Die Impressionisten. Monet, Morisot, Renoir und ihr Netzwerk

Ab 7. November im Museum Barberini

Wie wurde aus einer Gruppe junger Künstlerinnen und Künstler, deren Malerei zunächst auf Ablehnung stieß, eine der bis heute populärsten Kunstrichtungen der Moderne? Die Ausstellung Die Impressionisten. Monet, Morisot, Renoir und ihr Netzwerk im Museum Barberini widmet sich dieser Frage aus einer neuen Perspektive. Anhand von mehr als 100 Meisterwerken erzählt sie die Geschichte des Impressionismus als Zusammenspiel von künstlerischer Innovation, kollegialem Austausch und engagierter Förderung. Sie zeigt, wie die Künstler ihre Malerei im gemeinsamen Arbeiten entwickelten, sich gegenseitig unterstützten und neue Wege der Ausstellung und Vermittlung ihrer Kunst erprobten. Zugleich folgt sie den Spuren von Künstlern, Sammlerinnen und Sammlern, Kunsthändlern und Kritikern, die dazu beitrugen, eine zunächst umstrittene Malerei international durchzusetzen. Ein Schwerpunkt liegt auf den Gemälden Claude Monets.

Die Ausstellung ist Höhepunkt und Auftakt des Jubiläumsprogramms zum zehnjährigen Bestehen des Museums Barberini. Seit seiner Eröffnung 2017 hat sich das Haus, ausgehend von der Sammlung Hasso Plattner, zu einem international renommierten Zentrum des Impressionismus entwickelt. Ausstellungen, wissenschaftliche Forschung und Kooperationen mit Museen weltweit haben diese Arbeit geprägt. Zum Jubiläum führt das Museum Werke aus seiner Sammlung und bedeutende internationale Leihgaben zusammen – und richtet den Blick auf die Menschen und Verbindungen, die den Impressionismus über Paris hinaus bekannt machten.

Mehr als 100 Werke, darunter 61 Gemälde von Claude Monet

Mehr als 100 Werke aus internationalen Sammlungen und Privatbesitz sind in Potsdam zu sehen. Zu den Höhepunkten zählen Claude Monets „Bazille und Camille“ (1865, National Gallery of Art, Washington), „Die Terrasse in Vétheuil“ (1881, Privatsammlung, Schweiz), „Kathedrale von Rouen“ (1894, Klassik Stiftung Weimar), „Sommer“ (1874, Alte Nationalgalerie, Berlin) und „Quai du Louvre“ (1867, Kunstmuseum Den Haag). Berthe Morisot ist unter anderem mit „Das Dampfschiff“ (1875, Privatsammlung) und „Sonnenuntergang über dem See im Bois de Boulogne“ (1894, Privatsammlung) vertreten. Hinzu kommen selten verliehene Werke von Édouard Manet, darunter „Junge in den Blumen“ (1876, National Museum of Western Art, Tokio) und „Portrait von Berthe Morisot liegend“ (1873, Musée Marmottan Monet, Paris). Auch Gustave Caillebottes Schlüsselwerk „Pont de l’Europe“ (1876, Association des Amis du Petit Palais, Genf), Pierre-Auguste Renoirs „Die Bucht von Neapel“ (1881, Metropolitan Museum of Art, New York) und Paul Cézannes „Stillleben mit Äpfeln in Schale“ (1879–1882, Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen) bereichern die Ausstellung in Potsdam.

Zu den weiteren Leihgebern gehören das Art Institute of Chicago, das Clark Art Institute in Williamstown, das Tokyo Fuji Art Museum, das Musée des Impressionnismes Giverny, das Musée d’Orsay in Paris, das Belvedere in Wien, das Kröller-Müller Museum in Otterlo, das Kunsthaus Zürich, das Museum Ordrupgaard bei Kopenhagen und die Royal Academy of Arts in London.

Einen Schwerpunkt bildet Claude Monet, der mit 29 Gemälden in der Schau vertreten ist. Einschließlich der Werke aus der Sammlung Hasso Plattner sind während der Ausstellung 61 Gemälde des Künstlers im Museum Barberini zu sehen.

Zehn Gemälde, zehn Geschichten

Die Ausstellung entfaltet ihre Perspektive in zehn Geschichten: Ausgangspunkt ist jeweils ein Gemälde aus der Sammlung Hasso Plattner. Von dort führt der Weg zu den Menschen, die mit dem Werk verbunden waren: zu den Künstlern, die neue Bildideen entwickelten, zu ihren Freunden und Weggefährten, zu Sammlerinnen und Sammlern, die früh an die neue Kunst glaubten, zu Kunsthändlern, die neue Märkte erschlossen, und zu Kritikern und Ausstellungsmachern, die ihre Verbreitung vorantrieben. Die Provenienz eines Gemäldes wird so zur Spur durch die Kunstgeschichte. Sie kann von einem französischen Schloss über eine Pariser Galerie und eine amerikanische Privatsammlung bis in ein Museum der Gegenwart führen. Dabei wird sichtbar, wie eng die Entwicklung des Impressionismus mit persönlichen Beziehungen, wirtschaftlichen Entscheidungen und internationalen Verbindungen verflochten war.

Das Netzwerk des Impressionismus entstand nicht allein durch die Unterstützung von Sammlern und Förderern. Auch die Künstler schufen durch gemeinsame Arbeit, geteilte Ateliers, persönliche Kontakte und gegenseitige Unterstützung ein enges Geflecht von Beziehungen. In wechselnden Konstellationen entwickelten sie eine Malerei, die Licht, Atmosphäre und die Flüchtigkeit des Augenblicks ins Zentrum rückte. Mit der ersten Gruppenausstellung von 1874 gründeten sie ein eigenes Forum jenseits des etablierten Salonbetriebs. Unabhängig von Jury und Preisvergabe konnten sie ihre Werke unmittelbar der Öffentlichkeit präsentieren und neue Wege der Ausstellung und Vermittlung erproben. Der Impressionismus steht damit nicht nur für einen grundlegenden Wandel der Malerei, sondern auch für neue Formen künstlerischer Kooperation und institutioneller Selbstbehauptung.

Eine dieser Geschichten beginnt 1876 auf einem Schloss südlich von Paris. Ernest und Alice Hoschedé gehörten zu den frühen Förderern der Impressionisten. Ernest Hoschedé erwarb Werke von Monet, Degas, Pissarro und Sisley und besaß zeitweise sogar Monets Impression. Sonnenaufgang, jenes Gemälde, das der Bewegung ihren Namen gab. Für ihr Château de Rottembourg in Montgeron beauftragten sie Monet mit vier großformatigen Gemälden. Dabei entstand auch „Die Rosensträucher im Garten von Montgeron“, heute Teil der Sammlung Hasso Plattner des Museums Barberini. Doch 1877 ging Hoschedé bankrott. Seine Sammlung wurde versteigert, impressionistische Gemälde wurden zu niedrigen Preisen verkauft. Was wie das Ende einer Geschichte erscheint, wurde zum Beginn einer anderen: Die Verbindung zwischen den Familien blieb bestehen. Nach Ernest Hoschedés Tod heiratete Alice 1892 Claude Monet.

Eine zweite Geschichte führt von einem Feld in der Normandie nach Chicago. 1890 begann Monet, ein unspektakuläres Motiv immer wieder zu malen: Getreideschober nahe seinem Haus in Giverny. In einer Serie von 25 Gemälden untersuchte er, wie Licht, Wetter und Jahreszeiten dasselbe Motiv verändern. Zu den ersten, die die Konsequenz dieses malerischen Experiments erkannten, gehörte die Chicagoer Sammlerin Bertha Palmer. Auf Anregung der Kuratorin und Kunstvermittlerin Sara Tyson Hallowell erwarb sie innerhalb kurzer Zeit neun Gemälde der Serie. Palmer und Hallowell trugen damit wesentlich dazu bei, Monets Werk in den Vereinigten Staaten bekannt zu machen. Eines der Gemälde mit Getreideschobern gehört heute zur Sammlung Hasso Plattner.

Eine weitere Geschichte führt ins Venedig des Jahres 1908. Claude Monet war ursprünglich zur Erholung in die Lagunenstadt gereist; der Aufenthalt entwickelte sich jedoch zu einer produktiven Schaffensphase. Zu den Motiven, die ihn beschäftigten, gehörte der Palazzo Contarini am Canal Grande, Wohnsitz der amerikanischen Malerin und Mäzenin Winnaretta Singer. Als Erbin des Singer-Nähmaschinenvermögens hatte sie den Palazzo zu einem bedeutenden Treffpunkt der europäischen Avantgarde entwickelt. In ihrem Salon begegneten sich Künstler, Schriftsteller und Komponisten; zu ihrem Umfeld zählten Persönlichkeiten wie Marcel Proust, Jean Cocteau und Igor Strawinsky.

Singer besaß mehrere Gemälde Monets und lud den Künstler in ihren Palazzo ein. So verbinden sich in diesem Motiv die venezianische Architektur, die gesellschaftlichen Netzwerke der Moderne und Monets künstlerische Auseinandersetzung mit dem Licht und der Atmosphäre der Stadt. Monets Palazzo Contarini befindet sich heute ebenfalls in der Sammlung Hasso Plattner.

Auch Berthe Morisot prägte das Netzwerk aktiv mit. Sie gehörte zu den Künstlerinnen und Künstlern, die sich für die erste Gemeinschaftsausstellung 1874 einsetzten, und mobilisierte Kontakte zu Sammlern und Förderern. Wie ihre Kollegen suchte sie nach Wegen, ihre Kunst unabhängig vom etablierten Salonbetrieb zu präsentieren. Ihre Rolle verdeutlicht, dass der Impressionismus nicht allein durch individuelle künstlerische Leistungen, sondern auch durch gemeinschaftliches Engagement Gestalt annahm. Ein eindrückliches Beispiel für die wechselvolle Geschichte impressionistischer Kunst ist die Sammlung des jüdischen Bankiers, Mäzens und Kunstsammlers Jakob Goldschmidt.

In den 1920er Jahren gehörten seine Häuser in Berlin und Neubabelsberg, dem heutigen Potsdam-Babelsberg, zu den Orten, an denen bedeutende Werke von Claude Monet, Édouard Manet, Pierre-Auguste Renoir und Paul Cézanne zu sehen waren. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde Goldschmidt als Jude verfolgt und musste ins Exil fliehen. Während er einen Teil seiner Sammlung ins Ausland retten konnte, wurden andere Gemälde 1941 in Berlin versteigert. Um ihre Rückgabe kämpfte er bis zu seinem Tod; einzelne Werke wurden erst Jahrzehnte später restituiert. Claude Monets Palazzo Ducale, eines der bedeutenden Gemälde aus seiner Sammlung, gelangte nach langwierigen Auseinandersetzungen an seine Erben zurück und gehört heute ebenfalls zur Sammlung des Museums Barberini.

Die Biographie Goldschmidts macht deutlich, wie eng die Entwicklung und Verbreitung des Impressionismus mit den Lebensgeschichten seiner Sammler verbunden ist – und wie die Folgen nationalsozialistischer Verfolgung bis in die Gegenwart reichen. Sie zeigt zugleich, dass die Erforschung von Kunstwerken nicht bei ihrer Entstehung endet, sondern auch ihre Besitzerwechsel, ihre Verlustgeschichte und die Bemühungen um Restitution umfasst.

Die Konstellationen verdeutlichen, dass Kunstgeschichte nicht allein im Atelier geschrieben wird. Die Entwicklung des Impressionismus beruhte auch auf dem Austausch zwischen Claude Monet, Berthe Morisot, Pierre-Auguste Renoir, Édouard Manet, Gustave Caillebotte, Mary Cassatt und Alfred Sisley, auf der Risikobereitschaft von Sammlerinnen und Sammlern, der Vermittlungsarbeit des Kunsthandels und dem Engagement einzelner Förderer. Sie trugen dazu bei, neue künstlerische Positionen sichtbar zu machen und ihren Werken über Paris hinaus Aufmerksamkeit zu verschaffen. Die Ausstellung richtet so den Blick nicht nur auf die Gemälde, sondern auch auf die persönlichen Beziehungen und institutionellen wie wirtschaftlichen Bedingungen, die ihre Entstehung, Verbreitung und Rezeption prägten.

Eine Sammlung als Ausgangspunkt für Forschung und Austausch

Die Schau, die sich über zwei Etagen erstreckt, knüpft an die Entwicklung des Museums Barberini seit seiner Eröffnung 2017 an. Hasso Plattner hat über Jahrzehnte eine Sammlung französischer impressionistischer und postimpressionistischer Malerei aufgebaut, die heute 115 Werke umfasst. Seit 2020 wird sie als dauerhafte Leihgabe der Hasso Plattner Foundation im Museum Barberini präsentiert. Auf dieser Grundlage entstanden Ausstellungen zu Claude Monet, Camille Pissarro und Paul Signac sowie zur internationalen Verbreitung des Impressionismus. Internationale Gastkuratorinnen und Gastkuratoren, wissenschaftliche Symposien und Publikationen haben diese Arbeit begleitet und vertieft.
So ist über die vergangenen zehn Jahre eine enge Zusammenarbeit mit Museen und Forschenden weit über Potsdam hinaus entstanden. Werke der Sammlung Hasso Plattner reisen als Leihgaben in internationale Ausstellungen, darunter zuletzt Monet and Venice am Brooklyn Museum in New York sowie dem de Young Museum in San Francisco (2026), aktuell Painting the French Riviera an der Royal Academy in London (2026/27) und Monet: Painting Time im Musée de l’Orangerie in Paris sowie anschließend in der Tate in London (2026/27). Umgekehrt ermöglicht die Kooperation mit bedeutenden Sammlungen, dass herausragende Gemälde aus Europa und Asien nach Potsdam kommen.
Zum zehnjährigen Bestehen führt das Museum diese Entwicklung zusammen. Die Jubiläumsausstellung macht das internationale Netzwerk des Impressionismus zum Thema. Zugleich bildet die über Jahre gewachsene Zusammenarbeit die Grundlage für ein langfristiges Forschungsprojekt, das die Verbindungen zwischen Kunstwerken, Künstlern, Sammlern und Institutionen über die Laufzeit der Ausstellung hinaus erschließen soll.

Networks of Impressionism: Kunstgeschichte im internationalen Austausch

Die digitale Forschungsplattform Networks of Impressionism (networksofimpressionism.org) macht die Beziehungen zwischen Kunstwerken, ihren Besitzern, Ausstellungen und den Menschen, die ihre Geschichte geprägt haben, sichtbar. Sie verknüpft Informationen zu Provenienzen, Künstlern, Sammlern, Kunsthändlern und Ausstellungsgeschichten und führt Wissen zusammen, das häufig über Museen, Archive und Publikationen verstreut ist.

Die Jubiläumsausstellung untersucht die Netzwerke des Impressionismus als historisches Phänomen. Die Plattform führt diesen Ansatz über die Ausstellung hinaus fort. Sie erschließt die Verbindungen zwischen Kunstwerken, Akteuren und Institutionen und eröffnet neue Perspektiven für die internationale Forschung und Vermittlung. Unter der Leitung des Museums Barberini und ermöglicht durch die Hasso Plattner Foundation entsteht die Plattform in Zusammenarbeit mit Navigating.art, dem Wildenstein Plattner Institute und internationalen Partnermuseen. Ausgangspunkt ist die Sammlung Hasso Plattner. Ab 2027 sollen erste internationale Partnermuseen hinzukommen, ab 2028 weitere bedeutende Impressionismus-Sammlungen eingebunden werden. Networks of Impressionism erweitert damit die wissenschaftliche Arbeit des Museums in den digitalen Raum. Die Plattform macht Forschungsergebnisse zugänglich und ermöglicht neue Fragestellungen: zu den Wegen einzelner Gemälde, den Beziehungen zwischen Künstlern und Sammlern sowie den Netzwerken, über die sich der Impressionismus international verbreitete.

Nähere Informationen: Museum Barberini, Friedrich-Ebert-Str. 115, 14467 Potsdam, E-Mail: info@museum-barberini.de, Internet: http://www.museum-barberini.de

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