Programm des Museumsvereins Deutsches Historisches Museum

Einhorn. Das Fabeltier in der Kunst

Wie kein anderes Tier hat das Einhorn die Fantasie der Menschen beflügelt. Seit Jahrhunderten ist es in zahlreichen Kulturen präsent. Seine Spur findet sich in christlicher und außereuropäischer Kunst, in Naturwissenschaft und Medizin sowie in einer reichen Symbolik. Das Einhorn steht für Freiheit und Unbezähmbarkeit, für Reinheit und Unschuld, für Natürlichkeit und Zuneigung. Der Ursprung der Erzählung liegt in Indien, von wo sie über China, Persien und Ägypten nach Europa gelangte.

Die Ausstellung „Einhorn“ im Museum Barberini zeigt das faszinierende Fabelwesen von der Antike bis zur Gegenwart. Zu sehen sind Werke von Albrecht Dürer, Tizian, René Magritte, Rebecca Horn und vielen weiteren Künstlerinnen und Künstlern. „Lang lebe das Tier, das es nicht gibt“, schrieb eine Frankfurter Tageszeitung – und die Schau macht diesem Satz alle Ehre. Mit kräftigen Farben und einer brillanten Inszenierung präsentiert das Museum Barberini eine prachtvolle Ausstellung, die zum Staunen einlädt. Ideal, um dem Weihnachtstrubel zu entfliehen – am besten in den Randzeiten.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 1. Februar 2026.

Nähere Informationen: Museum Barberini, Humboldtstraße 5–6, Alter Markt, 14467 Potsdam. Reguläre Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag von 10 bis 19 Uhr, dienstags geschlossen.

Zwischen Bild und Botschaft: Ein Flüchtlingstreck und seine fotografische Inszenierung sind Thema im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung.

Der Treck – Fotografien einer Flucht 1945

In der Sonderausstellung „Der Treck – Fotografien einer Flucht 1945“ im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung wird zum ersten Mal der vollständige Fotobestand, der die Flucht von 350 Menschen aus dem niederschlesischen Lübchen nach Sachsen dokumentierte und inszenierte, gezeigt. Die Ausstellung erzählt nicht nur vom Treck und der Not der Flüchtenden, sondern auch von der Geschichte hinter den Bildern: von einem Fotografen, der in der NS-Zeit zum Bildlieferanten des Propagandaministeriums wurde, und von einem kleinen Ort, in dem Zwangsarbeit und Krieg zum Alltag gehörten – lange bevor die zivile Bevölkerung durch den Vormarsch der Roten Armee zur Flucht gezwungen wurde.

Sehr zu empfehlen ist eine öffentlichen Führung, denn was die Bilder zeigen, ist genauso wichtig wie das, was sie nicht zeigen. Manche Bilder dürften einem sogar bekannt vorkommen, da Tschiras Fotografien bis heute als Bildikonen in Medien, Büchern und Museen präsent sind. Sie prägen – oft ohne Kontext – die kollektive Vorstellung von Flucht und Vertreibung in Deutschland. Die Ausstellung lädt zur kritischen Betrachtung ein und ergründet, wie historische Fotografien unsere Erinnerungskultur beeinflussen.

Nähere Informationen: Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Stresemannstraße 90, 10963 Berlin. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 19 Uhr.

Im Ephraim-Palais geht es um einen wohlvertrauten Ort:

Berliner Höfe Zwischen Alltag, Arbeit und Begegnung

Spätestens seit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert ist Berlin ein Anziehungspunkt für Menschen aus anderen Regionen Deutschlands und aus anderen Ländern. Stadtgeschichte war also immer auch Migrationsgeschichte.

Durch enormes Bevölkerungswachstum, räumliche Ausdehnung und bauliche Verdichtung ist Berlin wie keine andere Stadt von Hinterhöfen geprägt – ob als Wohnhöfe, Schulhöfe, Gewerbehöfe, Atelierhöfe, Hofgärten oder Hof-Restaurants. Ihre Geschichte ist vielfältig, genauso wie die Menschen, die sie beleben.

Überwiegend nähert sich die Ausstellung „Berliner Höfe“ ihrem Subjekt mittels der Fotografie. Aber nicht nur: Der Eingangsbereich zur Ausstellung im Dachgeschoss des Ephraim-Palais ist etwa wie eine Durchfahrt gestaltet. Links hängen Briefkästen aus Metall, nur der Mülleimer für die ungewünscht Post fehlt. Eine Installation der Stadtforscher Duygu Örs und Sinthujan Varatharajah setzt sich mit Sinneseindrücken in Hinterhöfe auseinander. Gerade der Klang der Höfe wird vielen vertraut vorkommen.

Die Ausstellung endet am 18. Januar 2026.

Nähere Informationen: Museum Ephraim-Palais, Poststraße 16, 10178 Berlin. Reguläre Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, montags geschlossen.

Ab zum Wannsee – ein Winterbesuch in der Liebermann Villa

Vision und Illusion. Architekturfotografien von Hélène Binet

Die Fotografin Hélène Binet bereiste Europa, um bedeutende Landsitze und Villen zu portraitieren – von Großbritannien über die Côte d’Azur, Berlin und Umbrien bis nach Brno. Das Ergebnis ist eine Reise duch die europäische Baugeschichte:

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte Europa eine architektonische Rückbesinnung auf das Landhaus. Der Wunsch nach einem privaten Refugium führte zu höchst unterschiedlichen Ausprägungen, die Hélène Binet in ihren Fotografien sichtbar macht: vom gotischen Charme des Anwesens Strawberry Hill in Twickenham über die Neuinterpretation der griechischen antiken Architektur der Villa Kérylos an der Côte d’Azur und der modernen Stilistik der Villa
Tugendhat in Brno.

Gleichzeitig eröffnet Binet neue Perspektiven auf Orte jüdischer Erinnerung: Für viele jüdische Familien jener Zeit waren repräsentative Landhäuser Ausdruck kultureller Zugehörigkeit und Selbstverwirklichung. Hélène Binets künstlerische Arbeiten zeigen eine detaillierte Auseinandersetzung mit den materiellen, ornamentalen und atmosphärischen Charakteristika jedes Anwesens. Gleichzeitig machen sie sichtbar, wie jüdische Auftraggeber mit ihren architektonischen Visionen die europäische Kultur- und Architekturgeschichte bereicherten.

Wie so oft bietet die Liebermann Villa einen Audioguide an, der die Ausstellung begleitet. Meiner Erfahrung nach lohnt es sich immer in den Audioguide hineinzuhören, um den Kontext der Arbeiten besser zu verstehen.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 19. Januar 2026.

Nähere Informationen: Liebermann Villa am Wannsee, Colomierstraße 3, 14109 Berlin. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag, 11 bis 17 Uhr, montags geschlossen. Am 15. Januar 2026 bis 20 Uhr.

Ich danke Maríon Bayer vom Museumsvereins des Deutschen Historischen Museums für diese Tipps.

Nähere Informationen: Museumsverein des Deutschen Historischen Museums, Unter den Linden 2, 10117 Berlin, E-Mail: kontakt@dhm-museumsverein.de

Jan Banning: Blutsbande – Versöhnung nach dem Völkermord in Ruanda

Vor Kurzem eröffnete das Fotomuseum Hilversum die Ausstellung „Blood Ties: Reconciliation after the Genocide in Rwanda“ mit Werken des Fotografen Jan Banning und des Journalisten Dick Wittenberg. Gleichzeitig wurde das gleichnamige Buch veröffentlicht, mit einem Essay des Philosophen Marjan Slob. Die Ausstellung, die noch bis zum 15. März 2026 zu sehen ist, zeigt bewegende Doppelporträts von Tätern und Überlebenden des Völkermords.

Jan Bannings Fotos zeigen nicht nur Opfer und Täter: In jedem Doppelporträt sehen wir Menschen nebeneinander, die eine direkte und schmerzhafte Vergangenheit teilen. Es sind Überlebende, die denen gegenüberstehen, die ihnen oder ihren Familien irreparables Leid zugefügt haben, wie die Tötung eines geliebten Menschen.

Die Bilder, kombiniert mit den Geschichten von Dick Wittenberg, machen greifbar, wie schwer, aber auch menschlich der Versöhnungsprozess ist. Mit „Blood Ties“ präsentieren Banning und Wittenberg eine seltene, nuancierte, aber auch konfrontative Perspektive auf das Thema Versöhnung. In einer Zeit, in der weltweit erneut tiefe Wunden durch Konflikte und Gewalt zugefügt werden, bietet das Projekt keine einfachen Antworten, aber es ist ein kraftvolles Beispiel für die Möglichkeit von Genesung und Menschlichkeit.

Mit „Blood Ties“ haben Jan Banning und Dick Wittenberg bereits sieben internationale Auszeichnungen erhalten und waren mit ihrem Werk bereits unter anderem in Cortona und New York zu sehen. Kürzlich präsentierte Banning das Projekt an verschiedenen Orten in den Vereinigten Staaten, darunter das Center for Documentary Studies der Duke University und das Ford Hall Forum in Boston, wo zuvor Redner wie Malcolm X, Noam Chomsky, Al Gore und Eleanor Roosevelt Gäste waren. Er wurde außerdem für Michelle Bogres Buch „Photography as Activism“ interviewt. Bannings Werk wird von der Robert Klein Gallery (Boston) und der Galerie Fontana (Amsterdam) vertreten.

Im Fotomuseum Hilversum ist „Blood Ties“ nun erstmals in den Niederlanden zu sehen.

Über die Macher

Jan Banning ist ein international anerkannter fotografischer Künstler und Gewinner eines World Press Photo Award sowie unter anderem elf Silberkameras.

Dick Wittenberg ist Journalist und Schriftsteller und arbeitete viele Jahre für das NRC. Gemeinsam mit Banning gewann er den Bob den Uyl Prize für ihr früheres Buch über Dickson, Malawi.

Marjan Slob ist Philosophin und Essayistin. Sie schreibt unter anderem für de Volkskrant.

Nähere Informationen: Fotomuseum Hilversum, Kerkbrink 6, 1211 BX – Hilversum, Telefon 035 6292826, Internet: http://www.fotomuseumhilversum.nl

Modefotografie mit Humor

Mit verstörendem Humor und originellen Kompositionen haben das Fotografenduo Blommers & Schumm in den letzten drei Jahrzehnten die Regeln der Modefotografie herausgefordert. Bei der Retrospektivausstellung „Mid-air“, die noch bis zum 23. Februar 2026 im Fotomuseum Foam in Amsterdam ist nicht alles so, wie es scheint.

Eine Frau in einem ordentlichen blauen Anzug mit Lackschuhen liegt auf der Straße, den Kopf an einem Bordstein gelehnt. Benommen schaut sie in die Kamera, zwischen ihren Zähnen ist eine Lücke, und sie hält eine Zigarette in der Hand. Das Bild charakterisiert sowohl den ästhetischen als auch den disruptiven Fotografiestil von Anuschka Blommers und Niels Schumm (beide 1969).

Sie lernten sich an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam kennen und arbeiten seit 1997 zusammen. Während Schumm sich zunächst auf Stillleben und Blommers auf Porträts konzentrierte, entwickelte sich ihre Zusammenarbeit bald zu einer gemeinsamen Praxis.

Einer ihrer ersten Aufträge ist sofort für Viktor & Rolf, das sich mit skurrilen, kreativen und theatralischen Werken einen Namen macht. In den folgenden Jahrzehnten arbeiteten sie für Modemarken wie Gucci, Balenciaga und Hermès sowie für avantgardistische Magazine wie „Self Service“, „The Gentlewoman“ und „RE Magazine“. Das Duo arbeitet fast immer auf Provision, schafft es aber auch, die Grenzen im kommerziellen Rahmen zu verschieben. Und das sorgt für spannende, experimentelle und leicht absurde Bilder. Damit ebneten sie auch anderen den Weg, innerhalb der Modefotografie mehr zu experimentieren.

Mopp und Bügelbrett

Dieser Humor und Witz sind in „Mid-air“ reichlich präsent. Es ist nicht unverständlich, dass der Titel der Ausstellung auf die Momente verweist, in denen Menschen oder Objekte in den Fotografien von Blommers & Schumm für einen Moment zu ’schweben‘ scheinen, aber dennoch perfekt ausbalanciert sind. Das Foto eines Glases, das am Rand eines Tisches balanciert, ist ein gutes Beispiel dafür. Für das Magazin Middle Plane holte Blommers & Schumm David Hockney vor die Kamera. Kein konventionelles Porträt, sondern eine Art Collage aus Alltagsgegenständen: ein Wischmopp für Haare, Bleistifte für eine Nase und ein Modeartikel von Bottega Veneta als Kopfbedeckung. In einem anderen Raum hängt ein Foto einer Frau, die auf einem Bügelbrett liegt, angefertigt für das „Buffalo Magazine“. Auf den ersten Blick sieht es nicht besonders aus, bis man genauer hinsieht. Wenn das Foto um eine Vierteldrehung gedreht wird, scheint das Modell aufrecht auf einem Block zu stehen. Eines der vielen Beispiele in der Ausstellung, in denen Blommers & Schumm mit der Perspektive spielen. Und die deine Aufmerksamkeit sechs Jahre später noch fesseln und dich in leichter Verwirrung und Staunen zurücklassen.

Anti-Glamour

In der Serie „Class of 1998“ für das Magazin „Self Service“ schauen junge britische Mädchen mit geschwollenen Augen, errötendem Rouge und Lippenstift direkt in die Kamera. Niemand lacht, manche wirken schüchtern. Sie sehen aus wie Puppen. Ein Gegenstück zu den glänzenden Modeberichten mit super selbstbewussten Models.

Blommers & Schumm rauben der Modefotografie ihren gewohnten Glamour. Das ist der rote Faden durch ihr Werk. Sie arbeiten genauso gerne mit Familie und Freunden wie mit professionellen Models. Nicht die teure Kleidung steht im Mittelpunkt, sondern das Porträt als Ganzes – die Dynamik der Pose oder des Gesichtsausdrucks einer Person. Immer mit einem überraschenden Winkel.

Die Wand aus Polaroids, auf der sich das Duo als Testmodelle verwendet, ist eine gute Ergänzung. Auch hier keine Perfektion. Das Duo drängt sich dabei in lustige Positionen. Bei ihren Selbstporträts werden ihre Nasen mit Klebeband zu Schweinenasen verzerrt.

Schau, schau, schau

Die Galerietexte sind rar; Der Fokus liegt auf dem Suchen. Im zweiten Raum gibt es drei Bildschirme mit Kampagnen-Bildern. Es ist schade, dass das schnelle Tempo, in dem sie gespielt werden, sodass die Bilder nicht haften bleiben.“Mid-air“ ist am besten, wenn die Werke mit unserer Perspektive spielen, oft mit einem Hauch von Humor. Eine IKEA-Lampe, die wie zwei Beine mit Unterwäsche aussieht, oder ein offenes Buch mit Seiten, die wie zwei Brüste aussehen. Die Fotos in „Mid-air“ bringen einen regelmäßig zum Lächeln. Das Duo fordert dich heraus, weiter genau hinzuschauen. (Text von Rosa Lee Szorzynski, erschienen in der Museumstijdschrift).

Nähere Informationen: Foam Museum Amsterdam, Keizersgracht 609, 1017 DS Amsterdam, Telefon: +31 20 5516 500, Internet: http://www.foam.org

Museum Hilversum wird zum Fotomuseum Hilversum

Seit dem 2. Dezember 2025 wird das Museum Hilversum als Fotomuseum Hilversum weitergeführt. Das Museum selbst bezeichnet dies natürlich nicht als Kurswechsel, sondern als klare Profilierung. Schließlich legte das Museum bereits den Schwerpunkt auf zeitgenössische Fotografie und hat ein Programm, das eng mit der sozialen Debatte um die visuelle Kultur verbunden ist.

Hilversum Media City

Das Fotomuseum Hilversum baut auf der reichen Mediengeschichte der Stadt auf. In einer Umgebung, in der Bilder täglich erstellt und geteilt werden, möchte das Museum ein Ort sein, an dem sowohl Fachleute als auch ein breites Publikum zusammenkommen. Mit Schwerpunkt auf Nachrichtenfotografie, dokumentarischen visuellen Geschichten und zeitgenössischer visueller Kultur bietet das Museum etwas, das in unserer schnelllebigen Bildgesellschaft immer seltener wird: Verlangsamung, Kontext und Raum, um wirklich zu schauen.

Fotojournalismus, Pressefreiheit und Dialog

Das Fotomuseum Hilversum zeigt, wie Bilder entstehen, zirkulieren und Bedeutung gewinnen und warum das wichtig ist. Gemeinsam mit langjährigen Partnern wie der Stichting Zilveren Camera und World Press Photo betont das Museum die Bedeutung von Fotojournalismus, Pressefreiheit und Dialog, um unser Verständnis der Welt und der Menschen um uns herum zu vertiefen.

Flooded

„In unserer heutigen Gesellschaft werden wir ständig mit Bildern überflutet. Im Fotomuseum Hilversum können Sie heute mehr über die Rolle der Fotografie erfahren“, sagt Direktorin Fleur van Muiswinkel und stellt sich unter anderem die wichtige Frage: „Welchen Wert hat die Fotografie in einer Zeit, in der KI eine immer wichtigere Rolle spielt? Unser Museum bietet neue Perspektiven.“

Neues Logo

Das neue Logo wurde von der multidisziplinären Designagentur LMNOP entworfen. Sie ließen sich von den Deckenmalereien aus dem 19. Jahrhundert im historischen Teil des Museums inspirieren. An der Decke befindet sich eine Kompassrose, die auf die umliegenden Gemeinden hinweist. Diese Verbindung zur Welt um sie herum ist nach wie vor zentral für den Betrieb des Museums – genauso wie zu Zeiten des ehemaligen Rathauses, so die Pressemitteilung des Museums.Die Enthüllung der neuen visuellen Identität und die Bekanntgabe des neuen Namens fand am 2. Dezember statt.Seitdem gibt es unter dem Begriff FotomuseaNederland sechs Fotomuseen. Neben dem Fotomuseum Hilversum sind es das Nederlands Fotomuseum in Rotterdam (wiedereröffnet im Februar), das Foam in Amsterdam, das Huis Marseille in Amsterdam, das Fotomuseum aan het Vrijthof in Maastricht und das Fotomuseum Den Haag.

Nähere Informationen: Fotomuseum Hilversum, Kerkbrink 6, 1211 BX – Hilversum, Telefon 035 6292826, Internet: http://www.fotomuseumhilversum.nl

Liebe Freundinnen und Freunde der Kunst und Kultur,

kurz vor dem Jahreswechsel möchte das Team des Museumsquartiers Osnabrück einen besonderen Tipp mit auf den Weg geben:
Anlässlich des Geburtstags von Felix Nussbaum im Dezember erscheint der außergewöhnliche Bildband von Erieta Attali über das Felix-Nussbaum-Haus: „Approaching Resistance“.
In ihren Fotografien macht die Fotokünstlerin das eindrucksvolle Zusammenspiel zwischen Nussbaums Werk und der ikonischen Architektur des Felix-Nussbaum-Hauses – dem ersten fertiggestellten Bauwerk von Daniel Libeskind – auf neue Weise erfahrbar.

Für den, der noch auf der Suche nach einem besonderen Weihnachtsgeschenk ist, ist dieser Band eine inspirierende Wahl für Kunst- und Architekturbegeisterte: Er ist ab sofort für 48 Euro im Museumsladen oder per E-Mail an bestellung@fng-os.de erhältlich, ab Januar 2026 dann im deutschen Buchhandel für 68 Euro.

Zum Jahresausklang danken wir Ihnen herzlich für Ihr Interesse, Ihre Unterstützung und Ihre Verbundenheit. Wir wünschen Ihnen erholsame Feiertage, inspirierende Begegnungen und einen hoffnungsvollen Start in ein gutes, gesundes und zuversichtliches neues Jahr – verbunden mit der Einladung, uns auch 2025 wieder zu besuchen.

Ihr Nils-Arne Kässens und das gesamte Team des MQ4.

Programm im Dezember:

Klassismus. Die vergessene Diskriminierungsform.“ – Vortrag von Francis Seeck am Dienstag, 9. Dezember, um 18.30 Uhr. Eintritt frei.

Zum Inhalt: Klassismus – die Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft oder sozialen Status – ist eine der am wenigsten beachteten gesellschaftlichen Ungleichheiten. Wie sehr Klassismus gesellschaftliche Teilhabe bestimmt, steht im Mittelpunkt dieses Abends.
Francis Seeck kommt aus den Sozialwissenschaften, gibt Trainings zu Antidiskriminierung, hat eine Professur für Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Demokratie- und Menschenrechtsbildung an der Technischen Hochschule Nürnberg und zeigt auf, wie Klassismus als gesellschaftliche Unterdrückungsform wirkt – angesichts steigender Armutsquoten, überfüllter Tafeln und eines Mangels an bezahlbarem Wohnraum aktueller denn je.

Albrecht Dürers „Marienleben“ – Vortrag von Marie Brune am Samstag, 6. Dezember, um 15.30 Uhr. Eintritt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro, inklusive Kaffee und Kuchen. Um Anmeldung per E-Mail an mq4-vermittlung@osnabrueck.de wird gebeten.

Zum Inhalt: In Albrecht Dürers Holzschnittzyklus „Marienleben“ wird Maria nicht nur als religiöse Figur, sondern als handelnde und fühlende Person gezeigt. In eindrucksvollen Szenen verbindet Dürer biblische Erzählungen mit Motiven aus der Legenda Aurea und verleiht seiner Hauptfigur eine außergewöhnliche Nähe. Der Zyklus entstand in einer seiner kreativsten Schaffensphasen und zählt neben der Apokalypse und der Großen Passion zu seinen bedeutendsten Werken. In neuartiger Weise verband Dürer Bild und Text und setzte damit Maßstäbe in der Buchkunst der Renaissance.
Der Vortrag bietet Einblicke in die Entstehung, Bedeutung und Wirkung dieses außergewöhnlichen Werkkomplexes. Ergänzend kann Dürers Apokalypse-Zyklus in der aktuellen Ausstellung des Museumsquartiers entdeckt werden.

Nähere Informationen: Museumsquartier Osnabrück. Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück, Telefon: 05413232237, E-Mail: museum@osnabrueck.de, Internet: http://www.museumsquartier-osnabrueck.de

Fotografie als Zufluchtsort im Huis Marseille

Noch bis 8. Februar 2026 präsentiert das in Amsterdam beheimatete Huis Marseille, Museum für Fotografie, mit „Rooms We Made Safe“, die erste Museumsausstellung der aufstrebenden Künstlerin Michella Bredahl (*1988, Greve, Dänemark).

Bredahl ist bekannt für ihre unverwechselbar intimen Porträts von Freunden und Bekannten, die sie in unbewachten Momenten zu Hause festhalten. Doch ein Zuhause bedeutet nicht zwangsläufig Sicherheit. Die Ausstellung ist auf eine zutiefst persönliche Abstammung fokussiert und geht zurück zu Fotografien, die Bredahls Mutter vor ihrer Geburt aufgenommen hat, sowie zu denen, die sie gemeinsam in ihrer Kindheit schufen.

Bredahl wuchs in einem Sozialwohnungsviertel am Stadtrand von Kopenhagen mit ihrer alleinerziehenden Mutter und ihrer jüngeren Schwester auf. Die Wohnung war von einer lebendigen Farbpalette erfüllt, die der vorherrschenden minimalistischen skandinavischen Ästhetik widersprach. Jeder Raum hatte seinen eigenen, unverwechselbaren Farbton: tiefes Blau, leuchtendes Rot und Blumenmuster, die sich über die Oberflächen ausbreiteten.

Als Bredahl sieben Jahre alt war, reichte ihre Mutter ihr die Kamera. Gemeinsam dokumentierten sie ihr gemeinsames, intimes tägliches Leben. In jungen Jahren wurden die beiden Schwestern mit der Sucht ihrer Mutter konfrontiert, die einen tiefgreifenden Einfluss auf sie hatte. In „Rooms We Made Safe“ kehrt Bredahl zum Terrain ihrer Jugend zurück, einst ein gefährlicher Ort, und interpretiert es zu einem kraftvollen künstlerischen Ausdruck. Jeder von Huis Marseilles Räumen ist einer anderen Epoche ihres Werks zugeordnet, was ihrer Dokumentation häuslicher Räume Tribut zollt.

Viele meiner Fotografien wirken wie Erweiterungen meiner Mutter und Schwester oder sogar wie Selbstporträts.“ (Michella Bredahl)

Erforschung der Weiblichkeit

Kurz nach ihrem Studium begann Bredahl, regelmäßig nach Paris zu reisen, wo sie sich 2020 niederließ. Die Stadt bot die wärmeren Töne, die sie gesucht hatte, sowie eine reiche kulturelle Vielfalt. Bredahl begann, Menschen, die ihr nahestanden, zu dokumentieren: Freunde, die Kinder ihrer Freunde und Künstler aus ihrer Gemeinde. Die Porträts offenbaren eine Anziehung zu Menschen, die ein Gefühl von Weiblichkeit teilen – eine Erfahrung, die sie nicht als fest und exklusiv betrachtet, sondern als fließend, facettenreich und geprägt von der Anwesenheit jedes einzelnen Motivs. Bredahl fotografiert sie in der Sicherheit ihres eigenen Zuhauses und schafft so eine zutiefst persönliche Atmosphäre, die durch die Tiefe und die reiche Farbpalette der analogen Drucke verstärkt wird. Eine umfangreiche Auswahl ihrer Porträts wurde in ihrer ersten Monographie „Love Me Again“(Loose Joints Publishing, 2023) zusammengefasst, die einen Wendepunkt in ihrer Karriere markierte und die Aufmerksamkeit der internationalen Kunstszene auf sich zog.

Pole Dancing

In ihrem Abschlussfilm „Chassé“ (2019), der einer Gruppe von Tänzern folgt, freundete sich Bredahl mit einem der Pole-Dancer an. Sie begannen gemeinsam, Kurse zu nehmen, was der Ausgangspunkt für Bredahls Untersuchung des Pole Dance sowohl persönlich als auch durch ihre Kamera war. Sie ist fasziniert von der enormen körperlichen Kraft, die für die komplizierten Bewegungen erforderlich ist, sowie von dem befreienden Selbstvertrauen der Tänzer in der verletzlichen Position des Entkleideten. Viele der Pole-Tänzer üben es in ihren eigenen Wohnumgebungen. Ihre anmutigen Bewegungen richten sich nach innen, darauf aus, sich in ihrer eigenen Haut schön zu fühlen oder mit den gelegentlichen Augen eines geliebten Menschen geteilt zu werden. Für Bredahl fühlt sich Tanz wie das, was der Fotografie am nächsten kommt: mit einem gemeinsamen Gefühl von Befreiung, Freiheit und dem vollständigen Vorhandensein in einem einzigen Moment. Das Thema ist eine natürliche Erweiterung von Bredahls künstlerischem Interesse am Intimen und Häuslichen. Die daraus entstandenen Fotografien zollen der Stärke des weiblichen Körpers Tribut.

Miu Miu

In Paris wurde Michella Bredahl Teil der lebendigen Kulturszene, in der sie erstmals die renommierte Stylistin Lotta Volkova kennenlernte. Angesichts von Volkovas Rolle als Stylingberater für Miu Miu (ein von Prada ins Leben gerufenes Modelabel) beschlossen sie, an dieser Serie von Pole-Tänzern zusammenzuarbeiten, die in ihren Häusern oder Studios in Paris fotografiert werden und in der Miu Miu Herbst-Winter-2024-Kollektion gestylt werden. Wie in vielen ihrer Werke besetzt Bredahl ihre Freunde und Gemeinschaft als Protagonistinnen in diesen Geschichten. Ihre Porträts sind reich an faszinierenden Widersprüchen. Die manchmal überladenen häuslichen Umgebungen stehen in starkem Kontrast zu den anmutigen Posen der Tänzer. Die Kleidung fügt eine weitere Ebene hinzu: Sie stellt sowohl die Tendenz heraus, Pole Dance mit Striptease gleichzusetzen, als auch den Tanz körperlich zu erschweren, da nackte Haut meist für den Halt unerlässlich ist. Diese Serie wurde als Buch veröffentlicht, und anschließend setzten Bredahl und Volkova ihre kreative Zusammenarbeit fort, indem sie eine Werbekampagne für Miu Miu mit dem Titel „Upcyled 2025“ drehten.

Mutterschaft und Tochtersein

Eines der Themen der Ausstellung ist die Schönheit und Komplexität von Mutterschaft und Tochterschaft. Indem sie Fotos aus ihrem eigenen Familienarchiv zeigt, bezieht Bredahl ihre eigene intime Geschichte und die Entstehung ihrer Arbeit ein. Bilder ihrer Mutter in den 1970-er und frühen 1980er Jahren bringen eine historische Dimension des (Selbst-)Ausdrucks von Weiblichkeit und zeigen, wie ein kreativer Drang weitergegeben wurde. Rohfotos aus den 1990-er Jahren zeigen eine Mutter, die eine Erweiterung durchmacht, gesehen aus der Sicht ihres Kindes. Sie bieten einen ehrlichen Einblick in das Leben einer Familie, mit den Herausforderungen, der Freude und der Komplexität hinter der Geschichte, die nur ein Kind, das sie erlebt, wirklich verstehen kann.

Über Michella Bredahl

Michella Bredahl studierte Fotografie an der Fatamorgana, der Dänischen Schule für Kunstfotografie (2010–2011), gefolgt von einem Abschluss in Dokumentarfilm an der Nationalen Filmschule Dänemarks (2015–2019). 2023 veröffentlichte sie ihre erste Monographie „Love Me Again“ bei Loose Joints Publishing. In den vergangenen zwei Jahren erlangte ihr intimer Zugang zur Porträtmalerei internationale Anerkennung als neue Stimme bei Publikationen wie The Guardian; große Aufträge und die Präsentation „Unmade Beds“ im Projektraum Shoot the Lobster (2023, New York) folgten „Rooms We Made Safe“ ist Bredahls erste große Einzelausstellung im Museum. 2026 werden die Werke im Kunstmuseum Brandts und im Nationalgeschichtsmuseum auf Schloss Frederiksborg in Dänemark gezeigt.

Zur Ausstellung gehört die Veröffentlichung „Rooms We Made Safe“ von Michella Bredahl, veröffentlicht vom Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König. Text von Stephanie LaCava, entworfen von Kühle und Mozer.

Nähere Informationen: Huis Marseille, Keizersgracht 401,1016 EK Amsterdam, Telefon: +31 020 531 8989E-Mail:info@huismarseille.nl

„Ich, Gustave Courbet“ – Realismus, Rebellion und kosmopolitische Perspektiven

Das Museum Folkwang in Essen präsentiert 2026 ein Jahresprogramm, das historische Bezüge, zeitgenössische Relevanz und kulturelle Vielfalt miteinander verbindet. Herausragende Retrospektiven, international bedeutende Fotografie und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Sammlung machen das Museum zu einem Ort der Reflexion, Vorstellungskraft und des Dialogs zwischen den Künsten aus Gegenwart und Geschichte.

Von der radikalen Bildsprache Gustave Courbets über die transkulturelle Perspektive der Fotografie-Ausstellungen bis hin zur frühen islamischen Sammlung des Museumsgründers Karl Ernst Osthaus spannt sich der Bogen des Jahresprogramms. Mit dem Zusammenspiel aus Historie, Gegenwartskunst und künstlerischer (Er-)Forschung eröffnet es neue Perspektiven auf zentrale Fragen von Kunst und Gesellschaft.
„Mit dem Jahresprogramm 2026 möchten wir die Besucher:innen einladen, Kunst als lebendigen Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu erleben. Wir zeigen, wie radikale künstlerische Positionen, historische Sammlungen und zeitgenössische Praktiken in unserem Museum zusammentreffen – ein Ort, an dem Erfahren und Empfinden verschmelzen“, sagt Peter Gorschlüter, Direktor des Museum Folkwang.

Gustave Courbet: Wegbereiter der Moderne

Mit der großen Retrospektive „Ich, Gustave Courbet“ (17. Juli – 8. November 2026) widmet sich das Museum einem der einflussreichsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Courbets kompromisslose Haltung und seine innovative Maltechnik machten ihn zum Grenzgänger zwischen Kunst, Gesellschaft und Politik. Die Ausstellung beleuchtet zentrale Werkgruppen – Selbstbildnisse, soziale Realität, Landschaft, Erotik und Exil – und zeigt, wie Courbets radikaler Realismus der Moderne den Weg bereitete. Die Schau entsteht in Kooperation mit dem Leopold Museum Wien und steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron sowie unter dem Ehrenschutz von Alexander Van der Bellen, Bundespräsident der Republik Österreich.

Nach Damaskus … Karl Ernst Osthaus und die islamischen Künste

Die Ausstellung „Nach Damaskus …“ (6. November 2026 – 21. Februar 2027) stellt zum ersten Mal die ehemalige „Islamische Abteilung“ des Museums in den Fokus. Rund 300 Objekte – von Keramiken über Textilien bis zu Metall- und Glasarbeiten, darunter bedeutende Leihgaben – veranschaulichen, wie die Begegnungen von Karl Ernst Osthaus mit Kunst und Kulturen aus Nordafrika und Westasien die Entwicklung dieser Sammlung prägten. Ausgewählte Werke der Klassischen Moderne, europäisches Kunsthandwerk und zeitgenössische Positionen erweitern den Blick auf die Bestände und ermöglichen neue Perspektiven auf den Sammlungsbereich.
Peter Gorschlüter betont: „Mit „Ich, Gustave Courbet“ und „Nach Damaskus…“ stellen wir zwei Ausstellungen vor, die auf unterschiedliche Weise von der Kraft künstlerischer Erneuerung erzählen. Beide Ausstellungen zeigen, wie eng Kunst, Politik und kulturelle Identität miteinander verwoben sind. In 2026 verhandeln wir diese Fragen neu – mit einer Offenheit, die sowohl den Künstler Courbet als auch das Museum Folkwang seit seiner Gründung prägt.“

Germaine Krull: Chronistin des 20. Jahrhunderts

Mit „Germaine Krull: Chien Fou“ (28. November 2025 – 15. März 2026) rückt das Museum Folkwang die kosmopolitische Fotografin, deren Nachlass sich seit 1995 in der Fotografischen Sammlung des Museums befindet, in den Mittelpunkt. Neben ihren bekannten avantgardistischen Fotografien der 1920er- und 1930er-Jahre werden erstmals in größerem Umfang ihre (auto)biografischen Texte, Fotobücher, Maquetten und politischen Berichte präsentiert. Die Ausstellung beleuchtet insbesondere Krulls OEuvre als Autorin sowie ihre fotografische Praxis ab Beginn des Zweiten Weltkriegs, als sie Europa dauerhaft verließ. Sie eröffnet eine neue, transkulturelle Perspektive auf ihr Werk.


Vielfalt, Vermittlung und junge Positionen

Neben den großen Schauen zeigt das Museum ein breites Spektrum weiterer Ausstellungen: „L is for Look“ (27. Februar – 7. Juni 2026) beleuchtet einen besonderen Aspekt fotografischer Gebrauchsformen und zeigt, wie Fotografien Eingang in die Kinderliteratur fanden – von fantasievollen Bilderbüchern bis hin zu literarischen Geschichten. Die Ausstellung „Herbert W. Franke / Gottfried Jäger“ (16. Oktober 2026 – 10. Januar 2027) befasst sich mit den experimentellen Jahren der gegenstandlosen Fotografie, die von Debatten und Positionsbestimmungen einer damals jungen Generation geprägt war. „Photography Masters“ (16. Oktober 2026 – 10. Januar 2027) hingegen zeigt die künstlerischen Ansätze und thematischen Schwerpunkte junger fotografischer Positionen heute. Die Präsentation „Saâdane Afif: Affiches / Plakate“ (13. März – 4. Oktober 2026) gibt erstmals umfassend Einblick in diese besondere Werkgruppe des französischen Konzept- und Objektkünstlers und die neuseeländische Künstlerin „Kate Newby“ entwickelt eine neue ortspezifische Arbeit im Außenbereich des Museums. Mit dem Stipendienprogramm der Neuen Folkwang Residence und dem Ausstellungsformat „6 ½ Wochen“ werden weiterhin junge Künstler:innen mit ihren ersten musealen Ausstellungen gefördert. Die Schau „100 Beste Plakate 25“ (3. Juli – 2. August 2026) präsentiert außer Haus auf dem UNESCO Welterbe Zollverein die Höhepunkte des jährlich größten deutschsprachigen Wettbewerbs für Plakatdesign.

Sammlung und Neuerwerbungen

Die Sammlungspräsentation „NEUE WELTEN“ stellt den Dialog der Künste ins Zentrum. Sie bleibt kostenfrei zugänglich. Ein Highlight im Jahr 2026 ist die Neuerwerbung der Skulptur „Hahn und Podest“ von Katharina Fritsch, die ab März 2026 als raumgreifende Installation das Museum bereichern wird.

Nähere Informationen: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen, Telefon +49 2018845000, E-Mail: info@museum-folkwang.essen.de

„Smile! Wie das Lächeln in die Fotografie kam“

Smizing, Squinching, Duckface, Fish Gape, Cheese oder Prunes: Schönheitsideale und Soziale Medien lösen immer schnelllebigere Trends für Porträtfotos aus. Bis zum späten 19. Jahrhundert war das Fotografiertwerden eine Prozedur, die größte Bewegungslosigkeit erforderte, um ein scharfes Bild zu erzeugen, was zu starren und leblosen Gesichtsausdrücken führte.

Die Präsentation „Smile! Wie das Lächeln in die Fotografie kam“ in den Fotoräumen des Museum Ludwig untersucht, wie sich unsere „Fotografiergesichter“ im Laufe der Zeit verändert haben. Sie bringt anonyme Porträtfotografien und künstlerisch gestaltete Porträts aus dem 19. bis 21. Jahrhundert zusammen zu einer Geschichte des Lächelns.

Ob wir lächeln, wenn wir wissen, dass wir fotografiert werden, oder nicht, ob wir dabei Zähne zeigen oder nicht, das hängt von gesellschaftlichen Konventionen und der Entwicklung der Fototechnik ab. So beobachtete der Fotograf Josef Janssen 1878: „[…] schon die Zwangslage allein, in welcher sich die Person im Augenblicke der Aufnahme befindet, genügt, sie an der freien Entfaltung ihrer Individualität zu hindern. Sie soll, an den vielgehassten und gefürchteten und doch unentbehrlichen Kopfhalter gelehnt, unbeweglich und unverwandt eine Zeitlang nach einem bestimmten Punkt hinsehen, der dem Auge gewöhnlich nichts zu betrachten bietet. Was anders kann die Folge davon sein, als Starrheit und Leblosigkeit?“

Dass die Menschen, die im 19. Jahrhundert ins Fotoatelier gingen, um sich fotografieren zu lassen, selten lächeln, entsprach aber auch den Wünschen und Konventionen, wie man sich auf einem Porträt zeigen wollte; diese waren abhängig von Klasse, Gender und Kontext. Gefühle gehörten besser ins Private und nicht auf ein Bild.

Für den Einzug des Lächelns in die Porträts des 20. Jahrhunderts spielte die Entwicklung des Stummfilms eine bedeutende Rolle. Die Mimik war es, über die Regungen erzählt wurden. Dafür zoomte die Kamera immer näher an das Gesicht heran. Parallel dazu lässt sich beobachten, dass das Ganzkörperporträt zunehmend abgelöst wurde vom Fokus auf das Gesicht. Später dann kommt die Werbung hinzu, in der das Glücksversprechen eines Produkts durch das Strahlen der dargestellten Personen kommuniziert wird. Immer höher ziehen sich die Mundwinkel. Eine 2015 erschienene Untersuchung von Schülerporträts aus US-amerikanischen Jahrbüchern konnte belegen, dass das Lächeln seit Anfang des 20. Jahrhunderts kontinuierlich zugenommen hat, wobei Frauen messbar mehr lächeln als Männer. Weltweit lässt sich eine zunehmende Expressivität in der Mimik beobachten. Der Blick in die Modefotografie allerdings zeigt, dass Status und Coolness auch dadurch ausgedrückt werden, wie wenig gelächelt wird. Schon 1927 schrieb der Soziologe Siegfried Kracauer davon, dass sich die Welt – und damit auch der Mensch darin – ein „Photographiergesicht“ zugelegt habe. Die Präsentation im Museum Ludwig, die dort noch bis zum 22. März 2026 zu sehen ist, will zeigen, dass sich daran bis heute nichts verändert hat. Das Lächeln hat eine Geschichte.

Publikation

Zur Ausstellung erscheint eine Broschüre: „Smile! Wie das Lächeln in die Fotografie kam“, hrsg. von Miriam Szwast, mit einem Essay von Katharina Sykora, Broschur, 14, 8 x 21 cm, 48 Seiten, 26 Abb., deutsche Ausgabe, ISBN 978-3-9827144-2-4, 8 Euro.

Nähere Informationen: Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln, Telefon: +49-221-221-26165, E-Mail: infomuseum-ludwig.de. Das Museum ist Dienstag bis Sonntag (inkl. Feiertage) jeweils von 10 bis 18 Uhr und jeden ersten Donnerstag im Monat von 10 bis 22 Uhr geöffnet.

Programm des Museumsquartiers Osnabrück für den November

Breitgefächert ist das Programm des Museumsquartiers Osnabrück, das sich von Ausstellungen bis hin zu Gesprächskreisen, Lesungen und Vortragsveranstaltungen erstreckt.

Frieden sehen – Frieden denken

Frieden ist in Osnabrück mehr als ein historisches Erbe – er ist unsere Haltung. So ist dort die Ausstellung zum „Deutschen Friedenspreis für Fotografie“ und zum „Felix Schoeller Photo Award“ zu sehen. Präsentiert werden preisgekrönte und nominierte Arbeiten internationaler Fotografinnen und Fotografen, die zeigen, wie vielfältig Frieden heute gedacht und erlebt werden kann.
Zu den Ausgezeichneten zählt Maximilian Mann, dessen eindringliche Bildserie die Zerbrechlichkeit und Hoffnung menschlicher Existenz spürbar macht. Die Ausstellung wird noch bis Februar 2026 gezeigt.

»Gedenken neu denken – Wie sich unser Erinnern an den Holocaust verändern muss« – Buchvorstellung mit Susanne Siegert am 21. November, 18.30 Uhr, Eintritt frei

„Unsere Erinnerungskultur muss sich verändern“, meint die Autorin Susanne Siegert. Wie und warum, legt sie in ihrem Buch dar. Sie plädiert für eine pluralistische, neue Gedenkarbeit mit einem Schwerpunkt auf der Verantwortung der Nachfahren der Tätergeneration anstelle unserer „einstudierten“ gemeinsamen Rückschau mit den Opfern. Es geht um weniger bekannte NS-Verbrechen, um weniger bekannte Orte, um bisher vernachlässigte Opfergruppen. Gleichzeitig zeigt dieses Buch, wie wichtig eine aktivere, vielfältigere Gedenkkultur ist, um künftige Generationen auch ohne direkte Zeitzeugenberichte zu erreichen. Susanne Siegert klärt auf Instagram und TikTok über den Holocaust auf. Ihr folgen knapp 300.000 Menschen. Für ihre Arbeit wurde sie 2024 mit dem ELNET Preis und dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet.

Filmabend: »Wir sind jung. Wir sind stark.«, 25. November 2025, 19 Uhr, in der Lagerhalle Osnabrück, Eintritt: 6 beziehungsweise ermäßigt 5 Euro

Der Spielfilm von Burhan Qurbani (2014) erzählt von den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen im August 1992. In einer von Perspektivlosigkeit geprägten Plattenbausiedlung entlädt sich die wachsende Fremdenfeindlichkeit in blanker Gewalt gegen Asylsuchende und vietnamesische Vertragsarbeiter:innen – ein erschütterndes Zeitdokument über die Folgen von Orientierungslosigkeit, politischem Versagen und Hass.

Eine Veranstaltung in der Reihe „Geschichte(n) sehen“ von Museumsquartier Osnabrück, Lagerhalle e.V. und Filmfest Osnabrück.

»Pensionen und Baulasten« – Vortrag & Gespräch mit Dr. Christian Hoffmann über den Umgang des Königreichs Hannover mit den Verpflichtungen aus der Zeit der Säkularisation im Bereich der Landdrostei Osnabrück (1813/14–1866) am 25. November, 19 Uhr, Eintritt frei

Die Säkularisation bezeichnet die Enteignung und Verstaatlichung kirchlicher Güter zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Viele Klöster, Stifte und geistliche Fürstentümer wurden aufgelöst, ihr Besitz ging an weltliche Staaten über – ein tiefgreifender Einschnitt in das Verhältnis von Kirche und Staat.
Diese Umwälzungen brachten den neuen Landesherrschaften zwar großen Vermögenszuwachs, jedoch auch langfristige finanzielle Verpflichtungen. Das 1814 zum Königreich erhobene Hannover erhielt durch den Wiener Kongress von 1815 unter anderem das Emsland und die Grafschaft Bentheim und richtete zur Verwaltung des ehemaligen Kirchenvermögens die Klosterkammer ein. Der Vortrag zeigt, wie Hannover seiner Verpflichtung zur Versorgung der Kanoniker, Mönche und Nonnen der aufgehobenen Stifte und Klöster in der Landdrostei Osnabrück nachkam, und zeigt die neue Nutzung des verstaatlichten Immobilienbesitzes.
Eine Veranstaltung in der Reihe „Geschichte konkret“ vom Museumsquartier und dem „Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück“.

Vortrag & Gespräch: Albrecht Dürers »Marienleben« am 6. Dezember 2025, 15.30 Uhr,
Eintritt: 8 beziehungsweise ermäßigt 6 Euro inklusive Kaffee & Kuchen. Anmeldung bis 3. Dezember unter mq4-vermittlung@osnabrueck.de

Die Kunsthistorikerin Marie Brune lädt zu einem Vortrag über Albrecht Dürers Holzschnittzyklus „Marienleben“ ein – ein Meisterwerk der Renaissance, das Maria nicht nur als heilige, sondern als zutiefst menschliche Figur zeigt. In 19 Holzschnitten erzählt Dürer eindrucksvoll vom Leben der Gottesmutter – von ihrer Geburt bis zur Himmelfahrt – und verbindet Bild und Text auf neuartige Weise. Im Anschluss gibt es Gelegenheit, bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch zu kommen und Dürers Werk weiter zu entdecken – darunter auch die derzeit im Museumsquartier gezeigte „Apokalypse“.

Nähere Informationen: Museumsquartier Osnabrück, Lotter Straße 2, 49078 Osnabrück, Telefon 05413232237, E-Mail: museumsquartier@osnabrueck.de und Internet: http://www.museumsquartier-osnabrueck.de

6 ½ Wochen – Rudi William – In the air we breathe

Die australische Künstlerin Rudi Williams präsentiert Fotografien und fotografische Artefakte – teils selbst hergestellt, teils gefunden. Williams Motive bilden stille Räume voller Spuren, die eine Fülle an Assoziationen wecken. In der Ausstellung „6 ½ Wochen – Rudi William – In the air we breathe“, die vom 21. November bis zum 4. Januar 2026 im Museum Folkwang in Essen zu sehen ist, konzentriert sie sich auf kameralose Bilder und Silhouetten, die das Spannungsfeld zwischen An- und Abwesenheit umkreisen und die Darstellung von Verlust thematisieren. Ihre Praxis reflektiert zugleich die Geschichte und die technischen Prozesse der Fotografie, dabei experimentiert sie unter anderem mit frühen Verfahren wie der Daguerreotypie und der Cyanotypie, die auch als „Sonnendruck“ bezeichnet wird.
Die ausgestellten Fotografien, Daguerreotypien und Textilien werden von filigranen Stahlkonstruktionen getragen, die auf museale Präsentationsformen verweisen und die Einzigartigkeit jedes Objekts betonen. So erscheint Fotografie hier nicht als Bilderflut, sondern als Sammlung einzigartiger, atmender Zeugnisse.
Der Titel der Ausstellung „In the air we breathe“verweist auf die Wahrnehmung von Vorzeichen die sich im Sinne des gesellschaftlichen Zeitgeistes abzeichnen, wie zum Beispiel auch die Stimmung um 1839 als die Erfindung der Fotografie bereits ‚in der Luft lag‘ und Bilder erstmals ‚fixiert‘ wurden.

Rudi Williams, 1993 in Italien geboren und sesshaft in Melbourne, ist diesjährige Stipendiatin der Neuen Folkwang Residence. In ihren Ausstellungen kombiniert und kontrastiert sie häufig Bilder, die zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten aufgenommen wurden und variierende fotografische Formen aufweisen, um ihre eigene Geschichte in Bezug auf Konzepte wie Erinnerung, Temporalität und das Archiv zu reflektieren.

Nähere Informationen: Museum Folkwang, Museumsplatz 1, 45128 Essen, Telefon +49 2018845000, E-Mail: info@museum-folkwang.essen.de