, dann ist es der Amsterdamer Maler Aert van der Neer (1603–77), der Spezialist für ‚Moonshines‘. Wenn man mehr als nur oberflächlich hinschaut, erkennt man, dass dies nur einige Tricks sind, mit denen Van der Neer einen überzeugend die Dunkelheit der Nacht erleben lässt. Die Farblosigkeit der Dunkelheit ist einfach – er schlägt sie mit überwiegend monochromen Tönen vor: Schwarz mit Grau oder blassgelb oder gräulich-braun.
Um seinen Gemälden eine Definition zu geben, lässt der Maler den Mond kraftvoller leuchten als in der Realität. Reflektiertes Licht verrät Wasserelemente, nicht umsonst spielen Gräben und Pfützen eine wichtige Rolle in Van der Neers Landschaften. Figuren – ein Haus, ein Mann in einem Boot, eine Pollard Wille – tauchen aus der Dunkelheit auf, weil der Maler einfach einen Lichtstrahl an sich vorbeischießen lässt.
Loderndes Feuer
Neben ruhigen, mondbeschienenen Nächten mit Windmühlen gibt es während einer solchen Übernachtung im siebzehnten Jahrhundert noch mehr zu erleben. Beim Spaziergang durch die wunderschön gestalteten und ansprechend beleuchteten Räume lässt man sich von einem Thema um die Anforderungen für eine gute Nachtruhe leiten; Oder eine, in der man Personifikationen der Nacht auf der Leinwand trifft.
Faszinierend zu vergleichen mit Van der Neers Werk sind die nächtlichen ‚Feuer‘ des Rotterdammers Egbert van der Poel (1621–64), ein etwas weniger prominenter Name im Nachtgenre. Van der Poel malt nicht nur in einem anderen, viel glatteren Stil, sondern die von ihm verwendeten Lichtquellen wirken völlig anders.
Die hoch aufragenden orangefarbenen Flammen von Van der Poels spektakulärem Feuer warfen tiefe Schatten über die Umgebung, Gebäude und panische Menschen. Das verleiht Van der Poels Gemälden etwas Faszinierendes und zugleich etwas Unwirkliches.
Vorbeispähender
Die Auftritte mit nächtlichen Partygästen, Lagerfeuern und Feuerwerk wirken viel vertrauter. Du teilst sofort das halb erwartungsvolle, halb zitternde Gefühl der Nachteulen, ein Gefühl, das sich bis heute kaum verändert hat. Eine Kleinigkeit, die besonders Druckgrafiker zu schätzen schienen, sind strahlend beleuchtete Fenster – die in einer Schwarz-Weiß-Szene noch eindrucksvoller wirken. Das weckt sofort die Neugier des spählernenden Passanten. Was machen diese Leute da drin?
Eine Nacht im siebzehnten Jahrhundert war nicht nur buchstäblich viel dunkler als heute mit all der Lichtverschmutzung, sondern auch noch dunkler. In Tooverykens en spoockeryen, mit Hexen, Teufeln und anderem Abschaum herumschreien, und natürlich unter dem Schutz der Nacht fanden mehrere Künstler ein lohnendes Thema, um ihre Horrorfantasien auszuleben. Der rätselhafte Albtraum des Amsterdamer Malers Domenicus van Wijnen (1658–1700), einer der Höhepunkte der Ausstellung, ist geradezu seltsam.
Von Hexenkreisen bis zu feiernden Motten – in ‚From Dusk Till Dawn‘ passiert eine Menge. Das Schöne an einer so gut gestalteten thematischen Ausstellung ist, dass man sich von den Kuratoren mitreißen lassen kann, aber auch durch die eigenen Interessen wandern kann. Gute Nacht, kurz gesagt, in Dordrecht.
Nähere Informationen: Dordrechts Museum, Museumstraat 40, 3311 XP Dordrecht, Telefon: +31 (0)78 770 8708, E-Mail: info@dordrechtsmuseum.nl
Eine festliche Gästeliste im Museum Voorlinden
Tausende von Ballons schweben hinter Glastüren, ein riesiger Kürbis steht um die Ecke und in einem anderen Raum hält eine winzige Maus eine große Rede. Diese Meisterwerke (von Martin Creed, Yayoi Kusama und Ryan Gander) befinden sich vorübergehend wieder im Museum Voorlinden in Wassenaar, wo sie mit bunten Blickfangern aus der Dauerausstellung zu sehen sind. Mit dieser Ausstellung ‚Die Ikonen der Kunst feiern‘ feiert das Wassenaar-Museum sein zehnjähriges Jubiläum.
Eine ihrer eigenen Ikonen sind die winzigen Aufzüge aus dem Jahr 2001 von Maurizio Cattelan (1950), die achtlos in einer Wand versteckt sind. Die kleinen Schiebetüren öffnen und schließen sich, begleitet von Geräuschen. Ein junges Mädchen hockt sich für die Arbeit hin und stößt einen freudigen Schrei aus: Wenn sie nicht bis zu ihren Knöcheln reichen würden, würde sie sofort eingreifen wollen.
Dieses Gefühl der Wiedererkennung, das in Entfremdung übergeht, ist charakteristisch für die Ausstellung: So wird zum Beispiel die weltberühmte „Wisteria“ (1917–20) von Claude Monet (1840–1926) mit einer zylindrischen Glasskulptur (2012–13) von Roni Horn (1955) kombiniert. Indem man sie aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und mit wechselndem Licht betrachtet, betonen die Werke die Flüssigkeit der Bilder und die Veränderung dessen, was Farben, Materialien und Formen auf den ersten Blick zu sein scheinen.
Wörtlich unentbehrlich ist die gigantische Skulptur des kauernden Jungen (1999) von Ron Mueck (1958). Trotz seiner Größe versucht der Junge, sich zu verstecken, und versteckt sich hinter seinen Armen. Daneben hängt Andy Warhols (1928–87) Werk „Camouflage“ (1986), das mit seiner leuchtenden Farbkombination nach Aufmerksamkeit schreit. Mit solch sichtbaren und unsichtbaren Verbindungen gibt es in der Ausstellung immer etwas Neues zu entdecken.
Nähere Informationen: Museum Voorlinden, Buurtweg 90, Wassenaar, Telefon: +31 705121660, E-Mail: info@voorlinden.nl, Internet: www.voorlinden.nl
Live-Interview + Katalog ‚From Dusk Till Dawn‘
Am Donnerstag, 5. November (ab 15 Uhr), wird der Ausstellungsleiter Stefan Kuiper im Dordrechtser Museum von Chefredakteur Jeroen Junte zu ‚From Dusk To Dawn‘ interviewt.
Sie erhalten außerdem den Katalog, der diese Ausstellung über die Nacht in der Malerei des siebzehnten Jahrhunderts begleitet. Sie werden mit einer Tasse Kaffee begrüßt, danach findet das Interview im historischen Schouman-Raum im Museum statt. Anschließend gibt es die Gelegenheit, die Ausstellung in Anwesenheit von Stefan Kuiper und Jeroen Junte zu besuchen.
Praktische Informationen
Wann: Donnerstag, 5. November ab 15:00 Uhr, Wo: Dordrechts Museum, Museumstraat 40, Dordrecht
Programm
14.30 Uhr: Walk-in, Kaffee und Übergabe des Katalogs
15 Uhr: Beginn des Interviews
16 Uhr: Ausstellungsbesuch
Preis 30 Euro (inkl. Kaffee + Eintritt + Katalog).Bitte beachten Sie: maximal 50 Teilnehmer, registrieren Sie sich vor dem 30. Oktober, voll = voll! Stornierungen können bis zu maximal 48 Stunden im Voraus erfolgen, wobei der Grund angegeben wird.
Nähere Informationen: Dordrechts Museum, Museumstraat 40, 3311 XP Dordrecht, Telefon: +31 (0)78 770 8708, E-Mail: info@dordrechtsmuseum.nl
Dämmerung der Götter – Frans Franciscus
Um 1980 gab es einen Wandel in der Kunst. Die Dominanz der modernen, abstrakten Kunst neigte sich dem Ende zu, und figurative Künstler traten ins Licht. In diesen postmodernen Jahren begann Frans Franciscus seine Karriere. Mit seiner herausfordernden Figuren, in der er Verbindungen zu klassischen Meistern herstellt, eroberte er schnell einen herausragenden Platz in der niederländischen Kunstwelt.
Über Frans Franciscus
Frans Franciscus (Utrecht, 1959) lebt und arbeitet in Amsterdam. Von 1982 bis 1986 studierte er an der Utrechter Kunstakademie. In Franziskus‘ Werk spiegelt sich der Mensch in all seinen Facetten wider. Auf kritische, scharfsinnige und oft witzige Weise stellt er Themen wie Vielfalt, Ungerechtigkeit und Liebe in wunderschönen, klassischen Werken unserer Zeit dar.
Nähere Informationen: Centraal Museum, Agnietenstraat 1, Utrecht, Telefon: +31 302362362, E-Mail: info@centraalmuseum.nl, Internet: http://www.centraalmuseum.nl
Liegende Figuren
Die Ausstellung „Reclining Figures“ vereint eine einzigartige Auswahl von Skulpturen rund um eines der ältesten und bekanntesten Motive der Bildhauerei: die liegende Figur. Seit der Antike symbolisiert dieses Thema nicht nur Frieden und Reflexion, sondern auch die intrinsische Verbindung zwischen Mensch und Umwelt.
In der modernen Kunst wurde das Motiv der liegenden Figur von Henry Moore innovativ interpretiert, der die liegende Figur nutzte, um die komplexe Beziehung zwischen dem menschlichen Körper und der Landschaft zu untersuchen. In seinen Fußstapfen folgten Künstler wie Charlotte van Pallandt, Mimmo Paladino und Hans Opdebeeck, die jeweils ihre eigene persönliche Interpretation des Themas gaben und mit verschiedenen Formen, Materialien und Techniken experimentierten.
Diese Ausstellung bietet einen reich gefächerten Überblick über sowohl abstrakte als auch figurative Ansätze zur liegenden Figur in moderner und zeitgenössischer Skulptur und zeigt, wie dieses zeitlose Motiv zu erneuertem Dialog, Dialog und Vertiefung innerhalb der bildenden Künste inspiriert.
Nähere Informationen: Museum Beelden aan Zee, Harteveltstraat 1, Den Haag, Telefon: +31 703585857, E-Mail: pr@beeldenaanzee.nl, Internet: www.beeldenaanzee.nl
Matthew Monahan – Linker Weg
Anlässlich von zwei Neuankäufen und einer großzügigen Spende des Künstlers wird das De Pont Museum im Herbst 2026 mehrere Räume mit Skulpturen, Reliefs und Papierarbeiten von Matthew Monahan (1972, Eureka, USA) einrichten.
In seinen Skulpturen und Zeichnungen arbeitet Monahan mit einer Vielzahl von Materialien, darunter Aluminium, Papier, Bronze, Gips, Stahl, Blech und Kunststoff. Er formt diese Materialien so, dass ihre Identität niemals eindeutig ist: Was hart erscheint, ist weich und verletzlich, und was zerbrechlich erscheint, ist starr und industriell. Hinweise auf einen fast alchemistischen Umgang mit Material gehen Hand in Hand mit einem starken Gefühl der Fragmentierung.
Die menschliche Figur steht im Mittelpunkt, erscheint aber immer in Stücken: lose Gliedmaßen, Köpfe und Fragmente, die abgebrochen, verschoben und wieder zusammengesetzt wurden. Die Skulpturen rufen ein Gefühl von Verfall, Zusammenbruch und Auflösung hervor, während sie gleichzeitig Raum für eine neue, zusammengesetzte Schönheit schaffen. Stahlstrukturen dienen sowohl als Träger als auch als Käfige, durch die sich die Skulpturen bewegen.
Fragmentierung ist für Monahan kein Zufall, sondern eine bewusste Strategie. Seine Methode ruft Assoziationen mit dem Unvollendeten und dem Traumähnlichen hervor, in denen Formen falten, knittern, brechen und zerfallen. Die Falte spielt dabei eine zentrale Rolle: manchmal elegant, manchmal gewalttätig, bis zu dem Punkt, dass das Material buchstäblich zusammenbricht. In diesem Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Verlust entsteht ein reiches Feld von Bedeutungen und Assoziationen.
Nähere Informationen: De Pont Museum, Wilhelmina Park 1, Telefon: +31 135438300, E-Mail: info@depont.nl, Internet: http://www.depont.nl