Ausstellung über den Bentheimer Grenzlandausschuss im Stadtmuseum Nordhorn

Als Reparationsforderungen für die im Zweiten Weltkrieg entstandenen Schäden und Verluste forderten die Niederlande 1946 die Abtretung von Gebieten entlang der westdeutschen Grenze. Betroffen waren 18 Landkreise in einer Linie von Borkum bis nach Aachen. Eines der größten Gebiete stellte dabei die Niedergrafschaft dar. Diese Pläne waren auch der Anschub für den Emslandplan, der am 5. Mai 1950 vom Bundestag beschlossen wurde.

Vor diesem historischen Hintergrund wurde am 12. Februar 1947 der Bentheimer Grenzlandausschuß gegründet, als sich in Bentheim die Regierungspräsidenten und die sechzehn Landräte der von den niederländischen Gebietsansprüchen betroffenen Kreise im deutsch-niederländischen Grenzgebiet versammelten und Protest gegen jegliche Abtretung deutschen Territoriums an die Niederlande erhoben. Den Vorsitz führte der Landrat des Landkreises Grafschaft Bentheim, Dr. Rudolf Beckmann.
Der Ausschuß nahm in Form eines Gutachtens Stellung zu Gebietsansprüchen und zu wirtschaftlichen und wasserwirtschaftlichen Forderungen der Niederlande, unter anderem die Forderung von Kohle-, Kali- und Ölkonzessionen sowie nach Beschränkung der Ein- und Ausfuhr in deutschen Seehäfen. Ein Aufgabenschwerpunkt war die Beratung und rechtliche Vertretung von deutschen Landwirten, deren Grundstücke (sogenannte Traktatgrundstücke) auf niederländischem Territorium aufgrund des Pariser Reparationsabkommens vom 14. Januar 1946 in den Niederlanden beschlagnahmt worden waren. Seit 1952 verhandelten die Bundesrepublik Deutschland und die Niederlande über die Rückgabe der Traktatgebiete. Zu diesem Zweck wurde eine deutsch-niederländische Studienkommission eingesetzt, der auch Vertreter des Bentheimer Grenzlandausschusses angehörten. Die Verhandlungen endeten mit dem deutsch-niederländischen Ausgleichsvertrag vom 8. April 1960, der die Rückgabe der 1949 unter niederländische Verwaltung gestellten Grundstücke an die Bundesrepublik Deutschland und den Verlauf der gemeinsamen Grenze regelte. Die offizielle Auflösung des Bentheimer Grenzlandausschusses erfolgte am 12. Februar 1964.

Die Tätigkeiten, Organisation und Wirkung dieses Gremiums, das sich als „Demokratie von der Basis aus“ verstand, stehen im Mittelpunkt der neuen Sonderausstellung im Stadtmuseum Nordhorn im NINO-Hochbau an der NINO-Allee. Die offizielle Eröffnung erfolgt am Sonntag, 28. September, 11.30 Uhr. Die Begrüßung der Gäste wird von Dr. Werner Rohr, Vorsitzender des Grafschafter Museumsvereins, vorgenommen. Das Grußwort wird von Uwe Fietzek, Landrat der Grafschaft Bentheim, gehalten, die Eröffnungsrede von Nadine Höppner, Museumsleiterin. Die Ausstellung ist bis zum 8. März 2026 zu sehen.

Zum Stadtmuseum Nordhorn

Das Stadtmuseum Nordhorn zeigt im 1. Obergeschoss im NINO-Hochbau auf einer Fläche von mehr als 1200 Quadratmetern die große Textil- und Modegeschichte Nordhorns. Über 100 Jahre lang galt der Satz „Nordhorn hängt am Baumwollfaden“. Zu Beginn der 1960-er Jahre zählten die großen Textilbetriebe der Stadt – NINO, Povel und Rawe – noch fast 12.000 Mitarbeiter, die Jahr für Jahr Millionen Meter Stoff produzierten. Eine Zeit, in der insbesondere das Unternehmen NINO in die „Champions League“ der europäischen Textilindustrie aufstieg. Wie viele andere in Westeuropa ansässige Textilfabriken mussten auch NINO, Povel und Rawe den Verwerfungen der in den 1970-er Jahren einsetzenden Globalisierung Tribut zollen. Im Sommer 2001 stellte mit Rawe die letzte der einst „Großen Drei“ Nordhorner Textilfabriken die Produktion ein. Die Grafschafter Textil- und Bekleidungsindustrie stellte sich neu auf – von Stoff- und Zutatenhändlern über die Mode- und Arbeitskleidung bis hin zur Qualitätssicherung zeigt das Stadtmuseum auch die Textilwelt in der Grafschaft Bentheim heute.

In der Dauerausstellung im NINO-Hochbau präsentiert das Museum zahlreiche Fotografien, Film- und Fernsehreportagen, Betriebszeitschriften, Gemälde, Arbeitsurkunden und Objekte rund um die Grafschafter Textilindustrie. Die Exponate verbinden sich zu einem umfassenden Einblick in die Arbeitswelt der Industriegeschichte Nordhorns. Einzigartiger Bestandteil der Ausstellung sind dabei die Einblicke in die bundesweit einzigartige Sammlung von Industrie- und Modefotografien, unter anderem mit Aufnahmen der Fotografen Rudolf Bulla, Charles Compére, Otto Steinert, Ferdinand Tesch, Alfred Tritschler oder Dr. Paul Wolff.

Stichwort: Textilkultur


Die Dauerausstellung des Stadtmuseums ist eine Hommage an die Mode- und Werbewelt der Nordhorner Textilindustrie. Eine ständig wechselnde Auswahl aus den mehr als 100.000 Fotografien der Museumssammlung, Modezeitschriften, Original-Kleidungsstücken aus NINO-, Povel- und Rawe-Stoffen, Hunderte von Musterbüchern und Mustercoupons, Kollektionskataloge und Werbeartikeln aus der NINO-, Povel- und Rawe-Historie vereinen sich zu einer Zeitreise durch die von den Nordhorner Textilern inspirierte Modewelt der Nachkriegsjahrzehnte.

Ein großer Teil der ausgestellten Modefotografien entstand im Zuge der zwischen 1950 und 1990 mit Millionenaufwand in Szene gesetzten Markenwerbung für Kleidung aus NINO-Stoffen wie der berühmten „NINO-Flex-Mantel“. Modereportagen illustrierten weltweit in Zeitschriften wie „Vogue“, „Stern“, „Brigitte“, „Petra“, „Film und Frau“ oder auch der 60er-Kultzeitschrift „TWEN“. Zu entdecken gibt es Bilder von Fotografen-Legenden wie Helmut Newton, F.C. Gundlach, Guy Bourdin, Frank Horvat, Hans-Günther Kaufmann, Charlotte March, Christa Peters, Rico Puhlmann oder Regina Relang. Themeninseln erzählen zudem die Geschichte der Zusammenarbeit von NINO mit berühmten Desigern wie Karl Lagerfeld, Daniel Hechter oder Heinz Oestergaard.

Zur Abrundung der Zeitreise durch die Textil- und Modewelt lädt das Stadtmuseum jeden ein, im „Dressing Room“ historische Kleidung selbst auszuprobieren.

Nähere Informationen: Stadtmuseum im NINO-Hochbau, NINO-Allee 11, 1. Obergeschoss links, 48529 Nordhorn, Telefon: 05921 721500, E-Mail: kontakt@stadtmuseum-nordhorn.de, Internet: www.stadtmuseum-nordhorn.de. Das Museum ist dienstags bis samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 uhr geöffnet.

Quellen: Deutsche Digitale Bibliothek / Bundesarchiv, Internetseite des Stadtmuseums Nordhorn

„Herbst 89 – Auf den Straßen von Leipzig“ für den Grimme Online Award nominiert

Die interaktive Graphic Novel „Herbst 89 – Auf den Straßen von Leipzig“, ein Serious Game des Deutschen Historischen Museums (DHM) in Berlin, ist für den renommierten Grimme Online Award 2025 nominiert worden. Manche kennen das Spiel vielleicht aus der Ausstellung „Roads not taken. Oder: Es hätte auch anders kommen können“. Die Abstimmung ist noch bis zum 1. Oktober 2025, 23.59 Uhr, über die Internetseite des Museums möglich.

Worum geht es in dem Spiel?

„Herbst 89 – Auf den Straßen von Leipzig“ lädt dazu ein, in einer interaktiven Graphic Novel in die Rolle unterschiedlicher Akteure zu schlüpfen und aus deren Perspektive die friedlichen Proteste vom 9. Oktober 1989 in Leipzig zu erleben.

An diesem Tag gingen über 70.000 Menschen auf die Straße, um gegen das DDR-Regime zu protestieren. Viele fürchteten eine gewaltsame Niederschlagung der Proteste. Jene Ereignisse, welche als Schlüsselmomente der „Friedlichen Revolution“ in die Geschichte eingehen sollten, waren keineswegs absehbar. Sie waren das Ergebnis von konkreten Entscheidungen und Handlungen, teils auch von Zufällen.

In der Graphic Novel können die Spielerinnen und Spieler den Verlauf dieses historisch bedeutsamen Tages – zum Beispiel in der Rolle der Bürgerrechtlerin Sabine T. oder des Bereitschaftspolizisten Thomas Z. – erleben und durch eigene Entscheidungen beeinflussen. Wird es gelingen, den Tag friedlich zu halten?

Über den Museumsverein Deutsches Historisches Museum

Bereits Anfang des Jahrtausends nahm der Gedanke Gestalt an, einen Förderverein für das Deutsche Historische Museum (DHM) zu gründen. Zwar war die finanzielle Ausstattung des Hauses verhältnismäßig gut, dagegen war es „zu wenig in der Öffentlichkeit verankert“, wie sich Felix Pongratz, Gründungsmitglied und Schatzmeister des 2004 gegründeten Museumsvereins erinnert. „Man wollte mehr Rückhalt in der Bevölkerung und auch mehr Prominenz an der Seite“. Ehrenpräsident des jungen Vereins wurde Hans-Dietrich Genscher, langjähriger deutscher Außenminister und selbst eine herausragende Persönlichkeit der Zeitgeschichte. Erster Vorsitzender war der ehemalige ZDF-Intendant Prof. Dieter Stolte. Immer mehr Unterstützerinnen und Unterstützer kamen hinzu, sodass der Museumsverein aktuell über 800 Mitglieder zählt. Die Mitglieder lernen „ihr“ Museum in einem abwechslungsreichen Mitgliederprogramm kennen, schauen hinter die Kulissen und lauschen bei den Zeughaus-Gesprächen prominenten Gästen in der Diskussion über aktuelle Themen der Geschichte und Gegenwart.

Inzwischen gehört das DHM sicher zu den bekanntesten Museen Deutschlands. Neben dem Begeistern für das DHM und für Geschichte ist die Unterstützung des Museums beim Bewahren nach wie das wichtigste Anliegen des Vereins. „Wir springen ein, wenn das Museum selbst etwas nicht leisten kann“, erklärt Felix Pongratz den Grundgedanken. Der Verein kauft Objekte für die Sammlung des DHM und fördert unterschiedlichste Projekte, seien es Publikationen, Restaurierungen oder Workshops.

Manchmal sind es finanziell kleine Beiträge, wie etwa die Finanzierung der Restaurierung der Standuhr von Johann Pfister, die weniger als 20 Mitgliedsbeiträge gekostet hat, aber für die Präsentation der Uhr in der Dauerausstellung dringend notwendig war. Mal sind es große Vorhaben, die nur mit einer Spendenaktion realisiert werden kann. Hier lässt sich zum Beispiel der mit dem DHM gemeinsam finanzierte Ankauf des Gemäldes „Zerstörung 2″ von Felix Nussbaum aufführen, bei dem der Museumsverein neben gesparten Vermögen aus Mitgliedsbeiträgen auf eine Spendenaktion angewiesen war. 45.000 Euro kamen dabei zusammen. Das Gemälde soll in der neuen Ständigen Ausstellung mit zwei weiteren Gemälden von Felix Nussbaum ausgestellt werden, um eine Opferperspektive auf Verfolgung im Nationalsozialismus zu veranschaulichen.

Nähere Informationen: Museumsverein des Deutschen Historischen Museums, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, E-Mail: dhm-museumsverein.de

Feuer und Flamme – eine Ausstellung von „weben+“

Eine Ausstellung im Tuchmacher Museum Bramsche zeigt das Handwerk des Webens.

Die Farben des Feuers sind Inspiration für diese Ausstellung und Symbol zugleich: Sie stehen für die Begeisterung, das Entbranntsein für das Handwerk Weben. Die Wanderausstellung zum 20-jährigen Bestehen des Vereins „weben+“, die noch bis zum 7. September im Tuchmacher Museum Bramsche zu sehen ist, macht deutlich, dass Handweben nicht nur eine Technik zum Herstellen von Geweben ist, sondern immer auch Ausdruck kreativer Arbeit.

Bekleidung, Heimtextilien, Meterware und künstlerische Arbeiten: Die Exponate aus allen Bereichen der Handweberei zeigen den Entwicklungsprozess der Arbeit, den Weg von der ersten Idee über Skizzen, Farbzusammenstellung, Garnauswahl, Bindungen, Webtechnik und Nachbehandlung bis zum fertigen Gewebe. Die ungewöhnliche Ausstellung gibt tiefe Einblicke in den spannenden Schaffensprozess der Weber:innen und ihre Begeisterung für die Handweberei.

Lange bevor das Handweben 2023 von der Deutschen UNESCO-Kommission in die Liste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde, gründete sich im Jahr 2000 der Verein „weben+“ mit dem Ziel, die textile Kultur des Handwebens zu erhalten, zu fördern und weiterzuentwickeln. Seitdem werden die handwerklichen Fertigkeiten und das Wissen um sie nicht nur durch Ausstellungen, sondern auch in Fortbildungen, Fachgruppen und zahlreichen anderen Aktivitäten weitergegeben.

Heute gehören dem Verein 400 Mitglieder an. 32 Handweberinnen und Handweber von ihnen haben ihre Arbeiten zur Ausstellung beigesteuert und den Entstehungsprozess in einer Begleitbroschüre dokumentiert, die im Museum erhältlich ist.

Nähere Informationen: Tuchmacher Museum Bramsche, Mühlenort 6, 49565 BramscheTelefon: 05461 94510, E-Mail: info@tuchmachermuseum.de

„Behind Beauty“ – Hinter den Kulissen der Schönheitsindustrie

Ausstellung im LWL-Museum Textilwerk in Bocholt

Mode und Accessoires, Kosmetik und Düfte aber auch Chirurgie, Sport und Ernährung – all das und noch viel mehr ist Teil der Schönheitsindustrie, die weltweit für mehr 500 Milliarden US-Dollar Umsatz im Einzelhandel sorgt. Doch wo kommen die Trends her? Wer bestimmt, was „Schönheit“ ist und wie Mann oder Frau sie erreichen können?

Mit vielen interaktiven Ausstellungseinheiten präsentiert das LWL-Museum Textilwerk in Bocholt noch bis zum 1. November 2026 auf über 600 Quadratmetern auch die Rolle der Werbung und der Medien sowie den Einfluss von Social Media.

Das Spektrum der rund 800 Exponate reicht von Kleidern und formender Wäsche über Lockenwickler, Rasierer, Lippenstifte und Utensilien aus dem Fitnessstudio bis hin zu denen der Schönheitschirurgie wie Spritzen und Brustimplantate. Höhepunkte sind unter anderem Kleid und Krone der ersten und einzigen deutschen Miss Universe Marlene Schmidt (1961) sowie ein Yves Saint Laurent-Kostüm von Marlene Dietrich aus den 1970-er Jahren.

Videointerviews mit Protagonisten und Protagonistinnen der Branche, darunter ein Schönheitschirurg, die Chefin einer Kosmetikfirma, die Betreiberin einer Model-Agentur und ein Curve-Model, geben Einblicke in verschiedene Geschäftsfelder. Viele Mitmach-Stationen, Spiegel, ein Laufsteg und eine Selfie-Station laden dazu ein, sich mit der eigenen Einstellung zum Thema Schönheit zu beschäftigen.

Öffentliche Führung durch die Sonderausstellung finden jeden Sonntag um 15 Uhr statt. Am Donnerstag, 18. September, und am Donnerstag, 30. Oktober, jeweils in der Zeit von 18 – 20 Uhr, wird eine Kuratorführung mit einem Glas Sekt für 10 Euro inklusive Eintritt angeboten. Für eine Gruppenführung „Behind Beauty“ von zirka 60 Minuten werden 45 Euro zuzüglich Eintritt berechnet.

Nähere Informationen: LWL-Museum Textilwerk, Weberei: Uhlandstraße 50, 46397 Bocholt, Spinnerei (auch Postadresse): Industriestraße 5, 46395 Bocholt, Telefon 02871 21611-210, Fax 02871 21611-266, E-Mail textilwerk@lwl.org

„Ivna Esajas – In The Garden of My Good Days“

In The Garden of My Good Days“ ist die erste museale Einzelausstellung der Amsterdamer Künstlerin Ivna Esajas in den Niederlanden. Zu sehen ist sie vom 6. September 2025 bis 2. Februar 2026 im „Museum de Fundatie“ in Zwolle.

In dieser Ausstellung erkundet Ivna Esajas Wege, den Raum des Museums herauszufordern und ihren Platz im wörtlichen und übertragenen Sinne zu behaupten. Mit ihrer Arbeit weigert sie sich, festen Vorstellungen von Schönheit oder Perfektion zu entsprechen. Das Werk existiert, und das ist wertvoll genug.

Oft sind es Gedichte, die Ivna inspirieren und in denen sie einen Sinn findet. Sie nähern sich dem Kern ihres Werks, ohne es zu erklären oder ihm eine ausdrückliche Botschaft zu geben. So kann man als Betrachter das Werk auch selbst interpretieren. Der Titel der Ausstellung stammt aus dem Gedicht „The Ragged and the Beautiful“ der jamaikanischen Dichterin und Schriftstellerin Safiya Sinclair.

Ivna schafft großformatige Zeichnungen auf Leinwand, Kompositionen von Figuren, die den Alltag und die Welt der Schwarzen und deren Vorstellungswelt erkunden. Die Figuren sind miteinander verbunden, teilen ihre Körper, berühren und halten sich gegenseitig, als ob ihr individuelles Gleichgewicht von ihrer Einheit, Solidarität, Freude und Liebe abhängt. Weit entfernt von jeglichem äußeren Urteil oder Zwang.
Ihr Werk entsteht intuitiv. Sie folgt den Linien auf der Leinwand, erkundet Form und Zwischenform. Linien, die Vergangenheit und Gegenwart, persönliche Geschichten und Erinnerungen miteinander verbinden. Diese Geschichten und Erinnerungen wandern durch das Universum und verbinden Vergangenheit und Gegenwart mit dem, was wir sehen und fühlen.

Ivna Esajas hat ein Atelier in Amsterdam Zuidoost, bei der Open Ateliers Stichting (Kruitberg). Sie erwarb ihren Master am Sandberg Institut im Programm „Blacker Blackness“ (2023). Im Jahr 2024 erhielt sie das Stipendium des Mondriaan-Fonds „Artist Start“.
Ihre Arbeiten wurden bereits in einer Einzelausstellung im „Metro54“ in Amsterdam (2024) und in verschiedenen Gruppenausstellungen gezeigt, unter anderem im „CBK Zuidoost“ (2024), im „Kunstenlab“ (2023) und bei den Open Ateliers Zuidoost (2023).

Nähere Informationen: Museum de Fundatie, Blijmarkt 20, 8011 NE Zwolle, Telefon 0031 572388188, E-Mail info@museumdefundatie.nl und Internet www.museumdefundatie.nl. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr.

Maria Abramović und MAI im Dialog mit Joseph Beuys

Zum ersten Mal tritt die international renommierte Künstlerin Marina Abramović mit dem Marina Abramović Institute (MAI) in einen direkten künstlerischen Dialog mit dem Erbe von Joseph Beuys, einem der einflussreichsten Wegbereiter der Aktionskunst. Veranstaltungsort ist das Schloss Moyland. Eröffnet wird die Ausstellung am 13. Juli, 14.30 Uhr.

Zugleich ist es das erste Mal, dass sich das MAI und die beteiligten Künstlerinnen und Künstler in einem langfristigen Projekt mit den Beständen einer sammelnden Institution auseinandersetzen. Bereits 2005 reinterpretierte Abramović Beuys‘ ikonische Performance „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ im New Yorker Guggenheim Museum.

Die Ausstellung im Museum Schloss Moyland bringt nun die Dokumentation der beiden Inszenierungen zusammen und präsentiert sie im Kontext historischer Plastiken, Archivmaterialien und Zeichnungen von Beuys aus der Sammlung. Im März war im Rahmen eines interdisziplinären Residenzprogramms eine Gruppe von dreizehn internationalen Performance-Künstlerinnen und -Künstlern eingeladen, Beuys’ künstlerische Herangehensweisen zu erforschen und neue ortspezifische Performances für das Museum Schloss Moyland zu entwickeln.

Während der Ausstellung sind die Performances im Schloss und im Park des Museums zu sehen. Die Ausstellung erweitert somit den Rezeptionsrahmen der künstlerischen Arbeiten sowohl von Beuys als auch Abramović und bietet neue Perspektiven auf die Schnittstellen von Performance, Aktionskunst und Archivforschung.

Eine künstlerische Verbindung über Generationen hinweg

Ein zentraler Fokus der Ausstellung liegt auf der ikonischen Performance „Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ von Joseph Beuys aus dem Jahr 1965 und ihrer Re-Performance durch Marina Abramović. Beuys führte diese Aktion erstmals in Düsseldorf auf: Mit Honig und Blattgold bedeckt, schob und zog er das Tier mit seinen Händen und Zähnen durch den Raum der Galerie Schmela. Vierzig Jahre später brachte Marina Abramović Beuys’ Werk in einen neuen Kontext: In ihrer legendären Performance-Serie „7 Easy Pieces“ (2005) im New Yorker Guggenheim Museum rekonstruierte sie ikonische Arbeiten der Performancekunst – darunter auch von Beuys.

Die Ausstellung stellt die beiden Inszenierungen erstmals direkt gegenüber. Während Beuys als Mann aus der deutschen Kriegsgeneration einst die Bilder dem Hasen „erklärte“, wird diese Aufgabe nun von einer Frau und Künstlerin der Nachkriegsgeneration aus dem kommunistischen Jugoslawien aufgegriffen. So entsteht die einmalige Möglichkeit, die symbolische Bedeutung des toten Hasen in der neu eröffneten Ausstellungshalle des Museums, aus zwei unterschiedlichen Perspektiven zu erleben.

Joseph Beuys hat seit den 1960er Jahren entscheidend zur Entwicklung der Performancekunst beigetragen. Indem er seine skulpturalen Arbeiten erweiterte und den eigenen Körper als Medium nutzte, ebnete er den Weg für nachfolgende Künstlergenerationen. Marina Abramović, Ulay und zahlreiche mehr stehen in dieser Linie und entwickeln sie weiter.

Eine neue Generation internationaler Performance-Künstler

Das interdisziplinäre Residenzprogramm verbindet dreizehn herausragende Performance- Künstlerinnen und Künstler, die aus verschiedenen Teilen der Welt auf das Erbe von Beuys und Abramović treffen. Das Marina Abramović Institute (MAI) setzt erstmals im Museum Schloss Moyland eine Residency um, in deren Rahmen neue Performances entstehen. Inspiriert von Beuys’ Werken, der Sammlung und den Archivalien entwickelten die Performerinnen und Performer neue Arbeiten, die speziell für das Museum Schloss Moyland und das umliegende Parkgelände konzipiert wurden. Die Performances finden täglich während der Öffnungszeiten statt – acht Stunden pro Tag, an jedem dritten Donnerstag im Monat sogar zehn Stunden. Mit ihren individuellen Perspektiven, kulturellen Erfahrungen und performativen Ansätzen setzen sich die Künstlerinnen und Künstler mit dem Denken von Joseph Beuys auseinander und übertragen seine Impulse in einen zeitgenössischen Kontext. Dabei entstehen Performances, die nicht nur den Beuys-Bestand des Museums auf völlig neue Weise aktivieren, sondern auch eine unmittelbare, lebendige Interaktion zwischen Kunst, Ort, Raum und Besuchern schaffen.

So interessiert sich Sandra Johnston speziell für die Verbindungen, die Beuys nach Irland unterhielt, wo er zum Aufbau der zeitgenössischen Kunstszene entscheidend beitrug.

Martin Toloku beschäftigt sich mit ritualistischen Handlungen in Beuys‘ Schaffen.

Michelle Samba richtet den Blick auf Beuys‘ Institutions- und Verwaltungskritik und verbindet dies mit ihrer eigenen Biografie.

In seinen feinsinnigen Reflexionen über den Körper in der Natur bringt Eşref Yıldırım poetisch-performative Ebenen zum Vorschein.

Luisa Sancho-Escanero, Evan Macrae Williams und Yan Jun Chin vom Pfalztheater Kaiserslautern zeigen ebenfalls ein großes Interesse an Körperlichkeit – insbesondere an den tänzerischen Elementen in Beuys‘ zeichnerischem und performativen Werk.

In der Arbeit von Virginia Mastrogiannaki greift die Künstlerin auf die Europäische Verfassung und die Reden von Anacharsis Cloots zurück – jenem visionären Revolutionär aus Kleve, der von Beuys als geistiger Verbündeter verehrt wurde.

Das Interesse von Maria Stamencović Herranz gilt der Verknüpfung politischer Unruhen und kollektiver revolutionärer Handlungen, zu Beuys‘ Zeiten und in der Gegenwart.

Isaac Chong Wai, der 2024 in der Hauptausstellung der Biennale von Venedig zu sehen war und schon 2022 eine Ausstellung im Dialog mit Beuys im Museum Schloss Moyland realisierte, überträgt Beuys’ Interesse an alltäglichen Handlungen und Materialien in ein transformiertes Raumgefüge.

Die Preisträgerin des Förderpreises des Landes NRW 2023, Cristiana Cott Negoescu beschäftigt sich mit ritualisierten Handlungen unter inhumanen Arbeitsbedingungen. Ihre Performance verweist auf gesellschaftliche Themen des globalen Kapitalismus.

Rubiane Maia spannt den Bogen zwischen den ökologischen Herausforderungen unserer Zeit – einer Frage, die Joseph Beuys bereits früh beschäftigte – und den historischen Handelsrouten des Kolonialismus und der Sklaverei, die unsere Gegenwart bis heute beeinflussen.

Francesco Marzano, der zu den Studenten von Marina Abramović im ersten Jahrgang der Pina Bausch-Professur an der Folkwang Universität der Künste Essen gehörte, kommt ursprünglich aus der Musik. Er wird sich mit dem Rhythmus des individuellen und kollektiven Atmens beschäftigen. Durch den globalen Dialog zwischen aktuellen Performance-Strömungen und historischen Archivmaterialien entsteht ein einzigartiger Prozess und ein neuer multiperspektivischer Austausch zum Oeuvre von Beuys. Die Ausstellung verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Utopien der Zukunft, erforscht das performative Potenzial von Beuys’ Schaffen neu und hinterfragt die Grenzen des Museums.

Nähere Informationen: Stiftung Museum Schloss Moyland, Am Schloss 4, 47551 Bedburg-Hau, Telefon: +49 (0)2824 9510-60, E-Mail: info@moyland.de. Geöffnet ist Sommer (1. April bis 31. Oktober), Montag 11 bis 17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage 10 bis18 Uhr, Winter (1. November bis 31. März), Montag 11 bis 17 Uhr (nur Parkanlage), Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr.

Vom Kloster zum Ort für Kunst und Kultur

Ort für lebendige Geschichte aber auch zeitgenössische Kunst ist das bei Hörstel gelegene Kloster Gravenhorst.

Idyllisch inmitten von Wäldern und Wiesen ist das Kloster Gravenhorst angesiedelt, das im Jahre 1256 von dem Tecklenburger Ritter Konrad von Brochterbeck gemeinsam mit seiner Frau Amalgarde von Budde gegründet wurde. Erste Äbtissin wurde deren gemeinsame Tochter Oda, die es in der Folgezeit verstand, den Klosterbesitz zu mehren und dafür zu sorgen, dass der von ihr ins Leben gerufene Zisterzienser-Orden zwar nicht offiziell anerkannt, aber dennoch geduldet wurde. Trotz der Übergriffsversuche weltlicher Herren und der beständigen Auseinandersetzungen mit dem Generalkapitel der Zisterzienser, dem die große Selbständigkeit der Gravenhorsterinnen sowie deren enger Kontakt mit ihrem weltlichen Umfeld immer missfiel, gelang es der kleinen Gemeinschaft, bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts die Eigenständigkeit zu wahren und ihre Interessen gegen alle Widerstände durchzusetzen. Nach der endgültigen Auflösung des Orden im Jahre 1808 folgten zahlreiche Besitzerwechsel und unterschiedliche Nutzungen der Klostergebäude. Zuletzt war dort eine Champignonzucht untergebracht, ehe der Trägerverein Kloster Gravenhorst die Anlage 1986 kaufte. Ende der 1990-er Jahre übernahm der Kreis Steinfurt das Kloster Gravenhorst als erbbauberechtigter Projektträger und bemühte sich in den Folgejahren um eine neue Nutzung des sanierungsbedürftigen Gebäudeensembles. Ein kulturelles Nutzungskonzept wurde im Rahmen des Strukturförderprogramms „Regionale 2004 links und rechts der Ems“ des Landes Nordrhein-Westfalen erstellt, das die notwendigen Gelder für die Instandsetzung bereitstellte. Im Mai 2004 war es dann so weit, dass das DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst seine Pforten öffnen konnte.

Seitdem zieht die fulminante Rekonstruktion der fast vollständig erhaltenen Klosteranlage Gravenhorst das Publikum nicht mehr nur als atmosphärisch dichtes Ausstellungsforum für Zeitgenössische Kunst in seinen Bann. Sie macht auch neugierig, mehr über die Geschichte des Ortes zu wissen, der in seiner architektonischen Gestalt über ferne Zeiten zu berichten scheint. Wie das DA Kunsthaus Kloster Gravenhorst auf seiner Internetseite schreibt, wird mit der Nutzung als Kunstort auf die spirituellen Wurzeln des Ortes zurückverwiesen. Wörtlich heisst es weiter: „… Kunst wie Religion erweitern unsere Wahrnehmung, unser Bewusstsein und unsere Vorstellung von Welt und Wahrhaftigkeit. Damit scheint der Ort heute gewissermaßen an seine ursprüngliche Bestimmung zurückgeführt zu sein. Mit dem DA, Kunsthaus wird im Kloster Gravenhorst ein Kreis geschlossen und der Ort bleibt dennoch lebendig und in ständiger Veränderung.“

Und wofür steht das DA?

Dazu schreiben die Verantwortlichen des Hauses Folgendes: „DA wurde von der konzeptionellen Bezeichnung des ehemaligen Klosters als Denk-Mal-Atelier abgeleitet. Mit dieser Bezeichnung wird zugleich auf die historische und architektonische Bedeutung des Klosterensembles und auf die aktuelle Produktion und Auseinandersetzung mit Kunst hingewiesen. Der Begriff „Atelier“ verweist auf die Produktion von Kunst.
 Auseinander geschrieben verweist der Begriff »Denk-Mal-Atelier« auf wichtige Bestandteile des Programms:
Denk = Vermittlung von Wissen über Kunst, Aufforderung zur kritischen Auseinandersetzung mit Kunst.
Mal = verweist auf »malen«, im übertragene Sinne auf das »Selber tun«, machen = erlebnisorientierte, aktive Auseinandersetzung mit Kunst.
Atelier = Produktion, Werkstattcharakter, Experimentierfeld und Forum für Künstler und Laien, Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Die Kürzung der Bezeichnung Denk-Mal-Atelier zum DA war ein gelungener Kunstgriff und eine Marketingstrategie der Firma Total Identity. Mit der von ihr entwickelten Corporate Identity und der Wahl des Wortes DA wurden nicht nur die grafischen Richtlinien für die Werbung des Hauses formuliert, sondern auch eine Kommunikationsstrategie entwickelt, die die ambitionierten Leitideen des Kunsthauses unterstützen. Denn DA steht (als Zeige- und Ausrufewort) auch für zeigen und Richtung weisen. DA heißt suchen und finden und DA steht für Veränderung und Bewegung. In Gravenhorst wird Kunst nicht als schmückendes Beiwerk, als kompensatorische Verschönerung der Gesellschaft, sondern als Forschung, Spiel und kritischer Diskurs im aktuellen gesellschaftlichen Kontext verstanden.“

Kunst auf dem platten Land – zwischen Globalisierung und regionaler Identitätsbildung

So lautet daher der Hintergrundtenor des Nutzungskonzeptes. Denn nur unter diesen beiden Voraussetzungen, nämlich der Anbindung an das aktuelle (auch internationale) Kunstgeschehen, sowie einer Einbindung in das (Kultur-)Leben der Region kann das Kunsthaus erfolgreich sein. »Kunst im Kontext« – das heißt einerseits Bezug und Rücksicht auf die Geschichte, andererseits Reflexion über das aktuelle, gesellschaftliche Geschehen durch die Kunst. Im DA wird Kunst in die Lebenszusammenhänge der Menschen eingebunden und – an die Erfahrungen und die Erlebnisse der Menschen anknüpfend – vermittelt. Kunst ist hier auch im Sinne von Lebens-Kunst zu verstehen, d.h. als Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensentwurf; als Fähigkeit zum Teilhaben an gesellschaftlichen Prozessen und als kreative Schaffung von neuen Lebensperspektiven in einer immer unüberschaubareren Welt.
Dieses Verständnis von der Rolle der Kunst, das als die grundlegende DA-Leitidee gelten kann, findet im Herzstück des Kunsthauses – im Stipendiumsprogramm »KunstKommunikation« – seine deutlichste und konkreteste Umsetzung. Die ersten Kunstprojekte des Stipendiumsprogramms wurden ab Herbst 2005 im DA durchgeführt. Der Fokus der Stipendien liegt in der Förderung kommunikativer Kunstprojekte, die vor Ort durchgeführt werden. Das heißt vor allem gemeinschaftsorientierte öffentliche Kunstprojekte, die nicht ursprünglich und ausschließlich für einen musealen Kunstraum geplant sind. 
Also Kunstprojekte, die sich inhaltlich auf gesellschaftlich-soziale, partizipatorische Aspekte konzentrieren und die nicht vorrangig ergebnis- sondern prozess- und erfahrungsorientiert sind.
Gemeint sind auch ortsbezogene Kunstprojekte, die sich gezielt mit der Geschichte, der Topographie, den sozialen Zusammenhängen oder der Ökologie des Ortes Kloster Gravenhorst auseinandersetzen. Kunstprojekte und Werke, deren Produktionsprozesse von der Partizipation künstlerischer Laien, auch von Kindern und Jugendlichen geprägt sind, werden ebenfalls gefördert.
Das Kunsthaus Gravenhorst ist also – trotz seiner ländlichen Lage – kein Refugium für Künstler, keine Idylle fernab von der gesellschaftlichen Realität.
Das Spannungsfeld zwischen Globalität und Regionalität, zwischen Geschichte und Aktualität, spiegelt sich auch in den fünf Themenkomplexen wieder, die die Ausstellungs- und Projekttätigkeit des Kunsthauses bestimmen sollen.
Remember History/Think History“ reflektiert unter dem Label »Kunst und Geschichte« die historische Authentizität des Ortes. „Natural Reality“ thematisiert unter der deutschen Subline »Kunst und Ökologie« Fragen der Natur, der Landschaft und des Environments. „Lost Paradise“ (verlorenes Paradies) bezieht sich auf die sakralen Ursprünge des Ortes auch unter dem Aspekt einer spezifisch »weiblichen« Spiritualität, wie sie zur Gründungszeit des Klosters in Europa in großer Blüte stand. Unter dem Begriff „Body Relations“ (Kunst und Körper) sowie „Perception – Observation – Truth“ (Kunst und Wahrnehmung) werden aktuelle und kunstimmanente Themen aufgegriffen.

Das Projektstipendium „KunstKommunikation“

Seit fünfzehn Jahren fördert der Kreis Steinfurt im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst mit dem Stipendiumsprogramm »KunstKommunikation« gemeinschaftsorientierte Kunstprojekte, die von Handlung und Laienbeteiligung leben und gesellschaftsrelevante Themen mit partizipatorischen Aspekten aufgreifen.

Im Fokus stehen Kunstprojekte auf internationaler Ebene im ländlichen Raum, die sich nicht nur an ein spezifisches Kunstpublikum wenden, sondern auch an eine breite, regionale Öffentlichkeit, die immer Teil der künstlerischen Konzepte und Aktionen ist. Lebensnahe Themen bieten im DA und in der ganzen Region Anlass für künstlerische Projekte, Aktionen und Interventionen, die oft in Kooperation mit Betrieben, Vereinen und Schulen der Region durchgeführt werden. So wurden seit 2006 zahlreiche Kunstprojekte gefördert, die nicht vorrangig ergebnis-, sondern prozess- und erfahrungsorientiert sind – ortsbezogene Kunstprojekte, die sich gezielt mit der Geschichte, der Topographie, den sozialen Zusammenhängen oder der Ökologie des ländlichen Raums auseinandersetzen.

Askese mit Wildschwein oder analoges Archiv – Führungen und Workshops zur Kunst und Geschichte des DA

»Novizinnen gesucht!« – Wasserbaukunst, einen Mann im Frauenkloster, Mittelalter erleben oder »Die Auflösung des Sehens« – im DA, Kunsthaus gibt es inszenierte Schauspielführungen für Familien, Schulklassen und Besuchergruppen, kreative Workshops mit den Künstlerinnen und Künstlern des Projektstipendium „KunstKommunikation“ und kunstpädagogische Führungen für Kinder… Und natürlich „DA ist Kunst“ – die Führung zu den aktuellen Ausstellungen im DA, Kunsthaus.

Geschichte hinterm Giebel – Historische Präsentationen im DA

Die kleine, aber feine Reihe der historischen Ausstellungen im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst zeigt ungewöhnliche Facetten zur spannenden Geschichte des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters: Das können Fundstücke aus der Zeit der Ausgrabungen im Zuge des Umbaus zum Kunsthaus sein – anschaulich präsentiert als Vitrinenausstellung im Foyer oder kleinen Saal des DA. Schriftstücke und Dokumente beleuchten die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen durch die Jahrhunderte. Émigrés in Gravenhorst, Flucht übers Nonnenpättken oder Napoleons Machtübernahme in Westfalen: Die historischen Präsentationen erzählen von guten und schlechten Zeiten, von Krieg und Wohlstand, gesellschaftlichen Gepflogenheiten, Wasserbaukunst und Müllerhandwerk – und schlagen immer wieder auch den Bogen in die heutige Zeit.

Von Marktzauber bis openART – Inspirierende Feste rund um die Kunst

Regionale Produkte und viel Selbstgemachtes, das Künstlerdorf mit spannenden Aktionen der jeweiligen Stipendiaten, Kreativangebote für die Jüngsten, ein fröhliches Miteinander, staunen und diskutieren, Künstler kennen lernen, durch aktuelle Ausstellungen zeitgenössischer Kunst schlendern oder die besondere Atmosphäre der historischen Gemäuer atmen – Kunstfeste im DA sind ein Vergnügen für die ganze Familie, für Kunstinteressierte aus nah und fern, Müßiggänger und Genussmenschen. Übers ganze Jahr lässt sich ein attraktives Kunsterlebnis entdecken: »Marktzauber« – der Klostermarkt mit seinen rund 70 Ausstellern im Mai, openART – der inspirierende Sommerabend der offenen Tür im DA, spontane Aktionen wie Osterfest samt Picknick, ein Apfelfest mit Buchsbaumanalye und „Meeting Halfway“ oder der Gravenhorster Adventskranz zeigen, dass im DA ist immer was los ist.

21. September: openART – DA passiert Kunst

openART steht ganz im Zeichen des Projektstipendiums „KunstKommunikation“, das seit 2006 jährlich mit bis zu vier partizipativen, ortsbezogenen Kunstprojekten zum Mitmachen und Mitdenken einlädt. Die »AUSBLICK!«-Ausstellung, die im Rahmen von »openART« ihre feierliche Eröffnung erlebt, versammelt die Entwürfe aus der Ideenwerkstatt. Außerdem werden die ausgewählten Projektideen für das Projektstipendium „KunstKommunikation 26“ erstmals öffentlich bekanntgegeben und vorgestellt. Mit den Kunstaktionen und Präsentationen der Stipendiatinnen und Stipendiaten des aktuellen Projektjahrs wird openART zu einem einmaligen Erlebnis, das Austausch und Inspiration in besonderer, historischer Kulisse verspricht.

5. Juli bis 24. August: „BIOPHILIA. Von Pflanzen und Menschen“

Die Wahrnehmung von Natur ist ein komplexes und vielschichtiges Phänomen. Je nach kulturellem Verständnis, wissenschaftlichen Erkenntnissen und philosophischen Perspektiven stellt es sich unterschiedlich dar und befindet sich in einem ständigen Wandel. Wie stehen wir heute zur Natur und wie erleben wir sie?
Ausgehend vom Gedanken der Biophilie widmet sich die Ausstellung dem tiefverankerten Bedürfnis des Menschen nach einer Verbindung mit der Natur und allem Lebendigen an sich. Im Blickpunkt steht der Kosmos der Pflanzen und deren Prozesse von Wachstum, Transformation und Zyklen in wechselseitigem Verhältnis zum Menschen.

In der Ausstellung vertreten sind Werke von Thomas Baumgärtel, Susanne von Bülow & Emmy Bergsma, Maike Denker, Brigitte Hofherr, Marcus Kaiser, Karin Kneffel, Gerlinde Miesenböck, Gabriela Oberkofler, Verena Redmann, Jonas Maria Ried, Jan Philip Scheibe, Nils Völker, Catharina & Dieter Wagner, Astrid Wilk.

Ein vielfältiges Begleitprogramm aus Führungen, Workshops, Kunst-Natur-Events, Vorträgen und vielem mehr lädt zum Vertiefen, Entdecken und gemeinsamen Austauschen ein.

Neujahrskonzert, Poetry Slam, Schräge Bretter und Septemberklänge – DA live on stage – drinnen und draußen!

Das DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst wird übers ganze Jahr auch zur Bühne für hochkarätige Konzerte von Jazz bis Klassik. Stipendiaten der Werner Richard – Dr. Carl Dörken Stiftung musizieren regelmäßig im Großen Saal gleich zu Beginn des neuen Jahres oder im Familienkonzert »Septemberklänge«, Jazzgrößen wie Christoph Haberer oder Georg Ruby waren bereits zu Gast.

Bereits zwei Mal war das DA „FilmSchauPlatz“ der Film- und Medienstiftung NRW: Mit »Loving Vincent« wurde der erste komplett aus Ölgemälden geschaffene Film über die Welt des Vincent van Gogh im Klosterinnenhof gezeigt. Wortgewaltiges gibt es auch schon mal spontan: bei der Lesung mit Thomas Kienast in der Sommerausstellung von Simone Zaugg oder mit „Slam DA“ – dem Poetry-Festival im Kunsthaus.

Die Jahreszeit im DA: Gravenhorster SAISONALE*

Mit der Umstellung auf die Sommerzeit im März 2019 begann im DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst eine neue Zeitrechnung: Fortan wird immer im Sommerhalbjahr die Freifläche rund um das Kloster als Plattform für temporäre Kunstinterventionen genutzt. Natur, Garten und Landschaft sind die Bezugspunkte der ortsspezifischen Kunstprojekte. Die Kunst tritt saisonal in Erscheinung, betritt die grüne Bühne temporär und thematisiert in besonderer Weise ihr eigenes Werden und ihre Vergänglichkeit. So verändert sich die Ansicht des Klosters einmal im Jahr besonders künstlerisch und die zeitgenössische Kunst kreiert eine eigene Gravenhorster Jahreszeit: Die Gravenhorster SAISONALE*!

Kulturpäuschen im „Café Clara“

Wohlfühlen und in einer angenehmen Atmosphäre einen Moment dem Alltag entfliehen – so lautet die Philosophie des Café Clara. Das Team von Peter Holczer lädt zum Verweilen nach einem Besuch des Kunsthauses oder zu einer Rast nach einer Rad- oder Wandertour ein. Platz nehmen kann man im modern ausgestatteten Innenraum Platz oder auf der gemütlichen Sonnenterrasse im idyllischen Klosterinnenhof. Auf der Karte stehen leckere Tee- und Kaffeespezialitäten, ausgesuchte Weine und Spirituosen sowie kleine kalte und warme Gerichte mit Produkten aus der Region. Neben einem kurzen Abstecher zu Kaffee und Kuchen bieten die stilvollen Räumlichkeiten des ehemaligen Klosters auch den idealen Ort für feierliche Anlässe. Egal, ob privat oder geschäftlich.

Nähere Informationen: DA, Kunsthaus Kloster Gravenhorst, Klosterstraße 10, 48477 Hörstel, Telefon 02551 694215, E- Mail: da-kunsthaus@kreis-steinfurt.de. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 14 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr.14.00 – 18.00

Erinnerung an textiles Erbe

Dass „Bussemakerhuis“ in Borne ist das einzige verbliebene Leinenhandelshaus in den Niederlanden, das sich noch fast im Originalzustand befindet und für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Zirka 40 Kilometer entfernt von Nordhorn befindet sich die zur Provinz Overijssel gehörende niederländische Stadt Borne. Sie besticht durch eine landschaftlich reizvolle Landschaft und durch ihre Altstadt mit vielen noch gut erhaltenen und kulturell bedeutenden Häusern aus früheren Jahrhunderten. Was die Stadt aber auch noch ausmacht, ist ihre textile Vergangenheit, die viele Parallelen zu der von Nordhorn hat.

Museum als Erinnerungsort

Daran erinnert das Bussemakerhuis am Ennekerdijk im früheren Zentrum von Borne. Seit 1993 dient es als Museum. Die Besucher erhalten dort einen interessanten Einblick in die Lebens- und Arbeitswelt von Textilfabrikanten und Textilarbeitern vom 17. bis zum 20. Jahrhundert.

Ein weiteres Themenfeld ist die Glaubensgemeinschaft der Mennoniten, die im 18. und 19. Jahrhundert die Region Twente prägten. Sie gehören der Evangelischen Freikirche an und gehen auf die Täuferbewegungen der Reformationszeit zurück. Ihre besondere Geschichte ist über Jahrhunderte von Verfolgungen geprägt, da sie aufgrund ihres von einer strengen Auslegung der Bibel geprägten Glaubens und ihrer kritischen Haltung zur offiziellen Amtskirche als eine Gefahr für die Autorität von Staat und Kirche angesehen wurden.

Aber nicht nur zu diesen beiden Aspekten hat das Museum eine umfassende Sammlung zusammengetragen, sondern auch über die jüdische Familie Spanjaard, die seit dem frühen 19. Jahrhundert zu den führenden Textilfabrikanten in Borne und der Region gehörte.

Sonderausstellungen

Darüber hinaus werden im Bussemakerhuis drei bis vier Sonderausstellungen zu einem speziellen Thema gezeigt. Unter dem Titel „Magisches Schottland: Clans, Tartans und Kilts“ geht es aktuell um den charakteristischer Wollstoff Tartan, aus dem der schottische Kilt hergestellt wird, und darum, welche Bedeutung der Kilt und seine besondere Ausstattung für das früher von Clans geprägte Schottland hatte. So galten im18. Jahrhundert Tartans und Kilts als Symbole des Widerstands gegen die verhasste britische Herrschaft. Auch heute noch werden Tartans und Kilts bei zeremoniellen Anlässen wie Hochzeiten oder den Highland Games mit Stolz getragen. Die Ausstellung ist noch bis zum 15. Juli zu sehen.

Vom Familienwohnsitz zum Museum

1779 ließ der Fabrikant Jan Bussemaker das 1655 errichtete Stammhaus der Familie zu einem Wohn- und Geschäftshaus umbauen und nahm so seine heutige Gestalt an. Im Rahmen der Renovierungs- und Umbauarbeiten wurde das Gebäude erweitert, was im Dachgeschoss noch zu erkennen ist. Nachdem im Jahre 1882 die letzten Mitglieder der Familie Bussemaker das Haus verlassen hatten, wurde es für längere Zeit an Privatpersonen vermietet. Im Jahre 1959 wurde dann die Bussemaker-Foundation gegründet, um dass inzwischen dem Verfall preisgegebene Gebäude vor dem Abriss zu bewahren. Nachdem es zunächst weiter an Privatpersonen vermietet wurde, konnten Konzepte für eine neue Nutzung in die Tat umgesetzt werden. Seit 1993 dient es als Museum, dass an die Bedeutung des Textilhandels und der Textilfabrikation für die Entwicklung Bornes erinnert.

Geschichte der Twenter Textilindustrie

Die Ursprünge der Twenter Textilindustrie lassen sich auf die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zurückführen. Borne war damals das wichtigste Zentrum des Handels mit Stoffen aus Leinen. Händler wie Jan Bussemaker bildeten in dieser Zeit das unverzichtbare Bindeglied zwischen den Webern und dem Markt. Sie handelten oft nicht nur mit Leinen, sondern auch mit anderen Produkten wie Holz und Kolonialwaren. Darüber hinaus lieferten sie den Bauern anfangs auch Leinsamen, da dieser qualitativ besser war als der Samen, der den Bauern von der Flachsernte übrig blieb. Später, als immer mehr Textilien gewebt wurden und der heimische Flachs nicht mehr ausreichte, stellten die Hersteller den Webern auch das Garn zur Verfügung. Nach dem Aufkommen der Baumwollwebereien verlagerte sich der durch die sich allmählich entwickelnde Textilindustrie entstandene Wohlstand zumeist in die umliegenden Städte wie Enschede, Almelo und Haaksbergen. Eine Ausnahme bildeten die unternehmerischen Aktivitäten der Familie Spanjaard.

Spanjaard größter Arbeitgeber

Es war der 1783 in Deutschland geborene Salomon Jacobs, der den Grundstock für ein fast 200 Jahre währendes Textil-Imperium legte. Nachdem er zunächst als Kaufmann in Zwolle tätig war, führte ihn sein Weg nach Borne, wo er seine Frau Sara David van Gelder heiratete. In Borne nahm er dann den Namen Spanjaard an und begann zunächst mit dem Handel von konfektioniert und gebrauchter Kleidung. Später kam die Produktion von Textilien hinzu. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wuchs das Unternehmen der Familie Spanjaard stetig und entwickelte sich mit bis zu 2000 Mitarbeitern zum größten Arbeitgeber in Borne. Zu kriseln begann das Unternehmen dann in den 1950-er Jahren, bis schließlich 1961 der Verkauf an die Koninklijke Textilfabrieken Nijverdal-Ten Cate beschlossen wurde. Doch auch das konnte den Untergang der früheren NV Dampfspinnereien und Webereien SJ Spanjaard nicht verhindern. Schwierige Jahre, geprägt von Konkurrenz aus asiatischen Schwellenländern, folgten, bis 1973 die Spanjaard-Werke endgültig geschlossen wurden.

Aktivitäten im Bussemakerhuis

Das Bussemakerhuis ist nicht nur ein Ort der Präsentation, sondern auch ein Ort der Aktivitäten.

Dort wird unter anderem gezeigt, wie Flachsleinen gewebt wurde. Dabei wird der gesamte Prozess abgedeckt – von der Ernte der Flachspflanze bis zum Weben selbst. Und es wird erklärt, wie in der Gegend rund um Borne unter schwierigen Umständen Flachs angebaut werden konnte. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter zeigen den Besuchern außerdem alle erforderlichen Prozesse zur Herstellung der gewebten Stoffe auf den Jahrhunderte alten Handwebstühlen; und sie widmen sich der heutigen Verwendung von Flachsfasern.

Führungen durch Borne

Wer sich noch vertiefter mit der Geschichte Bornes beschäftigen will, kann sich einer Führung anschließen. Dabei arbeitet das Museum Bussemakerhuis eng mit der „Stichting Gidsen Oud Borne“ zusammen, die Spaziergänge durch Oud Borne organisiert.

Nähere Informationen: Museum Bussemakerhuis, Ennekerdijk 11, 7622 ED Borne, Telefon: 0031 (0)74 2669636, E-Mail communicatie@bussemakerhuis.nl. Geöffnet ist das Museum am Freitag von 11.30 bis 16.30 Uhr sowie am Samstag und Sonntag von 13 bis 16.30 Uhr.