„Sex now“ im NRW-Forum Düsseldorf

Sex ist eine komplizierte Angelegenheit, was den Umgang mit ihm angeht. Deswegen beginnt dieser Artikel mit folgendem Warnhinweis der Ausstellungsmacher vom NRW-Forum Düsseldorf: „Die Ausstellung „Sex now“ ist nur für Besucherinnen und Besucher ab 18 Jahren zugänglich. Sie zeigt künstlerische Arbeiten mit expliziten sexuellen Inhalten.“

Zur Ausstellung

Sex kann Menschen verbinden, befreien, verletzen und kontrollieren. Mit der Ausstellung „Sex now” lädt das NRW-Forum Düsseldorf dazu ein, Lust, Körper und Begehren in all ihrer Komplexität zu entdecken. Von Latexmode, Möbeldesign, Fotografie und Medienkunst bis hin zu Puppen und Toys: In zehn thematischen Räumen mit rund 400 Objekten inszeniert die Schau einen intimen Dialog über Sexualität und Gesellschaft. Sie erzählt von erotischen Fantasien, queeren Perspektiven und neuen Realitäten – frei von Tabus und Stigmata.

Ein historischer Einstieg zeigt, wie sich Sexualmoral gewandelt hat: von tradierten Geschlechterrollen über die sexuelle Revolution der 68er bis hin zur heutigen #Sexpositivität. Dabei treffen ein Sexualkunde-Atlas von 1969 oder eine lila Latzhose als Symbol politischer Emanzipation auf Arbeiten wie „Fleshie Fountain” der Künstlerin „Peaches”– eine Installation aus Sextoys, die ursprünglich für männliche Selbstbefriedigung gedacht waren und nun patriarchale Machtverhältnisse unterlaufen.

Wie wird Sexualität in Medien und Gesellschaft dargestellt? Was bedeutet sexuelle Selbstbestimmung heute? Welche Rolle spielen Intimität, Körperbilder oder Konsens – und wie wirken sich digitale Technologien auf unser Begehren aus? Interaktive Stationen laden dazu ein, eigene Erfahrungen, Vorstellungen und Mythen spielerisch zu hinterfragen. Das“Sexoscope” wirft humorvoll einen Blick in die Zukunft, ein Körperwissen-Kollektiv zeigt Genitalmodelle zum Auseinandernehmen, in der queeren “#Fluffy Library” verschlingt ein Plüschwesen feministische Geschichten – und macht daraus neues Wissen.

Die Ausstellung öffnet Räume für persönliche, kulturelle und politische Fragen. Was bedeutet guter Sex? Wie sieht lustvolle Gleichberechtigung aus? Und wie können wir unsere Körper, Wünsche und Grenzen selbstbestimmt erkunden? In einem japanisch inspirierten Klangraum begegnen die Besucherinnen und Besucher ASMR-Sounds, die sich zwischen Alltag und Erotik bewegen. In anderen Kapiteln geht es um Macht, Gewalt und Sichtbarkeit – etwa in Arbeiten zu „#MeToo” oder in feministischer Pornografie, die Stereotype hinterfragt und neue Bilder schafft. Unkonventionelle Vorlieben, Fetische, Sinnesreize – auch „#Kinky” wird in der Ausstellung thematisiert. Kleidungsstücke der Plattform „TastySlips” zeigen, wie stark Begehren an Geruch, Material oder Spuren des Alltags gebunden sein kann.

In „#SexualWellness” geht es um Selbstfürsorge, Selbstliebe und Entspannung – etwa durch Sex Toys, die mehr können als stimulieren: Sie erzählen auch von Technologiegeschichte und kulturellem Wandel. Hörspiele von „femtasy” sorgen hier für akustische Nähe. Virtuelle Beziehungen, Liebessimulatoren, KI-Sexpuppen: Wie verändert sich Sexualität im Zeitalter digitaler Technologien? In „#Futuresex” treffen die Besucher auf genderfluide Avatare im Metaverse, aber auch auf alternative Visionen wie „Pteridophilia”, ein Video über zärtliche Begegnungen zwischen Menschen und Farnen.

“Sex now” präsentiert Künstlerinnen, Designerinnen und Aktivistinnen, die mit ihren Arbeiten zur sexuellen Emanzipation beitragen. Sie verhelfen Minderheiten zu mehr Sichtbarkeit und fungieren als Aufklärerinnen in einem Bereich, der trotz sexueller Revolution und Kommerzialisierung noch immer von Ungleichheit und Scham geprägt ist.

Mit dabei sind Werke von Paul McCarthy, Peaches, Zheng Bo, Tom of Finland, Joëlle Dubois, Poulomi Basu, Miyo van Stenis, Antigoni Tsagkaropoulou, Martin de Crignis, Melody Melamed, Andreas Ullrich & Tatjana Bikic und vielen mehr

Begleitend zur Ausstellung starten die Veranstalter einen eigenen „OnlyFans-Account”, auf dem sie unzensierte Einblicke hinter die Kulissen und ausgewählte Werke zeigen. „OnlyFans” ist das einzige soziale Netzwerk, das die Darstellung von Nacktheit erlaubt. Während der „spicy Content” zur Ausstellung auf Instagram zensiert wird, haben die Veranstalter in „OnlyFans” eine neue Plattform für künstlerischen Ausdruck ohne Zensur gefunden.

Nähere Informationen: NRW-Forum Düsseldorf, Ehrenhof 2, 40479 Düsseldorf, Telefon +49 (0) 211 56642100, E-Mail: info@kunstpalast.de

Wissenswertes über einen Anschlag auf Buddha und vieles mehr im DKM-Museum

Bei meiner Suche nach interessanten Museen im Umkreis von 100 Kilometern – bei Gelegenheit auch mal etwas weiter weg – rund um meinen Heimatort Nordhorn bin ich vor Kurzem auf das DKM-Museum in Duisburg gestoßen. Der Hinweis erfolgte über eines der bekannten sozialen Medien.

Zur Geschichte des Museums

Als Vertreter einer „freien Bürgergesellschaft, in der einzelne Mitbürger beschließen, ihr privates Vermögen für Aufgaben der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen“, mit dem Ziel, Impulse zu setzen, „die für eine nachhaltige Weiterentwicklung der Gesellschaft wegweisend sind“, begannen für die Duisburger Bauunternehmer und Kunstsammler Dirk Krämer und Klaus Maas in den 1990-er Jahren Überlegungen, sich in ihrer Heimatstadt im Bereich Kunst zu engagieren.

In diesem Geist gründeten sie am 7. Februar 1998 die Stiftung DKM mit Sitz in Duisburg am Philosophenweg 17A, gelegen am Innenhafen im „Garten der Erinnerungen“.

Bis Ende 2001 lagen die Hauptinteressen der Stiftungsaktivitäten im wissenschaftlichen Aufbau des Bildhauerarchivs Ernst Hermanns sowie in der Realisierung des Ausstellungsprogramms für die SchauFenster-Galerie des Hauses, begleitet von medienübergreifenden Rahmenveranstaltungen, die überwiegend in Kooperation mit städtischen und überregionalen Kulturpartnern entstanden.

Die jahrzehntelange Betreuung des Münchner Künstlers Ernst Hermanns seit 1972 bis zu seinem Tode in 2001, seine Treuhandverwaltung und der Aufbau des Archivs zeigten den Stiftungsgründern, dass erheblicher Bedarf an professionellem Service für Künstler der älteren Generation besteht: Es galt nicht nur, den privaten Dokumentenbestand des Künstlers zu erhalten, der nicht selten Aufschluss über ungeklärte Forschungsfragen zum Werk gibt – oft nämlich verschwinden solch mediale Zeitzeugen im Umfeld nicht sachkundiger Erben. Es galt auch, schon zu Lebzeiten ein gut verfügbares, digitales Medienarchiv und Werkverzeichnis aufzubauen, welche mehr noch den Kunstvermittlern die ausstellungsorganisatorische Arbeit ebenso wie die wissenschaftliche Aufarbeitung erleichtern.

Weitere Schritte folgten: Der langjährige Kontakt der Sammler und Stiftungsgründer zu Ulrich Rückriem mündete vor diesem Hintergrund in der Neugründung der Ulrich Rückriem-Unterstiftungen: Noch vor seiner Rückkehr aus Irland und der Normandie Ende 2002 unterzeichnete Ulrich Rückriem am 24. Oktober 2001 die Stiftung Ulrich Rückriem 5-Räume, im August und November 2002 folgten die Gründungen der Ulrich Rückriem Museumsstiftung und der Ulrich Rückriem Stiftung Sinsteden. Seit dem 22. Januar 2009 existiert das Museum DKM in der Duisburger Innenstadt an der Güntherstraße 13–15. Schließlich wurde auch die Treuhandverwaltung für Ernst Hermanns in die Rechtsform einer Unterstiftung der Stiftung DKM verwandelt: am 8. Dezember 2002 wurde die Stiftung Ernst-Hermanns-Archiv aus der Taufe gehoben.

Im Jahr 2014 wurde anlässlich des 100. Geburtstags Ernst Hermanns eine vielschichtige, von Prof. Dr. Erich Franz kuratierte, Übersichtsausstellung im Museum DKM präsentiert. Zur Ausstellung erschien ein reich bebildeter Katalog. Die halbjährige Ausstellung „Raum, Statik und Bewegung – Der Plastiker Ernst Hermanns“ bildete den Abschluss der Ausstellungsreihe „Allez les boules“.

Über das Museum und die dort beheimateten Sammlungen

Das Museum DKM liegt im Zentrum der Duisburger Innenstadt zwischen Kantpark mit dem Lehmbruck Museum und Hauptbahnhof.
Die Architektur des Museum dient in nobler Zurückhaltung der Ausstellung der Kunst. Drei Baukörper erstrecken sich über fünf Ebenen und umfassen 2700 Quadratmeter oder 51 Räume. Aus den Räumen des Neubaus bieten sich inszenierte Ausblicke in Außenbereiche. Das Foyer mit Museumscafé lädt zum Ausruhen und Erfrischen ein.

Die Sammlung DKM vereint fünf weit auseinander liegende Bereiche: einerseits zeitgenössische Kunst seit den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts, andererseits bis über 2000 Jahre alte sowie aktuelle Kunst aus Südostasien, ferner Kunst aus Alt-Ägypten, wovon allerdings nur wenige Stücke gezeigt werden (der größte Teil befindet sich als Dauerleihgabe im Antikenmuseum Basel), zudem Gefäße aus 5000 Jahren Kulturgeschichte bis in die Gegenwart (W. Wagenfeld) und schließlich klassische sowie zeitgenössische Fotografie.

Räumliche Aufteilung

Das Untergeschoß im Altbau beherbergt Statuen, Büsten und Köpfe aus Stein und Marmor, darunter einen einzigartigen monumentalen Buddha-Kopf, ferner einen Begräbniszug mit 53 Figuren, weitere Reiter- und Kriegergruppen, Tiere und Gefäße aus bemalter Terrakotta aus den chinesischen Dynastien Han, Nördliche Wei, Nördliche Qi, Sui, Tang (206 vor unserer Zeitrechnung bis 907 nach unserer Zeitrechnung). Zudem sind chinesische Ahnenbilder, Gelehrtensteine, Möbel und Porzellan vom 10. bis 19. Jahrhundert zu sehen. Eine Klanginstallation mit Fotografien auf Rollbildern versetzt den Besucher in Straßenszenen einer chinesischen Stadt. Ein Raum ist japanischer Kunst des 12. bis 19. Jahrhunderts gewidmet.

Die sechs Räume im Erdgeschoß des Hoftraktes (Altbau) sind für Wechselausstellungen vorgesehen, während die übrigen Bereiche als Dauerausstellung konzipiert sind.

Die acht Räume im Neubau nehmen unter anderem Werke von Raimund Kummer (DE), Kyungwoo Chun (KR), Song Dong (CN), Bernd Minich (DE), Ulrich Rückriem (DE), Blinky Palermo (DE) und Ernst Hermanns (DE) auf, darunter dessen saalgroßen «Düsseldorfer Raum». In einem der Räume werden Torsi und Buddha-Köpfe des 17. und 18. Jahrhunderts aus Thailand (Ayutthaya) präsentiert. Mehrere dieser Räume bieten inszenierte Ausblicke in fernöstlich anmutende Innenhöfe.

In den Obergeschossen 1 und 2 (Altbau) sind Werke von nicht weniger als 42 zeitgenössischen Künstlern ausgestellt. Charakteristikum der Präsentation ist es, dass einerseits Künstlerräume geschaffen wurden und dass der Besucher andererseits einigen Künstlern mehrfach im Haus begegnet.

Im Obergeschoß 3, erreichbar über das hintere Treppenhaus, finden sich Statuen und Reliefs des 1. bis 4. Jahrhunderts aus Gandhāra (heute Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan), einem Schmelztiegel von hellenistischer und buddhistischer Kultur, an der alten Seidenstraße.

Zum Anschlag auf Buddha

Wie im Titel schon angekündigt, soll es in diesem Artikel auch um einen Anschlag auf Buddha gehen, in den Räumlichkeiten des Museums durch ein Relief dargestellt, das der Zeit des 1. bis 3. Jahrhunderts zugerechnet wird.

„Das Relief, das ursprünglich nach rechts fortgesetzt war, ist eingerahmt – oben durch einen Fries aus sich überlappenden, lanzettförmigen Blättern, unten durch eine einfache Leiste und an der linken Seite durch ein Paneel mit einem gandhāra-korinthischen Pfeiler. Auf der Rückseite sind ein Loch zur Befestigung, Spuren von Meißelrillen und oben eine quadratische Klammerfuge zur Einführung eines Bolzens zu sehen. Auf der Rückseite sind ein Loch zur Befestigung, Spuren von Meißelrillen und oben eine quadratische Klammerfuge zur Einführung eines Bolzens zu sehen.
Die zentrale Person der Darstellung ist ein stehender Buddha mit einem kleinem Uṣṇīṣa, einem Gewand, das beide Schultern bedeckt. Er berührt mit seiner rechten Hand einen großen, rechteckigen, pfeilerartigen Stein, während er mit der Linken seine Mönchsrobe an einem Zipfel hochhält. Auf der linken Seite des Buddhas steht ein bärtiger Vajrapāṇi in kurzem Gewand, der seinen Vajra mit beiden Händen umfasst. Auf der anderen Seite des Steines stehen von rechts nach links fünf jugendlich aussehende Personen, von denen vier einen zweiten Stein tragen, der hier schräg aufgerichtet dargestellt ist. Die erste Person steht aufrecht, den Kopf zum Buddha hin gewendet, während die zweite halb kniend zum Pfeiler gewendet ist. Beide tragen ein Laṅghoṭī (Lendentuch), ein Kleidungsstück, das in Gandhāra (antike Region um die Stadt Peschawar, die heute das Grenzgebiet zwischen Afghanistan und Pakistan bildet. Ab der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. war Gandhāra eine der 21 Provinzen des Perserreiches der Achämeniden) typisch für Ringkämpfer und Athleten ist.Von den weiteren drei Personen auf der anderen Seite des schräg aufgerichteten Pfeilers sind zwei bis zur Brusthöhe gezeigt, während von der dritten, oben links, nur der Kopf zu sehen ist.
Die im Relief dargestellte Legende erzählt von den ersten zwei Attacken des bösen Cousins Devadatta auf Siddhārtha. Dieser bemühte sich, nachdem er dem buddhistischen Orden beigetreten war, erfolglos, die Führung der Gemeinde zu übernehmen. Devadatta versuchte den Buddha durch eine Anschlagsserie zu verdrängen, aber ohne Erfolg.

Laut Mūlasarvāstivādin Vinaya ließ Devadatta für seinen ersten Attentatsversuch von einem Ingenieur und 500 Männern eine Maschine anfertigen, mit deren Hilfe der Buddha getötet werden sollte. Devadatta erteilte den Auftrag jedoch erst, nachdem er sich vergewissert hatte, dass die Männer entschlossen waren, den Buddha umzubringen, wenn diese Vorrichtung nicht funktionieren sollte. Die Mechaniker bereuten jedoch ihre Tat vor der Inbetriebnahme der Maschine, stiegen zum Buddha herab und wurden bekehrt. Devadattas zweiter Versuch bestand darin, dass er einen großen Stein auf den Buddha schleuderte. Vajrapāṇi zersplitterte ihn jedoch und ein Yakṣa (ein männlicher Naturgeist, verbunden mit Vegetation und Wohlstand, weiblich Yakṣī) verlor sein Leben, als er versuchte, ein Bruchstück aufzufangen, das den Fuß Siddhārthas verletzte.
Abschließend ist noch die Ähnlichkeit zwischen der verdrehten Körperstellung der Figur rechts vom Pfeiler und einer Figur an der linken Seite des Devadattas-Reliefs im British Museum erwähnenswert.“ Artikel von Anna-Maria Quagliotti, Professorin für indische Kunst.

Nähere Informationen: Museum DKM, Güntherstraße 13–15, 47051 Duisburg-Dellviertel, Telefon +49 203 9355547–0, E-Mail: mail@museum-dkm.de

Blick in das Werk des Fotografen Albrecht Fuchs

Noch bis zum 26. Oktober ist in der Kunsthalle Bielefeld die Ausstellung „Nähe in der Distanz – Albrecht Fuchs: Porträts“ zu sehen.

Der 1964 in Bielefeld geborene und in Köln lebende Fotograf Albrecht Fuchs porträtiert Künstlerinnen und Künstler, von Ennio Morricone über Martin Kippenberger und Isabelle Huppert bis hin zu John Baldessari, Nicole Eisenman oder Kasper König. Nach dreißig Jahren Tätigkeit eröffnen seine Bildreihen, die teilweise als Auftragsarbeiten für Zeitungen oder Zeitschriften entstehen, Einblick in Künstlerkreise weltweit.

Seine Aufnahmen zeichnen sich dadurch aus, dass er die Nähe in der Distanz der Kamera sucht. Die Persönlichkeiten zeigt er stets in ihrem Umfeld, ein Augenmerk liegt immer auch auf der Verbindung zwischen Person und Raum. Auf diese Weise gelingt es Fuchs, die Porträtierten mit großer Natürlichkeit oder gar leisen Intimität abzulichten. Seine Arbeiten werden international ausgestellt und sind in renommierten Sammlungen vertreten. Magazine wie art, Monopol sowie die Süddeutsche Zeitung und FAZ publizieren regelmäßig seine Porträts.

Biografische Daten über Albrecht Fuchs

1964 geboren in Bielefeld, lebt und arbeitet in Köln

1986-1993 Studium an der Gesamthochschule Essen, Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie

1989 Aufenthalt in New York, Beginn der Beschäftigung mit dem Portrait als Thema

1995 Portraits Martin von Kippenberger und Dokumentaiton seines Projekts „Metro Net“

2004-2005 Lehrauftrag an der Hochschule für bildende Künste Hamburg

2005 Aufenthalt in Kuala Lumpur, Projekt „artconneXions“, Goethe Institut /IFA

2006-2008 Lehrauftrag an der Kunstakademie Düsseldorf

2008 Workshop am Goethe Institut in Lagos/Nigeria

2009 Aufenthalt und Workshop am Goethe Institut in Wellington/NZ

Einzelausstellungen (Auswahl)

2024 Here, Galerie Van Horn, Düsseldorf

2021 Album. Portraits1989-2020, Kunsthaus Nürnberg

Album. Portraits 1989-2020, Leopold Hoesch Museum Düren

Ⓐ, Galerie Elisabeth und Klaus Thoman, Innsbruck

2020 Zwei, Nagel Draxler Kabinett, Berlin

Album. Portraits 1989-2020, Museum für Photographie Braunschweig, Braunschweig

2018 31 Portraits, Kölnischer Kunstverein, Köln

2016 Die Anderen, Galerie Christian Nagel Projects, Köln

2012 Im letzten Licht, Temporary Gallery, Köln Album. Portraits 1989-2020, Museum für Photographie Braunschweig, Braunschweig

Galerie für Moderne Fotografie, Berlin

2008 Galerie Stephane Simoens, Knokke/Belgien

Galerie Mireille Mosler, New York

2007 Galerie Lena Brüning, Berlin

2005 Galerie Frehrking Wiesehöfer, Köln

2003 Reger Forum für Zeitgenössische Fotografie, München

2002 Galerie Frehrking Wiesehöfer, Köln, Statements Paris Photo, Paris

Annet Gelink Gallery, Amsterdam

2001 Galerie Frehrking Wiesehöfer, Köln

2000 Galerie Katja Rid, München

Gruppenausstellungen (Auswahl)

2024 Erinnerungsbilder / Memory Pictures, Museum für Photographie, Braunschweig
Blick in die Zeit – Alter und Altern im Photographischem Portrait, Die Photographische Sammlung SK Kultur, Cologne

2023 Blick in die Zeit – Alter und Altern im Photographischem Portrait, Schloss Neuhardenberg

2020 Portrait II, Schloss Neuhardenberg
Great Small Works, Stephane Simoens, Knokke/Belgium

2018/2019 SPECIAL ART SHOP, Galerie Elisabeth & Klaus Thoman, Vienna

2018 Portrait II, Kunstraum Düsseldorf

2017 Portrait II, Kunstverein Oldenburg
curated_by Johannes Wohnseifer, Galerie Elisabeth und Klaus Thoman, Vienna
FaceTunes, Bielefelder Kunstverein, Bielefeld

2016 Untitled #2 (Portrait), Galerie Warhus Rittershaus, Cologne
Mit anderen Augen / With different Eyes, Kunstmuseum Bonn (Katalog)
Mit anderen Augen / With different Eyes, Kunsthalle Nürnberg (Katalog)

2014 Through My Eye, Annet Gelink, Amsterdam Through My Eye

2013 Lead Awards, Hamburg

2012 I surrender, Dan Devening Projects, Chicago

2011 Pour Arno, Van Moerkerke Collection, Oostende

KidsContemporary Fine Arts, Berlin

2010 ÜBERMODELS, Programm, Berlin

Goethe Institut Brüssel „Albrecht Fuchs / Jens Ulrich“

2008 Albrecht Fuchs / Johannes WohnseiferSpichernhöfe Köln

ab 2007 Darstellung/Vorstellung, Weltweite Wanderausstellung der IFA, Berlin

What does the Jellyfish want?Museum Ludwig, Köln

2006 Portrait und Menschenbild, SK Stiftung Köln

2005 Born in the 60s, C/o Berlin, Berlin

2003 Galerie Gaby Kraushaar, Düsseldorf

2002 Galerie Mai 36, Zürich

2001 Galerie Nikolas Krupp, Basel

2000 Kölnischer Kunstverein Jahresgaben

1997 Wirklich – 7 Positionen zeitgenössischer Fotografie, Stadtmuseum München (Katalog)

Contemporary German Photography Galerie Reckermann, Köln, Galerie Wittenbrink, München, Galerie neugerriemschneider, Berlin (Katalog)

Publikationen (Auswahl)

2023 Donat, Simonett & Baer, Basel

2022 Basel Family Album by Simonett & Baer, Simonett & Baer, Basel

2020 Album. Portraits 1989-2020,Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König

Fifty Three Portraits and a Haystack, Simonett & Baer ,Basel

2018 31 Portraits, Koenig Books, London

2008 MK 95, Snoeck Verlag

2007 Portraits, Snoeck Verlag

2001 Portraits,Tropen Verlag

Zur Kunsthalle – Thema Architektur

Die Kunsthalle Bielefeld wurde im Jahr 1968 nach Plänen des US-amerikanischen Architekten Philip Johnson (1906-2005) erbaut. Sie ist sein einziger Museumsbau in Europa und ein architekturhistorisches Denkmal. Das ikonische Bauwerk markiert einen ersten frühen Wendepunkt Johnsons hin zur postmodernen Formensprache.

Die weit ausladenden Fensterfronten und der offene Grundriss mit eingelassenen Wandscheiben spiegeln noch die Grundsätze der Moderne und des „International Style“ der 1920er und 30er Jahre. Diesen Begriff hat Johnson als Theoretiker gemeinsam mit dem Architekturhistoriker Henry-Russell Hitchcock geprägt.

Der kubische Museumsbau aus rotem Mainsandstein ist voller Spannungen: Kompakte Formen wechseln sich mit offenen Durchblicken ab. Der massive obere Gebäudeteil ruht auf einer Struktur von halbrund abgeschlossenen Wandscheiben und asymmetrisch angeordneten Halbsäulen. Mithilfe dieser Elemente hielt Johnson zwar noch an dem für die Moderne typischen quaderförmigen Bau mit glatten Oberflächen fest, führte jedoch zeitgleich mehr plastische Baukörperlichkeit ein.

Vom offenen Grundriss zur Demokratisierung der Kunst

Der offene Grundriss mit ineinanderfließenden Räumen lässt vielfältige, stets wechselnde Sichtachsen entstehen. Prinzipien wie Durchlässigkeit, Verbindung und Dialog werden dadurch betont. Auch der starke Bezug nach Außen durch zahlreiche große Fensterfronten hin zur Stadt und zum öffentlichen Skulpturenpark vermittelt Offenheit und Transparenz. Er ermöglicht außerdem stetige Bewegung.
Das Gebäude umfasst mit einer etwa 1.200 qm großen Ausstellungsfläche drei oberirdische und zwei unterirdische Etagen. Die Eingangshalle mit Café und angrenzendem Raum für die Kunstvermittlung sowie die erste und zweite Ausstellungsetage liegen über der Erde. In den unteren Geschossen befinden sich ein Film- und Vortragssaal, eine öffentlich zugängliche Bibliothek und die Verwaltung, die durch ein Foyer erschlossen werden.

Mit dem Entwurf von Philip Johnson gehörte die Kunsthalle Bielefeld zu einem der ersten Museumsneubauten der damals noch jungen Bundesrepublik. Ermöglicht wurde der Neubau maßgeblich durch eine großzügige Spende seitens der Familie von Rudolf-August Oetker, der gemeinsam mit dem damaligen Direktor Joachim Wolfgang von Moltke Johnson für das Projekt gewinnen konnte.
Mit der offenen Raumorganisation der Ausstellungsflächen, die dem Besucher beim Rundgang keine klare Abfolge vorgeben, und der damals in Deutschland revolutionären Einführung eines Raums für Pädagogik steht das Haus für die damalige Vorstellung einer „Demokratisierung der Kunst“ ein.

Der Architekt

Philip Johnson (1906-2005) war ein US-amerikanischer Architekt, Architekturkritiker und Mitbegründer der Abteilung für Architektur und Design am Museum of Modern Art (MoMA), New York. Er war von 1932–1988 in unterschiedlichen Funktionen am MoMA tätig: als Direktor der Abteilung (zwischen 1932-34 und 1949-1954) und als Kurator. In der Funktion des Trustee und des Mäzenen ermöglichte er dem MoMA zeitlebens zahlreiche Ankäufe und schenkte dem Museum wichtige Werke aus seiner eigenen Sammlung. Seine gemeinsam mit Henry-Russell Hitchcock verfasste Publikation „The International Style: Architecture Since 1922“ (1932) war begriffsbildend.

Als Architekt hat Johnson wie wenige andere mehrere epochale Wechsel nicht nur mitgemacht, sondern maßgeblich mitbestimmt und nahm sowohl im Diskurs der Moderne und Spätmoderne wie auch in der Postmoderne eine maßgebende Rolle ein. Mit seinem Glass House (1947-49) in New Canaan gelang ihm ein erster internationaler Durchbruch, 1953 war er für den Sculpture Garden des MoMA verantwortlich, mit dem „AT&T Building“, New York (1980-84) oder dem „Lipstick Building“, New York (1986), hat er ikonische Werke der Postmoderne geschaffen.

Kontroverse um Philip Johnson

Beeindruckt vom nationalsozialistischen Regime Deutschlands, welches er auf mehreren Reisen durch Europa in Form von Paraden und Aufmärschen miterlebt hatte, kündigte Johnson 1934 seine Anstellung im MoMA mit der Vision, selbst Kultusminister in einer von US-amerikanischen Rechtspopulisten angeführten Regierung unter Huey Long zu werden. Johnson war durch die Publikationen von Aufsätzen daran beteiligt, in den USA faschistische Entwicklungen voranzutreiben. Auch lieferte er noch 1938 dem Deutschen Reich während einer Polenreise Informationen über den Zustand der polnischen Armee. Sein Wechsel von der Kunst zur Politik wurde öffentlich bemerkt, 1940 wurde seine Präsenz im Umfeld US-amerikanischer Faschisten in einem langen Artikel in Harper´s Magazine illustriert, im 1941 erschienenen Bestseller „Berlin Diary“ (William Shirer) wurde er als „American fascist“ und Kollaborateur beschrieben. Er wurde vom FBI überwacht und befragt, im Gegensatz zu damaligen Weggefährten wurde Johnson jedoch nie festgenommen oder angeklagt.

In der Folge wechselte Johnson abrupt seinen Kurs und widmete sich dem vertieften Studium der Architektur an der Graduate School of Design, Harvard University. 1947 kehrte er an die Architekturabteilung am MoMA zurück. Seine politische Vergangenheit hat ihn zeitlebens verfolgt, in den 1990er Jahren gestand er sie in einem Radiointerview als einen „unverzeihlichen persönlichen Fehltritt“ ein.
Nach der neuerlichen Aufarbeitung von Johnsons politischer Vergangenheit durch Marc Wortman (2016) formierte sich im Umfeld von „Black Lives Matter“ die „Johnson Study Group“, ein Zusammenschluss von Architekten und Kulturschaffenden, die das MoMA aufforderten, die 1984 eingeführte Benennung einiger Galerien nach Philip Johnson aufzugeben. Seither wird über den richtigen Umgang mit dem Vermächtnis von Philip Johnson diskutiert. Die Harvard University hat das „Philip Johnson Thesis House“, ein von Johnson während seines Studiums errichtetes Gebäude, zu „9 Ash Street“ unbenannt.

In Bielefeld steht seit 2018 die Skulptur “Bus Shelter XII. Shattered Glass / The Confessions of Philip Johnson” von Dennis Adams vor der Kunsthalle. Adams setzt sich darin kritisch mit der ambivalenten Persönlichkeit Johnsons auseinander. Rund 500 „Bekenntnisse“ (Confessions) hat Dennis Adams dem Architekten in den Mund gelegt, die auf zwei Bildschirmen abgespielt werden.

Zudem war die kritische Auseinandersetzung mit dem Architekten der Kunsthalle Teil des Architektursymposiums 2023.

Kontroverse um die Namensgebung der Kunsthalle

Zu ihrer Eröffnung im Jahr 1968 hieß das Museum „Richard-Kaselowsky-Haus. Kunsthalle Bielefeld“. Mit dieser Namensgebung ehrte Rudolf-August Oetker, der Stifter der Kunsthalle, seinen Stiefvater Richard Kaselowsky. Dieser hatte sich zeitlebens für die Kultur in der Stadt Bielefeld eingesetzt. Kaselowsky war jedoch auch Mitglied der NSDAP und Mitglied sowie Spender im „Freundeskreis Heinrich Himmler“, einem strategischen Netzwerk zwischen Wirtschaft und Regime.
Vor diesem Hintergrund führte die Namensgebung bereits vor der Eröffnung zu Protesten und zur Absage der feierlichen Einweihung am 27. September 1968.

Die Debatte um die Namensgebung der Kunsthalle Bielefeld ist in den Jahren danach immer wieder neu entflammt, begleitet von zivilgesellschaftlichen Protesten, Aktionen, künstlerischen Interventionen und politischen Veranstaltungen von Studenten, Künstlern, Wissenschaftlern und engagierten Bürgern der Stadtgesellschaft. 1985 wurde eine Umbenennung der Kunsthalle in „Käthe-Kollwitz-Haus“ gefordert. Nach fast 30 Jahren beschloss der Rat der Stadt Bielefeld 1998 die Streichung des kontroversen Namens. Die Widmungstafel im Eingangsbereich der Kunsthalle aus dem Jahr 1968 wurde aufgrund eines weiteren Ratsbeschlusses im August 2017 durch einen Text ersetzt, in dem Richard Kaselowsky nicht mehr namentlich erwähnt wird.

Selbstverständnis der Museumsmacher – Mission: Mit der Kunst die Welt befragen.

In stetigem Wandel: Bewahren durch Bewegung – Unsere Sammlung spiegelt verbindende und trennende Weltansichten, Debatten oder Werte unserer Gesellschaft. Sie bildet somit einen wichtigen Teil unseres kulturellen bildnerischen Gedächtnisses. Das gilt es zu bewahren. Gleichzeitig befindet sich unsere Gesellschaft im stetigen Wandel. Das betrifft auch ihre Werte und ihren Blick auf das eigene Erbe. Die Fragen nach Identität respektive Integration spielen dabei eine entscheidende Rolle. Unser dialogisches Ausstellungskonzept setzt Werke der Kunst aus dem 20. und 21. Jahrhundert miteinander in immer wechselnde Beziehung und Bewegung. Wir begreifen und vermitteln sowohl Kunstwerke als auch das Museum selbst als lebendige und stets in Veränderung befindliche Verhandlungsräume.

Unsere wissenschaftliche Arbeit ist von Neugierde und lustvoll gestellten Fragen bestimmt, die unterschiedliche Antworten erlauben. Sowohl die kritische Reflexion des historischen Kanons der Kunstgeschichte als auch die Provenienzforschung sind uns ein Anliegen. Insofern ist es uns wichtig, auch die Prozesse der Institution sichtbar zu machen. Auf diese Weise wird die Institution Museum zu einem dynamischen Laboratorium, das Fragen aufwirft, Thesen und gängige Erzählungen prüft und das Wertegefüge unserer Gesellschaft, aber auch sich selbst als Ergebnis von Prozessen sichtbar macht.

Im Dialog: Geschichte, Gegenwart, Zukunft – In der Kunsthalle Bielefeld stehen Geschichte und Gegenwart in Dialog miteinander. In Wechselausstellungen stellen wir nicht nur exemplarische künstlerische Positionen und damit stets wechselnde aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen vor, sondern die darin verhandelten Ideen und Fragen inspirieren, die eigene Sammlung mit einem neuen Blick zu sehen und in einer jeweils neuen Zusammenstellung Raum zu geben. Wir machen Zusammenhänge zwischen Werken von der klassischen Moderne bis in die Gegenwart sichtbar und zeigen Kunst als Ort der kritischen Infragestellung von Weltansichten. Das ist der Kompass für unser eigenes Handeln, mit dessen Hilfe wir die kritischen, innovativen oder experimentellen Ansätze, die in der Kunst angelegt sind, in die Gesellschaft hineintragen und auch Blicke in die Zukunft werfen.

Museum als Laboratorium – Wie Kunst wahrgenommen wird, ist Teil eines Prozesses. Werke und Ausstellungen fassen wir als Versuchsanordnungen auf, die weniger Wahrheiten konstatieren als Möglichkeitsräume eröffnen. Durch Neuzugänge mit einem Schwerpunkt auf bislang unterrepräsentierte Positionen, insbesondere weibliche, verändert sich unsere Sammlung, das ermöglicht es, unsere Geschichte und unsere Werte vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Fragestellungen neu zu sichten und zu diskutieren. Über Dialoge in der Kunst möchten wir in einen Dialog mit Menschen treten, durch den sowohl sie als auch das Museum sich fortlaufend weiterentwickeln. Nicht zuletzt, um unseren Teil dazu beizutragen, im Sinne nachfolgender Generationen nachhaltig zu handeln.

Unsere Gesellschaft wird vielfältiger. Museen müssen daher zu Orten werden, die für möglichst viele Menschen Relevanz behalten oder neu bekommen. Wir möchten zu einem „Dritten Ort“ werden, einem Raum, der selbstbestimmte, unverbindliche und niedrigschwellige Begegnung mit Kunst anbietet. Die Ausgestaltung des Museums als „Dritten Ort“ realisieren wir in partizipatorischen Prozessen. Neben traditionell der Kunsthalle verbundenen Menschen werden dabei auch bislang wenig erreichte Gruppen der Stadtbevölkerung beteiligt.

Ankerpunkt für Viele – Die Welt verändert sich. Themen wie Nachhaltigkeit, religiöse und kulturelle Vielfalt, Teilhabe, Antidiskriminierung und Geschlechtergerechtigkeit fordern unser Engagement. Denn Museen sind Teil dieser Veränderungen und gestalten sie aktiv mit. Als Ort zwischenmenschlicher Begegnungen und kultureller Bildung tragen sie zu lokalen und globalen Gemeinschaften bei. Wir sehen es als unsere Aufgabe, unterschiedliche Perspektiven aufzuzeigen und dadurch einen wichtigen Beitrag zu den gesellschaftlichen Debatten zu leisten, die die Zivilgesellschaft und demokratische Kräfte fördern. Unser Ziel ist die Stärkung einer engagierten Stadtgesellschaft und einer offenen Gesellschaft.

Um diesen Aufgaben zu begegnen, fassen wir Bildung und Vermittlung als grundlegend für unsere Arbeit auf. Wir suchen mit möglichst vielen und diversen Menschen aller Alters- und Bildungsgruppen den Dialog auf Augenhöhe und sind regional, national und international ausgerichtet. In der Kunsthalle Bielefeld sprechen viele Stimmen, sowohl im Team als auch in den präsentierten künstlerischen Positionen. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit der Vielstimmigkeit, die auch Widersprüche zutage fördert und Debatte und Diskussion anregt, demokratische Prozesse und die Zivilgesellschaft stärken.

Nähere Informationen: Kunsthalle Bielefeld, Artur-Ladebeck-Straße 5, 33602 Bielefeld, Telefon: 0521 32999500, Fax: 0521 329995050, E-Mail: info@kunsthalle-bielefeld.de. Die Kunsthalle ist am Dienstag, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr, am Mittwoch von 11 bis 21 Uhr geöffnet.

„Face to Face“ – Picasso und die Pariser Moderne im Spiegel im Fotografie

Die Sonderausstellung „Face to face“ im Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster stellt die Schöpfer der Bilder mit über 100 Künstlerfotografien ins Zentrum des Interesses.

Künstler umweht die Aura schöpferischer Ausnahmemenschen. Sie genießen einen gesellschaftlichen Sonderstatus, der zwischen den Rollenbildern eines Bürgerschrecks, Bohemiens, des Märtyrers oder Propheten schwankt. Das Publikumsinteresse richtet sich folglich nicht nur auf ihre Kunstwerke, sondern auch auf die Schöpfer, die hinter ihren Meisterwerken stecken.

Die Sonderausstellung „Face to face“ im Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster stellt die Schöpfer der Bilder mit über 100 Künstlerfotografien ins Zentrum des Interesses. Im Mittelpunkt der Präsentation stehen die Fotografien der fünf Künstler, die das Kunstmuseum Pablo Picasso in seinen Beständen vereint: neben dem Namenspatron Pablo Picasso gilt es Porträtfotos seines großen Konkurrenten Henri Matisse zu entdecken. Picassos Weggefährte Georges Braque steht ebenso im Fokus der großen Fotografen wie der eher introvertierte Joan Miró. Porträtfotos Marc Chagall runden prominent diesen Reigen der „Top five“ der klassischen Moderne ab. Die Fotos der Künstler werden in der Inszenierung der Ausstellung in Dialog mit den reichen Beständen des Hauses gestellt. So blickt beispielsweise das zeichnerische Selbstbildnis von Henri Matisse auf dessen Porträtfotos von Robert Capa.

Die Ausstellung vereint Künstlerfotografien von René Burri, Robert Capa, Philippe Halsman, Herbert List, David Seymour und Michel Sima. Sie zählen zu den renommiertesten Fotografen des 20. Jahrhunderts und hatten das Glück, die größten Künstler der Moderne vor ihre Linsen zu bekommen. Mit Ausnahme von Michel Sima arbeiteten sie alle anderen für die legendäre Fotoagentur MAGNUM, die 1947 in New York gegründet wurde und bis heute existiert. Die Fotos sind bisweilen Homestorys oder liefern intime Einblicke durchs Schlüsselloch der Künstlerateliers. Sie changieren zwischen Momentaufnahmen und durchdachten (Selbst-)inszenierungen.

Der aus Hamburg stammende Herbert List betrachtete die „Einfühlung des Fotografen in die Persönlichkeit des Darzustellenden“ als Grundvoraussetzung für ein gelungenes Bild. Seine Fotos zeigen einen ungewohnt nachdenklichen Picasso, der durch die Bildregie des Fotografen in Zwiesprache zu seinen eigenen Werken tritt.

Im Falle von Henri Matisse zeigt sich der betagte Künstler nach einer Krebsoperation den Fotografen auf dem Krankenbett, das er zur Arbeitsstätte umwandelt hat.

Der rastlose Magnum-Fotograf René Burri hat einmal über seine Arbeit ausgeführt: „Fotos sind wie Taxis zur Rushhour: wenn man nicht schnell genug ist, dann nimmt sie jemand anderes.“ So ist es der professionellen Schnelligkeit Burris zu danken, dass außergewöhnliche Picasso-Fotos auf uns gekommen sind.

Philipp Halsman wird in den 1940er Jahren der große Starfotograf Amerikas. Seine Fotos von Joan Miró bestechen durch eine gelöste Intimität, die der Fotograf offenbar bei den Sitzungen mit dem großen Katalanen finden konnte. Die Offenbarung der Persönlichkeit eines anderen Menschen für die Dauer eines Augenblicks einzufangen, sei die Leidenschaft seiner Existenz, resümiert Halsman gegen Ende seines langen Berufslebens. Bei den Begegnungen der Ausnahmekünstler mit den Starfotografen sprühten die schöpferischen Funken unverwechselbarer Persönlichkeiten. Durch ihre Fotos werden die Besucher der Ausstellung Zeugen dieses Funkenflugs und Picasso und Co empfangen sie.

Die Ausstellung ist vom 28. Juni bis 9. November geöffnet.

Nähere Informationen: Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, Picassoplatz 1, 48143 Münster, Telefon 0251 4144710. E-Mail info@picassomuseum.de. Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr.

Interessante Grafschafter mit Fotos und Text verewigt

Restbestände der Bücher „Künstler in der Grafschaft Bentheim“ und „Grafschafter Köpfe“ erhältlich

Wie die Zeit vergeht – bereits acht Jahre ist es schon her, dass ich das erste Mal an einer Buchproduktion beteiligt war. Wie ich dazu kam? Bereits in jungen Jahren hatte der Nordhorner Wolfgang Weßling eine große Leidenschaft für die Fotografie; und ein Ferienjob ermöglichte es ihm, seine Leidenschaft in die Tat umzusetzen. Er kaufte sich eine Yashica FR und richtete sich zuhause eine Dunkelkammer ein, um die von ihm gemachten Fotos selbst zu entwickeln.

Was ihn als Motiv vor allem interessierte, waren Menschen, die er im Stil der Portraitfotografie festhielt. Mit einer Besonderheit: Entgegen der gängigen Portraitfotografie, bei der oft eine gefällige oder naturalistische Darstellung im Fokus ist, ging und geht es Weßling darum, sein Bild des Menschen, den er bei einem auch längeren Fotoshooting kennengelernt hat, im Kopf zu gestalten und das Ergebnis in die Form der Fotografie zu bringen.

Eine weitere Leidenschaft Weßlings – auch bereits in jungen Jahren – galt und gilt der Kunst in ihren unterschiedlichsten Erscheinungsformen von der Malerei bis zur Musik. Wie er vor Jahren im Gespräch erläuterte, reifte dann vor zehn Jahren die Idee, Künstlerporträts anzufertigen und das Ergebnis auch in einem Buch festzuhalten. Und so kam ich ins Spiel; denn die abgebildeten Künstler sollten nicht nur fotografisch, sondern auch mit einem Text vorgestellt werden. Eine zeitaufwändiges, aber auch sehr interessantes Projekt – insbesondere wegen der Begegnung mit den Künstlern – begann und erstreckte sich über zwei Jahre.

Was die Beschränkung auf Künstlerpersönlichkeiten im Landkreis Grafschaft Bentheim anging, hatte diese ihren Grund in leider immer noch bestehenden Klischees über die sogenannte Provinz. In vielen Köpfen, die als Galeristen, Kunstkritiker oder einfach nur als Ausstellungsbesucher ihre Stimme erheben, scheint – etwas überspitzt – die Vorstellung zu herrschen, dass es die große und bedeutende Kunst nur in Städten wie Berlin, Hamburg, Köln oder Düsseldorf geben könne und überhaupt alle Künstler von Rang auch nur aus diesen Städten stammen könnten. Ein genauer Blick auf die Geburts- und Lebensorte vieler Künstler widerlegt dies im Nu.

Worum es Wolfgang Weßling bei der Fokussierung auf die Grafschaft zu tun war, beschreibt der befreundete Philosoph Dr. Thomas Ebers im Vorwort zum Buch: Es handelt sich bei dieser Zusammenstellung um eine Art Regionalförderung, d.h. um die Förderung durch Aufmerksamkeitslenkung auf die in der Region hervorgebrachten Kunst …“; und dass diese Aufmerksamkeitslenkung lohnt belegt das Buch. Wer einen aufmerksamen Blick auf die Grafschafte Kulturszene wirft, ist erstaunt, wie vielfältig, reichhaltig und hochkarätig die Region in diesem Bereich aufgestellt ist. Davon zeugen Namen wie die von Julia Siegmund, Theresa Sperling oder Gaby Baginsky. Julia Siegmund hat sich als Malerin überregional einen Namen gemacht und ist mit einem ihrer Werke sogar im Deutschen Bundestag vertreten, Theresa Sperling hat als Poetry-Slammerin schon viele Preise abgeräumt, unter anderem als deutschsprachige Meisterin, und Gaby Baginsky hat als Schlagersängerin auch einiges vorzuweisen – unter anderem als Siegerin bei den Deutschen Schlagerfestspielen. Alle drei und noch weitere 30 sind im Buch „Künstler in der Grafschaft Bentheim“ verewigt.

Ein weiterer Blick auf die Grafschaft und besondere Grafschafter wurde mit dem Buch „Grafschafter Köpfe“ geworfen. Darin finden sich nicht nur Künstler, sondern auch andere Personen, die in ihrer jeweiligen Profession – vom Arzt bis zum Pastor – herausstechen.

Wer aber sind diese Grafschafter Köpfe? Um das genau zu bestimmen, bedarf es zunächst eines Blickes auf die Wortherkunft. Der Begriff Kopf geht etymologisch auf die Entlehnung „cuppa“ aus dem Spätlateinischen beziehungsweise Romanischen zurück, was mit dem deutschen Wort Becher gleichzusetzen ist und im Mittelhochdeutschen Hirnschale genannt wurde.

Kulturell wird der Kopf häufig als zentrales Merkmal des Menschen betrachtet. Das drückt sich zum Beispiel in stehenden Redewendungen wie „Die besten Köpfe“ aus, bei denen der Kopf stellvertretend für den ganzen Menschen steht.

Dieser Gedankengang gilt auch für das Buch „Grafschafter Köpfe“. Darin vorgestellt werden Menschen, die nach Meinung der Macher etwas in ihrem „Becher“ beziehungsweise in ihrer Hirnschale haben, dass es lohnt, sie in Bild und Text vorzustellen. Die Bandbreite der Tätigkeiten der im Buch verewigten Personen reicht dabei von Kunst über Geschichtswissenschaft bis hin zu Musik, Literatur, Technik, Medizin und Theologie. Kurzum: ein lohnenswerter Blick auf interessante Menschen aus der Region.

Die Restbestände beider Bücher können noch unter der Internetadresse www.grafschafterkoepfe.com erworben werden.

Ein fotografischer Streifzug durch die Grafschaft mit Bildern von Anja Koch und Texten von Andreas Meistermann

Stimmungsvolle Landschaften zu unterschiedlichen Jahres- und Tageszeiten, Menschen bei der Arbeit, privat oder bei Freizeitvergnügungen, regionaltypische und exotische Tiere, Stadt- und Dorfimpressionen sowie Architektur im Dialog zwischen Tradition und Moderne – das alles bietet der qualitativ äußerst hochwertige Fotoband „Querfeldein – Ein Streifzug durch die Grafschaft Bentheim“, der in Kooperation der Nordhorner Fotografin Anja Koch mit dem Heimatverein Grafschaft Bentheim und der Grafschafter Sparkassenstiftung entstanden ist.

Anja Koch hat sich für das Buch auf die Suche nach Motiven begeben, die für sie die Grafschaft verkörpern. Unter dem auch titelgebenden Motto „Querfeldein“ führte sie der Weg von der Obergrafschaft über die Kreisstadt Nordhorn bis in die Niedergrafschaft – nur nicht immer in dieser Reihenfolge, wie das Wort „Querfeldein“ ja auch besagt.

Bei ihren zahlreichen Wanderungen und Fahrten wendete die Fotografin viel Zeit und Geduld dafür auf, die markanten Orte, Landschaften und Plätze zu finden, die je nach Jahres- und Tageszeit etwas von ihrer einzigartigen Faszination und Magie preisgeben. „Solche besonderen Eindrücke und Momente mit der Kamera festzuhalten bedurften oft mehrerer Stunden, bis der richtige Zeitpunkt für den Auslöser da war“, berichtet Anja Koch.

Einen besonderen Augenmerk legte sie bei ihren fotografischen Erkundungen auch auf die in der Grafschaft lebenden Menschen, die sie in den unterschiedlichsten Situationen angetroffen hat und bei denen sie auf viel Entgegengekommen gestoßen ist: „Was man sofort merkt, ist die Herzlichkeit und die Identifikation der Grafschafterinnen und Grafschafter mit der Landschaft und der Region im Ganzen. Ich habe auf meinen Erkundungstouren so viele interessante, herzliche und hilfsbereite Menschen getroffen, die sich sofort dazu bereit erklärt haben, fotografiert zu werden und mir auch in anderer Weise oft spontan behilflich waren“, erinnert sich Anja Koch an ihre Erlebnisse im oft zufälligen Kontakt.

Was die Zielsetzung des Buches angeht, macht sie klar, dass es sich dabei nicht um einen neuen Touristenführer handelt, sondern darum, einen neuen Blick auf Bekanntes, aber auch Unbekanntes zu bieten: „Mit diesem atmosphärischen Porträt der Grafschaft Bentheim wird den Bewohnern ihre Heimat oftmals aus neuer Sichtweise präsentiert und soll auch Auswärtigen Lust machen, einige dieser Orte und Landschaften – vielleicht auch aufs Neue – selbst einmal zu erkunden“, erläutert sie.

Den Worten Anja Kochs pflichtet auch Landrat Uwe Fietzek in seiner Funktion als erster Vorsitzender des Heimatvereins Grafschaft Bentheim bei. So schreibt er im Vorwort: „Die Orte, die über viele Monate von der Fotografin ausgwählt und aufgesucht wurden, erscheinen in diesem Bildband als Motive, die aus einer individuellen und intensiven Betrachtung heraus entstanden sind und den Betrachter inspirieren, die Schönheit ud Einzigartigkeit unserer Heimat mit neuen Augen zu sehen oder gar neu zu entdecken.“

Der Fotoband wird durch textliche Anmerkungen und Informationen von Andreas Meistermann sowie eine ausführliche Literaturliste zur Grafschafter Heimatgeschichte ergänzt.

Das Buch, das sich auch perfekt als originelles und individuelles Geschenk oder Gastgeschenk für Auswärtige eignet, ist ab dem 1. Juni zum Preis von 24,90 Euro in den regionalen Buchhandlungen erhältlich.