Ausstellung „Ariel Reichman. Keiner soll frieren!“

In der Reihe „Gegenwärtig. Zeitgenössische Künstler begegnen Felix Nussbaum“ noch bis zum 10. Mai im Museumsquartier Osnabrück

Mit der Präsentation „Keiner soll frieren!“ zeigt das Felix-Nussbaum-Haus im Museumsquartier Osnabrück eine von dem Künstler Ariel Reichman konzipierte Ausstellung mit neu geschaffenen Werken. Geboren 1979 in Südafrika zur Zeit der Apartheid, ist er im Alter von 13 Jahren mit seiner Familie nach Israel eingewandert und lebt heute in Berlin.

Reichmann beschäftigt sich in seinem Werk mit der Verbindung von persönlicher Biografie, Erinnerung, persönliche Gedanken- und Gefühlswelt und dem individuellen politischen Bewusstsein. Seine Kunst kreist um Konzepte wie Empathie und menschlicher Verletzlichkeit. Als Ariel Reichman in Sofia, Bulgarien, ausstellte, besuchter er an seinem letzten Tag in der Stadt den Markt neben der Alexander-Newski-Kathedrale. Unerwartet traf er dort auf zahlreiche Utensilien mit Hakenkreuz- oder Reichsadleremblemen, die dort auf den Tischen lagen – von Besteck bis hin zu SS-Abzeichen und Anstecknadeln, Feuerzeugen und Zigarettenspitzen.

Neben Disney-Figuren und Matrjoschka-Puppen bekamen die Nazi-Devotionalien ihren Platz in der Reihe der Trivialitäten, wurden offen zur Schau gestellt und zum Erwerb angeboten. Diese spontane Konfrontation entfachte bei Reichman das intensive Bedürfnis, die Objekte aus dem öffentlichen Raum zu entfernen, ihnen ihre Präsenz zu nehmen, sie unwirksam zu machen – und wurde zum initialen Moment für die Werke der Ausstellung „Keiner soll frieren!“.

Über internationale Auktionshäuser, Online-Shops, sogar über eBay und Amazon ist der Erwerb so genannter „Nazi-Memorabilien“ möglich. Die Gegenstände reichen von Anstecknadeln und Abzeichen bis hin zu Helmen, Kleidung, Fotos und persönlichen Gegenständen. In der Folge seiner Erfahrung auf dem Markt in Sofia verfolgt Ariel Reichman mehrere dieser Live-Auktionen und erwirbt zahlreiche Nazi-Metallgegenstände. „Meine vorwiegende Motivation ist es, diese Gegenstände aus dem öffentlichen Raum zu entfernen. Der Wunsch dabei ist, dass diese Art Gegenstände am besten gar nicht mehr verfügbar sein sollten“, erläutert Ariel Reichman.

Im nächsten Schritt erhitzt Reichman diese Metallgegenstände zunächst über Feuer, so dass sie schmelzen, um sie anschließend ins Wasser zu gießen, wo sie abrupt erhärten.

Den Prozess der Zerstörung sowie den Moment der Erneuerung hält Reichman in zwei Filmen fest. Die entstandenen Metallskulpturen werden in der Ausstellung neben Fotografien von kleinen Papier- und Wachsblumen präsentiert, die wie Abzeichen im Nationalsozialismus als Dank für die Spende im Rahmen des Winterhilfswerks verschenkt wurden – eine mit großem Propagandaaufwand jährlich durchgeführte Sammel- und Spendenaktion zur Unterstützung ‚bedürftiger Volksgenossen‘ zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland.

„Keiner soll hungern, keiner soll frieren!“ lautete die Direktive für das erste Winterhilfswerk im Jahr 1933. Hinter den scheinbar harmlosen Sammlerstücken steckte ein kalkuliertes System nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik und Beeinflussungsstrategie. „Keiner soll frieren!“ lautet auch der Ausstellungstitel und befragt mit Kunstwerken, die den Prozess der Umformung und Transformation thematisieren, ob man Geschichte überwinden kann. Was bleibt an Dingen, Architekturen, in Körpern oder auch im Denken von der Vergangenheit haften?

Ergänzt wird die Ausstellung durch den von Reichman gestalteten Space of Mourning, einen Raum des bewussten Innehaltens und der kollektiven Trauer, inspiriert von der jüdischen Tradition der Schiwa. Auf dem Weg dorthin begegnen Besucher der Lichtinstallation I am (not) safe sowie einem interaktiven Sockel, über den per Knopfdruck die Frage „Am I Safe?“ mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden kann – eine persönliche Rückmeldung, die sichtbar nach außen wirkt. In einem von Ariel Reichman im Rahmen der Ausstellung entwickelten und angeleiteten dreiteiligen Workshop „Anxious about the Situation?“ geht der Künstler gemeinsam mit einer Tänzerin, einer Musikerin und einer Psychologin auf verschiedenen Ebenen dem Gefühl der Angst und dem komplexen Konzept der Sicherheit nach.

Unterstützt wird die Ausstellung von der LEAP Foundation und Artis. Das Vermittlungsprogramm wird durch die VGH Stiftung gefördert. Kooperationspartner ist die Felix-Nussbaum-Gesellschaft Osnabrück.

Nähere Informationen: Museumsquartier Osnabrück, Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück, E-Mail: museum@osnabrueck.de, Telefon: 0541 323-2207 oder 0541 323-2237. Geöffnet ist das Museum Dienstag bis Freitag: 11 bis18 Uhr, Samstag und Sonntag: 10 bis 18 Uhr.

Die blutigen Hände in Somy Samanis Fotografie „Confidential“

Politische Kunst als Reaktion auf die Proteste gegen die Mullah-Diktatur im Iran

Die Fotografie „Confidential“ von Somy Samani kann als ein künstlerisches Zeugnis der iranischen Revolution im Januar 2026 verstanden werden, obwohl diese Arbeit schon 2023 entstand.

Still, kontrolliert und bewusst zurückgenommen zeigt sie eine sitzende Frau, deren Gesicht teilweise verschleiert ist. Nichts an dieser Fotografie ist laut – und doch verdichtet sich in ihr eine politische Erfahrung, die für viele Revolutionen gilt, für die iranische jedoch in besonderer Weise.

Der Blick des Betrachters wird unweigerlich auf die Hände gelenkt: rot gefärbt, offen sichtbar, nicht versteckt. Es sind blutige Hände, die hier nicht als Schockmoment, sondern als reflektiertes Symbol erscheinen. Genau darin liegt die besondere Stärke dieser Arbeit.

Die iranische Revolution 2026 unterscheidet sich von früheren Protestbewegungen durch ihre existenzielle Zuspitzung. Sie ist kein symbolischer Aufstand mehr, sondern ein offener Kampf um politische und körperliche Selbstbestimmung. Somy Samani hat wie so viele Künstler eine Ahnung von dem, was kommen wird und reagiert mit einer bewusst inszenierten Bildform, die Distanz schafft – und gerade dadurch Tiefe gewinnt.

Die Figur in „Confidential“ steht nicht für eine konkrete Person. Sie ist anonym, stellvertretend, beinahe zeitlos. Diese Anonymität verweist auf die kollektive Erfahrung einer Revolution, auf die vielen Namenlosen, deren Handeln sichtbar wird, während ihre Identität verborgen bleiben muss.

Verantwortung statt Heroisierung

Im Zentrum der Fotografie stehen die blutigen Hände. Somy Samani versteht sie nicht als Anklage und nicht als moralische Überhöhung. Sie sind vielmehr Ausdruck einer bitteren Realität:

Denn wirkliche Revolutionen verlaufen nicht unblutig. Wer sich gegen ein repressives System erhebt, muss bereit sein, Verantwortung zu übernehmen – auch dort, wo Gewalt unausweichlich wird, um nicht selbst zum Opfer zu werden und andere zu schützen.

Die Fotografie „Confidential“ verweigert das Bild der sauberen, makellosen Befreiung. Die Illusion einer friedlichen Revolution, die letztendlich wie 1989 in Deutschland lediglich einen ökonomischen Charakter hatte und „Werte“ nicht thematisiert. Alte Eliten übernimmt und zu den nächsten gesellschaftlichen Problemen führt.

So exportierte Deutschland noch im Jahr 2025 für 500 Millionen Euro Güter, Maschinen und Ausrüstungen, in den Iran, die es dem Regime ermöglichten, seine Macht zu erhalten und indirekt den russischen Krieg in der Ukraine zu unterstützen.

Die roten Hände sind ruhig, nicht aggressiv. Sie zeigen keinen Akt der Gewalt, sondern deren Konsequenz. Damit verschiebt Samani den Blick von der Tat zur Verantwortung – ein zentraler Gedanke innerhalb der iranischen politischen Kunst.

Zensur, Metapher und die Sprache iranischer politischer Kunst

Die Bildsprache von „Confidential“ ist ohne den Kontext staatlicher Zensur nicht zu verstehen. Unter dem derzeitigen Regime entwickelten iranische Künstler über Jahrzehnte eine hochkomplexe visuelle Metaphorik, um politische Kritik zu tarnen. Offene Aussagen waren – und sind – oft unmöglich.

Erwähnt sei hier der Film „Taxi Teheran“ oder das Buch Persepolis von Marjane Satrapi . Taxi Teheran (Originaltitel: Taxi) ist eine iranische Dokufiktion des Regisseurs und Regimekritikers Dschafar Panahi aus dem Jahr 2015. In dem Film fährt ein Taxi durch die Straßen Teherans und nimmt verschiedene Fahrgäste auf, um sie zu ihren Bestimmungsorten zu bringen. Einige unter ihnen erkennen, dass der Regisseur Panahi am Steuer sitzt, der wegen seiner Filme Berufsverbot erteilt bekam und zu Gefängnisstrafen verurteilt wurde. Am Armaturenbrett hat er eine Kamera befestigt, die er auf die Fahrgäste richtet, während er sich mit ihnen unterhält.

Persepolis ist eine französische Graphic Novel von Marjane Satrapi, einer 1969 im Iran geborenen, heute in Paris lebenden Autorin und Zeichnerin von Comicromanen und Kinderbüchern. In dem vierteiligen Werk, das in Deutschland in zwei Bänden herausgegeben wurde, beschreibt sie ihre Kindheit im Iran, ihre spätere Zeit im Ausland und die Rückkehr in ihr Heimatland.

Während in der Diaspora oder in revolutionären Momenten wie 2022 explizite Symbole genutzt werden – etwa abgeschnittenes Haar oder die Farben der Flagge –, arbeiten viele Künstler weiterhin mit Zeichen, die für Außenstehende harmlos wirken. Alltagsgegenstände, Körperhaltungen oder Naturmotive werden zu Trägern politischer Bedeutung.

Somy Samani bewegt sich bewusst in dieser Tradition. Die Fotografie „Confidential“ ist kein offenes Protestbild. Ihre politische Aussage liegt in der Reduktion, im Weglassen, im kontrollierten Einsatz eines einzigen, unübersehbaren Symbols: der blutigen Hände.

Somy Samani im Kontext iranischer Opposition in Kunst, Film und Literatur

Die iranische Opposition hat seit Jahrzehnten ihre stärksten Stimmen im kulturellen Raum entwickelt. Film und Literatur arbeiteten mit Andeutung, Auslassung und Symbolik, um Zensur zu umgehen. Auch die bildende Kunst wurde zu einem Ort des indirekten Widerstands.

Im Vergleich zu erzählerischen Medien konzentriert sich Somy Samani auf den einzelnen, verdichteten Moment. Ihre Fotografie erzählt keine Geschichte im klassischen Sinn – sie hält einen Zustand fest. Gerade dadurch wird „Confidential“ anschlussfähig an unterschiedliche Diskurse innerhalb der iranischen Opposition: an feministische Kämpfe, an Fragen von Verantwortung, an die Ambivalenz revolutionärer Gewalt.

„Confidential“ ist ein Bild über Revolution an sich. Es verzichtet auf Parolen, auf Pathos und auf eindeutige Schuldzuweisungen. Stattdessen zeigt es den Menschen im Moment der Entscheidung.

In einer Zeit, in der politische Bilder oft schnell konsumiert und ebenso schnell vergessen werden, behauptet sich diese Fotografie durch ihre Ruhe. Sie zwingt zur Auseinandersetzung. Und genau darin liegt ihre politische Kraft. (von Thomas Gatzemeier)

Zum Autor:

Am dunkelsten Tag des Jahres 1954 im sächsischen Döbeln geboren, wurde Thomas Gatzemeier ungefragt von einem katholischen Pfarrer getauft.

Als Kind buk er heimlich einen Kuchen, der als Brot gut ankam. Dieses scheinbare Missgeschick inspirierte ihn dazu, eine Ausbildung als Schrift- und Plakatmaler zu absolvieren, um Pinsel und Stift zu beherrschen.

Er arbeitete anschließend auch als Steinmetzgehilfe und Grabsteindesigner. Nach dieser Grundausbildung studierte er Malerei und Grafik an der renommierten Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, wo Arno Rink und Volker Stelzmann zu seinen Lehrern zählten. 1980 beendete er sein Studium und ist seitdem als freier Künstler, Autor, Kunsthändler, Blogger und Freizeitkoch tätig.

Konflikte mit den Machthabern der SBZ und ein mehrjähriges Ausstellungsverbot bewegten ihn 1986 dazu, die SBZ zu verlassen.

Danach lebte er vorwiegend in Karlsruhe, verbrachte aber auch längere Zeit in Zürich und nahe Worpswede. Von 2006 bis 2015 hatte er ein weiteres Atelier in Leipzig.

Nach 34 Jahren Hauptwohnsitz in Karlsruhe verlegte der Wanderer zwischen den Welten im Februar 2020 seinen Wohnsitz endgültig nach Leipzig.

Nähere Informationen: Thomas Gatzemeier, Gottschallstraße 24, 04157 Leipzig, Telefon: 0172 610 25 35, E-Mail: info@thomas-gatzemeier.de

Sculpture 21st: Flaka Haliti

Die 1982 in Prishtina (Kosovo) geborene Künstlerin Flaka Haliti gehört zu den profiliertesten und eigenwilligsten Künstlerinnen ihrer Generation. Im letzten Jahrzehnt hat sie eine unverwechselbare Bildsprache entwickelt, die aus dem reichen Formenrepertoire der Skulptur, der Fotografie, der Architektur und der Installationskunst schöpft. Mit konzeptueller Präzision und großer Imaginationskraft wählt sie Materialien (oft aus unserer Alltagswelt) und fügt sie scheinbar leichthändig zu immersiven Inszenierungen zusammen.

Für die Besucherinnen und Besucher des Lehmbruck Museums hat sie ein Raum-Ensemble erschaffen, das für die Architektur im wahrsten Wortsinn geschaffen ist und zugleich einen Kontrapunkt setzt: Trotz der transparenten gläsernen Hülle der Architektur grenzt sich das Werk von seiner Umgebung ab. Die Installation definiert einen inneren Bereich, den die Betrachtenden erkunden können. Die dabei zu entdeckenden skulpturalen Elemente vereinen verschiedenste Gegensätze in sich – das Vertraute und das Fremde, das Alte und das Neue, das Technoide und das Menschengemachte überbrücken verschiedene Zeiten und verbinden sich im Raum zu einem raumgreifenden Gesamtwerk.

Höhepunkt der Präsentation, die noch bis zum 8. März im Lehmbruck-Museum in Duisburg zu sehen ist, ist eine Neuproduktion der Künstlerin: Fenster eines ehemaligen Militärhangars der KFOR (Kosovo Force) werden in silbern schimmernde Stahl- und Aluminiumkonstruktionen gefasst und erheben sich zu überlebensgroßen Lichtskulpturen im Raum. Heute ist ebendieser ehemalige Militärstandort der Sitz der Kulturinstitution Autostrada Biennale Hangar – so fungieren die Werke als ein Sinnbild für Veränderung: Sie erinnern uns an die jüngste Vergangenheit, die bis in die Gegenwart hinein wirkt. Auch wenn sich ihr militärischer Ursprung erst nach und nach erschließt, ist er deutlich spürbar. Die Künstlerin transformiert das Material und verwandelt es in etwas Neues, das viele Bedeutungen in sich trägt.

Auch in ihrer Werkreihe “Its urgency got lost in reverse (while being in constant delay)“ (zu Deutsch: „Ihre Dringlichkeit ging im Rückwärtsgang verloren (während sie sich in ständiger Verzögerung befand)“) widmet sich Haliti den bis heute anhaltendenden Spannungsverhältnissen in ihrer Heimat Kosovo. Erneut nutzt sie Überreste aufgegebener Militärlager der KFOR und verwandelt sie in farbenfrohe Skulpturen. Dem Müßiggang frönend scheinen sich die zwei Roboter an ihren eigentlichen Zweck nicht zu erinnern. Nur das Material selbst, unter greller Farbe getarnt, verweist auf seine militärische Vergangenheit – nun jedoch in freundlicher, humorvoller Form. In einem scheinbar virtuellen Raum platziert, eröffnen die Skulpturen Momente der Leichtigkeit. Schimmernde Flügel, die an Engelsdarstellungen der Renaissance erinnern, verstärken das Bild und eröffnen gleichzeitig einen Moment der Hoffnung.

Haliti stellt die Verbindung zwischen Ästhetik und Kriegsführung her und übt Kritik an dem globalen Narrativ von Macht und Dominanz. Geprägt von der ständigen Präsenz militärischer Ästhetik in ihrer Heimat Kosovo, stellen die Werke von Flaka Haliti dieser einen transformierten Entwurf gegenüber. Es entstand der von der Künstlerin geprägte Begriff der „demilitarisation of aesthetics“ (dt.: Demilitarisierung der Ästhetik).

Durch die Neuanordnung von Materialien und Gegenständen, die Haliti ihren ursprünglichen Fundorten, ihrem Zweck und ihrer Zeit entnimmt, entstehen neue Konstellationen, eine anschauliche Reflexion über die Überwindung von Grenzen, über Macht und Identität. Mit feinem Humor und sensibler Poetik regen uns Halitis Werke dazu an, neue Möglichkeiten jenseits der gewohnten Pfade des Denkens in Betracht zu ziehen.

Zur Künstlerin:

Flaka Haliti (*1982 Pristina, Kosovo) studierte Grafikdesign in Pristina und Bildende Kunst an der Städelschule, Frankfurt a. M. Seit 2013 ist sie PhD in Practice-Kandidatin an der Universität für angewandte Kunst, Wien. Mit ihrem Debüt für den Kosovo-Pavillon auf der 56. Biennale in Venedig wurde sie 2015 international bekannt. Sie zeigte ihr Werk in Einzelausstellungen u. a. im mumok – Museum moderner Kunst, Wien (2014), in der Nationalgalerie des Kosovo, Pristina (2014), im Kunsthaus Hamburg (2018), in der Nationalen Galerie der Künste, Tirana (2018), der Cukrarna, Ljubljana (2023) und der Galerie Deborah Schamoni, München (2024). Haliti erhielt u. a. den Henkel Art.Award (2013), den Muslim Mulliqi X Award (2014), den ars viva-Preis für Bildende Kunst (2016), den Ludwig-Gies-Preis und die Shortlist-Nominierung für den Preis der Nationalgalerie, Berlin (2019).

Sculpture 21st

Unter dem Titel „Sculpture 21st” präsentiert das Lehmbruck Museum seit 2014, anlässlich des 50. Jubiläum des Museums, wechselnde Positionen zur zeitgenössischen Skulptur. Einige der wichtigsten Bildhauer:innen der Gegenwart – unter ihnen Tino Sehgal, Jeppe Hein, Julian Opie, Mona Hatoum, Shirin Neshat und zuletzt Peter Kogler – präsentierten in der ikonischen Glashalle des Museums ihre Werke und zeigten, wie sie die Skulptur im 21. Jahrhundert  neu definieren. Die Grenzen der Bildhauerei werden in einem der bedeutendsten Museen für Skulptur in Europa verhandelt, überschritten oder auch gänzlich aufgelöst.

Die imposante Nordhalle des Lehmbruck Museums mit ihren über sieben Meter hohen Glasscheiben bildet die architektonische Verbindung zwischen Museum und Öffentlichkeit. Mit jeder weiteren künstlerischen Interpretation dieses Raumes durch die gastierenden Künstler:innen wird die außergewöhnliche Museumsarchitektur Manfred Lehmbrucks stets aufs Neue zu einer einzigartigen Raumerfahrung. Mit jeder neuen Präsentation werden neue Schwerpunkte gesetzt und der Ausstellungsraum neu interpretiert. Durch die Glaswände sind die eindrucksvollen Werke auch außerhalb des Museums im Immanuel-Kant-Park sichtbar und bilden so die Schnittstelle zwischen Öffentlichkeit und musealem Raum. Gerade die Reihe „Sculpture 21st“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Grenzen zwischen Außenwelt und Innenraum aufzulösen und die Öffentlichkeit in die Verhandlungen um die Position der Skulptur mit einzubeziehen.

Nähere Informationen: Lehmbruck Museum, Friedrich-Wilhelm-Straße 40, 47051 Duisburg, Telefon: +49 (0)203 283-3294, Fax: +49 (0)203 283-3892, E-Mail: infolehmbruckmuseum.de

Ausstellungsvorschau 2026 und Ausblick 2027 im Städel

Das steht im Städel Museum in Frankfurt auf dem Programm: Monets Küste und die Entdeckung von Étretat, Bruegels Fantastische Welten, Neue Perspektiven mit Elmgreen & Dragset, Die Haut in der Kunst auf Papier, Große Schau zu Maria Magdalena sowie 2027 Zum Paradiesgärtlein.

Monets Küste – Die Entdeckung von Étretat – 19. März bis 5. Juli 2026

Eine Küste wird zum Mythos: Die Felsen von Étretat, in der Normandie an der Atlantikküste gelegen, zogen im 19. Jahrhundert zahlreiche Künstler in ihren Bann. Das Städel Museum präsentiert vom 19. März bis 5. Juli 2026 eine große Ausstellung über die künstlerische Entdeckung des einstigen Fischerdorfes Étretat und seinen Einfluss auf die Malerei der Moderne.

In Frankfurt werden rund 170 herausragende Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und historische Dokumente aus führenden französischen, deutschen und weiteren internationalen Museen sowie aus verschiedenen Privatsammlungen zu sehen sein. Darunter sind allein 24 Werke von Claude Monet. Étretat spielte eine bedeutende Rolle bei der Entstehung einer neuen Malerei, die als Impressionismus in die Geschichte der Kunst einging. Das Interesse der Künstler galt vor allem der charakteristischen Klippenlandschaft, die als aufregend schön und bedrohlich zugleich wahrgenommen wurde. Maler und Schriftsteller reisten nach Étretat und machten den abgelegenen Ort durch ihre Werke über die Grenzen Frankreichs hinaus berühmt.

Mit der zunehmenden touristischen Erschließung um 1850 entwickelte sich Étretat zu einem beliebten Seebad und zu einem Treffpunkt für Künstler, Intellektuelle und das Pariser Bürgertum: Gustave Courbet malte hier seine berühmten Wellenbilder, Guy de Maupassant erhob Étretat literarisch zu einem Sehnsuchtsort, und der Gentleman-Gauner Arsène Lupin, die Romanfigur von Maurice Leblanc, hortete hier seine Schätze. Auch der aufstrebende Maler Claude Monet war von der einzigartigen Steilküste mit ihren drei Felsentoren – der Porte d’Amont, der Porte d’Aval und der Manneporte – derart fasziniert, dass er ihr etliche Gemälde widmete. Unter dem Eindruck der sich stets verändernden Licht- und Wetterverhältnisse begann Monet in Étretat erstmals, Motivreihen zu malen, eine Arbeitsweise, die sich später zu seinem Markenzeichen entwickeln sollte.

Die Ausstellung vereint neben Werken von Eugène Delacroix, Gustave Courbet, Claude Monet und Henri Matisse eine Vielzahl weiterer wichtiger Positionen der modernen und zeitgenössischen Kunst – von Eugène Le Poittevin über Camille Corot, Gustave Caillebotte und Johann Wilhelm Schirmer bis hin zu Elger Esser. Gemeinsam verdeutlichen die Arbeiten die anhaltende Faszination, die dieser Ort bis heute ausübt. Die Leihgaben stammen unter anderem aus dem Musée d’Orsay in Paris, dem Metropolitan Museum of Art in New York, der National Gallery of Canada in Ottawa, dem Fitzwilliam Museum in Cambridge sowie den Staatlichen Museen zu Berlin.

Seit mehr als 150 Jahren ist Étretat Urlaubsort und Ziel des internationalen Tourismus. Die Menschenströme bedrohen die Steilküste jedoch ebenso wie die Erosion und der Klimawandel. Die Untersuchung des Mythos Étretat ermöglicht es somit auch, wie unter einem Brennglas die ambivalenten Auswirkungen der Popularisierung eines Ortes und die Rolle, die die Kunst dabei spielte, nachzuvollziehen. Mit der umfassenden Ausstellung „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“ lädt das Städel Museum ein, Étretat anhand berühmter Meisterwerke des 19. und 20. Jahrhunderts in seiner Fragilität und Faszination neu zu erkunden.

Zur Ausstellung wird ein umfassendes Vermittlungsangebot vor Ort und online angeboten. Tickets für den Besuch der Ausstellung und Überblicksführungen zu den wichtigsten Werken sind online bereits unter staedelmuseum.de erhältlich.

Elmgreen & Dragset – Stillleben mit Gemüse – 20. Mai 2026 bis 17. Januar 2027

Im Frühjahr 2026 verwandelt das Künstlerduo Elmgreen & Dragset das Städel Museum in ein faszinierendes Spiel aus Realität und Illusion. In der Sammlung Gegenwartskunst sind zwei immersive Installationen zu erleben, die mit Skulpturen sowie Interventionen der Künstler im gesamten Haus bis in die benachbarte Liebieghaus Skulpturensammlung ausstrahlen.

Auf ihrem Rundgang erleben die Besucher, wie Kunstwerke des Städel Museums aus über 700 Jahren in Dialog treten und bislang verborgene Verbindungen sichtbar werden. Seit 1995 arbeiten Elmgreen & Dragset international an der Schnittstelle von Architektur, Installation und Performance. Sie dekonstruieren scheinbar festgelegte räumliche Strukturen und transformieren öffentliche wie institutionelle Orte. Mit der Ausstellung „Stillleben mit Gemüse“ reflektiert das Duo, wie die ideologischen Kontrollmechanismen, die in bekannten Raumgestaltungen wie Bürolandschaften eingebettet sind, unsere Verhaltensmuster beeinflussen können. Indem sie den Blick der Besucher umlenken, rücken Elmgreen & Dragset in poetischen, gleichermaßen von Skepsis und Humor getragenen Szenen leicht übersehene Momente in den Fokus.

Die skandinavischen Künstler befassen sich auch mit dem Kunstbetrieb selbst und beleuchten, wie Museumsausstellungen unsere Wahrnehmung der Kunstgeschichte prägen. Elmgreen & Dragset spielen mit diesem institutionellen System und hinterfragen auf subtile Weise klassische Präsentationsformen.

Im Gegensatz zu anderen Ausstellungen erstreckt sich „Stillleben mit Gemüse“ über das gesamte Museum und die Sammlung. Sie lädt die Besucher zu einer Entdeckungsreise ein, auf der sie die Interventionen von Elmgreen & Dragset erkunden können. Diese Begegnungen verändern auf subtile Weise den Rundgang durch das Städel, schaffen eine Reihe fast surrealer Konstellationen und stellen den Besucher in den Mittelpunkt des Erlebens.

Bruegel. Printed – 18. Juni bis 20. August 2026

Pieter Bruegel der Ältere (1525/30–1569) entführt mit seinen Werken in eine fantastische Welt voller humorvoller Bildideen und rätselhafter Details. Heute vor allem als Maler bekannt, erlangte Bruegel frühzeitig als Entwerfer von Druckgrafiken Ruhm. Seine Bildschöpfungen reichen von groß angelegten Überblickslandschaften bis zu moralisierenden religiösen Sinnbildern, von Szenen des Alltags bis zu allegorischen Bildkompositionen. Bruegel ist darin ebenso Geschichtenerzähler wie kritischer Beobachter seiner Zeit.

Die Ausstellung „Bruegel. Printed“ versammelt in Frankfurt im Sommer 2026 rund 45 außergewöhnliche Druckgrafiken, die nach Bruegels Zeichnungen entstanden sind. Die Graphische Sammlung des Städel Museums verfügt über einen eindrucksvollen Bestand niederländischer Druckgrafik, darunter 30 Druckgrafiken nach Bruegels Zeichnungen. Sie bilden den Ausgangspunkt der Schau und werden ergänzt durch Leihgaben aus der Albertina in Wien und der Staatlichen Graphischen Sammlung München.

Die gezeigten Arbeiten, unter anderem sinnbildhafte Darstellungen wie Geduld (Patientia) (1557) oder Mäßigkeit (Temperantia) (um 1560), vermitteln einen lebendigen Eindruck von Bruegels facettenreicher Bildwelt, die moralische Fragen seiner Zeit aufgreift und zugleich grundlegende Aspekte menschlichen Lebens anspricht. Seine Werke vereinen präzise Beobachtung, Fantasie und erzählerische Kraft. Bruegel thematisiert menschliche Schwächen, verweist auf die Größe der Natur und richtet den Blick zugleich auf das alltägliche Miteinander. Der besondere Reiz seiner Werke entsteht durch das Zusammenspiel von Naturnähe, Einfallsreichtum und humorvoller Übertreibung. Seine Darstellungen eröffnen noch heute überraschende Perspektiven auf gesellschaftliches Miteinander, aber auch auf die Frage nach grundlegenden menschlichen Werten.

Maria Magdalena Sin. Pray. Love. – 17. September 2026 bis 17. Januar 2027

Sie ist Gefährtin Christi, Heilige und Sünderin, Sinnbild für Begehren und Buße – Maria Magdalena fasziniert seit Jahrhunderten durch ihre Widersprüchlichkeit. Von den Schriften des Neuen Testaments über mittelalterliche Legenden bis in die heutige Zeit hat sie in der Kunst unzählige Deutungen erfahren und spiegelt dabei immer auch Vorstellungen von Weiblichkeit, Spiritualität und Eigenständigkeit in der jeweiligen Zeit. Mit „Maria Magdalena“ präsentieren das Städel Museum und die Liebieghaus Skulpturensammlung die erste umfassende Ausstellung im deutschsprachigen Raum zu dieser außergewöhnlichen Figur.

Die Schau zeichnet nach, wie sich ihr Bild im Laufe der Jahrhunderte wandelte – von der asketischen Büßerin über die ekstatische Heilige bis zur modernen, selbstbestimmten Frau als Identifikationsfigur. Dabei wird Maria Magdalena zugleich als Projektionsfläche kultureller und religiöser Vorstellungen und als eigenständige, vielstimmige Gestalt gezeigt, die zwischen Körper, Glaube und den ihr zugeschriebenen gesellschaftlichen Rollen vermittelt. Wichtige Werke aus der Sammlung des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung bilden den Ausgangspunkt der Präsentation.

Rund 100 Werke aus bedeutenden deutschen und internationalen Sammlungen, darunter Gemälde, Skulpturen und Grafiken, werden in der Ausstellung vereint und verdeutlichen die künstlerische und emotionale Bandbreite der Darstellungen der Maria Magdalena. Mit besonderem Fokus auf Künstlerinnen sind in Frankfurt unter anderem Arbeiten von Artemisia Gentileschi, Lavinia Fontana, Elisabetta Sirani, Lotte Laserstein, Kiki Smith und Marlene Dumas zu sehen; daneben werden Hauptwerke bedeutender Künstler wie Albrecht Dürer, Pedro de Mena, Guercino, Georges de la Tour, Claude Lorrain, Auguste Rodin, Arnold Böcklin und Max Beckmann präsentiert. Zugleich erstreckt sich die Ausstellung bis in die ikonografische Transformation der Maria Magdalena in der Populärkultur. So zeigt die Ausstellung, wie jede Zeit ihre eigenen Fragen, Vorstellungen oder Sehnsüchte in die Figur der Maria Magdalena eingeschrieben hat und wie sie bis heute Anlass gibt, über Rollenbilder, Spiritualität und die Deutung weiblicher Erfahrung zu reflektieren.

SurFace Über Haut – 2. Dezember 2026 bis 28. Februar 2027

Mit rund zwei Quadratmetern ist die Haut das größte Organ des Menschen. Sie bedeckt und umhüllt den Körper, begrenzt und schützt ihn, ermöglicht zu fühlen. Auf ihrer Oberfläche schreiben sich Erfahrungen und Empfindungen ein; sie ist identitätsbildend, aber auch Projektionsfläche für unser Gegenüber. Die Ausstellung „SurFace. Über Haut“ rückt das faszinierende Thema der menschlichen Haut ins Zentrum. Ausgehend von ausgewählten Arbeiten der Graphischen Sammlung werden über 60 Werke verschiedener Medien und Epochen präsentiert: Zeichnung, Malerei oder Skulptur – von den Alten Meistern bis zur Gegenwartskunst entfaltet sich ein vielschichtiges Panorama, das die Wiedergabe der Haut als eine der grundlegenden Aufgaben künstlerischer Praxis vor Augen führt. Dabei zeigt sich die Haut als Spiegel von Schönheit und Verletzlichkeit, von Jugend und Alter und als Ort der Emotionen, Berührung und Begehrlichkeit.

Die Ausstellung versammelt sowohl wenig bekannte Werke als auch Arbeiten namhafter Künstler wie Hans Baldung gen. Grien, Raffael, Tizian, Peter Paul Rubens, Auguste Rodin oder Robert Mapplethorpe. Die Gegenüberstellung der Werke macht Gemeinsamkeiten und Brüche in der Darstellung der Haut sichtbar und verdeutlicht die Vielfalt gestalterischer Ansätze. Durch die verwendeten Materialien und Techniken – ob Pinsel und Farbe, Metallstift, Kreide oder Kohle oder als dreidimensionales Objekt – wird die Körperoberfläche sinnlich erfahrbar. Bereits die frühen Anleitungen zur künstlerischen Praxis thematisieren die Wiedergabe der menschlichen Haut, die zum Prüfstein für die Überzeugungskraft der Werke wird. Während Malerei und gefasste Skulpturen lange Zeit eine möglichst perfekte Nachahmung anstreben, zeigen sich in der Zeichnung schon früh Tendenzen zur Abstraktion.

Die Wahrnehmung wird von den haptischen Qualitäten der Oberfläche geprägt: von weichem Farbauftrag, zart verwischter Kreide oder dem rauen Charakter des Papiers. Darstellungen von Berührungen verstärken diese sinnliche Wirkung und verbinden Sehen, Fühlen und Begreifen. Die Kunst erweist sich damit als ein inspirierendes „Archiv“ dafür, wie wir die Haut wahrnehmen und empfinden.

Im Paradiesgarten – Kunst und Naturwahrnehmung um 1400 – 24. Februar bis 27. Juni 2027

Das Paradies – ein Ort der Sehnsucht, der seit Jahrhunderten die menschliche Vorstellungskraft beflügelt. Als irdischer wie himmlischer Garten und als Sinnbild ursprünglicher Harmonie zwischen Mensch und Natur wurde er zum Projektionsraum religiöser, philosophischer und künstlerischer Ideen. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die groß angelegte Ausstellung „Im Paradiesgarten. Kunst und Naturwahrnehmung um 1400“, die den Blick auf eine entscheidende Umbruchzeit in der europäischen Kunst richtet. Ausgangspunkt ist eines der berühmtesten und zugleich rätselhaftesten Gemälde des Städel Museums: Das Paradiesgärtlein (ca. 1410/20).

Kaum größer als ein aufgeschlagenes Buch, entfaltet die Tafel eine erstaunliche Fülle von Details. Die Muttergottes erscheint darin inmitten einer höfischen Gesellschaft; der umschlossene Garten wird zugleich als religiöses Symbol und als Ort weltlicher Liebe lesbar. Besonders beeindruckt das Werk durch seine unvergleichliche Naturnähe: Mehr als 25 Pflanzen-, 12 Vogel- und 3 Insektenarten sind mit erstaunlicher Präzision dargestellt und verweisen auf ein neu erwachtes Interesse an der Natur als Beobachtungs- und Erkenntnisraum.

Die Ausstellung rückt diese bahnbrechende Verbindung von Kunst und Naturwahrnehmung in den Mittelpunkt und bettet das Paradiesgärtlein umfassend in den historischen und künstlerischen Kontext der Zeit um 1400 in Europa ein – eine Zeit des Umbruchs, der Konflikte und des intellektuellen Austauschs. Rund 80 hochkarätige Leihgaben aus internationalen Museen – darunter die National Gallery in Washington D.C., das Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid, der Louvre in Paris und das Rijksmuseum in Amsterdam – machen diese Entwicklung erfahrbar.

Neben Gemälden von Jan van Eyck, dem „Meister von Flémalle“ und Pisanello werden Skulpturen, Goldschmiedearbeiten, Tapisserien, Zeichnungen und illuminierte Handschriften präsentiert. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine immersive Rauminstallation des Berliner Künstlers und Bühnenbildners Philipp Fürhofer, die die sinnliche Dimension des Paradiesgärtleins neu interpretiert. Schon im Mittelalter sollte das Bild nicht nur das Auge, sondern alle Sinne ansprechen – über das Zwitschern der Vögel, den Duft der Blumen, den Geschmack der Früchte, die Struktur der Stoffe. Fürhofer überträgt diese Idee in die Gegenwart und schafft ein begehbares „Paradiesgärtlein“, das die historische Bildwelt atmosphärisch erlebbar macht.

Nähere Informationen: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main, Telefon: 069-605098-0, E-Mail: info@staedelmuseum.de

German Pop Art – Zwischen Provokation und Mainstream

Die Sammlung Heinz Beck zu Gast in der Ludwig-Galerie

Das zumeist mit dem englischsprachigen Raum verknüpfte Phänomen der Pop Art findet auch in Deutschland in den 1960-er und 1970-er Jahren starke künstlerische Positionen. Diese unterscheiden sich vor allem in der Themenwahl deutlich von den amerikanischen und britischen Varianten. Vordergründig zwar an Massenkultur und Werbung orientiert, liegt den Arbeiten der deutschen Künstlern aber nicht der ungebrochene Optimismus ihrer englischsprachigen Kollegen zugrunde. Alltags- und Konsummotive sind ebenfalls Gegenstand ihrer Kunstwerke, doch sind diese hauptsächlich geprägt durch eine provokative Haltung sowie Kritik am politischen Zeitgeist, Anti-Kriegs-Haltungen und deutscher Vergangenheitsbewältigung.

Die Ausstellung „German Pop Art – Zwischen Provokation und Mainstream“, die vom 25. Januar bis 3. Mai in der Ludwig-Galerie in Oberhausen zu sehen ist, gibt mit Arbeiten von 46 Künstlern einen umfassenden Überblick über die deutschen Ausprägungen der Pop Art. Die Devise der radikalen Demokratisierung von Kunst verfolgen die Künstler mit beeindruckender Konsequenz. Indem sie sich der Druckgrafik und Multiples bedienen, also kostengünstige weit verfügbare Kunst mit hohen Auflagen herstellen, erreichen sie eine breite Öffentlichkeit. Themen wie das deutsche Wirtschaftswunder, die kritische Auseinandersetzung mit dem American Way of Life, dem Vietnamkrieg oder der kollektiven Verdrängung der jüngsten deutschen Geschichte sowie anti-museale Haltungen sind in mehr als 180 Grafiken, Objekten, Skulpturen und Multiples neu zu entdecken. Begleitend dazu lässt ein Soundwalk mit der Musik jener Jahre das Zeitgefühl lebendig werden.

Nach Ausstellungen zur amerikanischen und britischen Pop Art ermöglicht die herausragende Sammlung des Düsseldorfer Rechtsanwalts Heinz Beck (*1923 +1988), die im Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum bewahrt wird, erneut eine große Überblickschau. Ergänzt durch rund fünfzig Arbeiten aus dem eigenen Kunstbesitz der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen sowie einer Skulpturengruppe aus dem Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen, lädt die Präsentation dazu ein, sich davon zu überzeugen, dass die deutsche Pop Art den internationalen Vergleich nicht scheuen muss.

Folgende Künstler sind mit ihren Arbeiten vertreten:

Hans-Peter Alvermann I Dieter Asmus I Ulrich Baehr I Michael Jens Barge I Mary Bauermeister I Thomas Bayrle I Werner Berges I Joseph Beuys I Carl Bianga I Bodo Boden I Klaus Böttger I Klaus Peter Brehmer I Peter Brüning I Gernot Bubenik I Herbert Burger I Hans-Jürgen Diehl I Otto Dreßler I Hans-Peter Feldmann I Yolanther Fongi (eigentlich Werner Maria Gartung) I Dieter Glasmacher I Bruno Gronen I Sine Hansen I Almut Heise I Bernhard Höke I Karl Horst Hödicke I Konrad Klapheck I Peter Klasen I Fritz Köthe I Ferdinand Kriwet I Uwe Lausen I Konrad Lueg I Detlef Michelers (eigentlich Detlef Rhode) I Maina-Miriam Munsky I Siegfried Neuenhausen I Werner Nöfer I Sigmar Polke I Gerhard Richter I Rissa I Tomas Schmit I Peter Sorge I Klaus Staeck I Timm Ulrichs I Reinhard Voigt I Klaus Vogelgesang I Wolf Vostell I Lambert Maria Wintersberger

Nähere Informationen: Ludwig-Galerie, Schloss Oberhausen, Konrad-Adenauer-Allee 46, 46049 Oberhausen, Telefon: 0208 4124928, E-Mail: ludwiggalerie@oberhausen.de

Die Welten des Jan Toorop

Vom 21. Januar bis 10. Mai 2026 präsentiert das Museum Singer Laren „Die Welten des Jan Toorop“. Mit mehr als 80 Meisterwerken – Gemälden, Papierarbeiten, Skulpturen und Briefen – und überraschenden Kombinationen mit Werken von Zeitgenossen und Nachfolgern bietet die Ausstellung eine neue Perspektive auf einen der wichtigsten und vielseitigsten Künstler der Niederlande um 1900: Jan Toorop (*1858 +1928). Mit „Die Welten des Jan Toorop“ wird zum ersten Mal gezeigt, wie Toorop während seiner gesamten Karriere explizit und dauerhaft mit seinen javanischen und chinesischen Wurzeln in Verbindung steht.

Ein Weltbürger zwischen verschiedenen Kulturen

Toorop vereint verschiedene kulturelle, soziale und geografische Welten. Geboren auf der indonesischen Insel Java in der ehemaligen Kolonie Niederländisch-Ostindien, wächst er zu einem grenzenlosen Weltbürger heran, der es schafft, in jeder neuen Umgebung ein Netzwerk von Gleichgesinnten um sich zu sammeln. Seine Kindheit auf Java und Bangka bildet einen wichtigen Nährboden für seine Vorstellungskraft und öffnet ihn schon früh für verschiedene kulturelle Einflüsse. Die Begegnungen mit chinesischen Wanderarbeitern auf Bangka hinterlassen ebenfalls bleibende Spuren in seinem Denken und seiner visuellen Sprache. Er selbst fasst das treffend zusammen: „Die Indies haben mir viel bedeutet. Die Indies kann man von mir nicht ignorieren. Die Grundlage meiner Arbeit ist orientalisch.“

Avantgardist und Innovator

Um 1900 galt Toorop als der avantgardistischste Künstler der Niederlande. Er nahm neue Strömungen der europäischen Kunst auf, wie Pointillismus und Jugendstil, und gab ihnen eine ganz eigene Form. Sein Werk wird in Laren, aber auch in Paris, Wien und Kopenhagen bewundert. Toorop bringt Innovation in die traditionell konservative niederländische Kunstwelt, nicht nur durch seine von internationalen Einflüssen geprägte Arbeit, sondern auch durch die Organisation von Ausstellungen mit Künstlern aus Europa. Kein Wunder, dass er oft im selben Atemzug wie Piet Mondrian und Vincent van Gogh erwähnt wird.

Ein Künstler zwischen zwei Welten

Neben seiner Rolle als europäischer Künstler von Rang wird Toorop auch von seinen ostindischen Wurzeln geprägt. Sein indoeuropäischer Hintergrund und sein Erscheinungsbild sind für Zeitgenossen unverkennbar. Mit wachsendem Erfolg ist die Bewertung seiner Person in der Kunstkritik oft sowohl mit Faszination als auch mit Rassismus verbunden. Im Laufe der Zeit sind Toorops Ursprünge in den Hintergrund getreten: Er wird auf einen ‚weißen‘ niederländischen Künstler reduziert, während gerade seine javanesischen und chinesischen Wurzeln (mütterlicherseits) der Schlüssel zum Verständnis seiner Arbeit sind.

Eine neue Perspektive

Die Ausstellung „Die Welten des Jan Toorop“ gibt Toorop seine wahre Identität zurück. Die Ausstellung zeigt seine Arbeiten neben denen von Künstlern, die ihn inspirieren, wie James McNeill Whistler und Paul Gauguin, sowie Kunstwerke junger Menschen, die wiederum von Toorop inspiriert sind. Dies zeigt, dass Toorop kein schwer fassbares Chamäleon ist, sondern ein Künstler, der eine einzigartige visuelle Sprache entwickelt hat, in der europäische moderne Kunst und javanesische (visuelle) Kultur zusammenkommen.

Die Kreuzwegstationen des heiligen Bernulf

Einzigartig in „Die Welten des Jan Toorop“ ist die Darstellung aller vierzehn Kreuzwegstationen, ausgeliehen von der Kirche St. Bernulphus in Oosterbeek. Toorop fertigte diese Kreidezeichnungen (auf Tafel) in den Jahren 1916 bis 1919 an, in denen seine verfeinerte Detailbehandlung und ausdrucksstarken Linien deutlich sichtbar sind. Sie sind daher ein Höhepunkt seines katholisch geprägten Werks. Zusammen bilden die 14 Stationen eine Andachtsreihe, die Schritt für Schritt die letzte Phase von Christi Leben reflektieren soll. Die Kreuzwegstationen von Toorop wurden erhalten, weil die Werke 1944 während der Schlacht von Arnheim sicher in einem Gewölbe gelagert waren. Zum ersten Mal wird diese komplette Serie außerhalb der Kirche gezeigt.

Die Ausstellung wurde von der Kuratorin des Museums Singer Laren, Suzanne Veldink, zusammengestellt, die zuvor für die erfolgreiche Breitner-Ausstellung zständig war, und wurde in Zusammenarbeit mit dem Museum Sophiahof geschaffen. Die Ausstellung wird von einem reich illustrierten Katalog begleitet, herausgegeben von WBOOKS Publishers (ISBN 9789462587434, 32,50 Euro).

Nähere Informationen: Museum Singer Laren, Oude Drift 1, 1251 BS Laren, Telefon: (035) 5393939, E-Mail: museum@singerlaren.nl

Mythische Kreaturen, die zurückbeißen – eine Rezension

Das Museum van Bommel van Dam in Venlo/NL wurde von Meerjungfrauen, Zyklopen, Riesen, Sphinxen und anderen Grenzfällen zwischen Mensch, Tier und Fantasie übernommen. In der Gruppenausstellung „Fantastische Kreaturen“, die dort noch bis zum 22. März zu sehen ist, erforschen Künstler aus den Niederlanden und aus mehreren anderen Ländern neue Bedeutungen dieser mythischen Figuren.

Mit dem ersten Werk setzt die Ausstellung sofort den Ton. „Medusa“ (2022) von Susanna Inglada (*1983) ist ein monumentales, wirbelndes Textilwerk, dem man nicht entkommen kann. Inglada zeigt kein bedrohliches Monster, sondern einen weichen, gequälten Körper, aus dem blaue und grüne Tränen fließen. Die mythische Figur – von Poseidon vergewaltigt und von Athene bestraft – erscheint hier als Opfer statt als Monster. Inglada kehrt die Perspektive des Mythos um: Wer wurde hier tatsächlich zu einem Monster gemacht und von wem?

In den Werken von Nina van de Ven (*1988) erscheinen menschlich-tierische Figuren in Pastell- und Holzkohlefarben mit Lederhandschuhen, Hüten sowie Haut und Kleidung voller Tiermotive. Die Zeichnungen erinnern gleichzeitig an mittelalterliche Marginalien, ägyptische Reliefs und Comics. In dieser Vielzahl von Bildsprachen gelingt es Van de Ven, einen erkennbaren Stil in Schwarz-Weiß zu schaffen. Die Bedeutungen ihrer Zeichnungen sind nicht eindeutig. Das erinnert an die Entstehung von Bildern, die ständig neue Bedeutungen annehmen.

Die Arbeit „Inkanyamba“ (2021) von Buhlebezwe Siwani (*1987) ist eine malerische Leinwand, die aus einer goldenen Unterlage besteht, auf der eine Mischung aus billiger Seife, grünen Pigmenten und Harz gegossen wurde – eine Anspielung auf Reinigungsmittel, die von schwarzen Frauen in weißen südafrikanischen Haushalten verwendet werden. Die abstrakten Formen, besonders im Kontext der Ausstellung, wirken fast animalisch. Materielle Spuren und spirituelle Vorschläge drücken aus, wie koloniale Geschichte, Traditionen und persönliche Erfahrungen miteinander verflochten sind.

Eine vergessene Quelle

Unter allen zeitgenössischen Werken taucht ein historischer Name auf: Marianne van der Heijden (*1922 +1998). Ihre gemalten Radierungen aus den achtziger Jahren aus der eigenen Sammlung des Museums sind die Inspirationsquelle für die Ausstellung. Obwohl sie über vierzig Jahre alt sind, wirken sie überraschend frisch – Hybridfiguren, scheinbar lässig gezeichnet und leicht im Ton. Ihre Figuren scheinen ebenso sehr aus einer Kindergeschichte hervorgegangen zu sein wie aus Van der Heijdens eigener Suche nach Identität und Glauben. Die Frage ist immer, wie die Realität mit unserer Vorstellungskraft zusammenhängt oder sie sogar mythologisiert.

Der Klang, der subtil durch den Saal schwebt, entpuppt sich als „Grosse fatigue“(2013) von Camille Henrot (1978). Das Video – das 2013 in Venedig mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet wurde – zeigt Computerfenster, Archive, Tiere, Galaxien, Museumsvitrinen und Wikipedia-Seiten in einer fieberhaften Montage. Eine Stimme zählt Schöpfungsgeschichten und biologische Fakten auf, als würde alles auf denselben Schreibtisch passen. Der Film deutet auf eine Art zeitgenössische Mythologie hin: Unsere Zeit ist nicht durch eine einzige Geschichte geprägt, sondern durch eine Fülle von Geschichten, so gleichwertig wie verwirrend.

Ornamente und Tierformen

In mehreren Werken erscheinen Tiere als dekorative Motive, kombiniert mit anderen Elementen. Das Tier als Dekoration ist ein erkennbares Phänomen in einer Welt, in der echte Tiere kaum noch physisch um uns herum sind. Dies steht in starkem Gegensatz zu Angry animals“ (2024) von Hella Jongerius (*1963). In ihren Keramiktierköpfen erhalten Tiere eine ‚Stimme‘. Es handelt sich um Skulpturen, die ihre Funktion als Utensilien verloren haben und daher jegliche Form von Knechtschaft ablehnen. Sie scheinen zurückzublicken oder zurückzubeißen.

Eine klare historische Perspektive stammt von María Sosa (*1985) mit ihrer mehr als fünf Meter breiten Installation „Los monstruos no vivían aquí“ (2020). Sie basiert auf mittelalterlichen Weltkarten, auf denen unbekanntes Gebiet von Monstern bewohnt wurde. Sosa kehrt die Perspektive um: Es waren nicht die seltsamen Kreaturen, die gefährlich waren, sondern die Entdecker selbst. Das wahre Monster könnte derjenige sein, der die Karte zeichnet.

Trotz ihres mythologischen Themas ist „Fantastische Kreaturen“ keine historische oder bombastische Ausstellung. Die Werke werden sorgfältig und oft bescheiden präsentiert. Wenn man langsam hinschaut, sieht man, wie Mythen sich mit Fragen zu Geschlecht, Arbeit, Kolonialismus und der Art und Weise vermischen, wie Bilder Macht ausüben, zum Beispiel auf andere Tiere. Das Fantastische hier entpuppt sich nicht als Flucht aus der Realität, sondern als eine Möglichkeit, darüber nachzudenken, wie wir sie ordnen wollen. (von Bas Blaasse, erschienen in der neuen Ausgabe der Museumstijdschrift)

Nähere Informationen: Museum van Bommel van Dam. Keulsepoort 1, 5911 BX Venlo, Telefon: +31(0)77 3513457, E-Mail: info@vanbommelvandam.nl

Wissenswertes und Aktuelles aus der Welt der Kunst in den Niederlanden und darüber hinaus

Das Museum Magazine 1 2026 beziehungsweise die erste Ausgabe der Museumstijdschrift für dieses Jahr ist erschienen: eine kosmopolitische Ausgabe voller Geschichten über weltberühmte Kunst aus den Niederlanden und dem Rest der Welt.

Zum Beispiel spricht Simon Schama in einem überraschenden Interview über seine zwei großen Faszinationen: Vögel und Kunst. Der renommierte britische Historiker schuf die Ausstellung „Vögel“ im Mauritshuis, in der auch das Gemälde „Der Stieglitz“ aus dem Jahre1654 von Carel Fabritius zu sehen ist.

Seit seinen Anfängen in New York in den 1970-er Jahren hat sich Hip-Hop von einer rebellischen Musikbewegung zu einer globalen Kultur entwickelt, die von Tanz und Mode bis hin zu Fotografie und auch bildender Kunst reicht. Das Groninger Museum zeigt einen wichtigen Überblick über den Einfluss des Hip-Hop auf die zeitgenössische visuelle Kultur.

Jan Toorop gilt als vielseitiger und etwas rätselhafter Maler. Eine Ausstellung im Museum Singer Laren entwirrt das Geheimnis dieses einflussreichen Künstlers, indem sie sich auf seinen indonesischen Hintergrund fokussiert.

Zu lesen ist auch ein aufschlussreiches Porträt der School Of London, einer Gruppe von Künstlern, die sich mit einer neuen Art realistischer Malerei im Nachkriegs-England einen Namen machten. Viele kennen Lucien Lucien Freud, David Hockney und Francis Bacon. Aber wer gehört sonst noch zu dieser illustren Malergruppe? Dies und vieles mehr gibt es in einer neuen Ausgabe des Museum Magazine und ist ab dem 13. Januar im Handel und schon jetzt im Webshop erhältlich.

Über die Museumstijdschrift

Die Museumtijdschrift ist das größte unabhängige Kunstmagazin in den Niederlanden. Es erscheint achtmal jährlich als Papiermagazin und bietet eine breite Auswahl der aktuellen Ausstellungsangebote. Von alter zu zeitgenössischer Kunst und von Kulturerbe bis Design. Mit jeder Ausgabe wird eine umfangreiche Ausstellungsagenda veröffentlicht. Die erste Ausgabe des Museum Magazine – damals noch unter dem Namen Vitrine – erschien 1988. Das Museumsmagazin ist auch online sehr aktiv, mit einer wöchentlichen Webrezension und einem Newsletter. Zusätzlich gibt es regelmäßige Leser-Arrangements.

Darüber hinaus verleiht es jedes Jahr den Museum Magazine Exhibition Prize, einen öffentlichen Preis für Sonderausstellungen in niederländischen Museen. Im Jahr 2025 wurde der Preis zum siebten Mal verliehen. Mit dem jährlichen öffentlichen Preis lenkt das Museum Magazine die Aufmerksamkeit auf die hohe Qualität und Vielseitigkeit der Ausstellungen – von Kunst und Geschichte bis hin zu Design, Archäologie und Mode. 2024 ging die Auszeichnung an die Ausstellung „Ai Weiwei – Auf der Suche nach der Menschheit“ in der Kunsthal Rotterdam.

Mehr als 17.000 Museumsbesucher gaben ihre Stimmen im vergangenen Jahr ab. Mit einer überzeugenden Mehrheit wurde „Anselm Kiefer – Sag mir wo die Blumen sind“ als Lieblingsausstellung der vergangenen Saison ausgewählt. Die Doppelausstellung des Stedelijk Museum Amsterdam und des Van-Gogh-Museums rückte einen der wohl bekanntesten deutschen Gegenwartskünstler ins Rampenlicht, unterstrich seine Bewunderung für Vincent van Gogh und zeigte erstmals alle Werke aus der Sammlung des Stedelijk Museum Amsterdam neben neuen und bisher ungezeigten Werken.

Alberto Giacometti. Das Maß der Welt – in Bremen zu sehen

„Alberto Giacometti. Das Maß der Welt“, die noch bis zum 15. Februar in der Kunsthalle Bremen zu sehen ist, ist die erste umfassende monographische Ausstellung über das Leben und Werk des schweizerischen Bildhauers und Malers Alberto Giacometti seit mehr als zehn Jahren in Deutschland. Es ist zugleich die erste Retrospektive, die sich speziell Giacomettis intensiver Beschäftigung mit der Stellung des Menschen in der Welt und Natur widmet. Gezeigt werden über 100 Werke darunter Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen und Drucke.

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Fondation Giacometti in Paris. Alberto Giacometti (1901–1966) zählt zu den bedeutendsten europäischen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Mit seinen eindrücklichen überlängten Figuren hat er die Bildhauerei nach dem Zweiten Weltkrieg grundsätzlich neu formuliert. Die Ausstellung „Das Maß der Welt“ lenkt den Blick auf zwei zentrale Themen in seinem Werk: Zum einen auf das ‚rechte Maß‘, das bei Giacometti stets im Gegensatz steht zur naturgetreuen Darstellung. Und zum anderen schaut die Ausstellung auf seine Frage nach der Stellung des Menschen in der Welt.

Postimpressionstische Vätergeneration, heimatliche Alpenlandschaft und Ideen der Romantik

Alberto Giacometti wurde als junger Künstler durch vielfältige Einflüsse geprägt. Zum einen durch das künstlerische Umfeld, in dem er aufgewachsen ist: Sein Vater, der postimpressionistische Maler Giovanni Giacometti (1868–1933) zählte ebenso wie dessen Malerfreunde Ferdinand Hodler (1853 1918), Cuno Amiet (1868–1961) und Giovanni Segantini (1858–1899) zu den erfolgreichsten Künstlern der Schweiz. Zum anderen durch die spektakuläre Alpenlandschaft seiner Heimat: Die beiden Täler Bergell und Engadin im Kanton Graubünden mit ihrem teils malerischen, teils monumentalen Charakter prägten seine Sicht auf die Welt. Darüber hinaus begeisterte sich Giacometti als Jugendlicher besonders für die Ideen der deutschen Romantik und macht sich mit der Vorstellung der Alpen als Inbegriff des Erhabenen vertraut. Die Idee von der Monumentalität der Natur, mit der sich der Mensch als kleines Wesen konfrontiert sieht, sowie eine intensive Naturverbundenheit, wurden zu Konstanten in seinem späteren Schaffen.

Von den erhabenen Schweizer Alpen hin zur Kunstmetropole Paris

Zwischen 1914–23 fertigte der junge Künstler Ölgemälde, Zeichnungen und vor allem Aquarelle, die seine Heimat in den Schweizer Alpen zeigen. Die Lichtstimmung ist in diesen frühen Landschaftsbildern von zentraler Bedeutung. Die Werke zeigen beispielsweise den Silsersee mit dem heute noch bestehenden „Hotel in Maloja“ (um 1920) oder „Bäume am Seeufer“ (um 1919) mit von der Sonne zum Glühen gebrachten Gipfel rund um den Bergsee Cavloccio. Der junge Künstler strebte jedoch nicht nach Imitation. Vielmehr ging es ihm darum, sich prüfend mit der eigenen Wahrnehmung auseinanderzusetzen. Auch als Giacometti 1922 nach Paris zog um Bildhauerei zu studieren, blieb die Aufgabe – seine Wahrnehmung der Wirklichkeit in Kunst zu übersetzen – für ihn immer dieselbe.

Die menschliche Figur als zentrales Motiv

Seine Entscheidung, sich auf die Bildhauerkunst zu fokussieren, hängt zusammen mit seiner ausgeprägten Aufmerksamkeit für seine Umgebung, die Räume, die sich in ihr ergeben und für die Materie der Dinge an sich. 1935 formulierte er sein Ziel, herausfinden zu wollen, wie man einen menschlichen Kopf wirklichkeitsgetreu darstellen könne. Die Entscheidung, die menschliche Figur zum zentralen Motiv zu machen, war wegweisend für sein gesamtes folgendes Schaffen. Er arbeitete an Köpfen von seinem Bruder Diego, dem Berufsmodell Rita Gueyfier sowie seiner Frau Annette. Er experimentierte mit unterschiedlichen Techniken, Materialien und Ansätzen.

Bäume wie Frauen, Berge wie Menschen

Aus dem Antrieb, seine Sicht auf die Welt in seiner Kunst auszudrücken, entwickelte Alberto Giacometti nach dem Zweiten Weltkrieg stehende Frauenfiguren, die zu einem wiederkehrenden Motiv in seinem Schaffen wurden. Die strenge unbewegliche Aufrichtung der Figuren macht den Einfluss altägyptische Kunst spürbar, die Giacometti beeindruckte. Er verknüpfte die schlank nach oben wachsenden Figuren aber auch mit seinen Erinnerungen an hoch aufragende Nadelbäume in seiner Schweizer Heimat. So, wie Giacometti Bäume als Frauen wahrnahm, so sah er auch Berge wie Menschen an. Folglich sind die zerfurchten Oberflächen von Giacomettis Plastiken nicht nur Ergebnisse seines rastlos suchenden Formungsprozesses. Sie erinnern auch an die Strukturen der Berge in seiner Heimat und bezeugen damit sein Denken in Analogien zwischen Natur und Mensch.

Isolation des Menschen

Seit den 1940-er Jahren wurde das Thema der Einsamkeit immer wichtiger in Giacomettis Schaffen. Dies zeigt sich sowohl in seinen wie von der Umwelt isoliert stehenden Figuren sowie in Gemälden und Zeichnungen, in denen er einsame Menschen in weite Landschaften hineinsetzte. Auch in seinen Gruppenkompositionen „Drei schreitende Männer“ (1948) und „Der Käfig“ (1950) erscheinen die Dargestellten vereinzelt und allein in der Welt. Die hier versammelten Wesen teilen sich zwar einen gemeinsamen Raum, sie existieren nebeneinander, aber sie interagieren nicht, wie Giacometti es auch im Alltag in Paris beobachtete. Während Giacometti sich selbst niemals als ‚Künstler der Einsamkeit‘ verstand, so erinnern seine Figuren doch an die Idee vom Menschen als einsames, fragendes Wesen in der Welt, auf der Suche nach Sinn.

Das Erhabene und der Mensch

In den Kriegsjahren 1941 bis 1945, die Giacometti abwechselnd in einem winzigen Zimmer im Hôtel de Rive in Genf und im engen Tal des Bergell verbrachte, verstärkte sich sein Eindruck, die menschliche Figur nicht losgelöst vom umgreifenden Raum darstellen zu können. In dieser Zeit wurden seine Skulpturen immer kleiner, bis sie schließlich nur noch wenige Zentimeter maßen. Zum Ausgleich für diese fortschreitende Reduzierung, die schließlich an Entmaterialisierung grenzte, stellte er sie auf Sockel. Gestapelt und variierend in Größe und Maßstab wurden sie zu zentralen Elementen seiner Werke. Nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer winzigen Dimensionen erhalten seine kleinen Figuren einen Ausdruck von Größe. Der Künstler, der in seiner Jugend die Unermesslichkeit der Umgebung des Bergell in sich aufgesogen hatte, fand in der Beschäftigung mit den Beziehungen zwischen unterschiedlichen Maßstäben ebenjenes Wirklichkeitsempfinden wieder, das sich dem menschlichen Erkenntnisvermögen entzieht.

Die Verbindung von Zeit und Raum

Das aus 150 Lithographien bestehende Künstlerbuch „Paris sans fin“ (dt.: „Paris ohne Ende“) (1969 posthum veröffentlicht) ist ein Höhepunkt im späten Schaffen des Künstlers. Die einzelnen Graphiken zeigen alltägliche Momente und unterschiedliche räumliche Situationen, die sich zu einem ganz persönlichen Kompendium der Metropole zusammenfügen. Gerade die Darstellungen von weiten Landschaften außerhalb des Stadtkerns zeigen die Unbegrenztheit von Giacomettis Blick, mit dem er das „immerwährende Paris“ einfing. Zweifellos drückt sich hier das vom Künstler beschriebene Gefühl einer ausgedehnten und zirkulären Zeit in einer anderen Form aus.

Zur Ausstellung

Mit „Alberto Giacometti. Das Maß der Welt“ präsentiert die Kunsthalle Bremen die erste Retrospektive seines Werks in Bremen. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Fondation Giacometti in Paris, aus deren umfangreicher Sammlung die Exponate stammen. Sie werden ergänzt durch ausgewählte Werke aus dem Kupferstichkabinett der Kunsthalle Bremen sowie einem Film des Dokumentarfilmers Arnold Fanck (1889–1974) und einer Videoarbeit der Künstlerin Ulrika Sparre (1974–2025). Die thematisch gegliederte Ausstellung zeigt alle Medien, die Giacometti verwendete – Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen und Drucke. Sie bietet einen umfassenden Überblick über sein Schaffen, von seinen frühen Werken bis zur surrealistischen Phase, von seiner Rückkehr zur Figuration bis zu seinen Arbeiten nach Modellen und zur Erfindung seines ikonisch gewordenen Stils der Nachkriegszeit.

Katalog:

Begleitend zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, auf Deutsch und Englisch mit zahlreichen Abbildungen und Texten von Hugo Daniel, Eva Fischer-Hausdorf, Stefan Krämer und Romain Perrin. Der Katalog erscheint im Schirmer Mosel Verlag. 37,90 Euro im Museumsshop. 48 Euro im Buchhandel. ISBN 978-3-8296-1055-1.

Nähere Informationen: Kunsthalle Bremen, Am Wall 207, 28195 Bremen, Telefon: +49 (0)421 – 32 9080, Fax +49 (0)421 – 32908470, E-Mail: info@kunsthalle-bremen.de

Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst – noch bis 1. Februar 2026

Wie kein anderes Tier hat das Einhorn die Phantasie angeregt. Seit Jahrhunderten ist es in vielen Kulturen belegt. Die Spur des Einhorns zeigt sich in der christlichen und außereuropäischen Kunst, in Naturwissenschaft und Medizin und einer vielfältigen Symbolik. Die Beschäftigung mit der Ikonographie des Einhorns lädt ein zu Reflexionen über Weltwissen, Ambivalenzen und Projektionen.Zum ersten Mal wird dieses Thema im Überblick von der Antike bis zur zeitgenössischen Kunst erforscht und ausgestellt.

Die Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“, die noch bis zum 1. Februar im Museum Barberini in Potsdam zu sehen ist, präsentiert rund 150 Werke und Objekte, darunter Arbeiten von Arnold Böcklin, Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien, Angela Hampel, Rebecca Horn, René Magritte, Gustave Moreau, AurélieNemours, Olaf Nicolai, Joachim Sandrart, Marie Cécile Thijs und Maerten de Vos.

Die Bandbreite der Exponate bildet eine Zeitspanne vom zweiten Jahrtausend vor Christus bis in die Gegenwart ab und umfasst neben Gemälden und Grafiken auch Skulpturen, Manuskripte, Tapisserien, Videoarbeiten und Kunstkammerobjekte. Zu den Leihgebern zählen das Ashmolean Museum, Oxford, die Gallerie degli Uzi, Florenz, das Grüne Gewölbe, Dresden, das Historische Museum Basel, das Metropolitan Museum of Art, New York, das Musée du Louvre, Paris, das Museo Nacional del Prado, Madrid, das Rijksmuseum, Amsterdam, und das Victoria and Albert Museum, London.

Das Einhorn stand und steht für Freiheit und Unbezähmbarkeit, für Reinheit und Unschuld, für Natürlichkeit und Zuneigung. Dabei ist die Faszination für das Fabeltier kein neues Phänomen – sie reicht über Jahrhunderte, sogar Jahrtausende zurück und ist in vielen Kulturen verbreitet. Ihren Ursprung hat die Erzählung vom Einhorn in Indien, von wo aus sie sich nach China und – über Persien und Ägypten – nach Europa verbreitete. Hier erhielt das Einhorn viele Bedeutungen: Es galt als Symbol für Christus, weshalb es auf vielen Altarbildern gezeigt wurde, es galt als Zeichen der Keuschheit und wurde oft mit einer jungen Frau gemalt, und seinem Horn wurden medizinische Wunderkräfte nachgesagt, weshalb sich viele Apotheken nach dem Einhorn benannten.

Im Mittelalter zweifelte niemand an der Existenz des Einhorns, schließlich kam es ja auch in der Bibel vor. Außerdem gab es als sichtbaren Beweis das wundersame Horn des Einhorns, das in manchen großen Kirchen zu sehen war: eine lange weiße, spiralig gedrehte Stange, die oben spitz zuläuft. Erst im 17. Jahrhundert konnten Naturforscher beweisen, dass es sich dabei um einen Zahn des Narwals handelt. Aber auch diese wissenschaftliche Erkenntnis konnte der Anziehungskraft des Einhorns keinen Abbruch tun.

Das Einhorn ist magisch. Das mythische Wesen ist ein vielschichtiges Zeichen, von dem eine besondere assoziative Energie ausgeht. Es ist in keinem Zoo als lebendes Tier zu sehen, aber zugleich allgegenwärtig – in der Popkultur, als Werbung oder in den Kinderzimmern“, erklärt Michael Philipp, Chefkurator des Museums Barberini und Kurator der Ausstellung. „Das eine Horn auf der Stirn, das kein anderer Vierfüßer trägt, gilt als Zeichen der Auserwähltheit. Es zeigt das Einhorn als etwas Außergewöhnliches, das einer anderen Welt als der alltäglichen angehört. Dieser übernatürliche Status, seine ferne Vertrautheit, macht es zu einer Projektionsfläche für Sehnsüchte und Idealvorstellungen, die sich aus überlieferten Geschichten und Bildern speist.“

Kunstwerke von Maerten de Vos bis Rebecca Horn

Die umfangreiche Ausstellung im Museum Barberini beleuchtet anhand herausragender Kunstwerke die vielen Facetten des Einhorns. Sie zeigt das monumentale Gemälde von Maerten de Vos, der 1572 ein Einhorn als machtvollen, kampfbereiten Charakter portraitierte (Staatliche Schlösser, Gärten und Kunstsammlungen Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin), aber auch die Plastik eines knienden Einhorns aus Tibet aus dem 18. Jahr hundert, die aus einem buddhistischen Tempel stammt (Museum Rietberg, Zürich). Auf einer persischen Fliese aus dem 13. Jahrhundert kämpft das Einhorn gegen den Elefanten (Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Islamische Kunst), auf einem Wandteppich von etwa 1625 gegen Löwen und Panther (Adornes Estate, Brügge). Aber es wird auch gejagt – Alexander der Große kämpft, wie ein Manuskript aus dem 13. Jahr hundert zeigt, gegen ein ganzes Heer von Einhörnern (Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett), auf einem Altargemälde von etwa 1480 scheucht der Erzengel Gabriel das Einhorn zur Jungfrau Maria (Erfurter Dom). Zu sehen ist das große Horn des Einhorns aus St. Denis, das im Mittelalter berühmt war und von vielen Pilgern aufgesucht wurde (Musée de Cluny, Paris), ebenso wie alte Apothekengefäße für medizinisches Einhornpulver (Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg; Deutsches Apotheken-Museum, Heidelberg).

Um 1533 malte Hans Baldung Grien das Einhorn mit anderen Geschöpfen im Paradies (Angermuseum, Erfurt), Paulus Potter setzte es 1650 zur Legende von Orpheus, der die wilden Tiere besänftigt (Rijksmuseum, Amsterdam). Gedruckte Reiseberichte künden von angeblichen Einhorn-Sichtungen, Naturwissenschaftler wie Conrad Gessner erforschen das Tier (beide Staatsbibliothek Berlin – Preußischer Kulturbesitz). Kostbare Kunstkammergefäße aus Elfenbein oder Silber feiern im 16. und 17. Jahrhundert das schöne Tier (u.a. Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden). Wie sehr das Einhorn für Künstlerinnen und Künstler seit dem 19. Jahrhundert zum Musterbeispiel der kreativen Phantasie wurde, zeigen Werke von Arnold Böcklin (Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Sammlung Schack München; Muzeum Narodowew Poznaniu, Posen) oder Arthur B. Davies, der eine märchenhafte Landschaft mit vier Einhörnern um 1906 ins Bild setzt (The Metropolitan Museum of Art, New York), von Alfred Kubin (Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg) und René Magritte (Privatsammlung) bis Rebecca Horn (Tate, London).

Die künstlerische Inspiration des Einhorns wirkt bis in die jüngste Zeit, etwa in den Photographien von Marie Cécile Thijs, Videoarbeiten von Maïder Fortuné oder Skulpturen von Olaf Nicolai. Die Ausstellung versammelt in neun Sälen des Museums rund 150 Werke aus einem Zeitraum von etwa 4000 Jahren, darunter Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphiken, illuminierte Manuskripte, Plastiken und Tapisserien. „Viele dieser Werke werden nur selten ausgeliehen“, sagt Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini. „Wir freuen uns, dass wir mit unserem Ausstellungskonzept über 80 Leihgeber aus 16 Ländern überzeugen konnten.“

Zu den Leihgebern gehören die Albertina, Wien, das Ashmolean Museum, University of Oxford, die Gallerie degli Uzi, Florenz, das Germanische Nationalmuseum, Nürnberg, das Grüne Gewölbe der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das Historische Museum Basel, die KB Nationale Bibliotheek, Den Haag, das MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien, das Metropolitan Museum of Art, New York, das Musée du Louvre, Paris, die Musées royaux d’Art et d’Histoire, Brüssel, das Museo Nacional del Prado, Madrid, das Rijksmuseum, Amsterdam, das Szépmuvészeti Múzeum, Budapest, und das Victoria and Albert Museum, London.

Ausstellung leistet wegweisenden Beitrag zur Erforschung mythischer Motive in der Kunst

Die Ausstellung „Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst“ bereitet dieses faszinierende Thema erstmals in dieser Breite und Tiefe museal auf und erschließt neue kunsthistorische Perspektiven: Sie verdeutlicht, wie das Einhorn in verschiedenen kulturellen, religiösen und wissenschaftlichen Kontexten über Jahrtausende hinweg symbolisch aufgeladen wurde – und beleuchtet bislang kaum beachtete ikonographische Verbindungen und historische Wandlungen.

Zu allen Kapiteln der umfangreichen Schau wurden Schriftquellen gehoben, übersetzt und interpretiert, die den zeithistorischen Kontext der Kunst werke und ihre Verkettung vor Augen stellen: Quellentexte von antiken Schriftstellern, christlichen Theologen, Naturforschern und Medizinern der Frühen Neuzeit.

Aus der Quellensammlung entstand eine Anthologie für den 400-seitigen Katalog (Prestel Verlag, München), ein vielstimmiges Gewebe aufeinander aufbauender Texte von Reisenden und Naturkundlern, von Kompilatoren, Mönchen, Ärzten und Dichtern vom Jahr 400 vor unserer Zeit (früher vor Christi) bis zu Rainer Maria Rilke und Umberto Eco. Der Katalog enthält Aufsätze von Adrien Bossard (Nizza), Béatrice de Chancel-Bardelot (Paris), Barbara Drake Boehm (New York), Michael Philipp (Potsdam), Annabelle Ténèze (Lens) und Stefan Trinks (Berlin). 3 Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst Pressemitteilung „Die intensive wissenschaftliche Recherche und die im Katalog versammelten Textquellen eröffnen neue Impulse für die kunsthistorische Forschung und belegen, wie das Fabelwesen als Projektionsfläche für kollektive Vorstellungen und kulturelle Narrative diente“, erklärt Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini. „Damit leistet die Ausstellung einen wegweisenden Beitrag zur Erforschung mythischer Motive in der Kunst und ihrer Rezeption durch die Jahrhunderte.“

Ein umfangreiches Vermittlungs- und Veranstaltungsprogramm mit Führungen, Workshops, Vorträgen, Gesprächen, einer Lesung und einem Konzert sowie einem Filmprogramm begleitet die Schau. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Musée de Cluny und der Grand Palais Rmn, Paris. Im Musée de Cluny ist die Schau als zweite Station vom 13. März bis 12. Juli 2026 zu sehen.

Nähere Informationen: Museum Barberini, Friedrich-Ebert-Str. 115, 14467 Potsdam, E-Mail: info@museum-barberini.de, Internet: http://www.museum-barberini.de