Nicht nur die Kulturgeschichte von Sexarbeit, aber auch

Ausstellungsprogramm der Bundeskunsthalle Bonn

„Was uns verbindet. Dimensionen sozialer Nachhaltigkeit“ – so lautet das Jahresthema 2026 der Bundeskunsthalle. Damit stellt das Haus nach dem Themenjahr der ökologischen Nachhaltigkeit die soziale Verantwortung ins Zentrum seiner Programmarbeit und fragt, wie Kunst, Bildung, kultureller Austausch und gesellschaftlicher Dialog zu einem für alle gewinnbringenden Miteinander beitragen können.

Das Team der Bundeskunsthalle hat vor Kurzem das Programm für das Jahr 2026 vorgestellt. „Es ist wichtig, als Institution darüber nachzudenken, wie wir als Gesellschaft funktionieren und sich dabei zu fragen, was uns verbindet. Mit dem Jahresprogramm 2026 möchten wir den Blick in die weite Ferne schweifen lassen und genauso in unsere diverse, soziokulturelle Umgebung blicken. Wir schauen in den globalen Süden und beschäftigen uns mit indigenen Welten des Amazonasgebiets, zeigen eine zentrale Figur in der queeren Szene New Yorks der 1970er/80er Jahre, ergründen die Kulturgeschichte von Sexarbeit, rücken die Gedenkkultur zu den NS-Verbrechen in den Fokus und richten den Blick auf zumeist wenig beachtete lateinamerikanische Künstlerinnen. Es geht dabei um Themen wie soziale Interdependenzen, kulturelle Teilhabe und alternative Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens“, erläutert die Intendantin Eva Kraus. „Was uns verbindet. Dimensionen sozialer Nachhaltigkeit“ verortet die Bundeskunsthalle nicht nur in Ausstellungen, sondern in einem ganzen Audit von Vermittlung, Bildung und durch gesellschaftliche Beteiligung. Es soll gelingen, Kunst und Kultur als Plattform für ein soziales Miteinander zu denken.

Das Jahresthema verknüpft dabei immer künstlerische Stimmen und ästhetische Positionen mit den Fragen sozialer Nachhaltigkeit. „Als Prämisse ist dabei die diversitätssensible Öffnung des Hauses ein langfristig strategisch und strukturell angelegtes Ziel der Bundeskunsthalle. Inklusion, Teilhabe und der Zugang des Hauses wie auch die Anteilnahme an gesellschaftsrelevanten Themen sind ein wichtiger Motor für den Dialog und das Miteinander. Die Kulturvermittlung spielt dabei einen essentiellen Part – unterstützt durch die Fokusgruppe, das Gesellschaftsforum und die vielen freien Führungs- und Workshopmitarbeiter werden zahlreiche Formate im kleineren und größeren Maßstab für die Besucher immer neu aufgelegt. Ein explizit für Kinder, Jugendliche und Familien neu kuratiertes partizipatives Programm erwartet die Besucher im Programmjahr 2026“, sagt Eva Kraus weiter.

Das Ausstellungsjahr 2026 beginnt am 27. Februar mit einer Ausstellung über einen der bedeutendsten Fotografen New Yorks, Peter Hujar, der für die Empathie und Wärme seiner Bilder gefeiert wurde, zu Lebzeiten jedoch wenig bekannt war. Hujars Hauptinteresse galt der Porträtfotografie und er fotografierte sich selbst, seine Freunde und Bewohner der queeren New Yorker Downtown-Szene, genauso aber richtete er seine Aufmerksamkeit auch auf Tiere, Architektur und Landschaften. (Peter Hujar. Eyes Open in the Dark, bis 23. August)

Die Ausstellung „Amazônia. Indigene Welten“ gibt vom 13. März bis 9. August den indigenen Völkern des Amazonasgebiets eine Stimme und bietet einen neuen Blick auf diese Region, die oft auf das Klischee einer exotischen, von der heutigen Welt abgekoppelten Gesellschaft reduziert wird. Dabei ist Amazonien ein lebendiges Ganzes aus dichten Netzwerken, interkulturellem Austausch und einer erweiterten Soziabilität zwischen Hunderten von indigenen Völkern. Die Ausstellung mit ihren zirka 400 Exponaten legt einen Schwerpunkt auf die Konzepte von Schöpfung, Gemeinschaft und Zukunftsperspektiven aus der Sicht der Bewohnerinnen und Bewohner.

„Nichts über uns ohne uns!“ – Das Prinzip der folgenden Ausstellung könnte ebenso gut für „Amazônia. Indigene Welten“ gelten, doch charakterisiert es zentral das Projekt Sex Work. Eine Kulturgeschichte der Sexarbeit. Gemeinsam mit einem Kollektiv forschender Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter wurde die ab 2. April laufende Ausstellung konzipiert, die mit Kunst, kulturgeschichtlichen Zeugnissen und Archivmaterial die Sexarbeit in Europa von der Antike bis in die Gegenwart kaleidoskopartig aufblättert. Denn welches Menschenbild die Zeit prägte, welche Werte galten und wer Macht ausübte, lässt sich auch daran ablesen, wie gesellschaftlich mit Sexarbeit umgegangen wurde. (bis 25. Oktober 2026)

Mit den „Interactions 2026“ werden ab 1. Mai wieder ausgewählte Kunstwerke und Performances angeboten, die im Außenraum der Bundeskunsthalle bis zum 1. November zum interaktiven Spiel einladen. Alle Werke bzw. Projekte beinhalten eine eigene Erzählung oder Vision, die es neben der Interaktion zu entdecken gilt. Sie machen deutlich, dass Offenheit sowohl dem individuellen als auch dem gemeinsamen Erleben dient und ein Miteinander, Toleranz und Sensibilität fördert.

Der Kulturherbst wird am 9. Oktober mit einem Thema eröffnet, das dringlicher nicht sein könnte. Wie steht es um die Erinnerungskultur und Gedenkpolitik in Deutschland? In den kommenden Jahren wird es kaum noch Überlebende des Holocaust und andere Opfer des NS-Regimes geben, die über ihre Erlebnisse berichten könnten. Aber sie hinterlassen ihre Zeugnisse in Büchern, Tonaufnahmen, Filmen und eigenen Kunst werken. Die Ausstellung „Nie wieder! Gegen das Vergessen der NS-Verbrechen“ widmet sich der sich verändernden Erinnerungskultur in Bezug auf die Verbrechen des Nationalsozialismus. Die Ausstellung untersucht vor allem mit Mitteln der Kunst und digitaler Medien sowie mit historischen Zeugnissen und Objekten verschiedene Methoden des Gedenkens. (bis 2. Mai 2027)

In den Jahresendspurt geht die Bundeskunsthalle mit einer große Überblicksschau, die erstmals in Europa zentrale Werke von mehr als 60 Künstlerinnen aus Lateinamerika von Mexiko bis Argentinien vereint. „Avant-Guardistas. Lateinamerikanische Künstlerinnen von Frida Kahlo bis heute“ spannt einen großen Bogen über mehr als ein Jahrhundert, der berühmte Künstlerinnen mit solchen vereint, die über die Jahrzehnte in Vergessenheit geraten sind. Die Ausstellung geht vom 4. Dezember bis 29. März 2027 den eigen ständigen künstlerischen Sprachen auch in ihrer Bedeutung für kulturelle Identitäten und Prozesse der (weiblichen) Selbstermächtigung nach.

Wenn die Ausstellungstüren schließen, gehen bei live arts die Scheinwerfer an. Auf dem Programm 2026 stehen dann fünf internationale Produktionen aus Tanz, Theater, Musik und Performance. So lädt Connor Schumacher mit „Physical Therapy – Sober Dance Sessions“ (Physiotherapie Tanzen ohne Rauschmittel) Menschen dazu ein, zentrale Qualitäten der Rave- und Club kultur bewusst zu trainieren, zu reflektieren und weiterzuentwickeln – ganz ohne den Einfluss von Substanzen. Es folgen die international gefeierten und für den Grammy nominierten Musiker Manu Delago (Handpans) und Max ZT (Hackbrett), die sich mit innovativen Arrangements und wunderschönen Kompositionen in ein unerforschtes musikalisches Terrain vorwagen. Performance mit erwünschter Teilnahme präsentieren Hoffmann&Lindholm mit „Hiding Piece“, bei dem das Publikum aufgefordert wird, im Aufführungsraum zu verschwinden, sich unsichtbar zu machen oder in der Position stiller Beobachter zu verharren.

„Studio Bonn“ komplettiert mit Diskussionen einerseits zur ökologischen, andererseits zu den Dimensionen sozialer Nachhaltigkeit das Kunst- und Kulturjahr in der Bundeskunsthalle. Studio Bonn versteht sich als Beitrag zur demokratischen Selbstverständigung über den gemeinsamen Umgang mit Krisen und Konflikten, über gesellschaftliche Veränderungsprozesse und kulturelle Gestaltungspotentiale.

Noch dem Jahresthema 2025 verpflichtet und die Ausstellung „Expedition Weltmeere“ begleitend, wird bei „Gefährdete Schönheit: Wie können wir die Weltmeere besser schützen?“ am 25. Februar über den aktuellen Zustand der Ozeane diskutiert, die den Globus als zusammenhängendes komplexes Ökosystem umspannen. Dem Jahresthema 2026 folgend, fragt „Extremer Reichtum: Wie Vermögensungleichheit den sozialen Zusammenhalt gefährdet“ am 29. April, wie ein gerechter Ausgleich der finanziellen Lastenverteilung, wie ihn beispielsweise Konrad Adenauer schon einmal vollzogen hatte, erneut gelingen kann.

„Digitales Empowerment? Künstliche Intelligenz zwischen Utopie und Dystopie“ am 3. Juli wagt sich an ein weiteres drängendes Thema. Worin liegen die Chancen und Risiken der neuesten Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz und welche Form von Regulierung hilft uns in Europa, technologische Innovationen mit ethischer Orientierung zu verknüpfen?

Begleitend zur Ausstellung „NIE WIEDER! Gegen das Vergessen der NS-Verbrechen“ beschäftigt sich das Panel am 13. November mit den gegenwärtigen Angriffen auf Gedenkstätten wie Buchenwald durch rechtsextreme Gruppen und diskutiert Strategien, wie die Erinnerung an die deutschen Verbrechen des NS-Regimes gerade in Zeiten einer deutschen Remilitarisierung lebendig und wirkmächtig gehalten werden kann.

Neu im Diskursprogramm ist das Europäische Kulturforum Bonn/European Cultural Forum Bonn ECFB. Von nun an bringt einmal pro Jahr das ECFB herausragende Akteure aus Kunst, Kultur, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aus aller Welt in Bonn zusammen, vom 16. bis 19. September. Gemeinsam soll unter dem Leitgedanken globaler wechselseitiger Abhängigkeiten und planetarer Grenzen über aktuelle Herausforderungen unserer Gegenwart und deren kulturelle Dimension diskutiert sowie transnationale Allianzen für eine offene Gesellschaft und demokratische Kultur gestärkt werden.

Die Bundeskunsthalle positioniert sich seit Jahren als Ort inklusiver Kultur, bei dem Vermittlung zur Brücke wird: Programme adressieren vielfältige Besuchergruppen, bauen Barrieren ab und machen Kunst, Kultur und Wissenschaften erfahrbar. Von inklusiven Führungen über barrierefreie Zugänge und Räume bis zu digitalen Angeboten, die auch jüngere Zielgruppen erreichen, wird auf Teilhabe gezielt. Lokale Perspektiven wie das Gesellschaftsforum und Menschen mit unterschiedlichen Zugängen wie beispielsweise durch die Fokusgruppe (Experten für Barrierefreiheit) finden Aufmerksamkeit. Seit 2010 gibt es konkrete Angebote wie Tastführungen, Gebärdensprachführungen und Programme für Menschen mit Demenz; interkulturelle Formate und queere Zugänge ergänzen das Spektrum.

In diesem Jahr stehen mit dem „Ellah-Lab“, einem umfangreichen Familienprogramm und dem kollektiven Jahresabschlussprojekt in der Ostgalerie weitere Highlights an, die das Publikumserlebnis vertiefen und bürgernahe Partizipation stärken. So wird inklusive Vermittlung zu einem integrativen Erlebnis, das Gemeinschaft stärkt.

Auf eine weitere positive Stabilisierung der Besuchszahlen deuten auch die Prognosen für das noch laufende Jahr: Bei geschätzt 375.000 Besuchen bis Ende des Jahres werden eine Vielzahl an Menschen in der Bundeskunsthalle Ausstellungen gesehen, Konzerte gehört, Filme angeschaut oder bei Diskussionen mitdiskutiert haben.

Nähere Informationen: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH Museumsmeile Bonn, Helmut-Kohl-Allee 4, 53113 Bonn, Telefon: +49 228 9171-200, Fax: +49 228 234154, E-Mail: info@bundeskunsthalle.de

Im Museum Ludwig: Yayoi Kusama – 14. März bis 2. August

Im Jahr 2026 widmet das Museum Ludwig in Köln anlässlich seines 50-jährigen Jubiläums der legendären japanischen Künstlerin Yayoi Kusama eine große Ausstellung.

Kusama (*1929, Matsumoto) zählt zu den bekanntesten Künstlerinnen unserer Zeit. Ihre ikonischen Polka Dots, ihre Kürbisskulpturen und ihre verspiegelten Infinity Rooms sind zu einer Art Markenzeichen geworden und tauchen millionenfach in den Sozialen Medien auf. Die Ausstellung nimmt die Besucher mit auf eine spannende Reise durch Kusamas gesamtes Schaffen mit über 300 Arbeiten, von der ersten Zeichnung von zirka 1934 bis heute, und durch eine Vielzahl künstlerischer Medien, wie Malerei, Zeichnung, Skulptur, Installation, Mode, Performance und Literatur.

Über die gesamte Wechselausstellungsfläche des Museum Ludwig hinaus wird die groß angelegte Ausstellung auch weitere Bereiche des Hauses wie die Dachterrasse mit Domblick bespielen. Eine neue, eigens für die Ausstellung konzipierte immersive Rauminstallation mit integriertem Infinity Mirror Room wird den größten Saal des Museums füllen. Darüber hinaus werden frühe ikonische Arbeiten, wie Kusamas erste, 1963 entstandene Installation „Aggregation: One Thousand Boats Show“ zu sehen sein.

Im Zentrum von Kusamas Werk stehen die Natur in ihrem ständigen Wandel, Werden und Vergehen sowie die Unendlichkeit des Universums, in der alles Existierende sich letztlich auflöst. Die Punktemuster (Polka Dots), mit denen die Künstlerin Gegenstände und Menschen überzieht, sind ebenso Ausdruck dieser Weltsicht wie ihre Unendlichkeits-Spiegelräume.

Erlebnisse ihrer Kindheit, darunter Halluzinationen, in denen sie den eigenen Körper und die Umgebung von Punkten, Blüten und anderen Wiederholungsmustern überwuchert wahrnahm, durchziehen Kusamas gesamtes Schaffen. Fragilität und Auslöschung sind gleichermaßen Teil dieser Erfahrungen wie die Teilhabe und Verschmelzung mit einem großen Ganzen. Ihre Kunst ist für Kusama Lebensnotwendigkeit, jedes ihrer Werke auch eine Auseinandersetzung mit sich selbst.

Nach Kindheit und Jugend im ländlichen, patriarchalisch geprägten Japan der Nachkriegszeit entflieht Kusama der Enge und geht in den 1960er Jahren ins New York der Flower Power-Bewegung und des Vietnamkriegs; dort bezieht sie politisch Stellung und macht Schlagzeilen mit provokanten Happenings. 1973 kehrt Kusama nach Japan zurück und verarbeitet ihre existentiellen Ängste in oft schonungslosen Romanen und Gedichten. In ihrem kraftvollen Alterswerk erschafft sie wiederum lebensvolle und farbenprächtige Bilderzyklen.

Ihren roten Faden beschreibt Kusama, wenn sie sagt: „In meinen mehr als siebzig Jahren als Künstlerin habe ich immer Ehrfurcht vor dem Wunder des Lebens gehabt. Mehr als alles andere hat mich dieser starke Sinn für die Lebenskraft im künstlerischen Ausdruck unterstützt und mir Kraft gegeben, Gefühle von Depression, Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit zu überwinden. Ich habe mich von meinem Glauben an diese Kraft leiten lassen.“

Yayoi Kusama wird vom Museum Ludwig in Zusammenarbeit mit der Fondation Beyeler, Riehen/Basel (12. Oktober 2025 – 25. Januar 2026) und dem Stedelijk Museum Amsterdam (12. September 2026 – 17. Januar 2027) organisiert.

In der Kölner Station der Ausstellung werden einige große installative Arbeiten gezeigt, die nicht Teil der Ausstellung in Basel sind, wie Kusamas erste, 1963 entstandene Installation „Aggregation: One Thousand Boats Show“, das Environment „I’m Here but Nothing“ (2000 bis heute), ein in Schwarzlicht getauchter Wohnraum mit zahllosen fluoreszierenden Klebepunkten und die imposanten bunt bemalten Bronze-Blumen „Flowers“, die auf der Dachterrasse des Museum Ludwig installiert werden.

Nähere Informationen: Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln, Telefon: +49-221-221-26165, E-Mail: infomuseum-ludwig.de. Das Museum ist Dienstag bis Sonntag (inkl. Feiertage) jeweils von 10 bis 18 Uhr und jeden ersten Donnerstag im Monat von 10 bis 22 Uhr geöffnet.

Robert Smithson-Ausstellung bis zum 19. April im Josef Albers Museum

Das Josef Albers Museum ist dankbar dafür, dass der Großteil der Leihgebern einer zweimonatigen Verlängerung zugestimmt hat und es die herausragenden Exponate in dieser besonderen Ausstellung weiterhin zeigen kann.

Der US-amerikanische Künstler Robert Smithson (*1938 +1973) hat in den 1970er Jahren maßgeblich den Begriff der Earth Art geprägt. Seine Skulpturen und Installationen befassen sich mit den geologischen Gegebenheiten eines Ortes, dem Zusammenspiel von Mensch und Natur, Industrie und Umwelt. Dabei hat Smithson einige seiner bedeutendsten Werke in Europa realisiert: So besuchte er 1968/69 gemeinsam mit dem Fotografen Bernd Becher und dem Galeristen Konrad Fischer das Gelände der Gutehoffnungshütte in Oberhausen, um Schlacke für seine Werke zu sammeln. Unweit des historischen Ortes, zwischen Kohle und Sandgruben, ist Bottrop als ehemalige Bergbau- und Industriestadt der ideale Rahmen für diese Präsentation.

Der Dialog zwischen Smithsons Kunstwerken und Fundstücken aus der Sammlung der Ur- und Ortsgeschichte ist zudem ein wunderbarer Übergang in das Jubiläumsjahr des Museumszentrum Quadrat, das seit nunmehr 50 Jahren als Zweispartenhaus existiert und sowohl in der Kunst als auch im naturkundlichen Bereich über Sammlungen von internationaler Strahlkraft verfügt.

Am Samstag, 7. Februar, bietet das Josef Albers-Museum eine Busreise nach Emmen in den Niederlanden an. Dort ist seit 1971 das einzige, in Europa realisierte Reclamation-Projekt „Broken Circle/Spiral Hill“ (1971) von Robert Smithson zu erkunden.
Und am Sonntag, 14. Juni, wird das 50-jährige Bestehens des Museumszentrum Quadrat gefeiert.

Nähere Informationen: Museumszentrum Quadrat, Josef Albers Museum, Museum für Ur- und Ortsgeschichte, Anni-Albers-Platz 1, 46236 Bottrop, Telefon: 02041 – 37 20 30, Internet: www.quadrat-bottrop.de, Instagram: @museumquadrat. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr, Donnerstag 11 bis 19 Uhr.

Verführer, die täuschen – Magali Reus im Museum Beelden aan Zee – Rezension von Eda Dijksterhuis

In den Händen von Magali Reus bekommen alltägliche Gegenstände eine andere Bedeutung und sogar eine andere Persönlichkeit. Im Museum Beelden aan Zee wirft die Bildhauerin ein surrealistisches Licht auf Scheveningen.

Vier Kapseln einer Zahnpastatube, die Rückseite eines Ohrrings, ein Kamm mit unregelmäßigen Zähnen. In den Bildern von Magali Reus (*1981) gibt es viel Wiedererkennbarkeit. Und doch sind diese alltäglichen Dinge nicht leicht zu verstehen, so losgelöst sind sie von ihrem üblichen Kontext. Wer erwartet schon eine Mausefalle in einer offenen Sardinendose? Oder bekommt man kein unangenehmes Gefühl bei dem hellblauen Farbton der Form, die eine Niere oder eine riesige Bohne darstellt?

„Ungehorsame Objekte, die ein anderes Bild von sich selbst zeigen“, nennt die Künstlerin selbst ihr Werk in der Ausstellungsbroschüre. Man kann die Skulpturen auch als ‚Verführer, die täuschen‘ bezeichnen. Weil sie den Zuschauer ständig auf die falsche Spur bringen. Dabei reagiert Reus auf die menschliche Neigung, in allem etwas zu sehen: ein Gesicht in einer Augenhöhle oder einen Oktopus in einem Kleiderhaken. Der Bildhauer verbindet diese assoziative Fähigkeit mit einem technisch perfekten Finish und einer surrealen Neigung, was zu einem Seherlebnis führt, das zugleich ästhetisch befriedigend und kognitiv verwirrend ist. Es sind schöne, aber leicht verstörende Bilder.

Fishy business

Reus ist eine Sammlerin unter den Bildhauern. Wie die Zeitgenossen David Jablonowski (*1982) und Ruta Butkute (*1984) beginnt sie nicht mit einem formlosen Stück Ton oder einem Steinblock, sondern stapelt bestehende Objekte, die bereits eine Anwendung und Bedeutung haben. Sie sind jedoch so geneigt, dass Form und Funktion teilweise getrennt sind und man sie betrachtet, als würde man sie zum ersten Mal sehen. So schön kann eine Zahnpastakappe sein!

Seit ihrer Ausbildung an der Rijksakademie (2013–2014) und dem Gewinn des renommierten Prix de Rome 2015 werden Reus‘ Werke regelmäßig gezeigt – insbesondere in der Galerie Fons Welters, die im vergangenen Jahr geschlossen wurde. Doch „Tales and Reals“ im Museum Beelden aan Zee ist – nach „Mussard“ (2016) im Stedelijk Museum Amsterdam – ihr zweiter Museums-Solo-Auftritt. Und was für ein passender Ort für ein solches Debüt. Reus wurde in der Nähe in Scheveningen geboren und wuchs dort auf. Für die drei Werkserien, die sie derzeit zeigt, kehrt sie zur Landschaft ihrer Jugend zurück: Meer, Hafen, Boulevard, Industrie und Tourismus. Aber vor allem: fischige Angelegenheiten.

Zum Beispiel besteht die „Merlin-Serie“aus Sardinendosen mit unerwartetem Inhalt. „Streamers“ist der Titel der Fischgräten, die aussehen, als wären sie mit Puderzucker bestäubt und auf eine Bühne in Form eines Kanalschachts gelegt worden wie umgestürzte Weihnachtsbäume. Und „Rig“ ist eine Reihe von Hooks mit allem von einem abstrahierten Schläger, Supermarktetiketten und Knochen bis hin zu den bereits erwähnten Zahnpastakappen. Sie sind extrem vergrößerte Blinker, die Art von Köder, mit der Angler hoffen, Hecht, Barsch und Forelle zu fangen.

Die frühen Arbeiten der perfektionistischen Künstlerin Reus waren recht bescheiden. Dann begann sie, größer und barocker zu arbeiten. Und jetzt ist sie wieder kompakt und nüchtern. Die Werke sind Wohnzimmergröße, was in der monumentalen Ehrenhalle von Beelden aan Zee gewagt ist. Mit einer einfachen, aber effektiven Intervention bleibt alles mühelos. Mit wenigen Wänden wurden ein Innen- und ein Außenbereich geschaffen. Das „Innere“ ist gefüllt mit den „häuslicheren“ Arbeiten, den Dosen und Fischgräten. An der Wand rundherum hängen die Haken in Gefechtsordnung und nutzen die Schraubenlöcher im Beton gut. Die codeartigen Titel sind in derselben Schriftart, die man auch auf Schiffscontainern etwas weiter unten im Hafen findet.Solche Details gehören für Reus dazu. Bis hin zum Informationsblatt, das aussieht wie die VVV-Karten, die man in Badeorten findet. Alles ist richtig und perfekt fertig. Stahl wird lasergeschnitten, perforiert, gewalzt, geschweißt und pulverbeschichtet. Polyester wird besprüht, geschliffen und gewachst. Und Sperrholz geformt und eingelegt.Mit so viel perfektionistischer Handarbeit kann es leicht zu weit gehen und einfach zu schön werden. Doch Reus‘ Werk ist buchstäblich und im übertragenen Sinne mit einem scharfen Hook ausgestattet, der den Blick hängen lässt. Dadurch kann Entfremdung wirken, Details offenbaren sich, und als Betrachter beginnt man, über Konsum, unsere Beziehung zum Meer und unsere Beziehung zu alltäglichen Dingen nachzudenken, die wir eigentlich nicht richtig betrachten.

Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 3. Mai.

Nähere Informationen: Museum Beelden aan Zee Harteveltstraat 1, 2586 EL Den Haag, Niederlande, Telefon: 070 – 358 58 57, E-Mail: info@beeldenaanzee.nl

Frühjahrsprogramm des Von der Heydt-Museums

Anfang Februar gibt es die letzten Chancen, im Von der Heydt-Museum in Wuppertal drei derzeitigen Wechselausstellungen zur Skulptur zu sehen: „Markus Karstieß. Freundschaftsanfrage No. 3“, „Dieter Krieg-Preis: Jaana Caspary“ und „Guido Jendritzko zum 100. Geburtstag“ laufen bis 8. Februar. Danach wird für die nächste große Schau umgebaut: Carl Grossberg, die am 22. März eröffnet – ein Highlight der Kunst der Neuen Sachlichkeit.

Symposium zur Ausstellung „Guido Jendritzko zum 100. Geburtstag“

Freitag, 6. Februar, 15 bis 18 Uhr – Vorträge und Diskussion zur Kunstszene in Wuppertal 1965–1980, Moderation Dr. Beate Eickhoff

Vom Bildhauer zum Konzeptkünstler: Das Von der Heydt-Museum Wuppertal, Turmhof 8, ehrt Guido Jendritzko (1925 Kirchhain/Niederlausitz – 2009 Wuppertal) anlässlich seines 100. Geburtstags bis 8. Februar mit einer Ausstellung „Guido Jendritzko: Zum 100. Geburtstag“. Dazu veranstaltet das Von der Heydt-Museum ein Symposium zur Finissage der Ausstellung. Ausgehend vom Werk Guido Jendritzkos wird die Kunstszene der 1960er und 1970er Jahre in Wuppertal thematisiert. Ein Fokus liegt auf der Werkkunstschule als Ursprungsort einer multidisziplinären Avantgarde mit internationaler Strahlkraft.

Keynotes:

„Zur Geschichte der Wuppertaler Werkkunstschule im europäischen Kontext” von Prof. Dr.-Ing. Christoph Grafe, Professor Architekturgeschichte und -theorie, Bergische Universität Wuppertal

„Die Wandlung des Kunstbegriffs am Beispiel der Werkentwicklung Guido Jendritzkos” von Dr. Beate Eickhoff, Von der Heydt-Museum

„Wuppertal als Spielraum für Ideen” von Dr. Sarah Czirr und Prof. Dr. Jürgen Wiener, Institut für Kunstgeschichte, Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf

Öffentliche Führungen

„Museum A bis Z. Von Anfang bis Zukunft“
Samstag, 7. Februar, 13 Uhr

„Zeiten und Räume. Klassiker der Sammlung. Ruisdael bis Giacometti“
Sonntag, 8. Februar, 15.30 Uhr

Kombiführung durch die Sammlungen
„Museum A– Z“ und „Zeiten und Räume“
Sonntag, 15. Februar, 14 Uhr

Zum WSW-Kunstabend: „Happy Hour in der Sammlung“
Donnerstag, 19. Februar, 18 Uhr
(Freier Eintritt in die Sammlung ab 17 bis 20 Uhr)

Kostenlose Führung durch die Bibliothek
Donnerstag, 26. Februar, 16.30 Uhr

Themenführungen am Mittwoch:

Paula Modersohn-Becker zum150. Geburtstag, 4. Februar, 11.15 Uhr. Mit Dr. Anna Storm

Hans von Marées und die moderne Kunst, 18. Februar, 11.15 Uhr. Mit Petra Mecklenbrauck

Kuratorenführungen:

„Zeiten und Räume. Klassiker der Sammlung“, Dienstag, 24. Februar, 16.30 Uhr. Mit Dr. Anna Storm

Digitale Führung:

Digitaler Kunstabend: ein Haus – eine Stunde, Mittwoch, 4. Februar, 19 Uhr. An jeweils einem Mittwoch des Monats beleuchtet Karolina Bürger neue Aspekte der aktuellen Ausstellungen und gibt wissenswerte Informationen zur Geschichte des Museums und der Sammlung. Thema: Happy Birthday Paula Modersohn-Becker. Der Zoom-Link wird nach vorheriger Anmeldung im Online-Shop verschickt.

Weitere Führungen und Angebote:

Führungen für sehbehinderte und blinde Menschen sowie Begleitpersonen
Freitag, 27. Februar, ab 15 – 16.30 Uhr. Ausführliche Bildbeschreibungen und Tastmodelle machen Werke der Ausstellungen »Zeiten und Räume« und »Carl Grossberg« erfahrbar. Individuelle Gruppenführung zum Wunschtermin buchbar. Mit Julia Dürbeck.

Private Führungen:

Führungen für Gruppen bis zu 20 Personen können zu allen Ausstellungen gebucht werden.

Buchung per Email an buchungen.vdhm@stadt.wuppertal.de oder telefonisch unter 0202 / 563-6397 oder online. Kosten: 80 Euro für 60 Minuten oder 120 Euro für 90 Minuten zuzüglich Eintritt.

Kataloge unserer Ausstellungen im Shop

Zur Ausstellung „Markus Karstieß. Freundschaftsanfrage No. 3“ gibt es nicht nur den Katalog für für 12 Euro im Online-Shop, sondern auch das neue Künstlerbuch für 39 Euro. Die umfangreiche, vom Künstler selbst konzipierte Publikation zeigt seine Ausstellung im Von der Heydt-Museum (Laufzeit: 11. Oktober 2025 – 8. Februar 2026) in zahlreichen Installations- und Detailansichten und macht so ihren einzigartigen Ansatz erlebbar. Bisher unveröffentlichte Zeichnungen aus Skizzenheften des Künstlers geben zudem einen Einblick in die Genese des Projekts. Ein dialogischer Text von Dr. Doris Krystof, Kuratorin an der Kunstsammlung NRW, und Dr. Linda Walther, Direktorin des Josef Albers Museum Quadrat Bottrop, führt in das Werk von Markus Karstieß ein. Das Buch wurde gestaltet von Adeline Morlon und umfasst 128 Seiten.

Mit dem Smartphone durch die AusstellungenMultimedia-Guide

Der Multimedia Guide bietet den Besuchenden die Möglichkeit online geführter Touren durch alle Ausstellungen. Die Kuratoren stellen ausgewählte Werke mit erhellenden Informationen vor. Die Infos helfen beim Verständnis und laden zur Auseinandersetzung ein. Auf der virtuellen Tour ist es außerdem möglich, Lieblingswerke der Ausstellung in die Merkliste aufzunehmen. Diese persönlichen Highlights werden gespeichert und man kann immer wieder darauf zugreifen: https://guide.von-der-heydt-museum.de/

Eine Besonderheit gibt es bei der Ausstellung „Zeiten und Räume“: Der Audioguide wurde von den Schauspielern Ann-Kathrin Kramer und Harald Krassnitzer eingesprochen. Außerdem gibt es zu dieser Sammlungspräsentation, die die Highlights versammelt, einen Multimedia-Guide in türkischer Sprache, den man zu Hause oder beim Museumsbesuch konsultieren kann und durch den man Infos zu ausgewählten Werken bekommt.

Es empfiehlt sich, für den Museumsbesuch eigene Kopfhörer mitzunehmen, damit man sich die Texte direkt vor den Kunstwerken anhören kann.

Museumsblog

Der Museumsblog öffnet ein digitales Fenster hinter die Kulissen: Das Von der Heydt-Museum stellt ausgewählte Kunstwerke vor, veröffentlichen Interviews zu aktuellen Ausstellungen und geben Einblicke in die tägliche Museumsarbeit. Von wissenschaftlichen Erkenntnissen über Provenienzforschung bis zu praktischen Erfahrungen aus Praktika und Vermittlungsformaten – der Blog beleuchtet die vielfältigen Facetten des Museums.

Sammlung digital

Zum Bestand der Sammlung des Von der Heydt-Museums gehören rund 2100 Gemälde, 500 Skulpturen und 30.000 grafische Blätter. Seit drei Jahren arbeitet ein Team des Museums an der Digitalisierung und wir freuen uns, Ihnen mit einer Auswahl von etwa 800 Werken einen ersten digitalen Einblick in die Bestände des Museums anbieten zu können.

Der Fokus liegt zunächst auf den Hauptwerken der Gemäldesammlung und einer kleinen Auswahl an repräsentativen Plastiken, Grafiken und Fotografien. Die Werke werden mit Kerndaten, Abbildung und Infos angezeigt. Außerdem wird angegeben, ob ein Werk derzeit ausgestellt ist. Die Sammlung digital wird nun sukzessive wachsen und soll perspektivisch die kompletten Sammlungsbestände des Museums online abbilden.

Die digitale Sammlung finden Interessierte über die Website des Museums auf sammlung.von-der-heydt-museum.de/. Dort kann gestöbert oder gezielt nach Sammlungsschwerpunkten gesucht werden.

Nähere Informationen: Von der Heydt-Museum, Turmhof 8, 42103 Wuppertal, Telefon 0202 5636231 und E-Mail: von-der-heydt-museum@stadt.wuppertal.de. Geöffnet ist das Museum am Dienstag, Mittwoch, Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, am Donnerstag von 11 bis 20 Uhr. Da das zweite Obergeschoss wegen Umbauarbeiten geschlossen ist, gibt es einen ermäßigten Eintrittspreis.

Kreative sind Störenfriede

Nachklang zur Veranstaltung Lesung & Talk mit Jean-Remy von Matt im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst, Duisburg

Jean-Remy von Matt begeisterte gestern Abend über 170 Gäste im MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg und las sechs Passagen aus seinem neuen Buch „Am Ende, von dem er selbst sagt, dass es mit zunehmendem Lesen immer langweiliger wird. „Kreativität muss der erwarteten Ordnung widersprechen – Kreative sind Störenfriede, aber eben sehr wertvolle Störenfriede, denn ohne sie bliebe alles beim Alten.“ Mit dieser Aussage setzte er das erste Statement des Abends, ließ es aber nicht das letzte sein. Faszinierende Geschichten aus seinem Leben folgten und haben den Weg seiner Karriere zwischen Eitelkeit und Bescheidenheit eindrucksvoll beschrieben.

Fragen von Walter Smerling, Direktor des MKM Museum Küppersmühle, nach dem Ausmaß seines Selbstwertgefühls, das an einer guten Headline hängt lösten sich ab durch Schilderungen, die seinen aktuellen Alltag als Konzeptkünstler darstellten. Jean-Remy von Matt und Walter Smerling lieferten sich ein unterhaltsames Gespräch, antworteten prompt sowie unerwartet und zogen so das begeisterte Publikum in ihren Bann. Auf die Frage, ob man Kreativität erlernen könne, entgegnete von Matt, „dass wir kreativ geboren werden und uns die Kreativität eher abtrainiert wird nach der Kindheit, also durch den Ernst des Lebens, durch die Schule und manchmal auch durch die Verantwortung, die man übernimmt. Kreativität geht zumeist verloren, wenn wir ein vernünftiges, systemrelevantes Mitglied der Gesellschaft werden, denn Kreativität ist nicht nur Ungehorsam, sondern auch oft Unvernunft.“ Einen Ausblick in die Zukunft wagt er mit der Aussage, dass „KI nie genau so kreativ sein kann wie ein Mensch.“ Er führt aus: „Ich glaube, da KI sich nur aus Daten der Vergangenheit ernährt, fehlt ihr etwas, was für Kreativität sehr wichtig ist, nämlich der Blick nach vorne, also die Fantasie. Das ist auch etwas, was nicht jeder Mensch kann, nämlich die Fantasie über die Vernunft zu setzen. Und darum, glaube ich, dass man Kreativität bis zu einem gewissen Grad auch trainieren und lernen kann, der High-End-Bereich von Kreativität aber nur einer bestimmten Art von Geistern offensteht. Deswegen ist es ja so wichtig, dass wir Kunst anschauen, immer wieder. Denn sie provoziert uns das aus den Bildern herauszuholen, was darin steckt.“ Somit liefert er auch gleich die passende Begründung, warum die Lesung seines aktuellen Buchs in einem Museum für Moderne Kunst stattfindet. Auf die abschließende Frage von Walter Smerling nach einem Wunsch von Jean-Remy von Matt, der noch auf seine Erfüllung wartet, entgegnete er „als ‚junger‘ Konzeptkünstler nicht belächelt zu werden“, eine Maßnahme, die da helfen würde, sei „eine Ausstellung in der Küppersmühle“.

Ob es also schon bald zu einem erneuten Wiedersehen im MKM kommt, bleibt spannend. Ein unterhaltsamer Abend mit kreativen Denkanstößen, neuen Erkenntnissen und viel guter Laune.

Biografie

Jean-Remy von Matt wurde 1952 in Brüssel geboren, wuchs in Zürich auf und lebt seit 1975 in Deutschland, heute in Berlin. Er verbrachte fast fünf Jahrzehnte als Kreativer in verschiedenen Werbeagenturen. 1991 gründete er mit seinem Partner, Holger Jung, die Agentur Jung von Matt, die bald zu deiner der größten unabhängigen Agenturen in Europa wurde. Ihre Agentur galt jahrzehntelang als die kreativste Deutschlands und war mehrfach „unabhängige Agentur des Jahres“ bei den Cannes Lions. Im Jahr 2020 begann er, sich mit konzeptioneller Kunst zu beschäftigen. Bald hatte er seien ersten Ausstellungen in Museen und Galerien. Seine bis heute bekanntesten Arbeiten, die in zahlreichen Publikationen besprochen wurden, sind seine Lebenszeit-Installationen, mit denen er unsere Vergänglichkeit sichtbar und damit bewusst macht. Bereits 2002 entwickelte Jean-Remy von Matt für sich eine Lebenszeituhr. Im Jahr 2022 präsentierte er dann seine erste Lebenszeitskulptur Carpe Vitam Clock. Als kreativer Kopf fasziniert ihn die gestaltbare Zukunft viel mehr als die bereits abgeschlossene Vergangenheit. Unsere Lebenserwartung ist eines seiner Lieblingsthemen. Die über 400 Werke der Ausstellung „passage“ aus verschiedenen Jahrzehnten und Werkgruppen bilden eine Passage durch das künstlerische Universum von Susan Hefuna. Sie bedient sich in ihren Ausdrucksformen eines breiten Spektrums von Medien, das von der Zeitung, Skulptur und Installation bis hin zu Video, Fotografie und Performance reicht.

Nähere Informationen: Museum für moderne Kunst Küppersmühle, Philosophenweg 55, 47051 Duisburg, Telefon 0203 30194811, E- Mails: kasse@museum-kueppersmuehle.de (für Kasse und Information), buchung@museum-kueppersmuehle.de (für Buchung von Führungen und Workshops) und office@museum-kueppersmuehle.de (für Stornierungen und Fragen zu Tickets), Internet: www.museum-kueppersmuehle.de. Geöffnet ist von Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

Ausstellungen im Rijksmuseum Amsterdam

Ein kurzer Überblick:

Metamorphosen

Leidenschaft, Verlangen, Lust, Eifersucht, List und Täuschung. Selten hat ein antiker Text so viele Künstler inspiriert wie Ovids Metamorphosen. In der großen Frühjahrsausstellung „Metamorphosen“ konkurrieren Künstler wie Tizian, Correggio, Cellini, Caravaggio, Rubens, Rodin, Brancusi, Magritte und Bourgeois in ihrer künstlerischen Vorstellungskraft mit einem der größten Dichter der klassischen Antike. Mehr als 80 Meisterwerke kommen aus Museen und Sammlungen weltweit zusammen. Die außergewöhnliche Ausstellung „Metamorphosen“ entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Galleria Borghese in Rom und ist vom 6. Februar bis 25. Mai im Rijksmuseum Amsterdam zu sehen. Anschließend wird die Ausstellung in einer anderen Zusammenstellung vom 22. Juni bis 20. September in der Galleria Borghese gezeigt. Metamorphosen im Rijksmuseum werden teilweise durch die Bennink Stiftung, den Rijksmuseum International Circle und Rijksmuseum Patterns ermöglicht.

Fake! – Historische Fotocollagen und Fotomontagen

In einer Zeit, in der KI immer klüger wird, fragen Sie sich vielleicht: Wann ist ein Foto gefälscht oder echt? Aber wussten Sie, dass Bilder von Anfang an überraschend leicht zu manipulieren waren? In der Ausstellung „FAKE!“, die ebenfalls vom 6. Februar bis zum 25. Mai zu sehen ist, kann das Publikum 50 historische Bilder aus der eigenen Sammlung, die kreative und irreführende Illusionen darstellen.

Ab 1860 begannen Fotografen, mit Fotocollagen und Fotomontagen zu experimentieren, indem sie Fotos schnitten, einklebten und zeichneten. In der Ausstellung kann man sehen, wie sich diese kreativen Techniken bis 1940 entwickelten. Mit einfachen Materialien wie Schere, Klebstoff, Tinte und Bleistift erschufen sie Bilder, die lustig, seltsam oder völlig unmöglich waren. Digitale Werkzeuge wie Photoshop existierten damals noch nicht, alles wurde von Hand erstellt. Manche Fotomontagen zeigen sofort, dass sie Fantasie sind, aber manchmal entdeckt man erst nach genauem Hinsehen, dass sie ausgeschnitten und eingefügt wurden.

Eine Fotocollage und eine Fotomontage mögen auf den ersten Blick gleich erscheinen, aber wissen Sie, worin der Unterschied besteht? In einer Fotocollage werden die Bilder ausgeschnitten und zu einem Ganzen eingefügt, und eine Fotomontage entsteht, wenn mehrere Fotos zu einem Bild zusammengeführt, dann erneut fotografiert und gedruckt werden.

100 Jahre Herrenmode, 1750 bis 1850

Gestreifter Samt, florale Stickereien und reiche Seidenstoffe: Die Präsentation Suit Yourself, die noch bis zum 15. März zu sehen ist, zeigt, wie Männer in den Niederlanden im 18. und 19. Jahrhundert extrovertierte Kleidung zur Schau stellten. Während der Makkaroni-Periode in den 1750er bis 1770er Jahren blühte dieser auffällige Stil mit viel Farbe und kontrastierenden Stoffen auf. Im 19. Jahrhundert änderte sich dieser Stil unter dem Einfluss der Industrialisierung, die die Verfügbarkeit von Stoffen und Konfektionskleidung erhöhte. Ein Höhepunkt der Präsentation ist ein Galamantel mit viertausend Strasssteinen, die bei jeder Bewegung im Kerzenlicht funkelten.

Über das Rijksmuseum Amsterdam

Die schönsten Meisterwerke und aufregendsten Geschichten finden sich im Rijksmuseum Amsterdam. In 80 Räumen erzählen 8.000 Schätze die Geschichte von 800 Jahren niederländischer Kunst und Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. In der Ehrengalerie befinden sich die großen Maler des 16. Jahrhunderts von Johannes Vermeer über Frans Hals bis Jan Steen; und die weltberühmte Nachtwache von Rembrandt van Rijn ist natürlich auch dabei.

Nähere Informationen: Rijksmuseum Amsterdam, Museumstraat 1, Telefonnummer: +31206747000, E-Mail: info@rijksmuseum.nl, Internet: www.rijksmuseum.nl

Headlines, Fakenews, Nius, von Storch, Martin Huber und Markus Lanz und was das alles miteinander zu tun hat

Dass die Diskussionskultur, wenn es um Politik geht, ein sehr geringes Maß an Niveau aufweist, ist nichts Neues. Als Paradebeispiele und Ursache für manchmal auch unversöhnliche Gespräche sind an vorderster Stelle der Angriffskrieg der Russen gegen die Ukraine und der Konflikt im Gazastreifen zu nennen. Informiert durch Headlines und gegebenenfalls noch einer Unterzeile aus den „Sozialen Medien“ fühlen sich viele berufen, ihre oft unausgegorene und mit wenig Faktenwissen belegte Meinung zu äußern – Instagram, Facebook und Co. machen es ja möglich. So wird zumindest geglaubt.

Was da an Äußerungen getätigt werden, sind diese so absurd, dass sie einen fassungslos machen können. So wird im Falle des Angriffskrieges der Russen gegen die Ukraine das Opfer zum Täter gemacht. Es wird behauptet, dass Putin die russische Minderheit in der Ukraine schützen wolle, dass das westliche Verteidigungsbündnis NATO schuld habe, weil es so viele ehemalige Ostblockländer aufgenommen habe, dass das Existenzrecht der Ukraine als eigenständiges Land nicht gegeben sei und dass die Ukraine so stark von faschistisch orientierten Kräften durchsetzt sei, dass Putin gar nicht mehr anders konnte, als diesen wehrhaft gegenüberzutreten.

Vergessen wird, dass Putin seit seinem Amtsantritt als Präsident immer wieder Kriege begonnen hat – gegen Tschetschenien und gegen Georgien und schon seit 2014 gegen die Ukraine. Nicht zu vergessen sind die von Putin installierten künstlichen Gebilde wie Transnistrien auf dem Gebiet der Republik Moldau sowie Abchasien und Ossetien auf dem Gebiet Georgiens. Und mehr als glaubwürdig belegt ist, dass Putin und die mit ihm verbündeten Oligarchen eine Kleptokratie geschaffen haben, die ausschließlich dem eigenen materiellen Vorteil dient. Mit dabei sind natürlich auch die üblichen Verdächtigen wie das Militär und der Geheimdienst.

Ähnlich Lügenhaftes wird auch über den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern verbreitet. Extreme Kreise stellen das Existenzrecht Israels als Staat in Frage, manche glauben, dass die Hamas eine Freiheitsorganisation der Palästinenser sei und dass deren Anschlag auf die israelische Zivilbevölkerung im Jahre 2023 mit über 1000 Toten ein Akt des Widerstandes war.

Aber auch in diesem Fall machen es sich viele zu einfach. Anstatt sich über die komplexe politische Situation im Nahen Osten kundig zu machen, reichen den meisten headlines, um sich als versierte Kenner zu gerieren. Wer aber wirklich etwas Substanzielles zu diesem Thema beitragen möchte, sollte sich ausführlich damit beschäftigen. Und da bedarf es vieler geschichtlicher Kenntnisse, deren Ursprünge schon Tausende von Jahren zurückliegen.

Dass die politische Diskussionskultur aber nicht nur in alltäglichen Gesprächen so ein geringes Niveau aufweist, sondern auch in Kreisen, die es besser wissen sollten, ist um so verheerender. Deutliche Belege dafür gab es in der vergangenen Woche am Mittwoch und Donnerstag bei Markus Lanz.

Am Mittwoch unter anderem zu Gast war Beatrix von Storch von der AfD, die zunächst nachplapperte, was der amerikanische Vizepräsident J. D. Vance schon einmal auf der Münchener Sicherheitskonferenz herausposaunt hatte: dass die Meinungsfreiheit in Europa gefährdet sei. Dass ein führender Vertreter der amerikanischen Regierung ohne jegliche Kenntnisse solch einen Unsinn redet, ist angesichts des Umgangs von Trump & Co. mit kritischen Journalisten mehr als unsäglich. Dass eine Politikerin wie von Storch, die dazu noch bei Markus Lanz eingeladen war und ihre Meinung äußern durfte, den gleichen Quatsch erzählt, ist unerträglich.

Damit nicht genug behauptete sie auch, dass der Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein, Daniel Günther, in einer früheren Sendung von Markus Lanz die Einschränkung der Pressefreiheit gefordert hätte. Doch damit kam sie bei Markus Lanz nicht durch. Wie er belegen konnte, wurden die Äußerungen von Daniel Günther vom Sender Nius des ehemaligen Bild-Chefredakteurs Julian Reichelt so zusammengeschnitten, dass ein falscher Eindruck entstanden war. Im Original hatte Günther sich ausschließlich für ein Verbot sozialer Medien für Jugendliche bis 16 Jahren ausgesprochen, wie es von der australischen Regierung vor kurzem beschlossen wurde – nicht für ein Verbot ihm missliebiger Presseorgane.

Dass es übrigens überzeugende Argumente für dieses Verbot gibt, belegt unter anderem ein mit der Überschrift „Digitales Heroin“ betitelter und im Spiegel erschienener Leitartikel, in dem folgender Satz zu lesen ist: „Im Jahr 2021 enthüllte die ehemalige Facebook-Datenspezialistin Frances Haugen, wie genau das Unternehmen über den schädlichen Einfluss sozialer Medien Bescheid wusste. Laut einer internen Befragung sagten 32 Prozent der weiblichen Teenager dass sich ihr Körpergefühl weiter verschlechtert habe, nachdem sie auf Instagram gewesen waren. 13 Prozent der befragten Jugendlichen in Großbritannien gaben an, dass ihre Suizidgedanken mit der Nutzung von Instagram begonnen hätten.

Angesichts der politischen Haltung von von Storch und ihrer Partei könnte natürlich gesagt werden, dass von ihr nichts anderes als das Nachplappern rechtspopulistischer Inhalte auf einem rechtspopulistischen Sender zu erwarten gewesen wäre.

Doch dass auch Politiker der traditionellen Parteien solche Lügen wie die über Daniel Günther verbreiten, ist dafür umso verwerflicher. Passiert ist das am vergangenen Donnerstag. Unter anderem zu Gast war der Generalsekretär der CSU, Martin Huber, der genau den gleichen Unsinn erzählte, wie es von Storch getan hatte. Auch er wurde eines Besseren belehrt. Aber nicht nur in diesem Fall war er von jeglichen Kenntnissen befreit. Das Gleiche galt für die in der Sendung thematisierte Neuregelung der Erbschaftssteuer, von der er auch nicht viel zu verstehen schien.

Armes Deutschland, das von solchen Politikern vertreten wird.

P.s.: Nicht nur bei Markus Lanz wurden geistige Lücken offenbart. Das passierte auch bei der Sendung von Dieter Nuhr, in der die Kabarettistin Simone Solga dem Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins, Daniel Günther, ebenfalls eine Neigung zur Pressezensur attestierte.

Ausstellungen und mehr auf Schloss Moyland

Das ist ja überhaupt alles sehr beweglich.“ Joseph Beuys & Fluxus noch bis 15. Februar

Konzept, Aktion, Musik, Poesie, Sprache und wissenschaftsbasierte Ansätze anstelle von traditionellem Tafelbild und Skulptur: Der erweiterte Kunstbegriff der intermedialen Fluxus-Bewegung bildet die Basis des Erweiterten Kunstbegriffs von Joseph Beuys.

Das Fluxus-Kollektiv hatte als supranationales Netzwerk ab 1962 jede herkömmliche Form akademischer und institutioneller Verfestigung verflüssigt und die Rezipient:innen als freie, selbstbestimmte, schöpferische Individuen ins Zentrum gesetzt. Für Beuys bedeutete der frühe Kontakt zu der unorthodoxen intellektuellen Gruppe Befreiung aus der „ästhetischen Zwangsjacke“, interdisziplinäre Kommunikation, Eintritt in den öffentlichen, gesellschaftlichen und politischen Raum. Beuys wurde zu Beuys erst durch Fluxus.

In den Jahren 1962–1964 ereignete sich der entscheidende Umschlag im Werk des Künstlers, der bis dahin als Bildhauer und Zeichner gearbeitet hatte: In Bezug auf die Wahl seiner Medien (Aktionen, später Multiples), Materialien und Methoden, zu denen auch sein offensiver Umgang mit den Medien zählte. Im Umgang mit Fluxus Inhalten entwickelte Beuys eine ganz eigene Strategie: Begreifen, Aneignen, Kooperieren und Transformieren.

Die Ausstellung betrachtet den Künstler nicht, wie so häufig, als solitäre Erscheinung, sondern setzt ihn in einen offenen kollaborativen Kontext. Darin spielen Künstlerfreunde und -kollegen wie Fluxus-Initiator George Maciunas, Nam June Paik und die dänische Fluxus-Connection (Arthur Køpcke, Hen ning Christiansen) eine besondere Rolle.

Innerhalb einer chronologischen Struktur werden Schlaglichter gesetzt: Auf die frühen formativen Fluxus-Jahre (1962–1964), auf Beuys‘ Aktionen mit Paik und Christiansen (bis 1985) und auf die Zeit der Studentenbewegung, als sich im Umfeld der Düsseldorfer Kunstakademie der anti-autoritäre eman zipatorische Fluxus-Impuls durch Künstler wie Robert Filliou, Daniel Spoerri und Dieter Roth reaktivierte (1967–1974). Das Projekt, das Archivalien und Werke, Konzepte und Fotografien, Audios und Videos versammelt, verbindet das Dokumentarische mit dem Ereignis haften und Experimentellen.

Symposium Joseph Beuys und der Nationalsozialismus – Ein Laborraum Samstag/Sonntag, 31. Januar/1. Februar

Im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojektes Joseph Beuys und der Nationalsozialismus – Ein Laborraum lädt das Museum Schloss Moyland zu einem Symposium ein, das sich mit Joseph Beuys im Kontext des Nationalsozialismus sowie seiner späteren Beschäftigung mit dieser Zeit befasst.

Das Symposium stellt einen wesentlichen Beitrag zur aktuellen Diskussion in der Forschung dar und kontextualisiert den innovativen und partizipativen Laborraum zu diesem Thema, der seit dem 30. März 2025 innerhalb der Dauerpräsentation im Schloss eingerichtet ist. Ziel des Symposiums ist es, die gesellschaftspolitische und künstlerische Dimension von Beuys’ Biografie kritisch zu reflektieren, insbesondere seine Rolle im Nationalsozialismus und die Frage seiner späteren Positionierung und Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit.

In einem interdisziplinären Dialog werden sowohl wissenschaftliche als auch künstlerische Perspektiven zu Wort kommen. Diskussionsrunden bieten dem Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Damit wird das Symposium zu einem lebendigen Raum des Austauschs, der Transparenz und der Reflexion. Das Symposium dient nicht nur der wissenschaftlichen Vertiefung, sondern auch der Förderung eines offenen Dialogs über die Verflechtungen von Kunst, Geschichte und Gesellschaft sowie der Verantwortung, die sich aus der gegenwärtigen Beschäftigung mit den genannten Themen für Fachleute aus Wissenschaft und Museum sowie der Gesellschaft ergibt.

Das Forschungsprojekt „Joseph Beuys und der Nationalsozialismus – Ein Laborraum“ wurde im Rahmen eines vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen geförderten Forschungsvolontariats in Kooperation mit der Hochschule Rhein-Waal und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf realisiert.

Die einzigartigen Bestände des Museums Schloss Moyland bilden hierbei die Grundlage für eine detaillierte Auseinandersetzung mit Beuys’ Jugend, seiner Zeit als Soldat, seiner Beteiligung an einem Wettbewerb für ein Denkmal im ehemaligen KZ Auschwitz-Birkenau sowie der Aktion „Polentransport 1981“. Multimedial aufbereitet, bieten Archivalien und Kunstwerke Besucherinnen und Besuchern einen transparenten Einblick in das Thema.

Das Symposium findet in deutscher Sprache im Zwirnersaal (Schloss) statt. Kosten: Ein Tag: 15 Euro / beide Tage: 25 Euro jeweils inklusive Museumseintritt und Kaffee/Tee (in den Pausen) Eine Möglichkeit zum Mittagessen gibt es in Rocco’s Museumscafé (https://moyland.de/schloss-und-park/museumscafe/).

Eine Anmeldung ist noch bis zum Montag, 18. Januar, per E-Mail an besucherservice@moyland.de unter Angabe von Namen, Anschrift und Telefonnummer möglich.

Programmablauf

Ankommen, Anmeldung | 9–9.30 Uhr Begrüßung Dr. Antje-Britt Mählmann

Panel 1 | Samstag, 31. Januar | 10 Uhr Prof. Dr. Philip Ursprung, Prof. Dr Barbara Lange, Dr. Anke Blümm, Diskussions- und Fragerunde: Moderation Dr. Antje-Britt Mählmann

Panel 2 | Samstag, 31. Januar Bjørn Nørgaard, Dr. Petra Richter, Dr. Wolfgang Zumdick, Dr. Nicole Fritz, Diskussions- und Fragerunde: Moderation Dr. Alexander Grönert

Panel 3 | Sonntag, 1. Februar | 10 Uhr Johannes Stüttgen Prof. Dr. Antje von Graevenitz Dr. Gabriele Mackert Prof. Dr. Christa-Maria Lerm Hayes Diskussions- und Fragerunde: Moderation Dr. Alexander Grönert

Panel 4 | Sonntag, 1. Februar Drs. Ron Manheim, Dr. Alexander Grönert, Dr. Mario Kramer, Diskussions- und Fragerunde: Moderation Angela Steffen M.A. Ende | zirka 17 Uhr. Änderungen vorbehalten!

Nähere Informationen: Museum Schloss Moyland Sammlung van der Grinten Joseph Beuys Archiv des Landes Nordrhein-Westfalen Am Schloss 4 47551 Bedburg-Hau, Telefon: +49 2824 9510-0 Telefax: +49 2824 9510-99, E- Mail: info@moyland.de http://www.moyland.de

Pauli-Preis 2026: Die Nominierungen stehen fest

Ausstellungslaufzeit: 8. August – 4. Oktober

Im Jahr 2026 wird in der Kunsthalle Bremen der Pauli-Preis zum 50. Mal verliehen. Der Kunstpreis zeichnet im deutschen Sprachraum lebende Künstler für einen hervorragenden Beitrag zur jüngsten Kunst der Gegenwart aus und gilt als einer der bedeutendsten Preise für zeitgenössische Kunst in Deutschland.

Sein Name erinnert an den ersten wissenschaftlichen Direktor der Kunsthalle Bremen, Gustav Pauli (*1866 – +1938). Bis heute verdankt das Museum seine berühmtesten Werke Paulis progressiven Ankäufen moderner Kunst. Seinem fortschrittlichen Geist sieht sich auch der Pauli-Preis verpflichtet, der vom 8. August bis 4. Oktober acht nominierte Künstlerinnen und Künstler präsentiert. Nun stehen die nominierten Positionen fest.

Die Wettbewerbsausstellung, in der alle acht nominierten Künstler ihre Werke präsentieren, findet vom 8. August bis 4. Oktober in der Kunsthalle Bremen statt. Die künstlerischen Positionen wurden von sechs internationalen Kuratorinnen und Kuratoren, dem Direktor der Kunsthalle Bremen, Christoph Grunenberg, sowie dem Stifterkreis für den Pauli-Preis nominiert. Im Laufe der Ausstellung verkündet eine renommierte fünfköpfige Jury von Fachleuten den Preisträger beziehungsweise die Preisträgerin. Am 15. September wird der mit 30.000 Euro dotierte Preis verliehen.

Die acht nominierten Künstler und ihre Kuratoren für den Pauli-Preis 2026:

• Jan Albers (*1971 in Wuppertal, lebt und arbeitet in Düsseldorf) vorgeschlagen von Felix Krämer, Generaldirektor und künstlerischer Leiter des Kunstpalastes in Düsseldorf • Christiane Baumgartner (*1967 in Leipzig, lebt und arbeitet in Leipzig) vorgeschlagen von Anna Wesle, Kuratorin am Museum Franz Gertsch, Burgdorf, Schweiz • Harry Hachmeister (*1979 in Leipzig, lebt und arbeitet in Berlin und Leipzig) vorgeschlagen von Mathilda Legemah, wissenschaftliche Mitarbeiterin für Institutional Development am Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin • Annette Kelm (*1975 in Stuttgart, lebt und arbeitet in Berlin) vorgeschlagen vom Stifterkreis für den Pauli-Preis • Caroline Kryzecki (*1979 in Wickede/Ruhr, lebt und arbeitet in Berlin) vorgeschlagen von Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen • Phung-Tien Phan (*1983 in Essen, lebt und arbeitet in Essen) vorgeschlagen von Michelle Cotton, Direktorin der Kunsthalle Wien • Liesl Raff (*1979 in Stuttgart, lebt und arbeitet in Wien) vorgeschlagen von Stefanie Böttcher, Direktorin der Kunsthalle Mainz • Anike Joyce Sadiq (*1985 in Heidelberg, lebt und arbeitet in Berlin und Nürnberg) vorgeschlagen von Yvette Mutumba, Mitbegründerin und Leiterin von Contemporary And (C&)

Jury:

• Yilmaz Dziewior, Direktor Museum Ludwig, Köln • Asta Gröting, Künstlerin, Berlin • Roland Mönig, Direktor Von der Heydt-Museum, Wuppertal • Susanne Pfeffer, Direktorin Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main • Hilke Wagner, Direktorin Albertinum, Dresden

Hintergrundinformationen zum Pauli-Preis

Der Pauli-Preis blickt auf eine lange Geschichte zurück: Vor über 70 Jahren wurde er als Kunstpreis der Böttcherstraße von Ludwig Roselius jun. (1929–2022) ins Leben gerufen und bis 1983 in der Böttcherstraße in Bremen jährlich ausgerichtet. Seit mittlerweile 40 Jahren verdankt der Preis sein Fortbestehen einer Gruppe engagierter Mitglieder des Kunstvereins in Bremen. Seitdem wird alle zwei Jahre die Ausstellung in der Kunsthalle Bremen präsentiert und durch den Stifterkreis getragen. 2024 wurde der Kunstpreis der Böttcherstraße umbenannt und heißt nun Pauli Preis.

Der mit 30.000 Euro dotierte Pauli-Preis feiert im Jahr 2026 ein rundes Jubiläum und wird zum 50. Mal verliehen. Dabei legt das mehrstufige Preisverfahren großen Wert auf Transparenz und Neutralität: Sechs Kuratorinnen und Kuratoren, der Direktor der Kunsthalle Bremen sowie der Stifterkreis für den Pauli-Preis schlagen unabhängig voneinander je eine künstlerische Position vor. Diese acht Nominierten präsentieren ihre Arbeiten in der Wettbewerbsausstellung in der Kunsthalle Bremen. Im Laufe dieser Ausstellung kürt eine Jury, die sich aus fünf weiteren Kunstexperten zusammensetzt, schließlich die Preisträgerin beziehungsweise den Preisträger.

Der private Stifterkreis, der sich aus einer Gruppe von Mitgliedern des Kunstvereins in Bremen sowie dem Senator für Kultur und der Sparkasse Bremen zusammensetzt, finanziert nicht nur die Ausstellung, den Katalog und das Preisgeld, sondern bemüht sich auch um die Erwerbung eines Werks der jeweiligen Preisträger für die Sammlung des Kunstvereins. So konnten dank des Stifterkreises in der Vergangenheit Kunstwerke unter anderem von Gabriele Stötzer (2024), Karimah Ashadu (2022), Ulrike Müller (2020), Nina Beier (2014), Daniel Knorr (2012), Thea Djordjadze (2009), Ulla von Brandenburg (2007), Clemens von Wedemeyer (2005), Tino Sehgal (2003), Olafur Eliasson (1997) und Wolfgang Tillmans (1995) erworben werden.

Nähere Informationen: Kunsthalle Bremen, Am Wall 207, 28195 Bremen, Telefon: +49 (0)421 – 32 9080, Fax +49 (0)421 – 32908470, E-Mail: info@kunsthalle-bremen.de