Das steht im Städel Museum in Frankfurt auf dem Programm: Monets Küste und die Entdeckung von Étretat, Bruegels Fantastische Welten, Neue Perspektiven mit Elmgreen & Dragset, Die Haut in der Kunst auf Papier, Große Schau zu Maria Magdalena sowie 2027 Zum Paradiesgärtlein.
Monets Küste – Die Entdeckung von Étretat – 19. März bis 5. Juli 2026
Eine Küste wird zum Mythos: Die Felsen von Étretat, in der Normandie an der Atlantikküste gelegen, zogen im 19. Jahrhundert zahlreiche Künstler in ihren Bann. Das Städel Museum präsentiert vom 19. März bis 5. Juli 2026 eine große Ausstellung über die künstlerische Entdeckung des einstigen Fischerdorfes Étretat und seinen Einfluss auf die Malerei der Moderne.
In Frankfurt werden rund 170 herausragende Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und historische Dokumente aus führenden französischen, deutschen und weiteren internationalen Museen sowie aus verschiedenen Privatsammlungen zu sehen sein. Darunter sind allein 24 Werke von Claude Monet. Étretat spielte eine bedeutende Rolle bei der Entstehung einer neuen Malerei, die als Impressionismus in die Geschichte der Kunst einging. Das Interesse der Künstler galt vor allem der charakteristischen Klippenlandschaft, die als aufregend schön und bedrohlich zugleich wahrgenommen wurde. Maler und Schriftsteller reisten nach Étretat und machten den abgelegenen Ort durch ihre Werke über die Grenzen Frankreichs hinaus berühmt.
Mit der zunehmenden touristischen Erschließung um 1850 entwickelte sich Étretat zu einem beliebten Seebad und zu einem Treffpunkt für Künstler, Intellektuelle und das Pariser Bürgertum: Gustave Courbet malte hier seine berühmten Wellenbilder, Guy de Maupassant erhob Étretat literarisch zu einem Sehnsuchtsort, und der Gentleman-Gauner Arsène Lupin, die Romanfigur von Maurice Leblanc, hortete hier seine Schätze. Auch der aufstrebende Maler Claude Monet war von der einzigartigen Steilküste mit ihren drei Felsentoren – der Porte d’Amont, der Porte d’Aval und der Manneporte – derart fasziniert, dass er ihr etliche Gemälde widmete. Unter dem Eindruck der sich stets verändernden Licht- und Wetterverhältnisse begann Monet in Étretat erstmals, Motivreihen zu malen, eine Arbeitsweise, die sich später zu seinem Markenzeichen entwickeln sollte.
Die Ausstellung vereint neben Werken von Eugène Delacroix, Gustave Courbet, Claude Monet und Henri Matisse eine Vielzahl weiterer wichtiger Positionen der modernen und zeitgenössischen Kunst – von Eugène Le Poittevin über Camille Corot, Gustave Caillebotte und Johann Wilhelm Schirmer bis hin zu Elger Esser. Gemeinsam verdeutlichen die Arbeiten die anhaltende Faszination, die dieser Ort bis heute ausübt. Die Leihgaben stammen unter anderem aus dem Musée d’Orsay in Paris, dem Metropolitan Museum of Art in New York, der National Gallery of Canada in Ottawa, dem Fitzwilliam Museum in Cambridge sowie den Staatlichen Museen zu Berlin.
Seit mehr als 150 Jahren ist Étretat Urlaubsort und Ziel des internationalen Tourismus. Die Menschenströme bedrohen die Steilküste jedoch ebenso wie die Erosion und der Klimawandel. Die Untersuchung des Mythos Étretat ermöglicht es somit auch, wie unter einem Brennglas die ambivalenten Auswirkungen der Popularisierung eines Ortes und die Rolle, die die Kunst dabei spielte, nachzuvollziehen. Mit der umfassenden Ausstellung „Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat“ lädt das Städel Museum ein, Étretat anhand berühmter Meisterwerke des 19. und 20. Jahrhunderts in seiner Fragilität und Faszination neu zu erkunden.
Zur Ausstellung wird ein umfassendes Vermittlungsangebot vor Ort und online angeboten. Tickets für den Besuch der Ausstellung und Überblicksführungen zu den wichtigsten Werken sind online bereits unter staedelmuseum.de erhältlich.
Elmgreen & Dragset – Stillleben mit Gemüse – 20. Mai 2026 bis 17. Januar 2027
Im Frühjahr 2026 verwandelt das Künstlerduo Elmgreen & Dragset das Städel Museum in ein faszinierendes Spiel aus Realität und Illusion. In der Sammlung Gegenwartskunst sind zwei immersive Installationen zu erleben, die mit Skulpturen sowie Interventionen der Künstler im gesamten Haus bis in die benachbarte Liebieghaus Skulpturensammlung ausstrahlen.
Auf ihrem Rundgang erleben die Besucher, wie Kunstwerke des Städel Museums aus über 700 Jahren in Dialog treten und bislang verborgene Verbindungen sichtbar werden. Seit 1995 arbeiten Elmgreen & Dragset international an der Schnittstelle von Architektur, Installation und Performance. Sie dekonstruieren scheinbar festgelegte räumliche Strukturen und transformieren öffentliche wie institutionelle Orte. Mit der Ausstellung „Stillleben mit Gemüse“ reflektiert das Duo, wie die ideologischen Kontrollmechanismen, die in bekannten Raumgestaltungen wie Bürolandschaften eingebettet sind, unsere Verhaltensmuster beeinflussen können. Indem sie den Blick der Besucher umlenken, rücken Elmgreen & Dragset in poetischen, gleichermaßen von Skepsis und Humor getragenen Szenen leicht übersehene Momente in den Fokus.
Die skandinavischen Künstler befassen sich auch mit dem Kunstbetrieb selbst und beleuchten, wie Museumsausstellungen unsere Wahrnehmung der Kunstgeschichte prägen. Elmgreen & Dragset spielen mit diesem institutionellen System und hinterfragen auf subtile Weise klassische Präsentationsformen.
Im Gegensatz zu anderen Ausstellungen erstreckt sich „Stillleben mit Gemüse“ über das gesamte Museum und die Sammlung. Sie lädt die Besucher zu einer Entdeckungsreise ein, auf der sie die Interventionen von Elmgreen & Dragset erkunden können. Diese Begegnungen verändern auf subtile Weise den Rundgang durch das Städel, schaffen eine Reihe fast surrealer Konstellationen und stellen den Besucher in den Mittelpunkt des Erlebens.
Bruegel. Printed – 18. Juni bis 20. August 2026
Pieter Bruegel der Ältere (1525/30–1569) entführt mit seinen Werken in eine fantastische Welt voller humorvoller Bildideen und rätselhafter Details. Heute vor allem als Maler bekannt, erlangte Bruegel frühzeitig als Entwerfer von Druckgrafiken Ruhm. Seine Bildschöpfungen reichen von groß angelegten Überblickslandschaften bis zu moralisierenden religiösen Sinnbildern, von Szenen des Alltags bis zu allegorischen Bildkompositionen. Bruegel ist darin ebenso Geschichtenerzähler wie kritischer Beobachter seiner Zeit.
Die Ausstellung „Bruegel. Printed“ versammelt in Frankfurt im Sommer 2026 rund 45 außergewöhnliche Druckgrafiken, die nach Bruegels Zeichnungen entstanden sind. Die Graphische Sammlung des Städel Museums verfügt über einen eindrucksvollen Bestand niederländischer Druckgrafik, darunter 30 Druckgrafiken nach Bruegels Zeichnungen. Sie bilden den Ausgangspunkt der Schau und werden ergänzt durch Leihgaben aus der Albertina in Wien und der Staatlichen Graphischen Sammlung München.
Die gezeigten Arbeiten, unter anderem sinnbildhafte Darstellungen wie Geduld (Patientia) (1557) oder Mäßigkeit (Temperantia) (um 1560), vermitteln einen lebendigen Eindruck von Bruegels facettenreicher Bildwelt, die moralische Fragen seiner Zeit aufgreift und zugleich grundlegende Aspekte menschlichen Lebens anspricht. Seine Werke vereinen präzise Beobachtung, Fantasie und erzählerische Kraft. Bruegel thematisiert menschliche Schwächen, verweist auf die Größe der Natur und richtet den Blick zugleich auf das alltägliche Miteinander. Der besondere Reiz seiner Werke entsteht durch das Zusammenspiel von Naturnähe, Einfallsreichtum und humorvoller Übertreibung. Seine Darstellungen eröffnen noch heute überraschende Perspektiven auf gesellschaftliches Miteinander, aber auch auf die Frage nach grundlegenden menschlichen Werten.
Maria Magdalena Sin. Pray. Love. – 17. September 2026 bis 17. Januar 2027
Sie ist Gefährtin Christi, Heilige und Sünderin, Sinnbild für Begehren und Buße – Maria Magdalena fasziniert seit Jahrhunderten durch ihre Widersprüchlichkeit. Von den Schriften des Neuen Testaments über mittelalterliche Legenden bis in die heutige Zeit hat sie in der Kunst unzählige Deutungen erfahren und spiegelt dabei immer auch Vorstellungen von Weiblichkeit, Spiritualität und Eigenständigkeit in der jeweiligen Zeit. Mit „Maria Magdalena“ präsentieren das Städel Museum und die Liebieghaus Skulpturensammlung die erste umfassende Ausstellung im deutschsprachigen Raum zu dieser außergewöhnlichen Figur.
Die Schau zeichnet nach, wie sich ihr Bild im Laufe der Jahrhunderte wandelte – von der asketischen Büßerin über die ekstatische Heilige bis zur modernen, selbstbestimmten Frau als Identifikationsfigur. Dabei wird Maria Magdalena zugleich als Projektionsfläche kultureller und religiöser Vorstellungen und als eigenständige, vielstimmige Gestalt gezeigt, die zwischen Körper, Glaube und den ihr zugeschriebenen gesellschaftlichen Rollen vermittelt. Wichtige Werke aus der Sammlung des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung bilden den Ausgangspunkt der Präsentation.
Rund 100 Werke aus bedeutenden deutschen und internationalen Sammlungen, darunter Gemälde, Skulpturen und Grafiken, werden in der Ausstellung vereint und verdeutlichen die künstlerische und emotionale Bandbreite der Darstellungen der Maria Magdalena. Mit besonderem Fokus auf Künstlerinnen sind in Frankfurt unter anderem Arbeiten von Artemisia Gentileschi, Lavinia Fontana, Elisabetta Sirani, Lotte Laserstein, Kiki Smith und Marlene Dumas zu sehen; daneben werden Hauptwerke bedeutender Künstler wie Albrecht Dürer, Pedro de Mena, Guercino, Georges de la Tour, Claude Lorrain, Auguste Rodin, Arnold Böcklin und Max Beckmann präsentiert. Zugleich erstreckt sich die Ausstellung bis in die ikonografische Transformation der Maria Magdalena in der Populärkultur. So zeigt die Ausstellung, wie jede Zeit ihre eigenen Fragen, Vorstellungen oder Sehnsüchte in die Figur der Maria Magdalena eingeschrieben hat und wie sie bis heute Anlass gibt, über Rollenbilder, Spiritualität und die Deutung weiblicher Erfahrung zu reflektieren.
SurFace Über Haut – 2. Dezember 2026 bis 28. Februar 2027
Mit rund zwei Quadratmetern ist die Haut das größte Organ des Menschen. Sie bedeckt und umhüllt den Körper, begrenzt und schützt ihn, ermöglicht zu fühlen. Auf ihrer Oberfläche schreiben sich Erfahrungen und Empfindungen ein; sie ist identitätsbildend, aber auch Projektionsfläche für unser Gegenüber. Die Ausstellung „SurFace. Über Haut“ rückt das faszinierende Thema der menschlichen Haut ins Zentrum. Ausgehend von ausgewählten Arbeiten der Graphischen Sammlung werden über 60 Werke verschiedener Medien und Epochen präsentiert: Zeichnung, Malerei oder Skulptur – von den Alten Meistern bis zur Gegenwartskunst entfaltet sich ein vielschichtiges Panorama, das die Wiedergabe der Haut als eine der grundlegenden Aufgaben künstlerischer Praxis vor Augen führt. Dabei zeigt sich die Haut als Spiegel von Schönheit und Verletzlichkeit, von Jugend und Alter und als Ort der Emotionen, Berührung und Begehrlichkeit.
Die Ausstellung versammelt sowohl wenig bekannte Werke als auch Arbeiten namhafter Künstler wie Hans Baldung gen. Grien, Raffael, Tizian, Peter Paul Rubens, Auguste Rodin oder Robert Mapplethorpe. Die Gegenüberstellung der Werke macht Gemeinsamkeiten und Brüche in der Darstellung der Haut sichtbar und verdeutlicht die Vielfalt gestalterischer Ansätze. Durch die verwendeten Materialien und Techniken – ob Pinsel und Farbe, Metallstift, Kreide oder Kohle oder als dreidimensionales Objekt – wird die Körperoberfläche sinnlich erfahrbar. Bereits die frühen Anleitungen zur künstlerischen Praxis thematisieren die Wiedergabe der menschlichen Haut, die zum Prüfstein für die Überzeugungskraft der Werke wird. Während Malerei und gefasste Skulpturen lange Zeit eine möglichst perfekte Nachahmung anstreben, zeigen sich in der Zeichnung schon früh Tendenzen zur Abstraktion.
Die Wahrnehmung wird von den haptischen Qualitäten der Oberfläche geprägt: von weichem Farbauftrag, zart verwischter Kreide oder dem rauen Charakter des Papiers. Darstellungen von Berührungen verstärken diese sinnliche Wirkung und verbinden Sehen, Fühlen und Begreifen. Die Kunst erweist sich damit als ein inspirierendes „Archiv“ dafür, wie wir die Haut wahrnehmen und empfinden.
Im Paradiesgarten – Kunst und Naturwahrnehmung um 1400 – 24. Februar bis 27. Juni 2027
Das Paradies – ein Ort der Sehnsucht, der seit Jahrhunderten die menschliche Vorstellungskraft beflügelt. Als irdischer wie himmlischer Garten und als Sinnbild ursprünglicher Harmonie zwischen Mensch und Natur wurde er zum Projektionsraum religiöser, philosophischer und künstlerischer Ideen. In diesem Spannungsfeld bewegt sich die groß angelegte Ausstellung „Im Paradiesgarten. Kunst und Naturwahrnehmung um 1400“, die den Blick auf eine entscheidende Umbruchzeit in der europäischen Kunst richtet. Ausgangspunkt ist eines der berühmtesten und zugleich rätselhaftesten Gemälde des Städel Museums: Das Paradiesgärtlein (ca. 1410/20).
Kaum größer als ein aufgeschlagenes Buch, entfaltet die Tafel eine erstaunliche Fülle von Details. Die Muttergottes erscheint darin inmitten einer höfischen Gesellschaft; der umschlossene Garten wird zugleich als religiöses Symbol und als Ort weltlicher Liebe lesbar. Besonders beeindruckt das Werk durch seine unvergleichliche Naturnähe: Mehr als 25 Pflanzen-, 12 Vogel- und 3 Insektenarten sind mit erstaunlicher Präzision dargestellt und verweisen auf ein neu erwachtes Interesse an der Natur als Beobachtungs- und Erkenntnisraum.
Die Ausstellung rückt diese bahnbrechende Verbindung von Kunst und Naturwahrnehmung in den Mittelpunkt und bettet das Paradiesgärtlein umfassend in den historischen und künstlerischen Kontext der Zeit um 1400 in Europa ein – eine Zeit des Umbruchs, der Konflikte und des intellektuellen Austauschs. Rund 80 hochkarätige Leihgaben aus internationalen Museen – darunter die National Gallery in Washington D.C., das Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid, der Louvre in Paris und das Rijksmuseum in Amsterdam – machen diese Entwicklung erfahrbar.
Neben Gemälden von Jan van Eyck, dem „Meister von Flémalle“ und Pisanello werden Skulpturen, Goldschmiedearbeiten, Tapisserien, Zeichnungen und illuminierte Handschriften präsentiert. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine immersive Rauminstallation des Berliner Künstlers und Bühnenbildners Philipp Fürhofer, die die sinnliche Dimension des Paradiesgärtleins neu interpretiert. Schon im Mittelalter sollte das Bild nicht nur das Auge, sondern alle Sinne ansprechen – über das Zwitschern der Vögel, den Duft der Blumen, den Geschmack der Früchte, die Struktur der Stoffe. Fürhofer überträgt diese Idee in die Gegenwart und schafft ein begehbares „Paradiesgärtlein“, das die historische Bildwelt atmosphärisch erlebbar macht.
Nähere Informationen: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main, Telefon: 069-605098-0, E-Mail: info@staedelmuseum.de