Impressionismus. Die Sammlung Hasso Plattner

Seit September 2020 dauerhaft im Museum Barberini

Das Museum Barberini in Potsdam zeigt seit September 2020 dauerhaft die umfang reiche Sammlung impressionistischer und postimpressionistischer Gemälde des Museumsgründers Hasso Plattner: Mit 113 Meisterwerken von 23 Künstlerinnen und Künstlern wie Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir, Berthe Morisot, Alfred Sisley, Camille Pissarro, Henri-Edmond Cross und Paul Signac stellt die Sammlung die französische Landschaftsmalerei einzigartig schlüssig und umfangreich dar. Mit 39 Gemälden Monets beherbergt das Museum den größten Werkkomplex dieses Malers in Europa außerhalb Frankreichs sowie einzigartige Bestände an Gemälden von Caillebotte, Pissarro, Signac, Sisley und Maurice de Vlaminck.

Potsdam ist damit eines der weltweit wichtigsten Zentren impressionistischer Landschaftsmalerei. In den 1860er Jahren fanden sich in Paris junge Maler zusammen: Claude Monet, Camille Pissarro, Pierre-Auguste Renoir und Alfred Sisley. Sie befreiten sich von den traditionellen Bildthemen ihrer Zeit und revolutionierten die Kunst mit lichtdurchfluteten Landschaften. 1874 wurden sie als „Impressionisten“ bekannt, die mit Vorliebe in freier Natur malten und flüchtige Sinneseindrücke unmittelbar auf die Leinwand bannten. Später schlossen sich Berthe Morisot, Paul Cézanne und Gustave Caillebotte dieser neuen Kunstrichtung an. In den 1890-er Jahren entwickelten Paul Signac und Henri- Edmond Cross diese Malerei im Pointillismus weiter. Anfang des 20. Jahrhunderts lösten sich die Fauvisten wie Maurice de Vlaminck und André Derain vom impressionistischen und pointillistischen Stil und entwickelten eine flächige, farbstarke Malerei. Impressionisten, Neoimpressionisten und Fauvisten folgten dem gleichen Ideal: Natur mit Licht und Farbe sinnlich erfahrbar zu machen.

Der Sammlungsschwerpunkt des Museumsgründers Hasso Plattner ist seit dem Jahr 2000 der Impressionismus: „Die Gemälde beziehen uns als Betrachter unmittelbar mit ein. Wir spüren den Wind auf der Haut und die Temperatur des Wassers, wenn wir Monets Segelbooten auf der Seine zusehen. Das schafft keine andere Kunst. Die Impressionisten sind Kommunikationsgenies“, erklärt Hasso Plattner. Im Herbst 2020, rund drei Jahre nach Eröffnung des Museums Barberini 2017, übergab Hasso Plattner 103 Werke seines Privatbestandes wie auch seiner Stiftung, der Hasso Plattner Foundation, als Dauerleihgabe an das Museum. Die Sammlung konnte 2022 und 2023 durch ins gesamt zehn Neuerwerbungen erweitert werden, darunter ein Gemälde aus Claude Monets berühmter Serie der britischen Parlamentsgebäude.

Inzwischen umfasst die Sammlung 113 Meisterwerke des Impressionismus und Postimpressionismus von 23 Künstlerinnen und Künstlern. Mit 39 Gemälden von Claude Monet beherbergt das Museum den größten Werkkomplex dieses Malers in Europa außerhalb Frankreichs Impressionismus. Die Sammlung Hasso Plattner sowie einzigartige Bestände an Gemälden von Caillebotte, Pissarro, Signac, Sisley und Vlaminck. Zu den bekanntesten Werken der Sammlung gehören Caillebottes „Die Brücke von Argenteuil“ und die Seine (um 1883), Signacs „Der Hafen bei Sonnenuntergang“, Opus 236 (Saint-Tropez) (1892) sowie Monets Gemälde „Getreideschober“ (1890), „Der Palazzo Contarini (1908) und Seerosen (1914–1917).

Die Sammlungspräsentation im Museum Barberini spannt den Bogen von den 1850-er Jahren bis ins frühe 20. Jahrhundert und versammelt Werke aus drei Generationen an Künstlerinnen und Künstlern, die oft zusammenarbeiteten, für ihre Gemälde an die gleichen Orte reisten und einander inspirierten. Anhand von neun Themenräumen bietet die Schau die Möglichkeit, die Entwicklung der französischen Landschaftsmalerei in den Stilrichtungen des Impressionismus, Neoimpressionismus und Fauvismus nachzuvollziehen.

Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini, erläutert: „Es gibt keine vergleichbare Sammlung, die die Landschaftsmalerei der französischen Impressionisten so umfangreich und die Entwicklung wie auch die Ikonographie so schlüssig zeigen könnte. Besucher innen und Besucher können aber nicht nur die Geschichte dieser faszinierenden Kunstrichtung, sondern auch die Weiterentwicklung der Landschaftsmalerei durch die Neoimpressionisten und die Fauvisten anhand unserer Werke kennenlernen.“

Seit der Eröffnungsausstellung des Museums Barberini Impressionismus. Die Kunst der Landschaft (2017) bieten jährlich bis zu drei Wechselausstellungen die Möglichkeit, den Impressionismus sowie andere Kunstrichtungen aus den unterschiedlichsten Perspektiven zu entdecken. Begleitend zur Sammlungspräsentation ist der Katalog Impressionismus. Die Sammlung Hasso Plattner (Prestel, 2023) von Ortrud Westheider erhältlich. Auf der Website des Museums wird die Sammlung mit Texten von Daniel Zamani, Sammlungskurator am Museum Barberini, und Ergebnissen der Provenienzforschung von Linda Hacka, wissenschaftliche Mitarbeiterin, umfassend vorgestellt. Impressionismus.

Rundgang durch die Sammlung – Reflexionen im Fluss

In den Landschaften entlang der Seine entwickelten die Impressionisten ihr Motivrepertoire. Hier arbeiteten sie unter freiem Himmel, konzentrierten sich auf das Hier und Jetzt und verzichteten auf das Anekdotische früherer Landschaftsmalerei. Sie schärften ihre Beobachtungsgabe an den spiegelnden Oberflächen der Seine. Zu den ständigen Veränderungen von Licht und Wolken am Himmel kamen mit den Reflexionen und dem Fließen weitere dynamische Momente. Schon 1865 brachen Pierre-Auguste Renoir und Alfred Sisley von Paris zu einem Malausflug entlang der Seine auf, der sie bis zur Mündung in Le Havre führte. Viele Künstler der Sammlung werden bis heute mit Seine-Orten wie Argenteuil, Giverny und Moret verbunden: Eugène Boudin, Gustave Caillebotte, Claude Monet, Paul Signac und Alfred Sisley.

Die Industrialisierung und Effizienzsteigerung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts prägte auch die Seine. Dampfschiffe verkehrten auf dem Versorgungsweg zur Hauptstadt und brachten den Stahl für den Bau von Schienen und Passagen aus den am Fluss gelegenen Fabriken nach Paris. Von Steinbrüchen in der Normandie wurde das Material für die Boulevards und die neuen Quartiere in der rasant wachsenden Metropole verschifft. Neben Getreide und Gemüse aus dem Pariser Umland brachten Lastkähne Muscheln, Textilien und andere Konsumgüter zum Verkauf in der Stadt. Daneben war die Seine auch Schauplatz des modernen Segelsports und Ausflugsziel erholungssuchender Städter, die mit der Eisenbahn in die Vororte gelangten – Aspekte des modernen Lebens, die die Impressionisten wie selbstverständlich in ihre Landschaftsbilder integrierten.

Paris und die Peripherie

Die Impressionisten beobachteten das Leben auf den Boulevards, in den Kaffeehäusern und Parks. Gewaltige Umbaumaßnahmen hatten die Hauptstadt seit den 1850-er Jahren verändert. Im Auftrag Kaiser Napoleons III. hatte Baron Haussmann die Stadt zu einer modernen Metropole umgestaltet: mit monumentalen Sichtachsen und Schneisen für den wachsenden Verkehr, mit neuen Grünanlagen, riesigen Markthallen, Bahnhöfen und Theatern. Gleichförmige Fassaden und Baumreihen, Gaslaternen, Litfaßsäulen, Cafés und Geschäfte säumten die Straßen. Paris war die Stadt mit den nach London meisten Einwohnern. Von 1850 bis 1870 verdoppelte sich deren Anzahl auf zwei Millionen. Neue Straßenzüge führten in die Peripherie. Die Vororte wuchsen durch den Zuzug von Handwerkern und Angestellten, die den steigenden Mieten im Zentrum entgehen wollten. Anders als in London, wo die Arbeiterschaft im Zentrum lebte, entstanden um Paris mit der Industrialisierung die Banlieues.

Seit den 1860er Jahren fuhren die erholungssuchenden Pariser mit der Eisenbahn in weniger als fünf Stunden an die Küste der Normandie. In Étretat und Trouville waren Seebäder nach englischem Vorbild entstanden. Anders als im 18. Jahrhundert, als sich der Adel in Kurorten mit Heilquellen, Thermalbädern und Parks erholte, zogen die zum offenen Meer ausgerichteten Badeorte zahllose Touristen an – unter ihnen die Künstler und ihre Sammler.

Ein neuer Realismus

Die Motive der Impressionisten sind betont unspektakulär: Kornfelder, Pappelreihen, Feldwege und Wiesen. In den Feldern an ihren Wohnorten fingen sie für ihr Pariser Publikum Aspekte französischer Landschaft ein, die weder nostalgischen noch nationalen Klischees entsprachen. Lebendig werden ihre neuartigen Naturausschnitte durch die bewegte Pinselführung. So offen die Malweise auch ist, so exakt ist doch die Topographie wieder gegeben. Wege versinnbildlichen nicht mehr den Lauf des Lebens wie in der klassischen Landschaftsmalerei, sondern laden die Betrachter ein, Licht und Luft, Tages- und Jahreszeiten mit allen Sinnen zu empfinden. Als Städter nahmen die Impressionisten das agrarisch geprägte Frankreich mit anderen Augen wahr als die Bauern ihr Ackerland. Während Camille Pissarro und Alfred Sisley sich in ihren Bildern mit der Landbevölkerung in Beziehung setzten, inszenierte Claude Monet sich und seine Familie als Außenstehende. Seine Bilder zeigen das landschaftliche Umfeld Givernys ohne die Arbeit der ansässigen Bauern in den Blick zu nehmen.

Mit wechselnden Licht- und Wetterbedingungen erfassten die Maler atmosphärische Erscheinungen, wie sie die Wissenschaft im 19. Jahrhundert erforschte. Auch die Künstler setzten auf genaue Beobachtung der Phänomene. Dabei entstand keine willkürliche Stimmungsmalerei, sondern ein Protokoll unmittelbaren Erlebens: jeder Pinselstrich eine Information. Moderne am Meer Frankreich war keine Seefahrernation. Doch gewannen die Küsten der Bretagne und der Normandie im Lauf des 19. Jahrhunderts an Bedeutung. Le Havre, wo Eugène Boudin und Claude Monet ihre ersten Malkampagnen starteten, war nach Marseille der zweitgrößte französische Hafen.

Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren hier die Baumwollschiffe aus der Neuen Welt angekommen. Der oft archaisch anmutende Charakter der Hafenstädte mit ihren Segelschiffen täuscht, denn sie hatten ihre Wirtschaft bereits von der vorindustriellen Produktion auf moderne Dienstleistungen umgestellt. Um dem expandierenden Handel gerecht zu werden, wurden französische Häfen nach dem Vorbild der Londoner Docks umgebaut.

Auch Le Havre rüstete sich für immer größere Dampfschiffe: 1872 wurde damit begonnen, den von Boudin und Monet dargestellten Außenhafen mit einer neuen Kaimauer aus zubauen. Impressionistische Hafendarstellungen dienten nicht wie die Marinemalerei Englands und der Niederlande dazu, dem Nationalstolz auf die Flotte Ausdruck zu verleihen. Die Künstler ließen sich von Vorbildern der Alten Meister anregen und arbeiteten die Modernität der Hafenstädte heraus. Künstliche Beleuchtung zeigt den neuen Takt des Warenumschlags an.

Intensivierung und Verdichtung zeigt auch Monets Malerei. In London hatte er, wie wenig später auch Berthe Morisot – die einzige Frau, die von Beginn an mit den Impressionisten ausstellte –, nicht nur die englischen Docks, sondern auch die dynamische Malerei William Turners kennengelernt.

Gartenbilder

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Gartenkultur, ausgehend von England, zur Leiden schaft gebildeter Schichten. Auch das Interesse an importierten exotischen Pflanzen nahm zu. Die Impressionisten pflegten ihre Vorliebe für das Wandelbare auch im eigenen Garten und brachten mit diesem neuen Thema den Wechsel von Tages- und Jahreszeiten zur Anschauung. Claude Monets Schaffen ist untrennbar mit dem Wassergarten verbunden, den er in den 1890er Jahren anlegte und dessen Seerosenteich zum bestimmenden Motiv seines Spätwerks wurde. Doch bereits seit den 1870er Jahren setzte sich der begeisterte Hobbygärtner intensiv mit dem Thema der Hortikultur auseinander.

Das Interesse an Hortikultur teilte Monet mit Freunden wie Gustave Caillebotte, dem Schriftsteller Octave Mirbeau und dem Politiker Georges Clemenceau. Bei japanischen Händlern in Paris erwarben sie Blumenzwiebeln und -samen, aus denen sich die Farbenpracht ihrer Gärten entwickeln sollte. Mit Chrysanthemen züchteten sie eine Pflanze, die in Japan die Sonne symbolisiert. Caillebotte regte der Austausch mit Monet zu Stillleben mit Blumen des eigenen Gartens an. Künstlergärten wurden um die Jahrhundertwende aber auch ein wichtiges Thema, weil sie die Möglichkeit boten, Naturbilder mit Innenraumdarstellungen zu verbinden.

Die Farbe Weiß

Die Winter der 1860-er bis 1890-er Jahre waren schneereich. Auch in Gegenden Frankreichs, in denen es selten schneit, fielen bis zu 30 Zentimeter. Am Ende der Kleinen Eiszeit, die im 17. Jahrhundert begonnen hatte, kam es zu einer Erwärmung, die zu einer zirkulierenden Feuchtigkeit in den unteren Schichten der Atmosphäre und zu ungewöhnlich hohen Niederschlägen führte. Schon der Landschaftsmaler Gustave Courbet hatte diese Ausnahmesituation, die die Landschaft verfremdete, zu Winterbildern inspiriert. Wie dieser waren die Impressionisten nicht mehr daran interessiert, das Heroische zu thematisieren, das dem Schnee im kollektiven Gedächtnis nach den Winterkriegen Napoleons eingeschrieben war.

Die Verwandlung der Landschaft durch den Schnee gab den Malern die Freiheit, sich auf Licht und Farbe zu fokussieren. Die Künstler arbeiteten bei Minusgraden unter erschwerten Bedingungen. Sie setzten sich der eisigen Kälte aus, um dem Schnee die optischen Phänomene der Lichtbrechung auf den Kristallen abzugewinnen. Wie bei ihren Darstellungen von Wasserflächen ging es den Malern um die visuelle Verschränkung von Himmel und Erde. Sie beobachteten das Schauspiel des Widerscheins vom Himmelblau und glühender Sonnenuntergänge. Die Reflexionen auf dem Schnee setzten sie in teils abstrakt anmutende Malerei um.

Die Küsten Europas

Nur die Venedig-Ansichten Claude Monets erinnern noch an die Grand Tour der Künstler voriger Jahrhunderte. Die Stadt hatte schon den Romantikern eine atmosphärische Lichtmalerei entlockt. Die Malerei des Nordens und die Beobachtung der heimischen Natur hatten in Monets Generation das Vorbild der Antike und der an der italienischen Campagna geschulten klassizistischen Landschaftsmalerei abgelöst. Wenn Eugène Boudin, Berthe Morisot und später Paul Signac Italien besuchten, dann nicht auf den traditionellen Wegen. Vielmehr reisten sie mit der Eisenbahn entlang der Küsten wie andere Touristen.

Die Küsten Nord- wie Südeuropas wurden im späten 19. Jahrhundert mit Postkarten touristisch vermarktet. Die Maler stellten sich dieser Konkurrenz, indem sie mit den Ausschnitt-Techniken der Photographie arbeiteten. Ihre pastose Malerei stand im Gegensatz zu den glatten Oberflächen des neuen Mediums. Die Côte d’Azur wurde touristisch zur gleichen Zeit erschlossen, als sich Cross und Signac dort in den 1890-er Jahren niederließen. Das Sonnenlicht, das die Maler in den Süden zog, war für sie eine Energie, die künstlerische Neuerungen mit gesellschaftlichen Utopien speiste. Die drei Generationen der Impressionisten, Pointillisten und Fauvisten – Zeitgenossen eines sich rasant entwickelnden modernen Frankreichs – verband das gleiche Ideal: Natur mit Licht und Farbe sinnlich erfahrbar zu machen.

Monets Serien

Nachdem Monet Ende der 1870er Jahre Paris den Rücken gekehrt hatte, widmete er sich zunächst in Vétheuil und später in Giverny der Natur im Wechsel von Tages- und Jahreszeiten. Hier verfolgte er die Idee, durch Wiederholungen des Motivs der Erfassung des Augenblicks näherzukommen. Von 1891 an nutzte Monet Einzelausstellungen in seiner Pariser Galerie Durand-Ruel zur Präsentation groß angelegter Werkreihen, bei denen er ein einziges Motiv in zahlreichen Variationen durchspielte: Auf seine Getreideschober folgten die Kathedralen von Rouen, später die Serie des britischen Parlaments in London und schließlich die des Seerosenteichs in seinem Wassergarten in Giverny.

Drei dieser Werkgruppen sind in der Sammlung Hasso Plattner beispielhaft vertreten. Mit den Getreideschobern stellte Monet sein Konzept des enveloppe vor – jener das Motiv umgebenden Hülle aus Licht und Luft, das er zum eigentlichen Gegenstand seiner Malerei erhob. Die im Smog gegen den Sonnenuntergang aufscheinende Silhouette von Westminster Palace beschäftigte ihn bei drei London-Aufenthalten zwischen 1899 und 1901. Der Seerosenteich in Giverny gab Monet über zwei Jahrzehnte lang Stoff zu sehen und zu malen: Spiegelnde Wasserflächen hatten sein Werk von Anfang an geprägt. Das neben seinem Seerosenteich gelegene Atelier erlaubte es ihm, nun auf bisher ungeahnt großen Leinwänden zu arbeiten. Indem sie auf den Horizont verzichten und den Himmel spiegeln, entgrenzen die Bilder den Landschaftsraum und bieten den Betrachtern ein immersives Erlebnis.

Landschaften der Fauvisten

1905 kam eine radikal neue Kunstrichtung auf, die die Konturen betonte und die Farbe expressiv einsetzte. Als „Les Fauves“ (die Wilden) bezeichnete ein Kunstkritiker diese Maler anlässlich ihrer ersten Ausstellung im Pariser Herbstsalon.

Während André Derain mit seinem Freund Henri Matisse auf den Spuren von Cross und Signac in Südfrankreich gemalt hatte, war Maurice de Vlaminck in Nordfrankreich an den Ufern der Seine geblieben. Die Fauvisten lösten sich vom impressionistischen und pointillistischen Stil und entwickelten eine flächige, farbstarke Malerei. Anders als die Impressionisten ging es ihnen nicht um die Darstellung von Naturphänomenen, sondern – darin den Malern der „Brücke“ verwandt – um den Ausdruckswert der Farbe.

Auch begannen sie in der Nachfolge Cézannes mit einer Zergliederung der Form zu experimentieren, wie sie der Kubismus später weiterführte. Ihr expressiver Malstil hielt sie jedoch nicht davon ab, Impressionismus und Pointillismus in der Wahl der Orte und Motive zu folgen. So reiste Derain 1907 nach Cassis, wo bereits Signac gemalt hatte. Vlaminck malte mit dem Bootshaus von Rueil ein Motiv Pierre-Auguste Renoirs. Obwohl ihre Landschaften aufgewühlt, oft düster sind, bezogen sich die Fauvisten auf die Ikonographie des Impressionismus.

Nähere Informationen: Museum Barberini, Friedrich-Ebert-Str. 115, 14467 Potsdam, E-Mail: info@museum-barberini.de, Internet: http://www.museum-barberini.de

Affinities – Neue Begegnungen in der Sammlung der Kunsthalle Recklinghausen

Den Abschluss des 75. Jubiläumsjahres der Kunsthalle Recklinghausen bildet die noch bis zum 6. April zu sehende Ausstellung „Affinities“, die Werke aus der eigenen Sammlung der Kunsthalle, des ehemaligen Vestischen Museums und des Ikonen-Museums mit national und international bekannten Künstlerinnen und Künstlernals Gästen im Haus kombiniert. Alle Werke stehen in Bezug zur Ausstellungsgeschichte des Hauses, zu kuratorischen Ideen, oder Displays von den Anfängen der Kunsthalle bis in die Gegenwart. Gezeigt werden sie über klassische Epochen- und Genrefragen hinaus als ästhetische Verwandtschaften. Und diese Beziehungen sollen als Affinitäten zueinander verstanden und präsentiert werden.

In Rückbezug auf Thomas Grochowiaks bahnbrechenden Ausstellungen an der Kunsthalle Recklinghausen in den 1950-er Jahren, oder die großen monografischen Projekte der 1990-er Jahre in Recklinghausen mit Einzelausstellungen von Per Kirkeby oder Jannis Kounellis, mit einem Blick für kuratorische Konzepte wie Harald Szeemanns „When Attitudes Become Form“(1969) in Bern oder Danh Vos „Slip of the Tongue“(2015) in Venedig will diese Ausstellung einen kaleidoskopischen Rückblick und eine perspektivische Aussicht für die Kunsthalle und die in ihr gezeigte Kunst bieten.

Ausstellende Künstler

Vertreten sind Werke von Søren Aagaard, Marina Apollonio, Katja Aufleger, Noémi Barbaglia, Béatrice Balcou, Marianne Berenhaut, Erich Bödecker, Hal Busse, Vivian Ellis, Ayşe Erkmen, Ângela Ferreira, Isabella Fürnkäs, Christine Gironcoli, Katharina Grosse, Dor Guez, Flo Kasearu, Barbara Kasten, Tadeshi Kawamata, Per Kirkeby, Mischa Kuball, Sigalit Landau, Jeewi Lee, Julio Le Parc, James Lewis, Heinz Mack, Paola Siri Renard, Anahita Razmi, Michael Sailstorfer, Morgaine Schäfer, Mona Schulzek, Berit Schneidereit, Franz Erhard Walther, Andy Warhol sowie Werke aus dem Ikonen-Museum und dem ehemaligen Vestischen Museum Recklinghausen.

Nähere Informationen: Kunsthalle Recklinghausen, Große Perdekamp-Straße 25-27, 45657 Recklinghausen, Telefon: +49 (0)2361 501935, E-Mail: info@kunst-re.de

Spot On – Only Murders in the Museum

Ob dramatisch inszeniert oder nüchtern geschildert, ob detailreich ausgeführt oder in groben Strichen angedeutet: Seit Jahrhunderten sind Morde in all ihren Facetten Gegenstand der Kunst. Sie begegnen uns sowohl in Darstellungen antiker Mythen, biblischer Geschichten und historischer Begebenheiten als auch in zeitgenössischen Bildwelten. Die Faszination für solche Werke liegt in ihrer Emotionalität und dem Versuch, dem Unbegreiflichen und Schockierenden Ausdruck zu verleihen.

Aus dem Sammlungsbestand des Kunstpalastes Düsseldorf wurden für die Kabinettausstellung „Spot On – Only Murders in the Museum“22 Werke, darunter Gemälde, Grafiken und Skulpturen ausgewählt, die den Zeitraum vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart abdecken. Sie erzählen unterschiedliche Geschichten von Unschuldigen und Schuldigen, von kaltblütigen Taten und tragischen Verhängnissen.
Die Arbeiten bieten Anlass, den eigenen Blick auf solche Taten und deren Darstellung zu hinterfragen. Gleichzeitig verraten sie viel über den gesellschaftlichen Umgang mit Morden: In manchen Werken wird die Gewalt verklärt, in anderen wird sie religiös oder politisch begründet, und in wieder anderen werden strukturelle Probleme sichtbar. Denn letztlich sind Morde in der Kunst immer auch ein Spiegel ihrer Zeit.
Kuratiert wurde die Kabinettausstellung, die noch bis zum 3. Mai zu sehen ist, von Hannah Steinmetz, wissenschaftliche Volontärin, Sammlung Malerei bis 1900 am Kunstpalast.

Nähere Informationen: Kunstpalast, Ehrenhof 4-5, 40479 Düsseldorf, Telefon: 0211 56642100, E-Mail: info@kunstpalast.de

Ausstellungsvorschau 2026/27 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Das Ausstellungsprogramm 2026 der Kunstsammlung Nordrhein Westfalen feiert die Strahlkraft von Kunst und die Bedeutung des Museums für die Gesellschaft Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen gehört mit ihren beiden Standorten K20 und K21 zu den international bedeutendsten Sammlungen der klassischen Moderne, der Nachkriegsmoderne und der Gegenwartskunst.

Unter der Direktion von Susanne Gaensheimer setzt das Museum seinen Weg fort, bedeutende internationale Künstlerpositionen in Düsseldorf zu präsentieren und dabei ein vielstimmiges und inklusives Museum für alle zu sein. Das Ausstellungsprogramm 2026 zielt insbesondere darauf ab, niedrigschwellige Formate mit wissenschaftlicher Tiefe zu verbinden, den Zugang zur Kunst weiter zu öffnen und das Museum als lebendigen, vielfältigen Ort für eine neue Generation zu gestalten. Das Jahr beginnt mit dem Ausklang zweier Gruppenausstellungen: „Queere Moderne. 1900 bis 1950“ im K20 erzählt mit über 130 Werken von 34 internationalen Künstlern eine alternative Geschichte der Moderne, deren Themen wie Begehren, Gender und Sexualität sowie die Politik der Selbstdarstellung aktueller denn je sind. In der Gruppenausstellung „Grund und Boden. Wie wir gemeinsam leben“ im K21 thematisieren 34 internationale Künstler und Kollektive ausgehend vom K21 als dem ehemaligen Parlamentsgebäude von Nordrhein-Westfalen, unterschiedliche Formen der Verwaltung von Ressourcen – von indigenen Wirtschaftsweisen über kollektives Eigentum bis hin zu utopischen Blockchain-Projekten.

„Let’s Play!“ – Ab April verwandelt sich die größte Ausstellungshalle im K20 in einen außergewöhnlichen Spielplatz, der von den Künstlern Sonia Kazovsky und Oded Rimon gestaltet wird. Unter dem Titel „Playground“ entstehen begehbare Installationen, die Groß und Klein zum Entdecken und Spielen einladen. Ergänzt wird der Raum durch eine gemütliche Lese- und Kaffee-Ecke für Eltern und Erwachsene. Playground folgt ähnlichen Museumsprojekten für Kinder wie etwa Tate Play (Tate Modern, London) oder BauBau (Gropius Bau, Berlin).

Im Frühjahr und Herbst wird das K20 zwei Ausstellungen zeigen, die sich jeweils einer Künstlerpersönlichkeit widmen, deren Werke – trotz Unterschieden in Zeit und Kontext – den künstlerischen Umgang mit Farbe und Abstraktion neu definiert haben: Ab März zeigt das Museum die erste europäische Einzelausstellung der US-amerikanischen Künstlerin und Autorin Anne Truitt, die neben Donald Judd, Blinky Palermo und Carmen Herrera als Pionierin des Minimalismus gilt. Ab September widmet das K20 dem Mitbegründer des „Blauen Reiter“, Franz Marc, eine umfassende Einzelschau. Seine zauberhaften Tierdarstellungen spielten eine zentrale Rolle in der Entwicklung der modernen Abstraktion.

Das K21, das Museum für internationale Gegenwartskunst der Kunstsammlung Nordrhein Westfalen, startet ins neue Jahr mit Einzelausstellungen von Jon Rafman und dem Duo Holly Herndon & Mat Dryhurst. Beide Positionen befassen sich in ihren Werken mit dem rasanten Aufstieg von Künstlicher Intelligenz, ihren gesellschaftlichen Auswirkungen und ihrem kreativen Potenzial. Den Jahresabschluss bilden die Verleihung des K21 Global Art Award 2026 gemeinsam mit den Freunden der Kunstsammlung sowie eine umfassende Bespielung des gesamten K21 durch den international renommierten Künstler und Rheinländer Thomas Schütte.

Queere Moderne. 1900 bis 1950 – noch bis 15. Februar 2026

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt mit „Queere Moderne. 1900 bis 1950“ die erste umfassende Ausstellung in Europa, die den bedeutenden Beitrag queerer Künstler zur Moderne vorstellt. Mit über 130 Werken – darunter Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen, Filme, Literatur und Archivalien – von 34 internationalen Künstlern richtet das Ausstellungsprojekt den Fokus auf die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Es erzählt eine alternative Geschichte der Moderne, in der queere Künstler Themen wie Begehren, Gender und Sexualität sowie die Politik der Selbstdarstellung in den Mittelpunkt ihres Schaffens stellten. Sie erzählt zudem Geschichten queeren Lebens in Zeiten von Krieg und Widerstand. Mit dabei sind queere Künstler wie Claude Cahun, Hannah Höch, Jean Cocteau, Romaine Brooks, Marlow Moss oder Richmond Barthé. Nachdem die K20 Sammlung in den letzten Jahren vielstimmiger, globaler und experimenteller geworden ist, eröffnet die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen mit dieser einzigartigen Ausstellung neue Perspektiven auf die Moderne und schenkt bisher weniger beachteten Positionen eine große Sichtbarkeit.

Anne Truitt. Pionierin der Minimal Art – vom 28. März bis 2. August 2026

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen freut sich, die erste umfassende Ausstellung der US-amerikanischen Künstlerin und Schriftstellerin Anne Truitt (1921–2004) in Europa zu präsentieren. Zu entdecken gibt es mehr als 100 beeindruckende Werke aus über vier Jahrzehnten, die das Schaffen einer der einflussreichsten Künstler des Minimalismus zeigen.

Diese Kunstbewegung, bekannt durch Donald Judd, Blinky Palermo und Carmen Herrera, zeichnet sich durch die Verwendung einfacher Formen, lebendiger Farben und das Streben nach Klarheit und Essenz aus. In der Ausstellung laden Truitts Werke ein, sich mit den emotionalen Aspekten von Farbe, Form und Raum auseinanderzusetzen.

Die Ausstellung wird von der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, dem Musée de Grenoble und dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid organisiert und wird von der Terra Foundation for American Art und der Ernst von Siemens Kunststiftung gefördert.

Playground – ab 25. April 2026

Let’s Play! Ab April 2026 verwandelt sich die größte Ausstellungshalle im K20 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen für ein ganzes Jahr in einen außergewöhnlichen Spielplatz, der von den Künstlern Sonia Kazovsky und Oded Rimon gestaltet wird. Unter dem Titel Playground entsteht eine begehbare Installation, die Kinder zum Entdecken und Spielen einlädt. Ergänzt wird der Raum mit einer gemütliche Lese- und Kaffee-Ecke für die ganze Familie. Diese Initiative folgt einer Reihe von institutionellen Ausstellungsprojekten für Kinder, darunter Tate Play (Tate Modern, London), The Playground Project (Kunsthalle Zürich, u.a.), BauBau (Gropius Bau, Berlin) und Für Kinder. Kunstgeschichten seit 1968 (Haus der Kunst, München). Mit Playground verfolgt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen das Ziel, ein Museum für alle zu sein.

Franz Marc – 12. September 2026 bis 24. Januar 2027

Franz Marcs (1880–1916) Werke faszinieren durch ihre leuchtenden Farben und tief berührenden Themen. Vor allem seine Tierdarstellungen ziehen die Betrachter in den Bann: spiegeln sie doch eine tiefe Verbundenheit mit der Natur und die innige Sehnsucht nach Harmonie.

Obwohl Franz Marc ein eher zurückgezogenes Leben führte, war er kein Einzelgänger. Als engagierter Künstler und Kunstkritiker knüpfte er ein weitreichendes Netzwerk zwischen Paris, Berlin und München. Gemeinsam mit Wassily Kandinsky gründete er die Redaktionsgemeinschaft „Der Blaue Reiter“ und setzte sich leidenschaftlich für die moderne Kunst ein. Sein Weg führte ihn zunehmend in die Abstraktion, bevor er durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs jäh unterbrochen wurde.

Das Gesamtwerk von Franz Marc entstand in nur wenigen Jahren zwischen 1904 und 1914. Von den zauberhaften frühen Tierdarstellungen bis zur kubistischen Auflösung der Formen zeichnet die Ausstellung den Weg eines Suchenden nach – eines Künstlers, der sich in einer vom Fortschrittsglauben geprägten Zeit nach dem irdischen Paradies und einem geistigen Raum jenseits der Technik sehnte. Die Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf ist die erste monografische Schau zu Franz Marc seit mehr als zwanzig Jahren und bietet einen umfassenden Einblick in das Schaffen dieses außergewöhnlichen Künstlers.

Grund und Boden. Wie wir miteinander leben – noch bis 19. April 2026

Die Ausstellung „Grund und Boden. Wie wir miteinander leben“ im K21 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen handelt vom menschlichen Zusammenleben: von Krieg, Vertreibung, Flucht und der Zerstörung der Natur, aber auch von Wiederaufbau und Regeneration, vom Wohnen, Pflanzen, Besitzen und Teilen. Sie lädt ein, Visionen für eine gerechte und nachhaltige Zukunft zu entwerfen. Die Ausstellung erstreckt sich über das gesamte K21 sowie den angrenzenden Ständehauspark und nimmt auch den Boden, auf dem das Museum steht – geografisch wie historisch – in den Blick. Ausgehend von der Parlamentsvergangenheit des Hauses, thematisieren 34 internationale Künstler und Kollektive unterschiedliche Formen der Verwaltung von Ressourcen – von indigenen Wirtschaftsweisen über kollektives Eigentum bis hin zu utopischen Blockchain-Projekten.

Mit Werken von: Havîn Al-Sîndy, Maria Thereza Alves, Asche Lützerathi (otherhosted by Sybling – JP Raether & Sarah Friend), Joseph Beuys, AA Bronson, Johannes Büttner, Cercle d’Art des Travailleurs de Plantation Congolaise (Künstlerbund Kongolesischer Plantagenarbeiter, CATPC), Liu Chuang, Simon Denny, Jan Dibbets, Nir Evron, Simone Fattal, Ximena Garrido Lecca, Jef Geys, Robert Gober, Dor Guez, Andreas Gursky, Christopher Kulendran Thomas, Mierle Laderman Ukeles, Richard Long, Gordon Matta-Clark, Boris Mikhailov, Lutz Mommartz, Grace Ndiritu, Simone Nieweg, Chris Reinecke, Ugo Rondinone, Thomas Ruff, Lin May Saeed, Shimabuku, terra0, Ron Tran, Franz West und Alex Wissel

Jon Rafman – 30. Mai bis 27. September 2026

Jon Rafman (*1981 in Montreal, lebt in Los Angeles) gilt seit den 2010-er Jahren als wegweisender Künstler des digitalen Zeitalters. Euphorisch und kritisch zugleich nutzt er für seine Videos und Filme die Möglichkeiten des Internets und dessen überbordende computergestützte Bildsprache.

Im Austausch mit Musik, Popkultur, Mode und Design erprobt und entwickelt Rafman fortlaufend neue bildgebende Verfahren. Rafmans neueste Experimente mit Künstlicher Intelligenz erfahren in der Ausstellung im K21 erstmals museale Betrachtung. Die erste Einzelausstellung des Künstlers in einem deutschen Museum zeigt einen Überblick über das seit 2008 entstehende Werk (unter anderem „Nine Eyes of Google Street View“ (2008-fortlaufend), „Kool Aid Man in Second Life“ (2008-11) und „Dream Journal“ (2019).

Im Mittelpunkt steht das aktuelle Projekt „Mainstream Media Network“, zu dem ein in Gründung befindlicher Musikfernsehkanal gehört, der das historische MTV aus den 1980-er Jahren mittels KI-Modellen wiederaufleben lässt. Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Vortrags- und Bildungsprogramm, das insbesondere die Medienkompetenz junger Menschen in den Blick nimmt. Es erscheint eine monografische Publikation.

Holly Herndon & Mat Dryhurst. Starmirror – 26. Juni bis 11. Oktober 2026

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf und die KW Institute for Contemporary Art, Berlin freuen sich, gemeinsam eine Ausstellung mit den Künstlern und Technologen Holly Herndon (*1980 in Johnson City) und Mat Dryhurst (*1984 in Birmingham) zu realisieren.

Das Duo ist international bekannt für ihre Arbeit an der Schnittstelle von Kunst, Musik, maschinellem Lernen und experimentellen Organisationsformen. Mit Starmirror verwandeln sie die Ausstellungsräume der beiden Institutionen in ein Trainingsgelände für die kollaborative Produktion von Kunst und Musik zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz.

In Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro sub schaffen sie eine immersive Klanginstallation, die gleichzeitig als Aufnahme- und Hörumgebung dient. Besucher sind eingeladen, gemeinsam mit lokalen Chören und unter der Leitung eines Vokalensembles an öffentlichen Gesangsaufnahmen teilzunehmen.

Diese bilden einen Datensatz, der es den Künstlern ermöglicht, einen KI-Chor zu entwickeln. Das speziell für das Projekt konzipierte Liederbuch basiert auf dem Moralitätenspiel „Ordo Virtutum“ der Benediktineräbtissin und Universalgelehrten Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert. Darin muss eine Seele zwischen den Kräften des Guten und des Bösen wählen. Die Ausstellung macht KI als kollektiven, menschlich mitgestalteten Prozess erfahrbar und beleuchtet die unsichtbare Rolle technischer Protokolle bei der Gestaltung der uns umgebenden Welt. Die Ausstellung ist eines von elf ausgewählten Projekten, die die Kulturstiftung des Bundes mit ihrem neuen Programm „Kunst & KI – Fonds für neue künstlerische Perspektiven auf KI und Gesellschaft” fördert.

Thomas Schütte – vom 14. November 2026 bis 18. April 2027

Das vielgestaltige Werk Thomas Schüttes (*1954 in Oldenburg) ist seit etwa 40 Jahren prägend für die Kunst der Gegenwart. Seine Werke wurden bereits in den bedeutendsten Museen der Welt gezeigt, wie zuletzt 2024 im Museum of Modern Art in New York.

Ab Herbst 2026 widmet ihm nun die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen eine umfangreiche Einzelausstellung. In Schüttes Architekturmodellen können wir Vorschläge erkennen, wie wir im öffentlichen und im privaten Raum leben können. Zugleich kommentieren diese Vorschläge aber auch die Realität unserer Gesellschaft. Den hintergründigen Humor und die Experimentierfreude mit den unterschiedlichsten Materialien und Themen zeichnen auch seine Skulpturen und Installationen aus, wenn er Knetmasse, Holz, und Textilien, neben traditionelle Techniken wie glasierte Keramik, Bronzeguss und Aquarell stellt.

Der für ungewöhnliche Präsentationsformate bekannte Künstler wird die Piazza im Erdgeschoss und den Ausstellungsraum im Untergeschoss des K21 bespielen. Die Ausstellung im K21 entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler und stellt eine neue Auseinandersetzung mit dem Ständehaus als Institution und Architektur dar.

K21 Global Art Award 2026

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen verleiht in Kooperation mit den Freunden der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen den jährlichen Kunstpreis K21 Global Art Award. Die Künstlerin Mthwakazi Marasela (*1977, in Thokoza, Südafrika) erhielt 2023 mit dem Ankauf einer Werkgruppe zum ersten Mal den Kunstpreis. 2024 ist Wang Tuo (*1984 in Changchun, China) mit seinem Werk The Second Interrogation (2022) ausgezeichnet worden. 2025 folgt als Preisträgerin die brasilianische Künstlerin Tadáskía. 2026 wird der K21 Global Art Award zum vierten Mal vergeben.

Der Preis fördert Künstlern am Anfang oder in der Mitte ihrer Karriere und ist mit einem Ankauf für die K21 Sammlung verbunden. Damit leistet er einen wichtigen Beitrag, um die Sammlung der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen vielstimmiger und pluraler zu gestalten.

Nähere Informationen: K20, Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf, K21, Ständehausstraße 1, 40217 Düsseldorf, Telefon: +49 (0)211 8381-204, E-Mail: service@kunstsammlung.de, Internet: http://www.kunstsammlung.de

Ausstellung thematisiert die Frage, wie gerechtes Zusammenleben heute möglich ist

Die Ausstellung „Grund und Boden. Wie wir miteinander leben“ im K21 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen handelt vom menschlichen Zusammenleben: von Krieg, Vertreibung, Flucht und der Zerstörung der Natur, aber auch von Wiederaufbau und Regeneration, vom Wohnen, Pflanzen, Besitzen und Teilen. Sie lädt ein, Visionen für eine gerechte und nachhaltige Zukunft zu entwerfen. Die Ausstellung, die noch bis zum 19. April 2026 zu sehen ist, erstreckt sich über das gesamte K21 sowie den angrenzenden Ständehauspark und nimmt auch den Boden, auf dem das Museum steht – geografisch wie historisch – in den Blick. Ausgehend von der Parlamentsvergangenheit des Hauses, thematisieren 34 internationale Künstlerinnen, Künstler und Kollektive unterschiedliche Formen der Verwaltung von Ressourcen – von indigenen Wirtschaftsweisen über kollektives Eigentum bis hin zu utopischen Blockchain-Projekten.

Erde, Kohle, Lotusseide, Piniennadeln, Schokolade: Die Ausstellung geht in Material und Form ans Elementare. Sie spricht die Sinne ebenso an wie den Geist. Grund und Boden führt nach Brasilien, Korea, den Kongo, Japan, die USA, China, Peru, Vietnam, den Irak, Sri Lanka, den Nahen Osten und zurück nach Deutschland. Sie spürt den Fantasien libertärer Pionierenach, die ihre eigenen Staaten gründen oder den Mars erobern möchten. Und sie blickt auf eine wichtige Grundlage des industriellen Wohlstands im Rheinland, die Kohle: Gleich mehrere Werke beschäftigen sich mit der Geschichte des Kohlebergbaus. Am letzten Tag führt eine Performance von Asche Lützerathi (umsorgt von JP Raether) nach Hambach, dem größten Braunkohletagebau Europas.

Selbstverwaltung: Freiheit vor 500 Jahren und heute

Im Zentrum steht die Frage der Selbstverwaltung. Vor 500 Jahren, zu Beginn des Buchdrucks und des Finanzkapitalismus, standen deutsche Bauern gegen Privatisierung und ein immer undurchsichtigeres Geflecht aus Pflichten und Abgaben auf. Alex Wissel befragt das Erbe des deutschen Bauernkriegs in Wandzeichnungen von Bauernprotesten damals und heute. Unter der Glaskuppel des K21 präsentiert Ugo Rondinone hunderte vergoldete Werkzeuge, die im 19. Jahrhundert von Einwanderern in New York geschnitzt und geschmiedet wurden.

Nebenan erläutern in einer Videoinstallation von Maria Thereza Alves indigene Agroforst-Agenten, wie sie ohne Unterstützung der brasilianischen Regierung ein Waldgebiet im Amazonas von der Größe Brandenburgs verwalten. Ihre Methoden zeigen, wie Wachstum für alle Lebewesen möglich ist, wenn die Synergien der Natur genutzt werden. Grace Ndiritu lässt die Natur in einem Protestzug aus Tier- und Pflanzenkostümen auftreten. Teppiche zeigen historische Demonstrationen für Land- und für Frauenrechte. Meditationskissen reihen sich um die Abbildung eines Treffens der Artist Placement Group (1966–1989) mit Vertretern aus Düsseldorfer Wirtschaft und Verwaltung 1971 in der Düsseldorfer Kunsthalle.

Ebenfalls in Düsseldorf besetzten im selben Jahr Chris Reinecke und Lutz Mommartz den Gustaf-Gründgens-Platz vor dem Schauspielhaus und demonstrierten gegen von der Politik tolerierten Mietwucher. Mommartz‘ Film „Mietersolidarität“ zeigt eine Ansprache Reineckes gegen Spekulation mit „Grund und Boden“. Neben Reineckes Protestplakaten für die „Mietersolidarität“ werden auch ihre satirischen Entwürfe für selbstgebaute Siedlungen und Beete im Hofgarten gezeigt, der 1769 als erster öffentliche Park Deutschlands eröffnete.

Im Ständehauspark wiederum, gegenüber dem K21, baut Havîn Al-Sîndy einen Raum des Lehmhauses neu auf, in dem sie in den Kurdischen Autonomiegebieten im Irak aufwuchs. Lehmhäuser sind eine der ältesten und meistverbreiteten Bauweisen. Sie sind buchstäblich aus dem Boden gebaut, auf dem sie stehen.

Ximena Garrido-Lecca verwandelt indes basale Elemente von Hütten, wie sie seit den 1950er Jahren von Binnenflüchtlingen an Perus Küste errichtet wurden, in Skulpturen aus Kupfer – dem Rohstoff, dessen Abbau die Anden-Bevölkerung verarmen ließ.

Auch Liu Chuang blickt in seiner Dreikanal-Videoinstallation in die Berge, allerdings nach Südostasien, wo Bergvölker nach Jahrtausenden ihre Autonomie verlieren. Chuang vergleicht Bergvölker mit Blockchain-Minern, die auf der Suche nach günstiger Energie mit den Jahreszeiten über das Land ziehen wie Zugvögel. Die Utopie einer Selbstverwaltung ohne Nationalstaat wird auch in einer saalfüllenden Videoinstallation von Christopher Kulendran Thomas entworfen. Angehörige der tamilischen Diaspora fragen hier nach dem Erbe des 2009 niedergeschlagenen tamilischen Unabhängigkeitskriegs in Sri Lanka und nach Alternativen zu den von Identitätsfragen geprägten Konflikten der Gegenwart.

Auf einer ehemaligen Palmölplantage des Unilever-Konzerns im Kongo wird die Utopie der Selbstverwaltung wahr: Hier arbeiten die Autodidakten des Künstlerbundes Kongolesischer Plantagenarbeiter (CATPC) in Skulpturen aus Lehm das Erbe des Kolonialismus auf. Die Skulpturen werden 3D-gescannt, in Schokolade gegossen und auf dem Kunstmarkt verkauft. Vom Erlös haben CATPC bislang 20 Hektar Land renaturiert und ein lokales Museum gebaut. 2024 bespielten CATPC den Pavillon der Niederlande auf der Kunstbiennale von Venedig. Infolge des ersten digitalen Restitutionsversuchs via Blockchain erreichten CATPC die Ausleihe einer Holzfigur der Pende, die 1931 im Zusammenhang mit einem Aufstand gegen belgische Kolonialgewalt in ihrer Nähe entstand, aus dem Kunstmuseum Richmond, Virginia. Die Figur zeigt einen belgischen Offizier und ist ebenfalls in Grund und Boden ausgestellt. In einer handgezeichneten Karte liefern CATPC ein globales Bild von Ausbeutung und Warenströmen.

Eine Bilanz von Blockchain in der Kunst

Blockchain-Technologie spielt in vielen Werken eine Rolle. Grund und Boden ist auch eine Bilanz dieser wichtigen Tendenz in der Kunst der letzten 15 Jahre. Es wird deutlich, dass Blockchain zwar neue Ideen kollektiven Eigentums und dezentraler Verwaltung von Gütern hervorbrachte, für deren Realisierung aber inzwischen meist wieder auf staatliche Strukturen zurückgegriffen wird. terra0 etwa verwalten ein Waldbiotop in Brandenburg via Blockchain und deutschem Vereinsrecht und leisteten dafür in Abstimmung mit dem Finanzamt rechtliche Pionierarbeit.

Sarah Friend und JP Raether entwerfen mit Sybling eine Sorge-Gemeinschaft aus Vereinen und GmbHs, die individuelles Eigentum überwinden soll. Simon Denny übersetzt digitale Grundstücksangebote in Metaversen in Landschaftsmalerei. Und Johannes Büttner reist mit der Kamera nach Liberland, einem selbst erklärten Kryptostaat zwischen Serbien und Kroatien, der für 10.000 US-Dollar in Bitcoin einen Pass und ein Stück Land ausgibt. Hier stößt Büttner auf Vereinnahmungen des Freiheitsbegriffs in libertärem Denken, wie es sich in der Krypto-Szene, im Silicon Valley und zuletzt in Regierungen in Argentinien oder den USA breitmacht: Hier bedeutet Freiheit, die Märkte vom Staat zu befreien, auch mit autoritären Mitteln. In einem Gespräch im Katalog vergleichen Büttner, Alex Wissel und die Historikerin Lyndal Roper von der Universität Oxford Freiheitsbegriffe und apokalyptisches Denken zur Zeit des Bauernkriegs und heute.

Kriege damals und heute

Die damals neue Gewaltdimension der Glaubenskriege im 16. Jahrhundert stellte Pieter Brueghel d.Ä. im „Triumph des Todes“ dar, in dem Skelette Menschen jagen. Ein Ausschnitt ist auf einer zwanzig Meter breiten Leinwand nachgemalt, die über der Piazza des K21 hängt. Sie stammt aus Alex Wissels Bühnenbild für die Götz von Berlichingen Interpretation Eisenfaust des Regisseurs Jan Bonny am Schauspiel Köln (2025) und vervollständigt die oben genannten Wandzeichnungen. Die Szene lässt an heutige Kriege und Terrorangriffe denken.

Dor Guez zeigt ein gepresstes Exemplar der Malvensorte Khobiza, die an der Levante wächst und wegen ihres hohen Nährstoffgehalts während Hungersnöten gegessen wird, wie aktuell von Guez‘ Verwandten in Gaza. Boris Mikhailovs Fotografien zeigen die sozialen Verwerfungen in der Ukraine nach der Unabhängigkeit. Und in einem neuen Film von Nir Evron erinnert sich der Boden selbst an die nationalsozialistische Kriegswirtschaft und ihre Experimente mit Ersatzstoffen aus Kohle und dem kasachischen Löwenzahn unter Zwangsarbeit. In alldem strahlen Lin May Saeeds Darstellung der Sieben Schläfer von Ephesos, die von Gott in einen zweihundertjährigen Schlaf versetzt wurden, um sie vor der römischen Christenverfolgung zu schützen, eine tiefe Ruhe und Geduld aus. Noch dazu sind hier Tiere und Menschen Teil einer gleichwertigen Gemeinschaft.

Das K21 und seine Geschichte als Volksvertretung

Die Ausstellung überbrückt weit entfernte Lebensrealitäten und verortet sich zugleich bewusst in der Düsseldorfer Wirtschafts- und Kunstgeschichte, mit Künstlern wie Havîn Al-Sîndy, Joseph Beuys, Andreas Gursky, Simone Nieweg, Chris Reinecke, Thomas Ruff und Alex Wissel. Sie verortet sich auch bewusst im Ort, an dem sie stattfindet.

Das ehemalige Ständehaus am Kaiserteich war das erste gebaute Parlamentsgebäude im Rheinland. Seine historistische Neo-Renaissance-Architektur greift Elemente von vor 500 Jahren auf, der Zeit des Bauernkriegs und der Ausbildung der heutigen Wissens- und Wirtschaftsordnung. 1876 bis 1880 nach Plänen des späteren Berliner Dombaumeisters Julius Raschdorff erbaut, diente das Ständehaus als preußischer Provinziallandtag, in dem die Ständevertreter regionale Fragen berieten. Von 1949 bis 1988 hatte hier der nordrhein westfälische Landtag seinen Sitz.

2002 eröffnete das Haus grundsaniert und mit seiner ikonischen Glaskuppel als Museum für internationale Gegenwartskunst der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Es dient zugleich weiterhin als Repräsentationsgebäude für die Landesregierung.

Vertretene Künstler

Zu sehen sind Werke von Havîn Al-Sîndy, Maria Thereza Alves, Asche Lützerathi (otherhosted by Sybling – JP Raether & Sarah Friend), Joseph Beuys, AA Bronson, Johannes Büttner, Cercle d’Art des Travailleurs de Plantation Congolaise (Künstlerbund Kongolesischer Plantagenarbeiter, CATPC), Liu Chuang, Simon Denny, Jan Dibbets, Nir Evron, Simone Fattal, Ximena Garrido-Lecca, Jef Geys, Robert Gober, Dor Guez, Andreas Gursky, Christopher Kulendran Thomas, Mierle Laderman Ukeles, Richard Long, Boris Mikhailov, Gordon Matta-Clark, Lutz Mommartz, Grace Ndiritu, Simone Nieweg, Chris Reinecke, Ugo Rondinone, Thomas Ruff, Lin May Saeed, Shimabuku, terra0, Ron Tran, Franz West und Alex Wissel.

Katalog

Der Katalog zur Ausstellung, gestaltet von Studio Pyda, erscheint im Verlag Hatje Cantz und ist eine vielstimmige Einführung in die Politik, Biologie und Ökonomie von Grund und Boden. Neben Vorstellungen der Künstler und ihrer Werke enthält er Essays, Gespräche und verblüffende statistische Grafiken. Grund und Boden. Wie wir miteinander leben, hrsg. v. Susanne Gaensheimer und Kolja Reichert, Hatje Cantz Verlag, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2025, Autoren: Dirk Böttcher, Johannes Büttner, Paula Gioia, Olaf Grawert, Doris Krystof, Sebastian Peter, Kolja Reichert, Lyndal Roper, Ced’Art Tamasala und Alex Wissel, 136 Seiten, zirka 50 mehrfarbige Abbildungen, zirka 20 Infografiken, in deutscher und englischer Sprache, Preis: 24 Euro.

Nähere Informationen: K20, Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf, K21, Ständehausstraße 1, 40217 Düsseldorf, Telefon: +49 (0)211 8381-204, E-Mail: service@kunstsammlung.de, Internet: http://www.kunstsammlung.de

Wohin? Kunsthalle / Stadt / Gesellschaft der Zukunft

Die letzte Ausstellung vor der Sanierung widmet die Kunsthalle Düsseldorf einem gemeinsamen Blick in die Zukunft: der Zukunft der Kunsthalle, aber auch der Zukunft von Städten, urbanen Räumen, Gesellschaften und unserem gemeinsamen Zusammenleben.

Die Ausstellung „Wohin? Kunsthalle / Stadt / Gesellschaft der Zukunft“, die noch bis zum 1. Februar 2026 zu sehen ist, nimmt die Schwelle, an der sich die Institution befindet, zum Ausgangspunkt und öffnet sie für eine kollektive Auseinandersetzung mit Fragen des städtischen und institutionellen Zusammenlebens. Die Kunsthalle wird dabei zum Denk- und Erfahrungsraum, zum Laboratorium der Möglichkeiten. Sie lädt dazu ein, sich mit Fragen der Architektur, Stadtplanung, kulturellen Teilhabe und Gestaltung öffentlicher und gemeinsamer Orte in einer Stadt auseinanderzusetzen – insbesondere in Zeiten tiefgreifender ökologischer, sozialer und ökonomischer Umbrüche.

Künstler, Architekten, Designer, Stadtplaner und Wissenschaftler, die sich mit Themen wie grünen Städten, urbaner Mobilität, nachhaltigem Bauen, gelebter Demokratie, kultureller Teilhabe und der Rolle und Verantwortung von Kultur in diesem komplexen Gefüge beschäftigen, lassen die Besucher an ihren innovativen Ideen, Projekten und Visionen teilhaben. Die Ausstellung versteht sich nicht als abgeschlossene Präsentation, sondern als offener, sich entwickelnder Projektraum. Sie versammelt Ideen, Experimente und Vorschläge und lädt zum gemeinsamen (Weiter-)Denken und Entwickeln ein.

Wohin? fragt nach Perspektiven für die Stadt der Zukunft und rückt zentrale Herausforderungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens unserer Zeit ins Zentrum. Im Fokus stehen dabei nicht nur die Probleme, sondern vor allem kreative Lösungsvorschläge und zukunftsweisende Impulse unterschiedlichster Akteure. Wir stellen uns die Frage: Wie möchten wir in Zukunft leben? Aber vor allem auch: Wie können wir in Zukunft leben?

Ziel von Wohin? ist es, Raum für Begegnungen und Austausch zu schaffen, um gemeinsam nach Antworten auf diese Fragen zu suchen. Die Besucher sind eingeladen, sich aktiv einzubringen: mit Fragen, Gedanken, Kritik und Fantasie für die Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft. Zahlreiche Projekte und Formate regen zum Mitdenken, Mitgestalten und Erleben ein.

Mit Anouchka Strunden, Bureau Baubotanik, Club Real, Fari Shams & Every House has a door, Jan Kamensky, Luca Kohlmetz, Martin Pfeifle, Max Mundhenke & Jan Silbersiepe, MY-CO-X, Neonature, Offenbach Institut für Mobilitätsdesign, Paul Hutchinson, rampe:aktion, Stöbe Architekten & Molestina Architekten + Stadtplaner, Van Bo-Le Mentzel, Verbunt – Jugendkunst Düsseldorf e.V., Veronika Pfaffinger, Zentrum für Peripherie

Wohin? ist ein gemeinsames Abschiedsprojekt des Teams der Kunsthalle Düsseldorf und zugleich ein gemeinsamer Aufbruch in eine offene Zukunft.

Nähere Informationen: Kunsthalle Düsseldorf, Grabbeplatz 4, 40213 Düsseldorf, Telefon: +49 (0)211 54237710, E-Mail: mail@kunsthalle-duesseldorf.de

Limburgs Museum regt mit einer Ausstellung über Erotik die Sinne an

Mit der neuen Ausstellung „Erotik – Jenseits von Schönheit und Scham (Erotiek – Voorbij schoonheid en schaamte)“ nimmt das Limburgs Museum in Venlo seine Besucher noch bis zum 4. Januar 2026 mit auf eine spannende Zeitreise vom späten Mittelalter bis in die Gegenwart.

In der Ausstellung bringt das Museum Limburger Künstler wie Tanja Ritterbex und Han van Wetering mit internationalen Größen wie Rineke Dijkstra, Erwin Olaf, Marlene Dumas und David LaChapelle zusammen und gibt reichlich Gelegenheit, Antworten auf die eine Frage zu finden: Was bedeutet Erotik für Sie?

Das menschliche Begehren ist so vielfältig wie die Menschheit selbst. Liebe und Lust, Vergnügen und Verspieltheit, Scham und Schmerz: Jeder hat andere Gedanken und Gefühle dazu. Die Ausstellung Erotik – Jenseits von Schönheit und Scham ist eine Ode an diese Diversität. „Denn Erotik ist Teil des Menschseins“, sagt der Kurator Edwin Becker, geboren in Limburg und im Hauptberuf Chefkurator für Ausstellungen im Van Gogh Museum. „So unterschiedlich und persönlich die Erotik auch sein mag, wir alle kommen mit ihr in Berührung. Das ist wunderbar und kompliziert, schön und schwierig, befreiend und einschränkend.“

Gemeinsam mit dem Designer Peter de Kimpe und nach einem Konzept von Laura Adams hat Becker die Ausstellung anhand von drei Themen zusammengestellt: Körper und Geist, Erotik und Religion sowie Schönheit und Tod. Das erste Thema, Körper und Geist, befasst sich mit der Spannung zwischen dem Verlangen des Geistes und dem Verlangen des Körpers. „Macht der Körper alles, was der Geist ihm vorgibt? Wo liegt die Macht im Spiel des Beobachtens und Beobachtetwerdens? Und was wäre, wenn wir rein vom Geist ausgehen würden?“ So führt die Reise vom sehnsüchtigen Blick des in Venlo geborenen Jean Laudy bis zur stilisierten Erotik von Robert Mapplethorpe, Araki Nobuyoshi und vielen anderen.

Die Macht der Fantasie

Das Thema Erotik und Religion befasst sich mit der ambivalenten Haltung der Kirche gegenüber der Erotik. Neben sinnlichen „Reliquien“ befinden sich in diesem Raum zum Beispiel Bleiglasfenster von Helen Verhoeven, die voller erotischer Anspielungen sind. „Offiziell war Sexualität sündig und diente nur der Fortpflanzung. Diese Repression der Kirche brachte auch viel Leid mit sich. Mit Blick auf die nackten Marias und die Sünder beim Liebesspiel wird jedoch deutlich, dass mit der richtigen Vorstellungskraft, Suggestion und Symbolik vielleicht mehr möglich war, als es heute der Fall ist. Zumindest in der Kunst.“

Das dritte und letzte Thema, Schönheit und Tod, führt die Besucher zur sexuellen Revolution der 1960er- und 1970er-Jahre. Es umfasst Arbeiten von Ed van der Elsken, eine Skulptur von Wim Delvoye und Fotografien von Andres Serrano. Mit einer Reihe verhängnisvoller Frauen endet die Ausstellung mit der Ekstase, die die Erotik mit dem Tod teilt. Becker: „Durch die Ekstase löst man sich so sehr vom Hier und Jetzt, dass man das Irdische – wie im Tod – für einen Moment transzendiert.“ Bei Künstlern wie Desiree Dolron und Bill Viola erhält die Erotik auf diese Weise eine rituelle und spirituelle Aufladung.

Limburger Geschichten

So untersucht Erotik – Jenseits von Schönheit und Scham das Thema Erotik aus einer Limburger Perspektive in einem internationalen Kontext. In einer spannenden Audioführung bespricht der Regisseur, Moderator und Theaterproduzent Lucas De Man unter anderem mit Marloes IJpelaar von der feministischen Theatergruppe Club Lam eine Reihe von Kunstwerken. Um die Kunstwerke herum finden sich persönliche und manchmal intime Gedanken verschiedener Limburger jeden Alters, die erzählen, was Erotik für sie bedeutet.

Ihre Geschichten fügen der Ausstellung eine persönliche Ebene hinzu und regen die Besucher an, in der großen Auswahl an Werken zu entdecken, was Erotik für sie selbst bedeuten kann. Diese Gedanken können im Museum ausgetauscht werden. Gemeinsam werfen wir so ein neues Licht auf ein komplexes und zeitloses Thema.

Ons Limburgs Museum

Ergänzend zur Ausstellung in Venlo erforschen wir auf ons.limburgsmuseum.nl, der interaktiven Plattform für Geschichten des Limburgs Museum, gemeinsam mit den Menschen in Limburg, welche Rolle die Welt des Internets für das Erleben von Erotik spielt. Besucher können auch ihre eigenen Geschichten oder Kommentare hinterlassen. Dies kann unter Angabe des Namens, aber auch anonym geschehen. Die erste Geschichte über Liebe und Begegnungen in der Offline- und Online-Welt wurde Ende April veröffentlicht.

Nähere Informationen: Limburger Museum, Keulsepoort 5, Venlo, Telefon +31773522112, E-Mail: info@limburgsmuseum.nl, Internet: www.limburgsmuseum.nl

Die Kunst, der Schmetterling, die Symmetrie – Von Thomas Gatzemeier

Über Ordnung, Ausgleich und die stille Wirkung von Bildern

Der Schmetterling gehört zu den Bildmotiven, die fast jeder sofort versteht – und die dennoch nie banal werden. Er ist leicht und zugleich präzise, farbig und dennoch geordnet. Seine besondere Wirkung verdankt er nicht nur seiner Schönheit oder Symbolik, sondern einer formalen Eigenschaft, die tief in unserer Wahrnehmung verankert ist: der Symmetrie.

Symmetrie ist kein dekoratives Beiwerk. Sie ist ein Ordnungsprinzip – in der Natur ebenso wie in der Kunst. Schmetterling Symmetrie Kunst gehören oft zusammen.

Symmetrie als Grundlage des Sehens

Symmetrie begleitet die Kunstgeschichte von Anfang an. Lange bevor sie theoretisch beschrieben wurde, war sie Teil des Sehens selbst. Das menschliche Auge erkennt symmetrische Formen schneller und mit weniger Anstrengung. Sie geben Orientierung, sie schaffen Halt.

In der Kunst wurde Symmetrie deshalb immer dort eingesetzt, wo Ruhe, Stabilität und Dauer vermittelt werden sollten. Zentrale Bildachsen, ausgewogene Proportionen, spiegelnde Strukturen sammeln den Blick. Sie lenken ihn nicht ab, sondern führen ihn zur Mitte. Ein symmetrisch aufgebautes Bild sagt nicht: Schau weiter. Es sagt: Hier kannst du bleiben.

Der Schmetterling als ideales Bildmotiv

Der Körperbau des Schmetterlings ist für diese Wirkung nahezu ideal. Seine Flügel bilden eine klare Mittelachse, eine natürliche Ordnung. Zugleich ist diese Symmetrie nie vollkommen. Kleine Abweichungen in Zeichnung, Farbe oder Form machen jedes Tier einzigartig.

Gerade dieses Zusammenspiel aus Ordnung und Abweichung verleiht dem Schmetterling seine bildnerische Kraft. Er wirkt ruhig, ohne starr zu sein. Ausgeglichen, ohne leblos zu wirken. Als Bildmotiv ist er damit prädestiniert für Darstellungen, die nicht laut auftreten, sondern dauerhaft wirken sollen.

Kunstgeschichtliche Bezüge

Die Kunstgeschichte kennt Symmetrie nicht als starres Schema, sondern als tragende Struktur. In der Renaissance wird sie zum Ausdruck von Harmonie und Maß, im Barock stabilisiert sie komplexe Bildräume. Auch dort, wo Bewegtheit und Fülle dominieren, bleibt ein inneres Gleichgewicht spürbar- Schmetterling Symmetrie Kunst.

Die Moderne bricht diese Ordnung bewusst – doch selbst im Bruch bleibt Symmetrie als Referenz erhalten. Oft wird sie nicht mehr gezeigt, sondern unterlaufen. Gerade dadurch wird ihre Bedeutung sichtbar.

Der Schmetterling fügt sich in diese Linien ein, ohne historisch zu wirken. Er ist zugleich Naturform und konstruiertes Bildzeichen. Ein Motiv, das Ordnung sichtbar macht, ohne sie zu behaupten.

Erzählen und Ordnung – zwei Seiten derselben Medaille

Zeitgenössische Schmetterlingsdarstellungen zeigen, dass Symmetrie und Erzählen kein Widerspruch sind. In manchen Arbeiten steht der Falter frei und konzentriert im Raum, in anderen tritt er in Beziehung zu weiteren Naturelementen und entwickelt eine leise erzählerische Dimension.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Schlankjungfer:

Mehrere Insekten begegnen sich auf einem historischen Kontenblatt, ergänzt durch scheinbar beiläufige Motive wie eine Erdbeere oder eine Raupe. Trotz dieser erzählerischen Erweiterung bleibt das Bild im Gleichgewicht. Die Ordnung führt den Blick, die Geschichte entfaltet sich nicht durch Bewegung, sondern durch Beziehungen. Symmetrie wird hier nicht aufgehoben, sondern erweitert. Sie trägt das Erzählerische, statt ihm im Weg zu stehen. Schmetterling Symmetrie Kunst sind oft eine Einheit.

Die Serie Falter-Porträt: Symmetrie als monumentales Prinzip

Besonders konsequent tritt dieses Ordnungsprinzip in der Serie Falter-Porträt hervor. Hier wird Symmetrie selbst zum beherrschenden Thema des Bildes. Die Falter erscheinen frontal, entlang einer klaren Mittelachse organisiert, von erzählerischen Ablenkungen befreit.

Gerade durch diese Strenge entfalten die Arbeiten ihre monumentale Wirkung. Sie entsteht nicht aus Größe allein, sondern aus der Konsequenz der Ordnung und der außerordentlich filigranen, handwerklich komplexen Ausführung. In feinsten Details der Flügelzeichnung, in minimalen Verschiebungen von Farbe, Linie und Struktur verdichtet sich das Bild zu einer konzentrierten Präsenz. Die Symmetrie wirkt hier kraftvoll und standhaft – als visuelles Fundament, das Räume prägt, sammelt und dauerhaft trägt.

Ein stiller Gegenentwurf zur visuellen Unruhe – Schmetterling Symmetrie Kunst

Unsere visuelle Gegenwart ist laut. Bilder wechseln, fordern Aufmerksamkeit, konkurrieren. In diesem Umfeld gewinnen Motive an Bedeutung, die nichts verlangen.

Schmetterlinge, klar komponiert und ausgewogen dargestellt, wirken wie ein Gegenpol. Sie drängen sich nicht auf. Sie sind da. Und genau dadurch entfalten sie ihre Kraft.

Auch in den Arbeiten von Thomas Gatzemeier steht diese Wirkung im Mittelpunkt. Ob einzeln gesetzt oder in erzählerischen Konstellationen – die Ordnung bleibt spürbar. Symmetrie wird hier nicht zur Formel, sondern zum Werkzeug der Konzentration.

Über den Autor:

Am dunkelsten Tag des Jahres 1954 im sächsischen Döbeln geboren, wurde Thomas Gatzemeier ungefragt von einem katholischen Pfarrer getauft.

Als Kind buk er heimlich einen Kuchen, der als Brot gut ankam. Dieses scheinbare Missgeschick inspirierte ihn dazu, eine Ausbildung als Schrift- und Plakatmaler zu absolvieren, um Pinsel und Stift zu beherrschen.

Er arbeitete anschließend auch als Steinmetzgehilfe und Grabsteindesigner. Nach dieser Grundausbildung studierte er Malerei und Grafik an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo Arno Rink und Volker Stelzmann zu seinen Lehrern zählten. 1980 beendete er sein Studium und ist seitdem als freier Künstler, Autor, Kunsthändler, Blogger und Freizeitkoch tätig.

Konflikte mit den Machthabern der SBZ und ein mehrjähriges Ausstellungsverbot bewegten ihn 1986 dazu, die SBZ zu verlassen. Danach lebte er vorwiegend in Karlsruhe, verbrachte aber auch längere Zeit in Zürich und nahe Worpswede. Von 2006 bis 2015 hatte er ein weiteres Atelier in Leipzig. Nach 34 Jahren Hauptwohnsitz in Karlsruhe verlegte der Wanderer zwischen den Welten im Februar 2020 seinen Wohnsitz endgültig nach Leipzig.

Nähere Informationen: Thomas Gatzemeier, Gottschallstraße 24, 04157 Leipzig, Telefon: 0172 6102535, E-Mail: info@thomas-gatzemeier.de

Alles fließt – die Kunst von heute im Dordrechts Museum

Noch bis 15. März 2026 präsentiert das Dordrechts Museum „Alles fließt – aktuelle Perspektiven in der Museumssammlung“. Erstmals vereint die Ausstellung aktuelle Erwerbungen und langfristige Leihgaben aus den Jahren 2020–2025: eine facettenreiche Serie von Gemälden, Videowerken und Skulpturen führender zeitgenössischer Künstler. Ihre Arbeiten führen Besucher durch zeitgenössische Landschaften, Porträts, Traumwelten und Reflexionen über das 21. Jahrhundert.

Reichtum und Vielfalt

Von langen Haarsträhnen, die in einem monumentalen Gemälde von Katinka Lampe um ein Gesicht schwingen, bis hin zu einem Ozean voller Plastiksuppe in einem Video von Anouk Kruithof: Die in „Alles fliesst“ ausgestellten Kunstwerke zeigen die Harmonie und Unharmonie zwischen Mensch, Natur und Gesellschaft. Einige Werke sind eine aktuelle Fortsetzung großer Gemälde aus der Vergangenheit, wie das riesige Gemälde voller Vögel von Niek Hendrix, inspiriert von einem historischen Deckengemälde. Gleichzeitig baut das Museum eine Sammlung für zukünftige Generationen auf: Es ist nicht umsonst, dass die Vögel in einen Regenbogen aus Farben getaucht sind, der den Reichtum und die Vielfalt unserer Welt widerspiegelt.

Führende Künstler

Die Ausstellung zeigt Werke führender Künstler – darunter Abul Hisham (Gewinner des De Scheffer Art Prize 2024), Carla Klein, Iris Kensmil, Neo Matloga, Femmy Otten, Umar Rashid, Emma Talbot, Agnes Waruguru und Evi Vingerling – und zeigt, wie sie die Polyphonie der Kunst des 21. Jahrhunderts mit kritischen Visionen und poetischen Perspektiven zum Leben erwecken. „Kunst im 21. Jahrhundert ist wie ein Strom von Geschichten, Bildern und Ideen, in dem viele Perspektiven koexistieren“, sagt Wilma Sütö, Kuratorin für zeitgenössische Kunst und Kuratorin der Ausstellung.

Künstler

Die Ausstellung „Alles fließt“ enthält Werke von: Abul Hisham (Gewinner des De Scheffer Kunstpreises), dem Duo Maria Roosen & Jiří Pačinek, Iris Kensmil, Neo Matloga, Femmy Otten, Jennifer Tee, Katinka Lampe, Anouk Kruithof, Fiona Lutjenhuis, Rory Pilgrim, Agnes Waruguru, Charlott Weise, Emma Talbot, Evi Vingerling, Juul Kraijer, Niek Hendrix, Frans van Lent, Carla Klein, Umar Rashid, Hans Broek und Charlotte Schleiffert.

Dank an

Die neuen Erwerbungen wären ohne die großzügige Unterstützung von Mitteln, privaten Spendern und Kooperationspartnern nicht möglich gewesen. Dank ihnen kann das Dordrechts Museum die Sammlung bereichern und aktuelle Perspektiven für die Zukunft bewahren. In dieser Zeit ist das Museum auch unternehmerischer geworden: Wir suchen aktiv die Zusammenarbeit mit Partnern, die unsere Mission teilen, gemeinsam eine vielseitige Sammlung aufzubauen. Zum Beispiel arbeiten wir mit Künstlern, Institutionen und Sammlern zusammen, die dazu beitragen, verschiedene Geschichten sichtbar zu machen – über Menschen, Natur, Identität und Gesellschaft. Auf diese Weise wächst die Sammlung nicht nur an Bedeutung, sondern auch an Bedeutung und Ausdruckskraft.

Nähere Informationen: Dordrechts Museum, Museumstraat 40, 3311 XP Dordrecht, Telefon: +31 (0)78 770 8708, E-Mail: info@dordrechtsmuseum.nl

Die Neue Leipziger Schule“ entsteht in Assen nicht

Mit ‚Hotspot Leipzig‘ präsentiert das Drents Museum seine Sammlung neuer Gemälde aus Leipzig. Dennoch ist die Ausstellung enttäuschend. Die Frage bleibt sogar: Gibt es überhaupt eine Neue Leipziger Schule?

„Hotspot Leipzig“ ist ein passender Name für eine Ausstellung im Drents Museum über aktuelle Kunst aus Leipzig. Denn die Stadt im Osten Deutschlands war und ist ein Zentrum der Malerei, besonders rund um die Leipziger Baumwollspinnerei, die seit 2005 als „Die Spinnerei“bekannt ist.Nach der Schließung nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Fabrik von Künstlern und anderen Kreativen übernommen, die oft an der Leipziger Kunstakademie studiert hatten. Ein Kurs, in dem Künstler wie Werner Tübke und Wolfgang Mattheuer in der DDR-Zeit realistische Malerei unterrichteten. Neo Rauch und Rosa Loy, das Künstlerpaar, das weltweit das Visitenzeichen der sogenannten Neuen Leipziger Schule ist, haben seit 1994 ein Atelier in der Spinnerei.

Seit 2009 zeigt das Drents Museum regelmäßig Werke eines oder mehrerer Leipziger Künstler. Im vergangenen Jahr konnte das Museum schließlich ein Werk von Neo Rauch erwerben, das Gemälde „Das Dreibein“ von 2024. Heute sind etwa 50 Gemälde aus der Sammlung bis zum 5. April 2026 in der Abteihalle und der Kreuzgangshalle ausgestellt.

Meterhohe Leinwände

Direkt neben dem einleitenden Text hängt das Werk von Neo Rauch. Obwohl dies ein markanter Ort ist, ertrinkt das 50 mal 40 Zentimeter große Gemälde im Raum neben der großen Texttafel. Gerade für diejenigen, die Rauchs metergroße Leinwände gewohnt sind, wirkt dies eher wie eine Vorstudie. Außerdem gibt die Ausstellung keine Erklärung zu diesem Gemälde oder zu den anderen Werken. Dank eines Videos, in dem der Leiter des Drents Museums, Harry Tupan, über seine Leidenschaft für die Leipziger Malerei spricht, können Besucher etwas über die Hintergrundgeschichte der Spinnerei erfahren. So erklärt er beispielsweise, dass es so etwas wie eine ‚Neue Leipziger Schule-Stijl‘ nicht gibt: Obwohl die Künstler an derselben Akademie studierten, wählten sie jeweils ihre eigene Richtung. Details dazu sind im Katalog zu lesen – der auch alle 80 Werke des Museums zeigt.

Theatralische Menschenfiguren

Im Museum erhielten die Gemälde nur eine Namensplakette, und es gibt keine weiteren Erklärungen zu den Künstlern. Dies ist daher eher eine Auswahl aus der Sammlung als eine eigenständige Ausstellung, die die Neuwe Lepiziger Schule interpretiert und erkundet. Das ist schade, denn so bleiben der ‚Hotspot‘ und die größere Perspektive etwas im Hintergrund.Allerdings kann der Besucher durch genaue Betrachtung selbst Kreuzverbindungen entdecken. Christoph Ruckhäberle (1972) schafft beispielsweise eine vielfarbige Inszenierung mit theatralischen Menschenfiguren, die entfernt an die surrealistischen Situationen von Rauch (1960) und Loy (1958) erinnern. David Schnell (1971) hat sich wie Dorothee Liebscher (1987) für eine viel fragmentiertere Darstellung der Realität entschieden: Es sind Landschaften, die aus gemalten Linien bestehen. Ob es sich um die Andeutung einer tatsächlichen Landschaft oder ein flaches Gemälde handelt, die Künstler überlassen es dem Betrachter. Es gibt ein faszinierendes, pop-art-ähnliches Gemälde von Frauen, die Pfeifen rauchen, gemalt von Malte Masemann (1979), einer ehemaligen Schülerin von Rauch, der Frauen in historischen Kontexten oft eine prominente Rolle zuschreibt.Unterdessen betrachten die Künstler von einer kleinen Wand aus die Besucher in fünf Selbstporträts. Ihre stillschweigende Botschaft: Wenn du sie wirklich kennenlernen willst, ist es am besten, nach Leipzig zu gehen. (Von Joke de Wolf aus der Museumstijdschrift)

Nähere Informationen: Drents Museum, Brink 1, 9401 HS Assen, Telefon 0592 377773, E-Mail: info@drentsmuseum.nl, Internet: www.drentsmuseum.nl. Geöffnet ist das Museum in der von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr.